Kegel MM» mteufilik« usW9 ein grosses Lager J sang- icher tenbilllgenW? , [3860]h weuge j j 50 Mk. empfehlen ! HGlil.Wt menweg 16. ;3; ÜS'StWÄ itf#' $ 'Pitt' * kÄtMw# Z-s^ » in allen Nuancen, art trocknend, jf ’um Einölen, in.Oel-i.ac1" in allen Farben, Parqaet-Wachs, ähne, fif-S?*»* «w£-er»> roien Sä'; fn 3133 ,.^n' Skbulßr. 9. "Irninpfr * ^önbamöbti, M-' MLchutz- M Wände M^lnallenGrößen SMbei 3604 W- Brüä, ____wtaw. Freitag den 10. Mai -IS9S Erstes Blatt Nr. 109 Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Sfbaction. Expedition und Druckerei: Sckukfiraße Kr.7. Fernsprecher öl. vierteljähriger Zsouukmcntsprel» t 2 Mark 20 Psq. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener A« mikien blätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt. Der Hieheaer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Amts- und ZInzeigeblntt für den Kreis Gieren* chratisöeikage: Gießener Kamikienökättcr. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den {ofgenbrn Tag erscheinenden Nummer- bis Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutscher Reichstag. 87. ettznng. Mittwoch, den 8. Mai 1895. HauS und Tribünen sind außerordentlich stark besetzt. Aus der Tagesordnung steht zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Aenderungen und Ergänzungen des Stralgesetzbuches, des Mtlttarstrafgesetzbuches und des Gesetzes üLer die Presse (Umsturzvorlage.) Vor Eintritt in die Berathung ergreift das Wort der Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Meine Herren! Schon bei der ersten Lesung hatte ich daraus hingewtesen, daß die Vorlage nicht hervorgegangen ist aus allgemeinen theoretischen Erwägungen, sondern auS der Ueberzeugung, daß die Grundlagen des sittlichen und religiösen Lebens, daß die Achtung vor den überkommenen Einrichtungen des Staatslebens, daß der Gehorsam gegen das Gesetz und das Ansehen der Obrigkeit gesährdrt sei. Je drohender revolutionäre und anarchistische Ausschreitungen wurden, um so stärker trat an die Regierung die Forderung heran, die bürgerliche Gesellschaft zu schützen. Als nun die verbündeten Regierungen dieser Forderung entsprechend die Reform des gemeinen Rechts in Angriff nahmen, da mußten ste sich der Hoffnung htngeben, daß fie der Zustimmung, wenigstens der besseren Kreise sicher lein würde, der Kreise der Brvölkerung, die am lautesten nach dem Schutz stärkerer Strasmaßregeln gerufen hatten. (Gelächter links) Und als bei der ersten Berathung einige der hervorragendsten Mitglieder diefes HaufeS sich im gleichen Sinne autzsprachen, hofften wir, daß die Beralhungen der Commission über den Gesetzentwurf den Zweck der Vorlage erfüllen würden Diese Hoffnung ist nun nichl in Erfüllung gegangen. Im Laufe der Commtsfionsoerhandlungen vermehrten sich zusehends die Feinde der Vorlage. Anträge wurden in der Commission gestellt, welche die Außenstehenden erschr-ckten und wenn diese Anträge auck nicht zur Annahme gelangten, so vermehrten sie doch die Zahl der Gegner der Vorlage. Von vielen Setten erho'en sich Warnungsrufe, auch von solchen, die das Gesetz noch nicht einmal gelesen hatten. (Heiterkeit rechts.) Es wurde der Reichsregternng und dem Reichstage der Vorwurf gemacht, daß sie die Getstesfreihett des deutschen Volkes beschränken wollten, während dock nur von Beschimpfungen die Rede war und nicht von der wissenschaf.lichen Kritik, die ganz außer Betracht blieb. Ueberhaupt verstehe ich die Herren nicht, die Entrüstungs- verfammlungen abhalten. (Gelächter links.) Ich habe eine zu hohe Meinung von dem Volk der Denker, als daß ich es wagen könnte anzunehmen, daß die geistige Arbeit eines deutschen Philosophen, daß der große weltbewegende Kamps der Geister, der Fortschritt der Menschheit gehemmt werden könnten durch gesetzliche Bestimmungen und Strafandrohungen. ehr richtig! rechts. Lachen links.) Vielleicht hat zu den Besorgnissen und MißverslLndnissen auch beigetragen, daß die Commission Materien in die Verhandlungen htneingezogen hat, die dem Gesetz früher fernlager. Während die Vorlage eine Stärkung der Staatsgewalt im Auge hatte und deshalb den Schutz staatlicher Einrichtungen in den Kreis ihrer Anorcnungen zog, erstreckten sich die Beiathungen der Commission vorzugsweise auf Religion und Sitte, sie wollten den L-chutz dieser Gebiete erweitern- Dagegen wurden gerade die Bestimmungen des Entwurfs, die sich auf den Schutz der Staatsordnung, den eigentlichen Zweck des Gesetzes beziehen, etwas stiefmütterlich behandelt. So hat die Commission in S 111 die Verherrlichung des Widerstandes gegen Pie Staatsgewalt, die recht «tgentlich in den Rahmen dieses Gesetzes gehört, gestrichen, indem sie die Bezugnahme auf S H3 des Straf- grs.tzbuches beseitigte. Ich hoffe, daß der Reichstag diesen Paragraphen wieder einletzen wi i>, da dessen Ausscheidung eine erhebliche Abschwächung der Tendenz der Vorlage bedeuten würde, die sehr zu bedauern wäre. Was der zweite Absatz des von der Commission vorge'chlagenen $ 113 betrifft, so kann ich darin eine Verbesserung der Vorlage nicht erkennen. Diese will Denjenigen treffen, der vor der Oeffentlichkeit Verbrechen anp eist oder als erlaubt darstellt, tnsos ern die sich hieraus ergebende Verwirrung des Rechts- und des Sittlichkeit^geulhts die Gefahr in sich trägt, die Reizung zur Begehung ähnlicher strafbarer Handlungen hervorzurufen oder zu steigern. Die Commission will aber nur dann strafen, wenn der Thäter Andere zur Begebung strafbarer Handlungen angereat hat. Darin liegt eine Abschwächung, zu der ich ein genügendes Motiv nicht erkennen kann. Ebenso halte ich es juristisch^ nicht für gerechtfertigt, wenn die Anreizung zu Handlungen mit Strafe bedroht wird, die sittlich zu oerurtheilen, doch nach dem geltenden Recht nicht strafbar sind. Im Uebtigen kann ich mich nur dem Antrag o Leoetzow anschließen und Ihnen empfehlen, der Regierung die Mittel an die Hand zu geben, revolutionären Tendenzen mehr als bisher entgegenzutreten. (Beifall rechts.) Die Berathung beginnt mit S Hl i S 111 erklärt in feinem zweiten Absätze die Anpreisung und Rechtfertigung einer Anzahl von Vergehen für strafbar. Die Corn- missionsbeschlüffe zählen 10 Vergehen solcher Art auf, außer Ehebruch: öffentliche Zusammenrottung (SS H5, 124), Landfriedensbruch (125), Beschimpfung der Einrichtungen und Gebräuche einer vom Staate anerkannten ReligionSgemeinschast (SS 166, 167), Röthigung (240), Diebstahl (242), Zerstörung von Bauwerken, Verkehrs- oder Sicherheitsanstalten (30o, 317, 321). Die Strafbarkeit der Anpreisung der in SS 166, 167 mit Strafe bedrohten Vergehen war in der Regierungsvorlage nicht enthalten. sondern ist erst von der Commission eingefügt worden. Die Abgg. v. Leoetzow u. Gen. beantragen auch die Wieder- einschaltung der in der Regierungsvorlage enthalten gewesenen, dagegen von der Commission gestrichenen SS U3 (Widerstand gegen Beamte) und 114 (gewaltsame Röthigung zu Amtshandlungen). Abg. Barth (freis. Vp.) will ferner die Vergehen des Duells in den S Ul mit ein fügen sowie bestimmen, daß die Anpreisung nur bann strafbar sei, wenn sie „in der Absicht geschieht, zu den bejeiebneten strafbaren Handlungen aufzureizen." Die Debatte erstreckt sich aber zunächst nur auf das Princip der Bestrafung der Anpreisung und Rechtfertigung von Verbrechen (also zunächst unter Ausscheidung der einzelnen Paragraphen aus der Debatte). Abg. Barth (ftf. Vp.): Dem elegischen Tone der Rede des Reichskanzlers entnehme ich, daß, wenn die Vorlage abgelehnt wird, die Regierungen sich in das Unvermeidliche schicken und uns auf die Dauer mit einet solchen Vorlage verschonen werden. Die Commission hat die Aufforderung und die Glorificatton von Verbrechen im S Hl zusammengefaßt. Das auf die Aufforderung gesetzte Strafmaß soll stark erhöht werden. Wir sehen die Rothwendigkeit dazu — bei der Seltenheit der Fälle — nicht ein. Aber wett wichtiger ist die Bestimmung über die Glorificatton, das Anpreisen von Verbrechen. Was die Commission darüber beschlossen hat, ist mindestens ebenso unannehmbar, wie der Vorschlag der Regierung. Meint die Commisfion: das Anpreisen sei strafbar, wenn es eine Anreizung darstellt, ober weil es eine Anpreisung darstellt? Die Commisfion legt die Sache offenbar in ersterem Sinne auS. Aber was dadurch diese Bestimmung an Wirkungs- Umfang verloren hat, um so viel und noch mehr verschlimmert sich ihre Elasticiiät. Es fehlt jetzt ganz an objectioen Merkmalen. Alles wird dem fubjectiven Ermessen des Richters überlasten, je nach seinen politischen und socialen Anschauungen. Und das ist das besonders Bedenkliche bei politischen Vergeben. Dazu kommt, daß die Staatsanwaltschaft bei der Verfolgung derartiger Glorificationen ganz nach ihrem discretionären Ermessen handeln kann. Handelt es sich um einen Socialdemokraten, so wird ganz sicher Anklage erfolgen, in anderen Fällen nicht. Man sage wenigstens: wer „in der Absicht anpreist, dadurch .... anzureizen", verwerfe aber unter allen Umständen S Hl Denn bet der „Glori- fication" ist es schlechterdings unmöglich, eine Grenze zu ziehen, es würde unter allen Umständen auch alle Literatur, alle Poesie getroffen werden. Gegen Schiller'sche Werke und deren Wiedergabe vorzugehen, wird ja zunächst unterbleiben. Aber wenn man sich auch diesem Fluch der Lächerlichkeit nicht aussetzen wird, so bleibt noch für die übrige Poesie, dramatische und andere Werke, Gefahr genug übrig. Ja selbst, wenn man auch annehmen wird, baß Schiller's Tell im Königlichen Schauspielhause nicht zur Begehung von ©traftbaten aufreizen werbe, so wttd mau das doch vielleicht voraussetzen, wenn etwa eine einzelne ©eene von Socialdemokraten angeführt wird. Wie leicht Strafverfolgungen cuf Grund so elastischer Paragraphen eintreten, zeigt ja der Fall der Fuchsmühler Bauern. Wenn man solche Leute nicht mehr entschuldigen, ihr Thun nicht mehr beschönigen darf, so werden unzählige Strasveriolgungen die Folge sein Eine Preßfreiheit ist nicht möglich ohne die gleichzeitige Möglichkeit eines Mißbrauches. Und da ist es doch bester, lieler ein paar Ausschreitungen durchzulasten, als der Preßfreiheit ein Ende zu machen. Den Anarchisten geben Sie durch dieses Gesetz nur ein Relief, das sie sonst nicht besitzen. Wir haben lei uns ja kaum noch eine anarchistische Literatur. Und bei unserer Socialdemokratie finden Sie ein Ueberschäumen auch nur bei der Jugend. Gerade die socialdemokratische Literatur bei unf hat schon seit Langem den eigentlich reDoIu'ionSren Ideen entgegengcroirft Wie die Sache heute steht, hat auch die Socialdemokratie gar kein Interesse mehr an gewaltsamem Auftreten Da sollten wir dock nichts thun, um diese ruhige Entwickelung der Socialdemokratie zu unterdrücken. Abg v. Manteuffel (conf.): Ich uv.-fo doch bestreiten, daß die Socialdemckratie den mehr refotmatorifcken Character gewonnen hat, den Herr Barth ihr nachsagt. Die Socialdemokratie bangt jetzt nur ein Mäntelchen um ihre Ziele. Aber wenn sie die Macht dazu erlangt, mit ihren Zielen hervorzukommen, dann werden auch Herrn Barth die Augen übergehen. Glücklicherweise aber hat das deutsche Volk noch seinen Glauben an Gott, die Monarchie, und es hat noch feine intacte Armee Was nun S Hl anlangt, so sind wir, falls nicht unser Antrag angenommen wird, die SS H3 und 114 hier einzufchalten, und falls nickt auch die SS 166 und 167 restlichen werden, nicht in der Lage, S Hl anzunehmen, und wir sind bann auch nicht in ber Lage, der Vorlage überhaupt zuzustimmen. Der Reichskanzler hätte mit derselben wohl warten können Wir haben e5 nie verstanden, wie der Reichskanzler diese Erbschait hat antreten können. D'e militärischen Bestimmungen in dieser Vorlage befriedigen unS in keiner Weise: wir hätten sie schärfer gewünscht. Redner bestreitet sodann, daß von einem conservativ clerikalen Bündnisse gesprochen werden könne, wie man das als Sch eckgespenst hingestellt habe Das Her- nortreten der christlichen Anschauungen sei an den Commisfionsbe- fchlüsten lobenswerih, im Uebrigen aber habe Die Sommisston die Vorlage vielfach verschlechtert. Vor Allem durch Streichung der SS 113 und 114 im S Hl- Uns Agrariern haben Sie es stets verdacht, wenn wir Opposition gegen Regierungsvorlagen machten. Als aber neulich hier in Berlin eine Versammlung stattfand, welche diese Vorlage gerade in ihren dazu ungeeignetsten Punkten bekämpfte, ta haben Sie dazu Beifall geklatscht Abg. Auer (Soc): Nachdem diese Vorlage, nach ber man erst so heftig gerufen hat, ausgetragen ist (Heiterkeit), wollen selbst bie Väter dieses Wechselbalgs nichts mehr von demselben wissen. Was Ihnen mit dem Ausnahmegesetz nicht gelungen ist: unsere große Arbeiterbewegung zu unterdrücken, — bas wird Ihnen auck mit diesem Gesetze nicht gelingen, und überhaupt mti keinem Gesetz! Wenn die „Germania" meint, die wuliche Berliner Prottstversamm- lung habe nut aus Freimaurern bi standen, so thut sie das nur, um den Katholiken die Sache zu verekeln. Die Freimaurer gelten ja ebenso als Wau Wau, wie bie Jesuiten anbererseits Und ber brüte Wau Wau, das sind die Socialdemokraten (Heiteikei), aber gegen dieses Wau Wau finden sich schließlich Jesuiten und Freimaurer immer wieder zuiamrnen. (Heiterkeit) Ich habe mit großem Behagen gesehen, wie die großen Staatsmänner, die erst die lautesten Schreier waren, immer rn hr den Geschmack an ber Vorlage verloren haben und schließlich gar nicht mehr rnitmachten. (Heiterkeit) Wenn Sie oom Zentrum es vergessen, was Ihr Melchers unb Anbere unter bem Paragr aph des „Wibe-ftandes gegen die Staatsgewalt" gelitten haben unb wenn Sie es fertigbringen, ben Antrag Leoetzow anzunehmen, dann — sinken Sie noch unter bie Nationalliberalen! (Stürmische Heiterkeit). In ber Bibel werben eine ganze Anzahl von Verbrechen entschuldigt, welche heute ben, ber sie beginge, ins Gefängntß bringen würde. Weil Abraham „seines eigenen Sohnes nicht verschonen wollte", wurde er gesegnet. Also weil er einen Mord an seinem Sohne begehen wollte! (Unruhe) Wir begnügen uns damit, das Voll über seine Interessen aufzuklären, wir dicken alle Uebelstände auf und bringen das Volk zum Klaffenbewußtsein Wenn Sie trotz alledem immer und immer wieder davon sprechen, baß wir Gewalt beabsichtigten, so erwecken Sie bie Vermuthung, baß Sie es find, welche den Weg der Gewalt wollen! Sie selber sind es, die Blut fließen sehen wollen (Präs. Schmidt ruft den Redner hierfür zur Ordnung.) Kriegsminister v. Bronfart: Der Herr Vorredner hat sich speciell an mich gemacht in einer seiner letzten Wendungen. Ich kann ihm nur erwidern: Die Armee erkennt ihre Ausgabe nur in dem Schutze unserer Grenzen. Ihre Lorbeer wächst nicht auf der Straße in dem Kampfe gegen unbotmäßige Massen, um diese zu Paaren zu treiben. Das überläßt ste der Polizei und ber Feuerwehr. (Stürmische minutenlange Heiterkeit.) Abg. o. Karborsi verliest 9tamen5 der Reichspartei folgende Erklärung: „Zweck der Vorlage sollte nach unserer Ansicht eigentlich sein : Schutz der bürgerlichen Klassen gegen socialistische und anarchistische Umsturzbeftrebungen. Wir waren von vornherein nickt im Zweifel, baß bie Vorlage biefem Zwecke nicht entspricht. Namentlich vermissen wir Bestimmungen zum Schutze ber Arbeiter, welche den Umsturzbestrebungen fernbleiben, gegen bie Willkür und den De^ potismus anderer Arbeiter unb zum Schutze ber Arbeiter unb Arbeitgeber gegen frivole Sirikes. Die Beschlüsse ber Commisfion lassen biese Zwecke gar nicht erkennen. Dagegen haben Bestimmungen Aufnahme gefunben, welche wegen bes Spielraums, den fie zumal in ben heutigen kirchlich unb politisch bewegten Zeiten dem Richter gewähren, zu den ernsthaftesten Besorgnissen Anlaß geben, und welche außerdem auf weiten Gebieten des öffentlichen Lebens die freie Meinungsäußerung auf wissenschaftlichem Gebiete gefährden. Außerdem ist durch Streichung des S 130 jeder Schutz gegen geistliche llebergriffe auf ber Kanzel beseitigt. Wir werben daher nur S H2 und die Artikel 2 unb 3, bas Militärstrafrecht betreffend, annehmen. Wir werden uns an der zweiten Lesung nicht weiter betheiligen und wir werden das Gesetz ablehnen, falls die vorliegende Faffung Annahme finden sollte." , . Abg. Enneccerus (natl.) bezeichnet bte Vorlage in der Fassung der Commission ebenfalls als absolut unannehmbar. Es sei auck nicht wahrscheinlich, daß die Vorlage in der zweiten Lesung eine Gestalt erhalte, welche feinen Freunden die Annahme ermögliche. Vorausgesetzt, daß nach dem eonservativen Anträge nut bie bewußte Anreizung strafbar fein soll, ist bie Mehrheit meiner Fraction geneigt, diesem Anfrage zuzustimmen; eine kleine Minderheit will aber unter allen Umständen gegen die Vorlage stimmen. Abg. v. Wolszlcgir r-Gilgenburg erklärt sich Namens der Polen gegen die „Strafbarkeit der Anpreisung unb Rechtfertigung". Abg. Reindl (Ctr.) verliest eine kurze Erklärung, baß das Centrum für S 1H in der Commissionsfassung stimmen werde. Was die ganze Vorlage anlange, so könne dieselbe avch nicht in alle» Theilen dem Centrum gefallen und genügen. (Stürmische Heiterkeit.) Das Centrum behalte sich also sein Votum in dritter Lesung vor. Abg. Munckel (frs.Vg.) bekämpft 8 Ul, vor Allem die Strafbarkeit der Anpreisung. Abg. Zimmermann erklärt Namens ber Antisemiten, die- selben würben die Vorlage in der Commissionsfassung ablehnen, mit Ausnahme vielleicht ber Militärstrasrecht-Bestimmungen. Eines Gesetzes bebörfe es allerbings, aber gegen die Juden. Weiterberathung morgen. Deutsche» Reich. Berlin, 8. Mat. Fürst Bismarck empfing am Mittwoch in FriebrichSruh eine Abordnung von Vertretern ber 72 sächsischen Städte, welche dem Altreichskanzler auS Anlaß seines 80. GeburtsfefteS bas Ehrenbürgerrecht verliehen haben. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Corresponbenz-Bureau. Berlin, 8. Mai. Die ReichStagscommisfion zur Vor- berathung bes Antrages Hehl, bezüglich ber Kündigung bes Meistbegünstigungsvertrages mit Argentinien, hat ben Absatz 1, ben Reichskanzler zu ersuchen, bie Kündigung alsbald herbeizuführen, mit 9 gegen 7 Stimmen, unb ferner mit 8 gegen 5 Stimmen ben Absatz 3, bie Künbigung ber Meistbegünstigungsverträge mit Ländern, wo unsere Beziehungen sich ungünstig gestalten, in Erwägung zu ziehen, angenommen. Die Commisfion nahm schließlich mit 9 gegen 4 Stimmen ben Zufatzantrag Arnim an, wonach eine Ber- stänbigung mit ben übrigen europäischen Staaten behuss Abschlusses einer europäischen Zollunion in Erwägung zu ziehen sei. Zum Berichterstatter wurde Paasche bestimmt. Berlin, 8. Mai. Die Reichstagscommission für die Novelle über bte communale Besteuerung bes Weines begann ihre Berathungen. Parlamentarische Kreise nehmen an, baß ber Entwurf kaum in ber laufenden Session zur Verabschiedung gelangen werbe. Es wurde befchloffen, keinesfalls vor Abschluß ber zweiten Lesung ber Umsturzvorlage bie nächste Sitzung abzuhalten. Berlin, 8. Mai. Die der hiesigen Polizei längst als Anarchisten bekannten Schneiber Krebs und Töbs würben gestern wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz verhaftet und bei ihrer heutigen Vorführung in Untersuchungshaft genommen. Berlin, 8. Mai. Zur Verhaftung ber angeblichen Anarchisten Krebs unb TöbS wird folgenbes gemeldet: Eine Frauensperson erstattete gegen TöbS Anzeige, daß derselbe im vorigen Jahre gemeinschaftlich mit Krebs ein Attentat gegen eine hochstehende Persönlichkeit geplant hat. Beide hätten in Töbs Wohnung Sprengstoffe fabrizirt, zwei Flaschen in ibtn W' i Feuer noch löschen, ohne daß die brauchte. Petroleums fallt jetzt wieder stetig, maßgebende Newyorker Nottrung für bewohner konnten da» Feuerwehr einzugreisen ** Der Preis des Ende Marz betrug die Dir von §rc erlassene 2 ruixttb jlir Äenntni Hießen, bei Gi Bieft es. den 9. Mat 1895 •• Sitzung der Grofth. Handelskammer am 3. Mai 1895. Anwesend waren die Herren: Koch, Scheel, Gail, Klingspor, Kraatz und Worlmann. — Die Kammer beschloß in gemeinsamem Borgehen mit dem Verein Mainzer Kaufleute eine Eingabe an den Landtag zu richten mir der Bitte, eine Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen über die Sonn» rag »ruhe zu veranlassen, damit in Zukunft wenigsten» in den größeren Orten die Schaufenster auch außerhalb der freigegebeuen GeschästSsrunden Sonntag» offen gehalten werden dürfen. — Unterstützt werden soll eine Petition der KaufmLnni'chen Innung zu Göttingen an den Reichskanzler, bett. Schutz gegen die dem Handel und Gewerbe durch die Concurrenz der (Sonf umveretne drohende Gefahr mit folgenden in Vorschlag zu bringenden gesetzlichen Maßnahmen: Zulaffung der Eonsumvereine nur in Form eingetragener Genoffenschaften, Beschrä'kung de» Geschäfts- Betrieb- auf die Mitglieder, Concesfionßpflicht für Klein handel mit Branntwein, Heranziehung zur Einkommensteuer, Ausschluß von Ofsiziereu und Beamten al» BereinSleiter. — ** Daß die Srunrerua-Sfeier an die großes Tage tu 1870, In der Seiten» eme» Mitgliedes der Tabaksteuer- \ welche in den Augusttagen diese» Jahre» in Darmstadt, ** Periodische Quelle. In der Gemarkung TreiS a. d. Lda. liegt in einem Acker vor dem Todtenberge der „gute oder Gesundheitsbrunnen". Die» ist der Name einer periodischen Quelle, welche regelmäßig nach je 7 Jahren plötzlich hervordricht, eine kurze Zeit fließt und ebenso ra^ch wieder verschwindet. Sie ist daS Räthsel und Wunder der Gegend, so wie der Zirknitzer See an den jütischen Alpen, da» wunderbare Geheimniß von Kratn. Ebenso wie dieser See dürste wohl auch der „gute Brunnen" mit unterirdischen Höhlen oder Wasseradern in Verbindung stehen, welche die Erscheinung bewirken. In früherer Zeit aber, al» in den Schulen noch keine Naturwissenschaft und nicht viel mehr Erdkunde gelehrt wurde, al» da» Volk noch auf einer tieferen Bildungsstufe stand und noch sehr zum Aberglauben hinneigie, da schrieb man dieser Quelle, in der man wohl Übernatürliche» Walten zu erkennen glaubte, wunderwirkende Kräfte zu. So kamen denn bi» noch vor etwa 40 Jahren die Bewohner der ganzen Umgegend schaarenweise, ja oft mehrere Stunden Wege» her, um Trester „Gesundheit», brunnen" zu holen. Kranke au» Nah und Fern, da» Haden noch viele ältere Leute erlebt, ließen sich von diesem Waffer holen ober kamen auf Wagen gefahren, um durch den Genuß der „heilkräftigen" Quelle zu gesunden. Lahme und ftrüppel seien an Krücken gekommen, so erzählt die Sage, hätten au» diesem Brunnen getrunken, sich mit dem Waffer gewaschen, und seien gesund und munter von bannen gegangen. Neugeborene Kinder wurden damit gewaschen, um sie vor der sog. Kinderkrankheit zu schützen. Bi» zum Anfänge der vierziger Jahre stand ein Opferstock an dieser Quelle, und Münzen vom ge ringen Heller und Kreuzer bi» zum preußischen Thaler unb österreichischen Gulden wurden geopfert. Seit mehreren Tagen fließt nun diese Quelle wieder, aber nicht so stark. Es scheint, al» habe sich eitle neue Ader gebildet, welche in den tiefer gelegenen Ackern auSfließt, da diese sehr feucht sind. Der Brunnen selbst ist stet» etwa» über die Hälfte gefüllt. Abends eilt nun fast die ganze Schuljugend hinaus, „guten Brunnen" zu holen. (Siner der Lehrer besichtigte mit den „Kleinen" die Quelle- wie eß Linder machen, fo ruhten auch diese nicht, btß jede» einmal darau» getrunken.) Kürzlich waren sogar mehrere Schuljungen auß dem zwei Stunden entfernten Hachborn da und schöpften auß dieser Quelle, Beweis genug, wie sehr man noch heute an eine besondere Güte diese» Waffer» glaubt. — Da» aber wollen viele ältere Leute mit Bestimmtheit behaupten, daß e» ein trockene» Jahr gegeben, fo oft der Brunnen sich gezeigt. Ob » diesmal wohl auch zutreffen wird ! — Im Interesse der Volk», auftlärung wäre sehr zu wünschen, daß diese Quelle einmal chemisch geprüft würde. -y. Hause», 7. Mai. Am vergangenen Sonntag Nach mittag sand hierielbst vor Herrn Klct»feuerwehlinspeetor Loo» au» Gießen eine Vorstellung der hiesigen Pflicht- f en erwehr statt. Nachdem die Revision der Löichgerütbe, sowie die Exercttien der Wehr beendet, empfahl Herr Loo» der versammelten Mannschaft, sowie den Gemetndeoertretern die Bildung eine» freiwilligen (5orp» und begründ«» dielen Wunsch mit den damit verbundenen bedeutenden vor- heilen. Daß die Gemeindevertretung, sowie die Mannschaft sich für diesen Vorschlag interelfuten, beweist, daß bereu» gestern Abend eine Versammlung stattfand, woselbst 24 Wann sich al» Mitglieder de» neu za errichtenden 8orp» eintet ebneten. Da auß geschäftlichen Rücksichten nicht alle diensttauglichen Leute anwesend fein formen, steht zu erwarten, daß mindesten» 30 Mann dem gtmeinnüQtgen Aufrufe folgen werden. Bezeichnend fei b er noch, daß da» kleine Haufen nur 379 Einwohner zählt, sich abet im Gegensatz zu anderen größeren und vermögenderen Gemeinden seiner Pflicht und Schuldigkeit bewußt ist. Gut Wehr! nn. Darmstadt, 7. Mai. Die BeerdigungSseierlichkeites für den verstorbenen Präsidenten der Eentralstelle für die Gewerbe, Regier ungß rath Dr. Hesse gestaltete sich zu einer besonderen Kundgebung der Gewerbevereine de» Landes al» Vantrfteier für daß ganze Großherzogthum Heffen, begangen werden soll, daß namentlich der Hauptfesttag, der glorreiche Tag von Graoelotte, Sonntag, den 18. August, den vielen Tausenden, welche au» dem ganzen Lande in die zur Feier des Iubeltag^es auf» festlichste geschmückte Residenz kommen werden, eine ganze Anzahl von Emzelseft l ich ketten aufweisen wird, ist selbstverständlich. Bor endgültig festgesetztem Programm wäre eß verfrüht, jetzt ichon auf einzelne» näher einzugehen; eß sei nur erwähnt, daß zur hohen Beide beß TageS wahrscheinlich auch die Grundsteinlegung de» Landeßdenkmal» für den hochseligen G roßderzog Ludwig IV., den tapferen Führer der hessischen Division, gehört, so daß die Milkämpfer auß jener ruhmreichen Zeit Zeuge eine» großartigen Acte» der Dankbarkeit brß treuen hessischen Volke» fein werden. E» dürfte diese» für viele ganz besonder» Beranlaffuag sein, den hehren Erinnerung», tag >m Verein mit den Kameraden in der Landeshauptstadt gu verleben. Möge man aber auch allerort» schon jetzt darauf bedacht fein, den bedürftigen Kameraden die Mittel zu gewähren, die Reise nach Darmstadt auSsühren zu können, damit sie, die vor 25 Jahren ihr Leben tapfer in bie Schanze schlugen, um da» Vaterland zu schützen, heute nicht hinter ihren beffer situierten Kameraden zutückzastehen brauchen. ** Amerikanische Pensionen Durch Gesetz der Bereinigten Staaten von Nordamerika vom 1. März 1893 war bestimmt worden, daß vom 1. Juli 1893 an amerikanische Pensionen an Personen, welche im Auslande wohnen unb nicht nordamerikanuche Bürger sind, nicht mehr gezahlt werden dürsten. Diese» Gesetz, durch welche» namentlich die tm Außlande wohnenden Wittwen und Eltern von ehemaligen Bediensteten der vereinigten Staaten betroffen wurden, ist nunmehr durch ein Gesetz vom 2. Marz dsc. I». wieder aufgehoben worden. Standard white etroa 7,00, dann stieg sic gegen Mitte April auf 11,50; gegenwärtig steht sie auf 8,00 Die künstliche Preiserhöhung war daher nicht von langer Dauer. ** Kirchliche Dienstuachrichten. Ernannt wurden: Pfarr- amtScandidat Lic. Dr. Diehl zu Groß Gerau zum Pfarr- amtSassistenien in Darmstadt, Pfarrassistent Stotz zu Lang- stadt zum Pfarrvicar daselbst; Pfarrassistent Hoffmann zu Darmstadt zum Psarrverwalter in Jugenheim, Decanat Mainz; Pfarrvicar Dörr zu Offenheim zum Psarrverwalter in Oder Ofleiden; Psarrverwalter Psannmüller zu Beerfelden zum Psarrverwalter in Niedernhausen, Pfarramt»- canbibat Haustein zu Holzheim zum Pfarrvicar in Offenheim; PsarramtScandidat Engel zu Oppenheim zum Psarr- Verwalter in Obbornhofen; PsarramiScandidat Nebel zu Groß Gerau zum Pfarrverwalter in Wetterfeld. ** Tal goldene Kreuz für 25jährige treue Dienste wurde von Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin in dritter Serie verliehen an 68 Dienstboten in der Provinz Rheinhessen. Die nächste Verleihung der „Goldenen Kreuze" sinder erst wieder zum Geburtstage Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Elisabeth am 11. März 1896 statt und müffen die Gesuche hierzu bl» spätesten» den 15. Februar 1896 einaeretdit fein. •* Fleischergewerbe. Am 14. und 15. Mai findet in Warm» ein Bezirkstag für alle dem deutschen Fleischer- Verbände beider Heffen und Naffau angehörigen Innungen unb selbstständigen Fleischermeister statt. tv der q u. & «urg, BevShtim, j ,rp8 Iintonia, l erzrisseti verließ 8en>ufeifetn, geleimt Die (Bninbt theilveise nicht feil m Rrgenneistere idt liefen. bis -toiokoÜ ben Anlr firu.i3itüde oder ei ichajs een einem ^ichlrte«, erhoben :br. liber bie Pach Johann toirb ^irotbnung üom 1. 306 ÄnivLWri trieb übnhMpl -• oon allen @ebäi gärten; -i. von Kmnbstülkc gelegen ist, ■ üCR fatrpfliftij bauer fo- sei e« das verbliche 8enu m tinen ettinbr ^"jenigen ®r ' Erchen Rennti und ^nn, dnd Haden ch von diesem Wasser , um durch den Genuh i. Lahme und Krüppel die Sage, hkitien au« Wasser gewaschen, und egangen. Neugedvieue ;e vor der sog. Kinder- ,e der vierziger Jahre und Münzen vom j': :euhischen Thaler uni en. Seit mehin''- , aber nicht so fiar!- )tr gebildet, welche in da diese W W uwas über die hälsre ^-e Schuljugend hinaus, - der Lehr» besWate es Kinder matten, j° Tlal daraus gelrunken.) jungen aus dem zwei ,d schopsten aus dieser .och heul- an »ne _ Das aber wollen behaupten, daß es nu B* ll””1 ui8enin W'4“ ' 6'( oisiou der l P hfbeuunttn W en-n bereu» beroerft, J anb, Leteo. en»“" ' „«In«- Li'” °" d°- I, S-S'°l°° W "cl B-° I'"" 1 In D- " ,S’O den 18 »7 oet ! ’Ä ***Ä*** wkbarkeit btn ^lit i an6jjkt ““ Wudejn, r* ®!l‘t dir ®5'i 1893 t^Bln un6 1 »wild) btt ie timall«ln Wrbm tft a,i W- 3«. Dermietßungen. .-4245L anständige junge Leute könnenWobnung erhalten. Wolkevgasse13. 4239j Mansardenwohnung zu oer- nntthen^ F-rankfurterstr. 43, pari- 4242J MäuSbarg lS, 3. 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