Nr. 254 Dienstag den 30 October 1894 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AamiftenStälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigelegt. Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. Lierteljähriger Adonncmcntsprei» r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Reboction, Lxpcdino». ttnb Druckerei: Schutgraße Fr.7. Fernsprecher 51. Zlints- und Airzeigeblatt für den Kreis Gieren. chratisöeikage: Gießener Jamilienökälter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Nr. 40 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben den 24. d. M., enthält: (2199.) Verordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags. Vom 23. October 1894. Gießen, den 27. October 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Die Kanzler- und Ministerkrisis. Die Frage der gesetzgeberischen Maßnahmen gegen die Umsturzbestrebungen hat sich durch den Rücktritt des Reichskanzlers Grafen Caprivi und des preußischen Ministerpräsidenten Grasen Eulenburg über Nacht zu einer ernsten politischen KrisiS für Preußen und das Reich verdichtet. Allerdings hatten schon Gerüchte der letzten Tage die Möglichkeit des Eintrittes einer Krisis in den Berliner RegierungS- kretsen angedeutet, aber von einem Rücktritte des Reichskanzlers war hierbei nicht die Rede gewesen, vielmehr wurde versichert, derselbe stehe nach wie vor fest in seiner Stellung. Um so größere Ucberraschung hat daher allseitig die Kunde von der erfolgten Demission des Grasen Caprivi und der Annahme seines Entlassungsgesuches seitens des Kaisers hervorgerusen, während die Nachricht, daß gleichzeitig auch der preußische Ministerpräsident Graf Eulenburg von seinem Posten zurückgetreten sei, weniger überraschend wirkte. Vor- läufig wendet sich daher das allgemeine Interesse mehr der neuen Kanzlekrrtsis zu, deren nächste Ursachen man in dem Verlaufe der gemeinsamen Conferenz der stimmführenden Minister der Bundesstaaten vom 25. October sucht. ES scheint, daß Graf Caprivi in dieser Versammlung m t seinen Vorschlägen zu Bekämpsung der Umsturzparteien nicht durch- gedrungen ist, infolgedessen er hieraus die einzige ihm übrig bleibende Consequenz zog. Allerdings wollen andere Nach- richten wiffen, daß der Reichskanzler seine Demission schon vor der Minister Conferenz gegeben hätte und daß das Gesuch dann in der Audienz Caprivis beim Kaiser die Genehmigung des Monarchen gefunden habe- wahrscheinlich hat aber nachher der Verlauf der Conferenz Caprivi bestimmt, seinen Rücktritts Entschluß aufrecht zu erhalten. Jedenfalls wurzelt die neue Kanzlerkrisis noch in anderen Vorgängen weit älteren Datums. Marr weiß ja, daß die Gegensätze zwischen den Spitzen der Reichsregierung und der preußischen Regierung schon zu Beginn der Aera des „neuen Curses" auftauchten und daß sie trotz aller Ueber- Fettitteton. Einr Heirsih im vorigen Jahrhundert. Aus dem Tagebuche einer alten Dame. Von L. He in au. (3. Fortsetzung.) Als ich zuerst die Entdeckung machte, daß sein Herz sich mir zuneigte, waren meine Empfindungen zum Theil schmerzliche, denn als seine Gemahlin konnte es mir nicht gleich- giftig sein, wenn er an andere Frauen dachte; außerdem wäre eS ja beinahe eine Beleidigung sür meine Person gewesen, wenn er mir seine Liebe angetragen hätte, obgleich er verheirathet war. — Und doch konnte ich ihn nicht tadeln, weil er in die Falle gegangen war, die ich gestellt hatte, vielleicht war es auch ein Glück sür uns, wenn wir uns gegenseitig gefielen! In der Thal, ich fürchte, ich zeigte ihm sehr wenig von der Verachtung, mit der ich ihn behandeln wollte, da ich mir immer einredete, die Zeit der Vergeltung sei noch nicht da- er hatte bis jetzt nur durch die Traurigkeit seiner Blicke und durch dunkle Andeutungen zu erkennen gegeben, daß er unglücklich sei und mir seine Neigung nicht gestehen dürfe. Gewiß mochte eS wahr sein, daß er vorher manche Frau angebetet hatte, aber eine so achtungsvolle Neigung uud eine so liebevolle wahre Freundschaft, wie er mir gegenüber zeigte, konnte er für keine andere Frau haben. Späterhin hat er mir gestanden, daß die Schüchternheit, ja Furcht, welche ich in der ersten Zeit ihm gegenüber zeigte, einen seltsamen Reiz auf ihn auöüvte, um so mehr, da er eben aus Frankreich kam, wo er viele schöne Frauen kennen gelernt hatte, die in ihrer dreisten Koketterie einen vollkommenen Gegensatz dazu bildeten und nur bemüht waren,'Männerherzen Wunden bei- zubringen. Mein Benehmen erweckte sein Jnteresie, wie er mir sagte, ick erschien ihm kühn und dann wieder von zaghafter Weiblichkeit — sanft und doch obweisend — manchmal von einer Zurückhaltung und Klugheit, wie er sie bis blückungsversuche doch immer wieder in die Elscheinung traten. Es konnte freilich auch nicht gut anders sein, die | Trennung der Aemter deS Reichskanzlers und deS preußischen Ministerpräsidenten mußte nothwendig zu Rctbungen und Differenzen zwischen den maßgebenden Gewalten im Reiche und in Preußen führen und dieser auf die Dauer unhaltbare Zustand hat jedenfalls zu dem Wechsel in den höchsten Reichs- und Staatsämtern beigetragen. Ob die Crisis mit der Wiedervereinigung des Reichskanzlerpostens mit dem preußischen Ministerpräsidium enden wird, was ja die natürlichste Lösung der Crisis wäre, dies steht freilich noch dahin, offenbar wird aber ein solcher Schritt unter dem Drucke der Verhältnisse früher oder später erfolgen müffen. Vier und ein halbes Jahr hat Caprivi als erster Nachfolger deS Fürsten Bismarck die Reichskanzlerwürde und das hiermit verbundene Amt eines preußischen. Ministers des Aeußeren bekleidet. Auch die entschiedensten politischen Gegner des bisherigen Kanzlers werden zugeben müffen, daß er seines schwierigen und verantwortungsreichen Amtes mit größter Hingebung, Gewiffenhaftigkeit und Ueberzeugungs- rreue gewaltet hat, daß er die Reichsgeschäfte unter Hintansetzung aller persönlichen Interessen mit Eifer, ehrlicher Offenheit und unermüdlicher ArbeitSfreudigkeit leitete. Freilich sind aber anderseits unter seiner Amtsthäligkeit an der Spitze der Reichsregierung so mancherlei bedenkliche Schwächen und offenbare Fehler der Reichspolitik hervorgetreten, welche schließlich zu einer immer heftigeren Opposition gegen den „neuen Curs" innerhalb wie außerhalb deS Parlaments führten. Indessen muß auch erwogen werden, welche überaus schwierige Stellung Graf Caprivi in dem immer schärfer entbrennenden Streite der Palleten hatte, uud caß er beinahe schon vom Beginne seiner ministeriellen Thätigkeit an mit stets wachsenden Schwierigkeiten und Hindernissen kämpfen mußte. Sicherlich wird es dem Kaiser nicht leicht geworden sein, sich von seinem bisherigen ersten Berather in Reichsangelegenheiten zu trennen, der so selbstlos die Politik des Monarchen vertrat und der sich wiederholt glänzender Vertrauensbeweise seitens seines erlauchten Souverains zu erfreuen hatte. Sehr leicht möglich 'st cs, daß nur ganz besondere Erwägungen den Kaiser zur Genehmigung des EutlaffungSgesuches des Kanzlers bestimmt haben. Als muthmaßliche Nachfolger Caprivis auf dem Reichskanzlerposten wurden eine ganze Reihe von Persönlichkeiten genannt, wie Finanzminister Dr. Miquel, Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf, General Gras Waldersee, Statthalter Fürst Hohenlohe und andere Staatsmänner. (S. den Depeichentheil.) dahin noch selten bei Frauen bemerkt und dann wieder von kindlicher Offenheit und Furchtlosigkeit. Endlich erklärte er mir, daß alle diese Widersprüche, die seine Neugierde erregten und seine Gedanken und Blicke feffelten, mich unwiderstehlich für ihn gemacht hätten, und was mein Uebermuth auch Neues erfand, so unerwartet es auch sein mochte, es hatte für ihn immer neuen Reiz. Das ist nun, wie ich vermuthe, was man Liebe nennt — und obgleich ich weit entfernt war, Aehnliches sür ihn zu fühlen, so waren Stolz und Grausamkeit mir sehr abhanden gekommen. Das Bewußtsein, seine Frau zu sein, machte mein Benehmen so seltsam und übte diesen merkwürdigen Reiz auf ihn aus, so daß vielleicht kein anderes weibliches Wesen sein Herz so vollständig gewonnen hätte- er war dem verschmähten Weibe, daö er nicht einmal kannte, treuer, als er ahnte. Meine Zreundin, MrS. Norword, bemerkte, wie mächtig wir von einander angezogen waren und daß mein Gemahl unablässig meine Nähe suchte, ob ich mich nun in der Bibliothek unter den Büchern oder im Parke unter den Bäumen befand, sie meinte daher: „Ich denke, Molly, Du brauchst Deinen Gemahl nicht weiter zu quälen, er scheint Dich ja zu lieben und seine Liebe wird nicht aufhören, wenn Du ihm gestehst, daß Du seine Frau bist." Ich war aber, seitdem ich anfing, zärtlichere Gesühle für ihn zu hegen, zaghaft geworden- ich fürchtete seinen Zorn und schämte mich, daß ich ihn durch eine List getäuscht hatte. Je mehr er voll Bewunderung für mich war, je weniger fand ich den Muth, ihm zu bekennen, denn ich meinte, er würde mich dann geringer achten, und so weiß ich nicht, wie es geendet hätte, wenn nicht eine Schlange m unser kleines Paradies gekommen wäre, denn ein Paradies war es für mich geworden. Ein Nachbar von Mrs. Norword, ein Mr. Merriton, kam ein s Tages in Geschäftsangelegenheiten und da meine Freundin nicht zu Hause war, war ich genöthigt, ihn zu em- Deutfdye» Reich. Berlin. 27. October. Die „Kreuzzeitung" bespricht in einem Leitartikel den Rücktritt deS Grafen Caprivi und deS Grafen Eulenburg, worin sie n. a. aussührt, eS sei heute nicht an der Zeit, dem scheidenden Reichskanzler einen Nachruf zu widmen. DaS Blatt schreibt dann weiter : „Wir haben ihm, als er vor mehr als vier Jahren sein wahrlich nicht leichtes Amt übernahm, im weilen Sinne deS Wortes Vertrauen entgegengebracht. Aber bald schlug er sowohl in seiner äußeren wie inneren Politik Wege ein, die uns in die Opposition Hineindrängien. Vor Allem seine Militärvorlage und seine Handelspolitik schienen uns für di, Gegenwart und Zukunft gleich bedenklich. Und auch heut, noch stehen wir auf dem gleichen Standpunkte. Wenn unser, Gegnerschaft hie und da eine recht scharfe war, so trägt die Art und Weise, wie Graf Caprivi uns zu bekämpfen liebte, vor Allem die Schuld darckn. Ene Wiedervereinigung deS Reichskanzleromts mit dem preußischen Ministerpräsidium hallen wir für ebenso selbstverständlich wie erfreulich." Berlin, 27. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." kenn- zeichnet in einem Leitartikel die Verhältnisse, unter denen der Rücktritt deS Grafen Caprivi vom Reichskanzlerposten erfolgt- ist. Das Blatt hebt die Schwierigkeit der Stellung Caprivis besonders hervor- er habe erbitterte Gegnerschaften zu bestehen gehabt, die nichts mit der Art, wie er seinen Posten ausfüllte, zu schaffen hatten. Mit welcher Zähigkeit, mit wie ausgedehnten Preßhilfökräften diese Gegnerschaft den Grafen Caprivi auf Schritt und Tritt verfolgte, wisse Europa. Das hohe Lob, daö der jetzt zurückgetretene Reichskanzler sich trotzdem durch seine Charactereigenschaften bei Freund und Gegner erworben habe, wiege unter solchen Umständen doppelt schwer. Keine Schärfe, ja Brutalität des Angriffs und keine Hinterlist der Anklage fei dem Grafen Caprivi erspart geblieben- aber Niemand habe ihm bestritten, daß er mit seinem edelsten, reinsten Wollen, seiner vornehmen, ritterlichen Ge- finnung, seinem strengen Gerechtigkeitssinn eine Zierde unseres Staatswesens bildete. Berlin, 27. October. Die Demission Caprivis und Eulenburgs ist nicht wegen sachlicher Meinungsverschiedenheiten über die Bekämpfung des Umsturzes erfolgt. Im Uebrigen verlautet, daß die von Caprivi vereinbarten Grund- fätze, betr. das Vorgehen gegen den Umsturz, nicht geändert werden sollen. Berlin, 27. October. Wie verlautet, ist der StaatS- secretär des Auswärtigen Amtes, Freiherr Marschall von Bieberstein, entschlossen, seinen Abschied nach- zusuchen. pfangen. Zu meinem großen Mißvergnügen kam dieser Herr nun öfters und erklärte sich offen als meinen Anbeter, waS mein Gemahl, da er sich anderweitig gebunden glaube, nicht thun durfte- seine Eifersucht machte ihn noch unglücklicher und melancholischer wie bisher. Mr. Merriton wagte eß, mir Vorwürfe zu machen, daß ich den Lord zu sehr begünstige und daß dieser meine Gunst nicht verdiene, weil er keine ernste Absichten zu haben scheine, vielleicht habe er sich schon früher in Frankreich vermählt, meinte er schließlich. Entrüstet ersuchte ich Mr. Merriton, seine Meinung für sich zu behalten, doch sab ich nun mit Schrecken ein, daß ich durch meine thörichte Vorstellung viel Unheil angerichtet, besonders meinem Rufe geschadet hatte und meinem Gemahl noch böse und traurige Stunden bereiten würde. Ich faßte daher den Entschluß, nach Hause zu reisen und dort zu warten, bis mein Gatte käme, dann wollte ich ihm meine Thorheit gestehen und feine Verzeihung erbitten. Bevor ich aber diesen Entschluß ausführen konnte, ereignete sich etwas, das von großen Folgen für unsere Zukunft werden sollte. Ich war nun drei Wochen in Wickham gewesen und wollte den nächsten Tag ohne Abschied fortreisen, konnte mir aber nicht versagen, noch einmal am letzten Abend den Park aufzusuchen, der sich in der Nähe deS Hauses befand- dort hatte ich meinen Gemahl kennen und lieben gelernt. Er hatte niemals offen von seiner Liebe gesprochen, aber doch von Dingen, die für uns beide von großem Werthe waren- von seiner Person, seinem Leben, von seinen Gedanken über Religion und Poesie und in Allem fühlten wir, daß wir vollkommen übereinstimmten - es war, als ob meine Gedanken die seinen ergänzten und diese vollkommene Seelenharmonie war eß, die unS mit Entzücken erfüllte. (Fortsetzung folgt.) WB. Berlin, 28. October. Sicherem Vernehmen nach Ausland Berlin, 27. October. Die „Börsenzeitung" hört, daß Fürst Hohenlohe das Reichskanzleramt übernommen hat und daß Unterstaatssecretär v. Köller zum Minister er- Wien, 27. October. Die gesammte hiesige Presse bespricht den Rücktritt Caprivis und Eulenburgs und gibt dem Bedauern Ausdruck, daß jede Aufklärung bisher darüber fehlt, was die Demission herbeigesührt habe. Man ist der Ansicht, daß die äußere Politik Deutschlands keine Aenderung erfahren werde und bereitet aber auf große Ueberraschungen vor, welche sich bei der Neubesetzung des Kanzlerpostens und bezüglich der Wiedervereinigung desselben mit dem preußischen Ministerpräsidenten-Posten ergeben sollen. Paris, 27. October. Die Morgenblätter meinen im Allgemeinen, die Mi nisterkrisis in Deutschland bedeute, trotzdem sie mit der Krankheit des Kaisers von Rußland zusammenfalle, keine Aenderung in der auswärtigen Politik Deutschlands. trauen in die Stetigkeit des politischen Curses in bedenklicher Weise erschüttert. Berlin, 27. October. Es verlautet, falls Fürst Hohenlohe das Amt des Reichskanzlers und Ministerpräsidenten definitiv übernehmen sollte, würde Graf Waldersee zum Statthalter der Reichslande ernannt werden. Bezüglich des RücktrittSgefuches des StaatSsecretärS des Auswärtigen, v. Marschall, wird versichert, daß, wenn dessen Rücktritt Thatsache werden sollte, der deutsche Botschafter in Madrid, von Rado Witz, auf den Posten deS StaatSsecretärS berufen wird. Von den angenommenen Anträgen nennen wir noch denjenigen, der die Accordarbeit in den Parteigeschäften untersagt, einen anderen, der eine bessere Organisation der Seeleute verlangt (bet dessen Begründung das Elend und die schlechte Behandlung der Seeleute auf dem „Bremer Lloyd" u. s. w. in den grellsten Farben geschildert wird), und eine Resolution, durch welche eine straffere Organisation der Frauen und intensivere Agitation unter denselben angeregt werden soll. Ganz besonders soll der Anschluß der Frauen an die Organisation der Männer beschleunigt werden. Wo es irgend geht, sollen auch weibliche Vertrauenspersonen gewählt werden. Die Begründerin des Antrags, Frl. Johanna Löwe nherz, ist die erste weibliche Vertrauensperson in ihrem Wahlkreise. Als Ort für den nächsten Parteitag wurde Breslau gewählt. Als Parteivorstand wurden einstimmig wiedergewählt: Bebel und Singer zu Vorsitzenden, G e r i s ch zum Cassier, A u e r und P f a n n k u ch zu Secretären. Singer hielt die Schlußrede, in der er darauf hinwies, daß die Socialdemokratie den „alten" wie den „neuen" Kurs überdauert habe, sie werde auch den allerneuesten überdauern. Die Hoffnung der Gegner, es werde auf dem Parteitag zu einer Spaltung innerhalb der Partei kommen, sei einmal wieder zu Essig geworden. Singer schloß mit einem Hoch auf die Socialdemokratie, worauf stehend die Arbetter- marseillatse gesungen wurde. Um 31/t Uhr ging die Versammlung auseinander. Vorher wurde noch beschlossen, den italienischen Socialdemokraten durch Telegramm das Beileid auszudrücken bet dem Schlag, den ihnen der „Renegat" Crispi versetzt habe. tritt Caprivis. Die Partei würde von dem Kanzlerwechsel nicht berührt, da nur die Person, nicht das System sich verändere. Der Curs bleibt sicherlich derselbe. Wien, 27. October. Die „Neue Freie Presse" bespricht den Rücktritt Caprivis und drückt den Wunsch auS, der Nachfolger Caprivis möge mehr Caprivi als Eulenburg verwandt sein. Die Weltstellung Deutschlands erfordere, daß der zukünftige Reichskanzler nicht durch specifisch preußische Interessen gehemmt werde. Loyales rrnd jprwinjtieHes Steßeu, den 29. October 1894. ** Empfang. Seine Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 27. October u. A. den Landgerichtsdirector Jöckel vom Landgericht der Provinz Oberhessen, den ersten Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen Dr. Günge- rich, den Amtsrichter Wiener von Butzbach. ** Militärdieustuachrichteu. Dr. Hirsch, Unterarzt vom Inf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, unter gleichzeitiger Versetzung zum 3. Großherzogl. Hess. Inf. Regt. (Leib Regt.) Nr. 117, zum Assistenz-Arzt 2. Kl., Dr. Koepp e, Assistenz-Arzt 2 Kl. der Res. vom Landwehrbezirk Gießen zum Assistenz-Arzt 1. Kl. befördert. ** Concert Lamborg. Soeben erhalten wir die Nachricht, daß gestern Herr Lamborg, nachdem er in Darmstadt vor ausverkauftem Hause concertirt, von Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog zu einer Soiree befohlen wurde. — Der heute (Montag) Abend dahier in Steins Garten zu erwartende musikalisch humoristische Kunstgenuß sei deshalb bestens in Erinnerung gebracht. ** Neues Theater. Herr Director Reiners theilt uns mit, daß die nächste Aufführung nicht Dienstag, wie ursprünglich festgesetzt, sondern erst Donnerstag den 1. November stattfinden kann. Zur Aufführung kommt der so überaus beliebte und allgemein gewünschte Schwank „CharleyS Tante". Freitag folgt alsdann das sehr beliebte Lustspiel „Feenhände" mit Herrn Alex. Otto in der Rolle des Richard von Korbriand. H. Neues Theater. Der vieractige Schwank von Carl Laufs „Ein toller Ei ns all" ist selbst ein toller Einfall, des Verfassers nämlich. Ein Student, der von einem Onkel für die Dauer einer mit Familie unternommenen Reise a(- Hüter der Wohnung angestellt wird, braucht Geld, was fft nichts Ungewöhnliches ist. Auf den Rath seines WichsierS Neueste Nachrichten. Depeschen deS Bureim »Herold^. Berlin, 28. October. In der gestrigen antisemitischen Volksversammlung äußerte sich Böckel auch über den Rück- i Die Einweihung der Gießener Starkenburg. . (Originalbericht des „Gießener Anzeiger".) w- Die Einweihung des Corpshauses der Starkenburgia ist vrogrammmaßig und zur Zufriedenheit aller Festthellnehmer verlaufen. Am Samstag um 3 Uhr nahm der Festzug im Hofe der Pulvermühle Aufstellung. Herr Rechtsanwalt Metz nahm das Wort, um dem in dem das Corps über 40 Jahre sich versammelt, den Abschied-gruß zuzurufen. Mit gesenkter Standarte und gesenkten ^^^rn, entblößten Hauptes, stimmten die versammelten Männer und Jungtinge das alte Bundeslied an, welchen feierlichen Moment §.err ?hotograph Uhl benutzte, um ihn tm Bilde festzuhalten. Hierauf setzte sich der Zug durch die Stadt in Bewegung. Die das Banner führende und begleitende Cavalkade waren jüngere „Alte Herren." In den beflaggten Straßen, welche der Zug passirte, waren die Trottoirs mit schaulustigen Menschen besetzt. Draußen am | Corpshaus, auf dessen äußerer Gallerte viele Damen Platz genommen, I f.ruppirte sich der angekommene Zug auf der vor dem Hause befindlichen Bodenerhöhung und übergab nunmehr Herr Architect Stein den Schlüssel an den Vorsitzenden des Comttäs, Herrn Landgerichts- Präsident Freiherrn v. Ricou, welcher denselben dem ersten Chargirten, Herrn stud. med. Schroeder, mit einer kurzen Ansprache überreichte, womit Namens der alten Herren die Gießener Starkenburg dem actioen Corps zur Benutzung übergeben war. Herr stud. med. Schroeder dankte Namens des actioen Corps den alten Herren, worauf Freiherr v. Ricou ein Hoch auf das Corps ausbrachte. Es erfolgte nunmehr die Besichtigung des Hauses und seiner inneren Einrichtung, wobei die in einem Raume des Souterrains untergebrachten Geschenke der Frauen desCorpS allseitig Verwunderung und Anerkennung heroorriefen. Abends um ‘/28 Uhr fand im Corpshaus feierlicher Convent statt, bet welchem die Herren Freiherr v. Ricou-Gteßen, Dr. A. Hartman »--Langen, Dr. A. Scharfenberg-Michelstadt und Rechtsanwalt A. Metz-Gießen in Anerkennung ihrer Verdienste zu Ehrenmitgliedern des Cprps ernannt wurden. Dem Convent folgte um 7, 9 Uhr großer Festcowmers in beiden Räumen, an denen über 100 Personen Theit nahmen. Zahlreiche Damen verschönten durch ihre Gegenwart die festliche Versammlung. Freiherr von Ricou brachte in schwungvoller Rede den ersten Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog aus und begeistert tönten die Hochs durch das Haus. Der erste Chargirte der Starkenburgia toastete auf die erschienenen Vertreter der Cartell- und befreundeten Corps, auf die Vertreter der Corps Teutonia und Hassia, sowie auf die Vertreter der staatlichen, städtischen und militärischen Behörden, aus die als Ehrengäste erschtenenen Herren Provtnztaldirector Freiherr v. Gagern, Oberbürgermeister Gnauth und Oberst v. Rosen- berg, während Seine Magntficenz der Herr Rector der Universität leider verhindert war, der an ihn ergangenen Einladung Folge zu leisten. Derselbe beehrte jedoch die am 28. Abends ftattgefundene Tanzunterhaltung mit seiner Gegenwart." Nunmehr hielt Herr Rechtsanwalt Metz die eigentliche Festrede, worin er bedauerte, daß der Vorsitzende des Alt-Herren-Vereins, Dr. Werte vom Hospital- Hofhetm, leider durch Krankheit behindert sei, am Feste Thetl zu nehmen und wurde auf des Redners Vorschlag an denselben ein Glückwunsch-Telegramm mit dem Wunsche seiner baldigen Genesung abgejandt. Herr Metz gedachte mit warmen Worten der in dem letzten Monaren leider verstorbenen Corpsbrüdern, Dr. Wetl-Zwingen- berg, Dr. Breltel.Offenbach, Domänenrath Welker-Darmstadt und Dr. Schrimpf-Erlangen. Redner rechtfertigt sein großes Interesse, welches er für die Erbauung des eigenen Corpsbauses bei- thatigt haben, welche er darin auch zu finden glaubte, daß die freiwilligen Gaben zu diesem Zwecke, welche so überaus reichlich geflossen seien, die allseitig vorhandene Einsicht der Nothwendigkell dieses Baues bethätigt hätten, er suchte die gegen die Errichtung eigener Corpshäuser mehrfach geäußerten allgemeinen Bedenken zu widerlegen, bestritt namentlich die Ansicht, daß hiermit dem LuxuS gefrohnt würde, er betonte, wie bei richtiger Verwaltung wesentliche Vorthetle für die Mitglieder des Corps zu erzielen und zu erreichen seien. Redner dankte den Spendern der Mittel, welche den Bau und dessen Einrichtung überhaupt ermöglicht haben. Auch für die vielen Dedicationen, welche das Heim zu einem vornehmen und behaglichen machen, dankte der Redner, besonders den Frauen, Freundinnen und Schwestern, er schloß mit dem Wunsche, daß sich das Corpsstudententbum weiter entwickeln möge zur Ehre der deutschen Jugend, zum Nutzen des gemeinsamen Vaterlandes mit einem kräftigen Salamander auf das Corps Starkenburgia. Hierauf sprach noch der Vertreter der Saxo-Borussta-Heidelberg Namens der erschienenen Vertreter der von denselben repräsentirten Corps, womit der osficielle Theil des Commerses seinen Abschluß fand. Beim Frühschoppen, welcher am Sonntag Morgen im Corpshause stattfand, wurde ein Giuppenbild der Thetlnehmer mit dem Gebäude im Hintergründe ausgenommen. Um 1 Uhr fand ein gemeinsames Mehl, woran sich auch die Damen betheiligten, im Ge- sellschastshause statt. Abends vereinigte sich eine große Festgesellschaft zu einem Festball, durch welchen die Feierlichkeit einen auch für die junge Welt würdigen Abschluß fand. Die alten Herren der Starkenburgia haben unsere Stadt heute zum größten Theil verlassen, mögen sie, in die Heimath zurück- gekehrt, sich gern der in den Mauern unserer Stadt verlebten fröhlichen Tage erinnern. Reichsgebiets hat, wie ein meist gut unterrichteter Bericht- . Ulv erftalter meldet, der König von Serbien von Bodenbach I gerufen, auß ein Telegramm an den Kaiser gerichtet, um 1 Dank für die überaus freundliche Aufnahme auszusprechen, welche ihm der Kaiser und die Kaiserin gewährt haben. Köln, 27. October. Die „Köln. Ztg." s ...... des Rücktritts Caprivis, es sei sehr fraglich, ob'die Vereinfachung der politischen Lage nicht zu theuer erkauft sei. Es wäre lebhaft zu bedauern, wenn sich in der öffent- lidjen Meinung der Eindruck feftsetzte, daß Caprivi, nachdem während des ganzen Sommers der wildeste Lärm der Vertreter der extremsten, reactionärsten Parteirichtungen ihn umtobt,« diesem Ansturm gewichen sei. Es werde dieser nächst- liegende Eindruck nicht durch die weitere Entwickelung nachdrücklich beseitigt,- in der deutschen Volksseele sei das Ver- Loudoo, 27. October. Die Morgenblätter geben alle ihrer Ueberraschung über die plötzliche Krise in Deutschland Ausdruck. Die „Times" sagt, was auch der Grund sein möge, so glaube sie doch hoffen zu dürfen, daß die Krisis uicht die gänzliche Aufgabe der bisherigen kaiserlichen Politik bedeute. Die „Daily News" meinen, die Krise werde keine Wirkung auf die auswärtige Politik haben, sie sei eine rein deutsche Angelegenheit. Der „Standard" sagt, die Ausbreitung der Socialdemokratie sei zweifellos eine ernste Sache, es sei aber doch bedauerlich, daß man die Krise habe soweit gehen lassen. Athen, 27. October. Die Blätter melden, der Czar treffe demnächst auf Corfu ein. Daselbst werden alle Vorbereitungen getroffen. Petersburg, 27. October. Der Uebertritt der Prinzessin Alix zum orthodoxen Glauben wird morgen erfolgen. —- Im Winterpalast müssen bis zum 15. November 24 Zimmer für den Empfang des Thronfolgers fertiggestellt sein. Tag und Nacht wird an der Restaurirung gearbeitet. Odessa, 27. October. Das Befinden des Czaren ist noch unverändert- an eine Übersiedelung nach Corfu wird ledoch nicht gedacht. Die Trauung des Thronfolgers soll im Krankenzimmer des Czaren stattfinden. nahm Statthalter Hohenlohe heute Vormittag die kaiserliche Berufung als Reichskanzler und Ministerpräsident an. Der bisherige Ünterstaatssecretär Köller übernahm das Ministerium des Innern. Die osficielle Ernennung erfolgt voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages. Hohenlohe und Köller kamen Vormittags mit den Majestäten nach Berlin, fahren um 6 Uhr Abends wieder nach dem Neuen Palais, nannt worden ist. | biniren und übernachten daselbst und begeben sich morgen Berlin, 27. October. Der „Post" zufolge soll bis I Vormittag nach Berlin. Köller übernimmt vermuthlich morgen heute Mittag 2 Uhr auf der Reichsbank von der Aufhebung i bereits die Geschäfte. der Maßregel in Betreff der russischen Werthe noch I WB. Potsdam, 29. October. Fürst Hohenlohe nichts bekannt gewesen fein. | meldete sich um lP/2 Uhr beim Kaiser als Reichskanzler und Berlin, 27. October. Graf Caprivi verläßt bereits I Ministerpräsident- er begibt sich sogleich nach Berlin, lieber hfute Abend die Hauptstadt und begibt sich, wie eS heißt, zu I seinen Nachfolger als Statthalter von Elsaß Lothringen ist längerem Aufenthalt nach der Schweiz. I noch nichts entschieden. Köller ist als Minister des Innern Berlin, 27. October. Im Sitzungssaale des Herren- I um 10 Uhr nach Berlin gefahren, die osficielle Publikation Hauses trat heute die dritte Generalsynode zu außer- I erfolgt vermuthlich im Laufe des Nachmittags, ordentlicher Sitzung zusammen. Der Präsident des Ober- I ' ' kirchenraths Barkhausen begrüßte die Syndde im Namen des I Sorialdernokratiicker Kaisers und des Oberkirchenraths. Er theilte mit, außer I ^oziaioemorrarifcyer -Parteitag* i>cr neuen Agende würden der Synode zwei Gesetzentwürfe | Frankfurt a. M, 27. October. b" tiltd|li‘Vn ®e,i6‘ I Nachdem in der gestrigen Ab-ndsitzung nach allerlei ttrlwurf über Erhebung einer and-Skirchlich-n Umlage zur I kleinliche, th-ilw-ls- persönliche Srreitigk-ittn aus- Tapet ge- B schaffung van Mitteln für HilsSg-lstliche und -in Gesetz- kämmen waren, wurden in der heutigen °°n 9-3 | werden, wenn sie die Parteitage besuchen wollen, dies auf eigene Kosten thun sollen, angenommen dagegen der Antrag, ' daß Reichstagsabgeordnete überhaupt nicht mehr zu Dele- girten für die Parteitage gewählt, sondern künftig vom Parteivorstand dazu eingeladen werden sollen. Ein Antrag, den Parteitag künftig zwischen Weihnachten und Neujahr abzuhalten, wurde abgelehnt. Begründet wurde der Antrag damit, daß im Sommer oder Herbst die meisten Arbeiter nicht abkommen könnten und dadurch das „wissenschaftliche" Element zu sehr überwiege auf den Parteitagen. Eine Menge Anträge fand nicht die genügende Unterstützung, darunter auch einer, der Zelte auf dem Lande zur Abhaltung von Versammlungen errichtet wissen wollte. Mehrere Anträge wollten, daß in Frauenversammlungen gewählte Delegirtinnen zu den Parteitagen mit denselben Rechten an den Partei tagen theilnehmen sollten, wie die Delegirten der Wahlkreise. Die Anträge wurden abgelehnt, dagegen beschlossen, in das Organisationsstatut den Passus aufzunehmen: Insoweit in den gewöhnlichen Versammlungen Frauen nicht gewählt sind, können in besonderen Frauenversammlungen Frauen als Delegirtinnen gewählt werden. Ein Antrag, ein Wochenblatt in französischer und deutscher Sprache für die Genossen in Lothringen herauszugeben, wurde dem Parteivorstand zur Erwägung überwiesen. Dasselbe geschah mit den Anträgen, die auf die Neugründung eines Parteiorgans für Elsaß- Lothrmgen, fei es nun, daß es in den Reichslanden selbst oder in Baden erscheine, abzielten. Von den abgelehnten Anträgen heben wir noch hervor: „Die Parteigelder sind möglichst der am Orte vorhandenen Bertrauensperson zu übergeben" und „Bei Stichwahlen zwischen gegnerischen Parteien die Genossen nicht aufzufordern, für eine der in Frage kommenden Parteien zu stimmen." vermiethet er die Wohnung an Chambregarnisten. Hieraus entstehen die drolligsten Scenen und die tollsten Verwicklungen, immer eine unwahrscheinlicher als die andere. Aber lachen muß man, ob man will oder nicht, besonders wenn so gut gespielt wird, wie gestern Abend. Herr Otto heimste für seine Darstellung des leichtsinnigen Studenten reichen Beifall ein. Aber auch die übrigen Mitwirkcnden durften zufrieden sein. Nach langer Pause konnten wir Herrn Direktor Reiners wieder einmal auf der Bühne begrüßen. Daß dies mit großer Freude geschah, dafür hatte die vortreffliche Laune, in der er sich befand, gesorgt, lieber die Gelenkigkeit, die Herr Hacker als Birnstiel entroiefehe, wunderten wir uns nicht wenig, indem wir tabei eine neue Seite seines hübschen Talentes entdeckten. Er trug durch seine köstliche MaSfe und sein humorvolles Spiel nicht wenig zum Gelingen des Abends bei Dasselbe gilt von Herrn Baum. Sein Mufikdrrector Krönlein war eine recht gute Leistung. Herrn Heynes Maske schien uns etwas zu jugendlich für den Vater einer erwachsenen Tocher. Sein Spiel dagegen befriedigte uns vollkommen. Die Damen waren in ihren meist kleinen Rollen am Platze. In Fräulein G e r l a ch scheint Herr Reiners eine tüchtige Kraft für Mütterrollen erworben -u haben. Ihrer Darstellung der Frau Bender nach zu ur- rhetlen, dürfen wir Manches von ihr erwarten. Das Zusammenspiel war frisch und flott und machte der Regie des Herrn Reiners alle Ehre. Wenn nur der böse Soufleurkasten nicht wäre, man hört gar manches Wort doppelt. Möge die Vorstellung von „Charley's Tante" ebenso gut besucht werden wie die gestrige des „tollen Einfalls". Adreßbuch. Der erste Druckbogen des Namensver- zeichniffes zum neuen Adreßbuch und zwar von Buchstaben A. bis G. (Konrad Graulich) liegt aus dem Meldeamt Gr. Polizeiamts, dem Büreau Gr. Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15 und auf dem Comptoir der Verlagsbuchhandlung Curt von Münchow bis zum Donnerstag 1. November, Mittags 12 Uhr zur gefälligen Einsicht auf. ** Vortrag des Dr. Eagel Berlin. Der ursprünglich auf den 19. November anberaumte Vortrag des Dr. Engel- Berlin über Eisenbahnreform und Zonentarif wird nach Vereinbarung mit dem Vorstand deS Kaufmännischen Vereins am 10. November gehalten werden, weil der Redner zu einer späteren Zeit verhindert ist. Es soll auch in der Absicht des Kaufmännischen Vereins liegen, diesen sensationellen Vortrag in einem größeren Local, als eS die oberen Räume des Postkellers bieten, halten zu lassen, da man allseitige« Jntereffe für dieses Thema auch außerhalb deS Vereins vorauSsetzt. ■ ** Baumfrevler. Gestern Nachmittag wurde ein Schuljunge auf dem Lutherberg dabei betroffen, als er von jungen Eichen st ämmchen die Rinde mit einem Messer abschälte und sammelte. Auf die Frage, warum er dies thue, gab er zur Antwort, sein Vater koche sich Thee von der Rinde. ** Einladung der Startenburgia. Die Gemüsefrau Dampfmann, welche vor 20 Jahren nach den Mensuren der Starkenburger Nachts die Wunden kühlte, ist von dem Corps zur Einweihung deS Corpöhauses eingeladen worden. Die alte Frau hat sich über dir Aufmerksamkeit sehr gefreut und dem Corps zur Erinnerung zwei Porzellan Vasen geschenkt. *♦ Streit. In einer Wirthschasr an der Licherstraße gerieten gestern Abend beim Billardspiel ein Lackirer und ein Dachdecker in Streit, wobei Ersterer dem Dachdecker daS Queue auf den Kopf schlug und ihn nicht unerheblich verletzte. ♦* Ein geistesgestörter Manu von hier verursachte am vorigen Samstag Nachmittag aus dem SelterSweg einen großen Menschenauflauf. Derselbe halte sich von vorübergehenden Studenten beleidigt geglaubt und alsbald mit seinem Schirm auf diese und auch auf den hinzukommenden Schutzmann eingcschlagen. Er wurde in Gewahrsam genommen. Schlägerei. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag fand in der Wallthorstraße zwischen zwei jungen Leuten eine.ft eiteret statt, wobei eß auf beiden Seiten blutige Köpfe absetzte. Ein Schutzmann trennte die beiden Helden und nahm ein Messer weg, daß beim Schlagen gebraucht worden war. kirchliche Anzeigen der evang. Gemeinde. Donnerstag den 1. November, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule B1be!st«nde. (Jesus als Lehrer (Luc. 6). Pfarrer Schlosser. Foulard-Seide 95 Pf. bis 5.85 p. Mk. — japanesische, chinesische rc. in den neuesten DesstuS u. Farben, sowie schwarze, weiße und sarhige Henneberg. Seide von 60 Ps. bis Mk. 18.65 p. Mel. — glatt, gestrettl, farrirt, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 versch. Qual, und 2000 versch. Farben, Dessins rc.), Porto- und steuerfrei ins Haus. Muster umgehend. 8081 Seiden-Fabrik G. Henneberg (k. u.k. Hon.), Zürich. Dienstag den 6. Rovbr., Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht das den Erben der Wilhelm LSber Ehefrau Marie, geb. Nagel, in Gießen gehörige Grundstück: Flur 16 Nr. 33 — 513 qm Acker auf der Hobleiche freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, 27. October 1894 Grotzh. Ortsgericht Gießen. _____ I A-: Bogt._______8890 Dienstag den 6.Novbr., Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Erben der Ludwig Balthasar KliUgelhSfer Eheleuten tn Gießen gehörigen Immobilien: Flur 2 Nr. 61 — 2894 qm Acker am SchwalbachischenAcker undKrofi dorser Weg, Flur 3 Nr. 68 — 1319 qm Acker am Krofdorfer Weg, Flur 3 Nr. 70 — 1319 qm Acker daselbst, Flur b Nr. 74 — 700 qm Acker bei der Broßbrücke, Flur 5 Nr- 75 - 700 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 76 — 700 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 77 - 700 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 78 - 769 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 81 - 706 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr- 84 — 294 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 85 — 313 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 89 — 438 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 104 — 956 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 365 — 1762 qm Acker auf dem Hadder »graben, Flur 5 Nr. 366 — 788 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 463 — 5150 qm Acker am Krofdorfer Weg, Flur 25 Nr- 222 — 1125 qm Acker -wischen dem Aulweg und Leih- gesterner Weg, Flur 28 Nr. 98 — 2475 qm Wiese am Heegstrauch vor Stander Garten, Flur 30 Nr. 61 — 1900 qm Acker am Atzelbusch, Flur 30 Nr. 52 — 1900 qm Acker daselbst, freiwillig meistbietend mit dem Anfügen versteigert werden, daß bei annehm, barem Gebot der Zuschlag sofort ertheilt werden kann. Gießen, 27. October 1894. Großh. Ortsgericht Gießen. I- A.: Bogt.8888 Dienstag den 27. Novbr., Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Ludwig Strack i« Launspach gehörigen, in der Gemarkung Gießen gelegenen Grundstücke: Flur 5 Nr- 246 — 475 qm Acker an der Weilburger Grenze im Kahen- feld, Flur 5 Nr. 269 — 769 qm Acker an der Weilburger Grenze am Katzenfell), Flur 5 Nr-271 — 475 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 270 - 412 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 267 - 663 qm Acker d selbst, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 15. October 1894. Grotzh- Ortsgericht Gießen. ____________I. A.: »ogl. 8544 Dienstag den 11. Decbr., Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Johannes fteil I. in Gießen gehörige Hofrailbe: Flur 2 Nr. 1O4Vio — Hofraithe, Laggärten in den hintersten Schießgärten ösientlich meistbietend versteigert werden- Gießen, den 27. October 1894. Grotzh. Ortsgericht Gießen. __I. A-: Bogt. 8885 Junge Foxterriers 2 Monat alt, raffenrein, preiswerth abzugeben. Neuenweg 39, pari- 8907 Mittwoch den 31. i. Mts.,! Echten Emmuthaier, !ZcheMchMlrouu.Fi!Mch Mittags 1 Uhr7 M fto,’ ' ; Decimalwaagen empfiehlt 8273 Accord gegeben Carl Hensel, Wallthorstraße. werden: 63,27 Liefern von Cementröhren 223,50 Beifuhr 23,— n Lenz. 8902 Ltcherstraße 5. in Vermietungen Frankfurter 8193 Richard Berek’s J. M. Schulhof Feinstes Tafelobst Sanitäts-Pfeifen Marburgerstraße 29. miethen. Halbverdecks und ein Dogart zu verkaufen bei 7607 Maurerarbeiten Pflasterarbeiten // // // Kartoffeln und üickwur? ausnahmsweise sehr billig zu verkaufen. veranschlagt zu: 95,98 8829] Kleines Logis zu vermiethen. Kaplansgasse 18. ll. F. Nassauer. Raupenleim, 8z8t] Gut mödlirtcS Zimmer mit Eabinet. SV. Ferber. Kirchrnpl. 11 II. 7359] Eine Wohnung von 4 Zimmern mit Zubehör, eventuell auch Gartenanth-, M. Edamer, M FriWlkMgchen, Prima Rahmkäse 8546] Zwei möblirte Ztmn.er getrennt zu vermiethen im 1. und 3. 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Petroleum, durch Neuanlage eines F i l t r i r - apparats doppelt gereinigt, vollständig cryftallhell, per Liter 20 Pfg., sowie Kaiseröl sollen in der Gemeinde Rödgen nachstehende Arbeiten und Lieferungen öffentlich in den ~ Gießen, 26. October 1894. Senßf elder, 8852]Bezirks-Bauaufseher. miethen. Kerb. Aelstng, Neuenweg 31. ' 8797] Mansarde sofort zu vermiethen- j Dammstraße 25. 5-Stter- und 10-Liter Korbflaschen, Per Liter 25 Pfg., empfiehlt 8855! Mittwoch den 31. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'schen Saale gegen Baarzahlung versteigert: Möbel aller Arten, vollst. Betten, 2 goldene Uhren, verschiedene Spiegelgläser, 3 Spiegel mit braunen Rahmen, verschiedene Bilderrahmen, 1 Erker- fchrank, 1 Schleudermaschine, versch. Wirthschastsmöoel, 1 Hobelbank, 1 gr. Spielwerk, 1 Weinbowle 1 Oelgemälde rc. Geißler, 8895__________________Gerichtsvollzieher. Cognac in öio. Sorten, ff. Liq.ueu.re, Punsch-und Ärrac-Essenz, sowie div. Essenzen zu Bowleu empfiehlt [8864 Heinrich Wallach. 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