1895 Dienstag den 12. Februar Nr. 36 Zweites Blatt * ’ Uhr 1261 An»ts- uni Anzeigeblatt für den tireir Gieren. Hratisöeikage: chießener Kamikienökätter Vorstand. 5 Feuilleton 156 EourftDOffl 100 - 144.5« ntw- 106.50 «fakt« «nnahmr von Anzeigen zu der Nachmittag- für den 'olgcnden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr. 116.86 139.50 -0.60 139" 131.30 121.90 94.30 34.65 44." 28.30 931-', 231". 5‘!i 116201131.10 oa - ' 106.10 10°7 rg f8- n; 13.70 4-0 3^ oder erscheinen mindestens den bezeichneten Dortheilen gegenüber bedeutungslos. Ausgesprochen muß aber doch werden, daß die Verstaatlichung der Getreideeinfuhr mehrere bedeu- Lende Nachtheile mit sich bringen muß. Zunächst wird durch dieselbe doch ein scharfer Eingriff in die Freiheit von Handel und Gewerbe gemacht, denn wenn der Staat Getreide einkauft, so muß er eS auch verkaufen, und werden Getreide- und Mehlhändler, ferner auch die Miiller und Bäcker sammt und sonders staatlich in ihrem Gewerbe beeinflußt. Auch muß auf diese Weise das Brod entschieden theurer werden, weil durch die Maßregel doch der Staat den Getreidepreis nach dem Durchschnitt macht, also erhöhen soll. Die Frage der Verstaatlichung der Getreideeinfuhr. DaS berechtigte Bestreben, die ruinirend niedrigen Ge- treidepreise, welche nach Angabe vieler Landwirthe hinter den ProductionSkosten des Getreidebaues zurückbleiben, einzudämmen, hat einen Führer der Conservattven, den Grafen Kanitz, unterstützt von der ganzen conservattven Partei, veranlaßt, für den Reichstag einen Antrag auf die Verstaatlichung der Getreideeinfuhr vorzubereiten, wonach der wirkliche Bedarf au ausländischem Getreide vom Staate jede- Jahr eingesührt, und dann das Getreide zu einem Durchschnittspreise verkauft werden soll. Unter Berücksichtigung der Nothlage der Land- wirthe ist eS sehr wünschenSwerth, daß an diesem Anträge allseitig eine ruhige Kritik geübt wird, um keinen unseligen Zankapfel in die politische Arena zu werfen. Begründet wird dieser Antrag deS Grafen Kanitz hauptsächlich, wie schon erwähnt damit^ daß die gegenwärtigen Getreidepreise um ein Beträchtliches hinter den Kosten deS Getreidebaues zurück- bletben und eine Erhöhung der Getreidezölle behufs Hebung dieser Preise für die nächsten 9 Jahre wegen der Handelsverträge nicht in Frage kommen kann, so müssen also zur Erhaltung der Landwirthschaft andere Hilfsmittel ausfindig gemacht werden. Die angebliche Unvereinbarkeit deS Antrages mit den in den Jahren 1892—1894 abgeschlossenen Handelsverträgen wird verneint, denn eine nähere Prüfung des Wortlauts der HaudelSverträge führe zu dem Grgebniß, daß ein solcher Widerspruch nicht bestehe, überdies ließen sich Mittel und Wege finden, um von den in Betracht kommenden benachbarten Staaten, Oesterreich-Ungarn und Rußland, jeden auS der vorgeschlagenen Einrichtung etwa zu besürchlenden Nachtheil Lbzuwendeu. Bestritten wird ferner, daß die Verstaatlichung der Getreideeinfuhr die Brodpreise dauernd verteuern werde, and Alles zusammen soll die Verstaatlichung der Getreide- etnfuhr gegenwärtig daS einzig mögliche Mittel sein, um der bedrängten deutschen Landwirthschaft durchgreifend und schnell genug zu helfen, sie ist ferner wünschenSwerth, um die unberechtigte Börseospeculation in Brodgetreide zu beschränken, und sie wird auf die wenig günstige Finanzlage de» Reiches Hei Fortbestand der jetzigen niedrigen Auslandspreise einen «ohlthätigen Einfluß üben. Die gegen den Antrag am 7. April v. I. erhobenen Bedenken werden, soweit ihnen eine Berechtigung überhaupt zuerkannt werden konnte, durch die vorliegende veränderte Fassung des Antrages beseitigt, vierteljähriger Zttonucmratspretur 2 Mark 20 Pfg. mit vrniyerlohn. Durch die Poft bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expeditto» und Druckerei: Kchnkstrahe ^ir.7. Fernsprecher 51. Vermischte». * Frankfurt a. M., 9. Februar. Tragischer Tod eines Brautpaares. Ein wahrhaft erschütternder Act aus der „Tragödie deS Lebens" hat sich gestern in Sachsenhausen abgespielt. Der Küfer Adam Backfisch, auS Schallbrunn im Badischen gebürtig, war gestern Vormittag in der Jung'schen Brauerei damit beschäftigt, große Bierfässer in dem Lagerkeller an Ort und Stelle zu bringen und zu ordnen. Backfisch stieß bei der Arbeit mit einem Faß, das 47 Hektoliter hielt, gegen eine Wand, am zu Fall, daS Faß gerieth ins Rollen und zerquetschte ihm die Brust. DaS Blut quoll aus Mund und Ohren und der Unglückliche war binnen kurzer Zeit eine Leiche. Backfisch der am 8. Februar 1870 geboren war, hätte heute seinen 25. Geburtstag gefeiert. Er war mit der 21 Jahre alten Anna Maria Wilhelmine Blum, der Tochter des Maschinisten Wilhelm Blum, verlobt, deren Geburtstag auf den 12. Februar fällt. Die Verlobung sollte nächsten Sonntag gefeiert werden und bald sollte die Hochzeit sein. Das bedauernSwerthe Mädchen wurde durch die Kunde von dem schrecklichen Ende deS Geliebten so erschüttert, daß sie alsbald den Entschluß faßte, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Als ihr Vater Nachmittag» 4 Uhr nach seiner Wohnung, Wallstraße 4, zurück- kehrte, fand er die Tochter erhängt vor. Es wurden alsbald Wiederbelebungsversuche angestellt, sie waren aber erfolglos. In einem Briefe, den die Verzweifelte hinterließ, gab sie dem Wunsche Ausdruck, gemeinschaftlich mit ihrem Bräutigam in ein un^ demselben Grab beerdigt zu werden. * (hiurt, 2. Februar. Ein junges Scheusal stand in der Person deS Mühlknappen Friedrich Schtek aus Arnstadt vor der hiesigen Straskammer. Der Bursche sann einen wahrhaft teuflischen Plan auS, um sich an seiner I ! 43.55 Herst- ‘ 27.20 Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" cutgegeil. Der chießcner Anzeiger erscheint täglich, eiii Ausnahme be» Montag». Di« Gießener Anmitiendlätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal d eigelegt. Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. „Vorwärts! Sie werden den Zug versäume«, Herr Lieutenant!" mahnte die Baronin. „Verzeihen Sie unS wirklich nicht?" fragte er noch ein- mal. Husaren find hartnäckig, auch wenn Sie ins Hiüter- treffen gerathen find. „Ja doch, ich verzeihe ja," erklärte die Mutter. Run küßte er ihr die Hand und dann erst kletterte er in den Wagen. „Und Sie adopttren mich?" fragte er dann mit einem Ausblitzeu seines übermüthigen Humors zum Wagenfenster hinaus. „Darüber wollen wir ein andermal verhandeln," sagte die Baronin. „Herzlichen Dank!" rief er und schwenkte sein Taschen- tuch, indem der Zug sich in Bewegung setzte. Er nahm die diplomatische Ausflucht einfach als Zusage. Hilde ließ ihr Tuch flattern und die „kleine Fischen« , die von allem Vorgegangenen Dank der Umficht der Baronin nichts gemerkt hatte, schloß sich ihr an. „Wie stolz müssen Sie sein, solchen Sohu zu haben, sagte sie dann zur Baronin. „DaS weiß Gott!" seufzte diese. „Und wie lieb er Sie hat 1 - Wie er von Ihne« schwärmte heute Morgen." „So?" fragte die Baronin mit leiser Ironie. „Aber Mutter," bekräftigte Hilde. „Glaubst D« da» vielleicht nicht?" „Aufs Wort!" sagte die Baronin. „Aber ich glaube, Dich liebt er noch mehr, Hilde, was?" Hilde schämte sich ein wenig und sah der Mutter bittend in die Augen, die ihr plötzlich voll inniger Zärtlichkett ent» gegenstrahlten. Eine Zusage ohne Worte — während die alte Fischerin orakelte: „Ja, seine Schwester hat er wirklich sehr lieb.... Hildes Bruder. Gine luftige Geschichte von Alwin Römer. (Schluß.) Hilde hatte die Farbe eines besonders schön gesottene» Krebses. „Mutter!" rief sie und flog der Baronin entgegen in der nur halb bewußten Absicht, durch eine recht herzliche Begrüßung die kurze Zeit auszufüllen, die der Zug vielleicht noch hialt. Das Mittel half jedoch nicht. „Nachher, Hilde, nachher!" wehrte sie ab. „Ich will doch «och ein paar Worte mit Eduard reden. Wo ist er den» ?" „Eduard ist —" hauchte sie halb ohnmächtig. In diesem Coupä," bemerkte die kleine Fischerin. „Herr von Hagenfeld! Herr von Hagenfeld! Ihre Frau Mama ist hier?" Schrei Du und der Teufel!" dachte Stebnitz und drückte sich i» seine Ecke- dabei stampfte er zornig auf den Boden, daß der Sporn klirrte. Aber Eisenbahnzüge haben keine Empfindung dafür. Der Zug hielt, als ob er mit Schrauben festgelegt fei. „Hier?" hörte er nun die Baronin fragen. Daun drehte sich der Griff der Coupöthür und daun erschien daS verwunderte Gesicht der Mutter Hilde». „Aber Eduard, warum —" sagte sie zunächst. Dann erkannte sie den Lieutenant. „Sie auch mit zum Begräbuiß oommandirt, Herr von Siebnttz?" fragte sie. „Aber wo ist denn Eduard, mein Sohn?" Der Lieutenant machte eisen sehr verlegenen Bückling, ehe er einen Ton über die Lippen bringen konnte. Endlich fing er an zu stottern: „Ihr Sohn ... äh .. hm — Ihr Sohn, gnädige | Frau — daS bin ich!" „Herr von Siebnttz!" sagte entrüstet die alte Dame, der plötzlich ein Licht aufging. Dann aber faßte sie sich, so gut es gehen wollte. „Fräulein Fischer," wandte sie sich nach dem Bahnsteig hinaus, „wollen Sie mir wohl ein Glas Selters besorgen. Mir ist so merkwürdig." „Aber gern!" entgegnete diese und machte sich auf den Weg. Die unbequeme Lauscherin war entfernt. „Gnädige Frau!" stammelte der Lieutenant. „Verzeihen Sie mir . . . aber —" „Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen. Sie können thun und lassen, wa» Ihnen zusagt, ohne meine Meinung befragen zu müssen. Aber daß Du, Hilde, so etwas —" „Rein, gnädige Frau, das leide ich nicht," sagte, sich fassend, jetzt der Lieutenant und kletterte der Baronin nach, die daS Coupöbrett wieder verlassen hatte. „Wenn hier Jemand die Schuld trifft, so bin tchs und ich allein. Hilde ist so unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Ich habe mich ins Pensionat eingeschlichen. Ick habe mich als ihren Bruder ausgegeben. Ich habe ihr zugeredet, mit zur Bahn zu kommen. Ergießen Sie über mich die ganze Schale Ihres gerechten Zornes, aber schonen Sie das Kind!" „Roderich, Du bist . . ein . . Held!" schluchzte halblaut aus ihrem Taschentuche Hilde hervor. „Halt den Mund, dummes Ding," flüsterte erregt die Mutter. „O Mutter," sagte sie entschloffen, „ich lasse nicht von ihm und er nicht von mir!" „Einsteigen!" schrie in diesem Augenblick der Schaffner. „Leb wohl, Hilde!" flüsterte der Lieutenant. „Nicht wahr, gnädige Frau, Sie verzeihen ihr?" Die Murter zögerte noch einen Augenblick . . . D« erschien die „kleine Fischerin" mit dem SelterSwasser wieder auf der Bildfläche. Mutter zu rächen, mit der er in Unfrieden lebte. Er wanderte nach Ilmenau, woselbst er Arbeit fand, und bestellte von hier aus in Arnstadt einen vergifteten Kuchen, angeblich zu dem Zwecke der Mäusevergiftung, in Wahrheit aber, um seine eigene Mutter des versuchten Giftmordes bezichtigen zu können. Als nämlich der Kuchen eingetroffen war, machte der Bursche die Anzeige, daß er auS Arnstadt ein verbrich- tigeS Gebäck erhalten habe, das vermuthlich vergiftet fei. Dasselbe rühre offenbar von seiner Mutter her, die ihm nach dem Leben trachte rc. Der Kuchen wurde daun auch untersucht und, als man wirklich Gift in demselben fand, die Anklage gegen die Mutter deS Burschen erhoben. Indessen kam die Sache bald zu Tcwe, der junge Mann wurde verhaftet und gestand nun, daß die ganze Geschichte erlöge« sei. Das Gericht erkannte wegen verleumderischer Beschnl- dtgung auf 1 Jahr Gefängniß. * Graz. 8. Februar. DaS Schwurgericht in Etllt (Steiermark) verurtheilte vier Bauernburschen, die einen Winzer ermordeten, der sie wegen Traubendiebstahls dem Gemeindeamte angezeigt hatte, zum Tode durch den Strang. c , * Part», 8. Februar. In einer Metallwaareufabrik in Joinvtlle erfolgte heute Nachmittag eine Kesselexplo - f t o n. Der Pförtner und zwei kleine Mädchen wurden ge- tödtet, 7 Personen, darunter mehrere schwer, verletzt. * Briefmarken Preise. Man schreibt der „Frkf. Ztg." au» London, 2. Februar: Außerordentlich hohe Preise wurde« gestern auf einer hiesigen Briefmarken-Auctio« erzielt. Es wurde bezahlt für eine ungebrauchte Oldenburger 2 Groschen erste Ausgabe 5 Guin., ungebrauchte V» Grosche« 9 Guin., für ein Paar 3 Pfg.-Sachsen Lst. 19, eine dunkel- gelbe 3 Ltre-ToSkana Lst. 30, eine 27 Para-Moldau Lst. 21, eine ungebrauchte 108 Para Lst. 35, eine ungebrauchte 2 Real-Spanien 1851 Lst. 32, 1852 Lst. 20, eine gelbe 4 Cent-Britisch Guiana Lst. 40, Orange 5 Pesos-Argentinien ungebraucht Lst. 33, gebrauchte Lst. 20, eine Violette 1 Sh. Neu-Braunschweig Lst. 40, eine braune 1 Penny-Neuseeland Lst. 35, eine ungebrauchte 15 Cent-Munion, erste Ausgabe Lst. 50, eine blaue 2 Pence-Mauritius Lst. 92. Zwei Marken der Capcolonie mit Druckfehlern brachten Lst. 52 und 65, und den höchsten Preis eine nicht perforirte, ungebrauchte rosa 4 Pence von Ceylon, die für Lst. 130 (2600 Mk.) losgeschlagen wurde. Jnsgesammt brachte« 472 Marken Lst. 2612 (52 240 Mk.) ein. Sand^ s- tkll. »w __ J25 605 eft. L„. rnt I und 2. Kia»**'' 55» WC"' . .(■ __ . . 5°! * ». >18- iden EisenbahiM (bf atzet. gl» gvü M 12* ijp; 7^813 009 Wtt 2.-1 Rlaflt). p)8»o 10161206 po W tzr N» W flv v» 5* T-i lQQj.__ führt 2.-4. Klare) , 2 ftU M l(p 12» 5 6^61082! 9^102 jy (böflfeltyS ^bis Hungen) 5^ Ifli. Bitti». uar 1895, Vr Uhr: RT 'isbahn. •stand, n. W Bierkeüer ung. 'S Ä Ä »o112860 a»18: 400 | 35- \tW ißfj 1l0°- N 848 schiedene Nummern empfiehlt [1099 MF Prompte «ratiSseuduug der Gewinnliste. — «onntagS von 11 bi» 8 Uhr geöffnet. **QB Joh. Phil. (Kruft Hinckel in Liquidation. 1087 Arthur Trapp. Fr. Gäns. 994 vorm. Simon Hering, Act.-Ges. in Ausverkauf Moselweine 709 wegen 287 Zur Anfertigung Jn ApoFheKen & Droöerien □ Matrshen, 54 Bahnhofstraße 54. 924 greifen. eingetroffen bei 1161 L. Kalkhof. DeuHche Verlags-Anstalt In Stuttgart. Lindenplatz. 926 Ast. Apselgelee, 1 ~ IHa »rat» H.fl üi uor. n empfiehlt halten ~ Ouroh SwefthanSunyen f-n,t a n 11 a 11 • n Rcbedtse: Ä. 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