|R»W ?{J 295 Erstes Blatt. Sonntag dm 15. Deecmber Gießemer -«teiger erschaut ttglich, ait Ausnahme drS Montag». Die Gießener D«»tkte«vtStter werden dem Anzeiger wtcheallich dreimal bri-elrgt. Gießener Anzeig er Kemrat-Unzeiger. vierteltLhrrger A-o»»e»eutsprel«r 2 Mark 20 Pfg. mit Lringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, LxpedttiM und Druckerei: Schulstr.tzeAr.^ Fernsprecher 51. Aints» «nd Anzeigeblatt für den Nreis Gietzen. I chratisöeitage: Gießener Jamilienökätter. Alle Lnnoncen-Lureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für bm folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Lorm. 10 Uhr. Deutscher Reichstag. 7. Sitzung. Freitag, den 18. December 1895. Zur ersten Bcrathung steht der Gesetzentwurf zur Be- rSmvtuna deS unlauteren Wettbewerbs. StaatSsecreiar.v. Bötticher: Grundsätzlich besteht heute kaum noch eine Mtntsteroerschtedendeit darüber, daß eine Schutzwehr gegen unlauteren Wettbewerb nothwendig ist. Gegen datz unlautere Reclamewesen bedarf es stroirechtl'cher Vorschriften, die wirksamer find, als dte ctvtlrechtltchen. Unsere Aufzählung unerlaubter R clame- handlungen mag keine erschöpfende sein, aber falls sich in Zukunft ein Bedürfniß, weiter zu gehen, herausstellt, so kann dem später noch abgeholfen werden. Bet den Bestimmungen gegen den B rralh von Geschäfts- oder BetriebSgehetmnisien haben wir in keiner Weise außer Augen gesetzt, datz etz sich in diesem ganzen Gesetze überhaupt nur um den Schutz der Schwachen handeln soll. Es ist also aus- geschlosien, datz hier das berechtigte Interesse der Angestellten — erworbene Kenntnisse und Handgriffe zu verwerthe» — verletzt werden soll. Allein der Mißbrauch ftemden EtgenthumS, der Ge- beimntsse eines Anderen, soll verhindert und bestraft werden. Ueber ein Zmückgretfen etwa auf die frühere Fassung des Entwurfs In Bezug auf die Geschäftsgeheimnisse wird sich reden lassen. Sbg. Bassermann (nl.): Treue im Verkehr bildet auch heute noch die Regel für den Handelsstand, aber Ausschreitungen in der Loncurrenz kommen thaisächltch vor, und ihnen wird dieses Gesetz entgegenwtrken. Dasselbe wird daS Anseben deS Handelsftandes nicht schmälern, sonde n heben. An den Richter stellt das Gesetz allerdings große Ansprüche, wegen des unvermeidlichen discretionären Ermessens. Aber wir können unS auch auf untere Richter wohl verlassen. In der Commission wäre vielleicht zu erwägen, ob nicht auch falsche Angaben über die Menge der zum Verkauf stehenden Maaren zu bestrafen seien. Bezüglich der Bestimmung über den Derrath von Geschästsgeheimniffen ist näher festzustellen, was Ge- schäftsgeheimniß ist. Auch haben wir Bedenken gegen die Bestimmung, betr. vorzeitiger Bcuch einer für einen bestimmten Zeitraum zugesagten Verschwiegenheit. Es müßte da mindestens ein kurzer Zeitraum festgesetzt werden oder die Sacke in das richterliche Eim ffen festgestelll werden. Man kann sich doch auch Prtncipale vorstellen, welche in den Vorschriften gegen ihre Angestellten, wenn sie daS Geschäft verlassen, am liebsten ein Glas Lethe geben, damit fie vergeffen, waS sie gelernt haben. Im Ganzen ist datz Gesetz acceptabel, nur die Bestimmungen über die Angestellten und die Betriebsgeheimnisse sind hoch ebmfltd).” Ab Roeren (Ctr): Wohl selten ist von den betheiltgten Kreisen wie aus dem Publikum heraus, so nach einem Gesetze verlangt worden, wie nach diesem. Der redliche Kausmann kann mit dem schwind Ihasten Concurrenten kaum noch autzkommen. Wohl selten ist ferner ein Gesetz so gut vorbereitet worden, wie dieses. W nn Gegner dieses Gesetzentwurfs meinen, daß die civtlrechtltche Haftbarkeit für conourrence dSloyale genüge, wie dieS in Frankrttch der Fall sei, so übersehen dieselben, daß in Frankreich die Rechtsprechung sich dauernd in viel engerer Verbinduna mit dem gewerblichen L den befindet, so daß dort die Illoyale Concurrenz bis in ihre Schlupfwinkel verfolgt wird, was wir gerade erst mit diesem Gesetze zu erreichen hoffen. Eine Härte allerdings erblicke auch ich darin, daß ein Angestellter straffällig werden soll, wenn er nach Verlassen einer Stelle vertragswidrig Geschäftsgeheimnisse seines früheren Prtncipals bekannt gtebt. n . n Abg. o. Czarlinsky (Pole): Gerade in meinem Landestheile ist die Abnutzung des unlauteren Wettbewerbs sehr ausgedehnt und daS Verlangen nach diesem Gesetze allgemein Mit Freude sehen wir namentlich, daß das Gesetz sein Augenmerk auch auf die schwindelhaften Ausverkäufe richtet. m r , , . Abg. Singer (Soc.): Was Sie mit diesem Gesetz bekämpfen wollen, ist nur die Folge der ganzen jetzigen Produclionsweise. Der illoyale Concurrent wird nach wie vor einen Weg finden. Sie erwecken daher mit diesem Entwurf nur unerfüllbare Hoffnungen. Das Best« ort demselben ist die Bestimmung betr. die Quantitätsverschleierungen. Da ist aber wieder für die heutige Gesetzgeberei characteristtsch, daß sie die in Aussicht genommenen Vorschriften nicht H'rect in das Gesetz hweinfchreiben, sondern ih en Erlaß dem Bundesrath anheimgeben M t der Bestimmung über die vertragswidrige Bekanntgabe von Gcfchäftsgeheimwssrn durch srühere Angestellte würde eine ganz unzweifelhaste Klassengesetzgebung gegen Angestellte, ein Ausnahmegesetz der schlimmsten Art geschaffen. Für die Angestellten im Hendelsgewerbe besteht eine Vertragsfreihett ube Haupt nicht; sie müssen sich, um Engagement zu finden, in alle Bedingungen fügen. Duich diesen Entwurf werde nur die Ausbeutung und Auswucherung in abscheulichster Weise gefördert. Staatssecretär v. Bötticher: Der Vorredner hat wohl nur wieder die Gelegenheit wabrnehmen wollen, nach außen hin agitatori ch zu wirken. (Beifall und Widerspruch ) Anders ist es nicht zu erklären, wenn der Voiredner u. A. sagte, dieses Gesetz werde nur wieder Anlaß geben zu Auswuckerung und Niedertracht scheußlichster Art. Die Herren selber geben ja den Thaibestand unlauteren Wettbewerbs zu. Diese unlauteren Zustände wollen die Herren also wohl in ihrem Jutereffe fortbestehen lassen? (B avo.) Dazu werden die anderen Parteien die Hand nicht dreien. (Beifall). Gerade der kleine Geschäftsmann bedarf auf diesem Gebiet deS Schutzes. Das Haupt- aravamen deS Vorredners ist S 9. Da« Verlangen nach Sckutz der Betriebsgeheimnisse ist aber doch sehr verbreitet. Der ehrliche Angestellte wird durch S 9 nicht tangirt, sondern nur der unredliche Prinzipal, der einem Concurrenten seine Angestellten wegbolt, um durch fie Betriebsgeheimnisse deS Andern zu erfahren So ganz schutzlos, wie der Vorredner behauptet, gegen die Concurrenzclausel in den mit den Prinzipalen abgeschlossenen Verträgen sind die An gestellten dock nicht. Schau wiederholt hat das Reichsgericht Verträge alS contra bonos mores erklärt. Abg. Schmidt-Bingen (frs. Vg.): Die Vorlage bedarf sorg- iältiger Prüfung, damit nicht mehr Schaden als Nutzen entsteht. Die Strafbestimmungen wegen J-resührung über die BezuaSquelle rc. find entbehrlich, ctvtlrechtliche Maßnahmen genügen. Die Bestimmung der Concurrenzc'ausel, welche die Verschwiegenheit auf jeden bestrmmten .Zeitraum zur Pflicht macht, geht zu weit. Auch wird die D finition des „G.heimnißbegriffeS" große Schwierigkeiten machen; der Richter wird dabet ebenso in Verlegenheit kommen, wie der Handlungs- aedülfe, der Arbeiter oder der Lehrling. In der vorliegenden Fassung ist der S 9 unannehmbar. Eine große Vereinfachung des Getetzes würde darin liegen, wenn man im $ 1 einfach bestimmte, daß für unlauteren Wettbewerb der Betreffende civilrechtlich haftbar fei. Jedenfalls ist in Bezug auf die Strasbestimmungen die größte Vor- ^d)t °Abgdl)r Frhr. v. Langen (!.): Bei der unlauteren Concurrenz darf man nicht überfehen, daß die Moral des Kaufmannstandes gv lockert worden ist durch das Eindringen gewisser Elemente. Es ist auch nicht klar, ob die Bestimmungen der Vorlage der Landwirth- chast zu gute kommen werden. Die Bestimmungen des § 9 sind trotz der Erklärungen deS StaatSsecretärs dunkel; der Kundenkreis gehört im W dersp-uch zu der Ansicht des Staaissecretärs, nack den Auffassungen vieler Kaufleute zu den Geschäftsgeheimnissen. Gegen diesen S 9 empfiehlt sich jedenfalls Vorsicht. Abg. Dr. Meyer (srf. Dg.): Meine Collegm hoffen aus ein Zustandekommen der Vorlage; wir sind einverstanden, daß gewisse Handlungen, die man als unlauteren Wettbewerb bezeichnen kann, coib und strafrechtlich verfolgt werben tollen; aber wir möchten nicht Alles verfolgen, was als unlauterer Wettbewerb bezeichnet werden rann. Vielfach nennt Jeder feinen Wettbewerb als lauter und den Wettbewerb, den ihm Andere machen, unlauter (Heiterkeit ) Weiterberathung morgen. Außerdem steht die Novelle zum Ge- noffentchaftsgefetz und die Vorlage betr die Handwerkerkammern auf der Tagesordnung. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Eorrespondmz-Bureau. Berlin, 13. December. Der „RetchSanzeiger" erklärt bezüglich deS Prospectes der deutschen Colonial- AuSstellung (commerzieller Thetl), gegen welche Grün» duug bereits der Arbeitsausschuß der deutschen Colonial-- Ausstellung sich wendete, daß die Behauptung eines Börsenblattes, daß nack dem von vorgenannter Gesellschaft veröffentlichten Prospect der Hauptausgabe-Posten von Mark 200,000 für die Kosten des RegierungSgebäudes bestimmt sind, völlig unbegründet ist. DaS für die Colonial. Ausstellung bestimmte Gebäude wird auf Kosten der Colonial- Abtheilung des Auswärtigen Amtes errichtet. Mit vorgenannter Gesellschaft ist die Colonialabtheilung nicht in Verbindung getreten. Unberührt hiervon bleibt daS Inter, effe, das die Colonialabtheilung des Auswärtigen Amtes dem Gelingen der Colonialausstellung entgegenbringt, die sie in Gemeinschaft mit dem Arbeitsausschuß mit allen Mitteln nach wie vor fördert. Berlin, 13. December. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Beschluß des Staatsministeriums, betr. die Ergänzung der Vorschriften über die Berechnung der Reise- und Umzugskosten der Beamten. Leipzig, 13. December. Proseffor Leuckhardt ist aus Anlaß feme6 50jährigen DoctorjubiläumS zum Ehrenm tglied der Gesellschaft zur Förderung der gesammten Naturw'ffen- fchaftkU in Marburg, der deutschen zoologischen Gefellfchast und der Pariser Akademie der Wissenschaften ernannt worden. Eisenach, 13. December. Der Ankauf der im Besitze der Schillerstiftung befindlichen Villa Reuter durch die Stadt für den Preis von 32,000 Mk. ist vom Gemeinde- »ath genehmigt worden. Die Stadt ist verpflichtet, die Zimmer des Dichters wie bei Lebzeiten desselben in Stand zu halten und etwa fich findende Manuscripte an die Schiller- stiftung zu überweisen. Zum Director der hier im nächsten Jahre zu eröffnenden Reuter- und Richard Wagner Museen wurde Proseffor Kürschner auf Lebenszeit gewählt. München, 13. December. Heute früh starb der Magiftratsrath, frühere Reichstags- und Landtagsabgeordnete Georg Biehl. Der Verstorbene war ein tüchtiger Förderer der Handwerkerbewegung, namentlich auf dem Gebiete des JnnungSwesenS. Finwe, 13. December. Durch den Einsturz eines vierstöckigen Neubaues sind zahlreiche Arbeiter verschüttet. Bisher wurden ein Siebter und fünf Verwundete gefunden. Rom, 13. December. Wie die Blätter melden, wird der Kriegsminifter eine Jahresklasse der Dienstpflichtigen einberufen zum Ersätze der ausgedienten Mannschaften der beiden nach Afrika gesandten Regimenter und zur eventuellen Entfendung anderer Bataillone nach Afrika. Die hierdurch entstehenden Ausgaben fetten durch den Fortfall des Garnisonwechsels und Unterlaffung der großen Manöver im nächsten Jahre gedeckt werden. London, 13. December. Ueber die durch den Streit zweier Armenier gestern in Konstantinopel hervorgerufene Panik meldet das „Büreau Reuter" noch folgende Einzelheiten: Einige englische Damen flüchteten in die englische Botschaft, fünfzig Armenier suchten Schutz bei dem englischen Botsckaftssecretar Herbert. Zur Beschwichtigung deS Publikums verbreitete die Polizei das Gerücht, die Panik sei durch Entspringen eines Löwen aus einer Menagerie hervorgerufen, der Löwe aber sei bereits von Gensdarmen getvdtet worden. Petersburg, 13. December. Der Kaiser hat de» Führer der Abordnung deS Kaiser Alexander- Garde-Grenadier-Regiments, Hauptmann von Strantz, den St. Annenorden 2. Klaffe, ferner dem Feldwebel und den Mannschaften ihrem Range entsprechende Medaillen verliehen. Auf Wunsch des Kaisers nimmt die Abordnung an der Kirchenparade am Namenstage deS Kaisers, am 18. b. M-, Theil. Constanlinopel, 13. December. Infolge eines gestern verbreiteten Gerüchts, es seien bei der Ankunft der fremden Stationsschiffe Unruhen zu gewärtigen, ließ die Pforte den Botschaftern durch den Generalsecretär des Ministeriums des Auswärtigen versichern, das Gerücht sei durchaus unbegründet. Gleichzeitig wurde Infanterie und Cavallerie auf- geboten, die in den Straßen patrouilltren. Depeschen de« Bure« .Herold'. Berlin, 13. December. Der Kaiser empfing heute Nachmittag 3*/, Uhr im hiesigen Schlöffe den neuen Minister des Innern, Fretherrn v. d. Recke. Berlin, 13. December. Die gestrige Sitzung des StaatSmintsteriumS dauerte von 4 bis 7^ Uhr. Der Reichskanzler präfidtrte der Sitzung. Der neue Minister deS Innern, Freiherr v. d. Recke, war ebenfalls anwesend, nachdem er vorher auf kurze Zeit den Verhandlungen des Reichstages am Tische des BuudeSrathS brigewohnt hatte. Berlin, 13. December. Wie die „Volkszeitung" meldet, wurde ein Unteroffizier vom Königin-Augusta R-giment in Spandau kürzlich wegen Soldatenmißh andlungen zu anderthalb Jahren Gefängniß und Degradation verur- theilt. Infolge der von ihm verübten Mißhandlungen sollen mehrere Soldaten dauerndem Siechthum verfallen sein. Berlin, 13. December. Die Kaiserin wird heute Nachmittag gegen 6 Uhr im hiesigen Schlöffe den Minister deS Innern, Fretherrn v. d. Recke, und alsdann baß ReichstagSprästdtum in Audienz empfangen. Berlin, 13. December. Der „Local Anzeiger" meldet aus Dresden: In der Dresdener Heide wurde der Ober- Postsecretär a. D. Kretzschmar ermordet und beraubt aufgefunden. Von dem Thäter fehlt jede Spur. Berlin, 13. December. Im „Reichsanzeiger" wird ein kurzes Resums über die letzten Sitzungen der Commission für Arbeiter st atistik veröffentlicht, aus dem Folgendes hervorzuheben ist: D-e Commiffion hält eine Regelung der Arbeitszeit in den offenen Ladengeschäften für nothwendig und durchführbar. Sie befürwortet den Erlaß einer Vorschrift, wonach die Läden, von vorübergehenden Ausnahmen abgesehen, in der Zeit zwischen 8 Uhr Abends und 5 Uhr Morgens geschloffen sein müssen und während dieser Zeit die Angestellten nicht zur Arbeit herangezogen werden dürfen. Ferner seien Bestimmungen nothwendig, wonach die Zeit zur Hauptmahlzeit für die Angestellten gesichert wird. Eine Reihe von Vorschlägen betreffen eine Verbesserung der Ladenräume. Eine gesetzliche Regelung der Kündigungsfristen, insbesondere die Einführung einer monatlichen MinimalkündigungSfrift, hält die Commiffion gleichfalls für nothwendig. Ferner wird ein Einschreiten gegen die Mißstände, die mit der Anwendung der sogenannten Concurrenzkiausel verbunden sind, befürwortet und dem Reichskanzler diesbezügliche eingehende Vorschläge unterbreitet werden. Berlin, 13. December. Hofprediger a. D. Stöcker spricht im „Volk" öffentlich feinen Dank aud für die vielen ihm anläßlich seines 60. Geburtstages zugegangenen Gratulationen und versichert, daß ihm unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Beweis so vieler Freundschaft besonders wohlgethan habe. Berlin, 13. December. Der Redacteur des Organs der Psrzellanarbeiter und verwandten Berufe „Die Ameise" wurde wegen Veröffentlichung von Sperr Notizen mit einem Strafmandat bedacht, durch welches sechs Wochen Haft über ihn verhängt werden. Frankfurt a. M, 13. December. Wie die „Franks. Zig." aus Düsseldorf berichtet, wurde der Redacteur der dortigen „Bürgerzettung", Stoffe rs, wegen MajeftätS- beleidtgung, begangen durch zwei Artikel, zu 9 Monaten Ge- fängntß verurtheilt. Ein Antrag auf sofortige Verhaftung wurde abgelehnt. Frankfurt a. M., 13. December. Aus Kopenhagen meldet die „Franks. Ztg.": Bei den gestrigen C ommunal- wählen in dem Vororte Amager siegten die Social- bemofraten. Ihre fünf Canbidaten wurden mit großer Majorität gewählt. Kola, 13. December. nur nn> zesse des LandeSdirectorS Klein, sowie des Direktors der wesentlich ab, was nm so mehr onzuerkennen sein dürfte, als dem Bau-Ausschuß für die Ausführung seiner Arbetre» nur 4 Monate Zeil znr Verfügung standen, innerhalb welcher nicht nur die Festbauten errichtet, sondern auch der ganze Festplatz, einschließlich deS JuxplatzeS an der Steinstraße, geschaffen werden mußte. Die zuletzt genannte Summe 6m the'lt sich wie folgt: 1. FeftballeundHaupteingang 19,161.25 M., 2. Ausschmückungen 2,219,72 Mk., 3. Wafferleitung und Beleuchtung 3,382.44 Mk., 4. Einfriedigungen, Ueberbrllck- ungen rc. 619.75 Mk., 5. Herstellung, bezw. Schaffung des FeftplatzeS 856 44 Mk., 6. Unvorhergesehenes 1,818.10 Mk-, 7. Vorturnertribüue 726.36 Mk. Summa 28 78406 Mk. 8« dem heute begonnenen Pro- I Provinz Oberbeffen wegen Tödtung feines Cowmilitonev I und Weichen somit vom ursprünglichen Voranschlag *,w ......... Se* Keller von W-tzlar im Zweikampf zu 2>/z Jahren Festung i ..... Brauweiler Anstalt, Schellmann, gegen den Rrdacteur dec „Rheinischen Zeitung", Hofrichter, ist eme große Anzahl tu- und ausländischer Preßvertreter erschienen. Ge- Der aus der Feftkaffe für die Bauten und Ausschmückungen erforderliche Zuschuß beträgt 26,117 30 Mk. ** GabelSberger Stenographen Berei» Gießen. Auch t» bescheidener Sphäre kann Ersprießliches geleistet werden, da» bewies uns der am 12. December gelegentlich der 33. Jahresversammlung verlesene Bericht über daS ab gelaufene Vereinsjahr. Der GabelSberger Stenographen Verein zählt 60 Mitglieder. Die UnterrichtScurse waren von ca. 20 Schülern besucht- auch in der Gewerbeschule hielt unser vereinslehrer Herr stud. math. Nennsttel einen EursnS ab. Ebenso wird — Dank den Bemühungen unsere- Herrn Wilhelm Wagner —der Kaufmännische Verein in seiner Fachschule unserer Kunst neue Jünger anwerben. — Die Neuwahl deS Vorstandes zeigte die größte Einmüthigkeit der BeretnSangebörtgen, eS gingen aus der Wahl hervor: 1. vor- staub Herr Reallehrer Alb ach und zwar zum 20. Male- 2. Vorstand Herr Kaufmann Th. vaubel- 1. Schrift- führer Herr etud. math. Nennsttel; 2. Schriftführer Herr Kaufmann Bix- Rechner Herr Agent Hochreuther- BÜcherwart Herr Kaufmann Gg. Marx- ZeitungSwart Herr Bürgermeistereigehilfe Heinr. Bickel) von de» I Verhandlungen deS Abends wollen wir nur verratdeu, daß analog der 1895 so gelungenen Feier auch für 1896, und zwar Anfang Februar, eine hübsche Familien Unterhaltung geplant ist, verbunden mit der Geburtstagsfeier unseres Alt- metfterS GabelSberger und dem 20 jährigen Jubiläum unseres Vorstandes Herrn Albach. — Wir können die Bestrebungen des Vereins nur lobend anerkennen und laden alle ihm noch fernstehenden Jünger GabelSberger» recht herzlich zum Beitritt ein. Biele wenige machen ein viel, vereinte Kräfte führen zum Ziel! ** Eröffnung der Jrreuklinik. Nachdem nunmehr in ver- floffener Woche von der Firma Göhrtg & Leuch», Darmstadt, der 2. Dampfkessel (9 Atmosphären) für die pfychia- irische Klinik hier eingeliefert, steht fest, daß deren Eröffnung Mitte Januar erfolgt. ** Strafkamwerfitzuug. Gestern verhandelte die Strafkammer gegen den mehrfach wegen Körperverletzung vor- bestraften Lorenz Schmidt von Oppenrod. Derselbe hat ohne eine eigentliche Ursache den Fuhrmann Leinweber daselbst mit einem scharfen Instrument auf das Unmenschlichste verarbeitet und, nachdem er ihn dadurch wehrlo» gemocht, hatte der Unmensch noch den Hund auf sein Opfer gehetzt, welcher dasselbe jämmerlich zerfleischte. Die Staatsbehörde beantragte 2»/2 Jahre Gefängwß. Der Gerichtshof ging aber noch hierüber hinaus und erkannte auf 3 Jahre. •• AltetthumSfuude. Am Rheinufer bet Worw» hat man letzthin eine Begräbnißftätte entdeckt, die der jüngeren Steinzeit angehört, also ein Alter von beiläufig 5000 Jahren aufwetst. Das Gräberfeld wird durch den AlterthumSverein in Worms auSgegraben, und die bis jetzt untersuchten 30—40 Gräber zeigten sich noch unberührt. Man fand Waffen und Geräkhe auS Stein, Armringe au» Braunkohle, eine Anzahl hübsch verzierter Gefäße und andere». M Frau Ottilie Stein, Mannheim, wird am kommenden Montag auf Veranlassung deS Kaufmännischen und Gewerbe- Vereins im „CasL Le>b" über „Das Wesen der Fran, ihre Tugenden und Fehler" sprechen. Da Rednerin in Folge ihre« Bortrageö über die Gebiete weiblichen Erwerbes im letzten Winter, bei welcher sie wohlverdienten Betsall erntete, noch in guter Erinnerung steht, und i» Hinblick auf daS allgemein intereifirmde Thema dürfte auch diesmal starker Besuch, auch Seitens der Damenwelt zn erwarten fein. ** Löwentheater. DaS auf Oswalds Garten befindliche Löwentheater der Fräulein Geschwister Berg erfreut sich recht zahlreichen Besuchs. Die Boxstellungen find interessant durch die vortreffliche Dressur der Wüstenkönige, durch die Eleganz und Sicherheit, welche bei Ausführung der Scenen im Käfige sich vollzieht. Auch die übrigen vorhandenen Thiere, darunter schöne Schlangen, sind sehen»- werth, so daß der Besuch des Theaters besten» empfohlen werden kann. Wie im Jnseratentheil ersichtlich, finden morgen Sonntag die Schlußvorstellungen statt. *• Weihnachtsgeschenke und NenjahrSgrnße nach Äetrift. Solche können schon jetzt nach dort geschickt werden. Wem daran geligen ist, daß die betreffenden Sendungen erst zur gehörigen Zeit in die Hände de» Empfängers gelangen, hat nur nöthip, auf den Briefumschlag zu schreiben: .To delirer on Christinas day“ (Am WeidnachtStag abzuliesern), oder: „To doliver on Newyears day“ (Am NeujahrStag adzn- liefern). Wer Weihnachtsgeschenke sendet, thut auch gut, in der dazu nöthigen Declaration daS Wort wChriatmaa present* (Weihnachtsgeschenk) htnzuznsügen, da die amerikcmi- schen Zollbeamten, die sonst ziemlich streng vorgehen, bei Sendungen, die augenscheinlich als Weihnachtsgeschenke zu betrachten sind, Rücksicht walten lassen. trennt von diesem Prozesse wurde zunächst gegen den Bauausseher Czaplewskt verhandelt, der als Beamter der Anstalt Brauweiler ihm unterstellte Gefangene schwer mif} handelt haben soll. Der Zeuge, Director Schellmann, hatte wegen dieser vor fünf Jahren pasfirten vergehen kürzlich Anzeige erstattet. Eine Anzahl Zeugen sagt belastend gegen den Angeklagten auS. Einem 63jährigen Manne hatte Czaplewskt daS Seitengewehr auf dem Kopfe entzwei ge- f-tlagen- auch andere Personen wurden von ihm verwundet. Der Prozeß dürfte Aufsehen erregende Details zu Tage fördern. Köln a. Rh., 13. December. Gegenüber gegentheiligeu Meldungen versichert die „Köln. volkSztg.", daß das Centrum die gegenwärtige ReichStagSseisiou nicht vorübergehen lassen werde, ohne aus den Reichstagibeschluß bezüglich Zulassung der Jesuiten zurückzukommen. Sollte der Bundesrath die Absicht gehabt haben, durch Aussetzung der Beschlußfassung sich für diese nächste Session Ruhe zu schaffen vor dem unbequemen Antrag, so habe er die Rechnung ohne den Wirth gemacht, vielleicht werde da- Centrum eine Interpellation über den Stand der Angelegenheit einbringen. Zürich, 13. December. Der hiesige Polizeihauptmann Fischer wurde wegen widerrechtlicher Einsperrung einer Person verhaftet und fein Bureau amtlich geschloffen. Die Angelegenheit erregt in der ganzen Schweiz großes Aufsehen. Fischer machte wegen der im Jahre 1888 an deutsche Social- demokraten gemachten Enthüllungen über Polizeispione viel von sich reden. Budapest, 13. December. In Dada wollten gestern sechs Personen in einem Boote über die Theiß setzen. Inmitten des Stromes wurden sie vom Sturme überrascht, der Kahn schlug um und alle sechs Personen ertranken. ! Rom, 13. December. Dem Militärmagaziu in Neapel I wurde befohlen, für 6000 Mann sofort die feldmäßige Ausrüstung fertigzustellen. Riga, 13. December. Der Pastor Eugen v. Mickwitz wurde von dem Fclliner Gericht zur Entfernung aus dem Amte verurtheilt, weil er ein Kind aus gemischter Ehe getauft hatte. Durch kaiserliche Verfügung ist dieses Unheil indeß wieder aufgehoben worden und der Pastor verbleibt in seinem Amte. Athen, 13. December. In Nord- und Mittelgriechen' land find in der letzten Woche zahlreiche Erdstöße verspürt worden. verurtheilt wurde, ist nach Verbüßung eines Jahres der Strafe vom Grohherzog begnadigt worden. •* Prof. Dr. Weiffenbach. Welch hoher Verehrung und allgemeiner Be tebtheit sich Herr Prof. Or.Ferdinand Weiffrnbach in hiesigen Kreisen erfreute, zeigte sich vorgestern bei deffen Begräbniß. Hinter dem mit Kränzen reichqeschmückten Trauerwagen bewegte sich ein stattlicher Leichenzug. Den I leidtragenden Verwandten schloß sich die Burschenschaft Alemannia, deren Ehrenmitglied der Heimgegangene war, mit ihren von nah und fern in großer Zahl erschienenen alten Herren an. Sodann folgten die Burschenschaft Germania, der Verband alter Burschen'chafter in Gießen und Umgegend, daS Lehrercollegium des hiesigen GvmnasiuwS, der Vorstand deS natiosalliberalen Verein- zu Gießen und der Verein akademisch gebildeter Lehrer. Nach der ergreifenden Rede des Herrn Pfarrer Schlosser, der die vielseitige, segensreiche Thätigkeit des verstorbenen in treffenden Wonen hervorhob, legten der Director des Gymnasiums, sowie die Vertreter I obengenannter Corporationen und Vereine prachtvolle Kränze I am Grabe nieder. In ihren Ansprachen gedachten Alle deS Heimgegangenen als eines hochachtbaren, biederen Mannes, der auf jedem Gebiete seines W.rkmS voll und ganz seine I Aufgabe erfüllte. O Zu Rudolf Leuckardts goldnem Dottorjubiläu«. Der hochbeiagte, aber noch jugendlich kräftige Ordinarius für Zoologie und Zootomie und Director des Zoologischen Instituts und Museums an der Leipziger Universität, Geh. Hofrath Professor Dr. Leuckart, der am 13. December die I 50. Wiederkehr des Tages seiner Doctorpromotion beging, die an der Göttinger Hochschule s. Zt. stattfand, gilt nicht nur als I einer der hellsten Sterne der Leipziger alma mater; als bahnbrechender Forscher auf allen, von ihm harmonisch in Be- ziehnng gesetzten und umfaßten Gebieten der Zoologie, genießt I er schon seit Jahren einen wohlverdienten Weltruf, wie auch I unter die großen Menge feiner von ihm vielseitig und nachhaltig angeregten Schüler zahlreiche, zum Tbetl hervorragende . Ausländer gebären. Mit dem ganz erstaunlichen Ausschwung, welchen die Naturwissenschaft, speciell die Zoologie in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts genommen, ist sein Name für immer verbunden. Bon ihm kann man thatsächlich sagen, daß er die so weitverzweigte DiSciplin der Thierkunde wirklich beherrscht, denn zu keiner Zeit hat er — eine seltene Ausnahme — über die Detailstudien den Blick auf daS große | Ganze verloren. Die tiefe Innerlichkeit der Anschauung, welche am einzelnen Object niemals nur die vereinzelte anatomische Thatsache, niemals die isolirte Erscheinung darstellt I und festhält, sondern stets die reichen Beziehungen zur gelammten Organisation, ihre Entwickelung während des Lebens, ihre Abhängigkeit von der umgebenden Natur gleichzeitig im Auge hat, stempelt Leuckardt zu einem der ersten Meister der Biologie. Die bei weitem meisten seiner Forschungen gelten I der Erforschung des Baues und des Werdens, der ana- tomifch physiologischen Analyse, namentlich der niederen Thierwelt, wie denn schon die heutige Eintheilung derselben aus I ihn zurückzuführen ist. Auf dem verwickelten Gebiete der Fortpflanzungserscheinungen, die jetzt wieder im Vordergründe des naturwissen'chaftlichen Interesses stehen, hat er frühzeitig Klarheit geschossen und vielfach umgestaltend gewirkt. Die I L hre vom PolymorphiSmuS ist Leuckardts Eigenthum, indem er nachwieS, daß z. B. bei gewissen Quallen, die völlig den I Eindruck von Organen eines EtnzelthiereS machenden Nährund Fuhlthiere, Magenschläuche und Schwimmglocken, als I besondere Individuen zu betrachten sind. In diesem Betracht I ist er auch wesentlich betheiligt an der Aufklärung über die wunderbaren Zeugungsverhältnisse der Honigbeeren. Bor allem aber hat Leuckardt auf dem Gebiete der menschlichen I Eingeweidewürmer und Parasiten neue Prospect onen von I allergrößter Bedeutung, auch für da» practische Leben, eröffnet, ja er hat hier ganz neue Grundlagen geschaffen. Als der Gelehrte 1863 den ersten Band seines epochemachenden Werkes „Die menschlichen Parasiten und die von ihnen her- I rührenden Krankheiten^ herauSgab, wußte man von diesen Schmarotzern noch außerordenllich wenig, heute, nach LeuckardtS I wissenschaftlicher Lebensarbeit auf diesem Fe de, gehört die Lehre von den Parasiten zu den wichtigsten Theilen der Biologie, deren Kenntniß kein Mediciner mehr entrathen kann, denn I sie ist eS, die auf die Ursachen gerade der schwersten und I gefährlichsten Krankheiten unerwartete» Licht verbreitet und für die Verhütung und Bekämpfung derselben die Mittel an die Hand gegeben hat. Ueber die Naturgeschichte und die I Lebensbedingungen des BlafenwurmeS und deS Bandwurmes haben Leuckardts mühevolle Beobachtungen und Experimente gründlichst orientirt, mit Virchow hat er die Natur der Trichine aufgehellt und mit allen diesen Forschungen auch vielfach der socialen Hygiene die wesentlichsten Dienste ge- leistet, man braucht bloß an unsere modernen Schlachthäuser, I die Fleischbeschau, die Versorgung der Großstädte mit bacillen- I freiem Triokwaffer und die Unschädlichmachung der städtischen Abwasser zu denken. 22. Mittelrheinisches Kreilturnfest In der am ver- floffenen DienStag abgehaltenen Schlutzfitzung deS Bau- I unö AuSfchmückungS-Ausschusses erstattete der Bor- I sitzende eingehenden Bericht über den Abschluß der Rechnung I tu Einnahme und Ausgabe, und wie- zugleich nach, daß in I Folge der Ueberlaffung der Festbauten an die Landwirth- I fchaftliche Ausstellung ein früherer Rechnungsabschluß nicht I möglich gewesen ist. Der ursprüngliche Voranschlag de» Bau-AusschusseS zeigte in Ausgabe die Summe von 28 500 Mk. Dieselbe wurde vom geschäftsführenden Ausschuß auf 25,000Mk. herabgesetzt, später aber wegen Errichtung einer Vorturner- tribttne rc. auf 26,000 Mk. erhöht- zugleich wurden, um den Hauptvoranschlag in'ö Gleichgewicht zu bringen, 4000 Mk. für Bermiethung der Halle rc. in Einnahme gestellt. Die Schlußrechnung zeigt an Ausgaben inSgesammt 31,114.33 Mk. und an Einnahmen 4997,03 Mk. Die lediglich auf daS Turnfest bezüglichen Ausgaben stellen sich auf 28,784.06 Mk. ' WB. Rot», 14. December. Cardinal Melchers ist heute früh gestorben. Stockheim, 5. December. Bei der am 1. December stattgehabten VolkSzähl ring fanden sich auf einigen Zählkarten folgende scherzhafte Eintragungen vor. Z. B. auf einer Zählkarte für ein Kind von ungefähr 9 Monaten unter der Rubrik „genaue Bezeichnung deS Hauptberufes" Schreier. Auf einer anderen Zählkarte für eine ledige Weibsperson im vorgerückten Alter, unter derselben Rubrik, Mamsell. CocaU* tmfc provinzieller. Gießen, 14. December 1895. Parlamentarisches. Die Zweite Kammer der Land- stände des GroßherzogthumS tritt, wie die „N. Hess. Bolksbl." aus sicherer Quelle vernehmen, in der zweiten Hälfte deS Monats Januar 1896 zu einer Session und im März zur letzten Sitzung zusammen. Am 31. März künftigen Jahres ist die gesetzmäßige Dauer des 29. Landtags abgelaufen und scheiden dann folgende Herren aus, für welche Neuwahlen stattzufinden haben: I. Abgeordnete der Städte. 1) Otto Wolfskchl, Bankier zu Darmstadt - 2) Arnold Berg- sträßer, Hofbuchhändler zu Darmstadt, beide für den Wahl bezirk Darmstadt. 3) Franz Jöst, Holzschneider zu Mainz - 4) Carl Ulrich, Buchdruckerei Besitzer zu Offenbach, beide für den Wahlbezirk Mainz. 5) August Metz, Rechtsanwalt zu Gießen, für den Wahlbezirk Gießen. 6) Dr. Hermann Weber, Justizrath zu Offenbach, für den Wahlbezirk Offenbach. 7) Hermann Jöckel, Justizrath zu Friedberg, für den Wahlbezirk Friedberg. 8) Carl Gundrum, Gastwirth zu Alsfeld, für den Wahlbezirk Alsfeld. 9) Nikolaus Rein- Hardt, Fabrikant zu Worms, für den Wahlbezirk Worms. 10) Jakob Pcnnrich, Redacteur zu Bingen, für den Wahlbezirk zu Bingen. II. Abgeordnete der übrigen Wahlbezirke. Provinz Starkenburg: 11) Aug. Mühlberger, Privatier zu Darmstadt, für den 2. Wahlbezirk. 12) Dr. August Heidenreich, Director de» Verbandes der hessischen landwirthschaftlichm Consumvereine zu Darmstadt, für den 4. Wahlbezirk. 13) Georg Schönberger, Bier- brauerei-Besitzer zu Groß Bieberau, für dm 6. Wahlbezirk. 14) Jakob Lautz, Sparkafferrechner zu Groß Umstadt, für den 7. Wahlbezirk. 15) Ignatz Metz I., Rechtsanwalt zu Darmstadt, für den 9. Wahlbezirk. 16) Carl Hechler, RegierungS- rath zu Darmstadt, für den 13. Wahlbezirk. 17) Philipp Müller, Gastwirth zu Darmstadt, für den 16. Wahlbezirk. Provinz Oberhessen: 18) Dr. Emil Bogt, Apotheker zu Butzbach, für dm 3. Wahlbezirk. 19) Carl Theodor Schön- feld, Kreisrath zu Schotten, für den 6. Wahlbezirk. 20) Otto Z nßer, Bürgermeister zu Schlitz, für dm 9. Wahl- bezirk. 21) Christoph Muth, Bürgermeister zu Salz, für dm 10. Wahlbezirk. 22) Wilhelm Sturmfels, Gutsbesitzer zu Nidda, für den 11. Wahlbezirk. Provinz Rheinhessen: 23. Johannes Albert Möllinger, Gutsbesitzer zu Pfeddersheim, für dm 1. Wahlbezirk. 24) Dr. jur. Bernhard Schröder zu Darmstadt, für den 6. Wahlbezirk. 25) Oskar Lichtenstein, Gutsbesitzer auf dem Wludhäufer Hof in Rhein- Hessen, für den 9. Wahlbezirk. e* U»iverfiiat«feier. Am 18. Januar k. I. feiert, wie nunmehr festftehi, unsere Hochschule den 25 jährigen Tag der Wiederkehr der Errichtung deS deutschen Reiches am Bor- mittag durch einen FestactuS in der Aula. Für dm Abend ist ein CommerS vorgesehen. ** Begnadigung. Der Studiosus Seibert von Wetzlar, welcher im December 1894 vom Schwurgericht der VerurlschtOS» ♦ Keine Bestie kann so grau'am sein als der Mensch. Ma» lese nur, wie mau tu Italien die Lockvögel für unsere armen Singvögel zurichret. Man sticht ihnen die Augen aut und stellt sie in den Keller. Dort frieren sie den Sommer über. Damit regt man ihre Phantasie erfolg- reich au. Sie sollen nämlich denken, eS fei Winter. Wenn dann im Herbst die Zugvögel kommen, nimmt man die Blinden heraus und stellt sie in die Sonne. Die plötzlich auf sie niederströmende Wärme erweckt in ihnen Frühlings« sehnsucht und sie jubeln auf. DaS ist der Augenblick, in dem die Gefährten Herbrieilen, und nun beginnt das Gemetzel um die ahnungslosen Blinden, deren Frühlingswahn tausenden ihrer Brüder daS Leben kostet. * Die «eugstliche. Fräulein: „Ach, Carl, nimm das Hufeisen nicht auf!" — Herr: „Amanda, ich hebe alles auf, waS nur irgendwie von Werth ist." — Fräulein (rasch): „Tag' mal, unsere Verlobung wirst Du hoffentlich nicht aufheben!" Brodpreise vom 15. December bis 29. December 1895. Der hiestger, Bäcker. 1 Kg. (2 Pfd.) Tafelbrod......25 Pfg. 2 Kg. (4 Pfd.) Taielbrod......50 , 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod......23 , 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod......46 , 1 Kg. (2 Pfd.) Schwär,brod......21 , Roggen-Schwarzbrod bet Ernst Muth ... 20 „ 2 Kg. (4 Pid.) Schwarzbrot)......42 „ Roggen-Schwarzdrvb bei Ernst Muth u. W. Amend . 40 „ 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod......63 , Der auswärtige« Bäcker. 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod bei Wilh. Fabel von Wieseck Aug. Detbel v. Wtrfeck 23 Pfg. 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod bei Gg.Ant. Heuser von Gr.-Linden LouiS Schmidt v.Gr.-Linden 40 „ Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod bei Gg. Ant. Heuser o.Gr.-Lindm L Schmidt voa Gr.^Ltndm W. Weitz-l von Lang-GönS 38 „ W.St^tnmüller v. Lang-Göns Joh. Kd. Belte v. Kirch-Göns 40 „ G. Jacoby v. Alten-Buseck 42 „ Au«. Deibel von Wiestck Wilh. Fabel von Wieseck, 46 „ Z Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod bet G. Jacoby v. Alren-Buseck, Aug. Deibel von Wt-seck, W. Fabel von Wieseck, Balth. Christ Wwe. v. Wieseck 68 „ Der »rodverkäufer. Dieselben Preise wie bei dm htefigm Bäckern. Gießen, den 14. December 1895. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. I. E.: v. Bechtold, Regierungs-Affessor. Gteßm. Ghefchließuttge«. December: 7. Anton Eduard Dahlgaard, Tabakspinner dahier, und Helene Rang hier selbst. 12 Cbrtstian Wagner, Wirth dahier, mit Ana Ftllmann hterselbst. 13. Theodor Philipp Klös, Jnstituts- diener dahier, mit Margarethe Katharine Elisabeth Sann Hierselbst. November: 30. Dem Schuhmacher Andreas Hofmann eine Tochter Martha. December: 3. Dem Gendarm Bernhardt Heinrich ein Sohn, Friedrich Wilhelm. 6. Dem Schneider Heinrich Ludwig Steinbrecher ein Sohn. 7. Dem Großh. Brandverficherungs-Jnspector Friedrich Zimmer ein Sohn. 8. Dem Lacktrer Louis Rinn etn Sohn, Louis Karl. 9. Dem Taglöhner Johannes Graf ein Sohn. 9. Dem Maschinist Georg Jahn ein Sohn. •eftotten«. December: 6. Lina Pfarr, 29 Jahre alt, von Wisielsheim. 6. Konrad Naumann, 35 Jahre alt, Fuhrknecht dahier. 7. Friedrich Carl Louis Maria Willy Gonter, 6 Monate alt, Sohn von Regt- mentsschnetder Valentin Gonter dahier. 8. Adolf Gäbe, 34 Jahre alt, Posthilfsbote dahier. 9 Emilie Pflug, geb. Knielina, 59 Jahre alt, Ehe'rau von Profesior Dr. Georg Pflug dahier. 10. Professor Dr. Ferdinand We'ffmbach, 55 Jahre alt, Gymnasiallehrer dahier. 12. Hugo Lüttrtnghaus, 20 Jahre alt, Fabrikarbeiter zu Lüdenscheid. Schiff-nachrichten» Rorddextscher Lloyd, in Gießm vertretm durch die Agenten Carl LooS und I. M. Schulhof. Bremen, 13. December. sPer transatlantischm Telegraph.) Der Schnelldampfer Aller, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Sternen, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Musiug au» den Standc»aint»registern der Stadt Gieße«. December' 7. Karl WUHelm Nowack, Kaufmann dahier, mit Emma Maria Emilie Schmidt zu Kiel. 9. Johann Karl August Roichlau, Vicefeldwebel dahier, mit Anna Karoltne Harretz zu Ober- lind. 12. Wilhelm Weingä'tner, Buchhalter dahier, mit Suianna Clara Stbylla Margarethe Clementine Klappstein zu Frankfurt a.M. 12 Georg Peter Dahmer, Spengler dahier, mit Anna Maria Tröller zu Merlau. 13. Johann Dinges, Sergeant zu Kastel, mit Anna Margarethe Wilhelmine Henriette Katharine Marte Schmitt zu Auszug aus den Airehen-üchern der Stadt Gieße«. Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäusgemeinde. Den 7. December. Anton Eduard Dahlgaard, Tabakspinner zu Gießen, und Helene Rang, Tochter des verstorbenen Tucharbeiters Johann Georg Rang zu G'ehen. Den 12. December. Christian Wagner, Wirth zu Gießen, und Lina Ftllmann, Tochter des verstorbenen Glasermeisters Wilhelm Ftllmann zu Gießen. Markusgemeinde. Den 8. December. Johannes Schneider, Arbeiter zu Gießen, und Katharine Wagner, Tochter des Knecht Kaspar Wagner. Denselben. Johann Ludwig Appel, Schuhmacher zu Gießen, und Elisabeth Heidelbach, Tochter des verstorbenen Taglöhners Christoph Heidelbach zu AlSfeld. GataaTta. Matthäusgemeinde. Dm 7. December. Dem Tabaksptnner Anton Eduard Dahlgaard ein Sohn, Ernst Georg Hanntbal, geboren den 4. August. Dm 8. December. Dem Bierbrauer Franz Günther eine Tochter, Franziska Georgine, geboren den 2. November. Markusgemeinde. Den 8. December. Dem Zahntechniker Hermann Frech eine Tochter, Marie Wilhelmine Lina, geboren dm 13. September. Denselben. Dem Kaufmann Ernst Wiegel^ann ein Sohn, Ernst Heinrich Emil Joseph, geboren den 20. September. Lukasgemeinde. pg ' Dm 8. December. Dem Locowotiofübrer Otto Ploch lern Sohn, Hugo Otto Rudolf, geboren den 8. October. Dm 9. December. Dem Kaufmann F''tz Nowack etn Sohn, Hans Carl Friedrich Wilhelm, geboren den'27. September. Militärgemeinde. , _ , Den 8. December. Dem Feldwebel Georg Ritz ein Sohn, Karl Martin, geboren dm 10 November. Vaaadigta. Matthäusgemeinde. Dm 12. December. Professor Dr. Ferdinand Weiffmbach, Gymnasiallehrer, 55 Jahre alt, starb dm 10. December. Markusgemeinde. Dm 10. December. Adolph Gäbe, Posthilfsbote, 34 Jahre alt, starb den 8. December. Lukasgemeinde. . . P Den 11. December. Emilie Pflug, geb. Knieling, Ehefrau Univerfitätsprofeffors Dr. Georg Pflug, alt 59 Jahre, starb den 9. December. ______________________ Witterungsbericht vom 13. December. Die gestern im Nordwesten gelegene Depression hat fick wieder etwas ostwärts vorgeschoben, ist aber zugleich bei w^terer Zunahme ihrer Tiefe enorm rafch in südwestlicher Richtung über die Nordsee und Nordwest-Deutschland weit in dm Eontinent hereingedrungw. Auf unserem Gebiet ist das Barometer seit 14 Stunden um M b« 23 Mm. gefallen. Es bestehen daher wieder ziemlich erhebliche Luftdruck-Unterschiede. An den Hochstationen herrscht Sturm und in den nördlichen Gebietsteilen habm die Winde beträchtlich aufgefrischt. Dor'selbft ist das Wetter auch allenthalben trübe und sind namentlich im Westen starke Niederschläge gefallen. Die Temperaturm haben zugmommen. Bora«»stchUiOs tBittmmat Trübes, aber zun ächst noch mildes Wetter mit zeitweism Niederlchlägm und neuerdings Abkühlung. Verkehr, Land- Mit» Vott-wirthschaft. Gieße«, 14. December. Marktbericht. Auf dem heutig« Wochmmarkt kostete: Butter pr. Pfd. A 0,80—95,00, Hühnnekr pr. Sl. 7-9 H, 2 St. 00 H, Enteneier pr. St 00 A ©Safe» eter pr. St. 00—00.5), Käse pr. St. 4-8 -Ä, Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 18 Linsen pr. Liter 28 Tauben pr. Pa« JL 0,70 bis 0,80, Hühner pr. Stück 1,00 bis 1,20, Hahnen pr.Slück JL 0,75-1,00, Entm pr. Stück X 1,60-2.00, Gänse pr. Pfund X 0 44—0,54, Ochsenfleisch pr. Pfd. 72-76 H, Kuh- und Rindfleisch rr. Pfd. 66-68 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 56 bis 68 Schweineftetsch, gefallen, pr. Pfd. 72 4, Kalbfleisch pr- Md 60-64 H Hammelfleisch pr. Pfd. 60-70 H, Kartoffeln pr. 100 KUo <50 b» 0,00 Jt, Weißkraut pr. Stück 8-16 H, Zwiebeln pr. Cmtuer JL 3,00-4,00, Milch pr. Liter 16-20 H Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Montag, 2».Deeemberl8S5, Vormittags 9^2 Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, in den Districten Haingesboden und Zoll« stockswäldchen versteigert werden: 36 Fichtenstämme mit 17,08 Festm. 181 Fichtenstangen mit 26,36 „ 138 Rmtr. Eichen-Scheitholz 196 „ Eichen-Knüppelholz 9 „ Nadel Knüppelholz 85 „ EicheN'Stockholz 30 „ Nadel-Stockholz 3960 Wellen Eichen-Reisig 4140 „ Nadel-Reisig. Das Stamm- und Stangenholz ist sämmtlich im District Haingesboden und kommt am Vormittag zum Verkauf. — Die Zusammenkunft ist auf der Grünbergerstraße an der Happelswiese. 10442 Gießen, 14. December 1895. Großh. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Ein Posten zurückgesetzter 10444 ♦ Puppen ♦ und Spiel-Waaren unter Preis. Moritz Gregori 4 Soho. Backzuthaten Wr Eonsect- und K«chenback ,y1S 4 60 5 20 Fahrpreis 10 Pg.) (Abonnement billiger Der OesammtAuflage der heutige» Nummer liegt eine (Extrabeilage der Firma Julius Bach dahier, b-tr. „Weihnachts-Prospekt", bei. 9925 F. 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