18»* Mittwoch den 18. December Erstes Blatt St. 297 Kchener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. RAartton, LkPedtttM un- Druckerei: Sch«kstratze^r.A» Fernsprecher 51. f vierteljähriger A5o»»e«e«tsprelS t 2 Mark 20 Pfg. mit vriugerlohn. < Durch die Post bezog«» 2 Mark 50 Psg. Die Gießmer y**trit*ir»tfet werden dem Anzeiger -wvcheotlich dreimal brigelegt. Der erscheint täglich, Ausnahme des Montags. Amts- und Aiizeigeblatt für den Areis Giefzen Gralisbeitage: Gießener Jamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Lnnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« fslgmden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. be- und im Kaiserlichen Amte Der Gesammtvorstand erwartet. daß Ah lwardr in einer seiner Conferenzen daran verhindert 100 Exemplaren dem Reichs- find von der Reichsregieruug deutsch-socialen Reformpartet wählte gestern engere Leitung der Partei und zwar zum Schriftführer der die den Haltung gegenüber den von der Tabakregie gemachten Vorschlägen scharf getadelt. nisse im Handwerk ist in tage zugesiellt worden. Diese im Sommer 1895 veranstaltet arbeitet worden. Berlin, 16. December. des Handwerks an; die Nichtannahme der Voilaae würde in einem aewrsstu Sinne eine Verschleppung der Angelegenheit bedeuten. Abg. Fischbeck (srs Vp.): Wir können in eine solche Zwangs- organtsation de« Handwerks von Staatswegen nicht willigen. Wir eben ja die Unzuträgltchketten solcher ZwangSorganisatton bet den Landwtrthschaftskammein.EDie Vorlage würde von den Herren auf der Rechten doch nur als ein erster Schritt auf dem Wege zum Be- ähigungsnachwetse betrachtet werden. . , . Abg. Marbe ((Str.): Bet uns in Süddeutschland hat die Vorlage keine gute Beu thetlung gefunden, bet uns wünscht man dte Organisation nicht von oben herunter, sondern von unten her Abg. Dr. v. Wolczlegter-Gtlgenburg (Pole) verspricht sich von der Vorlage nicht viel, befürwortet aber doch Commtssions- berathung. $gfrflut (Ref.-P.): Die Vorlage hat eine gewisse Aehnltchkeit mit der Umsturzvorlage und eS ist ihr deshalb auch deren Schicksal zu gönnen. Von einer im manchesterltchen Fahrwasser segelnden Regierung ist auch keine annehmbare Handwerksorgantsatton zu erwarten. Redner plaidtrt für Zwangsinnungen; nachdem die Uebermacht des jüdischen Einflusses sich in nachtheiltgster Weise beim Handwerk geltend gemacht, hilft keine andere Organisation, a s beschließende Körperschastm. Die Handwerkerkammern sind so mtnder- werthtg, daß eine eingehende Erörterung entbehrlich ist. Nur wer dem Handwerk seine Rechte vorenthalten will, kann für diese Kammern stimmen. Ich bitte um sofortige Ablehnung im Plenum. Wetterberathung morgen. Außerdem stehen Rechnungssachen und das Börsengesetz auf der Tagesordnung. Morgen treten die Botschafter zu einer neuerlichen Besprechung zusammen. — Beständig wird ein M inist er w e ch s e l Der Sultan habe den Großvezir wegen seiner menter an der östlichen Grenze zu verstärken. ' ~ 1 London, 16.December. Aus Newyork wird gemeldet, Depesche» des Bureau .Herold" Berlin, 16. December. Freiherr von der Re.cke, welcher die Leitung des Ministeriums des Innern bereit» übernommen hat, gedenkt, sobald Reichstag und Bundesrath in die Ferien gegangen find, einen Urlaub anzutreten, um seine Übersiedelung von Düffeldorf nach Berlin zu erledigen. Minister von der Recke dürfte die Amtswohnung im Ministerium des Innern gleich nach Neujahr beziehen. Herr v. Köller räumt am 20. d. M. die Dienstwohnung und ver- läßt, wie bereits gemeldet, Berlin, um sich auf sein Gut nach Stammln in Pommern zu begeben. Berlin, 16. December. Dte „Nordd. Allgem. Ztg. bestätigt, daß der Name deS Abgeordneten Zorn v. Bulach ohne sein Wlffen und gegen seinen Wunsch unter den Antrag Kauitz gesetzt worden ist und daß er demselben in der vorliegenden Form durchaus nicht seine Unterstützung gegeben habe. Berlin, 16. December. Heute Morgen begann der lange mit Spannung erwartete Prozeß gegen die Geliebte des Dr. Steinthal, die unverehelichte Elisabeth Sänke. Gleich noch Beginn der Sitzung wurde die Oeffentlichkeit ausgeschloffen. Nur den Vertretern der Preffe wurde gestattet, den Verhandlungen betzuwohnen unter der Bedingung, daß unsittliche Momente des Prozesses in den Berichten fort- gelassen oder nur delicat angedeutet werden. Berlin, 16. December. Dte Kaiserin Friedrich besuchte am SamStag daS Mausoleum der Friedenskirche in Potsdam, woselbst sich der Sarg threS Gemahls befindet, und beehrte sodann baß Kinderheim in Bornstedt mit ihrem I Besuche. Gestern Mittag empfing die Kaiserin baß Präsidium des Reichstags und hierauf den Rector der hiesigen Universität, Professor Dr. Wagner. Berlin, 16. December. Die Erhebung über Verhält- Reichstag 9. Sitzung. Montag, den 16. December 1895. DaS HauS ist sehr schwach besetzt. , _ Nach Annahme eines schleunigen Antrages auf Einstellung rineS schwebendm Strafverfahrens gegen den Abg. Lütgen au (Soc ) tritt das HauS in die erste Berathung der Vorlage, betr. -Errichtung von Handwerkerkammern, ein. StaalssecretSr v. Bötticher: Es ist ernste Absicht der Regierung, dem Bedürfntß einer zwcckmäßigen Organisation des Handwerks näber zu treten. Ich insbesondere denke nicht daran, mich durch die Vorlage von der Lösung der Organtsationsfrage überhaupt zu befreien. Man hat gesprochen von meinen Differenzen mit Herrn v. Berlepsch und von einem großen Stege meinerseits. Herr v Berleplch und ich, die wir eng befreundet find, haben aber an einem Strange gezogen und thun dies noch jetzt, wenn sich auch tn Einzelheiten M.inungSverschtebenhetten gezeigt haben. Wir werben auch, wenn es sich um die definitive Organisation handelt, zu- lammengehen Die Regierungen machen Ihnen ein^muthtg vorliegende Vorschläge. Man hat jetzt gemeint, es bedürfe nicht erst einer vorläufigen Organisation, man brauche blos dte bereits mgam- sirten Handwerker zu hören, aber - so gern ich auch bereit bin, den organtsirten Körperschaften, den Handwerks-Innungen, eine Mitwirkung zuzugesiehen, so sind doch von den Handwerkern nur Oerhältntßmäßtg wenig in den Innungen vereinigt, und ich würde gewissenlos handeln, wenn ich nicht auch die Anderen Horen wome. Die nicht in den Innungen vereinigten Handwerker haben das Recht, gehört zu werden. Deshalb diese Vorlage, in der den Innungen in der Vorlage eine sehr weitgehende Mitwirkung gesichert ist. Wann dte definitive Regelung nachsolgt, kann ich nicht mit absoluter Gewißheit sagen Herr o. Berlepsch ist an der Arbeit. Vielleicht in der dritten Hälfte des Februar wird dem Bundesrath eine Vorlage zugehen und vielleicht schon Mitte März dem Reichstage. Jedenfalls gehört eine endgiltige Regelung schon in dieser Session nicht zu den absoluten Unmöglichkeiten. Wollen Sie aber diesen Entwurf nicht, so werden wir die Arbeiten fortsetzen, unS selbst begutachtende Körper I(taffen und Ihnen dann wohl im nächsten Jahre eine Vor- lage machen^ So wie das Gesetz vorltegt, ist es für mich nicht annehmbar. Um so freudiger begrüße ich d e Zusage des Staatssecretärs, daß bei Scheitern dieser Vorlage die O'ganisations- arbeiten fortgesetzt werden sollen. Ich kann nur die Hoffnung aussprechen , daß die Herren v. Bötttcher und v. Berlepsch nicht nur kü ftig an einem Strange ziehen, sondern auch nach derselben Richtung (Heiterkeit). Um darüber und über die Berlepsch'schen Pläne, auf deren Grundlage ich eine Einigung wünschte, insbesondere zu einer klaren Aussprache zu kommen, beantrage ich dte Verweisung der Vorlage an eine Commission. Die grundsätzlichen Fragen sind aber — Befähigungsnachweis und Anderes — schon jetzt genügend erörtert. Das Gesellenwesen muß von den Innungen geregelt werden, lieber das Ziel sind wir ja Alle einig, auch die Regierungen, und auch über die Grundzüge des einzuschlagenden Weges. Deshal" sollten wir uns nicht jetzt noch mit einer provisorischen Regelung aufhalten. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren, rott sollten die Handwerker nicht mehr Hinhalten. (Bravo!) Abg. Gamp (Rp.): Ich kann in der Vorlage gar kein Provisorium sehen, sondern sie siebt vielmehr eine definitive Regelung der Organisation in der höchsten Instanz, denn die Wahlen zu den Kammern sollen ja nur alle fünf Jahre statlfinden. Wenn wir, rote dte Vorlage es will, die wichtigsten Fragen von einer Majorität entscheiden lassen wollen, einer Majorität, die überdies von der ganzen Organisation überhaupt nichts mehr wissen will, dann sollen wir doch lieber die ganze Sache fallen lassen. Die verbündeten Regierungen sollten die Organtsalion gleich so regeln, wie sie den wirklichen Wünschen der schon sitzt organtsirten Handwerker entspricht. StaatSsecrctär o Bötticher versichert nochmals, es handle sich hier nur um ein Provisorium. DaS Gegenthetl folge auch nicht aus der fünfjährigen Wahlp.riode, denn wenn einmal hier Kammern vorgeschlagen würden, so müsse auch eine Wahlperiode festgesetzt werben, gleichviel wie lange die Thätigkeit dieser provisorischen Kammern überhaupt dauere. Er selbst sei fein absoluter Gegner bei Zroangs- tnnunflen, in diesen Ruf sei er unverdientermaßen gekommen. Aber er müsse doch daran erinnern, baß auch die Mehrheit des Reichstages, darunter Ackermann, v. Hertling, Kleist R.tzow, sich früher gegen Zwangsinnungen geäußert hätten (Rickert: hört, hört!) Abg. Heil v. Herrnsheim (nl.): Die Vorlage entspreche nicht den Wü> schen, welche seine Freunde im Vorjahre geäußert hätten. Der Handwerkerstand habefich thatsächlich für dieBerlep'ch'schen Vorschläge erklärt, während er den Bölttcher'schen Entwurf abgelehnt habe. Nur in dem einen Punkte weiche das incotporirle Handwerk von Herrn Berlepsch ab, daß jenes den Befähigungsnachweis verlangte. Seine politischen Freunde halten den Standpunkt des Herrn v. Berlipsch für richtig, denn der Befähigungsnachweis sei in dem heutigen Deutschland unmöglich. Abg. Reißbaus (Soc.) verbreitet sich über den Einfluß der gesammten capitalistischen Productionsweise auf das Handwerk, dem alle die vorgefchlagenen Mittel nicht helfen würden. Die Socialdemokratie sei nicht die Feindin des Handwerks, sondern die Fabriken; man gebe den Arbeitern volle Coalitionsfretheit, bann brauche man solche Palliativmittel nicht. Abg. Jacobskötter (cons.): Woher nchmen denn die Gegner der Zwangsinnungen die Stirn, stets zu sagen, daß wir die österreichischen Zustände anstreben? Wir halten unsere Regierung für zu vernünftig, als daß sie bei uns Zustände einführen könnte, wie sie in Oesterreich bestehen. Zur Vorlage selbst nehme ich den gleichen ablehnenden Standpunkt ein, rote die Abgg. H tze und Heyl v. Herrnsheim. Mit Handwerkerkammern ist dem Handwerk nicht gedient, man sollte die Vorschläge der Jnnungsoerbände in Betracht ziehen. Eine Commisstonsberathung verspricht kein Urtheil. StaatSsecretär vr. v. Bötticher: ES ist unS nicht klar, weshalb der Vorredner, der früher die Vorlage in Handwerkerkreisen empfohlen hat, jetzt nicht einmal eine CommissionSberalhung will. Die Sache selbst wird durch die Commtsstonsberathung jedenfalls gefördert. Wir sehen die Vorlage als ersten Schritt zur Organisation Zlcucftc Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau. Berlin, 16. December. Ein parlamentarischer Berichterstatter meldet, die Vorlage betreffend die Revision der Alters- und I n v altd ität ß v ers ich erung sei im Reichsamt deß Innern vollendet und gehe bald dem Bundes- rathe zu. I Berlin, 16. December. Der „Nordd. Allgem. Ztg." ging eine von 53 ordentlichen Professoren .der Berliner Universität unterzeichnete Protesterklärung gegen das bekannte Gutachten deS Rechtßlehrers Hin sch ins zu, baß die corporative Selbstständigkeit der Univerfitäten, sowie die historische Entwickelung des Privatdocententhums übersehe und der deutschen Wissenschaft schädliche Grundsätze entwickle. Kiel, 16. December. Der Kaiser kehrte gestern Abend unter dem üblichen Salut von dem Panzerschiffe „Sachsen" zurück und t ciftc in Begleitung des Admirals Knorr und des Vtceadmirals Hollmann heute früh 91/* Uhr nach Altona. Altona, 16. December. Heute früh 11 Uhr erfolgte die Ankunft des Kaisers auf dem Ostbahnhof. Auf Befehl des Kaisers waren nur der Commanbeur des 9. Armeecorpß, Generaloberst Graf Walbersee unb besten Abjutant v. b. Marwitz anwesenb. Nach kurzer Begrüßung bestieg ber Kaiser mit bem Grafen Walbersee ben Wagen unb fuhr bircct nach ber Landungsbrücke. Altona, 16. December. Nach bem Besuche auf ber Werft von Blohm u. Voß traf ber Kaiser in Begleitung bes Generalobersten Grafen Walbersee und mit Gefolge gegen st/, Uhr vor bem Generalcommanbo ein unb wurde von ber bort versammelten Menschenmenge lebhaft begrüßt. Gräfin Walbersee überreichte bem Kaiser einen prachtvollen Strauß Gardenien, ber Lleblmgsblume beS Kaisers. Darauf fand großer Empfang statt. An der Frühstückstafel faß zur Rechten bes Kaisers Gräfin Walbersee, zur Linken Abmiral Knorr. Dem Kaiser gegenüber saß Graf Walbersee. JnSgesammt nahmen etwa 30 Personen an ber Tafel Thetl. Coburg, 16. December. Der Herzog von Sachsen- Coburg-Gotha orbnete eine Gebenkfeter am 18. Januar tn ben Schulen deß Herzogthums an. Der Unterricht an diesem Tage fällt auß. Rom, 16. December. Dem „Ostervatore Romano" zufolge bestimmte ber Papst außer den zur Unterstützung ber Armenier letzthin gespenbeten 50000 Francs noch weitere 20000 für btt anbeten christlichen Riten angehörigen Opfer ber letzten Eretgniste. Rom, 16. December. An Borb ber „Singapore" würben heute 1463 Offiziere unb Mannschaften für Massauah eingeschifft. Zahlreiche Vereine mit Fahnen unb Musik, sowie eine zahlreiche Menge waren zur Stelle unb begrüßten die Truppen. Konstantinopel, 16. December. Die Lage in den Provinzen scheint sich entschieden gebestert zu haben, da keine neuen Gewaltthätigkeiten gemeldet werden. Es verlautet, einige Botschafter bereiten erschöpfende Berichte an ihre Regierungen über die Ereignisse in Kleinasien vor. Abgeordneten Werner, zum Stellvertreter den Abgeordneten Bindewald, zum Parteikasftrer den Abgeordneten Dr. Viel- Haden, sowie zu Kassenrevisoren die Herren Weber (Peine), Tebay (Düsseldorf) unb Wolff (Breslau). Berlin, 16. December. Bei dem in der Schneidet- Bewegung bekannten Anarchisten, Schneiber Wtesemanu, ist in der letzten Zeit von ber Polizei einige Male in seiner Wohnung unb auch an seiner Arbeitsstelle Haussuchung adgehalten worben. Sein 16jährtger Sohn soll sich mit ber Herstellung electrischer Apparate befaßt haben. Die Polizei hat verschiebene Sachen beschlagnahmt und ben jungen Wiese- mann in Haft genommen. Frankfurt a. M., 16. December. Die „Franks. Ztg." melbet aus Ham.burg: Der Kaiser traf heute Nachmittag 5 Uhr in Frtebrtchsruh ein. Fürst BiSmarck empfing mit Rantzau unb Schweninger ben Kaiser, bankte ihm für bte Einkehr unb geleitete ihn ins Schloß. Um 7 Uhr 15 Min. erfolgte der „Hamb. Börsenhalle" zufolge die Abfahrt beß Kaisers nach Berlin. Frankfurt tu M., 16. December. Wie wir auß guter Quelle erfahren, hat Kaiser Wilhelm auf die seitens der städtischen Behörden erfolgte Einladung nunmehr zugesagt, zu der am 10. Mai k. I. erfolgenden feierlichen Einweihung des Kaiser Wilhelm-Denkmals nach Frankfurt zu kommen. Wahrscheinlich dürfte auch die Kaiserin hierher kommen. Köln, 16. December. In einer gestern abgehaltenen, stark besuchten socialdemokratischen Versammlung wurde beschlossen, für dte bevorstehende Reichstags-Ersatzwahl den gegenwärtig im Brauweiler Prozeß angeklagten Re- bacteur Hofrichter als Canbtbaten ber soctalbernokratischen Partei aufzustellen. Rom. 15. December. Das königliche Decret, welches 25,000 Solbaten zum 30. December unter Waffen ruft, würbe im ganzen Lande mit großem Enthusiasmus ausgenommen. Dte Gemeinderäthe ber Ortschaften, bereu dte bet Amba Aloji gefallenen Soldaten angehören, haben denselben öffentliche Ehrungen zugedacht. Dte jetzt nach Afrika abgehenden Soldaten werden überall mit der größten Begeisterung gefeiert. Paris, 16. December. Mehreren Blättern zufolge soll der KrtegSmintster gesonnen sein, die Jnfanterie-Regi- wurde, das Wort zu ergreifen. Trotz seines Protestes mußte er den Saal verlassen. Havanna, 16. December. 800 Jnsurg enteu haben eine Abtheilung von 72 spanischen Soldaten überfallen. Ein Lieutenant und 29 Soldaten wurden getödtet, 18 verwundet und die übrigen gefangen genommen. CocaUs rrnd insicUct. Gießen, 17. December 1895. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammluug Donnerstag den 19. December 1895, Nachmittag-4 Uhr: 1. Mitteilungen. 2. Beurlaubung von Mitgliedern der Stadtverordueteu-Versammlung. 3. Vorlage der Rechnung des Realgymnasiums und der Realschule pro 1894/95. 4. Verpachtung des Kellers unter der Turnhalle der Realschule an Wetnhändler Karl Küchel, tu Firma Gebr. Mayer dahier. 5. Gesuch deS Karl Zimmer um Erlaubniß zur Aufstellung einer Gartenhütte in seinem am Leihgesterner- weg belegenen Garten. 6. Ausstellung von Ruhebänken in den Anlagen. 7. Neubau eines Arbeite- und Geräteschuppens am OSwaldsgarten. 8. Ausbau der Laudmannstraße. 9 Geradelegung der Wieseck- hier: Arbeitsvergebung. 10. Neubau eines KasernementS- hier: Arbeitsvergebung. 11 • Erhöhung städtischer Trottoirs, hier: Lieferung von Bordsteinen und Geländeaustausch in der Brandgasse. 12. Reparaturen an dem vormals Emil Schmidt'ichen Hause. 13. Die Vergebung der Bullenhaltung. 14. Erweiterung städtischen Friedhofs- hier: Größe und Preis der Erbbegräbnisse. 15. Errichtung einer regelmäßigen Omnibus- Verbindung Mischen den Bahnhöfen und der Stadt- hier: Gesuch der Omnibusgesellschaft um ein weiteres Darlehen. 16. Erhebung einer evangelischenLocalkirchensteuer für 1896/97. 17. Gesuch des Jacob Gran aus Wächtersbach um Ertheilung der Erlaubniß zum WirthschaftSbetrieb im Hause Frankfurter- straße 23 (Russischer Hof). 18. DeSgl. der Emil HarmS Wittwe im Hause Wolfftraße 9 (Insel Helgoland). 19. DeSgl. deS Ioh. Gg. Zünglein dahier im Hause Grünbergerstr. 122 (Schütz-nhauS). •♦nn Parlamentarisches aus Hessen. Dem Finanzausschuß Zweiter Kammer ist eine Regierungsvorlage auf Er- richtung einer großen elegant en Glas halle, sog. Wandelhalle am Curhaus zu Bad Nauheim zugegangen, und werden hierfür 98,000 Mk. gefordert. Die Einnahmen aus Badegeldern deS dem Staate gehörigen Bades steigern sich von Jahr zu Jahr und innerhalb eines Zeitraumes von 3 Jahren wuchs der Curfond, aus dem diese Herstellungen bestritten werden, von 300,000 Mk. auf 500,000 Mk. Dieser Einnahme Zuwachs, der dem Curfond zufließt, erleichtert die Herstellung von Verschönerungen immer mehr. Ferner beantragen eine Anzahl Abgeordnete, die Regierung möge Er- bedungen über die Ergebnisse der seit 5 Jahren bestehenden lanb und forstwirthschaftl.chen Unfallversicherung anstellen lassen, und der Kammer von dem Ergebniß Mittheilung machen. Die Regierung hat sich jetzt hierüber geäußert, jedoch in negativer Weise gegenüber einer anderen Beitragsveran- lagung für Rheinhessen. ♦♦ Die Aufführung des Herzogeuberg'fchen Weihnacht-- oratoriuwS wird von einem eigenthümlichen Mißgeschick verfolgt. Durch Absagen von Solisten ist es bis zum gegen- u ärtigen Augenblick noch nicht völlig gesichert, daß die Auf- I sührung überhaupt morgen ftatifinden kann. Jedenfalls werden sämmtliche Soli, mit Ausnahme der Damenstimmen, von auswärtigen Künstlern gesungen werden. Dem Kirchen« gesangverein erwachsen dadurch ganz erhebliche Kosten, die weit über seine Kräfte hinausgehen. Er hat eS trotzdem für eine Ehrensache angesehen, das herrliche Werk allen Hindernissen zum Trotz doch zur Aufführung zu bringen. Er darf aber wohl erwarten, daß auch die Besucher der Aufführung e« für eine Ehrenpflicht erkennen werden, ihm durch außerordentliche Beisteuern zu Hilfe zu kommen. — Auch an dieser Stelle möge nochmals darauf hingewiesen werden, daß der Eingang durch daS Hauptportal für die mit Karten Versehenen reservirt ist, und daß Kinder ohne Begleitung von I Erwachsenen überhaupt nicht zugelassen werden. •• Vortrag der Schriftstellerin Frau Ottilie Stein-Mannheim. Der für Mitglieder deS Kaufmännifchen und OrtS- grwerbe-VereinS in Leib'schen Saale gehaltene Vortrag über I "Das Wesender Frau, ihre Tugenden und Fehler war verhältnißmäßig nur sehr schwach, vorherrschend I aber von Damen besucht. Die Rednerin leitete mit einer 'n poetische Form gekleideten Legende über die Erschaffung deS WcibeS ihren Vortrag ein und führte dann eine Reihe Aussprüche bedeutender und getstvoller Männer über die Frau an, welche sich gegenseitig über daS Wesen des WeibeS, über ihre Fehler und Tugenden widersprachen. Die Frauen seien weder Engel noch Teufel, sie müßten in ihrer Ge- sammtheit beurtheilt werden. Gleich seien beide Geschlechter, das weibliche wie daß männliche, und der Mann wie die Frau, beide hätten ihre Fehler und wer gerecht sei, müsse diese anerkennen und berücksichtigen, daß der Mann und die Frau jeder seine besondere Mission zu erfüllen habe. In -bjectiver Weise ging nun die Rednerin auf die Fehler ihrer Schwestern ein und fchtlderte dieses bekannte Thema in so elgenartig packender Weife, wie wir eS selten zu hören be- kommen. Bei der Hervorhebung der Tugenden befleißigte sich die Rednerin einer gewissen Bescheidenheit, sie rühmte neben der Tugend die Liebe des WeibeS und hob besonders die Mutterliebe als etwas Gigantisches, die Welt Erhaltendes und Befruchtendes hervor. Diese weibliche Tugend überdauere I attcfl, und die Männer sollten eingedenk dieser Liebe, die wie ein dreifaches Sacrament und durch S Leben geleite, ja über das Grab hinaus währe, immer da zum Schutze der Frauen eintrelen, wo diese, wie es häufig geschehe, angegriffen I unb verlästert werden. Eine alte indische Sage, wie die Gottheit aus der LotuSblume daS Weib habe werden lassen und wie diese daS Herz des Mannes als Wohnung desselben bestimmte, bildete den Abschluß des Vortrage- und versetzte I bic gespannt lauschenden Hörer in eine weihevolle Stimmung. Frau Oitilie Stein, welche wir im vergangenen Jähre die volkswirthschaftliche Seite der Frauenfrage meisterlich behandeln hörten, hat durch ihren gestrigen Vortrag bewiesen, daß sie auch ein mehr ideales Thema fesselnd und geistvoll zu behandeln versteht und rufen wir ihr aa dieser Stelle zu: „Aus Wiedersehen im kommenden Jahre." ** Ueber die Volksversammlung, welche im Anschluß an den Parteitag der deutschfreisinnigen Volkspartei am Sonntag Nachmittag in Steins Saalbau statt- fand, sei Folgendes berichtet: Die Versammlung wurde von Herrn Rechtsanwalt Grünewald-Gießen eröffnet. In seiner Eröffnungsansprache führte Herr Grünewald u. A. aus, daß die deutschfreifinnige DolkSpartei infolge ihrer S-ärke in der Stadt berechtigt sei, Stellung zu den jeweiligen TageSfragen in öffentlicher Versammlung zu nehmen. Hierauf erhielt Herr Reichstagsabgeordneter Weiß aus München daS Wort, um über die gegenwärtige politische ^age zu sprechen. Unter Hinweis auf die Erinnerungstage an die Einigung Deutschlands erwähnte er die in den letzten Tagen im Reichstage vorgekommenen Streitigkeiten zwischen den Vertretern der einzelnen Parteien. DaS, was Deutschland im Jahre 1870 geeint, was wir heute preisen wollten, fei erkämpft vorn ganzen deutschen Volke und nicht von einzelnen Personen- er wieS hin auf die früheren Bestrebungen des deutschen Volkes zu seiner Einigung, die Zeit zwischen den großen Befreiungskriegen und dem Jahre 1848. Die nach langen Kämpfen errungene Verfassung solle nicht als Geschenk betrachtet, sondern als ein gutes Recht des deutschen Volkes angesehen und vertheidigt werden- zu beklagen seien angesichts dessen die von national sich nennenden Parteien unternommenen Vorstöße gegen die Verfassung, insbesondere gegen daS allgemeine gleiche und directe Wahlrecht in einer Zeit, wo allenthalben die Errungenschaften der Jahre 1870/71 in Deutschland gefeiert werden sollten- Redner erinnert weiter an das Umsturzgesetz, den Versuch, ein neue- Socialistengesetz in schaffen, dieser Versuch sei aber an dem so vielfach belächelten Unterthanenverstand des deutschen Volkes gescheitert. DeS Weiteren bespricht Redner den öfteren Ministerwechsel in Preußen, und suchte dann nachzuweisen, wie der öffentlichen Meinung zum Siege verhalfen wurde. Inwieweit der durch daS Parlament geäußerte Volkswille zum Ausdruck ge* kommen, sucht Redner zu beweisen durch die vergeblichen An- fttengungen, neue Steuern auf Tabak und Wein dem Volke aufzuerlegen und daß sich sowohl die Finanzminister deS I Reiches wie der einzelnen Staaten geirrt, der Schatzfecretär Posadowskh allein um 90 Millionen innerhalb zweier Jahre. Redner geht weiter auf die Stellung der freisinnigen Partei zu der Tabak- und Weinsteuer ein, hervorhebend, daß sie damit nicht nur eine finanzielle Frage behandelt, sondern auch die sociale, denn die Einführung der Tabaksteuer hätte nicht nur 6et>eutenbc Arbeiterentlassungen zur Folge gehabt, sondern die Weinsteuer hätte auch in hohem Maße die Winzer geschädigt. Schon die Möglichkeit, daß nur 10000 Arbeiter verdienstlos würden, rechtfertige allein die erfolgte Ablehnung der Tabaksteuervorlage. Die Regierung habe es des öfteren an der erforderlichen Energie fehlen lassen, besonders den Angriffen von agrarischer Seite gegenüber- die au- dem ab« lehnenden Verhalten der übrigen Parteien gegenüber den agrarischen Forderungen entstandenen Angriffe der Agrarier gingen nicht nut gegen Liberale und Volkspartei, sondern richteten sich auch gegen die Regierung, die Agitation zu Gunsten des Antrages Kanitz sei staatsgefährlich, der Antrag habe eine socialtfirende Tendenz, denn mit demselben Recht, mit welchem die Getreidebauer eine garantirte Rente forderten, könnten dieselbe auch die Hopfen- und Weinbauer, die Viehzüchter und nicht zum wenigsten die Handwerker fordern, dies seien aber Forderungen, die für den focialtstifchen Zu- kunftSftaat gestellt würden. Von 5rudern (Pietsch & kchepda) in Hreßrn. Die heutige •Summet umfaßt S Seiten.