1898 Donnerstag dm 21. November Erstes Blatt Nr. 274 *>« Hflent ftUtl unt Heucfte Nachrichten. WolffS telegraphisches Corresponden,-Bureau. Berlin, 19. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." hört: Heute ist die Zuckersteuervorlage als Präsidtalvorlage dem Bundesrathe eingereicht worden, nachdem die Erhebungen dazu im deutschen Reiche von der Reichsregierung zu Ende gesührt worden sind. Schwerin, 19. November. Die Großherzogliche Regierung hat sür zehn Jahre den Zinsfuß der Canon-Capi- talien von 4 pCt. auf 3% pCc. herabgesetzt. Wien, 19. November. Eine Meldung der „Pol. Corr, aus Constantinopel stellt den äußerst wohlthättgen Eindruck fest, den das bloße Bekanntwerden der zwischen den Mächten erzielten EinmÜthigkeit und die angeordnete Entsendung eines Geschwaders sowohl in den europäischen, als auch in den türkischen Kreisen Conftantinopels ge« macht habe, sowie die seither datirende Einführung von Repressivmaßregeln der Pforte in Asien und von Präventiv- Vorkehrungen tn Constantinopel. In diplomatischen Kreisen sei man fast ausnahmslos davon überzeugt, daß es der Pforte immer noch möglich fei, falls der gegenwärtig Herr- schende Geist anhält, normale Zustände herbeiführen. Die beabsichtigte Berufung deS „Sebeniko" als zweites Stations- schrff ist verschoben worden. Der „Sebemko" verbleibt in Smyrna zur VersÜgung der österreich-ungarischen Botschaft. folgung der getroffenen Anordnung strengstens überwachen und jede Zuwiderhandlung alsbald zur Anzeige bringen. v. Gagern. vikrtelfährtger JWoeMtmteUytriat 2 Mark 20 Pfg. mit vringcrlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. ftcbaction, ExpeditioT und Druckerei: KchntstrafseAr.7. Fernsprecher 51. Bekanntmachung, betreffend Ausbruch der Rothlausseuche. Bet einem Schweine zu Effolderbach, Kreis Büdingen, die Rothlausseuche festgestellt worden. Gießen, den 20. November 1895. Grobherzogliches KreiSamt Gießen. v. Gagern. Gießen, 20. November 1895. Betr.: Wie oben. DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen die «rstzh. Bürgermeister riei, de» «reise». Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie sofort ortsüblich verkündigen lassen. Wir erwanen, daß Sie die Be- Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche. In Wetzlar, im Stalle des Händlers Kaufmann Seligmann, und in Wittelsberg, Kreis Marburg, im Stalle des G. Preiß, ist die Maul- und Klauenseuche fest' gestellt und Gehöftsperre angeordnet worden. Gießen, 20. November 1895. GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen. v. Gagern. GP, daß selbst im Hauptgegenstand des Unterrichts, im Lateinischen, nur sehr niedere Ziele erreicht wurden. SchuldiSciplin kannte man kaum dem Namen nach, und der Schüler suchte es in Trinken und Rausen dem Studenten zuvorzuthun. Auch Degen trugen diese Jungen. Den Schülerverbindungen, die noch jetzt der Schrecken der Schuldirectoreu und Lehrer find, begegnen wir schon im 17. Jahrhundert. Wer die Schule durchlaufen hatte oder müde war, noch weiterhin die Bänke zu drücken, ging ab und wurde auf der Hochschule willkommen geheißen. Ein Nachweis von irgend welchen Vorkenntntssen war nicht nöthig. Wer einen genügenden Wechsel mit zur Hochschule brachte, der brachte auch einen Diener mit, sehr vornehme Studenten außerdem noch einen Hofmeister, ärmere nahmen fich einen noch ärmeren Studenten als Dteoer an, das waren die Studenten- jungen, die es oft noch viel schlimmer trieben, als ihre Herren. Das Wetzen, d. h. das Etnhauen mit der Degenklinge in daS Pflaster als Aufforderung zu Streit und Kampf, hat LaukHardt auch hundert Jahre später noch gekannt und geübt. Doch war der Neuzugereiste nicht gleich Student. Er mußte ein Jahr lang als Pennal in schlechten Kleidern einhergehen. Kam er aber in guten Kleidern zur Hochschule, so klammerte fich sehr bald ein alter verlumpter Student an ihn, bot ihm seine Freundschaft au, die nicht abgelehut werden durfte, und als Zeichen derselben wurden dann die Kleider, die Börse, der Degen, kurz, alles getauscht, der alte stolzirte dann in den neuen Kleidern herum und der junge mußte fich mit den Lumpen begnüge«. Um den Verlust zu vermeiden, kamen daher im 17. Jahrhundert die jungen Studenten gleich tu schlechtester Kleidung zur Hochschule uud waren stolz darauf. Nicht selteu eutstandeu durch Verbote der lumpigen PeunalSkleider heftige Streitigkeiten. (Schluß folgt.) Ml nbildung. MU schlecht toföenbilbun. 'eit der obeiü Fuß mch tztl2,la nidjfto ns.derllnivnM ist eine Parterre- tn mit allein Zai 'miethen. _____ •'ifmHobi1 r, oermidfiet S3S hui. HW** E4S- Der tWntt »«jeifjet erscheint täglich, mit Ausnahme de« MontagS. Die Gießener B««itte»vlLtter werden dem Anzeiger »Schmtlich dreimal beigelegt. Feuilleton. I. 8. Alhochs Comoedia vom Ztndeutenlkbeu. Lon Dr. Otto Buchner. Ueber das Gießener Studentenleben im vorigeo Jahrhundert habe ich in „Gießen vor huuöert Jahren" ein Bild zu geben versucht, was allerdings keine besonders glänzende Farben zeigt. In einer so langen Zeitperiode ändert sich die gesammte Volksanschauung, ändern fich die Sitten je nach den Umständen zum Besseren oder Schlimmeren. Zwischen dem jetzigen Studentenleben und dem vor hundert oder gar vor zweihundert Jahren ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Wie wird der Geschichtsschreiber den jetzigen Eulturzustand des Studenten nach weiteren hundert Jahren beurthetlen? Wer könnte das im Voraus sagen? Machen Künste uud W ssenschaften weiterhin Fortschritte, wie tn den letzten Jahrzehnten, verfeinern und veredeln sich die Ansprüche an das Leben weiterhin in dem Maße wie seither, so wird am Ende deS zwanzigsten Jahrhunderts unsere Hoch, schule, unsere Stadt, daS Land, das ganze große Vaterland ein Bild darbteten, von dem wir nicht im Stande sind, uns eben schon ein auch nur annähernd richtiges Bild zu entwerfen. Nicht unmöglich aber wäre auch, daß durch politische Umwälzungen, durch unglückliche Kriege, durch verheerende Seuchen ober andere trostlose Umstände der Zustand unseres Volkes zurückgeworfen würde in alte Barbarei, wie wir das ja durch den/30jährigen Krieg bewirkt sehen. Wenigs Jahre vor dessen Beginn (1607) wurde die bchschule gegründet- während desselben war sie i Marburg vereinigt und kurz vor seinem Ende den beide wieder getrennt und kehrte die eine Wien, 19. November. Gegenüber einer Meldung der „N. Fr. Pr." auS Rom, Rußland habe im letzten Augenblick erklärt, die Vorschläge Oesterreich-Ungarns bezüglich der Wirren in der Türkei nicht annehmen zu können, stellt daS „Fremdenblatt" fest, Rußland lege auf die Einmüthig- feit des Vorgehens aller Mächte großes Gewicht, habe grundsätzlich der Verdoppelung der Schiffe vor Constantinopel bet- gepflichtet und tatsächlich seinerseits die Entsendung eine» zweiten Kriegsschiffes eingeleitet. Rußland habe die Entsendung eine» Geschwaders der Großmächte, welche VorstchtS- maßregel sich in Constantinopel bereits in heilsamer Weise fühlbar mache, als durch die Umstände gerechtfertigt anerkannt, und befinde fich somit grundsätzlich in einer Linie mit den übrigen Mächten, ebenso wie eS im Prinzip mit denselben übereinstimme - denn kein Staat habe sich so dringend für die Beendigung der armenischen Wirren ausgesprochen, wie Rußland. In diesem Sinne habe das russische Cabinet den Vorschlägen der österreichisch-ungarischen Regie- rung in loyaler Weise zugestimmt. Rom. 19. November. Cardinal Lucien Bonaparte ist heute Nachmittag insolge eines Schlaganfalles gestorben. Madrid, 19. November. Der Marschall Martinez Cam poS bezeichnet die Gerüchte von Friedensverhandlungen auf Cuba categorisch als falsch. Der Marschall meldet viel- mehr weiter, daß er einen entscheidenden Schlag vorbereite. Brighton, 19. November. Lord Salisbury hielt heute in einer Versammlung der Conservativen eine Rede. Er theilte mit, er habe ein Schreiben deö Sultan» empfangen bezüglich seiner Guildhallrede, worin er sein ge- ringeS Vertrauen ausgesprochen hatte, daß die zugesagten Resormen in der Türket durchgeführt würden. DaS Schreiben deS Sultans besagt, die Aeußerung habe den Sultan sehr ^schmerz:, da die Durchführung der Reformen bei ihm beschlossene Sache sei und er auch wünsche, dieselben baldmöglichst zur Ausführung zu bringen. „Ich habe meinem Minister," fährt das Schreiben fort, „dies bereits erklärt. Die einzige Veranlassung, daß Lord Salisbury in dieser Weise in meine guten Absichten Zweifel setzen konnte, müssen Jntriguen gewisser. Personen hier oder anderswo sein. E» müssen unwahre Behauptungen aufgestellt worden sein, um diese Meinung hervorzurufen. Ich wiederhole, ich werde die Reformen durchführen und selbst darüber wachen, daß jeder Artikel in Wirksamkeit gebracht wird. Das ist mein ernster Entschluß, hierfür verpfände ich mein Ehrenwort. Ich wünsche, daß Lord Salisbury hiervon Kenntniß nehme und bitte, daß er im Vertrauen auf diese Erklärungen eine andere Rede halte, entsprechend der freundlichen Gesinnungen, die er für mich und mein Land hegt. Dem Erfolge dieses Schreiben» »ekanntmachuuL betreffend Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche. Mit Rücksicht auf die vorhandene größere Seuchcngefahr hat das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz angeordnet, daß Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine, welche von außerhalb des Großhcrzogthums erngesuhrt werden, an demjenigen Orte des Kreises, an dem sie zuerst eingestellt werden, mindestens sieben Tage verbleiben müssen and denselben, außer wenn sie zum Zwecke sofortiger Schlachtung unmittelbar in ein öffentliches oder Pnvat- schlachthaus übergeführt werden, nur verlassen dürfen, wenn sie innerhalb jener sieben Tage nach dem Zeugnisse des Bürgermeisters oder eines Thierarztes keine scuchenverdächtige Erscheinungen gezeigt haben. Die gleiche Maßregel gilt für alles Klaucnvieh, welches aus den Kreisen Schotten, Alsfeld, Büdingen und Friedberg in den Kreis Gießen verbracht wird. , Gießen, den 20. November 1895. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießener Anzeiger Kenerat-Mzeiger. «uni k.frtdl Amtlicher Theil. Gießen, 19. November 1895. ©etr.: Reichegesetz vom 13. Juni 1895: die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Personen deS SoldatenstandeS deS ReichSheereS und der Kaiserlichen Marine vom Feldwebel abwärts. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. P ^Sofern in Folge unserer Bekanntmachung vom 20. September d. I. (Gießener Anzeiger Nr. 226) Anmeldungen auf Grund des rubr. Reichsgesetzes bei Ihnen erfolgt sein sollten, sehen wir deren Vorlage mit Ihren Berichten bis zu Ende dieses Monats spätestens entgegen. v. Gagern. Mn. sehe ich mit größter Spannung entgegen/ — Lord Salisbury führte aus, er habe sich aus Gründen der Courtoisie veranlaßt gefühlt, diese Mitthetlung zu verlesen, doch könne er natürlich die Worte des erhabenen Monarchen nicht com- mentiren. Er berührte dann daS europäische Concert und erklärte, wa» immer geschehe, müsse mit Tinmüthigkeit geschehen. SaltSbury bedauert tief die Erkrankung Rustem Paschas, den er sehr rühmte, besonders wegen seines Wirkens als Gouverneur des Libanons. Wenn Männer wie Rustem für Armenien zu sorgen gehabt hätten, wäre daS Gewissen Europas niemals durch Berichte über Schreckens- thaten und Leiden erschüttert worden. Wenn Männer wie er jetzt die Umgebung des Sultans bildeten, bestände keine Nothwenbigkeit, zu dem groben Mittel einer äußeren Einwirkung der Mächte zu greifen. Er könne hier nicht auf die Frage eingehen, warum gegenwärtig keine solchen Männer um den Sultan seien, doch sei daS armenische Problem ebenso sehr eine Frage geeigneter Männer als richtiger Gesetze. Der bloße Erlaß neuer Verfügungen könne die Stelle fähiger und muthvoller Gouverneure nicht ersetzen. Die Mächte würden ihr Bestes thun, aber das tiefsitzende Leiden könne nicht mit einer Zauberruthe geheilt werden. Athen, 19. November. Das französische Geschwader ist gestern Mittag int Piräus angekommen. Nach Meldungen auS Kreta begehen die Muselmanen in Rethymnon Ausschreitungen. Konstantinopel, 19. November. Die seit langer Zeit von v. d. Goltz Pascha und von der Organifirungs Commission beantragte Neueintheilung des Macedonien und Albanien umfaffenden dritten EorpSbereicheS in vier Divisionen, durch welche die Aufstellung 4 neuer fehlender Linien-Bataillone erforderlich würde, kann in den nächsten Tagen erwartet werden. Deveich« deS Bore« »Herold*. Berlin, 19. November. An der gestrigen Sitzung des Staats Ministeriums, die von 2 bis 6 Uhr dauerte, nahmen außer sämmtlichen Ministern auch die Staatssecretäre deö Reichsschatzamtes und beS ReichS-JustizamteS, Graf PosadowSky und Nieberding, sowie Commissare verschiedener Ministerien Theil. Berlin, 19. November. In Sachen der MajestätS- beleidigung, die dem Herausgeber ber „Ethischen Cultur", Dr. Förster, zur Last gelegt wird, findet die Verhandlung vor dem Landgericht am 29. d. M. statt. Berlin, 19. November. Am SamStag wurden bei einem Colporteur 222 Exemplare deS ersten Heftes des Mackah'fchen Buches „Die Anarchisten" polizeilich beschlagnahmt. Berlin, 19. November. Der „Reichsanzeiger" publicirt heute eine Anzahl von Ordensverleihungen an ttalienische Marine-Offiziere. Berlin, 19. November. Der CultuSminister Dr. Bosse ist von seiner letzten Erkrankung noch immer nicht wieder völlig hergestellt. Hamburg, 19. November. Auch hier herrscht feit heute früh ein dichter Nebel. Zahlreiche Collifionen sind bereits auf den Straßen mit Fuhrwerken vorgekommen. Den ganzen Tag brannten die Straßenlaternen. München, 19. November. Die Kaiserin Friedrich traf gestern Abend 5J/i Uhr auf ihrer Heimreise von.Jtalien zu mehrtägigem Aufenthalt hier ein. Mönchen, 19. November. Die „Münch. Neuest. Nachr." melden aus Berlin: Nach dem Abschluß der EtatSberathungen ergab sich sür den preußischen Etat 1896/97 ein Deficit von 25 Millionen Mark. Vern, 19. November. Die Angestellten der Nordostbahn, Centralbahn, Jura-Simplon-Bahn und einigen anderen schweizerischen Bahnen beabsichtigen in eine Lohnbewegung einjutreten. Die Angestellten der Gotthard-Bahn wollen am 1- Januar 1896 in dieselbe eintreten. * ®ien, 19. November. Die antisemitischen Blätter melden den bevorstehenden Rücktritt deS Statthalters von Nieder- Oesterreich, des Grafen KielmannSegg, und deffen Ersetzung durch den ehemaligen SectionSchef im CultuS- ministerium, Grafen Latour. Graf KielmannSegg soll in daS Ministerium berufen werden. Brüssel, 19. November. In der heutigen Kammersitzung theilte der Justizminister in Abwesenheit deS Ministerpräsidenten die officielle Verlobung der Prinzessin Henriette mit dem Prinzen Philipp Emanuel von Orleans mit. Die Rechte nahm die Mittheilung mit großem Beifall auf. Paris, 19. November. Die Familie Orleans verlieh dem Prinzen Emanuel von Orleans, dem Sohne deS Herzogs von Alenyon, den seit 1727 erledigten Titel eines Herzogs von Vendome, welchen der Prinz gelegentlich seiner in Brüssel stattfindenden Vermählung mit der Prinzessin Henriette von Flandern annehmen wird. Paris, 19. November. Der KriegSmini st er Sa« vaign ac hat in einem Rundschreiben an die CorpS Com- Mandanten sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß in manchen Punkten der Armee-Verwaltung Mißbräuche zu verzeichnen seien. Manche hohe Offiziere und Beamte, welche ihre Pflicht nicht erfüllten, seien sehr nachsichtig behandelt worden, während anderen, die ihrer Pflicht nachgekommen, rücksichtslos begegnet worden sei. Darum habe er eine größere Anzahl Entlassungen und sür manchen Offizier eine Ehrenerklärung veranlaßt. Diese Maßregel hat sowohl bei dem Publikum als In der Armee großes Aufsehen erregt. London, 19. November. Die „Time«" meldet auS Rom, daß in dortigen diplomatischen Kreisen versichert wird, die russische Regierung habe den Antrag Oesterreichs, betr. die Interpellation der Mächte, abgelehnt. Bukarest. 19. November. Heute Vormittag 9,/< Uhr wurde hier ein langanhaltender Erdstoß wahrgenommen. Petersburg, 19. November. Nach einer Meldung auS Hofkresten finden in dieser Saison keine Hofbälle statt. Die Czarin-D ttwe bleibt noch ein ganzes Jahr in tiefer Trauer. Nunmehr ist der 12. Mai russischen Stils als Tag der Krönung definitiv festgesetzt. Die Ueberfiedelung von ZarSkoje-Sselo nach dem WinterpalaiS erfolgt, sobald die junge Czarin wieder genesen ist. Gieße», ben 20. November 18KL. ** Zur Stadtverordneten»«^. Im Anzeigentheil der vorliegenden Nummer befindet sich daS officielle Ergebniß der am SamStag ftattgehabten Stadtverordnetenwahl. Danach find folgende Herren mit der dabei bemerkten Stimmenzahl gewählt: Rentner W. Wallenfels 1111, Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch 1086, Kaufmann Jughardt 970, Weibbindermeister L. Petri II. 918, Dr. Ploch 879, Commerzienrath Heichelheim 827, Spestglermeister C. Faber 739, Kaufmann Th. Haubach 729, Kaufmann Karl Loo- 681, Hsftraiteur I. Kirch 674, Dr. Gaffky 661; letzterer auf die Dauer von 6 Jahren. — Bon den weiter aufgestellten Candidaten erhielten Stimmen die Herren: Ed. Hanau 625, Kaufmann Krumm 604, Colonialwaaren- Händler Bräutigam 518, Architect Huhn 457, Schneidermeister Diehl 416, Bergwerk-director PaScoe 349, Hotelier Hein 290, Schneidmüller Euler 266, Metzgermeister Klein 247, Weinhändler Helm 175, Metzgermeister Pirr 172, Real- gymnafiallehrer Dr. Pitz 156, Postfecretär i. P. Mayer 141, Rentner Windecker 121, Schlossermeister Dörr 51, CustoS Dr. Heuser 36, Kaufmann Fischbach 31. Außerdem fielen vereinzelte Stimmen aus eine größere Anzahl nicht öffentlich vorgeschlagener Candidaten. — Für ungültig mußten erklärt werden die auf den Namen Carl Wenzel ober Carl Wenzel, Kaufmann abgegebenen, 480 Stimmen, weil zwei Kaufleute dieses Namens hier wohnen, sodaß nur vier gültige verblieben, ferner die auf den Namen Philipp Euler oder Schneidmüller Euler abgegebenen 46 Stimmen, weil zwei Schneidmüller Philipp Euler hier wohnen, lieber die Wahl- betheiligung fei mitgetheilt, baß von 2931 Wahlberechtigten 1793 abstimmten. * * Kuustuotiz. Ueber den in hiesiger Stabt burch Mitwirkung bet im „Concerthaus zum Lahnstein" abgehaltenen Kammermufikabenben bestens bekannten Kammermusiker unb Cello Virtuosen Herrn Heinrich Kruse schreibt die „Wil- dunger Zeitung" vom 12. d. M. anläßlich eines am 7. Novbr. in Arolsen abgehaltenen SymphonieconcerteS u. A. wie folgt: Programm Nr. 2: Concert (C-Moll) für Violincello von De Swert, gab dem ausführenden SHinftler, dem Kammermusiker Herrn Kruse auS Cassel (ein Arolser Kind), Gelegenheit, seine Meisterschaft auf diesem so spröden Instrument zu beweisen. Herr Kruse besitzt außer einer verblüffenden Technik ein tiefe«, musikalisches Gefühl unb eine künstlerische Auffassung, wie sie nur hochbegabten Künstlern eigen ist. — Er beherrscht sein Instrument so vollstänbig, baß eS weder in der Höhe noch in der Tiefe, weder beim Fortissimo noch beim gehauchten Pianissimo versagt. Er versteht eS, „die dunklen Gefühle zu wecken, die im Herzen wunderbar schliefen." Reicher BeÜall wurde dem jungen Künstler gespendet. Theater. Der Bericht über die gestrige Vorstellung mußte Umstände halber heute zurückgestellt werden. * * Eine Versammlung des Mittelrheinischeu Zweig- verdaudeS deutscher Müller und sonst am Mehlhandel be- theiligter Kaufleute fand am Montag Nachmittag im „Hotel Drexel" in Frankfurt a. M. statt Zwecks Stellungnahme gegen die im Mehlhandel zu Tage getretenen Mißstände, welche einem ordnungsmäßigen Betriebe zuwiderliefen. An der Versammlung nahmen 35 Personen Theil. Ein Vertragsentwurf, nach welchem sich die Betheiligten verpflichten, nach bestimmten Normen zu verkaufen, wurde vorgelegt und dazu bemerkt, daß 83 Firmen ihre Bereitwilligkeit, dem Vertrage beizutreten, erklärt haben. Der Vertrag besteht auS 8 Paragraphen. Der erste Paragraph bestimmt, daß der Verkauf nur auf einen bestimmten Endtermin gehen darf. DaS Quantum der verkauften Waare und der Preis müssen für jedes einzelne Geschäft bestimmt sein. § 2 besagt, die sogenannte Batsseclausel darf als Vergünstigung in keiner Weise mehr gestattet werden. ES darf auch bei der Berechnung deS Preises für die verkauften Müllerei- probucte eine Berechnung zu billigeren Ansätzen, als solche bei dem Abschluß vereinbart worden find, weder direct noch inbirect stattfinben. Den Käufern darf kein höheres ©conto alS von höchstens 1 Procent bei Zahlung innerhalb vierzehn Tagen unb kein längeres Zahlungsziel als von drei Monaten bewilligt werden. Wenn pünktliche Zahlung nicht erfolgt, werden 5 Procent Verzugszinsen berechnet. Die Rücknahme der Säcke darf den Käufern nur zum jeweiligen Tagespreis gestattet werden. Ein jeder Zuwiderhandelnder unterwirft sich einer Eonventionalstrafe von 100 Mk., bei jeder weiteren Verfehlung einer Strafe von 500 Mk. Mehrere Paragraphen deS Vertrages behandeln die Organisation. Die Entscheidung eines jeden Rechtsstreites hat nach Maßgabe deS gegenwärtig zu Frankfurt a. M. geltenden Rechte- zu erfolgen. Die Dauer deS Vertrage- wurde dem „Fr. I." zufolge bis zum 31. December 1900 festgesetzt. * * Sine Rabenmutter. Die Strafkammer verhandelte gestern gegen die unverehelichte Margarethe Morne- weg von Oberkleen, welche beschuldigt wurde, ihr 1*/,jährige« uneheliche- Kind auf daS Bestialischste behandelt zu Haden. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, baß die unnatürliche Mutter ihrem Kinde theilweife die nothwendige Nahrung vorenthielt und zu häufigen Malen den kleinen Körper, welcher zum Scelett abgemagert war, auf daS Roheste mit den Fäusten bearbeitet hat. Um aber dem Ganzen die Krone oufzufetzen, har die Angeklagte ihr be- dauemSwertheS Opfer in eine Bütte kalten Wassers so lange untergetaucht, bi- demselben der Äthern verging und eS nur als ein Wunder zu betrachten ist, wenn da- Kind mit dem Leben davon kam. Der Gerichtshof «ar der Meinung, daß die Angeklagte mit diesem scheußlichen Treiben planmäßig bic Absicht verfolgte, ihr eigene- Kind auS der Welt zu schaffen und verurtheilte sie zu 2 Jahre Gefängniß, die sofortige Verhaftung veranlassend. • • Gebrauchsmuster • Eintragung. Durch Aufeinander- gleiten fdjraubenfötmigtr Stirnflächen an der HÜisensvrmlgrn Drehbolzenführung uAd an Drehbolzen-GleithÜlsen verschieb- bare Regulir Rosette für Zimmeröffen, H. Buberu«, Hirzenhain, 18. 9. 95. § Grebenhain, 18. November. Dem Gastwirth und Metzger Karl Fritz („Zum Darmstädter Hof")hier wurd:n wiederholt im Hausflur hängende Stücke Fleisch adge-- schnitten und auch entwendet, so auch am letzten SamStag. ES ist anzunehmen, daß sämmtliche Diebstähle von einem und demselben Dieb auSgrführt wurden. Trotz aller Bemühungen der hiesigen Gendarmerie ist eS bis fitzt noch nicht gelungen, den Thäter ausfindig zu machen. Schotten, 18. November. Gestern verunglückte der frühere Bürgermeister von Eichelsachsen, Herr Quanz^ indem er in den hiesigen durch die Stadt fließenden Vach, der an dieser Stelle mit keinem Schutzgeländer versehen ist, fiel und einen sehr schweren Beinbruch erlitt. Altenstadt (Wetterau), 18. November. Der geisteSkrat ke Georg Heß, Lehrer auS Altenstadt, Sohn d s hiefigerr LandwirthS Heß, ist am 2. November 1. I. von Altenstadt weggegangen, ohne seitdem wieder zurückgekehrt zu sein. Alle Recherchen nach demselben blieben diS jetzt fast erfolglos. Derselbe hält sich wahrscheinlich meistentheilS in Wäldern der hiesigen Gegend auf. Für Ermittelung deS Aufenthalts des Geisteskranken ist eine Belohnung auSgesetzt. Schlitz, 17. November. Ein bedauerlicher Unglücks- fall ereignete sich in dem benachbarten Revier Rimbach. Ein allein im Walde mit dem AuSasten von Eichen befdjäf» tigter Arbeiter au« Jossa stürzte ab. Seine Kinder, die ihm das Mittagessen in den Wald brachten, fanden ihn besinnungslos unter dem Baume liegen. Die Kinnlade ift zerschmettert, ein Arm gebrochen, außerdem hat der Be- dauernSwerthe mehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen davongetragen. Er wurde in daS hiesige Gräfl. Hospital verbracht. nn. Darmstadt, 19. November. Heute Mittag gegen f/,3 Uhr brach in dem in der Neckarstraße gelegenen Hoff- mann'sch en Mädcheninstitut und zwar im Vorderhaus, in dem sich daS Damenpensionat der Fräulein Daoidfohn und Fräulein ScePanSky befindet, im Dachstuhl Feuer a >«, daS sich sofort über das ganze dreistöckige, massive Gebäude verbreitete. DaS UnterrichtSgebäude, das in der Waldstraße liegt und in dem gerade der Unterricht begonnen halte, konnte von den Mädchen noch ohne Gefahr für dieselben verlassen werden und geschah denn auch daS Entlassen in derselben musterhafter Ordnung. Sofort nach dem AuSbrechen de« Brandes erfchien ein Allarmzug der freiwilligen Feuerwehr auf der Brandstelle, dem bald fämmtliche Züge der Feuerwehr mit ihren Rettungswagen u. f. w. folgten. Auch Provinzialdirector v. Marquardt, RegierungSrath Fetz, Herr Polizeilieutenant Kratz mit einer Anzahl Schutzleute, sowie ein Theil der Truppen der Garnison trafen auf ter Brandstelle ein, letztere, um die Brandstelle abzusperren. AuS sechs Schlauchlinien, auS Hydranten der städtischen Wasserleitung gespeist, wurden die Wasserstrahlen von ter mit Bravour arbeitenden Feuerwehr in daS brennende Dachgeschoß gesandt, und dies umsomehr, als links, kaum zehn Meter von dem brennenden Gebäude entfernt, sich da» Ministerhotel deS Herrn StaatSminister Finger mit btn Archiv des Staatsministerium», und rechts von der Brandstelle das Großh. KreiSamt mit den Diensträumen der Großh. Centralstelle für die Gewerbe unb ihrer werthvollen Bibliothek und technischen Mustersammlung befinden. Während das Feuer am heftigsten wüthete, traf auf d-m Brandplatz die Meldung deS AuSbruchS eines zweiten Brandes i» der Gardistengasse ein und sofort setzte sich der Reservezug dorthin in Bewegung. Diese Meldung hat sich jedoch al« unrichtig herausgestellt. Nach fast zweistündigen Anstrengungen der Feuerwehr gelang eS derselben, daS Feuer auf feinen Heerd zu beschränken. Der Dachstock ist total ausgebrannt, und auch daS Gebäude selbst hat durch die enormen Wasser- rnassen nicht unbedeutend gelitten. Vor längeren Jahren, als sich daS Hoffmann'sche Institut noch Ecke der Wilhelminen- und Hügelstraße befand, wurde dasselbe schon einmal von einem Brandunglück betroffen. Auch damals ist, soviel wir uns entsinnen, der ganze Dachstock ein Raub der Flamme» geworden. Oppenheim, 18. November. Vom Basel-Frankfurter Schnellzuge wurde gestern Abend ein 17jähriger Bursche, anscheinend dem Arbeiterstande angehörig, zwischen ittShe'm unb Guntersblum überf ahren unb getöbtet. Nach Lage beS Körper« zu urtheilen, ist ein Selbstmord wahrscheinlich. Kastel, 18. November. Hier wurde em fremder Schäfer, der vorgestern mit einer Heerde von über 500 Schafen durchzog, auf Veranlassung der Biebricher Behörde verhaftet. Der Betreffende hatte in der Nacht vorher auf den Felker» der Biebricher Gemarkung weiden lassen und waren dabei einige Aecker voll Korn abgefressen warben. Dermifdpte». * Posen, 19. November. Der Anfiebler unb Felbhüter Peschke wurde von zwei Stübern im Alter von 18 und 15 Jahren ermorbet, unb, obgleich er noch Lebenszeichen von sich gab, verscharrt. • Hamburg, 19. November. Einer Melbung au« Gifhorn zufolge wurde in der Nähe von Wipshausen die zwanzigjährige Hermine Schmidt ermordet und bann in den Fluh geworfen. Man glaubt, eS handele sich um einen Lustmord. ♦ Stoßseufzer. Studiosus (der lange Zeis vergeblich auf eine Geldsendung wartet): „Ich glaube, ich kann in meiner Dissertation über auSgestorbene Menschenrassen auch gleich die Gelbbriefträger erwähnen!" in Mdnll des Ausent, gesetzt. önglüifg, r Rimbach. M brfchäs. &Wt, Mt lanbtn W Sinnlabe ift hat der ®t- Verlegungen :äfL HoSpilsl Mittag gegen flttitn Hoss. EockchuS, » Daoidjohn Feuer aufl, ioe Gebäude r Waldstrab' murn haue, für dieselbe» en in derselbe» isbrechen bet en Keuerivkhr t btr Aeuer- qttn. Sach M Tchu^rme, «ch de, ad^lMeo. itt MA hlen ton tu ennenbe Da^ ks, kam W int, sich das ।er mit btm in' der Brand- iftiaumtn der •r werthvollen ng befinden, traf ans dem ten Brandes in servezug dort« jedoch als un> Anstrengungen uer auf seinen l an-gebrannt, armen Wässerigeren Jahren, ^Mhelminci" >ll einmal vo» Ift, soviel M > der 5lQ«"t0 M, ^einander, • ^uderv», und .di« wurden öbge» °® letziru b Diebstahle cbtn- Trotz « bis jetzt achen. glückte der r ^Uöhi. lnben tzach, ^rsrhrn ist, geisteskranke b'6 hiefigen n Altenstadt ru sein. Alle r ®b S'*“» ,,t »m 16IM 5 oft t« '*11, M< mb bfl”“ etntn ftd). u°> □eii ve^^ fdrf» ”* h|t< heutige Kummer 6 Seite«.