Sk. 192 Der -ie^ener erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener A>«mttiend kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt. Samstag den 17. August____ Meßmer Anzeig er Keneral-Mnzeiger. 189» vierteljähriger x ötöonncmentspreks k 2 Mark 20 Pfg. mit Vringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, LxpcditioT und Druckerei: Sistukstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für bett Aveis Gieren Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamitienötätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. flmtiidyer Theil. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das 2. Bataillon des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 auf der Schafweide bei Wißmar Mittwoch den 21. l. Mts., Nachmittags, eine Schießübung mit scharfen Patronen abhält. Die Schutzlinie läuft vom Bogen _ der Lahn her in nordwestlicher Richtung gegen den Krofdorfer Forst und wird daher vor Betreten des gefährdeten Feldes und Waldes und der durch dieselben führenden Wege innerhalb 4000 Meter nordwestlich der Schafweide, fowie der von Wißmar nach Crumbach, Kirchvers und Salzböden direct führenden Waldwege und vor Passiven der Straße Wißmar—Ruttershaufen von Nachmittags 4 Uhr ab gewarnt. Gietzen, den 15. August 1895. Großherzogliches Kreisamt Gietzen. I. V.: Dr. Melior. Deutsches Reich. Darmstadt, 15. August. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sind gestern Abend von einem Ausfluge nach Metz, den Ällerhöchstdieselben zur Besichtigung der Schlachtfelder, der FortS auf der Ostsette und des hessischen LandeSdenkmals incognito unternommen hatten, nach Jagdschloß Wolfsgarten zurückgekehrt. Im Gefolge der Allerhöchsten Herrschaften hatte sich General- adjutant Generallieutenant Wernher befunden. — Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben befohlen, daß zur Erinnerung an die Thätigkeit der Großherzogltch Hessischen Truppentheile im Jahre 1870/71, insbesondere in der Schlacht von Gravelotte, eine Feier deS 18. August durch eine Parade zu Fuß der gesummten hiesigen Garnison stattzufinden hat. Dieselbe wird Sonntag Vormittags 7 Uhr auf dem Paradeplatz abgehalten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden Allerhöchstselbst die Parade abnehmen. Berlin, 15. August. Kaiser Wilhelm ist von seinem sommerlichen Ausfluge nach England wieder im Neuen Palais bet Potsdam eingetroffen, woselbst er bis zum Beginne seiner Manöverreisen voraussichtlich residtren wird. Der jüngste Besuch des erlauchten Monarchen in England war gleich seiner vorangegangenen schwedischen Reise im Allgemeinen der Erholung gewidmet, wenigstens sind hierbei bestimmte politische Zwecke ganz sicher nicht verfolgt worden. Bedauerlicher Weise gab der diesmalige Aufenthalt des kaiserlichen Herrn aus englischem Bo^en groben Londoner Blättern Anlaß, sich anmaßend, ja unziemlich über Deutschland und den Kaiser selbst zu äugeru, welche Unverschämtheiten indeffen fast von der gelammten deutschen Preffe kräftig zurückgewiesen worden find. Inzwischen hat man auch von Berliner osficiöser Seite aus ganz gehörig den betreffenden Londoner Zeitungen den Text gelesen und ihr anmaßendes Auftreten in die gebührenden Schranken zurückgewiesen, wie dies durch den bekannten Abwehr-Artikel in der „Nordd. Allg. Ztg." geschehen ist. Eine Rückwirkung auf das ausgezeichnete osficielle Verhältniß zwilchen Deutschland und England wird aber diese Preßfehde ketnenfallS hervorbrtngen. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Fulda, 15. August. Zu der am 21. d. M. beginnenden Bischofs'Conferenz find angemeldet: Der Cardinal- Erzbischos von Köln, der den Vorsitz sührt, der Feldprobst Aßmann, die Bischöfe von Ermeland, Hildesheim, Culm, Limburg, Mainz, Münster, Paderborn und Trier. Die Erzbischöfe von Posen und Freiburg, der Fürstbischof von BreSlau und der Bischof von Osnabrück lassen fich vertreten. Die Conferenz dauert zwei Tage. Die Tagesordnung wird streng geheim gehalten. Metz, 15. August. Heute fand auf den westlichen Schlachtfeldern, von St. Privat, Gravelotte, Vionville und MarS la Tour die Schmückung der Gräber durch sämmtliche deutschen Vereine aus Metz statt. Morgen früh macht die gesammte Metzer Garnison bei Vionville eine große Gefechtsübung, nach derselben findet vor dem Commandeur des 16. Armeecorps, General Grasen Haeseler, Parade statt. Peurith, 15. August. Der Kaiser ist heute Nachmittag in Begleitung des Earl cf Lonsdale mittelst Sonderzuges nach Leith abgereist, woselbst fich der Kaiser an Bord der „Hohenzollern" begibt, um mit derselben die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Vor der Abreise beschenkte der Kaiser den Constabler von Westmoreland und Cumberland mit einer goldenen Uhr und Kette und drückte demselben seine Befriedigung aus über die gute Aufrechterhaltung der Ordnung während der Zeit des Besuches. Washington, 14. August. Der amerikanische Consul in Tientsin telegraphirte, daß in Tschifu und Tientsin die Cholera ausgebrochen sei. Depeschen deS Bureau .Herold*. Berlin, 15. August. Der „Post" wird aus Wilhelms- Hafen telegraphirt, daß dem commandirenden Admiral Knorr der Orden der französischen Ehrenlegion verliehen worden ist. Berlin, 15. August. Die „Vosfische Zeitung" widmet der Eroberung von Metz einen Leitartikel, in welchem sie u. A. sagt, sie erkenne daran, daß Metz uns wieder- gegegeben ist, daS gerechte Walten der Vorsehung. Das Blatt erinnert an den Ausspruch Moktkes, daß Metz hunderttausend Mann werth sei. und meint, daß gegen muthwillige Angriffe, welche wir in Zukunft noch von Frankreich erfahren könnten, Metz ein überaus werthvoller Punkt sei. Raffel, 15. August. Der Kaiser trifft am Montag Abend aus Wtlhelmshöhe ein und verbleibt daselbst eine Woche lang. Die Kaiserin kommt am Sonntag nicht nach Berlin zur Grundsteinlegung deS Kaiser-Wilhelm Denkmals, sondern verbleibt vorläufig in Wilhelmshöhe. München, 15. August. Im Saale der „Alhambra" veranstaltete gestern die hiesige socialdemokratische Arbeiterpartei eine Gedenkfeier für Friedrich Engels. Die Feier wurde durch ein Sieb deS Arbeiter-Sängerbundes eingeleitet, worauf Herr Administrator Cohn, welcher Engels persönlich kannte, die Festrede hielt, in welcher er die Verdienste deS Verstorbenen hervorhob. An der Feier beteiligten sich etwa 300 Personen. BreSlan, 15. August. Wie der „Breslauer Generalanzeiger" meldet, wurde gestern Abend Hierselbst aus Ver- anlasiung der Warschauer Polizei ein Nihilist Namens Casprzak verhaftet. Bei der gleichzeitig stattgefundenen Haussuchung wurde eine große Menge Schriftstücke beschag- nahmt. Der Verhaftete ist im Jahre 1887 auS dem Ge- fängnttz zu Posen ausgebrochen, ohne daß es bisher gelungen war, seiner habhaft zu werden. Opladen, 15. August. Die Leiche des bei dem vorgestrigen Eisenbahnunglück umgekommenen Locomotiv- führerS ist gräßlich verstümmelt unter den Trümmern hervorgezogen worden. Die AufräumungSarbeiten dauern fort. Der Verkehr wird über ein Geleise aufrecht erhalten. Fünf Geleise find zerstört. Gestern war ein großer Theil der Strecke mit allerlei Wagentheilen bedeckt. Ein kurz nach dem Unfall die Strecke passirender Personenzug wurde durch Landleute, welche mit Tüchern schwenkten, gewarnt und konnte rechtzeitig zum Stehen gebracht werden. Die Paffagiere des Zuges mußten zu Fuß den Weg bis Opladen zurücklegen. Beim Eintreten der Katastrophe vorgestern Abend hatte der Elberfelder Personenzug gerade die Unfallstätte verlaffen. Pari-, 15. August. Die socialtsttschen Blätter greifen die Regierung aufs Heftigste an, indem sie die Be- hauptung aufstellen, der Martnemtnister habe Befehl gegeben, von dem Solde der einfachen Matrosen Abzüge zu machen, um die Bezüge der Offiziere erhöhen zu können, ohne den Etat steigern zu müsien. Die Blätter fordern energisch Auskunft über diese Vorkommnisse. Belgrad, 15. August. „Male Novine" meldet aus angeblich rusfischer Quelle, daß Rußland schon in der nächsten Feriilleton. Mein Mann. Studie von Scholastika Schnurcks. (Fortsetzung.) Es war noch völlig dunkel, aber ich hatte die beiden Spiegelkerzen angezündet, welche das Schlafzimmer genügend erhellten. Das Nebenzimmer war freilich ohne Licht, und als er sich dort ctwas erholen wollte, stieß er sich am Tisch und kehrte scheltend zurück. Ich machte ihn bescheiden darauf aufmerksam, er könnte ja seine Nachtkerze anzünden und mitnehmen. Dies schien ihm cinzuleuchten; er zündete sie an, setzte sie zwischen die beiden anderen Kerzen auf den Waschtisch und ging wieder ohne Licht in das andere Zimmer, wo er sich diesmal nicht stieß, sondern auf den Hund trat. Das arme Thier brach in ein herzzerreißendes Geheul aus. Aber wider Erwarten fand mein Gestrenger jetzt das Gesuchte, und die Zeit bis zum Frühstück verlief ohne weitere merkwürdige Vorfälle. Das Frühstück selbst bleibt sich eigentlich immer gleich, das heißt, seiner Substanz'nach ist es ewig wechselnd. Schenke ich ihm Thee ein, so sagt er: „Du könntest auch mal wieder Caeao kochen!" Thue ich letzteres, so heißt es: „Thee bekommt mir besser!" Habe ich keine frischen Eier im Hause, so möchte er ein Ei zum Thee haben- fehlt es an Arae, so wünscht er diesen- ist alles vorräthig, so verzichtet er auf Alles. Nach dem Frühstück raucht er eine Cigarre oder auch eine Cigarette. Als ritterlicher Ehemann weiß er die Erlaubniß, daß er in* allen Zimmern rauchen darf, wohl zu würdigen. Jedesmal holt er in dankbarer Rücksichtnahme einen Aschenbecher herbei, mit welchem seine rechte Hand graciös spielt, während die linke im Eifer des Gesprächs die Asche an einer Stuhllehne abstreift und auf den Teppich streut. Ueberhaupt, was so ein Dichter im Eifer des Gesprächs leistet, darüber ließen sich faustdicke Bücher schreiben. Und was das Schlimmste ist, es ist so furchtbar gewagt, ihn dabei zu unterbrechen oder auf irgend etwas Nöthiges aufmerksam zu machen. Jedesmal geht uns der Ofen aus, wenn mein Mann in's Plaudern gerät, weil ich nicht aufstehen darf, darnach zu sehen oder dem Mädchen zu klingeln. Aber das ist noch das Wenigste. Ich muß zum Beispiel auch geduldig zusehen, wie er m t der Cigarre ein Loch in meine schönste Tischdecke brennt. Mache ich ihn schüchtern darauf aufmerksam, so braust er entweder auf oder er wird noch gar zärtlich, was einen noch mehr ärgert, und sagt: „Aber liebes Kind, wenn wir in Ruhe ein vernünftiges Wort sprechen, so ist das doch viel mehr werth als alle Tischdecken der Welt!" Notabene sprechen wir nie zusammen, denn er läßt nuch überhaupt nicht zu Worte kommen, sondern redet immer allein. Ich glaube, wenn ich einen seiner häuslichen Vorträge mit der Nachricht stören müßte, daß eben in unserem Hause Feuer ausgebrochen wäre, er würde höchstens ärgerlich sagen: „Ach was, hör nur weiter, wir sind ja versichert!" Eine solche, meist übrigens recht interessante Unterhaltung beschließt gewöhnlich unser Frühstück- dann geht der Mann auf sein Arbeitszimmer und die Frau auf den Markt. Und was hat eine Schriftstellersfrau nicht alles auf dem Marktgang zu besorgen! Da heißt es die Augen offen halten, um überall bam t in's volle Menschenleben einzugreifen und die etwa verwerthbaren Momente daraus zu packen und festzuhalten. Denn der Mann will nicht nur körperliche Nahrung, sondern auch Motive für seine geistige Thätigkeit, und darin kann ihm die verständnißvolle Gattin sehr viel Stoff liefern. Der ist ja die Hauptsache, und es muß nachher eine Kleinigkeit für ihn sein, das Gegebene ein wenig zu ordnen und für die Leserwelt zurechtzustutzen. Habe ich ihm Alles erzählt, was ich unterwegs gesammelt habe, so legt er sich in seinen Triumphstuhl, um es rauchend zu verarbeiten, und ich begebe mich in die Küche, um das Mittagessen zu bereiten. Was das Kochen betrifft, so muß ich gestehen, daß ich in dieser Hinsicht noch mehr Glück als Verstand habe, und bei meinen vorzüglichen Geisteskräften will das wirklich was heißen! Ich hatte mich allerdings auf das Schlimmste gefaßt gemacht und so konnte ich kaum eine arge Enttäuschung erfahren. Aber hier muß ich auch wirklich einmal meinen Mann loben, der es rührend dankbar anerkennt, wenn ich ihm eine Speise nach seinem Geschmack mit Liebe zubereite. Und meistens gelingt mir das, obgleich das Gegentheil auch seine Vorthetle hat. Wenn nämlich ein Gericht mißräth, was doch in den besten Familien vorkommen kann, so machen wir einfach eine Humoreske daraus, deren Erlös hinreicht, Hunderte von Leckerbissen für unsere Tafel zu beschaffen. So denke ich noch mit Entzücken an mein erstes M ßgeschick in der hohen Kochkunst. Es handelte sich um die Verfertigung gewisser kleiner Kuchen, die mir ebenso sehr durch Einfachheit der Zubereitung wie durch Wohlfeilheit irnponirten und mich sehr zu einem Versuch reizten. Dieser mißlang - ich wetteiferte mit meiner Küchenfee durch alle erdenklichen Mittel, dem Teig noch aufzuhelfen und ihn genießbar zu machen. Das Mädchen meinte schließlich, nun würden es Fricandellen- ich kam auf die Idee, doch lieber Waldbeerenpfannkuchen daraus zu machen und mischte die Beeren darunter. Zuletzt boten wir dem Hunde eine Probe davon an- der aber zog den Schwanz ein und verkroch sich unter den Herd. — Als ich meinem Manne nachher den ganzen Vorgang erzählte, amüfirte er sich königlich darüber und schlug vor, wir wollten diese Küchelchen in Zukunft „Freudenküchelchen" nennen, denn noch nie hätte ihm ein Gebäck solche Freude gemacht. (Schluß folgt.) Zeit an sämmtliche Großmächte eine Note richten werde, wonach ein neuer europäischer Congreß ftattnnbcn solle, dessen Aufgabe eS sei, den Berliner Vertrag nach Maß- gäbe der in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen zu modificiren. Der Krieg von 1870,71, geschlldert durch Ausschnitte aus Zeitung« - Nummern jener Zett. (Nachdruck verboten.) 17. August. Aus französischen Zeitungen: 1,200,000 Wölfe falle» über uni her. Sie kommen buogertg auS den Wäldern. Die Finanzen unserer Feinde sind zur „Mythe" geworden, ihre Spione, die seit Jahren den Boden Frankreichs beschmutzen, haben die letzten Groschen ihres Schatzes aufgezehrt. Das sind keine Menschen, sondern Elemente, welche gegen unS entfesselt werden. O, der blutige Greuel! Hat man aber nachgedacht, welche Wirkung eine Panik in diesen hungernden Horden hervorbringen würde? Diese Panik aber erzeugt sofort der geringste Sieg unsererseits. Wenn Bazaine heute in Metz siegt, ist Preußen morgen verloren. Seine Kinder sterben den schrecklichsten Tod, den Hungertod! Darum keine Illusionen mehr! Der Kampf ist ein Riesenkampf, der den Tod Frankreichs oder Preußens zur Folge haben wird. Die preußische Armee schleppt daS geknechtete Deutschland hinter sich her- hinter den Soldaten VazaineS und Mac MahonS soll sich die freie (!) französische Nation erheben. Liberty. toeaU« and pt*ot>hn$eO«». Gieße», den 16. August 1886. ♦* Kirchliches. Dem Vernehmen nach hat Herr Pfarrer Dtngeldey einen Ruf nach Darmstadt für die dort erledigte Pfarrstelle erhalten. Sein Weggang würde einen schweren Verlust für unser kirchliches Gemetndeleben bedeuten. ES werden daher bereits, zunächst innerhalb seiner LukaSgemeinde, die nöthigen Schritte vorbereitet, um ihn, wenn irgend möglich, unserer Stadt und Gemeinde zu erhalten. •• Gedächtuißfeier für die Krieger von 1870/71. Heute Vor» mittag versammelten sich die Mitglieder des Krieger-Verein«, dcS Veteranen-Vereins und deS Marine-BereinS zu gemein- samer Theilnahme an dem Gottesdienste in der Johannes- kirche, woselbst Herr Pfarrer Dr. Naumann die auf den Tag bezügliche, tiefempfundene Predigt hielt. Die Fahnen der Vereine waren am Altar aufgestellt, wo auch Kränze niedergelegt wurden. Nach Beendigung des Gottesdienstes warschirten die Vereine nach dem Friedhöfe, um ihrerseits der dort ruhenden, an Wunden oder Krankheiten während dcs Krieges verstorbenen Kameraden durch Niederlegen von Kränzen zu gedenken. Seitens der Stadt war vorher schon eine Schmückung der Ruhestätten der circa 90 deutschen und französischen Soldaten vorgenommen, da- deutsche und daS französische Denkmal war mit Guirlanden umwunden und mit Topfpflanzen umstellt, jedes der mit eine« Etsenkreuz versehenen Einzelgräber zierte ein Eichenkranz. Mit dem Choral: „JefuS, meine Zuversicht" eröffnete die RegimentSmusik hier die Feier, zu der daS OffiztercorpS, die Spitzen der Behörden, die Stadtverordneten u. f. w. erschienen waren. Herr Pfarrer Dr. Naumann hielt am Kriegerdenkmal eine längere feierliche Ansprache. Er gedachte hierbei vor Allem der Tobten, die sowohl in den besonderen Kriegergräbern ruhen, wie derjenigen, die tu anderen Theilen des Friedhofes, gestorben an Wunden oder langwieriger Krankheit, gebettet, er wie» ferner hin auf alle Kriegergräber im großen deutschen Baterlaude, auf diejenigen in den neu erworbenen Landes- theilen und schließlich auf die außerhalb den Grenzen des Reichs, die die Ueberreste der für das deutsche Vaterland Gefallenen bergen. Er schilderte die Tapferkeit, mit welcher die Gefallenen gekämpft und forderte die Veteranen auf, recht oft davon zu erzählen, damit die junge Generation begeistert werde für daS, was die Tobten dem Vaterlande erkämpft - Alle, Junge und Alte, sollten heute der Opfer des Krieges gedenken, der Leiden, die sie haben ertragen müssen, um daS Vaterland zu retten- Alle würden im Andenken behalten- aber wehmüthig blickten auch die Hinterbliebenen auf die Gräber, ein großer Strom von Thränen fei den Blutströmeu de« Krieges gefolgt, Vieles fei zwar überwunden, aber viele Taufende lodter Krieger lebten noch in schmerzlicher Erinnerung ihrer Lieben- für Viele fei noch zu sorgen, für Hinterbliebenen und Invaliden. Herr Pfarrer Dr. Naumann gedachte weiter des heldenmüthigen Führers der Hessischen Division, Seiner Köntgl. Hoheit del Großherzogs Ludwig IV.- an ihn dächten noch Alle, die unter ihm gedient und gekämpft, er wie« auf Seine Röntgt Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig hin, hoffend, daß tn dem Sohne die Krieger den Vater ehren würden- er gedachte des Heimgegangenen Kaisers Wilhelm I., der Heimgegangenen Feldherren, des noch unter uns lebenden Fürsten BiSmarck u. f. w. - auch der Feinde, die de- Krieges Opfer für ihr Vaterland wurden und deren Denkmal geschmückt wurde. Er ermahnte an den Ruf der tobten Krieger, treu zum Vaterland zu halten, an ihren Mahnruf: Seid einig, einig, einig! Haltet fest an Fürst und Vaterland, an Kaiser und Reich, an der Ehre und Kraft desselben, gelobet Treue bis in den Tod, fürchtet nur Gott, fonft Niemand auf der Welt. Herr Pfarrer Dr. Naumann fd)lo6 feine erhebende Ansprache mit den Worten, die daS Denkmal bei Gravelotte tragen : Wenn unsere Zeit gekommen, werden wir ritterlich sterben um unserer Brüder willen. Gott walte über uni, den Lebenden und den Tobten. — Herr Beigeordneter Georgi legte den von der Stadt Gießen gespendeten Kranz am Denkmal nieder, all Ausdruck deö Dankes für das, was die Gefallenen für dal Vater- l°nd gethan. — Der Vorsitzende de« KriegerveremS, Herr Mayer, widmete Namens der Krieger und Veteranen den theuren Tobten, den Gefallenen zur Ehre, den Lebenden zur Anerkennung, den Kommenden zur Nacheiferung einen Kranz. Hierauf legte er an dem franzöfifchen Denkmal einen Kranz nieder mit den Worten: „Der Tod trennt nicht Freund und Feind, Friede ihrer A-che!" — Namen« der Manne Verein! widmete Herr Hebst reit den Gefallenen einen Kranz. — Hierauf begaben sich die Veteranen an die Gräber de« Obersten Kraus und Oberlieutenant Heid acker, woselbst der Vorsitzende des Veteranen-VereinS, Herr Petri, „bem unvergeßlichen Obersten des 2. Regiments" einen Kranz darbrachte. — An dem Grabe deS ebenfalls hier ruhenden Oberlieutenant Kis feuer legte Herr Bruch Häuser, der ehemalige Feld- wedel der 7. Compagnie, NamenS derselben für den da- maligen Chef der Compagnie einen Kranz nieder. — Damit war die Feier auf dem Friedhöfe beendigt, und warschirten nun die Krieger unter Dorantritt der RegimentSmusik nach dem G a f£ Leib. Dort fand ein Gommer« statt. — Herr Mayer begrüßte hier die Gäste, wies auf die Thaten von 1870/71 hin, deren Errungenschaften Kaiser und Rein geworden und brachte ein Hoch auf Kaiser und Reich und Landesfürst aus. — Hierauf ergriff Herr Beigeordneter Georgi in Verhinderung deS Herrn Oberbürgermeisters das Wort, um die von der Stadt Gießen gestifteten, mit prachtvoll gestickter Inschrift versehenen Fahnenbänder den beiden Vereinen, Kriegerverein und Veteranenverein, zu überreichen- er gab dem Wunsche Auldruck, daß bte Vereine die Bänder an ihren Fahnen tragen möchten mit dem Bewußtsein, daß dankbar die Stadt Derer gedenke, die für Ehre und Freiheit deS Vaterlandes fo ruhmvoll gekämpft. Herr Beigeordneter Georgi schloß feine Ansprache mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. — Herr L. Petri, Vorsitzender deS Veteranenvereins, dankte NamenS beider Vereine für die schönen Fahnenbänder und gab hierauf ein anschauliches Bild der Ereignisse vom 16. August 1870, an welchen die hessischen Truppen so ruhmvoll theilgenommen. Sein Hoch galt der lieben Vaterstadt Gießen. — Herr Stadtverordneter Schwall gedachte in patriotischer Rede der Ereignisse bei Krieges von 1870/71 unb brachte ein Hoch auf das freie deutsche Volk, als dessen berufene Vertreter er die Veteranen unb Krieger feierte, aus. Dieses Hoch wurde besonders jubelnd aufgenommen. — In kameradschaftlicher Weisc blieben die Vereine mit ihren Gästen noch eine Zeit laug vereinigt, als eine stattliche Versammlung ehemaliger siegreicher Kämpfer unb vaterlanböbegeisterter Männer auS allen Schichten der Bevölkerung. — Zur Feier beS Tage!, dem Jahrestage der Schlachten vonVionvllle unbMarS la-Tour, haben die öffentlichen unb viele Prtoatgebäude Flaggenschmuck angelegt. ♦* Marine Verein. Am vergangenen SamStag beging der Marine-Verein Gießen auf der Schönen Aussicht die Feier des GeburtStagfesteS Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen. Durch eine kernige Ansprache, die mit einem Hoch auf den künftigen Führer der deutschen Marine schloß, eröffnete um 9 Uhr der Präsident die Feier, die in allen Theilen schön verlief. Auf ein an De. Kgl. Hoheit den Prinzen Heinrich abgesandtes Glückwunschtelegramm langte gestern Abend 11 Uhr folgende Drahtantwort aus Helgoland ein: „Königliche Hoheit danken besten! für die Glückwünsche! Golomb, persönl. Adjutant." ♦♦ Die Baute» zur Laubwirthschaftlichen Ausstellung. Der Plan zu den Sauten unserer landwirthfchaftlichen Aul- stellung liegt fertig vor. Auf der rechten Seite deS Oswalds- garten« werden die Stallungen für Pferde unb Rindvieh, auf der linken Seite die Ställe nur für Rindvieh, den Platz umsäumen. An der Querseite des Platzes an der Neustadt wird eine Bierhalle errichtet. In der Mitte des Platzes wird in der Form eines OvalS der VorführungSplatz abgegrenzt. Auf der Nordanlage, mit der Front nach dem Banket gerichtet, kommen Ziegen-, Schaf- und Schweineställe zu stehen. Am Treffpunkt der Steinstraße mit der Nordanlage, wo beim Turnfest neben der Conditorei Döll die Bierhalle von Friedel & Asprion stand, ist eine gedeckte Halle für Maschinen unb Geräthe in der Größe von ca. 600 Quadrat- meter geplant. Hieran anschließend längs der Steinstraße, das zum Juxplatz benutzt gewesene Gelände, sowie zwischen Steinstraße unb Nordanlage, dort, wo BichlerS Ausschank unb der der Actien - Brauerei beim Turnfest sich befand, werden ebenfalls Gelasse für Rindvieh erbaut. Die Baulichkeiten für das zahlreich angemeldete Geflügel werden, an die Maschinen' und Geräthehalle sich anschließend, längs der Nordanlage eingerichtet. Für da« Wassergeflügel wird auch ein Teich errichtet. Ebenso ist an der Nordanlage noch eine Unterkunft für Schafe vorgesehen. Der im Dreieck mit Stallungen umsäumte ehemalige Juxplatz erhält ebenfalls in seiner Mitte einen abgegrenzten VorführungSplatz. Die Bienenausstellung wird tn den Räumen der Aliceschule arrangirt, in deren Nähe im Freien die Bienenstöcke ihren Platz erhalten. Aucy die wissenschaftliche Abtheilung der Ausstellung erhält ihren Raum in der Aliceschule. In der Stadtknabenschule kommen die HülsSstoffe, Producte deS Pflanzenbaues, die Forstwirthfchaft und bte F'schzucht zur Ausstellung. Die Turnhalle ber Stadtknabenschule steht der Abtheilung für das Molkereiwesen zur Verfügung. Die Turnhalle an der Nordanlage, welche mit der Ausstellung verbunden wird, wird die nicht unbedeutende Abtheilung für Obstbau aufnehmen. In der nächsten Woche werden die Arbeiten für die Bauten vergeben unb soll bann mit deren Inangriffnahme ungesäumt begonnen werden. *• Am 18. August 1870. Der ehemalige Musketier in der 3. Compagnie deS 4. Großh. Inf. - RegtS. (Prinz Carl) Nr. 118, Herr Althoff, jetzt tn Flonheim, theilt der „Darmst. Ztg." folgende wohl noch nicht allgemein bekannte Eptsode auS dem großen Kriege 1870/71 mit. Es war am 18. August, am Tage der Schlacht bei Verneville. Mein Corpora! und ich gingen von unsrer Stellung etwas nach links, weil das Feuern etwa« nachgelassen hatte. Ein Lieutenant von dem 2. Jägerbataillon rief uni zu: Infanteristen, deckt Euch, hierher wird noch stark gefeuert. Alsbald befolgten wir feine Mahnung- jedoch In dem Augenblick, all ich mich decken wollte, streifte eine Kugel auch schon meinen Tornister unb ging einem Jäger einige Mann hinter mir in edle Theile- sie wird bem Braven wohl dal Leben gekostet haben. Unmittelbar darauf sah ich Prinz Ludwig mit feinem Stabe halten. Eine Kugel traf dicht an de« Prinzen Seite Oberlieutenant Möller, der au« dem Sattel zu fallen schien Prinz Ludwig, die« gewahrend, hielt den Genannten so lange am Rocke darin fest, bis Soldaten, dezw. Lazarethgehilfen kamen unb Möller vom Pferde nahmen. Prinz Ludwig führte diesen Dienst mit großer Kaltblütigkeit tn der gefahrvollen Lage au«, unb ich halte e« für geboten, bte schöne Handlung bei leider fo früh verblichenen Fürsten hier zur weiteren Kenntniß zu bringen. •• Zur Ermuernngsfeier i» Darmstadt. Wie den „N. H V." von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, hat • Se. Köntgl. Hoheit der Groß Herzog die Adstcht ausgesprochen , nächsten Sonntag während bei Festessen! ber Veteranen in ber Festhalte zu erscheine». Diese Nachricht wirb bei den Veteranen gewiß mit größter Freude und Genugthuung ausgenommen werden. •• A» de» höhere» Madchenschulm in Darmstadt, Offenbach, Gießen, Mainz und Wo.ml unterrichteten im Schuljahr 1894/95 111 Lehrer unb Lehrerinnen. Die 66 Schulklassen unb 3 Seminar - Klassen wurden von 2115 Schülerinnen besucht, von welchen 1402 evangelischer, 291 römisch - katholischer, 8 altkatholischer, 32 deutsch- katholischer, 374 israelitischer und 8 anderer Confession sind. Von 2030 Schülerinnen wurden InSgesammt 153 591.54 Mk. Schulgeld bezahlt und zwar vertheilt sich diese Summe wie folgt: In Darmstadt wurden gezahlt von 543 Schülerinnen 47 427.04 Mk., in Offenbach von 268 Schülerinnen 17 684 Mk., in Gießen von 320 Schülerinnen 18 497 Mk., in Mainz von 620 Schülerinnen 48 451Mk. und in Worm! von 279 Schülerinnen 21 532.50 Mk. O. Z. *• Zur Beachtung. Eine wenig beachtete Unsitte, welche stet! lästig ist, in vielen Fallen sogar schadenbringend, ist dal Mitnehmen von Hunden in Fleischerläden,- einerlei ob e« der begleitende Pudel des Dienstmädchen! ober der Schnauzer des sein „Frühstückshäschen" holenden Handwerksmeisters ist, jeder Metzger weiß über diese Laben- plage zu klagen. Diese begleitenden Lieblinge durchstöbern den Laden in allen Ecken, beschnuppern freihängende Fleisch- theile und, wenn irgend angängig, entführen sie ein Beutestück. Meistens gebietet dem Verkäufer die Rücksichtnahme auf die Kundschaft ein Einschreiten gegen dal Mitbringen der Hunde, und in wenig Fällen gelingt el, eine Schädigung sofort zu entdecken, um Schadenersatz beanspruchen zu können. Es wäre wünschenlwerth, daß Jedermann die Einsicht habe, beim Besuch eine! Fleischerladens den begleitenden Hund auf ber Straße zu lassen. -1- Saubringen, 15. August. Ein seltene! Bild der Eintracht gab gestern unsere Gemeinde bei Gelegenheit der Bürgermeisterwahl. Der seitherige Bürgermeister Wilhelm Walter VI. tourte wieder gewählt, und vereinigte sämmtliche Stimmen, 92 an der Zahl, auf seine Person, ein klarer Beweis, daß er el verstanden hat, sich sowohl durch seine tüchtige Amtsführung all auch durch fttn gerechtes, unparteiisches und dabei allzeit liebenswürdige! Benehmen die Achtung, Liebe unb das Zutrauen feiner Mitbürger in hohem Grabe zu erwerben. Die Feuerwehr, der Gesangverein, ber Kriegerverein und ber vor vier Wochen neue gegrünbete Turnverein, im Gefolge Allel, was Beine hatte, veranstalteten um 9 Uhr AbenbS einen hübschen Lampionzug, bte Sänger trugen zwei Chöre vor, unb Herr Philipp Weimer NamenS ber Krieger, Herr Lehrer Lehr NamenS ber Sänger unb Herr Heinrich Weimer Namen! der Feuerwehr drückten ihre hohe Freude über dal Resultat der Wahl aul, hoben die Verdienste bei Wiebergewählten hervor und brachten Hoch! auf ihn unb seine Familie au«. Herr Reallehrer Stahl aul Offenbach a. M., ber hier in ber Sommerfrische weilt, prie! tn einer längeren Ansprache die Eintracht unb ba« obroaltenbe schöne Einvernehmen unter der Einwohnerschaft unb brachte ein Hoch auf bte Gemeinde Daudringen aul. Für bte Wahl unb die Ovation sprach H-rr Bürgermeister Walter, welcher bemerkte, er habe nur seine Pflicht gethan, in bewegten Worten seinen Dank au«, unb lub bte Leute zu einem Glal Bier ein. In ben drei Wirthschaften herrschte nun recht oergnügte Stimmung bi! zur Mitternachtsstunbe. Dal erhebende, wohlthuende unb seltene Beispiel sei hiermit anderen Gemeinden besten! empfohlen. Butzbach, 14. August. Herr Rabbiner Dr. Hirsch- f c l b aul Gießen wird nächsten Samstag Vormittag 10 Uhr anläßlich der Einweihung einer neuen Gesetzeirolle in ber Synagoge zu Butzbach einen Feftgottelbienst abhalten. § Geber», 14. August. Der seither hier ansässig gewesene Arzt Dr. Dörinkel ist all Kreisarzt an Großh. KreilgesunbheitSamt Allfeld berufen worden. Sn dessen Stelle hat sich kürzlich ber praktische Arzt Dr. Weißbecker aul Fischborn (Kreil Gelnhausen) hier niedergelassen. O Atphe, 14. August. Unter ben auf hiesigem Hofgute beschäftigten Arbeitern (Ostpreußen) sinb wieberholt typhul- artige Erkrankungen vorgekommen. Die Ursache glaubt man im Trinkwaffer zu suchen, und wurde daher die Räumung etnel Brunnen! vorgenommen. cP Ober Ohme», 15. August. Nachdem in allen bekannten Gemeinden unseres Kreisel den Veteraneck öon 1870/71 Beiträge bereitwllligst bewilligt wurden, zur 8e* streitung der entstehenden Kosten bei ber Theilnahme an ben Landeifeierlichkeiten zu Darmstadt, wandte sich auch der hiesige Kriegerverein mit einer dielbezüglichen Eingabe für bie hiesigen Feldzuglsoldaten an ben Gemriuberalh. Dieser aber bat bie Bitte seiner Veteranen abgeschlagen. 0 Siebet • ©eminbee, 15. August Der Grünberger Zweigverein ber Gustav Abolf-Stiftung will unter Vorsitz des Herrn Dekan Pullmann von Grünberg seine diesjährige Hauptversammlung nächsten Sonntag, öen 18. d. Mtl., dahier abhalten. Beginn bei Festgottelbienste« Nachmlttagl 2 Uhr, Festprediger Herr Pfarrer Kn ab vou Buchenbrücken. Bei guter Witterung findet eine gesellige Machfeier im Freien — auf dem Feftplatz nächst des Bahn- dofs — statt, bei welcher auch der vaterländischen Bedeutung des TageS Rechnung getragen werden soll. Schotten, 14. August. Die Fertigstellung des Lehrerhetrns beim AltenburgSkopf schreitet rüstig voran ninb dürste in Kürze vollendet sein, so daß die WirrhschaftS- Eröffnung am 25. August in Aussicht genommen werden könnte. Die Wirthschaft ist auf drei Jahre Herrn Graef von Asienheim pachtweise übertragen worden. Die Ein- weihungsfeierlichkeiteu sollen jedoch erst am 29. September stattfinden, um, da dieser Tag in die Ferien fällt, den Herren Lehrern von außerhalb Gelegenheit zu geben, an der Feier theilnehmen zu können. ES haben bereits einige Lehrer von Darmstadt rc. zugesagt, an die Einweihungsfeier anschließend, einige Tage im Lehrerheim Quartier zu nehmen. § Vom höheren Vogelsberg, 14. August. Der Anfang deS KornschnitteS wurde bei uns durch Regenwetter verzögert. DaS Korn hat seither schon ziemlich gelitten, wie im vorigen Jahr, eS wächst sowohl am Halm wie auch auf dem Haufen. Die Sommerfrucht geht der Reife entgegen, und werden sich dann später voraussichtlich die Ernte-Arbeiten zusammen drängen. Die Ernte-AuSsichten in Korn und Weizen find ziemlich gut, Sommerfrucht besser. Die Kartoffeln stehen prächtig und versprechen eine gute Ernte. Grummet wächst spärlich^ Obst hängt wenig an den Bäumen. △ Mainz, 15. August. Eine mächtige Feuersäule zeigte heute gegen Mittag den Ausbruch eines großen Brandes jenseits deS Rheines an. In der reizenden, links am Eingang von Hochheim gelegenen Villa der Familie Burgeff — ein Annex von gleichnamiger Schaumweinfabrik — war in den unteren Räumen Feuer auSgebrochen, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff und zwar so, daß den in den oberen Stockwerken beschäftigten Dienstmädchen durch das Feuer der Ausgang aus dem Hause versperrt wurde. Die Mädchen flüchteten sich auf das Dach der Villa, von wo fie ein beherzter Mann — Schreiner Kronntng heißt der Wackere — ungeachtet, daß ihn die Flammen von allen Seiten umzüngelten, in drei gefährlichen Gängen mittelst Leitern rettete. Gegen 12 Uhr war schon das ganze Innere des geräumigen Baues ausgebrannt und nichts wehr als die nackten Umfassungsmauern zu sehen. Trotzdem die Leiter der Cham- paguerfabrik, die Herren Hummel, sowie die Feuerwehr auf das Rascheste eingriffen, war auch von der reichen Ausstattung der Villa nur wenig zu retten, und wurden neben kostbaren Möbeln zahlreiche werthvolle Gemälde u. dgl. ein Raub der Flammen. Die Bewohnerin der Villa, die Frau Burgeff, war eine halbe Stunde vor Ausbruch deS Brandes 4n ein benachbartes Bad gereist. Die Entstehung des FeuerS wird auf Mißgeschick zurückgesührt, welches ein mit dem Oelen der Fußböden in der Villa beschäftigter Handwerker hatte. Der große Festzug zu Darmstadt am 18. August zur Erinnerung au das Jahr 1870, der sich um halb 10 Ubr Vormittags in der Alexander-, Dieburger- und den anstoßenden Straßen aufstellt und durch die Alexanderstraße, Paradeplatz, Markt, Ludwigstraße, Elisabethenstrahe, Wilhelminenstraße, Rheinstraße nach dem Exerzierplatz geht, zeigt folgende Reihenfolge: 1) Festreiter. 2) MusikcorpS (1. Dragoner-Regiment Nr. 23). 3) Turngemeinde Darmstadt. 4) Männerchor HumanitaS. 5) Bäckerclub Einigkeit. 6) Gesangverein Olympia. 7) Oeconomen- verein Darmstadt mit Festwagen, den Ackerbau versinnbildlichend. 8) Atlethenclub Germania. 9) Männergesangverein Concordia. 10) Katholischer Gesellenverein. 11) Katholischer Lehrlingsverein. 12) Gesangverein Frohsinn. 13) Turngemeinde Beffungen. 14) Darmstädter Fechtclub. 15) Schneider- Innung. 16) Darmstädter Männergesangverein. 17) Gärtner- verein Feronia mit Festwagen, den Gartenbau darstellend. 18) Freiwillige Feuerwehr mit Mufikcorps. 19) Gesangverein Männerquartett. 20) Cäcilienverein. 21) Elfer- Verein. 22) Männergesangverein Darmstadt« Beffungen. 23) Gesangverein Sängerlust. 24) Btchcle Club mit Festwagen. 25) Gesangverein Liederhalle. 26) WeihnachtS- Sparverein. 27) Turngesellschaft Darmstadt. 28) Gesang, verein Teutonia. 29) Gesangverein Liederkranz. 30) Fechtclub Franconia. 31) Gesangverein Liedertafel. 32) Schüler- Capelle (Spielleute) der Großh. Realschule. 33) Metzger- Innung Darmstadt mit Festwagen, die Innung im 15. Jahrhundert darstellend. 34) Evangelischer Arbeiter- und Handwerkerveretn. 35) Gesangverein Liederzweig. 36) Bürger- Verein rffungen. 37) Gesellschaft Gloria. 38) Radfahrerverein Darmstadt mit Festwagen. 39) Mozartverein. 40) Katholischer Kaufmännischer Verein Constantia. 41) Gesangverein Melomanen. 42) Akademischer Turnverein. 43) Schreiner-Innung. 44) Bäckergehllfenverein. 45) Darmstädter privilegirte Schützengesellschaft. 46) Musikcorps (1. Infanterie Regt- Nr. 115). 47) Feftwagen der Germania: „Dem Gründer des Reiches". 48) Eine Schaar Retfige. 49) Festausschllffe. 50) Ehrengäste. 51) Außerhalb des GroßherzogthumS wohnende Veteranen. 52) Ehrenreiter (nur auS Veteranen bestehend). 53) Präsidium des Verbandes. 54) Bezirk Mainz mit MusikcorpS (Jnfanterie-Rgt. Nr. 87). 55) Landsknechte aus der Zett des Landgrafen Philipps des Großmüthigen. 56) Bezirk Alzey. 57) Bezirk Bingen. 58) Musketiere deS Landgrafen Georg I. von Hessen-Darmstadt. 59) Bezirk Nieder-Olm. 60) Bezirk Ober-Ingelheim. 61) Bezirk Worms mit Mufikcorps. 62) Regiment Schrautenbach (Landgraf Ernst Ludwig 1678). 63) Bezirk Oppenheim. 64) Bezirk Osthofen. 65) Garde- Dragoner deS Landgrafen Ernst Ludwig. 66) Bezirk Pfeddersheim. 67) Spielleute des 1. Bataillons Infanterie- Regiment Nr. 115. 68) Bezirk Alsfeld. 69) Bezirk Altenstadt. 70) Regiment Erbprinz des Landgrafen Ludwig VIII., 1741. 71) Bezirk Büdingen. 72) Bezirk Butzbach. 73) Leibgrenadier-Garde-Regt. deS Landgrafen Ludwig VIII., 1741. 74) Bezirk Friedberg. 75) Bezirk Gießen mit MusikcorpS. 76) Leibgrenadier-Garde-Regiment (sogenannte Pirmasenser) des Landgrafen Ernst Ludwig IX., 1770. 77) Bezirk Grimberg. 78) Bezirk Herbstein. 79) Bezirk Homberg. 80) Husarencorps desselben Landgrafen (Feldgendarmerie). 81) Bezirk Hungen. 82) Bezirk Laubach. 83) Spielleute des 4. Bataillons. 84) Bezirk Lauterbach. 85) Bezirk Lich. 86) Leibregiment des Landgrafen Ludwig X., 1790. 87) Bezirk Nidda. 88) Bezirk Ortenberg. 89) Bezirk Vilbel. 90) Osfiztere der ChevauxlegerS Ludwig X. 91) Bezirk Vogelsberg. 92) MusikcorpS des Großherzoglichen ArttlleriecorpS. 93) Festwagen der Hassia „Dem Führer der Hessischen Division 1870." 94) Bezirk Bensheim,- dazwischen 95) Feld- artillertecorpS Ludwig X., 96) Letb-Garde-Jnfanterie-Regt ment des Großherzogs Ludwig I., 1809. 97) Musikcorps (2. Dragoner-Regiment Nr. 24). 98) Bezirk Groß-Gerau- dazwischen 99) Unteroffiziere der ChevauxlegerS Ludwig I. 100) 3. Infanterie-Regiment Ludwig I. 101) ArttlleriecorpS Ludwig I. 102) Bezirk Groß-Umstadt; dazwischen 103) Garde du Corps des Großherzog Ludwig II., 1840. 104) Cheveaux- legers Ludwig II. 105) Sptelleute deS 3. Bataillons. 106) Bezirk Höchst. 107) Bezirk Michelstadt. 108) 1. Infanterieregiment Ludwigs II. 109) Bezirk Reinheim. HO) Bezirk Offenbach mit Mufikcorps. 111) Artillerie- Corps Ludwigs II. 112) Bezirk Seligenstadt. 113) Bezirk Wald-Michelbach. 114) Bezirk Wimpfen. 115) Spiel- leuie des 2. Bataillons. 116) Bezirk Darmstadt (Krieger- Verein Darmstadt mit MusikcorpS, 6. Ulanen-Regiment)- dazwischen 117) Jäger des GroßherzogS Ludwig III., 1870. 118) Infanterie - Regiment Großherzog Ludwig III. 119) 1. Reiterregiment Großherzog Ludwigs III. 120) Ar- tilleriecorpS Großherzog Ludwigs III. 121) Darmstädter Kcankenträgercorps (nebst den freiwilligen Krankenträgern von 1870). — Der Zug marschirt, auf dem Exerzierplätze angekommen, im Viereck auf. Daselbst findet Gedächtuißact mit Ansprache des VerbandSpräsidenten, Herrn Oberftlieutenaut z. D. Caspary statt. • Frankfurt a. M., 14. August. Ein bibelfester Wegelagerer entriß dieser Tage hier einem Dienstmädchen, das zwei Schirme trug, den einen mit den Worten: „So Dir zwei Schirme hast, gib einen Dem^ der keinen hat." Der freche Bursche entkam leider. * Bern, 15. August. Der 21 Jahre alte Schriftsetzer Ritz au, aus Zorge am Harz stammend, ist am Dienstag auf der Jungfrau verunglückt. Er war mit Steindrucker Wawra aus Wien ohne Führer auf die Jungfrau gegangen. kirchliche Anzeigers de* Stadt Gietzen. Svaugelische Gemeinde. Gottesdienst. Sonntag den 18. August. 10. nach Trinitatis. I« der Ltadtttrche. Vormittags 78/< Ubr: Pfarrer Dr. Grein. Gottesdienst mit Christenlehre für die Neueonfirmtrten aus der Markusgemeinde. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Schlosser. Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäusgemeinde. Anmeldungen Tags zuvor bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten- In den Gottesdiensten: Collecte für die innere Mission- Vormttt. 11 Uhr: Militärfestgotteddienst. Pfarrer Dingeldey Collecte für die Kaiser-Wtlhelm-Sttstung. Am nächsten Sonntag, den 25. August: Beichte und heil- Wendmahl für die Markusgemeinde. Anmeldungen werden bei dem zuständigen Pfarrer (Wohnung: Schanzenstraße 22) erbeten. der AohauueSkirchr. Vormittags 7a/4 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Gottesdienst mit Christenlehre für die' Neuconfirmirten aus der Johannesgemeinde- Vormittag« 9'/r Uhr: Pfarrer Dingeldey. Collecte für die innere Mission- Katholische Gemeinde. Sonntag, den 18- August. 11. Sonntag nach Pfingsten. SamStag: Nachmittags um 4'/a Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte- Sonntag: Vormittags von 6chlachttagt- ’ontn amotienb. SruDiHt hielten an rioem unter Der Feier wat Zwilchenfal , Brüffel, li lueS Itn Becke k°rbeS, in dem t,e Trigen berl ÄlfODB, ] * Umberto Milche Manif °° Häuser ankle MWaw •“< »« tretet *nl«l »o^nt, t| dk ^fnrtd ™ W' «ffloflon *" f’1"« ? Blrb elf 16 •säw seien e°.f * ^kommen. 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Gebrauchsanweisung: Die Fläschchen sind an einem kühlen Ort stehend aufzubewahren und vor dem Gebrauch kräftig umiuschütteln. Die Milch wird weder mit Zucker versetzt, noch mit Wasser verdünnt, ohne den Gummiverschloss abzunehmen im Wärmbecher auf 28° R. unter öfterm Um schütteln erwärmt. Erst unmittelbar vor der Verabreichung wird der Gummi Verschluss entfernt und an dessen Stelle ein Saughütchen aufgesetzt. Fläschchen und Gummiverschlusse sind nach dem Gebrauch mit Wasser zu spülen und im Carton zurückzugeben. Alleinige Niederlage in Giessen in der Delicatessen- Veteranenverein Giessen Billets für die Reise nach Darm- ftadt werden Samstag Nachmittag um V21 Uhr im „Caf6 Leib" ausgegeben. Dermietßungen. 6435] In meinem Neubau, LSber» stratze 10, ist der zweite und dritte Stock mit 6 Zimmern und allem Zubehör bi« 1. Oclbr. zu oerm Ehr. Schmidt. Danksagung. vielen Beweise ausrichtiger Theilnahme bei dem betroffenen Verluste unserer guten Mutter sagt 6902 Martin Dörr und Familie. 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Januar 1895 ab enthaltend je 12 Seite« Unterhaltungsblattr Romane, Novellen, Feuilleton«, Redaktion«, widmen wollen, werden ersucht, sich an untenstehende Adrefte zu wenden. Mainz, Große Bleiche 56»/10 5843 im Allee-Heim. FSlHailchmn! Annahme alter Wollsachen aller Art gegen Lieferung von Kleider-, Unten rock« u Mantelstoffen,Damentuchen, Buckskin«, Strickwolle, Porliören, Schlaf- und Tepptchdrcken in den neuesten Mustern zu billigen Preisen durch 120J R.Eichmann,Ballen8tedta.Harz leistungsfähigste Firma. Annahmestelle und Musterlager bei: ftrl. Minna Leib, Wallthorstr. 14. 1895) Mansarde, 2 Zimmer und Hüche. an rubige Leute. Eircheuplatz 6. 6798) Ein kleiner Laden mit Wohnung für sofort zu oermiethen. SaplanSgafse 10. 6821] Schöner Lade« m.ang. Zimmer, beste Geschäftslage Gießen«, fof. zu ver miethen. Ludw. Döll, Marktftr. 32. Hochfeinen Gebirgs-Himbeersaft, sowie sämmtliche Mineralwasser stets frischer Füllung empfehlen 4831 A. & G. Wallenfels, Marktplatz 21. 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Arzt (Kasienarzt) erklärte mein Leiden für die Krippe und verordnete mir Arznei zum Einnehmen. Der 3 Arzt (Äaffenargt) erklärte starken Lungenkatarrh. Sämmtliche Arznei, welche mir btefe 3 Aerzte ver- schrieWi, führten nur eine Verschlimmerung herbei. Der Hüften würbe so stark, daß mir daS Blv t mehrere Male losbrach In meiner Nolh wandte ich mich an Herrn Dr. med. Volbeding. homöopathischer Arzt in Düsseldorf, «ünigSallee 6. Dieser Herr kurirte mich in fünf Monaten ohne Berufsstörung. Nach der von demselben verordneten Medicin ließ der so starke Husten sofort nach und habe bis auf den heutigen Tag noch nicht die geringste Beschwerde gefühlt. Dem Herrn Dr med Volbeding meinen wärmsten Dank und zugleich ein Ausruf an meine leidenden August Gatte, Hörde t W, ___________Dortmunderstraße 65 a Commis als Verkäufer und für die Reife per 1 October gesucht. 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