Samstag den 5. Januar 1895 Nr. 4 Der Kießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamitien v kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelcgt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. vierteljähriger , Abonnemcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Zlr.7. Fernsprecher 51. Zlints- und Anzeigeblutt für den Kreis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Iamitienötätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtliche* Theil. Gießen, den 2. Januar 1895. Betr.: Regelung der Sonntagsruhe im Müllereigewerbe. DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen «t die Grotzh. Bürgermeiftereie« M Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Verfügung vom 18. v. M. seither noch nicht entsprochen haben, werden an i)ie umgehende Erledigung derselben erinnert. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1895. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1895 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. Februar 1895 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- riellen das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Commission nur dann anzubriugen, wenn der sich Meldende im Grohherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeugniß; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein- c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist- d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegeu. lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur ! Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt ! Nr. 27 von 1894) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in , welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere j Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet > werden. Darmstadt, den 27. December 1894. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Buchinger, Regierungs Rath. Deutsches Reich. Darmstadt, 3. Januar. Nach dreitägigem Besuche verabschiedeten fich heute Vormittag der Kronprinz und die Kronprinzessin von Rumänien vom hiesigen Hofe. Berlin, 4. Januar. Auf dem Gebiete der inneren deutschen Angelegenheiten hat der erste kurze Abschnitt des neuen Jahres keine Nachrichten von erheblichem Belang gebracht. Es regiert eben noch die mit der Weihnachtsvertagung des Reichstages eingetretene politische Ferien- sttlle und erst der am nächsten Dienstag erfolgende Wiederbeginn der Reichötagsverhandlungen dürfte von Neuem einen regeren politischen Wellenschlag erzeugen. Der schon längst angekündigte Besuch des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe beim Fürsten Bismarck in Friedrichsruhe soll in diesen Tagen stattfinden, doch bleibt es gerathen, vor einer Erörterung der Bedeutung dieser signalisirten Begegnung zwischen dem jetzigen Kanzler und dem ersten Reichstage die Verwirklichung derselben immerhin abzuwarten. Die Tabaksteuer- Vorlage soll dem Reichskanzler erst zu einem späteren Zeitpunkte der Session zugehen, da sie im Bundesrathe zunächst noch verschiedene Bedenken eines Thetles der süddeutschen Regierungen zu überwinden hat. Im preußischen Landtage, deffen Zusammentritt am 15. Januar erfolgt, wird kein Gesetzentwurf zur Abänderung des Vereins- und Versammlungsrechtes zur Vorlage gelangen. — Der Landeshauptmann von Kaiser Wil- Helmsland, Schmiele, ist von seinem Poften zurückgetreten. Zu seinem Stellvertreter bis zur Ernennung eines neuen Landeshauptmannes wurde Corvettencapitain a. D. Rüdiger ernannt. Ausland. — Die Miniftercrisis, mit welcher Ungarn aus dem alten Jahre in das neue hinübergegangen ist, befindet sich noch immer in der Schwebe. Schon galt die Bildung eines neuen ungarischen Cabtnets unter dem Banns von Croatien, Grafen Khuen-Hedervary, als zweifellos, da wird jetzt aus Budapest gemeldet, daß der Banus die Bildung des neuen Cabtnets abgelehnt habe. Doch handelt es fich vorerst nur um ein Gerüchl, auch wird hinzugefügt, daß Graf Khuen- Hedervary bei einem formellen Auftrage zur Cabinetsbtldung sicherlich Erfolg haben werde. Andere Budapester Meldungen dagegen behaupten, daß die liberale Partei an einem Ministerium unter Banffy, dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses, festhalte- die ungarische Miniftercrisis wird offenbar bis zu ihrer Lösung noch manche Schwierigkeiten zu überwinden haben. Brüffel, 3. Januar. König Leopold von Belgien hat beim Neujahrsempfang der Kammerprästdten zum gemeinsamen Zusammenschluß der bürgerlichen Partei gegenüber der wachsenden socialistischen Gefahr aufgefordert, sowie die Durchführung der socialpolitischen Gesetzgebung nach dem Muster Deutschlands für Belgien empfohlen. — Dem belgischen Parlamente wird seitens der Regierung die Erklärung des Congostaates zu einer belgischen Colonie vor- Fenilleton. Aus vergangenen Tagen. Bon Carl Daniel. I Wer heute in studentischen Kreisen verkehrt, hat gar oft' Gelegenheit, abfällige Urtheile über unsere Vaterstadt zu hören. Die älteren Studenten, die, von größeren Universitäten kommend, die letzten Semester hier verbringen, um dann ihr j Examen zu machen, schimpfen, verwöhnt durch das Leben in ' der Großstadt, auf „das Nest" und die jüngeren machen es ihnen nach, meist ohne sich bewußt zu werden, was sie eigentlich vermissen. Die Zeiten sind vorüber, da der Student fich mit wirklichem Interesse um das kümmerte, was ihm die Eigenthümlichkeiten seiner Musenstadt für Herz und Geist zu bieten vermochten. Die Studentenschaft mit ihren Bestrebungen hat fich geändert, ihre Ziele sind eben andere geworden. Umso wohlthuender berührt uns ein Zeugniß, wie sich der Student vor ftinfzig Jahren in Sage und Geschichte seiner geistigen Heimath vertiefte, und wie ein Gruß aus jenen fernen Tagen muthet uns ein Liederstrauß an, den solch ein Musensohn der Stadt „wo er sieht vorüberwallen seiner Jugend goldnen Traum" in dankbarer Erinnerung gewunden hat. Ein wenig gekanntes oder längst wieder vergessenes Büchlein betitelt sich: „Sagen, Geschichten und Lieder aus Gießen und seiner Umgegend". Ein Gedenkbuch der Musenstadt von Alois Henninger, gen. Alois der Taunide, Dr. phil. Gießen 1848. In zwangloser Reihenfolge hält der Verfasser hier fest, was er aus dem Munde des Volkes erlauscht ober was ihm die Geschichte Bemerkenswerthes aus Gießens Vergangenheit erzählt. Dazwischen streut er seine Sieber, die sich allerdings oft mehr burch warme Empfinbung, als burch Formenschönheit auszeichnen. Den Reigen eröffnet rm Lob der Stabt Gießen, von bem wir bie beiben charakteristischsten Strophen hierhersetzen: s sie freundlich auch zu nennen Dort die Berge in der Runde, Nicht durch ihrer Bauten Glanz Hier des Stromes reicher Strand, Wirds doch schwer, von ihr sich trennen Burgen dort im Hintergründe, Jedem, der da lernet kennen Dörfer hier im schönen Bunde Ihres Lebens grünen Kranz. Bilden diese- Zauberband. Diese Liebe zur Stabt, biese Freube an der schönen Umgebung spricht sich in einer ganzen Reihe von Gedichten aus, sei es daß der Verfasser sich über die Wandlung erstaunt, die mit Gießen nach dem Fall der einengenben Festungsmauern vor sich gegangen ist („das neue Gießen"), sei es, daß er den lauschigen Laubgang, der sich früher um die Stadt zog, „die Schur", und das dort sich entwickelnde Treiben besingt, ober baß er auf Vetzberg, Gleiberg, Düns- berg, Badenburg, Staufenberg und Schiffenberg sich seinen Betrachtungen hingiebt. Breiten Raum nehmen die Sagen ein, anknüpfend an seltsame Namen, an denen so Mancher achtlos vorübergeht. Da ist zunächst „des Teufels Lustgärtchen", das seinerzeit auch die Aufmerksamkeit des Kaisers Friedrich und seines Freundes, unseres verstorbenen Großherzogs, lebhaft erregt hat. Der Teufel, so meldet die Sage, studierte einst in Gießen. An einem kühlen Abend durchstrich er die Stadt und kam an einem Häuschen, vor dem ein Gärtchen lag, vorüber. Aus dem Fenster des Häuschens ertönte süßer Gesang und den Tönen nachgehend entdeckte der Teufel in der Sängerin ein junges hübsches Mädchen. Es gelang ihm zwar nach vielen Bemühungen mit diesem ein Verhältniß anzuknüpfen, aber eines Tags vergaß er, was er sonst immer sorgfältig gethan hatte, seinen Pferdefuß zu verstecken „und ach! das junge Mädchen gewahrt den Klumpenfuß". Entsetzt schlägt es das Kreuz und der Satan versinkt mit Blitzesschnelle in den Grund. Das Mädchen aber verlor den Verstand „und in des Lebens Blüthe brach ihr das Herz der Gram." Von da ab wird das Gärtchen „des Teufels Lustgärtchen" genannt. Eine andere Sage erklärt den Namen „Heiden- thurm". Hier sollen Zigeuner, die der Volksmund' Heiden nennt, in Gefangenschaft gehalten worden sein, weil sie zwar wahr gesagt, aber nicht die Wahrheit gesagt haben. Doch hat diese Sage einen historischen Hintergrund, wie man in Buchners „aus Gießens Vergangenheit" nachlesen kann. — Die Umgegend lieferte „Alois dem Tauniden" reichen Stoff zur poetischen Bearbeitung. Er behandelt zunächst in zwei Gedichten die Frauenkreuze im Kinzenbacher und im Krofdorfer Wald, von denen beiden die Sage geht, daß sie zum Andenken an eine Gräfin von Nassau, die von ihrem Gemahl aus falscher Eifersucht getöbtet worben fei, an ber Stelle bes Mordes von dem reuigen Gatten errichtet seien. Daran reihen sich die Sagen von der Erbauung 6er drei Burgen: Vetzberg, Gleiberg, Wettenberg, bie von bi ei Brübern ber lchönen Bertha auf dem Dünsberg zu Liebe errichtet sein sollen, ferner bie reizende Geschickte vom „Jungfernraub", den der kühne Ritter Holzappel ausführte, indem er die Tochter des Grafen Johann IV. von Nassau-Dillenburg entführte, vom erzürnten Vater aber am Fuße des Vetzbergs eingeholt und zur Herausgabe des schönen Raubes gezwungen wurde. Wenig bekannt ist auch die Sage vom Schatten des Kommenthurs auf dem Schiffenberg. Dort hing ehemals über dem Altar in der Kapelle eine im Kampf erbeutete Fahne. Um Mitternacht erhebt sich der tapfere Kommenthur^ der das Siegeszeichen erstritten hat, aus dem Grabe und durchwandelt still die Kirche. Vor dem Fähnlein bleibt er stehen und in seinen Anblick versunken wandern seine Gedanken zurück, „denn er denkt der heißen Stunde, wo er es vow Feind gewann". Es thut ihm wehe, daß das Kleinod so verstaubt und vermodert ein Spiel des Windes verderben soll. Schon reckt er die Hand aus, um es mit ins Grab, an sein treues Herz zu nehmen, da schlägt das Ende der Geisterstunde, der Kommenthur muß zurück in die Gruft „und das Fähnlein wehet einsam am Altäre wie zuvor". — Des Humors entbehrt nicht die Sage von der Herkunft des Dorfnamens „Watzenborn". Auf bie Gefahr hin, von ben Etymologen verkannt zu werden, wollen wir sie mittheilen. Nachdem das Dörfchen, das heute jenen schönen Namen führt, erbaut war, berief der Schulze die Gemeinde, um einen Namen für den neuen Ort zu wählen. Jeder sollte einen Vorschlag machen und von ben brei schönsten sollte einer ausgewählt werben. Aber den Bauern wollte absolut kein Name einfallen, alles war still. Da, als der Schulze wieder ungeduldig auf Vorschläge drängt, stürzt der Schweinehirt herein mit dem Angstruf: „Watz im Born!" Bestürzt bricht die versammelte Gemeinde in dieselben Worte aus — und der Name ist gegeben. Daß diese Ableitung eben nur eine Sage ist, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Die alte Namensform „Wazemburne" ist wohl als Wiesenquelle (Wasen) zu erklären. Ernsteren Inhalts ist bie Sage von ber Entstehung „Annerob". Ein junges Weib Anna mit Namen hatte mit ihrem Gatten zu Kriegszeiten all ihr Gelb im Walbe vergraben. Aber nach Beenbigung bes Krieges, in welchem ber Gatte gefallen war, konnte sie ben Ort, da ihr Gut der- geschlagen werden. Bei letzterem Projecte dürften aber die in Afrika interessirten Colontalmächte doch wohl ein Wörtchen mitsprechen. Paris, 3. Januar. In Frankreich scheinen die ver» schiedenev Spionagengeschichteu der jüngsten Zeit, speciell die Affatre DreyfuS, erneut ein chauvinistisches Treiben zur Folge haben zu sollen. Der Pariser „Gaulois" meldet daS Wiederaufleben der seinerzeit unterdrückten französischen Patriotenliga, womit also eine neue Auflage der für Frankreich selber gefährlichen Wühlereien der „Patrioten" vom Schlage der Herren Deroulöde und Compagnie bevorstüude. Vielleicht hat aber daS Ministerium Dupuy den Muth, dem Projecte seine Zustimmung zu verweigern. Ein neuer Scandal zieht in Frankreich herauf! Es handelt sich um angebliche Schwindelgeschichten der franzöfifchen Südbahngesellschaft, In welche auch viele republikanische Abgeordnete verwickelt sein sollen. Newyork, 2. Januar. Das Finanzergebnih der letzten sechs Monate des Jahres 1894 weist ein Deficit von 27 564465 Dollars auf. — Die „Times" melden aus Philadelphia: Aus Washington verlautet, falls sich die Lage deS Schatzes nicht hebe, sei eS wahrscheinlich, daß eine neue Ausgabe von Schatzobligationen im Februar erfolge. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Eorresponbenz- BureLL. Berlin, 3. Januar. Anläßlich einer Meldung der „Weserzettung" über eine Beschwerde der Braunschweiger Rähmaichinenfabrikanten, daß das BekleidungSamt des 15. ArmeecorpS einem ausländischen Nähmaschinen- fabrikanten sehr umfangreiche Aufträge ertheilt habe, theilt die „Poft" mit, daß die Bekleidungs» und Proviantämter strengstens angewiesen sind, nur die heimische Industrie mit Aufträgen zu bedenken. Dieses Princip wird bei allen militärischen Lieferungen gewissenhaft durchgeführt. Kürzlich erhielt ein Fabrikant trotz zufriedenstellender Probelieferung eine größere Bestellung auf Fahrräder nicht, weil englischer Stahl verwendet war. Ein anderer Fabrikant, welcher dann die Lieferung erhielt, muhte sich verpflichten, ausschließlich deutsches Material zu verarbeiten. Köln, 3. Januar. Infolge ungeheurer Schneeverwehungen erlitten die durchgehenden norddeutschen Züge große Verspätungen. Bet Recklinghausen entgleiste ein Zug; verletzt wurde Niemand. Der Oberrhein meldet Treibeis,- die obersten Rheinstationen treffen Schutzvorkehrungen. Wien, 3. Januar. Heute wurden die Landtage von Kärnthen, Salzburg, Bukowina' und Tyrol in der üblichen feierlichen Weise eröffnet. Budapest, 3. Januar. Infolge 48stündigen ununterbrochenen Schneefalles find in zahlreichen Gegenden des Landes arge Verkehrsstörungen eingetreteu. Ans der Linie von Debrezin nach Bued Szen-Mihaly ist der Verkehr auf drei Tage eingestellt. Kaschau-Miskolcz und Satoralja Ujhelh sind durch Schneestürme förmlich von jeder Communication abgesperrt. Don den ungarischen Linien der Südbahn ist speciell die Plattensee Gegend verschneit. Reggio di Calabria, 3. Januar. Heute früh wurde ein ziemlich heftiger wellenförmiger Erdstoß verspürt. Die Bevölkerung flüchtete auf die Straßen. Ein zweiter wellenförmiger Erdstoß folgte später. Auch in Milazzo wurde um 2 Uhr früh ein ziemlich heftiger Erdstoß verspürt. Derselbe rief eine lebhafte Panik hervor. Es herrscht starker Schneefall. Mesfiua, 3. Januar. Heute früh wurde ein starker, sich später wiederholender Erdstoß beobachtet. Die Bevölkerung gerieth in große Unruhe. Petersburg, 3. Januar. Der „Regierungsbote" veröffentlicht folgendes kaiserliches Rescript an Schuwalow: „Mein in Gott ruhender Vater hatte Sie in gerechter Würdigung Ihrer glänzenden, hervorragenden, militärischen Thaten und der Sie auszeichnenden Fähigkeiten 1885 zum Botschafter beim Deutschen Kaiser und König von Preußen ernannt. Ihre mehr als neunjährige Thätigkeit in der Diplomatie hat in jeder Richtung daS hohe Vertrauen und die Hoffnung, welche man von Ihnen hegte, gerechtfertigt. Während dieser ganzen Zeit haben Sie als treuer und eifriger borgen war, nicht wieder ausfinden. Schon will sie in dem Gedanken, daß sie und ihre Kinder nun Hungers sterben müßten, verzweifeln, als ihr im Walde, von Himmelsglanz umflossen, ein engelgleiches Weib (wahrscheinlich die heilige Jungfrau oder die heilige Anna) erscheint und ihr zuruft: „an diesem Baume, Anna, rode!" Anna findet dort ihr Geld und noch mehr dazu. AuS Dankbarkeit errichtet sie ein [Kirchlein an dem bezeichneten Ort ein und nennt ihn A n n a r o d. In eine Zeit, die uns viel näher liegt, führt uns eine Erzählung, die wohl auf einer historischen Thatsache beruhen mag. Nachdem Turenne, der spätere Verwüster der Pfalz, im Frühjahr 1645 bei Mergentheim von Mercy und Johann von Werth so gründlich geschlagen war, daß er sich mit schweren Verlusten über den Main zurückziehen mußte, gelangte er mit hessischer Hilfe bis ins Lahnthal. Zwischen Wetzlar und Hermannstein schlug er sein Lager auf. Von hier auS versuchte er, daö feste Schloß Greifenstein zu erobern. Aber der tapfere Widerstand, den ihm Graf Wilhelm II von Solms entgegensetzte, veranlaßte ihn, von der Belagerung abzustchen. Als er seinen Entschluß dem Grasen melden ließ, lud ihn dieser zur Tafel ein. Beim Abschied mußte der Franzose der Sitte des Hauses gemäß an jedem Thor einen Decher Wein leeren. „Doch waren der Thore es gar zu viel und nicht gelangte der Zecher ans Ziel." Graf Wilhelm aber ließ an das Thor, an dem der Feind vom Weine besiegt zu Boden sank, das Sprüchlein anfchlagen: „Greifenstein, du edles HauS, Nüchtern hinein, trunken heraus." AuSführer der Pläne Ihres Kaisers die Bande der Freund- I schäft gepflegt, welche Rußland seit Langem mit seinem mach- > tigen Nachbar vereint. Sie haben dadurch beigetragen zu dem Erfolge der erhabenen und wohlthätigen Werke der Ausrechthaltung deS allgemeinen Friedens, welcher dem Herzen meines unvergeßlichen BaterS ebenso theuer war, wie er es dem meinigen ist. Indem ich Sie jetzt zum Wohle deS Reiches auf den gleich wichtigen Posten des General-Gou« verneurS von Warschau und CommandeurS der Truppen deS Militärbezirks Warschau ernenne, will ich Ihnen meine aufrichtige Anerkennung für Ihre dem Throne und dem Vater- lande geleisteten glänzenden Dienste und die sichere Hoffnung auf eine Ersprießlichkeit Ihrer Bemühungen aussprechen, welche Sie in Zukunft zum Wohle der Entwickelung deS Ihrer Verwaltung anvertrauten LandeStheiles widmen werden." Petersburg, 3. Januar. Am 20. December a. St. (1. Januar n. St.) erhielt daß Gutachten des Reichsrathes, betreffend die Bestätigung der Statuten über dieNüchtern- Heits-Curatorien in den GouvernkmentS Sfamara, Ufa, Orenburg und Perm, wo am 1. Januar a. St. der Regierungs-Branntweinverkauf in Kraft tritt, die kaiserliche Bestätigung. Die Curatorien bestehen auS geistlichen und weltlichen Mitgliedern, den hervorragendsten Vertretern aller Volksklassen. Zweck derselben ist, im Einklänge mit den neuen Bestimmungen über den Branntwein- Verkauf der Trunksucht zu steuern. Gelegentlich dieser Bestätigung veröffentlicht der Regierungsbote einen Artikel, worin er betont, der Ausfall in den Einnahmen sei gegebenen Falles von untergeordneter Bedeutung. Die Hauptsache sei die Hebung der Volksmoral, der öffentlichen Gesundheit und deS öffentlichen Wohlstandes. In demselben Sinne äußert sich ein Circular des Finanzmintfters vom 22. December a. St. an die Accisebeamten, die aufgesordert werden, mit den Curatorien Hand in Hand zu gehen im Kampfe gegen das alte Grundübel der Trunksucht. Letztere sei früher durch daS persönliche Jntereffe beim Privatverkaus gefördert worden. Die neue Regelung des Verkaufs habe die Paralisirung dieses FactorS mit im Auge. Zur einstweiligen Unterstützung der Curatorien stellte der Finanzminister 200000 Rubel zur Verfügung. Petersburg, 3. Januar. Das Kasan'sche Bezirksgericht verurthetlte sechs Bauern wegen Menschenopfers zu Zwangsarbeit. Das Opfer wurde während des NothjahreS gebracht, um den Zorn Gottes abzulenken. — Im Wtlna'schen faßten Bauern einen bekannten Räuber ab, der lebend begraben wurde. Belgrad, 3. Januar. Zwei Berichterstatter auswärtiger Blätter, Vandory und Alexander Petrovitsch, find unter der Angabe, falsche Nachrichten verbreitet zu haben, ausgewiesen worden. — Wegen starker Schneefälle treffen die Orientzüge mit großen Verspätungen ein. Depeschen des Burum »Herold*. Berlin, 3. Januar. Die „Post" bespricht anläßlich deS Telegrammwechsels zwischen Kaiser Wilhelm und dem König von Württemberg die Meldung der „Köln. Ztg." über die Aeußerung des Königs Wilhelm zu einem dohen Staatsbeamten. Das Blatt bezeichnet die Version der „Köln. Ztg." als nicht ganz correct, denn der König habe nach seinem Erkranken am 9. September überhaupt nicht mehr am Manöver theilgenommen und eine Parade habe vom 8. bis 12. September gar nicht mehr stattgefunden. Der Umstand, daß König Wilhelm infolge seines Unwohlseins sich nicht persönlich vom Kaiser verabschieden konnte, mag zu dem Gerücht einer Verstimmung beigetragen Haben-L Wien, 3. Januar. Die „Neue Freie Preffe" erfährt: Bei dem nächsten PairSschub werden die ehemaligen Minister Gautsch und Steinbach, sowie der Professor Albert zu Oberhausmitgliedern ernannt. Budapest, 3. Januar. Der Kaiser kommt erst morgen hierher, wodurch die Entscheidung der Krise eine eintägige Verzögerung erleidet. Die Entscheidung wird aber noch in dieser Woche erfolgen. Arco, 3. Januar. Heute Nachmittag hat Hierselbst das Leichenbegängniß des Exkönigs Franz von Neapel unter zahlreicher Betheiligung von Fürstlichkeiten und der dortigen Bevölkerung stattgefunden. Dem Verstorbenen wurden königliche Ehren erwiesen. Die Exkönigin- Wittwe war in der Kirche anwesend. Paris, 3. Januar. AuS Tokio wird hierher gemeldet, daß sich die Japaner gegenwärtig vor Weih-hei-wei befinden und zum Angriff rüsten. Paris, 3. Januar. Am SamStag wird in der Offizier- schule vor einem zahlreich vertretenen OsfiziercorpS und vor einer großen Anzahl Journalisten die Degradirung des CapitänS Dreyfus vorgenommen werden. Derselbe wird alsdann in daS Exilgefängniß geführt, wo er bis zur Deportation verbleibt. Paris,3. Januar. Die Staatsanwaltschaft verhaftete den ehemaligen Director und den jetzigen Bicedirector der Südbahn-Gesellschaft. Gegen denselben wurde ein Untersuchungsverfahren eingeleitet. Loudon, 3. Januar. Hier geht daS Gerücht, daß der Oberbefehlshaber der Hovas-Armee von französischen Beamten > nach Anstiftung eines ComplotS ermordet worden fei. Petersburg, 3. Januar. AuS destunterrichteten Kreisen wird gemeldet, der Czar beabsichtige, aus allen Generalgouvernements Rußlands einschließlich Polens hervorragende Personen nach Petersburg zu berufen, welche den Czaren über die Lage der betreffenden Länder und die Wünsche ber 1 Bev ölkernng unterrichten sollen. j Petersburg, 3. Januar. Die außerordentliche , Gesandtschaft, welche im Auftrage des Kaisers von China j noch in diesem Monat in Petersburg eintrifft, um den Czaren ! Nikolaus zu seiner Thronbesteigung zu beglückwünschen, soll auch mit einer Mission betraut sein, welche den chinefisch- japanischen Krieg betrifft. Warschau, 3. Januar. Für den Empfang deS General- gouverneurS Schuwalow find umfaffende Vorbereitungen getroffen. Sofia, 3. Januar. Der Untersuchungsrichter deS Kriegsgerichts verfügte die Verhaftung SrambulowS wegen Verdacht» der Betheiligung an der Ermordung Beltscheffs. Einige Vertreter der Großmächte riethen der Regierung vo» der weiteren Verfolgung StambulowS ab, da derselbe schwere Folgen für Bulgarien haben könne. Rio de Janeiro, 3. Januar. Für ganz Brafilieu wurde eine politische Amnestie erlassen. Cotofcs ttird prwhtsUn«» Siebe», den 4 Januar 1895. ** Communalsteuern und Octroi in Gieße». DaS De- cemberheft der Mittheilungen Großh. Centralstelle für die Landes st atistik enthält unter Anderem auch eine interessante Vergleichung deS aut Communalsteuer» und Octroi zusammengerechneten Ausbringens der sünf größten Städte deS Landes für ihre Gemeindebedürfniffe und zwar ausgedrückt je in Procenten der direkten StaatSfteuer« für die Jahre 1883/84, 1887/88, 1890/91 und 1893/94. AuS dieser Uebersicht (S. 399 her Mittheilungen) geht zur Beruhigung und zum Trost für die Gießener Steuerzahler das Eine unwiderleglich hervor, daß unter den verglichenen fünf Städten in 1893/94 Gießen ans Communalsteuer und Octroi zusammen den geringsten Procentsatz gegenüber den birecten Staatssteuern erhoben hat und zwar 156,22 gegenüber 157,97 unb 159,76 in Mainz und Darmstadt, und gegenüber 170,25 und 171,76 in den nach ber Größe mit Gießen am besten zu vergleichenden Städten Offenbach unb Worms. — DeS Weiteren aber hat in ben letzten zehn Jahren bie Zunahme beS Ausbringens für Gemeindebedürfniffe in Gießen und Mainz nur betrugen 5,10 bezw. 4,63 Procent ber birecten Staatssteuern gegenüber Zunahmen von 11,13 bezw. 29,03 bezw. 35,08 Procent in Darmstabt, Offenbach und WormS. * *H. Neues Theater. Eine GebirgSpoffe nennt Hartl- MitiuS feinen „Protzenbauer", aber trotz dieses Namens ist daS Siück doch nichts anderes, als ein lustiges Volksstück. Die „Schlierfeeer" hätten es sonst kaum so prächtig dargestellt, als sie es gethan haben. DaS war „a Schneid" i» Spiel, eine herzerquickende Frische, so frei von jeder Künstelei, daß man aufrichtig bedauerte, als der Vorhang zum letzte» Male fiel. Auch diesmal thaten fich wieder bie Inhaber der Hauptrollen hervor: Willi Dirnberger als Bauer vom Berghof, Frau Therese als LieSl, Xaver Terofal als Quirin, das Ehepaar Dengg als Mathies und Kathrin, Mathias Gailing als Bierstudent u. f. f. Wenn wir nicht alle Darsteller mit Namen nennen, so sollen damit ihre Leistungen durchaus nicht herabgesetzt werden, sie waren eben alle gleich vortresflick an ihrem Platze. Die Tänze und Gesänge fanden wie immer lebhaften Beifall, ebenso die Zitheroorträge von Andr. Mehriuger uifb Paul Schell. Heute wird „Jägerblut" zur Aufführung kommen, eins der schönsten und lustigsten Stücke auf dem Repertoire ber „Schlierfeeer". Wir machen darauf ganz besonders aufmerksam. * * DaS Adreßbuch für 1895 ist soeben im Berlage vor Curt v. Münch ow erschienen und gelangt von heute an der Reihe der eingegangenen Bestellungen nach zur Ausgabe. Neu in demselben ist außer dem bereits früher besprochene» Plan der Stadt ein JnhaltSverzeichniß, die Aufführung ber Behörden im alphabetischen NamenSverzeichniß, verschiedene wichtige Localpolizei - Verordnungen, ein Verzeichniß der Inserenten, Notiz für Fremde: Spaziergänge in Gießen, nähere und weitere Ausflüge in dessen Umgebung, sowie endlich ein leicht abtrennbares besonderes Blatt „— Bitte an Jedermann — " enthaltend, für etwaige Berichtigungen bestimmt. Die mannigfachen Vorzüge des vorliegenden neue» Adreßbuchs dürften dasselbe für Jedermann unentbehrlich erscheinen kiffen. * * Jubelfeier. Am Mittwoch Abend fand im Saale deS Lenz'schen Felsenkellers dahier die Feier der Wiederkehr bef Tages statt, an welchem Herr Maschinenmeister Quem er vor 25 Jahren in den Dienst ber Oberhessischen Eisenbahnen eingetreten war. Die Jubelfeier, zu welcher bic sämmtliche» Werkstättearbeiter und das dienstfreie Locomottvpersonal erschienen war und der auch eine Anzahl VerwaltungSbeamte» beiwohnte, nahm einen solch schönen, würdigen und erhebende» Verlaus, daß wir eS uns nicht versagen können, mit einigen Worten darüber zu berichten. — Eingeleitet wurde die Feier durch den Jubilar mit einer warmen, tiefempfundenen, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Begrüßung- der sodann ein dreimaliges Hoch aus unseren allverehrten LandeS- fürften Se. Kgl. Hoheit ben Großherzog folgte, in das die Festversammlung begeistert einstimmte. Zahlreiche Ansprache» von Beamten unb Arbeitern, welche von warmer Verehrung für den Jubilar Zeugniß ablegten, Trinksprüche, Declamarionen, Gesangs- und Musikvorträge wechselten in bunter Reihenfolge miteinander ab und bewirkten alsbald nach Beginn ber Feier die gehobenste Feststimmung. Ganz besonders hervorhebe» müffen wir, in welch herzlicher unb ungekünstelter Weise gerade von ben Arbeitern, jetzigen und früheren, ber Liebe und Verehrung für ihren Chef in markigen, kernigen Worten Ausdruck verliehen wurde. Der Jubilar, Herr Maschinenmeister Querner versteht eS nun aber auch meisterhaft, bei vollster Wahrung der Autorität und strammer DiScipli», welche beide beim Eisenbahndienst unerläßliches Erfordernis sind, doch mit seinen Untergebenen in einer Weise zu verkehren , die diese sehr bald die Ueberzeugung gewinnen läßt, daß sie einen gerechten, wohlwollenden Vorgesetzten besitzen. Die Feier, welche bei allen Theilnehrnern gewiß die schönste» Erinnerungen zurückgelaffen hat, war insofern eine dreifache geworden, als gleichzeitig Herr Werkmeister Step Hany und der Wcrkflältearbeiter Herr Georg Ferber eine 25jährige Dienstzeit zurückgelegt haben und auch dieser Jubilare ""Ufien dkS a_ TÄ toie*,6touib, Ms. 4 ü°»°« 185 $«« Dd a«b«'« °"ch ''bringens bet hJ 2’1 °"d 1893194 Wu"«. 35,08 Procent in gspossk nennt Lartl- lrotz dieses Namens ein lustige« BotWL. rum io prächtig bar- ; wn „a Schneid" i» lrei von jeder Künstelei, c Vorhang zum letzte« nieder die Inhaber der 'ger als Bauer vom lauer Tervjal als NathieS und Kathrin, t u. s. Wenn wir n, so sollen damit ihn werden, str waren rbeu rtze. Die Tanze und n Beifall, ebenso bit nd Paul Schell. Heute j kommen, eins der dem Rcpertoke der tWtxfc «»1* geben im Berlage vor zelangt von heute an gen nach zur Ausgabe. t§ früher besprochen» I, die Aufführung der rzeichnih, verschiedene ein Berzeichniß der rziergänge in Gießen, esten Umgebung, sowie eres Blatt - Düte etwaige Berichtigungen deS vorliegenden neue« derwann unentbehrlich ;nb fand im Saale des ltI der Wiederkehr btt imenmeifter O--r»er * dl- f«®mll 4‘* . Locowotivpersonai er M BerwaltungSbeamtr« ,«!»«««. «“..'S ».-»55 reu allvE nÄ** • mer StlebruuS *’ fedafflfl,'onen' der Liebe Uetl Korten IW' ^.Liaft, bli : a«4 Meise iu ütP n einer -US« fittn befii» ■«. P».«H1 und »‘w in ehrendster Weiss gedacht wurde. Möge nun daß vorzügliche Einvernehmen zwischen dem Jubilar und seinen Untergebenen auch für die Folge bestehen bleiben, dies wünschen wir im Interesse beider Theile von ganzem Herzen. *• Aogendlicher Betrüger. In letzter Zeit wurden hier eine Anzahl Betrügereien zum Nachtheil von Geschäfts- lenten vermittelst falscher Rechnungen und Quittungen re. verübt. Der Betrüger wurde in der Person eines noch jugendlichen HauSburschen ermittelt und heute Morgen verhaftet. Derselbe gestand ein, sämmtliche Betrügereien, von welchen einige mit großer Rafsinirtheit ausgeführt wurden, verübt zu haben. ** Diebstahl. Ein Handwerks bursche, welcher tu hiesiger Klinik von Krätze geheilt worden war und heute Morgen entlassen wurde, entwendete vor dem Weggehen einem Patienten eine Taschenuhr. Der Dieb wurde auf die alsbald erstattete Anzeige hin in hiesiger Stadt aufgegrtffen, und fand sich die Uhr noch bei ihm vor. ** Der Gesetzentwurf, betreffend die Organisation deS Korstschutzes, welcher jetzt schon den dritten Landtag beschäftigt, gehr von folgenden Erwägungen miß: ES sollen unter entsprechender Theilnahme der waldbesitzenden Gemeinden künftig weniger, jedoch nach einem allgemeinen Organisationsplan eingetheilte Forstwartbezirke gebildet und diese allmälicd, nachdem die seitherigen Stellen frei geworden find, neu mit Forstwarten besetzt, diese in Dtenstklassen eingetheilt, sowie ausreichender und damit zum großen Theil bester als seither besoldet werden. Auch soll denselben Aussicht auf Ruhegehalt eröffnet, wie ihren Hinterbliebenen entsprechende Pension zu- gesichert werden. Die Kosten der Neuorganisation würden 473,073 statt bisher 448,701 Mk. betragen. Die Mehrheit des AusschuffeS ist mit der Neuerung einverstanden, welche nicht bloß die zum Theil heute ärmliche Stellung der Gemeindeforstwarte bestern, sondern auch für den Zustand der Waldungen und damit für die beteiligten Gemeinden Vortheilhast sein soll. Die Ausschußminderheit erachtet dagegen die Bortheile für zu schwer erkauft und will für die Gemeinden den seitherigen Zustand hinsichtlich der Zahl der tfoifttoarte und der Einflußnahme bei Bestimmung derselben erhalten wissen. Demgemäß beantragt diese in erster Linie Ablehnung der Vorlage, ist jedoch bereit, fallß die Kammermehrheit eine solche nicht beschließt, in die Beratung mit einzutrettn und schließt sich für diesen Fall der Mehrheit deS AusschuffeS an. Nidda, 1. Januar. Der Tod hat kurz vor der Jahreswende einen weiteren Alt-Niddaer abgerufen, dessen Leben über ein halbes Jahrhundert lang in Leid und Freud mit Nidda verknüpft war. Kaufmann Christian Jost hatte sich aus kleinlichen Verhältnissen zu einer Stellung emporgearbeitet, welche weit und breit daß höchste Ansehen ge- nosten hat. Auch dem Gemeinwohl widmete er dabei un- getheilt und vielseitig seine Thätigkeit. Er war ein durch und durch ehrenfester Charakter. Mainz, 2. Januar. Zu den Nothstandßarbeiten haben sich bis jetzt über 700 Personen gemeldet. Die Noth- standß-Commission tritt heute Nachmittag zur Berathung zusammen. Mainz, 3. Januar. Ein mit vielen Kindern gesegneter armer Schuhmacher ist durch den Tod einer entfernten reichen Verwandten plötzlich zu einem wohlhabenden Manne geworden- die ihm zufallende Erbschaft beläuft sich auf etwa 200,000 Mk. A Mainz, 3. Januar. Verflossene Nacht und während des ganzen heutigen Vormittags war in hiesiger Gegend heftiger Schneefall. Derselbe hatte in den ersten Morgenstunden manche Verkehrsstörungen verursacht und kamen sowohl die Züge der Außbahnen wie die Züge auß der Pfalz und von den linksrheinischen Linien mit beträchtlichen Verspätungen hier an. — In dem Maincanal wurden angesichtß der Kälte bereitß gestern die Nadeln gezogen und die Wehren niedergelegt. Auß dem Obermain kommt schon dünneß Treibeis. — Von der hiesigen Rheinbiücke aus ffprang gestern Abend der Portier der Hessischen Ludw'gs- bahn im Bahnhof Hanau in den Rhein und fand seinen Tod in den Wellen, lieber die Ursachen des Selbstmordes cursiren verschiedene Gerüchte. HechtSheim, 2. Januar. Das 10jährige Söhnchen des hiesigen Arbeiters Michael Werner hat sich beim Spielen mit einer Schlinge selbst erdrosselt. Die jüngeren Geschwister konnten dem bedauernöwerthen Knaben leider keine Hilfe bringen, und bis die Mutter auf daß Kindergeschrei herbeigeeilt kam, war der arme Junge eine. Leiche. A Ans Rheinhessen, 3. Januar. Unter dem Vorsitz deß Reichßtagßabgeordneten Heyl-Wormß findet den kommenden Sonntag in Osthofen eine Provinzversammlung des Bundeß der Landwirthe statt. Alß Redner sind für dieselbe vorgesehen: Oberbürgermeister Küchler-Worms, Abgeordneter Hirsch-Alßheim, Reichstagsabgeordneter Hehl- Worms und C. Lucke-Patershausen. Die beiden Erstgenannten werden über die Reform der directen Steuern, Hehl über den argentinischen Gctreideimport und Lucke- Patershausen über die Verstaatlichung des Getreideimports sprechen. Gedenket deehnngernden nnd ftierenden N-grl im Schnee! Eingesandt. Gieße«, 4. Januar 1895. 8«r Saaldarrfrage. Einsender dieses hat in verschiedenen Gesellschaftskreisen die Beobachtung gemocht, daß, sobald die Sealbaufrage berührt wurde, die Mehrheit der Ansicht zuneigte, es sei lebhaft zu bedauern, wenn vor einigen Jahren, heroorgerufen durch einige unvermuthete Zwischenfälle, daß Unternehmen gescheitert sei. Wenn wir unsere Nachbar- tädte ins Auge faffen, so sehen wir, daß selbst Orte von geringerer Einwohnerzahl wie Gießen einen würdigen Concert- und Theoter'aal besitzen und es ist wahrlich zu verwundern, daß in der Stadt Gi-ßen, die in jeder Hinsicht einen so gewaltigen Aufschwung nimmt, die Frage eines Saalbaus, dessen Bedürfniß Niemand leugnen kann, i» ver letzten Zeit gänzlich ins Stocken geratben konnte. Es gibt immer Leute, die am Biertisch gegen jede Neuerung geräuschvoll Front "ber Niemand nimmt diesen Protest gegen einen wohlthättgen ®°ol. £. “nb eine gedeihliche Entwickelung des Gemeinwesens ernsthaft und gerade die Protestler sind in der Regel die Ersten, welche sich eine von ihnen vorher bekämpfte Neueinrichtung aufs schönste zu Nutze machen. Man sollte sich fernerhin doch daran gewöhnen, die Saalbausrage nicht vom Standpunkt kleinlicher Ju- tereffen aus zu betrachten. Der künftige Saalbau wird keine Existenzen vernichten, aber die Verwirklichung der Idee wird eine neue Epoche im Kunstleben unserer Stadt bedeuten und wir meinen, daß darum alle Kreise von der Nothwendigkeit überzeugt sein müssen, die Saalbaufrage wieder zur öffentlichen Dikcusston zu stellen. Es kann hier nicht der Ort sein, umständlich den Plan zu entwickeln, wie das Saatbauproiect zu realifiren ist, es sei nur hervorgehoben, es zweifellos nicht mehr als des Zusammenwirkens einer Anzahl zielsicherer und bedachter Männer bedarf, um den Gedanken eine» ©aab und Concertraumes in Gießen in vollem Umfang wieder auf- zunehmen und feiner Verwirklichung entgegenzuführtn. Mächten otese Zeilen doch die Anregung geben, daß die maßgebenden Persönlichkeiten in unterer Stadl der Saalbaufrage wieder näher treten unb alle Gesellschaftskreise für dieses bedeutungsvolle Unternehmen interessiren. .z kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Sonntag 6. Januar, Epiphanias. Landetzmisstontzfest. Gottesdienst. In der- Statzttirche. Vormittags 9V, Um Professor D. Retschle. Nachmittags 8 Ubr: Pfarrer Schlosser. Collecte für die H^idenmisflon. Die Sinderktrche fällt diesen Sonntag auß und wird nächsten Sonntag. Vormittags 11 Uhr, gehalten, die Vorbereitung dazu Samstag den 12. Januar, Nachmittags 3 Uhr. Donnerstag den 10. Januar, Abends 8 Uhr,im Turnsaal der neuen Stadtknaoenschule Bibelstunde. 3« der Aohanneskirche. Vormittags 9Vi Uhr: Plärrer Dingeldey. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Lukasgemeinde. Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Collecte für die Heidenmisston. Montag den 7. Januar, Abends 8 Uhr: Bibelstande im Confirmandensaal der Johannes kircke. Erster Brief deS Johmnes, Cap 3 von Vers 11 an: Die Merkmale der Liebe., Pfarrer Dr. Naumann ! . W Am Sonntag den 13.Jrnuar Beichle und heil Abendmahl für die LukaSgemeinde im Abendgoltesdienst. Katholische Gemeinde. Sonntag den 6. Januar. Erschein««- des Herr«. SamStag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 6'/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; * um 6*/i Uhr erste hl. Messe; „ um 7‘/8 Uhr Austbeilung der hl. Comrnunion; u um 8 Uhr zweite hl. Messe; „ um 9Vi Uhr Hochamt mit Predigt. Abends um 6 Uhr Festandacht mit Segen. Berei« für jüdische Geschichte «nd Siteratnr r Wetzsteingasse 8, Nachmittags 2 Uhr. 238 verkaufen. empfiehlt per Pfund 242 Schlitten 60] Seltersweg. heim Beuern, empfiehlt 136 J- Mb Schulhof. ab 276 Bester Bahnhofstr. 33. i38j Bahnhofstraße 57. „X93? ,, V38 „ 92 an lOjo 823 834 843 858 90» 9-4 920 in verschiedensten Preislagen empfiehlt A. Kilbinger, größerem Quantum billiger Ph. Bauer, Bienenzüchter Donnerstag den 10. Januar, Vormittags 11 Uhr, auf unserem Stadtbauamte im Wege des schriftlichen Angebotver- fahrens verdungen werden. Bedingungen liegen daselbst offen und sind Angebote auf vorgeschriebenem, dort erhältlichen Formular bis zum genannten Termin beim Stadtbauamt einzureichen. Gießen, den 2. Januar 1895. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 257 Gr.BberheMche Eisenbahnen. Wit dem 8. Januar d. I. beginnend wird der Zug 8 auf der Strecke Als- feld—Gießm wie folgt geändert und be- Weuniot: / Thee \ (/ Souchong, feines Blatt, kräftiges, hochfeines Aroma, per Pfund Mk. 3.— fow. 6 weit. Sorten Souchong, iPecco, Imperial u.sw., schon vd. 2jl an p. Pfd. empfiehlt^ \ Emil Orbig. V . (2411 Alsfeld Z-U-Nomrod Ehringshausen Burg-Nieder-Gemünden Nieder-Ohmen Mücke Grün berg Saasen Reiski>ch-n Großen-Buseck Gieße« Matzen aus der Matzenfabrik von A. Gries- 50 Pfennig SZS Emil Orbig „Floska“, das beste Futter für Goldfische, ä Dose 15 Pfg. empfehlen A. &. 6. Wallenfels, 21 Markt 21. [247 222 Wagner IWiihlich, Dammsti aße Schellfisch uni) Weißfisch 164______________im,Rebstocks C ervelatwurst feinste Gothaer, hält stets am Lager 243 Emil Fischbach. Gießen, den 2. Januar 1895. __________ Gr. Direction. frisch geschossene, per Stück 3,20 Ji zu haben bei WildhSndler Ebel. 221 Schlitten Areißeköeeren ein- und zweispännige billig zu! ganz vorzüglich, in 50 pCt. Zucker, Verdingung. Da» zur Unterhaltung der städtischen Straßen und Wege für 1895/96 «forderliche Deckmaterial, nämlich 1. Basaltkleinschlag: Loos I — 330 cbm, „ n - 270 „ „ LU — 310 „ 2. Lahnkies (Naturkies): LooS I — 360 cbm. Prima Nußkohlen öwb Briketts fuhren- und centner- weise empfiehlt billigst 256 l Kenkchnig, selbstgezüchteten und prämiirt, verkauft per Psuud 1 Mark, in U — 360 „ III — 360 „ H // soll Aatßverdeck (Mylord) fast neu, billig zu verkaufen. 263 Näheres in der Exped. d. Bl. Kisihgkschoffk«k Hasen bei Frau ZSeb. MäuSburg 9- 235 groß und frisch, empfiehlt 268 I. Schäser, Kirchenplatz 4. 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Gnauth. 260 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme während der kurzen, schweren Krankheit, sowie für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Gatten, Vaters, Sohnes, Bruders und Schwagers, Herrn H. Zipp, 271 sprechen wir Allen, da es unserer trauernden Schwester unmöglich ist, einem jeden Einzelnen zu danken, für die reichen Blumenspenden, besonders aber Herrn Pfarrer Schlosser für die trostreiche Grabrede, sowie für das tiefinnige 9'eileib des Vorstandes und Vereines der Gastwirthe, unseren herzlichsten Dank aus. Die trauernde« Hinterbliebenen. Pelzwaaren, große Auswahl in allen Neuheiten. Solide Bedienung. 9851 Ai Kretzschmar, Kürschnermeister, Marktplatz 22. Der interessanteste und gesündeste Winter-Sport für Herren, Damen und Kinder ist das Schnecschuhlaufcn. Großes Lager in Schneeschuhen bester Qualität empfiehlt 277 A. Kilbinger, Seltersweg 19. 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Ich kann daher nicht Unterlasten, dem ge nannten Herrn hiermit meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Werd«« a. d Ruhr, FlachSmarkt 27. Jakob HaUmann 251 Korbwaaren > Handlung. Verein (fommts von 1858 Hamburg, Kl. «Lckerftr. 32. Hauptzweck: Kostenfreie Stellen - V ermittelung : 4119 Stellen in 1893 besetzt; Pensions-Kasse mit gnvaliden-, Wittwen-, Alters- u. Waisen- ersorgung; Kranken- und Begräb- niß-Kasse, eingeschriebene Hülfskasse mit Freizügiokett über das Deutsche Rflch Neber 4G 000 BereinSangebSrige. Die Mitgliedskarten für 1895 und die Quittungen der verschiedenen Kasten liegen zur Einlösung bereit. Eintritt tügltch. Vereinsbettrag jährlich 6 Mai L GefedLftsfielle für Gießen bei Herrn »rnstWtegeiman n, Badnhofstr.27.262 AeUerer Hausbursche mit guten Zeugnissen gesucht. 267______________Marktplatz 17. Köchin x perfect, für großen Hausstand in Wiesbaden gesucht- Lohn 30 Mark monatlich Näheres Lutzwigfir. 47. 275] Braves Mützchen, in HauSarb. tücht-, sofort gesucht. Marburgerftr. 29. Mustrirte Arauen-Zeitung. Ausgabe der „Modenwelt" mit Unterhaltun gSblatt. Jährlich 24 Doppel Nummern, vom 1 Januar 1895 ab enthaltend je, 12 Seiten UuterhaltungSblatt r Romane Nomllen, Feuilletons, RedacttonS. Post. Aus dem Leserkreise. Jährlich etwa 200 Vollbilder u. Text Illustrationen' 4 Seiten Beiblatt r Portraits Kunstgewerbliches, Aus der Frauenwelt, Mode und Handarbeiien, Literarisches; 12 Seiten Motzeblatt: Toiletten und Handarbeiten. Jährlich etwa 2000 Ab- b lbunten. — Ferner jäh lich: 12 Beilagen mit etwa 240 Schnittmustern: — 24 farbiae Modenbilder mit gegen 160 Figuren; — 8 Extra»Blütter; — 8 MusterblLtter für künstlerische Handarbeiten. — DaS Ganze in farbigen Umschlägen. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen jederzeit Abonnements zum Vierteljahrs Preise von X 2.50 — fl 1.50 ö. W. an. — Außerdem erscheint eine Große Ausgabe mit jährlich 60 farbigen Modenbiltzern zum Vierteljahrs» Preise von X 4.25 — fl. 2.55 ö. W. 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Januar, Abends 81/2 Uhr, im Cafe Ebel: General - Versammlung, zu welcher auch unsere verehrlichen passiven Mitglieder zwecks Ausübung ihres Wahlrechts hiermit eingeladen werden. 278 Der Vorstand. Zimmer stutzen-V er ein. Die Schießabende beginnen wieder Montag den 7. Januar im Schützenhaus. [258] Der Vorstand. Brauerei Fort sch. Heute Samstag Abend humoriftifches Frei-Concert verbunden mit Verloofung. Salvator im Ausschank, wozu einladet (272) Jean Arnold. 3W Zur Stadt München. "WS <£>eutc Samstag großes humoristisches CONCERT oüne 1() pfg 279 Geschäfts -Zerlegung. Meiner werthen Kundschaft, Nachbarschaft und Gönnern zur gefälligen Mittheilung, daß ich mein Geschäft nach meinem Neubau Löberstrasse 17 verlegt habe. Gleichzeitig empfehle ich mich in allen in mein Fach einschlagenden Arbeiten, sowie im _____273 MF* Anlegen von Haustelegraphen. TB® Hochachtungsvoll _________Heine. Hansel, Schlossermeister. Kandaröeits -Mnierricht. Die Stunden beginnen Montag den 7. Januar. 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