Samstag de» 7. Dceember Erstes Statt M 288 virrteffLhnger Zlnits- und Anzeigrblatt für den Areis Giefzen HratisSeikage: Gießener KamitienökätLer der Sie hatte eineu unserer Liebe und unserer Hoffnungen. die Geburt zweier als ich den Brief Alice Kindern, ich hatte ich sie nicht. den ich nicht ihrer gedacht, und oft mutzte ich ihres damaligen Ausspruches gedenken, datz die Liebe für die Männer nur eine Episode sei. Meine Episode dauerte jedenfalls lange genug. In den letzten Tagen meines Aufenthalts schrieb ich einen langen Brief an „meine Alice", die sie doch ist und bleiben wird, und schrieb, ob es nicht möglich sei, jetzt, wo wir verhältnißmatzig alte Leute geworden wären, uns einmal wiederzufehen, schrieb ihr auch von meinem Traum in der Stube des firnen Bauernhauses, der die Sehnsucht Belten von Großen Linden. 6. Kreisstratzen-Neubauten- hier die Bestimmung Reihenfolge derselben für die nächsten Jahre. 7. Die Gehaltsverhälmiffe der Bezirksbauaufseher. Gießen, den 30. November 1895. Der Vorsitzende des Kreistages des Kreises ließen, v. Gag ern. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Norm. 10 Uhr. eines Wiedersehens von Neuem angefacht. Was wird sie schreiben? Nach ein paar Tagen aber verließ ich das mir durch feinen Traum fast lieb gewordene Bauernhaus in Pennigschle und zog anderen Quartieren entgegen. Wechfelvoll ist das militärifche Leben, vom Fürftenschloß znm Bauervquartier führt der Weg deS Soldaten. Wenn nun auch im Buche der Erinnerungen der Aufenthalt damals am schönen Marneufer zu meinen schönsten Lebensmomenten gehört, so ist die Erde auch schön bei ihren von der Natur am schlechtesten behandelten Kindern. Sie hat ihre Reize auch in diesen Moorcolonten meiner Heimath, man muß sie nur zu finden wiffen und fie zu entdecken verstehen. Der Gedanke, cs ist die Heimath, eS ist jetzt unser großes, deutsches, damals erkämpftes einiges Vaterland, läßt ur.S hinwegsehen über vieles, das vielleicht anderswo äußerlich schöner ist, oft aber auch nur ein Trugbild.*) Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, LxpeditioO und Druckerei: Schutstratze Ar.V- Fernsprecher 5L verließ mich nicht. Von Neuem sehnte ich mich nach ihr, wie ich mich in den verfloffeuen zehn Jahren stets nach ihr gesehnt hatte. Es war damals nach den seligen Tagen anders mit unserer Liebe und ihrer Erfüllung gekommen, als wir er* hofft und geträumt hatten. Standes- und nationale Schmie« rigkeiten waren zwischen uns getreten, die Meinigen wollten die französische KaufmannStochter nicht in ihrer Mitte haben, Alicens Eltern aber hatten bei dem ersten Wort, das diese über unsere Liebe und ihre Hoffnungen gesprochen, gleich furchtbar gewüthet über den Gedanken, einen Feind der Nation zu heirathen. Genug, man hatte fie fern nach dem Süden zu Verwandten geschickt, unsere Correspondenz war aufgefangen, ich hatte fie verlieren müssen. Es war einmal wieder die Geschichte von den zwei KönigSkmdern, die nicht zu einander kommen könnten, — das Wasser war viel zu tief. Später nach Jahren hatte mich nach langen Irrfahrten ein Brief von Alice erreicht, eS war der Abschiedsgruß •) Aus „Das Geheimfach meines Schreibtisches. Erinnerungen aus dem Leben eines alten Reitersmannes/' Bo» Moritz von Berg. Drei Bände compl. drosch. Mk. 10.-, conwl. aebd. Mk. 13.—. Einzeln: Band I drosch. Mk. 5.—, gebd. Mk. 6.50, Band II und III ä Mk. 3 — drosch., elegant gebd. Mk- 4.—. Vor- räthig in allen Buchhandlungen. ich im Medaillon stets bei mir getragen. So kehrten meine Gedanken denn oft auch zu Allee Der Sicherer Anzeiger erscheint täglich, o* Ausnahme deS Montags. Die Gießener y*mirte*IUUer »erden dem Anzeiger «Schmtlich dreimal beigelegt. Eltern heirathen müffen. Später hatte geschrieben und mir im Laufe der Jahre Knaben angezeigt. Was ich empfand, erhielt von der Geburt ihrer, meiner Gieren, den 4. December 1895. Betr.: Tabaks-Berufsgenoffenschaft. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an daS Gr. Polizeiamt Gießen und die Gr. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. , Sie wollen binnen acht Tagen berichten, ob und welche Cigarren-, Cigaretten und Tabak herftellenden bezw. Rohtabak zubereitenden Betriebe oder Rohtabakhandlungen in Ihren Gemeinden vorhanden sind. Dabei wollen Sie angeben, ob und wie viel fremde Personen in jedem Betriebe, sei es auch nur zum Verpacken bezw. Sortiren, beschäftigt sind, ober ob nur Eltern und Kinder darin arbeiten. Die Angaben find zu machen, ohne Rücksicht darauf, ob die Her* Rettung der Fabrikate für eigene oder fremde Rechnung erfolgt. Auch Betriebe der Hausarbeiter (außerhalb der Fabrik) find aufzuführen. Ferner ist anzuzeigen, ob Motoren im Betriebe verwendet werden und ob Fuhrwerksbesitzer vorhanden sind, die für einen der bezeichneten Betriebe, wenn auch nur zum Theil thätig sind. v. Gagern. Bekanntmachung. Mittwoch den 18. December d. I., Vormittags 10 Uhr, findet in dem RegrerungSgebäude dahier eine außerordentliche Sitzung des Kreistages des Kreise» Gießrn mit folgender Tagesordnung statt: 1, Ergänzungswahl znm KreiSausschusse (Ende 1895 haben nach dem Dienstalter auszutreten: Rechtsanwalt Dr. Gutfleis ch, Gießen, Bürgermeister Geißler, Lollar und Landgerichtsrath Dr. Schäfer, Gietzen,- außerdem hat Rentner A. Heß, Gießen, seine Functionen als Kreisaus- Alle Annonccn-Bllreaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Dienstzeit und im Wesentlichen unter Innehaltung der tm Etat.ausgeworsenen Mittel. Berlin, 5. December. Auf der Tag-sordnung der Sitzung des Landes-Eisenbahnrathes am 13. d. M. stehen u. o.: Wiederherstellung directer Gütertarife mit Polen, Herstellung von Durchgangstarifen für einzelne russische Ausfuhrartikel nach Hamburg zur überseeischen Ausfuhr, Fracht- ermäßigung für Petroleum im deutsch russischen Verkehr, Frachtermäßigung für Steinkohlen von Schlesien nach Stettin und Swinemünde im Ortc-verkehr, Herabsetzung der Ausfuhrtarife für Zucker von den Stationen der Provinzen Schlesien und Posen über die deutschen Seehäfen. Berlin, 5. December. Von den elfäff isch-lothringi- schen Protestlern ging dem Reichstag ein Antrag auf Aushebung des Ausnahmezustandes in den Reichslanden bezüglich der Preffe, ferner ein Antrag auf Aufhebung der außerordentlichen Vollmachten des Statthalters und auf Neuregelung der Wahlen zum Landesausschuß zu. Hannover, 5. December. Der Kaiser ist heute Nachmittag um 4i/2 Uhr hier eingetroffen. Trotz des überaus heftigen Sturmes hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge auf dem Platze vor dem Bahnhofe eingefunden, die den Kaiser lebhaft begrüßte. Der Kaiser begab sich direct nach dem Schlosse, woselbst um 51/« Uhr ein Diner ftattfand, zu dem die Spitzen der Civil- und Militärbehörden Einladungen er- halten hatten. v , Dresden, 5. December. DaS Stadtverordneten Collegium bewilligte einstimmig einen Beitrag von 50,000 Mk. auS den Mitteln der Stadt zum Garantiefond für die 1897 tn Dresden stattfindende internationale Kunst-Aus- st e l' u n g , sowie unentgeltliche Ueberlaffung der Ausstellungshalle an das Ausstellungscomits. Wie» 5. December. Nach hier vorliegenden Berichten aus Konstantinopel ist der frühere Großoezter Said Pascha gestern mit seinem Sohne in die englische Botschaft geflüchtet. Rom, 5. December. Dem „Messaggero" zufolge kam im Postbureau der Kammer ein in schlechtem Französisch geschriebener Brief auß Frankreich nebst einer Coffette in Form eines PoftpacketS an, der die Adreffe EavallortiS trug. In der Caffette wurde ein mit einer röthlichen Flüssig« feit gefülltes, in Watte und Papierschnitzel eingewickelteS Fläschchen gefunden. DaS Fläschchen wurde im Präsidial- bureau niedergelegt, die Flüssigkeit wird amtlich analysirt werden. Man glaubt, es handle sich um einen schlechten Scherz. Konstantinopel, 5. December. Die Türkei suchte kann es nicht sagen. Aber wtedergesehen Ihr Bild, baß sie mir damals beim Abschied geschenkt, habe ungeliebten Vetter, da unten im Süden, auf Wunsch ihrer sie mir öfter noch Fichtenwaldes saß, wenn die Sonne blutroth hinter dem I zurück, es war kein Tag tn diesen Jahren Ergangen, an fernen Rande der Heide am Hortzant versank, die Rohr. 1 — “"h "" “ ,h”6 *" dommel ihren sehnsüchtigen Lockschrei ertönen ließ und tn der Ferne die Trompete meine Ulanen zur Ruhe rief. — Dann trat, durch meine Träume neu erregt, die Erinnerung ein, bann stand meine Alice wieder mir vor Augen, und der Gedanke an das, was fie mir gab, was sie mir war, Ferrilleton. Verschiedene Busrtierr. Kriegsbilder von jetzt und damals. Bo» Moritz von Berg, Verfasser der „Ulanenbriefe". (Schluß.) In der That verhielt eß sich so, denn als ich mich säuberlich gewaschen und umgezogen hatte, durch die räucherige j'Decle* in den sogenannten Garten trat, da sah daß geöffnete Zelt mit seinem gedickten Tischchen recht einladend auß. Eine würzige, srische Lust umfing mich beim Heraus- trete«, die ich mit Wonne nach der schwülen Stall- atmoßphäre der Kemnate einsog; ich beschloß, wenn irgend daß Wetter eß erlaube, daß Bauernzimmer nicht wieder zu betreten, sondern in meinem lustigen Zeltschloß zu wohnen. Und die liebe Sonne blieb mir treu, fie verließ mich v'cht mehr, während der ganzen Zeit des Pennigsehler Auf- rnthaltes vergoldete sie stets am Morgen die braunen Fichtenkronen und ließ die blühende Heide wieder zur Geltung kommen. Die Gutmüthigkeit der braven Nieder- sachfen kam auch auß der rauhen Hülle herauß. Die biedere« Bauerßleute versorgten mich mit dem Besten, maß sie hatten, und zum Deffert schmückte stetß goldener Heide- Honig meinen Tisch. Zum Mittageffen lieferte Westdorf täglich ein junges Huhn, daß sich unter Conrads kundiger Hand in eine schöne eoupe L la reine verwandelte. Nur mit fttttem Vorwurf konnte ich bei; dem endlichen Verlassen Pennigßehleß auf die zehn Hühnertöpfe herabblicken, die an der Schwelle der Deele lagen und das einzige Ueberbletbsel von dem stattlichen Hühnervolke schien, das mich bei dem Ankommen gackernd begrüßt hatte. Zwar gab es im Laufe der zehn Tage noch einsame Stunden, wenn ich bei dem Abendschein oft am Rande des schutz-Mitglied aus GesunohLllLrbcksicht-.u nieöergelegt, unö i ist |üt denselben eine Ersatzwahl, gültig biß Ende 1898, vor- | iU Wahlen zum Provinzialtag (Ende 1895 haben nach d-m Dienstalter auszutreten: Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, Gießen, Commerzienrath Heyligenstaedt, Gießen, sowte der nach Darmstadt versetzte OberlandesgerichtSrath Holzapfel; außerdem sind für die verstorbenen Mitglieder Georg Buderus, Lollar und Rechtsanwalt Curt- man, Gießen Ersatzwahlen, gültig bis Ende 1898, vor- zune^men^^^^ ^neß Mitgliedes der Körcommission an Stelle deß verstorbenen Heinrich Velten von Großen- Linden. 4. Wahl von zwei Mitgliedern und zwei Stellvertretern für die verstärkte Ersatz-Commission auf 3 Jahre. 5. Wahl je eines stellvertretenden Mitglieds der Pferde Musterungs Commissionen der Bezirke Hungen und Großen- Linden und eines stellvertretenden Taxators für den Aus- Hebungsbezirk Hungen, anstatt des verstorbenen Bürge^ meisterß Rückel von Bettenhausen und Landwirths Heinrich Amtliche» Theil. Beka«vtmachmtg, betr. : Maul- und Klauenseuche in Ermenrod und Kesirtch. In je einem Gehöft zu Ermenrod und Kestrich, Kreiß Alsfeld, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Sperre der verseuchten Gehöfte und der Gemarkung Kestrich angeordnet worden. Gießen, den 5. December 1895. Großherzoglicheß Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießener Anzeiger Kmerat-Unzeiger. ncueftc 2Iad?rid?U-a WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 5. December. Der „Nationalzeitung" zufolge heben die Berichte der commandirenden Generale über die vierten Bataillone die Einzelausbildung der Mannschaften hervor, so in der Exercir- und Schießfertigkeit. Sie sei sehr gut infolge deß außerordentlich günstigen Zahlen« verhälmiffeß zwischen den Schülern und den Lehrkräften, aber schon vom Compagniedienst aufwärts finde eine ausreichende militärische Ausbildung nicht mehr statt. Die Generale befürworten eine baldige Abänderung der Organisation, damit die Zahl der militärisch Mindergeschulten nicht zu stark an« wachse. Das militärische Jneinanderleben zwischen Mann- schäft und Vorgesetzten sei bei den vierten Bataillonen im Gegensatz zu den Vollbataillonen fast ausgeschloffen. Eine etwaige Aenderung vor Ablauf des Quinquennats dürfe sich nur vollziehen innerhalb der jetzigen Friedenspräsenzstärke und I unt r der grundsätzlichen Aufrechterhaltung der zweijährigen geschildert auf ben Thearer-Berein. Episode an Episode und scheinlichkeit gereiht, und daS Zwerchfell in Anspruch Die tu einer bleibt er zu Hause und schimpft Nun ja! im „Militärstaat" ist Unwahrscheinlichkeit an Unwahr- vom inneren Menschen wird nur Bieße», bett 6. December 1396. ♦* ProviuziLlau»schnß.Sihuug. SamStag den 14. d. M., Vormittags 9 Uhr, findet eine öffentliche Sitzung des Pro- vinzialauSschuffeS der Provinz Oberheffen mit folgender Tagesordnung statt- 1. KostenfestsetzuugSgesuche. 2. KreiS straßen'Angelegenheiten. 3. WirlhschastSgesuch des Johann Bender zu Ziegelhütte bei Brauerschwend. 4. Enteignung von Grundeigenthum in den Gemarkungen Inheiden und Feldheim für die Nebenbahn Hungen-Friedberg. 5. Wirth- schaftSgesuch deS Lu d w i g M uh l zu Großen-Linden. 6. Klage des OrtS Armen-BerbandS Düdel-Heim gegen den Ort». Armen Verband Lindheim wegen der VerpflegungSkosten für Katharine Nagel aus Lindheim. 7. WinhschaftSgesuch des Gustav Seipel zu Gedern. 8. Klage deS OrtS» Armenverbands Frankfurt a. M. gegen die Ortskrankenkasse Grohkarben wegen der Pflegekosten für Joh. Lauten- f ch l ä g e r aus Gadernheim. 9. Beanstandung der Gemeinde- rarhswahl zu Lauter. Berlin, 5. December. Die „National-Ztg." schreibt heute Abend zu der MinisterkrisiS: ES ist ein Minister des Innern nöthig, der, weit entfernt, der Socialdemokratie gegenüber einen Rückzug auzutreten, ihr doch keine Blöße darbietet, ein Minister, welcher den Tivoli-Conservativen gegenüber völlig unabhängig zur Wahrung des StaatSintereffeS Adlatus beigegeben werde. Konservative Politiker'bestätigen diese Meldung. v. d. Goltz Pascha zum Verbleiben im Dienste zu be- w-g-n, waS dieser jedoch ablehute, da er seine Aufgabe er» „ . Hierzu schreibt die „Nordd. ^llg. Ztg.": Nach unseren Informationen haben wir alle Ursache, die letztere Nachricht als unzutreffend zu bezeichnen. Berlin, 5. December. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." hört, find dem Reichstage auch die Gesetzentwürfe über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs und die Abänderung des Gesetzes betreffend die Erwerbs» und WirthfchaftSgenossenschaften (Consum-Vereine) zugegangen. Damit find bis auf die Zuckerfteucr-Vorlage und das bürgerliche Gesetzbuch sämmtliche in der Thronrede angekündigten Vorlagen an den Reichstag gelangt. Berlin, 5. December. Die deutsch-sociale Reformpartei hat im Reichstage fünf Anträge eingebracht, in welchen die verbündeten Regierungen ersucht werden, die Gründung von Konsum-Vereinen zu verbieten bezw. VerkaufS- genoffenschaften solcher Betriebe aufzuheben- ferner bei gerichtlichen Vereidigungen von Partei-Zeugen und Sachverständigen die confesfionelle Eidesformel wieder einzuführen - den Sonntagdienst bei der Post zu beschränken- den Lieferanten, Handwerkern und Arbeitern für ihre aus Lieferungen und Arbeiten bei Neubauten erwachsenen rechtmäßigen Forderungen ein Vorrecht vor säwmtlichen auf diese Bauten eingetragenen Hypotheken oder Kautionen zu gewähren und endlich, das allgemeine und gleiche Wahlrecht zum Reichstag zu einer Wahlpflicht zu erweitern. Außerdem ist in diesem Jahre von derselben Partei wieder der Antrag auf Verbot der Ein» Wanderung ausländischer Juden eingebracht worden. Berlin, 5. December. Die socialistische Reichs- tagSfraction, mit Ausnahme von Schippel und Schmidt- Berlin, die im Gefängniß sitzen, erklärt in einem längeren j Aufruf an die Genossen, daß sie vorläufig nach der Auflösung I des Parteivorstandes die Leitung der Partei übernehme. Mit der Leitung der politischen Geschäfte ist der FractionS- vorftand, bestehend aus den Abgg. Auer, Liebknecht, Bebel, Meister und Singer, mit der Führung der Verwaltungsgeschäfte die Abgg. Förster, Koenen und Molkenbuhr, fämmtlich in Hamburg, beauftragt. Geldsendungen find an Koenen, Agitation--, Preß-, Proceß- und Untersuchungs-Angelegenheiten an Förster-Hamburg zu richten. Je nach den Umständen soll die Gesammtpartei auf einem im kommenden Jahre frühzeitig zu berufenden Parteitage Gelegenheit erhalten, wieder definitiv Ordnung zu schaffen. Weiter heißt eö unter Anderem in dem Aufruf: Um mit unseren Gegnern, die über den „schweren Schlag", der uns getroffen, jubiliren, ins Gericht zu gehen, dazu werden uns die bevorstehenden Verhandlungen des Reichstages noch besonders Gelegenheit geben. Da führen wir die Angriffswaffe und unsere Feinde sollen nicht geschont werden. Gegenüber anderen Meldungen constatirt der Vorwärts, daß in der Sache gegen Auer und Genoffen diesen Beiden noch keine Anklageschrift zugegangen ist. DaS Verfahren richtet sich nach Mtttheilung des Untersuchungsrichters gegen 56 Genoffen. der Höhe der Kunst. ** Letzte Dresdener Gefammtvorstellong. Am SamStag Abend verabschieden fich die Dresdener Gäste in Marburg und am Sonntag hier in Gießen in einem der besten Lustspiele, Heinemanns „Herr und Frau Doctor". Es dürften an diesem Abend wohl alle Gießener Kunstfreunde nochmals Gelegenheit nehmen, daS ganz vorzügliche, noble Ensemble Fräulein Bernhardts nochmals in einem so prächtigen Lustspiele zu bewundern, gehen wir doch einer gänzlich theaterlosen Zeit entgegen. Btlletficherung für diese Sonntag-Vorstellung, die definitiv die letzte der Dresdener Gäste ist, empfiehlt sich schnellstens. •• Sonntagsruhe betr. An den nächsten drei Sonntagen, 8., 15. und 22. December, können die Ladengeschäfte bis um 7 Uhr Abends geöffnet bleiben. •• Kritische Tage allererster Ordnung scheinen gestern und heute zu sein. Heftiger, sturmartiger Wind, der oft die Richtung wechselte, leitete gestern das von starken Regen» schauern begleitete Unwetter ein, daS die ganze Nacht über anhielt. Heute ist es etwas ruhiger, doch hält der Regen an. Die Wasserläuse find zum Thetl übergetreten, niedrig gelegene Ländereien überschwemmt. — Dte Lahn wälzt ihre Fluthen bereit- über einen Thetl der Bleichen und de» Schweinemarkt- auch dte Wieseck fährt große Waffer- maffen durch dte Stadt. Die städtische Pumpstatton ist tat Betrieb. •• Beim Herannahen bet Weihnacht« PacketverkehrS erscheint eS unS angezetgt, auf verschiedene Punkte hinzuweife», deren Beachtung für die Absender von Packeten besonder- wichtig, und geeignet ist, da- Publikum vor Nachtheilen und Unannehmlichkeiten zu schützen: 1) Die Verpackung der Packete muß fest und dauerhaft sein. Schwache Schachteln, Cigarren- kisten und dergleichen find zur Beförderung nicht geeignet, und werden von der Post nur „aus Gefahr de- Absenders" zur Besörderung angenommen. 2) Die Packete müssen mit Berlin, 5. December. Nachdem heute Vormittag der Kaiser die Vorträge de- KrtegSministerS und deS Chef- des MilitärcabinetS entgegengenommen hatte, empfing er die Deputation 'b cß Kaiser-Alexander-Garde - Gre- nadier-Regiments Nr. 1, welche fich demnächst dem Czaren in Petersburg in neuen Bekleidungsstücken vorstellen wird und heute Abend abreist. München, 5. December. Wie das „Neue Münchener Tageblatt" meldet, löste sich gestern Morgen, als eben der Münchener Frühzug die sogen. Höllengrube bei Wolfrathhausen passirte, ein ca. 2 00 Ctr. schwerer FelSdlock von dem Berge ab und stürzte mit einer furchtbaren Wucht auf das Bahngeleife. Nur dem Umstande, daß der Locomotivführer die Bremsen rechtzeitig in Function treten «eß, ist eS zu danken, daß eine entsetzliche Katastrophe der» hütet wurde. Derartige Felsstürze find an der kritischen Stelle schon öfter vorgekommen. Prag, 5. December. „Politik" erfährt auS angeblich zuverlässiger Quelle, die Demission deS Statthalters von Böhmen, Grafen Thun, stehe unmittelbar bevor. Als deffen Nachfolger fei ein Erzherzog auSerfehen, dem ein Der Krieg von 1870J71, durch Ausschnitte tu3 ZeitungS - Nummern jener Zeit- (Nachdruck verboten.) 7. December. •• Theatervereiu. Wenn der Besitzer einer Chocoladen- Fabrik den Namen „Vogel" trägt und Reservemanu ist- wenn sein Director „Starke" heißt und eS bis zum Lieutenant der Reserve gebracht hat- wenn der Dichter deS Lustspiels sich Gustav von Moser nennt und mit Thilo von Trotha affociirt erscheint, dann weiß der denkende Leser de- Theaterzettel-, maß die Glocke geschlagen hat. Und wenn er fich ein paar Stunden hindurch harmlos amüsiren will, dann geht er in- Theater und lacht- ist er aber von tief fittliche« Ernste durchdrungen, dann schuldig de- versuchten TodtschlagS und ihm mildernde Um. stände zu versagen seien. — Der Vertreter der Sraal». behörde beantragt darauf, gegen den Angeklagten auf 3 Jahre Zuchthaus zu erkennen. D'e verlheidigung plaidirt warm aus den schon früher au-geführren Gründen, den jungen, unbestraften Menschen mit der gesetzlichen Minimalftrase, nämlich 1 Jahr Zuchthaus, zu de- legen, womit deffen That hinlänglich gesühnt sei. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu 2 Jahren Zuchthaus. Der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath Dr. Schäfer begründet die Höhe der Strafe damit, daß zwar mildernd in- Gewicht falle die Jugend und Unbestrafthett des Angeklagten, die Erregtheit und der angetrunkene Zu» stand, in dem er fich bei Begehung de- Verbrechens befand, erschweren?' sei aber, daß der Angeklagte bei dem Vorsatz das Verbrechen auSzusühren beharrt habe, trotz der viele» Warnungen und Abmahnungen, die ihm vorher zu Theil geworden, daß er sein Opfer auf offenem Markt angefaüen, und dasselbe bestialisch und roh noch mit dem Meffer bearbeitet habe, als dasselbe, ohne sich wehren zu können, am Boden gelegen. Der Angeklagte zeigte nicht die mindeste Bewegung und Reue, als das Urtheil über ihn verkündet wurde. — Der Vorsitzende, Landrichtörath Dr. Schäfer, schloß barauf die diesmalige Session des Schwurgerichts, indem er den Geschworenen Namens des Staates für deren Mühe» waltung den Dank aussprach. genommen- aber luftig ist'- vom Anfang bis zum Schluffe und Lachen ist eine recht erfreuliche Thätigkeit. Dieser Ansicht neigte fich am gestrigen Abende denn auch ganz Gießen zu, hatte den Festsaal bis auf den letzten Platz gefüllt und folgte in animirtefter Stimmung dem Spiele der Mitglieder des Wiesbadener Restdenz-Theaiers. Es wäre Unrecht, aus dem brillanten Ensemble einzelne Leistungen als besonder- hervorragend zu nennen- rl füllte eben jeder der Mitwirkenden seine Stelle vorzüglich auS und so verzichten wir sogar auf die Erwähnung deS Fräulet» Helene Schüle. Daß die drei verttableu Einhundert- fechzehner auch auf den Brettern mit der nöthigen Schneidigkrit auftraten, bedarf kaum der Versicherung. Sie standen auf Schwurgericht. W. Gießen, den 5. December 1895. Schluß der Verhandlung gegen den Maurer Heinrich Glück aus Vilbel wegen versuchten TodtschlagS. Die Beweisaufnahme förderte außer dem schon angegebenen Thatbestand nur noch zu Tage, daß der Angeklagte in der Wirthschaft zum „Bayerischen Hof", in die er, als er den Schlag des Musikanten erhalten hatte, zurückgekehrt war sowohl als im Müller'schen Zelt, sowie beim Suchen seines Opfers auf offenem Markt mehreren Personen gegen- über gedroht habe, dem Scheid heute noch eins anzuthun. Einer der Zeugen erklärt, der Angeklagte habe gesagt, ich steche ihn tobt und wenn ich auch einige Jahre ins Zuchthaus komme. Alle diese Personen haben den angetrunkenen und erregten Menschen abzuhalten versucht, sein Vorhaben auSzusühren, man hat ihm vergeblich vorgehalten, fich nicht | unglücklich zu machen. Einer der Zeugen hat noch kurz vor 1 der That, baß Meffer in der Hand des Angetrunkenen sehend, diesem zugerufen, er möge daS Messer etnstecken, aber einige Secunden später war daS Verbrechen verübt. Nach beendeter Beweisaufnahme theilt der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath Dr. Schäfer mit, daß den Geschworenen folgende Fragen vorzulegen seien: 1) Ob der Angeklagte schuldig, am 19. August d. I. zu Vilbel den Entschluß, einen Menschen zu tödten, jedoch nicht mit Ueberlcgung, durch vorsätzliche Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung dieses Verbrechens enthalten, betätigt hat- (§ 43 und 212 d. R.-Str.-G.). 2) Sind mildernde Umstände vorhanden? Jrn Fall der Verneinung der Frage 1 3) Ob der Angeklagte vorsätzlich einen Menschen mittels einer Waffe körperlich mißhandelt (§ 223a d. R. Str. G.). Auf Antrag der Vertheidigung wird auch bei dieser Frage die Hilfsfrage gestellt, ob mildernde Umstände vorhanden find. Der Vertreter der Anklagebehörde, Herr GerichtSasseffor i Dr. Gläffing, begründet die Anklage und plaidirt auf TodtschlagSverfuch. Es sei durch die Beweisaufnahme klar und erwiesen, der Angeklagte habe seinen Gegner tödten wollen und nicht sein Verdienst sei es, wenn die entsetzten Menschen ihn an der Ausführung seines verbrecherischen ThunS dadurch abhielten, daß sie ihn von seinem wehrlos am Boden liegenden Opfer zurückriffen. Die Frage, ob bei dieser That mildernde Umstände vorliegen, sei keinesfalls zu bejahen, denn trotz der vielen Abmahnungen, die dem An- geklagten zu Theil wurden, trotz der Warnungen, fich nicht unglücklich zu machen, habe Glück bei feinem verbrecherischen Thun beharrt. Herr Rechtsanwalt Metz vertritt die Meinung, daß eS seinem Klienten mit der Drohung, den Musiker zu tödten, der ihn dadurch gereizt, daß er ihn am Kopf verletzt habe, nicht Ernst gewesen, derartige Drohungen seien bet Mefferaffairen nichts Seltene- und nicht für baarc Münze hinzunehmen, wenn Drohender, wie im vorliegenden Fall, schwer angetrunken und erregt sei. Es liege weiter hier nichts vor, als eine schwere Körperverletzung, wenn man den Angeklagten nicht wegen schwerer, sinnloser Trunkenheit freisprechen wollte, mindenstenS aber bitte er die Geschworenen, seinem Klienten die milderden Umstände zu bewilligen. Der Angeklagte sei ersten« noch sehr jung und unbestraft, er war zur That ge» reizt, erregt und schwer angetrunken. — Nach längerer Replik der Anklagebehörde, wobei dieselbe hervorhob, daß sie Anfangs zweifelhaft war, ob die That des Angeklagten nicht als Versuch des Morde- zu behandeln sei, präcifirt noch einmal die Vertheidigung ihren Standpunkt. Die Geschworenen erhalten vom Vorsitzenden eingehende RechtSbelehrung und ziehen sich zur Berathung zurück. Heber Vi Stunde dauert .deren Abwesenheit auS dem GerichtSsaal. Der Obmann, Herr Theodor Kübel-Herbstein, ver- kündet als den Sprach der Jury, daß der Anegklagte ! jungen Burschen des Elsasses find wirklich „ , o u u v ||v~ fatalen Lage. Von der franzöfischen Regierung entschlossen ist, ein Minister, der Gedanken hat und im "halten sie durch ihre Prüsecten und MaireS die Aufforde» Parlament vor dem Lande eindrucksvoll zu sprechen weiß. run0' bei der franzöfischen Armee in Lyon zu stellen Berlin, 5. December. Zu den Gerüchten über den I unb Dienst zu thun, wenn nicht ihre Güter ober die ihrer Rücktritt des Minister- v. Köller meldet ein patla- ®ltcrn confiSctrt werden sollen. Sie ziehen also nächtlich mentarischer Berichterstatter: Sämmtliche' Minister, außer bon Hause fort, gewinnen die Schweizer Grenze und gehen dem beurlaubten v. Köller, waren für gestern Nachmittag übcr Basel ober irgend einen Grenzort zur Eisenbahn, mit 4 Uhr zu einer vertraulichen Besprechung bei dem Reichs- tocI(^cr sie nach Genf und Lyon reifen. Inzwischen läßt die kanzler eingeladen. Die Unterhaltung dauerte ungefähr zwei preußische Behörde im Orte durch den von Preußen bestä- Stunden. Man nimmt an, daß eß sich um Vorschläge für ti0ten Maire Verzeichnisse der jungen waffenfähigen Mann» einen Nachfolger des Herrn v. Köller gehandelt habe. Um schäften aufnehmen, und wer fich nicht in gewisser Frist zu 6 Uhr traf dann der Kaiser im ReichSkanzler-PalaiS ein, H°ufe befindet, dessen Güter werden confiSctrt oder die Ge» um fich vom Fürsten Hohenlohe Vortrag halten zu lassen, "rinde mit einer Kontribution belegt. Da bleibt somit nur Von informtrter Seite wird der Regierungspräsident von btc Wahl zwischen Scylla und KharybdiS. Die preußische Posen, Freiherr v. Wilamowitz.Möllendorf als Nach- Maßregel oder Drohung hat sich nicht als genügend erwiesen, folger v. Köllers bezeichnet. Hierzu schreibt die „Nordd. | benn die Durchzüge der Elsässer durch Basel haben noch immer nicht aufgehört- sie find, wie eS scheint, auch ziemlich erfolgreich organisirt. Franks. Journ. Pari«, 5. December. AuS MadagaScar theilt General DovttL« bti nm» I DucheSne mit, daß die Lage im Ganzen zufriedenstellend fei. Berlin 5 Tuetmhrr a ’u iL c. habe unter dem Kommando eines BataillonSchefS drei 12V. «. 1.4 1 """■ .... SiiÄ KÄ’ÄäÄ .»Ä.X L aufammen I s Akademie in Pnlamy. ES wurde eine 9 «LnJ R TV. , „ c M cn c r L Verbindung entdeckt und socialistische Schriften wurden MinU rt'umßbß^nntrn m n V?9 »? beschlagnahmt. Eine große Anzahl Stuienten wurden nach MtntstertumS des Innern ist bisher noch keine Ent» der Warschauer Kitadelle Gebracht. scheidung getroffen. Herr v. Köller hat feine Entlassung noch * nicht erhalten. -»inet dauerhaften, deutlichen und vollständigen Aufschrift bet* -rhen fein, so daß nötigenfalls das Packet auch ohne Be- glettadresse bestellt werden kann. ES empfiehlt sich, daß dem Inhalte der Packetsendungen ein Zettel beigefügt wird, der die vollständige Adresse enthält. 3) Die Packetausschrist muß auf den Packeteu selbst niedergeschrieben oder an denselben jo haltbar befestigt sein, daß sie nicht während der Beförde- rung durch Zufall abgertsien oder abgestreift werden kann. 4) Sogenannte Fahnen, welche bei der Versendung von Geflügel, Hasen und sonstigem Wtldpret vielfach verwendet werden, müssen aus dauerhaftem Stoff bestehen und gut befestigt sein. Bet Fleischsendungen und anderen Gegenständen in Leinwandverpackung darf die Aufschrift nicht auf der Um-- hüllung aufgeklebt sein. 5) Aeltere Aufschriften re. rc., die sich auf dem VerpackungSftoff etwa noch befinden, müssen vor der Auflieferung vollständig beseitigt oder unkenntlich gemacht fein. Ganz besonders aber wird angerathen, die Packete möglichst frühzeitig und nicht etwa in den letzten Tagen vor dem Feste abzusenden, weil bei der in diesen Tagen, wie allbekannt, stattfindenden Massenauflieferung einerseits leicht Verzögerungen eintreten können, andererseits Packete, die nicht ganz dauerhaft verpackt sind, leicht Beschädigungen durch andere schwere Packete ausgesetzt sind. Grüuberg, 4. December. Gestern Abend gegen 11 Uhr fand man in einem städtischen Wasserbehälter am „Großen Graben" die Leiche einer bejahrten Frau. Sie wurde als eine seit einigen Jahren hier wohnende, aus dem benachbarten Dorfe Lauter stammende Witlwe erkannt. Die Frau hatte in letzterer Zett öfters Spuren von Geistesgestörtheit gezeigt und hat wohl in einem solchen Anfall den Tod durch Ertrinken gesucht. Die Unglückliche, die in sehr dürftigen Verhältnissen lebte und dabet kränklich war, hinterläßt eine erwachsene Tochter, die tn einem hiesigen Hause dient und ihre Mutter nach Kräften unterstützte. Darmst. Ztg. △ Mainz, 5. December. DaS hiesige Schwurgericht fällte heute Abend ein freisprechendes Urtheil, das in mancher Beziehung vielen oft kritisirten Verbieten französischer Gerichtshöfe gleicht. Auf der Anklagebank erschien die Krankenpflegerin Bertha Klopp er aus Posen, beschuldigt des Mordversuchs und Versuchs des TodtschlagS, sowie der Bedrohung. Die Angeklagte unterhielt seit dem Frühling verflossenen Jahres mit einem Lithographen, Theodor Helmert in Leipzig, ein L-ebeSverhältniß. während welchem der letztere unter HeirathSversprechungen der Klopper nach und nach ihre Sparpfennige abschwindelte. Helmert siedelte hierher über und alSbald sah die Klopper ein, daß sie betrogen war. Zu den Betrügereien seiner ehemaligen Geliebten verleumdete Helmert dieselbe auch noch in der schmachvollsten Weise bei ihren Verwandten. Letzteres brachte die Klopper tn große Erregung, sie kaufte einen Revolver und reifte hierher, be- stellte Helmert unter einem falschen Namen in ein hiesiges Hotel und drückte, alS derselbe in daS Zimmer trat, die Waffe nach ihm ab. Glücklicherweise lag bet dem Revolver die Sicherung noch vor, so daß der Schuß nicht losging. Die Angeklagte erklärte bet der heutigen Verhandlung, daß sie sich im Augenblicke der That in einer unbeschreiblichen Erregung befunden und daß cS ihre Absicht gewesen sei, sich selbst zu erschießen. Nach ganz kurzer Berathung verneinten die Geschworenen sämmtltche drei Schuldfragen, worauf Freisprechung erfolgte. Der günstige Eindruck, den das betrogene Frauenzimmer, und der gegentheilige Eindruck, den der Haupt- zeuge Helmert machte, war bei dem freisprechenden Derdicte der Geschworenen jedenfalls mitbeftimmend. Nach Schluß der Verhandlung wurde der Justtzpalaft von einer großen Menschenmenge umlagert, die gewillt war, an Helmert, der schleunigst durch die Hinterthür fortgeeilt war, Volksjustiz zu üben. Schrffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agmten Earl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 5. Decbr. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Spree, Capitän W. Willigerod, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr Nachts wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 5. Decbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Stuttgart, Capitän D. Köhlenbeck, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Der Postdampser „Switzerland" der „Red Star Line" tn Antwerpen ist laut Telegramm am 3. December wohlbehalten in Philadelphia angekommen. w 2ttrchttche Anzeige« der Stadt «Stehen. Evangelische 6emein11. Sonntag den 8. December. 2. Advent. Gottesdienst. A« ber Stadttirche. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Schlosser- Vormittags 11 Uhr: Milttärgoites dienst Pfarrer Dinaeldey. Nachmittags 21/» Uhr: Ktnderktrche. Pfarrer Schlosser- Abends 5 Uhr: Pfarrer Dr. Grein- Beichte und heil- Abendmahl für die Marcus gemeinde. Am Sonntag den 15 December (3. Advent) wird im Abendgottesdienst Beichte und heil- Abendmahl für die Matthäusgemeinde Sehallen werden. Zu diesen Feiern wird besonders auch die ton» rmirte Jugend elngeladen. - Anmeldungen vorher bei dem zu, Sndigen Pfarrer erbeten. In der JohanneSkirche. Vormittags 9*/e Ubr: Pfarrer Dtngeldey. Nachmittag« 2Vt Uhr: Ktnderktrche für die LucaSgemeinde. Pfarrer Dingeldey. Abends b Uhr: Pfarrer vr. Naumann. Betchre und heil. Abendmahl für die JohanneSgemeinde im Abendaottesd^ienftn $ december, Abends 8 Uhr, Bibelstnnde im Confirmandensaal der Johannesktrche: 1. Petrusbrtef Kap. 2 von VerS 18 an: Der Wandel unter dem Kreuz nach dem Vorbild des größten Dulders Jesu Christi. Pfarrer 0^-Naumann. Am 3. Adventsonntag, 15. December, Beichte und heil- Abend* mahl für die LucaSgemeinde im AbendgotteSdtenst. Katholische Gemeinde. Sonntag, bett 8. December. 2. Sonntag im Advent. Fest der unbefleckten Empfängniß Mariae. SamStag: NachmtttagS um 5 Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenhett zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von GVa Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; „ um 6Vt Uhr erste hl. Messe; um 71/* Uhr Austheilung der hl. Communion; „ um 8 Uhr zweite hl. Messe; „ um 9«/, Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 5»/s Uhr Christenlehre; darauf MuttergotteSandacht mit Segen.______________ flj . ..; X , wird in größeren Städten, oder aber im Winter, von verständigen Hausfrauen oft sehr vermißt. Da ist eS erklärlich, wenn ein Waschmittel - das die Rasenbleiche völlig ersetzt und die Gewebe absolut nicht angreift — in vielen 1000 Haushaltungen gerne gebraucht wird, nämlich die echte ,LnhnS Salmiak-Terpentin-Kernseife", preisgekrönt mit goto. Medaille. H 4b Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Kinder und Erben des Commerzienraths Georg Karl Gail sind für das Jahr 1896 an zwei bedürftige dahier wohnende Familien oder allein stehende Personen Unterstützungen von je 200 Mk. zu vergeben. Bewerbungen haben bis zum 15. d. Mts. bei der unterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 3 — zu geschehen. Gießen, den 4. December 1895. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 10210 I. B.: Wolff. Samstag den 18. Ian. 1896, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiefigen OrtSgericht die den Ariedrich ftlimm Eheleuten tn Gießen gehörigen Immobilien: Flur I Nr. 911710 — 64 qm Hofraithe in der Wallthorstraße, Flur I Nr. 9126/10 — 206 qm Hofraithe daselbst, Flur I Nr. 913710 — 531 qm Grab- garten daselbst, öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, den 6. December 1895. Großh OrtSgericht Gießen- I. A-: Bogt. 10209 Samstag den 28. December, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen OrtSgericht die dem Uvolf Bogt in Gießen gehörige Hof- raithe: Flur 1 Nr. 783—381 qm in der Sonn Iffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, den 6. December 1895- Großh. Ortsgericht Gießen- I. A.: Bogt. 10208 Bekanntmachung. Der auf dem städtischen Grund stück am Nodberg angesammelte Dünger aus dem Schlachthaus, ca. 125 Cubikmeter, soll Montag den 9. l. Mts., Nachmittags 3 Uhr, an Ort und Stelle in sechs Loosen meistbietend versteigert werden. Gießen, den 6. December 1895. Großh. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. 10211 Mittwoch den 11. December l. I wird Herr Landgerichtsrath Dr Linkenheld die außeramtliche Uebung für die Gerichtsaccessisten Leiten, wozu die Letzteren eingeladen sind. Gießen, den 6. December 1895. Der Präsident Großh. Landgerichts der Provinz Oberheffen. Freiherr von Ricou. Wkjhnachtsgksihknkk. Italien. Rothwein, naturrein, in hübscher Verpackung, ä Fl. 60 H, empfiehlt und versendet K. H. Loeberich, ioi84 71. Liebigftraße 71. MmimPchlW Mittwoch den LL.Deeember, Vormittags 11 Uhr, werden im Frankfurter Hof zu Homberg a. d. Ohm die nachverzeichneten Domanial- Fischereien auf weitere 12 Jahre öffentlich verpachtet: Fischerei-Bezirk I, enthaltend den Schächerbach (Forellenbach) und den Mühlgraben der Pletschmühle. Fischerei-Bezirk 11, enthaltend den Ohmfluß innerhalb der Gemarkungen Homberg und Ober-Ofleiden sowie der Mühlgräben bei der obersten Mühle, Herrnmühle, Pletschmühle und Hainmühle. Personen, deren Fähigkeit, nach den bestehenden Bestimmungen zur Pachtung zugelaffen zu werden, nicht bekannt ist, haben darüber ein Zeugniß der Großh. Bürgermeisterei spätestens bei dem Beginn der Verpachtung beizubringen. Homberg, den 30. November 1895. Großh Oberförsterei Homberg. ____________H^ß._______10085 StÖlit Schlachtham. Freibank. [10182 Heute und morgen: ZchmemeMsch nicht ladenrein, pr. Pfd. 50 Pfg. Kalbfleisch, nicht ladenrein, pr. Pfd. 45 Pfg. GikßenkrOinmbllsgesklWst G. G. m. b. H Die Rückseite von 50000 Fahrscheinen ist zu Reclamezwecken zu vergeben. Höchstgebote hierauf werden bis zum 8. d. M. durch Hrn. E. Hanau entgegengenommen. 10214______Der Vorstand. Mehl Teay zu Suchen und Confect, sowie sämm'liche vackznthaten in nur besten Qualitäten. 9998 J. M. Schulhof. «Linoleum in Stückwaare, Läufer und Sophavorlagen, in allen Fabrikaten empfiehlt und verlegt unter Garantie Th. Brück, 10188 Ecke Schloßgasse—Kanzleiberg. Telephon Nr. 27. Pa. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Ludwig Schäfer. A. Holterholl* Söhne, Seltersweg 20 Neuheiten Akademische Vorträge. Dienstag, den 10. d. Mts., präcis 8 Uhr Abends: Prof. Dr. Elbs: Die chemische Arbeit des Lichtes. Eintrittskarten wind in der Ferber’schen Buchhandlung, Stndenton- karten auch beim UniveraitäU-IIauemeister zu haben. lom Geschäfts Eröffnung. Dem verehrten Publikum von Gießen und Umgegend die ergebens Mittheilung, daß ich ein Solinger Stahlwaarenlagcr und Specerei - Geschäft 18 Marktstrasse 18 eröffnet habe und halte mich den verehrten Gönnern und Nachbarn bestens Vermischte Anzeigen. Cirr Hausbürschchen gesucht. Beuenweg 40. 110186 •eieeaeieeioeiee®e®«eeieeae Schulstr. 5. Jos. Mark Schulstr. 5. 0) Aeitestes Spccial-Wäsche Auostattllngsgkschäsi. • trotze Ausiufllil frrtigrr pamrn- und Kiu-eliväschk, somit Ktllwäschk. W Herrenhemden nach Maas D vorzüglicher Schnitt, großes Lager in nfini Weiten von M. 2.50 an das Stiick. 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Obgleich sich nun derartige öffentliche Aeutzerungen, zumal wenn sie im Inseratentheile erscheinen, selbst richten, denn jedem denkenden Menschen kann doch Wohl kaum die wahre Absicht entgangen sein, beziehungsweise um was für eine Persönlichkeit eS sich hier handelt, ist cs dennoch nöthtg, nachsolgende Thatsachen hier scstzustellen, um evcnt. trrthümlichcn Auffaffungen von Seiten mir sern- stehender Kreise vorzubeugen. Aus die Sache selbst näher einzugchen, habe ich vorerst keine Veranlassung, denn die von Seiten meines Concur- rcnten referirten Thatsachcn sind meinerseits innerhalb und auszcrhalb der Ausstellung mitgetheilt und werden auch fernerhin jedem Intercffenten rückhaltlos mitgetheilt werden. z^ür diesmal hatte eben meine Ausstellung lediglich den ^jweck, die Qualität und Bermendungsfähigkeit meiner Mohprodncte zu veranschaulichen. Die mir zu Dheil gewordene höchste Auszeichnung und zwar einzige stlöerne Medaille in der betreffenden Abtheilung ist sür mich ein Sporn, durch bereits in der Aussührung begriffene Vetriebserweiterungen meines Etabliffements die Verfeinerung meiner von Seiten des Preisrtchteramts als vorzüglich anerkannten Mohpro- ducte selbst in die Hand zu nehmen. Lahnkalk- und Marmor-Industrie 10198] Orin MLdche« zur «u,hülfe sofort gesucht Morbueßerstroste LV. „Waisenschutz." Samstag den 7. December, Abends 8 Uhr: 10141 lUonafeurtfüinmliing ’ f'llit'b fllholb im „ILamhriuuS".