1895 Sonntag den 13. Januar Zlints- und Anzeigrblatt für den Kreis Gieren. chralisöeitage: Hießener Aamillenökätter. W te 9 »2s Nachfolger, Ifus. Die Gießener Aamikieuvkäller »erden dem Anzeiger wvchmtlich dreimal deigelegt. ilSftinnt te, ergiebigste billigste, friü im eigensten nath i Kg. Dosen rtoiT Der -letzen-r Anzeiger nscheint täglich, ■tü Ausnahme de» Montag». Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den «efqenben Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Haus der Schützengesell chaft, am Großh. Orangeriegarten in B ssungen und an der Eschollbrückerstratze ausgedehnte künstliche Eisbahnen entstanden, auf deren spiegelglatten Flächen sich täglich Hunderte von Menschen tummeln. Concerte werden auf dem Eise gehalten und für nächsten Freitag Nachmittag hat der Schl ttschuhklub ein großes Eisfest angekllndigt, zu desien glanzvoller Gestaltung die größten Vorbereitungen getroffen sein sollen. Hoffen wir, daß das Wetter hält und das Fest nicht zu „Wasser" wird. Auch die umliegenden Ortschaften, besonders die im nahen Mühlthale und die an der Bergstraße gelegenen, dürften an der längeren Dauer des Winterwetters ein begreifliches Jntereffe haben. Zwar sind sie von ihrer gewöhnlichen Velkehrsvermittlerin, der Darmstädter Dampf Straßenbahn, die die Orte Griesheim, Schießplatz, Arhetlgen und Eberstadt mit der Residenz verbindet, scvon einige Male schmählich im Stiche geloffen worden, dadurch, daß die Züge im Schnee stecken blieben und die Passagiere gezwungen wurden, eine weniger angenehme „Watung" nebenher im Schnee nach ihrem Ziele hin, zu unternehmen. Ein viel regerer Verkehr wird durch die Schlittenfahrer hergeftellt; so waren am vergangenen Sonntag alle die beliebten Ausflugsorte der Umgegend so zahlreich von Schltttenfahrern besucht, daß andere Sterbliche, die sich das beneidenSwerlhe Glück einer Schlittenpartie aus dem oder jenem Grunde nicht gestatten konnten und deshalb erst viel später ankamen, kaum Platz fanden. Auch am Montag Nachmittag bewegte sich ein langer Zug, es mögen ca. 50 Schlitten gewesen fein, unter fröhlichem Schellengeläute in der Richtung nach Eberstadt u. s. w. Se. Lönigl. Hoh. der Großherzog, den man täglich an der Seite seiner hohen Gemahlin, am Nachmittag zu Schlitten die Vierteljährig«« ASovnementspreiae 2 Mark 20 Pfg. mK vringerlohu. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redactton, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. aÄZ "bs 7 Uh,. Nr. 11 Zweites Blatt LandwirthschaMiche Winke unS Kathschiiige. △ R«s Oberheffen, in der ersten Januarhälfte. Zur Berichtigung. In Nr. 8 des „Gießener Anzeiger" vom 10. d. Mts. '.bringt da -Jäger und Jrgdpämer" seine iUftditen über die Ausführungen mm Vor trage, weiche in dem Aussätze: Rückblicke auf das Jahr 1894 'N Bezug auf die schwere« -fehler, welche vet Regelung vou Wildschäden auf dem Lande gemacht würde«, rruw.ckett worden stich. , t _ ..., Der Herr Einsender behauptet, cS handelt sich in dem Artikel in erster Liitte darum: Soll der Bauer die Jagd selbst ausüben? Wir bedauern lebhaft, dieser Ansicht aus das Bestimmteste Widerspreche« zu müsien, denn das Ausüben der Jago ouich die Bauern ist der allererste Punkt, auf weichen der Aufsatz zu reden kommt. Der mie und schwerwiegendste Punkt, der die Besprechung auch ganz allein veranlaßt bat, der darum in dem Aussätze auch fett ^brückt tu, lauten schwere Kehler werden del Regelung vo« Wildschäden auf dem Laude gemacht und Verleiden dem vauer sein LtedsteS, das Grundetgentyum. Der yeer Einsender ist Jäger uno Jagdpächlcr, folglich ist Um die Jagdausübung daS erste und wtchttgtte. Man darf aber seine suojecttven Ansichten atcht an die Stelle setzen, wohin sie nicht gehören. Nachdem die Aegelung der Wildschäden und die J-gdausübung wieder in die Reihe gerückt wurden, von der in Nr. 304 und 305 de 1894 ausgegangen »er, sind die übrigen Einwürfe le cht zu w.verlegen. Zweitens sollen Hasen und Rehe >n seltenen Fällen wirklichen Schaden thun. Hier ein Beispiel: Ein Bauer hatte einen Acker mit prachtvoll destanrenern Kleesamen; der Ertrag konnte sicher auf 1V» Een ner geschätzt werden. Die Rehe bissen sämrntliche Blülhen- föpie ao und der E trag von 150 Pb. ftieefamen ü 1 Maik war rumirt. Schafe gibt es in der Gemarkung nicht, also können ße k-en Klc.famen i.tcht geiaudl haben. Der Bauer erh.ell endlich 10 Mark Entschädigung, wobei ihm Angst gemacht wurde: er könne noch froh sein, daß et Vas empfinge, denn wenn eine Commission käme, gäbe es vielleicht noch 25 Mark Kotten zu tragen. Tiefgek.änkt zog sich der Bauer zurück, denn er Hal ein Häusl in Kinder zu ernähren, der Vl-Hstand ist reducirt, was er hat, gilt nichts, was er braucht ist theuer, Nebenverdienste sind keine vorhanden. Wo drückt ihn der Schuh? Ueberalll Zehen und Ferse sind ihm blutig gerieben Dre Jagdpacht beträgt für die ganze Gemarkung kaum soviel, all der Bauer allein einbützle. Wie lange muß er leben, bis ihm der schwere Verlust durch die Minderung an den Communalsteucrn ersetzt m? Bet so schlechten Zeiten, wie wir ste jetzt haben, kann ein Sauer durch den Verlust von 140 Mark schwer in feinem Fortkommen nschülrert werden. m „ p Ein anderes Beispiel! In wahrhaft väterlicher Weise so gtbie Regierung für H.bung d.s Obstbaues. Seit einigen Saoren werden dis weit in die Thäler des Vogelsberges Oostbäume gepflanzt und ste gedeihen fröhlich. Einem Bauer wurde ein ganzes Bäumstuck, das eiliche Jabre t'.ff 'ch gebieb, nurck Ha'en zernagt, den« Schaf« gibt -S dort nicht die raube« kSn«te«. Der Bauer eroieit MN Aw uno K aw ein« Marl pro Bunur und wurde, als xbm der Unroiflc fcharf emporschoß, mit der ähi.Uchen Klausel: bieCommNston kommt und macht noch große Kosten, zum Schweigen gebracht. Nun pflanzt der Bauer von Neu-m; vielleicht Hai er Mißgeschick mit den S ämmchen; sie geben nicht an ober kümmern und nach Jahrzehnten steht man noch dre üblen Folgen, während die erste Pflanzung freudig zed.ehen war. Dutz.nde von solchen Beispielen stehen zur Verfügung und daneben die bäßltchen Kn ffe der Wtldhüler und Jagbläuser, die frch du roihes Röckwen bet ihienJagdherren verdienen wollen. Sch'kider dieser Zellen, der feit länger als 40 Jahren unter der ländlichen veoö kerung lebt, gute und schlechte Z iten mit ihr durchmachte, auch die Verhältnisse in den drei Provinzen kennen zu lernen Gc- Bei der Redaetion eingegangene Bücher re.: — Christus «nd die Arme«. Eine geharnischte Streitschrift von Rudolf Heinrich Greinz. Der bekannte Autor gibt tii dieser seiner neuesten socialen Schrift eine geistvolle und scharfe Darst llung der Forderungen deS Chrtstenthums Christi im Zn- fammenbana mit unserer ganzen modernen socialen Bewegung. Der Preis der Schrift ist sehr niedrig: 30 Pfg. Alle Annoncen-Bureaux beS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. e . ö« Niifils “ fetn S, ruw4u ._ W *1A 1*55. “ Umgebung der Stadt durcheilen sehen kann, betheiligten sich ebenfalls an dem vom hiesigen Schlepp Jagd-Verein arran- girten Schlittenkorfo, der unter Assistenz einer Militärcapelle den glänzendsten Verlaus nahm. Das bereits im letzten Briefe erwähnte Hofconcert fand am vergangenen Montag statt und vereinigte eine auserlesene Gesellschaft in den Räumen deS Alten Palais am Luisenplatz. Außer den Großherzoglichen Herrschaften waren erschienen Prinz Wilhelm von Heffen, die Prinzessin z« Solms-Braunfels mit Prinzessin Tochter, der Fürst und die Fürstin zu Löwenstein-Wertheim nebst dem Erbprinzen und der Prinzefsin Marie, der Graf und die Gräfin zu Erbach- Schönberg, der Königl. Württembergische Gesandte Freiherr v. Soden u. a. m. Im Ganzen waren 200 Einladungen ergangen. Noch Abwickelung des Programms, über das Ihnen schon berichtet wurde, sprachen die Allerhöchsten Herrschaften ihre hervorragende Anerkennung über die gebotenen Leistungen aus. Mit Beginn des neuen Jahres beginnt nun auch der Fasching seine Rechte geltend zu machen. Schon habe« die humoristischen Mlitärconcerte begonnen und bereits versendet auch die Darmstädter Carnevalsgesellschaft ihre Parole pro 1895. Wie das Programm besagt, finden zwei große Herren- und Damenfitzungen, eine große Herrensitzung und ein Gala-Maskenball im Städtischen Saalbau statt. Carneval- Zug 2C. unterbleibt wohl im Hinblick auf die flauen Zeiten, die die Geschäftsleute, die ja die Vergnügungen größtentheils arrangiren, durchzumachen hatten. iße, sondern nebtn meine» r. 39. 311 s. Elliree 20 Pf. ßortwn aufytfüttt. >öwen‘^ ar 1895: 554 MM II. Coucert Anfang rt mit neuem Programm. Henle Sonntag J Tanzmusik j woju Höst, einlabet Ma 5 22 Werthers friste. Eine Berliner GerichtSverhanblung. „Paß uff, diese Sache wird knusperig, ick habe scho» draußen uff 'n Corrtdor wat davon gehört/ flüstert ein im Zuhörerraum befindlicher Criminalstudent seinem Nachbarn za, alS beim Aufruf einer neuen Sache drei hochgewachseue, kräftig gebaute junge Mädchen durch den Saal gehen und im Anklageraum Platz nehmen, den sie völlig ausfüllen. — Wir erfahren nach Eintritt in die Verhandlung, daß eS Köchinnen auS herrschaftlichen Berliner Häusern sind, die sich in eigenartiger Weise eines Vergehens schuldig gemacht haben sollen. Um die Lippen deS sonst so ernsten Richters zeigt sich bei Durchsicht der Acten ein heiterer Zug und auch die beiden Schöffen machen beim Anblick der drei kernigen, von Kraft und Gesundheit strotzenden Gestalten ein weit freund« lichereS Gesicht wie kurz zuvor, als sie den alten unver« schämten Bettler abzuurtheilen hatten. — „tRun, meine Damen, was soll denn das blaue Buch, das jede von Ihnen da in der Hand hält?" beginnt der Vorsitzende in jovialer Weise. — „Det sind unsere Dienstbücher!" ertönt eS wie aus einem Munde. — Bors.: „Ja, waS sollen die hier?" — Erste Angeklagte: „Die haben unsere Herrschaften unS mtrjejeben, det wir uns vor Jericht als anständige Mächens auSweisen können, die sich noch nie wat haben zu Schulden kommen lassen. — Bors.: „Nun, daS glauben wir Ihnen so, aber nach der Anklage sollen Sie drei einen Mann überfallen und ihn verhauen haben. Wie find Sie denn bloS dazu gekommen?" — „Uebersallen? Nee — verhauen ja!" . . . „In meine Oogen iS er gar feen Mann, sondern eene alle Waschlappe!" . . . „Er müßte noch ville mehr haben!" so tönt es im Chor zurück. — Vorf.: „Alle drei können Sie nicht reden, mag die erste Angeklagte daS Wort nehmen." — Angekl.: „Herr Jerichtshof, meine Herrschaft hat jesagt, wir sollten allens sagen, wie ’t jewesen iS, un det wollen wir ooch dhun. Sehn Sie mal, zum April kriegten wir den «eien Vieewirth Weither und denn war ooch bald Ruhe und Frieden in't HauS vorbei. Die Luise hier und ick, wir dienen bet Jeheimeraths, un die Auguste eene Treppe höher bei Professors. Zuerst war ja der neue Vieewirth die Lieblichkeit selber un det jing „Fräulein hier un Fräulein da", wenn wir seine Kinder mal det übrig jebliebene Essen schenkten, als er aber immer dreister wurde un meenbe, bet müsste man so find, da sagte ick zu meine Collejinnen: „Hört mal, sage ick, bet jetzt so ntch länger, wir müssen ihm den Brobkorb höher hängen." Sie waren ooch mit einverstanden un manchmal mussten seine Kinder mit'n leeren Topp ab- ztehen. Nu fing die Chicanisirung von ihm los. Wenn wir der Nachmittags jejen fünfe bei ’t offene Küchenfenster uff» wuschen, beim pflegte een oller Mann mit ’n Leierkasten zu kommen, ber uns bie schönsten Stücke vorspielte. Er hatte immer bie neigten Dinger uff ’n Kasten, wie die „Jicht- königtn" un „Komm herab von die Tonne, Therese", un wir sangen denn mit und er kriegte ooch immer seinen Jroschen. Unsere Herrschaften hatten nischt bajejen un ooch der Wirth nich, indem er jar nicht im Hause wohnte. Mit eenmal jagt mein Vieewirth den ollen Mann vom Hof runter. Denn fing er an, die Treppenbeleuchtung zu spät anzustechen, denn sperrte er mal — schnubs — die Wasserleitung ab und wenn er Eenen mal Abends mit eenen Bekannten vor die Dhiere traf, denn machte er höhnische Bemerkungen, bet bat nich erlaubt wäre und so wat. Zn meinem Bräutigam hat er mal jesagt —" — Bors.: „Na, lassen Sie nur, wir glauben schon, daß ein gespanntes Verhältniß zwischen Ihnen und bem Vieewirth bestand. Kommen Sie nun zu dem Vorfall vom 13. Juli." — Angekl.: „Jawohl, Herr Rath. Also bei unS im Hause iS et ebenso wie anberswo Mobe, bet die Teppiche bloS det Freitags jekloppt wer'n dürfen. An diesen Freitag waren unsere Herrschaften aber jerade in die Ferien verreist. Wir hatten mit Packen zu thun un konnten ntch kloppen. Unsere Herrschaften meenten ooch, wir könnten mal eene Ausnahme machen un det Sonnabends mal kloppen. Wir denn MorjenS um 7 Uhr ooch runter, jede mit ’n Teppich über die Schulter un eenen Ausklopper in der Hand. Als wir runter kommen, sehen wir, det der Vieewirth det Tau, wat von eenen Flügel nach den andern reicht un wo die Teppiche uff uffjehangen wer'n, abjehakt un verflachen hat. Wir finden bet Ding aber in eene leere Tonne. Aujuste hat die eene Seite schon einjehakt un will die andere Seite ooch anmachen, da kommt der Vieewirth wie ’ne Furie zum Haus heraus un schreit immerzu: „Heut wird nich jekloppt! Heut wird nich jekloppt! Det is jejen die Hausordnung!" un springt nach bie eene Seite hin un hakt sie »lebet los. Denn löst er nach die ander Seite un will ihn da ooch wieder loSmachen. Ick sage janz ruhig: „Heut wird doch jekloppt," und mache den Haken an weine Seite wieder feste. Er rennt wieder nach mir zu un denn wieder nach die andere Seite un so jing bet immer mit ihm rieber un nieber. Als er nu mai wieder in bie Mitte war, drehte er sich plötzlich um un riß Aujusten ihr Ende aus der Hand. Diese nicht faul, schlägt einmal den Strick um seinen Leib, ick hänge mein Ende an un Juste zieht ihr Ende fest an, so bet mein Vieewirth in bie Schlinge saß, bet er nich mal seine Arme rühren konnte. Die Leite, die aus die Fenster kiekten, schrieen alle „Bravo!" un nu plagte Luisen, bie doch ooch bei der Jeschichte wat dhun wollte, der Deibel, bet sie den Teppich ben jefangenen Vieewirth über den Kopp wirft, so bet von ihm bloS noch bie Beene zu sehen find. Als nun Aujuste ihr Ende immer noch stramm zieht, stelle ick mir uf bie eene und Luise auf bie andere Seite von ben Vieewirth und bann fangen wir an, uff ben Teppich zu kloppen." — Vors.: „Wie endete nun diese komische Geschichte?" — „Als er Pater pe Caviar sagte, da haben wir ihn aus fein gespanntes Verhältniß losgelassen und sind in’t Haus jerannt. Bon die Zeit an hat er uns in Ruh je- laffen."—Vors.: „Nun müssen wir doch mal den Vieewirth hören." — Dieser schildert die Vorgänge im wesentlichen wie die Angeklagten, will aber seinerseits ben Unfrieden nicht heraufbeschworen haben. „Herr Jerichtshof", schließt er feine lange Erzählung — „wat bie brei Mächens mir zugesetzt haben, bet iS balde nich mehr menschenmöglich. Eene hat mir mal eenen janzen Teller voll JrÜnkohl auf’n Kopp je- worfen, als ich an’n Müllkasten stand und als ick die eene mal bruf ufmerffam machte, bet sie noch brennende Kohlen in den Aschkasten jeroorfen hätte, hat sie ben Deckel so schnell zujeklappt, bet ick eenen Finger dazwischen kriegte. (Angeklagte dazwischen rufend: „Det war bloß ein Zufall!") Als sie mir unter ben Teppich hatten, dachte ick, ick sollte mit’n Leben verzagen. Oogen, Näse, Ohren und Mund, allens war dicke voll Stoob. Acht Dage lang habe ick schwarz jespackl. So ue vicewirthlchaft kommt noch vor E Pferdestehlen, ick habe se ooch längst usjejeben." — Der Gerichtshof erkannte mit Rücksicht auf daS gegenseitige feindliche Berhältniß der Parteien auf eine Geldstrafe von je20Mk. Der Untergang Helgolands. Die Engländer find bekanntlich eine sehr practische und schlaue Nation. DaS haben sie wieder gezeigt, alS sie gegen die kleine Insel Helgoland eine große deutsche Colonie eintauschten. WaS wir Deutsche mit dem kleinen Fleckchen Erde Anfängen sollen, ist bis jetzt noch nicht recht klar geworden. Militärisch hat die Insel so viel wie gar keinen Werrtz. In den letzten Jahren bat die Insel eine Armirnng erhalten, im Oberlande find schwere Batterien eingebettet worden, Tunnels und UntetEunftöräume für die Mannschaften wurden unter Tag hergeftellt. Die Militärs haben sich nicht verhehlt, daß bie auS morschem rothen Thon bestehenden Riffe einen langen Artilleriekampf nicht bestehen können, selbst nicht gegen einen schlecht schießenden Fetnd, da bie Erschütterung ber eigenen Schüsse bem Gestein verderblich sein würbe. Die Bewohner, etwa 2000 Köpfe, ernähren sich burch Fischerei, Lootsendienst und das zahlreichen Besuches sich erfreuende Seebad, welches auf der eine Viertelstunde von dem Felseneiland entfernten Düne liegt. Geht diese Düne, welche mit der Hauptinsel noch vor hundert Jahren zusammen- gehangen hat, verloren, so muß der größte Theil der Bevölkerung von Helgoland auswandern, ba sie ohne das Seebad nicht bestehen kann. Die Versuche, unmittelbar an der Hauptinsel Babeeinrlchtungeu zu schaffen, haben sich als unausführbar erwiesen. Nun hat ber letzte Sturm Helgoland schwer beschädigt, von ber Hauptinsel sowohl wie von ber Düne sinb große Strecken von der Fluth weggerissen worden. Die Befürchtung, baß bie nächsten Stnrwfluthen die Düne ganz fortspüle» werden, ist unabweisllch. Auf ber bewohnten Insel ist bte Jütlandterrasse zerstört, der gepflasterte Weg an dieser Stelle verschwunden. Auch vom Südftrande ist eine größere Strecke in das Meer gespült worden. Zu retten ist dort nichts. Helgoland selbst kann nicht gegen die Elemente geschützt werden. Regen und Sonne nagen im Oberlande am morschen Gestein und wer die Insel umfährt, sieht ringsum abgeb, öckelten Thon am Fuße ber Riffe. Die Babedüne ist, nachdem sie wesentlich ticrflcinert und durch bie Entfernung bcs erhöhten Dünenrandes schutzlos geworden, ber Gefahr, burchbrochen zu werben, nahegerückt. Daß die Insel ein verlorener Posten ist, muß Jedem, der sie besucht und aufmerkfam betrachtet hat, klar sein. Sie ist zu weit in bte See vorgeschoben (30 Kilometer vom nächsten Punkte Schleswigs, 40 von Cuxhaven), als baß sie geschirmt werben könnte. Und wenn rings um die rothen R ffe mit ungeheuren Kosten eine Betonmauer gezogen würde, so wüßte man doch, daß in nicht ferner Zett innerhalb dieser Mauer zerbröckelte Reste der Feste liegen würden, die einst ben Tempel des Forsete getragen hat. Helgoland geht also langsam, aber sicher unter und es läßt sich schon ungefähr die Zelt absehen, wo die Gegengabe, welche uns die Engländer für Zanzibar gegeben haben, in nichts zerfallen ist. 516 zu erhalten Die Sachen können Montag Vor- Schneiden bei 308 A. Htrz, öelter6*e< 22. Geschäftszimmer (Brandplatz Nr. 7) dahier einzuretchen, woselbst auch bie LleferungS - Bedingungen eingesehe* werden können. Gießen, den 10. Januar 1895. Großh. Gendarmerie - Diftrict Oberhessen. Kullmann, Hausgeräthe verstetgert. In Auftrag: F. Hossman«. Glaser-Diamanten, -rößie Auswahl, sowie Anleitung im Han»o»fitzer. Durch die empfohlenen Vorkehrungen wird dem Wasserabnebmer bie Lieferung deS WosserS möglicdst gewährleistet, d m Hausbesitzer aber werden Beschädigungen a« Leitung und webLvde fern gehalten. Wir empfehlen daher vorstehende Vorstwlsmatzregeln allen Belheiligtcn zur ganz vesondere« Beowtung. mittag von 10 — 12 Uhr gesehen Reparaturen urb Aufthruen von HauSwasserlrimngen w rben am schnellsten werden. 384 von denjenigen JnslallMionS-Getchäften besorgt, weiche die betreffenden HauSwasser- kNunflen f. Z au-geführt haben forderlich ist die HanSwofferleitungen deS Abends für die Dauer der Nacht zu entleeren. DieS geschieht dadurch, baß zuerst ber vor bem Wasser messe r best, bliche Hauptabsperrhahn geschlossen und bann bas seitlich besselben b kindliche EntleerungS- häbnchen, nachdem ein passendes Gefäß uniergestellt, geöffnet wird und dies so lange geöffnet gehalten wird, biS das in ber Hausleitung siebenbe Wasser oollstänbig abgelaufen ist, worauf bezeichn'tes Hähnchen wieder geschlossen rotrö. Um eine vollständige Entleerung zu erwirken, ist es geboten, während derselben das in dem obersten Stockwerk des Hanse» befindliche Zapfventil ber HauSleiturg offen zu halten, damit die Lust Zutritt in bte Leitung erhalte. — 6hl größerer Theil des Wassers kann auch sckon durch daS Zap'vmtil der untersten Küche entleert werden, wodurch die Entleerung im Keller vereinfacht wird. — Nach -attaehabter Entleerung sind die beiden Zapfoentile, melde bem Eintritt ber Luft u*b ber Entleerung be« Wassers bienten, roteber zu schlichen. DaS Schließen des Hauptabsperrdahn» erfolgt burch Aufsetzen beS betflCflebenen Schlüssels auf ben vterkuuiigenHahnzapfen und Drehung in bet Richtung von links nach rechts — im Sinne eines Uhrz Igcr« — bis Widerstand erfolgt. — DaS Deffnen de» Hauptabsperrhahne» geschieht burch Drehung in entgegengesetztem Sinne, bis Wib rstanb erfolgt. Behufs Wasserentnahme muß bes Morgens ber Hauptabsperrhahn roleber Vollständig geöffnet werd n. Abzweigleitungen nach Waschküchen, Ladezimmern, Hofräumen, Gärten u. |. w find während d-S Winter« Mitteln ihrer besonderen Vorrichtungen a if ähnliche Weise zu entleeren und cttbellt hierüber im Beso> deren am Besten derjenige Installateur Auskunft, welcher die bett. Leitungen gefertigt hat- Bel anhaltender außerordentlicher ft<t empfiehlt e« sich, die Wasserentnahme auch während de» Tage» auf kürzere festgesetzte Zeit zu be- schränken und während der übrigen Tageszeit die HauSwass:rlettungen gleichfalls in oben angegebener Weise abzustellen Dem Einfrieren solcher Wasserleitungen, welche durch Küch n unbenutzter Wohnungen geführt sind, kann man durch Unterhalten eine« kleinen Heerbsiuers do beugen. Auch empfiehlt eS fick, in kalten Stoset oder sonstigen ungeheizten Sistumen, durch weich- die Wasserte tung führt, sofern da-elbst die Leitung nicht schon durch eine Umhüllung gegen Keilte geschützt ift, die Temperatur durch ein Oefchcn oder geeigneten Falls etwa durch eine Gasflamme auf genügender Höhe Bekanntmachung. ; Bekanntmachung. > Der Bedarf an Schreibmaterialien OUlliyiUlllJill j des unterzeichnetenDistrictSpro Etats- gegen das Einfrieren der Wasserleitungen. \w 1895/W soll auf dem Sub- Unter Hinweis auf die „Bestimmungen über Anlage der Hauswasserleitunaen Sunter Ikberfenbuna zu Gießen" machen wir darauf aufmerksam, daß, um dem Einfrieren de» Wasser» ^bOsferten stnv unter ueversenoung in den HauSwafferleitungen bei eintretender Kälte vorzubeugen «s er- von Mustern nebst Preisangabe bis längstens den 1. k. MS. auf dem Gießen, ben 11- December 1694. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. .D ttr Bergen. Major und DistrictS Eommandeur. Montag den 14. Januar und Dienstag dtn 15. Januar, Nachmittags 2 Uhr, werden wegzugshalber Souueu- ftrasie 25, 3. St. Möbel, al«: Stühle, Tische, 1 Sopha, ein« unö zweithür. Kleiderschränke, 2 Glasschränke, 1 Bücherschrank, 1 Küchenschrank mit Glasaufiatz, 1 Kasseuschrank, 1 amerif. Ösen, Buderus-Patent, 1 Regulator, 1 Patentstellleiter, Pferdegeschirr, Wurs- zeug, Desinfections - Eimer, Actenreale, 2 Betten, Nacht- " Die Wafsermefftr nebst dem nächstanschlietzend'n Theil der Rohr-^Waschtische, L Bade- Ititnna sinb wfibrerb be8 Winters mit Stroh, Säcken ober ähnlichen Schutzmitteln einrtchtnng für Guffvader, gegen Kälte zu umkleiden, auch namentlich bie betr. Kellerfenster geschloffen ,u halten. I Lampen, Spiegel, Vorhänge, — Die Herstellung aller wafferm.ffer. die In Folge ungenügenden Herrnkleider. Kücken- und Schutze» gegen Kälte Schaden erleiden, erfolgt auf Rechnung der - ' Bekanntmachung. Am Dienstag, den 15. Januar d. Is., findet zwifcheN 1 und 3 Uhr Nachmittags ein Schießen mit scharfen Patronen nördlich und nordöstlich Kinzenbach mit Schußrichtung auf den Himberg statt. Da» Gelände zwischen folgenden Orten ist während dieser Zeit für jeglichen Verkehr gesperrt: Rodhelm a. d. Bieber — Oelmühle — Bahnhof Kinzenbach — Kinzenbach — Schwalben-Muhle — Rodheim a. d. Bieber. Die Straßen Rodheim—Gießen, sowie WalogirmeS—Heina—Bieber find pasfirbar. Güßen, den 8. Januar 1895. Das Commando 448 des II. Bataillons Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Bekanntmachung. In Gemäßheit Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung vom 15. Juni 1879, wonach zur dauernden Erinnerung an die goldene Hochzeit des Deutschen Kaiserpaares, Seiner Majestät des Kaiser Wilhelm I. und Ihrer Majestät der Kaiserin, Augusta, von der Stadt Gießen eine Stiftung zu Gunsten bedürftiger Ehepaare, welche hier ihr goldenes Ehejubiläum erleben, errichtet worden ist, fordern wir Alle Diejenigen, welche im laufenden Jahre ein solches Fest zu begehen haben und Anspruch auf Zuwendung der, zu 150 Mark bemessenen, Stiftungsgabe erheben wollen, auf, sich bei uns zu melden. Gießen, den 8. Januar 1895. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 432 Lebensversicherungs - Gesellschaft zu Leipzig (alte Leipziger) auf Gegenseitigkeit gegründet 1830. LerstcherungSbestaad: 61300 Personen und 420 Millionen Mark Berfichernn-Ssnmwe Vermögen: 123 Millionen Mark. Gezahlte Lerfichernngssummen: 84 Millionen Mark. Dividende an die Versicherten für 1895: 4t®/0 der ordentlichen Jahresbeiträge. Die Lebensversicherungs-vesellschaft zu Leipzig ist bei günßigße, Ber- stwerungSdebtngunaen (Unanfechtbarkeit fünfjähriger Policen) eine bet strotzten unb billigsten LebenSmrsicherungs- Gesellschaften. — Alle Uetzer- fchüste falle, bei ihr den «ersicherten in. Nähere Auskunft erteilen gern bie Gefellfchalt, sowie bereu Vertreter: 526 flaller & Schwere in «ießru, Wallthorstrahe 25. Theodor Henbech „ „ Bahnhofstraße 40. Wilh. Wirsig, Handschuh-Fabrik Grosse Auswahl in Dermn'»Kuüpp- Maliluffke. Alicestr. 27 Beletage, 6 Zimmer, Bleichplatz Trockenboden u. s. w., auf 1. April beziehbar, zu 539] Schöne Wohnung, 2. Stock, 5 Zimmer mtt Zubehör, Gartenbenutzung zu vermiethen. r.....““ Zimmern nebst ZuvehSr tt. Wasser« Leitung ist per sofort eveut. später zu vermiethen. Donuenftratze 25. gibt blendend weißeWäsche; per Pfd. 20 Pfg. ,u haben in den meisten Colonial, waaren, u. Setfengeschäften. Anerkannt bestes, unentbehrliches Zahnputzmittel. 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