M. 131 Freitag den 7. Juni 189$ Der Gießener -«zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener 9s«mtkie»vtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt. Meßener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Vierteljähriger KösunementspreiLk 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. i Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, ExpcditioO und Druckerei: Schukstratze Ar.7. Fernsprecher 51. ( Amts- und Anzeigeblatt für den «reis Giehen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Hratisöeitage: Hießener KamikienMtter. Alle Annoncen-Burcaux dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Dr. Melior. Deutscher Reich. Berlin, 5. Juni. Der Kaiser trifft am Sonnabend in Kiel behufs letztmaliger Jnsptctrung des Nordostsee- Canales ein. Am Mittwoch unternahmen der Reichskanzler Mrst Hohenlohe, die Staatssecretätt Dr. v. Bötticher, Freiherr v. Marschall und Admiral Hollmann, die Minister v. Köller und Thielen und noch andere dtstinguirte Persönlichkeiten an Bord des großen Oceandampfers „Palatia" eine Probesahrt durch den Canal. — Es gilt als nicht ausge- schlossen, daß der Kaiser bet der Kieler Canalfcter einen Besuch an Bord des französischen Admtralschiffes „Hoche abstattet, doch würde alsdann die Ehre eines kaiserlichen Besuches, wie die „Post" zu melden weiß, auch verschiedenen anderen fremdherrltchen Schiffen zu Thetl werden. — Dem dehingeschiedenen früheren Staats- secretär im Reichsjustizamte sowie preußischen Justizmimster Dr. v. Friedberg werden aus allen Parteilagern höchst ehrende Nachrufe gewidmet. Man rühmt in denselben übereinstimmend die unvergänglichen Verdienste des Verstorbenen nm die Juftizgesetzgebung Preußens, wie des Reiches, wie seine persönlichen Eigenschaften. Der Kaiser hat seinen Generaladjutanten, General v. Mischke, beordert, ihn bei dem Letchenbegängniffe Dr. v. Friedbergs zu vertreten. — Fürst Bismarck wird am nächsten Sonntag den Ausschuß des Bundes der Landwirthe in Friedrichsruh empfangen. Neueste Nachernten» Wolff» telegraphisches Corresyondmz-Bme-u. Kiel, 5. Juni. Der von der Hamburg-Amerikanischen Linie dem Reichskanzler zur Verfügung gestellte neue Post- dampfer „Palatia" hat den Nord-Ostsee-Canal ohne Schwierigkeit passirt. Die „Palatia" verließ die BrunS- bütteler Schleuse um 9^/z Uhr früh und legte die nahezu 100 Kilometer lange Canalstrecke in 10 Stunden zurück. Das Schiff passirte den Canal unter eigenem Dampf und vollzog auch die Einfahrt in die Schleusen ohne Hülfe von Schleppdampfern. Die „Palatia" hat eine Länge von 140 Meter, eine Breite von 16 Meter, einen Tiefgang von über 6^, Meter und ein Deplacement von 9000 Tons. Die Leistungsfähigkeit des Canals steht demnach außer Zweifel. Das Schiff wurde von der Bevölkerung überall lebhaft begrüßt. Vor der Fahrt durch den Canal fuhr die „Palatia nach Helgoland; das Schiff traf dort mit dem deutschen Marinegeschwader zusammen. Prinz Heinrich stattete dem Reichskanzler einen Besuch ab und nahm an dem Dmer auf der „Palatia" Theil. Wien, 5. Juni. Die heute Vormittag eröffnete sechste Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie wählte Profeffor Chrobak-Wien zum Vorsitzenden und Profeffor Fritsch-Bonn zum stellvertretenden Vorsitzenden. Anwesend sind u. A. die Vertreter der Ministerien und zahlreiche Fachautoritäten aus Deutschland, der Schweiz und Oesterreich-Ungarn. Die Versammlung besch otz, den nächsten Congreß im Jahre 1897 in Leipzig abzuhalten e. die von den Truppentheilen zur Disposition der Er- t satz-Behörden entlassenen Soldaten; f. die von den Truppentheilen abgewiesenen emiahng Bekanntmachung, betreffend Versicherung gegen Hagelschaden. Indem wir bei dem Heranwachsen der Feldsrüchte die Landwirthe unseres Kreises zur Versicherung gegen Hagelschäden auffordern und darauf Hinweisen, daß das Collectiren wegen Hagelschäden nicht statthaft ist, machen wir speciell auf die Seitens einer Anzahl von Hagelversicherungsgesellschaften besonders im Interesse der mittleren und kleineren Besitzer eingeführte Collectiv- oder Gemeindeversicherung aufmerksam. Die getroffene Einrichtung besieht darin, daß die Landwirthe einer Gemeinde einen gemeinsamen Versicherungsantrag unterschreiben, und daß für dieselben sodann Seitens der Gesellschaft eine gemeinsame Police ausgestellt wird. Einzelne Gesellschaften erlasse« in diesem Falle die Police-Kosten ganz, jedenfalls tritt aber auch eine Ersparniß an Taxationskosten ein. Gießen, den 4. Juni 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend das Ober-Ersatzgeschäft für 1895. Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1895 wird im Kreise Gießen Mittwoch den 12. Juni im Rathhause zu Lich, Vormittags 8 Uhr, Samstag den 15. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Montag den 17. Juni in dem Schulhause in der Schul- straße zu Gietzen, Vormittags 8 Uhr. . Dienstag den 18. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Mittwoch den 19. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 20. Juni im Gasthaus „Zum Rappen" zu Gründerg, Vormittags 8 Uhr, stattfinden. , r . , . Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzog- • Uchen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie- Brigade in fammtlichen Aushebungsorten zu gesellen : a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflich- i Ligen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht ; b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mili- j tärpflichtigen; ; c. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Mm- tärpflichtigen; d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und em- stellungsfähig erkannten Mllitärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen; zier tn Gewahrsam. „ Budapest, 5. Juni. Die hiesigen Briefträger, welche mit ihren Bezügen unzufrieden find und eine kürzere Arbeitszeit verlangen, beschlossen, eine diesbezügliche Eingabe an den Handelsmtnister zu richten. Wenn ihre Wünsche un- erfüllt bleiben, wollen sie in den Ausstand eiatreten. Madrid, 5. Juni. Der Major Clavijo, welcher vorgestern das Attentat auf den Generalcapitän Rivera verübte, ist heute früh 7 Uhr auf einem Felde bei San Isidora erschossen worden. Er nahm die Mittheilung von seiner bevorstehenden Hinrichtung mit stoischer Ruhe entgegen und beklagte sich nur darüber, daß man ihn in seinem Schlafe störe. Bevor er seinen letzten Gang antrat, schrieb er noch einen rührenden Abschiedsbrief an seine Braut. Loudon, 5. Juni. Der Sultan von Jahore, welcher sich auf einer Europareise befand, ist gestorben. London, 5. Juni. Der „Daily Telegraph" veröffent- licht aus Petersburg eine Nachricht, wonach die russische Regierung im Begriff steht, die Transkaspische Eisenbahn von Marghilan bis Urutubu zu verlängern. Urutubu ließt 80 Meilen von Tahitral. Ein Bataillon Infanterie, 6 Bergbatterien und 6 Abteilungen Kosaken erhielten den Befehl, die Garnison Marghilan zu verlassen und nach Urutubu zu marschiren. Mehrere tausend Ktrgisenfamilien sollen deßhalb die Absicht haben, sich in Pamir definitiv anzusiedeln. Dieses Vordringen Rußlands gegen Indien ruft hier große Beunruhigung hervor. London, 5. Juni. Nach Meldungen aus Shanghai herrschen auf Formosa entsetzliche Zustände. Soldaten und Eingeborene rauben und plündern. Die Regierungsgebäude in Taipehfe und Hobe wurden niedergebrannt. Die Republik hat sich aufgelöst. Petersburg, 5. Juni. Der Kriegsmtnister WannowS rr. ist schwer erkrankt. ^^Älin, 5. Juni. Der „Localanzeiger" meldet auS Kiel' Infolge einer Gas-Explosion im Kohlenraume auf dem Panzer „Württemberg" wurde ein Maschinen- Ingenieur schwer, zwei Heizer leicht verwundet. Der Unfall ereignete sich vor Helgoland. Berlin, 5. Juni. Einige Blatter melden auS Peters burg: Der Director der politischen Abtheilung der Polizeibehörde, Wirkl. Geh. Staatsrath Lerche, ist plötzlich verschwunden. Am 18. Mai verließ er sein Haus und ist dort bisher nicht wieder erschienen. Da er drei Tage lang nicht in seine Wohnung zurückgekehrt ist, so hat sich die gesammre Polizei zu seiner Ermittelung aufgemacht. Das Verschwinden des Herrn Lerche bleibt sehr rärhselhaft. Einerseits meint man, daß hier der Verdacht eines politischen Mordes sehr nahe liegt, andererseits schließt man auf einen Selbstmord. Beim Verlassen seiner Wohnung ließ er seine Brieftasche mir Geld, seine Uhr und Juwelen zurück. Wien, 5. Juni. Nach einer Blättermeldung aus Konstantinopel hat sich im dortigen Hafen gestern eine auf- regende Scene abgespielt. Ein türkischer Ofsizier gerieth an Bord eines französischen Dampfers mit dem zweiten Capitän des Schiffes in Streit und brachte demselben mit dem Säbel Verletzungen bet. Der Offizier wurde festgenommen und seine Freilassung, welche von dem türkischen Hasencapitän gefordert wurde, seitens des CapltanS verweigert. Der Commandant des französischen Stationsschiffes, von dem Vorfall auf dem französischen Dampser verständigt, entsandte ein Boot und nahm den renitenten türkischen Ossi- und wählte für denselben Professor Zweifel in Leipzig zum Vorsitzenden. Depeschen deS Bureau „Herolds Berlin, 5. Juni. Der Kaiser wird sich am 7. d. M. Abends 11 Uhr von der Wildparkstatton mittelst Sonder- zugeS nach Kiel begeben und am Sonntag den 9. Juni von dort nach dem Neuen Palais zurückkehren. Berlin, 5. Juni. Um die Erfahrungen zu studrren, welche in Oesterreich mit der Durchführung der Zwangsorganisation der Handwerker gemacht worden sind, werden sich, wie die „Post" hört, in allernächster Zeit et« Regierungsrath aus dem Reichsamt des Innern und zwei aus dem preußischen Handelsministerium dorthin begeben. Berlin, 5. Juni. Der „Localanzeiger" meldet auS Kiel' Die Probefahrt der Kaiser-Yacht „Hohenzollern durch den Nord-Ostsee-Canal ist ohne Unterbrechung überaus glatt verlaufen. Die Durchfahrt durch die Brücken geschah ohne Zeitverlust. Der Wellenschlag war geringer, als erwartet wurde. Die Probefahrt hat also vollständig Gießen, den 4. Juni 1895. Betr.: Maßnahmen behufs Minderung der Arbeitslosigkeit, insbesondere die Organisation des Arbeitsnachweises. DsS Gksßherzosliche Kreisamt Meßen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Soweit Sie noch im Rückstände sind, sehen mir der Erledigung unseres Ausschreibens vom 27. u. Mts. (Gießener Anzeiger Nr. 125) binnen 24 Stunden entgegen. v. Gagern. __________ Gießen, den 7. Juni 1895. Betr.: Das Ober Ersatzgeschäft pro 1895. Der Civilvorsitzende der Großh. Ersatz-Commission Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Soweit Sie noch im Rückstände sind, sehe rch der sofortigen Erledigung meines Autzfchreibens vom 25. v. Mts. — Anzeiger Nr. 122 — entgegen. Dr. Melior. 2lmtiid?er Theil. Gießen, den 4. Juni 1895. r Freiwilligen. . . , r Betr.: Verminderung der Herbstzeitlose. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden veson- q\*a ffirnfthmnnlirfw Kreisaml SlCftCU dere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche La« «roiryerzonullie Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug au die Grotzh. Burgerm-rst-reren des Kreises. Ladungen ist innerhald 5 Tagen anzuzeigcn. Tue Mi- Soweit Sie mit Erledigung unserer Auflage vom ;iErpflichtigen find außerdem anzuweisen, ihre Loosimgsscheine 19. April l. Js. — Anzeiger Rr. 94 — noch im Rück- . mit $ur Stelle zu dringen. . m stände sind, erinnern wir Sie an deren Erledrgung. i Die zur Beurteilung von Reklamationen ui Betracht v. Gagern. ! kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen. “ ! Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden tonnen, so - ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ! ein Militärpflichtiger von feinem bisherigen Wohnorte weg- ! gezogen ist, zugleich anzugebeu, wohin derselbe verzogen ist. ! 9 Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- I Ersatz-Geschäfte bis zum Schluß des gejammten Geschäfts j selbst anwesend zu sein, um bei der Untersuchung von Feld- ! dienstuntauglichen sowie Invaliden ev. Auskunft geben zu i können, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind. Gießen, am 25. Mai 1895. .. Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen. H. Darmstadt, 6. Juni. Das Großherzo gliche Paar, sowie Prinz und Prinzessin von Rumänien und deren Kinder sind heute Nacht nach England abgereist. Die Ankunft in London (Clarence House) erfolgt Abends 7 Uhr 10 Min. CocoUs rrird provhtsielies, Gießen, den 6. Juni 1895. ** Bon der Universität. Im Sommersemester 1895 find an der Universität immatriculirt 568 Studirende, nicht immatriculirt 28; es nehmen somit an den Vorlesungen Thetl insgesammt 596 Hörer, 40 mehr als im Wintersemester. Unter den immatriculirten Hörern befinden sich 131 Nichthessen. ** Oberhesfischer Geschichtsverein. Mitglieder der Geschichtsvereine von Gießen und Marburg trafen sich gestern in Kinzenbach und wanderten das Bieberthal aufwärts über Königsberg nach Hohensolms zur Besichtigung des Schloffes, von dort über Blasbach nach Wetzlar. Der Fürstlich Solms'sche Archivar Herr Pfarrer Allmenröder berichtete vom Uebergang der Burg und des Amtes Königsberg an Hessen im Jahre 1357 unter Heinrich II. dem Eisernen und der theilweisen Restitution an den Grafen Otto von Solms unter Heinrich HI., dem Reichen, schilderte sodann nach Aufzeichnungen in Erdaer Kirchenbüchern die Belagerung des von den Hessen-Darmstädtern besetzten Königsberg durch die Schweden und Hessen- Casieler im Jahre 1647 und erläuterte schließlich Anlage und Bauart des Hermannsteins an der Hand vorgelegter Skizzen durch den Vergleich mit den ältesten normanischen Donjons. Der Vortrag stellte das Wesenhafte eines absolut beherrschten Stoffes in durchsichtiger Klarheit heraus und der ertragreiche Tag hätte in jeder Hinsicht befriedigt, wären mehr Gießener der freundnachbarlichen Einladung des Marburger Vereins gefolgt. ** Vierte LaudeSversammluug der interuatioualeu crimi- nalistischeu Vereinigung. Am ersten Sitzungstage der vierten Versammlung der Landesgruppe Deutsches Reich der internationalen criminalisttschen Vereinigung, Mittwoch den 5. Juni, wurde über folgendes Thema verhandelt: „Erscheinen die Bestimmungen des Reichsstrafgesetzbuchs über die correctionelle Nachhaft reformbedürftig?" Herr Profeffor Dr. R. v. Hippel (Straßburg), als erster Referent, vertrat die nachfolgenden, von ihm aufgestellten und der Versammlung vorgelegten Thesen: 1. Zur erfolgreichen strafrechtlichen Bekämpfung des Bettels und der Landstreicherei bedarf es in erster Linie einer sachgemäßen Verwendung des Arbeitshauses. 2. Die heute zulässige Nebenstrafe der correctionellen Nachhaft mittelst Ueberweisung an die Landespolizei ist als unzweckmäßig zu beseitigen. Das Arbeitshaus ist. als Hauptstrafe gegen gewerbsmäßigen Bettel und wiederholten Bettel aus Arbeitsscheu zu verwenden, wenn diese Delicte von arbeitsfähigen Personen begangen werden. 3. Die Ausweisung von Ausländern hat erst nach verbüßter Arbeitshausstrafe einzutreten, nicht an Stelle der Einsperrung im Arbeitshause, wie dies heute geschieht. 4. Gegen jugendliche Personen unter 18 Jahren ist Arbeits- hausstrafe unzulässig. 5. Unter Vorbehalt der Schaffung einheitlicher Grundsätze über die Behandlung unverbefferlicher Gewohnheitsverbrecher ist der Mindeftbetrag der Arbeitshausstrafe auf 6 Monate, ihr Höchstbetrag auf 2 Jahre festzusetzen. Die Strafzumeffung ist Sache des Richters im Etnzel- falle. 6. Der harten Bestrafung in den schwersten Fällen des Bettels ist die Straflosigkeit des Bettels im Nothstande gegenüber zu stellen. Dieselbe hat auch dann einzutreten, wenn die Nothlage eine selbstverschuldete war. 7. Soweit das Arbeitshaus nicht in Frage kommt, ist der Bettel mit Haft nicht unter einer Woche, welche geeignetenfalls durch hartes Lager und Verbüßung bet Wasser und Brot geschärft werden kann, zu bestrafen; der heutige zulässige Arbeitszwang während der Haftstrafe ist bei- zubehalten. Zur Begründung dieser Thesen, deren Ausführung im einzelnen der Referent sein jüngst erschienenes Buch „Die strafrechtliche Bekämpfung von Bettelei, Landstreicherei und Arbeitsscheu. Berlin, 1895. Otto Liebmann" gewidmet hat, wurde insbesondere ausgeführt: 1) Die Wichtigkeit des Arbeitshauses sei allgemein anerkannt; die Arbeitshausstrafe wirke in erster Linie in hohem Grade abschreckend und führe hierdurch zu geregelter Thätig- keit zurück. Freilich müsse sie strenge gehandhabt werden und längere Zeit dauern. Der Bundesrathsbeschluß vom Jahre 1889 bestimme ein Minimum von 6 Monaten. Weiter aber wirke auch das Arbeitshaus direct bessernd, zumal es sich in der großen Mehrzahl um von Jugend auf Verwahrloste und Gewohnheitstrinker handle. Endlich würden durch die bloße Thatsache der Freiheitsentziehung sehr viele Individuen unschädlich gemacht. Durchschnittlich bezifferten sich die Corrigenden im Deutschen Reich auf 13—14000 pro Tag. Was die Art der Arbeit anlange, so sei der land- wirthschaftlichen Arbeit eine größere Rolle zugewtesen als in den sonstigen Strafanstalten. 2) Zur zweiten These bemerkte der Referent, es empfehle sich deswegen nicht, die correctionelle Nachhaft mittelst Ueber- Weisung an die Landespolizet eintreten zu lassen, wie dies der Bundesrathsbeschluß von 1889 vorschreibe, weil hier sich die Erscheinung gezeigt habe, daß ungemein ungleichmäßig verfahren werde und die Laudespolizeibehörde in der Regel über die Angemessenheit der Unterbringung im Arbeitshaüse kein eigenes Urtheil habe, sondern aus den Gerichtsacten. Wozu da der Umweg? Damit gebühre dem Gerichte die Entscheidung und zwar müsse das Arbeitshaus Hauptstrafe werden und nicht als Nebenstrafe der Haftstrafe facul- tativ zur Seite treten. Dann werde es auch vermieden werden, daß Hunderte von Bettlern und Vagabunden unzählige, oft erhebliche Vorstrafen erlitten hätten, bevor sie ins Arbeitshaus kämen, wo dann nichts mehr zu bessern sei. Natürlich dürfe eine solche erhebliche Strafe, Wiedas Arbeitshaus, nur in den schweren Fällen der„Gewerbsmäßig- fett" und „aus Arbeitsscheu im Rückfall" zur Anwendung kommen, und Voraussetzung sei, daß es sich um Personen handle, welche sich durch ihrer Hände Arbeit zu ernähren vermöchten, falls sie nur wollten. Die Grenze zwischen Arbeitsfähigen und Arbeitsunfähigen sei freilich flüssig, allein man dürfe auf diese Bestimmung nicht verzichten; Krüppel und Invalide gehören nicht ins Arbeitshaus, sondern der Armenpflege rc., 3) sei es doch sicher, daß der Ausländer, wenn er wisse, daß ihm das Arbeitshaus drohe, unser Land viel mehr scheuen werde, als bisher, wo er mit wenigen Tagen Haft durchschlüpfe. 4) Jugendliche Personen gehörten nicht in die Arbeitshäuser, weil sich hier bei gemeinschaftlicher Arbeit eine Trennung von den Unverbesserlichen nicht gut durchführen lasse, und so deren schlimmer Einfluß zu befürchten sei. Auch handele es sich nur um sehr wenige, sodaß die Einrichtung besonderer Arbeitshäuser für Jugendliche nicht lohnend sein würden. 5) Sehr richtig sei die Bestimmung des Bundesraths- Beschlusses von 1889, daß die Strafe des Arbeitshauses von erheblicher Dauer sein müsse, mindestens 6 Monate. Die Abstufung im weiteren müsse nach der heutigen Bestimmung ins Ermessen des Gerichts gestellt werden, da die Frage der sogenannten unbestimmten Strafurtheile noch nicht reif sei. 6) Bettel im Nothstand, ja selbst in fahrlässig herbeigeführter Nothlage, müsse straffrei sein; also nur Bettel aus Arbeitsscheu sei zu bestrafen, dagegen sei es Aufgabe der staatlichen Wohlfahrtspflege, die Nothdürftigen zu versorgen. 7) Bei einem gewissen Mittelgebiet, wo das Arbeitshaus nicht am Platze erscheine, also bei gelegentlicher Bettelei aus Arbeitsscheu im Gegensatz zur These 2 sei eine Haftstrafe angemessen mit event. Strafverschärfungen, aber nicht unter einer Woche und mit Arbeitszwang. Somit sei das Arbeitshaus ein gewichtiges Strafmittel und müsse im Einzelnen einer genauen Ausgestaltung unterzogen werden. Herr Regierungsrath Dr. von Engelberg (aus Mannheim) schloß sich im Allgemeinen den Ausführungen des Vorredners als Correferent an. Von den von ihm ausgestellten und verteidigten Thesen seien hier nur die erwähnt, mit denen die v. Hippel'schen im Gegensatz stehen oder die etwas Weiteres bringen: 1) Die Arbeitshäuser (staatliche Anstalten) sollen den Zweck haben, 1) gus Arbeitsscheu in einen ungeordneten Lebenswandel gerathene.Personen wieder an die Arbeit zu gewöhnen und 2) die Besserungsunfähigen dagegen unschädlich zu machen. 2) Die Dauer der Arbeitshausstrafe beträgt bei Besserungsfähigen sechs Monate bis drei Jahre, bei Uv- verbefferlichen zwei Jahre bis lebenslänglich. Bei wiederholten Einweisungen hat eine bestimmte Steigerung der Strafdauer einzutreten. Ferner trat von Engelberg dafür ein, auch Jugendliche ins Arbeitshaus zu schicken. Im Uebrigen stehen seine Ausführungen mit denen v. Hippels in Übereinstimmung und erörterte Redner auch die v. Hippel'sche These 8: „Die äußere und innere Organisation der Arbeitshäuser muß für ganz Deutschland nach einheitlichen Grundsätzen erfolgen." In der Discussion, an der sich die Herren Asch rot, v. Liszt, Koblinsky, Kronecker, Felisch, Lepp- mann, Zucker, Schubert, Sommer und Frank be- theiligten, wurden verschiedene Amendement-Anträge gestellt. Im Wesentlichen bezog sich die Discussion auf die Frage der Jugendlichen, wobei sich die Mehrzahl der Redner für die These 4 (v. Hippel) aussprach, sowie auf die Thefe 7 bei v. Hippel und die mitgetheilte These 2 bei v. Engelmann. Es wurde über den Begriff der Arbeitsfähigkeit gestritten und die Möglichkeit, bei Kostschmälerung harte Arbeit zu leisten. Gegenüber dem Einwurfe, daß vor Allem Arbeitercolonien und derartige Anstalten geeignet seien, dem Bettelunwesen zu steuern, wurde darauf hingewiesen, daß es sich ja in gegenwärtiger Verhandlung nur um die strafrechtlichen Maßregeln handle. Mit Recht wurde dagegen gegen These 2 v. Engelbergs opponirt, soweit eö sich um die lebenslängliche Einsperrung ins Arbeitshaus für Unverbesserliche handelte. Zum Schlüsse fand über die Thesen 2, 4, 5, 7 von Hippels, sowie 1 und 2 von Engelbergs, sowie über die gestellten Abänderungsanträge eine Abstimmung statt, deren Resultat die Annahme der von Hippel'schen Thesen 2, '4, und 7, sowie 5, mit der redactionellen Abänderung „Unter Vorbehalt der Frage nach der Behandlung" statt „der Schaffung einheitlicher Grundsätze über die Behandlung unverbesserlicher Gewohnheitsverbrecher", war, ebenso Annahme der These 1 von EngelbergS, Ablehnung von dessen These 2 und endlich Annahme der von Hippel'schen These 8 in folgender Fassung gemäß Antrag Aschrot: „Die äußere und innere Organisation der Arbeitshäuser muß für ganz Deutschland nach einheitlichen Grundsätzen erfolgen. Die Arbeits- Hausstrafe ist in staatlichen Anstalten nach den Grundsätzen des Progressivsystems zu vollstrecken." Sämmtliche sonstige Anträge wurden abgelehut. Schluß der Sitzung 2 Uhr. **nn Siebente Wander-Versammlung Deutscher Gewerbe- fchulmäuuer zu Darmstadt. 4. Juni. Die Verhandlungen wurden um 9 Uhr fortgesetzt mit der Begrüßung der erschienenen Theilnehmer durch den derzeitigen Präsidenten der Großherzogl. Centralstelle für die Gewerbe, Geh. Baurath Sonne, und Namens der Centralstelle. Oberbürgermeister Morneweg begrüßte die Versammlung Namens der Stadt Darmstadt, die es sich zur Ehre rechne, zum Festort gewählt zu sein. Er wünschte den Verhandlungen Gedeihen und Glück zum Nutz und Frommen unseres Deutschen Handwerke Professor Lincke von der technischen Hochschule Überbrachte Grüße und die besten Wünsche von dem Professorencollegium der Anstalt. Nach diesen officiellen Begrüßungen fanden noch Berathungen in den Sectionen und Vorträge statt, worauf um 1 Uhr gemeinsames Mittagsmahl tm Saalbau folgte. Nachmittags wurde eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt vorgenommen, und Abends fand ge- müthliche Vereinigung statt. Morgen Früh um 10 Uhr wird die zweite Hauptversammlung stattfinden, wobei die Wahl des Vorstandes und des nächsten Festorts vorgenommen werden soll. 5. Juni. Die zweite Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Gewerbeschulmänner wurde heute Morgen um 10y4 Uhr im städtischen Saalbau durch Director Fiedler- Breslau eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte der Vorsitzende der Versammlung die Mitteilung, daß Herr Director Jessen-Berlin aus dem Verein wegen Krankheit ausgeschieden sei. Er schlage vor, daß man den Mann, der den Verband ins Leben gerufen, und seine ganze Kraft gewidmet habe, eine besondere Ehrung zu Theil werden laffe, indem man denselben zum Ehren-Vorsitzendeu des Verbandes ernenne. Dieser Vorschlag findet begeisterte Aufnahme und einstimmige Annahme. Dieser Beschluß wurde dem also Geehrten sofort telegraphisch mitgetheilt. Zur VorftandS- wahl übergehend, werden die Herren Director Cathiau, Dr. Glinz er-Hamburg, Director Seipt-Königsberg, Baugewerbe-Schuldirector Schuster-Leipzig und Lautz- Wiesbaden in den Vorstand wieder- resp. neugewählt. Die von Dr. Bo ödste in-Elberfeld geprüfte Rechnung ergiebt die Richtigkeit der Kassenführung für 1893/94 und 1894/95, welche mit einem Kassebestand von 1948 Mk. 44 Pfg. abschließt. Er beantragt die Enlaftung des Rechners. Der Vorsitzende spricht dem Rechner Dr. Glinzer, der mit unermüdlicher Treue seines Amtes gewaltet habe, den Dank des Verbandes aus, worauf demselben Entlastung zu Theil wurde. Hierauf hält Herr Dr. Wenzel einen hochinteressanten Vortrag über „Kostenberechnungen im Handwerk", insbesondere bei der Bethetligung desselben bei Submissionen. Der Redner schilderte die im Kampf umS Dasein bei dem Handwerk zu Tage getretenen Schäden, indem er darauf hinwies, wie insbesondere bei Submissionen, nur um eine Arbeit zu erhalten, von dem Meister 10, 20, ja bis zu 50% Abgebote gemacht würden. Solches Verfahren führe den unbedingten Vermögensverfall dcs Betreffenden mit sich, der nur mit der Uebernahme der Arbeit wieder ein Loch zumachen wollte, womit ein anderes viel tiefer werde. Von allen Seiten würden.leidenschaftliche Vorwürfe gegen das jetzige SubmisfionSverfahren erhoben, und Staat und Gemeinde hätten die Pflicht, in diesen Mißstand einzugreifen, umsomehr, als man überall Klagen über Geschäftshunger und Ernährungsnetd höre. Ein solches Geschäftsgebahren sei aber für einen tüchtigen, wohlgeschulterr Handwerkerstand verwerflich. Hierdurch nehme man dem Andern das Brod, und setze sich selber in Noth. Dem Staat, dessen Pflicht es sei, für die Hochhaltung der Standesehre im Handwerk durch die Ausbildung der Lehrlinge u. s. w. zu sorgen, der habe auch die Pflicht, die Ursachen dieses eminenten Krebsschadens zu beseitigen. Um das Mittel, dies zu erreichen, seien dem jungen Gewerbetreibenden bei guter Zeit tüchtige kaufmännische Kenntnisse und eine rechnerische Tüchtigkeit und Fertigkeit in seiner gewerblichen Fortbildungsschule beizubringen. Mir der Fachbildung müsse die kaufmännische Bildung Hand in Hand gehen. In dieser Beziehung seien die Handwerkerschulen u. s. w. noch viel zu einseitig ausgebildet. Die Unkenntniß der Handwerker im Wechselwesen und die Unkenntniß beim Aufftellen von Kostenberechnungen bringe jährlich viele Hunderte an den Bettelstab. Sehr oft stellten Meister gar keine Kostenberechnung auf, sonder« verfahren dabei nach Gutdünken. Diese Uebelstände drängten immer mehr darauf hin, in sämmtlichen Gewerbeschulen Kostenberechnungskurse in ihr Programm aufzunehmen. Gewissenhafte Buchführung und Sicherheit im Rechnen seien die Vorbedingungen dazu. Was man heute hie und da als Buchführung sehe, entspreche nicht den einfachsten Formen, und nur der Zähigkeit und der Ausdauer des deutschen Handwerks sei es zu verdanken, daß eß noch nicht an dieser Sünde und Nachlässigkeit zu Grunde gegangen sei. Sache des Staates sei es, diesem entgegen zu treten. Erst wenn dies geschehe, sei eine Besserung in dieser Frage zu erreichen. Reicher Beifall wurde dem Redner zu Theil und auch der Vorsitzende gab den Gefühlen des Dankes für diesen interessanten Vortrag demselben gegenüber Ausdruck. Ein weiterer interessanter Vortrag von Dr. T h or- mälen-Hanau über „Kunstschmiedearbeiten" schloß die Reihe der Thematas. Nachdem noch über den Ort der nächsten Wanderversammlung berathen war, wurde für 1896 Berlin, in dessen Mauern die deutsche Gewerbeausstellung ftattfindet, einstimmig gewählt. Mit den besten Wünschen und auf Wiedersehen in Berlin wurde die siebente Wanderversammlung deutscher Gewerbeschulmänner geschlossen. Den heutigen Verhandlungen hatte im Auftrag des Großherzogs Obersthofmarschall von Wefterweller zu Anthony sowie der Beigeordnete Köhler beigewohnt. Heute Nachmittag findet noch ein Ausflug nach Auerbach statt. **nn. Dritte Hauptversammlung des Allgew. Deutschen Lehreriuueuvereius zu Darmstadt. Unter dem bewährten Vorsitz des Frl. Helene Lange-Berlin wurden die Verhandlungen am gestrigen Tage um 11 Uhr Vormittags fortgesetzt, und der Besuch derselben Seitens der höchsten Kreise Darmstadts, welche den geräumigen Saal der Vereinigten Gesellschaft bis auf das letzte Plätzchen füllten, zeugen von dem lebhaften Interesse, das man den Bestrebungen des deutschen Lehrerinnen-Vereins daselbst entgegenbringt. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten sprach Frl. A. W islicen ins - Straßburg über die wissenschaftliche Ausbildung der Oberlehrerinnen, Frl. E. Schliemann- Paris über die deutsche Erzieherin in Frankreich. Die Nachmittagssitzung, welche um 3 Uhr begann, erhielt eine besondere Weihe durch die Anwesenheit Seiner Königl. Hoheit deS Großherzogs und der Großherzogin sowie der Kronprinzessin von Rumänien. Die Verhandlungen bewegten sich zunächst über einen Antrag deS Vorstandes aus Errichtung eines Stipendiums für studirende Lehrerinnen sowie über die Stellenvermittelung innerhalb des Vereins. Mit dem größten Jntereffe folgten die höchsten Herrschaften den erstatteten Berichten und dem Vortrag der Vorsitzenden über Erziehung und Bildung unserer Kinder und erst gegen Ende der Verhandlungen verließen dieselben die außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung. Auch die in dem Turnsaal der Victoriaschule veranstaltete Ausstellung von Schüler- Arbeiten beehrten die Herrschaften mit einem Besuch und sprachen ihre volle Befriedigung aus. Nach zweitägigen Verhandlungen wurde der dritte deutsche Lehrerinnentag heute geschlossen. ** Ernannt wurden: am 1. Juni der Lehrer an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach, vr. Wilhelm Lahm zum Director der Realschule zu Gernsheim, der Lehrer an der Realschule und dem Progymnafium zu Alzey Dr. Wilhelm Bremme zum Lehrer an der Realschule zu Gernsheim, der Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Gernsheim, Ludwig Schmitt zum Lehrer an der Realschule daselbst, der Lehrer und Dirigent an der höheren Bürgerschule zu Geinsheim, Sebastian Jost zum Lehrer an der Realschule zu Bingen, der Lehramtsassessor Karl Steinmetz zu Offenbach, zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule daselbst und der Lehrer an der Realschule zu Alsfeld, Conrad Grein zum Lehrer an der Realschule und dem Progymnafium zu Friedberg, der Gerichtsvollzieher-Aspirant Wachtmeister Friedrich Wagner in Darmstadt zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Herbstein, der Hetzer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Friedrich Bindewald zum Locomotivführer bei diesen Bahnen, der Hilfsheizer bet den Oberhessischen Eisenbahnen Georg Röddtger aus Rosenthal zum Heizer bei diesen Bahnen, der Hilfsbremser bet den Oberhesfischen Eisenbahnen Heinrich Dechert aus Bernsfeld zum Bremser bet diesen Bahnen. ** Die Großh. LaudeS-Braudverficherungsaustalt veröffentlicht ihren Jahresbericht für 1894. Die Brandentschädigungen mit Abschätzungskosten betrugen in der Provinz Starkenburg 349 711 Mk., in Oberhessen 189340 Mk., in Rheinhessen 446 210 Mk., Alles zusammen also 985 267 Mk,, wozu dann noch die Derwaltungskosten re. kommen, sodaß im Ganzen Ausgaben von 1 138 401 Mk. erwachsen sind. Die Ausgaben werden durch einen Ausschlag von 9 Pfg. aus je 100 Mk. Umlagecapital aufgebracht. Dieses Capital beträgt in Starkenburg 531905080, in Oberheffen 339612710, in Rheinhessen 473063330, im Ganzen 1334581120 Mk. Die Erhebung des Beitrages erfolgt in den ersten 25 Tagen des Juli in einem Ziele. Oppenheim, 4. Juni. Es kommt häufig und zwar allerorts vor, daß Eltern oder sonstige Angehörige ihre Kinder bei Benutzung der Eisenbahnen, Dampsboote usw. oder bei dem Ueberschreiten von Staatsbrücken jünger ausgeben, als diese eigentlich find, um entweder das Fahrgeld zu ersparen oder um einen niederen Preis für die Kinder bezahlen zu müssen. Daß derartige falsche Angaben sich bitter rächen können, dafür diene folgender Vorfall. Der Viehhändler Daniel Moses aus Leeheim hatte bei der Benutzung der hiesigen fliegenden Brücke seinen Sohn für noch nicht 8 Jahre alt ausgegeben, um das Brückengeld im Betrag von 3 Pfg. zu ersparen (!). Das Brückenpersonal untersuchte die Sache aber und fand, daß der Junge längst 8 Jahre vorüber. Es wurde deshalb gegen den Moses eine Untersuchung wegen Betrugs zum Nachtheil des Großherzoglichen Fiskus eingeleitet. Das hiesige Schöffengericht hatte sich kürzlich mit dieser Sache zu befassen und wurde der Angeschuldigte zu einer Geldstrafe von 6 Mark und die entstandenen Kosten verurtheilt. Zur Vertretung seiner Angelegenheit hatte der Beschuldigte einen Rechtsanwalt aus Darmstadt bestellt und dürften sich daher die Gesammtkosten für den Fall auf mindestens 50 Mk. belaufen! D. Ztg. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle tu Gieße«. 22. Woche. Dom 26. Mai bis 1. Juni 1895. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 400 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkettSziffer: 23,21%» bezw. 9,29 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsme: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern gebm an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts n«t> Gießen gebrachte Kranke kommen. Lungentuberkulose Acute Miltartuber- 2 (2) 2 (2) — — kulose 1 — 1 — Lungenentzündung 1 1 — — Neubildungen Sonstige benannte 1 (1) 1 (1) — — Krankheiten Nicht angegebene 2 (2) 2 (2) 1 (1) — — Krankheiten 3 (1) 2 — Summa: 10 (6) 7 (6) 3 — Verkehr, rrird Volkrwirthschaft. Liuttmrg, 5. Juni. Frachtmarkt. Roth er Weizen X 14.05, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10.40, Gerste X 0.00, Hafer X 5 65. Schtsfsiinchrrchterr. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agentm Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 5. Juni. fPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Weimar, Capitäu C. Steencken, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 11 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angenommen. Thermometer: min. + 9’ R., max. 4- 20° R. Hygrometer: Gewitterbildung. 3 8 ff 81 nm er tun g: Die punktirte Linie bei der Barometerscala gibt den Stand deS vorhergehenden Tage- an. am 6. Juni Mittags 12 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage) Barometerstand Witterungsbericht vom 5. Juni. Das Maximum über Nordwest-Europa hat noch an Intensität gewonnen und liegt fein Kern heute über den britischen Inseln. Secundäre Maxima sind über Griechenland und an der Küste von Algier zu erkennen. Zwar ziehen fortgesetzt kleine Theil-Mintma von Westen nach Osten, sowohl längs der Nordsette der Alpen wie durch das Mittelmeergebtet. Unter dem Einflüsse derselben treten in Süddeutschland vielfach Gewitter auf. Auch in der Po-Ebene fanden heute Morgen solche statt. Die Temperaturen sind im Allgemeinen wenig verändert, nur im Innern von Rußland hat sich das Wetter mehr abgekühlt. DorauSftchttiche Witter»«« r Warmes Wetter, wechselnde Bewölkung mit Steigung zu Gewitter- bildungen. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 6. Juni, zwilchen 11 und 12 Uhr Mittag-. Wasser 16°, Luft 14° im Schatten. Rübsamen'sche Bade- und Schwimmanstalt. 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Februar hatten die Blutungen nachgelassen und der Husten war seltener geworden. Hände und Füße, vorher kolt wie Eis und durchsichtig wie ■ Wachs, waren dauernd warm KL nach gänzlich auf. Heute nach sieben Jahren habe ich noch keinen Rückfall gehabt und gehe meinem Berufe nach. 4809 Betty Pick, DorLmvnd, Brückstraße. Nächste Woche 1. Ziehung der XV. Weimar-Lotterie mit Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, die mich beehrenden Gäste gute Speifeu, ff. Biere aus der Aetieu-Brauerei Gießen, durch aufmerksame Bedienung zufrieden zu stellen. 4895 Hochachtungsvoll Robert Mouser. Gleichzeitig empfehle ich vorerwähnte Biere in Flaschen und liefere Giktzkuer Omnibus-Gesellschaft E. G. m. b. H. 6 ( 00 Gewinnen im Gesammtwerth von 200,000 Mk. Hauptgewinne werth: 50000m., 20000m., 10000 M. . für 1 «■ lO Pfge. || Loose IO M. u. I.IO M. Reichsstempel, beide diesjährige J. Mk. 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