Nr. 241 Drittes Blatt. Sonntag den 13. October 18M Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Die Gießener Z«mtrtenvrstter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Meßmer Anzeig er Kenerak-Mnzeiger. Vierteljähriger Abonnementspreis» 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zch-cstraßeNr.^ Fernsprecher 51. Amts» und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieszen. Hra«-E-g-: Hich-n-r K-miN-»öwtcr. "1 ZUM Erntedankfest. 844t $ctehi '»ds 8V, Uhr, ie ilung. ngiablage, erorbntimtfltn, ibsroabl, Programm. Vorstand. anz. Abends 8 Ufr old Ahm. r Worftanb. Mck» -Schankbier im Zapf bei nft, im UM. eine ° m ;weine. ige als iweine Blutarme empfohlen. Versandt: -w Main Telephon 2362. Eimutb. ..Zum Pelik»”*' -nberger. SÄ er-Saison ml*®1* Preisen- , M« 4 * Wie die vierte Bitte um das tägliche Brod unter den fieben Bitten des BaterunserS, so steht das Erntedankfest unter den kirchlichen Festen der Christenheit. Es ist nicht daS erste und höchste Fest- Weihnachten, Ostern, Pfingsten reden von größeren Dingen, wie auch die vierte Bitte nicht die erste und höchste ist im Vaterunser. Aber sie gehört doch mitten unter die großen heiligen Bitten, die wir nach dem Gebot unseres Heilands vor den Thron Gottes bringen sollen. So hat auch unter den hohen Festen der Christenheit Erntedankfest sein gutes Recht, wo wir dem Geber aller guten Gaben danken für die Versorgung mit deS „Leibes Nothdurft und Nahrung". Man hat wohl gesagt: Erntedankfest kann eigentlich nur der Landmann recht feiern. Der wird durch die Natur seines Berufes alle Tage daran erinnert, daß über seiner Hand eine höhere Hand ist. Er kann wohl säen und arbeiten mit allem Fleiß, aber nicht einen einzigen Grashalm wachsen lassen. „Der Segen kommt von oben." Und wenn er ge- vüthigt ist, soviel nach Wolken und Wind auSzuschauen, so wird er darauf geführt, noch höher hinauf zu schauen zu dem, „ber Wolken, Lust und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn". Für ihn wird jede Saat eine Predigt deS Glaubens und jede Ernte eine Predigt deS Dankes. Doch welcher andere Mensch macht nicht auch die gleiche Erfahrung, daß Segen und Gedeihen unserer Arbeit und Anstrengung nicht allein von unserem Fleiß und Eifer abhängt, daß hier eine höhere Macht mitzureden hat. Der Mensch denkt und Gott lenkt. Welche Pläne und Unternehmungen lassen sich so genau vorausberechnen, daß sie nicht durch unvorhergesehene und unberechenbare Dinge könnten durchkreuzt und umgestürzt werden. Zuletzt liegt eS bei dem Gelingen aller Menschenwerke „nicht an Jemandes Wollen oder Laufen, sondern allein an GotteS Erbarmen". DaS Erntedankfest erinnert unS Alle daran, daß wir die Frucht der Arbeit, das tägliche Brod, im Aufblick zu Golt, als Gottessegen und Gottesgabe genießen und darum mit Panksagung empfangen sollen. Und gerade unserer Zeit thut solche Erinnerung noth. Da finden wir bet den Reichen oft einen herzlosen MammonismuS, der um Geld- gcwinneS willen alle göttlichen Gebote und alle menschliche Rücksicht frech verachtet. Solch Gewinn ist alles Andere eher als ein Gottessegen. Um den kann man nicht bitten und picht dasür danken. Und wieder bei den Armen, bei den Arbeitern greift ein materialistischer Unglaube um sich, der Feuilleton. Wochendriefc aus der Residenz. (Ortgtnalbertcht deS „Gießener Anzeigers"). Z. Darmstadt, 10. Otober. ZtLdtische Fragen. — Sociale Wohlthatigkeits.Vereine. — Bom Großherzoglichen Hoftheater. Vor einiger Zeit schon nahm ich die Gelegenheit wahr, Ihren Lesern von der emsigen Thätigkeit der Haus- und Grundbesitzer-Vereine der einzelnen Stadttheileunserer Residenz bet festlichen Gelegenheiten und besonders in wich- tlgen Fragen unseres städtischen Gemeinwesens zu berichten. Zuzwtschen haben jene Vereine sich auch der in einem der lktzten Briefe behandelten Frage der Darmstädter Mesie angenommen und in einer am vergangenen Montag einberufenen Versammlung, zu der auch die Vertreter und Vorstände anderer interessirter Körperschaften geladen und erschienen men, eingehend darüber Berathung gepflogen. DaS Resultat Liefer Berathungen, die, nebenbei gesagt, den Beweis lieferten, doß man sich in allen Kreisen unserer Bürgerschaft schon eingehend mit den behandelten Dingen beschäftigte, war der Beschluß, au competenter Stelle dahin zu wirken, daß im Jateresie der Stadt und dem des Geschäfts- und Gewerbe- siandes von maßgebender Seite alles geschehe, um die Abhaltung größerer Veranstaltungen in hiesiger Stadt zu fördern. Gleichzeitig wurde indessen den städtischen Behörden fie Ansicht der Versammlung unterbreitet, daß der seither hierfür benützte Platz an den Bahnhöfen (Exerzierplatz) geradezu schadenbringend für die hiesigen Geschäftsleute sei, die doch in der Regel gerade zu den Kosten größerer Veranstaltungen erheblich beisteuerten. Die Versammlung verlangt, daß derartige Festlichkeiten an einer Stelle statlfinden, zu deren Besuch der Fremde seinen Weg juid) die Stadt zu nehmen gezwungen ist. Diese Erwä- an keinen Gott und darum auch an keinen GotteSsegen der Arbeit mehr glaubt. Und der Mittelstand, der Landmann ebenso wie der Handwerker, der schwer um die Existenz zu kämpfen hat, steht in der Gefahr, über der Noth der Zett den getrosten Glauben an den himmlischen Vater zu verlieren, der „seine milde Hand aufthut und sättiget Alle-, was da lebet, mit Wohlgefallen". Wirthschaftliche Kämpfe stehen heute voran im politischen Leben und drohen die höheren Interessen, sittliche und religiöse, in den Hintergrund zn drängen. Da will unS daS Erntedankfest lehren, die Nothdurft und Nahrung dieses Lebens tmLichte des Evangeliums zu betrachten. Alle Arbeit um daS tägliche Brod wird geheiligt und gesegnet durch Beten und Danken. Ueber die quälenden Sorgen der Nahrung hebt nur ein kindlicher Glaube hinweg, der auch um daS tägliche Brod „getrost und mit aller Zuversicht" beten kann und der Erhörung gewiß ist. Und der gewissenlosen Ausbeutung der Mitmenschen zur Selbstberetcherung wehrt die vierte Bitte schon allein durch das Wörtchen „unS", nicht „gieb mir" sondern „gieb unS". Um daS tägliche Brod soll Niemand beten, ohne zugleich seines Mitmenschen zu gedenken, der auch von Gottes Gabe leben soll. Der harte Kampf ums Dasein könnte nicht ertragen werden, er müßte Herz und Seele der Menschheit hart tote Stein machen oder aber zerbrechen, wenn nicht Christenglaube und Christenltebe wie mildes Oel das ganze Getriebe ,deS Menschenlebens durchdränge. Weil Christenglaube und Chriftenliebe noch in der Welt sind, darum halten wir fest an der Hoffnung, die schweren socialen Aufgaben unserer Zeit lösen zu können. Zu dieser Lösung trägt auch das Erntedankfest ein wichtiges Theil bei, indem es Alle an die vierte Bitte erinnert: „Unser täglich Brod gieb uns heute" und die Mahnung tote Verheißung hinzufügt: „Gott giebt das tägliche Brod". Darum laßt unS mit Dankiagung empfangen unter täglich Brod. CocaUs unö provinzielles# § Aos dem Ohmthal, 11. October. Nachdem die früher so hohen Preise für die Ferkel so bedeutend zurück- gegangen sind, daß sie kaum mehr 50 Procent des früheren Standes ausmachen, find auch die Preise für die gemästeten Schweine bemerkenswerth gesunken. Man bezahlt gegenwärtig nur 34 Psg. für das Pfund Lebendgewicht. Trotz diesem niedrigen Stand des EinkaufpretseS der Schweine beharren die Metzger auf dem Verkaufspreis von 60 Pfg. für das Pfund Schweinefleisch. Das hat vielfach die Land- gungen waren auch maßgebend für den Beschluß, die Meffe auf dem seither hierfür benützten Terrain zu belasten und nur die geräuschvollen Belustigungen derselben auf den Paradeplatz zu verlegen. Allerdings werden dann Privat« leute nicht mehr btrect durch deren Lärm gestört werden, denn auf der einen Seite stößt der Flügel des Großherzog- lichen Residenzschlostes an diesen Platz, in dem daS Museum und das Haus- und Staatsarchiv untergebracht ist, auf der anderen der Herrengarten, die dritte Seite jedoch wird ganz eingenommen von dem alten HofopernhauS, in dem sich der Sitz einer ganzen Anzahl von Behörden befindet, und ob die gerade sehr entzückt sein werden von den ihnen winkenden musikalischen und oratorischen Genüsten, dürfte billigerweise bezweifelt werden. Aber einen Platz in der Stadt zu finden, der allen Anforderungen genügt, dürfte auch der für die Suche nach einer solchen zu wählenden Commission schwer fallen, und wenn jener Platz, wie eS jedenfalls nöthig sein wird, an ein anderes Ende der Stadt verlegt wird, so ist eben zum Besuche desselben bei der ausgedehnten Anlage unserer Stadt eine Straßenbahn dringend nothwendig. Wie aus einer der letzten Stadtverordneten Sitzungen hervorgeht, hat man nun auch im Schoße der städtischen Verwaltung den Bau einer solchen erörtert. Hierfür zu wirken, bezeichneten die versammelten Vertreter der Vereine ebenfalls als eine ihrer ersten Aufgaben. Hoffentlich haben ihre Bemühungen recht bald greifbare Erfolge! Ein reges Leben, baß ber Opferfreubigkeit der Einwohner unserer Stabt ein glänzendes Zeugniß ausstellt, herrscht eben in ben hiesigen socialen Vereinen, die sich die Milderung deS LooseS der unteren Klaffen zum Zweck gemacht haben. Vor kurzer Zeit hat erst der „Evangelische Arbeiter- und Handwerkerverein", ber sich besonbers bte Förberung beS geistigen Wohles seiner Mitglieber zur Auf- gäbe gestellt hat, sein imposantes HauS in ber Mühlftraße bezogen, ber „Katholische Gesellenverein", dem die Pflege wirthe ^bewogen, ihre Schweine selbst zu schlachten und daS Pfund !zu 50 bis 54 Pfg. zu verkaufen. Daß sie für solchen Preis das Fleisch leicht loS werden, bedarf wohl keiner Versicherung, wohl aber bedarf sie die Hauptsache, daß sie durch diesen Act der Selbsthilfe einen ganz erklecklichen Gewinn erzielen. Dieser betrug in einem Falle ausschließlich des Eingeweides — dreißig Mark! Nieder Moos, 10. October. In ReichloS ist gestern Nachmittag ein bedauernSwertheS Unglück vorgekommen. Die Leute des Bürgermeisters Dahmer waren in ber Scheuer mit Dreschen beschäftigt, währenb sich bte Kinder außerhalb herumtummelten. AlS Jemand aus der Scheuer ins HauS gehen wollte, sah eß baß Kleidchen des zweijährigen Bübchens in der mit Master gefüllten Miststätte liegen, zog es heraus, aber o weh, daß Kind stack darinnen. Eß war unversehens und unbemerkt hineingefallen und so ertrunken. Man kann sich den Schmerz ber Eltern denken. * Cassel, 8. October. Ein seltenes Jubiläum. Eine hier vor wenigen Tagen verstorbene Dame, Frau Abt, welche einige achtzig Jahre alt wurde, konnte ein gar seltenes, baS eiserne Wohnungsjubiläum, noch vor ihrem Tode feiern, denn sie hat 75 Jahre ununterbrochen zur Miethe im Hause Waisen- Hausstraße 11 gewohnt. * Augsburg, 5. October. Selbstmord wegen beendeter Dienstzeit. Hier ereignete sich, so wird der „Tägl. Rundschau" berichtet, der seltene Fall, daß ein Soldat sich daß Leben nahm, weil seine Dienstzeit beendet war. „Mir geht es hierinnen viel bester, als draußen", sagte ber Unglückliche unb wollte durchaus nicht fort, als er nach zweijähriger Dienstzeit — er stand beim dortigen 4. Chevauxleger- Regiment — in die Helmath beurlaubt werden sollte. Er war auch nicht etwa durch die Entlastung vor ein erwerbsloses Leben gestellt, da ihn sein früherer Dienstherr bereits erwartete. Den Abschied vom Soldatenleben nahm er sich so zu Herzen, daß er sich im Stalle erhängte. * Mülhausen i. E., 7. October. Eine Dorf-Revolution wurde vor der hiesigen Strafkammer gerächt. ES war im wunderschönen Monat Mai, da blühte aus dem fruchtbaren Erdreich des Mülhausener Schöffengerichts unter Anderem auch ein stattlicher Strauß von Haftstrafen empor, welchen der Vorsitzende drei Männern von Galfingen zierlich überreichte. Der Anlaß zu dieser Beschenkung war ein nicht gerade selten vorkommender: Beleidigung des Herrn Polizei- dienerß. Den drei Beschenkten stieg aber der starke Duft des überreichten Bouquets und vielleicht auch manches Andere, durchreisender Gesellen ohne Unterschied der Confession obliegt, hat sein an den Bahnhöfen gelegenes Hospitium durch einen mächtigen Bau vergrößert, der seiner äußeren Vollendung bald entgegengeht. Letzten Sonntag endlich feierte ber zur Förderung der Schäden, die sich aus dem Mißbrauche ber Sonntagsruhe, aus dem in unserer Zeit so häufig ungünstigen Verhältnisse ber Lehrlinge zum Meister ergeben rc., begrünbete Verein „Zum Feierabend" in Anwesenheit der kirchlichen und städtischen Behörden die Weihe seines neu erbauten, Ecke der Stifts- unb Blumenstraße belegenen Gebäudes in sehr glänzender Weise. Gerade jetzt, wo die langen Winterabende herankommen, beginnt recht eigentlich die Zelt der lobenswerthen Wirksamkeit dieser gemeinnützigen Vereine und eß ist deshalb besonders anzuerkennen, daß es den vereinten Bestrebungen gelungen ist, auch den Verein „Zum Feierabend" noch in diesem Jahre sein neues Helm beziehbar zu machen. Im Großherzoglichen Hoftheater hat sich mit Eintritt der kühleren Witterung der Besuch der Aufführungen Seitens des Publikums erfreulicherweise bedeutend gesteigert. Am letzten Freitag fand zum Gedächtniß an den jüngst verstorbenen Gustav Freytag dessen klassisches Lustspiel „Die Journalisten" eine vorzügliche Wiedergabe. Sonntag ging Meyerbeers „Prophet" in Scene, dessen sonst guter Erfolg leider durch die Indisposition des Vertreters des „Johann von Leyden" sehr beeinträchtigt ward. Shakespeares „Kaufmann von Venedig" hatte bann am letzten Dienstag ein außerordentliches zahlreiches Publikum angezogen, das vor Allem dem vorzüglich gegebenen „Shylock" des Herrn Werner rauschenden Beifall spendete. Für die nächste Zelt stehen unS sowohl in der Oper, wie im Schauspiel interessante Novitäten in Aussicht, über deren Aufführung Ihnen s. Z. Bericht zugehen wird. an dem sie sich in Mülhausen erlabt hatten, sehr zuKopfe- denn als sie in ihr trauliches HeimathSdorf zurückkehrten, benahmen sie sich so, daß es nicht mehr schön war und dem linden Maitage in schroffem Gegensätze stand. Unter großem Radau zogen sie ein und beschloffen, den Leuten, die bet Gericht gegen sie gezeugt hatten, die Zeugengebühren auf eine ganz besondere Art noch einmal auszuzahlen. Zu diesem Behufe gaben sie sich zunächst vor das HauS des Zimmer« mannS Jos. Seiler, zwei von ihnen an die Vorderseite und der dritte an die Hinterfront. Die beiden ersten schlugen mit Aexteu die HauSthür entzwei und zertrümmerten die Fenster- der Mann an der Rückseite warf dort mit dicken Steinen die Fenster ein. Während dieser dritte noch am Arbeiten war, waren die beiden ersten schon fertig und zogen zu neuen Thaten vor daS HauS der Ehefrau Steiner, welcher ebenfalls HauSthür und Fenster zertrümmert wurden. Vereint und unter mächtigem Halloh ging dann der Zug zum Bürgermeister hin. Auch diesem wurde eine Anzahl Fenster eingeschlagen und zugleich ein Revolverschuß zugesandt. Entrüstet bewaffnete sich daS Gemeinde-Oberhaupt mit einem Säbel uud begab sich auf daS Schlachtfeld. Mehrere Dorfbewohner rückten als Verstärkungs-Detachement ihrem Oberhaupte zu- auch der Beigeordnete Meyer eilte herbei und schwang als gute Wehr und Waffe eine Mistgabel. Hierüber erschreckt, wichen die Revolutionäre Anfangs zurück- aber bald darauf sammelten sie wieder ihre Kräfte und hielten Stand. Ein solcher Hagel von schweren Steinen wurde dem nachstürmenden OrdnungS-CorpS entgegengesandt, daß sich das Bild der Schlacht gänzlich änderte. Der Bürgermeister mußte sich rückwärts concentriren, dem Beigeordneten Meyer erging es noch schlimmer. Trotz seiner Mistgabel war auch er genöthigt, sein Heil in der Flucht zu suchen, und zwar so eilig, daß er in den Hof eines der Angreifer springen mußte- nur so konnte er sich vor einem auf ihn abgegebenen Schüsse retten. Die Revolution hatte gesiegt - aber nicht für lange. Denn in der Strafkammersitzung vom 28. September zeigte wieder die Ordnungspartei sich als die mächtigere- die Revolutionäre erhielten Gefängniß von zwei bis vier Jahren. * 3m Bismarck - Mnfeum ju Schönhausen werden gegenwärtig die großen Mengen der dem Altreichskanzler zu feinem 8 0. Geburtstage gespendeten Ehrengaben aufgestellt. Unter Anderem beabsichtigt man aus den Glückwunsch- karten eine große Pyramide zu erbauen. Ihre Zahl beträgt über eine Million und ihr Gewicht 693 Kilogramm! Die Portokosten für diese Karten haben rund 50 000 Mk. betragen, und also dem PostfiScuS eine ansehnliche Einnahme erbracht. Nach der Zahl der bisher eingelaufenen Ehrenbürger « Diplome ist Fürst Bismarck Ehrenbürger von 805 Städten. * Veteranen-Ehrung. Die Gemeinde Herpf (Westfalen) hat, wie s. Zt. gemeldet, denjenigen Mitgliedern der Gemeinde, welche die Kriege 1864, 1866 unb 1870/71 mitgemacht haben, bei der Krtegerfeier je einen Regenschirm als Ehrung überreicht. Wegen dieses eigenartigen Geschenks hat sich die Gemeinde Herpf so manche Witzelei gefallen lassen müssen. Hiergegen hat sich nun die Gemeinde energisch verwahrt unb folgende geharnischte Erwiderung dem „Veteran", dem Organ deS Verbandes deutscher KriegS-Veteranen, zugehen lassen: „Wir bedauern, daß eine gewisse Kategorie Menschen daS durchaus practische Geschenk unserer Gemeinde zum Gegenstand deS Witzes auSgemünzt hat. Man sollte meinen, die Idee, die Veteranen, die einst im Kriege Wetter und Sturm genug ertragen, im vorgeschrittenen Alter mit einem Schirm zu ehren, wäre keine so schrecklich sonderbare, kuriose. Wir halten einen solchen Gegenstand für besser, als den kurz vorübergehenden Genuß eines Festessens rc." • Sine Novität auf dem Gebiete de» WildereruuweseoS meldet der in Bayern erscheinende „Staffelsee - Bote". Am 3. März l. I. fuhren der Locomotivführer Abt unb bit Heizer Ostler unb Gnabl auf ber Localbahn Murnau- Garmisch Morgens nach 7 Uhr mit einem Güterzuge, als sie an einer Stelle, wo eine Steigung ist, neben bem Bahnkörper ein Reh gewahrten, bas nun ber Heizer Ostler, der auf seinen Dienstfahrten stets einen Kugelstutzen im Tender versteckt mitführte, während der Fahrt niederschoß. In Murnau angekommen, koppelten die Drei die Maschine ab und fuhren, wie sie sagten, nach der früheren Station zurück, angeblich, um am dortigen Krahn Wasser zu fassen. An der Stelle, wo daS Reh lag, hielten sie die Locomotive an, legten das Reh auf die Schiene und überfuhren den Wild- körper aus leichtbegreifl'chen Gründen. DaS Wildpret wurde dann unter die Tenderkohlen versteckt und in der Murnauer Maschinenhalle getheilt. Nach längerer Zeit erzählte Gnadl die famose Geschichte im Rausch und ein anderer Heizer denuncirte ihn der Gendarmerie. So oft der Morgengüterzug auf der Strecke gesehen wird, witzeln die Bewohner der dortigen Gegend über den „Schützen"zug! Wilderer auf der Locomotive, daS ist in der That etwas Neues! * Corfet Steuer. In der Akademie de Mädectne zu Paris wurde dieser Tage folgender Brief eines Herrn Elaveric aus TarbeS verlesen: „Im Augenblicke, da die ganze Welt über die Entvölkerung Frankreichs in Aufregung ist, da die Regierung alle möglichen hygienischen unb gesundheitlichen Maßregeln trifft, um die Sterblichkeit zu ver- mindern, halten wir in unserer Eigenschaft als Franzosen eS für unsere Pflicht, auf eine Landplage hinzuweisen und augenblicklich da« Heilmittel anzuempfehlen, daS gleichzeitig eine Einnahmequelle für den Staatsschatz bilden wird. Alle Aerzte sind einig darüber, daß die Corsett«, die den Magen eindrücken, die Leber herabzwängen, VerdauungS- bcschwcrden verursachen unb der freien Ausdehnung der Brust fiv widersetzen. Die Corsette verursachen somit Störungen im Organismus, die auf die anderen Generationen übergehen und sich gerade fo wie ber AikoholiSmuS unb bie Schwindsucht vererben. Da da« lioxfet viel mehr eine Luxus- kleidung al« ein nolhwendiger Kleidungsgegenstand ist, so könnte eß ebenso gut besteuert werden, wie ein Liter Alkohol ober ein Kilogramm Tabak. Die Torsel-Stener würde nur die verhältnißmäßig reichen Klassen oder die Beamtenfrauen treffen, die noch nicht zu den Lasten ber Nation beitragen. Wir überlassen der Regierung unb ben ad hoc bestellten Versammlungen bie Sorge, biese wichtige Frage zu stndiren. Wir wären glücklich, wenn wir auf biese Weise zum Wohle Frankreichs unb ber Menschheit unseren Theil beigetragen hätten." • Boa einem Kochkuustler ersten Ranges stammt die Erklärung : „Ich möchte nicht Küchenchef sein, wenn LtebigS Fleischextract nicht wäre." An diesen AuSspruch erinnert man sich bei Durchsicht eines vornehmen Kochbuches, da« wirklich bie allerfeinsten Gerichte zu bereiten lehrt: „Neue« illnstrirteS Kochbuch" von H. Kurth unb Henry Petit, Küchenchefs fürstlicher und gräflicher Häuser Schlesiens unb Polens (Verlag von Jos. Max & Co. in BreSlau). In diesem mit farbigen Bildern und Holzschnitten reich auSgestatteten Buche werden, wenn es sich um Fleischspeisen, Saucen, Ragouts rc. handelt, fort unb fort bestimmte Zuthaten von LiebigS Fleisch- extract vorgeschrieben. Diese unschätzbare Erfindung deS großen Chemikers nützt nicht nur dem kleinen Haushalte, wie allbekannt- eS ist, daß beweist jeneß Buch auf« Neue, auch ben feinsten Küchen unentbehrlich. * Darf Arbeitslohn beschlagnahmt werben? Diese Frage ist eine der vielumstrittensten im wirthschaftlichen Leben und wiederholt wurde schon in Arbeiter-Versammlungen über dieses Thema debattirt. Trotz gewordener Aufklärung gibt es immer noch Viele, die eß nicht fassen wollen, daß der in mehrtägiger Thätigkeit errungene Lohn unter gewissen Voraussetzungen der Beschlagnahme unterliegt. Daß in den Kreisen der Arbeitnehmer vielfach die Gefetzeßkunde keine bessere ist, davon liegen Beweise vor. Was nun die Beschlagnahme betrifft, so kann sie für folgende Zwecke erfolgen: 1) Wegen Alimentationßansprüchen ber Familienmitglieder; 2) wegen direkter persönlicher Staats- und Communalsteuern, einschließlich derjenigen für Kreiß, Kirchen unb Schulen, vorausgesetzt, baß sie nicht länger alß brei Monate fällig geworben sind; 3) soweit ber Gesammtbetrag von im Privat- btenst bauernb angestellten Personen bie Summe von 1500 Mk. jährlich Übersteigt. Atß bauernb gilt ein Dienstverhältniß, wenn basselbe gesetzlich Vertrags- oder gewohnheitsmäßig mindestens auf ein Jahr bestimmt oder bei unbestimmter Dauer eine Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten vorgesehen ist. Nach dem Reichsgesetz darf aber die Vergütung für geleistete Arbeit (Lohn, Gehalt, Honorar u. s. w ), welche auf Grund eines Arbeite- oder Dienstverhältnisses geleistet werden, erst dann zum Zwecke der Sicherstellung ober Befrtebigung eines Gläubigers mit Beschlag belegt werden, nachdem die Leistung der Arbeiten oder Dienste erfolgt unb nachdem der Tag, an welchem ber Lohn gesetzlich, Vertrags- oder gewohnheitsmäßig zu entrichten war, abgelaufen ist, ohne daß der Lohnberechtigte denselben eingefordert hat. Verträge' zwischen Arbeitgeber unb Nehmer, welche diese Gesetzesbestimmung aufzuheben geeignet sind, Haden keine rechtliche Wirkung, ebenso ist jede Verfügung über den Lohn unb einen Theil beSselben durch Session, Anweisung oder Verpfändung ungiltig. * Hoch die Coucurreaz. Im „Südpfälzischen Wochen- blatt" zu Bergzabern wird annondrt: „Freie Fahrt nach Landau und zurück gewährt die Firma Joseph u. Scharff von jeder pfälzischen Station ans bei Einkauf von nur 20 Mark." Jetzt inserirt die Firma A. Hundemer zu Steinfeld: „Um jede Concurrenz, besonders aber eine Laudauer Firma zu überbieten, habe mein ohnehin großes Lager in Manufacturwaaren vergrößert unb verkaufe sämmtliche Artikel, ° den heutigen Wollpreisen entsprechend, zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Bei Einkäufen von 20 Mark vergüte ich die Eisenbahnsahrt sämmtlicher pfälzischen Stationen, bei größeren Einkäufen gebe freien Mittagstisch, ev. auch noch den Kaffee." * Hartgesotten. Ein zudringlicher Weinreisender belästigt einen Weinwirth, der eben daran ist, mit einem Kunden im Wirthschaftsgarten eine Weinprobe abzuhalten, mit Anpreisung feiner Weißweine. Da er nicht gutwillig geht, wird er schließlich hinauSgcworfen. Gleich darauf erscheint er wieder. „Was wollen Sie schon wieder, Sie Unverschämter? Ich habe Sie doch eben hinaußgeworfen." — „Ja, das war wegen der weißen Weine — brauchen Sie vielleicht rotben?" Bei der Redactiou eingegangene Bücher re.: — Die Wahrheit» Halbmonatsschrift zur Vertiefung in bie Fragen und Aufgaben beß Menschenlebens. Herausgeber: Ehr. Schrempf. Monatlich zwei Hefte 8°. Preis vierteljährlich 1.80 Mk. Heft 49. Fr. FrommanS Verlag (E. Hauff) Stuttgart. £iteratur und Attnst. — Jüustrirtes Lehrbuch des Seatspiel». Mit allen älteren und neueren ©plelaiten, auch Btertcat und Zwetscat mit Strohmann. Von R. Buble. Dritte verbesserte Auflage. Preis elegant gebunden 3 Mk. Leipzig 1895. Verlag von Ernst Keils Nachfolger. Eine gründliche Kenntntß des Scatsptel« ist ungeachtet seiner großen Verbreitung nur selten zu finden, und dann ist sie erst die Flucht einer vteljährigen Praxis. ES wird ja noch heutigen Tag« der Scatneuling in den meisten Fällen von einem mehr oder weniger scatkundigen Freunde mit den Spielgesetzen, so wie sie diesem bekannt find und im günstigen Falle noch mit einigen practischen Spielregeln oberflächlich bekannt gemacht, um bann erst in ber Praxis mit großem Auswanv an Zeit unb Geld nach und nach einige Erfahrung zu sammeln. Da im Scat baS fehlerhafte Spiel eines schwachen unb unerfahrenen Spielers nicht diesen allein, sondern auch die Miispieler schädigt, insbesondere aber auch die F^ude am Spiel beeinträchtigt, so bleiben Diele, um sich nicht dem Tadel Anderer auSzusetzcn, dem Scatspiel fern. ES ist daher für Alle, welche Scat schnell und gründlich erlernen wollen, ein wirklich gutes Lehrbuch ein Bedürfniß. Tiefem wird aber durch das Jllu- ftrirte Lehrbuch be6 Scatspiels von R. Buhle, welches jetzt in dritter Auflage und zwar in zwei Ausgaben — mit deutschen und französischen Kartenbildern — vorliegt, in vollstem Umfange entsprochen. Mit Recht kann diefeS Lehrbuch, besten Verfaster auch durch bie Bearbeitung der allgemeinen deutschen Scatordnung rühmlichst bekannt ist, al« da« hervorragendste und gründlichste auf dem Gebiete de« Scatfpiels bezeichnet werden. Tas Buch ist aber nicht nur eie Lehrbuch für Anfänger, sondern zugleich ein Hand- und Rachschlage- buch für alle Scallrebhaber. lieber alle mit dem Spiel zusammen- hängenden Fragen, selbst in sebr streitigen und zwemlbaften Fäll«, findet man darin zuverlässige Auskunft. Auch der Bieiscat ist ausführlich bebandelt und außerdem Hal der Belfaster eine neue Sptrl.- wcise für Scat unter Zweien mit Strohmann erdacht, worin fast alle Vorzüge des Dreiscate« zur Geltung fomtnen, sodaß dieser Zwei-Scal alle anderen bekannten Kartenspiele für zwei Personen weit übertrifft und deshalb bei allen Scatliebhabern Anklang unb weite Verbreitung finden wird. — Da» ,,Fin de eifccle“ wird nicht gekennzeichnet durch die Narrheiten, b e man mit diesem Namen belegt, sondern durch bie erstaunlichen Erfinbrmgen unb Entdeckungen unserer Zeit, durch die Vertiefung geist'ger Arbeit auf allen Gebieten, wie fie nirgend« umfaffender und augenfälliger zu Tage tritt, als in einer Encpclv- pädie beß menschlichen Wissens wie Brockhaus' ConoersationS- Lexicon. Der in diesen Tagen erschienene vorletzte (15.) Band desselben ist mit seinen circa 9000 Artikeln unb 79 Tafeln unb Karten ein neuer Beweis dafür, was am Ende unsere« Jahr- Hunderts für die Voiksaufklärung geleistet werden kann, wenn Der» leger und Wistenschaft weder Mühe noch Kosten scheuen und da« Publikum sich für da« Gebotene dankbar erweist. Beim Durchblättern deS stattlichen Lande« fallen zunächst 10 köstliche Ehromo- unb 45 Holzschnitttafeln in die Augen. Wir finden da Spechte in ihrem bunten Kleide, exotische Tauben in prächtigem G-fieder, wir sehen den Tiger sprungbereit in erstaunlicher Lebenkwahiheit dar- gestellt. Ter Kunst sind 10 Tafeln gewidmet, darunter 2 farbige, Meisterwerke von Thorwalkfen und Tizian bietend. An Karten unb Plänen sind nicht weniger als 24 Tafeln vorhanden. Daß die technischen DiSciplinen ebenso reich mit Illustrationen cuszestattet sind, versteht sich bei ber besondern Bebeutung, welche diese gleich den Naturwissenschaftm heutigen TagS beanspruchen, im „BrockbauS" von selbst. Der Text ist ein wahres Arsenal für ben mobernen Menschen, ber im Kampfe um« Dasein vor allem mit einem ausgedehnten Wissen ausgestattct sein muß. In ber Rüstkammer bet ConversationS-Lexicons hat jeber sofort da« zur Hanb, wa« er in irgend einem Fache, sei es zum geistigen ober praktischen Weiterarbeiten, nöthig hat. Auf juristischem wie volkswftthschaftiichen, auf mebicinischem wie theologischen Gebiete, in jeder Richtung menschlichen Könnens unterrichten 400 hervorragende Vertreter ihrer Wissenschaft den Leser in objecttoer, klarer Darstellung Von juristischen Artikeln seien u. A genannt: Strafgesetzgebung, Todesstrafe, Tortur; letztere ist, waS nicht sehr bekannt fein dürfte, in Hannover und Eodurg-Gotha erst vor etwa 70 Jahren in ihren letzten Resten abgeschaft worden. Unter den volkSwirthschaftlichen und politischen Artikeln mögen genannt sein: Termingeschäfte, Streik, SoclalißmuS, und wa« banft zusav.menhängt; selbst dem Trtnkgelb ist ein Platz eüigeräumt. Daß, w!e aus dem Ärtitel „Staatsschulden" zu ersehen ist, die französischen Steuern 3< »mal höher sind als die deutschen, soll auch nicht unerwähnt bleiben. Aus dem Gebiete ber Technik prüfe man Artikel wie Straßenbahnen, Straßen, Spinnerei, Tunnel, Turbinen usw. Eine besondere Bedeutung haben die an Telephon und Telegraph sich anschließenden Artikel, in welchen beide Verkehrsmittel nach all n Seiten erö tert sind. Die Medicin ist mit Artikeln wie Tuberculofc, Suggestion, Sympathetische Kuren, Stottern u. A. vertreten; letzteres liebel ist unter Frauen weniger verbreitet alü unter Männern. Aus geographischem Gebiete seien angesührl: Spanien, Südamerika, Tirol, Lessin, Suczcanal, die Städlearlikel: Stuttgart, Straßburg, Trieft, Toulon, Turin u. a m. mit ihren Karten und Plänen. Noch vor Weihnachten wird der letzte, der 16. Band ber 14. Auflage von Brockhaus' Konversations-Lexicon vorliegen und damit ein stolze« Denkmal deutscher Arbeit zum Abschluß gelangt fein, welches in jeder Familie am Ehrenplätze prangen sollte, al« Wahrreichen, daß in diesem Hause dem geistigen Fortschritte gehuldigt wird. — MeinholdS Juristische Handdidlioihek. Redigirt von OberlandesgerichtSratd M. Haltdaucr. — Band 56 Die Reichs - Gesetze, betreffend die privatrechtlichen Verhältnisse der Binnenschifffahrt und Flößerei vom 15 Juni 1895. Textausgabe mit JnhaUSverzeichniß und erschöpfendem Abdruck der in den Gesehen cltirten Bestimmungen älterer Gesetze. HerauSgegeben von C. Zander. Verlag von Albert Berger in Leipzig. Preis cart. 1.25 Mk. — Beide Reichs - Gesetze treten bekanntlich am 1. Januar 1896 in Kraft und sind sowohl für fämmtliche SchifffahriS- kreise des Inlandes alS auch für die Justiz und Verwaltungsbehörden von großem Interesse. Die un« vorliegende Ausgabe enthält neben dem Texte deS Gesetzes auch fämmtliche.einschlägigen Paragraphen deS Handelsgesetzbuchs, der Eioilproceßorbnung, ber Gewerbeordnung unb anberer Ge etze. Zur besseren Hanbhabung ist bem Ganzen ein sehr ausführliche« Sachregister beigefügt, welches Jedem die Benutzung sehr erleichtern wird. Wir können daher diese practische Textausgabe, die nebenbei auch sehr gut auSgestattet ist, bestens empfehlen. — „«eueste Gründungen uud Grfahrungeir" auf ben Gebieten ber practischen Technik, Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und HauSwirthschast rc. (A. HartlebenS Verlag in Wien). Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Heste franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. — Diese gewerblich technische Zeitschrift,welche in ihrem zwetundzwanzigsten Jahrgang erscheint, verfolgt nur rein practische Zwecke. 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In dem Firmenregister des unterzeichneten Gerichts wurden folgende ^Einträge vollzogen: A. Neue Einträge: 1. Markus Bauer zu Gießen betreibt daselbst seit 1. August 1895 unter der Firma „Markus Bauer" ein Agenturgeschäft in Manufaktur- und Confectionswaaren. 2. Alois Spengler zu Gießen betreibt daselbst seit 1. Juli 1895 einen Handel mit Kohlen und Industrie-Erzeugnissen en gros und en detail unter der Firma „A. Spengler". 3. Wilhelm Herbert zu Gießen betreibt seit 1. Januar 1895 zu Gießen unter der Firma „Wilhelm Herbert" eine Schuhhandlung. 4. Carl Berg zu Gießen betreibt seit 1. Januar 1872 zu Gießen unter der Firma „Carl Berg" eine Schuhhandlung. 5. Ernst Döring zu Gießen betreibt seit 1. Juni 1895 zu Gießen unter der Firma „Fabrik patentirter Bau-Artikel für Hessen-Nassau und Oberhessen von Ernst Döring" eine Fabrikation und einen Handel mit Bau- und Jndustrie-Erzeugnissen. 6. Louis Seuling zu Gießen betreibt seit 1. Mai 1895 zu Gießen unter der Firma „L. Seuling" eine Schwemmsteinfabrikation. 7. Peter Leppla zu Gießen betreibt seit 1. April 1895 zu Gießen ein Colonialwaarengeschäft unter der Firma „Peter Leppla". 8. Gutkind Edelmuth und Sußmann Edelmuth II., beide zu Beuern, betreiben seit dem Jahre 1874 zu Beuern einen Viehhandel unter der Firma „Gutkind und Sußmann Edelmuth". Sie haben unter dieser Firma eine offene Handelsgesellschaft errichtet, und ist jeder der beiden Theilhaber zur Zeichnung und Vertretung der Firma berechtigt. 9. Isaak Edelmuth von Beuern betreibt seit dem Jahre 1893 zu Beuern unter der Firma „Isaak Edelmuth" ein Viehhandelsgeschäft. 10. Löb Berlin zu Beuern betreibt seit dem Jahre 1894 zu Beuern ein Kurzwaaren-Geschäft und einen Viehhandel unter der Firma „Löb Berlin". 11. Meyer S öfter zu Alten-Buseck betreibt seit dem Jahre 1870 zu Alten-Buseck unter der Firma „Meyer Löber" einen Handel mit Manusakturwaaren, Tuch und Buxkin. 12. Wilhelm Schimmel I. zu Heuchelheim betreibt seit dem 1. Januar 1895 zu Heuchelheim unter der Firma „Wilhelm Schimmel" ein Handelsgeschäft mit Landesprodukten und Futter-Artikeln. 13. Wilhelm Jung I. von Klein-Linden betreibt seit 1.Januar 1894 zu Klein-Linden unter der Firma „Wilhelm Jung I" einen Holz- und Glashandel. 14. Hirsch Bauer in Leihgestern betreibt seit dem Jahre 1871 zu Leihgestern unter der Firma „Hirsch Bauer" einen Vieh-, Mehl- und Fruchthandel. 15. Abraham Edelmuth von Reiskirchen betreibt seit dem Jahre 1886 zu Reiskirchen unter der Firma „Abraham Edelmuth" einen Viehhandel. 16. Liebmann Katz zu Steinbach betreibt seit dem Jahre 1888 zu Steinbach unter der Firma „L. Katz" einen Viehhandel. 17. Hermann Katz in Steinbach betreibt seit dem Jahre 1887 zu Steinbach unter der Firma „Hermann Katz" einen Viehhandel. 18. Benzian Katz in Steinbach betreibt seit dem Jahre 1881 zu Steinbach unter der Firma „Benzian Katz" einen Viehhandel. 19. Gerson Katz III. in Steinbach betreibt seit dem Jahre 1878 zu Steinbach unter der Firma „Gerson Katz" einen Vieh- und Pferdehandel sowie ein Geschäft mit LandeSproducten. 20. Nathan Julius Dreifuß in Watzenborn betreibt seit dem 1. April 1894 zu Watzenborn unter der Firma „Nathan Julius Dreifuß" einen Vieh-, Frucht-, Mehl- und Specereihandel. Meyer Dreifuß und Amalie Dreifuß geb. Kalten in Watzenborn haben für diese Firma Procura erhalten. 21. Leopold Löwenstein in Wieseck betreibt seit 30.December 1894 zu Wieseck unter der Firma „L. Löwenstein" ein Handelsgeschäft mit Manusakturwaaren sowie ein Agenturgeschäft in Nähmaschinen. 22. Ferdinand Katz in Watzenborn betreibt seit dem Jahre 1892 zu Watzenborn unter der Firma „Ferdinand Katz" ein Viehhandelsgeschäft sowie einen Fruchthandel. 28. Wilhelm Philipp Schlapp in Mainzlar betreibt seit 1. April 1895 zu Mainzlar einen Cigarrenhandel im Großen, sowie einen Spezerei- und Gewürzhandel unter der Firma „Wilhelm Ph. Schlapp." 24. Nehm Stern in Burkhardsfelden betreibt feit etwa 30 Jahren zu Burkhardsfelden unter der Firma „Nehm Stern" einen Handel mit Ellenwaaren und Kleinvieh. 25. Seligmann Kann in Ruttershausen betreibt feit dem Jahre 1870 zu Ruttershausen unter der Firma „Seligmann Kann" ein Vieh- Handelsgeschäft. 26. J'akob Hammerschlag in Treis a. Lda. betreibt feit 25. September 1895 zu Treis a. Lda. unter der Firma „Jakob Hammer- schlag" einen Vieh- und Fruchthandel. Für diese Firma hat Meier Hammerschlag zu Treis a. Lda. Procura erhalten. •27. Salo mon Hammerschlag in Treis a. Lda. betreibt seit dem Jahre 1880 in Treis a. Lda. unter der Firma „S. Hammerschlag" ein Ellen- und Colonialwaarengeschäft Der Inhaber dieser Firma hat dem Markus Hammerschlag in Treis a. Lda. Procura ertheilt. 18. Samuel Löwenberg in Reiskirchen betreibt seit 20 Jahren zu Reisk.rchen unter der Firma „Samuel Löwenberg" einen Handel mit Vieh, Frucht und Ellenwaaren. -z-, August Seibert in Wieseck betreibt seit 1. April 1895 zu Wieseck unter der Firma „August Seibert" einen Handel mit Ellenwaaren, Specerei- und Kurzwaaren. -10. Herz Klipstein in Alten-Buseck betreibt seit dem Jahre 1886 unter her Firma „Herz Klipstein" zu Alten-Buseck einen Handel mit fertigen Kleidern und Ellenwaaren, außerdem einen Frucht- und Mehlhandel. B. Veränderungen und Löschungen. 1. Die der Frau Hermine Mayer in Gießen für die Firma „Gebrüder Mayer" ertheilte Procura ist erloschen. 2. Die Inhaber der Firma „Echternach und Haustein" haben der Wilhelm Haustein Ehesrau, Maria geborene Stroh in Gießen, Pro- cura ertheilt. 8. Die Firma „August Wallenfels" zu Gießen wurde gelöscht. 4. Die Mitinhaberin der Firma „Geschwister Holberg" zu Gießen, Johanna Holberg, ist verstorben und es führt die andere Theilhaberin, Henriette Holberg das Geschäft auf eigene Rechnung unter der seitherigen Firma weiter. 5. Die Firma „Wilhelm Seibert" zu Gießen wurde gelöscht. 6. Die Firma „P. Herbert" zu Gießen wurde gelöscht. 7. Die Firma „Drebes und Wallenfels" zu Gießen wurde gelöscht. 8. Die Firma „Müller und Schwager" zu Gießen wurde gelöscht. 9. Der Inhaber der Firma „A. Fangmann" zu Gießen ist verstorben und es führt an dessen Stelle Anton Fangmann Wittwe Eocline, geb. Juppen in Gießen, das Geschäft unter der seitherigen Firma auf eigene Rechnung weiter. 10. Die Firma „Wilhelm Frit'ch" zu Gießen wurde gelöscht. 11. Die der Karl Leib Ehefrau für die Firma „Karl Leib" zu Gießen ertheilte Procura ist infolge Ablebens der Procuristin erloschen. 12. Die Firma „H. Kinkel" zu Gießen wurden gelöscht. 13. Der Inhaber der Firma „Friedrich Rüger" zu Gießen ist verstorben und es fuhren dessen Erben, Heinrich Rüger und Louise Rüger, beide zu Gießen, das Geschäft unter der seitherigen Firma, als offene Handelsgesellschaft weiter. 14. Die Firma „W. Motzler" zu Gießen wurde gelöscht. 15. Die Firma „Compagnie Nord-Stjerne, Huber, Schwaab und Cie." zu Gießen, wurde gelöscht. 16. Die Firma „Heinrich Zell" zu Gießen wurde gelöscht. 17. Die Firma „H. W. Lang" zu Gießen wurde gelöscht. 18. Die Firma „Karl Hoffmann" zu Gießen wurde gelöscht. 19. Der Inhaber der Firma „Wilhelm Seuling" zu Gießen ist verstorben, und es führt an dessen Stelle, Wilhelm Seuling Wittwe, Emma geborene Reffling in Gießen, das Geschäft unter der seitherigen Firma auf eigene Rechnung weiter. 20. Die Firma „Friedr. Bang" zu Gießen wurde gelöscht. 21. Die Firma „Heinrich Stumpf I." zu Garbenteich wurde gelöscht. 22. Die Firma „Wilhelm Rinn" zu Heuchelheim wurde gelöscht. 23. Die Firma „Wilhelm Germer" zu Klein-Linden wurde gelöscht. 24. Die Firma „Kaspar Jung IV." zu Klem Linden wurde gelöscht. 25. Die Firma „Mayer Dreifuß" zu Watzenborn wurde gelöscht. 26. Der Inhaber der Firma „Joh. Wilh. Kurz" zu Gießen ist ver ftorben. Das Geschäft wird mit Zustimmung der Erben von Wilhelm Kurz in Gießen auf eigene Rechnung und unter der seitherigen Firma weitergeführt. Der neue Firmeninhaber hat feiner Mutier, Johann Wilhelm Kurz Wittwe, Elise geborene Schwaner, in Gießen Procura ertheilt. 27. Die Firma „F. Textor" in Gießen wurde gelöscht. 28. Bei der Firma „Moritz Gregori & Sohn" in Gießen wurde auf Seite 272 eingetragen, daß der Theilhaber Moritz Gregori jr. verstorben sei. Die jetzigen Inhaber der Firma sind: a. Adolf Müller; b. Friedrich Gregori Wittwe, jetzt Ehefrau des Adolf Müller, beide zu Gießen. 29. Die dem August Orbig zu Gießen für die Firma „Wilhelm Orbig" in Gießen ertheilte Procura wurde gelöscht. 30 Die Firma „August Montanus" zu Gießen wurde gelöscht. 31. Die Firma „P. F. Thomas" zu Gießen wurde gelöscht. 32. Die Firma „G. C. Windecker" zu Gießen wurde gelöscht. 33. Theodor Brück, Inhaber der Firma „Th. Brück" zu Gießen, hat seiner Ehefrau Sophie, geb. Euler, und seinem Sohne Franz Brück, beide zu Gießen, Procura ertheilt. 34. Die Firma „Jean Häuser" zu Gießen wurde gelöscht. 35. Die unter der Firma „G. Neidlinger" in Gießen bestehende Zweigniederlassung ist aufgehoben und wurde gelöscht. 36. Die Firma „Karl Weber" zu Gießen wurde gelöscht. 37. Die Firma „L. Wolf" zu Gießen wurde gelöscht. 38. Die Firma „L. Kohlermann" zu Gießen wurde gelöscht. 39. Gustav Patz zu Gießen, Inhaber der Firma „Gebrüder Mayer" da« selbst, ist verstorben und wird das Geschäft von seinen beiden Kindern und Erben: a. Elisabeth Patz zu Gießen und b. Hermann Patz zu Gießen unter der seitherigen Firma weitergeführt. Der letztere Inhaber ist noch minderjährig und wird vertreten durch seine Vormünder Hermann Küchel von Butzbach und Emil Schmall II, Fabrikant in Gießen. Die Inhaberin Elisabeth Patz hat allein das Recht, die Firma zu zeichnen und zu vertreten. 40. Die unter der Firma „Christoph Keßler & Cie." in Gießen bestehende Zweigniederlassung hat ihren Sitz von Gießen nach Steinberg verlegt. Der frühere Firmeninhaber Christoph Keßler ist verstorben und es sind an dessen Stelle als Inhaber eingetragen worden: a. Christoph Keßler Wittwe, Elisabeth Katharme Juliane, geb. Vasmer, in Bremen; b. Kaufmann Julius Christoph Louis Keßler daselbst, welche das Geschäft jetzt als offene Handelsgesellschaft weiter betreiben. Dem Ernst Louis Emil Wessel und dem Otto Heinrich Renatus Keßler, beide in Bremen, würbe Procura ertheilt. Die an Julius Keßler ertheilte Procura ist am 21. Juli 1894 erloschen. 41. Die Firma „Löb Katz" zu Watzenborn wurde gelöscht. 42. Die Firma „Moses Stein" zu Heuchelheim wurde gelöscht. 43. Die Firma „Löb Edelmuth IV." zu Beuern wurde gelöscht. 44. Der Inhaber der Firma „A. Dillmann" zu Alten-Buseck ist gestorben unb es führt A. Dillmann Wittwe, Sophie geb. Klug, bas Geschäft unter ber seitherigen Firma auf eigene Rechnung weiter. 45. Die Firma „Meier Hammerschlag" zu Treis a. Lba. würbe gelöscht. 46. Die Firma „Markus Hammerschlag" zu Treis a. Lda. würbe gelöscht. 47. Die Firma „Johannes Petri" zu Oppenrob würbe gelöscht. 48. Die Firma „Baer Berlin" zu Beuern wurde gelöscht. 49. Die Firma „Ludwig Noll" zu Mendorf a. Lda. wurde gelöscht. 50. Die Firma „Johannes Becker III." zu Garbenteich wurde gelöscht. 51. Die Firma „Ludwig Feidel" zu Gießen wurde gelöscht. 52. Die Firma „Friedrich Gengnagel" zu Großen-Buseck wurde gelöscht. 53. Die Firma „I. Spanier" zu Gießen wurde gelöscht. 54. Die Firma „Gebrüder Müller" zu Gießen wurde gelöscht. 55. Die Firma „Heinrich Freitag" zu Gießen wurde gelöscht. 56. Die Firma „Fr. Hast" zu Gießen wurde gelöscht. 57. Die Firma „August Balser" zu' Gießen wurde gelöscht. 58. Die Firma „S. Löser" zu Gießen wurde gelöscht. 59. In die zu Gießen unter der Firma „Gebrüder Rosenbaum" bestehende offene Handelsgesellschaft ist Kaufmann Liebmann Bär zu Gießen als weiterer Theilhaber eingetreten. Derselbe ist berechtigt, die Firma zu zeichnen und zu vertreten. Gießen, den 11. October 1895. Großh. Amtsgericht Gießen. 8467 Neuenhagen. Griindl. Unterricht in Gesang ertheilt Frl. L. Guntrum, 8147 LudwigSplatz 4, III. Mal-Unterricht in Oel und Aquarell ertheilt Johanna Hecht, staatlich geprüfte Mal- u. Zeichenlehrerin, Gartenstrasse 22 Anmeldungen täglich von 9 bis 1 Uhr. 8307 P. Leinweber, Schneidermeister, Lindenplatz 7 Gieherr Lindenplatz 7 empfiehlt fich zur Anfertigung von Kerren- und Knaben- Anzügen. 8340 Umänderungen, Reparaturen und Reinigung von Kleidern werben prompt unb billigst besorgt. H. Bingmann, Seilerei, Lich, Oberhessen. Fabrikation von Glocken-, Zug- unb Treppense'len, Holzhauerseilen, Flaschenzügen, Waschletnen, Ackerletnen, Pack- s'ilen und -Schnüren, Schnürfaden, Rüststricken, Zugstricken, Hanfliderung. — Lieferung von Drahtseilen, blank oder verzinkt, in allen Dimensionen. 7608 Reelle Bedienung. Mäßige Preise. Aquarien u Terrarien, Laubfroschhäuser, Tuffsteingrotten etc. in großer Auswahl zu billigen Preisen empfiehlt R. 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