Rr. 138 Zweites Blatt. Samstag de» 15. Ium 1898 Der chkeßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montag». Die Gießener I.mtktenSrätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt. Gießener Anzeig er Heneral-Wnzeiger. Vierteljähriger Lvounemcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Kr.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblutt für den Ttreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. chralisöeikage: Hieß euer Jamitienökätter. Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. BelaMtmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Grebenhain, Kreis Lauterbach. Ueber die Gemarkung Grebenhain, Kreis Lauterbach, Ist, nachdem die rubricirte Seuche dorten eine große Ausdehnung genommen hat, die Gemarkungssperre verhängt worden. Gießen, den 11. Juni 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Schlußbericht über die vierte Versammlung der Lmldesgruppe Deutsches Reich der Jnteruationalen kriminalistischen Vereinigung zu Gießen vom 5., 6. und 7. Zum 1895. Nachdem wir in zwei eingehenden Referaten unseren Lesern den wesentlichen Verlauf der zweitägigen Beratungen rnitgetheilt haben, sei uns zu einer kritischen Schluß- betrachtung nochmals das Wort verstattet. Freilich, ganz frei von Kritik waren auch unsere bisherigen Berichte nicht - wie ginge dies auch an, da wir doch über vtelstündtge Be> rathung auf knappem Raume nur berichten konnten) gerade die Knappheit aber birgt die Gefahr in sich, daß ein falscher Eindruck hervorgerufen werde. Zur möglichsten Klärung der Sachlage sollen die nachfolgenden Zeilen dienen. Was den allgemeinen Werth solcher Versammlungen, wie hier stattgehabt, in wiffenschaftlicher, theoretischer wie practischer Hinsicht anlangt, so haben uns die zahlreichen Kongresse aller Art belehrt, daß dieser Werth ei» sehr gering zu veranschlagender ist,- es ist dies ja such gar nicht zu verwundern- denn wie dürste man selbst von Berathungen, die einige Tage dauern, mehr erwarten, als von der etndrtngenden Arbeit vieler Wochen, Monate und Jahre. Eö ist also ein geradezu unbilliges Verlangen, von derartigen Congreffen Großes zu erwarten. Wenn man nun gleichwohl Erfolge sehen will, solche anstrebt und trotz aller Erfahrungen, derartige Versammlungen nicht entbehren zu können glaubt, so dürste der Grund hierfür auf dem Boden politischer Erwägungen zu suchen sein. Die stille, eindringende Arbeit des Gelehrten oder des PraetikerS eingehende Thätigkeit, nimmt den ganzen Mann in Anspruch - und gerade der Tüchtigste ist nicht in der Lage, seinen Einfluß in weite Kreise zu tragen, da es ihm hierzu durchaus an Zeit gebricht. Hingegen bilden Congreffe und öffentliche Versammlungen, wofern sie sich das erreichbare Ziel von vornherein klar vor Augen stellen, ein vortreffliches Mittel dafür, die Ergebnisse ungestörter ernster Arbeit in weitere Kreise zu tragen. Man muß sich nur der Schwierigkeiten klar bewußt sein, und darf eS, wofern man die alten Fehler nicht verhindert, dem ernstlichen Arbeiter nicht verübeln, wenn er solche Versammlungen nicht besucht. Wie viele hat Verfaffer dieses nicht in den vergangenen Tagen gesprochen, die spöttisch und ernstlich über den Werth solcher Congreffe gertng- sch ätzend aburtheilten, wie viele, die nur aus Neben - rücksichten die Versammlungen besuchten? ES muß hier gesagt werden, auch die verfloffene Tagung hat die alten Fehler gezeigt. Man hat auch hier wiederum eine Tagesordnung vor der Oeffentlichkeit berathen, die nicht reis hierzu und viel zu gewichtig war, um inwenigen Stunden durchgesprochen, discuttrt und zu knappen Beschlüssen verarbeitet werden zu können, ganz zu geschweigen von dem unbefriedigenden Ein- druck für das größere, vorher nicht unterrichtete Publikum. Es ist der alte Fehler, der Fluch, der darauf lastet, daß man häufig glaubt, man könne ohne Schweiß und Mühe, ohne ganz ernstliche Arbeit Gutes leisten, der Fluch der Bequemlichkeit- Hundert- und tausendmal glauben wir einen Richtweg einzuschlagen, der uns schneller zum Ziele führt, und immer wieder müssen wir gewahren, daß es ein Umweg war. Wann werden wir endlich daraus lernen? Drei gewichtige Fragen standen auf der Tagesordnung: 1) Erscheinen die Bestimmungen des R.-Str.-Gb. über die correctionelle Nachhaft reformbedürftig? 2) Jndivi^dualftatisttk wiederholt vorbestrafter Personen als Vorbereitung einer allgemeinen Rückfallstatistik. 3) Das bei einer Revision des Retchsftrafgesetzbuchs zu Grunde ' zu legende Strafensystem. Welch unendliche Stofffülle rirgt vor allem das dritte Thema in sich! Wie geeignet wäre gerade es gewesen, ein aus so verschiedenen Zweigen der Wissenschaft zusammengesetztes Publikum zu fesseln, sofern seine Behandlung nur innig vorbereitet war! Statt dessen gelangten just nur die ersten beiden Fragen zur Verhandlung. Und wie unvollständig, wie lückenhaft und systemlos war nicht vieles des Vorgebrachten? Wir wollen nicht vergessen, daß infolge einer Reihe von Zufällen nahezu sämmt- liche Herren Referenten, die ursprünglich vorgesehen waren, in Wegfall kamen- war doch Dr. von Engelberg der allein Uebriggebliebene! Die anderen Herren waren erst kurz vor der Tagung mit ihren Aufgaben betraut worden und kamen nun in die Lage, in knapp bemessener Zeit so umfassende Themata zu behandeln. Wie peinigend war nicht oft die Empfindung, daß der Redner durchaus nicht zum Schluß gelangen konnte? Andrerseits haben wir Treffliches zu hören bekommen. Aber man erspare doch in Zukunft solche ungleiche Leistungen der Oeffentlichkeit- man darf sich vor allem nicht erlauben, einem großen nicht vorbereiteten Publikum gegenüber fortwährend auf Schriften zu verweisen, die man ihm nicht als durchaus bekannt voraussetzen darf. Wir kommen mit unseren formalen Ausstellungen zum Schluß und indem wir nochmals betonen, daß vor die Oeffentlichkeit seitens einer einheitlich gestalteten Vereinigung nur wohlvorbereitete Referate gebracht werden dürfen, daß eine unter lauter Zufälligkeiten erfolgte Zusammensetzung einer Versammlung nichts weniger als geeignet ist, in wissenschaftlichen Dingen Beschlüsse zu fassen, daß für wichtige Fragen überhaupt eine Beschlußfassung nach wenigen Stunden der DtScusfion ein Unding ist — hiernach erlauben wir unS für die Zukunft den wohl- gemeinten Vorschlag: „Auf Grund eingehender interner Berathungen und Discussionen geeignete Gegenstände im Sinne der im Schoße der Vereinigungen stattgehabten Beschlußfassungen öffentlich durch einen dazu bestimmten Herrn behandeln zu lassen, wobei man ev. noch einen Corre.ferenten zulassen mag. JmUebrigen diene eine solche mehrtägige Zusammenkunft dazu, sich persönlich näher zu treten und miteinander ganz unter sich über die durch die stattgehabten Vorträge erhaltenen Anregungen u. s. w. zu verhandelnd Man wird dann selbst wett mehr befriedigt sein, in der Oeffentlichkeit weit mehr erreichen und keine Ansprüche wachrufen, die nachher nicht in Erfüllung gehen können. Freilich muß Eines noch gefordert werden: Die Vorträge müssen wohlabgerundet, umfassend sein und müssen jede Einseitigkeit! durchaus vermeiden. Hiermit kommen wir zu dem Inhalt, den diese nicht formvollendete Versammlung ihren Theifi- nehmern geboten hat. Auch er entsprach nicht der soeben erhobenen Anforderung, wenngleich in Einigem dieselbe erfüllt wurde. Eine hervorragende Stelle verdient zunächst der am zweiten Tage gehaltene Vortrag des Herrn Dr. Leppmann, Psychiater und Anstaltsarzt zu Moabit (Berlin). Nichts von Einseitigkeit, nichts hätte man vermissen mögen, nichts fehfite, wenngleich man gerne noch länger den interessanten Ausführungen gefolgt wäre. An der Hand der vom preußischen Ministerium des Innern veranstalteten Statistik vom 1. October 1894 mittelst Zählkarten für rückfällige Zuchthausgefangene ging der Vortragende alle Anforderungen durch, die man an eine derartige Statistik stellen müßte. Nach Feststellung des Namens, der Geburt (insbesondere ob ehelich oder unehelich), des Ortes seines Herkommens, sei vor Allem der Beruf des betreffenden Sträflings, die gehörige Vorbildung, Schulreife, dto. der Eltern (Stiefeltern) festzustellen, ferner seine Dienststellungen, seine Vermögensverhältnisse, die Vorstrafen, seine verschiedenen Wohnorte, die Zahl der Geschwister, seiner Kinder, seine Leidenschaften, Krankheiten usw. Erst au Grund aller dieser objectiv feststellbaren Thatsachen aus dem Leben des Individuums fei ein Schluß auf die Ursache des objectiv feststehenden Rückfalls zu ziehen. Auf Grund dessen vermöge dann die Beamten-Conferenz (nicht: der Beamte Koscherung, wie es im Referat heißt) ein Urtheil darüber zu fällen, ob und aus welchen Gründen der Betreffende wieder rückfällig werden würde! Wahrlich, bei ehrlicher, voruvtheilslosec Betrachtung dürfte ein ganz erheblicher Procentsatz der Rückfälligen in die Gruppe derer gehören, die in mißlicher bedrängter Lebenslage nicht stark genug sind, der sich darbietenden Gelegenheit, in unrechtmäßiger Weise sich in eine bessere Lage zu bringen, Trotz zu bieten, die mehr auS Schwachheit das Recht brechen. Gewiß können wir vom politischen Standpunkte auch hnen gegenüber der Strafe nicht ganz entbehren, aber ganz anders sollten sie doch behandelt werden, als die Parasiten der Gesellschaft, seien sie reiche oder arme arbeitsscheue Lumpen, anders wieder als jene Leichtsinnigen, gegen die eö nur einer gründlichen Abschreckung bedarf, um ihren Leichtsinn zu curiren, die nach einigen Strafen, wie der Berliner sagt, die Nase voll haben! Nie möge die Strafjustiz sich von „Gedankengymnastik" beherrschen lassen- sie muß voll und ganz mit dem Leben verwachsen sein. Bravo! Bravo! (Schluß folgt.) Lauter (Kreis Gießen), 11. Juni. Einen schönen Erfolg hat der Zuchtviehhof für Vogelsberger Vieh, der auf der Bingmühle bet Lauter besieht, auf der vom 6. bis 10. Juni zu Köln stattgehabten LandwirthschaftS-Ausstellung erzielt. Es wurden ihm sechs erste, vier zweite und ein dritter Preis zuerkannt. Hierunter befindet sich auch der erste Zugpreis, mit dem er auch schon früher auf der Magdeburger Ausstellung ausgezeichnet wurde. ES ist dies gewiß ein Zeichen der hervorragenden Eigenschaften des Vogelsberger VieheS, wie auch von der Sorgfalt, welche Herr Zimmer auf die Viehzucht verwendet. Därmft. Ztg. Ettingshausen, 9. Juni. Gestern Nachmittag V24 Uhr war ein 26 Jahre alter Bursche von Harbach mit dem Abschürfen von Erde in dem hiesigen Steinbruch beschäftigt, bei welcher Arbeit er jedenfalls das Gleichgewicht verlor und in den Steinbruch abstürzte. Ein kleiner Bube, welcher ihn auffand, glaubte, da er den Abgestürzten in sitzender Stellung fand, derselbe sei etngeschlafen. In den Schlaf war der Verunglückte freilich gesunken, leider jedoch, da er das Genick gebrochen, in den Schlaf, aus welchem es kein Erwachen giebt. Villingeu, 9. Juni. In vergangener Woche gerieth unweit Ruppertsburg ein von der chemischen Fabrik FriedrichShütte nach der hiesigen Station gehender Waggon Holzkohlen in Brand, obwohl derselbe schon drei Tage lang beladen in FriedrichShütte gestanden hatte. Die Ruppertsburger Pfltchtfeuerwehr, die die sofortige Bekanntmachung deS Vorgangs durch die Ortsschelle nicht als „vorschriftsmäßig" aufgefaßt hatte, — Hornsignale konnten unmöglich gegeben werden, da die Stgnalisten zur Zeit aus der entferntgelegenen Fabrik als Arbeiter beschäftigt waren — traf etwas verspätet ein- andere Umstände derselben verhindern ein rasches, sicheres Eingreifen, und so verbrannte nicht allein der Inhalt, sondern auch der ganze Waggon ging bis auf ein Rest vom Räderwerk vollständig in Flammen auf. R. Rodenbach i. d. W., 12. Juni. Die Frühkirschen- ernte hat bei uns begonnen und obwohl sie bei Weitem nicht so reich ausfällt, wie im vorigen Jahre, bringt sie den Baumbesitzern doch ein schönes Stück Geld ein. Letzteres ist um so willkommener, als die kleinen Landwirthe um die jetzige Zeit fast keine Einnahmequellen haben, denn „nach Ostern und Pfingsten haben die Bauern am wingsten." Die Frühkirschen, welche im Etnzelkaufe zu 16 bis 18 Pfennigen pro Pfund verkauft werden, gehen zum Theil nach Norddeutschland. Die Spätkirschen, welche sich zum Einmachen eignen, folgen in zwei bis drei Wochen. Die Bäume haben durch die Maikäfer nicht unbedeutend gelitten. Im vorigen Jahre hatten wir Bäume, welche 3 bis 4 Centner Früchte trugen. Da der Preis pro Centner aber nicht über 5 bis 6 Mark ging, war der Ertrag doch kein besonders guter. Mittelerträge mit guten Preisen sind vortheilhafter als Massenerträge bet schlechten Preisen. Das Ernten der Kirschen ist beschwerlich und nicht ohne Gefahr. Die Kirschenernte von Himbach, welches Dorf in unserer Nähe liegt, ist um 2900 Mark an Frankfurter Händler übergegangen. Das Anpflanzen von Kirschbäumen auf geeigneten Lagen in unserer Provinz ist immer noch kein schlechtes Geschäft. V. AuS'dem Vogelsberge, 12. Juni. Die Gräser unserer Vogelsberger'Wald- und Bergwiesen sind sehr nahrhaft und dem Vieh ungemein zuträglich, daher werden die Samen dieser Gräser sehr gesucht und gut bezahlt. Unsere Landsleute wissen aber noch immer keinen rechten Gebrauch davon zu machen. Daher kommt eS, daß auswärtige Händler die Grassamenernte pachten und ein schönes Stück Geld dabei verdienen. Unsere Dorfbewohner verrichten die groben Arbeiten des Einsammelns und Ausklopfens und die auswärtigen Händler verricht»» die Arbeiten des Verkaufens und Versendens, was ein viel größeres Stück Geld einbringt als erstere Arbeit. In den Waldungen von Schotten und Nidda wachsen treffliche Grassämereien, welche an Händler aus Griesheim bei Darmstadt übergegangen sind. Darmstadt, 11. Juni. Der etwa 25 jährige Maurer Valentin Dechert aus Eberstadt badete gestern um 12 Uhr im Woog. Als er ziemlich weit vom Ufer entfernt war, rutschte ihm die Badehose, welche anstatt durch eine Schnur mit einem Lederriemen zusammengehalten wurde, herunter, so daß die Bewegung der Beine gehemmt war. Hierdurch kam der junge Mann zum Sinken und ertrank. Herr Gunder, der sofort mit seinen Leuten in Nachen herbeigeeilt war, konnte ihn nicht mehr retten. Erst um 5 Uhr Nachmittags wurde nach eifrigstem Suchen die Leiche aufgefunden und an das Ufer gebracht, von wo sie sofort nach dem Leichenhause übergeführt wurde. Es waren aufregende Stunden, während welcher die Leiche gesucht wurde. Seit wenigen Tagen ist dies das zweite Opfer, welches der Woog forderte. —■ । 1 - ■ - B Vermischte». *Ms. AoS Oberhefsen, 10. Juni. Man hüte seine Kinder vor den Goldregenblüthen, denn noch immer ist die Giftigkeit diese- Strauches nicht überall bekannt, namentlich auf dem Lande nicht. In dem Städtchen Rauschenberg hat ein kleines Mädchen von dem Goldregenstrauch auf einem Spaziergang gegeffen, worauf sofort die Symptome der Vergiftung auftraten, das Kind wurde steif und kalt und fiel wie gelähmt hin. Sofort angewandte ärztliche Hilfe wendete zwar da- Schlimmste ab, doch liegt das Kind schwer krank darnieder. Wie giftig der Goldregenstrauch ist, geht aus der Thatsache hervor, daß Samen und Rinde Cytisin enthalten, von welchem ein Zehntausendstel Gramm genügt, um einen Hund sofort zu tödten. * „Verirrte Liebe", Schauspiel in drei Acten von Wilhelm Wagner (Bad-Nauheim) hat am 31. Mai im Krhstallpalast-Theater zu Leipzig großen, warmen Beifall gefunden. Der Autor wurde neunmal gerufen. * Der renitente Meuuouit. DerMennonit Tröhnert, der al- Recrut der 9. Compagnie des Kaiser-Alexander- Grenadier-Regimeuts aus religiösen Gründen sich weigerte, Waffen zu tragen, wurde dafür seinerzeit wegen Gehorsamsverweigerung bekanntlich mit zwei Monaten Festungsstrafe belegt, die er in Spandau verbüßt hat. Zum zweiten Male hat das Kriegsgericht den Soldaten, der aus dem Elsaß stammt, zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Dieses Urtheil ist am 27. Mai vom Kaiser bestätigt worden. * Leipzig, 10. Juni. Die Stadt bewilligte 3 Millionen I Mark zum Bau des Elster-Saale-Canals. * München, 9. Juni. Am heurigen Bismarck tag, der ; zugleich der Tag der Aprilscherze ist, hatte ein hiesiger s Hausbesitzer sein HauS überreich mit Flaggen geschmückt. ' Dies und der Tag des 1. April veranlaßte einen Freund, - dem Hausbesitzer durch einen Livreebedienten mündlich die ; Mittheilung machen zu laffen, er werde Nachmittag zum > Minister gebeten, um eine Auszeichnung für seinen Bismarck- : Enthusiasmus zu erhalten- die Kutsche kam, der Hochbeglückte j stieg schwarzbefrackt ein. Die Kutsche fuhr davon, und als sie wieder hielt und ihr Insasse voll Andacht und k Erregung ausftieg, befand er sich vor dem Portal der — I Kreisirrenanstalt. Der Gefoppte stellte Anklage und das ; Schöffengericht verurtheilte den Spaßvogel zu 50 Mark , Geldstrafe. Schiffsnachrichteir. — Der Pofidampfer „Waesland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 11. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen. Aufruf zu Gunsten der durch die Ueberschwemmung im Oberauttsvezirk Balingen betroffenen Unglücklichen, Obdachlosen und Waisen. "7"^'In der Zeit vom 4. bis 7. Juni d. I. ist der OberamtS» ■ bezirk Baliuge« infolge von unerhörten, bis jetzt nie und nirgends , in unserem Vaterland vorgekommenen Ueberschwemmrrrrge« den ; gräßlichsten Verwüstungen ausgesetzt gewesen. Auf weite Strecken • des Bezirks haben die Hochwasser der Eyach- und Schmiecha-Bäche Verheerungen angerichtet, die in ihrer ganzen Furchtbarkeit nicht ge- ; schildert werden können. ' Siebe« Gemeinden des Bezirks sind eine Stätte unermeßlicher } Noth und größten Elends geworden; viele Bewohner dieser Orte « sehen an Stelle ihrer seitherigen Heimath nur noch Trümmerhaufen , und stehen an den Unglücksstätten, an welchen sie seither in Fleiß ; und Arbeitsamkeit ihr Brod verdienen konnten; sie sind ihrer Wohn- > ungen, ihres Viehstandes, ihrer ganzen Habe beraubt worden. ; Auf den Markungen dieser — wie auch fünf weiterer Ge- ' meinden - sind die Feld- und Futter-Erträge der ohnehin armen \ kleinbäuerlichen Bevölkerung theilwetse vernichtet; die Hoffnung auf j eine ergiebige Ernte, welche die Schäden detz Futternothiahres 1893 j ausgleichen sollte, ist zerstört. _ ,, : Groß ist daher die Noth und das Elend dieser vielen Unglück- , lichen, unbeschreiblich der Jammer der schwer Heimgesuchten. t Die reißenden, übermächtigen Wasser haben 46Opfer'an Menschen gefordert und mehrere Waisen und Hinterbliebene zurückgelassen, für welche zu sorgen ist. Gegen 200 Wohnungen und Gebäude sind thetls fortgeschwemmt und zerstört, theils mehr oder weniger beschädigt, sodaß deren Wiederherstellung nahezu unerschwingliche Geldopfer erfordert; und doch sollte den Obdachlosen wieder eine Wohnung und eine WohnungS- Einrichtung, den Haussieren wieder der Stall, den Feld- und Futter-Erzeugniffen wieder die Scheuer, dem armen Bauern wieder das nöthtge Vieh und die Ackergeräthe, den Gewerbetreibenden wieder das Handwerkszeug geschaffen werden. Zwar läßt es unser geliebter König, welcher die Unglücksstätte sofort besucht, und die Herzen, welche verzweifeln wollten, wieder aufgerichtet hat, an landesväterlicher Fürsorge nicht fehlen; zwar läßt die Kgl. Staatsregierung eine ausgiebige Thättgkctt zur Beseitigung der durch die Ueberschwemmungen an öffentlichem und privatem Eigenthum angerichteten Schaden entfalten. Trotzdem ist der Bezirk auf den Gemeinstnn, die Hilfe und Unterstützung unserer deutschen Mttbrüder angewiesen und erheischt die Linderung der Nothlage der vielen Unglücklichen große Mittel, die nur im Wege der Prtvatwohlthätigkeit aufgebracht werden können; denn der entstandene Schaden geht weit über eine Million Mark hinaus. Solch große Noth hat immer und zu allen Zeiten werkthättge Hilfe gefunden. So ergeht de«« a« alle Menschenfreunde vo« «ah und fern der Aufruf, das Elend und die «rmuth ««serer BezirkSbewohner lindern «nd beseitige« zu helfe«. i Gemeinsame Noth erfordert gemeinsame Hilfe; schnelle Hilfe i ist doppelte Hilfe; in schneller Hilfe liegt die Kraft, in die ver- • zweifelnden Herzen Hoffnung, Trost und neuen Lebensmuth zurück, zuführen. Jeder der unterzeichnete« unterhLlt eine Sammelstelle ««d ist gerne und dankbar bereit, Gaben entgege«- zunehmen. Schließlich sei uns die Bemerkung gestattet, daß die eingehenden Gelder möglichst in der Hand des Bezirkshilfscomitös concentrirt werden sollten, damit eine Zersplitterung und ungleichmäßige Der- thetlung vermieden wird und daß der ArbeitstheUung wegen in der Stadt Ebingen ein Hilfscomits gebildet wurde, deffen Einnahmen an die Kasse des BezirkscomitSs fließen und welches daher auch Gaben entgegennimmt. Balingen, den 9. Juni 1895. Das BezirkSHUfSeomite. Der Vorsitzende: Oberamtmann Filfer. Die Mitglieder r Decan Kern. Oberamtsrichter Sieger. Cameralverwalter Lippoth- Oberamtsrath Dr. Hopf. Stadtmarrer Schüz. Stadtschultheitz Eisele. Fabrikant Behr. Fabrikant Martz. Kaufmann Luppold. Oberamtspfleger Roller. Die Expedition des .Gießener Anzeiger" ist gern bereit, milde Gaben in Empfang zu nehmen und dem Htlsscomits zu übermitteln. Dampf-Dresch- U^schinen 1 Mark. 4254 J. Ricker’sehe Buchhdlg 00 G 4856 vorräthig bei Markt 21. Telephon Nr. 46. WSTLÄ Sie ' & W4W" Verkauf in Apotheken und Droguen-Handlungen. am Leben und im Gesang erhalten. Passende Niederlagen gesucht, wo nicht vertreten directer Versandt. to to CD Sittiche etc. Stück 40 Pfg. für Hühner, Tauben, Fasanen etc. Stück 50 Pfg. nnr diese Marke nur diese Marke Wilh. Kohlermann, Neustadt 15. Versuchen Sie gefi iSclnisfezs i JAVA- ) XKAFFEf/ «1? Hs« Schutzmarke „Pfeilring“. in Blechdosen ä 20 und 10 Pf. Der Milbenfänger ist an jed. Käfig, Voliere etc. am Sprungholz leicht anzubringen. Tausende von Vögeln werden durch diese Erfindung jährlich mit und ohne ^elbsfeinleger, Garbenbinder und Ztreh-Llevatoren. Unbedingt meist bevorzugte Maschinen. Kataloge gratis und franco.— j ^.-Kraumn Sir Zündhölzer? B.: Natürlich jeden Tag. für Kanarienvögel und alle Vögel dieser Grösse Stück 25 Pfg., für Amseln, Drosseln, A.: Nun so ktlUfßD Aadewamren zu verleihen, sowie in allen Größen FülHansstWrn! Annahme alter Wollsache« aller Art gegen Lieferung von Kleider-, Unterrock »u. Mantelstoffen,Damentuchen, Buckskins, Strickwolle, Portieren, Schlaf- und Teppichdecken in den neuesten Mustern zu billigen Preisen durch 1202 R.Eichmann,Ballenstedta.Harz leistungsfähigste Firma. Annahmestelle und Musterlager bei: Frl. Minna Leib, Wallthorstr. 22. Unübertroffen! als Schönheitsmittel u. zur Hautpflege, zur Bedeckung von Wunden u. In der Kinderstube Lanolin Tc°“" Lanolin der Lanolinfabrik, Martlnikenfelde bei Berlin. Hochfeinen Gebirgs-Himbeersaft, sowie sämmtliche Mineralwasser in stets frischer Füllung empfehlen 4831 Ä. H. Wallenfels, Marktplatz 21. in der Hirschapothekr, in der Pelikanapotheke u. in der Gugel« UniverfitLtSapothekr, sowie in den Drogerien von Benner «» Ättttnm, von Emil Alschbach, von Otto Schaaf und von A. tu G. Wallenfels. 1539 ARNSBURG Geschichte und Beschreibung des Klosters zugleich Führer durch die Ruine, heraasgegeben von Dr. Saner und Dr. Ebel. Nestle’s Kinder-Nahrung "X enthält die beste Schweizermilch, Nestle’s Kinder-Nahrung Ä ffl ist sehr leicht verdaulich, | Nestle’s Kinder-Nahrung llH verhütet Erbrechen und Diarrhoe, | Nestle’s Kinder-Nahrung Han ist ein diätetisches Heilmittel, Ä Nestle’s Kinder-Nahrung Iffly erleichtert das Entwöhnen, S Nestle’s Kinder-Nahrung Mjlffi wird von den Kindern sehr gern ge- IdKl nommen, ” Nestle’s Kinder-Nahrung ist schnell und leicht zu bereiten. Ist während der heissen Jahreszeit, in der Sensationelle N euheit! 10 Schachteln nnr 10 Pfg. (tadellos). Käuflich bei: 3316 A. LG.Wallenfels, Marktpl.21. 60971 Die aus Vorder- und Hinterhaus bestehende Hofraitbe, Ludwig stratze 12, ist unter äußerst günstigen Zahlungsbedingungen billig |« verkaufe«. Auch würde sich das Object zu einer vortheilhaften Capitalanlage sehr eignen. Näheres durch I. Boeck, Wallthorstraße 18. Vas Nestle*sehe Kindermehl wird seit 25 Jahren von den ersten Autoritäten der ganzen Welt empfohlen und ist das beliebteste und weit verbreitetste Nahrungsmittel für kleine Kinder und Kranke. Nestle’s Kindermelil u>p'0MS. (Milchpulver.) ------------ Voss’scher Milben fänger von M. Schuster in Bonn Dumps - Caffee - Dreunerei i W Cgi Jtal. Rotywein, garantirt rein, pr. Fl. 60 Pfg., bei 12 Fl. 55 Pfg. empfiehlt 3035 Louis Lind, Kirchenplatz 10. Hochfeine 439 deutsche und französische Cognacs empfehlen zu billigen Preisen Ao & G. Wallenfels o " toSMlti Iußöoden-Anstrich Oelfarbe in allen Nuancen, rasch und hart trocknend, Leinölsieeatis zum Einölen, Bernstein - Gel - Lackfarbe in allen Farben, Oehlers Parquet - Wachs, Stahlspähne, sowie alle sonstigen Artikel zum ««• streiche« «nd Wichsen der F«st- böden, empfiehlt 2788 Emil Fischbacho Jeder Raucher versuche die Special-Marken Nr. 23 | Mkrico- ä 6 Pfg. Nr. 31 j Cigarren ä 7 Pfg. Vorzügliche Sumatra-, Felix-, Brasil-, Vorstenland- und Havanna- Fabrikate ä 5—15 Pfg. 3447 PH. Weiler, T Havanna - Haus. zu 85, 90, 95 u. 100 Pfg. das V, Pfund. Verkaufsstelle: Gießen Hch. Wallach, Markt. 8. Neu!!! Neu!!! Rheinisches Universal „Putzpulver66 ist das beste und billigste Putzmtttel für alle Metalle. Dasselbe putzt überraschend schnell und schafft blendenden Glanz. Für Restaurateure und Spengler ganz besonders zu empfehlen. In Gießen im Meinverkauf bet [4830 A, & G. Wallenfels. Nur äobt mit Zu haben in Zinntubeu ä 40 Pf. SGust. Voss, Köln a. Rhein. | Zu haben bei: E. Fischbach. | Brennholz empfiehlt billigst 4550 C H. Müller, Schillerstraße. Nestle’s Kinder-Nahrung — - --------- iede Milch leicht in Gährung übergeht, ein unentbehrliches Nahrungsmittel für kleine Kinder. ____ 37 StJ ttt & r „Vt V» " schal«'10 A Berlin daS Gesetz । Ungarn a 6ttS Gesetz v vom 9. Jui ziehung s viögenSstrasi fall* iai bit Bel tzchweiueseul! »ttlte, bet Mini 6uün5minifi leiten des 2 Mn, m Victor unb Baulich^ 6uamt ist «rsache ist i Leipzig zerichts f, jnm Boyc Ssburch Beu tzlrichgältig, Gruube »ui in Schweibi Mevifion au btt Arbeit Etrikende ste m\t Hastungen t Seilte, heute Abeub nbrterten 8i Wahlrecht! Schluß: In bti Wahlrech Raffe fcitbti Auf beu Mt siegelt »tobtt müu uicht, beu E «ich N bi diukrligffeu 116 Treiben iu btobe y mir eutsi bezeichnet ftn Mr ben : blicheue Kle Berthes, $Q W) ju« V wunberb « UÜ fit h i Wt unter {[J’ßtrnbt $ i k,‘!l d-»I„ an! Ä"1*'