Nr. 29 Erstes Blatt. Sonntag den 3. Februar 1985 Der fcUfctntt Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de- MautagS. Sk Gießener »«WtttenötStter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelrgt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Avonnemenlsprkis e 2 Mark 20 Pfg. mit vringcrlohn. Durch die Post bezöge» 2 'JJfaxl 50 Pfg. Redaction, Txpcditiotz und Druckerei: Kchotstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- unfc Anzeigeblcrtt für den Ureis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr. Hratisöeikage: Gießener Kamikienßkätter. Alle Annoncen-Burcaux de» In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Theil. Bekanntmachung, l etreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des GroßherzogthumS. Der Geflügelzuchtverein Worms beabsichtigt, mit der, cm 30 , 31. März und 1. April l. I. ftattfindenden Ge- flügelausstellung eine Verloosung von Nutzgeflügel rc. rc. zu verbinden. Die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung ist Seitens des Großherzogl. Ministeriums de» Innern und der Justiz unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr als 8000 Loose zu 30 Pfq. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 60°/a des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist gestattet. Gießen, den 30. Januar 1895. Grobherzogliches Kceisamt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 1. Februar 1895. Betr.: Die Kranken», JnvaliditätS- und Altersversicherung der Kreisstraßenwarle. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir erinnern Sie an die Erledigung unserer Verfügung v»m 18. Dezember v. Js. (Gießener Anzeiger Nr. 298 und Ht. 303) binnen 8 Tagen. v. Gagern. Nro. 2 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. v. Ms., enthält: (Nro. 2207). Bekanntmachung, betreffend die Einfuhr vl»n Pflanzen und sonstigen Gegenständen des Gartenbaues. Lom 14/Januar 1895: Gießen, am 1. Februar 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gesunden: 3 Münzen, 1 Regenschirm, Geld, 1 Meter- inaaß, 1 Pelztragen, 1 Taschentuch, 1 Hemd, 1 Stück Druck» zeug, 1 Serviette, 1 Kinderhandschuh, 1 Packet mit Inhalt, 1 Pferdedecke und 1 Hundehalsband. Gießen, den 2. Februar 1895. Großherzoglrches Polizeiamt Gießen. __________________I. A.: Roth.___________________ Die tvirthschastliche Bedeutung der Handelsverträge. Die alten Silagen über die Nachtheile der Handelsverträge, welche vor zwei und drei Jahren Deutschland mit mehreren Nachbarstaaten abschloß, verstummen nicht und neulich wurden sie auch wiederum im Reichstage erhoben. Wir vollen nun ohne Weiteres zugeben, daß die deutschen Handels» vertrüge mit Oesterreich-Ungarn, Italien, Rumänien, Serbien nnb Rußland die Erwartungen auf größeren Absatz in» dustrieller Producte und die Erlangung befferer Preise dafür In keiner Weise erfüllt haben, ebenso konnten die Handels» Verträge nicht günstig auf die landwirthschaftliche Conjunctur virken, denn dies war nach den in den Verträgen gewährten Ermäßigungen der Getreidezölle ausgeschloffen. Nach der zc nzen handelspolitischen Lage liegt aber auch thatsächlich die 0s, es brauchen , nicht gerade echte Korallen und Perlen zu fein. (Heiterkeit.) Von : einem hübschen Mädchen sagt man auch, wenn sie nur Glasperlen i trägt: sie sei geschmückt. (Heiterkeit.) Redner prolestirt ferner gegen eine Einschränkung des Colportage-Bucbhandels. Man hat Schutz , für den seßhaften Handel gewünscht. Aber der Handel war von je ’ her ein Wandergewerbe, er mußte fremde Länder aussuchen. Man ; wird auch mit dieser Vorlage den Lauf der Welt nicht ändern. Man wird mit derselben ebenso den angestrebten Zweck verfehlen, wie mit allen früheren ähnlichen Versuchen. (Beifall.) Das Schlußwort erhält noch der Abg. Schwarze (Centr.), : worauf bte Vorlage mit den Anträgen Groeber einer besonderen * 21er Commission überwiesen wird. Dienstag: Bericht der Geschästsordnungs-Commission über die Priorität der Jnitiatio-Anträge; Wahlprüfungen, Antrag Pachnike, betr. die Volksvertretung in den Etnzelstaaten, Antrag Sinder, betr. die Abänderung der Wahlkreise Deutsches Reich. Berlin, 1. Februar. Im Weißen Saale des Berliner 1 Residenzschlosfes fand am 30.Januar der erste große Hof ball der diesjährigen Wtnterfesston statt. Demselben i wohnten das Katserpaar, der Großherzog von Baden, Prinz j und Prinzessin Heinrich von Preußen, sowie die übrigen zur Zeit am Berliner Hofe weilenden hohen Verwandten des ; Kaiserhauses und sonstigen fürstlichen Herrschaften bei. — Das preußische Abgeordnetenhaus hat die I bereits am Dienstag begonnene Specialberathung des Land- i wirthschasts-Etats auch am Donnerstag noch nicht zum Abschlüsse zu bringen vermocht,' es wurde an letzterem Tage nur die Position: „Gehalt des Ministers" durch Genehmigung derselben erledigt. Aus der DonnerStagsfitzung ist die Rede des Landwirthschastsministers v. Hammerstein Loxten hervorzuheben. Herr v. Hammerstein kam in derselben auf seine neuliche Programmrede zurück, eine Reihe Erläuterungen seines entwickelten Programmes gebend, mit besonderem Eife^ versicherte der Minister, daß er den Antrag Kanitz durchaus noch nicht als abgethan und begraben betrachtet wissen wolle. Merseburg, 1. Februar. Der Provinziallandtag beschloß, als Huldigung der Heimathprovinz des Fürsten Bismarck zu dessen 80. Geburtstag, im Saale des neuen Ständehauses als ersten Bilderschmuck die Marmorbüste des Fürsten aufzustellen und außerdem eine Adresse Namens der Provinz an ihn zu richten. Neueste Nachrichten* Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 1. Februar. Der hier tagende Gesammtvorstand ! der AbthetlungSvorstände des Deutschen TabakoeretnS beschloß eine Resolution gegen den Tabaksteuer« ! gesetzentwurf, ferner ist die Einberufung einer außer« i ordentlichen Generalversammlung des Vereins ins Auge gefaßt, i Eine Commission wurde mit der Ausarbeitung einer Denk- . schrift an den Reichstag beauftragt. Berlin, 1. Februar. Die Klage der Berliner Nacht« ; Wächter gegen die Stadt Berlin auf Weiterzahlung des Gehaltes wurde vom Landgerichte ab gewiesen, weil die ■ Nachtwächter nicht Beamte gewesen und keinen AmtSeid geleistet hätten und weil bet der Einführung deS Polizetkosten« ! gefetzes die Stadt mit den Nachtwächtern nichts mehr zu schaffen habe. Bremen, 1. Februar. Der Norddeutsche Lloyd theilt der „Weserzettung" mit, er verliere durch den Unter» i gang der „Elbe" eine Million Mark, die er bei sich selbst versichert hat. Die Ladung bestand aus 143 Tons Reis, 96 TonS eisernen Radreifen, 1120 Kubikmeter Stückgütern. Sie soll angeblich eine Million werth sein. Hier bildete fich ein Unterstützungs Comit4. Bremen, 1. Februar. Bei der Direction des „Norddeutschen Lloyd" ist folgendes Beileidstelegramm ein- gelaufen: „Altona. Angesichts des jähen Unglücks, welches den Norddeutschen Lloyd betroffen hat, drängt eS wich, mein tiefempfundenes Beileid auszusprechen. Heinrich, Prinz von Preußen." Baden-Baden, 1. Februar. Der Bürgerausschuß hat gegen sechs Stimmen der Freisinnigen beschlossen, den Fürsten BtSmarck zum Ehrenbürger zu ernennen. München, 1.Februar. Prinz Wolfgang, der 15 Jahre alte jüngste Sohn deS Prinzen Ludwig, ist gestern Abend «ach eintägiger Krankheit gestorben. Wien, 1. Februar. Der auf dem Dampfer „Elbe" verunglückte Wiener Fabrikant LouiS Thewett war mit 30,000 fl. gegen Unfall versichert. Paris, 1. Februar. Gutem Vernehmen nach wird der deutsche Botschafter Graf Münster im besonderen Auftrage als Vertreter deS deutschen Kaisers der Leichenfeier für Marschall Eanrobert im Jnvaltdendome beiwohnen. London, 1. Februar. Der Agent des „Nordd. Lloyd" in Lowestoft erhielt folgende Depesche von der Königin Victoria: „OSborne, 1. Februar. Die Königin ist sehr betrübt über das gräßliche Unglück der „Elbe" und möchte gern Näheres über daS Befinden der Geretteten wiffen, sowie, ob Hoffnung vorhanden ist, daß noch mehr gerettet sind." Hierauf sandte der Agent folgende Antwort: „Mit aufrichtigem Dank für Ew. Majestät gütige Erkundigungen und Theilnahme freuen wir uns, berichten zu können, daß alle Geretteten wohl genug waren/ um gestern und heute nach London abzureisen. Leider ist indeffen keine Hoffnung vorhanden, daß mehr gerettet werden." London, 31. Januar. Die tiefbetrübende Katastrophe, durch welche etwa 380 Menschen plötzlich und ohne jede Warnung ein Grab auf dem Grund des Meeres gesunden haben, bietet in ihren Einzelheiten wenig tröstliche Momente. Zu den wenigen gehört vor Allem der Umstand, daß Kapitän von Gossel getreu auf seinem Posten auS- geharrt und, wie es scheint, gelaffen dem Tode tnS Auge geschaut hat. Von den zur Zeit des Unglücks auf der Commandobrücke befindlichen Personen sind nur die beiden Lootsen gerettet, der Deutsche de Harde, der das Schiff auS der Weser geführt, und der Engländer Greenham, der bereits für die Fahrt durch den Kanal an Bord genommen war. ES scheint aber doch, daß im Augenblick der Katastrophe, 47 Seemeilen von Lowestoft entfernt, der Kapitän das Commando führte. Wie daS Unglück aber hat herbei- geführt werden können, sollten, wenn irgend Jemand, die Lootsen und geretteten Offiziere unS am ehesten erklären können, aber sie hüllen sich zur Stunde noch in beharrliches und leicht begreifliches Schweigen, und der dritte Offizier Stollberg meint sogar, daß die Sache wohl niemals zur Genüge würde aufgeklärt werden, da alle zur Zett des Unglücks auf der Commandobrücke befindlichen Personen ertrunken seien. Das widerspräche aber doch der Nachricht, daß beide Lootsen sich auf der Brücke befunden hätten. Auf die Urtheile der Paffagiere ist in solchen Dingen nun wohl weniger zu geben. Sie versuchen es auch eigentlich kaum, sich darüber au-zulaffen. Betrübend sind die Nachrichten von der ausgebrochenen Panik, aber Niemand wird den Kapitän oder seine Offiziere dafür verantwortlich machen wollen, noch dürfen wir, wo die Noth und der Schrecken so außerordentlich waren, vielleicht mit den Passagieren zu streng ins Gericht gehen, aber beklagenswerth bleiben die Kämpfe, baß Drängen und Ringen nach einem Platz im Boote immerhin, beklagenswerth bleibt es auch, daß unter 20 Geretteten kein Kind und nur eine Dame sich befindet — und diese ist doch nur noch wie durch ein Wunder in das rettende Boot gelangt. ES fällt auch allgemein auf, daß sich unter den 20 Geretteten nicht mehr als 5 Passagiere befinden. London, 1. Februar. Der Lloyd Agent in Rotterdam schreibt von gestern: Der Kapitän des Dampfers „Crathie" berichtet: „Ich wurde durch die Erschütterung bei der Collision zu Boden geworfen- als ich wieder aufstand, befanden sich die Schiffe in einiger Entfernung von einander, so daß ich nicht viel Auskunft geben kann. Daß andere Schiff war ein großer Dampfer, wie ich glaube, mit 4 Masten. Auf die Frage des Agenten, ob er keine Schritte gethan habe, Mannschaft und Paffagiere zu retten, antwortete der Kapitän, sein eigenes Schiff habe sich in einem solchen Zustande befunden, daß er jede Minute den Untergang befürchtete. Er folgte dem andern Dampfer kurze Zett- dieser war aber schneller gelaufen alß die „Crathie"- er habe auch geglaubt, daß Alle außer Gefahr seien. Loudon, 1. Februar. Die beim Untergang der „Elbe" Geretteten wurden heute von dem deutschen General Consul in London verhört. Daß Verhör dauerte den ganzen Tag. Loudon, 1. Februar. Wie daß Reuter'sche Bureau auß Hiroshima meldet, wurden die chinesischen Fried enß- unterhändler heute vom Grafen Ito und dem Vicomte Mut u in Audienz empfangen. Yokohama, 1. Februar. Nach einer amtlichen Depesche deß Generals Nogt übersteigt die Stärke deß Feindeß in der Nähe von Jtngkou 20000 Mann. Cavallerieposten, welche am 30. Januar einen Erkundigungßritt machten, berichteten, daß der Feind Lian Uang besetzt hätte und die westliche Abtheilung ein wenig nach Süden vorrückle. General Asi-Pang-Toa, welcher sich auf dem Wege nach L an Dang befand, war am 23. in der Nähe von Haitsching. Die chinesischen Truppen waren nirgendß auf der Straße nach Nyu-Tschwang sichtbar, weder östlich noch westlich von Jentai oder Tschan Hu-Tai oder Paitschiko. Depeschen deß Bureau „Herold". verli«, 1. Februar. In der ReichßtagßCommission zur Berathung der Umsturzvorlage wurde heute der vom Centrum gestellte Antrag berathen. In den Kreiß der Vergehen, deren Anpreisung im § lila der Regierungsvorlage mit Strafe bedroht wird, wird auch der Zweikampf ausgenommen. Dieser Antrag wurde mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen. Dafür stimmten Ceutrum, Freisinnige, Socialdemokraten, dagegen Conservative, Nationalliberale. Darauf wird auch eia Antrag deß Eentrumß entsprechend dem § 205 (Außführung deß Zweikampfes) in den § 11 la ausgenommen, ebenso der § 258 (Erpressung), § 805 (Zerstörung von Brücken), § 317 (Zerstörung von Telegraphenanstalten), § 321 (Vernichtung von Wasserbauten). Bei der Gesammt- abstimmung über § Illa behalten sich die Abgeordneten v. Stumm, v. Hammerstein, Enneceeruß die endgilti^e Entscheidung sür die zweite Lesung vor. Darauf wird § lila mit 19 gegen 6 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten Freisinnige, Socialdemokraten. Berlin, 1. Februar. Wie die „Nationalzeitung" hört, hat sich unter dem Vorsitz deß Ministers v. Bötticher ein Comitö gebildet, welches demnächst einen Aufruf zur Leistung von Beiträgen für die Hinterbliebenen der mit der „Elbe" verunglückten Paffagiere und Mannschaften erlassen wird. Berlin, 1. Februar. In der Budget-Commission deß Reichßtageß wurde heute daß Extra - Ordinarium deß Postetatß weiterberathen. Zur Vergrößerung eineß Poft - Grundstückes in Mannheim wurden die geforderten 169,165 Mk. genehmigt, desgl. für Wiesbaden 138,000 Mk. Damit ist der Postetat erledigt. Auch der Etat der Reichsdruckerei wurde angenommen. Berlin, 1. Februar. Daß Reichspostamt macht bekannt, daß die Poft, welche mit dem Dampfer „Elbe" nach Amerika gehen sollte, beim Untergang der „Elbe" nicht gerettet werden konnte und als verloren zu betrachten ist. Berlin, 1. Februar. Zu dem am Donnerstag Abend erfolgten Ausschluß des Abgeordneten Ahlwardt aus der Fraction der deutsch-socialen Reformpartei wird der „Staatsbürgerzeitung" gemeldet, daß das Verhalten Ahl- wardtß der Fraction gegenüber diesen Ausschluß unumgänglich nothwendig gemacht hat. Ahlwardt war zur gestrigen Sitzung nicht erschienen und da von ihm keine Erklärung darüber vorlag, ob und inwieweit er an dem Telegramm des „Münchener Volksblattes" bethetligt sei, so schied dieser Fall aus der Berathung uud Beschlußfassung auß. lieber die unmittelbaren Gründe des Ausschlusses wird demnächst eine osficielle Erklärung der Fraction erfolgen. Berlio, 1. Februar. In der WahlprÜfungs-Commisfion wurde die Wahl des Abgeordneten Holtz (Reichspartei, 2. Marienwerder) beanstandet. Frankfurt a. M., 1. Februar. Die „Franks. Ztg." meldet aus Petersburg: Die Adelömarschälle des Twer'schen Gouvernements sind ihrer Aemter entsetzt worden und für immer als unwürdig erklärt, öffentliche Aemter oder Staatsstellen zu bekleiden, weil sie eine gewisse Theilnahme der Semstwos an den Regierungsangelegenheiten befürwortet hatten. Wien, 1. Februar. Sämmtliche Blätter schreiben die Hauptschuld der Katastrophe des Dampfers „Elbe" der Sucht zu, die Reisen so schnell wie möglich zurückzulegen. Auch sind die Blätter der Ansicht, daß sowohl die RettungS- vorschristen, als auch die Action der gesummten Mannschaft des Schiffes mit Ausnahme des CapitänS nicht auf der Höhe der Situation gestanden habe. Außerdem verurtheilen die Zeitungen sehr streng die Haltung des Commandanten des englischen Dampfers „Crathie", welcher nur auf seine eigene Rettung bedacht gewesen sei. Nachdem englische Schiffe sich wiederholt durch Gewissenlosigkeit uud Gemüthsrohheit her- vorgethan haben, erheische dieser neuerliche Vorfall die strengste Untersuchung und unnachfichtliche Bestrafung der Schuldigen. Graz, 1. Februar. Den von antisemitischer Seite an den allgemeinen deutschen Turnverein gerichteten Antrag, aus der deutschen Turnerschaft auSzuschetden und sich dem antisemitischen Turnerbund anzuschließen, lehnte der Turnverein nach lebhafter DiScussion ab. Triest, 1. Februar. In dem Gebiet der Karot wüthet ein furchtbarer Schnee sturm. Die Züge blieben vielfach stecken. Dieselben mußten auSgeschaufelt werden. Es wird eine vollständige Sistirung deß Bahnverkehrs befürchtet. Venedig, 1. Februar. Infolge des anhaltenden Orkans sind zwei Schiffe in der Nähe deß Hasenß gescheitert. Die Bemannung derselben konnte gerettet werden. Paris, 1. Februar. Der Senat hat gestern die Berathung der Amnestievorlage begonnen. Man nimmt an, dieselbe werde heute im „Osficiellen Journal" erscheinen. Paris, 1. Februar. Nach der gestern von der Regierung angenommenen Gesetzesvorlage ist die Insel du Salut in Guayana als Ort für die Deportirten anzusehen. Loudon, 1. Februar. Das Verhalten des Capi- tänß deß Dampfers „Crathie" wird immer schärfer ver- urtheilt und alß Feigheit bezeichnet. Die geretteten Passagiere der „Elbe" sagen aus, daß sie den Dampfer „Crathie" noch zwei Stunden nach dem Zusammenstoß in der Nähe der Unglücksstätte gesehen hätten. Er habe jedoch einen Umweg um den gesunkenen Lloyddampfer gemacht und nichts gerhan, um Menschenleben zu retten, was ohne größere Schwierigkeiten noch möglich gewesen wäre. London, 1. Februar. Wahrscheinlich sind noch mehrere Schiffe dem Sturme zum Opfer gefallen. Ein Schleppdampfer und ein Rettungsboot, welche vorgestern Nacht von Ramsgate in See gingen, find noch nicht zurückgekehrt. Loudon, 1. Februar. Gestern hat in Portsm outh der Stapellauf deß größten englischen Panzerschiffes statt- gesunden. Daß Schiff wurde von der Prinzessin Louise „Majestic" getauft. Lowestoft, 1. Februar. Heute früh sind mehrere Fischerboote hier eingetroffen, die jedoch keinerlei Nachrichten über daß noch vermißte Rettungsboot der „Elbe" ; brachten- es find auch keine Leichen angeschwemmt. Die ge- | retteten Passagiere find heute nach London abgereist. Der zur Aufsuchung des Booteß ausgesandte Schleppdampfer ist unverrichteter Sache zurückgekehrt. Daß Wetter ist nach wie vor furchtbar stürmisch und sehr kalt. Nach den letztem Meldungen hat man nun alle Hoffnung, die Vermißten zu retten, ausgegeben. Antwerpen, 1. Februar. Daß deutsche Schiff „Au st ralia" gerieth heute Nachmittag im hiesigen Hafen in Brand. Daß Feuer entstand in den Dorrathßräumen. Der Schaden ist ein bedeutender. Trotzdem die Feuerwehr unausgesetzt thätig ist, dürfte von dem Schiffe kaum etwas zu retten sein. Ungeheure Volksmengen haben sich am Hafen angesammelt und sehen dem Brande, der noch wüthet, zu. Warschav, 1. Februar. Die Verhaftungen kath«. lischer Geistlichen in Congreß - Polen und Litthaue» dauern noch immer fort, angeblich, weil die Polizei in Priester-Seminareu Schriften mit Beschlag belegt habe, welche beweisen, daß zahlreiche Priester und Zöglinge einem gegen die bestehende Rechtsordnung gerichteten Geheimbunde angehören. Gieße«, ben 2. Februar 1895. ♦♦ Neuorganisation der höheren Behörden Hessens. Tin bei der Zweiten Kammer der Stände etngegangener Antrag der Abgg. Dr. Osann und Genossen (eß haben mitunterzeichnet die Abgg. SturmselS, Hechler, Graf Oriols, Bergsträßer, WolfSkehl, Reinhart, Erk, Friedrich, Dr. Vogt, Hirsch, Jöckel, Westermacher, Möllinger, Muth, Breimer, Haaß'Hainstabt, Haas-Offenbach, Dr. Heidenreich, Dr. Schröder, Wernher, Schönfeld, Mülberger, Weith, Pfannsttel, Zinßer, Lautz, Weber, Euler und Metz-Darmstadt) geht dahin, hohe Kammer wolle Großherzogliches Staatsministerium ersuche«, die Frage der Neuorganisation der höheren Staatsbehörden in Erwägung zu ziehen, demnächst eine Commission zur Berathung darüber zu berufen und zu einer entsprechenden Neuorganisation der höheren Staatsbehörden zu schreiten. *• Beschleunigung des Strafverfahrens. Daß Großh. Ministerium deß Innern und der Justiz hat folgendes Rundschreiben an die Gerichte erlassen: „Der schon vor einigen Jahren gemachte Hinweiß auf die Nothwendigkeit einer schleunigen Erledigung der Straffachen scheint nicht überall die gehörige Beachtung gefunden zu haben. Namentlich ist neuerdingß mehrfach die Wahrnehmung gemacht worden, daß in Fällen, in denen gegen ein Straferkenntniß die Berufung erfolgt, theils durch verspätete Einsendung der Acten an die höhere Instanz, theilß durch allzuwette Hlnauß- schiebung des Termins zur Hauptverhandlung seitens deß Berufungsgerichts der endliche Austrag der Sache in unliebsamster Weise verzögert worden ist. Im Hinblick darauf, daß jede schleppende Strafrechtspflege geeignet ist, das Ansehen der Gerichte zu schädigen, die Zuverlässigkeit der that- sächlichen Feststellungen zu gefährden und den Eindruck deß Unheils auf den Thäter, wie auf die Bevölkerung abzuschwächen, empfehlen wir Ihnen wiederholt und eindringlichst, eine thunlichft rasche Erledigung aller Strafsachen in der ersten wie in der Berufungßinstanz mit allen Kräfte« anzustreben." H. Neues Theater. In einem „Eingesandt" der letzten Nummer kommen mehrere Theaterbesucher auf die Ursachen des schlechten Besuches, den die Vorstellungen des Herrn Reiners erfahren, zu sprechen. Die Ausführungen der Herren sind zweifellos richtig und auch wir möchten Herrn Reiners ganz besonders davor warnen, Stücke anzukündtgen, die nachher nicht am festgesetzten Abend zur Aufführung gelangen, sowie bei gewissen Vorstellungen — sei eß Benefiz oder Novität — daß Abonnement aufzuheben, oder einen Aufschlag eintreten zu lassen. Aber wir dürfen doch nicht Übersehen, daß das hiesige Publikum von Anfang dieser Spielzeit an daS Unternehmen deß Herrn Reinerß so wenig unterstützt hat, daß Herr Reinerß bet Stücken, die für ihn eine besondere Ausgabe bedeuten, zu besonderen Mitteln greifen zu müssen glaubte, um auf die Kosten zu kommen. Gleichwohl war die Anwendung dieser Mittel, wie eß sich gezeigt hat, ein Fehler, den wieder gut zu machen, Herr Reinerß hoffentlich versuchen wird. ES bleiben immerhin noch acht Wochen Spielzeit, in denen sich manches erreichen läßt, wenn daß Publikum seine Mitwirkung nicht endgültig verweigert. Seither hatte die Theaterdirection auch in Betreff der Wahl der Stücke einen schweren Stand. Der eine Theil deß Publikums wünschte ältere bewährte Lustspiele von Benedix, Moser, Schömhan und Co., der andere „moderne", womöglich französische Sachen- aber mochte nun Herr Reiners etwas AlteS oder etwas Neues geben — ins Theater kam doch Niemand. Vielleicht gelingt eß Herrn Reinerß jetzt, nachdem sich auch einmal daß Publikum öffentlich ausgesprochen hat, durch Beobachtung einer festen Preiß- grenze und durch Abwechslung in der Wahl der Stücke den geäußerten Wünschen zu entsprechen. Auch glauben wir, soweit wir die hiesigen Verhälinisse zu beurteilen vermögen, daß sich einige Vorstellungen zu ermäßigten Preisen empfehlen würden. Ein Versuch könnte keinenialls schaden. — Statt der angekündigten Vorstellung „Der Störenfried" wurde gestern Abend wegen Erkrankung von Frl. Egger Sudermanns „Heimath" wiederholt und erntete reichen Beifall. * Der Carnevaloerein Gießen veranstaltet morgen Sonntag eine große carneoalt st ische Sitzung mit Damen und nachfolgendem Tanz im „Hotel Einhorn". Freunde eines gesunden Humors sind hierzu höflichst eingeladen. Der Eintritispreis ist so gestellt, daß Jedermann in der Lage ist, theilzunchmen. (Näheres siehe Placate und Annonce.) Todesfall im Bahazuge. D e Tochter eineß Ein- pohnerß von Neunkirchen, welche, weil krank, gestern von ihrem Vater von Frankfurt auß nach ihrer Heimath gebracht werden sollte, starb bei Großen Linden im Coupe. Die Leiche wurde hier außgeladeu und nach dem Friedhöfe gebracht. ♦♦ Daß diesjährige mittelrheimsche Berbandsschießen findet in der Woche vom 23. biß 30. Juni in Wormß statt. '«Se K'L ■ ®4ah[g ji 'n*“"“«seiest *1 '“‘en fe|® '9 6 ?,ll,ri •« „9 6"be, Hüt, iruat 1885. ' Wew. 8in ‘Begongenet ('« tabu r'®r«f Oriol«, K Dr. $,g, M, W d)'Dr- Schröder, M*/ »«fier' dahik-, hotze Mum ersuchen, Staatsbehörde» imlifwn zur r ^tsprechendeil Zu schreiten. Das Großh. 'olgmbes Run-« 3n vor einige« ttndigkeit einer fachen ichrim tndrn zu haben, ltehmng gemacht Straserkenntnih k Einsendung der llzuivette Hinaus- ^9 seitens des Sache in unlieb- Hinblick darauf, net ist, das An- issigkeit der that« den Eindruck des Bevölkerung ab- 't unb einbriiig> ■ Strafsachen to t allen AMrn janbl" der letzten auf die Ursache» Hungen des Herrn Ausführungen der r möchten Hem icke anzukündigen, r Aufführung ge> - sei es Benefiz iben, oder eloei dürfen doch nicht n Anfang dieser Reiner« so wenig icken, die für ihn isonderen Mittel« osten zu kommen. litte!, Wit eß sich |U wachen, Herr Reiben immerhin manches erreich» ft nicht tubgilitia ction auch in De> Stand. Der em wahrte Lustspiele Co., der andere aber mochte im ues gebe° - >"< gelingt es Henn Publikum^' einer E' M irr ®ait «» 14 et«M ®"' Sil« »n™6«™' ff’« teilt1” ®tlf 1 >6 ann0'Cn" Ein- 7 estern t Hs •S-M* •• Der Setreidemarkt. (Berichtswoche 24. bis 31. Jan.) Die andauernden Preisrückgänge auf den amerikanischen und rnsstschen Märkten haben auch den deutschen Getreidemarkt in schwere Mitleidenschaft gezogen, sodaß auch.in Deutschland das Getreidegeschäft mehrer: Tage verflaute. Schließlich Äbten die schlechten amerikanischen Preise auf den europäischen Markt aber keine Wirkung mehr aus, und in den letzten Tagen trat eine deutliche Besserung der Preise für Weizen, Roggen und Hafer wieder hervor. In Berlin und Leipzig wurden gekauft: Weizen per 20 Gentner für 120 bis 139 Mk., Roggen für 110 bis 115, Hafer 105 bis 138, Gerste 92 bis 170 Mark. ** Lebensmittel-Preise Ende December 1894. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik kosteten: Ochsenfleisch per Pfund Rindfleisch per Pfund Kalbfleisch per Pfund Schweinefl. per Pfund Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod Roggen- Brod Butter per Pfund Milch 1 Liter Eier 1 Stück Stabte mit Octrot Darmstadt 76 70 76 70 70 12 11 98-111 18 7-8 Mainz 72 60 70 75 65 11,5 10 105-115 18 5-7 Offenbach 76 66 76 80 60 11 9 120-130 21 6-10 Worms 74 70 64 68 68 9 9 105-120 17 6-10 Hießen Städte ohne 76 69 65 71 65 10 9 97-107 18 7-8 Octrot Bingen 75 65 60 70 60 10 9 105-125 19 6-7 Bensheim 76 70 70 64 60 11,5 9 100-105 17 7-8 Alzen 68 64 65 65 60 15 9 103—114 17 10-11 Friedberg 75 70 70 60 65 11,5 10 110-120 18 8-9 Alsfeld 70 65 70 60 — 12,5 9,5 100-110 16 7 Lauterbach 70 70 60 60 60 12 9 120 16 7 Lauterbach, 1. Februar. Der Freiherrlich Riedesel'sche Oberförster, Herr Leonhard zu Etfenbach, hatte am DienStag das gewiß seltene Glück, in den Freiherrlich Ji edesel'schen Park Anlagen zu Eisenbach ein Wildschwein (Seiler) zu erlegen. Das Thier wog 115 Pfund. § Bom höheren Vogelsberg, 30. Januar. Der heutige Lag war für die Bewohner unseres höheren Gebirgs mehr »ie ein kritischer Tag erster Ordnung, denn in der Nacht begann ein furchtbares Schneegestöber, welches den ganzen Tag über anhielt. Die Fenster waren dick mit EiS gefroren, aus den Straßen konnte man sich kaum bewegen. Verschiedene Fahrposten konnten ihre Touren nicht zur rechten Zeit oder gar nicht zurücklegen. — Ein Landwirth nebft Frau aus Gedern kamen heute mittelst Schlitten von 8R mloS zurück, infolge des Schneewetters mußten sie in Hei bstein Rast machen. Als man sich schließlich zur Weiter« fahrt bemühen wollte, waren Pferd und Schlitten verschwunden. Nach längerem Suchen sand man das Pferd vollständig ermattet oberhalb Ilbeshausen tief in einer Schneewehe stecken. Es kostete Mühe, das Gefährt wieder stelzuschaufeln und im nächsten Ort Unterkunft zu finden. Aus Oberheffeu, 31. Januar. Einem in den letzten Jahren vielfach hervorgetretenen Bedürfniß hat die Direetion bei Oberhessischen Eisenbahnen dadurch abgeholfen, daß sie die Stationen Laubach, Scholten, Ortenberg und Gedern mit Lvntesimal-Brückenw aagen ohne GeleiSunter- brechung zum Verwiegen von Wagenladungen auS- til ften ließ. Darmst. Ztg. Darmstadt. 30. Januar. Der „Allgemeine deutsche Lehrerinnen-Verein" wird seine diesjährige Hauptversammlung zur Pfingstzeit in unserer Stadt abhalren. Der verband, der gegenwärtig 48 Einzelvereine mit mehreren Tausend Mitgliedern umfaßt, veranstaltet alle zwei Jahre derartige Zusammenkünfte und tagte zum letzten Male im Jahre 1893 in Friedrichsroda in Thüringen. Die diesjährige Hauptversammlung beginnt am Samstag, den l.Juni. B i den Verhandlungen, die öffentlich stattfinden sollen, wird Frl. Hel. Lange den Vorsitz führen. Von Rednerinnen hat Frl. Aug. Schmidt bereits einen Vortrag in Aussicht gestellt. Darmstadt, 1. Februar. Der am Großherzogl. Ober^ cousistorium als Kanzleidiener thütige Herr I. I. Reuter feiert am 2. Februar feinen 80. Geburtstag. Derselbe blickt I. „D. T." aus eine 56jährige Dienstzeit zurück. Er wachte den badischen Feldzug mit, diente 29 Jahre bei den Dragonern, 3 Jahre beim hessischen Kriegsministerium, 5 Jahre am Hofgericht und ist am 10. Mai d. I. 19 Jahre bei dem Oberconsistorium. Möge er das seltene Fest des 80. Geburtstages freudig und in Gesundheit begehen! vermischtes. * Eine harte Straf-Bestätigung erhielt dieser Tage, nach btt „Radfahrer - Chronik", ein Radfahrer aus Frankfurt a. M. Derselbe hatte sein Rad per Bahn verschickt mb aus Versehen einen geladenen Revolver in der Werkzeug- idfie stecken lasten. Die Bahnverwaltung verlangte 240 Mk. Strafe „wegen Versendung von Sprenggeschosten unter falber Declaration" und nun hat das Amtsgericht diese Strafe bestätigt. * Halle a. d. S., 31. Januar. Der Amtsvorsteher k. Liere in Kröllwitz (Amtsbezirk Nietleben bei Halle) ul-äßt an öffentlicher Aushangstelle folgende Bekanntmachung: ,Ja Rücksicht auf die Gesundheit der Amtsinsassen schlage ich vor, daß im ganzen Amtsbezirk, wie bereits in Kröllwitz ibUch, nunmehr allgemein der „militärische Gruß" ein- jcsilhrt wird. Ich für meinen Theil erkläre hiermit, daß *4 durch diesen Gruß ebenso meine Achtung vor Jemanden zum Ausdruck bringen will, als wenn ich den Hut abnehme." * Breslau, 1. Februar. Der Dachstuhl der Kaserne dis hiesigen Trainbataillons ist mit Montirungsgegenständen zlsüern Abend theilweise niedergebrannt. * Wittenberg, 1. Februar. Der Postdirector Planer kam gestern aus einer Jnspectionsreise vom Wege ab. Heute vorcmittag wurde derselbe bet Hohendorf erfroren auf- Itfuinben. • • Freiburg i. B., 27. Januar. Die Einrichtung und der Betrieb einer Schlächterei durch die Stadtgemeinde hat überall berechtigtes Aufsehen erregt und Veranlassung gegeben, die principielle und rechtliche Seite des ganzen Vorgehens des Stadtraths einer Kritik zu unterziehen. Vielfach neigt man der Ansicht zu, daß der Stadtrath zu weit gegangen fei und er vorher hätte den Bürger- auöschuß in einer solch wichtigen Frage hören sollen. In der That haben eine große Anzahl Stadtverordnete den Antrag an den Stadtrath gerichtet, schleunigst eine Sitzung deS Bürgerausschusses zu berufen und bis zum Austrag der Sache die Schlachtungen und den Fleischverkauf auf städtische Rechnung einzustellen, bezw. die veröffentlichten Bekanntmachungen zurückznnehmen. Jedenfalls hat die Sache ein weitgehendes Interesse hervorgerufen, die man Überall mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgt. * Bern, 1. Februar. Der Zürichfee ist bis Stäfa und RichterSweil hinauf zugefroren, weßhalb die Schiffe zwischen den beiden Orten seit heute nicht mehr Verkehren. * Die Centralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseiurichtungen wird ihre diesjährige JahreSconferenz in der letzten Woche des April in Dü sseldo rf abhalten. Als erster Verhand- lungsgegenstand steht auf der Tagesordnung: „Die zweckmäßige Einrichtung und Ausgestaltung der Krankenkassen", für welches Thema Professor Dr. Hitze (Münster) als Generalreferent fungiren wird. Ferner find als Specialreferenten für eine Reihe von Einzelfragen gewonnen: Sanitätsrath Dr. Busch (Crefeld): Die Stellung der Aerzte in den Krankenkassen - Stadtrath Dr. Schmid (Leipzig): Die centralistrten Ortskrankenkassen,- Beigeordneter Dr. Waldschmidt (Crefeld): Die nach Beruf gegliederten Ortskrankenkassen; Fabrikdirector Moritz Böker (Remscheid): Die Betriebskrankenkassen. — Als zweiter Gegenstand wird die Frage der „Volksernährung" zur Verhandlung kommen und zwar werden als Referenten zu diesem Thema Professor Dr. I. König (Münster) über die Theorie der Ernährungslehre, Stadtrath F. Kalle (Wiesbaden) über die Popularisirung der durch die wissenschaftliche Ernährungslehre gewonnenen Grundsätze, Corvettencapitän Harms, Director der Torpedowerkstatt (Friedrichsort) über practische Maßnahmen zur Hebung der Volksernährung sprechen. * Aus Sturmes Noth. Man schreibt den „M. N. N." aus Schleswig-Holste in: Es ist eine wahre Begebenheit, von der wir hier erzählen wollen, und die sich, so romanhaft sie auch klingt, unlängst an unserer Nordseeküste ereignet hat. An einem eiskalten, stürmischen Morgen wurden die Leute in dem nicht weit vom Strande gelegenen Fischerdorfe durch einen Kanonenschuß aus See geweckt. Alle wußten, was das zu bedeuten hatte. An der Küste befanden sich Riff an Riff, an denen sich die See in gewaltiger Brandung brach, und kein Jahr verging, in dem nicht die Fluth hier mehrere Opfer forderte. Aber die Bewohner des Dorfes waren muthige und hilfsbereite Leute- sie hatten schon zahlreichen Unglücklichen das Leben gerettet und sie begaben sich auch heute, als sie den Schuß hörten, in größter Eile an den Strand. Etwa eine halbe Viertelmeile von der Küste saß ein Schiff auf dem Riff, rettungslos verloren. Die Besatzung war in die Masten geklettert und hatte sich an das Tauwerk festgeklammert, um nicht von den Wellen fortgespült zu werden. — „Das Rettungsboot klar!" — Und das Boot wurde ausgebracht, aber sein beherzter Führer, Harro hieß er, war nicht da,- er hatte sich früh morgens ins Nachbardorf begeben. Es war unmöglich aus ihn zu warten; jede Minute ließ voraussehen, daß das Schiff in Trümmer zerschlagen werde. Acht Mann ruderten hinaus in den rasenden Sturm. Sie erreichten das Wrack und schafften die ermatteten Schiffbrüchigen in das Boot. Aber einer blieb zurück. Hoch oben im Mast hing er, schwer und steif infolge der Kälte, und sie wagten nicht, ihn herabzuholen, denn das Boot war überladen, der Sturm nahm zu, und ihrer Aller Rettung stand auf dem Spiel. — Als sie ans Land kamen, war Harro da. Er fragte, ob man sie Alle habe, und so hörte er denn von dem Letzten im Mast. „Ich werde ihn holen!" rief er, „geht Ihr mit?" Aber sie wollten nicht, sie meinten, es fei unmöglich. Harro sprang ins Boot: „Dann gehe ich allein." In diesem Augenblick erscheint seine Mutter am Strand. Sie bittet ihn: „Gehe nicht! Dein Vater blieb draußen . . . und Uwe." — Uwe war ihr jüngster Sohn, von dem sie feit zwei Jahren nichts gehört hatte. — „Gehe nicht! Deiner Mutter zu Liebe!" — „Und der draußen . . . bist Du dessen sicher, daß auch er nicht noch eine Mutter bat!" — Da schwieg die Alte und vier Mann sprangen mit Harro in das Boot. Vorwärts geht es, der Brandung entgegen, aber eS geht langsam! Das Wrack stand schon ganz unter Wasser, als sie hinauskamen, und es hielt schwer, sich dem Schiffe zu nähern. Endlich gelingt eS. Harro selbst klettert hinauf in die Wanten, um den fast erfrorenen Burschen herunterzuholen. — Nun liegt er im Boot, und landeinwärts geht's. Und als man dem Strande so nahe ist, daß Harros kräftige Stimme durch Sturm und Brandung bringen kann, da winkt und ruft er: „Sagt'S der Mutter ... es ist Uwe!" Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 1. Februar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Ems, Cavitän W. Reimkasten, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 1. Februar. (Per transallantifchen Telegraph.) Der Postdampfer Weimar, Capitän C. Steencken, vom Nordd Lloyd in Bremen, ist gestern 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Verfdpr, Cant* unö Volksrvirthschaft. •iefctt», 2. Februar. Marktbericht Aut bem .heutigen Vochemnarkt kostete: Butter or Bst», x 0.80—0,90, Hühnereier pro Stück 7-8 4, Käse pr. St. 4-8 4, Käsenuttte pr. St- 8 4, AbA pr. Liter 18 4, Ansen pr. Liter 82 4, Ochsen«, pr. Pfd. 74 bi« 784, Kuh. u Rindfl pr. Psd. 66—70H,Schwein fleisch pr. Psd. 70-72 4, »albfleisch pr. Pfd 60 66 4, Hammelfleisch pr. Psd. 66—70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00-5,00 x, We.ßkrau, pr. Stück —— 4, Zwiebeln pr. Centner 3,00—3.5u X. aus den Standeraintsregisteru der Stavt «letze». Nrrkgedote. Januar: 28. Konrad Sauer, Taglöhner zu Mainzlar, mit Helene Faulsttch zu Kisselbach. 28. Philipp Konrad Armbruster, Taglöbner zu Holzhaulen, mit Anna Maria Bretdenstein daselbst. 28. Wilhelm Bayer, Schlosser dahier, mit Rostna Schlößer hterselbst. 28. Heinrich Karl Pfeiffer, Lackirer zu Frankfurt a. M., mit Wilhelmine Konradine Friederike Appel hterselbst. 28. Ferdinand Adolf Roth, Kaufmann zu Frankfurt a. M., mit Elisabeth Ruff hterselbst. 30. Wilhelm Sommerlad, Steinmetz dahier, mit Wilhelmine Heßler hterselbst. »hesch»ietz«»gK«. Januar: 29. Dr. Carl Georg Wtnheim, practtscher Arzt .u Grünberg, mit Karoltne Johanna Maria Henriette Warth bteisell i. 30. Heinrich Ludwig Bernhardt, Sergeant dahier, mit Wilhelmine Margarethe Karoltne Schmidt bierselbst. 30. Karl Adolph, Vice- feldwebel dahier, mit Mathilde Magdalene Harms hierfeldst. Utbotttu* Januar: 23. Dem Taglöoner Konrad Balser ein Sohn, Heinrich. 24. Dem Feldwebel Reinhard FamS eine Tochter, Marianne Gertrude Elisabeth. 26. Dem Schubmacher Ludw'g 9Ippel Zwillingssöhne, Ernst und Max. 27. Dem Sparkassen-Gehülfen Wilhelm Eisenhauer ein Sohn. 28. Dem Locomottvbetzer Wilhelm Rößler ein Sohn, Hans W lly. Februar: 1. Dem Vicefeldwebel Ernst Ferdinand Heß eine Tochter. Gestorbene. Januar: 26. Helene Walther, geb. Krtegk, 69 Jahre alt, Wittwe von Rendant Peter Walther dahier. 26. Johann Georg Christian Brückel, 45 Jahre alt, Drechslerme ster dahier. 27 Ernst DuS, 21 Jahre alt, Taglöhner von Nieder-Weisel. 27. Elisabeth« Nau, 82 Jahre alt, Prioatin dahier. 29. Elise Marte Christine Schäfer, 3 Monate alt, Tochter von Taglöhner Johannes Karl Schäfer dahier. 29. Louis Philipp Hans Martin Eduard Langsdorf, 7 Monate alt, Sohn von Barbier Adolf Langsdorf dahier. 31. Heinrich Rühl, 69 Jahre alt, Maurer dahier. Auszug aus den AirchenSüchern Ver Siadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Seiranit. Matth öusgemeinde. Den 29. Januar Dr. Karl Georg Wtnheim, pract. Arzt zu Grünberg, und Karoltne Johanna Maria Henriette Warth, Tochter deS verstorbenen Bierbrauers Marxel Warth zu Gießen. Lukasgemetnd e. Den 27. Januar. Johannes Heß, Gärtner, ein Wittwer, und Maria Merz, Tochter des OrtsdienerS Johannes Merz zu Dirlammen. Johannesgemetnde. Den 27. Januar. Heinrich Keh', Schreiner zu Gießen, und Juliane Eltsabethe Nassauer, Tochter des Bergmanns Wilhelm Nassauer zu Mandeln. Militärgemeinde. Den 30. Januar. Karl Adolph, Vtcefeldwebel, und Mathilde Magdalene Harms, Tochter des verstorbenen Gastwirths Emil Harms zu Gießen. Denselben. Hehnrich Ludwig Bernhard, Sergeant, und^Wilhel- mine Margarethe Karoltne Schmidt, Tochter des Wrrths Heinrich Schmidt zu Gießen. Getaufte. Matthäusgemetnde. Den 27. Januar. Dem Postillon Heinrich Münker eine Tochter, Anna, geboren den 24. December. Markusgemeinde. Den 27. Januar. Dem Maurer Georg Cappeller eine Tochter, Anna Elisabeth, geboren den 30. Oclober. Denselben. Dem Restaurateur Ludwig Jochem ein Sohn, Jakob Albert Ludwig, geboren den 29. November. Denselben. Dem Metalldreher Emil Schüßler eine Tochter, Wilhelmine Marie, geboren den 4. December. Denselben. Dem Schneider Karl Schön ejn Sohn, Adolf Jakob Hermann, geboren den 7. December. Denselben. Dem Schlosser Karl Struth eine Tochter, Marie Emma, geboren den 4. December. / Den 30. Januar. Dem Schuhmacher Louis Appel Zwillinge, Ernst und Max, geboren den 26. Januar. Beerdigte. Lukasgemeinde. Den 28 Januar. H-lene Walther, geb. Kriegk, Wittwe des Rendanten Peter Walther, alt 69 Jahre, starb den 26. Januar. Johannesgemetnde. Den 29. Januar. Christian Bruckel, DrechS^rmeister, alt 44 Jahre, starb Den 26. Januar. 8. Klein "»“o4 Bankgeschäll. 1046 Buchdruck-Arbeiten Sehe»! Staunen! Kaufen! „Im Fluge durch die Welt“ der letzten" Jahre. Das grossartige Werk besteht ans 16 Lieferungen, jede mit 16 photogr. Ansichten mit begleitendem Texte auf Kanstdrnckpapier. * Mr Jedes Heft a 50 Pf. äämi“. 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Januar 1895. Großh. Amtsgericht. Holzversteigerung. Freitag den 8. Febr. 1895, von Bonn. 10 Uhr an, soll in dem Wirsecker Gemeindewald, District Hundskopf und Heide, das nachverzeichnete Holz versteigert werden: Bau-, Werk- u. Nutzholz: 45 Nadelstämme mit 13,46 Festm. 95 Nadelstangen „ 0,67 „ Brennholz: Scheith. Knüppelh. Stockh. Reish Rm- Rm. Rm. Wellen Buchen 18 5 3 380 Radel 133 226 5,4 3210 Die Zusammenkunft ist an der Straße nach Daubringen am Hangelstein. 1057 Wieseck, am 1. Febr. 1895. Großh. Bürgermeisterei Wieseck. Sommerlad. Bäckerei-Verkauf. Mache hiermit bekannt, daß meine gutgehende, am schönsten Platze gelegene Bäckerei, deren Fortbestand von vielen Seilen erwünscht, sehr preiswürdig auf sofort zu verpachten ist. Auch kann dieselbe auf Wunsch verkauft werden mit und ohne Land dabei. Friedrich Sundheim 1051 in Lollar. Schlitten ein- und zweispännige sowie ein Geschäft«, Schlitten für Böcker oder Metzgcr geeignet, zu verkaufen bei 1063 H. 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Wir machen unsere Mitglieder nochmals und wiederholt darauf aufmerksam, dass der Zutritt zur (SU- bahn nur gegen Vorzeigung der Beikarte gestattet ist. 944 Kräftiger ' 1067 ffiTrilli empfiehlt stch billigst TToMakHMfiAka I51HC JlUU fm mti6rrma*ee, XlUUSQUIsowie in der G rderob« für kleine Knades Alte Weinfirma in Bordeaux mit Ku^dsch.st. sucht benemvioh' enevertreter. I Offenen an M. B. 45d7. Agence HavrS, zum sofortigen Eintritt gesucht. ' Grand Lbeatre, Berdeaur-[ 104')1 Goldenberg A MareuS. Die Obergäffer Schäferei-Gesellschaft sucht einen Schäser mit guten Zeugnissen v. 1. März an. Off. beliebe man bei dem Unterzeichneten einzureichen. Louis Qpper, Salzmeister, 1036 Alten - Buseck.___________ Ein zuverlässiger [1053 Pferdeknecht schnellt Fahrten, gute Verpflegung, billigste Preise. LuSkuuft erthcilcqr von der Beoke & Marelly, Antwc< :t F. J. Bothof, Generalagent, Mainz, H. 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