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Hralisöeikage: Hießener Iamitienökätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. All- Annoncen-Bureaux der In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Die Krifis in Bulgarien. Durch zwei durchaus verschiedene, aber ohne Zweifel in geistigem Zusammenhänge stehende Ereignisse ist daS Fürstentum Bulgarien in eine ganz unberechenbare Krifis gestürzt worden. Bulgarien hat in diesen Tagen seine ganze rühm« volle Vergangenheit, welche auf die Erlangung der Selbst- ftändigkeit und Freiheit des bulgarischen Volkes gerichtet war, verleugnet, denn während eine bulgarische Deputation unter Führung des Metropoliten Clement und deS Kammerpräsidenten Theodoroff in Petersburg mit Erfolg um Rußlands Gunst wirbt, haben die Helfershelfer der Ruffenfreuude und Panslavisten den früheren bulgarischen Mtnisterpräfi- denten Stambulow, der seiner Zeit mit so großem Erfolge Bulgariens Selbstständigkeit gegen Rußland vertheidigte, «euchelmörderisch überfallen und mit Dolchstößen derartig zugerichtet, daß er am folgenden Tage gestorben ist. Erbärmlich, heuchlerisch und im hohen Grade ekelhaft ist es, wenn die jetzige bulgarische Regierung und die jetzt herrschende russische Partei ihre Hände in Unschuld wäscht und das Gerücht verbreiten läßt, als sei Stambulow daS Opfer einer Privatrache geworden. Auch der Umstand, daß die bulgarische Regierung einen Preis auf die Mörder StambulowS gesetzt hat, darf Niemanden irre führen, denn die orientalische Verschlagenheit spottet in Bezug auf politischen Meuchelmord jeder Beschreibung. Es ist auch klar, daß Stambulow den jetzigen Machthabern in Bulgarien jedenfalls im gegenwärtigen Augenblick ganz besonders gelegen stirbt. Sie haben eine Untersuchung gegen ihn einleiten lassen, welche von Anfang an in ihrer ganzenjEinleitung und Durchführung verfassungswidrig war, und bet welcher es sich von vornherein nicht um Gerechtigkeit, sondern um die moralische und womöglich auch physische Vernichtung Stambulows unter Zuhilfenahme einer kläglichen Parlamentarischen und gerichtlichen Farce handelte. Ohne Zweifel hat die Untersuchung aber auch unter diesen Umständen keine Erfolg verheißenden Ergebnisse geliefert. Der Lebendige konnte sich nicht vertheidigen, über den Tadteu kann man zusammenlügen, was man für zweckdienlich erachtet. Der 15. Juli wird daher ein schwarzer Tag in der Geschichte Bulgariens bleiben; nicht bloß Stambulow, son- dern höchst wahrscheinlich das selbstständige Bulgarien in eigener Person ist an dem Tage zu Tode getroffen worden. Schon lange war Stambulows Haupt für den Meuchelmord gezeichnet. Seit seinem Sturze fühlte er sich keinen Tag seines Lebens sicher, und höchst schwächlich war der Schutz, den ihm die öffentliche Gewalt nicht nur gegen Beleidigungen aller Art, sondern auch gegen thätliche Bedrohungen gewährte- er mußte fich selbst mit Beschützern umgeben, sich in seinem Hause sozusagen verschanzt halten. Nun hat man ja den einstigen berühmten Träger der bulgarischen Selbstständigkeit aus andere schändliche Weise unschädlich gemacht, aber in Einem haben sich die Thäter und die Mitschuldigen verrechnet. Die Theilnahme und die Werthschätzung Europas, welche früher den Bulgaren so eifrig zugewandt wurde und ihnen eine so große moralische Stütze war, ist ihnen unreif bar verloren gegangen, denn wer mag noch Sympathien für ein Volk haben, welches so außerordentlich wankelmüthig und erbärmlich in seiner politischen Gesinnung ist, welches heute das verbrennt, was es gestern noch angebetet hat! Und ob die Bulgaren nun bet den Ruffen daS ihnen angeblich fehlende Glück finden werden, dürfte doch noch sehr zweifelhaft sein. Auch werden England, Deutschland, Oesterreich, Italien, die Türkei und Rumänien schwerlich gestatten, daß Bulgarien ein Tummelplatz für russische EroberungSpläne im Orient werden wird. Cocates und Lrovlirzielles, Stammheim, 15. Juli. Gestern geleiteten wir den ältesten Einwohner unseres Ortes zur letzten Ruhe: Herrn Konrad Becht, der durch zwei Amtsperioden als Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher fungiert hat und nunmehr im 88. Lebensjahre verstorben ist. Vor 12 Jahren lehnte er in Rücksicht auf sein Alter eine Wiederwahl ab. n. Von der Ridda, 17. Juli. Der Preis für die Frühkartoffeln beträgt eben 6 Mk. für den Kilocentner. Ein allgemeines Urtheil über den Ertrag ist dieses Jahr seh* schwer abzugeben, da infolge verschiedener zusammenwirkender, schon oft erwähnter Umstände, derselbe Heuer viel mehr als sonst von dem Zustand, in dem sich der Ackerboden beim Anpflanzen befand, abhängig ist. Auch von der Zeit der Anpflanzung ist die Ernte sehr abhängig. Auf manchen Aeckern ist die Ausbeute eine sehr gute, auf andern, mit gleichen Bodenverhältnissen und gleichen Sorten besteckt, dagegen nur eine geringe. „Eine gute Mittelernte" wird darum die richtige Bezeichnung für die diesjährige Früh-Kartoffel« ernte sein. 0. Aus Oberhessen, 18. Juli. Da, wo starke Mai» käferflüge stattfanden, wurden die Bäume, besonders Eichen, Roßkastanien u. a. von der Spitze abwärts zum Theile ganz, thetls auch in geringerem Maße ihres Laubes beraubt. Zur jetzigen Zett, nach Eintritt des zweiten oder sogenannten Johannistriebes bildet sich daS abgefreffene Laub wieder und kommt in zarter, hellgrüner Farbe zum Vorschein, wie im Wonnemonat Mai. Dieses hellgrüne Laub unter dem durch die Sommersonnenstrahlen viel dunkler gewordenen nimmt sich allerliebst aus, weßhalb wir die Touristen auf dieses Farbensptel und dessen Ursache hiermit aufmerksam machen. Dermifdpto» * Ems, 15. Juli. Vor fünfundzwanzig Jahren. So lange Bad Ems besucht wird, gab es wohl daselbst unter den Badegästen keine größere Aufregung, als am 15. und 16. Juli 1870. Schon am Vormittage des 16. begann die Abreise, oder richtiger gesagt, die Flucht der Badegäste in die Heimath. Die Eisenbahnzüge waren bis auf den letzten Platz gefüllt, doch gab es auch sehr viele, die mit Fuhr» werken (Droschken, Leiterwagen), ja sogar auf Eseln die Flucht nach Coblenz bewerkstelligten. Am Nachmittage des 16. (Samstag) war die Straße Ems-Niederlahnstein dicht mit Fuhrwerken rc. besetzt, Wagen an Wagen, Esel an Esel, alles zog nach Coblenz, um von da ab, per Schiff oder per Bahn der Heimath zuzueilen. Vielfach kam es vor, daß Kurgäste Wäsche hinauSgegeben hatten. Diese wurde, naß oder trocken, wie sie eben war, zurückbeordert und eingepackt. In Coblenz selbst befand sich am 16. Nachmittags schon alles in größter Erregung, da den Bewohnern aufgegeben war, sich auf eine entsprechende Zeit zu verproviantiren. Gegen 3 Uhr Nachmittags traf von Saarbrücken her ein Zug von etwa 30 bis 36 Lokomotiven, alle geheizt, am Rhetnbahnhofe in Coblenz ein, so daß man eS daselbst vor lauter Rauch und Qualm kaum aushalten konnte. In der folgenden Nacht wurden den Reservemannschaften dieEin- berufungsordres auf den 20. Juli Vormittags überbracht. Am Bahnhofe zu Oberlahnstein irafen am Nachmittage deS 16. Feuilleton. Wochenbriese ans der.Residenz. (Originalbertcht des „Gießener Anzeigers"). Z. Darmstadt, 18. Juli. ktadtifche Angelegenheiten. — Erster Verbandslag der deutschen Technischen Hochschulen. Jetzt, wo die Politik im Innern unseres Vaterlandes lcht, wo die Beamten und Schulen die HundStagsferien genießen, sollte mau annehmen, daß auch die städtischen Angelegenheiten nicht mehr als gewöhnlich erörtert würden. Indessen eS scheint, daß gerade die Ferien Zeit und Muße ftr um so eifrigere Beschäftigung mit kommunalen Dingen geschaffen haben. Wenigstens hat der Haus- und Grund- sesitzer-Verein „Mathildenhöhviertel", der erste der Vereine, die gegründet wurden, um die Jntereffen einzelner Ltadttheile besonders zu vertreten — mittlerweile sind noch mehrere andere gefolgt — in der vergangenen Woche zwei Versammlungen einberufen, die beide äußerst zahlreich nicht aux aus den besonders tnteressirten Bezirken, sondern auch -iiS allen übrigen Stadtvierteln besucht waren. Die Aufmerksamkeit weiterer Kreise dürften die Dar- tezungen deS Vorsitzenden in der ersten Sitzung verdienen. M ihnen ist daS erste Hauptziel des Vereins, die Schaffung er Ban des Besondere Vorzüge dieser Naturgeschichte sind die natunr«-treuen farbigen Illustrationen. Bilder und Texte stellen anf der Höhe der Zeit. Autoren ersten Banges haben daran mlf$oarbeltet. Körpers. 0 Tafeln mit 100 Abbildungen. ll Abteilung: Das Pflanzenreich, ■; 54 Tafeln mit 650 farbigen Abbildungen. .■ Zu beziehen durch' alle Buchhandlungen. Jede Buchhandlung ist im. Stande das Werk zur Ansicht vorzulegen Vollständig In 96 Lieferungen ä 60 Pfennig. Foulard-Seide 95 Pf. bis 5.85 p. Mk. — japanesische, chinesische rc. in den neuesten DesstnS u. Farben, sowie schwarze, weiße und farbige Hanuederg«Seid« von 60 Pf. biS Mk. 18.65 p. Met. — glatt, gestreift, karrirt, gr, mustert, Damaste rc. (ca. 240 versch. Qual, und 2000 oersch. Farbm. Dessins rc.), Porto- und steuerfrei ins Haus. Muster umgehend. 8083 Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k. u. k. ho«.), Zürich. Bekanntmachung. Zufolge Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in der Zeit vom 1. August bis 1. September voraussichtlich keine Sitzungen der Stadtverordneten- Versammlung abgehalten werden. Dringliche, die Beschlußfaffung der Stadtverordneten-Versammlung erfordernde Angelegenheiten sind daher behufs vorgängiger Erledigung bis spätestens 30. d. Mts. bei uns vorzubringen. Gießen, den 19. Juli 1895. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 6197____I. V.: Georgi._______________________ Sccuriias pat. Kaffkn-Coutroll-AMrat neueste u. beste Ladenkasse vollkommene Sicherheit der Controlle, addirt selbstthätig die gesammte Einnahme. Vertretung für Gießen: Emil Pistor, HUrhtHr. 10. Die Kasse kann bei mir in Betrieb besichtigt werden. 2788 Karl Bergmann, Ederstraße 3 empfiehlt sein seit 13 Jahren bestehendes 5471 Das Schönste und liest« ivas Jo geboten ururdef Ah Siti- und Liegewagen en benutzen! 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