1.88» Freitag den 6. Decembcr Erstes Blatt. Rr. 287 Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gissten. Kratisöeitage: Hießener Aamitienötätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tqg erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr. Die Gießener Namikiea V täller »erden dem Anzeiger «Schmtlich dreimal beigelegl. Der frUiwt A«ieiger erscheint täglich, grtt Ausnahme bt» Montag». Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Vierteljähriger AbsnnementsprelB t 2 Mark 20 Pfg. mit vrin-erloha. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Kedaction, LxpedittoF und Druckerei: Kchnkßr-te^kr.R. Fernsprecher 5L Gießener Anzeig er Kenerat-Anzeiger. rieueste Wolffs telegraphisches Corrrfpondmz-Bureou. Berlin, 4. December. Der Kaiser fuhr gegen 6 Uhr «ach dem Reichskanzlerpalais und verblieb dort längere Zett. Bom RetchSkanzlerpalais begab sich der Kaiser zum Diner beim LandwirthschaftSminister. Berlin, 4. December. Die „Kreuzztg." schreibt: Die Consiftori al Präsidenten und Generalsupertnten- deuten der evangelischen Landeskirche traten heure zu einer gemeinsamen Besprechung mit dem evangelischen Oberktrchen- rath zusammen. Abends find die Herren bei dem Präsidenten Barckhauseu eivgeladen. Berlin, 4. December. Dem Reichstage ging ein A n t r a g Marquardsen-Cuny zu: Die Erwartung auszusprechen, daß bei der Ausarbeitung der Militär-GerichtSver- fassung und der Militär-Strasproceßordnung die Grundsätze der Ständigkeit der Gerichte, sowie der Oeffent- lichkeit und Mündlichkeit deS Hauptverfahrens zur Geltung gelangen, soweit nicht mtlitärdieustllche Interessen eine Ausnahme nothwendig erscheinen laffen. Dem Reichstage ging ferner ein Antrag Hitze-Lieber zu: Die Regierung zu ersuchen, die Durchführung der Bestimmungen der Gewerbeordnung, betr. den Schutz der Gesundheit und Sittlichkeit, mehr als bisher zu sichern, sowie die Ausdehnung der Bestimmungen der Gewerbeordnung, betr. den Schutz der jugendlichen und weiblichen Arbeiter, auf die Hausindustrie wirksam vorzuberetten und au- zuregen. Berlin, 4. December. Dem Senioren co nvent des Reichstages wurde heute das Bürgerliche Gesetzbuch mügetheilt. ES geht dem Reichstage im Januar n. I. zu. Von den Fraktionen werden bereits jetzt die Referenten ernannt, denen das bezügliche Material noch vor Weihnachten zugcben soll. , Herford, 4. December. Bei der Ret ch Stags stich - wähl im Wahlbezirk Herford-Halle erhielten bis jetzt Quentin (natl.) 5152, Weihe (cons.) 3806 Stimmen. Leipzig, 4. December. Wie das „Leipz. Tagbl." meldet, hat der Kaiser zu der heute stattgehabten Beerdigung des OberreichSanwaltS Tessendorff einen prächtigen Kranz gesandt, den der Präsident des Reichsgerichts, Oehlschläger, am Sarge utederlegte. An die Hinterbliebenen hat der Kaiser ein Beileidstelegramm folgenden Wortlauts gerichtet: „Ich beklage aufrichtig und tief mit Ihnen in dem Heim gegangenen einen der tüchtigsten und verdientesten Beamten, dessen Andenken ich und das Vaterland in Ehren halten. Wilhelm I. R." Von Berlin war der StaatSsecretär deS RetchsjustizamlS Rleberding zur Beerdigung erschienen. München, 4. December. Im Rath haus erschienen heute Vormittag etwa 100 Arbeiter, welche weder beim städtischen Arbeitsamt noch sonstwo Beschäftigung finden konnten und stellten an den ersten Bürgermeister Do rscht in bescheidener Weise die Bitte, es solle daS Statut des städtischen Arbeitsamtes in dem Sinne geändert werden, daß die am längsten dort angemeldeten Leute und zwar zunächst die Verheiratheten und hier HetmathSberechtigten bet dem ZuweiS von Arbeiten berücksichtigt würden. Die Deputation bat um baldigen Beginn der Wmterarbetten. Der Bürgermeister sicherte eine Aenderung deS Statutes zu, soweit es thunlich sei, die Canalbauten könnten aber erst beim Eintritt eine- niedrigeren Wafferstaudes beginnen. Die Arbeitslosen gingen daraus in Ruhe aus dem Rathhause weg. Rom, 4. December. Der Papst empfing heute den Großherzog von Sachsen-Weimar. Der Empfang, bet welchem dem Großherzog fürstliche Ehren erwiesen wurden, dauerte etwa eine halbe Stunde. Washington, 4. December. In seiner Jahres bot- schäft bezeichnet Präsident Cleveland bei eingehender Besprechung der Handelsbeziehungen zu Deutschland tie deutschen Schutzmaßnahmen gegen die Einfuhr von Vieh und Nahrungsmitteln als umsomehr Aergerniß erregend, da kein europäischer Staat so vorsichtig die NahrungSmtttelausfuhr überwache, tote Amerika. Die geschäftliche Ausschließung amerikanischer Versicherungsgesellschaften in Preußen wird „engherzigen, lästigen und unvorhersehbaren Einschränkungen" zugeschrieben. Trotz aller amerikanischen Nachsicht solchen Maßregeln gegenüber brauche man dennoch eine ungerechte Differenzirung und vexatorisches Vorgehen nicht stillschweigend hinzunehmen. Sollten ähnliche Einschränkungen, wie sie dem amerikanischen Handel aufgebürdet worden seien, bet einer Prüfung räthlich erscheinen, so seien die Wege zu beschreiten, die zu denselben führen. Solange die Nothwendigkeit dazu dem Volksgefühl widerspreche, müffe man sich jedoch hüten, eine solche Politik leichthin zu beginnen, da ein derartiges Vorgehen naturgemäß ernste Folge haben könne. Der Paffus, welcher sich auf Deutschland bezieht, schließt mit freudiger Erwähnung der Anerkennung, welche die amerikanische Flotte bei den Kieler Festlichkeiten gefunden hat. Depeschen bei Bnrt&n »Herelli". Berlin, 4. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." gibt heute Abend mehrere Preßstimmen über die Beurlaubung des Ministers v. Köller wieder, die sie mit folgenden Worten einletret: Obgleich Authentische- über die Angelegenheit nicht bekannt ist, geben wir doch einige der in den Blättern umlaufenden Gerüchte wieder, ohne damit eine Gewähr für deren Richtigkeit übernehmen zu wollen. — Die „Kreuzzeitung" schreibt: Wenngleich eine osficielle Bestätigung noch nicht vorliegt, ist doch an dem Rücktritt deS Ministers des Innern, v. Köller, wohl kaum noch zu zweifeln. Auch die politischen Gegner des Ministers dürften anerkennen, daß er persönlich in offener liebenswürdiger Weise berechtigten Wünschen entgegenkam. Den scheidenden Minister, Reichstag. 2. Sitzung. Mittwoch, den 4. December 1895. Eingegangen: Gesetz Entwurf, betr. Errichtung von Handwerker-Kammern. m Aus der Tagesordnung: Präsidentenwahl. Bei der Wahl des ersten Präfidenten werden 293 Stimmzettel abgegeben; davon sind 58 unbeschrieben, 1 ungültig. Don den verbleibenden 234 Stimmzetteln tragen 229 den Namen de8 Abg. Frhrn. v. Buol-Berenberg (Ctr.), 5 Stimmen find zersplittert. Mr v. Buol stimmten Eentium, die Linke und die Eonservattven, während die Mtllelparteien weiße Zettel abgaben.) Abg. Frhr. o. Buol: Ich betrachte es als eine ehrenvolle Pflicht, dem an mich ergangenen Rufe zu folgen. Ich werde meine ganze Kraft aufbieten, um meinen Aufgaben nach allen Richtungen gerecht zu werden, und bitte auch ferner um Ihre Nachsicht. (Beifall im Eentrum.)^ , ., , , Es folgt die Wahl des ersten Vicepräsidenten, die ebenfalls durch Stimmzettel erfolgt. — Es werden 290 Zettel abgegeben; davon wird einer als ungültig erklärt, 107 stad unbeschrieben. Huf den Namen deS bisherigen eisten Diceprästdenten lauten 169 Zettel. Abg. Schmidt Elberfeld ist alfo mit großer Mehrheit gewäolt und nimmt die Wahl dankend an. Bei der Wahl des zweiten Viceprästdenten werden 270 Zettel abgegeben, davon sind 95 unbcfchrieben, 4 zerfpltttern sich und 170 lauten auf Abg. Spahn ((Str.), den bisherigen zweiten Vtce- vräsid nun, der die Wahl dankend annimmt. Auf Antrag des Abg. v. Kardorff (Rp.) werden als Schriftführer durch Zuruf gewählt die Abgg: Braun (Ctr.), Cegielski (Pole), Dr Hermes (ftf. Vg.), Krebs (Ctr.), vr. Kropatschek (conf), Merdach(Rp-), v. Normann (conf.) und vr. Ptefchel (nl.). Die Gewählten erklären ebenfalls, daß sie die Wahl annebmen. Zu Quästoren ernennt der Präsident die Abgg. Rintelen (Ctr.) und Placke (nl.). Das Andenken der seit Beendigung der vorigen Session verstorbenen Mitglieder deS Hauses wird in der Üblichen Weise geehrt. Auf der Tagesordnung steht sodann der schleunige Antrag Zimmermann, betreffend Einstellung eines gegen den Abg. Werner schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Session. Der Antrag wird debattelos angenommen. Endlich wird noch auf Vorschlag Singers, welchem von keiner Seite widersprochen wird, ein fernerer fchleun ger Antrag Auer, betr. Einstellung eines in Berlin gegen dm Abg. Stadv Hagen fchwebenden Strafverfahrens, zur Berathung gestellt. Auch dieier Artraa wird debattelos angenommen. Piästdent v. Buol macht weiterhin Mittheilung über ve^ schiedene Urlaubsgefuche. Große Heiterkeit erweckt dabei ein Gesuch Ahlwards um Urlaub „wegen einer unaufschiebbaren Reife ins Ausländen _ y&r; Etat, vorher einige schleunige Anträge auf Einstellung von schwebenden Strafverfahren gegen verschiedene Abgeoi bnete. Deutsches Reich. Berlin, 4. December. Der unter die Abgeordneten des Reichstags zur Vertheilung gelangte Etatsentwurf für 1 896/97 enthält nichts UeberraschendeS, da ja die einzelnen Theile des GefammtetatS bereits durch die hierüber in die Blätter gelangten Veröffentlichungen zur allgemeinen Kenntniß gekommen sind. An dieser Stelle sei daher nur nochmals daran erinnert, daß der Etat in Einnahmen und Ausgaben mit 1,259,221 983 Mk. balancirt (mehr gegen das Vorjahr 20,061.502 Mk) und daß die fortdauernden Ausgaben 1,136 389,624 Mk., die einmaligen Ausgaben 93,487,438 Mk., dieeinmaligenAusgaben außerordentlicherNatur 29,350,921Mk. betragen. Die außerordentlichen Bedürfnisse des Reichs- Heeres, der Marine und der Reichseisenbahnen sollen, tote gewöhnlich, durch eine Anleihe gedeckt werden, dieselbe würde einen Gesammtbetrag von 27,850,921 Mk. zu decken haben. — DiewirthschaftlicheVereinigung des Reichstags ist wieder zusammengetreten. Sie hielt am Dienstag ihre erste Sitzung ab, in derselben wurde der abgeänderte Antrag des Grafen Kanitz in Betreff der Verstaatlichung des Getrcidehandels einstimmig genehmigt. dessen politische Laufbahn wohl kaum als abgefchloffeu an< zusehen sein dürste, begleiten unsere besten Wünsche. — Wie die „Voss. Ztg." erfährt, ist das EntlaffungSgesuch, da» Herr v. Köller vor drei Tagen eingereicht hat, dem ßalfcr nach Breslau nachgeschickt worden, indeffen ist daffelbe noch nicht genehmigt. Im Laufe des heutigen TageS wird der Reichskanzler dem Kaiser Vortrag über die Angelegenheit, halten und darauf wird die Entscheidung fallen. ES unterliegt keinem Zweifel, daß der Kaiser dem Gesuche des Herr« v. Köller Folge geben wird, da dieser zu der Einsicht gelangt ist, daß ein weiteres ersprießliches Zusammenwirken mit seinen College« im Ministerium nicht möglich ist. ES ist nickt unmöglich, daß der Name deS Nachfolgers deS Herr« v. Köller bereits heute bekannt gemacht werden wird. Ob Herr v. Köller demnächst anderweitig im Staatsdienste Verwendung finden wird, ist noch nicht entschieden. Der „Post ist nicht sicher bekannt, aus welchem Grunde Herr v. Köller feinen Abschied erbeten und erhalten hat. Die Bedeutung der Thatsache taffe sich aber noch nicht mit Sicherheit übersehen. Jedenfalls müßten die Gründe sehr schwerwiegend gewesen sein. Die Entlassung deS Herrn v. Köller kam un- mittelbar, nachdem er im Verfolg des September-Curses zu einem großen Schlage gegen die Socialdemokratie ausgeholt hatte, als ein Abweichen von dem Plane, die vorhandenen Machtmittel deS Gesetzes und der Verwaltung mit vollstem Nachdruck und vollster Schärfe gegen die Socialdemokratie anzuwenden, gedeutet werden. — DaS „Volk" faßt anter Anderem: Wenige Leute werden dem unfreiwilligen Selbstmörder eine Thräne nachweinen. Die meisten werden denken, das Beste wäre gewesen, er wäre nie Minister geworden. DaS nächstbeste ist gewesen, daß er nur wenig über ein Jahr als Minister austreten durfte. Man würde ihm schmeicheln, wenn man ihn eine Mittelmäßigkeit im Ministersessel nennen würde. Berlin, 4. December. Als Nachfolger des Herrn v. Köller wird von verschiedenen Blättern der Regierungspräsident von Hannover, v. Brandenstein, genannt. Berlin, 4. D-.cember. Im „Reichsanzeiger" werden heute die anläßlich der Enthüllung des Kaiser Friedrich Denkmals bei Wörth erfolgten hohen Auszeichnungen an den General-Feldmarschall Grafen v. Blumenthal, den General v. Mischte, den Fürsten zu Putbus, den General z. D. Freiherrn v. Freyberg-Eisenberg in München, sowie die weiteren Ordensverleihungen veröffentlicht. Berlin, 4. December. Die conservative Fraction des Reichstages hat einstimmig beschlossen, der Auffassung der „Conservativen Correspondenz" in der Kennzeichnung der Richtung der Pastoren Naumann und Genossen beizutreten. Berlin, 4. December. Der ReichstagSabgeordnete Liebknecht hielt gestern Abend vor etwa 2000 Personen eine mit großer Begeisterung aufgenommene Rede über die gegenwärtige politische Lage. Berlin, 4. December. Aus Mittheilungen amerikanischer Blätter geht hervor, daß die amerikanischen Behörden beginnen, anläßlich der Conzessionsentziehung der großen amerikanischen Versicherungsgesellschaften in Preußen Gegen- maßregeln zu ergreifen. So schreibt das Newhorker „Jornal of Commera and commercial Bulletin", daß der Jnsurance- Superintendent des Staats Miffouri, James R. Waddill, dem dortigen Generalvertreter der Stettiner Feuerverflcher- unaö Gesellschaft die Absicht mittheilte, die am 1. Februar 1896 ablaufende Conzession der Stettiner Feuerversicherungs- Gesellschaft für Miffouri nicht wieder zu erneuern, falls bis dahin noch ein Ausschluß der amerikanischen Gesellschaften seitens der preußischen Regierung festgehalten werden sollte. Das Blatt fügt dieser Meldung die Worte hinzu: Der erste Schuß ist gefallen. Berlin, 4. December. Zu dem vom Vorwärts gestern veröffentlichten vertraulichen Schreiben des ReichS-Eisenbahn- Amtes bemerkt der Reichsanzeiger, der gleichzeitig die neue, am 1. April d. I. in Kraft getretene Vorschrift über Meldungen von Eisenbahn-Unfällen für die Statistik veröffentlicht, Folgendes: Dem Erlaß der neuen Vorschriften hat die vom Vorwärts untergeschobene Absicht, Thatsache«, die ein ungünstiges Licht auf die Sicherheit des deutschen Eisenbahn- Betriebes werfen könnten, zu unterdrücken, selbstverständlich durchaus fern gelegen. Es sollen damit nur solche Fälle, die man auch in anderen Staaten nicht als Eisenbahn-Un- sälle behandelt, auS der deutschen Statistik entfernt werden. Debenburg, 4. December. In Fert ö-St.-Mi klos drang gestern Abend eine Volksmenge in M israelitische Volksschulgebäude ein, zerschlug dort alle Möbel, riß einen Theil deS Daches herunter und hob die Thüreu auS. Der Unterricht mußte deshalb bis auf Weiteres eingestellt werden. H erauf zog die Menge in daS Judenviertel und demolirte mehrere Häuser. Pari!, 4. December. Die Blätter bezeichnen die Nachricht von der Abreise Herbettes auf seinen Posten nach Berlin al- einen Beweis dafür, daß die Gerüchte von dessen Rücktritt durchaus unbegründet find. Pari», 4. December. Die Kammer hat gestern den Ausschuß zur Prüfung der Gesetzesvorlage, betreffend die Ausstellung von 1900, gewählt. Die Vorlage hat wider Erwarten einen heftigen Widerstand erregt. Von den e f Mitgliedern des Ausschusses find nur drei der Vorlage günstig gestimmt. Drei find jeder Ausstellung feindlich und fünf nehmen die Vorlage nur unter gewiffer Reserve an. Paris, 4. December. Das „Journal des DebatS" gibt der Ansicht Ausdruck, daß man beim Sultan keine weiteren Schritte in Betreff der zweiten Stativ ns schiffe thun solle. — Tin Redacteur deS „GaulotS" hat eine hochgestellte türkische Persönlichkeit interwievt, welche erklärte, daß die Lage in der Türkei keineswegs derart sei, daß sie einen europäischen Krieg herbeiführen könnte. London, 4. December. „Morning Post" schreibt: Der Sultan müsse den Großmächten gute Gründe angegeben haben, um die Durchfahrt der zweiten Station-- schiffe durch die Dardanellen zu verweigern, da die Großmächte bisher auf die Weigerung keine Antwort ertheilt hätten. Warschau, 4. December. In Bilgorah ist das Haus des BeztrkSchefS, in welchem der auf einer Dienstreise befindliche militärische Adlatus des General Gouverneurs Schuwalow, Geueral-Lieutenant BodeSko, übernachtete, angezündet worden. Der General, sowie ein Kosaken-Oberst, dessen kranke Frau und vier Kinder konnten nur da» nackte Leben retten. Constantinopel, 4. December. Infolge der von der Pforte ergriffenen Maßregeln hat sich die Situation seit mehreren Tagen gebessert. In Betreff der Verhandlungen über den Ferman, welcher die Zulassung der zweiten Sta- tionSschiffe behandelt, wird in Kreisen der Pforte behauptet, t-aß demnächst eine Verständigung erzielt werden wird. Der Sultan werde den Ferman ertheilen, die Botschafter werden aber solange von dem ausgefertigten Passtrschein keinen Gebrauch machen, al- nicht von Neuem Unruhen ausbrechen. Constantinopel, 4. December. Die Nachricht von einem Attentat auf den Sultan bestätigt sich nicht. WB. Essen, 5. December. Stichwahl im Reichs« tagswahlkreise Halle-Herford. Der „Rhetnisch- Westsäl. Zeitung" zufolge fiegte in der Stichwahl Bürgermeister Quentin (natl.) mit 8812 Stimmen über Amts- gerichtSrath Weihe (cons.) mit 7916 Stimmen. Schwurgericht. W. Gießen, den 5. December 1895. Die heutige Sitzung wird von Herrn LandgerichtSrath vr. Schäfer um 9 Uhr eröffnet. Zur Anklage steht die Sache gegen den Maurer Heinrich Glück aus Vilbel wegen versuchten TodtschlagS. Die Großh. Staatsbehörde wird von Herrn GerichtS-Affeffor Dr. Gläfftng vertreten, die Vertheidigung liegt in den Händen des Herrn Rechtsanwalt Metz. — ES sind 20 Zeugen zu vernehmen. — Nach AuS- loosung der Geschworenen werden die übrigen vom Vorsitzenden entlassen (die für morgen vorgesehene Sache fällt also aus). Der Angeklagte, 21 Jahre alt, ist unbestraft. Am 19. August d. I. war in Vilbel Markt und ginge schon am Vormittag in der Wirthschaft „Bayerscher Hof" hoch her- auch Glück hatte hier Einkehr gehalten und will bis Mittag 10 Glas Bier getrunken haben. Da kamen in die Gaststube Musikanten, die unter sich in Differenzen gertethen. Der angetrunkene Glück wischte sich in diesen ihn eigentlich gar nichts angehenden Streit. Einer der Leute forderte den ihnen Lästigen auf, seinen Mund zu halten. Der Musiker Scheid, welcher diese Aeußerung gethan, ging hierauf auf die Straße, wohin ihm Glück folgte. Er versetzte dem Scheid einen Schlag ins Gesicht, worauf der Musiker mit dem Mundstück seines Instrumentes feinem Gegner eins auf den Kopf versetzte, sodaß dieser blutete- der Musiker entfernte sich eiligst. Glück will nun später, nach 2 Uhr, auf dem Marktplatz in baß WirthSzelt von Müller eingekehrt sein, dort in einer Viertelstunde weitere drei GlaS Bier zu sich genommen haben, dann sei er auf den Markt gegangen, um den Musikanten, an dem er sich rächen wollte, aufzusuchen. Am Steg, der die Nidda zwischen Markt und Stadt überbrückte, traf der Angeklagte sein Opfer und hier führte er die That aus, indem er ihm mit dem bereit gehaltenen Taschenmesser in dem Rücken 5 Stiche beibrachte. Nach dem ersten Stich fiel der Musiker zu Boden und blind hieb der Thäter auf den wehrlos daliegenden Mann ein. Herr Dr. med. Maleh-Vtlbel erkärt, die Wunden, welche der Verletzte hatte, waren Fetschwunden, die nach drei Wochen gut verheilt sind- sie waren außerordentlich tief. Ein Glück für den Verletzten war eS, daß er die Stiche nicht von vorn bekommen hat, denn dann wären die Verwundungen lebensgefährlich gewesen. (Fortsetzung folgt.) - mnt> ptMttwjidto. Gießen, dm 5. December 1895 Militardienstnachricht. Prof. Dr. Gaffkh, Ober- stab-arzt 2. Klaffe vom Landwehrbezirk Gießen, der Charaeter al» Oberstabsarzt 1. Klaffe verliehen. *• Handelskammer Wahl. Wie aus der in vorliegender Nummer enthaltenen Bekanntmachung ersichtlich, wurden die Herren F. C. ® Koch, Commerzienrath W. Gail und Commerzienrath Gg. Wort mann wieder gewählt. ** Ehrung. Der Veteranen Verein Gießen hat in seiner letzten Versammlung Herrn Commerzienrath Heichelheim auS Anlaß und in Anbetracht der Bedeutung seiner jüngsten hochherzigen Stiftung zum Ehreumitgliede ernannt, welche Auszeichnung von demselben in dankenSwerther Weise angenommen worden ist. Die die Ernennung bestätigende, aber noch in Ausführung begriffene Urkunde wird Herrn Heichelheim demnächst vom Vorstand überreicht werden. ** Lahnthal Zitherbund. Die Veranstaltung de» nächsten Sonntag in „Steins Saalbau" stattfindeuden Zither- ConcerteS bietet außer der Eigenart des hier gewiffer- maßen Ungewöhnlichen und Eigenartigen noch das Interesse für die Wirkung dieses Instrumentes im Concertsaale. Wie auS dem uns vorliegenden, reichhaltigen Programm zu ersehen, gelangen außer zwei Gesammtchöreu, welche von ungefähr 40 Zithern zur Ausführung gebracht werden, auch eine Anzahl Einzelchöre, sowie SoliS zum Vortrag, welche die Namen bedeutender Zither-Componisten aufweisen, und somit einen außergewöhnlichen Genuß bieten. Ja vortheil- Hafter Weise find in beiden Abtheilungen Ltederoorträge mit Zitherbegleitung eingeschaltet, welche von einem dafür gewonnenen Künstler, Herrn D. Emge, zu Gehör gebracht werden. Es ist unbestreitbar, daß da» Zitherspiel in den letzten Jahrzehnten einen mächtigen Aufschwung genommen, umsomehr als viele unserer größten Musiker und Componisten, u. A. Franz LiSzt, dem Zitherspiel ihr Lob dargebracht. In allen größeren Städten, so ganz besonder- in München, wo das Zitherspiel durch die Protection deS Herzogs Max eifrig gefördert und gepflegt wird, werden Zitherconcerte mit zu den beliebtesten musikalischen Darbietungen gerechnet und mit Freuden begrüßt. ES steht außer allem Zweifel, daß auch hier die Veranstaltung eines solchen ZitherconcerteS in allen Kreisen gewürdigt und die Betheiligung aller Interessenten an demselben eine allgemeine sein wird. *’ Zur SehallSfrage der BolkSschullehrer. Der geschäftS- führende Ausschuß deS LandeS-LehrervereinS hat bezüglich deS Gesetzentwurfs, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend, eine Petition an die Zweite Kammer der Stände gerichtet, in welcher dem Dank für die in dem Gesetzentwurf angebahnte Verbefferung der öconomischen Verhältnisse deS Volksschullehrerstandes Ausdruck gegeben, zugleich aber gebeten wird, den Gesetzentwurf dahin abzuändern, daß daS Gesetz mit dem 1. April 1896 (statt 1. April 1897) in Wirksamkeit trete. Ebenso wird die Zweite Kammer gebeten, den in dem Entwürfe bei Bestimmung der Wohnung--Vergütungen zwischen verheiratheten und unverheiratheten Lehrern ausgestellten Unterschied fallen zu lassen. * Magdeburg, 3. December. Vom hiesigen Schwurgericht wurde heute die 46 jährige verehelichte Arbeiterin Elisabeth Hintze, geb. Schmidt, au- Gr.-AmmenSleben, welche daS am 19. Juni d. I. außerehelich geborene Söhnchen ihrer Tochter durch wiederholte- Eingeben von Schnaps bereits am 30. d. Mts. „zum Engel gemacht" hatte, wegen vorsätzlichen und mit Ueberlegung vollführten Mordes zum Tode verurtheilt. Da- entmenschte Weib nahm den Spruch ruhig und kalt entgegen. * Neisse, 1. December. Nicht geringes Aufsehen erregt hier die Gefangennahme des Raubmörder- Joseph Ludwig, der am 2. November d. I. den Bauer-Auszügler Georg Rieger in Altenwald im „Tiefen Grunde" ermordete und beraubte. Ludwig hat ein umfassende- Geständniß abgelegt. AuS demselben sind folgende interessanten Einzelheiten her» vorzuheben. Der 24jährige Mann war in der Cellulose- Fabrik in Ziegenhals beschäftigt, verließ aber die Arbeit, um am Allerseelentag über Altcnwalde nach Heidau zu gehen. Da er nur 5 Pf. besaß, reifte in ihm der Entschluß, den ersten besten, den er antreffen würde, niederzuschlagen und zu berauben. Im Busche hatte er sich, einen Feldstein in der Hand haltend, verborgen und alsdann den Invaliden Rieger todtgeschlagen. Als Beute find ihm 84 Mk. in die Hände gefallen. Nach der Mordthat begab er fich über Görlitz nach Dresden, wo er den Rest des Geldes verbrauchte. Mittellos ist er dann nach Neiffe zurückgegangen. * Auch ein Jubiläum. Tausend Jahre schon wird von den Menschen Blutwurst gegcffen. Interessant ist die Entstehung dieser Speise insofern, als sie damals ein strenges Verbot hervorrief, da- jedoch nicht vermochte, der Blutwurst den eroberten Platz streitig zu machen. Es war der morgenländische Kaiser Leo IV. (886 bis 911), der im Jahre 895 folgende Verordnung gegen die Blutwurst erließ: „Wir haben in Erfahrung gebracht, daß die Menschen so toll geworden sind, theilö des Gewinnes, theils der Leckerei willen, Blut in eßbare Speise zu verwandeln! ES ist uns zu Ohren gekommen, daß man Blut in Eingeweide wie in Säcke einpackt, und so al- gewöhnliches Gericht dem Magen zuschickt. Wir können da- nicht länger dulden, und nicht zugeben, daß die Ehre unseres Staates durch eine so frevelhafte Erfindung blo» aus Schlemmerei freßlustiger Menschen geschändet werde. Wer Blut zur Speise umschafft, er mag nun dergleichen kaufen oder verkaufen, der werde hart gegeißelt, und zum Zeichen der Ehrlosigkeit bis auf die Haut geschoren. Auch die Obrigkeit der Städte find wir nicht gesonnen, frei au-- gehen zu lassen, denn hätten fie ihr Amt mit mehr Wach- samkeit geführt, so wäre eine solche Unthat nicht begangen worden. Sie sollen ihre Nachlässigkeit mit zehn Pfund Goldes büßen." Da» wäre also eine amtliche Nachricht, nach der wir in diesem Jahre daS tausendjährige Jubiläum der Erfindung der Blutwurst begehen könnten. Doch gab eS bereits im alten Rom ähnliche Gerichte- die vom römischen Wursthändler hergestellten Würste waren jedoch mit allium (Knoblauch) gewürzt. Heute hält allerdings wohl Niemand mehr die Staatsehre durch die Blutwurst für gefährdet. Im Gegentdeil sind einige Staaten eigentlich nur durch ihre Wurst berühmt. Volksrundschau. • Von den bei Ceberei verunglückten Soldaten de» Zwickauer 9. Jnfovt:rie-Regiment» toioen 47 im Ehern- nitzer Garnison-Lazareth untergebracht. Bon diesen starb einer, 25 wurden entlassen- 11 sollen in nächster Zeit ent. lassen werden und die übrigen Ende Januar. Bon diese« z. Z. noch kranken 22 Mann wird voraussichtlich nur einer wieder militärdienstpflichtig werden. e Der Andrang seelustiger Knaben zum Eintritt ii die Schiffijaogea «btheilnttg der kaiserlichen Marine hat fich in den letzten Jahren, besonder- au- den süddeutschen Bunde», ftaaten, dermaßen gesteigert, daß in der Regel Hunderte von Eintrittsgesuchen nicht berücksichtigt werden können. Da die Einstellungsbedingungen besonder- im Binnenland weniger oder gar nicht bekannt find, bringen wir dieselben in Nach, stehendem in gedrängter Kürze zur allgemeinen Kenntniß: Der einzustellende Junge soll in der Regel 16 Jahre alt fein, darf jedoch da- 18. Lebensjahr noch nicht überschritten Haden. Nur bet großer Körperftärke ist die Einstellung de- reit» im Alter vom vollendeten 15. Jahr ab gestattet. Der Einzustellende muß eine Größe von mindesten- 1,47 m und einen Brustumfang von mindesten» 0,73 m, nach dem Au», athmen gemessen, befitzen. Nach Ablauf von zwei Jahren werden die Schiff-jungen, sofern fie auf einem der Schul- sHtsse der „Moltke"-Klafle die genügende seemännische Ausbildung erlangt haben, zu Matrosen ernannt, in die Matrosen- D.vifion eingestellt und vereidigt. Die weitere Beförderung ist von der Führung und Befähigung jede» Einzelnen abhängig. Wer die Aufnahme in die SchiffSjungen-Abtheilung wünscht, hat sich persönlich bei dem Commandeur de» Land« Wehrbezirks seiner Heimath (oder, wer dazu Gelegenheit hat, persönlich bei dem Commando der SchiffSjungen-Abtheilung in FriedrichSort bet Kiel) zu melden. An Papieren find erforderlich: 1. Geburtsschein, 2. schriftliche, von der OrtSbe- Hörde bescheinigte Einwilligung de» Vaters oder Vormunde». Ist die vorgeschriebene militärärztliche Untersuchung, sowie eine Prüfung im Lesen, Schreiben und Rechnen günstig au»- gefallen, so werden die von den BezirkScommando» angemeldeten Jungen von der SchiffSjungen-Abtheilung in eine Anwärterliste eingetragen. DaS Commando der Marineftatton der Ostsee hat auf Grund der von der Sch ffSjungen Abtheilnng vorzulegenden Anwärterliste spätesten» AnsangMärz zu verfügen, welche Jungen eingestellt werden sollen. Die Einstellung erfolgt Anfangs April bei der SchiffSjungen-Abtheilung in FriedrichSort, wohin die definitiv angenommenen Jungen durch die BczirkScomrnandoS inftradirt werden. Bei dem, wie erwähnt, großen Andrang können wir den auf Einstellung Reflectirende» nur zu möglichst frühzeitiger Anmeldung rathen, zumal da, wie man hört, im April 1896 nur 220 Jungen zur Sin- stellung gelangen werden. ♦ Die Arbeit eine» Briefträgers. Mit Hilfe eine» Schritt- mefferS hat man kürzlich die Schritte gezählt, die ein Briefträger täglich macht. ES wurden sechs Normaldiensttage dazu ausgesucht, und eS ergab sich dabei ein Mittel von 51,900 oder rund 52,000 Schritten, indem der angestrengteste Tag 53,000 Schritt verlangte, der gemächlichste 46,895. Ein Tag mit anschließendem „Abenddienst" ergab sogar 58,500 Schritte. Nun mißt unser deutscher Militärschritt 0,8 Meter, das heißt 9375 Schritt machen eine deutsche Meile aus- somit würde der Briefträger täglich im Durch, schnitt einen Weg von 5i/2 Meilen zurückgelegt haben- und ein Tag mit Abenddtenft würde sogar 6»/, Meilen Weg- von ihm verlangen. Ein halber Dtensttag ergab 29,800 Schritte, daß wären also stark 3 Meilen. Wenn man bedenkt, wie viel von diesem halben Hunderttausend täglicher Schritte auf Treppensteigen zu verwenden sind, diese 5—6 Meilen Weg» also gewissermaßen „Bergpartien" sind, so wird man begrei- fen, daß der Beruf des Briefträgers nicht zu den leichtesten gehört. Aber auch nicht zu den schwersten, da ein Schweizer Arzt, der die Schritte, die er täglich machte — bei einem Jahresdurchschnitt von saft zehn Millionen —, auf 26,740 berechnete, er also genau halb so viel Schritte ging wie ein Briefträger an einem angestrengten Arbeitstage. Und ei* * Arzt hat ja schließlich noch viel mehr zu thun, al» bloß Wege zu machen. * Großvater, Vater und Sohn sämmtlich gleichzeitig im Parlament — daS kommr selten vor. Diese» ist der Fall, seitdem Lord Warkworth im Londoner Stadtdistrict Süd- Kensington al» Abgeordneter gewählt ist. Sein Großvater ist der 85jährige Earl von Northumberland und sein Vater Earl Percy, der den Wahlkreis Berwick im Unterhause vertritt. Lord Warkworth ist 24 Jahre alt. * Staatlich angestellte Diebe. Da» afrikanische König, reich Adamana fällt bekanntlich zum größten Theil in die Interessensphäre des deutschen Schutzgebietes in Kamerun. Eine der vielen merkwürdigen Einrichtungen in diesem Neger« ftaat ist die der staatlich angestellten Diebe. Die Sultane baden eine Anzahl von Dieben in ihren Diensten, die direkt für den Staatsschatz arbeiten und dafür vom Gewinn Tantieme erhalten, und zwar stehlen diese StaaiSdiede sowohl im eigenen Lande, wie auch in den Nachbarstaaten. So läßt der Sultan von Aola speciell Sclaven und Elfenbein stehlen, während andere StaatSdiebe wieder den Pferdediebstahl zur Specialität machen. Eine ähnliche Auffassung von berech« tigten Gewerben, die für die europäische Recht-anschauung der Jetztzeit schwer verständlich ist, macht sich in Bezug auf daS Räuberhandwerk geltend. Das Rauben wird al» richtige Profession betrieben, und die Räuber, Badawere, führen nicht etwa ein verborgene- Leben, sondern bekennen fich offen zu ihrem Gewerbe, ohne daß darum gegen fie eingeschritten wird. Einzeln und in Trupp- lauern sie an den Straßen Karawanen und einzelnen Wanderern auf. Al- Stande»« -eichen und zugleich al» Schreckmittel tragen fie ein richtige- Struwwelpeterhaar, während sich sonst die Männer den Kopf ganz zu rafiren pflegen. Sie leben dabei ohne jegl'che Verfolgung in den Städten und werden nur Der» haftet, wenn fie auf frischer That ertappt find. Ihr Gewerbe schafft ihnen Überall Achtung, und bei der Damen- welt erfreuen sich diese „ritterlichen" Badawere außerordcnt- licher Beliebtheit und werden mit Geschenken und Zärtlich- ketten Überhäuft- sie revanchiren sich dafür ihrerseits mit Schenkungen von erbeuteten Schmucksachen. Die Duldung M % lon Mn» * dnn MU 1 öunbte. Wttttbn ' Dl» dir b .tott>«8tr in N^. «enntn^. 3°hrr Q[t 'krschriltev :ettun0 be. tttt. Dn « m M °ev Aus, ki Jahr«, 3« Schul. iebstahl von berech- Sanschanu°S , Bezug alS richtige jilhreu nicht i) offen f WWW» n 6 fit f/8 z ft* ** - 5 A 6 8«*$ „settS DuldnoS tiefer Räuber erklärt sich zum Theil -vielleicht daraus, daß sich die Vornehmen ihrer vielfach als Bravt bedienen. Vom früheren Sultan von $ola sollen sie sogar dtrect zur Erhöhung seiner Einnahmen engagirt worden sein. Eine besondere Merkwürdigkeit bei diesem Räuberwesen ist auch die, allerdings nur vereinzelte Einrichtung von Weiberkäniginnen. Es wird zuweilen eine der bei den Räubern anwesenden Frauen zur Weiberkönigin, Ssariki n mata burba, ernannt, trägt als solche Männerkletder und nimmt an den Raub zügen und Trinkgelagen der Männer Theil. Gilt so daS Räuberweseu als ein durchaus angesehenes Gewerbe, so kann eS kaum noch Wunder nehmen, daß auch die Hanttrung des Henkers nichts weniger als mißachtet wird. Im Gegen- theil erfreut sich der Henker beim Hofe und im Volke einer sehr geachteten Stellung, obwohl er sich seinen Unterhalt durch öffentliches Betteln auf dem Markte verschaffen muß. Da» Verwunderliche ist eben nur, daß ein guter Henker zugleich auch die Fähigkeiten zu einem guten Witzbold haben muß. Als solcher ist er eine Art Hofnarr, und genießt große Freiheiten: er reißt Witze, verspottet die Hof- beamten, singt anzügliche Lieder, erzählt Schwänke, spielt die Rolle eines ZwischenruferS und Lobschreiers bei feierlichen Audienzen und Festen. Neben dem Henker als Lustigmacher sind die meisten Sultmre auch im Besitz von Hofzwergen, die gleichfalls zu ihrer Erheiterung dienen sollen. * Ein völlig elektrisch installirteS Nonnenkloster dürfte eine Neuerung sein, vor der selbst „Ben Akibas" „Alles schon einmal dagewesen" verstummen dürfte- einen derartig modern eingerichteten Convent wird nämlich in Kürze Amerika besitzen, wo sich in der Nähe der Niagara - Fälle ein mit Carweliter-Nonnen besetztes Kloster befindet, welches bie irrige Ansicht, daß Klöster und andere religiöse Institute den Neuerungen der Weltkinder im Allgemeinen abhold zu sein Pflegen, gründlich dadurch widerlegt, daß die Ordens- schwestern sich von der Niagara-Power-Company, welche bekanntlich die Kraft der berühmten Wafferfälle in Electricität umsetzt, einen starken Strom in ihr Heim leiten laffen, womit nicht allein alle Räume electrisch beleuchtet, sondern auch durch Electricität beheizt werden, ebenso wie in der Klosterküche nunmehr die Parole „Koche mit Electricität" lautet; ebenso läßt sich das Kloster electrisch betriebene Auszüge, Plättmaschinen, kurz die neuesten Errungenschaften der Electrotechnik beschaffen, so daß daS Heim der frommen Schwestern eine electrische Musteranstalt bilden wird, in einer Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit der betreffenden Einrichtungen, wie sie sonst noch kaum zu finden sein dürste. Mitgetheilt vom Internationalen Patent-Bureau Karl Fr. Reichelt, Berlin N. W.). • Die Verlegung einer ganzen Stadt nach einem anderen Orte, der strategisch und kommerziell größere Vortheile bietet, wird gegenwärtig im höchsten Norden Rußlands geplant. ES handelt sich um die Stadt Kola auf der gleichnamigen Halbinsel. Der Vorschlag des Gouverneurs von Archangelsk, Baron Engelhardt, die Stadt nach einem besseren Hasenplatz .,iiberzusühren", hat, wie der „Sswjrt" zu berichten weiß, die Zustimmung der zuständigen Minister gefunden. * Die Dienstmanner kommen ab. In den großen Städten haben daS Telephon, die Entwickelung des Rohrpostwesens, die Organisation zur raschen Beförderung der Postcolli und auch die überhandnehmende Gewohnheit, daß bald jedes Geschäft seinen eigenen betreßten Diener und Ausläufer hat, die Zahl der Dienstmänner stark vermindert. Vor zehn Jahren gab es solcher Leute 4000 in Paris, 3000 in Berlin, 1700 in Wien, jetzt nur noch etwa 300 in Paris, je 200 in Berlin und Wien. * Vom Duzen. In einem Kreisorte im Regierungsbezirk Stade wurde, wie das „St. Tgbl." rnittheilt, der neuernannte Landrath in die Kreisdeputirtenverfarnrnlung eingeführt. Nach Erledigung des geschäftlichen Theils bemerkt der Landrath im Laufe der Unterhaltung, daß die Deputirten, meist Landbewohner, sich überall mit dem vertraulichen „Du" anreden. Mit den Sitten und Gebräuchen der Landbevöl- kerung weniger bekannt, findet er dies auffällig und erkundigt sich bei seinem Tischnachbar, einem biederen Gemeindevorsteher, wie es hier denn eigentlich mit der persönlichen Anrede gehalten werde und ob das Duzen Überall im Kreise so üblich sei. „Ja, bat ist woll so", erklärt der Gefragte mit harmlosester Miene, „unner und in’n Dorp fegt wie „Du", blot de Herr Pastor und Du, Jt werd mit „See" anrebt." Der Lanbrath soll sehr belustigt gewesen sein; der Gemeinbevor- sicher ist nachher sein bester Freunb geworden. * Heinrich VIII. Hausordnung enthält unter anderen drolligen Punkten auch folgenden: Die Ankommenden sollen auf der Treppe nicht allzu freundlich thun mit den Mädchen, weil auf diese Art viel Tischgeschirr zerbrochen wird Schiff-nachrichten. Der Postdampfer „Noordland" der „Red Star Line" in Ant- werpm ist laut Telegramm am 3. December wohlbehalten in New-york angekommen. kirchliche Anzeige« de* Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Donnerstag den 5. December, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der Stadtknabenschule: Bibelstunde. Eo. MarcuS Cap. 2, VerS 13 und folgende. Pfarrer Dr. Grein. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag den 7. December: Vorabend 4 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittags 3 Uhr, SabbathauSgang 5I(> Uhr. Gottesdienst der israelitische» Religionsgesellschasi- Freitag Abend 4 Uhr, SamStag Vormittag 9 Uhr, Nachmittag 3 Uhr, Sabbathausgang 5U Uhr. Wochengottesdienst Morgens 7 Uhr, Abends 8 Uhr. Verkehr, Land- nnd Volkswirthschaft. Äimbttte, 4 December. Frachtmarkt. Rother Westen X 13,25, weißer Weizen X 00.00, Korn X 9 35, Gerste ^c. 9 00, Hafer X 6.05. — Mit gewohnter Pünktlichkett, in vornehmer, eleganter und überaus geschmackvoller Ausstattung ist der bekannte und altbewährte Zeitung-eataio- der Annoncenexpediiion Haasen stein u. Vogler A.-G. in seiner dreißigsten Auflage erschienen. Durch eine vortreffliche redaktionelle und geschickte Bearbeitung ist dieser Catalog für jeden Interessenten ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden. Die Firma Haasenstein u. 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Außer bem wichtigsten Thelle des Werkes, bem Ver- zelchniß ber politischen, Fach- unb illustrirten Zeitungen, bet CourS- unb Abreßbücher sowie jtalenber bes In- unb Auslandes mit genauer Angabe ber Auflagezahl, ErscheinungSzelt, Spaltenbreite und Jnsertionspreise enthält ber Catalog einen seht praktischen Nottz- kalenber für jeben Tag bes Jahres, bie Bestimmungen über ben Post- unb Telegraphenoerkehr und über bie Reichsbank und den Geschäftsverkehr mit derselben. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sich ber Catalog zu ben zahlreichen Freunben, die er schon seit Langem hat, durch seine von Iaht zu Jahr erhöhte Brauchbarkeit viele neue Freunde hinzuerwerben wird. I In hocheleganten Gartons jährige Weihnachtsfest bie all beliebte Doerings Seife mit u. beit aufmerksam und betonen, der ttult in den hiesigen Niederlagen zum Verkaufe Wir machen alle Hausfrauen, Herrschaften, die nickt minder repräsentabel wie praktisch, nützlich und willkommen ist. 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B Koch, Commerzienrath Wilhelm Gail, Commerzienrath Georg Wortmann. Es wird dies mit dem Anfügen bekannt gemacht, daß das Wahlprotokoll nebst Anlagen drei Tage lang, nämlich vom 6. bis 9. December 1895, auf dem Büreau der Firma A. Heichelheim offen liegt und Einwendungen gegen die Wahl ober die Gewählten innerhalb dieser 3 Tage bei Vermeidung des Ausschluffes bei der Handelskammer vorzubringen sind. Gießen, den 5. December 1895. Großherzogliche Handelskammer Gießen. I. V.: R. Scheel. 10179 Der Voranschlag über Einnahme und Ausgabe der Gemeinde Lich für 1896/97 liegt vom 9. d. Mts. ab acht Tage lang zur Einsicht der Jntereffenten auf dem Bürgermeisterei - Büreau dahier offen. Lich, den 5. December 1895. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich Heller. 10158 Sämmtlictje Artikel zur [10177 Confect- u. Kuchen-Bäckerei Sie wünschen ein Kochbuch zu schenken, welches alles für bie einfache unb gute bürgerliche Küche Nöthtge enthält und dabei nicht zu theuer ist? 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Darmstädter Bank Dresdner Bank Türkenloofe Nnfaugscourse t Oesterr. Creotl DiSconto Comm. Darmstädter Bank Dresdner Bank Türkenloose 104 00 99.25 103.95 103 50 106.50 Samstag, den 7. December, Abends 8 Uhr: Zweiter Jlortrog über die fransösillhe grnolution Prospecte sowie jede Auskunft durch die Vertreter für Giessen: Adolf Bieler, Westanlage 44. A. von Jungenfeld, Neuenbäue 41.________________________ [10174 Kinderschlitten, Schlittschuhe, Christbaumhalter. Kerbfchnitzwerkzeuge Laubsägewerkzeuge Werkzeugkästen Laubsägeholz Ofenschirme Aleischhackmaschinen Reibewafchinen Küchenwaagen Rodonkuchcnformen Waffeleifen Bogelkäflgc Wringmaschinen Kinderbttgeleisen Coursbericht Ddä Ji.Karz & €0., Giessen, Ka-Lhüstr-tz, H. Frankfurter Börse vom 4. December 1896. Telegraphischer Couröbericht von Conrad Dietz, Bankgeschäft. Giessen Frankfurt a. M., den 5. December 1895. SV^/oH>mdrgr.Hyo.Bk.lmkch.l90b ____ 3V,°/oPrcuß HypA.Bk.unkch.190b 10i 60 Neptun V ersicherungs-Gesellschaf t gegen Wasserleitungs-Schäden in Frankfurt a. M. 4°/c DrnlschrGrdsky.Baint.d. 1«04 106.10 4o/o Pomm Hyv.S.Bk.unk.b 1904 106 60 81 /.r/M« unk, b. 1906 U’l .ßn 4 o/o Franks V