Samstag den 9. November 189» Erstes Blatt Nr. 264 Generat-Mnzeiger. Rrdaction, (t^ebltie» und Druckerei: KlKutstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Dir Gießmer Ds««irte»VtLt1er werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt. Der #tete«er -artiger erscheint täglich, »tt Ausnahme deS Montags. Gießener Anzeiger Zs Aints- und Anzeigeblntt für den ICrets Giefzen. I Gratisöeilage: Gießener Aamikienötätter. Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsche» Reich. — Mit dem 9. November ist ein Ehrentag der deutschen Flotte herangekommen. An dem genannten Tage vollenden sich fünfundzwanzig Jahre, daß in den Gewässern von Havana daS denkwürdige S e e g e f e ch t zwischen dem deutschen Kanonenboot „Meteor" und dem weit stärkeren französischen Aviso „Bo uv et" stattfand, zu welchem der Franzose seinen deutschen Gegner herauSgefordert hatte. Der Kampf endete bekanntlich mit dem glänzenden Siege des „Meteor", den der damalige Capitän - Lieutenant und heutige commandirende Admiral Knorr befehligte- der „Bouvet" wurde von seinem Gegner jämmerlich zerschoffen und hätte sich demselben ergeben müssen, wenn der „Bouvet" nicht gerade noch in letzter Stunde die rettende neutrale Gewässer• Zone erreicht hätte. In unseren Martnekceisen werden zur Erinnerung an diese wackere That verschiedene Festlichkeiten in Scene gehen. Neueste Nachrichten» Wolffs telegraphisch-- Eorrrspondmz-Bureau. Berlin, 7. November. Der „Reichsanzeiger" meldet: Dem General der Infanterie Blume, Commandeur deS 15. Armeecorps, wurde das Großkreuz des Rothen Adler« ordens mit Eichenlaub, dem Generallteutenant Jena der 'Rothe Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe, dem Generallieutenant Buch der Kronenorden 1. Klage verliehen. Berlin, 7. November. Die „Post" schreibt: „Die von unS vor einigen Monaten gebrachte Nachricht, daß im Krieg-Ministerium eine besondere Centralstelle geschaffen werden solle, um alle Angelegenheiten, die sich auS der Fürsorge für die Arbeiter in den Armeewerkstätten und Betrieben ergeben, zu erledigen, wird neuerdings in ver« schiedenen Zeitungen in dem Sinne besprochen, daß eS sich hierbei um eine umfangreichere Neuschaffung (manche Blätter sprachen sogar von einem besonderen Departement) handele. DaS ist jedoch nicht der Fall. Wie wir hören, wird vielmehr nur eine unerhebliche Summe für Schaffung dieser Centralftelle, die die Gestalt einer Abtheilung erhalten dürfte, durch den nächstjährigen Etat gefordert werden." — Die .Post" schreibt ferner: „Nachdem, wie wir vor einigen Tagen meldeten, in den anderen alten Provinzen bereits die Be- rathungen Über die geplante höhere Nutzbarmachung der Landschaft für den bäuerlichen Realcredit -stattgefunden haben und demgemäß Schritte zur Ausführung der Beschlüsse in die Wege geleitet worden sind, ist die letzte dermalige Versammlung, nämlich die in der Provinz Westpreußen, wie wir in Bestätigung unserer früheren Mittheilung melden können, zum 26. d. M. nach Danzig berufen worden. Den Vorsitz wird der Oberpräfident von Goßler führen und das Ministerium für Landwirthschaft, wie auch bet den anderen Versammlungen dieser Art, durch den Geheimen Ober-Re« aierungSrath Dr. Hermes vertreten sein." Loudon, 7. November. In seiner gestern in Derby gehaltenen bereits erwähnten Rede führte der UnterftaatSsecretär des Auswärtigen, Curzon, aus, daß nach einer längeren Windstille verschiedene auswärtige Fragen abermals ihr Haupt über den Horizont erhöben. Die Welt sei unruhig, es lägen beunruhigende Symptome vor. Man höre das Stöhnen der kranken Nationen auf ihren Lagern und sähe den Todeskampf sterbender Männer. Dieser Zustand dürfte sich eher weiter entwickeln als abnehmen. Mit der Zunahme der Bedürfnisse nach neuen Umsatzgebieten vermehren M die BerührungS- und RetbungSpunkte zwischen den wetteifernden Völkern. DaS müsse jedoch nicht nothwendiger« weise die Gefahren eines Krieges erhöhen. Der Krieg werde von Jahr zu Jahr unpopulärer und die eifrig betriebenen Rüstungen deuteten, obwohl sie nach der einen Seite gefährlich seien, eher auf Frieden, als auf Krieg hin. Petersburg, 7. November. Eine Depesche der „Nowoje Wremja" auS Wladiwostok meldet, daß das Kriegsschiff Jakut", welches den russischen Robbenfang im Ochotsksschen Meere beschützt, auf den Seehundsinseln 17 ausländische Robbenfänger mit einer Menge getödteter Robben beschlagnahmt hat. Depeschen bei Bure« »Herold*. Berlin, 7. November. Bet der heutigen Truppeu- Bereidtgung der Rekruten Berlins, CharlottenburgS, GvandauS und Groß-LtchterfeldeS, die um 11 Uhr im Lust« garten stattfand, hielt der Kaiser an die Truppen eine Ansprache, in welcher er diese auf die größere Ehre auf« merksam machte, daß sie im Garde-CorpS und unter den Augen des Kaisers stehen. Weiter sagte der Kaiser: „Ich erwarte von Euch, daß Ihr Eua, voll und ganz dem Dienste hingebt. Losgelöst von allen Beziehungen, müßt Ihr, die Ihr mir soeben den Eid der Treue geschworen und somit meine Soldaten geworden, jederzeit meines Winkes gewärtig sein. Besonders ehrend für Euch ist, daß Ihr in diesem Jahre dient zur Erinnerung jenes großen Krieges, in welchem Eure Väter unter dem großen Kaiser Wilhelm, meinem Großvater, für die Ehre des Vaterlandes gekämpft haben. Auch Ihr müßt jederzeit bereit sein, für die Ehre deS Vater« landeS, die Ehre Eures Königs und Eurer eigenen einzu- stehen. Wenn der Versucher an Euch herantrttt, so weist ihn zurück, er ist Eurer unwürdig. Erweist Euch würdig, meine Gardisten zu sein." Daraus brachte der commandirende General des Garde-CorpS, v. Winterfeld, ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus. Berlin, 7. November. Zu den umlaufenden Zeitungsnachrichten über den Stand der Berathungen bezüglich einer neuen Militär-Strafproceß-Ordn ung schreibt der „Retchsanzeiger" zu einer Nachricht des „Han. Cour.", daß die Angabe, der Kriegsmtnister habe, „wie bekannt", dem Reichstage eine Vorlage im Sinne des öffentlichen Militär' Strafprocesses in Aussicht gestellt, absolut falsch sei. Der Kriegsminister habe sich im Reichstage mit keiner Silbe über die Frage der Oeffentlichkeit geäußert. Von einer Aenderung deS Militär-StrasgesetzbucheS sei überhaupt nie die Rede gewesen. Die Verhandlungen über die Militär-Strafproceß- Ordnung hätten im StaatSministerium stets im Beisein des KrtegSministers stattgefunden und feien im Wesentlichen ab« geschlossen. WaS über den Verlauf derselben von „unter« richteter und zuverlässiger Seite" dem „Hann. Cour." erzählt werde, sei thatsächlich unrichtig, wie auch die Angaben über an allerhöchster Stelle bereits getroffene princtpielle Entscheidungen. Berlin, 7. November. Der Ausschuß des Bimetal« listen-Bundes hielt heute eine Sitzung im Abgeordnetenhause. Es wurde die volle Ueberetnstimmung mit den französischen und englischen Bimetallisten constatirt. Der Ausschuß machte den Antrag des Grafen Mirbach zu dem seintgen. Es wurde fodann die Frage der Organisation zum Abschluß gebracht. Berlin, 7. November. Aus Anlaß der Anwesenheit des Königs Karl von Bortugal in Berlin haben verschiedene portugiesische Offiziere und Beamten preußische Orden erhallen. Berlin, 7. November. Der vorgestern zum Reichstagsabgeordneten gewählte Redacteur der socialdemokratischen „Dortmunder Arbeiter-Zeitung", Dr. Lütgenau, wurde heute wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch den Abdruck eines Artikels „Wieder eine Katserrede" von der Strafkammer in Dortmund zu fünf Monaten Gefängniß verurthetlt. Berlin, 7. November. DaS „Kleine Journ." veröffentlicht eine Depesche aus Wien, wonach in Hernals, Ottakring und FloriSdorf ernste Juden-Crawalle stattgefunden haben sollen. Nach letzterem Orte soll sogar Militär entsandt worden sein. Berlin, 7. November. Nach einer Meldung der „Post" wurden die zwei seit Frühjahr d. I. erledigten japanischen Militärattachöstellen bei der Berliner Gesandtschaft wieder besetzt. Die beiden Herren treffen bereits in den nächsten Tagen hier ein. — Wie die „Post" weiter hört, kommen im nächsten Frühjahre mehrere japanische Offiziere nach Deutschland, um ihre militärischen Studien zu vollenden oder neu aufzunehmen. Berlin, 7. November. Aus Thorn wird gemeldet, daß nach dem Corpsbefehl, welcher den Mannschaften von Westpreußen bet den Control-Versammlungen verlesen wurde, den Reservisten auch der Besuch von Localen verboten ist, in denen socialisttsche Versammlungen stattfinden oder der Wirth deS LocalS socialisttsche Gesinnungen bezeugt. Ferner ist ihnen nicht nur daS Halten, Lesen und Verbreiten socialistischer Schriften, sondern auch die Bethei- ligung an Geldsammlungen zu socialdemokratischen Zwecken und die Thetlnahme an socialistischen Aufzügen und Festlichkeiten verboten. Jeder Reservist ist verpflichtet, ihm bekannt werdende derartige Ueberschreitungeu der Militärbehörde anzuzeigen. Diese Uebertretungen sollen nach der Strenge der Militärgesetze bestraft werden. Breslau, 7. November. Wegen Majestätsbeletdigung wurde heute der Redacteur der socialdemokratischen „Volks- wacht", Emil Neukirch', zu zwei Monaten Gesängniß verurthetlt. Wien, 7. November. Sämmtliche Blätter besprechen die Nichtbestätigung Dr. Luegers zum ersten Bürgermeister. Die osfictösen Blätter sagen, die Regierung habe, nachdem Lueger doch ein Agitator ersten Grades gewesen, nicht anders handeln können. Die antisemitischen Blätter kündigen den Kamps bis ausS Messer an und schieben die Schuld an der Nichtbestätigung auf den seit gestern hier weilenden Ministerpräsidenten Banffy sowie aus die deutsch liberale Partei. Alle Folgen, die ander Nichtbestätigung entstehen, hätte sich die liberale Partei selbst zuzuschreiben. Die neue Bürgermeifterwahl dürfte jedenfalls nächste Woche staitfinden. Wien, 7. November. Gestern Abend hielten der deutsch- nationale und der antisemitische Verein Versamm« lungen ab. In beiden Versammlungen wurde beschlossen, an der Wiederwahl Luegers festzuhalten. Die Wiederwahl LuegerS gilt daher als wahrscheinlich. Wien, 7. November. Wie in Abgeordnetenkreisen ver« lautet, hat die Regierung die feste Absicht, für den Fall der Wiederwahl Dr. LuegerS den Gemeinderath aufznlösen. Pari«, 7. November. Die Kammer wird für die nächsten Tage ihre Tagesordnung feststellen und zugleich über die vorliegenden Interpellationen Beschluß fassen. Der von dem Abgeordneten Bazilli eingebrachte Antrag, betr. Abschaffung deS Anarchistengesetzes, wird nach einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Bourgeois zurückgezogen werden. Dcr socialistische Abgeordnete Prudent-Derviller wird über die Wiedereröffnung der Arbetterbörse interpelltren. Rom, 7. November. Während deS letzten MonatS find allein von Genua aus 20,000 Italiener auSgewandert. Jnsgesammt haben während der letzten drei Monate 70,000 Personen das Land verlassen._______ Der Krieg von 1870|71, »-schildert durch Ausschnitte aus Zeitung«-Nummern jener Zett. (Nachdruck verboten.) 9. November. Das eigenthümliche, aber etwas unverständliche Spiel, welches die französische Flotte nun schon seit Monaten in der Nordsee treibt, entspricht vollkommen der unwürdigen Kriegführung, tote solche von der sogenannten großen Nation seit der Eröffnung der Feindseligkeiten gegen unS auSgeübt worden ist. Die Flotte verschwindet auf einige Tage oder eine ganze Woche und sofort machen sich fremde und deutsche Kauffahrer auf den Weg rach unseren Küsten, während gleichzeitig die in unseren Häsen liegenden Schiffe in die See gehen und die Hasenbehörden die zur Schifffahrt nöthigen Seezeichen auSlegen und die Leuchtfeuer anzünden lassen. Kaum ist die- geschehen, da erscheinen die Franzosen wieder mit einigen Dutzend Schiffen ersten Ranges, um ein paar deutsche Kauffahrer abzufangen und die Küstenvertheidigur g zu zwingen, die Seezeichen wegzunehmen und statt deren todtbringende Torpedos auSzulegen. Dadurch wird nicht bloß für unsere eigenen, sondern auch für die fremden Handelsschiffe der Zugang zu unseren Häfen gesperrt, über- Haupt ein Zustand herbeigeführt, der einer Blokade gleichkommt. Es ist dies zwar ein feiges, aber leider durch die noch bestehenden Seegesetze sanctionirtes Verfahren und wir können unS den angerichteten Schaden beim Friedensschlüsse nur mit Geld bezahlen lassen. CseeU« Meß«, den 8. November 1^96. ** Ehrung. Herr Photograph Ludwig Orth dahier erhielt von Sr. König!. Hoheit dem Großherzog von Hessen für die Ueversendung eines künstlerisch ausgeführten Tableaus, auf welchem in geschicktem Arrangement photographisch e A u fn a h m en der landwirthschaftlichen Ausstellung zusammengestellt waren, in besonderer Anerkennung und als ein Zeichen der Erkenntlichkeit Sr. Königs. Hoheit eine kostbare Busennadel nebst mit Edelsteinen besetztem allerhöchstem Monogramm mit der Krone, begleitet von einem Schreiben der Großherzogl. Cabinetsdirection. Wir find gewiß, daß unsere verehrl. Leser an dieser unserem Mitbürger zu The,l gewordenen Auszeichnung freudigen Anthetl nehmen. ♦♦ Hessischer Städtetag. (Schluß.) Der sechste Gegenstand der Tagesordnung: Organisation der Schulbehörden in den Städten, wurde zunächst behandelt von Herrn Oberbürgermeister M o r n e w e g - Darmstadt. Derselbe führte u. A. aus: Im Großherzogthum Hessen fei bezüglich der größeren Städte den hierüber geführten berechtigten Klagen nicht in erforderlicher Weise Rechnung getragen- die sühlbaren Mängel der Organisation des VolkS« schulweseuS beständen in der Zusammensetzung und dem Wir« kungskretS der Schulvorstände, besonders aber in dem Mangel eines technischen Mitgliedes im Schulvorstande, bezw. eine- technischen Reserenten bei der Bürgermeisterei- es sei dem Bürgermeister einer größeren Stadt bei der unendlichen Zersplitterung seiner Thät'gkeit unmöglich, die ihm als Borfitzenden deS Schulvorstandes in erster Lrnie obliegende Beaufsichtigung des städtischen BolkSschulwesenS nur einigermaßen ausreichend wahrzunehmen- selbst wenn dies der Fall wäre, würde er doch zur Herbeiführung oder Aufrechterhaltung der Einheitlichkeit im Schulwesen eines technischen BeratherS nicht entbehren können. Die Jnsufficenz des Bürgermeisters habe in einer Reihe von Schulangelegenheiten dahin geführt, daß mit Umgehung des Schulvorstandes ein dicecter Verkehr -wischen dem Oberlehrer und dem Kreis« Schulinspector sich entwickelt. Zur Bestellung eines Local- fchultnfpectorS habe man sich, mit einer einzigen Ausnahme, in keiner hessischen Stadt entschließen können, weil die geringe Eompetenz desselben ihn in eine heikle Stellung gegenüber dem untergeordneten Lehrerpersonal und dem KreiSschulinspector bringen würde. Die Bestimmung, daß in Städten der etwa vorhandene städtische Schulinspector gleichzeitig zum KreiS- schulinspector ernannt werden könne, sei unausführbar, eö dürfte nicht angängig erscheinen, daß der unter Vorsitz des DürgermeisterS amtierende städtische Schulinspector gleichzeitig alS KreiSschulinspector dem Bürgermeister bezw. Schulvorstand gegenüber die Function deS § 5 der Instruction für die Kreisschulcommission auSübt. Der Referent geht nach sehr eingehender Begründung seiner Darlegungen zur Behandlung der Frage: „Welche Organisation soll an Stelle d>r bestehenden angestrebt werden?" über. Er hebt hervor, daß eS den Stadtverwaltungen ferne liege, die Hand nach »^veräußerlichen Rechten der Staatsverwaltung auSzustrecken, die Erfüllung der Wünsche der Stadtverwaltungen seien vielmehr angethan, die Bestrebungen der Staatsverwaltung auf Hebung des Volksschulwesens wirksamer als bisher zu unterstützen u. s. w. Es seien zu erstreben: Die Beschaffung eines Schultechnikers mit den Befugniffen eines Kreisschul« inspectorS an Händen deS Bürgermeisters, ferner die Bildung eines Collegiums mit den Befugniffen der KretSschulcommts- fion für daö Bereich deS städtischen VolkSschulwesenS. ES schieden somit auS den Functionen der KreiSschulcommisfionen auS: die Aussicht über diejenigen Schulanstalten, welche nicht zu den öffentlichen städtischen Volksschulen gehören, sowie über die nicht an städtischen Schulen beschäftigten Schul aspiranten und Privatlehrer. Was die anzustrebende Stadt- schulcommtssiou betreffe, so wäre diese nach seiner Ansicht zu- iommenzusetzen aus drei von der Stadtverordneten-Dersamm- lung auS ihrer Mitte oder aus den zur Stadtverordneten- Decsammlung wählbaren Einwohnern zu bestellenden Mitgliedern, aus einem von dem Grohh. Ministerium zu ernennenden Staatsbeamten und aus dem staatlicherseitS ernannten Stadtschulinspector, und zwar unter Vorsitz des Bürgermeisters, bezw. seines Stellvertreters. Durch diese Zusammensetzung würden die staatlichen wie städtischen In- tereffen gleichmäßig gewahrt, eS könne sonach der Bürgermeister in eine Colltsion der Pflichten nicht mehr gerathen, da der Schulvorstand der Regel nach nur als aufsehende, beantragende oder die Befehle der vorgesetzten Behörde auS- iührende Stelle wirkt. Es bliebe, falls eine Colltsion überhaupt möglich, nur übrig, die Entscheidung von der Stadtschulcommission auf die Ministerialabtheilung für Schulangelegenheiten zu übertragen. — Der Correferent, Oberbürgermeister Vr. Gaßner«Mainz, erklärt sich mit obigen Darlegungen einverstanden- er ist nur bezüglich der Art der Organisation zum Thetl anderer Meinung. Seine Darlegungen faßt er dahin zusammen, daß eS sein Bestreben sei, die Selbstständigkeit der Städte in der Frage nach allen Seiten hin zu wahren- er beantragt schließlich im Anschluß an den bezüglichen Standpunkt deS Mainzer StädtetagcS von 1892 und unter Wegfall des Schulvorstandes die zu schaffende Stadtschulcommission zusammenzusetzcn aus dem Bürgermeister als Vorsitzenden, drei oder fünf von der Stadtverordneten Versammlung aus ihrer Mitte oder aus den zur Stadtverordneten-Versammlung wählbaren Einwohnern zu bestellenden Mitgliedern und einem Seitens der Regierung auf Vorschlag der Gemeinde zu ernennenden Stadtschulinspector. Sein Bestreben sei: Wahrung der Selbstständigkeit der städtischen Behörden nach allen Seiten hin. In der folgenden Debatte wurde besonders die Nothwendigkeit betont, die in dem Gaßner'schen Anträge nicht enthaltene Geistlichkeit in den zu bildenden Stadtschulcommisfionen vertreten zu sehen, desgleichen sprach man sich für Heranziehen der Oberlehrer aus und zwar aus technischen Gründen. Nur Herr Oberbürgermeister Morneweg von Darmstadt glaubte auf die Mitwirkung der Geistlichkeit lediglich deshalb verzichten zu können, weil den verschiedenen Consesfionen Rechnung zu tragen sei, in Städten aber, wie z. B. Offenbach, wo 6 Confessionen in Frage kämen, würde die Schulcommission zu viel Mitglieder erhalten. Herr Wasserburg ist für Beiziehung der Geistlichen nicht nur wegen Ueberwachung des Religionsunterrichtes, sondern wegen ihres EirfluffeS aus das Erziehungswesen überhaupt- auch Herr Oberbürgermeister Küchler bat keinen Grund, gegen die Mitwirkung der Geistlichen Einspruch zu erheben- er hält die Geistlichen für die Sachverständigen, die man nicht entbehren könne, ebensowenig wie die Oberlehrer, die man auS technischen Giünden beiziehen solle. Auch Herr Oberbürgermeister Brink-Offenbach spricht sich für Beibehaltung der Geistlichen auS. Herr Oberbürgermeister Gaßner modificirt schließlich seinen Antrag auf Zusammensetzung der Stadt- schulcommission wie folgt: 1) Vorsitz Bürgermeister, 2) drei oder fünf von der Stadtverordneten - Versammlung auS ihrer Milte oder aus den zur Stadtverordneten - Versammlung wählbaren Einwohnern zu bestellende Mitglieder, ein Geistlicher jeder Consession und zwei Oberlehrer, 3) ein Seitens der Regierung aus Vorschlag der Ge- meinde zu ernennender Stadtschulinspector. Es wird im Sinne dieses Antrages beschloffen. — Die Verhandlung über den in die nichtöffentliche Sitzung verwiesenen Antrag der Städte Kastel, Heppenheim, Groß-Gerau und Gernsheim auf Zulassung zum Städtetag schloß mit Genehmigung des Antrags. — Der 7. Gegenstand der Tagesordnung : Die unterschiedliche Behandlung der Stadt« und Landgemeinden bei Aufbringung der Gehalte der Volksschullehrer kam der vorgeschrittenen Zeit wegen nicht mehr zur Berathung. — Nachdem rod) beschloffen, den nächsten Städtetag in Darmstadt abzuhalten, wurde der 5. Städtetag nach einigen geschäftlichen Mitkheilungen geschloffen. *• Zur Stadtverordueteuwahl. Die socialdemokratische Partei beabsichtigt, zur bevorstehenden Stadtverordnetenwahl mit drei Caudidaten auf dem Plane zu erscheinen, wovon zwei bereits nowinirt find. Es find die Herren Bürstenmacher Julius Bräutigam und Kaufmann Eduard Krumm. Theater-Verein. Das sechste VereinSjahr begann gestern mit der Darstellung des auch in Frankfurt wieder aufgenommenen Schauspiels „HauS Fourcharnbault" van E. Augier. Das Stück ist alt, sehr alt- seine Fabel ist schwach, sehr schwach. Der Banquier Fourcharnbault steht vor dem Bankerotte, weil Madame schwach im Kopfrechnen ist. Herr Bernard, ein Selfmademan, der zwei Millionen und noch mehr Edelmuth besitzt, erbietet sich zum Kompagnon und er« theilt Madame Privatunterricht in der Zinsrechnung. Von da ab geht Madame nur in wollenem Kleide und fährt Droschke zweiter Klaffe. Das HauS ist gerettet. Herr Fourcharnbault hat auch eine Tochter, die, um Baronin zu werden, einen ungeliebten Baron heirathrn möchte. Herr Bernard ertheilt Frl. Blanche Privatunterricht über Herr Begriff von Jntereffenheirath, und Frl. Blanche erwählt einen braven, jungen Mann, der Herrn Bernard „unter Thränen" seine Liebe gestanden bat. Herr Fourcharnbault hat auch einen Sohn, der für Baccarat und freie Liebe besonders günstige Anlagen zeigt. Herr Bernard ertheilt Herrn Leo- pold Privatunterricht im Edelmuth, und Leopold kehrt auf den dornenvollen Pfad der Tugend zurück. — Der Stoff hätte sich trefflich für Ottilie Wildermut geeignet, hätte Augier eS nicht für nöthig erachtet, den edlen Mann mit dem erfolgreichen Privatunterricht zum natürlichen Sohne FourchambaultS zu machen- dadurch geht eß freilich einigermaßen über den Kreis der Mädchenpensionate hinaus. Schmackhaft wurde das Gericht durch die Sauce, in der eß servirt wurde - durch eleganten Dialog, blendende Schlagworte, feine Characterzüge, geschickte Führung und vor Allem durch ganz vorzügliche Darstellung. Herr Intendant Claar, dieser Förderer aller Kunst-Jntereffen, dem der Theaterverein so Vieleß verdankt, deffen thatkräftige Unterstützung wir Gießener mit freudigem Danke zu schätzen wiffen, hatte wieder die bewährte Schaar seiner Getreuen herübergesendet. Und diese unterstützten den Dichter aufß Beste, brachten die Vorzüge deß Stücke» wirksam zur Geltung und verdeckten fein« fühlig seine Schwächen. Augier hat dem edlen Sohne nebst seiner edlen Mutter die Hauptaufgaben zuertheilt- in Herrn Bauer lernten wir einen ganz hervorragenden Darsteller solcher Characterrollen kennen- Frl. Frank war uns von früheren Jahren her in bestem Gedächtniß: sie standen Beide auf der Höhe der Kunst und gestalteten den zweiten und den fünften Act ganz meisterlich. — Köstlich hob sich Herrn SzikaS friedltebender, unentschloffener, glattrasirter Fourcharnbault von Frl. Königs energischer, kluger Madame Fourchambault ab. Frl. Königs prächtiger Humor Überwand selbst die unangenehmen Züge ihrer Rolle. In ihrer Erscheinung wie in ihrem Spiel Überaus sympathisch war Frl. Ch. Doch- im Ernste wie im Uebermuth, in Zärtlich kett wie im Affect leistete sie Hervorragendes. — Die Geschwister Leopold und Blanche wurden vortrefflich von Herrn A. Meyer und Frl. A. Bock gegeben- sie machten sogar ihre wunderbaren Bekehrungen glaublich. — Herr Hermann endlich schuf einen Baron und Präfecten, auf den er stolz sein kann - in jedem Worte und in jeder Miene durchdacht, durcharbeitet und doch auß einem Gusse. — In Summa: Gießen kann auf eine künstlerisch vollendete Vorstellung, auf einen genußreichen Abend zurückblicken. ♦* Evangelischer Bund. Die fast in jedem Jahre an Lutherß Geburtstag stattfindenden Familienabende deß Evangelischen Bundeß, zu denen alle Evangelische un- entgeidlichen Zutritt haben, sind für Diele schon ein so festes Bedürsniß geworden, daß wir auf die am nächsten Sonntag Abend im Leib'scheu Festsaale stattfindende Feier kaum noch hinzuweisen brauchen. Im Mittelpunkt derselben steht wie immer ein dem Tage entsprechender Vortrag. Wenn dieser sich „über die socialen Anschauungen Luthers" verbreiten wird, so greift er in das Gebiet, daß heute nun einmal im Vordergründe deß Interesses steht, und über welches Lutherß Anschauungen zu kennen, von be sonderem Werthe sein muh- zumal, da der Vorstand in der Person deß Vortragenden, Herrn Pfarrer lic. theol. Eck von Rumpenheim, einen auf diesem Gebiete in Fachkreisen vielgenannten und verdienten Redner gewonnen hat. Sodann wird der Abend auch noch durch musikalische Vorträge außgezeichnet fein, seitens deß Kirchengesangvereins, sowie durch Violinvorträge seitens eineß sehr geschätzten hiesigen Freundes deß Evangelischen Bundeß, an deffen hervorragendem Spiel wir unß schon in mancher Aufführung zu kirchlichen oder humanen Zwecken freuen konnten. Somit darf den boffentlich recht zahlreich am Sonntag im Leib'schen Saale Erscheinenden eine in aller Schlichtheit würdige und genußreiche Feier in Aussicht gestellt werden. •• Eircrrs Althoff. Gestern Abend gab Herr Director .'l Ith off bte erste Vorstellung In dem auf OswaldSgarten ausgestellten Zeltcircus. Trotz deS regnerischen WeiterS war ein zahlreiches Publikum erschienen. Die Einwohnerschaft GlehenS kennt bereits die gediegenen Leistungen des Personals und erscheint eS daher nicht nStdig, auf die Einzel« heilen der gestrigen Vorstellung näher einzugehen. Es fei nur hiermit auf die heute Abend stattfindende zweite vor- stellung aufmerksam gemacht. Wer fich einen genußreichen Abend verschaffen will, der versäume nicht, die Vorstellung • zu besuchen. nn.e* Die Einnahme» an Zölle» und gemeinschaftlichet: Verbrauchssteuer» im Großherzogthum Hessen im Rechn ac fahr 1894/95 beliefen sich inSgesammt aus 12,448,961 Mk. 35 Pf. Hiervon entfielen aus EingangSzölle 7,851,322 Mk., auf Tabaksteuer 385 689 Mk., Zuckersteuer 582,451 Mk., Salzsteuer 1,098,029 Mk., Branntweinsteuer 1,220,466 Mk., Brausteuer 915,589 Mk., Uebergangßabgaben von Bier 119,082 Mk., ReichSstempelabgaben 119,183 Mk. und Re chS- spielkartenstempel 157,135 Mk. •* Statistisches. Nach dem vorläufigen Ergebnisse der Berufs« und Gewerbezählung vom 14. Juni b. I. betrug die Zahl der Haushaltungen im Großherzoardvur Hessen 218,142 (Starkenburg 93,037, Oberheffen 56,861, Rheinhessen 68.544), ort-anwesende Bevölkerung 1,031 791 (512,802 m., 518,989 w.) - davon kamen aus Starten bürg 440,274 (219,397 m., 220,877 w.), Oberheffen 273 588 (134,997 m., 138,591 w.), Rheinhessen 317,929 (158,408 in., 159,521 w.). Landwirtdschaft-karten wurden ausgestellt 135,979 (Starkenburg 55,925, Oberheffen 14,344, Rhe u- hessen 35,510); Gewerbebogen 31,353 (Starkenburg 13,849, Oberhessen 8066, Rheinhessen 9938). 5 Städte haben irhr als 10,000 Einw. (Mainz 74,917, Darmstadt 61,268, Offenbach 38,841, WormS 27,165, Gießen 22,753). — Im Großherzogthum Hessen wurden im Jahre 1894 15,014 ehel che männl. Kinder lebend geboren, 14,434 weibl.- tobtgetoren 635 m., 456 w., unehelich lebend m. 1254, w. 1263, tobt 69 m., 55 w., im Ganzen 33,180. ZwillmgSgedu^r n kamen 396 vor, DrillingSgeburten 6. Die Zahl der Gestorbenen (einfch. der Todtgeborenen) belief sich auf 11,047 m , 10,392 w., im Ganzen auf 21,439. Vie Zahl der Eheschließungen war 8241 , der Ehescheidungen 71. D. Tgl. Anz. ** Aus dem Amte Hultenberg Auf Anregung Sr. König!. Hoheit deS GroßherzogS ist eben in unserer Gebend ein Verein in der Bildung begriffen, der die Erhaltung und Veredelung der oberhesfischen weiblichen Do ks- trächten bezweckt. Der Verein, der ordentliche Mitgl eder (Jahresbeitrag 20 Pfg.) und außerordentliche Mitgl rder (1 Mk. Jahresbeitrag oder 10 M'. ci-.mal'ger Beitrag) auf» nimmt, wird unter anderem jährlich Preise ober Ausstat- tungSbeihülfen an besonberS brave und gefitt te Verein nnt glieber verteilen, wie auch Cvnfirmandinnen unterstützen. Zunächst können bie Gemeinden deS alten Amtes Hüttenderg, die Rabenau und TreiS a. b. Lumda, wv fich die alte Tracht noch am meisten erhalten hat, als Arbeitsgebiet des Verein- gelten, der fich bann aber hoffentlich in Oberhessen weiter außbretten wird. Wir wünschen dem Vereine, der ja viele Vorbilder in Baden und Bayern hat, ein fröhliches Gedeihen- daß Festhalten an alter Tracht und Sitte Seitens feiner Mitglieder bei allen feierlichen Gelegenheiten kann bte Liebe zur Heimath und ein gesunde- StandeSbewußtsein nur fördern. Hambach, 7. November. Bei einem vorgestern dah er stattgehabten Brand wurde eine Scheune, ein Stall nebst Anbau eingeäschert. Daß Feuer brach Mittag- 1 Uhr in der Hof- raithe beß Herrn Heinrich Frank auß. Der aufopfernbm Thätigkeit der hiesigen Bewohner ist es zu verdanken, daß unser Ort von größerem Unheil verschont blieb. Die erschienene Ober - Hörgener Feuerwehr brauchte nicht me^r einzugreisen D. Ober Mörlen, 8. November. Die v. R a b e n a u’idje Besitzung hierselbst kommt am 23, November nochmals zur Versteigerung. Der Zuschlag soll sofort ertheilt werden. (Siehe Bekanntmachung des Großherzogl. Amtsgericht- Bad - Nauheim in heutiger Nummer.) § Herbstet», 6. November. Der Sohn der WiUwe und Gasthalterin Wiegand von hier wollte gestern seine Mutter auf die Kirchweih nach dem nahen Müß fahren. Obwohl er ermahnt wurde, das Pferd nicht einspännig in der Schecre zu fahren, that er rß dennoch. Etwa eine Halde Stunde von hier entfernt, auf der R'xfelder Höhe, wurde da- Pferd wild und warf den Wag-n um. Die Frau mußte nach hier zurückgebracht werden, roetl sie eine arge Schulterverletznng erlitten hatte. Darmstadt, 7. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hat sich heute früh nach WormS begeben, um an der im Nonnenbufch von Herrn Major v. Hehl veranstalteten Fafanenjagd theilzunehmen. Gleichzeitig mit Sr. Königl. Hoheit nehmen eine Anzahl hiesiger Herren aus den höchsten Kreisen an dieser Jagd Theil. In den nächsten Tagen sollen die bekannten großen Jagden bei Osthofen :c. beginnen. Gestern wurde in einem Theile der Gemarkung Benßheim, in dem von Herrn Major Hall« wachs gepachteten Gebiet eine Treibjagd abgehalten, wo- bei von 12 Schützen 102 Hasen und 9 Hühner geschossen wurden. A Mainz, 7. November. Mit dem MainzerCarneval ist eö für baß kommende Jahr nidjtß ! Die gedrückten Geschäft-Verhältnisse, bie sich in allen Klassen ber hiesigen Bevölkerung fühlbar machen, haben allseits den Muth und bie Lust zu größeren carnevalistischen Veranstaltungen genommen^ unb sagt sich baher Jeber, baß eß angezeigt, für daß kommende Jahr den Carueval hier pansiren zu lassen. Bon dieser allgemeinen Stimmung beherrscht, hat auch daß letztjährige Comite der „Narrhalla" gestern Abend beschlossen, der den 11. b. Mtß. stattfinbenben geschäftlichen Generalversammlung nur bie Wahl einer Commission vorzuschlagen, die die Verwaltung deß Vermögen- ber ^Narrhalla* übernehmen unb da- Arrangement einiger Maßkenbälle an den Carnevalßtagcn betätigen soll. Wie groß bie gegenwärtig hier herrschenbe Carnevalßmüdigkeit ist, läßt fich daran- erkennen, daß biß jetzt noch nicht eine Stimme laut geworden, bie ernsthaft für baß Abhalten beß nächstjährigen Carneva's eingetreten ist. — Die Ergäuzungßwahlen zur hiefigen Skabtverordneten - Versammlung finden am 28. dsß. Mtß. statt. Man ist vielseitig bemüht, unter den verschiedene» Parteien auf der Grundlage der Wahrung beß Besitzstände- Heß. 9383 Der Vorstand. 9283 2. I* 9376 Herren-Confection. Tuch und Buxkin Markus Bauer Giessen Feste Preise: 3 Herren-, Knaben- und Kinder-Anzüge bei 8364 e v.Rabenau'sche mber nodimalß zur -ort ertheilt werden, rzogl. MsgeiichtS C. Roth II., Wallthorstraße K. Gebrüder Adami MSuSburg 14. Todtschlogsv rsuchs zu 3 Jahren Gefängniß verurtheilte. Elshundkcr Tage wird fie also doch noch warten müssen! Eingesandt. X. Gieße«, 8. November 1895. Bei aller Rührigkeit, welche unsere Stadtverwaltung für die Verschönerung der Stadt und dir Verbesserung ihrer VerkehrSanlagen entfaltet, erfreut sich der um die mittlere LudwtgSstraße belegene Stadttheil noch einer etwas stiefmütterlichen Behandlung. Die nächste directe Verbindung mit der inneren Stadt bildet für die Bewohner dieses Stadttheil- die Goethestratze. Wollen sie aber nach einigen Regentagen diefe pafsiren, fo sehen sie sich dort zwischen Wieseck und Sudanlage vor einem terrassenförmig gegliederten sumpfe und sind, wenn sie nicht den Kampf mit dem Morast aufnehmen mögen, zu dem nicht unbeträchtlichen Umweg durch die Bismarck- oder Bletch- straße gezwungen. Und doch ist die Goethestrahe als ein Hauptzugang zur Universität U..er der belebtesten Stratzenzüge der Stadt! — Einen weiteren Grund zur Klage für die Ludwigstraße bildet der Zustand des Ksinqelbaches. Statt, wie geplant, in feiner gemauerten Rinne die Abwässer der anliegenden Fabriken und Häuser schnell zur Wieseck adzuführen, ist er den größeren Theil des Jahres an verschiedenen Stellen thetls absichtlich, theilS durch Zufall abgedämmt; dadurch werden natürlich die auf ihn angewiefenen Gewässer aus- gestaut und belästigen die Passanten und Anlieger durch schlechte Gerüche. WaS kann die einigemal jährlich stattfindende Reinigung helfen, wenn wenige Tage nachher der alte Zustand wieder da ist und nicht durch öftere Revision für dauernde Frethaltung der Wasserrinne gesorgt wird! Ist es in der Provinzialhauptstadt Gießen denn wirklich nöthig, aus derartige schon Jahre lang bestehende Uebelstände erst durch die Pr.sse aufmerksam zu machen? in der chirschapotheke in der Pelilanapothete u. in der UniverfitätSapotheke. sowie in den Drogerien von Bttmtt «. Krumm, oov Emil stzischbach, von Vito Schaaf und von A. «. «. Wallenfels. 1539 Schutzmarke „Pfeilring“. in Blechdosen ä 20 und 10 Pf. Unübertroffen! als Schönheitsmittel u. zur Hautpflege, zur Bedeckung von Wunden u. in der Kinderstube Lanolin Vr,’.»* Lanolin der Lanolinfabrik, Martluikenfelde bei Berlin. kirchliche Anzeigen des Stadl Gietzen. Evangelische Semeinde. Sonntag den 10. November. 22. nach Trinitatis. Gottesdienst I« der Stadttirche. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Schlosser. vormittags 11 Ubr: Kinderkirche. Pfarrer Schlosser. Abends 5 Ubr: Pfarrer vr. Grein- Nachmitta i§ 4 Uhr: Versammlung der neuconfirmrrten Mädchen auS der Matthäusgemeinde in der Altceschule. Donnerstag den 14. November, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der Stadtknabenschule: Bibetstunve. (Brief deS Jacobus, Cap. 1, VerS 19 bis 27). Pfarrer Schlosser- In der JohanneSkirche. Vormittag? 9>/, Ubr: Pfarrer Dtngeldey. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Lucasgemeinde- Pfarrer Dtngeldey. Mon'ag, den 11. November, Abends 8 Uhr, Bibelstunde im Confirmandensaal der JohanneSkirche: Erster PetruSbrief, Car Der Wtedergeborenen Wandel in Christo und seinem Wort. Pfa rcr Dr. N aumann. Katholische Gemeinde. Sonntag, den 10. November. 23. Sonntag nach Pfingsten. SamStag: Nachmittags um 5 Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte- Sonntag: Vormittags von 61/i Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; _ nm 6V1 Uhr erste hl. Mefie; um 7‘/e Uhr Austheiluna der hl. Communion; „ um 8 Uhr zweit: hl- Messe; „ um 9»/, Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 5. «»>"*‘'’s "i 3 b,i form Major Halt- ll'Ä» 9 Hü-ner 8^ «*• zs* «ijtigt, F’’ gjon 1» L M» teil » " e.‘li ib»- * Ä® : 8« tsgess Hrermletstungen. 9360] Kleine« Logis zu vermiethen. Näheres «sterweg 1». 9381] Logis auf sofort zu vermiethen. _________Frau Hei«, Weserstraße 1b. Zimmer, U ’Ä miethen. [9107] «ordanlage 19, 1<- 8108] Schön möblirteS Zimmer »« vermiethen.________Nordanlage 28. 19 Lö ' '»61 -rnt :,582.til ' „'220,466®' «b-i do, » Re.chz. btt **■ 3u«i d. pt« 56,861, •'“MW 791 , 6L®tart,rbm9 Ä» 2’3.4 (158,408 ui., ib " SL'J »"S.°l4,h,L tobtgetoren 1263, tobt )Millmgsgebu'ten Zahl ber Gebelles stch auf ' 21,439. vie W. ber Ehe. D. H H M Anregung Lr. in unserer Gegend die Erhaltung und 'lichen Vo.ks. entlichr Mitgl eher Eche Tiltgl tber l'ger Beitrag) aus- leOe ober Audstat- efMite Verein-mt> innen unterstützen. Amtes Hüttenberg, fich bk alte Tracht Gebiet des Vereins Oberhessen weiter ereine, ber ja viele siöhiicheS Gedeihen- itte Seitens seiner iten kann Sie Liebe ifctfdn nur fördern. borßtfitrn batyir Stal! nebst Anbau Ufjt in btt tzvV Tltx yi utbtmUn, das ont blieb. Die et» rauchte nicht tnehr KjenenMtkrmein Gießen und Umsegend. ~ Versammlung Sonntag bett 10. d. M., Nachmittags 3 Uhr, bei Bauer. Tagesordnung: 1. Neues aus der Bienenzucht. Wichtige Vereinsangelegenheit. Feinstes Buchweizenmehl wieder eingetroffen. ^388 I. M. Schulhof. Vorzügliches Sauerkraut Garnirte und ungarnirte Demen- nnd Kivderhüte zu den billigsten Preisen, sowie alle in das Putz fach einschlagenden Artikel sind w haben bei Sophie Katz, 9369 10 Afterweg 10. | Pa. Hammelfleisch empfiehlt Metzger Rosenbaum. Bienenhonig, feinster, prämiirter. 8022 Seltersweg 67. Kar ächt eit Zu baden in Zinntuben b 40 Pf. 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Kaiiilnitger lischhinibluitg NeueubL'te« 21 empfiehlt frische Schellfische per Pfund 25 Pfg.______________9380 93671 Junge, fette Gänse saub. gerupft, bis 10 Pfd schwer, h Pfd- 47 H, Gute« ä Pfd. 57 vers. franco geg. Nachn. A. Krüger, Pokraken, Ostpr. Dermifchte Anzeigen. vi« vo« Schühenstratze 17 «ach Schiihenstr. 19 ÄÄ Anfertigen von Eingaben aller Art weiterhin empfohlen. 9^57 Wilh. Poppelsdorf. Em Stiibknt ertheilt Nachhilfe Zu erfragen in ber Cxped. d. Bl. 922- /TSttt möblirtes Parterreztmmer,« verm. Grünbergerstr^Sl. »mo 7100] Hübsch möblirteS Zimmer per sofort zu vermiethen. Asterweg 8, 1. 1856] MöblirteS Zimmer mit Cabinet und einfach möblirteS Zimmer zu ver- miethen___________MLusburg 7. 9171] Freundlich möblirteS Zimmer zu vermiethen- Liebigstratze Professor Dr. Theodor Weiffenbach in Frankfurt am Main 9274 geziemend in Kenntniss zu setzen. Die Giessener Burschenschaft Alemannia Die Beerdigung findet Samstag den 9. November, Vormittags 11 Uhr, vom Portale des Frankfurter Friedhofes aus statt. Todes-Anzeige im 79. Lebensjahre. Giessen, den 7. November 1895. 9196 Die Beerdigung findet Samstag den 9. November, Nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause, Grünbergerstrasse 35, aus statt. 9878 L 1 m. Weimar 9384 Tie Direktion F. Schubert Drn Empfang H. Vieuxtomps R. Schumann J. 8. Bach lagernd Mainz. 9o66 H. Wieniawski geführt werden. 9387 Monopol-Griechen von 1887 33.70 tem Preise zu haben. 9369 101.20 3 */t°/c £>« mbrgr • £> pp. >8f .unf J). 1906 11/2' ü bto. 101.50 4°/, Franks Lands. Lred. vk. 1(3 00 »371 JnJ. Wellhöter. anz. Banknoten bto. err. Hm nie. bi« Marburgerstraßc—Bahnhof und zurück ttcbaction: L. Hcheyda. — Druck und Strlag brr Brüht schen Unloersuära^vuch« und 6tnn6rudrrct (Pietsch * Schtyda) in Glthea. Fü hnltigc Dummer umfaßt 6 Seite». H. Riedel H. 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Grüubergerstraße—Bahnhof und zurück. M°rtt-Sch«ff°nb«r,.rw-ld und jurM Morburaerstraße—Wirseck und zurück Hänsel und Gretel . .E.Humperdinck Eintrittskarten für Nicbtmitglieder zu 2.50 (Sperrsitz X 3.50) sind bei Herrn Lrnat Uballier (Rudolph s Naolif), für Stpdirendo bei Herrn Hausverwalter Storck in der neuen Aula zu ormlissig- Für die aetive Burschenschaft C. Brückmann XXX, cand. jur. im Gießener Festsaal (Cafe Leib), bestehend in Gesangsvorträgeu, Theater und Tanz. Für den Alter Herren-Verband I. V.: Dr. Pitz. Frau Eleonore Rinn, geb. Wittich, Evangelischer Bund zu Giessen, Sonntag den 10. November, Abends 8 Uhr im Leib’schen Feat*aale. Federn und Hutgarnituren zeigt ergebenst an 8278 A. Fangmann, Bahnhofstraße 29. Gesangverein Heiterkeit. Heute Samstag Familienabend auf dem Lahnstein. Freunde des Vereins können ein» -.-4 81 15 ——1169.60 —I 4 15 1. Symphonie C-dur . . . 2. Conccrt für Violine mit Orchester E-dur (II. u. III. Satz)........ F. Lieder mit Klavierbegl. a. Dichterliobe I b. Widmung i ' ' i 4 a. Air für Violine mit Streichmusik b. Schorzo-Tarentclla, Violine mit Klavier . 5. Lieder mit Klavierbegl. a Trompeter von Siickingon...... b. Gohoimnias 6. Ouvertüre zur Oper: zur Feier von Luthers Geburtstag. Vortrag des Herrn Pfarrer Lic. Eck von Rumpenheim über Luther’* sociale Anschauungen. Unsere evangelischen Mitbürger nebst ihren Familien werden hiermit zu zahlreicher Betheiligung eingeladen. 9262 Der Vorstandes ladet ergebenst ein 9390 Steins Saalbau. Morgen Samstag den 9. November, Abends 8 Uhr Kroßes Wititär-Eoncert ausgeführt von einer Abtheilung der beliebten Militair • Musik • Schule Wiesbaden unter persönlicher Leitung des Herrn Director und Capell- rneister H. Stiehl. Entree 30 Pf- Familienbillet, 4 Pers., I M. Giessener Concertverein. Erstes Concert (106. Vereinsjahr) Sonntag den 17. Xov. 1805, Abends 5 Uhr, im grossen Saale des Gesellschaftsvereins, unter Leitung dos Grossberzogl Musik- directorti Herrn Carl Krausse. Mitwirkondo: Fräulein Minna Kode aus Frankfurt nm Main (Violine), Fräulein Hermine Hayden aus Mannheim (Mozzo-tiopran) und das durch auswärtige Künstler verstärkte Voreinsorchester. Programm. Gesangverein Gemüthlichkeit Samstag, den 9. November: Mer des 10. Stiftungsfestes, d»/0 Drttar. StaatSdahn o. 1886 89.95 I 4o/c Eilend. Renten». DH. 30/0 3t«: staatSgar. Etjenb. 53JtO|5«/u BuderuS DbL 1O/X1. Mitt. 1 U. 9361 Stift. F. Circus Althoff GIESSEN. ^eute Nreitag, Abends 8 Uhr, Eamttag, Abends 8 Ubr, sowie -eonntag 10. Novemberr 2groheVorstellungen in der höheren Rritkunfl Pferde- drestur, «ar et u Pantomimen. Preiset Stuhlsitz 1 50 1. Platz 1 2. Platz bO 3. Platz 30 H. Der Circus ist gedeckt, geh izt und für 1000 Personen eingerichtet. 9370 Althoff, Direktor. SV,% Deutsche NeichSanL 8% P eutz EonsolS Bi/,0/« Gr. drfstsch- Obi. 40/z Stabt Darmstadt v. 1891. 4% , Ähnnt unf. b. 1901 SbendS 10 Uhr. Omnibus-Verbindung 93361 GchwarzsetveveS «pttzeatuch (Kragen) gestern Abend verloren in der (Vaiöerobc deS CasS Leid. Adzugeben Bt-marckstrahe 11, I. 93861 Junger, angehender Kellner ober ÄtOnrrlfhrling ni'd gesucht »Hessischer Qof." Sectio» Gießen. Deutsch-Oesterreich. Alpen Verein Lonntag, 10 Nov.r SecltonSausflug Frauenbcrg Spiegels» lüft, Mai bürg. Abfahrt 126. Retourbillet Nieder' Danksagung. Mein Töchterchen erkrankte Ende vorigen Jahres an Gelenkrheumatismus, wozu sich später nach Aussage der Aerzte Knochcnhautentzündung am Fuß einstellte. Mein Kind konnte nicht mehr gehen, schrie vor Schmerzen und der Fuß war sehr geschwollen. Die Aerzte erklärt n nichts mehr daran thun iu können Um meinem Kinde aber Linderung zu ver, schaffen, wandte ich mich in meiner Verzweiflung auch noch an Herrn Dr. med. Botveding - Homöopath. Arzt in Düsseldorf, KönigSallee 6, und Gott sei Dank, dort bekam ich für mein Kind Hilfe, sodaß dasselbe nach zweimonatlicher Behandlung heute vollkommen hergestellt ist und wie jedes andere Kind herum laufen kann. EaSpar Heinrich Neuenhaus. Neuwert 139 b M-Gladbach 8-38 Coursbericht DO« Kurz dfc Co., Giessen, Dhllhofstraßk t. Frankfurter Börfc vom 7. November 1895. 20 F7LUt«M-vt. Enal. Sovereign« Dollars te Gold Von Morgen« 6 Restauration Heil Kaplaneigasse 7. Heute Samstag Abend : , Metzelsuppe. Vormittag«: Wellfleisch mit «raut. 9363] Prtvatlluuderr in allen Gymnasial- und Realfächern ertheilt mit unbedingtem Erfolge ein bestens emvsoblener Student. Gefl Offerten sub. J. E. an die (?yptb. d Bl Bankgeschäft lucht Lehrling j.tzt oder später Gefl. Lsser-en unter ,«anl* an die Erved diese« BtatteS 9377 S^/,°/o Krevrfarter Hyp. Vt. .... SViC/c Fckf. Hyp. Ered. 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