Nr. 145 Drittes Blatt Sonntag den 23. Juni 1S95 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener AlamitienVtStler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger ■ General-Anzeiger. Vierteljähriger ASonnemcntsprci«, 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: SchncstraßeAr.1. Fernsprecher 51. Zlnrts- und Anzeigeblutt für den Tireis Gieren. 1° ! Gratisbeilage: Gießener Iamitienßtätter. Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Die Eröffnung des Nord-Offsee-Canals. Wolff» telegraphisches Corresvondmz-Bureau. Holteuau, 21. Juni. Der Präsident des Reichstages Freiherr von Buol hielt vor der Ceremonie deS Hammer- schlageS bei der Schlußsteinlegung folgende Ansprache an Se. Majestät den Kaiser: „Eure Kaiserliche und Königliche Majestät wollen heute geruhen ein Unternehmen abzuschließen, wie es auf vaterländischem Boden an Großartigkeit der Leistungen, der Technik und der Industrie noch nicht hergestellt ist. Nach acht Jahren mit Gottes Hülfe, ohne Störung der aufgewendeten Arbeit sehen wir ein Bauwerk Vollender, welches deutsche Herzen und deutscher Geist seit lange sehnsüchtig erstrebt und geplant haben, welches zunächst bestimmt ist, die nationale Wehrkraft zu stärken und den deutschen Handel und Verkehr zu fördern. So dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß das gelungene Werk dauernd auch seinen weiteren Zweck im reichsten Maße erfüllen werde, den Zweck, dem internationalen Verkehr einen nutzbringenden Weg zu erschließen. Geruhen Ew. Majestät den Hammer huldvollst entgegen zu nehmen, den ich Namens der deutschen Volksvertretung zu überreichen die Ehre habe, und damit zur Weihe deS Unternehmens den letzten Hammerschlag zu führen. Möge Gottes reichster Segen denselben begleiten." Kiel, 21. Juni. Die vom Reichskanzler verlesene, in den Grundstein gelegte Urkunde lautet: „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden, Deutscher Kaiser König von Preußen rc., thuen kund und fügen hiermit zu wissen: Das Werk, zu welchem Unseres in Gott ruhenden Herrn Großvaters, des Kaisers Wilhelm L, Majestät am 3. Juni deS Jahres 1887 im Namen des Reiches den Grundstein gelegt hat, — die unmittelbare Verbindung der deutschen Meere — steht vollendet vor Unseren Augen. Ein beredtes Zeugniß deutscher Thatkraft und vaterländischen Fleißes, ist es entstanden, begleitet von der hoff- uungsfreudigen Theilnahme aller Glieder deS Reiches unter dem sichtbaren Schutze des Himmels, desien Gunst während deS Baues vom Vaterlande jede Störung des Friedens fern- gehalten hat. Und wenn Wir heute mit hoher Befriedigung die Erwartungen der Erfüllung näher geführt sehen, welche daS Reich an die Herstellung einer für die Zwecke der Kriegsund Handelsflotte ausreichenden Wasserstraße zwischen Nord- und Ostsee geknüpft hat, so gereicht eS Uns zu besonderer Freude, daß Wir, umgeben von dem erlauchten Kreise Unserer hohen Verbündeten, in Gegenwart der Vertreter deS Volkes und unter der dankenswerthen Betheiligung der Abgesandten befreundeter Mächte, deren Geschwader Wir in Unserem ersten, ihnen gastlich geöffneten Kriegshafen willkommen heißen, diese Straße dem Verkehr übergeben können. Wie Wir eS als die vornehmste, von den Vätern überkommene Pflicht Unseres kaiserlichen Amtes betrachten, durch Erhaltung des Frtedens^die Errungenschaften der deutschen Stämme auf dem Gebiete der nationalen Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung in ihrer weiteren Entwickelung sicher zu stellen, so halten Wir fest an dem Bestreben, der vaterländischen Arbeit im heißen Wettbewerb freie Bahn zu schaffen und sie zu schützen । vor den Gefahren ihres Berufes. Aber nicht nur dem Baterlande und seinem Handel, seiner Schifffahrt und seiner Wehrkraft soll der Canal sörderlich sein. Indem Wir ihn in den Dienst des Weltverkehrs stellen, eröffnen wir neidlos allen seefahrttreibenden Völkern die Theilnahme an den Vortheilen, welche seine Benutzung gewährt. Möge er, ein Friedenswerk, allezeit nur dem Wettkampfe der Nationen um die Güter des Friedens dienstbar sein! Indem Wir besehlen, daß der Canal für die Schifffahrt aller Völker geöffnet werde, wollen Wir zugleich, daß an der Stelle, an welcher derselbe in Unseren Kriegshafen mündet, ein Denkmal errichtet werde, welches der Nachwelt Kunde gibt von der durch Uns in Gegenwart Unserer hohen Verbündeten vollzogenen denkwürdigen Eröffnung der neuen Verkehrsstraße. Mit diesem Denkmal wünschen Wir zugleich einen Theil des Dankes abzutragen, den das deutsche Volk dem großen Kaiser schuldet, welcher vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren die deutschen Stämme zu einem ewigen Bunde geeint und in weiser Voraussicht das jetzt vollendete Werk begonnen hat. Der reiche Segen, welcher das Walten des unvergeßlichen Kaisers begleitet hat, möge auch auf diesem Werke ruhen! Gegenwärtige Urkunde haben Wir in zwei Ausfertigungen mit Unserer Allerhöchsteigenhändigen Namens- unterschrist vollzogen und mit Unserem größeren Kaiserlichen Jnfiege! versehen lassen. Wir befehlen, die eine Ausfertigung mit den dazu bestimmten Schriften und Münzen in den Grundstein des Denkmals niederzulegen, die andere in Unserem Archiv aufzubewahren. Gegeben Holtenau, 21. Juni 1895. (gez.) Wilhelm. (ggez.) Fürst zu Hohenlohe. Berlin, 20. Juni. Wie nachträglich dem „Hann. Cour." gemeldet wird, äußerte sich der Kaiser bei feinerJnspection der Kanalarbeiten bei Holtenau sehr abfällig darüber, daß dort auf fiscalischem Boden von Privatunternehmern vier bis fünf Tribünen errichtet wurden, weil es dadurch den weniger bemittelten Klassen der Bevölkerung sehr erschwert werde, an der Eröffnungsfeier theilzunehmen. Es war die Absicht des Kaisers, diesen Raum für Jedermann frei zu halten. Er wollte schon den Abbruch der Tribünen befehlen, da sie aber bereits fast sertiggestellt waren, so willigte er schließlich darein, sie stehen zu lassen. Kiel, 21. Juni. Dem Vernehmen nach sind aus Anlaß der Hamburger und Kieler Festlichkeiten vom Kaiser insge- sammt 160 Ausz e ichnun gen verliehen worden. Der Wirkl. Geheime Oberbaurath Baensch wurde zum Wirk!. Geheimrath mit dem Prädicate Excellenz ernannt. Depeschen de» Buremr »Herold". Kiel, 21. Juni. Programm für die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Nord-Ostsee-Canals: Sonnabend, 22. Juni. 6*/4 Uhr Morgens: Der Kaiser schifft sich mit seinem Gefolge auf dem „Kurfürst Friedrich Wilhelm", die deutschen Fürsten mit Gefolge und Ordonnanzoffizieren und die regierenden Bürgermeister der Hansestädte, sowie die fremden Fürsten mit Gefolge und Ehrendienst auf der „Hohenzoüern" »ein. 7 Uhr Flottenmanöver für daS Manövergeschwader. Die „Hohenzollern" folgt der Manöverflotte, die sonst zugelaffenen Schiffe schließen sich der Kaiserlichen Aacht an. Diejenigen Reichsgäste, welche das Flottenmanöver beobachten wollen, begeben sich sämmtlich auf die Dampfer „Kaiser Wilhelm II." und „Augusta Victoria." Gegen 12 Uhr : Rückkehr in den Kieler Hafen. Nachmittags: Rückreise gemäß den Beförderungsbestimmungen. Kiel, 21. Juni. Heute Nachmittag um 3 Uhr begann im Kieler Hafen die Flottenrevue. Sämmtliche deutschen Fürsten mit Gefolge, die regierenden Bürgermeister der freien und Hansestädte, sowie die fremden Fürstlichkeiten wohnten auf der „Hohenzollern" der Flottenrevue bei. Die fremden Botschafter und fremden Gesandten, der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, die Minister, die Präsidien des Reichstags und des preußischen Landtags hatten sich auf dem Aviso „Grille" eingeschifft. Die Floltenparade nahm einen glänzenden Verlauf. Die Mannschaften sämmtlicher Schiffe hatten auf Deck Aufstellung genommen und erwarteten das Herannahen der „Hohenzollern", aus welcher der Kaiser sich befand. Der Kaiser stand auf der obersten Commandobrück Feuilleton. „F a r b t n b l i n b“. Don Marie Treuter. (Nachdruck derboten.) Er hieß ArminiuS Werter. Ad 1 war er primus omnium, ad 2 der hübscheste Bnrfch deS ganzen Gymnasiums zu B. und ad 3 bis über beide Ohren verliebt. Ja, verliebt war er, rasend, bis zum Tollwerden verliebt in zwei braune Augen. Armin Werter! Er schrieb sich zwar ohne h, indessen sein Namensvetter konnte mit seinem h kaum unglücklicher gewesen sein, als er. „Jeden Tag vor ihr sich zeigen, schweigend lieben, liebend schweigen, scheiden —" Nein, scheiden wollte er nicht. Im Gegentheil, er behauptete seinen Platz im Hinterstübchen der Madame Koch mit einer Vehemenz, die einer größeren Sache würdig gewesen wäre. Madame Koch hielt eine bescheidene Privat- pension für junge Männer, größtenrheils Schüler der höheren Lehranstalten zu B. Armintus Werter entstammte einer, wie eS schon sein Name andeutete, kraftvollen Bauernfamtlie in Pommern. Bisher hatte er seinen Kameraden gegenüber immer den Protzen gespielt, aber seitdem er urplötzlich sein comfortables PrivatlogiS mit der wenig renommirten, aber billigen Pension der Madame Koch vertauscht hatte, war er in der Achtung seiner im wahren Sinne des Wortes oft sehr theuren Freunde um ein Erhebliches gesunken. Arminius Werter kümmerte indeffen die momentane Minderwerthigkeit seiner Person nicht, im Gegentheil ließ er alle etwaigen Sticheleien mit stereotypem Gleichmuthe über sich ergehen und lebte nur noch seiner Liebe. „Und er baut sich seine Hütte (wie weiland Ritter Toggenburg) jener Gegend nah, wo das Kloster aus der Mitte düstrer Linden sah." Linden waren eS freilich nicht, sondern ein alter Birnbaum, der mitten in dem etwas primitiven Hofe seine Aeste zum Himmel emporstreckte- auch war das Gebäude, welches Arminius WerterS im dritten Stock belegenen Hütte gegen« überstand, kein Kloster, sondern eine Art vornehmer Mieths- kaserne. Aber das Fenster seiner Liebe war da und — „Bis zum Abendschein, stille Hoffnung im Gesichte, saß er da allein." Wo hatte Arminius Werter die braunen Augen zum ersten Male gesehen? Ein Wonneschauer durchrieselte ihn, wenn er jenes Augenblickes gedachte. Ein erhebender Augenblick war eS gewesen, erhebend für ihn im wahren Sinne des Wortes. Er hatte zu ihren Füßen gelegen als Held, als Retter — auf dem Eise. Ja, auf dem Eise war es gewesen, am 23. December. In langen Bogen hatte er schon zu wiederholten Malen allein die Bahn durchkreuzt, seltsam, obgleich Luctlie, der blonde Backfisch mit den blauen Augen, zweimal absichtlich seine Linie pasfirt hatte. Pah — Lucilie hatte blaue Augen — und er liebte doch braune. Zwar damals kannte er die braunen noch nicht. Gleichviel-- Aber zur Sache. Plötzlich tauchte vor ihm eine Gestalt auf, schlank, graziös, in pelzverbrämter Jacke und Mützchen. Bewundernd folgten seine Blicke ihren eleganten Bewegungen. Da — was war daS? Eine Horde halbwüchsiger Buben stürzte auf sie zu, sie wird umzingelt. Wüstes Geschrei ertönt. Hilflos suchen ihre Blicke nach einem Beschützer. Er schießt auf sie los, sein kräftiger Arm durchbricht den Kreis, links und rechts theilt er Püffe auS. Die Burschen stoben auseinander. Sie war gerettet. Er liegt zu ihren Füßen, — unfreiwillig allerdings. Im letzten Augenblick hatte ihm ein unverschämter Bursche mit der wenig schmeichelhaften Bemerkung: „Grünnäfiger Zterbengel" ein Bein gestellt. Er erhebt sich schnell und ihre Augen begegnen sich. Ach, diese braunen Augen, wie sie ihn anblickten, so dankbar, so liebevoll. In seinem Leben würde er diese Augen nicht vergeffen. WaS sie miteinander gesprochen hatten, er wußte eS nicht mehr. Seine einzige Erinnerung waren die braunen Augen. Sie verfolgten ihn bei Tag und in der Nacht, wie zwei glänzende Kometen thronten sie an dem Himmel seiner Phantasie. Arminius Werter war ein ganz anderer Mensch ge- geworden. Aus dem schneidigen, vielumschwärmten Burschen wurde plötzlich ein träumender, schmachtender Jüngling. Wer schildert die qualvollen Stunden, die er durchlebte, ehe er sein Ideal wiederfaud. Einem Schemen gleich, war sie seinen bewundernden Blicken entschwunden. Sie hatte ihm gedankt, allerdings, aber so schnell, daß er nicht einmal Zeit gefunden, sich ihr vorzustellen. Auch ihren Namen hatte sie ihm nicht genannt. Das war bitter - und er war doch ihr Beschützer gewesen. „Warum werden die Verdienste großer Männer oft erst nach ihrem Tode anerkannt?" Immer mußte er bei der Erinnerung an den schönsten Traum seines Lebens an dies Thema eines kürzlich verfaßten Aufsatzes denken! Dies Thema erinnerte ihn nicht nur an die süßesten, sondern auch an die schrecklichsten Minuten seines Lebens. Arminius Werter liebte nicht nur, er haßte auch. Merkwürdig, der Gegenstand seiner Liebe hatte braune Augen und der seines Hasses ebenfalls. Ja, Profesfor Alfred Gottfried Müller hatte braune Augen, welche aber gewöhnlich mit einer schwarz gläsernen Brille bewaffnet waren. Einmal hatten ihn jene süßen braunen Augen angeblickt, und einmal, ja einmal nur, diese brtllenbewaffneten ohne Brille, aber eS hatte genügt, auch jene letzteren für die Dauer seines Lebens seiner Erinnerung einzuprägen. (Fortsetzung folgt). Deutsches Reich später in der Marine - Akademie großes Z Brief- und Packet-Siegelmarken tüjuetten — Das Verhör war beendet, der Staatsanwalt zieht die Anklage zurück- der Staat trägt die Kosten, auch die des fertigt tu MOigtn Prtituu «e Br-QM’sche Druckerei. Ballfest. Berlin. 21. WB.Mel, 22. Juni, 8 Uhr Norm. Die Kaiserrede bei dem gestrigen Festdiner wurde wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen, sie wurde aufgefaßt als eine bedeutsame Thronrede, gewidmet nicht allein dem deutschen Volke, sondern allen Nationen, um allen über den frtedsamen Character des großen Werkes keine Zweifel zu lasten. Nach dem Fest« mahle begab sich der Kaiser vor die Festhalle, wo er Cercle abhielt, währenddem spielte die Musik. Im Hafen begann das großartigste Feuerwerk und Illumination, die Kriegs« schiffe prangten im reichsten Ltchterglanz und hatten electrische Glühltchter an der Bordwand, in den Masten und Raaen. Unter fortwährendem Feuerregen stiegen Raketenschwärme auf, mit welch herrlichem Schauspiel der Festtag in unvergeßlich schöner Weise abschloß. Auszug aus den Mrehen-üchern der Stadt Gieße«. Svangelifche Gemeinde. Getraute. Markusgemetnde. Den 18. Juni. Georg Groth, Pfarrverwalter zu Wingershausen, und Luise Wilhelmine Charlotte Nowack, Tochter des Kaufmanns Karl Wilhelm Nowack zu Gießen. Getaufte. Matthäusgemetnde. Den 16. Juni. Dem Lademeister Dietrich Vogel ein Sehn, Ludwig Heinrich Dietrich, geboren den 18. Mat. Den 16 Juni. Dem Schuhmacher Georg Baum II. eine Tochter, Anna Luise Katharine, geboren den 15. Mat. Denselben. Dem Mechantkus Wilhelm Spörhase ein Sohn- Ludwig Heinrich Karl, geboren den 24. Mat. Denselben. Dem Schneider Heinrich Keil eine Tochter, Emma, geboren den 13. März. Markusgemetnde. Den 16 Juni. Dem Bierbrauer Wilhelm Trötsch ein Soho, Karl, geboren den 30. Mai. Denselben. Dem Postschaffner Balthaser Bögler ein Sohn, Rudolf Ludwig, geboren den 17. Mat. ML Lukasgemetnde. »ruea Den 16. Juni. Dem Bahnarbeiter Jakob Dingel eine Tochter, Kätha Angela, geboren den 29. April.. Denselben. Dem Calculator Peter Daniel Lantelme ein Sohn, Georg Otto, geboren den 25. Mai. Den 20. Juni. Dem Kaufmann Albert Scheel eine Tochter, Lola, geboren den 15 April Johannesgemeinde. Den 19. Juni. Dem Handschuhmacher Jakob Hengst eine Tochter, Mathilde Meta, geboren den 2. Februar. BeieMt«« Matthäusgemeinde. Den 20. Juni. Margarethe Velten, geb. Oetterich, Ehefrau des Schneiders Heinrich Velten, 46 Jahre alt, starb den 19. Juni. Denselben. Friedrich Ohr, Bahnwärter i. P., 73 Jahre alt, starb den 19. Juni. AmOMg «ms -en Stan&esamtsregiftcsii Ut Stadt Gieße». Nufgadote. - Juni: 15. Ferdinand Andreas Thetlmann, Sparkaffebuchhalter zu Mainz, mit Helene Bertram Hierselbst. 15. Gustav Otto Wtchand, Ober-Telegraphen-Asfistent zu Frankfurt a. M, mit Franztska Ka barine Frtederike Auguste Kahl hterselbst. 17. Friedrich Adalbert Heinrich Max Klingelhoffer, Gräflicher Oberförster zu Westerburg, nnt Sophie Ernestine Karoline Amalte Anna Jockel Hierselbst. 17. Gustav Friedrich Michael Peter Wahl, Gerichtsaccesfist zu Groß- Friederike Karoline Luise Wallenfels hterselbst. 18. Karl August Göbel, Schneider dahier, mit Marte Oppertshäuser hterselbst. 18. Franz Stephan Rentmeister, Taglöhner dahier, mit Anna Luise Bender hterselbst. 18. Julius Kaspar Wellböfer, Küfer und Wirch dahier, mtt Wilhelmine Nickel hterselbst. 19. Franz Martin Henn, Backer dahier, mtt Anna Elisabethe C'peller hterselbst. 21. Philipp III., Hilfsarbeiter zu Kleinlinde,, mir Wilhelmine Schmidt daselbst. «hefchltetzurrgirr. Georg Groth, Pfarrverwalter zu Wingershausen, mit Luise Wilhelmine Charlotte Nowack hterselbst. Gabore««. Juni: 11. Dem Restaurateur Heinrich Elges Zwillinge, ein Sohn und eine Tochter. 12. Dem Juwelier Heinrich Huhn ein Sohn. 16. Dem Schreiner Jobann Karl Naurath ein Sohn, Karl HanS Philipp Louis August. 19. Dem Taglöhner Friedrich Jeschka ettl Sohn, Friedrich Wilhelm. 20. Dem Culturtnspector Phtl pp Wißmann ein Sohn, Erwin Ludwig. GeKo ebene. Juni: 13. Wilhelm Georg Ludwig Luft, 7 Monate alt, Sobn von Locomottvhetzer Heinrich Lust dahier. 15. Marte Auguste E"sabethe Schomber, 1 Jahr alt, Tochter von Dachdecker Heinrich Schomber dahier. 17. Adolf Petri, 17 Jahre alt, Kaufmann von Neunkirchen, Kreis Stegen. 18. Theodor Reh, 20 Jahre alt, Schreiner von Breitscheid, Amt Herborn. 19. Margarethe Velten, geb. Oetterich, 46 Jahre alt, Ehefrau von Schneidermeister Heinrich Velten dahier. 19. Adele Geldmacher, 22 Jahre alt, Tochter von Kaufmann Meier Geldmacher zu Hannover. 19. August Kleber, 31 Jahre alt, Bierbrauer von Katzenellnbogen. 19. Friedrich Ohr, 73 Jahre alt, Bahn- wärter t. P. dahier. 21. Heinrich Jullmann, 71 Jahre alt, Calculator i. P. dahier. Darmstadt, 21. Juni. Aus Holtenau, 20. Juni, geht der „Darmst. Ztg." folgendes Privattelegramm zu: Gestern nach Ankunft in Hamburg nahmen Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog das Luncheon bet Generalconsul v. Gorrtffen und machten dann eine Rundfahrt in der Stadt, worauf später die Festlichkeiten und Abfahrt folgten. Heute Nachmittag 5 Uhr, nachdem verschiedene Schwierigkeiten bei der Fahrt auf der Canalftrecke Rendsburg—Holtenau glücklich erledigt waren, hier im Kieler Hafen angelangt/ das Wetter war prachtvoll bei der Einfahrt des Fürstenschiffes „Kaiser Wilhelm LL", dazu großartiger Salut mit der „Hohen- zollern". Seine Königliche Hoheit begaben sich mit S. K. H. dem Prinzen Heinrich ans Land und nach dem Schloß in Kiel, um daselbst Wohnung zu nehmen- das Gefolge bleibt an Bord. Heute Abend 7 Uhr findet an Bord der „Hohen- zollern" für die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften Tafel statt und später in der Marine. Akademie großes Juni. Die erhebenden Friedensworte, welche Kaiser Wilhelm in der illustren Fest« Versammlung im Hamburger Rathhause gesprochen, haben in ganz Europa ihren mächtigen Widerhall gefunden. In markiger, packender Weise bezeichnete der erlauchte Monarch das soeben eingeweihte Canal-Unternehmen in den Nordmarken Deutschlands als ein Werk, das dem Völkerfrieden zum Segen gereichen, die Nationen einander noch weiter nähern solle. Auch die gewaltige internationale Flottenmacht, welche die Eröffnung des Nord - Ostsee - Canals in Kiel vereinigte, wurde von dem kaiserlichen Redner als eine entschiedene Demonstration für die Völkerharmonie Europas, als ein Sinnbild des einträchtigen Zusammenwirkens aller europäischen Culturnationen zur Erfüllung ihrer gemeinsamen Aufgaben characterisirt. Weiter betonte der Kaiser die Friedenssehnsucht aller Völker und wies darauf hin, wie sich der Welthandel nur unter dem Schutze des Friedens entfalten könne, dieser kostbare Friede aber solle auch fernerhin erhalten werden. Diese gewichtige Versicherung des deutschen Kaisers hat begreiflicher Weise allenthalben in Europa die größte Genug- thuung hervorgerufen und erneut die Zuversicht befestigt, daß die Politik des deutschen Reiches und der mit ihm verbündeten Staaten auch fernerhin auf die Erhaltung des Friedens gerichtet sein werde. Holtenau, 21. Juni. Bei Hellem Sonnenschein hat der Kaiser heute Vormittag 11 Uhr die Schlußstein- legung des Nordostseecanals und die Grundsteinlegung für das Kaiser Wilhelm-Denkmal vollzogen. Die Leibcompagnie des Potsdamer 1. Garderegiments zu Fuß und ein Seebataillon umgaben den Schlußstein. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe verlas die in den Grundstein zu legende Urkunde. Der bayerische Gesandte Graf Lerchen- fcld überreichte dem Kaiser die Kelle unter einer Ansprache. Der Präsident des Reichstages, Freiherr von Buol-Beren- berg, überreichte unter einer Ansprache den Hammer. Hierauf vollzogen der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz, die anwesenden Fürsten, Prinzen, der Reichskanzler, die Vertreter der hohen Reichsämter ?c. die drei Hammerschläge. Beim ersten Hammerschlag des Kaisers ertönte der Salut der Geschütze. Während der Vollziehung fiel die Musik ein. Der Reichskanzler brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Die Musik spielte die Nationalhymne. Der Jubel der Menge war sehr groß. Holtenau, 21. Juni. Der Kaiser sagte bei der Schlußsteinlegung: In Erinnerung an Kaiser Wilhelm I. taufe ich diesen Canal „Kaiser Wilhelm-Canal." Holtenau, 21. Juni. Zu der heutigen Schluß- und Grundsteinlegung wird noch gemeldet, daß um 10 Uhr 15 Min. das Landen der Schiffe, welche die Festtheilnehmer brachten, begann. Reichskanzler Fürst Hohenlohe war mit seinem Sohne und den Adjutanten zuerst auf dem Festplatze erschienen. Bald darauf kamen die Bundesfürsten an. 7 Minuten vor 11 Uhr näherte sich die Hohenzollern mit dem Kaiser, dem Kronprinzen, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Waldemar an Bord. Auch die Kaiserin befand sich auf der Hohenzollern. Der Kronprinz nahm am Schlußstein Aufstellung, während Prinz Ettel Friedrich beim ersten Garde-Regiment und Prinz Waldemar bei der Matrosen-Artillerie eintrat. Der Kaiser begrüßte die Ehrenwache mit einem lauten „Guten Morgen". Diese beantworteten ihn unter dem Spiele des Präsentirmarsches. Nach Beendigung der Feier kehrten der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge an Bord der Hohen- zollern zurück. FriedrichSort, 21. Juni. Von 1 Uhr ab wurde der Hasenverkehr für die Dampfschiffe wegen der Flotten- revue verboten. Die Ufer sind dicht besetzt. Die Fried- richsorter Artillerie hält die Holtenauer Höhen besetzt. Das Wetter ist warm mit Neigung zu Gewittern. Die hiesige Brieftaubenstation ließ einige Tauben nach der Schlußstein- legung nach Straßburg ab. Trotz des heißen Wetters harrten Tausende von Menschen stundenlang aus, um das überwältigende maritime Schauspiel zu genießen, das erst in den späteren Nachmittagstunden seinen Anfang nahm. Holtenau, 21. Juni. Wie heute bekannt wird, ereigneten sich bei der gestrigen Durchfahrt durch den Canal mehrfache Zwischenfälle. „Kaiser Wilhelm II." saß verschiedene Male fest. Die die ganze Flotte begleitenden Schlepper mußten schon bei Kilometer 8 zur Hilfeleistung herbeieilen. Der norwegische Aviso „Viking" lag auf dem halben Wege zwei Stunden lang quer 4m Canal. Das folgende amerikanische Schiff „Marblehead" mußte deßhalb vertäuen. Da kein anderes Object vorhanden war, wurden die Telegraphenstangen zum Vertäuen benutzt, welche dadurch umgebogen und zum Theil ausgeriffen wurden. Dem russischen Aviso „Groß- jaschtschi" brach eine seiner beiden Schrauben. Rendsburg, 21. Juni. Der Bahnbetrieb in der Nähe des Canals war gestern vielfach gestört und unregelmäßig. Die Drehbrücke über dem Canal bei Kuden hatte Beschädigung erlitten und versagte für längere Zeit den Dienst. Berlin, 21. Juni. Die „Berl. N. Nachr." melden aus Kiel: Admiral Menard hatte in Hamburg eine ungefähr 20 Minuten währende Unterredung mit dem Kaiser, die befriedigend verlaufen sein soll. Berlin, 21. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des königlichen Kronenordens zweiter Klaffe an den russischen Capitän zur See von Berg, Comman- kanten der Fregatte „General-Admiral". Kiel, 21. Juni. Auch der Dampfer „Trave" mit den Abgeordneten an Bord wurde gestern theilweise an der Leine durch den Canal geführt. Paris, 21. Juni. Der „Matin" meldet aus Kiel, daß der Admiral Menard auf dem gestrigen Balle in der Marine-Akademie feine große Genugthuung über die liebenswürdige Aufnahme der französischen Offiziere seitens der offiziellen Persönlichkeiten, sowie der Bevölkerung ausgesprochen hat. f Rechtsanwalts des Angeklagten. Diese dem Staat jur ’ Last gefallenen Kosten sollen dem Vernehmen nach einige | neunzig Mark betragen haben — für eine zerrissene Drachenschnur! Mein allerdings durch allerlei Fach- wiffen getrübter Laien - Verstand bäumt sich, so schreibt man der „T. R.", auf gegen dieses — Erkenntniß. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung hätten im vorliegenden Falle die Gerichtskosten dem Vater des Drachenjungen aufgebrummt werden müssen, denn was sollte auS unserer herwachsenden Jugend werden, wenn alle Väter ihren Jungen nach allen Streichen blmd Glauben schenken wollten? Hier mußte der Vater, bevor er um einer solchen Nichtigkeit willen einen unbescholtenen Schüler auf die Angebank brachte, seinen Jungen sehr ernst ins Verhör nehmen, dazu war er als Vater und Erzieher seines Sohnes verpflichtet. Weil er dies unterlassen, so mußten ihm, nach meinem Empfinden, Zum allermindesten die sämmtlichen Gerichtskosten, wenn nicht noch eine Strafe zur Sühne des an dem Verklagten begangenen Unrechts auferlegt werden. Von alledem ist nichts geschehen. Unsere Gerichte klagen über Arbeitsüberbürdung, die Landtagsabgeordneten über die hohen Kosten unserer Rechtspflege. Wir sind der Ansicht, daß hier sich doch einiger Wandel schaffen ließe, wenn man sich entschlösse, die Rechtsprechung dem deutschen Empfinden anzupaffen. und wurde mit brausenden Hurrahrufen empfangen, als er i sämattliche Schiffe umfuhr. Aus den Flaggschiffen spielte die Munk den Präsentirmarsch. VerMLschtes. Ms, Hauau, 21. Juni. Eine Abteilung des hessischen Feld'Artillerie-Regiments Nro. 11, welches in Cassel und Fritzlar in Garnison liegt, befand sich mit den anderen Ab- theilungen des Regiments auf dem Wege zum Griesheimer Schießplätze bei Darmstadt. Gestern war die Abtheilung bis dicht vor Hanau gekommen, als Gegenordre kam. Nach kurzer Rast der Mannschaften wurde der Rückmarsch nach (Safte I angetreten. Die Erkrankung von Pferden soll die Ursache sein. * Ei« „Seufatiousproceß." Im Herbst des Jahres 1894 ließ im Süden von Berlin ein zwölfjähriger Knabe einen Drachen steigen. Der heftige Wind zerriß die sehr dünne Drachenschnur in dem Augenblick, als zwei Schüler eines Realgymnasiums darunter hinweggeschritten waren. Dieses Zusammentreffen mag den Drachenjungen zu dem Glauben veranlaßt haben, daß die Schüler die Drachenschnur zerschnitten. Er verfolgte sie in das Elternhaus des einen und verlangte mit vielem Geschrei 50 Psg. für die zerschnittene Drachenschnur. Das Geld wurde ihm rundweg verweigert, weil schon eine bloße Besichtigung des Schnürendes keinen Zweifel darüber ließ, daß die Strippe gerlffen, nicht zer- schnitten war. Nach etwa zehn Tagen erhielt dieser eine Schüler eine Vorladung vor den Amtsvorsteher, um sich hier wegen „Sachbeschädigung und groben Unfugs" zu verantworten. Der Baler des Drachenjungen hatte eine vier Bogenseiten lange Anklageschrift lvsgelassen, in der er Mk. 1.25 Schadenersatz für die zerrissene Drachenstrippe forderte. Der schwere Fall kam aber hier nicht zur Entscheidung. Der Drachenjunge hatte sich nämlich geirrt; der vorgeladene Schüler sollte nicht der Bösewicht gewesen sein, sondern sein Mitschüler, dessen Vater zwar in demselben Ort, aber in einem andern Amtsbezirk wohnte. Zum weiteren Unglück besuchte der Schüler aber das Realgym nasium in einem anderen, in einem Nachbarorte und befand sich dort in Pension, so daß die Polizeibehörde dieses Ortes vom Amtsvorsteher in S. um Verhörung des Angeschuldigten ersucht werden mußte. Viele fleißige Beamtenhände hatten inzwischen stundenlang der Drachenstrippe wegen viele Bogen schönen Papiers beschrieben. Umsonst, der geforderte Schadenersatz wurde verweigert. Nach einigen Wochen erhielt der ; Director des Realgymnasiums, das der beschuldigte Drachenstrippenschneider besuchte, die Mittheilung der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Berlin, daß gegen den Schüler H. Anklage „wegen Sachbeschädigung" erhoben sei. Anfang Januar 1895 saß der Schüler vor dem Schöffengericht auf der Anklagebank. Zu dem Termin waren fünf Zeugen geladen, zwei derselben in noch nicht strafmündigem Alter in Begleitung Erwachsener. Fünf erwachsene Menschen wurden für einen Vormittag ihrer BerufSthätigkeit entzogen. — einer zerrissenen Drachenstrippe wegen. Das Verhör beginnt. Der Richter fragt den Drachenjungen, wie weit die Schüler von ihm entfernt waren, als sie ihm die Drachenstrippe zerschnitten hätten, er zeigte nach der Länge des Saales etwa 20 bis 25 Schritt. „Und tote lang war das Ende der Schnur, das Du an Deinem Stock behieltest?" — „Etwa so lang," hierbei zeigte er etwa einen Fuß Länge. „So! hast Du denn gesehen, daß der Schüler ein Messer in der Hand hatte?" — „Nein!" — „Hatte er denn überhaupt etwas in der Hand?" — „Nein, ich habe nichts gesehen." Eis. 4 514 9 4 Berger’s Brauselimonade Bonbons & Sc: anlagen, Kaufen Sie Mermielyungen. 3156 Berger’s Germania Cacao 3768 & ü t£ Ä S s genommen. Grosses Lager Fabrik Robert Berger, Pössneck j. Th. feiner u. feinster ausgebauter Original-Flaschenweine, Aber welche Liste gerne gesandt wird. S X w fr fr V 9S 'S Fabrik Robert Berger, Pössneck i. 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