Ul 9 «fr. «ng [6918 Mer glichst fameln W Loden, Pferde- 16912 npl&ti. nt g' m iikel, 10. 31 J iiint ben ‘ptembet erlheile ich 6939 ktraße 12, ü SS. ast, ier 4831 X2L ion 1881 bl. 86.10 103.65 21.2t 918! 38.« 1021 100 41 «rtf * V & 'M" ketten Nr. 193 Zweites Blatt. Sonntag, den 18. August 1S95 Der -ietzcner Anzeiger erscheint täglich, uiu Ausnahme deS Montag-. Die Gießener A»a mittend kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigclegt. Keiner Anzeig er Kmeral-Mnzeiger. vierteljähriger AdonnementspreiA» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutfiratze ^lr.7. Fernsprecher 51. Zlints- »"d Anzeigeblatt für den Tkreis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Kamilienökätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. All: Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. eißenburg, Wörth und Spichcrn! Dies sind die Namen, an welche sich I Gewiß kann der aufri im Jahre 1870 die frohe Zuversicht auf eine für das deutsche Vater- | setzlichen Verluste gedenken, r Erbfeind knüpften. land siegreiche Vollendung des ihm aufgedrängten Kampfes wider den Diese Zuversicht wurde nicht getäuscht, Metz. Orleans. 23riare. Vionville-Marslatour. 5t. privat. Noisseville. Noch weit bedeutsamer, allerdings aber auch viel blutiger, waren die nun \ reibenden Doppelschlachten von Vionville-Marslatour (am 16. Äugust) und von Gravclotte Weiterentwicklung des gesummten Feldzugs und haben die Siegeszuversicht daheim in den deutschen Landen, welche schoii durch die bisherigen herrlichen Erfolge der deutschen Waffen angefacht worden war, zur höchsten Höhe erhoben. Nach solchen unvergleichlichen Leistungen der obersten deutschen Führung wie der deutschen Truppen, nach solchem heldenhaften Ringen konnte an dem endgiltigen siegreichen Ausgange des gesammten Krieges für Deutschland kein Zweifel mehr obwalten. Mit Recht schickt man sich daher jetzt an, besonders in den Kreisen der noch lebenden wackeren Mitkämpfer, die 25. Wiederkehr der großen Augustschlachten vor Metz freudig und festlich zu begehen, soweit dies nicht hie und da schon geschehen ist. Besonders erhebend für uns Hessen ist es aber, daß an jenen gewaltigen Kämpfen Söhne unseres engeren Vaterlandes so ruhmvollen Antheil genommen, daß die hessische Division mit ihrem ritterlichen Führer, dem leider zu früh zur großen Armee abgerufenen späteren Groß Herzog Ludwig IV., im Verbände des 9. Armeecorps und mit diesem eingefügt in die unter Führung des Prinzen Friedrich Carl von Preußen stehende zweite Armee, siegreich unter den Mauern von Metz ihre Fahnen entfalten konnte. Es sei an dieser Stelle gestattet, einiges über die Theilnahme unseres 2. Infanterie-Regiments an dem für immer denkwürdigen Tage von Gravelotte mitzutheilen. Zwei Tage nach erfolgter Kriegserklärung, am 21. Juli, wurde das Regiment auf Kriegsstärke formirt und zwei Sieg auf Sieg wurde von den verbündeten deutschen Heeren errungen. Fünfundzwanzig Jahre sind seitdem verflossen und die eben im Gange befindlichen Jubelfeiern der großen Zeit haben nun die bedeutsamen Erinnerungstage an die gewaltigen Augustschlachten bei Metz gezeitigt, durch welche die französische Rheinarmee unter Bazaine in die alte Moselveste zurückgeworsen und daselbst von den siegreichen Deutschen eingeschlossen wurde. Die Schlachten von Weißenburg, Wörth und Spicheren hatten den beabsichtigten Vorstoß der Franzosen nach Süddeutschland vereitelt und ihnen die Defensive aufgezwungen, den Deutschen aber den Besitz des nördlichen Elsaß bereits gesichert. Die nun folgenden Kämpfe vor Metz sollten in ihren Ergebnissen die Vereinigung des Bazaine'schen Heeres mit dem sich in Chalons zusammenziehenden neuen Heere Mac Mahons vereiteln und hierdurch die späteren beispiellosen Katastrophen von Sedan und Metz vorbereiten, zugleich jedoch neue herrliche Lorbeeren um den Rnhmesschild Deutschlands winden. Ihre Einleitung bildete die Schlacht von Colombey- Nouilly am 14. August 1870, sic wurde deutscherseits gewissermaßen dadurch improvisirt, daß sich das erste und siebente preußische Corps infolge der eigenen Initiative ihrer Führer auf die schon im Abmarsche von Metz nach Chalons begriffene französische Armee warfen und deren Weiterbewegung nach Westen erheblich verzögerten. Mit einem Verluste von 5000 Mann gegenüber einem französischen Verluste von 3500 Mann war dieser strategische Erfolg der Deutschen erzielt morden. St. Privat (am 18. August). Auf ersterer Wahlstatt wurde die französische Armee durch die weit schwächeren deut- Prin; Ludwig von Hessen, der spätere Großhcrzog Ludwig IV. (f 13. März 1892), Führer der Hess. Division. Gewiß kann der aufrichtige Vaterlandsfreund nur mit schmerzlichen Gefühlen der ent- , welche die blutigen Kämpfe des 14., 16. und 18. Angnst die Deutschen kosteten, aber doch erinnert er sich heute zugleich auch mit Stolz dessen, was diese Tage für Deutschland bedeuteten. Sie waren entscheidend für die siegreiche sich an- I weitere Tage später zum größten Theile auf den umliegenden Orten Krofdorf, Heuchelheim, ivelotte- | Atzbach, Kinzenbach, Dudenhofen und Münchholzhausen einquartiert; nur das Ersatzbataillon blieb in der Kaserne. Der Ausmarsch aus diesen Orten und damit nach dem Kriegsschauplätze fand am 25. Juli statt; das Regimeut fuhr per Eisenbahn über Wetzlar —Ems — Oberlahnstein bis Biebrich-Mosbach und marschirte von da in die Umgebung von Mainz; der Weitermarsch ging über Alzey, Worms, Kaiserslautern nach Saarbrücken, wo cs am 10. August eiutraf und am 11. dort vordem König Wilhelm von Preußen vorbei- marschirte, die französische Grenze überschritt und in Forbach Quartier bezog. Am Abend des 15. August kam das Regiment nach Chörisey und Orny, und am folgenden Tage schon hatte es Gelegenheit, sich bei Vionville-Marslatour mit dem Feinde zu messen. Nachdem das Regiment bei Corny die Mosel überschritten, marschirte es an dem tapferen Führer der Division, Se. Kgl. Hoheit dem Prinzen Ludwig, vorüber, dessen ermunternde Worte mit einem kräftigen Hurrah beantwortend, und nun im Sturmschritt die Richtung nach Gorze einschlagend, von woher bereits der Donner der Kanonen und das Knattern der Mitrailleusen gehört wurden. An dem gegen Rezonville sich hinstreckenden Walde ging das Regiment mit einbrechender Dunkelheit zum schen Streitkräfte an ihrem ferneren Vormärsche endgiltig gehindert. Dank der hingebendsten Tapferkeit der deutschen Truppen, welche Züge von wahrhaft antiker Größe zeitigte, vor Allem den berühmten Todesritt der Reiterbrigade Bredow. Aber freilich hatte das zwölfstündige heiße Ringen den Deutschen auch furchtbare Opfer gekostet, fast 16000 wackere deutsche Streiter bedeckten todt oder verwundet das ansgedehnte Schlachtfeld. Der Tag von Gravelotte-St. Privat (18. August) schloß das Werk, das bei Colombcy begonnen und bei Marslatour fortgesetzt worden war, in einer für die deutschen Waffen ebenfalls ruhmvollen Weise ab. In wechselvollem und wiederum äußerst blutigem Kampfe schlug das deutsche Heer unter persönlicher oberster Führung König Wilhelms die wüthend fechtenden Franzosen unter die Kanonen der Metzer Forts und in die Festung selbst zurück, womit das spätere Geschick der ehemaligeu Rhciuarmee besiegelt war. Die Deutschen errangen diesen glänzenden Sieg leider ebenfalls erst nach Denkmal der Hessischen Division aus vem Ichlachtselv von Gravelotte. bttrua°Zd8Offizkre'und4900 Mann^an Verwundeten 371 Offiziere und 14000 Mann, I Angriff über; der Feind zog sich, nachdem er ein mächtiges Feuer gegen die ansturmenden die Franzosen verlöre,, an Todten und Verwundeten zusammen nur 13000 Manu. | Hessen untersten, bald zurück. Dieses Gefecht kostete dem Reg,men. an ^odten 7 Manu, an Verwundeten 1 Offizier und 18 Mann, vermißt blieben 2 Mann. Am härtesten mitgenommen wurde die 2. Compagnie. Der folgende Tag, 17. August, verlief ruhig, dafür sollte aber der 18. August dem Regiment Gelegenheit geben, sich hervorragend an der denkwürdigen Schlacht von Grave- lotte — St. Privat zu beteiligen. Bereits um 6 Uhr Morgens wurde angetreten und der Marsch über Berneville nach dem Bois de la Cus.se benannten Waldstück in der Richtung auf den Amauweiler deckenden Höhenrücken fortgesetzt. Das bald darauf zur Deckung der an der Eisenbahnlinie Metz—Verdun postirten Artillerie befohlene 1. Bataillon erlitt erhebliche Verluste. Gegen 4 Uhr bemächtigte sich die 3. und 4. Compagnie der L'Envie Ferme, die \'eib- und 2. Compagnie ging gegen die bereits von der Artillerie in Brand geschossene Cham- penois'Ferme vor, dieselbe wurde von den schützen beider Compagnien bald genommen. Bei dem Marsch ans Cham- penois- Ferme wurde durch eine Granate ein Mann ge- tvdtet, ein Offizier und 6 Manu schwer verwundet; kurz darauf sank auch der Bataillons Commandeur Major Gräfs tödtlich getrosten vom Pserde, bei dem Angriff auf Cham peuois-Ferme wurde Portepo Fähnrich Naumann schwer verwundet; bei dem Bormarsch auf L'Euvie-Ferme fiel Lieutenant Steinberger von der 4. Compagnie. Cham- penois-Ferme wurde zur Bcrtheidignng eingerichtet und vom 1. Bataillon, nachdem durch die 3. und 4. Compagnie L'Euvie-Ferme verlassen worden, bis zum späten Abend behauptet. Während das 1. Bataillon südlich des Bois de la Gusse kämpfte, war das 2. Bataillon im Norden engagiit. Das Gehölz wurde von den Franzosen mit einem vernichtenden Feuer überschüttet, doch mußte das 2. Bataillou mit dem Borgehen warten, bis das Gardecorps am linken Flügel gegen St. Privat cingrcifen konnte. Als endlich ein Vorgehen der Garde bemerkbar, erhielt das 2. Bataillon Befehl zum Angriff in der Richtung auf Amauweiler; die ß. und 7. Compagnie focht gegen die nordwestlich von Amauweiler feuernden feindlichen Schützen, die 5. und 8. Compagnie richtete ihr Feuer gegen St. Privat; die Truppen erlitten hier große Verluste, die auszugleichen der Artillerie oblag, welche mit bewundernswerther Treffsicherheit Granate auf Granate in die feindlichen Schützengräben warf; von der 5. Compagnie fielen kurz nacheinander 7 Mann. Als das Gardeeorps gegen St. Privat vorging, wurde auch dem 2. Bataillon der Befehl zum Angriff gegeben: hageldicht wnrde dasselbe mit Geschossen umpfiffen. Oberst Kraus ging mit der ß. und 7. Compagnie nach St. Privat vor, während die 5. und 8. Compagnie einen gegen die Garde von Amauweiler her unternommenen Vorstoß abwiesen. Unter großen Verlusten wurde das zwischen dem Bois de la Gusse und Amanweiler gelegene Bahnwärterhaus erreicht, an demselben Aufstellung genommen und dieselbe trotz des stärksten seindlicheii Feuers auch^be- hauptet. Mit dem hereinbrechenden Abend war der Sieg errungen, das von der Garde und den Sachsen genommene St. Privat stand in Flammen und beleuchtete weithin, das Schlachtfeld: der Crfvlg des Tages war die Einschließung der stolzen französischen Rheinarmee in Metz. Im Centrum des Angriffs stehend, hatte das 9. Corps und mit ihm die hessische Division dem Vordringen der Franzosen Einhalt Tic alten Aa1)n«n de« 2. Regiments. geboten, aber der Sieg war schwer erstritten. Sc. Kgl. Hoheit Prinz Ludwig sandte seiner hohen Gemahlin am Tage nach der Schlacht eine Liste über die Verluste, welche die Division erlitten. Danach fielen vor dem Feinde 21 Offiziere, 169 Unteroffiziere, 96 Pferde; verwundet wurden 50 Offiziere, 1214 Unteroffiziere und Mannschaften, 56 Pferde; vermißt 338 Mann, 3 Pferde. Die tobten Offiziere des 2. Regiments waren Major Gräff, Lieutenant Steinberger, die verwundeten Hauptmann Riedel, die Oberlieutenants Kissuer, Hcydacker und Kuhlm ann, Reservelieutenant Gail (der letztere erlag später seinen Wunden), Regimentsadjutaut Hof, Oberlieutenant Haupt. — Dem zweiten Regiment kostete der Sieg 323 Mann Feuilleton. Mein Mann. Studie von Scholastika Schnurcks. (Schluß.) Und das ist doch das schönste Ziel jeder Köchin, inbesondere einer Schrifistellersfran! Diese muß eben hauptsächlich solche Nahrung liefern, die nicht nur dem Körper zu Gute kommt, sondern auch den Geist fördert und anregt, und hierzu eignen sich oft Speisen, die der Pedant „mißrathen" nennen würde, am allermeisten. Biel schwieriger als die Auswahl und Zubereitung der Speisen ist übrigens für nnsereins die Kunst, das Essen im richtigen Moment auf den Tisch zu bringen, der liegt nämlich jeden Tag zu einer andern Zeit. Mein Mann ist ja im Grunde sehr sür's Essen; aber ich glaube, er genirt sich, das zu zeigen, und man muß ihn immer demüthig zu Tisch bitten, als ob er einem die größte Gnade mit seiner Theilnahme an der Mahlzeit erwiese. Gewöhnlich bekommt er auch, gerade wenn ich in sein Zimmer trete, einen guten Gedanken, den er bann noch eben zu Papier bringen will. Man kann nie vorher sagen, ob daS zehn Minuten oder zwei Stunden dauert. Dagegen hätte ich nun weiter «ich's anzuwenden, nur müßte er nichts über daS kaltgewordene Essen sagen; aber das begreift er nicht und rügt eS jedesmal mit mildem Vorwurf, als wenn er selbst ganz unschuldig daran wäre, während er oft in der Zerstreutheit gar nicht merkt, was er ißt. Das ärgert mich besonders, wenn ich mit großer Sorgfalt eines seiner Leibgerichte gekocht habe. Nach Tisch erfolgt nun daS eigentliche „geistige Arbeiten". Merkwürdig ist, daß sich dies äußerlich absolut nicht vom Schlafen unterscheiden läßt, und es geschieht auch so intensiv, daß eS nur mit der größten Anstrengung möglich ist, ibn nöthigensalls darin zu stören. Dazu ist nämlich ein ganz richtiges und standhaftes anhaltendes Wecken erforderlich, das nebenbei gesagt, viel Muth und Unerschrockenheit verlangt. Ich komme mir dabei immer vor wie der Ritter, der Dornröschen erweckte, und ich glaube nicht, daß der mehr Hindernisse zu überwältigen hatte; beim ein paar Dornen wären mir lange nicht so unangenehm wie die heftigen Aeußeruugen, die ihm in diesem Zustande entschlüpfen. Man kann gar nichts dagegen thun, und kommt noch nicht einmal zur Besinnung dabei. AIS ich ihn zum erstenmal geistig arbeiten sah, kannte ich diese Beschäftigung noch gar nicht und gerieth in den größten Schrecken. ES war auf unserer Brantreise im Rheingau; Morgens war er noch ganz müßig und sorglos gewesen unb hatte sich stunden lang den W ittfcUcr des Gasthofs angesehen und erklären lassen, und bann Nachmittags dieser Fleiß' Jetzt verstehe ich daS alles besser unb weiß sogar die äußern Symptome annährend zu deuten. Murmelt er: „Ich komme gleich'." so nimmt ihn die „Arbeit" gewöhnlich noch eine Stunde in Anspruch. „Ich fliege!" bedeutet zwei Stunden. „Ich flattere!" dauert nur ungefähr andcrthalbe, dabei kommt er ja nicht so hoch. Nach der „geistigen Arbeit" ist mein Mann meistens sehe abgespannt und leicht erregbar. Manchmal kommt er zum NachmittagSthee herunter, aber bann l)at man auch nicht viel Fceube an ihm, seine Gebankt sinb ganz anderSwo. Neulich führte ich ihn extra vom Theetifch iu's Wohnzimmer und erklärte ihm lang und breit, daß unb warum ich den Blumentisch au ein anderes Fenster gestellt habe. Er hörte ausche'uend aufmerksam zu und billigte die Aenderung sehr. Eine Woche später sagte er auf einmal mit grenzenlosem Erstaunen: Du, der Blumentisch steht ja an einem ganz neuen Platz! Seit« dem erwähne ich Nachmiitags keine so wichtigen Dinge mehr, und er zieht sich bald zurück, um bis zum Abendbrot zu schreiben, wobei man ihn selbstverständlich in Ruhe lassen muß. Von dem Maße, in dem er seine Arbeit in diesen Stunden fördert, hängt nämlich die Stimmung des Abends ab. Es ist ja klar, daß em Künstler nicht wie ein Handwerker täglich ein bestimmtes Quantum Arbeit liefern kann; im Gegentheil, manchmal vergeht lange Zeit, ohne daß man äußerlich merken kann, was er innerlich that. In solchen Zeilen ist seine kölperliche Empfindlichkeit noch größer als gewöhnlich, und darin sind die Männer ja überhaupt mit Recht berüchtigt. Hat er das kleinste Rißchen in der Lippe, so ächzt er: Meine Lippen sind gespalten vom Wirbel bis zur Zehe, und bei jeder Bewegung reißt die Wunde noch mehr auf! Ein Schnupfen reicht hin, um alle Emfind- ungen eines Sterbenden in ihm wachzurufen. Andererseits ist er dabei oft recht nett. Es thut ihm nämlich unendlich gut, wenn man ihn recht bedauert, — beiläufig gesagt, seinem Hunde geht es gerade so —, und er entwickelt dann für ein einziges mitleidiges Wörtchen eine Dankbarkeit, die man vielleicht ein andermal viel eher und m noch erhöhterem Maßstabe verdient hätte, wenn er einen unbedachtsamerweise quält und verkennt. Jedenfalls merke ich es ganz deutlich, wenn er mit schriftstellerischen Plänen ringt, und er brauchte sich gar nicht so arg zu entschuldigen, wenn.er gerade nichts Sichtbares fertig gebracht hat, und brauchte auch nicht mit feinen Klagen darüber manchmal den ganzen Abend auszufüllen, den man doch ebenso gut gemächlich und heiter verleben könnte. Hat er ein fertiges Manufeript vorzuweifen, so ist das allerdings reizend! Wir essen mit der größten Behaglichkeit zu Abend, trinken auch dazu ein Gläschen mehr als sonst unb geben uns einer ungetrübten Fröhlichkeit hin. Ich lobe den guten und fleißigen Mann m t beredten Worten, bewundere seine Werke, schmeichle ihm auch ein ganz klein wenig, und er lauscht, — essend, trinkend und strahlend; nur ab und zu, wenn ihm ein Wörtchen besonders wohlthut, so fragt er: Wie? um die Süßigkeit desselben nochmals kosten zu können. Und gerade dann sieht er wirklich bezaubernd lieb aus! Meistens wirb uns ber Abenb noch verschönt burch die Anwesenheit lieber Freunde, die zu einem behaglichen Plauderstündchen bei uns vorsprcchen. Wir sind dann immer recht vergnügt zusammen, und nebenbei kann man noch Studien an ihnen machen, um sie gegebenenfalls novellistisch zu verwerthen. Zu diesem Behufe mache ich mir immer gleich nach ihrem Abschied heimlich in mein Tagebuch geeignete Notizen. Das wäre beim nun so der durchschnittliche Tageslauf eines Schriftstellers, wenigstens eines verheiratheten! Wie ein Junggeselle in diesem Beruf etwas leisten kann, ist mir eigentlich unklar, und es wird auch in den meisten Fällen ganz darnach sein. Im Allgemeinen scheint dieö auch mein Mann zu empfinden, und er benimmt sich meistens ganz nett gegen mich, bloß hat er manchmal jo eine fatale Art, die kleinen Aeußerungen meiner Liebe und Bewu öerung höflich (einschließlich Offiziere, wovon 107 auf das 1., 216 auf bas 2. Bataillon kamen. Wie die Geschichte des Feldzuges bezeugt, war das Regiment an den ferneren Schlachten und Gefechten ehrenvoll bethciligt: cs machte seinem Namen Ehre an der Einschließung von Metz, an der Schlacht bei Noiffeville, auf dem Vormarsch gegen die Loire und den folgenden Gefechten bei Orleans, Briare unb zahlreichen Recognosetruugcn. Schwer waren die Opfer, die es gebracht, 6 Offiziere und 107 Mann hatten den Heldentod auf dem Schlachtfeld er litten oder waren ihren Wunden erlegen, 1 Offizier und 61 Mann waren durch Krankheit dahingerafft, 12 Mann blieben vermißt, so daß im Ganzen 7 Offiziere, 180 Mann den Tod sür's Vaterland starben; 14 Offiziere, 298 Mann trugen ehrende, mehr oder weniger schwere Verletzungen davon. — Was das Regiment geleistet, bewiesen die verliehenen Auszeichnungen. Es erhielt 78 Eiserne Kreuze 2. Klaffe, 1 Ludwigsorden, 55 Hessische Militär Verdienst- kreuze, 3 silberne Kreuze des Verdienstordens Philipps des Großmiithigen, 3 Hesfisd)c Militär-Sanitätskreuze, 1 Rothe Adlerorden Medaille, 5 russische Orden, die activen Angehörigen des Regiments erhielten die Kriegsdenkmünze: die Fahnen wurden mit dem Eisernen Kreuz und dem Hessischen Militär Verdienstkreuz geschmückt. Das am Rande des Bois de la Gusse errichtete (auf voriger Seite abgcbildete) Denkmal der Division, sowie das Landeskriegerdenkmal in Darmstadt sind dauernde Zeugen hessischer Tapferkeit. An Ruhm und Ehren reich kehrte das Regiment nach Ueberschreiten der alten Grenze über Germersheim, Mannheim, Darmstadt am 26. Juni 1871 nach Gießen zurück, festlich uud herzlich empfangen von der Einwohnerschaft, mit der es bis zum heutigen Tage im besten Einvernehmen geblieben und hoffentlich noch redjt lange bleiben wird. In dieser Zuversicht begrüßt die Garuisousstadt Gießen unb ihre Einwohnerschaft freudig atu heutigen Ehrentage ihr Inf an teric-Regiment Kaiser Wilhelm! bankend abzulehnen. Diese Abwci uuq ist gleichsam ein mora lischer Schubs unb kommt in ben verschiebensten Spielarten vor, bie aber alle nur ben Zweck haben, mich aus seinem Zimmer zu entfernen. Ich glaube, ber Gute will sich bloß zuweilen in dieser Hinsicht etwas kasteien, um nachher meine Anwesenheit desto beglückter zu empfinde». Ueberhaupt, abgesehen von seinen künstlerischen Eigenheiten, mit denen man nun einmal rechnen muß, hat er doch auch verschiedene gute Seiten, und dazu zähle ich vor allen Dingen den Hund, den er mit in die Ehe brachte. Ich muß gestehen, daß mir nie ein treueres, anmuthigeres unb philosophischeres Thier vorgekommen ist, als bieser Teckel, unb es ist ganz rührenb, wie ber feinen Herrn versteht unb zu nehmen weiß! Er leibet ja natürlich mit unter der künstlerischen Eigenart unserer Häuslichkeit, aber er trägt sie mit ruhiger Würbe. Ist bie Stimmung ber Familie elegisch, so sucht er sie in jeder Weise zu erheitern, uno das erreicht er häufig durch einen gewissen Tanz, bei welchem ber Schwanz in s Maul genommen wirb, unb ben er sich eigens zu biesem Zwecke erbacht unb einftubirt zu haben scheint. Merkt er bagegen, baß Mangel an Motiven Ursache ber Sorge ist, so kommt es ihm gar nicht barauf an, mit kühnem Sprung ben schönsten Braten vom Tisch zu reißen ober auch ein paar recht fettige Knochen in unsere besten Polstermöbel zu vergraben, nur um burch solche originelle Begebenheiten bie schwüle Ereignißlosigkeit bes Hauses zu verwischen. Der Aermste fühlt ganz genau mit uns, baß wir ihn zwar verstehen, aber orbnungshalber boch bestrafen müssen; aber er kriegt auch jebesmal, wenn mein Mann ihn geprügelt hat, von mir seinen Zucker; ber begeistert ihn bann zu neuen Thaten, unb er schafft an seinem Theile treulich mit an bem Lorbeerkranze seines Herrn. Ich mache es ebenso. Unser Lebcnspsab führt ja nicht immer zwischen Rosen hinburch, wenigstens nicht zwischen Rosen ohne Dornen; aber an ber Seite meines geliebten Mannes schreite ich muthig über alle rauhen Klippen bes Lebens hinweg. Unb bann habe ich auch noch ein besonderes Vergnügen babei: als Frau eines Dichters kommt man später mit in seine Biographie, unb ich benfe, es wirb sich gar nicht schlecht ausnehmen, wenn bereinft in ber Literaturgeschichte neben Petrarcas Laura unb Schillers Sötte noch ein anberer Name erglänzt, nämlich: Scholastika Schnurcks. (Köln. Ztg.) * Auch eine Quittung. Unter ben Kriegserinnerungen, bie jetzt auftauchen, finden sich verschiedene, bie von gesundem Solbatenhumor zeugen. So fand sich am 31. October 1870 Abends in Stains, einem Ort vor Paris, woselbst daS Alexander-Regiment Quartier hatte, an einem KellerhalS folgende originelle Quittung angeheftet: „Daß wir heute 350 Granaten richtig empfangen haben, bescheinigt StainS, 31. October 1870, Hahn, Unteroffizier der 9. Compagnie des Kaiser Alexander-Regiments. * Fatal. Werkfllhrer (zum Gerberlehrling): „Nun, Maxi, wie gefallt dir's denn bei unS?" — Maxi: „ES thut'S schon, Herr Huber, wenn nur ber Meister nicht immer so zerstreut wäre." — Werksührer: „Wieso, Maxi?" — Maxi: „Na, weil er meistens mein Fell gerbt, statt die andern!" qu| tiven «n- 'unze: die Hessischer ^ur bQ5 J ehren- 'r ®n, auf 'en Genügen. P und M tt: ■ m 2®««l »nn 9,8®m ^^ungen die ver- - »riuit >ipps beä )tete (mi vN'ie Sas ■ Zeugen ient nach . Mann- l MR, lmschaft, snuehmen den wird. Gießen Zutage ihr elm! i ein UM SpieluNkn aus feinem (l sich N hher am s\^e\ten, c doch aut itttu Dingen iuß gesiehen, osophischere- es ist ganz stmeu weiß! 'n E/genarl jer Würde. \\e in feier ; durch einer 11 gt/MM j eM wd daß W hm gar Ml :en vom TR gen in unsere (dje originelle auses zu ver- m§/ daß iw rafen müifen; ihn geprügelt ann zu neuen । mit an de« sü'hrt j° nichl .Men 9to|en 'bten Mannes § Lebens hüo ces VerglMge" später mit t «W >*f dite neben p ««**» ^öln. 8fg-) jtrlnnH«* ton 1-1»°' . October v woselbst • ..«'S >«6 *611»** L i« jeröi/ p Ausstellung*. Sonntag den 18. und Montag den 19. August, Morgens von 10 bis 12 Uhr, Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, findet die Ausstellung der Schülerinnenarbeiten im Schullocale der Aliceschule am Oswalds- garten statt. 6780 Der Vorstand. Ausstellung Oberhell. Industrie- und Gewerbe - EyeuMe vom 25. August bis 15. September 1895 in Alsfeld. Zum Besuche der Ausstellung werden folgende Eintrittskarten ausgegebech: 1. für die Dauer der Ausstellung a) für eine ganze Familie (Eltern und Kinder, SSHne über 18 Jahre ausgeschlossen).............ju 6 JL b) für eine einzelne Person . ........... w 3 „ 2. für einen Tag ä Person a) für Sonntags ............. . . . „ 1 „ b) „ die Wochentage...............„ 50 H c) „ einen vorher zu bestimmend 'n Wochentag • • . . „ 20 „ d) „ Schulkinder in Begleitung ihrer Lehrer an Wochentagen „ 10 „ Wer nach Schluß der Ausstellung nur die Concerte besuchen will, bat bei Militärconcerten -0 H und bei @on:erten an den Wochentagen 20 zu bezahlen Die Dauerkarten werden auf Namen ausgestellt, berechtigen auch zu freiem Antritt zu den Eoncerten und können schon j cht bei den Herren Georg Bücking VIII , Georg Denn, Rudolf Döring. Earl Hölscher, LoutS Raab, Heinrich Ramspeck, LouiS Schultheis, Adolf Spier und Eberhard Wollrab in Empfang genommen werd'n Die Gr. Direktion der Vderhesstschen Eisenbahnen hat den Besuchern der Ausstellung freie Rückfahrt auf eine einfache Fahrkarte am Tage der Lösung gewährt, wenn dte Karten in der Ausstellung abgestempett worden sind. Alsfeld, den 1. August 1895. E. Wollrab, 6556 Borsitzender des Finanz-Comitös. „Mainzer Hof", Alsfeld Mimjkrg-ffe (Inh.: Ferd. Peter) Nähe des Marktes empfiehlt fein in Mitte der Stadt gelegenes Gasthaus, Gesellschaftszimmer mit Pianino. — Logirzirnrner von 1 Mk. an. — Mittagstisch 70 Pfg. und höher. Alleiniger Ausschank des vorzüglichen Miinebener Bürgerbräues und des beliebten 6731 Dortmunder luöwenbräues. Anerkannt gute Küche. — Reingehaltene Weine. — Solide Preise. — Aufmerksame Bedienung. Loose der lundumthlchustl. Ausstellung iuGiesteu Ziehung am 23. September Hauptgew.r Erntewagen mit vier belgischen Zuchistuten i W v Mk. 5000. Loose ä t Mk., 11 Stck. 10 n>k. bei dem Haupt-Azenten für Gießen und Umgegend Rich. 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