*s tta-nn r -i-i i. a u,d: ässe.) ft Leib). : 8 Uhr Adeudj Renten IS“ Sow^en. ee»*TaseM: M: «ntaWejHafj,. 1.80 E U° ■> A„ B n (»System ^■Schineiser“) tanze Jahr eöffnet. jur Heilung voa I hmungeorgaap. j irrh, Kehlkopf 1 a, Brone hoblet-1 nbercalo«f-j I e. »MW» | e D/reetion. otHttWt niUrtuMttwnra. , mitten- und Slüftnklbtn, b ßoHtnfitint, Meumalii» wrfoibtn, Strßopfung ic. tb Srumiemersanbt durch katzschttkf, Nie durch en und äpotiefm. |e eaWttf« Lall irituosen LEO, Siem m.H*W Üwfef) • • »[J »dec krg«u mebrnol) * ” ” irach • ’ gbruchXl*- * • " *jj v n n .-Ar«,P ■}***!? tt-Buo n 7i " ||iy Beeren-Wd^. i>ng' Nr. 247 Drittes Blatt. Sonntag den 20. October 18®# Aints- und Zlnzeigeblntt für ben Tireis Gieren 1 Hratisöeikage: chießener Kamilienbkätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Redaction, Expedition und Druckerei: KlSnlstrahe Ar.7. (jxrntprr4tr 51. Lierictjähiiger Aöönnc mf nUprH » l 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 60 Pfg. Die Gießener Jinmitiendtttter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" eutgeqen. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. 21mtlid?er Thell. Bekanntmachung, betreffend Gesuch deS Lederfabrikanten Wilh. Plank zu Gießen um Genehmigung .zur Errichtung zweier Gerbergruben. Der Lederfabrikaut Wilh. Plank zu Gießen beabsichtigt auf dem Grundstück Flur I Nr. 83/84, Hofrairhe nebst Grabgarten, gelegen zu Gießen in der Mühlgaffe, zwei Gerber- grubeu zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage laug, vom Erscheinen diese- in der „Darmstädter Zeitung" an ge- rechnet, auf dem Bureau des Großh. Polizeiamts Gießen zur Einsicht der Jntereffenten offen. Etwaige Einwendungen find binnen dieser Frist bei Meldung deS AusschluffeS bet Großh. Polizeiamt Gießen vorzubringen. Gießen, den 16. October 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. G a g ern. Der Krieg von 1870,71, seschlldert durch Ausschnitte auS ZeitungS-Nummern jener Zeit. (Nachdruck verboten.) 20. Oktober. Versailles, 19. October. Die 22. Division von der Armee des Kronprinzen hat gestern den etwa 4000 Mann starken Feind bei Chateaudun angegriffen, geschlagen und die verbarrikadirte Stadt erstürmt. Viele Gefangene gemacht. Diesseitiger Verlust gering. v. Blumenthal. Nach den Erfahrungen bei Artenay und Orleans ist an eine wirkliche Widerstandsfähigkeit der noch vorhandenen französischen Streitkräfte nicht mehr zu denken. Bei Artenay und Orleans ergriffen 18000 Mann der ins Gefecht ge- führten Truppen, auch Linie, die Flucht und hatten eS so eilig mit dem Davonlaufen, daß das GefechtSfeld und die Rück- ?zugSltnie mit weggeworfenen Waffen förmlich übersät war. Die Generale beschuldigten angesichts eines solchen Verhaltens ihre Leute der Feigheit, die Leute wieder entschuldigten sich, sie hätten kein Vertrauen in ihren Führern. DaS Ganze bietet aber ein widerliches Schauspiel. Nordd. Allg. Ztg. In Darmstadt helfen die Franzosen bet der Kartoffel- ernte, den Gartenarbeiten u'to. Viele find auch bei Handwerkern als Schneider, Schuster und Schreiner tbätig. Für fünf Arbeitsstunden wüffen sie Kost und 4 Sgr. erhalten und diesen Lohn an die Kasernenverwaltung für Kleidung rc. obgeben- was sie für längere Arbeit erhalten, bleibt ihnen. Aus Rheims, wo die deutschen Soldaten den Champagnerfabrikanten beim Traubenlesen helfen, und au» Versailles schreiben französische Bürger nach England: „ES ist hart, die Tugenden der Feinde anerkennen zu müffen, aber jeder ehrliche Mitbürger wird« unterschreiben: Die Deutschen betragen sich zehnmal besser als unsere-eigenen Soldaten." Unter dem Kopfkissen Napoleon» liegt eine Quittung der englischen Bank über 80 Millionen Francs und ein Der- zeichniß über Güter und Hauser im Betrage von 30 Millionen, woraus zu ersehen, daß der Kaiser zwar ein durchgebrannter, aber kein abgebrannter Mann ist. Noch bevor er Frau Eugente heirathete, fand er eine englische Freundin, Miß Howard, mit ö*/2 Millionen Francs ab. Diese war es gewesen, die sich seiner in England angenommen und ihm sogar die Kosten zum kaiserlichen Staatsstreiche vorgeschossen hatte. Auch dieses Capitel aus dem Geheimbuch haben die indiScreten Republikaner in Paris mit veröffentlicht. Garibaldi hat den Oberbefehl in den Vogesen über- nommen und folgende Proclamation erlassen Freiwillige FranctireurS! Ich komme, um den Oberbefehl über die für die nationale Vertheidigung gebildeten Corps zu übernehmen. Preußen weiß, daß es heute auch mit der bewaffneten Nation abrechnen muß. Ich richte keine langen Reden an Euch. Ich rechne auf Euch und Ihr könnt auf mich zählen. ES lebe die Republik! ... ES geht dem guten alten Manne wie einem Comödianten, der sich nicht entschließen kann, von der Bühne abzutreten. Romane hat er schon geschrieben auS Langeweile, und was für Romane, bi» eS jetzt fein Unstern will, daß Frankreich zur Republik und ihm ein Tummelplatz geöffnet wird, den er mit feinen Herren Söhnen occuptren kann. Keine Gicht, kein Rheumatismus vermag ihn zurückzuhalten, sein Repu- blikaniSmuS ist allezeit größer gewesen als sein Verstand und der erstere läßt ihn vergessen, daß er mit denen anbtndet, welche seine Sieger bei Mentana besiegten, daß er es nicht mit Banden und undiSciPlinirten Truppen zu thun, sich vielmehr in eine Affaire gewagt hat, die ihm der Geschichte gegenüber auf seine alten Tage den HalS brechen wird. Köln. Ztg. Garibaldis Bestallung zum Obercommandanten der „FranctireurS deS VogeS" ist mit der Flucht der französischen Truppen aus dem Gebirge nach Belfort ein leerer Titel geworden. Werder treibt sie mit seinen Badenern vor sich her. 21. Oktober. Unter der Erde vertragen fich die Deutschen und Franzosen ' besser als überirdisch. Eine deutsche Patrouille vor Paris entdeckte einen Weinkeller und prüfte eben die Sorten, als auch eine französische Patrouille hereingeschlichen kam. Große Ueberraschung beiderseits. Comment? suspendu! rief ein FranzoS. Setzen wir die Keilerei aus! antwortete ein Deutscher. Gesagt, gethan, sie lagerten sich, stachen ein Faß nach dem andern an und trennten sich als gute Freunde. In den Rapport kam aber nichts von dieser verbotenen Kneiperei. ES bedarf einer eisernen Hand, um in die französische Linie wieder DiScipltn zu bringen. Man hört die Soldaten alle nur erdenklichen Schimpfreden auf ihre Chefs auSstoßen und sie der Unfähigkeit und des VerrathS anklagen,- daS muß anders werden und eS ist die Rede davon, daß zwei Soldaten auf dem MarSfelde erschossen werden sollen. Man verspricht fich viel von einem Erlaß GambettaS, wodurch die militärische Stufenleiter zerbrochen und jeder Offizier, der sich au»» zeichnet, ohne die Zwischenstufen durchmachen zu müssen, sofort vom Sousleutnant zum General und Oberbefehlshaber ausrücken kann. Besonders lobend hebt er hervor, daß Gambetta selbst sogar jeden Ingenieur, der Talent zeigen werde, zum Befehlshaber zu machen entschlossen sei, denn ein Ingenieur werde fich wenig um militärische Routine kümmern und sei am geeignetsten, die Heerestheile zum Zusammenarbeiten zu bringen.__________________ Jndep. belg. CocaU# rrrid provinzieller. n. Nieder Florstadt, 18. October. Gestern Abend um neun Uhr brach hier abermals Großfeuer au», sodaß die Nachbarwehren abermals alarmtrt werden mußten. Dem Feuer fiel eine Scheuer zum Opfer, welche bet den beiden großen Bränden in voriger Woche verschont blieb, obgleich sie unmittelbar neben einer damals gänzlich eingeäscherten Scheuer stand. Die nach den vorigen Bränden sofort ein» geleitete gerichtliche Untersuchung hat bis jetzt noch kein greifbares Resultat erzielt. E. Vilbel, 18. Octobcr. Wir meldeten jüngst den versuchten Raubmordanfall gegen den Rentner Pfeiffer von Petterweil. Der Thar dringend verdächtig sind der Schweizer Joseph Renz aus der Gegend von Con- stanz, welcher in Kloppenheim bei Friedberg bedienstet ist, ferner die Dtenstmagd Lisette Röhmig von Ober-RoSbach, zuletzt in Petterweil. Beide Verdächtige sind vom Amtsgericht Vilbel in Haft genommen und sollen demnächst dem Landgericht Gießen zugesührt werden. W. Hochelheim, 17. October. Bezüglich des hier vorgekommenen, aus LanggönS gemeldeten Diebstahls sei hier berichtigend mirzutheilen, daß der Thäter nicht von hier, sondern von LanggönS ist. Feuilleton. Aus alter Zeit. (4. Fortsetzung.) Halb träumend bin ich also drunten durch daS Ortlein getaumelt, so Marpurg gegenüber gelegen. Erst auf der Drücken haben die kalten Winde, so über daS Wasser ge- firichen, den Träumer gewecket. Hab mich denn nach der Herberg befraget, allwo zu Nacht ich möcht verbleiben, und bin auch nach mancher Frag in den engen Gaffen der Stadt endlich recht müd in dem WirthShaus angelanget. Dort in der geräumigen Trinkstuben haben einige Studenten ihr laut Wesen trieben, deß mich uit verlanget. So hab mich denn en ein Tischlein nächst dem Herde gesetzet und itzo erst mein Bespermahl verzehret, so ich von Homberg hergetragen, dazu aber ein Krüglein Bier bringen lassen, waS mir auf meine weite Wanderung gar gemundet. Hab anerst zu Nacht in hochgethücmten Bette nit ein- schlafen können und da ich endlich etngeschlummert, hat mich ein Traumbild genarret, daß ich wider erwachet. Wol bin tch müd gewest und der Ruhe gar bedürftig, doch ist mein Blut also durch den Traum in Wallung gerathen, daß ich «it mehr schlafen gekönnt. So bin ich denn mit Tages- »rauen aus dem Bette gestiegen und hab mich ans Fensterlein gesetzet und die Zeit herbeigesehnet, wenn tch möcht -Leben hören im Hause, damit ich drunten am Hofbrunnen möcht die brennenden Augen und die pochend Schläfen ist mein Traum mir widerum klar vor die Seele rr-ten Bin mit der holden Jungfrau droben am Brunnen seffen 'am Waldesrand, und die Vöglein haben Über uns in dem Gezweig gezwitschert, und heller Sonnenschein hat lagen Inf dem weiten Land, doch ist ein ander Gegend gewest. Mr aber haben Hand in Hand seffen und gar liebliche Red gesühret. Auch hat die Maid ihr Köpflein gegen meine Schulter gelehnet und mich angeschauet mit ihren großen traurigen Augen also flehentlich, daß ich mich könnt nimmer enthalten. Hab sie an mein Herz wollen drücken, doch da ich sie umfangen, hab ich ins Leere griffen, die Jungfrau aber war entschwunden. Deß bin gar betrübet worden und hab zu vielen Malen ihren Namen rufen. Da hat fie plötz- ltch hinter mir standen und mit eiskalter Hand die Stirn mir berühret, daß es mich durchschauert, also bin ich erwachet. Und itzo wachend habe weiter geträumet. Doch je heller der Tag geworden, desto klarer und kühler hab die Sache überdenken mögen. Wie durst ich mein Herz beschweren und die Sinnen mir lassen in Banden legen, so ich mit ganzem Herzen und allem Verstände allhie sollt einsammeln und studiren, ob tch möcht dereinst ein Pfarramt Überkommen? Wer mocht auch können sagen, welch.Unrecht der Jungfrauen auf dem Gewissen gelegen? Darum hinweg mit allen trüg- lichen Bildern eines Glückes, dessen ich anitzo je doch nit mocht theilhaft werden. Also überredete mich der Verstand und also bin ich überzeuget gewest, mein kleine Aventüre habe kein Folg, denn daß ich mein Versprechen zu lösen in sieben Tagen droben beim Quell sein werde. Wollt die Jungfrau mir alsdann ihr Leid klagen, so würde tch ihr Trost zusprechen nach Wissen und Gewissen, beharret sie aber in schmerzvollem Schweigen, so könnt ich ihr nit helfen, Gotte mußt ich sie denn überlassen, der von mir hinfüro anderes verlanget, als der Tröster holder Mägdlein zu sein. Hab geglaubt, also sei cs recht gedacht und so ich danach handle, wohlgethan. Gewaltsam hab in den folgenden Tagen mein Sinnen immer wieder zurückziehen müssen, so es im Walde droben bet Rothraut gewest. Hab auch ein gar freundlich Stübletn fuaden tm Hause einer ehrsamen Wittib, und warS Kämmerlein auch klein und mußt ich allzeit mehrere Stiegen hinauf, hab droben gewöhnet so hoch und frei, tote der Thürmer. Tief unten ist die Lahn flössen durch Wiesen und Gärten, und drüben der Wald auf der Bergesschroffe- das war ihr Wald- — weg mit den Gedanken. Viel lieber will ich schauen an den Häusern entlang, die gleich diesem also hoch gelegen, über die Dächer hinweg hinunter zum herrlichen Dome zu St. Elisabeth, dessen Thürme au» dem tiefen Thale hinauf- ragen gen Himmel. Drs gläubige Gebet des starken Christen zu Gott aus dem Tyale der tiefen Noth und dennoch unentwegt. Dieser Blick sollt mir allzeit ein Mahnung sein und ein Trost. Fest soll werden das Herze gleich den mächtigen Quadern, auf denen die Thürme ruhen, und obgleich auf Erd in Noch und Elend gebettet, dennoch soll fefn Verlangen, den Thürmen gleich, zum Himmel streben. Dann aber kams mir widerum, zween Thütme find eS dicht neben» einander, zwo Herzen sind es- und tief aufseufzend flüsterten die Lippen: „Rothraut." Je mehr ich mich gezwungen, der Maid zu vergessen, je mehr ich ihrer gedachte, und ists gewest selbigmal schon, wie wenn ich fie gar lange Zeit gekennet. Die Vorlesungen hatten begonnen und ich hab emsig nachgeschrieben, waS vom Katheder herab geredet ward. Aber es ist der Sonntag kommen, und so ich doch über zween Tagen droben sein wollte am Borne, so mußte ich vorerst des Weges sicher sein, damit nit gar Justus Daniel die Zeit versäume, die er versprochen. So bin ich gleich nach der Mahlzeit über die Brücken schritten durch» Ortlein jenseits, den Hohlweg hinan gar dicht unterm Galgenberg durch zum Wald. Es war widerum recht warm und der Sonne» Strahlen brannten mir auf mein Barettlein, daß ich froh gewesen, wenigstens etzlichen Scharten zn finden unter den knospenden Waldbäumen. (Fortsetzung folgt). Bei Karl Hansen dem Meister des HhpuotismuS. Ein Jnterwiew. „Profeffor Kari Hansen auS Kopenhagen schon einge- troffen?* fragte ich am Freitag Abend im Bureau des EentraihotelS. Mau wies mich nach Nummer 175. Das Zimmer im zweiten Stock war leer, aber Gepäck« uod Kleidungsstücke deuteten an, daß der Fremde schon ein« getroffen war. Der Garton führte mich nach dem Spetsesaal, und bald saß ich neben dem Gesuchten. Hansen machte den Eindruck eines Fünfzigers, obgleich er, wie er mir im Lauf der Unterhaltung mittheilte, bereit- im 62. Lebensjahr steht. Er plauderte mit weltmännischer Erfahrung und verstand eS, seine Mittheilungen durch einge- gestreute launige Einfälle intereffant zu machen. Seine Augen haben vom ersten Moment an etwas Bezwingendes. Sie treten hinter den ungemein starken und vergrößernden Brillengläsern mit einem leuchtenden Glanz hervor, dem eine magnetische Kraft innezuwohnen scheint. Wer lange in diese Augen schaut, fühlt sich fast geblendet und gefeffelt. Nach einigen persönlichen Bemerkungen, die unserem früheren Bekanntwerden galten, führte ich die Unterhaltung auf das von mir bezweckte Gebiet. „Wie lange befaffen Sie sich mit Hypnotismus, Herr Profeffor?" „Seit meiner Kindheit," antwortete der Gefragte, der die deutsche Sprache ganz geläufig, nur mit dem Accent des Ausländers spricht. Und nun gab Hansen eine eingehende Schilderung seiner ersten hypnotischen Versuche: „3m Hause meines Onkels, eines alten Justizrathes, in meiner Vaterstadt Odensee auf Fünen, wurde ich zuerst in die Geheimnisse des HypnottSmuS eingeweiht. Mein Onkel stand noch im Banne des MeSmerismuS, nach deffen Gesetzen und Anschauungen er zu hypnotifiren verstand. Ich sah ihm einige Kunststücke ab und machte schon als zehnjähriger Knabe die ersten hypnotischen Experimente an einer kleinen Spielgefährtin, worüber mein Vater sehr aufgebracht war. Ich wurde zum Kaufmann bestimmt, entsagte jedoch sehr bald diesem Beruf und wandte mich nach Kopenhagen, wo ich einige Semester Medicin studirte. In meiner Lhätigkeit als practischer Arzt vervollständigte ich meine hypnotischen Erfahrungen und faßte schon frühzeitig den Entschluß, in der Erforschung und Bethätigung des HypnottSmuS meine Lebensaufgabe zu suchen. Aber zunächst trieb mich ein unwiderstehlicher Drang in die Welte." Ich trat eine kleine Weltreise nach Australien an und blieb über acht Jahre auf dem fernen Jnselreiche, zuerst als Arzt, dann als Ingenieur und schließlich als Magnetiseur thätig. In Bathurst, der industriereichen Stadt in Neu« I Süd-Wale-, wurde ich Borfitzeuder eines Kunst und In- dustriegewerbe-Dereius, welcher sür leine Mitglieder wissen schaftliche Vorträge veranstaltete. Eines Abends sollte ein europäischer Gelehrter von Ruf einen Vortrag über Chemie halten, aber eine Ueberschwemmung der Flüffe hatte die rechtzeitige Ankunft deS Gelehrten verhindert. Um Ersatz zu schaffen, fand ich mich bereit, über HypnottSmuS zu sprechen und einige Experimente vorzuuehmen. ES gelang vorzüglich — mein erstes öffentliches Auftreten als Hypnotiseur hatte stattgefunden. DaS war im Jahre 18&7. Meiner ärztlichen und technischen Thätigkeit ent'agte ich ganz und lebte fortan nur als Hypnotiseur, d. h. immer nur in lehrender Stellung. Ich bereiste alle Länder Europas, vom nörd- lichsten Rußland bis zum südlichsten Spanien und Griechen- land. Im Jahre 1878 trat ich zum ersten Mal öffentlich in Berlin auf und erzielte mit meinen 41 Vorstellungen die größten Erfolge. „Wo haben Sie die sür Ihre hypnotischen Experimente am besten geeigneten Personen gefunden?" warf ich ein, und Hansen entgegnete: „Ich habe in allen Kreisen, von den höchsten bis zu den einfachsten, und bei allen Nationen hypnotifirt und überall die gleiche Erfahrung gemacht. Gebildete, d. h. nach gewöhnlichen Begriffen intelligente Bauern habe ich als besonders brauchbar sür die Zwecke des Hypnotismus gefunden. Auch zwischen der Brauchbarkeit der Frauen und der Männer besteht ein kleiner Unterschied, indem unter den Damen drei bis vier Procent mehr hypno- tisirungSfähige Personen fi j) befinden, als unter den Männern." „Haben Sie auf Ihren Reisen viele Concurrenten gefunden und glauben Sie, daß noch andere Hypnositeure denselben Ruf genießen wie Sie?" fragte ich weiter. Hansen lächelte, zuckte die Achseln und meinte: „Nachahmer habe ich viele gefunden, aber die meisten Hypnotiseure, welche öffentlich auftreten, unterscheiden sich von mir in einem ganz wesentlichen Punkte, sie bringen immer, wo sie auch auftreten, eine Anzahl als brauchbar erwiesene Medien mit; ich war der Erste, der seine Medien ausschließlich aus der Mitte des zuhörenden Publikums entnimmt. Daß trotzdem immer noch in gewissen Kreisen Zweifel an der Natürlichkeit meiner Experimente entstehen können, ist etwas, was ich nicht begreife, wenn diese Zweifel von gelehrten Männern auSgehen. Ich habe im Anfang meiner Reisen durch Deutschland absichtlich und mit Vorliebe die deutschen UniversitätS- städte aufgesucht, und habe erfahren, daß ich gerade bei den Profefforen und Studenten Anklang fand." „Sie haben gewiß eine große Zahl von Experimenten auf Ihrem Repertoire?" „Zahllose, insofern, als täglich neue Ideen hinzukommen. Sehen Sie, da fällt mir eben wieder eine neue ein. Ich würde Sie jetzt hypnottsir.en, wenn ich etwas mehr Zett hätte, ich würde Sie einen Augenblick mit Blindheit schlagen, und Sie sollten den Herrn, der dort am letzten Tisch soupir^, I nicht sehen. Wenn der Herr dann einen Hut aufsetzt, würden Die den Hut in der Lust berumschweben sehen, den Träger deS Hutes aber nicht. Leider aber geht es jetzt nicht, viel« leicht machen wirs am nächsten Montag in Zehlendorf" — fügte er mit Rücksicht auf einen dem dortigen MontagSverem zugesagt-n Vortrag hinzu. Auf meine Frage, wieviel Personen Hansen schon hypno- tifirt habe, antwortete er mit seinem verbindlichen Lächeln: „Gezählt habe ich sie nicht, aber hunderttausend dürften wohl zusammenkommen. Acht Monate bin ich jährlich auf Reisen, fast täglich halte ich einen Vortrag und arbeite mit 12 bis 20 Medien. Seit 1857 geht die Geschichte — nun rechnen sie fichS auS, ob nicht die genannte Zahl ungefähr herauSkommt." „Werden Sie noch lange das unstäte Wanderleben fort« setzen?" fragte ich zum Schluß, „und wie gefällt daS Ihrer Familie?" „Meiner Familie biete ich für mein winterliche- Freisein Ersatz im Sommer, wo ich vier Monate mit derselben im Seebade zusammen bin. Im Uebrigen aber werde ich das Wanderleben nicht lange mehr fortsetzen, denn eS ist anstrengend, und — man ist kein Jüngling mehr." Der Profeffor sah nach der Uhr. „ES ist zeit zum Aufbruch, S e begleiten mich doch in die heutige Sitzung deS Verein- Sphinx, wo ich seit 1887 wieder den ersten Vortrag in Berlin zu halten gedenke." Ich nickte zust mmend, wir schlürften unseren Mokka au- und suhren in Begleitung dr- inzwischen erschienenen Ge- schästssührerS deS Profeffor Hansen nach dem Handwerkervereinshause in der Sophienstraße, wo eine Kopf an Kopf gedrängte Menge von Damen und Herren bereits der Ankunft deS ProfefforS harrte. Hansen hatte Glück an diesem Abend. Die Experimente, welche er seinem Vortrage über daS Wesen deS HypnottSmuS folgen ließ, verliefen durchweg glatt. Den kleinen Hypnoti- sirungS - Scherzen, wie daS vollständige GefühlloSmachea deS Mediums selbst gegen gewaltsames Kitzeln der Nase u. s. w., folgten jene überraschenden Borsüyrungen, bet denen der Zuschauer immer sich fragt, ob benn möglich sei, daß Jemand ganz und gar daS machtlose Werkzeug eines fremden W'llenS werden könne. ES wird einem jungen Manne gesagt „Ihr Rock hat Feuer gefangen," und daS Medium handelt genau so wie Jemand, dem dieses Mißgeschick widerfahren. Einer Dame wird befohlen, die „Engel im Himmel" fingen zu hören — sofort nehmen ihre Mienen den Zug der Ber« zücklheit an. Nachdem der lebhafte Beifall verrauscht war, verab- schiedete ich mich von Herrn Hansen mit verbindlichstem Danke für die angenehm verlebten Stunden und mit de» von ihm erwiderten Wunsche: „Auf Wiedersehen!" Bekanntmachung. Das vierte Ziel Gemeindesteuer 1895/96, sowie die bis jetzt fälligen Holz- und Heugrasgelder find bis Ende dieses Monats bei Meidung des Beitreibungsoerfahrens zur hiesigen Stadtkaffe zu bezahlen. Zahltage: Dienstag, Donnerstag und Samstag. Gießen, den 19. October 1895. Der Stadtrechner: 8711______________________Doepfer.__________________________ Bekanntmachung. In dem Genoffenschaftsregister des unterzeichneten Gerichts, Ord.- Nr. 33, Seite 104, „Landwirthschaftlicher Consum-Verein Steinbach, Eingetragene Genoffenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht," wurde Folgendes eingetragen: „Durch einstimmig gefaßten Beschluß der General-Versammlung vom 21. Juli 1895 wurde der Paragraph 36 des Status dahin abgeändert, daß die von der Genossenschaft ausgehenden öffentlichen Bekanntmachungen nicht mehr im „Reichsherold", sondern im „Gießener Anzeiger" zu veröffentlichen seien. Gießen, den 27. September 1895. Grobherzogliches Amtsgericht Gießen. 8710_________________Neuenhagen.____________________ Spar- und Leihkafie Gießen. Ausschußsitzuug: Freitag den 25 l. M., Nachmittag! 3 Uhr im Sitzungszimmer der Stadtverordneten zu Gießen. Gießen, am 15. October 1895. Die Direction des Spar- und Leihkaffevereins. 8693 Grüneberg. 22. Wittel'rljeinisches Kreisturnfest. Das vom Turnfest herrührende Holz soll Dienstag, 22 ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr auf „Oswaldsgarten" öffentlich versteigert werden und zwar: 1) Nüststangen für Maurer, 2) Nüstholz für Weißbinder, 3) Pfosten und Leithölzer zu Einfriedigungen, 4) Pfähle, Pflöcke und Brennholz. Gießen, den 17. Oct ober 1895. Bau- und Ausschmückungs-Ausschuß zum 22. Mittelrhein. Kreis-Turnfest. 8692] I. A : Schmandt. Günther & Noltemeyer, Zur Lust b. Hameln 'abrlk and Waarenver*andhaa». Billige Bezugsquelle für hochfeine Kimmgarne Cheviots, Bsoksklos, Loden, Regen- und Abendmäotelstoffr», Kleiderstoffe in gediegener Auswahl. Vorthoilhaftor Bezug von Teppichen, Läufern. Vorlagen, Schlaf- und Pferdedecken und Tischdecken, Portieren (6912 Annahme und Musterlager bei J. C. Wallenfels, Kirchenplatz. Beste und billigste BrzugSauelle für garanttrt neue, doppelt gereinigt u. gewaschene, echt nordische Bettfedem. Wir versenden zollfrei, gegen Nachn. 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