5jg5 r iw* Ausübung L°rftand/^ erein, “«’•?«»« im c sek tieg slhank, Jean Arnold. «T>g lstifches 279 e 10 Pfg. MS- ib Sönnern zur gemein Neubau L7 en in mein Fach ein* 273 iphen. TBC hlchrMn. erriet. . Januar. Damen ItitsÄlttii rituosen LEO, Giessen. pr.FL.42.oO ” ” " 1 st eslmg) " " " ” " " t " " "//- idoc " " ,.U rgeanx » " 18» nahmen » " ' l8q rach " * ’ 2.— arnchX3a-" ” 2 60 ig- b.Ram ,. ’/i " [259 letren^t- Aroma J*yB2 Dollar ** Nr. 5 Erstes Blatt. Sonntag den 6. Januar 1895 Der Kleßener -«zelger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Isamitteuvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kmerat-Wnzeiger. vierteljähriger «-tvonnemeutsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrloha. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchukstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblntt fiw den Tkveis Gieren. chratisöeitage: chießener Kamitienötätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegm. 2lmtiid?er TKerl. Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 Taschenmesser , 1 Ueberzieher, 1 Regenschirm, 1 Umhängetuch, 1 Stauchen, 3 Taschentücher, 1 Handtasche, 1 Handschuh, 1 Pferdeteppich, 2 Peitschen, 1 Koppetkette, 1 Hundehals* kette, 1 Hundehalsband, 1 Eissporn, 1 Perpendikel, 1 Gartenstuhl und Schlüssel. Zugelaufen: 1 Hund. Gießen, den 5. Januar 1895. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Das „Bischen" Soeialreforur. Im Reichstage und in Blättern, welche, obwohl sie angeblich die Jnteresien der bürgerlichen Parteien vertreten, dennoch immer ein weniges zur Aufhetzung der Arbeiter beizutragen befi'ssen find, ist neuerdings wieder vielfach von dem „Bischen" Socialreform die Rede gewesen. Die Unlust, etwas Ernsthaftes gegen die socialrevolutionären Umsturz- beftrebungen zu thun, weil man dadurch an „Popularität" einbüßen könnte, verfällt, wenn nicht mehr zu bestreiten ist, daß der socialrevolulionäre Uebermuth unerträglich geworden ist, stets auf die Ausrede, man solle lieber die socialen „Schäden" heilen, nicht die aus ihnen herrührende „Bewegung" unterdrücken, mau müsie „sehr energisch" Social- reform treiben, das „Bischen" Versicherungsgesetzgebung sei der Rede gar nicht werth u. s. w. Wie steht eS nun mit dem „Bischen" Socialreform, daS in der Arbeiter Verficherungsgesetzgebung steckt? Die Unfallversicherung ist seit dem 1. October 1686 in Kraft. Dieselbe hat an Entschädigungen geleistet: 1886 .... 1 915 366 Mk., 1887 .... 5923930 „ 1888 .... 9 681 447 „ 1889 .... 14464203 „ 1890 .... 20315319 „ 1891 .... 26426377 „ 1892 . . . . 32 340 177 „ 1893 .... 38 160770 „ 1886—93 149 230 589 Mk. Die Entschädigungen drücken aber bei Weitem nicht das .Bischen" Socialreform auS, daS in der Unfallversicherung bezahlt wird. Reservefonds und Verwaltungsausgaben kommen hinzu, ersterer betrug Ende 1893 bereits lOO1^ Mill. Mk. Ma« hat also nicht allein die Entschädigungsausgabeu, sondern die gesammten Einnahmen der Unfallversicherung ins Luge zu fasien, wenn man dieses „Bischen" wägen will. 1893 betrugen die Ausgaben für Entschädigung 58 pCt. der Einnahmen, 1892 nur 53 pCt., und zwar steigt dieser Procentsatz seit 1887 fortgesetzt. Wir rechnen also sehr ungünstig, wenn wir diesen Procentsatz von 1893 zu Grunde legen, da in früheren Jahren eine viel geringere Quote auf die Entschädigungen und eine viel höhere auf die VerwaltungS- Sosten rc. von den Einnahmen entfallen ist. Legen wir aber den Procentsatz von 1893 zu Grunde, so ergibt sich, daß vo« 1886 bis 1893 mindestens 257 Millionen Mk. für Uufallversicherungszwecke aufgebracht worden sind, und schätzen wir 1894 mit 44 Millionen Entschädigung und 71 Millionen Einnahmen, so sind bis Ende dieses Jahres, also in 8'/4 Jahren, 328 Millionen Mk. die Ausgabe der Nation, welche daS „Bischen" Unfallversicherung finanziell darftellt. Macht durchschnittlich 40 Millionen Mk. pro Jahr. Für die Krankenkassen find die Einnahmen bis 1892 bekannt, für 1893 und 1894 müssen wir fie schätzen - dieselben betrugen: 1888 . . . 91 914 433 Mk., 1889 ... 102 529 830 „ 1890 . . . 114 588 315 „ 1891 ... 120031 968 „ 1892 . . . 124 283 140 „ 1888—92 553 347 686 Mk. Aach vorstehender Progression werden die Einnahmen -ier Krankenkassen für 1893 auf 128 uud für 1894 auf 133 Millionen geschätzt werden dürfen, so daß also 822 Mill. Mark für die sieben Jahre 1888—1894 anzusetzen wären. H^rvon fällt ein Drittel mindestens auf die Arbeitgeber — tatsächlich viel mehr — so daß sich daS „Bischen" Krankenversicherung bisher auf 274 Millionen Mk. für die Unter* »ehmer belaufen hat, also jährlich durchschnittlich auf 44'/. Millionen. Die Invalidität'-- und Altersversicherung rst seit 1891 in Kraft. 1893 betrug die Einnahme aus . Beiträgen 89 892 206 Mk., 1891 bis 1893 zusammen 254 Mill. Mk., man darf also für 1894 gewtß auf 90 bis 91 Millionen Beiträge rechnen, so daß für die vier Jahre, seitdem dieses „Bischen" in Wirksamkeit ist, 345 Mill. Mk. seinen Werth darstellen. Hiervon zahlen nun zwar nominell die Arbeiter die Hälfte- thatsächlich liegt die Sache jedoch auch hier sehr viel anders. Da wir aber in keinem Falle zu viel rechnen wollen, so setzen wir nur 1721/2 Millionen ein, so daß jährlich das „Bischeu" Jnvaliditäts- und Altersversicherung als sociale Leistung deu Unternehmern 43 Mill. Mark kostet. Seit Geltung der drei Arbeiterversicherungsgesetze sind also — nach Abzug der gesetzlich auf die Ar bei t e r selbst entfallenden Beiträge — bis Ende 1894 gezahlt worden 774 Millionen Mark oder 1271/4. Millionen Mark jährlich im Durch- schnitt! In Preußen ist für 1893—94 das gesammte Einkommen aller zur Einkommensteuer veranlagten Zensiten also nur derjenigen, die über 900 Mk. Jahreseinkommen haben, auf 2756 Millionen Mark veranlagt worden, was, die gleichen Einkommens-Verhältnisse angenommen, für daS Deutsche Reich 4590 Millionen aus Einkommen über 900 Mk. ergeben würde. Es ist also vom gesummten Einkommen über 900.Mk. im Deutschen Reiche für diese Zwecke eine Quote verwandt worden, die doch nahe legen sollte, etwa- weniger geringfügig von der Last zu reden, welche den Bessergestellten zu »Gunsten der arbeitenden Klassen socialresormatorisch auferlegt worden ist. Davon zu schweigen, daß sich andere und vielleicht höhere Lasten dieser Art der statiftischeu Erforschung entziehen. (D. Volksw. Corr.) Deutscher Reich. Berlin, 4. Januar. Am Berliner Hofe sieht man im Laufe dieses Jahres, wie es heißt, noch des Frühjahrs, dem Besuche des russischen Katserpaares entgegen. Eine osfictelle Bestätigung der Nachricht steht indessen noch aus. Berlin, 4. Januar. Kaiser Wilhelm hat dem Fürsten Bismarck auf dessen Neujahrsgratulation in einem Handschreiben gedankt. Die kaiserliche Antwort soll sehr huldvoll gehalten sein. Berlin, 4. Januar. Der Kaiser vonJapan verlieh dem Kaiser Wilhelm das Großkreuz des Chrysan- themum-Ordens. Es ist dies die höchste japanische Ordensauszeichnung. Eine speclelle politische Bedeutung besitzt der Vorgang indessen wohl kaum, abgesehen davon, daß er Zeugniß für die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Deutschland und Japan ablegt. Berlin, 4. Januar. Die Blätternachrichten von neuen Reichstagsvorlagen über die Branntwein- und die Zuckerbesteuerung erfahren durch eine Mittheilung in den osficiösen „Berl. Pol. Nachr." ihre Bestätigung. Das genannte Blatt schreibt u. A.: „Die Vorbereitungen für beide Novellen sollen soweit gefördert sein, daß diese binnen Kurzem an den Bundesrath gelangen können. Bei der augenblicklichen Lage des landwirthschaftlichen Gewerbes ist anzunehmen, daß die in Rede stehenden Novellen sich weniger in der Richtung der Erhöhung der Einnahmen aus den beiden Productionszweigen zu Gunsten der Reichskasse, als vielmehr in der Richtung der Minderung des Preisdrucks bewegen werden, der in Folge der allgemeinen Lage des Weltmarktes, der Zahlung von Prämien seitens auswärtiger Staaten und der bei uns in Folge der Exportabnahme herrschenden Ueberprvduction eingetreten ist." Neueste Nachrichten» Wolffk telesraphtfcheS Correfpoabenz-Bureim. Gotha, 4. Januar. Die Feuerversicherungsbank für Deutschland zu Gocha wird für das Jahr 1894 ihren Versicherten einen Ueberschuß von 73 pCt. der Prämie zurückgewähren. Die Brandschäden waren im abgelaufenen Jahre sehr zahlreich. Budapest, 4. Januar. Heute Mittag durchzogen arbeitslose Tischlergehtlfen, verstärkt durch andere Arbeiter und Arbeitslose, demonstrativ unter Hochrufen auf die internationale Socialdemokratie und Absingung der Marseillaise einige Straßen der Stadt. Nach 12'/a Uhr zerstreuten sich dieselben ohne Ruhestörung. Kopeuhage», 4. Januar. Der Justizminifter hob heute alle Bestimmungen gegen Einschleppung ansteckender Krankheiten aus den Häfen Oft- und WestpreußenS auf. Rom, 4. Januar. Eine heute erlassene Verfügung hebt die Verpflichtung zur ärztlichen Untersuchung und Desinfecüon der Schisse aus den deutschen Ostseehäfen, sowie aus den holländischen, belgischen und portugiesischen Häfen auf. Loudon, 4. Januar. Von chinesischer Seite wird behauptet, daß die Japaner unter der Kälte stark zn leiden hätten. Petersburg, 4. Januar. Die Amtsblätter veröffentlichen eine Verordnung, wodurch die Giltigkeit der Bestimmungen hinsichtlich der Verladung von ins Ausland auszuführenden Kornes und Mehls in ausländische Säcke bis zum 1. Januar 1898 verlängert wird. Sofia, 4. Januar. Die „Agence Balcanique meldet: Im Processe Gjorgjew, der unter dem Regime Stam- bulows wegen angeblicher Mitschuld an der Ermordung Beltschews verurthetlt, später aber vom Appellgericht frei* gesprochen worden war, gelangte der Untersuchungsrichter zu der Schlußfolgerung, daß Stambulow an der Ermordung Beltschews betheiligt sei. Damit war die Aufgabö des Untersuchungsrichters beendigt. Er trat vorgestern die bezüglichen Actenstücke an den Platzcomman- bauten ab, der dieselben dem Kriegsminister übermittelte. Dieser wird die Acten untersuchen laffen und wenn die Anzeichen für die Schuld Stambulows gravirend find, die Angelegenheit dem Untersuchungsrichter des Geschworenengerichts überweisen. Die Meldung, daß man Stambulow gegenwärtig verhaften wollte, ist der „Agence Balcanique" zufolge unbegründet. Die Verhaftung könnte ausschließlich das Ctvilgericht veranlassen. Depefchm bei Bure«» „Herold*. Berlin, 4. Januar. Das Staatsministerium hat heute Nachmittag in der Amtswohnung des Reichskanzlerunter Anwesenheit des Kaisers eine Sitzung abgehalten. Auf der Tagesordnung stand nach der „Post" die Berathung deS Gesetzentwurfs, betr. die Stempelsteuer. Berlin, 4. Januar. Die „Post" bezeichnet die Meldung eines Elberfelder Blattes, wonach Fürst Hohenlohe das Reichskanzleramt nur unter der Bedingung übernommen habe, daß nach Erledigung der Umsturzvorlage und des Steuer* gesetzentwurfs ein Wechsel in der Besetzung des Kanzlerpostens stattfinden solle, als unrichtig. Berlin, 4. Januar. Die „Nordd. Allgem. Zig." bezeichnet die Meldung des „Stuttg. Beob.", wonach die Reform des Militärstrafprocesses aus unbestimmte Zeit vertagt fei, als erfunden. Berlin, 4. Januar. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge beruhen alle Blättermeldungen über die Aussichten der Tabaksteuer-Vorlage auf Combinationen. Im BundeS- rathe habe eine Berathung deS Entwurfs des ReichSschatzamtS bisher nicht ftattgefunden. Berlin, 4. Januar. Die Nachricht, daß Landgerichts- director Brausewetter in Berlin für den erledigten Posten eines Landesgerichtspräsidenten in Gnesen in Aussicht genommen fei, wird der „Post" als unrichtig bezeichnet. Berlin, 4. Januar. In einer gestern Abend hier tagenden, sehr zahlreich besuchten Versammlung der Brauereiarbeiter sprach der Brauereiarbeiter Schneider über die Lage der Opfer deS Boycotts. Der Redner führte aus, daß die Brauereiatbeiter über den Verlauf der Vermittelungsverhandlungen gänzlich im Unklaren gelassen worden seien, so daß, als Singer mit Rösicke Frieden geschloffen hatte, Niemand überraschter gewesen sei, als Diejenigen, über deren Schicksal entschieden worden ist. Es gelte, nunmehr energisch Front zu machen gegen die Ausschreitungen der Arbeitgeber. Das Statut des Arbeitsnachweises sei für die Brauereiarbeiter geradezu verderblich. Hierauf ergriff der Delegirte der GewerkschastS-Commission, Millarg, das Wort, um etwa Folgendes zu erklären: Die Arbeiter Deutschland- hätten für die Brauereiarbeiter viel Geld aufgebracht und sie in jeder Weise energisch unterstützt. Die Boycottirten seien undankbar, fie oppontren ständig, nehmen aber die Arbeiter- Groschen sehr gern. Es entstand hieraus ein furchtbarer Tumult, so daß sich der Vorsitzende veranlaßt sand, die Versammlung zu schließen, um der polizeilichen Auflösung vorzubeugen. Berlin, 4. Januar. Von zuverlässiger Seite wird betätigt, Herr von Levetzow habe neuerdings wiederum die bestimmte Absicht geäußert, das Präfidtum des Reichstags niederzulegen. Von conservativer Seite ist man angelegen» lichft bemüht, Herrn von Levetzow von der Ausführung dieses Entschlusses zurückzuhalten. Berlin, 4. Januar. Die Ueberfiedelung des kaiser- lichen Hofe- vom Reuen Palais nach de« Berliner Qualitativ: Ammoniak . . Salpetrige Säure Salpetersäure . Schwefelsäure . Eisen .... Kalk .... im bubmissionßwege vergeben und darauf fünf Angebote eingelegt, welche zwischen 40000 Mk. und 16000 MI. variirten. Die Arbeit, zu welcher nach den äußersten Preis- «otirungen für etwa 7 biß 8000 Mk. Elsen nöthig ist und dir einen Zeitaufwand von 2 Jahren erfordert, wurde de« Weuigstnehmenden für 16 000 Mk. zugeschlagen. — Der Getreidemarkt. (Berichtswoche vom 27. December biß 3. Januar.) Die ersten Markttage deß neuen Jahres haben in den schleppenden Geschäftsgang der vorigen Woche größere Kauflust und etwas höhere Preise für Weizen und Roggen gebracht. In sehr beachrenßwerther Weise sind a«ch die Getreidepretse auf den amerikanischen Märkten gestiegen, worauß zu schließen ist, daß dort die Weizenvorräkhe doch bedeutend abgenommev haben wüsten. In Berlin und Leipzig wurden gehandelt: Weizen per 20 Centner 122 biß 142 Mk., Roggen 111 biß 117 Mk., Gerste 92 btß 175 Mk., Hafer 106 biß 140 Mk. ......0 ......0 . . äußerst geringe Spur . . äußerst geringe Spur ......0 ......wenig Loeates «nd ptotyitutelte* Vietze«, den 5 Januar 1895 Analyse de» Queckboruer Wassers. Die neueste Unter« suchung einer Probe deß Queüwasterß zu Queckborn (entnommen am Ueberlause deß für die neue Gießener Master- leitung angelegten Saugbrunnenß) ergab folgendes Resultat: § ReichloS (Kreis Lauterbach), 2. Januar. Der Land- wirth Johanneß Schneider hier, welcher heute Nachmittag mit dem Füttern deß vieheß beschäftigt war, wollte noch in der Scheune etwaß Stroh zum Streuen holen. Al- er daß Stroh vom Gerüst herunterwerfen wollte, glitt er auß und rutschte mit dem Stroh herunter in die Tenne. Er erlitt einen Bein- und einen Armbruch und lag längere Zeit in der Scheune, btß er von seinen Angehörigen gefunden wurde. 0. Do« BogelSberg. 2. Januar. Wie in anderen Gegenden, so liegt auch in unserem BogelSberg die Land- wirthschaft schwer darnieder und recht mühselig haben be- sonderß die kleinen und mittleren Landwirthe zu arbeiten, um nur ihre nöthigsten Außgaben bestreiten zu können. Aber nicht nur die Landwirthe haben unter diesem allgemeinen Nothstand zu leiden, sondern auch die Handwerkßleute. So hat z. B. ein tüchtiger und geschickter Maurer, et« Mann von 36 Jahren, sein Geschäft aufgegeben und am 31. December im Orte B. die Sch weine Hut übernommen. Der Verdienst auß diesem Amte besteht in 32 Stmmer» Frucht jährlich, wovon gegenwärtig die ©immer hier einen Werth von 2 Mk. 50 Pfg. repräsentiert, was also einem Jahreslohn von zusammen 80 Mk. gleichkommt. Hiervon muß derselbe seine und seiner Familie Verköstigung bestreite«. Der neue Schweinehirt des Ortes wurde noch am Sylvester- Abend in einer Wirthschaft unter Mitwirkung der Ortß- Capelle feierlickst in sein Amt eingeführt. § Aus Oberhessen, 30. December. Die verflossene« Festtage haben .die Wahrheit deß bekannten Wortes: „Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt", besonders klar vor Augen geführt. Die Geschäftsleute, deren Kunden vorwiegend den Landleuten zugehören, haben während der letzten Jahrzehnte niemals auf Weihnachten so schlechte Geschäfte gemacht, wie diesmal. Wer an dieser Thatsache zweifelt, ziehe nur Erkundigungen bei diesen Kaufleuten ein und er wird die Bestätigung des Besagten bald erfahren. Auch die Gastwirthschaften sind ein ergiebiges Beobachtungsfeld für den Wohl- oder Nothstand der Landwirthe. Nicht i« Entferntesten darf man hierbei zu glauben versucht sein, die Landwirthe seien bei besseren Verhältnissen ständige WirthS- hausbrüder. Durchaus nicht, sie gönnen sich mit Recht nur, was jede andere Berufsklasse sich gönnt, den Besuch einer Gastwirlhschaft, um in bescheidenster Weise dort ein klei« wenig Abwechselung zu finden aus dem täglichen Einerlei des ländlichen Stilllebens, zum wenigsten auf die Feiertage. Wie die Geschäftsleute, fo hatten auch die Gastwirthe eine aussallend geringe Kundschaft über die Festtage. Eß fehlt eben überall unseren Bauersleuten an Geld. Wo solle« sie es auch hernehmen? Das Getreide gilt kaum so viel, daß die Produetionßkosten gedeckt werden. Der Viehstand wurde durch das vorjährige Nothstandßjahr so verringert, daß auch hieraus wenig Erlös erzielt werden kann. Getreide- «ad Viehverkauf sind aber die Haupteinnahmrquellen der Land- wirthe. Der Erlös für Mtlch oder Butter und andere Artikel schlagen nur wenig in daS Gewicht. Nun komme« auf Weihnachten neben den ständigen Ausgaben für Kleidung, Pacht-, Holz- und GraSgeld, Steuern und Abgaben die hohe« Löhne für die Dienstboten- denn auf den dritten WeihnachtS- feiertag fallt in unserem nördlichen Oberhessen der Wechsel deß Dienstpersonals. Nicht selten sind da Löhne von 300 bis 500 Mark zu entrichten. Wo sonst um diese Zeit die einigermaßen gut gestellten Landwirthe Zinsen ia de« Sparkassen betreiben oder kleine Kapitalien einlegen konnte«, da wurden jetzt Capitalien gekündigt, um eben die hohen Löhne für die Dienstboten ausbringen zu können. Hätte« unsere Landleute ähnliche Ansprüche wie die industrielle« Arbeiter der Städte, dann würde eß bald gar vielen unmöglich werden, den schwer belasteten Wagen deß landwirth- schaftlichen Betriebeß weiter zu schieben. So aber Hilst ihnen ihre Anspruchslosigkeit und Genügsamkeit daß Fuhrwerk flott erhalten, wenn anders nicht allzu schwere Hemmnisse etnucten. Ohne Webmuth schauen unsere Landwirthe dem zur Neige gehenden Jahre 1894 nach- war eß doch für sie ein Geschwisterkind deß Nothjahreß 1893, wen» auch in anderer Hinsicht. Möge daß neue Jahr 1895 unsere« schwer geprüften Landwirthen ein recht segenßvolleß werden Dudenhofen im Rodgau, 3. Januar. Der 30jährige Landwirth Johann Ludwig Hartmann wurde gestern um die Mittagsstunde alß Leiche mit durchschossenem Kopfe im HauSgarten aufgefunden. Hartmann hatte sich mit eine« Flobertgewehre mit Spatzenschießen beschäftigt. Die Annahme, er habe sich auß Unvorsichtigkeit erschossen, erscheint um so gerechts-ntgter, als Hartmann in geordneten Verhältnissen lebte. AuS Hesse«, 3. Januar. Im vergangenen Jahre find 38 Lehrer und zwei Lehrerinnen gestorben. Der älteste der Ersteren war Lehrer Breunig zu Pfeddersheim, welcher ein Alter von 83 Jahren erreichte, der jüngste derselbe« endigte durch Selbstmord in einem Alter von 22 Jahre«. 68 war dies der Schulverwalter Rubel auß Löhrbach. R. H. S» Schlosse erfolgt voraussichtlich f* den letzten Tagen der I nächsten Woche. Berlin, 4. Januar. Wie die ^Natioualzeitung" hört, | ist der Gesetzentwurf gegen den unlautere« Wett- I bewerb außgearbeitet und dürfte in Kurzem weiteren Kreise« I zur Beurtheilung unterbreitet werden. Berlin, 4. Januar. Dem Bund e srathe ist heute, I wie die „Kreuzzeitung" hört, die letzte der noch fehlenden I Denkschriften über die deutschen Schutzgebiete — ^iejentfle I über daß Togogebiet — zugegangen Wie dasselbe Blatt I weiter vernimmt, wird sich der BundeSrath in einer,^mer I nächsten Sitzungen mit einem Gesetzentwurf sür Elsaß-Loth- I r.ngen beschäftigen, der die dortige Gebäudesteuer be« I treffen soll. Berlin, 4. Januar. Der Entwurf von Ausnahme- I beftlmmungen über die Sonntagsruhe für diel Industrie wird, nachdem er die zweite Lesung tn dem zuständigen Ausschuß passirt hat, an welchen-er verwiesen worden war, demnächst daß Plenum deß Bundeßraths beschäftigen. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge dürfte bei dieser Gelegen- I beit bann auch die Festsetzung des Termins stattfinden, zu I welchem die Sonntagsruhe für die Industrie gesetzliche Kraft I "^ Berlin, 4. Januar. Die .Berliner Korrespondenz" sagt I zu der Mittheilung der .Volkszeitung" vom 12. December I vorigen Jahres, wonach das KttegSministerium beabsichtige, I das Feuerwerkslaboratorium tu Spandau künftig nur noch I olß Versuchsstelle weiter bestehen zu lassen und daß Schwer- I gewicht der dort betriebenen Fabrikation in das neuerbaute I Feuerwerkslaboratorium in Siegburg zu übertragen: diese I Meldung treffe bezüglich der Außdkhnung der in Aussicht I genommenen Verschiebung nicht zu. Richtig sei, daß die sehr I gedrängte Maschinenausstellung in dem Spandauer Labora- I torlum Anlaß zu Bemängelungen gegeben habe. Infolge- j dessen fänden Erwägungen statt, in welchem Umfange 1 Acbeitsmaschinen nach Stegburg zu übertragen sein würden. I Die Absicht, das Laboratorium in Spandau nur noch als I Versuchsstelle beizubehalten, bestehe nicht. Frankfurt a. M., 4. Januar. Nach langjähriger Krank- | heit verstarb hier gestern Nacht im Alter von 67 Jahren der | Großindustrielle und Mitbegründer der weltbekannten Höchster | Farbwerke Wilhelm Meister. München, 4. Januar. Heute Nachmittag fand im I .Kreuzbräu" eine Versammlung von Arbeitslos en | statt, die sehr stark besucht war. Referent Socialdemokrat I Maurer sprach sehr eingehend über die bestehende Arbeite | losigkeit und betonte, daß namentlich durch die fortschreitende I Entwickelung der Maschinentechnik jährlich Tausende von Ar- I beitem brodloS würden. Redner befürwortete die Einführung I des Normal - Arbeitstages, wie er bereits in England bestehe. I Budapest, 4. Januar. Wekerle erklärte, daß er die CabinetSbildung des Grafen Khuen Hedervarh mit Leib und Seele unterstützen werde, falls derselbe bereit sei, das Programm der liberalen Partei zu dem {einigen zu machen. Im Uebrlgen ist die innerpolitische Situation wieder ungünstiger. AlleVersuche, eine Vereinigung auf der 1867er AußgleichSbasis herbeizuführen, sind vollständig gescheitert. Nom, 4. Januar. Aus der herzlichen Unterredung deS Papstes mit dem Grasen Lobanoff schließt man, daß der Papst nicht mißmuthig sei, obschon in dem Schreiben des Czaren an den Papst von der Vereinigung der beiden Kirchen nicht die Rede gewesen ist. Personen aus der Um« | gebnng des PapsteS versichern, daß Leo XIII. bei verschiedenen Gelegenheiten sich dahin geäußert habe, daß er niemals an ein sofortiges Resultat seiner Unternehmungen geglaubt habe und daß sein Nachfolger dasselbe zu Ende führen werde. Der Fürst Lobanoff sei besonders Gegenstand der Aufmerksamkeit des päpstlichen Hofes geworden. Rom, 4. Januar. In hohen vaticanischen Kreisen wird versichert, der Papst habe seine große Zufriedenheit über die Mission deS Grafen Lobanoff geäußert. Der Fürst habe seiner Zeit dem Papst bestätigt, daß dessen Encyclika an die polnischen Bischöfe in Rußland einen guten Eindruck gemacht habe. Brüssel, 4. Januar. Wegen der demnächst zu erfolgenden Creditsorderung von 10 Millionen Francs für das Kongo» Unternehmen veröffentlicht die officielle Presse zahlreiche Artikel, in welchen eine definitive Annectirung deS Kongos befürwortet wird. Die radicale Presse kündigt dagegen eine energische Opposition gegen diese Kreditbewilligung an. Paris, 4. Januar. Der SüdbahnScandal nimmt größere Ausdehnungen an. Die Verhaftung eines in dieser Angelegenheit compromittirten Senators steht bevor. — Gestern wurden zahlreiche Haussuchungen bet politischen Persönlichkeiten vorgenommen. Madrid, 4. Januar. AuS allen Theilen deS Landes werden starke Schneefälle gemeldet- die Elsenbahuzüge haben große Verspätungen. Loudon, 4. Januar. AuS Tanger wird gemeldet, daß heute In Kasablanca der Mörder Abd Elkadar, welcher den Deutschen Neumann getöbtet hatte, hingcrichtet worden sei. Der Execution wohnte der deutsche Vice- eonsul bei. Quantitativ: 1 Liter enthält: Rückstand.......- • • • ' 0“? ©lütjotrluft (inet. S°hl--ILur- der L-rb-xate) 0,055 Berbrauch an 6bamä(rtr nun treten w plächtign halzmvst ^'-4 Landgrasen PH «ir iunstvolleu Vai H t-r N (l ulte thinuiia । "° m«, 4 «««Ml N er|ig tm hattr, i, httdi, Qir J« d« attMidn Lu Ä w »i 8,11 1675* ft1 a >.. ,,n ^inenvork ÄS • Schlosse- sicher j -»< N??1' Hl u**^«*« 11 rÄ- ,ieb,ief btt £ ** 77 heute 3M, l0t tooQtt utn holen. Tlz »«Die, gif» „ 16,1 ttnrii. 4, «eflMtt * 11 «tau «S Mart, Mli hab,« 6t. “fr i“ «beiten, CCUen zu (önntn. itex bieftm aQge« k Handwelksleuie. fter Maurer, eli lsgegeben unb a« Hut übernommen, in 32 Simmern '•mmtr hier einen mas also einem blommt. hiervon l'MMtz beeilten, nod) am Sylvester« otifung der OrU- Die verflossenen ten Worte-: ,hat t", belonber- klar bereu Kunden vor« währrnb ber letzten i schlechte Geichäste : Tatsache zweiselt, teufen ein unb er Ib erfahren. Such S Beobachtungsfeld bmirthe. Nicht t« a versucht. 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Und vergebens ist ter Ausruf nicht erlassen worden. Eine äußerst reichhaltig beschickte Ausstellung im Gartensaale des „Hessischen Hofes" ist das Resultat anerkennenSwerther Bemühungen und lobens« werthester Bestrebungen. In verschicdensachen Gruppirungen treten uns Kunst und Industrie vergangener Tage vor die Augen. Die stummen Zeugen verflossener Perioden lassen uns einen tiefen Blick thun in daS Leben und Treiben unserer Vorsahren- und je mehr wir unS mit ihnen beschäftigen, um so mehr wissen sie »nS zu berichten von den Geschehnissen, von dem Fletße, von dem Kunstsinn unserer Altvordern. Viel zu weit würde es unS führen, wollten wir alle die Dinge, welche die Ausstellung birgt, nennen und be« schreiben. Nein, wir laden die Leser dieses Blattes nur zu einem kurzen Gange durch den mit Alterthümern reichlichft geschmückten Saal ein. Gleich rechts von dem Eingänge befinden sich die Zunftladen der Bäcker, Gerber und Schneider sammt Zunfibüchern wob Gesellenbriefen. Der älteste Zunftbrief aus 1406 möge besondere Erwähnung finden. Verschiedene Formen für das Bedrucken von Kattunen erinnern uns daran, daß die Innung der Färber sich einstens großer Bedeutung in unserem Siädtchen erfreute. Alte Zunfrschttder gemahnen uns an die Zunfkhäuser und an die strengen Regeln, die die Mitglieder einer Gilde an einander fesselte. Ganz sicher wurde neben dem ehrsamen Handwerke dort auch die urdeutsche Gemüth- lichkeir gepflegt, und die ehrwürdigen Fackelhalter mögen hin unb wieder gewiß herabgeschaut haben auf der frohen Jugend ausgelassenes Treiben. Doch nun weiter. Schöne, mit Malereien und Moscttk- »rbeiten geschmückte Truhen aus den Jahren 1707 und 1771 erinnern uns an den Kunstsinn unserer Vorfahren, ein aus dem Jahre 1555 stammendes Hemd ganz gewiß an die Dauerhaftigkeit und Unverwüstlichkeit früheren Leinengewebes. Von diesen friedlichen Bildern führen uns die mannigfachen Waffen, Feuerschloßgewehre, aufgebogene Sensen, Säbel, Pistolen rc. zu den Tagen des Kampfes, die freilich damals nicht so furchtbar gewesen sein mögen als diejenigen des modernen Krieges. — Nun folgen alte Bilder, Andachtsbücher, Abendmahlsgefäße, eine Bibel Zwinglis von 1531 rc. und eine äußerst interessante Sammlung römischer, altdeutscher nicht allzuspärlich bedacht worden sind. Doch nun fällt unser Blick auf ein Zifferblatt aus dem Jahre 1628. Es kündigte den Bewohnern des ehemaligen Schlosses Philippseck bei Münster (Kreis Friedberg) in welcher Tageszeit man lebte. — Heute können wir kaum «och die Spur entdecken, wo jener stolze Bau gestanden, i $iae einzige Säule, die auch einen Platz in der Ausstellung - zesunden hat, ist noch der traurige Rest einstiger Herrlichkeit. — Urkunden, Bilder und Beschreibungen belehren uns über Las Ehemals unseres lieben Vaterstädtchens. Wir betrachten such die riesigen Anisformen sammt den verführerischen Ge- bäckeu, ferner die langen Rathsherrnstöcke und die Stockdegeu, das hübsche Schmuckkästchen, worauf die Pagode eines Pre- j bigerö sich befindet, die römischen Alterrhümer und diejenigen j vorgeschichtlicher Zeit, die alten Handschriften, worunter ein Ladebrief der Butzbacher Schützen an die Homburger auS dem Jahre 1633 befindet, die herrlichen Uhren, Broschen, Ohrringe, Schmuckkästchen, Brautsträuße rc. in tem einen Glaskasten und endlich in dem anderen die Silber« schätze (Zuckerdosen, Kelch aus der israelitischen Gemeinde, Schälchen, Thurm, Löffel u. s. w.) und vor allem die Gegenstände aus Meißener Porzellan, die werthoolle prächtige Terrine, Teller, Täßchen, sowie das auS brauner Masse be« stehende Service, weiches ein russischer General einer hiesigen Familie während der Zeit der Befreiungskriege spendete. Krucifixe, Sargkronen, Rauchutensilien rufen ebenfalls unser Interesse hervor. Diese kurze Uebersicht, welche keinen Anspruch auf Voll« ständigkeit macht, möge einmal unfern Lesern nur einigermaßen den Beweis erbringen von der Reichhaltigkeit der Butzbacher Alterthümeraussiellung, die leider am Sonntag den 6. d. M., Abends wieder geschloffen wird. W. Bote. vermischtes. * Frankfurt a. M., 1. Januar. DaS wüste Treiben der Neujahrs nacht auf der Zeil, Schießen, Schreien, E'ntreiben und Entreißen der Hüte, Wegnahme der Regenschirme u. dgl., war diesmal so arg, daß die Polizei sich schließlich entschloß, durch die zahlreich vorhandenen Schutz- mannschasten die Zeil räumen zu lassen, was kurz nach 1 Uhr geschah. Ein Manu, der das Wegnehmeu von Schirmen gewerbsmäßig betrieb, wurde verhaftet- wegen Körperverletzung wurden drei Individuen verhaftet. Viele Personen wurden (wegen Unfug, Lärm, Schießen u. dgl.) fiftirt, nach Feststellung ihrer Personalien aber wieder freigelassen. Durch Schießen sind mehrere Unglücksfälle vorgekommen, aber keine schweren. Um 21/* Uhr wurde die Feuerwehr nach der Preungesheimer Straße gerufen, es handelte sich aber nur um einen Kalkbrand in einem Neubau, der mit einem Eimer Wasser gelöscht wurde. * Frankfurt a. M., 3. Januar. Die Untersuchungsacten über den Hau sein stürz, welcher noch jetzt unsere Stadt in Aufregung hält, tragen das Rubrum: „In der Strafsache gegen Aron Hertz und drei Genossen wegen fahrlässiger Tödttmg." Mehrere Zeugen sind heute von dem Untersuchungsrichter vernommen worden. * Berlin, 4. Januar. Heute früh wurden im Hause Gartenstraße 52 eine Wittwe erhängt, ihre beiden Kinder vergiftet vorgefunden. * Spanbau, 2. Januar. Am Shlvesterabend vergiftete hier ber Arbeiter Heppner seine zwei Kinder und sich selbst mittels Cyankali. Als die Ehefrau, die zu Verwandten gegangen war, ihre Wohnung wieder betrat, fand sie alle drei leblos vor. Ein Arzt eonstatirte den bereits eingetretenen Tod bei dem Manne und dem fünfjährigen Mädchen, das andere K nd, ein siebenjähriger Knabe, konnte wieder ins Leben zurückgerufen und wird wahrscheinlich ge« rettet werden. DaS Motiv der That war Noth infolge längerer Arbeitslosigkeit. • _______________________ * Der ehemalige Reichstagsabgeordnete Hans Leuß wird, wie man dem „L. A." aus Hannover meldet, seine Strafe in Lüneburg in dem dortigen Zuchthause abbüßen und als Arbeiter in den Kalkbergen beschäftigt werden. Da nach Lage der Sache von irgend einem Recurs gegen das ergangene Urtheil nicht gut die Rede sein kann, so dürfte die Abführung des Verurtheilten demnächst erfolgen. * Aus der Provinz Hannover, 1. Januar. Einem bedauerlichen Versehen ist der Capellmeister Eckhardt zu Osnabrück zum Opfer gefallen. In der Absicht, in der Nacht Hoffmannstropsen zu nehmen, vergriff E. sich und trank einen kräftigen Zug aus einer mit roher Carbolsäure gefüllten Flasche. Als die Frau des CapellmeisterS aus der Küche kam, um ihrem Manne für die Tropfen ein Glas Wasser zu bringen, war dieser dem Tode bereits nahe, der ihn auch nach kurzer Zeit von seinen qualvollen Leiden erlöste. * Ei« Raubmord wurde am heiligen Abend in der Nähe von Raribor verübt. Auf der Chaussee zwischen dem Ausflugsorte Domshöh und ber Stadt wurde ein Kutscher der Speditionsfirma Cohn, der mit einem beladenen Fruchtwagen von Kätscher zurückkehrte, ermordet. Die Leiche blieb auf dem Wagensitz. Die Pferde langten in der siebenten Stunde mit dem Wagen in Ratibor an unb blieben, schweiß- bedeckt und abgetrieben, auf der Straße stehen. Man hielt zunächst den unbeweglich sitzenden Kutscher für betrunken. Der Wagen wurde deßhalb von einem fremden Kutscher nach dem Grundstück der Speditionsfirma und schließlich zum Krankenhause gelenkt, wo ärztlicherseits der Tod des Kutschers festgestellt wurde. Die Leiche wies am Kopfe schwere Verletzungen, die anscheinend von einem Schlagwerkzeuge herrühren, und Stichwunden auf. Auf der Chaussee zwischen Domshöh unb der Stadt wurde neben einer Blutlache die Peitsche des Ermordeten gefunden. Es liegt ein Raubmord vor - dem Ermordeten wurden nach den bisherigen Ermittelungen etwa 35 Mk. abgenommen. Der Ermordete hieß Peter Jaschalik, stand im 28. Lebensjahre und hinterläßt eine Frau und drei Kinder- die Frau sieht ihrer Entbindung entgegen. Bei der Beraubung der Leiche scheint der Mörder gestört worden zu sein, denn er ließ die silberne Uhr des Ermordeten in der Tasche zurück. * Auszeichnung. Dem wissenschaftlichen Schriftsteller Prof. L. Barthels in Bonn, der einen in Fachgelehrten- Kreisen bekannten Namen hat, wurde von der Kunst-Gewerbe- und Industrie - Ausstellung zu Neapel für ein speciell für i Techniker, Ingenieure und Kunstgewerbetreibende verfaßtes mathematisches Lehrbuch ein „Anerkennungs - Diplom" nebst ber „goldenen Medaille" zuerkannt. * Aachen, 3. Januer. Am Adalbertsteinweg ist heute früh ein dreistöckiger Neubau eingestürzt. Personen find nicht verunglückt. * Leipzig, 1. Januar. Wie rasch und erfolgreich sich « Institute bewähren, die einem wirklichen Bedürfniß ent- > sprechen, davon liefert bie vor einigen Jahren gegründete Stelle« - Vermittelung des Allgemeinen Deutsche« Lehreriunen-Vereins, dessen Vorsitz Helene Lange führt, einen Beweis. Die Stellen-Vermittelung, deren Centralburean sich in Leipzig, Pfaffmdorfer Straße 17, befindet, hat im verflossenen Jahre über 400 Stellen besetzt. Al- besonderer Erfolg wird bezeichnet, daß nicht allein viele Familien sich um Privatlehrerinnen, sondern auch viele Magistrate unb Behörden um tüchtige Kräfte an das Centralbureau wende«. Der Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein arbeitet mit den Vereinen Deutscher Lehrerinnen im Auslands. * Lübeck, 4. Januar. Ein starker Nordostwind trieb das Oftseewasser die Trave auswärts. Die Bewohner wurden auf ein Hochwasser durch Kanonenschüsse aufmerksam gemacht. * Leipzig, 4. Januar. Im Union-Hotel erschoß bet 25 Jahre alte Kaufmann Wigand aus Halle sich unb eine junge unbekannte Dame. * Laut einem Dermächlniß sollen die Zinsen vo« 10000 Mark alljährlich an drei Söhne Leipziger Hand- werkermeister vergeben werden, die zur Erlernung eine« Handwerks und tüchtiger Ausbildung bie städtische Gewerbeschule besuchen wollen. Nach der vor Kurzem erfolgten Ausschreibung hat sich nicht ein Bewerber gemeldet, sodaß der 3tnfenhetrag für 1895 zurückgestellt werden muß! * München, 4. Januar. Aus der Kunstausstellung find zwei kleine Landschaften Bürgels gestohlen. Schiffsnachvichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 2. Januar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hohenzollern, Capttän R chter, vom Nordd Lloyd in Bremen, ist am 3l.December 1894, 10 Uhr Abends, wohlbehalten in Newyork angekommen. Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Line" in Anl- wetpen ist laut Telegramm am 1. Januar wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, £anO< unö Volkswirthschaft. ©testet, 5. Januar. Marktbericht Aut dem heutigen Wochenurarkt kostete: Butter pr Pfd. X 0.75-0,85, Hühnereir' vr. Stück 7—9 A> 2 Stück — A. Käse pr. Et. 4—8 A, Jtilfemdle pr- 6t 8 A, Erbsen vr. Mer 16 A, Linsen pr. Mer 28 A, Taubes pr. Baar 0,70 -0,90, Hübner pr. Stück * 0 85 -1 00, Hahnen pr. ®t. A 0,70 -1 20, Enten pr. St. jl 1,40-1 80 Gävs> pr.Pfd. 55-65 schienst. pr.M». 74- 78 H,Kuh-u Rindfl pr.Pfd. 66-70 H, Schweinefleisch pr. Md. 66-76 A, KoLsteisch pr. Pfd 60 66 S, Hammel, stets b pr. Pfd. 60—70 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,60—5,00 Jt, Weißkraut pr Stück---A, Zwiebeln pr- (Keitiner 3,00—3,50 M ich pr. Liter 16 20 A, Enteneier 2 <5t — A, Gänseeier — A- Jtassug aus den Standesamtseegisteim der Stadt Sieben. Sufgedote» December: 29. Johs. Heß, Gärtner dahier, mit Marie Merz von Dirlammen. Januar: 2 Bernhard Baumann, Hütt, nar bettet zu Burasolms, mit Juliane Müller, D'enstmagd dahier. 2. Heinrich Kabl, Schreiner dahier, mit Juliane Elisabtthe Nassauer bierselbft. 2. Julius Max Retzloff, Kaufmann zu Hamburg, mit Emilie Mathilde Marie Dietz, geb. Block, Wittwe des Arztes Dr. Jobann Heinrich Christian Carl Dietz dahier. 2. Conrad Sauer, Taglöhner dahier, mit Maria Anna Becker, geb. Scherer, Wittwe des Taglöhners Peter Becker II. hierselbst. 2. Richard Maria Emil Bornmeit, Buchdruckerei- besttzer dahier, mit nna Maria Rosine Netzel zu Frankfurt a. M. 3. Johann Karl Dö'flein, Taglöhner zu Groß-Steinheim, mit Elisabethe Bastian, Köchin dahier. «desevltebnnqen. Januar: 4. Joseph Schumann, Fuhrmann dahier, mit Anna Elisabeths Johanna Zahrt hierselbst. OebortttC« December: 24. Dem Hilfsheizer bei den Oberhesstschen Eisenbahnen Ludwig Aff eine Tochter. 25. Dem Bremser bei der Main- Weser-Babn Balthaser Dapper eine Tochter. 25. Dem Feldwebel Wilhelm Thönges eine Tochter, Emma Margarethe. 28. Dem Wteseu- wärter Wilhelm Bellof III. eine Tochter, Elisa. 30. Dem Taglöhner Peter Jakob ein Sohn, Friedrich Peter Ferdinand. Januar: 1. Dem Bäckermeister Wilhelm Slößinger ein todtgeborenes Kind weiblichen Geschlechts. Gestorbene. December: 29. Marie Mattbei, geb. Franz, 69 Jahre alt, dahier, Wittwe von Güter-Expedient Carl Matthei. 29 Lina Bormuth, 23 Jahre alt, Tochter deS Lebrers Konrad Bormuth zu Schwalheim, Kreis Friedberg. 30. Auguste Haas, geb. Müller, 46 Jahre alt, Ehefrau von Hüttenarbeiter Ferdinand Haas II. zu Ntester-Möhreu- dorf. 30. Wilhelm Müller, Wagner, 21 Jahre alt, Sohn von Wagner Georg Müller III. zu Saasen. 31. Margarethe Greb, 9 Monate alt, Tochter von Taglobner Johannes Greb dahier. Januar: 1. Heinrich Philipp Z'pp, 37 Jahre alt, Restaurateur dahier. 4. Richard F.lkeneyer, 31 Jabre alt, Kürschner von Kraukehmm. 4. Philipp Hardt, 65 Jahre alt, von Weilmünster bei W ilburg. Auszug aus -en Kird?enX>üd?ern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. »etaufU. Matthäus gemeinde. Den 30. December.. Dem Bahnarbetter Karl Nslte ein Gtfr, Karl, geboren den 5. December. Den 4. Januar. Eine uneheliche Tochter, Katharine, gebot« den 30. November. Markusgemetnde. Den 1. Januar. Dem Fuhrunternehmer Heinrich Herzberger eine Tochter, Mathilde Emilie Katharine Rosa, geboren den ^.November. Denselben. Dem Taglöhner Justus Wenzel eine Tochter, Lina Katharine Anna, geboren den 3. December. Denselben. Dem Oeconom Wilhelm Lindenstruth etve.Tochter, Susanne Wilhelmine, geboren den 28. November. Lnkasgemeind e. Den 30. December. Dem Schlöffet Christian Schneko ei« Sohn, Karl Christian, geboren den 19. November. veerbiare. Matthäusgemelnde. Den 3. Januar. Heinrich Zipp, Gastwirth, 38 Iahte att, gestorben den 1. Januar. Markusgemeinde. Den 30. December. Ernst Euler, Schreiber, 51 Iahte attr gestorben den 27. December. Lnkasgemeind e. De» 1. Januar. Maria Matthei, a-b. Fraxz, Wittwe btf Güterexpedienten Karl Matthei zu Cassrl, 69 Jahre alt, starb den 29. December. Leiden hiermit Hch. Rübsamen anzeige. [335 Gießen, 5. Januar 1895. Zeugnisse besitzt, ft del in gut eingesühr^ 337 W Leyerer. 314 T anz-Unterricht 350] DaS von Herrn Regte ungSrath i Ä S Jost bewohnte Logts, 5 Zimmer nebst! UL UM X 9 strahe Nr. 6. 313 Hör n 362 t^iSler, Hamburg. 129 Tücht. Mödeischreiner verkaufen, Kislhe Kre-Pel 356 täglich bei 355 331 Näheres Kreuzplatz 4, II. 315] SeiterSweq 21. Frankfurter Börse vom 3. Januar 1895. 104.85 4,/»°/o Oesterr. 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