Zweites Blatt Dienstag den 3. September Nr. 206 189» Nr und tze. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Hratisöeilage: Gießener Jamilienbkätter Anrtli^e^ Theil Flur Flur 2. 3. 4. 5. 6. 158 10. 4 48.80 U 24.5» «nnahm. von Anzeigen zu der Nachmittags für de» pikgmden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Flur Flur i 8 4 1U- 15t» lr- 33. 7301 SS'/« 250'/, 185.80 1M0 142.80 94.50 80.70 ährmittel. senius lagt: Kaitanf’s i hergeßelltrtz, rationell bneiietei t cigenthünilichen Sorjüge mH 145.30 155.70 118.80 142.50 141.65 133.40 131.20 97.70 44.- 96'!, 252', 188.8» 149» IV Nr. 444, 459, 460, 463. II. Gemarkung Inheiden: IV Nr. 411, 412, 421, 443, V Nr. 16, 17, 24, 27, 33, 228. in. Gemarkung Feldheim: III Nr. 265. Die Gießener I>«mitienbkätlrr werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt. 4 j i Der Gießener Anzeiger rrlcheint täglich, mil Ausnahme deS MontagS. Abtretung oder Beschränkung, Erklärung auf die angebotene, aus den aufgelegten 98er« zeichniffen ersichtliche Entschädigungssumme bei Meidung der Unterstellung der Annahme des Angebotes, Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausschluffes mit solchen. Anträge auf Aufrechterhaltung bestehender Lasten bei Meidung des AuSschluffeS mit solchen, Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen, welche für die benachbarten Grundstücke oder im öffentlichen Interesse zur Sicherung gegen Gefahren und Nachtheile nothwendig sind, etwaige noch unbekannte Rechte oder Ansprüche an die zu enteignenden Grundstücke in dem obenerwähnten iö> Wi 1JJ 15 Vierteljähriger Avonnementsprei»» 2 Mark 20 Psg. mit Bringrrlolm. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg. Redaktion, und Drucker.'»: Zchulstraße "iRr.7. Fernsprecher 51. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. sieht diesen Maßregeln mit großem Mißtrauen entgegen,Ihofft jedoch, CriSpi werde sich auf den Rathschlag deS Generals Mtrri nicht zu Gewalttätigkeiten hinreißen lassen, sondern durch Verbesserung der Lage der Landarbeiter den Unruhen zu steuern suchen. Spaa, 31. August. Die Königin der Belgier machte gestern einen Ausflug zu Pferde. Beim Ueberspringen eines Grabens wurde die Königin auS dem Sattel geworfen, auf die Chaussee geschleudert und leicht am Kopfe verletzt. Obgleich Blut aus der Wunde floß, bestieg die Königin wieder das Pferd und kehrte nach Spaa zurück. Ihr Zustand ist nicht bedenklich, doch hütet die Königin daS Bett. Madrid, 31. August. Seit seiner Rückkehr aus Cuba wird General Saledo von zahlreichen Journalisten ausgefragt über die Lage auf Cuba. Der General ist der Ansicht, daß die Regierung zahlreiche Truppen nach , dort senden müsse, da der Aufstand nur durch Uebermacht zu beseitigen sei; den Kriegsminister lobt der General wegen seiner Energie, mit welcher er den Feldzug organistrt. Sofia, 31. August. DaS Organ der sogen. Militär« Partei, da« „Militärblatt", welches die Abschaffung der Verfassung, die Einsetzung einer Militärdictatur als einziges Mittel zur Erhaltung der Sicherheit und zur Wahrung der Interessen Bulgariens empfohlen hatte, hat zu erscheinen auf« gehört. AttsUr«-. Bozen, 31. August. In der hiesigen Umgebung ist ein unbekanter Tourist in einen Abgrund abgestürzt, konnte sich jedoch an einen Wurzelstock so lange festhalten, bis er gerettet wurde. Prag, 31. August. Das Abendblatt „Politik" meldet gerüchtweise, daß bei den letzten Divifionsmanövern ein Oberst und ein Hauptmann erschossen worden seien. Nom, 31. August. D-e Mittheilung der Blätter, daß die Regierung demnächst Maßregeln zur Wiederher« stellung der Ruhe in Sicilien ergreifen werde, hat im Publikum eine gewisse Erregung hervorgerusen. Man Termin vorzubringen. Wenn dritte Personen als dinglich Berechtigte oder wegen sonstiger Rechtsverhältnisse bei der Enteignung betheiligt sind, so muß sie der Eigenthümer sofort nach Zustellung der Bekanntmachung uns bezeichnen, andernfalls bleibt er für diese Ansprüche verantwortlich. Die Eigenthümer der abzutretenden Grundstücke müssen von der Zustellung dieser Bekanntmachung an zu neuen An« lagen oder zu einer von der bisherigen bezw. der gewöhnlichen abweichenden Art der Bewirthschaftung die Genehmigung des Unternehmers einholen, widrigenfalls eine Entschädigung demnächst nur insoweit verlangt werden kann, als durch die Veränderung auch für den öffentlichen Zweck, für welchen die Enteignung geschieht, der Werth des Geländes erhöht worden ist. Räumt der Eigenthümer einem Anderen von dem Zeitpunkt der Zustellung an ein dingliches Recht an dem zu ent- tignenben Grundstücke oder ein persönliches Recht auf dessen Benutzung ohne Genehmigung des Unternehmers ein, so lieht jenem Anderen eine besondere Entschädigung nicht zu. Sofern die Betheiligten vor der Tagfahrt sich über Bestellung der Sachverständigen einigen und dieselben der Kommission bezeichnen und wenn Einwendungen gegen Zweck und Plan, sowie die damit in Verbindung stehenden Anträge in der Tagfahrt nicht vorgebracht werden, wird in dem Termin: Montag, 23. September, zugleich über die Höhe der Entschädigung und die mil ihr zusammenhängenden fragen verhandelt werden. Falls die Betheiligten bis zum 18. September l. Js. der Commission keine Sachverständigen bezeichnen, werden dieselben von der Localcommission ernannt werden. Bekanntmachung. Betr. die Erwerbung des zum Bau der Nebenbahn Friedberg-Hungen erforderlichen Geländes. Seitens der zum Erwerb des Geländes für den rubr. Vahnbau von den Gemeinden bevollmächtigten Commission, sowie Seitens des Großh. Ministeriums der Finanzen ist in Gemäßheit des Art. 22. des Gesetzes vom 26. Juli 1884 Antrag auf Einleitung des Enteignungsverfahrens bezügl. der nachstehend bezeichneten Grundstücke in den aufgeführten Gemarkungen gestellt worden: I. Gemarkung Hungen: Flur I Nr. 547, 549, 366»/io, 6 «®tt U 3 0 0 1/ I 0 Es wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß obiger Antrag nebst den betreffenden Gelände- Grwerbsplänen in der Zeit vom 6. September bis 580. September l. I (einschließl.) auf den Rathhäusern zu Hungen, Inheiden und Utphe (für Feldheim) zu Jedermanns Einsicht offen liegen. Zugleich wird zur Verhandlung über den Plan und die zu leistenden Entschädigungen Tagfahrt vor der Localcommission auf Montag, 583. September l. I., Borm. 9V2 Uhr, im Rathhause zu Hungen anberaumt. Die Eigenthümer, Pächter, Miether und sonstige an den adzutretenden Grundstücken persönlich Berechtigte, sowie alle übrigen an der beantragten Enteignung Betheiligten werden aufgefordert: 1. Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausschlusses und Annahme der Einwilligung in die beanspruchte bo.6übb.(86)- Oest.Mw'^ Gotthardbahn- S-Hwz. Central eitDy'Jlorbojt -»tl.Mtelmeer Pr.HeimAb.) yel!ioU"le 8flb,2Ä W1'?- 00 DonauM- • <»£• Banina Gießener Anzeiger Kmerat-Mnzeiger. * ■<« Kasse. ♦ .’S-’. fonnen Markt. 7936 iannj Rchamteur. Der Krieg von 1870|71, geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit. (Nachdruck verboten.) 2. September. Die letzte Feldarmee der Franzosen ist geschlagen und an die belgische Grenze gedrängt, wo sich ihr nur die Möglichkeit bietet, gleich der Bazaioe'schen Armee in den festen Plätzen Sedan und MöziäreS eine augenblickliche Zuflucht zu suchen oder sich durch den Uebertritt auf belgisches Gebiet den weiteren Wechselfällen des Krieges zu entziehen. In beiden Fällen hat die Mac Mahon'sche Armee für den gegenwärtigen Feldzug zu existtren aufgehört. Damit wären die Reste der französischen Armee in den zwei Festungen Metz und Sedan festgenagelt und der Krieg im größeren Maßstabe sonach zu Ende. Es ist allerdings nicht undenkbar, daß ein Theil der Mac Mahon'schen Armee mit Hilfe der Eisenbahnlinie Sedan-MöziAreS'Hirson zu entkommen sucht, aber es würden daS im besten Falle nur unzusammen« hängende Trümmer sein, welche wohl die von ihnen durchzogenen Landstriche belästigen, für den Krieg aber selbst kaum mehr in Betracht kommen können. Varennes, Donnerstag, 1. September, Vormittags 9 Uhr 20 Min. Der Versuch Mac Mahons, Metz zu entsetzen, ist durch die Operation der letzten Tage und die Schlacht am 30. August völlig vereitelt. — Früh haben preußische Ulanen und Husaren, letztere zu Fuß, zwei von stärkerer feindlicher Infanterie besetzte Dörfer in der Nähe von Sedan genommen. Telegramm des Königs Wilhelm an die Königin. „Auf dem Schlachtfelde von Sedan, 1. September, 31/* Uhr Nachmittags. Seit heute früh >/z8 Uhr siegreich fortschreitende Schlacht rund um Sedan. Garde-, 4., 5., 11., 12. Corps und Bayern. Feind fast ganz in die Stadt zurückgeworfen. Wilhelm." 3. September. Sedan, 2. September, V22 Uhr Nachmittags. Die Capitulation, wodurch die ganze Armee in Sedan kriegS- gefangen, ist soeben mit General Wimpffen geschlossen, der an Stelle des verwundeten Marschalls Mac Mahon das Commando führt. Der Kaiser hat sich selbst mir ergeben, da er das Commando nicht führt und alles der Regentschaft in Paris überläßt. Seinen Aufenthaltsort werde ich bestimmen, nachdem ich ihn gesprochen habe in einem Rendez« vouS, da« sofort stattfindet. Welch eine Wendung durch GotteS Führung. Wilhelm. Die Feder ist kaum im Stande, dem furchtbar raschen Gange der Ereignisse zu folgen; die großen Thaten deS deutschen HeereS überstürzen sich geradezu in so außerordentlicher Weise, daß es schwer wird, den richtigen Ueberblick über dieselben zu gewinnen. Seit dem 29. deS vor. MtS. hatten wir Siege über Siege zu berichten; das letzte gewaltige Ringen der in eiserner Umarmung des Gegners ächzenden Reste des französischen HeereS zur Gewinnung der Freiheit endete stets mir entschiedenen Niederlagen, und als das letzte Ergebniß dieser Kämpfe kommt uns heute die großartigste Siegesbotschaft, die wir nur erwarten konnten: daS französische Heer hat capitulirt, der Kaiser Eltern-. ? Steift ’] Eine juM, gesunde Frau nmn: ad mitzvsttllm. __Wetteraasst 5>J khähöfi FahrpreüM lindnug •« «w nberger Wald lle 20 M. ) Fahrpreis j 20 9f0. k tt. Mamftll (T-lepdon^ ^s- tzivt Ladeaihckt und b&nfe in verlausen. VAftWffe, W°llth°rstr.8^ m Lohrey . 7306 )fö Hiuterbliebturu. 48.40/ A ÄJO 1* wo "C 29.50 Die Eigenthümer der zu enteignenden Grundstücke werden endlich aufgefordert, in dem zu diesem Zweck auf Dienstag, den 17. September l. Js., Vormittags 10 Uhr, auf unserem Büreau anberaumten Termin ein nicht be- theiligtes Ortsoorstandsmitglied aus einer der drei be« theiligten Gemeinden zu bezeichnen, welches nach Art. 31 Ziffer 4 des Gesetzes vom 26. Juli 1884 der Commission anzugehören hat. Dieses Mitglied haben die Eigenthümer gemeinschaftlich durch Wahl, bei Stimmengleichheit durch das Loos, zu bestimmen. Kommen die Eigenthümer dieser Aufforderung nicht nach, so wird das Commissionsmitglied durch den Vorsitzenden der Commission ernannt werden. Gießen, den 30. August 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ______________I. A.: Muhl, Reg.-Affessor.______________ Deutsches Reich. Darmstadt, 31. August. Wegen des Ablebens Ihrer Königlichen Hoheit der Erbgroßherzogin von Oldenburg, geborenen Prinzessin von Preußen, ist auf Aller höchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis zum 7. September l. I. einschließlich angeordnet worden. Berlin, 31. August. Der Kaiser wird am Sedantage voraussichtlich erst in der elften Stunde die Beleuchtung der öffentlichen Gebäude und Denkmäler Berlins besichtigen. ES ist daher Seitens der Stadt die Anordnung getroffen worden, daß die Beleuchtung überall über die elfte Stunde hinaus ausgedehnt werde. Berlin, 1. September. Die Kats erin wird am Freitag Nachmittag in Stettin eintreffen und an dem vom Provinziallandtage gegebenen Festmahle theilnehmen. Wahr- scheinlich kehrt die Kaiserin wieder Samstag nach Berlin zurück. Berlin,31. August. Eine Kundgebung des Kaisers an die deutsche Armee wird, wie der „Loc.-Anz." erfährt, am 25jährigen Gedenktage der Schlacht bet Sedan erfolgen. Berlin, 31. August. Die deutsch-amerikanischen Krieger, etwa 60 an der Zahl, find heute hier angekommen. Zu ihrem Empfange waren 20 Berliner Kriegeroereine mit Fahnen, sowie ein zahlreiches Publikum erschienen. Der Einzug tn die Stadt, zunächst nach der amerikanischen Botschaft erfolgte in 30 Wagen. Der Präsident der Chicagoer Veteranen, Herr Schlenker, versicherte dem Botschafter, daß sie gleich wie sie vor 25 Jahren für ihr altes Vaterland gekämpft, jetzt auch für ihre neue Heimath kämpfen würden. Der Botschafter dankte für den Besuch und für die versicherte Treue. Es sei eine gute Vorbedeutung für das neue Land, daß sie dem alten in der That die Treue bewiesen hätten. Er wünsche ihnen viel Vergnügen in Deutschland und eine gute Heimkehr. Berlin, 31. August. Der „Reichsanzeiger" bestätigt, daß der hiesige französische Botschafter Herbette Berlin mit Urlaub verlaffen hat. — Wie der Hofbericht meldet, begibt sich Herbette zunächst nach Paris; seine Rückkehr dürfte erst im Laufe des MonatS October erfolgen. Oldenburg, 31. August. An der Beisetzung der Erbgroßherzogin werden Theil nehmen: Prinz Friedrich Karl, Prinz Friedrich Leopold, der Großherzog von Mecklenburg, der Herzog von Oldenburg und Großfürst Karl von Rußland. München, 31. August. Heute früh ist bei Heidenheim der Frankfurter Schnellzug entgleist. Wie es heißt, find Personen dabet nicht verunglückt. Hamburg, 31. August. Vom Senate ist der Bürgerschaft ein Antrag zugegangen auf Bewilligung von 20000 Mark für den Hamburger Kriegerverband zur Unterstützung hilfsbedürftiger Krieger des Feldzuges 1870/71 und der Hinterbliebenen solcher Krieger. Ferner soll an dem diesjährigen Sedantage, obwohl an demselben nicht gearbeitet wird, allen im Staatsbetriebe gegen Tagelohn beschäftigten Arbeitern ausnahmsweise der volle Tageslohn ausgezahlt werden. Madrid, ■ ■ * ®S,®186O C|bil*®ioo Türk. fts.1VV *■«?*« 1 tffyk $ ZK; L- *■- 'auf & Co., Koblenz. _______________________7367 rährtesterConftructiou Ittfat wob Wx M tat Stöhx I. tzudwiMay 5. 6135 junbt Frau iudjt ein Knb mitzuWen. revstlllvst-Lki-nL °5 ' 3 27« Napoleon selbst hat sich dem Sieger mit ergeben. Unter dem Eindrücke dieser Ereignisse ist es schlechthin unmöglich, in ruhiger Forschung den Einzelheiten der Krieg- thaten der letzten Tage nachzuspüren- da-Herz möchte jedem Deutschen zerspringen angesichts der glänzendsten Erfolge deutscher Waffen, welche die Geschichte unsere- Volke- je zu verzeichnen hatte. In dem Sturmschritt der Ereignisse meinen wir den Fingerzeig Gotte- zu sehen, der sich nicht spotten läßt. Jede- Volk hat seine Ehre und jedem find zugleich seine natürlichen Grenzen gesetzt, wie viel auch die Menschen hineingepfuscht haben mögen. Unsere Nachbarn, die Franzosen, sprachen von dem blutigen Gange mit Deutschland wie von einem Duell, da- Duell ist aber wie in alter Zeit zum Gotteöurtheil und zum Weltgericht geworden. Er, der eS frevelhaft herauSgefordert, der daS greise Oberhaupt eine- mächtigen Volke- zur schimpflichen Abbitte zwingen wollte, wo nicht- abzubitten war, er hat sein Schwert in die Hand deö Beleidigten, de- Vertreter- eine- mannhaften Volkes, niederlegen müssen und liegt gefangen darnieder, seine Heere find gefangen und zerschlagen und sein Volk knirscht unter dem Tritte der Sieger. Da- Kaiserreich war nicht, wie er versprochen, der Friede, der Friede aber wird zum Kaiserreich. Mac Ma hon commandirte nach mancherlei Verstärkungen eine Armee von etwa 100 000 bis 120 000 Mann. Don den beiden Möglichkeiten, mit feiner Armee zum Schutze von Pari- auszuziehen oder dem in Metz eingeschloffenen Bazaine zu Hilfe zu eilen, wählte er die letztere, er wandte sich, die Verbindung mit Paris aufgebend, zuerst nördlich nach NheimS und Rethel, dann nordöstlich gegen Sedan. Er setzte nach dem Vorbilde Napoleon- I. alle- auf eine Karte. Gelang der Plan, konnte der Marschall der deutschen Be- lagerungSarmee vor Metz in den Rücken kommen, dann war die Vereinigung mit Bazaine gelungen und eine glückliche Wendung des Krieges möglich, mißlang aber der Plan, wurde der Marschall an den Ufern der MaaS von dem in seiner Flanke marschirenden Heere angegriffen und geschlagen, dann war alles verloren. Und die Intelligenz und die Energie der deutschen Heerführung hat dieses Ende mit Schrecken herbeigeführt. Das ist die Bedeutung der jüngsten Siege. Die Gießener Industrie auf der Alsfelder Ausstellung. (Originalbericht für den »Gießener Anzeiger"'.) IV. Dor der Weiterbesprechung der im Realschulgebäude ausgestellten Gegenstände kommen wir nochmals auf die Pelz- Ausstellung des Kürschners A. Kretzschmar in der Haupt- Halle zurück. Bei Besichtigung der Muff - Collection finden wir, daß diese Sorten von dem ausgesuchtesten Material der letzten Winter-Saison angefertigt sind, z. B. ein Stein- marder-Muff von ganz besonders schöner Farbe, de-gl. ein Edelmarder-Muff und verschiedene Iltis-Muffe ustv. Die Pelzsachen find nach Modellen der Saison 1895—96 zur Fach - Ausstellung in Leipzig gearbeitet. In den Räumen der Reiber'schen Zimmer-Einrichtungen har Archüect L. Seultng seine ja bekannte BentllationS'Einrichtung an der Decke angebracht. Nun kommen wir zu denjenigen Gegenständen, welche die Tapifferie-Manufactur PH. Schlatter uns vorführt. Zwei wundervolle Gemälde „Die TellS Capelle" und „Luzern am Dierwaldftädtersee^ auf Leinen mit dem 6. Theil eines FadenS Florettseide in Plattstich gestickt, liefern den Beweis, welcher so oft bestritten wird, daß die Kunst eS in der Stickerei dem Oelgemälde gleich zu thun, heute noch nicht verloren gegangen ist. Allerdings gehören hierzu bedeutende Farbenkenutniffe und ungeheuere Geduld. An diesen beiden Bildern, die ursprünglich nicht für eine Ausstellung bestimmt gewesen, hat der Verfertiger sechs Monate täglich fünf Stunden gestickt. Ferner hat dieselbe Firma 1 Notenständer, 1 Ofenschirm, 1 Papierkorb und 1 Ruhekissen mit herrlichen Blumenstickereien ausgestellt, welche das besondere Interesse der Damenwelt erregen. In dieser Abtheilung der Ausstellung hat H. Hochstätt er Glanztapeten in sehr geschmackvoller Zusammenstellung an den Wanden arrangirt, welche dessen gewählten und feinen Geschmack darthun. Im Park neben dem Gabriel'schen Zeltpavillon standen drei Grabmonumente, an denen in den ersten Tagen nach Eröffnung der Ausstellung der Name des Verfertigers fehlte. ES find Arbeiten des Bildhauers Emil Kalbfleisch, die dessen Können und Leisten im besten Lichte veranschaulichen. Speciell daS in kararlschem Marmor auSgesührte Kreuz ist bewunderungswürdig und ein Meisterwerk der Bildhauerkunst. Die am Kreuze auSgehauenen Blumenzweige wirken in ihrer Plastik vorzüglich. Nachträglich wollen wir auch noch der Firmen Ehr. Jnderthal und Mayer Katz Söhne, welche beide verschiedene Sorten Liqueure in vorzüglichen Qualitäten ausgestellt haben, Erwähnung thun. Räumlich von der Gewerbe-Ausstellung getrennt, befindet fich tm Stadtschulgebäude eine Landesausstellung der erweiterten Handwerker- und Sonntagsschulen. Es ist lohnend, dieser Ausstellung einen Besuch zu machen. Gießen mit seinen Arbeiten nimmt unstreitig hier die Führung ein, denn man sieht ohne Zweifel an der ganzen Gruppirung der ausgestellten Arbeiten, daß das Bestreben hier vorherrschend ist, nur für das practische Leben Benutzbare- zu schaffen, man merkt, daß alles Parademaßige streng vermieden ist. Die Schule scheint ihr Augenmerk fest darauf gerichtet zu haben, die ihr anvertrauten Schüler planmäßig daS zu lehren, was ein tüchtiger Handwerker kennen muß, wenn er als selbstständiger Meister dereinst den Concurrenz- kampf mit Erfolg aufnehmen will. Selbst der Laie, welcher mit Aufmerksamkeit die den Raum füllenden Zeichnungen und Arbeiten durchgeht, findet regelmäßig an den letzten Arbeiten der Schüler, daß daS Wirken«der Lehrer auch mit Erfolg gekrönt ist, denn man muß gestehen, daß von den in Be- tracht kommenden jungen Leuten etwa- nicht Ungewöhnlichegeleistet ist und alle Anerkennung verdient. Betrachten wir uns die Arbeiten des Bauhandwerks, wie des Kleinhaudwerk-, fo ist den ausgestellten Objecten nach zu urtheilen ein breites Feld zur Special Ausbildung freigelassen. E» ist nicht dringend genug gerade den Lehrlingen au- de« Kleingewerbe der Besuch dieser Schule zu empfehlen. Eine» der auch für den Laien interessantesten AuS- üellungSobjecre auf der Gewerbe-Ausstellung zu Alsfeld ist der vom Lehrer Carl Gaub erbaute und dem Publikum dort täglich vorgeführte „Astronomische Uni- versal-Apparat für den Unterricht in der mathemathischen Geographie". Der Erbauer haue die Ehre, anläßlich der Anwesenheit Sr. Kgl. Hoheit des GroßherzogS demselben zu seinem Apparat die Erklärungen machen zu dürfen, welche» der Großherzog über Stunde lang mit dem gespanntesten Interesse anhörte. Der Apparat hat eine Gesammthöhe von 21/, Meter, die Himmelökugel mit ihren Gestirnen daran einen Durchmesser von 1% Meter. Diese Himmelskugel, welche auS Drath conftruirt ist, bewegt fich um die Erde und trägt auf ihrer Oberfläche 48 Sternbilder mit 421 Sternen. Bei der Größe des Apparates ist eS möglich, die scheinbaren und wirklichen Bewegungen der Himmelskörper mit einer wohl noch selten erreichten Anschaulichkeit darzuftellen. Die Conftruction deS Apparates und der Aufbau desselben bietet wesentliche Neuerungen auf diesem Gebiete dar und stellt nicht nur die Erscheinungen an den Himmelskörpern für die Zeit der Gegenwart dar, sondern man ist auch 'm Stande, wenn man die nöthigen Unterlagen benutzt, deren Constellationen in der Vergangenheit und Zukunft packend zu veranschaulichen. Die Poricesion, d. h. daS Fortrücken der Tag- und Nachtgleichepunkte wird mit selten erreichter Correctheit durchgeführt. Da- Himmel-gradurtz und ter Fixsternhimmel sind dabei vollständig von einander getrennt, wodurch eine außerordentliche Vielseitigkeit in den Bewegungen der Gestirne vorgeführt werden kann. Selbst die Bewegungen der Erde mit dem Monde um die Sonne läßt sich für den Beschauer sehr einfach durchführen. Die Sonnen- und Mont- fiusternisse werden mittelst diese- Apparate- auf die denkbar einfachste Weife dargestellt. Die planetarischen Bewegungen (Recht- und Rückläufigkeit) werden mittelst eines besonderen Einsatzes in daS Ganze gezeigt. Auf Größen- und Ent- fernungSverhältnisse der einzelnen Planeten hat der Erbauer des Apparates genau Rücksicht genommen. Wir hören, daß der Lehrer Gaub nach Beendigung der Ausstellung die Absicht hat, sein Werk hier tn Gießen öffentlich vorzusühren und die nöthigen Erläuterungen dazu zu geben. Verdingung. Die zu den Anbauten an den Oroßviehstall und die Freibank im städtischen Schlachthof erforderlichen 1) Erd- und Maurerarbeiten, 2) Steinhauerarbeiten, 3) Zimmerarbeiten, 4) Dachdeckerarbeiten, 5) Spenglerarbeiten, 6) Eisenlieferungen, 7) Schreinerarbeiten, 8) Schlosserarbeiten, 9) Glaserarbeiten, 10) Weißbinderarbeiten und 11) Pflasterarbeiten sollen auf unserem Stadtbauamte öffentlich verdungen werden und wird Termin hierfür auf Dienstag den 10. September d. I., Vorm. 11 Uhr, anberaumt. Arbeitsbeschreibung, Bedingungen und Pläne liegen während der Amtsstunden auf dem Stadtbauamte offen. Angebote sind auf vorgeschriebenem Formular, verschlossen und mit ent- sprechender Aufschrift versehen bis zu genanntem Termin dorthin einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 28. August 1895. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 7211 Versteigerung. Dien-tag den 8. Leptembe, 1. A., Nachmittags 2 Ubr, versteigere ich tm Vieker'schen Saale dahier - Neustadt 65 — gegen Baar, zahlung: 1 verticow, 1 vollständiges Beit, ein iweiihürigrnKleiderfchrank, 2 SovhaS, b Rohrstüdlc, 1 Commodc, 1 Regulator, 1 Blumentisch, 2 Rachitische, 1 Nähtisch, 2 Spiegel, 1 Zimmer, teppich, 1 Bettvorlage, 2 Bettcolter, 1 Wandschränkchen, Betttücher, Tischtücher, Servietten, Bett- und Äopf* Überzüge, Vorhänge mit Gardinen, 1 Bierr u 1 Weinseroice, 1 Huillier, 1 kupferne Bettflasche, 6 Bierkrüge darunter einen mit Musikwerk, sechs silberne Theeläffel, 1 deßgl. Butterdose, 6 Esslöffel, 6 Desserimesser, 1 Geldkassette, 1 Revolver, 3 Reise- koffer, 4 Kaffeeservice. 1 Küchentisch und verschiedenes Küchengeschirr, elf leinene Herrenhemden, circa 20 ge iragene Herrenanzüge, 5 Sommerund Winterüberzieher, 2 Regenmäntel, 14 Paar Stiefel und Schuhe und sonst Verschiedenes. Die Berfieigetnng findet voraus- fichttich bestimmt statt. 7286 vor«, Gerichtsvollzieher. Mein Lager in Spitze« aller Art, Hand- und Maschinen- klöppel, Tüll- und Spachtel, Lyoner und sonstiger Seidenspitzen ic., schwarz und weiß und in allen Breiten; sowie große Auswahl tn Bändern, Sammeten, Seidenstoffen, Stickereien u. Stickerei- kleideru rc., in bekannter Güte und neuesten Mustern empfehle zu herab- gesetzten, billigsten Preisen. I6M L. Sahlfeld., Ludwigsplatz 14, Ecke Löberstr. Karl Krebs Leihbibliothek Schulstrasse IO. Abonnements werden von heute ab angenommen. 6835 landw. AusSkUungs-Wcrir in Gienen. Ziehung: 23. September. Haupttreffer: Erntewagen mit vier Pferden 6607 i. W. von Mark 6000. Loose ä 1 Mk. vers. d. alleinige Gen.-Agent. L. F. Ohnacker in Darmstadt = und alle Loose-Verkaufsstellen. = Neues Sauerkraut, neue Essiggurken, neue marinirte Häringe empfiehlt 6789 Hch. Arnold II., Marktstraße 28. Roggenkleie, Pa. Waare, Weizenschale, Samenkuchen (Raps), Palmkernkuchen rc., jed. Quant, fr. Haus, empf. billigst W. Schimmel, 6602 Heuchelheim bei Gießen. Koch- und Etzbirnen zu verk. Restauration zum Sttbfiock. Mrihschafi oder Photograph. 6095s In der Licherstratze steht ein Anwesen, Wohnhaus, in welchem Wirth- schaft Betrieben wurde, Hinterhaus, HauS- aärtchen re., zu ausnahmsweise günstigen Bedingungen zum Verkauf. Auskunst ertheilt A. Buxbaum, Sensal, Marburg. Wermietyungen. 7210] Ein neu hergerichteteS Familien logis, 5 Zimmer nebst Zubehör sofort zu oermiethen. «rünbergerstratze iS. 7140] Eine kleine Familienwohnung zu oermiethen.__________«sterwe« 6. 65101 Logis mit 5 Zimmern mit allem Zubehör zu oermiethen. _____Georg Möhl, Bahnhofstraße 1 4545] Dritter Stock, 7 Zimmer nebst Zubehör und Badeeinrichtung, per sofort ru oermiethen. L. Petrt 1. Wwe., __ Neuenweg 39. 7236] Ludwig-Platz Neubau: erster und zweiter Stock, je 5 Zimmer, event. auch mehr ober weniger, Badezimmer und alle Bequemlichkeiten, von Mitte October ad zu oerm. Reuenweg 82. 7224] «ühlgafie 14 kleine Woh. nungen zu oermiethen.________________ 6677] In meinem Neubau ist der erste und zweite Stock, je 5—6 Zimmer, Bad, Balkon und Veranda, sowie die Manfard-, 6 Zimmer und Bad nebst allem Zubehör auf 1. October zu vermtetben _________0 Hansel, Löberftraße 17. 7265] Ludwtgstratze 12. freundliche Wohnung, 5 Zimmer, Wasferleilg., Bleich, platz, Gartenantbeil, baldigst zu oer. miethen. Näheres Stzrautfurterstr. 78. Löberstrasse 2 5333 W*< «otznuug, mittlerer CM, 4 Zimmer «. Zubeh., per 1. vetbr. I« wm. Nutzere- das. Parterre 1856] MöblirteS Zimmer mit Cabinet! und einfach möblirteS Zimmer zu oer -1 aitdb »iebaction: A. Schema. — Druck und Verlag der Brübl schen Unwerfttak--Buch. und W ohnungs Veränderung'. Meine Wohnung befindet sich von heute an Marktstrasse Nr. 30 in dem Hause des Herrn G. W. Schneider. 7213 Gießen, 29. August 1895. I>r. Koehler, Thierarzt. 126 Das Fleisch-Pepton der Compagnie Liebig, ein diätetisches Stärkungsmittel ersten Ranges in allen Fällen darniederliegender Ernährung, wird nach Pros. Dr. Kemmerich s Methode hergestellt unter steter Controlle der Herren Pros. Dr. M. von Pettenkoser und Pros. Dr. Carl von Boit, München. Käuflich in Dosen von 100 nnd 200 Gramm. A lusfler's sterilisirte lünbernabrung Von ben ersten Autoritäten al« da« vollkommene», aller künstliche» Kindernährmittel anerkannt und «mpsostle«. Sie enthält beste Vollmilch, Lier und ’8flan,lome. Berfaul m Apo,„essen und Iroguerien »er -lasche M. 1.88| Lletndruckere, Pietsch & Scheydai in GieHcu. $1. N» »zch-Bt bri ’ ” bcilW Lkc ztät-tk Ionitas1 gRontagi- Annahme fügenden Lett.. M M W ®ro