Nr. 3 Der gttftener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamitienvtälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal brigelegt. Erstes Blatt. Freitag den 4. Januar 1895 Meßener Anzeiger Kenerat-Z^nzeiger. Vierteljähriger ASounementspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redactian, Expedition und Druckerei: Schukstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Zlnrts- und Anzeigeblntt für den Ttveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamitienbtätter. Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmtlid?er TheiL. Bekanntmachung. Herr Landwirthschaftslehrer Leitbiger von Alsfeld wird Sonntag den IL.Januar 1895,Nachmittags 2 Uhr, zu Queckborn in der Wirthschaft des Herrn Wtlh. Heßler über richtige Bewirthschaftung des Bauerngutes einen Vortrag halten. Zu diesem Vortrage werden alle Mitglieder des land- wirthschaftlichen Vereins, sowie alle Freunde der Landwirth- schaft freundlichst eingeladen. Die Herren Bürgermeister der oben genannten und benachbarten Gemeinden werden ergebenst ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hiuzuwirken. Gießen, den 3. Januar 1895. Der Dtrecror des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen: Carl Jost. Gießen, 3. Januar 1895. Betr.: Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taubstummen-Anstalten des Landes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Ortsschulvorftände des Kreises. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 7. September 1857 sehen wir Ihren Berichten darüber entgegen, ob in Ihren Gemeinden taubstumme Kinder vorhanden sind, welche daß zur Aufnahme in eine Taubstummen-Anstalt erforderliche Alter erreicht haben. Die Kinder müsien das 8. Lebensjahr erreicht, dürfen aber das 12. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben. Sollten sich aufnahmsfähige taubstumme Kinder in Ihren Gemeinden vorfinden, dann wollen Sie sich über die Verhältnisse der Eltern der Kinder ausführlich äußern und sich hierbei des nachfolgend abgedruckten Formulars, desien einzelne Rubriken sorgfältig auszufüllen sind, bedienen. v. Gagern. Namen K der q Taub- stummen. 1. 2 E 3 4 5. 6 Namen der Eltern und ihre Beschäftigung. 7. Bei der Geburt war alt ** 35 8. Wieviel Geschwister am Leben gestorben I Veranlassung der Taubheit taub « geworden 11. | 12. (N>. *9 5 o B c c e A Umfang der Taubheit Unterrichtet B B 'Ö 14. 15. 16. «P Xi a d E N 17. 18. Deutsches Reich. Berlin, 2. Januar. Der Jahreswechsel hat auch diesmal an verschiedenen Brennpunkten der europäischen Politik die üblichen Neujahrsansprachen gezeitigt. Indessen ist in denselben, soweit sich die Meldungen hiervon übersehen lassen, weniger von der allgemeinen Lage die Rede gewesen, als vielmehr von den inneren Verhältnifien der betreffenden Länder, wie dies namentlich von den Kundgebungen anläßlich der officiellen Neujahrsempfänge am italienischen Hofe und in Budapest gelten darf. Die internationalen Beziehungen scheinen eben nur bei den Wechselreden zwischen dem Präsidenten der französischen Republik und dem päpstlichen Nuntius berührt worden zu sein. Letzterer betonte in seiner Ansprache, daß, wie oft auch die Interessen der Nationen auseinandergingen, es doch ein höheres Jntereffe gebe, welches die Völker im Gefühle der Brüderlichkeit vereine, das Jntereffe des Friedens und der Gerechtigkeit. Die Erwiderung des Herrn Casimir Perier war in ähnlichem Sinne gehalten und hob die Friedensliebe und den Wunsch Frankreichs hervor, sich gleich den übrigen Nationen ganz den Werken der Freiheit, Gerechtigkeit und socialen Brüderlichkeit zu widmen. Jedenfalls spricht gerade der Umstand, daß in den diesmaligen politischen Neujahrskundgebungen die internationale Lage weniger gestreift worden ist, als bei gleichen früheren Anlässen, dasür, wie sehr man allseitig in den maßgebenden Kreisen den europäischen Frieden sür gesichert hält. — Unter den commandirenden Generälen, welche sich an der Neujahrscour am Berliner Hofe betheiligt hatten, befanden sich auch die Prinzen Georg von Sachsen und Arnulf von Bayern. Während aber Prinz Georg bereits am Nachmittage des Neujahrsfestes wieder in Dresden eintraf, verweilte der bayerische Prinz noch bis Donnerstag als Gast am kaiserlichen Hofe, welcher lange Besuch des Prinzen Arnulf offenbar für das ausgezeichnete Verhältntß zwischen den Höfen von Berlin und München spricht. — Die vielverbretteten Gerüchte über Verstimmungen zwischen Kaiser Wilhelm und dem König Wilhelm von Württemberg gelegentlich des Manöver- Besuches des letzteren in Ostpreußen sind von Niemand Geringerem als dem württembergrschen Herrscher selbst dementirt worden. Kömg Wilhelm empfing kürzlich einen hohen Staatsbeamten und bezeichnete der Monarch hierbei, wie bestimmt verlautet, die betreffenden Gerüchte als vollständig erfunden, den Wunsch hinzufügend, es möge dieser Sachverhalt in den weitesten Kreisen bekannt werden. Neueste Nnchvichten. WolffS telegraphische« Lorrespondmz-Bureau. Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffent- licht einest Erlaß des Finanzministers über die Veranlagung der staatlichest Gewerbebetriebe zur communalen Gewerbesteuer. Wien, 2. Januar. In Arco wurde das Testament des Exkönigs Franz II. von Neapel eröffnet. Die Verlesung dauerte drei Stunden. Erzherzog Rainer übernahm die Stelle des Testamentsexecutors, welche Erzherzog Albrecht mit Rücksicht auf sein hohes Alter abgelehnt hatte. Universalerbe ist der Graf von Caserta (Stiefbruder des Verstorbenen aus des Vaters zweiter Ehe mit einer österreichischen Erzherzogin). Das Gesammtvermögen beträgt mehrere Millionen. Die Wittwe hat die Nutznießung von einent großen Theile der Erbschaft. Die Legate betragen 880,000 Fr. zu wohlthätigen Zwecken in Neapel und Palermo- es find die dortigen Cardinäle mit der Verthetlung betraut. Außerdem enthält das Testament bedeutende Vermächtnisse an Verwandte und Diener. Feuilleton. Frankfurter Theaterbries. (Originalbericht für dm „Gießmer Anzeiger".) (Nachdruck verboten.) Das Schlierfeer Bauerntheater. — Das tapfere Schueiderleiu. — „Wie die Alten fnugeu." Dr. M. Um die Weihnachtszeit herum war das Quartier der gastirenden Schlierseer Bauern die Gegend zwischen Rhein und Main. Von Darmstadt gings nach Frankfurt, von da nach Wiesbaden, und Gießen macht gegenwärtig die Bekanntschaft dieser Wandertruppe, welche unter der vorzüglichen Leitung des Münchener Regisseurs Konrad Dreher kunst- bühnensähtg geworden ist und bet dem Herumziehen von Theater zu Theater doch keineswegs den Zusammenhang mit dem heimathlichen Boden eingebüßt hat. Das Talent der Schlierseer hat seine Wurzeln in der weiten und doch auch engen Gebirgswelt, in welcher sich die Fäden ihres Daseins abspinnen. Diese Welt ist uns schon lange zugänglich ge- macht durch den Dorfroman, die Dorfnovelle und die vielen gemütlichen Kalendergeschichten, die z. B. der „LahrerHinkende" seinem Publikum mit besonderer Vorliebe zu bieten pflegt. Aber von Jeremias Gotthelf an, dem Vater der Dorfgeschichte, bis auf Anzengruber, den genialsten Erfaffer und Verarbeiter dieses Gebiets, ist es doch immer eine zweite und besonders geartete Individualität, die sich zwischen Stoff und Publikum einschiebt. Diese Mittelsperson fällt nun beim Schlierseer Bauerntheater fort. Die Gestalten des dörflichen Melodrams, gleichviel ob dieses nun aus der Feder Gang- hofer's, Schmid's oder anderer Kenner bäurischen Lebens geflossen ist, werden nicht durch Berufsmimen, sondern durch die Originale und Modelle selbst verkörpert, und darin ruht der Erfolg dieses Ensembles. Die Schlierseer „schauspielern" nicht, sie geben sich selbst, und die Stücke, die sie auf ihrem -Repertoire haben, wie der „Herrgottsschnitzer von Oberammergau", „der Protzenbauer", „Jägerblut", „'s Lieserl' vom Schliersee"-, „Almenrausch und Edelweiß" rc., tragen Sorge, daß diese Eigenart zu voller Geltung kommt und nicht durch fremde Züge beeinträchtigt wird. „Jodler", „Zitherspiel" und „Schuhplattler" schaffen in allen diesen Stücken das stimmungsvolle Beiwerk. Von dem verwöhnten Frankfurter Theaterpublikum sind die Schlierseer aufs herzlichste bewillkommnet und richtig verstanden worden, ebenso hat die dortige Presse an ihr Wollen und Können den richtigen Maßstab gelegt und die Abwesenheit theatralischer Mäzchen bei dieser Truppe nicht beklagen zu müssen geglaubt, wie das anderswo bei naiven Reporter- gemüthern der Fall gewesen ist. Aloys Prasch, der Intendant des Mannheimer Hoftheaters, nimmt sich mit Erfolg der Weihnachtscomödie für unsere Kleinen an. Es kann ja darüber verschiedene Meinung walten, ob der schlichte Ton deutscher Hausmärchen zur sinnberauschenden Pracht orientalischer Feerie zu steigern sei — aber es kann kein Zweifel darüber sein, daß Herr Prasch sich auf diese Ummodelung des Grundstoffs zum Zauber- und Ausstattungsstück vortrefflich versteht. Sowohl sein „Dornröschen", welches im vergangenen Winter den Darmstädtern als Weihnachtscomödie geboten ward, als auch die Dramatisirung des „Tapferen Schneid er lein", die am 24. Dccember am Opernhause erstmalig in Scene ging, mit G. v. Rößler's Musik, sind hierfür Beweis. Prasch hat den schlichten Märchenstoff an einigen Stellen der theatralischen Wirkung zu Liebe erweitert und bereichert. Die Regte thut alles, um den Intentionen des Autors gerecht zu werden. Karl Niemann's dreiactiges Lustspiel „Wie die Alten sungen" hat nun auch in Frankfurt seinen Einzug gehalten. Das Stück fällt, nicht in die Rubrik der Werke, über welche man Dtscussion eröffnet. Das Urtheil lautet überall so ziemlich gleich. Eine angenehme, wohlthuende, allerdings keine sehr starke Wirkung geht von dieser Comödie aus, die sich von den Brosamen nährt, die von der Herren Tische fallen. Einmal gibt sich Niemann's „Wie die Alten sungen..." ganz klar und deutlich als eine Fortsetzung der Hersch'lchen „Anna Ltse" — in Frankfurt wird dieser Zusammenhang auch schon äußerlich dadurch gekennzeichnet, daß man beide Stücke an einem Tage aufführen läßt — zum anderen Mal zeigt er uns, daß er Gutzkow's „Zopf und Schwert" mit Vortheil gelesen. Die Figur des „alten Dessauer", der in Frankfurt von Herrn Diegelmann als echter Charakterkopf herausgearbeitet wird, steht in seinem rauhen, soldatischen Wesen und seinem sonstigen Gebühren der Despotennatur Friedrich Wilhelms L, mit welcher er ja auch die gleiche Zeit theilt, außerordentlich nahe. Leopold von Deffau und seine Anna Lise sollten von rechtS- wegen im Hintergründe der Vorgänge placirt sein, aber unmerklich rücken sie in den Vordergrund und verdrängen die Theilnahme an dem jungen, ohnehin etwas schemenhaft behandelten Liebespaar. Das Geschick des jungen Erbprinzen und seiner Erkorenen versetzt uns in keine große Erregung, denn über den guten Ausgang sind wir, da kein ernstliches Hinderniß ihrem Glück sich entgegenftemmt, im Voraus beruhigt. Stärkeres Jntereffe nöthigen uns die Episoden mit ihrem anecdotarischen Beiwerk ab, so besonders der Auftritt des 1. Acts, wo dem alten Fürsten von der Obftverkäuferin und ehemaligen Marketendertn (die resolute Alte wird von Frau Freund dargestellt) die Leviten gelesen werden. DaS Lustspiel wird sich um seines gesunden Kerns und der kräftigen Zeichnung einiger Figuren willen noch einige Zeit auf dem Spielplan halten können. Allerdings hätte der Autor gut gethan, den bescheidenen Stoff auf engerem Raume zusammenzudrängen anstatt ihn in die Breite zu ziehen. _____________ Budapest, 2. Januar. In parlamentarischen Kreisen ist die Annahme verbreitet, daß der BanuS Graf Khueu- Hedervary die Bildung des neuen EabiuetS ablehnte; doch fehlen beglaubigte Nachrichten. Die Entscheidung liegt ausschließlich in den Händen deS Königs. Wenn der BanuS mit der Cabinetsbildung betraut werden sollte, was bisher noch nicht geschehen, dürfte er ohne Zweifel Erfolg haben. Prag, 2. Januar. Im Walde nächst Braunau fand eine Ansammlung von ungefähr 6000 Personen statt infolge deS verbreiteten Glaubens an eine MuttergotteS-Er- schetnung. Die Gensdarmerie schritt ein, wobei zwei Personen leicht verletzt wurden. — Im Kleinseitener StaatSleihamt ergab sich bei einer Nachprüfung, daß zahlreiche Pfänder nur vergoldet waren, wodurch das Leihamt um 50,000 Gulden geschädigt erscheint. Depeschen bet Bureau „Herold*. Berlin, 2. Januar. Bet dem gestrigen NeujahrS- empfang soll der Kaiser den Reichskanzler mit großer Auszeichnung behandelt haben. Der Kaiser und die Kaiserin traten bet dem Herannahen des Reichskanzlers eine Stufe vom Throne herunter und reichten demselben beide Hände. Berlin, 2. Januar. Bet der gestrigen Parole Außgabe soll der Kaiser eine politische Ansprache nicht gehalten haben. Die Unterhaltung drehte sich lediglich um die diesjährigen Kaiser-Manöver zwischen dem Garde-Corps und dem zweiten Armee-CorpS. Berlin, 2. Januar. Der „Localanzeiger" meldet: In der Rede des Kaisers an die commandtrenden Generäle bet der gestrigen Parole-AuSgabe legte der Monarch denselben dringend ans Herz, die Offizier-Corps zur möglichsten Sparsamkeit anzuhalten. Der Kaiser gedachte auch der vorzüglichen Leistungen der Japaner in dem Kriege gegen China. Berlin, 2. Januar. Wie die „Post" meldet, hat der Kaiser bet dem gestrigen Neujahrsempfange der Botschafter politische Fragen nicht berührt, auch keine den Gesandten geltende Ansprache gehalten. Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" bringt die Verleihung des schwarzen AdlerordenS an den General Grasen Wa ldersee. Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzetger" bringt ausführlich die Verhandlungen, welche zwischen dem deutschen Vertreter in Tanger und der marokkanischen Regierung anläßlich der Ermordung des deutschen Reichsangehörigen Franz Neumann stattgefunden haben und deren Ergebntß war, daß der Mörder hingerichtet und desien Mitschuldige zu lebenslänglichem Gefängniß verurtheilt wurden. Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" bezeichnet die Angaben des „Vorwärts" vom 25. November 1894, wonach bei den gegenwärtig stattfindenden Control-Vcrsammlungen den Mannschaften mitgetheilt worden sei, daß im Jahre 1894 eine so massenhafte Bestrafung von Heerespflichtigen habe ftättfinden müssen, wie nie zuvor, als gänzlich unrichtig. Die Zahl der Bestrafungen sei im Jahre 1894 erheblich geringer gewesen, als im Vorjahre. Berlin, 2. Januar. In einer gestern in Friedenau bei Berlin abgehaltenen Volksversammlung sprach Retchs- tagSabgeordneter Zubeil über die Entstehung deS Bier« boykotrS und die Ursachen des Kampfes. Bei der Aufhebung des Bierboykotts seien die bevorstehenden politischen Ereignisse mit bestimmend gewesen, die Kräfte dürften bei dem der Arbeiterschaft bevorstehenden Kampfe nicht zersplittert werden. Redner ist der Ansicht, in nächster Zeit stehe die Auflösung deS Reichstages bevor, nicht wegen der Umsturzvorlage, die höchst wahrscheinlich eine Majorität finden werde, sondern wegen der Steuervorlagen, wegen der geforderten Panzerschiffe, sowie wegen der Erhöhung der Halbbataillone in Vollbataillone. Deshalb sei es gerathen, alle Parteikräfte beisammen zu behalten. Am Schluffe der Versammlung wurde der sogenannte Kleinkrieg gegen einzelne Wirthe, welche sich während des Bierboykotts gegen die Arbeiterschaft ungehörig benommen hatten, angekündigt. Köln, 2. Januar. Das katholisch sociale Programm der katholischen Socialpolitiker Deutschlands, welches in der katholischen Presse im letzten Sommer veröffentlicht wurde, ist vor kurzer Zeit dem Papste mit der Bitte um Billigung des Vorgehens und um Verleihung des apostolischen Segens zugegangen. Wie die „Rhein. Volksstimme" erfährt, hat der Papst der Bitte entsprochen, was durch ein Schreiben deS Cardinals Rampolla mitgetheilt wurde. Der Preffe dürfte in Kürze eine Abschrift des Schreibens zugehen. München, 2. Januar. - Se. Königl. Hoheit der Prinz- regent und Fürst BtSmarck haben auch Heuer wieder anläßlich deS Jahreswechsels herzlich gehaltene Glückwunschtelegramme ausgetauscht. München, 2. Januar. Nach einer Meldung der „Münch. Neuest. Nachr." hat daS KriegSmtuisterium angeordnet, daß eine durchgreifende Sanirung des LechfeldlagerS vorzunehmen sei. Stuttgart, 2. Januar. In dem heutigen RegierungS-. blatt wird daS königliche Wahlausschreiben, nach welchem die Landtagswahlen auf den 1. Februar festgesetzt sind, publicirt. Karlsruhe, 2. Januar. Auf dem Schwarzwalde sind ungeheure Schneemassen gefallen. Der Schnee liegt meterhoch. Am Montag ist ein mit zwei Maschinen bespannter Zug der Zell Todtnauer Bahn bei Wambach im Schnee stecken geblieben und mußte ausgegraben werden. Der Verkehr zwischen Zell und Todtnau tonb durch Schlitten aufrecht erhalten. Wien, 2. Januar. Der Kaiser begibt sich morgen nach Budapest. Wie von gut unterrichteter Seite behauptet wird, wird Graf Khuen Hedervary mit der Cabinetsbildung betraut werden. Dagegen soll nach Bester Meldungen die liberale Partei auf einem Cabinet Banffy bestehen. Wien, 2. Januar. Ungefähr 200 von einer kroatischen Sokol'Versammlung zurückkehrende Personen stürmten elu koeal, in welche« italienische Bürger nebst ihren Frauen belästigt wurden. ES entstand eine große Panik, da die Angreifer sich grober Ausschreitungen schuldig machten. Die Frau eines Gerichtspräsidenten flüchtete durch daS Fenster. ES kamen zahlreiche Verwundungen vor. Lemberg, 2. Januar. Infolge großer Schneefälle sind Verkehrsstörungen eiugetreten. Der Bahnverkehr ist theilweife unterbrochen. Paris, 2. Januar. In einer'auSführlichen Besprechung über die im Jahre 1894 stattgefuudenen politischen Ereignisse hebt ein Theil hervorragender Blätter die zwischen dem Norden und dem Süden in Deutschland ausgebrocheueu Streitigkeiten hervor. Die Blätter behaupten, eß wäre auf höheren Befehl geschehen, daß die Berliner Preffe sich enthalten habe, auf die Provocationen der süddeutschen, besonders der Stuttgarter Blätter zu antworten, um nicht die Einigkeit des Reiches zu gefährden. Paris, 2. Januar. Entgegen dem Gerücht, daß die Expedition nach Madagaskar nicht stattfinden werde, theilt die officiöse Preffe mit, daß die von der Regierung früher gemachten Angaben über die Expeditionscorps im ganzen Umfange bestehen bleiben und daß die Anwerbung der neuen Truppen bereits begonnen habe. Am 15. März soll das ganze Expeditionskorps marschbereit sein. Loudon, 2. Januar. Der „Standard" bespricht heute die Neujahrsansprache Casimir PerierS an daS diplomatische Corps und sagt: Wie seine Vorgänger leitet Perier den Staatswagen mit Würde. Dieses ist ein wichtiger Punkt, denn der Augenblick ist vielleicht nicht mehr ferne, wo die europäischen Nationen aufeinanderplatzen. Krieg bleibt möglich, denn überall bemerkt man in Europa die Zeichen bedenklicher Agitationen. Petersburg, 2. Januar. Als Nachfolger deS Grafen Schuwalow für den Botschafterposten in Berlin wird jetzt außer General Richter auch der Gesandte am bayerischen Hofe Graf von der Osten-Sacken genannt. Petersburg, 2. Januar. Kaiser Nicolaus hat eine Commission ernannt, deren Aufgabe es ist, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, welcher die Lage der auf administrativem Wege nach Sibirien verschickten Personen günstiger gestalten soll. Belgrad, 2. Januar. Gestern begann der Proceß gegen den BeztrkSsecretär Diakovics, welcher angeblich geplant hat, den König bet einem Festmahle zu ermorden. Belgrad, 2. Januar. Wie verlautet, herrscht zwischen König Alexander und Exkönig Milan ein ernster Zwiespalt. Localer tut» proDtniteQe» Gießen, den 3. Januar 1895. * ♦ Kreisausschuß'Sitzuug. Samstag den 5. Januar d. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschuffes des Kreises Gießen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Wildschadensklage in der Gemarkung Leihgestern (Verkündigung des UrtheilS)- 2. Die von dem Wirth Adolf Vogt zu Gießen in den Stadtbach angelegte Treppe. * * Auszeichnung. Sein^Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht, dem Rentner Friedrich Kofler zu Darmstadt den Character als Hofrath zu ertheilen. * * Theater-Verein. Dem Vorstande des Theater-Vereins ist es gelungen, das Wiesbadener Residenztheater für eine Reihe von Gastspielen zu gewinnen. Am 18. Januar findet die erste Vorstellung statt und wie wir erfahren, ist die Wahl auf ein ebenso intereffantes wie wirkungsvolles Stück gefallen, daß uns die Wiesbadener Künstler gleich bet ihrem ersten Auftreten im feinsten Zusammenspiel und in schönster Be- thätigung ihrer vorzüglichen Kräfte zeigen wird. Das Programm wird binnen Kurzem bekannt gegeben. — Auch das Ensemble des Darmstädter Hoftheaters dürfen wir im Laufe der nächsten Wochen erwarten. Zur Darstellung ist ein Stück ausersehen, für deffen Jnscenirung am Darmstädter Hoftheater sich Seine Königliche Hoheit der Großherzog lebhaft interesfirt hat. Niemand wird es der Leitung des Theater- Vereins verargen, wenn sie auS Gründen der Taktik und Diplomatie nicht aus der Schule plaudert. — Es sei schließlich noch bemerkt, daß auch daß Frankfurter Stadttheater unß einen genußreichen Abend in Aussicht stellt, sodaß sich die diesjährige Saison des Theatervereins zu einer besonders glanzvollen gestalten dürfte. * * H. Das zweite Auftreten der „Schlierseeer" hatte gestern Abend eine kleine Völkerwanderung nach dem Cafe Leib veranlaßt. Wie schon am Dienstag war auch diesmal das Publikum enthusiasmirt von der geradezu verblüffenden Natürlichkeit der Darstellung. Das Stück „Almenrausch und Edelweiß" trägt einen ernsteren Character und der Humor tritt etwas in den Hintergrund. So hatten die Darsteller Gelegenheit, eine Innigkeit und zugleich Feinheit des Gefühls zu entwickeln, die auf Jeden überwältigend wirken mußten. Athemlos lauschte das Publikum der Sennerin Eri (Anna Dengg) und Rühelbäuerin (Anna Reil), die beide ohne Zweifel das höchste Lob verdienen, hingerissen war es von dem Spiel des RühelbauerS (Gustl Wild) und seines Sohnes (Joseph Meth). Und alle die anderen, Therese Dirnberger als Cordl, Xaver Terofal als lustiger Hies vom Rühel, Mathias Gailing als Gaberl, Willi Dirnberger als Quasi, Michael Dengg als Reinthaler u. s. w., verstanden es meisterhaft, die richtige Stimmung zu treffen. In den Zwischenacten boten uns AndraS Mehring und Paul Schell prächtige Leistungen auf der Zither, von denen besonders daß Solo „Heimkehr" mit Orchesterbegleitung großen Anklang fand. Die Schlierseeer haben sich schon jetzt die volle Gunst beß Publikums erworben, möge der Erfolg der nächsten Vorstellungen dementsprechend sein. • * Omnibus - Gesellschaft - Generalversammlung. Die für morgen Abend anberaumte Generalversammlung, in welcher über die Einschränkung bcß Betriebes Beschluß gefaßt werderr sollte, wußte eingetretener Erkrankungen wegen, wie aus bent Juserarentheil ersichtlich, um acht Tage verschoben toerben. * • Kirchliche Dieustoachrichten und eoueurreureroffuuNge«. Dem Pfarrverwalter Hermann Rückert zu Griebel wurde die evangelische Pfarrftelle daselbst übertragen. Der Pfarrassistent Schnellbächer in Bönstadt wurde zum Pfarrverwalter zu Blofeld ernannt. — Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Nieder-Ohmen, die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Grebenau. * ♦ Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt find: Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Ober Ohmen, Kr. Alsfeld, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Appenheim, Kr. Bingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienft verbunden. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büdesheim, Kr. Bingen, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 1000 biß 1600 Mk. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Die mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu SoonSheim, Kr. Singen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Dietersheim, Kr. Bingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienft verbunden. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Elsheim, Kr. Bingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienft verbunden. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Arheilgen, Kr. Darmstadt, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 1000—1600 Mk. Mlt der Stelle kann Organistendienft verbunden werden, auch können dem zu ernennenden Lehrer die Functionen eines Oberlehrers an gedachter Schule gegen besondere Vergütung übertragen werden. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Schar- bach, Kr. Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeinkeschule zu Ober-Abtsteinach, Kr. Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organtftendienst verbunden. Dem kathol. Pfarrer zu Ober-Abtsteinach, lowle den OrtSvorständen zu Ober- und Unter-Abtsteinach, Trösel, Flockenbach, Gorxheim, Löhrbach und Mackenheim steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Nieder Liebersbach, Kr. Heppenheim, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 900 biß 1000 Mk. Eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Wimpfen a. B., Kr. Heppenheim, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 1000 biß 1200 Mk. ♦ * Schvldienstnachrichlen. Am 30. November wurde der von dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, auf eine Lehrerstelle (1. Mädchenschulstelle) an der Gemeindeschule zu Schlitz, Kreiß Lauterbach, präsentirte Schulamtsaspirant Karl Stein aus Köddingen, für diese Stelle, am 8. December wurde der von dem Stadtvorstand zu Grünberg auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grünberg, Kreiß Gießen, präsentirte Schullehrer Georg Länder zu Lehnheim für diese Stelle bestätigt; am 14. December wurden die provisorischen Lehrerinnen an der höheren Mädchenschule zu Alzey Elisabeth Rah aus und Elisabeth Sommerhof zu Lehrerinnen an dieser Schule, an demselben Tage wurde der provisorische Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Dieburg, Benefiziat Wilhelm Engelhard zum Lehrer an dieser Schule, unter Verleihung der Rechte eines definitiv angestelletn Vo kß- schullehrers, ernannt; am 19. December wurde demSchulamtß- aspiranten Johauneß Martin auß Hochheim, Kr. Wormß, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büdeßheim, Kr. Bingen, übertragen; am 21. December wurde der von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Werthheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf die Lehrerstelle an der ev. Schule zu Seckmauern, Kr. Erbach, präsentierte Schulamts- aspirant Adam Pfeiffer auch Rohrbach, Kr. Erbach, für diese Stelle bestätigt; an demselben Tage wurde dem Schulamtß- aspiranten Ernst Becker auß Groß-Felda, Kr. Alsfeld, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stockstadt, Kr. Groß- Gerau, übertragen. * * Daß Schwert Karls des Großen. In Alsfeld — so berichtet die „Did." — spielte sich Mitte der fünfziger Jahre ein heiterer Vorfall ab, der heute noch im VolkS- munde weiterlebt. Besagter Stadt war die Ehre eineß landesherrlichen Besuches angekündigt worden, und männlgllch freute man sich darüber. Der Bürgermeister R. hatte an dem festlichen Tage die Ehre, den Großherzog bei der Besichtigung deS mittelalterlichen, schönen RathhauseS führen und ihm die daselbst aufbewahrten werthvollen AlterthÜmer, darunter ein prachtvolles Miffale mit herrlichen Initialen und kostbarer Malerei, sowie ein altes Schwert mit seltener Ciselierarbeit, das die Sage Karl dem Großen zuschreibt, vorzeigen zu dürfen. Dieser Stolz der Sammlung bildete auch zugleich den Schluß, und im Gefühle der Bedeutung des Augenblickes zog der Bürgermeister mit den Worten: „Das Schwert Karls des Großen" kühn die Klinge. Und siehe da! Blank wie ein Spiegel, als hätte eß eben die Werkstätte verlassen, leuchtete daß zu Ehren beß hohen Be- sucheß vorher geschliffene Schwert bem Laubeßvater entgegen. — Welcher E . . l hat baß Schwert schleifen lasten?" — „Ich, königliche Hoheit", war bie prompte Antwort beß Bürgermeisterß. — Zu Vorstehenbem bemerkt bie Rebaction beß „Hestenlanbeß", baß bie Sache historisch ist; sie hat sich unter bem Großherzog Ludwig III. zugetragen und wird oon gerb. Dieffenbach in deffen Werke „DaS Großherzog- rhum Hessen" S. 476 mitgetheilt. Geschichtliche Forscher bezweifeln, daß das Schwert von Karl dem Großen herrühre, führen es vielmehr auf Lothar von Sachsen zurück. Uebrtgens wäre später den Alsfeldern beinahe ein noch viel schlimmerer Streich als das Schleifen der Klinge passirt. Sie hatten in den achtziger Jahren den Beschluß gefaßt, ihr Rathhaus, das allerdings starke Spuren des Verfalls zeigte, niederzureißen und einen Neubau an seine Stelle zu setzen. Die Verwaltungsbehörde legte sich ins Mittel, so daß die Ausführung des Beschlusses unterblieb. Das außen gaoz, im Innern theilweise wieder hergestellte alte Rathhaus ist eine Perle mittelalterlicher Holzbaukunst und hat wenige seines Gleichen in Deutschland. •* Vom Reichsgericht. Wie der „F. Z." gemeldet wird, hat die Großh. Regierung, nachdem ReichsgerichtSrath Dr. Gilmer jüngst verstorben tft, an dessen Stelle den dermalen im Oberlandesgericht Darmstadt commissarisch verwendeten Landgerichtsrath Weller beim Bundesrath in Vorschlag gebracht. •• Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Tüncher Engelbert Brtda aus Gschwend bet Gaildorf vom Amtsanwalt in Worms wegen Berrugs; Dienstmagd Mar- garetha Dünkel aus Lohrhaupten, zuletzt in Gießen, vom AmtSanwalt in Gießen wegen Diebstahls,- ein angeblicher Friedrich von Eckhart aus Würzburg, an einer auffallend vorstehenden linken Schulter und einem krummen linken Beine und abgetragener Garderobe kenntlich, von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen eines in Offenbach verübten Betrugs,- Messinggießer Karl Ehe bald aus Mainz von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls, bezw. Beihilfe- Margaretha Heß aus Bruchmühlbach vom Amtsgericht Wörrstadt wegen Strafvollzugs,- Taglöhner Georg Liebrich aus Kaiserslautern vom Amtsanwalt in Mainz- Korbmacher Valentin Münk aus Darmstadt und die Handarbeiterin Adelheid Rahm aus Sonderau von der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen Strafvollzugs- Schreinergeselle Franz Schröder aus Mühlheim a. Rh. vom Amtsanwalt in Alzey wegen Diebstahls- Dienstknecht August Ters ch aus Guben von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls- Hausirer Adam Thieme aus Breitenbach vom Amtsanwalt in Bingen wegen Betrugs. A Treis a. d. Lda., 2. Januar. Ein seltenes Fest wurde heute dahier gefeiert. Es waren an diesem Tage 25 Jahre, daß Philipp Schick III. dahier ununterbrochen als Kutscher im Dienste des Großh. Forstmeisters Amendt steht und sich während dieser langen Zeit durch treue und gewissenhafte Erfüllung seiner Berufspflichten das Wohlwollen seines Dienstherrn erworben hat. Derselbe wurde deßhalb mit seiner Familie von dem Forstmeister zum Mittagessen ^ingeladen und sind ihm hierbei verschiedene Geschenke überreicht worden. -n- Sich, 2. Januar. Die hiesige Pfennigsparkasse hat sich auch in dem verflossenen Jahre trotz den ungünstigen Zeitverhältnissen ihre alte Zugkraft bewahrt. Die Zahl der Einleger ist nämlich von 434 auf 456 gestiegen, die Einlage in 1894 beziffert sich auf 10,116 Mk. 80 Pfg. Dieses glänzende Resultat, welches dem Sparsamkeitsstnn der hiesigen Bevölkerung zur größten Ehre gereicht, ist in erster Linie der selbstlosen Thätigkeit der Herren Erheber, dann aber auch dem liberalen Entgegenkommen von Seiten des Vorstandes und Rechners der hiesigen Vorschußkasse, bet welcher die Einlagen verzinslich angelegt werden, zu verdanken. Die seitherigen Erheber, die Herren Schreiner Schmidt, Ziegler Schmidt, Schreiner Vogt und Dachdeckermeister Schwenk, behalten auch im neuen Jahre ihre Thätigkeit bei. An Stelle des verstorbenen Mitbegründers und verdienstvollen Vorstandsmitgliedes Herrn Lehrer Sauer wurde Herr Lehrer Roth zum Schriftführer gewählt. Dem segensreich wirkenden Institute der Pfennigsparkasse aber wünschen wir zu seiner Thätigkeit pro 1895 ein herzliches „Glückauf!" □ Lich, 2. Januar. Am verflossenen Sonntag beschäs- tigten sich hier zwei kaum der Schule entlassene Jungen mit einem sogen. Fl ober t, von dem sie nicht wußten, daß es geladen war. Dasselbe ging jedoch los, die Kugel drang dem einen Jungen in die Backe und blieb in dem Unterkiefer -stecken, aus welchem das Geschoß in der Klinik zu Gießen entfernt werden mußte. R. Reichelsheim i. d. W., 31. December. Im Gasthause „ZurPost" fand gestern die Generalversammlung der hiesigen Molkereigenossenschaft statt, welche ein sehr befriedigendes Resultat lieferte. Es waren etwa 150 Mitglieder aus den neun beteiligten Orten: Dorn- assenheim, Reichelsheim, Staden, Leidhecken, Bingenheim, Gettenau, Echzell, Heuchelheim und Meckesheim erschienen, welche die erforderlichen Ergänzungswahlen vornahmen und wobei die Hauptorte entsprechende Berücksichtigung fanden. Für daö Liter Milch wurde, je nach deren Fettgehalt, 8 bis 9 Pfg. während des Jahres vergütet, wogegen die Magermilch an die Genossenschaftsmitglieder zu 3 Pfg. pro Liter abgegeben wird. Trotz dieser günstigen Bedingungen steht noch ein namhafter Betrag (ca. 3200 Mark) zur Verfügung der Mitglieder und diese Summe wird eines Theils als Dividende an die Mitglieder, andern Theils zur Stärkung des Reservefonds Verwendung finden. Das Unternehmen hat sich aus kleinen Anfängen zu einem stattlichen, lebend» sähigen Organismus entwickelt, der von großem Segen für die Umgegend ist. Darum kostet der Eintritt für neue Mitglieder jetzt auch 25 Mark, gegen 10 Mark in vorhergehenden Jahren, weil die jetzigen Mitglieder mit Recht sagen: Wir haben das Unternehmen lebensfähig gemacht und das seitherige Risico übernommen - wer jetzt die Vortheile genießen will, soll auch seinen Theil nachträglich beitragen, sonst schöpft er den Rahm ab, den ihm die Unternehmer mühelos vorgesetzt haben. Die guten Resultate, welche die Molkereigenossenschaft erzielt, zeigen, daß in dieser Branche und bet den Zuckerrüben noch etwas für den Landwirth zu verdienen ist, während es in den sonstigen Zweigen recht trostlos aussieht. □ Vom Vogelsberg. 2. Januar. Eine fußhohe Schneedecke breitet sich gleichmäßig über Flur und Feld aus. Die Poft und die übrigen Frachtfuhrwerke fahren auf Schlitten, da die gleichmäßige Lage des Schnees eine ganz prächtige Schlittenbahn abgiebt. Auch das Schellengeläute der Vergnügungsschlitten ertönt sehr häufig durch die wirklich reizende Winterlandschast, die kein starker Frost ungemüthlich macht. Für die Vögel ist mit der hohen Schneedecke wieder die Zeit der Noth und der Gefahr gekommen. Man vergesse daher ihrer nicht, nähre und schütze sie, so gut man es eben vermag! Gerade in diesem milden Vorwinter hielt sich eine auffallend starke Anzahl von Vögeln im Felde, bei uns auf. Die Ursache lag in dem ungewöhnlich großen Beerenreichthum der Hecken, die vielen Vögeln bis jetzt noch Nahrung bietet. Gar bald wird aber nicht nur dieser, sondern auch der Vorrath an Körnern aufgezehrt fein, den seither noch Disteln, Karden u. a. den nützlichsten samenfreffenden Vögeln boten. Die Vögel kommen dann in die Hofraithen, auf die Dungstätten und Kehrichthaufen geflogen, ein Zeichen, daß sie der Hunger plagt, den zu stillen Jedermann sich angelegen sein lassen möge und zwar in erster Linie im eigenen Interesse. Darmstadt, 2. Januar. Ecke der Blumenthal- und Landwehrstraße ereignete sich in der Neujahrsnacht gegen 3/43 Uhr ein schwerer Unglücksfall. Der Taglöhner Balthasar Gremm hatte eine dem 21jährigen Zimmermann Daniel Appelmann von hier gehörige Reiterpistole geladen, während letzterer vor demselben stehend das Zündhütchen auf den Kegel setzte. Der Schuß ging los und die Ladung (Papierpfropfen) dem Appelmann in den Hals, sodaß er mit durchbohrter Schlagader zusammenstürzte und nach Verlauf von ca. 2 Minuten verstarb. Gremm wurde von der Polizei sofort verhaftet. Untersuchung wurde alsbald eingeleitet und noch während der Nacht sowie gestern Morgen bereits eine größere Anzahl Zeugen und der Verhaftete von der Polizei vernommen. — Mit welchem Leichtsinn Überhaupt manche Personen mit Schußwaffen umgehen, erhellt noch aus folgendem Vorfall. Ein junger Mann schoß aus dem Gange einer Wirtschaft mit einem Revolver auf die Straße. Als der einschreitende Schutzmann demselben den Revolver abnahm und diesen untersuchte, fand sich, daß die Waffe noch mit einer Kugel scharf geladen war. Wie leicht hätte auch hier ein großes Unglück geschehen können! D. Darmstadt, 2. Januar. Das electro-technische und das physikalische Institut der Großherzoglichen Technischen Hochschule sind in der Weihnachts-Woche vollständig in die Neubauten am Schloßgarten übergezogen. Den beiden Instituten ist nunmehr die ihrer bedeutenden Frequenz entsprechende Ausdehnung gesichert. Die im Erdgeschoß des alten Hauptgebäudes frei gewordenen Räume sind theils dem chemisch-technischen und electro chemischen Institute zur Verfügung gestellt, theils auch zu Uebungssälen für darstellende Geometrie und Maschinenzeichnen verwendet werden. Die übrigen Neubauten werden im Herbst 1895 in Benutzung genommen. A Mainz, 1. Januar. Mit dem morgigen Tag wird hier eine Einrichtung in das Leben treten, die von der ärmeren Bevölkerung der hiesigen Stadt, besonders bei der jetzigen Jahreszeit, als eine große Wohlthat empfunden werden wird. Es ist dies eine vom Verein für Volkswohl- fahrt errichtete sog. Volksküche. Durch dieselbe wird die Herstellung einer guten kräftigen Hausmannskost bezweckt, welche durch den günstigen Einkauf der Zuthaten und Beschaffung großer Quantitäten zu einem so billigen Preis geliefert werden kann, wie es in einer einzelnen Haushaltung nicht möglich ist. Nach dem Ziel, das man sich gesteckt hat, soll die Volksküche hier nicht den Eharacter einer Armen- anstalt tragen, sondern dieselbe will die Haushaltungen unterstützen, in welchen die Verhältnisse die Herstellung einer kräftigen, guten und billigen Kost unmöglich machen, mit anderen Worten, es soll Gelegenheit für gute Ernährung der Familien geboten sein, wo die Hausfrau häufig zum Erwerbe außer dem Hause gezwungen ist. Die Kost wird nur gegen eine vorher zu erwerbende Marke verabfolgt und ft auch die Einrichtung getroffen, daß in einem mit der Küche in Verbindung stehenden Saal die Kost zum sofortigen Genuß verabreicht werden kann. Alkoholhaltige Getränke werden nicht verabfolgt. — Der langjährige Nedacteur des „Mainzer Anzeiger", der in weiten Kreisen bekannte Schriftteller Theodor Winkler, hat nach 15 jähriger Leitung des genannten Blattes mit Schluß des abgelaufenen Jahres Krankheits halber feine Stellung niedergelegt. Vermischtes. * Berlin, 2. Januar. Der aus Hagenow nach Interschlagung von etwa 11,000 Mk. flüchtig gewordene Postgehilfe Stapelfeld, auf dessen Ergreifung die Ober» postdirection in Schwerin 750 Mk. ausgesetzt hatte, wurde hier ergriffen. Don der unterschlagenen Summe wurden 10,200 Mk. gerettet. * Landsberg a. d. W., 2. Januar. Drei Kinder des EigenlhümerS Wilske in Raumerswalde find in der Warthe ertrunken. * Ein bedauerlicher Vorfall hat in Schreibersdorf bei Lauban den Tod eines 2^/zjährigen Kindes zur Folge gehabt. Entsprechend der bekannten Sitte, daß als Ehrist- kindchen, Nikolaus rc. verkleidete Kinder in fremde Wohnungen eintreten, singen und kleine Belohnungen dafür nehmen, traten kürzlich solche „Christkindchen", angeblich aus Lauban, ohne daß man darauf vorbereitet war, in die Wohnung des Braumeisters Brock in Schreibersdorf ein, der gerade feinen 21/2jät)rigen Knaben auf dem Arme hielt. Das Kind schreckte \ sichtlich zusammen, fürchtete sich und die Schreckanfälle wiederholten sich in der folgenden Nacht. Schließlich wurde das Kind von Krämpfen befallen, an denen es kurze Zeit darauf starb. Die Eltern des Kindes sind davon überzeugt, daß der geschilderte Vorfall die Todesursache ihres KindeS geworden ist. * Auch ein Weihnachtsgeschenk. Der Kaufmann B. in Zwickau erhielt aus Königsberg — 1200 Mark mittelst Begleitschreibens zugesandt, welch letzteres indessen keine Unterschrift trug. Der unbekannte Absender bezeichnet die Sendung unter Bezugnahme auf die Bibel „als Zeichen eines erwachten Gewissens, das keine Ungerechtigkeit duldet", und schließt: „Am Tage des allgemeinen Weltgerichts werden Sie den Ungenannten erfahren!" Der Empfänger hat absolut keine Ahnung, wer der sonderbare Spender ist oder welche Schuld dieser sühnen will. * Ein Roman, in dem sie sich „kriegen". Wie ein Roman liest sich folgende wahre Begebenheit, welche die „Münchener Neuesten Nachrichten" aus Baden mittheilen: Vor einigen Tagen trat in Mosbach die bildschöne jugendliche Tochter eines höheren Medizinalbeamten als Diakonissin in eine Krankenanstalt ein und unterzog sich ihrem schweren, verantwortungsvollen Berufe mit der größten Aufopferung. Vor etwa Jahresfrist kam in jene Krankenanstalt ein höherer Offizier und altadeliger Gutsbesitzer zur Pflege, da er an einem Gehirntyphus sehr gefährlich erkrankt war. Die Pflege dieses neuen Insassen fiel der neuen Diakonissin zu, deren liebevoller, unermüdlicher Samariterdienst die Wiedergenesung des Kranken zur Folge hatte. Der Oifizier hatte aber während feiner Krankheit eine tiefe Herzensneigung zu feiner schönen Pflegerin erfaßt, welche von dieser erwidert wurde. In den nächsten Tagen feiert das glückliche Paar, nachdem einige Schwierigkeiten überwunden, fröhliche Hochzeit. * Ein Ehepaar im Doctor Examen. Aus Bem wird der „Franks. Ztg." unterm 27. December berichtet: Letzthin machte an der Berner Hochschule ein russisches Ehepaar zusammen das Doctor-Examen in der Philosophie. Mann und Frau wurden gleichzeitig geprüft. Die Abnahme des Examens fand nicht im nämlichen Raume, sondern in zwei zusammenstoßenden Zimmern statt. Im einen Zimmer befand sich der Herr Gemahl, im anderen die Gattin. Die Professoren gingen während der Prüfung von einem Zimmer ins andere. Mann und Frau haben die Doctorprüfung bestanden. * London, 2. Januar. Bei dem Brande einer Wäscherei find acht Menschen im Schlafe umgekommen. * Rewyork, 29. December. In Silverlake (Oregon) fand am Heiligabend eine von zahlreichen Personen besuchte Fest- Versammlung statt, als plötzlich eine Lampe explodirte, die den Saal in Brand steckte. 41 Personen verbrannten- 16 wurden schwer verletzt. * Kennst Du das Land? Spanischen Blättern zufolge exportirt Italien die größte Anzahl von Orangen, nämlich durchschnittlich 2500 Millionen Stück jährlich. Dann folgt Spanien mit 1400 Millionen, Portugal mit 80, Paraguay mit 70 und Florida mit 50 Millionen. Die Frucht wächst natürlich noch in zahlreichen anderen Ländern, aber ihr Export ist unbedeutend im Vergleich zu dem der genannten Länder. Verkehr, Land, und Volkrwirthschaft. Li«v«rg, 2. Januar. Fruchtmarkt. Roth er Weizen JL 11.35, weißer Weizen 00.00, Korn JL 8.35, Gerste 0.00, Hafer JL 5 10. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 5. Januar. Vorabend 4 Uhr, Morgens 9«o Uhr, Nachmittags 3« Uhr, Sabbathausgang 6ßo Uhr- Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast. Freitag Abend 415 Ubr. SamStag Vormittag 8^ Uhr, Nachmittag 3 Uhr, Sabbathausgang 5* Uhr. Ball-Seidenstoffe v. 60 Pfg. bis 18.65 p. Met. — sowie schwarze, weiße und farbige He««eberg- Seide oon 60 Ps. bis Mk. 18.65 p. Met. glatt, gestretft, tarrtert, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 oeisch. Qual, und 2000 versch. Farben, Dessins rc.), porto- und steuerfrei Ins Haus. Muster umgehend. [197 Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k. k. Hoti.), Zürich. — Interessante Beiseunternelunnngen bringt Karl Riesels Reisecontor, Berlin, in dem uns vorliegenden Nachtrag zu seinem Jahresprogramm zur Kenntniss der reiselustigen "Welt. Fs sind u. A. folgende Routen in Aussicht genommen: Rundreise um Afrika mit Abstecher nach Indien und Ceylon; Reise nach Ostindien, China und Japan; nach der Insel Island und Grönland; nach Innerasien (bis Samarkand) sammt Krim und Kaukasus; nach Siebenbürgen, Rumänien und die Donauengen; Reise durch Bosnien, Herzegowina und Dalmatien mit Abstecher nach Montenegro» endlich durch Süd-. Mittel- und Nordamerika sammt Westindien. Wir bemerken noch, dass diese Reisen als Gesellschaftsreisen gemacht werden, sodass den Mitreisenden jeglicher Aerger und Unbequemlichkeit erspart bleibt. Die genauen Programme sind kostenlos durch die J. Ricker’ache Buchhandlung in Giessen erhältlich. 209 Vergebung von Bauarbeiten vermischte Anzeigen 211 Dr. Fitz 185] öffentlich meistbietend versteigert werden [182] 224 Familie Feussner 203 V jk HM1M Engros-Lager 163 I. A.. Heuser Schmierküs-Club. 233 Heute Areitagr Rückel. 216 »™ s- ,<>>., i. 3, OA1 rc: X... V O --rrriz. n .. .. . . m, C 201 s 206 Mmch. lugiiflincr-- Freund der Hausfrau 223 einige Tage im Zapf bei 230 Gnauth. 207 Karol Weil fm, // be- Hochachtungsvoll 18 M. Fromme, Bahnhosstr. 61 p Wermietyungen. 208 in bei ab Agent Äl«8 232 Tücht. Mövelschreiner wird gesucht. 40 RtfcectioBi 1L Sch-vd«. — ®txrf Verl«, der «rühl'schm Druckerei (Fr. 66t. vtetsch) t» SNetzen Gießen, den 2. Januar 1895. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Nächste Probe des Männerchors Donnerstag den 10. Januar; des gemischten Chors noch unbestimmt. 18 5 15 6 300 230 700 120 8 135 43 157 28 5420 3450 Äatl SUblet, Damm'! raße 32. // » n // „ 9*4 „ 925 WX922 M 9^ „ 912 an 10^ rm // Geißler, Gertchisoollzieher- gesucht. 90 IUI lichen Wald. Hungen, 1. Januar 1895. Fürstliches Rentamt. Wiegmeyer. 823 v- 868 922 S s u oermtethen. Schtllerftr 27. gemalte« Decoeaitone«. Holzversteigerung. A sollen aus dem hiesigen Ortsgericht die dem $teitag den 11. Januar,! Alfred Freund und der Johanna Vormittags 11 Uhr, sollen im | mobUkn-