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Vierteljähriger Aöounemcotsprcks t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pf,. Redaction, Expeditio- und Druckerei: Schokstraße Ar.?. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Ttveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamikienölättcr. Alle Annoncen«Bureaux de- In» und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlichem Sheil. Gießen, den 22. Januar 1895. Das Großherzogliche Kreisamt Gieße« au die evaug. Kirchen- und Stiftrrngsvorftäude des Kreises. Wir erwarten Seitens der Rückständigen von Ihnen Erledigung unseres Amtsblatts vom 5. Dezember v. Js., binnen 3 Tagen. v. Gagern. Gießen, ben ^57^tfätur 1895. Betr.: Das Ersatz-Geschäft pro 1895. Der Civilvorsitzende der Großh. Ersatz-Commission Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Mit Rücksicht auf den frühen Beginn des diesjährigen Ersatzgeschäftes wollen Sie alsbald mit der Aufstellung der neuen Stammrollen beginnen und solche mit denjenigen pro 1893 und 1894 ungesäumt einsenden. Etwaige Zugänge sind besonders in Vorlage zu bringen. Dr. Meli 0 r. Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände. nn. Darmstadt, 19. Januar 1895. Die Sitzung wird um ö1/^ Uhr eröffnet. Am Regierungstische find: /Fmanzminifter Weber, Ministertalrath v. Krug, Obersteuerrrath Bittet und RegierungScommissär En gisch. Die Generaldebatte über den Gesetzentwurf auf Abänderung des Einkommensteuer-Gesetzes wird heute fortgesetzt. Abg. Hechler ergreift das Wort und führt aus, daß schon seit langen Jahren der Wunsch nach einer Steuerreform im Hause bestehe und eß sei erfreulich, daß die Regierung durch den vorliegenden Gesetzentwurf hierzu die Hand biete. Einstimmig habe die Kammer die Decla- rattonspflicht in die Progrission s. Z. angenommen. Be- bäuerlicher Weise sei aber die Erste Kammer auf diese Punkte nicht eingegangen und habe im Lande die Meinung verbreitet, die Erste Kammer wolle die Progression und Declaration überhaupt nicht. Die neue Vorlage habe wesentliche Berbesierungen und daher könne er dem Hause nur deren Annahme empfehlen. — Obersteuerrath Bittet erklärt, daß die Reform, einerlei in welcher Weise sie komme, eine Revision unseres gesammten Steuersystems mit sich führe. Eine einseitige Progression bedeute einen Rückschritt. Die 1884 etngeführte Capitalrentensteuer habe fich gut bewährt und sei als ein Fortschritt in unserem Steuersystem zu betrachten. Niemals werde aber im Einkommensteuergesetz die Vermögenssteuer oder die Vorausbesteuerung zum Ausdruck kommen können. Die Einkommensteuer müsse in klarer Weise wie bei der Capitalrentensteuer durchgeführt werden. — Abg. Iöckel erklärt, nach der gestern vom Henn Staatsminister kundgegebenen Absicht, sich in energischer Weise die Steuerreform angelegen sein zu laffen, liege für ihn kein Grund mehr vor, gegen das Gesetz zu stimmen. Er trete daher von dem Majoritätsantrag zurück. — Abg. Schröder dankt der Regierung für die von derselben abgegebene Erklärung, trotzdem sei die Majorität nach wie vor der Meinung, dieses Gesetz nicht in Kraft treten zu laffen. Vor zwei Jahren habe man noch geglaubt, mit dem jetzigen Gesetze auszukommen. Seitdem hätten sich jedoch die Zeiten gewaltig geändert und die Lage der Landwirthschaft und des Handwerks sei bedeutend schlechter geworden. Diese Gesichtspunkte allein lassen eine allgemeine Reform unseres gesammten Steuerwesens wünschenswerth erscheinen. Er sei für Pro- gressiou und Declaration, aber erst wenn eine Reform in der Grund- und Gewerbesteuer eingelreten sei. Zu dem von der Regierung gemachten Hinweis, daß der jetzige Gesetzentwurf die Grundlage zur neuen Steuerreform bilde, müsse er bitten, den Gesetzentwurf abzulehnen. — Metz-Gießen glaubt, daß man mit der ganzen Steuerreform viel besser i« Fluß kommen werde, wenn der vorliegende Entwurf angenommen werde. Er sei für Eintritt in die Berathung. — Abg. Ullrich fragt sich, was man mit diesem neuen Entwurf erreichen wolle. Da müsse er fich sagen, daß die Regierung die redliche Absicht habe, Mißstände in der jetzigen Steuerveranlagung zu beseitigen. Aus diesem Grunde werde , er für den Gesetzentwurf stimmen, besonders aber deßwegen, weil durch denselben die Reichen, welche seither nicht richtig I zur Steuer herangezogen wurden, durch die Progression und Declaration gezwungen werden, ihr richiigeS Einkommen anzugeben. Der Staat werde hierbei ein gutes Geschäft machen und zu Gunsten der armen Klassen werde manche Million zugeführt werden. Sollie die Erste Kammer noch immer auf ihrem ablehnenden Standpunkte bezüglich der Progression und DeclarattonSpflicht stehen, dann müsse man im Lande gegen dieselbe losgehen. Er halte die Erste Kammer überhaupt für überflüssig. — Abg. Hetdenreich ist für die Vorlage, hofft aber, daß die Regierung die angekündigte Reform vornehme, ohne daß dieselbe durch die Herren Steuer- techmker beeinträchtigt werde. — Abg. Haas-Offenbach begründet den ablehnenden Standpunkt der Ausschußmajorität. Derselbe bleibe bestehen, bis die Regierung zur gesammten Steuerreform greife. — Nachdem noch Abg. Wolfs kehl Namens der Minorität die Regierungsvorlage zur Berathung empfohlen hat, gelangt der Antrag unter Ablehnung des Verwerfungs-Antrags der Majorität des Ausschusses mit 34 gegen 4 St mmen zur Annahme. Hierauf vertagt sich das Haus bis zum Dienstag. Deutsches Reich. Darmstadt, 21. Januar. Se. Köntgl. Hoheit der Großherzog wird sich zur Feier des GeburtSfcsteS Sr. Maj. des Kaisers nach Berlin begeben und am 26. ds. dorthin abreisen. Berlin, 19. Januar. In der Budgetcommission des Reichstages wurde heute die Berathung des Militär- et ats fortgesetzt und zwar bei Capitel 26 (Bekleidung und Ausrüstung der Truppen). Bei Capitel 26 Titel 6 wurde die Summe von 415000 Mk. Mehrforderung mit 15 gegen 11 Stimmen gestrichen, dagegen der Antrag Hammacher, die Militärverwaltung wolle die Vergebung der Tüche centralifiren, auch einen größeren Kreis von Submittenten zulassen und den Abschluß der Tuchlieferungsverträge auf einen dem folgenden Etatsjahr näher liegenden Zeitpunkt hinausschieben, mit Majorität angenommen. Titel 4 bis 8 Capitel 26 wurden genehmigt, desgleichen im weiteren Verlaufe der Sitzung daß ganze Capitel 26. Nächste Sitzung Dienstag. Ausland. — Die Ernennung des Fürsten Lobanoff zum neuen Botschafter Rußlands in Berlin an Stelle des Grafen Schuwaloff ist vom Petersburger „Regierungsboten" am Sonntag veröffentlicht worden. Fürst Lobanoff war früher Botschafter in London, seit 1882 wirkte er als Vertreter Rußlands am Wiener Hofe, nunmehr wird er von der Kaiserstadt an der Donau nach der Kaiserstadt an der Spree übersiedeln, um daselbst die Nachfolgeschast des Grafen Schuwaloff zu übernehmen. Bei den bekannten deutschfreundlichen Gesinnungen des Fürsten Lobanoff steht zu erwarten, daß er in seiner neuen Stellung am deutschen Hofe das ©einige zur Aufrechterhaltung und weiteren Festigung des wieder eingeleiteten besseren Verhältnisses zwischen Deutschland und Rußland beitragen werde. — In Brooklyn, der Schwester- und Nachbarstadt New- Aorks, ist eine förmliche Straßenrebellion ausgebrochen, veranlaßt durch den Sinke der Pserdebahnbediensteten. Die Miliz hat gegen die Unruhstifter bereits mehrere scharfe Angriffe unternehmen müssen, wobei es auf beiden Seiten eine Anzahl Verwundete gab. Eine am Sonntag stattgehabte Zawmmenkunst von Vertretern der Brooklyner Omnibus- und Tramway-Gesellschaften mit Delegaten der Strikenden führte keine Einigung herbei, die Unruhen dauern fort. — Die japanische Flotte hat in den letzten Tagen wiederholt die große chinesische Hafenstadt Teng Tschau fou bombardiert. Dieselbe liegt auf derselben Seite des Petschili Golfes, wie der Kriegshafen WeiHai Wei, vielleicht soll der Angriff auf Teng Tichau-fou nur ein Unternehmen der Japaner gegen Wei-Hai Wei maskiren. Neueste riuchrLchten* Wolffs telegraphisches Cortefpondenz-Bureau. Berlin, 21. Januar. Zur Besprechung des ministeriellen Reformplanes bezüglich der Handelskammern fand heute Mittag eine Berathung sämmtlicher preußischen Handelskammern statt. Auf Wunsch des Handelsministers bleiben die Verhandlungen vertraulich. Teplih, 21. Januar. Nach einer gestern stattgehabten Versammlung des politischen Arbeitervereins „Fortschritt", an welcher 2000 Personen theilnahmen, durchzogen die Arbeiter unter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht die Straßen der Stabt. Auf dem Marktplätze wurden fie durch daS wohlwollende und feste Auftreten des Bezirks- Hauptmanns Prinzen Hohenlohe zum AuSeinandergehen bewogen, daS fich ohne Zwischenfall vollzog. Paris, 21. Januar. Wie in parlamentarischen Kreise« verlautet, beabfichtigen die Extremen auS Verstimmung baiübcr, daß Poincare das Portefeuille der Finanzen und Barthon ein anderes Portefeuille erhalten soll, am nächste« Donnerstag die Aushebung beß Anarchistengesetzes zu beantragen. London, 21. Januar. Daß Reuter'sche Bureau meldet auß Tf chtfu: 35 Tranßportsch ffe und 15 Kriegsschiffe der Japaner trafen am 19. dss. Mts., Abendß, in der Bucht von Jungtsching ein. Am Morgen daraus griffen drei japanische Schiffe die chinesischen Strandbatterien a« und brachten dieselben zum Schweigen. Die Chinesen gaben ben Widerstand auf. Hierauf wurden 25,000 Japaner in Jungtsching, 35 englische Meilen von Wet-Het Wei entfernt, gelandet. Während der Kämpfe fiel reichlich Schnee. Neapel, 21. Januar. Heute Morgen fanden Seitens der Studenten der hiefigen Universität lärmende Auftritte statt. Die Studenten verlangten einen außerordentlichen PrÜfungßtermin, den der Minister nicht bewillige« konnte. Wenn die Unruhen fortdauern, dürfte die Universität geschloffen werden. WB. Lavsanue, 22. Januar. Der Philosoph Charles Secret an, Professor an der hiesigen Universität, ist gefter« Abend gestorben. WB. Newyork, 22. Januar. Zwischen den strikende« Straßenbahnbeamien und dem Militär in Brooklyn kam es zu mehrfachen Zusammenstößen. Biele, wurden z« Boden gerissen, einige durch Bayonnetstiche verwundet. Vor den Stallungen wurden Kanonen aufgefahren. Die Bevölkerung unterstützt die Strikenden durch Geld und Lebensmittel. Abends wandte sich die Menge wiederum gegen bie Wagen- die Truppen feuerten, die Zahl der Tobten und verwundeten ist unbekannt. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 21. Januar. Die Commission des Reichstages zur Berathung der Umsturzvorlage bißcutirle heute Über bie neue Fassung der §§ 111 und lila des Strafgesetzbuches. Der Regierungi Vertreter suchte die Nothwendigkeit der Verschärfung dieser Paragraphen durch Citate auß socialisttschen und anarchistischen Blättern nachzuweisen. Die Abgg. Barth (freis. Ver.) und Bebel (Soc.) sührten aus, daß alle angeführten Vergehen durch den Hochverraths-Para- graphen getroffen würden, während von nationalliberaler und conseroativer Seite die vorgeschlagene Verschärfung befürwortet wurde. Vom Centrum wurde für eine Milderung der beantragten Verschärfung platdirt. — In derselben Sitzung wurde vom Abg. Spahn ((Str.) ein Antrag eingebracht, die Verbreitung, öffentliche Ausstellung, das Feilhalten sowie die Herstellung unsittlicher Bilder und Schriften zu bestrafen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Verschiedene Blätter habe« in den letzten Tagen Erörterungen darüber angefteflt, ob der Wechsel derPräsldentschaft inFrankreich zu einer Veränderung in der diplomatischen Vertretung der französischen Republik in Deutschland führen könne. Zu solche« Erölterungen liegt, wie wir aus guter Quelle vernehmen, kein Anlaß vor. Berlin, 21. Januar. Entgegen der vielfach falschen Auffassung der neuen Finanzreform-Vorlage wird uns von unterrichteter Seite mitgethellt, was diese Vorlage in Wirklichkeit anstrebt. Die Finanzreform soll ein für allemal verhüten, daß die Matricularbeiträge der Einzelstaateu nnb des Reichs in wenig schwankender Höhe fich fortgesetzt steigern. Die Einzelstaaten müssen endlich wissen, woran fie mit ihren Finanzen sind. Die Zeiten, in welchen die Ueberwelsungen aus ben Zöllen und Steuern des Reiches eine Einnahmequelle für die Einzelstaaten bildete, finb vorbei und die Finanzminister der Einzelstaaten sehen fich bei Aufstellung ihrer Haushaltsetats in einer sehr bedrängten Lage gerade wegen der unausgesetzt steigenden Matricularbeiträge. Ganz ungerechtfertigt ist die Annahme, daß mit der Verwirklichung der Reform ein Refervefond für ungemeffenc Ausgaben für Heer und Marine geschaffen würde. Solch einer Möglichkeit wird vorgebeugt durch Annahme der Bestimmung, daß die zu einem Reservefond fich anfammelnben Mehreinnahmen des Reiches ausschließlich nur zu Amortisattonszwecken dienen hülfen. Aus der parlamentarischen Soiräe beim Reichskanzler wurde dieses Thema vielfach eifrig discutirt und es zeigte fich, daß gerade unter den süddeutschen Abgeordneten jetzt ein viel größeres Verftändniß für die Nothwendigkeit dieser orgamschen Reform vorhanden war, als früher. Berlin, 21. Januar. Der 64er sandte an Kaiser Wilhelm ein herzliches Danktelegramm für die dem Grasen Schuwalow erwiesenen Ehren. Ferner richtete Schuwalow an den deutschen Kaiser ein Dankschreiben mit der Bitte, ihm auch ferner sein Wohlwollen zu bewahren. Berlin, 21. Januar. In parlamentarischen Streifen verlautet, die GeschäftSordnungscommission wolle alle aus die Ausschließung eines Mitgliedes von einer oder mehreren Sitzungen abztelend- Anträge infolge des Widerstandes deö TentrumS nicht annehmen und dagegen auf Herabsetzung der BeschlußfähigkeitSziffer und Ertheilung einer Rüge an die ohne Entschuldigung von ReichStagSsitzungen fernbleibenden Abgeordneten annehmen. Ferner verlautet, im Bundeörathe werde der Täbakfte^erentwurf noch im Laufe dieses Monats zur Verabschiedung gelangen. Frankfurt a. M., 21. Januar. In der heutigen Schwur- gerichtSsitzung hatte sich der Bankier Friedrich Schwahn noch wegen betrügerischen Bankerott- zu verantworten. Nach umfassender Beweisaufnahme erfolgte seine Freisprechung, sodaß eS bei der neulich wegen Unterschlagung erkannten fünfjährigen Gefängnißstrafe verbleibt. Wiesbaden, 21. Januar. Gestern tagte im großen Römersaale eine Katholikenversammlung, in der Reichstagsabgeordneter Dr. Lieber über die Aufgabe des katholischen Volksvereins sprach. Er berührte dabei die Umsturzvorlage und vertheidigte die Haltung des Centrums, das auf die Commissionsberathung einging gegenüber der Forderung der Centrumsblätter, die einer sofortigen Ablehnung der Vorlage daS Wort reden. Offenbar richtete sich diese Rechtfertigung gegen eine Serie von Artikeln deS ultramontanen „Mainzer Journals", überschrieben: „Briefe eines preußischen Katholiken". Wien, 21. Januar. Gestern Nacht wurde in Budweis von unbekannten Thätern der israelitische Tempel vollständig auSgeraubt. Die geraubten Gegenstände haben einen erheblichen Werth. Rom, 21. Januar. In BudriS (Prov. Emilia) ist der socialistische Candidat Costa mit 2079 Stimmen gegen den General Mtrri, der 1765 Stimmen erhielt, in die Kammer gewählt worden. Z Nom, 21. Januar. Der P a'p ft empfing den französischen s ocialistischen Abgeordneten Vigne d'Octon, der sich zum Studium italienischer Universitätseinrichtungen nach hier begeben hatte, in längerer Audienz; in derselben sprach der Papst über den SoctalismuS, wobei er von ganz neuen Gesichtspunkten auSging, sowie über die jüngsten Er» eignisse in Frankreich. Paris, 21. Januar. Am Mittwoch scheidet General Gallifet aus dem activen Militärdienst wegen erreichter Altersgrenze aus. Ein Antrag auf Beibehaltung deS Generals wurde von der Militärbehörde abgelehnt. Paris, 21. Januar. Der „Eclair" veröffentlicht das Bestätigungsschreiben eines in Antwerpen lebenden Franzosen, wonach der Präsident Faure 1863 in Ambroise als Gerbergesele mit ihm in die Armee eingetreten ist. Paris, 21. Januar. Bourgeois hat sich heute Vormittag zum Präsidenten der Republik begeben, um über seine weiteren Schritte bezüglich der CabinetSbildung zu berichten. Heute Abend soll das Cabinet definitiv gebildet werden und morgen werden die Namen der neuen Minister im Amtsblatt publlcirt werden. Sodann findet die Redigirung deS Re« gierungsprogramms statt und am Donnerstag wird sich das Sabinet beim Zusammentritt der Kammer vorstellen. Konstantinopel, 21. Januar. In dem Befinden des Ex- Khediven Ismail Pascha ist eine derartige Verschlimmerung eingetreten, daß die Aerzte seinen Zustand als hoffnungslos bezeichneten. Gießen, den 22. Januar 1895. • • Empfang. Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog empfingen am SamStag u. A. den Profeffor Dr. Siebeck und den Professor Dr. JörS von der LandeS-Universität Gießen. * * * Ausübung der Jagd. Ein bei der Zweiten Kammer eingegangener Antrag der Abgg. Ulrich und Genossen lautet: Die Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, das Jagdrecht im Lande durch eine Vorlage zu regeln, welche die Ausübung der Jagd freigiebt. — Der Antrag ist mitunterzeichnet von den Abgg. Müller, Cramer und Köhler. D. Neues Theater. Wir sind im Allgemeinen von „Volksstücken" nicht sehr erbaut, da dieses Wort gar oft mißbraucht wird, um einer geist- und witzlosen in unteren Gesellschaftsklaffen spielenden Comödie einen Namen zu geben. Der Anzengruber'sche „Meineidbauer" aber, der gestern Abend mit dem Gast, Herrn Dr. Pohl, in der Titelrolle zur Aufführung gelangte, ist nicht nur baß beste Stück seines VerfafferS, sondern gehört überhaupt zu den besten Stücken seiner Gattung. Die Handlung, deren Inhalt wir als bekannt voraussetzen dürfen, erreicht von Bild zu Bild sich steigernd ihren Höhepunkt in der Scene am Wildbachsteg, in der der Kreuzweghofbauer gegen den eigenen Sohn die Mordwaffe erhebt. Diese Scene bildete denn auch den Höhepunkt der Darstellung. In ihr entfaltete Herr Dr. Pohl bie ganze Meisterschaft seines Spiels- hier zeichnete er mit kräftigen Strichen und doch bis ins kleinste ausgearbeiteten Einzelheiten den ganzen Character des Meineidbauern. Der um sein Hab und Gut und zugleich vor der Gerechtigkeit zitternde Schurke, der zu allem fähig ist, wenn cö feine Rettung gilt- der bigotte Scheinheilige, der durch Frömmelet seine Schandihat wegwaschen zu können glaubt, der sich sogar selber einredet, seine That sei eine „Schickung" des Himmels, um ihn zu retten: all dies drängt sich in dem knappen Rahmen dieser einen Scene zusammen Mit kräftigster Realistik, die durch die vollkommenste Beherrschung deS DialectS noch erhöht wurde, gestaltete Herr Dr. Pohl seine Rolle und schuf so eine Figur von erschütternder Wahrheit. DaS sehr zahlreich erschienene Publikum dankte dem Gast durch wiederholten Hervorruf, wie es überhaupt der ganzen Darstellung reichen Beifall spendete. Die zweite Hauptperson deS Stückes, die Vroni, wurde von Fräulein Egger dargestellt. Fräulein Egger ist Süddeutsche, deshalb machte ihr auch im Gegensatz zu allen übrigen Mitwirkenden der Dialect keine Schwierigkeiten, was um so angenehmer berührte, als gerade dadurch in den leidenschaftlichen Scenen mit dem Kreuzweghofbauer die Illusion nicht gestört wurde. Auch sonst waren Anffaffung und Durchführung der Rolle nur zu loben, waö der Beifall des Publikums, der nach ge- wiffen Scenen nicht nur dem Gast galt, zu bestätigen schien. Wir erwähnen noch Herrn Otto, der den Franz mit sym» paihischer Männlichkeit wiedergab, und Fräulein Gerl ach als Bürgerliese. Ma-ke und Spiel der letzteren waren derb realistisch, nur dünkte uns die Stimme für ein altes, gebücktes Mütterchen etwas zu kräftig. Herr Niemeier, der in dankenswerther Weise zwei Rollen übernommen hatte, bot in der Sterbescene des Jacob ein ergreifendes Bild. Alle übrigen Darsteller wurden ihren kleinen Rollen gerecht. — Bei der Beurtheilung des GesammteindruckeS, den die gestrige Vorstellung gemacht hat, müffen wir in Bezug auf Dekorationen u. berg . ein Auge zudrücken- aber derbere, d. h. dürftigere Möbel für die Hütten der Bürgerliese und der Baumahm hätte man schon auftreiben können. Die elegante Tischdecke in der letzten Scene nahm sich doch recht sonderbar aus. Auch mit Nachahmung der Naturerscheinungen möge man recht vorsichtig sein- man streiche lieber den Donner, als daß man mit ihm unbeabsichtigte Wirkungen erziele. Es empfiehlt sich das gerade so, wie die Streichung von Massenscenen, wenn man nicht über das nöthige Personal verfügt. In dieser Beziehung hatte ja auch gestern Abend die Regie in einsichtsvoller Weise den Rothstift walten lasten. Aber all dies sind Dinge, die sich bei einer kräftigen Unter» stützung des hiesigen Theaterunternehmens vermeiden ließen. Am nervus rerum hegt schließlich doch alle-. Dagegen möchten wir jetzt noch einen Mißstand rügen, der sich gestern Abend empfindlich bemerkbar machte. Wir meinen den Lärm, der aus anderen Räumen in den Theatersaal herüberdrang und die Vorstellung oft unangenehm störte. Eine gewiste Rücksichtnahme auf das Theater liegt doch u. E. im allseitigen Interesse. * * Panorama. Am Mittwoch den 23. d. M. Abends wird, wie bereits früher erwähnt, das Panorama Neuen- Bäue geschlossen, welches uns manche schöne Gegend und viele geschichtliche Erinnerungen in herrlichen Bildern vorführte. Die gegenwärtige Serie ist stark besucht. Dresden und die sächsische Schweiz ist die letzte Serie, die in ihrer ganzen bestrickenden Schönheit und Großartigkeit vor uns auflebt. Das „Polenzthal", der „Kuhstall", Schandau u. s. w. sind treulich wiedergegeben. Ueberraschend wirkt auch „Eine Fahrt auf der Elbe", der Dampfer und die auf ihm weilenden Touristen rc. Alles scheint in Bewegung zu sein. Wir können nur wiederholt den Besuch des Panoramas empfehlen. * * Tonhalle — Saalbau. Eine jede Jahreszeit hat ihre Vorboten, die mit absoluter Regelmäßigkeit alle Jahre wiederkehren. Die Siürme verkünden den Frühling, die Schwalben zeigen den Sommer an, Sommerfäden den Herbst und — last, not least ein SchmerzenSruf nach einer Tonhalle als Eingesandt aus den Spalten unserer Zeitung den Winter. Die drei ersten Boten sendet uns der Hebe Herrgott, den letzten irgend ein guter Mensch, der noch besser wäre, wenn er statt seines chronisch, platonischen Stoßseufzer greifbare Vorschläge brächte. Das ist freilich sehr schwer, aber nicht unmöglich, schwer, weil bisher alle gemachten Versuche anTheilnahmlosigkeit und Energielosigkeit gescheitert sind, weiter schwer, weil Privatunternehmer nicht gesonnen zu sein scheinen, größere Opfer zu bringen. Aber trotzdem ist eS nicht unmöglich, wenn man, eben der Situation entsprechend, die richtigen Mittel wählt. Ist man zu schwach, eine Festung im ersten Anlauf zu stürmen, dann belagert man sie, reichen unsere Mittel nicht aus, um heute schon losbauen zu können, so warten wir bis morgen und wenn es sein muß, noch viel länger. In der Zeit sparen wir aber daS Geld langsam zusammen, legen zum Nickel die Mark, zu dieser die Krone. — Alles schon dagewesen — hören wir rufen, — gewiß, antworten wir, setzen aber hinzu, daß wir uns die Sache denn doch ganz neu denken. Kein Vereinchen mit zahlreichen Aemterchen wollen wir gründen, keine stylvoll gerechte Actien, hochnothpeinliche Statuten, geschmackvolle Einladungen sollen gedruckt werden, nein, jeder Pfennig wird für den Zweck zurückgelegt, unser Unternehmen hat nur Einnahmen, kennt keine Ausgaben. Interesse an einem großen, nach den Gesetzen der Acuftik gebautem Saale haben alle Vereine und Vereinigungen unserer Stadt, ganz gleich, aus welcher Gesellschaftsklasse sich diese recruttren; wenn nun nur einige dieser Körperschaften einmal ein Jahr ein Unternehmen für daS Werden der Tonhalle vom Stapel lassen, so würde das genügen, um freilich erst in Jahren, wenn Capital zu Capital, ZinS zu ZinS kommt, das Ange- ftrebte auSzuführen. Aber ein Anfang muß gemacht werden und er wird gemacht werden der Kranbauer's che Quartett-Verein will des guten Beispiels halber als erster seine Dienste dem Unternehmen zur Verfügung stellen und mit einem Vocalconcert im Laufe dieses Frühjahrs noch den Reigen beginnen. Mit Genugthuung begrüßen wir daS rnuthige Vorgehen dieses geschätzten Vereines und rufen allen übrigen mahnend zu: wVivat sequens". H. SauitatSvereiu. Vergangenen Sonntag Abend fand im Saale des Cafv Leib, der btS auf den letzten Platz gefüllt war, die Feier des zehnjährigen Bestehens deS Sanitätsvereins statt. Der Vorsitzende, Herr Bräutigam, hob in feiner Ansprache die Entstehung, die Entwickelung und den Nutzen des Verein» hervor. Der Verein im Jahre 1885 mit einer Mitgliederzahl von 53 gegründet/ ist nunmehr, Dank der segensreichen VereinSthättgkeit zum Wohle der Familien, bis auf 450 Mitglieder gewachsen. Der Ansprache folgten in steter Abwechselung Musik, wie auch GesangSvorträge, erstere von der Bauer scheu Capelle, letztere von den Vereinen „Eintracht" und „Harmonie" ausgesührt. Den Schluß der in jeder Beziehung wohlgelungenen Festlichkeit bildete ein Tänzchen. ♦ ♦ Laudwirthfchaflliches. Der LandeSauSschuß der Land- wtrthschastlichen Vereine in Hessen hat in seiner letzten Der- sammlung die Beschickung der zu Köln stattfindenden Ausstellung der deutschen.LandwirthschaftSgesell- schäft beschlossen. Die Regierung wird ersucht, zum Zwecke der PreiSvertheilung und der Be förderung von Vogelsberger Rindvieh, Schweinen und Ziegen 4000 Mk. zu bewilligen. * * In Betreff der Aushebung heffischer Staatsangehöriger in preußische Regimenter hat der Abgeordnete Schmitt folgende Anfrage an bte Großh. Regierung gestellt: ES find in der letzten Zeit wiederholt Klagen darüber laut geworden, daß Angehörige deS Großherzogthums bei Aushebungen zum Militär innerhalb Hessens zum Train, zur Artillerie und zu den Pionieren in Straßburg und Metz einberufen refp. dort eingestellt wurden. Nach der Militärconvention vom 13. Juni 1871 ist „die hessische Division als ein geschlossener Truppenkörper zu erhalten"- „daS Großherzogliche Contingent wird für die Dauer des Friedens innerhalb deS Großherzogthums Garnison behalten" - „daS Großherzogthum bildet einen Er^ gänzungSbezirk für sich". Mir scheint, die Einstellung hessischer Rekruten in Straßburg oder Metz würde der Convention nicht entsprechen, dieselbe würde mit Recht von der Bevölkerung als eine schwere, unnöihige Belästigung empfunden. Ich richte deshalb an Grobherzogliche Regierung die Anfrage 1. Ist eS richtig, daß hessische Rekruten in Metz und Straßburg zur Artillerie, zum Train und zu den Pionieren ein^ gestellt werden? Bejahenden Falle-: 2. Entspricht diese Einstellung der Militärconvention vom 13. Juni 1871- erfolgt dieselbe im Einverständniß mit der Großherzoglichen Regierung? ’* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich »erfolgt. £anbbriefträger Wilh. Gottlieb Arzt au6 Michelstadt wegen Verbrechens im Amt, von der Staatsanwaltschaft Darmstadt; Küfermeister Gustav Engebr and aus Rommelhausen wegen Beleidigung, vom AmtSanwalt Büdingen. * • Petition gegen die Aeuderung der Gewerbeordnung. In Frankfurt ist eben eine Petition an den Reichstag im Umlauf, die sich gegen die von der Regierung beantragte Abänderung der Gewerbeordnung wendet, in die ein Verbot des EinholenS von Bestellungen auf Maaren bet Privaten ausgenommen werden soll. W. Klein-Linden, 22. Januar. Bei unS ist eine Freiwillige Feuerwehr in Bildung begriffen, zu welcher sich bereits einige 30 Mann gemeldet haben. Man hofft, die Wehr auf ca. 100 Mann zu bringen. □ Ruppertenrod, 21. Januar. Heute trug man hier unter Vorantritt des hiesigen GefangoereinS und der Nachfolge einer ungewöhnlich großen Zahl Tranergäfte da» älteste GemeinderathSmitglied, den Gastwirth Konrad Schmidt, zu Grade. Unter drei Bürgermeistern ist der Verstorbene 45 Jahre lang, also seit dem Jahre 1850, eines der pflicht eifrigsten und gesinnungstüchtigsten Mitglieder deS Gemeinde» rathö gewesen. Wie bekannt und beliebt er gewesen, davon legte die große Trauerverfammlung beredte- Zeugniß ob. Viermal knüpfte der Dahingefchiedene den Bund der Ehe- die letzte Gattin überlebte ihn. Ueberhaupt war fein Lebe« ein sehr erfahrungsreiches- möge ihm die Erde leicht fein' § Hitzkirchen, 19. Januar. Heute Morgen wurde der hiesige Polizeidiener D. in der unfern Ort durchfließenden Bracht tobt aufgefunden. Ob hier ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, wird wohl die gerichtliche Unter» fuchung klarstellen. Scholten, 19. Januar. Der Kreistag hat an Stelle der wegen vorgerückten Alters, bezw. Todes auSgefchiedenen Herren Rentner C. Rispel in Gedern und Oberamtsrichter Fresenius in Schotten die Herren Amtsrichter Rispel und Sparkafferechner Glock II. in Schotten zu Mitgliedern bei KreiSauSfchusseS gewählt. Ilbenstadt, 19. Januar. Gestern Abend brach hier wiederum ein Brand auö. Trotz rascher Hülfe brannten die sogenannten Klosterscheuern vollständig nieder, wobei auch ca. 400 Fuder Frucht verloren gingen. Die Scheuern wurden 1893 neu erbaut und ist dieses jetzt das dritte Mal, daß dieselben in dem Zeitraum von 10 bi- 12 Jahren abbrannten. Es liegt sicher Brandstiftung vor. △ Aus dem Ohmthal, 21. Januar. Die gewaltigen Schneemassen, die durch das eingetretene Regenwenwetter febr rafch zum Thaucn gebracht wurden, haben allseits ebenso gewaltige Mass er massen ergeben. Die Ohm ist über ihre Ufer getreten, baß Ohmthol in seiner ganzen Breite überflutet, so daß eS einem See gleicht. In ben Mühlgräben mußte der colossale Wasserzufluß durch Wehre abgeleitet werden, sollten ander» nicht die Mühlen beschädigt werden. In tiefgelegenen Ortschaften mit Oberwasser drang baß Wasser in Hofraithen und Ställe. In allen Rinnen, Abzugsgräben und Canälen rauschen und brausen die jählings zuströmenden Wasser. — Die Wintersaat zeigt nach bem Derschwinben der hohen Schneedecke ein recht frisches und gutes Aussehen. Gelitten hat sie bis jetzt burch ben Winter nicht im minbesten. Hoffentlich tritt jetzt nicht gleich wieder Frost ein, unter solchen Umstanden fügt nämlich derselbe der Wintersaat ben empfinblichsten Schaden zu. 8 Niedet-Lhmeu, 21. Januar. Der hiesige Bürger B., ein Mann Anfangs der 30er Jahre, machte vorgestern feinem Leben durch Erhängen ein Ende. Derselbe hatte in dem nahen Bergwerk einen Unfall erlitten und dieserhalb An» spräche auf Unterstützung auß der Unfallversicherung gemacht. Dieselben wurden aber nicht für berechtigt erklärt und ab» gewiesen. Ob in diesem Umstande oder einem anderen der Beweggrund zur Thal gelegen, bleibt dahingestellt. °°s iS» 5 s*-«» «er. «HI? !"aui; »"«‘.1% 4000 M L7U-. 111 MetÄJ? "b-ruse° „lp. boä“ lent,on vom 13 ^l-ffennTrqp," >e 0rT8tnl * l66tr,09|6"®« tt®. b'ld-t einen ft. Ä’^WPWer “« ‘«Pfunlrn. c>t He fcfaj’ n in Metz und Straß.- |U „btn Pionieren ein- :ft,®*lf Mele '® I3- Jun, 1871, &« TrobherzoMrn ßeckhrkeflich gefolgt: Michelstadt wegen waitichait Darmstadts ans Rommrihauirn Undingen. I btt Gewerbeordnung, an den Reichstag im Regierung beantragte dtt, in bk ein Verbot n auf Waareu bet lei unk ist eine Frei- begriffen, zu welcher et haben. Man hofft, gen. Heute trug man hier treinS uni btr Kach- rauergäste das Acht Lvnrab Schmidt, :n ist der Verstorbene 1850, eines der itglieder des Gemetnde- übt er gewesen, davon beredtes Zrugniß ab. ie den Bund der ^e;. rhaupt war sein Leben i die Erde leicht fein' tt Morgen wurde der fern Ort durchfließende« hin ein Unglücksfall die gerichtliche Unter-- reim« h°t "« ®ttfc lobt« ou4je|ileMue« । unö OirtaintJrWter etetWet ?! ।8 * 8'1 “J M ju Mts««»«" M ,ra R--d tr°» V« rotier M d"°« * mW, »M •“* ” Scheuern ft taSktlW®“1' »3** ** *» ,.»* • »* 'S r;ss at bütil ®e^' 11‘ 1 M««r 8 i'l* |ft(rti «l-d» i«' "fttrlelM igl l"®11" en M ainrfltr 8-/ Der su feinem 7 ®t,l' b si kr6«lb 8,1 en ""b °°e.fi«-'° „1 * Offenheim, 20. Januar. Im engsten Familienkreise feierte gestern Ktrchcnrath B uchhold dahier seinen 8 0. Geburtstag. nn. Darmstadt, 20. Januar. Folgendes heitere Stückchen bildet in den Kreisen der Einwohner wie der Lehrer viel Stoff zum Lachen. Wird da einem Director eines Gymnasiums durch einen seiner „Vertrauten" die Mittheilung, daß trotz strengen Verbotes eine Anzahl Gymnasiasten der oberen Prima sich Abends in einem Bierhause zusammen- sinken und dort commentmäßig kneipen. Der gestrenge Herr Director will nun die Uebelthüter selbst bei ihrem Treiben abfaffen und begibt sich Abends in das betreffende Bierhaus, läßt sich ein Glas „Bayerisch" nach dem anderen schmecken und wartet der Dinge, die da kommen sollten. Doch von den Herren Gymnasiasten kann er keine Spur entdecken. Nachdem der Herr Director lange Zeit vergebens gewartet, erhebt er sich ärgerlich ob seines Mißerfolges, um nach Hause zu gehen und will seine Zeche bezahlen. Er ruft dem „Piccolo" und fragt ihn nach seiner Schuld. „Es ist schon Alles beglichen"! Einer der im Nebenzimmer anwesenden Herren hat bezahlt mit dem Bemerken, er sei mit Ihnen befreundet", antwortete der Kleine. Der Herr Director ist sprachlos. Er hat geschworen nicht zu ruhen und zu rasten, bis er die Lebelthäter ausfindig gemacht. Die Geschichte hat aber viel Heiterkeit erregt. Vermischtes. * Trier, 20. Januar. Wegen Verleitung zum KindeSmord wurde der Ackerer Thiel aus Schöndorf »on dem hiesigen Schwurgericht zum Tode verurtheilt, während die Mörderin mit der Strafe von zwei Jahren Ge- fängniß davonkam. Im Gefängniß hat diese jetzt ein Ge- ständniß abgelegt, wonach der vernrtheilte Thiel vollständig unschuldig an dem Verbrechen ist. Der Antrag des Verthei- digerS auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen seinen Elienten war denn auch von Erfolg, indem Thiel gestern aus der Haft entlaffen wurde und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die nächste Schwurgerichtstagung verwiesen worden ist. e * Beuthen, 21. Januar. In Tworog, Amtsgericht Tarnowitz, erschoß ein steckbrieflich verfolgter Wilddieb bei seiner Verhaftung einen GenSdarmen und einen Heger. Der Mörder entfloh. * Die kaiserliche Loge im ReichstagShaufe. Daß der Kaiser, wenn er es wünscht, den Verhandlungen deS Reichstages beiwohnt, ist, schreibt die „Voss. Ztg.", bet der Einrichtung deS großen Sitzungssaales angenommen worden. Auch war schon im Bauprogramm die Anlage einer Kaiser- löge erwünscht worden. Die sogen. Kaiserloge im SitzungS- saale ist also nicht allein für die Mitglieder deS königlichen Hauses, sondern auch für den Kaiser selbst bestimmt. Die Einrichtung ist so getroffen, daß der Kaiser schon von dem Borraum, der der Loge vorgelegt ist, den Verhandlungen folgen kann, ohne gesehen zu werden. Ob allerdings der Monarch zum Beiwohnen der Verhandlungen je im Hanse erscheinen wird, ist kaum anzunehmen, hat doch Kaiser Wilhelm I. sich stets von ihnen ferngehalten. Daß von diesem Branche abgewichcn wird, ist kaum anzunehmen, mögen auch ] die kaiserliche Loge und die beiden Vorräumc im ReichStagS- I hause noch so opulent ausgestattet sein. * Aus dem Nachtleben bet Großstadt. Eine Gruppe von Paffanten sammelte sich in der vorvorigen Nacht gegen 3 Uhr Morgens in der Neuen Königstraße zu Berlin um zwei ärmlich gekleidete Knaben im Alter von 6 resp. 7 Jahren, die, anscheinend sehr ermüdet, sich auf dem Treppen- Vorsprung eines der Häuser niedergelaffen hatten. Auf Befragen erklärten die Kleinen, daß sie am Alexanderplatz allnächtlich mit Streichhölzern handeln und nun nach der in Weißensee belegenen Wohnung der Mutter wandern wollten. Die Kleinen erzählten ferner, daß die Mutter Wa'chfrau sei und da sie nicht genug verdiene, müßten sie schon seit Monaten um 8 Uhr Abends nach Berlin gehen und die Nacht hindurch vor den Cafes hausiren. Die Kleinen sind bereits mehrfach von der Polizei aufgegriffen und ermahnt worden, trotzdem und trotz der bitteren Kälte müssen sie um den Verdienst weniger Groschen auf der Straße zubringen. Leider steht dieser Fall nicht vereinzelt da. Viele Hunderte derartiger Kinder müffen Nachts auf den Straßen der Reichshauptstadt ihr kümmerliches Brod verdienen. * Im vorigen Jahre hielt sich in Eilenburg kurze Zeit ein Wander lag er mit der Bezeichnung „Riesenlager- Ausverkauf fertiger Herren- und Knaben Garderobe" auf. Sechs Inhaber von Herrengarderobe-Geschästen traten dem Unternehmen entgegen, indem sie in den öffentlichen Blättern warnten, in dem genannten Geschäft zu kaufen, da die Maaren selbst den dafür geforderten geringen Preis nicht werth seien. Sie wurden deßwegen wegen Beleidigung und Schädigung des Geschäfts verklagt, aber vom Schöffengericht freigesprochen, da daffelbe den Beweis der in der Warnung behaupteten Thatsachen — es sei Ramschwaare, die verkauft wurde — als richtig anerkannte. Nur einer der Verklagten wurde zu 30 Mk. Strafe verurtheilt, weil er eine Hose aus dem Wanderlager für 1 Mk. 10 Pfg. gekauft, sie mit etwas Nachhilfe zerrissen und auf dem Markte auf einer Stange hatte Herumtragen lassen mit der Aufschrift: „Diese Hose fist in dem Riesen-AuSverkauf des Herrn Guttmann- Leipzig gekauft und hat nur eine Stunde gehalten." * Was ein Patent für die ganze Welt dem Erfinder kostet. Ein Erfinder im Staate KansaS wollte sich kürzlich eine Erfindung in allen Staaten der Erde patentieren lassen. Es exirstiren gegenwärtig 62 Staaten, die Patentschutz ertheilen: 16 in Europa, 8 in Afrika, 4 in Asien, 27 in Nord- und Südamerika, 9 in Australien und der Südsee. Der Preis für die Patentertheilung weicht in den verschiedenen Ländern ganz bedeutend ab. Die DurchschnittLkosten betragen nach der Berechnung jenes Amerikaners nahezu 1000 Mk., genauer 936 Mk. 40 Pfg., so^iaß ein Erfinder, der den Patentschutz für alle Länder der Erde genießen will, an die 60,000 Mk. allein für die Patentirung feiner Erfindung auszugeben hat. Das ist noch nicht einmal so schlimm, wenn man bedenkt, daß oft lächerliche Dinge, wie seinerzeit das ebenso kindische wie fürchterliche Cricri, ihrem Erfinder oder Patentinhaber Millionen eingebracht haben. Citeratar und Arrnst. — Wie es unter den französischen Deportirten mitunter zugeht, davon erzählt das bekannte iüuftrirte Famtlienjournal „Das Buch für «lle^ folgende ergötzliche Geschichte: Sin Sträfling in Cayenne, suchen Ve, breche, colonie in Südamerika, kam UM die Srlaubnth ein eine gleichfalls D.porttrte heirathen zu dürfen. Da k Lcbu0«.,'■ '' nur gütig« ln ben L.ft-n na», weshalb ich eigentlich hierher verschickt worden bin; ich bin ja wegen ®attenmorbe8 in Cayeni^'." So verhielt es sich kenn auch in der Tvat, und die Genehmigung zur Heirath wurde ertheilt. Jetzt aber woch'e die Braut den Heirathscandidalen nicht mehr, und aus der Parthie wurde nichts. Schiff-nachrichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Lail Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 21. Januar. (Per transatlantischen Telegraph' Der Postdampfer Stuttgart, Capttän D. Köhlenbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Vergehe, £anö* unö Volksrvirthschaft. — Nach den statistischen Ermittelungen deS Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die SioheisenprodnetioN des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat December 1894 auf 498 233 Tonnen, darunter Puddelroheisen und Spiegeleisen 146 217 Tonnen, Bessemerroheisen 38 145 Tonnen, Thomasroheisen 239 239 Tonnen und Gießereiroheisen 74 632 Tonnen. — Die Production im December 1893 bet-ug 448 641 Tonnen, im November 1894 481909 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. December 1894 wurden producirt 5 559 322 Tonnen gegen 4 953 138 Tonnen im gleichen Zeiraume des Vorjahres. Lptelplan -er vereinigten frankfurter Lta-ttheater Opernhan». Mittwoch den 23. Januar: Carneval in Rom. Donnerstag den 24. Januar: Don Juan. Freitag den 25. Januar geschlossen. Samstag den 26. Januar: Werthei. Sonntag den 27. 3ar.ua i, Nachmittags 31 * * * * * */» Uhr: Carneval in Rom. Abends 7 Uhr: Zur Feier des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Katsers und Königs Wilhelm II. Jubel-Ouverture. Hierauf: Bastien und Bastienne. Zum Schluß: Hänsel und Gretel. Schauspielhaus. Mittwoch den 23. Januar: Die gelehrten Frauen. Vorher: Der Friedensstifter. Donnerstag den 24 Januar: Madame Sans-Göne. Freitag den 25. Januar: Talisman. Samstag den 26. Januar: Das Recht auf Gflück. Sonntaz den 27. Januar, Nachmittags 3'/, Uhr: Charleys Tante. Abends 7 Uhr: Zur Feier des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Das Recht aus Glück. Montag den 28 Januar Carneval in Rom. tüjuetten Brief- und Pack et-Sieg elmarken fertigt tu billige» Prttoe* m Buchen- und ^Eichen- Knüppel, |^207,4J rm Eichen- und Nadel- »3 Stöcke, §5463 Wellen Eichen- und Nadel- Reisig. Zusammenkunft aus der Kreisstraße Lich—Hattenrod an der Mittelschneise. Anfang: District Mauererkaspers- köpf bei Abth.-Nr. 917. jäh? DH Lich, am 16. Januar 1895. Großh. Bürgermeisterei Lich. s __________Heller. ______658 Mittwoch den 23. Inn. 1895, Nachmittags 2 Uhr, im Adler zu Gießen versteigere ich vorauds. bestimmt r biö. Sovbas, 1 Silberschrank, 1 Velo- cip'd, 1 Handkarren, 1 Kleiberschrank, 3 Bettstellen, 1 Anzahl Oelgemälbe unb sonst. Silber rc. Engel, 797_________________Gerichtsvollzieher. ÄL Wachthims. Freibank. [765 Heute Ochsenfleisch nicht ladenrein, pr. Pfd. 56 Pfg. 7961 la. Helgol. Angets99J MöblirteS Z mmer zu oermiethen. Seltersw-g 57 Ik. 24,70 Meter gebrauchter, roher __________Der Vorstand. Hauffchlauch, 40mm Durchmesser, i Gute nnd billige Pension mit 5 Messinggewinden, billig abzu-' • ■ — —- - geben. 795 520] Möbl. Zimm. pr. fofort zu verm Louis F ohnbänser, Mäusbu'g 7. 6<8j Einfach möbl. Zimmer zu vermiet hem_____________Norbanlage 19. 783| Ein unmöblirtes Zimmer an eine alleinstehenbe Frau ober Mädchen zu ver- miethen. 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Bk.-Letten 334.37 ■BI 'n Md :H0E 68 69 .-H 14 V, HAMBURG 77« 104 80 96 80 103.70 104 3* 100.70 106 50 103 50 Brtef 16.23 20.38 4.20 20 Fr«cken-St. (Engt ©oocrdgnl Dollar« ta Gold 3Vi% Deutsche Reichsanl. 3°/o Preuh. Coniols 3V,°/o Gr. Hessische Obi. 40/o Stadt Darmstadt v. 1891. 4V66/a Oesterr. SUberrente 4°/o Ung. Gold-Rente 3% Portugiesen 6°/n Mextcaner 4°/o Monopol-Griechen von Hochachtung--oll H. Schmidt, <•»» si.15 168 90 «dendcourser 15 .301 Oesterr. Eredü-Lctteo 8*2.81 10200 25 10 "71 20 32.8e Die Beerdigung findet Mittwoch, den 23. ds. Mts., Nachmittags 2’U Uhr, vom Sterbehause, Westanlage Nr. 16, aus statt. bei den Herren Daniel Heil, Julins Hoo», tieorg Hebstreit Gustav Gerhard zum Preise von 50 Ptg. ä Person zu haben. Kinder unter 1O Jahren haben keinen Zutritt. Vereinsabzeichen sind anznlegen. Programm. 1. Musik. 2. Theater: Prosit Neujahr oder Der Onkel schläft, Posse in 1 Akt von Angely. An lebenden Bildern werden aufgefübrt: 1) Der Abschied gestellt vom Veteranen-Verein ; 2) Prolog (gesprochen von Herrn Jopp Cremer* und lebendes Bild: Vaterlandsliebe und die B-Schützer des Seemanns, Glaube, Liebe, Hoffnung, gestellt vom Marine-Verein ; 3) Die Heimkehr, gestellt vom Veteranen-Verein ; 4) Die Wacht In den Colonifn, aufgeführt vom Marine-Verein; 5) Huldigung an den Niederwald-Denkmal, aufgeführt vom Marino- und Veteranen- Verein. Tanz. 79Q mihtärfret, auf eilte Baiflnffe gestützt, sucht Stellung. Gefl. Offerten unter Bertha, geb. Scheffer im 60. Lebensjahre. Dr. L. v. Schmalkaider Landgerichtsrath i. P. Dio Eintrittskarten für Mitglieder sind bei den Kameraden Schwan, Hoos und Hebstreit vorher zu lösen und ist der Eintritt nur mit Karten gestattet. Für Nichtmitglioder 60 Pfff. Im Vorverkauf sind Karten 3% Oesterr. Staatsbabn o. 1885 90.0014% Eisend. Rentenb. Obl. 3% Jtal. staatSgar. Etlenb. 63.3015 o/o Buderus Obl. MW. 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Banknoten 20.34 I Oesterr. dto. 4.16 I Ämerte. 793 :fMIES*_EF Z>ie ßnitifle 'Stummer umfaßt 6 Seifen. jiontaj*' V. «""» «ns dem V 0111 f« Der Persone monilli» an 1« / 55 e-t lenen lajii®, Ä auf htm Sn 10 ßefontll. M der durch Bifitation ist die G iutn Dibnuug befunt tum Glntraa m ,tlbtitnfid)38W t'jut Statistik Mc 1893 geboren । Knaben und 265 ehelti ium gtlB'en Theii ii unchMenstinbnnwc ton Giehm bd 32 M und 19 unehkfiche <350 minnl., 318 r (Hm wohnhaft. - 8d bem hohen Eins 6tnbefäQe auf bk ■ MrflMi gelogenen Sch Stabt wirb in dem luibrutf gegeben, es Srohberzogl. Gintralfh tltmfen dntrelenbm 5 iuinobmt in die filini iu‘gdd)ltbm werden, 1 Idion bei ben Ps MalMjtn Bnöffentlltbi den Jiefijen frcfllbtöhi Zufolge bet am iWung waren vorht iin 1 W alt 3451 tu Sidd^ch Z*ilb In Btyig auf \ i8lfum9: im Son ’7 Schüler. Die So: löste von Im Ganzen Schüler. - U. Real shmnastum besuchten ■ m Sinter 1893/94 251 -tt gelheilte) im Sor M Schüler,' bk W 1^0 Schüler, im üßi ® Sommer 1893 702 '“Hang fämmttichn ■wbt vollmdet, das ttparatur unterworfen jnem Staatizufchuh « bchutgetdetnnahm, , \ fachlichen Kc M.ucht von 29039 ~