Freitag den 6. December 18M Rr. 287 Zweites Blatt Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. Amts- uitb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Gratiskeikage: Gießener Jamitienökätter. Annahme von Anzeigen zu ker Nachmittag- für de» jokgrndcn Tag erscheinenden Nummer bi- Lorrn. 10 Uhr. Alle Nnnoncm-Bureaux de- In- und Au-lande- nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchulstratze Hlr.7. Fernsprecher 51. Die Gießener A»»ttie»-tL1ter werde» dem Anzeiger wdchentlich dreimal dri-Negt. Vierteljähriger A-o«ue«e»ti»reio i 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg. Der Gie-e«er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montag-. Versucher Reich. D»r«stad1, 4. December. Der „Darmst. Zig." wird aus Zarskoje Selo, 3. December, gemeldet: Se. Maj. Her Kaiser und Se. Königl. Hoheit der Großherzog mit den Großfürsten und Großfürstinnen wohnten heute in Petersburg dem Fest des Regiment- SSemenowSky bei. Um 12 Uhr fand Parade und Gottesdienst in der Manege Michael, da- Dejeuner im WinterpalaiS statt. Um 4 Uhr kehrten die Allerhöchsten Herrschaften hierher zurück. Berlin, 4. December. Der Kaiser traf am Mittwoch früh von seinem Besuche in Breslau wieder im Neuen PalatS bei Potsdam ein. DaS bedeutsamste Moment des KaiferbesucheS in der schlesischen Hauptstadt bildete die Rede des Monarchen beim Festmahle deS OsfiztercorpS des Leib- Kürasfier-RegimentS anläßlich der Ectnnerungsfeter an die Schlacht von Lotgny. Nach der Tafel im Offizierscafino stattete der Monarch dem Fürst Bischof Br. Kopp einen Besuch ab. Am Dienstag Vormittag ließ der Kaiser die Garnison allarmiren, um 1 Uhr nahm er das Frühstück beim Oberprästdenten Fürsten Hatzfeld ein, und Abends dinirte rr bet den erbpr»nzltch meiningen'schen Herrschaften, worauf die Rückreise nach Potsdam erfolgte. * Der Krieg von l«7O|71, geschildert durch Ausschnitte tu8 Zeitung- - Nummern jener Zett. (Nachdruck verboten.) 6. December. AuS Parts. In den Restaurants kann man noch immer so viel Fleisch haben wie möglich. Katzen find im Preise gestiegen, und eine fette kostet 10 FrcS. Heute Morgen hatte ich Rattenragout — eS war ausgezeichnet — etwas zwischen dem Gescbmack von Frosch und Kanmchen. Ich frühstückte mit den Correspondenten zweier anderer Londoner Blätter. Einer von ihnen ließ sich von mir nach längerem Zögern ein Rattenben geben. Nachdem er es gegessen, leckte er sich die Finger nach mehr. Der andere dagegen lehnte mit Abscheu ab, und während er fich an seinem gesalzenen Pferdefleisch ergötzte, welches er unter dem Namen von Rindfleisch genoß, blickte er mit Entsetzen und Ekel auf unS herüber. Ich war neugi rig, ob der Wirth den Muth haben würde, das Kind beim rechten Namen zu nennen - aber daS Herz fiel ihm in die Schuhe,- auf der Rechnung stand „Ragout von Wildpret". (Daily News.) Rouen, die über 100,000 Einwohner zählende Hauptstadt deS Departements Seine-inserteure, ist am 6. d. vom rheiurschen Corps unter General von Göben besetzt worden. Feuilleton. Verschiedene Auartierr. Kriegsbilder von jetzt und damals. Von Moritz von Berg, Verfasser der „Ulanenbriefe". (7. Fortsetzung.) DaS wir miteinander sprachen, nicht weiß ich es mehr. DaS soll der Mund sprechen in solchem Augenblick deS Glücke-? DaS Glück verschließt ja eher die Lippen, als daß eS fie reden macht. Rar eines weiß ich. Alice sagte, als ich ihr mit leisen Worten von der Sympathie dieser Stunde und dem ewigen Gefühl, daS ich für fie hegte, sprach: „Die Liebe ist sür die Männer ja doch nur eine Episode, für die Frauen aber das Schicksal." Was sollte ich ihr antworten? Nur das fühlte ich in dieser seligen Stunde, daß das Gedenken an fie, daß der Name Alice bei mir und in meinem Herzen sein würde für immerdar und daß mein letzter Gedanke, da- letzte Wort auf »einen Lippen dereinst heißen würde: Alice. Doch auch die Zeit dieser wonnigen Stunde ging dahin, der Rus deS alte» Bapttste: „Mademoiselle Alice", weckte un» aus unserer seligen Versunkenheit. Er kam zu uuü heran und meldete uns, das Frühstück sei servirt. So gingen wir denn dahin und während wir nebeneinander wieder die Parkwege durchwanderten, da fühlten wir, daß die verfloffene Stunde ein festes Band zwischen un- gewoben hatte. Während unsere Hände nebeneinander heruiederhiugen, schlichen fich kleine zärtliche Finger leise in die meinen hinein, mit festem Druck umfaßte ich fie und dieser Druck bestätigte nur das eben Gesagte, daß, ob wir uns gehören würden im Leben oder nicht, ob die Schranken sich besettigeu lassen, oder ob fie uns körperlich trennen würden, unsere Herzen doch eins bleiben würden für Immerdar. Schwurgericht. W. Gießen, den 4. December 1895. Fortsetzung der Verhandlung gegen den Bäckergehilfen und Landwirth Joseph Filz aus Assenheim wegen Verbrechens der versuchten Brandstiftung. Schreiner Wilhelm Schmidt von Assenheim, als Zeuge vernommen, bekundete, er fei der Bruder des nach Amerika ausgewanderten Schmidt. 1894 sei Filz zu ihm tu die Werkstatt gekommen, wo auch der Bruder anwesend gewesen, hier sei von diesem das Gespräch auf den Brand bet Walther gebracht und da habe der Bruder gemeint: schwätzt so, als ob Du den Brand angelegt," worauf Filz lächelnd erklärt habe, er habe diese Sache auch besorgt und genau erzählt, wie er mittelst eines LichtftumpfeS, den er in einer Streichholzschachtel eingeklemmt, das Stroh angezündet hätte. Filz hat öfter vom Walther'schen Brand gesprochen, dieser schwätze aber viel durcheinander. — Dina Walther, jetzige Ehefrau Schäfer von Gonsenheim, bekundet, daß der Angeklagte, so lange fie noch in Assenheim war, fie fortgesetzt bedroht und beschimpft habe. Filz habe im Jahre 1893 erklärt, man sage zwar, er sei ein Narr, aber er mache die Andern alle noch gescheidt. — Landwirth Georg Bopp von Assenheim wird vorerst unvereidet vernommen. Der Angeklagte Filz behauptet, dieser Zeuge habe ihn verleiten wollen, er solle die Runkel'sche Scheuer anstecken. Der Zeuge stellt dies entschieden in Abrede, er hat aber von dieser Beschuldigung gehört und Schritte beim Bürgermeister gethan, um die Bestrafung durchzusetzen, dieser habe ihn aber davon abgeredet. Er sei mit dem Besitzer der betreffenden Scheuer gut Freund Zeuge wird nachträglich vereidigt. — Landwirth August Neuling von Assenheim bekundet, daß die Runkel'sche Scheuer ihm gehört und daß Filz zu ihm gekommen sei und ihm erzählt habe, daß Bopps ihn haben verleiten wollen, die Scheuer anzustecken. Bopp solle gesagt haben, es müsse eia anderes Viertel geben. Der Zeuge hat der Rede deS Filz kein Gewicht beigelegt. — Schuhmacher Bopp von Assenheim schildert Filz, mit dem er öfter zusammentraf, als einen Schlechtschwätzer und einen Menschen, der zu Schabernack sehr htnneige. Er hat öfter vom Brennen von Scheuern gesprochen. — Bürgermeister Pest von Affen heim erklärt, Filz sei ein schwachftnniger Mensch, der viel schwätze, ohne lange zu überlegen, fich selbst ernähren kann er nicht, wenn er auch für manche Arbeiten zu verwenden sein dürfte. Er hält den Angeklagten nicht für fähig, das Verbrechen der Brandstiftung zu begehen. — Friedrich Wilhelm Bopp bekundet, daß der Angeklagte gelegentlich Und nun kamen wir zu den Eltern zurück und nahmen mit ihnen daS Frühstück und späterhin das Diner ein. Mir aber war alles wie ein Traum- was ich gesagt habe bei Tisch, was ich erzählt, kaum weiß ich eS mehr, denn Alicens Augen waren mir gegenüber und die Spitze ihres kleinen Fußes berührte den meinen. Rach dem Frühstück ging ein jeder von unS seinen Geschäften nach, auch ich mußte mich meinen Ulanen und dem Zustand der Pferde einige Zeit widmen. Als es gegen Abend zu dunkeln begann und eS bald Zeit war zum Diner, da ging ich in den Salon hinab und fand die Eltern dort noch nicht, wohl aber lehnte an einem Fenster Alice und schaute träumerischen Sinnes in den Park hinaus. Sie kam mir gleich entgegen, re'chte mir ihre Hände und sagte nur daS eine Wort: „Endlich." Darauf führte fie mich zu einem Tische, auf dem ihre AlbumS mit Reiseerinnerungen lagen- diese wollte fie mir zeigen. Als fie mit den kleinen Fingern darauf hinwies, da neigte fich daS blonde Köpfchen leise mir zu, die süßen Augen waren so dicht bei mir, ich legte leise den Arm um fie, zog fie an mich und —----------— * « * Poch, Poch, Poch, ein donnerndes Geräusch gegen die Thür, eine schwere Holzpantine im Fluge gegen dieselbe geschleudert, erweckte mich auS meinem tiefen, seligen Traume. Unwillig öffnete ich meine Augenlider, und was ich sah, schien mir nach den goldenen Gefilden, in die mich Gott Morpheus geführt, nicht Wirklichkeit, sondern ein häßlicher Traum zu sein. Denn vor mir stand in dem ganzen Reiz ihrer naturwüchsigen Schönheit Marie Westdorf, die braunen Arme auf die dicken Hüften gestemmt, die rothen Pausbacken zu einem breiten Gr-usen verzerrt, sprach sie die gewichtigen Worte: „Wullt Se ok Kaffee drinken, Herr Majur?" eines Krankenbesuches, den er ihm gemacht, vom Brennen gesprochen und erzählt hat, dem Walther seinen Schweinstall habe er auch angesteckt, daS wiffe heute noch Niemand, und dem Runkel seine Scheuer stecke er auch noch an, damit eS Platz gebe. Dann sei er htngegangen und habe dem Besitzer der Scheuer, Neuling, erklärt, daß er von ihm verleitet sei, die That auszuführen. Nach Verlesung deS Augenscheinsprotokolls tritt eine Pause bis 3^2 Nachmittags ein. Friedrich Walther von Assenheim bezeichnet den An- geklagten als einen Menschen, der nicht nur ein Schwätzer sei, sondern systematisch die Assenheimer anetnanderhetze und man würde dort froh sein, wenn man denselben los wäre. Filz sei einmal bestraft, weil er ihn beleidigt habe. — Dem Knecht Adolph Klauß von Affenhetm hat er, wie dieser bezeugt, erzählt, er sei von Bopp beauftragt, die Runkel'sche Scheuer mittelst eines Petroleumtopfes in Brand zu setzen. — Pfarrer Hechler, Lehrer Bert Haus er und Lehrer Gundermann von Affenhetm geben dem Filz daS Zeugntß eines Men'chen, der nicht lesen und schreiben kann und der zur Confirmation kaum die zehn Gebote und daS Vaterunser kannte, der Angeklagte sei in der Jugend bis zu seinem zwölften Jahre unablässig mit allen möglichen Krankheiten behaftet gewesen. Der Lehrer Gundermann hat nicht geglaubt, daß dieses schwächliche und kränkliche Kind lange am Leben bleiben werde. Die sonst noch vernommenen Zeugen machen gleiche Bekundungen wie die Lehrer und der Pfarrer. — Der medtctntsche Sachverständige, Anstaltsarzt Br. Kratz- Heppenheim, erstattet nunmehr sein Gutachten in sehr ausführlicher Weise. Der Angeklagte habe längere Zeit in der Irrenanstalt Heppenheim verweilt, dort aber trotz seiner und bei jeder Gelegenheit abgegebenen öfteren Versicherung, er verstelle fich nicht, versucht, die Aerzte zu täuschen, er sei aber, wie jeder Simulant, doch aus der Rolle gefallen. Dessen zwar vorhandene nur oberflächliche Gemüthsbildung, mangelnde Characterfeftigkeit, geringe Intelligenz, geringer Verstand und geringe Arbeitsfähigkeit laßt aber keineswegs den Schluß zu, daß der Angeklagte geisteskrank fei oder zur Zett der That gewesen wäre, sodaß seine freie Willens- bestimwung bei Begehung des Verbrechens ausgeschlossen erscheinen könne. Die angeborene geistige Schwäche dieses Menschen, der keinen Character hat, bedingt seine Minder- werthigkeit und wird etu solches Individuum allerdings einem verbrecherischen Anreiz leichter unterliegen als ein normal veranlagtes. Der Angeklagte ist beim Mangel geistiger Fähigkeiten auch weniger im Stande, die Tragweite seiner Handlungen zu ermessen. Aber war es die Rückwirkung meines seligen, wonnigen Traumes, war es die Stärkung durch den gesunden Schlaf oder schien wirklich die Sonne hinein durch die grünen Wein- ranken vor dem Fenster in das kleine Bauerngemach? Und fürwahr, sonnige, grüne Zweige klopften an die Fenster, ein kleiner Vogel sang draußen sein Lied, die Sonne stahl sich mit goldenem Schein in daS Zimmer hinein, die Regenwolken waren verzogen und alle Natursttmmen mit der Sonne erwacht. Aber nicht nur die Stimmung in der Natur, auch mein kleines Zimmer erschien mir in dieser Beleuchtung ein anderes zu sein. Meine nassen Kleider sah ich nicht mehr, an ihrer Stelle lag mein koketter HauSauzug vor meinem Bette. Die Reste der schrecklichen Mahlzeit waren beseittgt und meine wohlbekannte Plüschdecke, die ich bei dem Manöver für solche Fälle stets bet mir zu führen pflegte, verdeckte die Mängel des alten HolztischeS. Zudem öffnete fich hinter Marie jetzt die Thür und das Geficht meines Dieners Conrad erschien in ihr. Nachdem ich daher mit bestem Dank das freundliche Anerbieten Mariens abgelehnt hatte und diese verschwunden war, winkte ich Conrad heran und ließ mir von ihm seine Auffassung der Sachlage mittheilen. Er wäre gleich nach meinem Einschlafen nach vielen Irrfahrten und Abenteuern in der Heide mit dem Wagen angekommen, sagte er, und bald darauf fei auch der Regen dem schönsten Sonnenschein gewichen. Nachdem er fich das Zimmer angesehen und seine Reize erkannt, habe er daS Zelt an geschützter Stelle im Baumgarten aufgeschlagen, die mitgebrachten Büchsen ständen schon im kochenden Wasser und wenn ich Toilette machen wollte, so könnte das Diner gleich servirt sein. (Schluß folgt.) öul den Acten wird auf Antrag der Aoklagebehörde durch den Vorsitzenden noch constatirt, daß der nach Amerika auSgewanderte Zeuge im Termin am 10. Juni d. I. erschienen war. Auf weitere Beweismittel wird Seitens des Staats. anwaltS und der Vertheidigung verzichtet. Die au die Jury zu richtende Schuldfrage lautet: Ob der Angeklagte schuldig, im Januar oder Februar 1893 oder um diese Zeit den Entschluß gefaßt zu haben, zu Asieohetm ein Gebäude, welches zur Wohnung von Menschen diente, in Brand zu setzen und durch Handlungen, welche einen Anfang dieses Verbrechens enthalten, bethätigt hat. Es ertheilt der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath 1)r. Schäfer, dem Herrn Staatsanwalt Koch das Wort zur Begründung der Anklage. Derselbe recapitulirt den Gang der Beweisaufnahme und kommt zu dem Schluß, daß drei Zeugen bestätigt haben, daß ihnen gegenüber der An« geklagte die ihm zur Last gelegte That etngestanden habe, dieses Geständniß de» Filz sei voll und ganz glaubhaft und bitte er die Geschworenen, die an sie gerichtete Schuldfrage zu bejahen. Hierauf nahm Herr Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch das Wort, um auSzuführeu, daß die Anklagebehörde überhaupt nicht den Nachweis erbracht habe, daß auf der Hofraithe des Walther das in Rede stehende Verbrechen be- gangen sei. Der Eigenthümer des Gebäudes selber habe erst 1% Jahre später, nachdem der Vorfall passirt sein soll, durch die Untersuchung erfahren, daß der Strohwisch am Schweineftall gebrannt haben soll und welch' schweres Verbrechen ihn damals angeblich bedrohte. ES spricht vielmehr die Vermuthung dafür, daß der in dem Gebäude wohnende Kaecht des Walther oder ein anderer vom Gesinde hier an dem betreffenden Abend fahrlässiger Weise daS Stroh ent- zündet und die Spuren davon entfernt habe, daher ist es auch begreiflich, daß der Besitzer von der Sache Kenntniß erhalten. Die Angaben seine» Clienten, daß er das Stroh angezündet seinen Bekannten gegenüber, seien weiter nichts als tölpelhafte, dumme Renomagen eines Schauten und als solche sind dieselben auch, wie die Betheiligten heute sämmtlich erklärt haben, ausgefaßt. Die Zeugen haben sämmtlich er- klärt, sie hätten dem Schwätzer nicht geglaubt und diese Leute, welche doch den Filz besser kennen und wissen, was von diesem zu halten ist, ihnen sollen die Geschworenen folgen bet der Fällung ihre» WahrsprucheS. Der Verthei- d:ger erörtert die Unmöglichkeit, daß man zu Hause einen Llchtstumpf anzündet und in einer Schwedenschachtel in der Tasche das Licht brennend, über die Straße tragen kann, um dann über den geschlossenen Thorweg hinweg die That so auszuführen, wie sie sein Client seiner Schilde« rung den Zeugen gegenüber auSgeführt haben will. Aber selbst wenn man annimmt dem wäre so, so bestreitet der Vertheidiger die Absicht deS Angeklagten, einen Brand- stistungSversuch zu machen, eS könne sich dann höchsten» um einen Schabernack handeln, denn der Angeklagte habe die Tragweite seine» Handelns gar nicht ermessen können/ er beantrage daher die Freisprechung desselben, da Beweise von dessen Schuld nicht erbracht seien. Nachdem Herr Staatsanwalt Koch entgegnet und Herr Rechteanwalt Dr. Gutfleisch noch ein Mal seine Ansicht von der Nichtschuld seines Clienten ausgesprochen und nach geschehener Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden, ziehen sich die Geschworenen zur Berathung zurück. Nach viertelstündiger Abwesenheit verkündet der Obmann, Herr Adolph Mathesiu»-Hirzenhain, den Wahrspruch der Jury, welcher auf Nichtschuldig lautet, worauf der Gerichtshof den Angeklagten fretsprach. Die Sitzung war Abends 8% Uhr beendet. tocates Mttb prooiftjfcltes, -r. Fronhaufe«, 3. December. Heute wurde hier ein Ochse geschlachtet, dessen mächtige Körperfülle das schöne Gewicht von 2060 Pfund, ergab. Da sich nicht täglich so etwas bietet, hatte sich eine ziemliche Menschenmenge eingefunden. Sugelrod, 3. December. Am 1. December d. I. tagte hterselbst eine Versamlung von Interessenten an der Theilftrecke Lauterbach-Herbstein der projectirten von Lauterbach auS in den Vogelsberg führenden Neben- bahn. DaS bisher von den Ingenieuren ausgearbeitete Project berücksichtigt die südlich von diesen Theilstrecken gelegenen zum Thetl großen sechs Ortschaften deS alten Gericht» Engelrod mit ihrer weit über 2000 Seelen zählenden Ein- wohnerschaft fast gar nicht. ES befriedigt eigentlich vollkommen nur das eine, nördlich gelegene, nicht große Dorf Rixfeld. In der Versammlung, die von sämmtlichen Bürgermeistern der betheiligten Orte und zahlreichen anderen Interessenten besucht war, wurde unter allgemeiner Zustimmung betont, daß die Theilftrecke, wenn sie wie projectirt gebaut würde, den Ortschaften deS früheren Gerichts Engelrod gar keinen Nutzen brächte, da diese dem 1- bis 2 stündigen Weg zum Rixfelder Bahnhofe den nicht viel wetteren nach Lauterbach, wohin doch der größte Thetl deS Verkehr» geht, vorziehen würden. Viel passender schien e», wenn die Bahn näher an Frtschborn geführt würde, und durch den Werberg an den Fischteichen vorbei im Süden von Herbstein zöge. Besonders freudig wurde in der Versammlung die Mitthei- luug ausgenommen, daß auch daS Großh. KreiSamt mit der geplanten Abänderung einverstanden sei. Man beschloß, eine diesbezügliche Eingabe an daS Großh. Ministerium zu wiederholen und in nächster Zett eine allgemeine Versammlung nach einem der künftigen Bahnstrecke nächstgelegenen Orte, entweder Frischborn oder Hopfmannsfeld, zu berufen. Außerdem sollen die Herren Landtagsabgeordneten der in Betracht kommenden Ortschaften gebeten werden, für daS Project ein- zustehen. L. Anz. A Mainz, 4. December. Letzter Tage machte die von einem telegraphischen Correspondenzbureau aufgenommene Nachricht, daß in Bal sch Weiler im Elsaß ein Mann lebendig begraben worden sei, mit SturmeSetle die Runde durch die Presse. Da durch solche Schauernachrtchten sich immer eine gewisse Erregung ängstlicher Gemüther bemerkbar macht, hat daS Mainzer KreiSgesundheitSamt sofort bei der Polizei von Batschweiler über die Wahrheit der br- regten Begräbnißgeschichte angefragt, worauf aiSbald folgende amtliche Auskunft per Telegraph hier ein getroffen: „Mann 38 Stunden nach Tod begraben, Todtengraber Lärm gehört, Grab sofort geöffnet, Leiche unversehrt ge- sunden. Bürgermeisteramt Batschweiler." Die ganze Sen- sattonSnachrichr entpuppt sich demnach als eine TaNarennach- richt, die den vereinen für Feuerbestattung sehr zu Nntz gekommen war. Eingesandt. Zur Aufklüruug! Zu der in Nr. 283 d. Bl. enthaltenen.Berichtigung* de» Vorstandes der sich so nennenden »Altfeuerwehr" F. St. F. bezüglich deS von den hiesigen freiwilligen Feuerwehren gemeinsam gefeierte» Stiftungsfestes bemerke ich, daß bh Berichterstattung über letzteres in Nr. 278 b. Bl. insofern unrichtig ist, als ich in der Begrüßungs- Ansprache von einer »Reorganisation der ehemals städtischen Fe»er- wehr" gar nicht gesprochen habe, das Wo t .Reorganisation^ dabei überhaupt nicht gefallen ist! Der betreffende Passu» meiner Ansprache lautete wörtlich: „Nur wenige Woche» nach Gründung dieser Wehr (d. h. der Freiw. Gail'ichen Feuerwehrbildete sich am 15. December de» Jahre» 1855 da» andere Corp», die „Gießener freiwillige Feuerwehr" — entstanden, wie wir Mangel» genauerer Nachrichten wohl annehmen dürfen — aus der Initiative des früheren Bürgermeisters von Gießen und damaligen Beigeordneten Heinrich Ferber, der auch zweimal, von 1855 bi» 1862 und von 1864 bis 1866 des Corps' erster Hauptmann war. Bet den verschiedenen Wandlungen, welchen die Gießener freiwillige Feuerwehr im Laufe der Zeit unterworfen war, trete» noch die Namen Christoph Rübsamen, F . Chr. Pietsch, Rechtsanwalt We id ig, Redacteur Scheyda und Louis Pet r i 11. besonder» hervor." Ich wollte damit lediglich — wie ich die» auch bezüglich der Freiw. Gail'schen Feuerwehr gethan habe, darauf Hinweisen, wie «- gesehene Männer der Gießener Bürgerschaft den freiwilligen Feuerwehren großes Interesse entgegen gebracht haben Im Uebrigen hat Herr Pfarrer Dr. Naumann dahier in seiner Festschrift zu dem im Dorjahre hier gefeierten 16. Derbandssest hessischer freiw. Feuewehre» auf Grund der ihm Seitens Gr. Bürgermeisterei Gießen überlassenen Acten auS dem städtischen Archiv, die Geschichte der Gießener frei- willtgen Feuerwehr ausführlich behandelt, so daß Jeder, der Interesse dafür hat, sich leicht zu unterrichten vermag Schmantzt, Branddirector. Vetter, Cxmb* und Volks wirthjchafi. — Posthandbuch für die Geschäftswelt für den ge sammten In- und Ausland - Verkehr. Mit einem Lerzeichniß von 3000 der wichtigeren deutschen und österr.-ungar. Postorte und einer Zonen - Karte. HerauSgegeben von Herm. Hettler, Ober- postsecretär. Verlag von Richard Hahn (G. Schnürten) in Stuttgart. 6. Jahrgang 1896. Em« »u»gad« für da» ReichSpoftgebiet. Preis 1.20 Mk — Wir können über das Werk nur sagen, daß jedem Geschäftsmann, ganz besonders aber demjenigen, der mit dem Ausland zu thm< hat, dieses Buch unbedingt zu empfehlen ist, enthält es doch u. 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Die zur Instandsetzung des Vicinalwegs Reiskirchen — Winnerod in Gemarkung Liudenstruth erforderlichen Arbeiten und zwar: veranschlagt zu Jl Erd - und Planirungs- arbeiten .... 745.45 Chau'sirungsarbeiteu . 900.— werden im Submissionswege vergeben. Offerten sind bis Dienstag den 10. Decbr. l.J., Vormittags 9 Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst Plan, Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, einzureichen. Gießen, am 2. December 1895. Der Kreisingenieur' Stahl. 10127 Hafer-Ankauf. Von Landwirthen kaufen wir guten Hafer an. Angebote nut einer Probe von reichlich < Liter werden erbeten. Das Königliche Proviantamt zu Hauan. 19128 firfttang riner eisernen pmpe. Die Lieferung und Aufstellung einer gußeisernen Pumpe mit allem Zubehör aus der Fabrik von I. H. Hoffmann, Herborn soll durch schriftliches Angebot vergeben werden. Voranschlag und Bedingungen liegen bei dem Unterzeichneten zur Einsicht offen und können Angebote bis längstens den 10. d. 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