i«r ,il Fischbach. lüseoudelu, extrafeine nudeln, M breiig I>n Pi). 40 Psg., acherGemüsevudelo, roni, extraf. Wiener, roni, ital, rom-Hörnchev |« Maccarom, per $funb 1314 iil Fischbach. itofen, jelscheibev, stlspalteo, »räpfel, itn, netten, inmen, Mar., etscheo, türk., dW» M; „Achtes Obst, w>. 60 £-sSä eilt, -E. fi 'nl“ona J.*’ k-K Z'K UnJm„ 'ei"b-» non Ä' 1 lurzitch in Pait? stau«, rtzkar.t" ttwaVnita D°wpser-, P°ft Z Ä “Iatt und Muhte "^nderi,. ferner 4 Kar- ömmen neuer D-'ftellrm Wm, Altes-, Po^t-, Pch Daten, die jeder Äaufmimn n uns weiter Diagramme ifnbe Uebeifttt der Größe nge der Eisenbahnen und an ist gletchiallS in wtrkltt d gegenmörlige LLnge bet &be gegeben, die uni die itn Ziitabichnstien erkennei arte sind die handelsslaggei sämmtltch vertreten fink, daher, wenn wir da? oben M PeeiS von SJIf. 2- b rlQanie Stiftung her Firma, toi Eifern jur UnlMung essina-tW1, oncii, Feigen 168. Retter s 189= Haarwasser s •r*° «nt 1.10 bei. Kl*. «SSi «" ks s bei ygQjbarg 1S;, *K.W8 >■ Nr. 57 Erstes Blatt.Freitag den 8. März 1S95 Der tfrtefctner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Die Gießener A«mirtenvtätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigrlcgt. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. vierteljähriger nbannemcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Poft öezogc» 2 Mark 50 Pfg. Aedaction, Erprditto» und Druckerei: Schutstraßc clr.7. Fernsprecher 51. Aints- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren* chratisbeikage: Gießener Jamilienßlätter Amtlicher Theil lich gewesen und erklärt eS in Widerspruch stehend mit den oft kürzlich kundgegebenen Grundsätzen des Präsidenten. Präsident v. Levetzow erwidert dem Abg. Richter, daß er sich von ihm eine Kritik seiner Geschäftsordnung nicht gefallen lasse. Abg. Richter äußert sich, das moralische Recht hierzu zu Haven. Der Antrag Haffe wird sodann, ebenso wie der Antrag Hammerstein-Manteuffel, letzterer mit 167 gegen 51 Stimmen, nach einer Reihe von peisönltchen Bemerkungen und Schlußworten der Antragsteller ahgelchnt. . Nächste Sitzung morgen 1 Ubr. Militär-Etat. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den lolgendcn Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Bekanntmachung, betteffend: Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Alten-Buseck. Nachdem in den Stallungen des Ludwig Eberhard Seuling und des Ludwig Wagenbach zu Alten-Buseck die Maul- und Klauenseuche conftatirt und das Rindvieh des I. Berlin zu Großen-Buseck der Ansteckung verdächtig befunden wurde, ist für die genannten Gehöfte bis auf Weiteres Stallsperre angeordnet worden. Gießen, am 6. März 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Alle Annoncen-Burcaux bc3 In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. Deutscher Reichstag. 58. Sitzung. Mittwoch, den 6. März 1895. Anträge, betr. die Einwanderung ausländischer Inden. Abg. Hasse (Hosp. b. d. Natl.) begründet seinen Antrag. Er erklärt, er sei kein Antisemit, hätte jedoch gern gesehen, daß die Judenfrage auS wirtbschastlichen Gründen schon früher behandelt worden wäre. Den Einwanderern würde die Naturalisation zu leicht gemacht, während tm Ausland wohnende Deutsche schon nach zehnjähriger Abwesenheit ihre Retchsangehörigkett verlieren. Redner empfiehlt seinen Antrag, wodurch der Verlust der ReichsangehSrigkett, sowie andererseits die Erwerbung derselben durch Naturalisation erschwert werde. , Abg. Rickert (frf. Vg.) fuhrt aus, in diesem Zusammenhänge mit den beiden anderen Anträgen lehne er auch den Antrag Hasse ab, umsomehr, alS der Vorredner die Noihwendigkeit einer solchen Gesetzesnovelle nicht nachgewiesen habe. Die beiden anderen Anträge bewiesen, daß jetzt selbst der Bund der Landwtrthe nichts sei als eine antisemitische Organisation. Diese Anträge wären der erste Schritt zu einer gänzlichen Aufhebung der Juden - Emancivation. Gin Bedürfniß liege für solche Anträge nicht vor. Ein Ausländer könne auch jetzt schon ausgewiefen werden, wenn er sich lästig mache, andererseits hänge die Naturalisation bekanntlich vom Minister ab. Den russischen Händlern würden schon jetzt bezüglich der Naturalisation die größten Schwierigkeiten gemacht. Im Uebrtgen sei der Rückgang der Juden statistisch nachgewtesen. Dieser Antrag widerspräche den Grundsätzen, welche große deutsche Fürsten stets bestätigt hätten, der Humanität und der Ctvtlisatton. Staatssicretär v. Bötticher antwortet dem Vorredner aus I eine diesbezügliche Frage, daß jeder Staat dotz Recht habe. Aus- | länder auszuweisen; es sei dies auch in dem Gesetze über den Erwerb und Verlust der Staats- und Retchsangebörtpkcit ausgesprochen. Das Verbot der Einwanderung im Sinne der Bundes- und Staatsangehörigkeit würde zulässig sein. Die Ausländer düriten unter denselben Gesetzen wie die Inländer Handel und Gewerbe bei uns betreiben. Die Ausländer könnten wir hiervon nicht ausschlteßen. Es sei aber keinem Staate in Deutschland verwehrt, Ausländer aus polizeilichen Gründen auszuwetsen. Von der Bundes- oder Retchs- angehörigkeit könnten Ausländer ausgeschlossen werden. Abg. Lieber (Centr.) spricht sich gegen die Anträge aus und sp ciell aus den Hammerstein'schen eingehend erklärt er, bie Unter« sagung der Einwanderung lei offenbar vertragswidrig. Im Uebrtgen verweist Redner aus das bayerische Reservairecht; die Conseroa iven müßten also Bayern ousnehmen. Das Centrum sei gegen fibeS Ausnahmegesetz, folglich auch gegen die vorliegenden Anträge. Abg. Hermes (frf. 93p.): Die vorliegenden Anträge seien geradezu beschämend, es sei bedauerlich, daß dieselben überhaupt zur Beratbung gelangten. Abg. v. Langen (cons.) krittstrt unter andauernder Heiterkeit die Ausführungen der Gegner, kommt auf die Eigenschaften der Juden zu sprechen, die als Hosen verkaufende Jünglinge nach Deutschland kämen und alS Bankiers endeten. Abg. Schmidt-Elberfeld u. Gen. (Soc.) stellen einen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. Derselbe wird befürwortet vom Abg. Richter (frf. 93p.), indem dieser erklärt, daß die Debatte langweilig werde und daß man schnell > zu Ende kommen müsse, um eine zweite Lesung zu vermeiden. Auch , berühre der Ton schr unangenehm, in welchem debatttrt würde. Abg. Förster (Antts) tritt diesem Anträge entgegen. Redner • bezeichnet die Ausführungen des Abg. Hermes in fo unparlamentarischer Weise, daß er hierfür vom Präsidmten zur Oidnung gerufen wird. Sodann erfolgt die Annahme des Antrages Schmidt, ein zweiter Antrag, welcher den Schluß der Debatte über die beiden anderen Anträge wünscht, wird jedoch abgelehnt. Abg. Ahlwardt (Antis) erklärt, die Juden seien in der That Raubthtere. An dieser Thatsache sei nicht zu rütteln, er erwarte mit Sicherheit, daß man mit der Zett zu dieser Ansicht kommen werde. Seit 800 Jahren seien die Jud/z Uhr nach Helgoland abgereist. An Bord der da- Geleit gebenden Schiffe „Fritjofs und „Prinz Wilhelm" hatte sich da- Ge« folge eingeschtfft. Nach den bisherigen Bestimmungen gedenkt der Kaiser von Helgoland, wo er die durch die Sturmfluth verursachten Uferbekchädigungen besichtigen will, am Donnerstag die Fahrt nach Brunsbüttel und am Freitag nach Bremerhaven fortzusetzen. In Bremerhaven ist die Besichtigung der neuen Hafenanlagen in Aussicht genommen. Budapest, 6. März. Bei Großmargitta (Südungarn) wurde gestern ein D ammd urch bruch vorgenommen, um die Fluth abzuletten. Die Anwohner schaffen auf die Arbeiter, die die Schllffe erwiderten. Der Kampf währte 10 Minuten. Niemand wurde verletzt. Der Durchbruch wurde dann vollzogen. Bisher find 8000 Joch Felder über« schwemmt. — In Nordungarn ist in Folge riesiger Schneefälle der Verkehr vollständig unterbrochen. Pari-, 6. März. Der „Figaro" meint, die für Kiel bestimmten Schiffe würden dem Mittelmeergeschwader entnommen werden, weil in demselben die vollkommensten Typen vertreten seien. Contreadmiral Demaigret würde die Schiffe commandiren. „Siäcle" und „Estafette" billigen die Entsendung der Schiffe nach Kiel vollkommen. „Echo de Paris", „XIX. Siücle" und „Eclair" sagen, die Lage sei delicat. Die Regierung habe sich mit Geschick au- den Schwierigkeiten gezogen, beitn da die französisch-russische Entente in Kiel ofsiztell zum Ausdruck komme, würden selbst die unversöhnlichsten Patrioten die getroffene Entscheidung nicht mehr bedauern. Die „Petite Rüpublique" sagt, sie habe auch vom streng nationalen Standpunkte nichts gegen die Entscheidung einzuwenden. Bei der delicaten Lage wäre eine Ablehnung gefährlicher gewesen als eine Annahme. Hüll, 6. März. Heute ist hier eine Ftscherschmack mit der Leiche des Passagier» der „Elbe", Baumann auS Basel, eingetroffen. Die Leiche wurde bei Lowcstost auf- gefischt. Die bei der Leiche vorgefundenen Gegenstände (Geld, Papiere, Trauring und Uhr) wurden dem deutschen Konsul eingehändigt. Bukarest, 6. März. AuS den Distrieten Gors, Prahova, ArgeSct, Dimdovitza, Buzeu, Bacau und Neamz werden infolge plötzlichen Schmelzens des Schnee- Ue b erfch w emmungen gemeldet. ShreSdury, 6. März. Bet der Einfahrt tn ein Bleibergwerk sind heute sieben Personen um- Leben gekommen. Port Eaid, 6. März. Der belgische Dampfer „Friedland", welcher mit 160 Touristen von Newyork nach Jaffa unterwegs war, strandete bei der Einfahrt in den Hafen. Depeschen deS Bureau „Herold"'. Berlin, 6. März. Im preußischen Landtage wurde heute der Berg- und Hütten Etat erledigt. Bon dem Handelsetat wurde der Titel „Mintstergehalt" genehmigt. Berit«, 6 März. Da- Herrenhau - wird am 14. d. M. zusammentreten. Berlin, 6. März. In der RdichStagSeommission für die Umsturzvorlage wurde heute die Berathung de- § 130 fortgesetzt. Abg. Graf v. Roon (cons.) hat seinen früheren Antrag dahin abgeändert, dem Absatz 2 deS § 130 folgende Fassung zu geben: „Die gleiche Strafe triffr Denjenigen, welcher in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise die Monarchie, die Institute der Ehe, der Familie oder de- EigenthumS durch beschimpfende Aeußerungen öffentlich angreift." Ferner beantragen die Abgg. Graf Roon und Genossen, dem §166 deS Strafgesetzbücher folgende neue Fassung zu geben: „Wer öffentlich tn beschimpfenden Aeuße- rungen den Glauben an Gott ober daS Ehristenthum angreist ober Gott lästert, ober wer öffentlich eine der christlichen Kirchen ober eine onbere mit Korporation-rechten innerhalb des Bundesgebietes bestehenbe ReligtonSgesellschaft ober ihre Einrichtungen ober Gebräuche ober die Heiligkeit deS Eibebeschimpft, ingleichen wer in einer Kirche ober in einem anberen zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft." Abg. Graf Roon (eons.) bemerkt, gegenüber einer früheren Behauptung deS Abg. Bebel, eS fei leider wahr, daß ein christlicher Staat nicht existire. Da- sei die Folge davon, daß man daS Judenihum gleichberechtigt gemacht habe- dieses Unrecht müsse wieder ausgeglichen werden. Abg. Dr. Barth (frs. Bg.) beantragt, in dem Anträge Roon nach „Ehristenlhum" die Worte „ober daS Jubenthum" einzufügen. Er führt zur Begrünbung auS, daß die Beschimpfungen deS EhristenthumS von benen, welche gegen baS Jubenthum sich richten, weit überboten werben. Abg. Spahn (Etr.) hält bie Aufnahme des Wortes „Ehristenthum" in daS Gesetz für über- flüssig, denn dasselbe sei durch den der christlichen Kirche gewährten gesetzlichen Schutz genügend geschützt. Staats- fecretür Nteberdtng spricht seine Genugthuung darüber auS, daß der Antrag Roon eine Annäherung zwischen den Eon- servativen und dem Centrum ermögliche. Abg. EnnecceruS (nl.) schlägt als Zusatz zu § 130 Absatz 2 vor: „Eine freie wissenschaftliche Erörterung ober historische bezw. künstlerische Behandlung der die Monarchie, Ehe, Familie, daS Eigenthum betreffenden Fragen soll durch vorstehende Bestimmung nicht berührt werden." Nachdem noch Abg. Bebel (Soc.) erklärt, daß er daran festhalte, daß weltliche Strafen für Gottes- lästerung im schärfsten Widerspruche ständen mit dem Begriff der Gottheit, wird die Fortsetzung der Berathung auf Freitag vertagt. Berlin, 6. März. In der Budget-Commisfion deS Reichstags wurde heute die Position für einen ComMandanten in Altona derathen, welche vorher zu streichen beantragt worden war. Nach längerer Debatte wurde die Forderung genehmigt. Berlin, 6. März. Nach einer Meldung der „Voss. Ztg." ist der commanbirendeGeneral deS 11.ArmeecorpS, v. Wittich, auSersehen, an Stelle des Generals von Hahnke an die Spitze des Militär-CabinetS zu treten. Berlin, 6. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die in den Blättern umlaufenden Meldungen über Vorbesprechungen, welche im Reichstage wegen einer Feier des 80. Geburtstages des Fürsten BiSmarck statt- gefunden hätten, als unrichtig. Im Seniorenconvent hat am Montag eine Sitzung ftattgefunben, in welcher jedoch von einer derartigen Feier nicht die Rebe gewesen ist, wie auch speciell Piäsik'ent v. Levetzow in dieser Angelegenheit weder Rückfrage noch Fühlung genommen habe. Berlin, 6. März. Der in der Presse zum Ausdruck gekommenen Annahme gegenüber, daß tu der Frage der Aufhebung de- I e s u i t c n g c s e tz e - die Entscheidung deS Bundes- rathS noch in diese« Monat bevorftehe, erfährt die „Post", daß sich mit dem Anträge deS Grafen Hompesch da- preußische Staat-Ministerium bisher nicht besaßt hat. Berlin. 6. März. Wie die „Kreuzztg." hört, bestätigt sich die Nachricht, daß Oberpräfident Graf Stolberg seinen Abschied genommen hat. Berlin, 6. März. Die Anarchisten Matthay und Kampf- «eher haben in einer Versammlung erklärt, die Anarchtsten würden, wenn die Umsturzvorlage angenommen werde, den Kampf gegen die Socialdemokraten ausgeben und in Zukunft gewissermaßen Hand in Hand mit den Socialdemokraten gehen. Esten a. d. Ruhr, 6. März. Die Influenza hat sich hier al- unheimlicher Gast eingenistet; über 1000 Personen find daran erkrankt. Wien, 6. März. Die Spiritus Raffinerie Girarbelli und Stern mußte den Betrieb einftellen, weil fämmtliche ihrer ersten Arbeiter wegen langjährig betriebener Diebstähle verhaftet wurden. Wie«, 6. März. Der seit gestern Abend herrschende starke Schneefall verursacht hier und in der Umgegend große Kalamitäten. Die Aufrechterhaltung de- Tramway, und Bahnverkehr- ist nur sehr schwer zu ermöglichen. Auch suS der Provinz und au- Ungarn treffen sehr trostlose Nach, richten über daS Unwetter ein. Fiume hat seit drei Tage« keine Postverbindung mehr. Der Schaden durch da- Hochwasser in vielen Gegenden Ungarn- ist sehr bedeutend. Agram, 6. März. AuS Slavonien wird gemeldet, baß durch den ungeheueren Schneefall an den Herbstsaaten unberechenbarer Schaden entstanden ist. Man befürchtet, die Flühjahr-saaten nicht bestellen zu könne«. Triest, 6. März. DaS Segelschiff „Salvatore", welches seit zwei Monaten fällig ist und 400 Tonnen Wei« auS Messina an Bord hatte, wird als verschollen angesehen, da alle Nachforschungen resultatloS blieben. Triest, 6. März. Hier herrscht ein furchtbare- Unwetter. Eine orkanartige Bora hat den gefallenen Schnee und Regen in eine GlatteiSfläche verwandelt, welche de« Verkehr sehr gefährdet. Die Theater Vorstellungen sind au- diesem Grunde abgesagt worden. Brüffel, 6. März. Die Hafenstadt Port of spain aus Trinitad ist heute durch eine furchtbare Feuersbrunst theilweise zerstört worden. Der Materialschaden beträgt 25 Millionen. ©ent, 6. März. DaS Socialistenblatt „Vorwärts" veröffentlicht ein äußerst beleidigendes Gerücht gegen den König Leopold, in welchem dieser al- Papierkönig bezeichnet wird. Die belgischen Blätter protestiren energisch gegen diese Veröffentlichung und geben ihrer royalistischen Gesinnung Ausdruck. Pari-, 6. März. Die nationale Föderation der Arbeiter- Syndikate Frankreich- richtete an alle Genossenschaften de« dringenden Aufruf, an den Manifestationen am 1. Mai theilzunehmen. In einer Versammlung der Socialisten wurde der General'Au-stand und ein einheitliche- Vorgehen aller Gruppen angeregt. Pari-, 6. März. In Colonialkreisen ist man der Ansicht, daß die Debatte de- Colonial Budgets nachweisen werde, wie nothwendig für Frankreich eine Eolonial-Armee sei. Man zeigt sich daher mit der von der Regierung getroffene« Anordnung sehr zufrieden, daß alle Colonialtruppen und die Marine-Infanterie, welche früher dem Marine-Ministerium unterstellt waren, jetzt dem Kriegsministerium zugetheilt werden. ihren Ruf angezogen wurde, sorgte sür eine lebhafte Gesellig- leit. DaS war die Umgebung, in der Marie ihre Jugend verlebte und in der sie den Grund zu der Ausbildung ihre» Geiste- legte. Roland sagt von ihr, sie habe sich mit AuS- nähme der Mathematik, wozu ihr der Sinn fehlte, in allen Zweigen des Wissens einen ansehnlichen Schatz von Kenntnissen ungeeignet. Sie beherrschte da- Französische und da- Englische, kannte die Geschichte der Philosophie und der Litteratur, die Kultur- und Staatengeschichte und war vertraut mit den allgemeinen Gesetzen und Resultaten der Natunvissenschasten. Talent für Singen, Zeichnen u. dgl. besaß sie nicht, dagegen hatte sie die Gadc des Dichten-. Doch hat sie von ihren poetischen Erzeugnissen nur ein dünne- Heftchen auS der Jugendzeit aufbewahrt, alle- Uebrige ober vernichtet. Daß neben der Geistesbildung die Bildung deS Herzens nicht ver« nachläfsigt worden war, bezeugen viele ihrer Jugendfreundinnen, denen sie biß inS späte Alter treu anhing. Ihre Herzens» güte und ihre Bescheidenheit, die niemals Andere ihre geistige Ucderlegenheit fühlen ließ, machten sie bei Jedermann beliebt. Herzen-gute und bescheidene Menschen werden gar oft in den Hintergrund gedrängt, aber hier war cS wiederum die geistige Überlegenheit, die Marie vor diesem Schicksal bewahrte. Sie war so recht eigentlich für eine führende Rolle ge- schaffen. Die Mutter hatte sie srühe verloren, die zweite Gattin de- BaterS war stets kränklich; fo mußte sie die Repräsentation-Pflichten deS Haufe- übernehmen und auch die Erziehung ihrer zahlreichen jüngeren Geschwister leiten, da der Vater von seinem Berufe und feinen wissenschaftlichen Arbeiten ganz in Anspruch genommen war. Wessen Marie sähtg war, bewies fie mit dem, waS sie an ihrem Bruder Karl that. (Karl hat auch nie vergessen, waS er feiner Schwester schuldete, der zweite Band seine- Werke-: „Zeiten, Völker und Menschen" ist ihr in Dankbarkeit zu- geeignet.) Die für da- Leben deS genialen Manne- fo wichtige Episode ist in unserem Buche ausführlich erzählt, »etzhalb wir sie hier kurz berühren wollen. Karl war mit seinem Bruder Wilhelm in den Frankfurter September- Ausstand verwickelt- beide mußten fich eine Zeitlang im Odenwalde versteckt halten und wurden dann »on Marie nach Straßburg in Sicherheit gebracht. Aber den Feuergeist Karl duldete eß nicht lange in seinem Zuflucht-ort. Als der badische Ausstand au-brach, schloß er sich den Freischaaren an, wurde Redacteur de- Amtsblattes der revolutionären Regierung und dann Adjutant Mieroölawskys. Er focht mit bei Waghäusel und fiel bei der Kapitulation von Rastatt mit Corvin- Truppen in preußische Gefangenschaft. Ihm drohte nun nichts Geringere-, als standrechtlich erschossen zu werden. Raum hatte indessen Schwester Marie von der verzweifelten Lage de» Bruder- gehört, al- sie sich, mit Empfehlungen deS hessischen Ministers Jaup an dessen badische Gottegen versehen, nach Rastatt begab. Dort erzwang sie sich durch ihr bestimmtes und vornehmes Auftreten die Achtung der Befehlshaber, aber ihren Bruder sollte fie doch nur durch einen Zufall sprechen. Die Schritte, die sie zu seiner Rettung that, hatten jedenfalls den Erfolg, daß der Proceß Aufschub erlitt. Hierdurch gewann Karl Zeit, mit einem Gefährten nach Straßburg zu entkommen. Marie eilte ihm nach und brachte ihn dann glücklich nach Pari-. Dort wurde er Heinrich Heine- Secretär. Aber Marie, die selbst mit Heine niemals tn persönliche Berührung gekommen ist, hielt dessen Einfluß aus den Bruder für schädlich. Auch daS leere Treiben der demagogischen Kreise, in die Karl ge» rathen war, stieß fie ab. Deßhalb bewog sie ihn, wenn auch mit vieler Mühe, nach Bordeaux zu gehen, wohin sie ihm durch ihre Verbindungen von früher gute Empfehlungen verschaffte. Marie war nämlich schon 1845 in Pari» gewesen. Ein Geist wie der ihrige drängte nach Bethätigung; die Verhältnisse der kleinen Provinzialftadt konnten ihr nicht volle Befriedigung gewähren. So hatte fie in jenem Jahre eine Stelle als Gouvernante in Pari- angenommen und war dort mit o eien hochstehenden Persönlichkeiten, u. A. mit Chopin und George Sand, tn Berührung gekommen. Nachdem sie nun ihren Bruder glücklich in Bordeaux wußte, nahm fie, nm seine Schulden zu decken, eine Gouvernantenstelle bei einer englischen Familie an. Zwar ging sie mit dieser nach England, aber die Verhältnisse sagten ihr nicht zu und bald kehrte sie in die deutsche Heimath zurück. Doch nicht um -u rasten, ging sie heim. Die Ersolge, die fie als Erzieherin, erst ihrer Geschwister, bann fremder Kinder, gehabt hatte, drängte« fie zu dem Berufe hin, für den fie geboren |u fei« schien. Im März 1851 siedelte sie mit ihrem Vater, ihrer unverheiratheten Schwester und ein paar Schülerinnen nach Offenbach über, um dort ein Mädchenpensionat zu gründe«. Bald kam so starker Zuwachs, daß sie, wie sie sagte, schneller die Schülerinnen, al- Tische und Tintenfässer hatte. Rur drei Jahre blieb die Anstalt In Offenbach, wurde dann nach Rödelheim, von da 1866 nach Soden a. T. und schließlich 1871 nach Neuenhain bet Soden verlegt. Anfang 1891 gab Marie Hillebrand ihre Wirksamkeit als Jnstituts- vorstehertn auf und starb am 4. April vorigen Jahre- z« Soden, nachdem ihre letzten Lebensjahre durch körperliche Leiden getrübt waren. Mit ihr schied eine Frau au* dem Leben, der an geistiger Bedeutung und an Erfolgen des Wirken- nur wenige ihre- Geschlecht- gleichgekommen find und wohl auch nur wenige glelchkommen werden. SS würde unS zu weit führen, wenn wir hier de« »weiten Theil de» Buches von Roland, in welchem der Verfasser die Methode Marie Hillebrand- einer eingehende« Würdigung unterzieht, betrachten wollten. Wir wollen nur darauf Hinweisen, daß diese Methode eine eigenthümliche war, die „natürliche" nannte sie Marie selber. Ihr Grundzug war der, daß sämmtl'che Mädchen zur Miiarbeit an der Erziehung ihrer Mitschülerinnen herangezogen wurden. Marie erregte hierdurch große- Aussehen, fanb selbstverständlich starken Widerspruch, oder gar Geringschätzung, aber die Erfolge, die sie mit ihrem Unterricht erztelte, errangen ihr schließlich doch die Anerkennung auch der Schulbehörde». S- ist unmöglich, in einer knappen Skizye den Inhalt des Buche- zu erschöpfen, wir müssen auf ?as Buch selbst ver- weisen. Der Leser wird e- nicht bereuet, mit einer so bedeutenden Persönlichkeit Bekanntschaft gemacht zu habe». Ganz besondere- Interesse aber gewinnt baß Buch für uns durch die vielen Beziehungen, die die Person Marte H lle- brand» mit unserer Vaterstadt verknüpfend Der Stil des Buche» ist abgerundet und klar. Man fühlt", die französische Rationalität de» Verfasser» höchsten» an de« Gebrauch superlativischer Ausdrücke, die er auf seine H eldin anwendet, herau». Aber man darf nicht vergessen, daß. er fein Buch unter dem Eindruck der frischen Erinnerung an»diese wirklich hochbegabte Persönlichkeit geschrieben hat. K. M. WttU ,llH A**'•M :äs «••.« Haltung dkS Srn^^' trJU [WW|in. J bedklltkvd. uh" ““ Wta, "'°U an »t„ ' *» tfi. Man b„ I“ tinntn. .lla)[|f //Salvatore' । ,un6 400 Tonnen Wri- ?“ taHol« M|(|lj, blieben. /in furchtbares Un. yat den gefallenen Schne- verwandelt, welche beer Vorstellungen find aiü afiabt Port of spain auf l)tbttie Feuersbruafi Materialschaden bcträr listenblatt „Vorwärts* vw Gerücht gegen den Kövi, Papierkönig bezeichne: lotestiren energisch gtgte er royalistischen Qtfwung e Föderation der Meiler, alle Genossenschaften bin tftatione n am 1. Mai >ng der Socialiften wurde chMcheL Vor^rn alln idrefiw ifi«ander ÄnfW. zetS nachweisen werbe, du Colouial-Arwee |d. der Regierung getroffene! ie Lolonialtruppeu und die dem Marine-Ministeriui :iegSminifteriu« zugetheill te mit ihrem Vater, ifa ein paar Schülerinnen noi ^dchenpenffonat zu gründea sie, wie sie sagte, schnelle: Tintenfässer hatte. M ffenbach, wurde dann nc. L ° T. । verlegt, önfflnfl189,1 jrksaaktit als QnftituU» W °°rigen Jche- z. ,7'jah« dm» «'M ™i(b eine S--° 1 ««» m 6,1,11 m Mt« rfeüW«— ”nb”;, n« i« tb'-°» eK uiltn i« wollten- ® M, de tlnt c 0tnJL Grandzoi - s-lb^L an dn n zur Marie \*** »t "'« “'giuiirt* auch ;h{rh,„ Qnbnlt t(i ° % w*m»e“: W 1.7!°". LrlnnerurtS $-• eben 4 Cocains unb ProVinziellc^ / Gieße», den 7. März 1895. •• Antrag Kavih. Wie bereits mitgetheilt, hatte der landwirthfchaftliche Verein für Oberheffen auf die Tagesordnung feiner gestern auf LonyS Felsenkeller hier abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung die Berathung über den Antrag Kanitz gesetzt. Ueber die Verhandlungen der Generalversammlung berichten wir weiter unten, und theilen hier nur den Wortlaut der von der Versammlung einstimmig gefaßten Resolution mit. Die von Herrn Sch lenke ein» gebrachte Resolution lautet: Die Generalversammlung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen wolle sich dahin auSsprechen: 1) Der baup sächlich durch die jetzigen niederen Gtlieidepreise berbeigesührte Noth- sland der deutschen Landwirthsckast erheischt baldige Abhülfe, wenn nicht zahlreiche Landwtribe fi"anziell zu Grunde gehen sollen: 2) Diese dringliche Abhülfe kann für die Gesammihett der Landwiithe nur durch anpemessene Erhöhung der die Pro- ductionskosten nicht mehr deckenden Gelreid'preise bewirkt werden; 3) Angesichts der Unsicherheit, wann eine Erhöhung des Welt- markipreises eintritt, sowie der Unmöglichkeit, eine Erhöhung des Jnlandpretses durch zeitweilige Schutzzölle, eventuell unter Einführung einer auSgleichenden Zollscala vor Ablauf der in den drei letzten Jahren abgeschlossrnen Handelsverträge herbei- zufübren, erblickt die Versammlung in der Verstaatlichung des Handels mit ausländischem Getreide unter Festsetzung eineS angemessenen Minimai-Verkaufspreises einen gangbaren Weg, um da« angestrebte Ziel zu erreichen, sie erklärt sich hiernach im Princip mit der Verstaatlichung des Handels mit ausländischem «lktreide einverstanden und spricht zugleich die Ueberzeugung auS, daß die bestehenden Handelsverträge einer solchen Monopolrsirung nicht entgegenstehen. Ein hierzu von Herrn Mein ert- Konradsdorf gestellter, von der Versammlung ebenfalls einstimmig zum Beschluß erhobener Antrag lautet: Die Versammlung richtet an die Großherzogliche Regierung daS Ersuchen, mit allen Kräften auf Beseitigung des landwirth- schaftlichen Nothstandes zu wirken, insbesondere die Vertreter im Bundesrathe anzuweisen, für Brstrebungen, wie sie in der Verstaatlichung deS Getretdehandels zum Ausdruck kommen, mit aller Energie einzutreten. ** Neues Theater. Einem vielseitigen Wunsche nachzu- kommen, hat Herr Director ReinerS die Herren Gebrüder Hartmann zu veranlassen gewußt, die letzten Gastspiele derselben am Freitag und Sonntag (Die Kinder deS Capitain Grant) zu gewöhnlichen Preisen zur Aufführung zu bringen. Außerdem wird am Sonntag Nachmittag r/,4 Uhr eine Aufführung obengenannten Ausstattungsstückes für Schüler und Schülerinnen zu ermäßigten Preisen stattfinden. Wir machen aber zugleich aufmerksam, daß die ermäßigten Preise nur für Schüler und Schülerinnen berechnet sind. ** Zur Städteorduung. Den Landständen ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der die äußerst lästige Bestimmung der Städteordnung beseitigen soll, wonach ein sonst wahlberechtigter NichtortSbürger spätestens mit Schluß deS der Gemeindewahl vorhergehenden Jahres die ausdrückliche Erklärung zu Protokoll geben mußte, daß er sein Wahlrecht auSüben wolle. ** I» den ärztlichen Central-AuSschuß sind für 1895 und 1896 gewählt worden: In der Provinz Starkenburg Dr. Hermann Koch zu Offenbach und Dr. Otto Sellheim zu Biblis, in der Provinz Oberheffen Dr. Ludwig Schäfer zu Reichelsheim i. d. W. und Dr. Wilhelm Vogel zu Laubach und in der Provinz Rheinheffen Medicinalrath Dr. Wilhelm Heß zu Mainz und Dr. Franz Mayer zu Gau-Algesheim. " ein Beweis für die Güte der heimischen Pferdezucht. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog hat durch Vermittelung Les Ober-Landstallmeisters von Riedesel vom Gutsbesitzer Müller zu Neuhof einen jungen Rappen ankaufen lassen. -L ' — 1 . ' — Verhandlung des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen über den Antrag Kanitz. Gießen, 7. März 1895. Gestern Vormittag fand hier auf Lonys Felscnkeller eine auf Antrag von 50 Mitgliedern des Vereins einberufene, sehr zahlreich besuchte Generalversammlung des landwirthschaftlichen Vereins für Oberheffen statt. An der Verhandlung, die lediglich zwecks Berathung des Antrages Kanitz einberufen war, nahm in Vertretung Großh. Staatsregierung Herr Landesöconomierath Müller theil, ebenso waren erschienen die Herren Vertreter der Provinzial- und einiger Kreis- behörden, Reichstagsabgeordneter Köhler usw. Des besieren Verständnisses wegen sei vor der eigentlichen Berichterstattung der Antrag Kanitz in seinem ursprünglichen Wortlaut hier wiedergegebeu- derselbe lautet: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zn ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vor- juleaen, wonach 1) der Einkauf und Bei kauf des zum Verbrauch tm Zollgebiete bestimmten ausländischen Getreides, mit Einschluß der Müblenfabrikate, ausschließlich für Rechnung des Reiche« erfolgt; 2) die Verkaufspreise im Mindestbetrage wie folgt festgesetzt werden: a) für Weizen aus 215 Mk. pro Tonne, b) für Noggen auf 165 Mk., c) für Gerste auf 155 Mk.. d) für Hafer aM! e) für Hülsenfrüchte auf 185 Mk., f) für Lupinen auf 80 Mk., g) für Malz auf 175 Mk., h) für Mais auf 150 Mk. pro Tonne, i) für Mehl und Mühlenfabrtkate: entsprechend den für das (Betreibe festgesetzten Mindestpreisen, nach dem gesetzlich fixirten AuSbeuteoerhLltmß. Dieser im April v. I. vom Reichstage abgelehnte Antrag hat inzwischen durch eine Commission der freien wirthschast- lidjen Bereinigung eine Aenderung dahin erfahren, daß an ©tettc bestimmter Preise ein Durchschnittspreis der Periode von 1850—1890 tritt, sowie die Verkaufspreise der Mühlen- sabrikate nach dem wirklichen Ausbeuteverhältniffe, den Getreidepreisen entsprechend, bemeffen werden, und zwar so lange hierdurch die Einkaufspreise gedeckt sind, während bei höheren Einkaufspreisen auch die Verkaufspreise entsprechend zu erhöhen wären. Die Commission beschloß weiter, daß Über die Verwendung der auS dem Verkauf des Getreides und der Mühlenfabrikate zu erzielenden Überschüsse derart Bestimmungen getroffen werden, daß 1) alljährlich eine den jetzigen Getreidezolleinnabmen mindestens gleich kommende Summe an die Reichskasse gezahlt wird, 2) zur Ansamm- lung von Vorräthen für außerordentliche Bedürfnisse (Krieg rc.) die nölhigen Mittel bereit gehalten werden, 3) ein Reserve- sond gebildet wird, um in den Zeiten hoher In- und Auslandspreise die Zahlung der an die Reichskaffe jährlich ab- zuführenden Summen sicher zu stellen. Der Vorsitzende des.Provinzialvereins, Se. Erlaucht Graf Friedrich zu SolmS-Laub ach, eröffn te die Versammlung, als deren Zweck er bezeichnete die Schaffung von Klarheit darüber, aus welchem gesetzlichen Wege für die Land- wirthschaft daS zu erreichen sei, waS ihr gebühre: Lohnender Ersatz für die bei Erzeugung ihrer Producte gehabte Mühe und Arbeit,- als Weg zur Erreichung dieses Zweckes sei vorgeschlagen die Verstaatlichung des Handels mit ausländischem Getreide sür die Dauer der bestehenden Handelsverträge ober darüber hinaus. Ein Mitglied des Bundes der Landwirthe, Herr Lucke, habe sich bereit erklärt, heute daS Referat zu übernehmen, eS sei dies dankbar angenommen worden. Herr Lucke führte ungefähr aus: Unter der Theorie des ManchesterthumS habe unsere gesammte wirthschastliche Entwickelung seit Zuhülfenahme der Dampfkraft ihren Gang genommen; so lange diese Entwickelung sich in nationalen Grenzen bewegt, so lange sei die Landwirthschaft günstig gestellt gewesen- nicht nur die wirthschastliche Entwickelung, sondern auch d>e Gesetzgebung habe seit 30 Jahren unter diesem Zeichen gestanden,- aber Alles habe seine Zeit, die nationalen Grenzen seien in der unbehinderten Concurrenz der Kräfte längst überschritten und eS sei hohe Zeit, daß der Staat sich aus seine Pflicht zum Schutze der nationalen Arbeit erinnere, aus dem freien Spiele der wirthschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit habe sich herausgebildet der Satz: „Der Stärkere verzehrt den Schwachen." Dies müsse anders werden und durch geeignete Mittel den Nothleidenden, zu denen die Landwirthschaft gehöre, Beistand geleistet werden, wenn nicht die Landwirthschaft noch mehr verarmen, ihre Angehörigen zu Latifundienbesitzern herab- gedrückt werden sollten- er verweise hierbei aus die Zustände in der Landwirthschaft in England, dort habe der Latifundien- besitz die Oberhand, dort habe Großhandel und Großfinanz die Landwirthschaft ruinirt und dies stehe auch uns bevor. ES müssen deshalb neue Fundamente gelegt, die wirthschaft- liche Entwickelung in der Landwirthschaft in günstigere Bahnen gelenkt werden. Von England, Frankreich und Deutschland aus habe sich der Verkehr auf die ganze Welt ausgedehnt mit Hülfe des Großcapitals- die Folge dieses Verkehrs sei, daß unS Rohstoffe in Masse zugeführt würden, die wir selbst erzeugen könnten, unsere Production sei lahmgelegt und so sei es gekommen, daß sich daS Capital nach Ländern mit niederer Cultur gewandt habe, weil eS dort noch gut angelegt werden könne- deshalb wehre sich auch gerade das Capital gegen jede Einschränkung des freien Verkehrs. Unter diesen Mißverhältnissen kommen unsere Rohproductenerzeuger zu kurz, unsere Lebenshaltung werde auf diejenige der Kuliö herabgedrückt, anstatt sie zu heben. Aber dieser internationale uneingeschränkte Verkehr drücke auch unsere BerbrauchSkraft zurück. Wenn man die Lebenshaltung viertheile in Luxus, Angenehmes, Nothwendiges und das Unentbehrlichste, so sei die Landwirthschaft eben schon auf das Unentbehrlichste in ihrer Lebenshaltung gekommen, von Nothwendigem, Angenehmem oder gar von Luxus könne keine Rede sein. Wenn die Socialdernokraien wollten confequent sein in ihren Forderungen nach höheren Arbeitslöhnen, so müßten sie für die Erhöhung der Getreidepreise stimmen, denn eine Besserstellung der Arbeiter sei nur möglich, wenn die Landwirthschaft höheres Einkommen habe. Deutschland sei noch ein Ackerbaustaat mit seinen 12,000,000 in der Landwirthschaft beschäftigten Arbeitern mit Einkommen unter 2000 Mk., während in der Industrie in der gleichen Lohnstuse nur 5,000,000 beschäftigt würden- man solle vom Bauer nicht mehr verlangen, daß er unter Productionskosten verkaufe, der Staat müsse dem Ausbeutungsverfahren entgegentreten. Wenn man dem Landwirih entgegenhalte, er solle den unrentablen Getreidebau aufgeben, so entgegne er, daß ohne Getreidebau die Landwirthschaft nicht extstiren könne, denn eine Hauptbedingung im Anbau der Producte sei der Fruchtwechsel. Der Staat habe ein Interesse daran, die Landwirthschaft lebensfähig zu halten, deshalb sei der Ueberschwemmung mit fremdem Getreide, dessen Erzeugung nur unter den denkbar niedrigsten Löhnen in jenen fremde« Ländern möglich sei, entgegenzuarbeiten, erst komme der deutsche Bauer, bann der argentinische. Auf die Schutzzölle unter Fürst Bismarcks Zeiten eingehend, bemerkt Redner, daß der Schutz der inländischen Erzeugung nicht immer möglich gewesen sei, weil daS ausländische Getreide um jeden Preis verkauft werde. In den bestehenden Handelsverträgen sei dem Reiche das Recht Vorbehalten, diese und jene Producte in eigener Regie zu verkaufen. Diesem trage nun Rechnung der Antrag Kanitz. Der Antrag Kanitz werde jetzt schon anders betrachtet als vor Jahresfrist, auch der preußische StaatSrath habe sich seiner angenommen- leider säßen im StaatSrathe nur Großgrundbesitzer, eS hätte aber nichts geschadet, wenn auch einige Bauern darunter wären. Der Staat könne den Wiederverkauf deS Getreides zum 40 jährigen Durchschnittspreis durchsetzen, und wenn man hiergegen einwende, das sei Wucher ober begleichen, so entgegne er, baß, wenn sich Ueberschüsse ergeben, sich dieselben verwenden ließen zu gemeinnützigen Zwecken und zu Gunsten der in den letzten Jahren geschaffenen socialpolitischen Gesetze. Wenn man ferner den Einwurf höre, daß mit Berstaatlichting des Getreidehandels der Nothstand sich steigern würde, so frage er, welche Schichten deS Volkes nothleiden würden? der Arbeiter oder Bauer jedenfalls nicht, und wen« gesagt wurde, es müßten bann bie Getreibehänbler u. s. w. abgefunben werben, so frage er: habe man ben bie Spielhöllen auch abgefunben? Die Börse aber sei ein Spiel, und ein Spieler brauche nicht abgefunben zu werben, bie Börsenleute könnten bann auch arbeiten, wie es bie Bauern thäten. Wenn man ferner einmenbe, baß mit Verstaatlichung bes GetreibehandelS auch bie Betriebe ber Müller unb Bäcker, bezw. bie Brodpretse verstaatlicht werben müßten, so entgegne er, baS sei nicht nothwenbig, benn mit ber Verstaatlichung beS Handels mit ausländischen Getreide würden Müller, Bäcker und ber ehrliche inlänbische Hanbel wieder auf bie Basis ehrlichen Ver- bienstes gestellt- alles, was von ben Lanbwirthen angestrebt werbe, solle nicht nur zum Heile ber Landwirthschaft, sondern zum Heile des deutschen Vaterlandes dienen. (Fortsetzung folgt). Verhandlungen des Schwurgerichts. W. Gießen, 6. März. Das Urtheil gegen Hieronymus Simon au5 Ruhl« kirchen wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit lautete auf 1 Jahr 4 Monate Gefängniß. Staatsanwalt Zimmermann hatte 2 Jahre Gefängniß beantragt. W. Gießen, 7. März. Heute Vormittag verhandelte das Schwurgericht gegen Arthur Helmb old auS Gotha, zuletzt in Butzbach, wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit. Die Anklage vertritt Herr Staatsanwalt Koch, die Vertheidigung fuhrt Herr Rechtsanwalt Ä) ei di g. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Den Geschworenen war bie Schuldsrage auS § 177 unb 43 beS R -St. G. vorgelegt, ebenso die Frage nach mildernden Umständen, deren Verneinung der öffentliche Ankläger beantragte. Der Obmann der Geschworenen, Herr Carl Mayer/ Gießen, verkündete den Spruch der Geschworenen, wonach bie Schuldfrage bejaht unb mildernde Umstände verneint rvurden. Herr Staatsanwalt Koch beantragte hieraus 2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf entsprechende Zeit. Der Vertheidiger plaidirte für eine mildere Strafe. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu 1 Jahr unb 9 Monaten Zuchthaus unb Aberkennung ber bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von 5 Jahren. Verkehr, €anb* unb Volkrrvirthschaft- W. Gießen 7. Mär,. Viehmarktsbericht. Auf dem gestrigen Viehmaikt war der Austrieb so stark, wie seit langen Jahren nicht. Aufgetrieben waren 1500 Kühe, vorzugsweise Vogelsberger und ostfriesische Rasse. Die Preise stellten stch zwischen 300 und 450 Mk. für frischmelkende Maare. An Fettoieb waren ca. 200 Stück vorhanden, doch waren bie Preise niedrig. Der Ochsenmaikt war mit Simmvnthaler, weniger mit Vogelsberger Vieh befahren. ES waren ungefähr 250 Paar aufgetrieben; bie Preise für fünf- biS sechsjährige Ochsen schwankten zwischen 800 unb 900 Mk. pr. Paar. Der Handel mit Kühen unb Fettvieh war etwas gebrückt, trotzdem wurde der Markt ziemlich geräumt. Gottesdienst in der Synagoge. SamStag, den 9. März. Vorabend 6 1 Uhr, Morgens 9°° Uhr, Nachmittags 3“ Uhr, Sabbathausgang 7w Uhr-________________________________ ooooDa5oaaoöooäoaQOODaDOöiaooQa § Ulster-Cheviot ca. 140 cm breit ä M. 2 95 pr. mtr. g Q modernste echt englische, sowie beste deutsche Herren- Q □ Kleiderstoffe versenden in beliebiger Meterzahl franco Q Q ins Haus a Q Versandtgeschäft Oettinger & Co., Frankfurt a M. O g -----Muster umgehend franco.----- me Q Lehrerin für einen Mädchenhort gesucht. Zur Leitung eines Mädchenhortes, in welchem schulpflichtige Mädchen ihre freien Stunden mit Spielen und Spaziergängen, sowie mit Anfertigung von Schulaufgaben und Handarbeiten verbringen sollen, wird ehne entsprechend vorgebildete Lehrerin gesucht. Die Annahme erfolgt Wächst auf Kündigung, jedoch ist spätere feste Anstellung nicht ausgeschlossen. Bewerberinnen wollen ihre Meldungen unter Beifügung von Lebenslauf und Zeugnißabschriften, sowie mit Angabe des beanspruchten Gehaltes bßs spätestens 1. April d. Js. hierher einreichen; zu persönlicher Vor- Mung bleibt besondere Aufforderung vorbehalten. Gießen, den 5. März 1895. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 1955 Bekanntmachung. Die derJakob Oppenheimer I. Ehefrau, Zerliue geb. Herz, für die Firma Jakob Oppenheimer I. zu Langsdorf ertheilte Procura ist in Folge Ablebens der Procuristin erloschen. Eintrag im Handelsregister ist erfolgt. Lich, den 4. März 1895. Großherzogliches Amtsgericht. Süfsert. 1951 1953 J. M. Schulhof. IFrischeBackfische iSnÄÄMSJ:1” ... Freund in Gt« ßen gehörigenJmmobtlien: Flvr 1 Nr. 39 — 12 qm Hofraum in der Mühlgasse, Flur 1 Nr. 41 — 75 qm Hofraithe das., öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 27. Februar 1895. Großh- Ortsgericht Gießen. ___________I. A.: Vvgt.________1708 1287] Eine Ara« empfiehlt stch zur Krankenpflege. Näheres Astrrweg 2, 1. Stock. Waschtöpfe rosten nie! von 3 Mark an. 1959 Theodor Waldschmidt, 8. 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