Wt. t!>i Der -ieheser -«zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montag!. Die Gießener As»«itie«5tä11er werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. 189S Erstes Blatt. Freitag den 16. August Siebener Anzeig er Kenerat-Anzeiger. Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöget» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, ExyeditioT und Druckerei: Schnlstraße Ar.?. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Krek Gieren. Hratisöeitage: Hießener Kamitienölätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher TheU. Bekanntmachung. GroßherzogltchrS Ministerium des Innern und der Justiz hat mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge bestimmt, daß mit dem 19. l. M. die Jagd auf Feldhühner und Wachteln im ganzen Großherzogthum mit Ausnahme der Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten, in welchen die Heegzeit mit dem 31. d. M. endigt, eröffnet sei. Gießen, den 15. August 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen: I. V.: Dr. Melior. Ausland. Belgrad, 14. August. Die heutige Geburtstagsfeier des Königs Alexander wurde beim Beginn durch einen aufsehenerregenden Vorfall gestört, der aber glücklicher Weise ohne nachtheilige Folgen verlief. AIS der König und die Königin Natalie die Kathedrale verließen, stürzte sich auf letztere, die mit ihrer Hofdame Fräulein Machin in offenem Wagen Platz nahm, im Momente, als sie die aufgestellte Ehreucompagnie vor der Kathedrale abfuhr, ein den unteren Ständen angehöriges Weib und versetzte der Königin zwei wuchtige Schläge gegen die Brust. Die Königin verlor keinen Moment ihre Geistesgegenwart- sie wechselte wohl die Farbe im ersten Augenblick, dann packte sie aber mir heroischer Kraft, sich blitzschnell aus dem Fond deS Wagens erhebend, die Attentäterin und übergab sie der sofort an der Stelle erscheinenden Polizei. Die Aufregung, welche sich der Tausenden von Spalier bildenden Menschen bemächtigte, war ungeheuer, um so mehr, als bis zur Minute alle Anhaltspunkte über den Namen der Attentäterin und die Ursachen des Anschlages fehlen. Der König, welcher mit seinem Wagen etwa hundert Schritte voraus war, erfuhr erst im Palais von dem Attentate gegen seine Mutter. — Die Frau, die den Angriff auf die Königin Natalie versuchte, heißt Julie Jltc. Sie ist erst seit Jahresfrist mit dem Feldwebel eines hier garnisonirenden Regiments verheirathet. Bevor die Jlic ihre That beging, versuchte sie sich an den König Alexander, der zuerst die Kathedrale verließ, heranzudrängen, wurde aber von der Polizei abgehalten. Bet ihrer Verhaftung geberdete sich die Jlic wie eine Wahnsinnige, sodaß sie nicht ohne Schwierigkeit festge- nommen werden konnte. Der König und die Königin waren bet der nachher im Konak erfolgten Gratulationscour bei bester Stimmung. Frkf. Ztg. Häufte Nachrichten. WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 14. August. Die „Nationalzeitung" meldet: Gestern fand eine Sitzung des ständigen AuSschuffes des Comttvs iüc die Erbauung der ostafrikanischen Centralbahn stait. DaS Comitemitglted Eisenbahn- director Geh. OberregierungSrath Bormann wird baldigst mit mehreren technischen Gehilfen nach Ostafrika gehen. Berlin, 14. August. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge erwartet man das Eintreffen deS Reichskanzlers in Berlin für Freitag. Er nimmt den Rückweg über Salzburg und München. Berlin, 14. August. Die „Post" meldet: Geheime- rath Krupp schenkte anläßlich der Feier der nationalen Gedenktage der Arbeiter - Penfionskaffe der Gußstahlsabrik 1 Million Mark. Potsdam, 14. August. Der 17. Centralverbandstag der deutschen Haus- und städtischen Grund- besttzervereine beauftragte eine Commission, unabhängig von dem Centralverbande eine Gesellschaft in einer ihr paffend erscheinenden RechtSform zu dem Zwecke ivs Leben zu rufen, die Realcreditverhältnisse der städtischen Grundbesitzer zu ver- beffern und die mit der Beschaffung von Hypotheken verbundenen Unkosten zu ermäßigen. DaS Directorium wurde beauftragt, zu dem gleichen Zwecke mit den bestehenden Hypothekenbanken in Verbindung zu treten und bei den Orts- veretnen die Bildung provinzialer Hypothekenbanken nach landwtrthschaftlichen Grundsätzen anzuregen. Hannover, 14. August. Der Kaiser hat an den Generallieutenant z. D. von Lö bell nachfolgendes Telegramm gerichtet: „Lowther Castle, 14. August. An dem heutigen Ehrentage der hannoverschen Füsiliere verleihe ich Ihnen, dem tapferen Commandeur in der Schlacht bei Colombey und Nouilly, in dankbarer Erinnerung hierdurch den Rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe. Wilhelm." Dortmund, 14. August. Heute Morgen erfolgte die feierliche Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes der Stadt Dortmund an den StaatSsecretär des Reichspostamts v. Stephan. Um 11 Uhr folgte die Eröffnung des neuen Gebäudes der Oberpostdirection in der großen Schalterhalle. StaatSsecretär v. Stephan begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, darunter den Regierungspräsidenten Winzer-ArnSberg, dankte den Gästen für ihre Theilnahme und der Stadt Arnsberg für das ein halbes Jahrhundert hindurch den Behörden gewährte Wohlwollen. Der gegenwärtige Aufschwung Dortmunds und sein wachsender Verkehr hätten die Verlegung der Oberpostdirection nothwendig gemacht. Hohes Lob spendete der StaatSsecretär auch der Unterstützung der Dortmunder Behörden, dankte den Architekten, den Künstlern und Unternehmern, den Meistern und Arbeitern und schloß mir einem Hoch auf den Kaiser. Nach einem Rundgang durch das neue Gebäude folgte ein Frühstück in der Oberpostdirection. Essen a. d. R, 14. August. Unter großem Andrang des Publikums begannen heute vor dem Schwurgericht die Verhandlungen gegen den Bergmann Schröder und Genossen wegen wiffentlichen Meineids. Leipzig, 14. August. Heute Nacht verstarb Freiherr Bernhard von Tauchnitz, Herausgeber der „Tauchnitz- Edition". Weimar, 14. August. Heute fand hier die Enthüllung des Denkmals für den Componisten Hummel statt unter zahlreicher Bethetligung der Behörden, geladener Gäste und der Nachkommen Hummels. Im Auftrage des Großherzogs vollzog den feierlichen Act der Theaterintendant v. Bignau. Coburg, 14. August. In der Schluß-Sitzung des Geologen-Congresses prästdirte Profeffor Kayser-Marburg- Vorträge hielten Profeffor FraaS-Stuttgart über einen bei Weimar im Diluvium gefundenen Menschenschädel, Dr. Zimmermann-Berlin über Gebtrgsstörungen nördlich vom Thüringer Wald, Dr. Jäckel-Berlin über die Entwickelungsgeschichte von Wirbelthieren, Profeffor Scheibe-Berlin über die Eruptionsgesteine des Thüringer Waldes, besonders die Porphyrite. Die heute geplante Excurfion konnte wegen Regenwetters nicht stattfinden. Die Thetlnehmer am Con- gresse sind heute Abend zu einem fünftägigen Ausfluge in den Thüringer Wald nach Eisfeld abgereist. Metz, 14. August. Heute fand auf den Schlachtfeldern von Colombey und Noissevile unter Betheiligung der Veteranen eine Erinnerungsfeier statt. Zahlreiche Kränze wurden niedergelegt. Militärmusik spielte Choräle. Die Artillerie gab Ehrensalven ab. Mittags wurde im Park von Colombey das neue Denkmal des 13. Infanterieregiments feierlichst eingeweiht. Die Metzer Generalität und Militärgeistlichkeit, eine Deputation des Regimentes und die Veteranenvereine wohnten der erhebenden Feierlichkeit bei. Paris, 14. August. Großfürst Alexis von Rußland ist hier eingetroffen. Depeschen deS Bureau ,Heroll>". Berlin, 14. August. Zur Feier der Grundstein- legung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals haben sich vom Reichstage 176 Mitglieder gemeldet. Berlin, 14. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Rothen Adlerordens dritter Klaffe an den Schriftsteller Dr. phil. Ritter von Hopfen und diejenige des Rothen Adlerordens vierter Klasse an den Ches- redacteur der „Nationalzeitung" Köbner. — Außerdem publicirt der „Reichsanzeiger" die Ernennung des Privat- docenten, Unterstaatssecretär z. D. Dr. v. Mayr zu Straßburg i. E. zum Honorarprofeffor in der rechts- und staats-- wiffenschastlichen Facultät der Kaiser-WilhelmS-Uuiversität. Berlin, 14. August. Wie der „Vorwärts" mittheilt, hat der in London verstorbene Socialistensührer Friedrich Engels der deutschen socialdemokratischen Partei testamentarisch seine Bibliothek, seine Manuscripte und einen namhaften Geldbetrag vermacht. Berlin, 14. August. Der württembergische ReichStagS- abgeordnete Freiherr v. Gültlingen (Retchspartei) hat in Feuilleton. Mein Mann. Studie von Scholastika Schnurcks. Früher liebten es die Dichter und Schriftsteller, uns ihre holden Schöpfungen plötzlich fix und fertig vor Augen zu führen, gleichsam als ob sie wie schöne Wunder frisch vom Himmel gefallen wären. Sie gönnten dem großen Publikum keinen Blick in ihre poetische Werkstätte, im Gegentheil: es galt als einen Beweis besonderen Vertrauens, wenn dem Einen oder Anderen etwas eher ein Einblick in den Plan und die Entstehungsweise eines Kunstwerkes gestattet wurde. Heute ist das Alles anders geworden, die Künstler kommen sich eben intereffanter vor und meinen, die Menschen vergingen vor Neugierde, wenn sie sich den hochverehrten Meister nicht zu jeder Zeit und in jeder Situation seines künstlerischen Erdenwandels vorstellen können. So erscheint denn ein schriftliches Selbstportrait nach dem andern, das eine mehr, das andere weniger geschmeichelt, je nach dem mehr oder minder großen Mangel an Bescheidenheit des Betreffenden oder nach dem Maße von Geschicklichkeit, diesen Mangel zu verbergen. Dabei haben diese geschriebenen Bilder den großen Vorzug, daß sie sich dramatisch gestalten lassen- der dargestellte Gegenstand kann sich vor unseren Augen bewegen, umhergehen, lächeln, gelehrte Gesichter machen und in tausend Zügen holder Anmuth vor uns erstrahlen. Daß dieser Vorzug aber große Gefahren für die Treue eines Selbstportraits mit sich bringt, das kann sich Jeder an den Fingern abzählen; man kommt sich selbst ja immer netter vor als anderen Menschen, das habe ich wenigstens bei mir stets gefunden, und es sei weit davon entfernt, daß tch dem Leser mich selbst schildern wolle! Das würden ja auch wohl nur sehr wenige zu würdigen wissen, den meisten wäre ich jedenfalls zu hoch. Ich möchte vielmehr etwas allgemeiner Verständliches zeichnen, nämlich meinen Mann. Erstens interessirt man sich doch mehr für Männer, weil sie nicht ganz so häufig sind als wir Frauen; zweitens ist er auch Dichter und Schriftsteller, und zwar meiner Ansicht nach der allerbeste und allerklügste, wenigstens unter den lebenden, und drittens muß ich ihn doch am besten kennen und am besten wissen, daß die Dichter ganz anders sind, als man sie sich gewöhnlich vorstellt, und ich finde es doch besser, wenn jeder Mensch weiß, wie sie wirklich sind. Das erfahre ich nun jeden Tag mehr, und es ist wirklich nicht ganz leicht, sich daran zu gewöhnen. Früher war es ganz einfach, nämlich als wir uns kennen lernten. Ich fand ihn gleich furchtbar interessant; denn er sah nicht nur sehr klug und gelehrt aus, sondern er galt auch allgemein,dafür, und als er mir die Gedichte zeigte, die er damals als ganz junger Mann schon gemacht hatte, und an denen man ganz gut merken konnte, wie gut und edel er war, und wie er das auch in den schönsten Reimen allen Leuten klar zu machen wußte, da verliebte ich mich umgehend in ihn. Anfangs schien er dies nicht zu bemerken, aber nach und nach lernte r auch meine Vorzüge schätzen. Und das kam ihm sehr zu statten, denn nun hatte er erst einen würdigen Gegenstand für seine Poesie, wozu ich mich prächtig eignete. Früher hatte mich zwar nie Jemand hübsch oder anmuthig gefunden, und ich wßr mir auch selber nie so vorgekommen. Aber das lag jedenfals nur daran, daß die Menschen meine Art nicht verstanden und mich also auch nicht darauf aufmerksam machen konnten. Mein Liebster mußte das natürlich besser wissen, und er hat mich völlig davon überzeugt. Es regnete nun die schönsten Gedichte auf mich und über mich, und ich fühlte mich recht behaglich dabei und dachte mir nichts in der Welt lieblicher, als einen Dichter zum Bräutigam zu haben. Wie himmlisch lag die Zukunft vor mir! Natürlich würde er mich immer mehr verehren, je mehr er mich kennen lernte. Und wie leicht erschien nur das Leben an seiner Seite! Wie würden wir die kleinen Sorgen des Lebens verachten und links liegen lassen, um uns ganz in höheren Sphären ergehen zu können! Die Alltäglichkeit ließ sich freilich nicht ganz umgehen, denn man mußte ja nun doch einmal essen und trinken, und daher leider auch kochen, was ich freilich noch nicht verstand. Aber dieser letztere Umstand bekümmerte mich wenig, er als Dichter machte sich gewiß nicht viel aus dem Essen, und der Wein, den er etwa nöthig hatte, um in Stimmung zu kommen, wurde ja zum Glück fertig gekauft. So hätte wenigstens Jeder denken sollen, nicht wahr? Aber man höre und staune! An einem wunderschönen Frühlingstag vorigen Jahres stieg am Himmel meiner ungetrübten Glückseligkeit das erste Wölkchen auf, und zwar in Gestalt eines Briefes von meinem Geliebten, der von unserer künftigen Wohnung handelte. Er malte mir in den rosigsten Farben aus, wie er sich das Paradies der Ehe vorstelle. Meine Gedanken begleiteten ihn mit Entzücken durch alle Räume, und ich war tief gerührt, daß WB. Dortmund, 15. August. Auf Zeche „Reckling- Hausen" fand gestern^ eine Explosion schlagender Wetter statt. Drei Bergleute find lobt, drei schwer und zehn leicht verletzt. Der Betrieb ist ungestört. -ck. Aus Oberheffen, 14. August. Unsere diesjährige Getreideernte ist leider wieder einem vollständigen Ver- regnen ausgesetzt. Nachdem das Korn dem Wetter sozusagen abgeschnappt werden mußte, werden nun Wetzen, Gerste und Hafer von dem fast alltäglich niedergehenden Regen betroffen. Daß das Getreide unter solchen Umständen Schaden erleidet, ist selbstverständlich. Dies Verregnen unserer Getreideernte ist aber keine abnorme Erscheinung, sondern eine fast gewöhn» liche. Selten sind die Jahrgänge, in denen unsere Ernte von trockenem, beständigen Wetter begleitet wurden es find eben solche, die als Ausnahme die Regel bestätigen. Das jetzt herrschende regenreiche Wetter ist nämlich durchaus kein abnormes, sondern ein auf der natürlichen Wechselwirkung zwischen Wasser und Land beruhendes. Die Erwärmung deS continentalen Europas ruft als nothwendige Reaction daS Hineinströmen der Meeresluft und Auftreten von Nieder» schlügen hervor. DaS Wetter deS Juli und der ersten Hälfte deS August ist der meteorologischen Beobachtung zufolge für I wunderen geborgen waren, zogen die Truppen in ihre alten | BiwakS mir TageSaadruch. Die Truppen sollen sich alle | mit unglaublicher und bewunderungswürdiger Energie und I mit Lust geschlagen haben. Ich habe viele gesehen und ihnen von Herzen gedankt. Der Jubel war ergreifend." In Paris fiehtS verzweifelt auS. Bis jrtzt noch ist General Palikao Herr und regiert mit dem Säbel, er weiß aber selber nicht, ob seine paar Tausend Soldaten Napoleon in der Schlacht oder ihm in Paris nölhiger sind. Wenn die Schlacht verloren geht, rufen die Pariser die Republik auS. Alle öffentlichen Kaffen in Frankreich müffen ihre Gelder nach Paris für den Krieg schicken, die Kammer hat die Ausgabe von 2400 Millionen BankbilletS beschlossen, diese Noten haben den ZwangscourS, d. h. jeder muß sie für voll nehmen und dadurch steigen die Preise gewaltig, denn keiner will etwas verkaufen, um nur nicht die Noten nehmen zu muffen. Kaiserin Eugeuie hat umsonst nach Wien um Friedens- Vermittelung telegraphirt, Beust hat ihr geantwortet, es fei noch zu früh. ThierS äußerte, der Kaiser steht nicht mehr in Rechnung, wenn eS aber keinen Kaiser mehr giebt, giebt eS auch keine Kaiserin mehr, Erbin ist die Republik. Französische Panzerschiffe schwimmen vordem Kieler Hafen. Möglich, daß sie den Auftrag haben, durch etwas Lärm in der Ost- und Nordsee die Aufmerk» samkeit der Pariser von dem retirirendeu Heere etwas ab» zuziehen. Aber — schießen oder nicht schießen? fragen sich die Admirale. 1) würden die ehernen Kinder Krupps im Hafen ihre gewaltigen Mäuler auch aufthun und 2) würde nicht am Ende Bismarck jedes zerschossene HauS rc. Frank» reich auf die Schlußrechnung setzen? DaS ist wirklich zu überlegen, wenn Hannibal vor den Thoren von Paris steht. einem heute bei dem Bureau deS Reichstages eingegangenen Schreiben sein Mandat niedergelegt. Casiel, 14. August. Der Kaiser trifft Montag Abend in WilhelmShöhe ein und verbleibt daselbst eine Woche lang. Die Kaiserin kommt am Sonntag nicht nach Berlin zur Gruadsteinlegung deS Kaiser-Wilhelm-DenkmalS, sondern bleibt vorläufig noch in WilhelmShöhe. Kiel, 14. August. Neun Arbeiter der Germania- Werft find ertrunken, als fie von einem Dampfer ans Land steigen wollten. Barmen, 14. August. Der Stadtrath bewilligte in einer geheimen Sitzung 20000 Mk. für einen Ehrensold an alte Krieger. — Eine gestern Abend hier abgehaltene foeialistische Versammlung, in welcher der Reichstags» abgeordnete Molkenbuhr einen Vortrag hielt, ist wegen An» Wesenheit zahlreicher Frauen polizellich aufgelöst worden. Opladen, 14. August. Gestern Abend hat sich auf dem hiesigen Bahnhofe ein Eifenbahn-Unglück zugetragen. 14 Wagen liefen gegen 8*/, Uhr, von Burtscheid kommend, führerlos durch den hiesigen Bahnhof. Um dieselben aufzuhalten, wurde eine Maschine entgegengeschickt. Der Anprall der Wagen an die Maschine war ein so heftiger, daß sich die Wagen haushoch übereinander thürmreu. Der Materialschaden ist bedeutend. Der Locomotivführer liegt unter den Trümmern begraben. Der Heizer hat sich durch einen Sprung von der Lokomotive gerettet. Nach späteren Meldungen ist der Heizer ebenfalls tobt. Ein Bremser ist schwer verletzt. Budapest, 14. August. In ber Nähe von Klausenburg periethen bei einem Tanzvergnügen rumänische Bauern mit Honved-Soldaten in Streit, in besten blutigen Verlauf es auf betben Seiten Tobte unb Verwunbete gab. Sechs Honved- Solbaten wurden die Ohren abgeschnitten. Brüssel, 14. August. Die Polizei hat hier eine neue internationale Diebesbande entdeckt. Gestohlene Werthpapiere wurden aus Parts und anderen Hauptstädten hierher gebracht und verkauft. Gestern Abend, nachdem die Polizei von dem Vorhandensein der Bande Beweise erhalten hatte, stellte sich ein Polizei-Lieutenant in Ctvil ein, welcher als Liebhaber für den Ankauf von Werthpapieren auftrat. In dem Augenblick, wo der Handel abgeschloffen werden sollte, verhaftete der Polizei-Lieutenant zwei Mitglieder der Bande. Paris, 14. August. Aus Sofia lasten sich auch hiesige Blätter melden, Fürst Ferdinand beabsichtige ein Manifest zu erlösten, in welchem er die Unabhängigkeit Bulgariens proclamiren und das Fürstenthum zu einem Königreiche auS» rufen werde. Diese Nachricht wird allerdings nur als ein in Sofia verbreitetes Gerücht betrachtet. Belgrad, 14. August. Der Ministerrath ertheilte dem Kriegsmtnister Vollmacht, sofort für die Ausrüstung der Armee mit Magazin-Gewehren Sorge zu tragen. Belgrad, 14. August. „Makedonia", das Organ der makedonischen Serben, verlangt in einem Artikel eine sofortige Allianz Serbiens mit der Türkei; nur in diesem Falle könnten Serbien und die Türkei mächtige Alliirte finden. Cscctite* and ptöohtjklkf , Meßen, den 15. August 1885. ** Soiree Eickermaun. Auf die Freitag Abend im Saale des Cafe Leib durch Herrn und Frau Eickermann in Character-Darstellungen zum Vortrag kommenden humoristischen Dichtungen erlauben wir uns nochmals aufmerksam zu machen. DaS Programm ist im Jnseratentheil des heutigen Blattes veröffentlicht. ** Außer Verfolgung gesetzt. Der Mörder deS MetzgerS Scheuer, der Schreiner Will von Rodheim bei Homburg v. d. H., ist durch Beschluß des Landgerichts Gleßen wegen Geistesgestörtheit außer Verfolgung gesetzt. •* Die Bahnsteigsperre kommt am 1. Oktober auf allen Vollbahnen zur Einführung. Das Zugbegleitungspersonal wird damit an Zahl erheblich verringert; die an den Zügen erübrigten Schaffner finden als Bahnfteigschaffner Verwendung. Um dem reisenden Publikum die Orientirung zu erleichtern, soll die Bezettelung der einzelnen Wagen in den Zügen eine erhebliche Erweiterung erfahren. Auch auf den Bahnsteigen soll die Zahl der OrieutirungStafeln nach Bedarf vermehrt werden. Um der unbefugten Benutzung einer höheren Wagenklaffe durch Inhaber von Fahrkarten niederer Klassen cntgegenzutreten, sowie um überhaupt Unregelmäßig, keilen nach Möglichkeit aufzudecken und zyr Bestrafung zu ziehen, wird die Zahl der Zugrevisoren vermehrt werden, die Zugrevisoren werden ihren Dienst in Uniform auSüben. Der Krieg von 1870(71, geschildert durch Ausschnitte aus ZettungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verbotm.) 16. August. Telegramm des Königs Wilhelm an die Königin: Herny, 15. August, Abends 7Vs Uhr. „Um 3 Uhr vom Schlachtfelde von Metz zurück. Die Avantgarde deS 7. Corps griff gestern Abend gegen 5 Uhr den abziehenden Feind an; dieser stellte sich und verstärkte sich zusehends auS der Festung. Die 13. Division und Theile der 14. unterstützten die Avantgarde, desgleichen Theile des 1. Armeecorps. Ein sehr blutiges Gefecht entspann sich auf der ganzen Linie. Der Feind ward auf allen Punkten geworfen und die Verfolgung ging bis vor das Glacis der Außenwerke. Die Nähe der Festung gestattete dem Feinde vielfach, seine Blessirten zu sichern. Nachdem uniere Ver» Central-Europa, ganz besonder» für Deutschland, das normale, den natürlichen meteorologischen Verhältnissen entsprechende. ES ist deshalb ein durchaus unhaltbarer Standpunkt, den die Landwirtschaft zu dieser Thatsache einnimmt, indem sie von Jahr zu Jahr auf ein günstiges Erntewetler, d. h. auf da« Emtreien der Ausnahme oon der allgemeinen Regel hofft. Man hat der Landwirthschafi deshalb al» besten Ausweg eine um 4—6 Wochen später beginnende Aussaat angerathen. Eine um mehrere Wochen verschobene Bcstellzeil würde dann die jetzige Regenperiodc dem Körnersatze zu gute kommen lassen, und die Ernte würde, anstatt m der Mitte de» Juli, am Ende deS August zu beginnen haben. So sehen wir tn unseren nördlichen Gegenden, z. B. SchleSwig-Holstein, zu der Zeit, in welcher bei uns die Ernte in vollem Gange ist, noch alles Getreide grün auf dem Halme stehen, und man bringt dort trotzdem die Ernte meist gut unb zeitig grnug ein (b. h. man bringt sie auch ein, unb läßt sie nicht wie in hiesiger Gegenb drei Monate lang in „Puppen" stehen.) In ben weitaus meisten Fällen ist zu Ende August da» Gleichgewicht zwischen der Erwärmung de» Lande» und MeereS wieberhergestellt, so baß auf eine auS dem Lande nach dem Meere hin wehende Luftströmung unb mit ihr auf trockenes, beständiges Wetter zu rechnen ist. Zweifellos dürfte eS sich empfehlen, wenn auch nur mit einem Theile der Halmfrüchte, einmal einen derartigen Versuch anzustellen. Vermischte». * Berlin, 14. August. Heule Mittag hat in der Werkstatt e der Berlin-Aachener Spiegel-Manufactur eine Explosion staltgesunden, bei welcher die beiden Geschäfts- inhaber schwere Brandwunden erlitten. • Berlin, 14. August. Die „Post" meldet auS Gleiwitz: Auf der Waterloo-Grube bei Domb wurden zwei Bergleute durch herabstürzende Kohlen erschlagen. * Nordhausen, 14. August. Gestern wurde unter Professor Westphals Leitung feierlich daS Kreuz auf die Krone des KyffhäuserdenkmalthurmeS aufgesetzt. Dem Kaiser unb bem LanbeSherrn Fürsten Günther zu Schwarz» bürg Rudolstadt wurde die Vollendung deS Thurmes telegraphisch jtnge^eigt. * Köln, 14. August. Der Vorstand des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln hat beschlossen, den Arbeitern, die an dem Kriege 1870/71 theikgenommen haben, den Sedan tag unter Vergütung des vollen Tagelohne» ganz freizugeben, der übrigen Arbeiterschaft von 4 Uhr ab ebenfalls ohne Lohnabzug. * Vom Rhein, 13. August. Seit dem 8. d. M. haben die Pionier-Bataillone 7 (Deutz), 8 (Coblenz) und 12 (Dresden) in der Gegend zwischen Plittersdorf und Urfeld Uebungen auf dem Rhein im großen Stil vorgenommen Der Strom wurde wiederholt tn seiner ganzen Brette bet Plittersdorf und Mandorf überbrückt. Der lebhafte Schiffsverkehr erlitt stundenlange Unterbrechungen. Wie sehr man sich bemühte, die Uebungen kriegsmäßig zu gestalten, zeigte das heutige Schlußmanöver an der Steg. Bet einer cfechts» Übung wurde die über die Steg geschlagene Brücke verbrannt. Die Anwohner fischten vergnügt die abtreibenden brennenden Balken weg. Die Generäle v. Kleist unb Golz wohnten ben Uebungen bei. • Elberfeld, 11. August. Eine blutige 3og b auf einen Verbrecher spielte sich gestern Nachmittag hier ab. In ben letzten Wochen wurde der Polizei wiederholt gemeldet, daß Kinder von einem unbekannten Menschen in den Wald gelockt und dort mißbraucht worden seien; alle Nachforschungen nach dem Wüstling blieben erfolglos. Da dir Beschreibung des Menschen immer dieselbe war, so waren anscheinend die Verbrechen von einer und derselben Person begangen worden. Gestern Nachmittag ging eins der mißbrauchten Kinder mit seiner Mutter nach einer vor der Stadt gelegenen Sommerw r'hschaft. Unterwegs begegnete ihnen ein Mensch, den das Kind sofort als denjenigen bezeichnete, der eö einige Tage vorher mißhandelt hatte. Die Frau machte sofort den nächsten Anwohnern Mittheilung, diese verfolgten ben Menschen unb ergriffen ihn. Auf dem Wegr zur nächsten Polizeistation entlief der Festgenommene nochmals; man verfolgte ihn zum zweiten Male unb rief bem 25jährigen Sohne Carl be» Ackerer» Wilhelm Becker, der gerade au» dem Hause feine« Vater» heraußtrat, zu, er er sich sogar herabließ, auch an die Küche zu denket!; wie sehr er sich noch weiter herablassen würde, merkte ich freilich erst, als ich einige Zeilen weiter las: es folgte nämlich die Auf- zählung von ungefähr fünfzig Speisen, die er nicht essen mochte, darunter so ziemlich alle, die ich kannte. Was übrig blieb, war eigentlich nur Gänsebraten, aber ich konnte doch nicht jeden Tag eine Gans ans den Tisch setzen, das kriegt man doch schließlich auch einmal satt, und ich meine, gerade von so dummen Thieren sollte man doch auch nicht gar zu viel essen, besonders wenn man in seinem Beruf so viel Geist nöthig hat. Jedenfalls wird Jeder zugeben müssen, daß er sich den Brief eines Dichters an seine Braut ganz anders vorgestellt hätte, ich harte eö bis dahin auch gethan. Im ersten Augenblick wurde ich natürlich furchtbar stutzig. Aber es ist im Ganzen nicht meine Gewohnheit, sofort den Muth zu verlieren, und'ich nahm mir vor, mein Bestes zu thun; mehr stand ja nun einmal nicht in meiner Macht, und vielleicht ging Alles besser, als ich erwartete. ES dauerte nicht lange, so zeigten sich wieder neue Schwierigkeiten; diesmal handelte eS sich um die Möbel, die wir anschaffen mußten. Jeder anständige Mensch nimmt doch heutzutage den Salon in Rocoeo, daS Eßzimmer altdeutsch, etwaige andere Zimmer japanisch oder orientalisch und die Schlafzimmermöbel mit Muscheln. Nun ja, so wollte ich die Wohnung auch ein richten, und die Perle von allen Räumen sollte daS Studirzimmer werden, mit lauter Phantasiemöbel, die ich mir selber auSgedacht und ausgezeichnet hatte, unb denen beim ersten Blick kein Mensch ansehen konnte, wozu sie dienten. Das Ganze war reizend romantisch und wimmelte von Amoretten und Geheimfächern, die sich in seinen Novellen sehr gut hätten anbringen lassen. Aber man glaubt nicht, wie unpraktisch so ein Mann ist! Leute, die sehr vom guten Stil abhängig sind, sollten doch froh sein, wenn man sie recht reichlich damit umgäbe; ftatt dessen bittet mich der Mann, bei unserer Einrichtung doch möglichst auf den Stil zu verzichten und alles „recht einfach und bequem" zu wählen. Da saß ich nun mit meinen Möbelträumen und einem neuen, nicht gerade sehr reizvollen Einblick in eine Dichterseele. Immerhin war es ein Segen, daß ich in dieser Beziehung nicht ganz unvorbereitet in die Ehe trat, sie hätte sonst heiter werden können! Aber nun konnte ich wenigstens den Verhältnissen Rechnung tragen, unb es hat Alles ganz gut gegangen. Man muß so einen Mann nur zu behanbeln wissen: er muß die Überzeugung haben, daß man stets einer Meinung mit ihm fei unb daß Alles im Hause nach fernem Willen gehe, bann kann -nan irn Uebrigen vollständig denken und thun, was man selbst für gut findet. Das enge Zusammenleben mit einem Dichter erfordert freilich viel Mühe und Umsicht, andererseits gewährt cs auch viel harmloses Vergnügen, indem man ihn so genau beobachten kann, und das ist oft natürlich furchtbar amüsant, denn Dichter haben ja so viele originelle Einfälle und Ideen. Morgens in aller Frühe fängt es manchmal schon an, interessant zu werden. Zum Beispiel gestern war s fein! Hast du Dich schon mal tüchtig gestoßen, lieber Leser? Jedenfalls! Nun, bann haft du wahrscheinlich ruhig ein Messer auf die Beule gedrückt, ehe es eine wurde, unb sozusagen beitr Schicksal mit Würde getragen; so macht es ja der gewöhnliche Alltagsmensch! Da solltest du aber mal einen Dichter in solcher Lage sehen! — Erstens bringt der es fertig, sich an Ecken zu stoßen, die für uns gewöhnliche Sterbliche räumlich unerreichbar sind: ich wenigstens wüßte nicht, wie ich es anfangen sollte, sogar während ich noch zu Bett läge, mit dem Hinter- kops auf eine Spitze am Schrank zu schlagen, die anderthalb Meter von mir entfernt ist. Zweitens, wenn er dies gethan. hat, so solltest du aber mal hören, was ein solcher Stoß in einem solchen Haupt für Gedanken auswirbelt und wie weit er seine Kreise zieht. Daß er über die Spitze selbst schilt, ist begreiflich, denn sie lag ihm ja leider nur zu nah; aber von diesem Punkt aus die ganze Gothik zu verdammen unb eine wahre Sündfluth von Entrüstung über den ganzen Kölner Dom auszugießen, der nichts ahnend unb vollstänbig unbefangen eben freunblidj seinen Morgengruß herüberläutete, bas ist doch groß, barauf kommt noch lange nicht Jeber! — Das sagte ich mir auch, als ich gestern Morgen mit dieser kunstgeschichtlichen Auseinandersetzung aus süßem Schlummer ousgefchreckt wurde. Ich drückte dem armen Unglücklichen meine innigste Theilnahme aus, machte falte Umschläge und rühmte die Vorzüge^ des fünften romanischen Stils im Gegensatz zu bem rücksichtslos stoßenben gothkschen. DieS that ihm sichtlich wohl und schein einigermaßen beruhigend auf ihn zu wirken, so daK er nach einiger Zeit erklärte, jetzt aufstehen zu können. (Fortsetzung folgt). möge den Flüchtling aufhalten. Becker warf fich ihm auch entgegen, erhielt aber von dem Menschen einen Revolver- schuß in die Brust und sank tobt zu Boden. Der Verbrecher floh darauf weiter und versuchte denPosthilfSboten Schrader, der fich ihm entgegenftellte, ebenfalls durch einen Revolver- schuß aus dem Wege zu räumen, verwundete ihn jedoch nur am Arme. Darauf wurde er von Schrader zu Boden geworfen, mit Hilfe anderer Personen gefeflelt und der Polizei übergeben. * 1870/71 gefallene Offiziere. Wer an der Zahlen- Symbolik ein Interesse hat, dem wird eine ganz merkwürdige Zahlenübereinstimmung in diesen Tagen der Kriegs« jubiläen auffallen. Wie viele deutsche Offiziere fielen im Kriege von 1870/71? — Antwort: Genau 1871. * DaS Schöne mit dem Nützlichen verbinden die sog. Liebig'Dilder, die bunten Empfehlungskärtchen der Liebigs« Fleisch-Extract-Compagnie. Die Vorderseite weist bekanntlich niedliche und anregende Illustrationen auS den verschiedensten Gebieten der Kunst und Wissenschaft auf. Die Rückseite, bisher von sorgfältig geprüften Kochrecepten eingenommen, enthält neuerdings daneben noch Hinweise auf daS Fleisch- Pepton der Compagnie Liebig, die besonders die Beachtung derjenigen Aerzte und Hausfrauen verdienen, die für Kranke und Genesende, Blutarme oder Nervenleidende zu sorgen haben. Dies Pepton, das sich laut Analyse durch hervorragende Nährkraft auszeichnet, ist eine geeignete Speise bei Krankheiten, die die Aufnahme fester Nahrung verbieten, indem sie dem Organismus die Arbeit der Verdauung erspart. Solche Hinweise finden fich auch auf der neu erschienenen Serie „Der wilde Jäger", welche sechs von Künstlerhand auSgeführte Illustrationen der bekannten erzählenden Dichtung von Jul. Wolff bietet, und zwar: Ludolf's und Waldtraut'S Begegnung im Forst (2. Ges.), Wulfhild und Albrecht auf der Reiherbeize (4. Ges.), Hackelberend den Hirsch hetzend (6. Ges.), die beiden Mönche bei dem zerstörten Crucifix (8. Ges.), Volrat als Wilddieb ertappt (10. Ges.), des tobten Grafen Ritt zum Grabe (13. Ges.) * Zur Psychologie der KiudeSseele. In der zu B o st o n erscheinenden Zeitschrift „Arena" veröffentlicht Lady Henry Somerset eine Abhandlung, in der fie zu zeigen versucht, wie wenig die Erwachsenen sich vom Denken des Kindes eine richtige Vorstellung machen. Nachstehend sei aus dem Aufsätze die Erzählung eines sechsjährigen Mädchens über seine „Eindrücke" von den Erwachsenen wiedergegeben. „Erstlich," sagte das Kind, „sind sie größer- dann haben sie Süßigkeiten nicht gern — oft; dann klettern sie nicht auf die Bäume- dann reiten sie nicht so gern auf Eseln, weil fie andere Dinge lieber thun. Sie schreiben Bücher, gehen in Versammlungen - aber wollen nicht stets ihre Kinder mit sich haben- denn diese halten fie ab, jene Dinge zu thun. Ein anderer Unterschied ist der, daß sie nichts vorschützen, denn sie wollen die Wirklichkeit wissen. Ich habe sie ärgerlich werden sehen: also sind sie nicht immer gut. Manchmal heißen sie die Kinder etwas thun, was nicht recht- sie haben nicht gern, wenn wir Esel reiten, weil sie Angst haben, sie könnten von dem Thiere gestoßen werden- aber die Kinder kümmern fich darum nicht, im Gegentheil es macht ihnen Vergnügen. Sie find viel älter: manche sind zweimal so alt, wie andere. Man muß einundzwanzig sein, bis man erwachsen ist- dann bleibt man ein Erwachsenes. In einer Weise stehen beide auf genau dem entgegengesetzten Standpunkt: Erwachseoe denken, die Kinder seien unartig, und die Kinder benfen, die Erwachsenen seien unartig. Dann ist noch ein anderer Unterschied: sie können schwimmen — daS heißt einige —, aber auch einige Kinder können es. Sie leben für Geld- manche — nicht alle — geben eß für nützliche Dinge auS, die aber Kinder nicht für nützlich halten, weil sie dieselben nicht gern haben- deshalb glauben die Kinder, das Geld sei hinauSgeworfen. Sir glauben das Geld sei hinausgeworfen, wenn jemand Austern kauft- denn die essen sie nicht gern. Manche geben ihre Sachen gerne her und ich kenne eine Person, die fast nur für Kinder lebt, und daS ist Großmama. Ich glaube nicht, es kann jemand so sein, wie Großmama. Sie haben lange Röcke und Hosen. Meistens, das heißt manchmal, zeigen fie mehr Interesse für ihre Freunde, als für ihre Kinder- aber die Frau, von der ich sprach, thut daS nicht. Sie frisiren fich verschieden- manche drehen das Haar zusammen, nur die Männer haben es kurz geschnitten, aber die haben etnen Bart. Manche Erwachsene sind nett und liebenswürdig, aber auch manche Kinder- aber diese eine Person, Großmama, ist netter als irgend ein Kind- mehr Unterschiede weiß ich nicht." * Das Einzige. Dame: „Sie wissen also kein Mittel gegen Sommersprossen?" — Arzt: „Nein." — Dame: „O, ich möchte auS der Haut fahren!" — Arzt: „DaS wäre allerdings daS Einzige, was helfen würde." Citeratur unfe Hanft — Der patriotischen Gedenkfeier, die Deutschland in diesem Jahre begeht, widmet Alexander Baron von Roberts in der illustrirten Halbmonatsschrift ,»om FelS zum TOeet* (Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart) unter dem Titel: „In Ehr und Wehr von Sieg zu Sieg" eine Reihe von Auffätzen, in denen uns die Hauptereignisse jener großen Zeit, verflochten mit einer Fülle perfön- licher Erinnerungen des Autors, höchst lebendig vor Augen treten. Frank Kirchbach hat zum gleichen Zweck eine wirkungsvolle allegorische Zeichnung: „Durch Steg zum Frieden" beigesteuert, und ergreifend tritt unS der tragische Ernst jener Tage aus dem Gemälde: „Reveille" von A. von Rößler entgegen. Von dem sonstigen Inhalt des vorliegenden 23. Heftes dieser Zeitschrift seien hier nur erwähnt die dasselbe er öffnende und mit reizenden Bildern geschmückte Biographie der beliebten Wiener Soubrette Josephine Glöckner, die jüngst zu Unrecht in den Verdacht von Selbstmordgedanken gebracht wurde, und die gleichfalls trefflich illustrirte Schilderung der neuen Berliner Brückenbauten von A. Römer. Zu den beiden Romanen von Carl Busse und Marie Bernhard, deren spannende Fortsetzung das Heft bringt, ist noch eine muntere Tourtstennooelle: „Flitterwochen im Gebirg" von I. o. Widmann, dem geistvollen Redacteur des Berner Bunds, getreten; der „Sammler" enthält u. A. eine ungemein reichhaltige Auswahl von Momentaufnahmen der Canalfeier, die sich wie der gesammte Bilderschmuck des Heftes durch treffliche Reproduction auSzeichnen. _____________ — Feuer im Schiff! eine Originalzeichnung von Ferdinand Lindner, schildert in dem soebm erschienenen 2. Heft der Zeitschrift »Für Alle ®elt* (Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin W.n ä Heft 40 Pfg.) die Gefahren, die den Seemann bedrohen. Rauchhelm und Wasserschlauch sind in Thätigkett gesetzt, um daS feindliche Element zu bekämpfen, dem man muthig entgegentreten muß, weil ein Entrinnen unmöglich ist. Diese interessante Illustration bildet nur einen geringen Theil des belehrendm und unterhaltenden Stoffes, den dieses rührigste unter unseren Familienblättern zusammenzutragen weiß. Zwei große Romane, „Die tolle Gräfin" von Paul Oscar Höcker und „Frauenherzen" von Hans Richter, erhalten die Leser in Spannung, während eine Reihe von kleineren, geschickt illustrirten Artikeln auf allen Gebieten der Technik in allen Fragen des practtschen Lebens das Wiffenswertheste mittheilt. „Für Alle Welt" trägt seinen Namen mit Recht, es hat sich in dem kurzen Zeitraum eines Jahres zum populärsten und reichhaltigsten deutschen Familtenblatt entwickelt. Schift-nachrichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl LooS und I. M. Schulhof. Bremen, 13. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Fulda, Capttän A. Meier, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. kirchliche Anzeigen der evang.Gemeinde. Freitag, den 16. August- Vormittags 9 Uhr: Feffgoti-Svientt in der JohanneSktrche aur Feier deS Gedächtnisses der ersten Schlachten und Siege im deutsch-französischen Krieg. Pfarrer Dr. Naumann. Die zu erhebende Collecte ist zum Besten der Kaiser Wilhelm- Stiftung für deutsche Kriegsinvaliden bestimmt. Verkehr, taub» unb Volksrvirthschaft. Gießen, 15. August. Auf dem gestrigen Ochsenmarkt waren ausgetrieben etwa 200 Stück, meistens Vogelsberger und Holländer, während Stmmenthaler Rasse nur wenig vertrete!-, war. Ferner waren 75 bis 100 Stück junges Fahrvieh am Marti. ES nottrtcn: Ochsen 1. Qual. 800 bis 900 Mk., 2. Qual. 700 Mk. bis 800 Mk. per Paar. Junges Fahrvieh wurde gehandelt zu Mk. 550 bis Mk. 650 per Paar. Auf dem Schwetnemarkt mochten etwa 1200 bis 1500 Stück, davon 80 bis 100 junge Ferkel aufgetrteben sein. Es wurden verkauft Saugserkel, 4 Wochen alt, zu 12 bi8 15 Mk., bis zu 10 Wochen alt 25 bis 35 Mk., bis zu 16 Wochen alt 45 bis 60 Mk., Läufer Va jährig 70 bis 80 Mk-, »/« jährig 90 bis 100 Mk. per Paar. — Der Handel in Schweinen ging bis gegen Mittag sehr schleppend, dann kam etwas Leben in das Geschäft, doch blieb noch eine Menge Waare überständig. 8imvurg, 14. August. Fruchtmarkt. Rother Weizen, alter, X 12.30, neuer X 12,50, weißer Weizen X 00.00, Korn, altes, X 8.60, neues X 9.10, Gerste X 7.50, Hafer X 6 55. Witterungsbericht vom 14. August. Die Druckoertheilung über Centraleuropa ist heute sehr unregelmäßig. Zwischen zwei Hochdruck-Gebieten, von denen das erste den Norden Europas bedeckt, während das zweite über Frankreich und Süddeutschland lagert, verläuft eine sehr unregelmäßig begrenzte Furche niederen Druckes vom nördlichen Atlantischen Ocean über daS Nord- und Ostseegebiet zu einem Minimum im Innern Rußlands. BorauSffchttiche Witter««- r Fortdauernd unbeständiges Wetter. rMtterNn-O«zOfichtO« am 15. August Mittags 12 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage). Barometerstand. iiiinifiiiniiiiniiiiniiiiiifiiiiiiiiiiiiniiiniiiuifiiiuiiiinnifrHfimiii Thermometer: min. + 89 R., max. 4- 15° R. Hygrometer: Trocken. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeffen am 15. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag». Wasser 15°, Luft 14 nach dem Bahnhof. Fahrpreis 10 Pfg 6 w>t Rote«,.. Omnibus-Verbindung io tu« tUmH. von tttu nach de« Schtffenberger Wald Sonn- und Feiertags Nacdm 3 Uhr alle 20 Min 1 »ak^r-ta Werktags Nachm. 3 und 3" Uhr ! Ab Wald 7 Uhr 1 4’t0- Bn Wochentagen Fabrkartenvoruerkaut bei A. * G. WalemfejO (Telephon 46). 6778] Lehrling gesucht. L. Wiede- meyer, Schuhmachermeister, Asterweg 16. 6837] Braves, fleißiges Mädchen, welches Liebe zu Kindern hat, wird gegen hohen Lohn und dauernde Stelle per 1. September gesucht. SetterSweg iS« 6885] Ein ordentliches MSdche« tagsüber zu häuslichen Arbeiten gesucht. Georg Vanbel, Post, Bahnhofstr. 6791] Ein Schreinergeselle gesucht. _______ch Sa«k, Große Mühlgasse 5. 6790] Für einen braven Jungen, 15 Jahre alt, aus guter Familie, wird Lehrlingstelle in einer Metzgerei flPlltrflf Näheres in der Expedition dieses Blattes. Restauration zu den Zwölf Aposteln empfiehlt Wiener Mittagstisch von 70 H aufwärts, im Abonn. billiger. Daselbst steht ein BereinSzimmer, 40 Personen fastend, an einigen Abenden in der Woche zur Verfügung.______6570 Eine schöne, geräumige Wohnung, 1. oder 2. Stock, in gesunder Lage mit entsprechendem Zubehör per !♦ Qctober er. gesucht. 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Platz A 1 34 und zum nlchtres. Platz A 50 4 im Vorverkauf i d. Challler'echon Musikai.-Hdlg. — Kassen- preiae A JL 1.50 und i 75 [6857 6012] Zimmer mit und ohne Cabinet, mäblirt over unmöblirt, sowie Stallung für ein Pferd zu vermtethen. _______Grönbergerstraßel2. 6588] Schön möbltrteS Zimmer sofort zu vermtethen. Bahnhofstraße 23, II. 6806] Kleines Zimmer mit Kost zu vermiethen.__Li«de«platz 7. 6816] Stube, auf Wunsch mit Cabinet, zu oermieihm. Bahnhofstraße 18_lll. 6320] Ein unmöblirteS Zimmer per 1. October zu vermtethen. __Seltersweg 16« 6871] Zwei einzelne Stuben an alleinst. Fräulein zu verm. Eonnenstratz« 11. für Rettung von Trunksucht! * versend. Anweisung nach 18jährtger M approbirter Methode zur sofortigen W radikalen Beseitigung mit, auch ohne Borwtsten, zu vollziehen, IM- keine ri Berufsstörung, unter Garantie.-MR Briefen sind 50 Psa. in Briefmarken Heizungen. 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