1894 Dienstag den 3t. Juli Erstes Blatt Nr. 176 des ikaqe: Gießener Aamilienbkätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. wird dem Fürsten Bismarck In Erinnerung an dessen Besuch Jenas morgen anläßlich der Einweihung des Bismarck- Brunnens das Ehrenbürgerrecht verliehen. gewickelte Apfelsinen aus denselben hervor. „Das ist für Deinen Durst." Damit legte er die Früchte auf das am Kopfende Wertes stehende Tischchen nieder. Die Lippen des KtndeS murmelten ein schwaches: vierteljähriger Abonnemerrts-reisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukstrahe Kr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den "Rreis Giefzen. Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamtliendtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt. dem Aviso „Blitzt geschleppt. Köln, 28. Juli. Die „Köln. Ztg." meldet auS Petersburg, die koreanische Frage komme der russischen Re- qierung sehr unbequem. Die an der Grenze verfügbare Truppenmacht spiele einem Gegner, wie China und Korea, vornehmlich aber Japan gegenüber, keine Rolle, umsomehr, als an einen Nachschub vor Monaten nicht zu rechnen sei. Dieser ernste Zwischenfall komme Rußland einige Jahre zu früh, woraus dessen vorsichtige Haltung resultire. Jena, 28. Juli. Auf Beschluß der Gemeindebehörden Alle Annonccn-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. „Danke!" Allein die Hände rührten sich nicht, die Liebesgabe zu ergreifen. di- Ergebnisse d-rs-lbcn näher ins Auge zu lassen. Danach sand im Ganzen, einschltehiich der Marine, 1893 eine HeereS- eraäuzung stall van 268176 Kopsen. Läßt man die Marine außer Betracht, bleiben sür das Heer an AnSgehab-nen und freiwillig Eingetretenen (vor und nach dem dienstpflichtigen Alter) 262323 Mann. Dies ergibt gegen das vorhergehende Jahr, daS letzte Jahr vor der neuen Heeresorganisation, in welchem 194 673 Mann eingestellt wurden, ein Mehr von 67 650 Mann. Die Verstärkung war, wie die „Freis. Ztg. hervorhebt, größer, als in der im Juli 1893 gemachten Heeresvorlage in Aussicht genommen war. Denn in lener, schon nach dem Anträge von Huene beschränkten Vorlage war die Zahl der Ausgehobenen auf 228 500 Mann angegeben, wozu noch 9000 Einjährig-Freiwillige und der Nachersatz kommen sollten. Der Nachersatz aber beträgt höchstens 6 Procent oder 13 710 Mann, was einen Gesammtbedarf von erst 251210 Mann ergibt, also 11000 Mann weniger, als tatsächlich 1893 zur Einstellung gelangt sind. An sich kommt zur Zeit ein solches Mehr der rascheren Durchführung | der zweijährigen Dienstzeit zustatten. Denn je mehr Rekruten eingestellt worden, desto weniger Dreijährige brauchten im Herbst 1893 zur Erreichung des Etatsolls der Truppenstärke bei der Fahne zurückbehalten zu werden. Im kommenden Herbst muß bekanntlich die zweijährige Dienstzeit bei den Fußtruppen vollständig zur Durchführung gelangen und alsdann die Rekrutenzahl sich mit der Normalzahl decken. Schueidemühl, 28. Juli. Laut Kaiserlicher Cabmets- ordre vom 12. Juli ist die Brunnenlotterie zum Besten der durch das Brunnenvnglück Geschädigten genehmigt worden. Die Loose können durch das ganze Deutsche Reich verbreitet werden. Dem aufgestellten Plan zufolge soll dem Unterstützungsfonds der Betrag von 300000 Mark zufließen. Ein großes Berliner Bankhaus erklärt sich bereits zur Ueber- nahme des Vertriebs der Loose bereit. Wilhelmshaven, 28. Juli. Bei einem Nachtangriff nahe der dänischen Westküste stießen der Aviso „Pfeil" und das Torpedo-Divisionsboot „D 4" zusammen. Die beiden Schiffe trafen beschädigt hier zur Reparatur ein. „D 4 wurde von Feuilleton. | Auf Wiedersehen! Don Fr. Baumann. (Schluß.) Der ArbeitSmann trat ein; mit Vorsicht schritt er weiter, damit seine groben Stiefel kein Geräusch auf dem Parquet« boden verursachten. Franz, das unglückliche Kind, lag unbeweglich in den Kiffen, das Gesicht der Eingangsthür zugewandt. Er sah von Weitem seinen Vater kommen, ohne die Züge zu beleben, ohne mit der Augenwimper zu zucken. Nach seinen entsetzlichen Leiden ruhte er in der Morphiumbetäubung, als weile er schon in dem Reiche der Schatten. Langsam näherte sich der Vater dem Krankenbett und betrachtete fernen Sohn. Das Gesicht des Knaben war weiß wie sein Bett, ab- gemagert und vergeistigt, die Augen erschienen größer und irrten verständnißloS umher. Furchtsam stützte der Arbeiter seine Hand auf das eiserne Bett und beugte sich vornüber, seinem Kinde zu: „Nun — Franz — es geht Dir schlecht?" Da der Knabe nichts erwiderte, fuhr er mit den Händen in die Tasche seiner Hose und zog zwei in Seidenpapier ein- Weßener Anzeiger Heneml-Anzeiger. Berlin, 28. Juli. Zur E n t l a st u n g des mtt zu vielen privatrechtlichen Proceffen belasteten Reichsgerichts beab- sichtigt die Regierung, die Grenze, bei welcher m vermögens- rechtlichen Streitigkeiten die Revision in dritter Instanz । zulässig ist, auf mindestens 2000 Mark zu er^eiL [ — Zum Commandeur der deutschen Schutztruppe in Kamerun ist Rittmeister von Stetten, früher im 3. bayerischen Cheveauxlegers-Regtment, ernannt worden. Berlin, 28. Juli. Die auf gestern Abend einberufenen Z9 Boykottversammlungen waren 9-ößtentheils schwach besucht. Sämmtliche Redner traten energisch für Difrecht- baltung des Boykotts ein. Eine Resolution, keinen Tropfen Ringbier zu trinken, wurde in allen Versammlungen an- AnsUrud. Wien, 28. Juli. Die „Deutsche Zeitung" meldet telegraphisch aus Hermannstadt, daß dort gestern der Führer der ungarischen Rumänen, der Pfarrer Dr. Lucucin, von Gensdarmen erschossen wurde. Einzelheiten Pari?, 28. Juli. Gestern sind 2 5 Anarchisten gegen welche am 9. August die Schwurgerichtsverhandlungen beginnen, in die Concierge gebracht und in Einzelhaft genommen worden. Die Anarchisten sind von jedem Verkehr mit der Außenwelt vollständig abgeschlossen, auch mtt ihren Vertheidigern dürfen dieselben nicht zusammenkommen. Diese scharfen Maßregeln stützen sich bereits auf die Bestimmungen des Anarchistengesetzes. , . Paris, 28. Juli. Senat. Der Justtzmimster Guerin verlas das Decret, durch welches die Session für geschloffen erklärt wird. Darauf wurde die Sitzung aufgehoben. Deputirtenkammer. Der Ministerpräsident Dupuy verlas das Decret, welches die Session für beendet erklärt. Pascal Grousset (Socialift) protestirt heftig hiergegen, indem er erklärte, er habe Dupuy benachrichtigt, daß er ihn wegen der Begnadigung der von dem Gerichtshof für die boulangi» stischen Angelegenheiten Verurtheilten interpelliren wollte. Der Ministerpräsident erwiderte, der Schluß der Session sei auf Grund der Verfassung erklärt. (Widerspruch auf der äußersten Linken.) Die Sitzung wurde darauf aufge- Paris, 28. Juli. Gestern Abend 11 Uhr erfolgte in der Seine vor dem Kammergebäude eine heftige Explosion. Die Detonation wurde im ganzen südlichen Stadtviertel gehört und man glaubte sofort an ein Attentat. Polizisten, die in der Nähe waren und vorübergehende Leute sind jedoch der Ansicht, daß ein Anarchist sich einer Bombe habe entlebiger. wollen und sie deshalb über die Concordienbrücke in tue Seine geworfen habe. , — Im französischen Senat hat sich doch eine thetlweise recht scharfe Opposition gegen das Anarchisten gesetz geltend gemacht. Nachdem die sofortige Berathung des Gesetzes am 27. Juli beschlossen war, bekämpfte Floquet das Gesetz, das allen freiheitlichen Principien zuwiderlaufe und gefährlicher sei, als das jüngst in der Schweiz erlassene Anarchistengesetz, da es sich hauptsächlich gegen Ueberzeugungen | und Preßvergehen richte. Auch Beaumanoir bekämpfte den flen"n, 28. JuU. Der „Reichsanz-ig-r" veröffentlicht heute die landesherrliche Anerkennung des neuen Btschoss Georg Komp als Bischof von Fulda. Berlin, 28. Juli. Bezüglich des ersten und bis setzt eimiaen hiesigen Cholera fall es wird gemeldet, daß de donner Krankheit leicht befallene Frau Stürtz ^°^eutc aus dem Moabiter Krankenhause entlassen werden wird. — Die Heeres-Ergänzung Jsahre 18 , über welche jetzt ziffermäßige genaue amtliche Berichte - liegen, war die erste Aushebung zur Ausführung der neuen . Heeresorganisation. ES ist deshalb von besonderem Interesse, Zu Füßen des Bettes stand ein Stuhl. Mechanisch ließ der Mann sich nieder, indem er respectvoll seine schmutzbedeckten Füße unter den Sitz zo§. Er hatte seinen Filzhut auf die Erde niedergelegt. - Seine Gedanken verließen das Bett, den Saal — sie entflohen durch das geöffnete Fenster. Ein unbekanntes Gefühl ergriff ihn, ein Leiden, das nicht physisch war, durchruckte den gequälten Mann. Ein Schleier senkte sich auf “ne W « zu sehen, und er fühlte seinen Körper niedergedrückt auf den Sitz des Stuhles, als sei er Plötzlich stieg ein tiefer Seufzer auS seiner Brust emP c\Q c0 war es auch gewesen, als er zum ersten Male dies Haus betreten hatte, um seine Frau zu besuchen. Man hatte sie ihm gezeigt, ausgebreitet auf dem Bett, mit den« selben Fieberaugen, mit derselben Blässe. Dann hatte man ihn davon benachrichtigt, daß sie verschieden sei, und er war nur noch gekommen, die Todte als die Seimge anzuerkennen, ehe man sie einsargte und begrub. Am folgenden Tage war er zu seinen Pferden zurückgekehrt, ein Trauerband am Arm. Während des Tages, wo er zu arbeiten hatte mttJemen Thieren, unter dem ewigen Hüh und Hott war ihm der Wechsel nicht gar so unerträglich gewesen. Allein des Abends, wenn er noch nicht den Fuß auf die Treppe lewer Wohnung gesetzt hatte, überfiel ihn fern ganzer Schmerz. - c^efct sollte er auch den Jungen verlieren, nichts blieb ihm, kein Heim, — keine Seele, nichts mehr, das ihn fernerhin nach Hause locken könnte. Sein Herz erbebte, er fühlte es, daß sein grausames Schicksal sich besiegele, das Kind nahm alles mit fort. Alles, was ihn noch gehindert hatte, wüst und rauh zu werden, wie seine Karrenpferde, die er mit dem Stiefel stieß, alles, was ihn noch abhielt, sich ganz dem Trünke zu ergeben. An den übrigen Krankenbetten plauderten die Besucher, da vernahm man die Freude der Erretteten, der Wieder, genesenden, da wurden tröstende goldene Zukunftsplane gesch^det^an^ ben auf seine Brust sinken und verblieb so, bis ein Wächter sich ihm näherte und ihm auf die Schulter klopfte: „Es ist fünf Uhr . . . die Besuchszeit ist vorüber . . . Sie muffen sich zurückziehen, mein Freund!" Ohne Widerspruch erhob er sich, wandte den Kopf ab wärts, damit sein Kind ihn nicht höre, und fragte leise. „Könnte ich nicht morgen wiederkommen? Der Beamte machte ein Zeichen, welches anbeitote, daß es nicht von ihm abhänge, eine lolche Erlaubniß zu "^".Wenden Sie sich an die Schwester, Kamerad!" Der Fuhrmann näherte sich ber Diacontssin, in beiden Hänben hielt er den Ranb seines Hutes. Sie hob bie Arme unb wies zum Himmel. Denken Sic nicht baran---das ist in der Thai unmöglich *---Me Regel des Hauses ver. blEtet®r beftanb nicht weiter auf seinem Anliegen, allein er kehrte zum Bette seines Knaben zurück, neigte sich über ihn und drückte einen Kuß aus seinen Mund. Auf Wiedersehen! . . Auf Wiedersehen, mein Junge. Er sah das Kind mit innigster Zärtlichkeit an. Wie sehnlich wünschte er, nochmals seinem Blicke zu begegnen, nochmals in diese Augen schauen zu können, die er geöffnet nie mehr Wiedersehen sollte. Allein bie Blicke bes Kranken blieben entfrembet, innerer Visionen zugewandt. Sie richteten sich nicht einmal dem Manne zu, der nun der Ausgangsthür zuschritt, gebrochen und stumm. Amtliche»' Theil. Bekanntmachung. Betr' Die Zulaffung von Loosen auswärtiger Lotterteen rum Vertrieb im Großherzogthum. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Ausstellungs-Ausschuß des 13. deutschen Wembau- Conareffes die Erlaubniß ertheüt, die Loose einer am 8. September im Anschluß an den 13. beutschm Wembau- Eonareb zu veranstaltenden Verloosung von Gegenständen des Weinbaus u. f. w. innerhalb des Großherzogthums zu verlrelben. Behörde genehmigten VerloosungSplan dürfen 10000 Loose a 0,50 Mk. ausgegeben werden und muffen 50 °/o zum Ankauf von Gewmnsten verwendet werden. Gießen, am 27. Juli 1894. Großherzogliches KretSamt Gießen. v. Gagern._______ Deutscher Reich. Entwurf, indem er der Regierung vorwarf, daß sie die Autorität untergraben habe, indem sie den Revolutionären jegliche Vergünstigung gewährte. Ministerpräsident Dupuy versicherte in seiner Erwiderung, das thatkräftige Streben der Regierung sei darauf gerichtet, die Republik zu befestigen. So lange die Macht in ihren Händen sein werde, werde sie verhindern, daß die Republik mit gewissen Doctrinen vermischt werde, hinter denen man einen Cäsar vermuthen könne. Dupuy schloß mit der mit großem Beifall aufgenommenen Erklärung: Wir wollen der Demokratie zwei Worte als Devise geben: Vernunft und Freiheit!" Auch Arago bezeichnete den Entwurf als wirkungslos gegen die Anarchisten, er lehne ihn ab, weil er die Veröffentlichung der Verhandlungen untersage. Nur der Berichterstatter Trarieux trat für den Antrag ein. Hierauf wurde die Generaldiscussion geschloffen und Artikel I ohne Debatte mit sehr großer Majorität angenommen. — Nach einer Meldung aus Coustautiuopel haben in Macedonien und Altserbien Erdbeben stattgefunden. Auch in Varna sollen durch das Erdbeben viele Häuser beschädigt und zahlreiche Menschenleben zu beklagen sein. Coustautiuopel, 28. Juli. Die mit der Eisenbahn von Europa kommenden Reisenden unterliegen in Mustapha-Pascha einer 24stündigen Quarantäne. Washington, 28. Juli. Einer' Depesche des Capitäns des amerikanischen Dampfers „Baltimore" zufolge bestätigt sich die Nachricht von der Gefangennahme des Königs von Korea durch die japanesischen Truppen. Die amerikanische Regierung beabsichtigt, im japanesisch - chinesischen Conflict Partei zu ergreifen. Nerrefte Nachrichten. Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau. Heidelberg, 29. Juli. Zu dem heute dahier eröffneten l2. Verbandstage der Vereine Credit - Reform sind 63 Delegirte, welche 151 Vereine vertreten, eingetroffen. Im Namen der Stadt begrüßte Herr Oberbürgermeister Wilckens die Versammlung. Zum ersten Vorsitzenden wurde Demeter (Kempten) gewählt. Auf der Tagesordnung stehen außer der Erstattung des Jahresberichtes 35 Anträge, die von den verschiedenen Gauvereinen gestellt worden sind. Florb', 29. Juli. Der Kaiser verließ heute Vormittag S1^ Uhr Oldören- der Gottesdienst wurde auf der „Hohen- zollern" abgehalten. An Bord ist alles wohl. Paris, 29. Juli. Aus Saint Louis am Senegal wird gemeldet: Alikart, der Marabout von Boffo im Süden von Bandjagara, welcher den heiligen Krieg predigte, brachte der ihm entgegentretenden französischen Truppen« abtheilung eine Niederlage bei. Der Commandant von Segun schickte hierauf Verstärkungen ab. Diese eroberten Boffo und lödteten im Gefecht Allkari mit 500 Einwohnern. Auf französischer Seite fielen ein Europäer und acht eingeborene Tirailleurs, außerdem wurden 6 Offiziere, 15 europäische Soldaten und 128 Tirailleurs verwundet. Shanghai, 29. Juli. Meldung des Reuter'schen Bureaus. Drei japanische Kriegsschiffe stießen am 27. d. M. bei Asan auf die chinesischen Kriegsschiffe „Chenyuen" und „Kotse", sowie einen Aviso, welche sieben Transportschiffe begleiteten. Es kam zum Kampfe, der „Chenyuen" zog sich zurück, der „Kotse" und sechs Transportschiffe entkamen. Die Japaner nahmen den Aviso fort und bohrten ein Transportschiff in den Grund. Die japanischen Truppen griffen an demselben Tage die Chinesen bei Asan an. Weitere Nachrichten über diesen Kampf fehlen. Der englische Kreuzer „Porpoise" ist heute von Shanghai abgegangen, um die Engländer in Chefoo zu schützen. Shaughai, 29. Juli. Nach Nachrichten aus Soeul hat der japanische Gesandte bei der koreanischen Regierung beantragt, die Zurückziehung der chinesischen Truppen zu verlangen. Auf die Weigerung der koreanischen Regierung fand ein kurzer Kampf in Soeul statt, in Folge deffen die japanischen Truppen den Palast, in dem sich der König befand, in Besitz nahmen. Der letztere hat sich an die europäischen Vertreter mit der Bitte um Vermittelung gewandt. WB. London, 30. Juli. Reutermeldung aus Shanghai. In dem Seegefecht am 27. Juli wurde ein chinesischer Aviso nach hartnäckigem Kampfe gefangen, das Transportschiff „Kowshung" von japanischen Schiffen mit Torpedos beschossen, sank mit 1500 Mann, wovon nur 40 vom französischen Kanonenboot „Lion" gerettet wurden. Alle Europäer an Bord des „Kowshung" find erschossen oder ertrunken. Depeschen de» Bureau «Herold*. Berlin, 29. Juli. Ein hier verbreitetes Gerücht über das angeblich ungünstige Befinden des Fürsten Bismarck ist vollständig unbegründet Nach Meldungen aus Varzin befindet sich der Fürst im besten Wohlsein.' Belgrad, 29. Juli. Die Regierung trifft Maßregeln, um der drohenden Hungersnoth infolge der Mißernte von Mais unter der Landbevölkerung vorzubeugen. Der Finanzminister hat dieserhalb eine größere Summe flüssig gemacht. Paris, 29. Juli. Der Assisenhof in Versailles o er* urtheilte gestern einen An archisten wegen Verherrlichung des durch Caserio begangenen Mordes zu 13 Monaten Gefängniß. Zwei andere Anarchisten, welche desselben Vergehens angeklagt waren, wurden fretgesprochen. H. Wien, 30. Juli. Erzherzog Wilhelm, der Generalinspector der Artillerie, ist gestern Vormittag in Baden bei Wien vom Pferde gestürzt und Nachmittags 5Vz Uhr infolge des Sturzes gestorben. Loeales unb pesvtirztelles. Gießen, dm 30. Juli 1894. ** Sitzung Großh. Handelskammer vom 27. Juli 1894. Anwesend die Herren Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Homberger, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. — Die Kammer war höheren Orts zur Begutachtung einer Anzahl wichtiger Abänderungsvorschläge zur Concursordnung aufgefordert worden und trat heute — vollzählig versammelt — in die Berathung derselben- meist an der Hand practischer Erfahrungen war sie in der Lage, sich über sämmtliche Punkte eingehend gutächtlich äußern zu können. — Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten antwortete der Kammer auf ihre Eingabe, betr. Wiederaufhebung der Platzgebühr, bezw. Reduction derselben bei kurzen Fahrstrecken, daß die Platzgebühr vom 1. September 1894 ab im Falle der Benutzung dieser Züge auf Strecken von nicht mehr als 150 Km. auf die Hälfte, d. i. 50 Pfg. für die 3. Klaffe und 1 Mk. für die 2. und 1. Klaffe herabgesetzt werde, weitergehenden Wünschen aber nicht entsprochen werden könne. — Der in den hiesigen Zeitungen erfolgte Aufruf, betr. das Gesetz zum Schutz der Waarenbezeichnungen vom 12. März 1894, scheint immer noch nicht in der gewünschten Weise bethätigt worden zu sein. Die Anzahl der bis jetzt eingegangenen Anmeldungen läßt befürchten, daß noch Inhaber von gesetzlich eingetragenen Schutzmarken im Rückstände sind. Wir empfehlen denselben an dieser Stelle nochmals in ihrem eigenen Interesse, mit Einsendung ihrer Waarenzeichen nichr länger zu zögern. Die Uebermittelung derselben unsererseits an das Kaiserliche Patentamt muß bis spätestens 1. September 1894 erfolgt sein- das Gesetz tritt am 1. October 1894 in Kraft. — Von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz gingen der Kammer zu: 1) ein Circular des Kaiserlich russischen Zoll-Departements, betr. die Regelung für die Zollbehandlung von Waarenmustern, die von Handlungsreisenden nach Rußland mitgeführt werden, und wird die Einhaltung dieser Vorschriften den letzteren zur besonderen Nachachtung empfohlen. Das Circular liegt den Interessenten auf unserem Bureau zur Einsicht offen. 2) Ein Entwurf von Ausnahmebestimmungen, betr. die Sonntagsruhe für die Seifenindustrie. Etwaige Anträge und Aeußerungen betheiltgter Industriellen sind wir beauftragt entgegenzunehmen und bitten wir, dieselben an unser Bureau gelangen zu lasten. 3) Eine Zusammenstellung beachtens- werrher Vorschläge für die Herstellung einer geeigneten Verpackung von Maaren, die zum Export in das Ausland — speziell nach dem Copland und der südafrikanischen Republik — bestimmt sind. Diese Zusammenstellung, sowie weitere an die Kammer zur Benachrichtigung etwaiger be* theiligten Kreise gelangten Berichte, die Geschäftslage in Rumänien, die Creditgewährung in Serbien und zweifelhafte Firmen im Auslande, namentlich in den Niederlanden betr., liegen ebenfalls auf dem Bureau der Kammer zur Kenntniß- nahme der Interessenten offen. — Am 6. August 1894 findet eine Sitzung des Großh. Eisenbahnbeiraths in Darmstadt statt und wird in derselben auch eine Anzahl dieffeitiger, den Fahrplan der Oberhessischen Bahnen betreffender Anträge, die den Leserkreisen bereits bekannt sind, zur Berathung gelangen und von dem Vorsitzenden der Kammer vertreten werden. Letztere nimmt berechtigte Wünsche, die sich zur Aeußerung an genannter Stelle eignen, noch gerne entgegen. * * Militärdieustuachrichteu. Unterarzt Dr. Hofmann vom Landwehrbezirk Gießen wurde zum Assistenzarzt 2. Elaste befördert. * * Diebstahl. Einem auf Oswaldsgarten mit Aufbauen der Festbuden beschäftigten Zimmermann wurde am vorigen Samstag ein Bandmaß entwendet. Die Diebin wurde in der Person einer Taglöhnerin ermittelt und zur Anzeige gebracht. * * Unfall. Gestern Morgen wurde einem Knecht von einem Pferd die Hand vollständig durchgebisten. * *nn. Statistik über die gewerblichen Unterrichtsanstalteu im Großherzogthum Hesteu. Unter der Leitung der Großh. Centralstelle für Gewerbe haben im Schuljahre 1893/94 folgende gewerbliche Lehranstalten gestanden: Die Großh. Landesbaugewerkschule in Darmstadt, die Großh. Fachschule für Elfenbeinschnitzerei in Erbach, die Kunstgewerbeschulen zu Mainz und Offenbach a. M., die erweiterten Handwerkerschulen zu Alsfeld, Bensheim, Bingen, Büdingen, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Nidda und Worms- ferner 78 Sonntagszeichenschulen und 39 gewerbliche Fortbildungsschulen für nicht zeichnerische Fächer. Die Zahl der an sämmtlichen vorgenannten Schulen thätigen Lehrer betrug 293. Davon sind 103 Volksschullehrer und 195 gehören dem Baugewerbe an. Die Gesammtschülerzahl beträgt 8472. An den erweiterten Handwerkerschulen, den Kunstgewerbe- und Fachschulen waren im Ganzen 87 Lehrer beschäftigt, darunter 24 fest angestellte. Die Gesammtschülerzahl betrug in den Wintercursen 951, in den Sommercursen 314 Schüler. 584 Schüler hatten sich den Baugewerken gewidmet und 259 Schüler waren im Alter von 18 und mehr Jahren. An den Sonntags-Zeichenschulen wirkten 177 Lehrer und betrug die Gesammtschülerzahl 5863. Außerdem erhielten noch 406 schulpflichtige Knaben (Vorschüler), soweit thunlich, in besonderen Klaffen Unterricht. Von den Sonntagszeichenschülern gehörten 4459 (etwa 75pCt.) den Baugewerben an und 1493 Schüler standen im Alter von 18 und mehr Jahren. Der Unterricht an den Sonntagszeichenschulen erstreckte sich auf Freihandzeichnen, geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie und Fachzeichnen. An den 39 gewerblichen Fortbildungsschulen waren 86 Lehrer thätig. Die Schülerzahl betrug 1658. Bei 29 Schulen fand der Unterricht nur im Winter statt, während in 10 Schulen das ganze Jahr hindurch unterrichtet wurde. 28 Schulen waren einklassig, 6 zweiklasfig und 5 dreiklasstg. Der Unterricht an diesen Schulen erstreckte sich auf Deutsch, Rechnen, Geometrie, ferner Buchführung, Naturlehre, Baumaterialienkunde, Verwaltung und Gesetzeskunde sowie Aufstellung von Voranschlägen. * * Vorsichtsmaßregeln bei den Herbstübuugen. Für die im August und September stattfindenden Herbstübungen sind für die Mannschaften diesmal besondere Vorsichtsmaßregeln gegen die Gefahr des Hitzschlages erlaffen worden, über welche die Mannschaften aller Truppentheile eingehend zu belehren sind. Erfahrungsgemäß befördern ungenügender Schlaf, Ausschweifungen, Durst und vor Allem der Genuß von Branntwein Sonnenstich und Hitzschlag. Es ist daher dafür zu sorgen, daß den Mannschaften vor Märschen, die voraussichtlich während der beißen Tageszeit auSgesührt werden müffen, eine genügende Nachtruhe gewährt werde- da aber das Antreten frühzeittg geschehen muß, haben die Truppenbefehlshaber die Stunde, zu der Alles in den Quartieren sein muß, früh anzusetzen. Butzbach, 27. Juli. Die hiesige evangelische Kirchengemeinde hat den hiesigen Katholiken einen schönen Altar, welcher jahrhundertelang in unserer evangelischen Pfarrkirche hinter Bretterverschlag aufbewahrt wurde, in anerkennens- werther Liberalität zur Benützung überwiesen. Freunde der Diaspora-Katholiken erbauten außerhalb der Stadt eine katholische Kapelle, in welcher dieser Altar Aufstellung fand. Seit dem 1. Juli besitzt die katholische Gemeinde in der Person des Herrn Pfarrcurats Ambos aus Heppenheim einen eigenen Geistlichen. Derselbe muß indessen vorläufig noch Kost und Logis in einem Privathause nehmen. E. Echzell, 29. Juli. Hütet die Kinder! ist eine Warnung, die man nicht oft genug erheben kann, wie ein gestern bet uns vorgekommener Unfall leider wieder deutlich beweist. Ein etwa neunjähriger Knabe machte sich an der Häckselmaschine zu thun- der Kleine kam mit der Hand in die Maschine, welche ihm einen Finger glatt ab, den anderen aber so durchschnitt, daß er nur noch an einem Hautlappen hing. Hütet die Kinder! H. Aus dem Horloffthale, 29. Juli. In unserer Gegend hat sich seit Kurzem eine lebhafte Auswanderungsluft nach Norddeutschland, Ost- und Westpreußen, Posen und Pommern zu erkennen gegeben. Die Leute verkaufen ihr Anwesen zu guten Preisen, zahlen ihre Verbindlichkeiten ab und behalten noch soviel übrig, daß sie in jenen Gegenden kleine Rentengüter von 60 bis 150 Morgen mit Inventar zu übernehmen vermögen. Die Preise dieser Rentengüter, welche bekanntlich in sehr langer Zeit durch Tilgungsrenten heimgezahlt werden, schwanken zwischen 9000 bis 20,000 Mark. Der Boden in jener Gegend ist fruchtbar, das Klima aber rauh, so etwa, wie es im Vogelsberge ist. Nicht jeder kann das vertragen. § Grebenhain, 29. Juli. Heute spielten mehrere Kinder in der Scheune des Landwirths Johannes Komp. Plötzlich wurde die Ehefrau des Komp durch Hilferufe erschreckt- als sie sich nach der Scheuer begab, fand sie ihr sechsjähriges Mädchen mit der Hand in der Häckselmaschine stecken und ein anderes dreijähriges Kind an der Kurbel, die Hand des Mädchens war beinahe durchschnitten. Hätte ein stärkere« (älteres) Kind die Maschine gedreht, wäre die ganze Hand abgeschnitten worden. Auch dieser Fall mahnt, die Kinder nicht bei gefährlichen Maschinen und Werkzeugen allein zu lassen. Von der unteren Bergstraße, 26. Juli. Durch die große Hitze ist die Reife der Pflaumen so schnell herangetreten, daß die Händler, weil die Früchte einen Transport nicht mehr ermöglichen, den Ankauf einstellen mußten. Den Landwirthen, die sonst erhebliche Summen aus Pflaumen lösten, ist dadurch eine hübsche Einnahme entgangen. Vermischtes. * St. Johann, 28. Juli. Heute Morgen brach, als das hiesige Dragoner-Regiment Pontonierübungen auf der Saar aussührte, die Plattform des Pontons ein, sodaß die Mannschaft in die Saar stürzte. Ein Gemeiner ertrank. * Stuttgart, 29. Juli. Der württembergische Obstbauverein hat beschlossen, am 6. September und 4. October versuchsweise zwei Tafelobstmärkte in der städtischen Reithalle hier zu veranstalten. Zur Zeit versendet der Verein die Marktordnung, welcher eine Anleitung über Pflücken, Sortiren und Verpacken des Obstes angehängt ist. * Straßburg, 26. Juli. Ein hiesiger Bürger bekam heute eine der seltsamsten Postkarten, die Wohl je zur Absendung gelangt sind. Dieselbe ist nicht aus Papier oder Gorton, oder wie man sonst den vorschriftsmäßigen Stoff für Postkarten nennen will, hergestellt, sondern aus Baumrinde. Der Absender, der Amerikaforscher Rudolf Gronau, der sich zur Zeit auf einer Wanderung in Ganaba befindet, hat von der Rinde eines dortigen Baumes ein postkartengroßes Stück abgelöst. Auf die Vorderseite hat er ein Stück Papier geklebt und mit der Aufschrift „Postkarte der amerikanischen Urwaldspost" versehen- darunter steht die Adresse. Die Rückseite enthält das, was man bei gewöhnlichen Postkarten die Schrift nennen kann: eine Reihe von Mittheilungen, die freilich nicht geschrieben, sondern mittelst eines scharfen Messers in die Baumrinde eingeritzt, aber vollkommen deutlich und lesbar sind. Diese seltsame Postkarte ist in einer Postanstalt in Ganaba — ber Name ist nicht deutlich zu erkennen, wahrscheinlich ist es Montreal — am 14. Juli d. I. aufgegeben worben unb gestern in Straßburg richtig zur Bestellung gelangt. Der Straßburger An- kunftsstempel ist ber Karte mit mustergültiger Deutlichkeit aufgebiücEt. Der Empfänger will bte Karte bem Postmuseum in Berlin zuweisen. * Von dem vor Kurzem verstorbene» Professor Hyrtl in Wien, bem berühmten Anatomen, machen folgenbe Anecdoten die Runbe burch bte Blätter: „Meine Herren", begann Prof. Dr. Hyrtl in den ersten Tagen des Wintersemesters 1869 auf 1870, „schaffen Sie sich Todtenschädel an; ohne Todten- schädel ist das Studium der Anatomie kaum möglich. ES 1 muß ein Jeder von ihnen Mittel finden, sich einen Todten- faßte eines Tages Hhrtl, „die Hand eines «ünstlers, die G-< duld eines Engels und der Magen des Thieres, das Moses seinem Volk zu essen verboten." Citeratur und ICunft — Die Bedeutung der hypnotichen Suggestion als Heilmittel. Gutachlen und Hetlverichtc der hervorragendsten wtssenschaftttchen Vertreter des Hypnotsmus der Gegenwart. Herausgegeben von Dr. med. I. Großmann, Redacteur der Zeitschrift für Hypnotismus in Berlin. Berlin, „Deutsches Derlagshaus Bong L Go." 11V.Bogen in 8°. Mk.2 50. Es ist ein wahrhaft Epoche machendes Buch, ein Buch, das nicht nur unter den Aerzlen, fondern auch in den weitesten Laienkreifen ein großes Aufsehen erregen dürfte! In der klar nnd anziehend geschriebenen Vorrede geht zunächst Dr. Großmann, der als intimer Kenner des Hypnotismus und der Suggestion auch von feinen Gegnern geschätzt wird, scharf ins Gericht. Selbst die enragirtesten Gegner behaupteten nur, daß er in einzelnen Fällen Nervöse mache, daß man auf die Hypnose da und dort einmal einen hysterischen Anfall habe folgen sehen. Als ob dies nicht anderen Heilverfahren auch zur Last fiele. Aber soweit selbst die unangenehmen Erscheinungen nach dem Hypnottfiren beobachtet wurden, trägt an ihnen nicht der Hypnotismus selbst die Schuld. Sie alle werden lediglich verursacht durch unzweckmäßige Hypnolistaionsmethoden, durch ungeschicktes Suggeriren, durch Mangel an Hebung und Erfahrung, wie dies besonders aus den lungst von Dr. Friedrich veröffentlichten Versuchen hervorgeht, aus die hin Prof, v- Ziemßen den Hypnotismus in Acht und Bann getban. All dies wird nun in einzelnen Gutachten durch theoretische De- ductionen und durch Berichte über Heilungen volltnhaltich bestätigt. Aber nicht nur den Behauptungen über die Gefahren in mebictntV^er Hinsicht tritt das Buch entgegen, sondern auch denen in juristischer Hinsicht, über die in weitesten Kreisen noch die vagesten Anschauungen herrschen. Bei dem überaus niedrigen Preise des Buches trotz seiner eleganten Ausstattung, dürste dasselbe bald in den weitesten Kret en nicht nur der Aerzte, sondern auch des dabei nicht minder interessirten Laienpubltkums wohlverdienten Eingang finden. Mdel ,u verfch-ffen." Traurig er ch.eu Hyrtl Tags darauf in der Vorlesung. „MeineH-rr-n," sprach er„es haben mich einige von Ihnen gestern offenbar mißverstanden, sie baden kein Mittel unversucht gelassen, um sich in den Besitz von Todtenschädeln zu setzen. Ich habe heute morgen in meiner Schadelsammlung einen großen Abgang an Leichen ichiideln entdeckt." Hhrtl, der einen außerordentlichen Reich- tDum an Orden besaß, aber eine heilige Scheu empfand, sich mit einem Orden-zeichen zu schmllckeu, ftofet itn ®e= öränflc mit einem hohen Militär zusammen, dessen Brust mit funkelnden Kreuzen besäet ist. Den Üblichen Höflichkcuvobolos, baß usuelle Wörtchen „Pardon" zurufend, will er an dem Offizier vorübereilen, allein dieser scheint ihn nicht so leichten Kaufes ziehen lasten zu wollen. „Mein Herr," donnerte er dem ihm unbekannten Gelehrten zu, den Zeigefinger gleichzeitig nach der ordengeschmückten Brustseite bewegend, „mein Herr, sehen Sie denn nicht?" „Pah," unterbricht ihn geringschätzig Hhrtl, „solche Dingerchen liegen in meinem Schrank kaufenweise." Sprachs und ließ den Herrn stehen. Einer der Collegen Hyrtls, der Professor Brückner, stellte vor vielen Jahren mit Kaninchen Versuche über die Gewichtsabnahme infolge Hungerns an. Die Thierc wurden jeden Tag gewogen, und es zeigte sich hierbei die paradoxe Erscheinung, daß dieselben an Gewicht nicht nur abgenommen, sondern im Gegentheil eine erhebliche, von Tag zu Tag sich steigernde Gewichtszunahme erfahren hatten. Die Erklärung dieses Phänomens wurde bald gefunden Der große Thierfreund Hhrtl fütterte von einem Gangfenster aus Tag für Tag die Kaninchen mit kräftiger Nahrung, und man erinnert sich nicht, daß es jemals so vergnügte hungernde Kaninchen gegeben Hat, wie zur Zeit dieser Experimente. „Zur Anatomie gehört/ Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Mütterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfävchnna tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verloscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbraunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wennsehr mi: Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nickt. Die Seidenfabrik G. Henneberg (f. u.k. Hoflieferant) Zürich versendet gern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke oorto- und zollfrei ins Haus- i »pirlplim 6er vereinigten frankfurter Statttbeafn Opernbaris. Dienstag den 31. Juli: Der fHegenbe Holländer. Mittwoch den 1. August: Flick und Flock (Amor). Donnerstag den 2. August: Mignon. Freitag den 3. August: Flick und Flock. SamStag den 4. August: Medici. Sonntag den 5. August. Lohengrin. . . Schauspielhaus. Das Schauspielhaus bleibt bis incl. Samstag den 4. August geschlossen. ________ —--- Verkehr, Land- nnd Volkswirthschaft. Grünberg, 28. Juli. Fruchtpreise. Weizen JL 14 32, Korn JL 14,00, Gerste 12,00, Hafer .*15,86 Erbsen ^16,00, Linsen 00,00, Wicken 00,00, Lein JC 00,00, Kartoffeln JL 4 74, Samen 19,16. __ Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 30. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16, Luft 18*. Rübsamen'sche Badeanstalt. Adolf Bogt in Gießen gehörige Hof- Mk. 740,80 Pfg. u // 500,— u II 6273 Rein. Carl Petri. 6264 Gnauth. 6283 6286 Clement. 6276] [6272 2271.09 234717.01 Schäfer. [6279 Philipp. // // u 8948.90 16366.95 33.85 209062.15 305.16 Geitzler, Gerichtsvollzieher. werk u. a- m. 6281 i. V.: Heuser. 1. Custos. 374,— 582,60 81- Zegeben: Planierarbeit . - • • * Lieferung von Grundbausteinen und Aufsetzen Activa. Kassenbestand . . . . Ausstände Vorlagen Ausgeliehene Capitalien Werth der Mobilien. . Passiva. Einlagen Reservefond . . . Reingewinn . . . . Verwaltungskosten . . blölj Mansardenwohnung, 4 Zim. und Zubehör, per 1- October zu vermieth. Arankfurterstratze 43. Vergebung. Die Lieferung von 10000 kg. Frühkartoffeln soll vergeben werden. Angebote sind, versiegelt und mit der Aufschrift „Kartoffellieserung" versehen, bis zur Eröffnungsstunde: Mittwoch den8. August 1894, Vormittags 10 Uhr, bei unterzeichneter Direction einzureichen. Die Bedingungen liegen am 4. und 6. August l. I-, Vormittags zwischen 10 und 11 und Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr auf der Geschäftsstube des Oekonomen zur Einsicht offen, können auch gegen Zahlung von 30 Pfg. abschriftlich bezogen werden. Zuschlagsfrist: 3 Tage. Butzbach, den 28. Juli 1894. Gr. Direction der Zellenstrafanstalt. -er Spar-Leihkasse Wahenborn-Steinberß (Aktiengesellschaft) am 31. Deeember 1893. gesetzliche Befähigung besitzen.^ Gießen, den 30. Juli 1894. Der ev. Kirchenvorstand der Markusgemeinde Dr. Grein. la. Schweizerkäse, frisch im Anschnitt, empfiehlt derselben Chaussirarbeit und Lieferung von Deckstemen Lieferung von Sand Herstellung einer Böschungsmauer incl. Lieferung des erforderlichen Material Allendorf a. d. Lumda, am 28. Juli 1894. Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda Ergiinzungswahl zur Gemeindevertretung der ev. Markusgemeinde. Die stimmberechtigten Mitglieder der Markusgemeinde werden hierdurch eingeladen, zur Vornahme der Ergänzungswahl zu der Gemeindevertretung in unserer Gemeinde. Diese Wahl soll stattfinden am nächsten Donnerstag, den 2. August ds. Js. in der Sakristei der Stadtkirche und zwar sollen die Wähler des Abends von 6 bis 8 Uhr ihre Stimmzettel abaeben. Zu wählen sind für die Gemeindevertretung fünf Mitglieder als Ersatzmänner für die bis jetzt Weggefallenen (K. G. v. 15. März 1885 § 2). Nach § 13 des Kirchenverfassungs-Edicts sind stimmberechtigt alle confirmirten selbstständigen Männer der Gemeinde, die das 25. Lebensjahr zurückgclegt haben, in derselben wohnen und nicht vom Stimmrecht ausgeschlossen sind. Wählbar in die Gemeindevertretung find nach § 18 des Kirchenverfassung - Edicts nur solche stimmberechtigte Manner von bewährtem kirchlichen Sinn und ehrbarem Lebenswandel, die das 30. Lebensjahr überschritten haben. Die stimmberechtigten Mitglieder unserer Gemeinde werden ermahnt, in die Gemeindevertretung nur solche Männer zu wählen, welche die . 230877.85 . 1568.07 2156J Seltersweg 87 Wohn- im oberen Stock von 5 Z. nebst Zub. alsb. zu verm Dienstag den 31. Juli, Abends: Gemeinsame Uebung beider Wehren. Abmarsch pünkllich 815 Uhr. — In Helm. 6271 Der Branddirector. Aeilgeöotenes. NeuesGrünkorn 6275] la. Qualität empfiehlt Carl Petri. 5711] Wohnung, 2. Stock, zu oer- mietben: 3 Zimmer nebst Zubehör und Wasserleitung. Marktftraße 16. Großherzogl. Universitätsbibliothek. Alle von Nichtftudirenden entliehene Bücher sind bis spätestens den 15. August ds. Js. zur Revision einzuliefern. Vom 13. August bis 22. October ist die Universitätsbibliothek täglich von 9 bis 1 Uhr geöffnet, Nachmittags geschlossen. ; Gießen, den 1. August 1894. . Der Großh. Universitätsbibliothekar 69] Wohnung von 6 Zimmern und allem Zubehör sofort zu vermiethen- Dr. Haupt, Asterweg 29. 5109] Zu vermiethen ist der mittlere Stock in der «leinkinderschule, Mitte September oder Anfang October. Er bietet 5 Zimmer mit Küche, wozu noch eine Mansarde und die nöthigen Raume in Speicher und Keller gehören. DerVoritandderKleinkinderbewahranstalt. Dr. Naumann, Pfarrer. 6114] Vollständig neu berget. Wohnung, 5 Zimmer, Küche, Corridor, nebst allem Zubehör zu vetm- Babnhofstr. 59 6115] Schöne Wohnung, 8 Zim., Küche Corr, n. Zubeh. zu verm. Bahnhofstr. 59. 5bU6j Eine sehr schöne Parterre-Wohnung, bret Zimmer, Küche, abgeschl- Corridor und alle Bequemlichkeiten zu vermiethen. Preis per Monat 30 Mark Näheres Steinstraße 56. raithe: Flur 1, Nr. 783 — 381 qm. in der Sonn öffentlich meistbietend versteigert werben- Gießen, 14. Juli 1894. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A-: Bogt. 5937 Vermietungen. 5812] Logis, 3. 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Hellmuth- AgkUieN Pforzheimerbeten. 6101 Montag, 27. August, I nächst berKorbanlage, ist ber zweite Stock Nachmittags 3 Uhr, i mit 5 Zimmern und allen Bequemlich- soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem ketten per sofort zu vermiethen- ~ --- ‘ ’ --- ' - «»dr. Euler, Steinstraße 7, n. Bekanntmachung. Zwei Keller unter dem Schulhause in der Schillerstraße sind anderweit zu vermiethen. Näheres über Beringungen und Preis ist bei der Bürgermeisterei — Zimmer Nr. 15 — zu erfahren. Gießen, 10. Juli 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnaut th_____ 5805 Verdingung. Die zur Herstellung einer Bauplatz - Einfriedigung längs der städtischen Nestparzelle in der Damm- stratze (an der Mühlich'schen Hof- ratthe) erforderlichen Schreinerarbeiten sollen Freitag, IO. August, Vorm. ll3/4 Uhr, auf dem Stadt- bauamte vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungungen liegen daselbst offen, auch sind Angebote, verschlossen, bis zum Termin dorthin einzureichen. Gießen, den 27. Juli 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. j In dem ehemals Belloff'schen Hause in der Sonnenstraße sind zwei Zimmer als« T- J bald zu vermiethen. W r ZuUUUCIr Näheres Über Bedingungen ist auf der Ein guter Vorstehhund, langhaarig, ' Bürgermeisterei, Zimmer Nro. 15 zu schwarz gefleckt, 5 Jahre alt, treu bei erfragen. „ .f.®; männer Deutschlands, erschienen, das zu einer Zeit, Vorth ile des Kochens und Heizens mit Gas in immer weiteren Kreisen gewürdigt werden, viel oe Wissenswerthen und Lehrreichen auf diesem Gebiete dringt. DaLklbe enth der Einleitung eine allgemeine Besprechung besonders über Vorzüge der G feuerung gegenüber der Kohlenfeuerung mit ihrem Ruß und Schmutz, ihrer häustg Rauchplage und ihrem Zeitaufwande und kommt zudem Schluffe, dahdieSaS beizuna für Kochzwecke die einfachste, reinlichste «nd unter Berückfimn- gung aller Nebenumstände die billigste Art der ist^ — Sodann bringt das Merkchen eine genaue Anleitung »ur Handhabung der Koch- und Brat-Apparate u. s. w. und außerdem 242 ruveilässige und selbstgeprüste Recepte zur Herstellung der verschiedensten Speisen für «ute bügerliche Küch mit beachtenswerthen Winken zur vortheflhastesten und schmackhaftesten Bereitung ^^^^Das^BÄe^^ist^sehr empfehlenswerth und u'^d wohl manche Haus^ von der Vorzügliche-it der Gasfeuerung, die ia gerade wahrend der heißen Sommerzeit so recht zur Geltung kommt, üb-rzeugen und dem Gashe de manche neue Freundin gewinnen- — Das städtische Gas- und Wasserwerk fl'bt ba6 l je bundene Kochbuch zu dem ermäßigten Preise von 85 Pfennig (Ladenpreis im Hause eine« unbenutzte« Raum hat, und denselben rentabel machen will, lasse sich gratis und franco Wjrö unb 8u8r,u”§ kommen von der Chemnitzer Wäsch-Mangelfabrik Otto Ruppert, Chemnitz i.S. [413. Redection' Ä. Scheyd«. — Druck und Verlag der Brühl'scher', Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) tu Stehe« Die heutige Kummer umfaßt 6 Serie».