t ikrönt Welt- un9 Chicago“, flit)fe> Ser.m< "uterrch WO-, HD KT W N» 46m,. Lyias ZNZ ^■'Glessen, ’alfeohaedluog, Ä.1 K'i «-Essenz in Dosen. it bester und au er Kaffeezusatz rsll vorrätöig. BOü/^ wird gteinil ichungen. ^tx non hnm hac> , mdntm Hause, fllui vhnie Logis, bestehend r ) 2 Mansarden nebst i nlt oder ohne Pserdeft!- nbt und ©artenantk oder thetlweise zu w rubmisea Famtl!enlogiS(3ZtÄ m ersten Stock, Schulsn ■t iu omMtrv !k ffrpeh- b- Sl' Berscßung btS hem Roth tst der brüh und.KubehSr, fiton!- , per sosort oder ersten orrmichrn. ^nsaxdeniogisiwhinla M^rvdwWatz! «55®?W; UTImernmit attm ronelben. Oatfl wr®i ■üSfe *Ä5 Nr. 234 Der chirhener Anzeiger aldjtint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener MamiktenVtLtter werden Kem Anzeiger «Schentlich dreimal brigelrgt. Samstag den 5. October i8Ml Meßener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. vierteljähriger ASonnementsprets» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Aedaction, Expedition und Druckerei: Kchulstrahe Wr.7. Fernsprecher 51. Amts» und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren. chi-ß-„-r Iamm.»UAt-r. Aintlichr* Theil. Gießen, 2. October 1895 Betr.: Die Einziehung der Beiträge für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Dar Srvßherzogliche Kreisamt Gietzev an die mit Erhebung der Beiträge betrauten Stellen der Landgemeinden des Kreises. Wir erinnern die Rückständigen von Ihnen an Erledigung unseres Ausschreibens vom 13. August l. Js. — Gießener Anzeiger Nr. 190 — mit Frist von 8 Tagen. v. Gagern. Gießen, 3. October 1895. Betr.: Wahl eines Vertrauensmanns der Müllerei-Berufs« Genossenschaft Section XL Sei Grotzherzogliche Kreisamt Gießen M Vie Nrotzh. Bürgermeister eie« des «reifes. Wir benachrichtigen Sie hiermit, daß sür den Bezirk reS Kreises Gießen Herr Mühlenbesitzer Heiur. Cour. Zimmer in Grün berg als Vertrauensmann der rubr. Berufs- Genossenschaft und Herr Mühlenbesitzer Daniel Christ in Lollar als dessen Ersatzmann für die Zeit vom 1. October dS. IS. bis dahin 1897 gewählt worden sind und daß der Geschäftsführer der rubr. BerufSgenoflenschast Herr Bal. Feld- »ann in Frankfurt a. M., Taunusstraße 25, als Beauftragter gemäß deS § 82 des Unfall VerficherunqS-GesetzeS vom 6. Juli 1884 für den Bezirk der Section XI. bestellt worden ist. v. Gagern. Bekanntmachung. betr. die Einreichung der Einkommen- und Capital- rent ensteuer-Erklärung en für 1896/97. Den mit Abgabe der vorerwähnten Erklärungen noch rückständigen Steuerpflichtigen der Stadt Gießen wird die Frist bis zum 30. l. Mts. verlängert. Gießen, den 4. October 1895. Großh. Steuercommissariat Gießen. Bähr. Ueuefte Hadert Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin. 3. October. Der Kaiser hat den Admiral Knorr zum Mitglied der LandeSvertheidiguugS.Commission berufen. Berliu. 3. October. Der „Post" zufolge ist als Termin für die Verhandlung gegen den Assessor Wehlau vorder Disciplinarkammer in Potsdam der 26. November angesetzt. Berliu, 3. October. In der heutigen Stadtverordneten- fitzung wurde dem Profesior Menzel einstimmig daS Ehrenbürgerrecht von Berlin verliehen. Kiel, 3. October. Die Viehdurchfuhr durch den Kaiser-Wilhelm-Canal ist unter folgenden Bedingungen gestattet: Thierische Abfallstoffe dürfen während der Fahrt nicht entfernt, insbesondere nicht in das Canalwasser geworfen werden. Die mit der Wartung oder Verpflegung der Thiere beschäftigten Personen dürfen während der Fahrt das Land nicht betreten. Ein Angestellter muß jedes Schiff während der Fahrt durch den Canal auf Kosten des Schiffers begleiten. Dresden, 3. October. Der Minister des Königlichen Hauses, Staatsminister a. D. v. Nostiz- Wallw itz, wurde auf Ansuchen von der Leitung deS Ministeriums deS Königlichen Hauses entbunden. An seine Stelle tritt der Staatsminister sür Cultus und öffentlichen Unterricht, v. Seydewitz. Leipzig, 3. October. Der verantwortliche Redacteur der „Leipziger Volkszeitung", Richard Jllge, wurde heute, wie das „Leipziger Tageblatt" meldet, vom hiesigen Landgericht wegen Beleidigung Sr. Majestät des deutschen Kaisers, begangen durch eine Kritik der kaiserlichen Rede vom 2. September, zu fünf Monaten Gefänguiß verurtheilt. Leipzig. 3. October. Die Deutsche morgenländische Gesellschaft empfing heute zu ihrer JubiläumS- versammlung ein Glückwunschtelegramm des preußischen CulruS- Ministers. Als Ort der nächstjährigen Generalversammlung wurde dem „Leipz. Tagebl." zufolge Jena gewählt. Zwickau, 3. October. In der zweiten Hauptversammlung des evangelischen Bundes hielt Profeffor Dr. AcheliS - Marburg den Hauptvortrag über: Der Pro- testantismus und die Kirche. Nach Annahme einer Resolution, die sich „cdt unsere evangelischen Volksgenossen" richtet, zur socialen Frage Stellung nimmt und sich gegen die Ansprüche deS Papstes über die Weltherrschaft und gegen daS Rundschreiben LeoS XIII. über das Rosenkranzgebet wendet, schloß die8. Generalversammlung. Die nächste soll in Darmstadt abgehalten werden. Straßburg, 3. October. Dte „Straßb. Post" meldet: Nach dem nunmehr feststehenden Programm trifft daS Kaiserpaar am Nachmittag deS 15. October auf Schloß Urville bei Courcelles ein, wird dort bis zum Morgen des 18. October verweilen und sodann mittelst SonderzugS dtrect bis W ö r t h fahren, wo dte Ankunft um 11 Uhr 40 Min. erfolgt. Nachmittags 4 Uhr fährt das Kaiserpaar nach Straßburg weiter, woselbst es gegen 5 Uhr erwartet wird. ES verläßt Straßburg wieder am 19. October Nachmittags kurz nach 5 Uhr. Kaiser und Kaiserin nehmen im kaiser- lichen Palast Absteigquartier; daselbst wird auch Prinz Heinrich wohnen. Dte Kaiserin Friedrich wird im Statthalter- palais wohnen. Seitens der Etsenbahnverwaltung sind zur Bewältigung des Verkehrs nach Wörth Sonderzüge geplant. Die zur Denkmalsenthüllung commandirten Truppen werden schon am Tage vor der Feier in der Umgebung von Wörth Quartier nehmen. Rom, 3. October. Dte „Rtforma" bezeichnet dte Blättermeldung, esset die Entsendung neuer Truppen nach Afrika beabsichtigt, für unbegründet und erklärt, General Baratieri sei jeder Eventualität gewachsen. Brüssel, 3. October. Der VölkerrechtScong reß nahm einstimmig einen Antrag an, der eine internationale Uebereinkunft als die einzig zweckmäßige Lösung der Streitfälle in Sachen der Schiffszusammenstöße bezeichnet. Sodann nahm der Congreß mit 18 gegen 2 Stimmen einen Antrag an, der sich dafür ausspricht, daß dte Gesetzgebung eine Bestimmung enthalte, durch die dem Richter gestattet werde, im Falle eines Verschuldens dte Bezahlung des von den collidirten Schiffen erlittenen GesammtschadenS im Ver- hältniß zur Schwere des begangenen Verschuldens dem Schuldigen aufzuerlegen. Paris, 3. October. Der vom KrtegSminister verlangte neue Credit von 11/2 Millionen FrcS. wurde größten- theils zur Verbefferung des Lebelgewehrs bestimmt. Dte Verbesserung besteht in einem kleinen Apparat, wodurch die Schnelligkeit, Sicherheit und Durchschlagskraft deS Schusses erhöht wird. In der Budgetcommisfion wurde Feuilleton. Strlls. Skitie von V. Buchwald. (Fortsetzung.) Am Rande der sammetgrünen, üppigen Wiesen stand eine Schneeballenhecke. Dte Blüthen nickten und grüßten dem besonnten Hügelland zu und ließen ihre Seelen in Wohlgerüchen auSftrömen. ES war ein herrlicher, dustschwüler Maientag. Dte Last war mit Blüthenodem angefüllt und etwas Ueberschwäng- ücheS, Sinnverwirrendes auf allem Lebenden, daS sich in dieser Zauberpracht entfaltete, dehnte und vertausendfältigte. Stella sah dieses Leben, Blühen und Lieben nicht. Sie dachte nach, ernsthaft, grübelnd mitten unter der lachenden, eleganten Schaar ihrer Bewunderer. Sie war überhaupt seit einigen Tagen stiller als sonst und Graf Leo verstand sie jetzt nicht recht. Er ging neben ihr die lachenden Wiesen entlang, gerade auf die Schneeballen- Hecke zu. „Woran denken Sie, adorata?“ fragt er und neigt sich zu ihr nieder. Ihr rother Sonnenschirm beschattet sie beide. „An mich?" Er fragt es in dem Tone eines Mannes, der weiß, daß ihm viel gestattet ist. Zum ersten Male befremdet sie dieser Ton, mißfällt er ihr und sie sieht zu ihm auf, groß, fragend. Sein schönes, keckes Gesicht lacht ihr entgegen — sie kann ihm nicht zürnen. Sie gehen weiter, manchmal ein heiteres Wort der folgenden Gesellschaft zuwerfend, im Uebrigen sehr mit sich selbst beschäftigt. Jetzt stehen sie vor der Schneeballenhecke. Dte weißen Blüthendolden fallen zum Theil auf daS graue Haupt eines dien Mannes. Sein faltiges Gesicht nimmt sich wie ein Anachronismus in dem allgemeinen Weltblühen aus, aber in feinen Augen liegt dte Sonne. Das waren kleine, Helle, blaue Augen, dte nach drei Menschenaltern noch nicht verlernt hatten, sich am Blühen und Treiben des Weltfrühlings zu freuen — richtige Großvateraugen. Und vor dem Alten stand solch ein Ableger süßesten WeltfrühlingS, ein Senker grünen Holzes — in zerlumpten Höschen, bloßen Füßchen, einem Gesichtchen so rund und rosig wie ein Apfel und den reizendsten Schelmengrübchen in den Wangen. Die beiden bemerkten die elegante Gesellschaft nicht, die sich ihnen näherte, zu sehr mit ihren Studien beschäftigt. Der Alte hatte die Sichel, mit welcher er schon einen Haufen duftenden Grases niedergemäht, neben sich liegen und den kleinen Wicht am Händchen haltend, sagte er in dem Dialect jener Gegend: //Jetzt sagst mir die Gebote, Jacoble, denn wenn de se nicht kannst, schilt morgen der Lehrer." Eine Vorbereitungsschule im besten Sinne des Wortes. Aber das Jacoble schien keine rechte Lust zum Lernen zu haben. „Welches habt Ihr gestern durchgenommen?" fragte der Großvater von Neuem. „DaS sechste," war die Antwort. „Wie heißt daS?" „Du sollst nicht ehebrechen." „WaS ist daS?" Aber Stella wartete die Erklärung der Kinderlippen nicht ab — sie eilte, weiterzukommen. Die Sonne strahlt wie eine Königin und immer blühender, duftiger scheint dte Welt. Unsicher, fragend steht die schöne Frau zum Himmel empor, als wolle ste einen Blick hinein- thun — in die ewige Klarheit. Aber ste entdeckt weiter nichts, als die dünne, farblose Sichel des zunehmenden Mondes. Ste erscheint ihr erbärmlich in ihrer faden Glanzlosigkeit. Aber andererseits — wie viel unzählige Nächte verklärte ihr matter, durchgeistigter Schein und schuf sie zum lieben Freunde des Menschen! Wie viel mächtiger war sie daher trotz ihres sanften Schimmers als die königliche Sonne, die die Nacht ihres Herzens nicht zu erhellen vermochte. ES war so finster um sie her, so finster! Ihre Brauen zogen sich zusammen und ihre Brust hob und senkte sich stürmisch. Vor ihren Augen stand das friedliche Bild des lehrenden Alten und dte süße Gestalt des kleinen Schülers. Weiße, unschuldige Blüthenbüschel neigen sich über die beiden mit Duft und Schatten — dte Mücken tanzen über ihnen — die Schwalben fliegen über sie hin und sie fitzen am Wege im berauschenden Frühlingszauber, eine Welt voll Frieden um sich her aufrichtend, — voll Arbeit — Frieden und Pflicht! Stella erglüht. Ein heißes, fremdes Gefühl steigt in dem schönen, unbefriedigten Weibe empor, ein Gefühl der Sehnsucht nach . . . Sie seufzt, sie schrickt empor! Was sie ersehnte, besitzt sie — es schreitet neben ihr, lachend, elegant, schwärmerisch. „Woran denkst Du, Stella?" Sie erschrickt von Neuem und erglüht noch mehr — das hat er noch nie gewagt, der Kecke! — „Wieder an mich?" Sie verneinte fast streng. Er kommt ihr mit einem Male banal vor und ste runzelt dte Brauen, ohne aufzusehen. „An wen denn?" „Au den alten Mann und das Kind." „Wie absurd! An den gewöhnlichen, häßlichen Alten und den schmutzigen, kleinen Wicht? Unbegreiflich!" Er zuckte die Schultern und ist ein wenig beleidigt, enttäuscht. „Wie kann man?" fährt er weiter fort, — „Ihre Gedanken verirren fich, mia cara. Denken Sie an mich, an unser gestriges Gespräch, an . . ." „Bemerkten Sie keine Sehnlichkeit?" unterbricht ste ihn plötzlich lebhaft und interessirt, seiner Rede nicht achtend. „Wo und mit wem?" „Dem kleinen blonden Wicht und — Rodi?" Sie wird wieder roth. So dumm! Ste bezwingt fich und sieht ihn fragend an. Er beißt sich auf dte Lippen und fragt dann sarkastisch: „Doch nicht was die Reinlichkeit anlangt?" Sie zuckte nur verächtlich mit den Schultern, dann spricht sie laut, heiter: „Nein, die Grübchen, daS blonde Haar, die Zähnchen, — dte Augen wie Sterne und die Faulheit, diese süße, entzückende Faulheit!" Sie lacht, daß man ihre tadellosen Zähne bewundern kann und aus ihren großen, grauen Augen bricht es warm — innig — tief. Aber ihr Blick gleitet neben Leo vorüber in die Ferne. Sie tst verändert, wie verklärt, und dem bewundernden Manne scheint sie schöner, begehrenSwerther denn je. (Schluß folgt.) ein Credit für die Vervollkommnung der Lebelpatronen be« stimmt angekündigt. Petersburg. 3. October. Der Flügeladjutant Moltke legte gestern am Sarkophag de- Czaren Alexander III. im Auftrag des deutschen Kaisers einen prachtvollen Kranz nieder. Heute empfing das Czarenpaar in ZarSkoje Sselo Moltke in AbschiedSaudtenz, worauf er einer Einladung des Groß- fürsten Wladimir zum Diner folgte. Depeschen des Bureau .Herold". Berlin. 3. October. Wie der „Reichsanzeiger" meldet, wird am 8. October der Fernsprechverkehr von Berlin und Hamburg mit Kopenhagen eröffnet. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt 3 Mark. Berlin. 3. October. Aus Köln kommt die Nachricht, daß der Geh. Lommerzienrath Langen, der Schwiegervater WißmannS, infolge Herzlähmung plötzlich gestorben ist. Berlin. 3. October. Der StaatSsecretär vr. Bötticher ist nach einer Jnspectionöreise durch den Kaiser-Wilhelm Canal am DienStag in Kiel eingetroffen und hat fich gestern von dort nach Lübeck begeben, wo eine Befichtigung der hanseatischen VerficherungSanstalten stattfinden soll. Berlin. 3. October. Zu den gestrigen Unruhen in Konstantinopel wird dem „Berl. Tagebl." gemeldet, daß der Patriarch die erregte Menge aufgehetzt habe und daß bet den verhafteten Armeniern über 1600 Revolver und unzählige Patronen gefunden wurden. Die Revolver sind alle englischen Fabrikats und vollkommen neu, sowie ein und daffelbe Kaliber. Der Kampf dauerte vier Stunden und zog fich durch den ganzen Stadttheil bis zum Bahnhofe hin, wo eS zu besonderblutigen ©eenen kam. In der nächsten Umgebung der Pforte wurden mehrere verkleidete Armenier gefangen genommen, welche in die hohe Pforte eindringen wollten. Frankfurt a. M.. 3. October. Die „Franks. Zeitung" meldet auS Homburg v. d. H.: Die Kaiserin Friedrich war gestern Nachmittag zum Besuch deS Grafen Münster in Homburg. Wie wir auS Cronberg erfahren, verläßt die Kaiserin am 16. October Schloß FriedrichShof. Mit diesem Tage wird die dortige Hofhaltung aufgegeben. Die Kaiserin wird sich zunächst nach Straßburg begeben, von dort nach Wörth, um gemeinschaftlich mit dem Kaiser der Enthüllung deS Katser-Friedrtch-Denkmals beizuwohnen. Den Winter beabsichtigt die Kaiserin Friedrich in Italien zu verbringen." Frankfurt a. M., 3. Oktober. Der „Franks. Ztg." wird auS B e rn telegraphirt: Die verschiedenen Schweizer Friedens« toi reine der deutschen und französischen Schweiz haben sich zu einer einheitlich organisirten Verbindung vereinigt. Das vfficielle PublicatiouSorgan heißt „Der Friede". Zürich ist für zwei Jahre Dorort des Schweizer Allgemeinen FriedenS- veremS. Aachen. 3. October. Bruder Heinrich wurde heute sreigefprochen. Munster, 3. Oktober. Gestern und heute Nacht haben hier BolkSansammlungen vor dem Rathhause und dem RegierungSgebäude stattgefunden. Die Ursache derselben ist eine Polizei-Verfügung, welche bestimmt, daß sämmtliche Wirthschaften NachtS 11 Uhr geschloffen werden müssen. Ruhestörungen kamen nicht vor, jedoch wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Wien. 3. October. In kaufmännischen Kreisen macht die ConcurSeröffnung des ältesten GroßhavdlungShauseS Gebrüder Tensibaschtc großes Aufsehen. Die Ursache deS ConcurseS ist die Stockung der JncassiS bei Detaillisten deS Inlandes. Das Ausland ist an dem Fallissement stark betheiligt. Konstantinopel, 3. October. Der Großvezier Said Pascha hat seine Entlassung erhalten und Kiamil Pascha wurde zum Großvezier ernannt. Konstantinopel, 3. October. Die Situation wird immer ernster. Die Aufregung gegen die türkische Bevölkerung ist im Wachsen begriffen. In der vergangenen Nacht fand ein Angriff auf die Häuser statt, die von Christen bewohnt sind. Der Krieg von 1870,71, geschildert durch Ausschnitte auS Zeitung« - Nummern jener Zett. (Nachdruck verboten.) 6. October. Rings um Paris herrscht ein Stillleben eigner Art. Da schaufelt und gräbt der Soldat mit einem Eifer, wie eS den Heeren der alten Römer nachgerühmt wird. In langen Linien zogen sich oft doppelte und dreifache Schützengräben hin, die Steinmauern der reizendsten Villen sind mit Schieß- icharten versehen und Barrikaden find aufgesührt, denen Rochefort seine Bewunderung nicht versagen könnte. Und nicht bloS auf diese Weise ist der Soldat fleißig. Hier ladet er die von dem Feuer der FranctireurS verschont gebliebenen Getreidehausen (man schätzt den Werth eines einzigen auf tausend Thaler) auf Wagen, in den Dörfern hört man daS Geräusch deS Dreschflegels, der von den Soldaten geführt wird. Der Soldat setzt die Windmühle auf der Anhöhe in Bewegung, leert die Gemüsefelder, gräbt Kartoffeln und liest, sogar mehr als gut, die Trauben, die jetzt glücklicher Weise reif sind, in den Weinbergen. DaS Hin- und Herreden ist zu Ende- die Pariser wollen lieber alle sterben, als fich der „Entehrung" unter« werfen. Das Bombardement wird vor sich gehen, sobald unsere schweren Geschütze heran find. Aber erst, wenn die Preußen wirklich in Paris einziehen werden, soll ja der eigentliche Kampf loSgehen, so sagen uns die Bewohner von Versailles. Wenn wir die Männer alle getödtet oder ge« knebelt, dann werden wir eS mit den Weibern zu thun be« kommen, jede» einzelne von ihnen wird eine Heldin von Saragossa sein, sie werden uns mit allen Waffen, mit Gist und Dolch, mit List und Derrath bekämpfen, vernichten, und die Weltgeschichte wird von dem TodeSmuthe der Pariser Frauen reden, die ihre Hauptstadt retteten, wie einst — die Gänse daS Capitol. Daß sie unS Haffen, blutig hassen, liefe Frauen, das sehen wir hier bereit» in Versailles. Fast alle erscheinen sie in Trauerkleidern. Keine von ihnen, und mag sie noch so häßlich sein, würdigt einen Preußen auch nur eine» BlickeS. Die alten Frauen gehen den ganzen Tag mit Thräneu im Auge umher- in dem Hotel de la Chasse, in welchem ich wohne, fitzen die drei Damen um »aS Conlobuch des BuffetS herum, stecken die Köpfe zu- ammen und weinen; eine auf der Straße an den ersten leften vorübergehenden Eingeborenen gerichtete Frage wird 'aum einer Antwort gewürdigt- überall begegnet unS jener bekannte „Knotenstock im Blick", der Haß und ohnmächtige Wuth bedeutet, und selbst die Kinder find instruirt, jede Berührung eines Preußen zu fliehen. (Köln. Ztg.) Schwurgericht. W. Gießen, den 3. October 1895. Verhandlung gegen Carl Bernhard von Angenrod wegen Meineids. (Fortsetzung.) Nach Vernehmung einer Reihe von Zeugen wird die Sitzung auf Nachmittags 31 * * */* Uhr vertagt. Nach Wiedereröffnung der Sitzung ergreift Staatsanwalt Zimmermann das Wort zur Begründung der Anklage. Er glaube sich den Geschworenen gegenüber kurz soffen zu önueo. ES kämen nur zwei Fragen in Betracht: Hat der Angeklagte die Anzeige wegen SteinwersenS gemacht? Diese Frage müsse angesichts de» Zeugnisses de» GenSdarmen MajewSky, wozu noch die Aussage von dessen Tochter und die der Minna Dotzert komme, voll und ganz bejaht werden und hat Bernhard diese Thatsache vor dem Schöffengericht zu AlSseld wider besseres Wissen in Abrede gestellt. Hieran ei nach der bestimmten Aussage des GenSdarmen MajewSky nicht im Mindesten zu zweifeln. Nach seiner Ueberzeugung könnten die Geschworenen nicht anders, als den Angeklagten chuldig sprechen. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Katz, ist von voruherein der Meinung, die Geschworenen könnten nicht anders, als nach bestem Wissen und Gewissen ihr Votum auf nichtschuldig abgeben. Der Vertheidiger erörtert die hohe Wahrscheinlich« keit, daß fich der Gensdarm MajewSky geirrt, wenn er behauptet, sein Client sei noch nicht veretdet gewesen, als er vor den Schöffen in AlSseld erklärt habe, er habe die Anzeige wegen deS SteinwersenS nicht gemacht. War Bernhard aber bereits vereidet, als er darüber depomrte, daß er die Anzeige nicht gemacht, und wäre dem wirklich so, daß diese Depofition nicht richtig war, so habe derselbe fich eben« falls keines Meineides schuldig gemacht, denn schon die Eidesformel deS NacheideS schließe dies aus. Der Vertheidiger weist den Vorwurf deS StaatSanwaltS zurück, als habe er unnöthigen Ballast in die Verhandlung hineingezogen. Er habe eS für seine Pflicht gehalten, die Protocolle des Vorverfahrens heranzuziehen, um Widersprüche der Zeugen mit früher gemachten Aussagen aufzuklären, und an den Geschworenen sei es nun, fich ihr Urtheil über die Schuld oder Nichtschuld deS Angeklagten zu bilden, er, der Vertheidiger, sei überzeugt, sie würden seine Ausführungen für die richtigen halten und zu einer Freisprechung gelangen. Staatsanwalt Zimmermann tritt noch einmal für die Bejahung der Schuldfrage ein- zwar habe der Angeklagte mit seiner falschen Aussage keinen Schaden angerichtet, aber ein Meineid sei eS doch, den er geschworen, denn eS sei doch unzweifelhaft, daß Bernhard die Anzeige wegen ©teinwerfens veranlaßt habe, dieses hätte er wissen müssen, als er in Alsfeld vor den Schöffen stand, und er hätte zum Ausdruck bringen sollen, wie die Sache gelegen, da» wäre für den AuSgang der Sache gleichgiltig gewesen. Die Geschworenen könnten nicht anders, als den Angeklagten verurtheilen. Er hebt noch einmal alle Momente der Verhandlung hervor, welche für die Schuld des Angeklagten sprechen, und weist auf das, was der Bürgermeister von Angenrod über den Ruf der Familie, der der Angeklagte angehört, bekundet. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Katz, vertritt die Meinung, daß es im vorliegenden Falle gar nicht darauf ankomme, was die Angehörigen des Angeklagten gethan hätten, gegen seinen Clienten hätte der Bürgermeister für den vorliegenden Fall nichts Nachtheiliges sagen können. Er wolle nur lagen, daß die Fälle, in denen die Anklagebehörde selber die Freisprechung beantrage, mit der Laterne zu suchen seien. Wie der vorliegende Fall geartet sei, habe er erwartet, der ©taatSanwalt werde selber die Freisprechung deS Ange« klagten beantragen. Er theile mit der Staatsbehörde die Meinung, daß ein Meineid ein Verbrechen bleibe, selbst wenn mit der falschen Zeugenabgabe kein Schaden angerichtet sei. Er verlange keine Gnade von den Geschworenen für den Angeklagten, er fei fest davon überzeugt, der Angeklagte sei unschuldig, darum verlange er von den Geschworenen Gerechtigkeit — die Freisprechung des Angeklagten. Nach kurzer Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden zogen fich die Geschworenen zurück. Nach noch nicht viertelstündiger Be- rathung verkündete der Obmann — Kaufmann Habentcht« Gießen — den Wahrspruch der Geschworenen, der auf Nichtschuldig lautet. Der Angeklagte wird daraus frei- gesprochen und die Kosten, auch die der Vertheidigung, der Staatskasse zur Last gelegt. W. Gießen, den 4. October 1895. Die heutige Verhandlung de» Schwurgericht» richtet fich gegen den am 8. März 1865 geborenen Mauergesellen Con« rad Heidelbach von Angenrod. Derselbe ist beim Militär wegen Körperverletzung mittelst der Waffe zu 6 Wochen und 1 Tag Gesängniß vorbestraft und wird eine» am 25. Juni 1895 gegen Rosina Stork von Nieder-Ohmen begangenen Sittlichkeitsverbrechen» au» § 177 deS Reichs- Strafgesetzbuck)» beschuldigt. Rechtsanwalt Katz führt die Vertbeidigung. Staatsanwalt Zimmermann vertritt die Ar klage. ES find im Ganzen 17 Zeugen erschienen. Außerdem ist al» medicinischer Sachverständiger der Kreisarzt Dr. Haberkorn im Saale anwesend. Der Angeklagte bestreuet ganz entschieden seine Schuld. Die Oeffentlichkeer wird bei dieser Verhandlung bi» zur Verkündigung de» Urtheil» ausgeschlossen. ter““1 r,»! unO pteHwiklle»« Gießen, bett 3. October 1396 *• Militärische». Der Commandant de» Großh. Gen»« darmerie DistrictS-Commando» der Provinz O erheffen, Herr Major Cullmann, wurde zum Oberstlteutenant beförbert, ** Der Kaufmauuische Verein feiert morgen ©amßtag den 5. Oktober in den Räumen de» Stein'schen Saalbaue» sein, 22. Stiftung» feft und ist hierfür der berühmte Illusionist und Prestidigitateur F. W. Conradi au» Dre»den zu einer Soiree gewonnen worden- e» sollte kein Mitglied oder eingeladener Gast sich diesen voraussichtlich sehr genußreichen Abend entgehen lassen. Ueber die Leistungen de» Herrn Conradi schreibt die „Dresdner Zeitung": „Die gestrige Vorstellung überraschte durch so viele neue Effecte, eine spe« ciell auf diesem Gebiete selten vorkommende Erscheinung, daß man tatsächlich nicht weiß, wa» man mehr loben soll, den erfinderischen Kops deS Herrn Conradi oder die elegante geschmeidige Art de» Vortrage» selbst. Die Illusion „Ama- driade" bildete einen wohlgelungenen Schluß der sehr bei« fällig aufgenommenen Vorstellung. •• Unsere freiwilligen Feuerwehren können in diesem Jahre auf eine 40jährige Thätigkeit zurückblicken. Wie verlautet, beabsichtigen beide Corp» da» Stiftungsfest gemeinschaftlich zu feiern. § AuS Oberheflen, 3. October. Während im Vogelsberg die Kartoffelernte beendigt ist, stehen in der Welterau noch viel Kartoffeln im Felde. Man hat» hier nicht so eilig mit dem AuSmachen der Kartoffeln zu thun, weil man weiß, daß die Kartoffeln, je länger sie in der Erde bleiben, um so besser sich im Keller halten. DaS Obst ist dagegen in der Wetterau eingeerntet, im Vogelsberg hängen Zwetschcn und Aepfel noch vielfach an den Bäumen. Wer durch die Wetterau kommt, dem fallen die co'.ofjalrn Strohhaufen auf, die namentlich um Berstadt, Echzell und Reichel-Heim im Felde sitzen. E nzelne Haufen haben einen solchen Umfang, daß sie allein eine gewöhnliche Scheuer füllen könnten. Hiernach zu urtheilen, muß daS diesjährige ©trohergebniß ein sehr günstiges gewesen fein. — Die heißen Tage deS Herbste- find mit dem heutigen vorüber, der neben starkem Sinken der Temperatur auch Niederschläge gebracht. Die ungewöhnlich warmen Tage deS September haben vielfach die Bäume Blüthcn treiben lassen. So findet man nicht selten blühende Zweige an den Apfelbäumen und in Frankfurt a. M. stehen in der Nähe des Hessendenkmals Kastanienbäume in vollem frischen Laub- und Vlüthenschmuck. ? Lauterbach, 3. October. Der in weiteren Rieften bekannte Lehrer Knabenschuh von Almenrod hat in einer hiesigen Gastwirthschast seinem Leben durch Erhängen em Ende gemacht. Der Unglückliche, der erst anfangs der 30er Jahre sich befand, hatte eine bewegte Vergangenheit hinter sich- er hatte drei Jahre in der französischen Fremdenlegion gedient und den Feldzug in Tonkin mitgemacht. Al- Folge der ungeheuren ©trapatzen und aufregenden Erlebnisse dieses Dienstes und Feldzugs stellte sich ein GemÜthSleiden bet ihm ein, worin er die traurige That beging, vom Seminar zu Friedberg war er mit vorzüglichem Zeugntß abgegangen. H. Bon bet Horloff, 3. October. Während in der Provinz Rheinhessen der Hamster enormen Schaden an- richtet, zu vielen Tausenden in einzelnen Gemarkungen vorkommt und förmlich zur Landplage wird, für deren Beseitigung alljährlich Tausende au-gegeben werden, findet sich dieser schädliche Nager sehr selten in unserer Provinz. Vor einigen Tagen brachte unsere Hauskatze einen jungen, an»» gewachsenen Hamster aus dem GraSgarten- sorgfältige Untersuchungen leiteten bald auf einen Hamsterbau, welcher Voder Katze umlauert wurde. Gestern sah Einsender dem Kampfe der Katze mit dem Hamsterweibchen zu, wobei rS blutig herging, denn die Hamster haben ganz gewaltige Zähne für ihre Größe. Die Katze blteb Siegerin und lieferte da» verletzte Hamsterweibchen, dessen Transport wegen der Schwere deS ThiereS ein Stück Arbeit für die Katze war, bet unß ab. Dafür wurde Minze sehr gelobt und gestreichelt. Soeben brachte sie daß Hamstermännchen, das am ganzen Körper Biß- und Kratzwunden zeigt- aber auch Minze ist verwundet. Wahrscheinlich wird die Jägerin nicht eher ruhen, biß sie die Hamsterfamilie, die jetzt nur noch aus jungen, fast ganz ausgewachsenen Thieren besteht, aus- gerieben hat. Merkwürdig ist eß, daß sich der Hamster, der in unserer Gegend ganz unbekannt ist, plötzlich bei un» zeigt. Sollten sich die Katzen in Rheinhessen nicht auf den Hamsterfang abrichten lassen? • Frankfurt a. M., 3. October. Gestern Nachmittag ertrank in einer Zelle der Sachsenhäuser Wasch« und Badeanstalt eine junge Dame. Der Polizeibericht verrnuthet, sie sei beim Htuabsteigen in da» Wasser auf der Treppe audgegltlten, mit dem Kopf gegen eine Stufe gefallen, be» finnungßloß geworden und ertrunken. An der Stirn hatte die Leiche eine 3 (Sun. lange frische Wunde. Von anderer Seite wird mitgetheilt, daß ein Herzschlag die Todesursache gewesen fein. — Die Namen der beiden gestern mit dem Fahrstuhl einer Fabrik verunglückten Arbeiter find Ph. Christ - Sachsenhausen und Schüler » Bockenheim. — Gestern srüb fand ein Bahnbediensteter am Sandhof die Leiche biß 28 Jahre alten arbeitet» A. Lutz au» Hohenzollern mit einer Schußwunde im Kopf. Man nimmt an, Lutz habe fich erschossen, und der Tobte sei später geplündert worden. ♦ Haunoiet, 3. October. Da» Schwurgericht ver- i? 5? ®u > We-er ,inn uvd 6 flonittn VB W ttbvtnn tu Mb»- Aiscn, mü >tt Losen fecitrJ-'7 toftrlW kr wil " sie W W aogrst IXW o ginbe der »eri-dlides achobat i riatzikv Be jun dchav K chlivli stnvick 8fl aib ter Weiter w (Jfr. 6 ter nicht ltcktS £cr im fr jatatabt W W' Mn 6