eriCl ‘■»•J * A‘: ?■ J'’W3 A°Ob«S PsM, ^■^WimbUnj Wen in W 7 M. Schulhof Hauptniederlaqe. -• Kalkhof, W Ne, Rui Schh Jach Nacht, Lr NM- H. Zimmer VD Lollar bei L. 2k ”n* In Krofdk ,rt0 ””d Liste 'OOOOO Y0’ WOOO etc nfeSChäfl ' 819R ^L!N?hMneai58 3.60,3.-, 4.-mi ) unb 250 gr. >ht ®i WHch! i 1895. i. Sillmalt K, olb-Rmte l(ß rfffl « er $ !®ritfyn dm 1887 31, oMb. ÖL )L ÖL M N.9.8t.unU.1900löl: CW»unU1904 l(i Lrndw. Srtb. A. 1K »tüAclim Britf i oten —I 8 ___ZI FahrvM 101 Dg www« t Wald ^n' | Fahrpreis [ 20 W Valleaftlß (MepJonl m. 170 Zweites Blatt. Dienstag den 23. Juli 189* Amts- unb Anzeigeblutt für den tireis Gieren. Die Gießener WsmittenVlLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montags. Vierteljähriger Avonnemeutsprei« i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bczogm 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedits und Druckerei: Schuklirahe ^lr.7« Fernsprecher 51. Gießener Anzeig er Kemrat-Unzeiger. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für btw folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Hrattsöeikage: Gießener Iamitienökätter. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsches Reich. Berlin, 20. Juli. Reichskanzler Fürst Hohenlohe begibt sich heute von Alt-Aussee vach Ischl, wo er von Kaiser Franz Joseph empfangen werden wird. Berlin, 20. Juli. Zu der Mittheilung, daß am Sonntag den 18. August, als dem Schlachttag von St. Privat, auf dem Tempelhofer Felde ein Feldgottesdienst für die Berliner und Potsdamer Garnison, sowie zahlreiche Krieger- vrreine stattstnden wird, erfährt die „Post", daß ein Befehl an die Truppen in dieser Hinsicht bisher nicht ergangen ist. Laö die Theilnahme der Kriegervereine anlangt, so ist dasielbe Blatt in der Lage, mittheilen zu können, daß für sie eine Feierlichkeit am Montag den 19. August geplant wird. Berlin, 21. Juli. Die preußische Regierung ist unausgesetzt bemüht, die Creditverhältnisse für die Landwirthe zu verbessern und läßt zu dicsem Zwecke allmählig eine Untersuchung in allen preußischen Provinzen über den Stand des landwirthschaftlichen Lredits anstellen. In Fortsetzung der früheren Verhand« lungen über die Verbesserung des ländlichen RealcreditS hat auch am 17. d. M. eine allgemeine Besprechung mit Vertretern der mittleren Provinzen (Schleswig-Holstein), Hannover, Hessen-Nassau) unter Leitung des Landwirthschaftsministers statixefunden, an der sich auch der Finanzminifter, sowie ein Vertreter des Ministers des Innern betheiligten. — Um in der schwierigen Handwerkerfrage o.ii glich ft viel- sachverständige Urtheile zu sammeln, hatte bekanntlich das deutsche Reich und daS Königreich Preußen eine Anzahl Commissare in den unS so nahe befreundeten Nachbarstaat Oesterreich geschickt, um dort Studien in der Angelegenheit zu machen. Die nun aus Oesterreich zurückgekehrten Commissare der Reichsregterung und Preußens äußern sich sehr befriedigt über das Entgegenkommen, daS sie bei den österreichischen Behörden beim Studtren der Handwerkerfragen gefunden haben. Ueber die nächsten gesetzgeberischen Maßnahmen in der Handwerker- solink ist eine Entscheidung erst zu erwarten, wenn im herbst die Minister wieder vollzählig in Berlin sind. Auch werden die Resultate der in der laufenden Woche vorgenom- mnen Handwerkerenquste nicht vor October verwerthbar sein. Ausland. London, 20. Juli. Der bekannte Romanschriftsteller und Lichter Rider Haggard, welcher seine Candidatur in Norfolk als Unionist aufgestellt hatte, wurde gestern, als er iu einem offenen Wagen durch die Straßen seines Wahlkreises fuhr, von Gladstonianern mit Steinen beworfen. Haggard floh in ein Hotel, welches die Menge sofort belagerte und M Fenster einwarf. Die Polizei mußte, um die Ruhe wieder- herzustcllen, die Menge auseinandertreiben, wobei mehrere Ruhestörer Verwundungen erhielten. Belgrad, 20. Juli. Nachrichten aus Macedonien besagen, daß die Bewegung einen sehr ernsten Character angenommen hat. Die türkischen Truppen seien wiederholt geschlagen worden. Auch aus Bulgarien laufen beunruhigende Nachrichten ein. CocaUs und provhtjicOff. Grunberg, 19. Juli. Das Bezirkskriegerfest des Kriegerveretnsbeztrks Grünberg soll am 1. September dahier abgehalten werden. Im Hinblick auf die fünfundzwanzigste Wiederkehr der großen Zeit von 1870/71 wird beabsichtigt, der Feier einen dem angemeffenen größeren Umfang zu verleihen. Die nöthigen Vorberathungen sind bereits im Gange. Die Erbauung einer Festhalle ist geplant und soll für etwa 1000 Sitzplätze Vorsorge getroffen werden. Es steht szu erwarten, daß das Fest einen der Bedeutung der Sache würdigen Verlauf nehmen wird. n. Friedberg, 17. Juli. Die hiesige ObstverwerthungS- genossenschaft, über deren Gründung seinerzeit in den Zeitungen berichtet wurde, zählt jetzt schon gegen ein halbes Hundert Mitglieder. Da die Aussichten für die Obsternte in Oberhessen zum Theil recht gute sind, und die Meldungen aus anderen Theilen Deutschlands recht ungünstig lauten, so hat sie bereits Vorkehrungen getroffen, die dem Producenten auch den vollen Werth seines Ertrages sichern und ihn vor den Uebervortheilungen gewissenloser, allzugewinnsüchtiger Händler schützen. Es sind bereits ausgedehnte, geeignete Lagerräume hier nahe dem Güterbahnhof gemiethet. Nun weiß der Landwirth, wo er sein Obst gleich nach der Ernte hinbringen kann und ist nicht mehr gezwungen, dasselbe aus Mangel an genügenden Räumen an den ersten besten Händler losschlagen zu müssen, wie das seither bei guten Erträgen leider gar zu oft der Fall war. Doch wird die Genossenschaft nicht nur Obst lagern, um mit ihm im günstigsten Moment auf dem Markt erscheinen zu können, sie wird sich vielmehr die größte Mühe geben, ihr Kelterobst sofort da abzusetzen, wo die Nachfrage und damit auch der Preis am größten ist. Darum wird sie mit Uebergehung deS Zwischenhandels mit den Consumenten in directe Verbindung zu treten suchen. Es wird das nicht so schwer sein, weil durch die jahrelangen Bemühungen des Oberhesstschen Obstbauvereins unser vorzügliches oberhesstscheS Obst in allen Theilen Deutschlands seiner Güte wegen genügend bekannt geworden ist. § Freiensteinau, 19. Juli. Bei einem heute Nachmittags gegen 2 Uhr über hiesige Gegend kommenden Gewitter, schlug der Blitz in der Nähe der sogen. Stollmühle in eine kleine Buche. Der Blitzstrahl theilte sich, und schlug auf der einen Seite in eine die Mittagsruhe haltende Schafheerde, wobei 22 Stück Schafe sofort getödtet wurden. Von den Eigenthümern der Schase hatten nur zwei ihre Thiere versichert. Merkwürdiger Weise blieb der Schäfer, welcher bei den Schafen stand, gänzlich unversehrt. § Altenschlirf, 19. Juli. Heute Nachmittag fand ein hiesiger Kuhhirt auf dem Wege nach Nösberts zu, den bereits im 70. Lebensjahre stehenden Landwirth Heinrich Muth von Weid-Moos, tobt vor. Nach dem Befund der Leiche ist ein Herzschlag als Todesursache anzuuehmen. Muth hatte sich um 2 Uhr auf den Weg nach hier begeben, um Geschäfte abzuwickeln, und hat ihn auf dem Heimweg der Tod so jäh ereilt. Der Verstorbene war, obwohl schon hochbetagt, doch noch ein tüchtiger, fleißiger Mann und allgemein beliebt und geachtet. -d- Aus dem Niddathale, 17. Juli. Irren ist menschlich! sprach dieser Tage ein jung verheirathetes Ehepaar, als es Morgens in den Garten kam, und sein Pflanzbeet geleert fand. — Die Sache ging nämlich so zu: Auf dem Pflanzbeete standen gar schöne Weißkraut-, Wirsing- und andere Gemüsepflanzen, die alle kräftig und gesund waren, aber wegen der anhaltenden Trockenheit nicht mehr vorwärts wollten. Das Begießen der Pflanzen war schwierig, denn der Hausbrunnen hatte nur wenig Wasser und das ziemlich weit entfernte Bächlein noch weniger. Die Pflanzen aber sollten versetzt werden, sobald sich Regen einstellte- ein Begießen war auch um deswillen nöthig, damit der Boden erweicht und die Pflanzen alsdann bequem und ohne abzubrechen, herausgezogen werden könnten. Am andern Morgen kam der junge Eheherr in den Garten, und war äußerst angenehm überrascht, als er das Gemüse- und Pflanzbeet reichlich übergossen fand; es mußten in der Nacht mindestens 6—8 Gießkannen mit Waffer darüber gebraust worden sein. Das junge Frauchen freute sich gleichfalls über die aufmerksame Gießarbeit, besonders da das wohlthätige Wichtelmännchen seine segenspendende Thätigkeit in der folgenden Nacht fortsetzte und die Pflanzen zum Versetzen vollständig bereit waren. Am dritten Morgen zog das'Pärchen bald nach dem Frühstück hinaus, um nach dem Pflanzbeete zu sehen- leise rieselte ein feiner, warmer Regen hernieder, das Versetzen konnte also heute beginnen. Wer beschreibt aber das Erstaunen des jungen Paares als es zum Pflanzbeete kam — auf dem auch keine Spur mehr von Pflanzen zu sehen war. „Nun dachte ich," sprach der Eheherr „das Wichtelmännchen hätte die Absicht gehabt, uns eine Aufmerksamkeit mit seinem Gießen zu erweisen, und hintendrein geschah das Wasserspenden doch nur um deßwillen, damit die Pflanzen leichter ausgezogen und gestohlen werden konnten." „Irren ist menschlich!" antwortete das junge Frauchen und zog sich, zwar anfangs gekränkt, zuletzt aber amüsiert über den diebi- Feuilleton 155' 4t ' UW 48.40 27-00 109.30 61.70 146.10 155.60 118.40 143.30 45.30 141.30 134.90 131.80 98.35 43.70 9? 24t 184' 146 142 w 968/4 256 - 187.10 147.10 143- 93.50 83.40 Eourft v ! 13./7-12L Mittage ;u de« friihlinggsMiergänM in Oberhesse« in farm m kleine« Geschichtsbildern. F. Von mehreren Seiten wurde der Wunsch geäußert, iS möchten doch einige geschichtliche Notizen, wenn auch nur Hm-, kurze, über die Ronneburgs Hirzenhain, Kloster Kon- i«dkdorf, Glauberg, Marienborn u. a. gebracht werden, weil DertS scheint die Familie der Ronneburger erloschen zu üi». Im Jahre 1463 kam die Burg an den Grafen Ludwig tin Wnburg Büdingen- sie ist bis auf den heutigen Tag 8 Besitze deS Isenburgischen Hauses verblieben. Im B. Jahrhundert war die Burg Residenz deS Grafen Anton Bauwerken zeigen die Zeit ihrer Ent» Erbauer. Im Jahre 1725 kam die nenftande angehörigen Friedrich von Kelberau, der sich t Herr von Ronneburg nannte. Es ist nicht bekannt, ob auch der Erbauer der Burg ist. Er trug die Burg dem Me Mainz zu Lehe auf. Gegen Ende des 14. Jahr- SÄ*} Ä iSw/lo '«’S £*30 o.Südb.(Lb). lotthatdbahn- :cha>z. Nordost rl.Mltlmetr r.5enri(W iminl-H ad.IH.l00- ay-r.Th'lOO lonau-M- • •yr. SS SS® l misten aus dem Bürger-, Handel« und Gewerbestand mit liee besten Willen keine Zeit hätten, geschichtliche Werke 118 ii&tr die genannten interessanten Punkte nachzuschlagen, aber W gerne etwas Geschichtliches darüber vernehmen möchten. *Wtt Wunsch hat in der That seine Berechtigung, wir lassen Hitötak einige kurze Notizen hier folgen: 134 Die Ronneburg (Ronnenberc, Rannenberg) erscheint 13^rqtirniblich zum ersten Male 1227 im Besitze eines dem r 2S.Ä Jt 14.35 , 24.70 ................d .....o — ~m*vm 27.90 'jljb von dessen Sohn Heinrich, welche beide vieles zur Ver- 94^: sLSmung der Burg beitrugen. Wappen und Inschriften a» dm betreffenden . iing und ihrer Burg an die Linie Isenburg Wächtersbach. Der damalige Graf Ferdinand Maximilian II. von Wächtersbach gab die Burg an seinen Bruder Wilhelm, welcher eine Zeitlang dort wohnte, dann aber nach Gelnhausen zog und die leeren Räumlichkeiten der Burg an allerlei Leute vermtethete. Nach und nach wurde die Ronneburg der Sammelplatz von Gesindel aus aller Herren Länder. In den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam der fromme Graf Zinzendors, der Stifter der Herrnhuter, auch der Brüdergemeinden in der Wetterau, nach der Ronneburg. Er legte die Brüdercolonien zu Herrenhaag und Marienborn an und baute später auf dem Herrenhaag für sich und seine Familie das sogenannte Grafenhaus. Im Jahre 1747 hielt Zinzendors die berühmte Synode vom 12. Mai bis 14. Juni ab, zu welcher Abgeordnete der Herrnhuter aus allen Erdtheilen erschienen waren. Einige Jahre später (1750 und 1753) verließen die Herrnhuter den Haag und wanderten nach Amerika (Pennsylvanien) aus. Vor etwa einem Menschenalter verzog sich auch das Gesindel von der Ronneburg, welche seitdem unbewohnt ist und nach und nach zerfällt. Ueber Kloster Hirzenhain (Hirzinhan, d. h. Hain der Hirsche) sei Folgendes bemerkt: Es wurde 1431 von den Herren von Eppenstein gestiftet. Graf Dtether I. von Isenburg beschenkte das Kloster im Jahre 1451. Kurz vor der Reformation, im Jahre 1519, beschenkte es Landgraf Philipp der Großmüthige von Hessen, zugleich mit der Bestimmung, daß das Kloster Wappen, Helm und Schild mit Namen und Titel des Landgrafen in einem Fenster der Klosterkirche anbringen und unterhalten sollte. Etwa fünfzig Jahre später wurde das Kloster ausgehoben. Die Eisengruben zu Hirzenhain find wahrscheinlich von den Grafen von Stollberg angelegt worden und kommen bereits in einer Urkunde von 1568 vor. Glauberg (Glaubero, Gloopurch) ist sehr alt, denn es erscheint schon im 8. Jahrhundert in der Geschichte. (Glau heißt so viel wie klug, vorsichtig.) Der Ringwall auf dem Berge ist ungefähr 800 Schritte lang und 500 Schritte breit. Man fand römische Münzen und Gesäße darin- die Römer legten keine Ringwälle an, sie haben den Glauberger Ringwall aber wohl als Festung und zur Anlegung eines Castells benutzt. Letzteres wurde durch die Deutschen zerstört und von den Trümmern eine Burg erbaut, welche im Jahre 1247 als Reichsburg und dann nicht mehr erscheint. Der gewaltige Ringwall faßt Tausende von Menschen, denen er wohl als Zufluchtsort gegen feiudliche Einfälle, vielleicht auch als höhere Gerichtsstätte und zu heiligen Zwecken diente. Selten, Germanen, Römer, Franken und Allemannen haben sich auf dem Glauberger Ringwalle aller Wahrscheinlichkeit nach einander abgelöst. Kloster Konradsdorf. Es wurde 1191 durch Hartmann von Büdingen gestiftet als Prämonstratenser- Mannskloster. Um das Jahr 1308 kommen neben dem Propst auch die Meisterin und Schwestern vor. Eberhard von Brunberg und seine Gemahlin Mathilde, Gräfin von Waldeck, bedachten das Kloster reichlich- Eberhard war kaiserlicher Landvogt in der Wetterau und residirte im nahen Schlosse zu Ortenberg. Auch die Herren von Isenburg beschenkten Konradsdorf. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts waren etwa 64 Klosterschwestern vorhanden. (Fortsetzung folgt). scheu Schlaukops zurück. So geschehen im Jahre des Heils 1895 im lieblichen Niddathale. Glücklicherweise können die Bestohlenen den kleinen Verlust leicht verschmerzen. ---- Unter-Seibertenrod, 19. Juli. Die Wahrheit des Sprichworts: „ES kommt selten ein Unglück allein" hat in ganz besonderem Sinne die Familie des hiesigen Landwirths Bast zu ihrem größten Leidwesen erfahren. Nachdem die Ehefrau desselben und die beiden Knechte verunglückt, von denen der eine — wie bereits mitgetheilt — seinen Verletzungen erlegen —, ist nun vorgestern auch die Schwiegertochter des Hauses beerdigt worden. Die junge, kaum 24jährige Frau war bereits längere Zeit herzleidend. Die Unglücksfälle in der Familie setzten der sanken so zu, daß sich ihr Leiden verschlimmerte und die Auflösung herbeisührte. • § Sichenhausen (Kreis Schotten), 19. Juli. Bet der heute hier stattgefundenen Wahl eines Beigeordneten wurde der seitherige Beigeordnete Valentin Fischer einstimmig wiedergewählt. § Altenburg (bei Alsfeld), 19. Juli. Einem entsetzlichen Tode, dem Tode durch Verbrennen, ist vorgestern Nachmittag das beinahe 10 Jahre alte Töchterchen des hiesigen Schäfers Keil zum Opfer gefallen. Das Kind wollte seinen abwesenden Eltern und Geschwistern den Nachmittagskaffee kochen. Hierbei kam es dem Heerde zu nahe, sein Röckchen fing Feuer und blitzschnell stand das arme Kind in Flammen. In seiner Verzweiflung stürzte es auf die Straße, aber Niemand hörte sein Schreien. Bis Hilfe kam, war es zu spät- die Kleider des Kindes waren verbrannt und der Körper mit einer Brandkruste überzogen. Der schnell herzugerufene Arzt konnte daS SHnb nicht mehr retten, eß erlag seinen gräßlichen Schmerzen gestern Morgen. Zell bei Alsfeld, 17. Juli. Bet dem Ausschachten der FundamentSgräben zu einem Bau wurden heute in einer Tiefe von etwa einem Meter Gold- und Silbermünzen aufgefunden, worunter Stücke aus dem Jahre 806. Das Gewicht derselben wird zu etwa 10 Pfund angegeben. Worms, 17. Juli. Ueber den Ballonaufstieg und Fallschtrmabstieg, welche Fräulein Paulus gestern hier ausführte, berichtet die „W. Ztg." u. A.: Anfänglich wurde der Ballon beinahe senkrecht in schwindelnde Höhe entführt, dann faßte ihn bei etwa 1000 Meter Höhe ein leichter Nordoft und trieb ihn der Stadt zu- nun konnte man beobachten, wie Frl. Paulus sich aus der Gondel schwang, der Fallschirm sich entwickelte und mit diesem der Absturz bewirkt wurde. Derselbe war kaum eine halbe Minute im Gange, als von dem ersten Doppelfallschirm der zweite sich loSlöste, mit dem die kühne Luftschifferin innerhalb etwa acht Minuten in der Nähe der Werger'schen Brauerei landete. Sie hatte nach ihrer eigenen Aussage bei etwa 1500 Meter Höhe den Absturz unternommen, der ohne jeglichen Unfall vor sich ging. Mehrere Wagell waren sofort an den muth- maßltchen Landungsplatz geeilt, um Frl. Paulus aufzunehmen und wieder auf den Festplatz zu bringen, wo fie vor halb 8 Uhr mit ungeheurem Jubel begrüßt wurde. Mit Musik geleitete man die kühne Dame nach der Festhalle. Der Ballon „Meteor" war unterdeffen in einer Höhe von vielleicht 2500 Meter von einer westlichen Windströmung gefaßt und weit über den Rhein dem Odenwald zugetrieben worden. vernrtschte». * Marburg, 19. Juli. „Rasch tritt der Tod den Menschen an — es ist ihm keine Frist gegeben" — dieses Wort Schillers hat auch gestern Abend wieder eine er- schütterde Bestätigung erfahren. Eine unverheirathete Dame, die in Begleitung ihrer Schwestern dem Grabe ihrer Mutter auf dem hiesigen Friedhöfe Abends gegen 8 Uhr einen Besuch abstattete, sank dort plötzlich tobt zusammen. ♦ Schmalkalden, 19. Juli. Das Lesser' sche Ehepaar in Brotterobe würbe gestern ausgegraben- eß ist bis auf die Knochen verbrannt. * Horuberg, 17. Juli. Auf gräßliche Weise kam gestern das 1^/zjährige Knäblein eines Hofbauern im benachbarten Reichenbach ums Leben. Es spielte vor dem Hause, als ein Hahn zu ihm kam. Das Kind schlug den Hahn, dieser pickte jedoch mehrmals mit solcher Wucht auf daö arme Kind, daß es an den Wunden nach eingetretenem Wundfieber gestorben ist. * Die ersten Opfer des deutsch frauzofifchen Krieges. Die 25. Wiederkehr der großen Tage von 1870/71 gewährt historischen Remtniscenzen ein erhöhtes Interesse. Im Monat Juli des Jahres 1870 starb auf deutscher Seite vor 25 Jahren als Erster den Tod fürs Vaterland der badische Dragoneroffizier Winsloe, dem zu Ehren ein Denkmal errichtet worden ist. Winsloe nahm Theil an dem kühnen RecognoScirungs- ritt des württembergischen Generalstabsoffiziers Graf Zeppelin von Lauterburg. Am 25. Juli 1870 wurde der kleine Trupp im WirthShause zu Schirlenhof bei Niederbreon von französischen Jägern überfallen, denen Winsloe zum Opfer fiel, während die Uebrigen gefangen wurden. Nur Graf Zeppelin entkam und konnte seine im deutschen Hauptquartier mit Spannung erwartete Meldung überbringen. — Ueber da» erste französische Opfer des Krieges hat sich ein Streit ent- spönnen. Man glaubte bisher, daß eß der Wachtmeister Pagnier von den 10. Jägern zu Pferde, dem ein badischer Dragoner eine Kugel durch den Kopf schoß, wäre. Allein nach französischen Zeitungen soll der erste Gefallene der Grenzjäger Monty gewesen sein. Dieser feuerte am 16. Juli bei Schreckling in der Nähe von Diebenhofen auf ein Peloton preußischer Soldaten, worauf ihn die Kugel eines preußischen ZündnadelgewehrS zu Boden streckte. ♦ Mau muß sich zu helfen wiffeu. Von einem Freunde in Wilhelmshaven, welcher den Canalfestlichkeiten beigewohnt hat, wird den „Oldenburger Nachrichten für Stadt und Land* folgende hübsche Episode berichtet, die sich bei der Eröffnungsfeier des Canals in Rendsburg zugetragen haben soll: „Bei der Durchfahrt der Schiffe durch den Canal wollte es sich die Rendsburger Stadtcapelle nicht nehmen lassen^ auch ihrerseits zur Verherrlichung des Festes beizutragrn. Sie hatte sich von sämmtlichen Schiffen, die den Canal durchfuhren, die Nationalhymne einstudirt, und so wurde denn jedes Schiff mit der betreffenden Nationalhymne begrüßt. Das letzte der erscheinenden Schiffe war ein türkisches. Darob große Bestürzung bei unseren Rendsburger Stadt- Musikanten, auf eine türkische Nationalhymne waren sie nicht „eingefuchst". Doch als sie in der Flagge des türkischen Schiffes einen Halbmond erblickten, kam ihnen ein glücklicher Gedanke und schnell entschlossen Huben sie an: „Guter Mond, du gehst so stille" u. s. w. Den lieben Türken hat die Nationalhymne derartig gefallen, daß sie sich sofort die Note» von der Capelle haben kommen lassen." e Dir deutschen Familien auf Samoa vereinigen zwei Gesellschaften. Der Unterstützung kranker und nothleidender Deutscher in erster, dem geselligen Aneinanderschließen in zweiter Linie dient die „Concordia". Der deutsche Turnverein zählt außer den jüngeren Kräften auch ältere Herren zu seinen „Activen"- natürlicherweise können diese sich erst einige Stunden nach Sonnenuntergang, wenn die Hitze nach« läßt, an der Arbeit betheiligen. D>e deutsche Schule ist baulich vergrößert und eine weitere deutsche Lehrerin für die kleinen Sprößlinge angestellt worden. Die bebrütenden Kosten für diese Schule werden durch freiwillige Beiträge aufgebracht. 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