Nr. 150 Erstes Blatt. SamStag den 30. Juni 1894 Der Hiehener Aujeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag». Die Gießener A>a milienv tätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt. Kießener Anzeiger Kenerak-Mnzeiger. Viertel jähr,ß«r ÄI#e*mret»FTCi#$ 2 Mark 20 W ** Uringerlohn. Durch die PoK bezogen 2 Mark 50 Pft- VKöaction. tfiprbitioit und Drucler,': >ck»tltr«tze Tlr.7. Kcrnsprcchcr 51. Anrts- unb Anzeigeblatt für ben Kreis Gietzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. chratisbeikage: chießener Kamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux de» In- und AuSlande» nehme, Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. Amtliche^ TKeil. Gießen, den 26. Juni 1894. Betr.: Die Strafregister- hier Die Nachweisungen der im I. Halbjahr 1894 verstorbenen bestraften Personen. Der (tzrof,Herzog!. Inste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhcffcn au sämmtliche Qrtspolizeibehörden des Greises Gieftcn. Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen beziehungsweise die Fehlanzeigen bis zum 1. August 1894 ohne nochmalige Erinnerung an mich einzusenden. Jockel. ____ Bekanntmachung. Ls kommen im Juli zur Erhebung: 1. Directe Steuern, 2. Brandversicherungs-Beiträge, 3. Forst- und Feldstrasen der II. Periode. Gießen, am 28. Juni 1894. Großh. DistrictSeinnehmerei I. Platz. Präsident Casimir Perier und die politische Lage Frankreichs Am Mittwoch Nachmittag hat die französische National« Versammlung, gebildet von den Mitgliedern des Senats und der Deputirtenkammer, im Congreßsaale zu Versailles gleich im ersten Wahlgange den früheren Minister und Führer der gemäßtigten Republikaner Casimir Perier mit 451 von 853 Stimmen zum Präsidenten der französischen Republik gewählt. Bedenkt man, daß trotz des Mene Tekel, welches die blutige Htnwegraffung des Präsidenten Carnot durch anarchistische Mörderhand allen unbesonnenen französischen Politikern vor die Augen malte, die Mehrheit der Stimmen, welche Casimir Perier auf den Präsidentenstuhl hob, nur klein war, so muß man die Wege der Vorsehung preisen, daß es gerade die Parteien deS Umsturzes waren, welche indirect die französischen Volksvertreter mahnten, ihre Pflicht gegenüber dem Vaterlande unter -Zurückstellung aller persönlichen Jnteresien zu thun. Da es in Frankreich zur gemeingefährlichen Unsitte geworden ist, Ehrgeiz, Eitelkeit, Begünstigung, Stellenjägerei und schlimmere Dinge bei politischen Bestrebungen eine treibende Rolle spielen zu lasten, da ferner auö diesem Grunde keine Partei der anderen die Führung der Regierung gönnt und außerdem der Radicalismus und SocialismuS bereits starke Mächte im politischen Leben Frankreichs sind, sich auch keiner Autorität fügen, so wäre es wohl leicht zu Unruhen, ja vielleicht zur Revolution in Frankreich gekommen, wenn die neue Präsidentenwahl ohne den moralischen Druck des fluchwürdigen Attentats Ende November unter der Nebenbuhlerschast blind wüthender Parteien hätte stattfinden müsten. Hat doch die große Prügelei, welche zwischen den Deputirren der Demokratengruppe und den socialistischenDeputirten bei einer Wahlversammlung in Paris am Dienstag stattfand, bewiesen, zu welchen Mitteln di- Erz- radikalen greifen, um ihre Gegner zu überzeugen. Aber Dank der Entrüstung und dem ungeheueren moralischen Eindrücke, welchen die urplötzlich gekommene schändliche Ermordung des ehrenwerthen Präsidenten Carnot in ganz Frankreich hervorgerufen, ist die Lust zur Demonstration und Revolution in den unruhigen Elementen gedämpft worden und eine sehr besonnene Präsidentenwahl hat stattgefunden. Casimir Perier ist der rechte Mann an Frankreichs Spitze, er ist ein edler und ehrlicher Republikaner, ein erfahrener, energischer Staatsmann, ein Feind alles Maßlosen, ein Gegner des Umsturzes im Innern und ein Bekampfer des Chauvinismus nach außen. Außerdem entstammt Perier einer hochangesehenen Familie und ist selbst sehr begütert kann also nicht so leicht verdächtigt werden, sich und seine Anhänger rm Amte bereichern zu wollen. Schon PerierS Vater war Minister der dritten Republik unter Thiers. 1847 geboren, ist Casimir Perier, der neue Präsident, noch verhaltnißmaßig jung. Er erhielt aber eine sorgfältige Erziehung und bereitere sich durch sorgfältige Studien für die staatsmännische Laufbahn vor. Den deutsch-französischen Krieg hat er als Offizier der Mobilgarde mitgemacht. 1876 wurde er als Deputirter gewählt und trat dem republikanischen Centrum bei. Er wurde Vieepräsident der Kammer, nach ^loquet» Rücktritt sogar Kammerpräsident. Dazwischen war er auch StaatSsecretär und vom 2. December 1893 bis zum 22. Mai 1894 Ministerpräsident. AlS Führer einer gemäßigt republikanischen Regierung werden Perier wohl manche Gegner entstehen, aber in seiner Eigenschaft als Präsident der Republik steht er über den Parteien und seine Hauptaufgabe ist es nur, die Ordnung aufrecht zu erhalten, den Frieden zu hüten und die Minister und Kammern nach der Verfastung richtig functioniren zu lasten. Ohne politische Bedeutung ist auch daS eingereichte Entlastungsgesuch deS Ministeriums Dupuy, denn dieses Gesuch muß bei einem Präsidentenwechsel stets gestellt werden. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphische» Corresponden--Bureau. Berlin, 28. Juni. In der heutigen ersten Sitzung der Berliner Stadtverordneten nach dem Lyoner Attentat hielt der Vorsitzende Dr. LangerhanS eine Ansprache, die besagte, er glaube öffentlich dem tiefen Schmerz der Bürgerschaft Ausdruck geben zu sollen über den schweren Verlust der französischen Nation. Die Versammlung hörte die Ansprache stehend an. Berlin, 28. Juni. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Commission für Arbeiter st atistik machte am 26. ds. die Erhebungen über Arbeitszeit, LehrlingSverhältniste und Kündigungsfristen im Handelsgewerbe zum Gegenstände ihrer Beralhung. Nach einem Vortrage des Referenten über daS Ergebniß des zweiten Theiles der Erhebungen, welcher in der Einforderung und Zusammenstellung von Gutachten zahl« reicher kaufmännischer Organisationen bestand, beschloß die Commission die zur Ergänzung deS Materials in Aussicht genommenen mündlichen Vernehmungen — in Abweichung von ihren früheren Beschlüsten — nicht durch Commistare an Ort und Stelle, sondern vor dem Plenum der Cymmifsion zu bewirken. Für diese Entschließung war der Wunsch maß« gebend, jedem Mitgliede den unmittelbaren Eindruck von fämmtlichen Vernehmungen zu verschaffen. Diesen Weg ließen auch die bei den Erhebungen über das Bäckereigewerbe gemachten Erfahrungen rathsam erscheinen. ES wird beabsichtigt, 36 Prtncipale, 36 Gehilfen und 10 Geschäftsdiener (Packer re.) zu vernehmen. Kiel, 28. Juni. Se. Majestät der Kaiser ist an Bord der „Hohenzollern" um 10l/2 Uhr Vormittags von Eckernförde hierselbst eingetroffen. Aachen, 28. Juni. Wegen der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in Holland ist die Einfuhr von Wiederkäuern und Schweinen verboten. Braunschweig, 28. Juni. Heute Vormittag 11 Uhr sand im Saale der hiesigen Handelskammer eine Sitzung behufs Stellungsnahme gegenüber dem unlauteren Wettbewerb statt, zu welcher Vertreter der Handelskammern von Goslar, Halberstadt, Halle, Caffel, Minden, Nordhausen und Osnabrück erschienen waren. Commerzienrath Jüdel erörterte in seiner Eröffnungsansprache den Zweck der Zusammenkunft, nämlich die Einigung über die Arbeitstheilung betreffs dieser Frage. Der Syndikus der hiesigen Handelskammer, Dr. Stegemann, beleuchtete eingehend die Frage sowie die Vorschläge, welche zur Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerbs gemacht würden. Sämmtliche Vertreter waren darin einig, daß ein energisches Vorgehen geboten sei und erklärten, an demselben mitwirken zu wollen. Es wurde sodann beschlosten, Mitte September eine große Versammlung abzuhalten, zu welcher die Vertreter der Handelskammern und bewährte Sachverständige geladen und tn der Referate und Correserate erstattet werden sollen. Budapest, 28. Juni. Abgeordnetenhaus. Die Vorlage betreffend die Besteuerung deS Totalisators ist ge« nehmigt worden. eilten (WalliS), 28. Juni. Soeben kommt die Nachricht, daß die Eindämmungen des Gletscher Gistroz im oberen Bague-Thal durch Wastermasten niedergerissen worden sind. Die Bewohner der Ebene von Marngny sind in großer Angst. Man sieht Bäume und Balken vom Master der Rhone getragen. Im Jahre 1818 ist die ganze Ebene unter 20 Fuß Master gesetzt worden; eS wird jetzt gleiches befürchtet. Rom, 28. Juni. Nach einer Meldung der „Ag. Stef." aus Paris ersuchte der Minister de» Auswärtigen den italienischen Botschafter, der italienischen Regierung den Dank der ftanzösischen dafür auszusprechen, daß sie durch ihre Haltung zur Vermeidung peinlicher Cooflicte beigetragen habe. Der Minister versicherte dem Botschafter zugleich, daß keinerlei (Seroaltacte gegen Personen begangen, sondern nur gegen das Eigenthum von Italienern an den bekannten Orten Ausschreitungen verübt seien. Der Minister bestätigte, daß der Urheber der Vorfälle in Grenoble wenige Tage zuvor auS einer Irrenanstalt entlasten worden sei. Auch beglückwünschte der Minister die Vertreter Italiens zu ihrer Haltung, die sie dort, wo die Ruhe gestört wurde, beobachtet haben. Rom, 28. Juni. Die Regierung legte der Kammer einen Gesetzentwurf vor, durch den ein außerordentlicher Credit von 100000 Francs verlangt P>ird behufs Re- patriirung italienischer Arbeiter auS Frankreich. Der Entwurf wurde bereits der Budgetcommisston überwiesen. Haag, 28. Juni. Die Zweite Kammer genehmigte die 1893 in Dresden abgeschlossene internationale Vereinbarung zur Ergreifung von Vorsichtsmaßregeln gegen die Cholera, ferner die Zustimmung der Niederlande zur fünfjährigen Verlängerung der gemischten Gerichtshöfe in Egypten. Paris, 28. Juni. Bei der Rückfahrt nach Paris wurde Casimir Perier auf der ganzen von seinem Wagen durchfahrenen Strecke mit lauten Zurufen: „ES lebe Perier! CS lebe die Republik!" begrüßt. Pari», 28. Juni. Die Bauunternehmer der Werkstätten btr PariS-Mittelmeerbahn entließen 15 italienische und österreichische Arbeiter, weil die französischen sonst zu striken drohten. Montpellier, 28. Juni. Ein Anarchist Namen» Laborie wurde verhaftet, er räumt ein, am SamStag mit Caserio gespeist zu haben, welcher ihm den Zweck seiner Reffe nach Lyon anvertraute. London, 28. Juni. Eine Depesche auS Glasgow meldet: Heute arbeiten in Schottland nur 500 Bergleute, während dreiundsiebenzigtausend feiern. Alle Anzeichen deuten auf einen anhaltenden AuSstand hin. Der Schiffsverkehr sowie der Betrieb der Stahlwerke leiden unter Kohlenmangel. Chicago, 28. Juni. In Folge des bereits gemeldeten Strikes stockt der Verkehr auf elf in Chicago mündenden Bahnen. Die Bewegung dehnt sich nach Westen aus. In Kalifornien stockt der Verkehr auf der südlichen Pacificbahn, infolge der Weigerung der Gesellschaft, Züge abzulasten, falls das Einstellen von Pullmanwagen verhindert wird. Weitere Ausstände stehen bevor. Der Arbeiteroerband fordert einen AuSstand der Bediensteten der Atchisonbahn. Depeschen de» Bureau „Herold*. Berlin, 28. Juni. Der französische Botschafter Herbette hat sich heute nach Kiel begeben, um im Auftrage seiner Regierung dem Kaiser für dieTheilnahme zu danken, welche er Frankreich anläßlich deS Todes CarnotS erroiefeu. Berlin, 28. Juni. Die „Nationalzeitung" schreibt zu der Meldung, die italienische Regierung habe zu der von Spanien ergriffenen Initiative betreffs internationaler Abwehrmaßregeln gegen den Anarchismus Vorschläge gemacht, dies sei unbegründet. Die spanische Regierung habe sich allerdings mit einer Anregung an bte europäischen Cabinette geroettdet, von Italien auS sei solches jeboch nicht geschehen. Berlin, 28. 3uni. Der „Localanz." erfahrt zum Fall Kotze, baß bie Haftentlastung KotzeS bereits gestern biScutirt worben fei. Kotze jedoch habe den Wunsch ausgesprochen, bi« zur Beendigung deS Verfahrens in Untersuchungshaft zu bleiben. Die kriegsgerichtliche Voruntersuchung wird mit Unterstützung der politischen Polizei geführt. Berlin, 28. Juni. Wie die „Post" telegraphisch auS Paris meldet, bedeute die Wahl des Präsidenten Casimir Perier weiter nichts als einen Aufschub ernsterer Ereignisse. Thorn, 28. Juni. Es werden heute amtlich einige Cholera-Fälle außerhalb deS Weichfelgebiets gemeldet. Eine AmtSvorstcherSfrau in Großgrünhof bei Mewe verstarb an der Seuche nach l1/» tägiger Krankheit. Wien, 28. Juni. Die Blätter äußern sich über bte Wahl Casimir PerierS äußerst befriebigt. Die „R. Fr. Pr." sagt, burch biete Wahl sei eine bebeulenbc Jabi- vidualität tn den Vordergrund der europäischen Politik geruckt, welche, getragen von dem Vertrauen deS ftanzösischen Volkes, zum Heile der Republik den inneren und äußeren Frieden mit unermüdlicher Hingebung schützen werde. Prag, 28. Juni. Die Gemeindevertretung von Ctzko w hat beschlosten, gegen deutsch geschriebene Quittungen fern Geld mehr zu verabfolgen, die Quartiergelder für deutsche Lehrer zu streichen und die Gemeindeämter künftig nur Czechen zu verleihen. Rom, 28. Juni. Im ganzen Lande herrscht Ruhe. Noch hier und da versuchte Kundgebungen 'gegen Frankreich werden von der Bevölkerung selbst im Keime erstickt, da allgemein die Ueberzeugung Platz gegriffen hat, daß die in Frankreich vorgekommenen Exceffe gegen ldie Italiener nur vom Janhagel ausgegangen sind und die Regierung und die Behörden Alles gethan haben, um denselben zu steuern. Paris, 28. Juni. Die Commission für das Begräbniß Carnots hat beschlossen, daß der Letchenzug bereits um 7 Uhr früh gebildet, um 10 Uhr in Bewegung gesetzt werde und durch die Avenue Morigny, die Champs Elysees, über den Concordienplatz und durch die Rivolistraße gegen Mittag in der Notre - Dame - Kirche eintreffen soll. Der Zug wird nach der Kirchenfeier über den Pontj Neuf und den Boulevard St. Michel sich nach dem Pantheon begeben. Nur vier Reden sollen gehalten werden. Paris, 28. Juni. „Gaulois" schreibt: Mit Carnot ist nicht nur ein Mann, sondern ein ganzes System getödtet worden. Sofern Perier den Kampf aufnehme, solle derselbe die politische Amnestie und Abschaffung des Verbannungsgesetzes decretiren. Der „Figaro" sagt, alle Jntriguen in letzter Stunde, alle politischen Händel und Treulosigkeiten, wodurch man Perier bei der Demokratie gehässig machte, könnten seine Wahl nicht beeinflussen- dieselbe bedeutet Autorität im Innern und Ansehen im Auslande. Die „Autoritö" sagt: Es ist der Anfang vom Ende. Frankreich geht in eine neue Periode von Ereigniffen größter und entscheidendster Tragweite. Die monarchische Sache wird sich zum großen Glücke Frankreichs bald erheben. Die „Libre Parole" schreibt: Wir sehen nicht, wohin der Sohn der Bourgeoisie Frankreich führen wird. Die „Petite Republique" veröffentlicht ein obn 45 Abgeordneten unterzeichnetes Manifest, welches sagt: Bourgeoisie und capitalisttscher Einfluß des Parlaments haben den Mann der orleanistischen Reaction zum Präsidenten gewählt. Die Republik ist selbst in Schach und Gefahr gestellt. Das Land wird dem Präsidenten gegenüber seinen republikanischen Glauben aufs energischste betonen, die Arbeiterklaffen ihren soctalistischen Glauben. Paris, 28. Juni. Der Ministerrath verlangt einen Credit von 50000 Frs. für die Beerdigung Carnots. Paris, 28. Juni. Der Ministerrath trat heute unter Vorsitz Periers zusammen. Die Erledigung der Minifterfrage wird bis nach Carnots Beisetzung vertagt. Dupuy wird jedenfalls zum Kammerpräsidium zurückkehren; Burdeau dürfte den Cabinetsvorsitz und das Innere nehmen, da er die Finanzen ablehnen will. Lyon, 28. Juni. Allmählich wird wieder in ruhigere Bahnen eingelenkt. Die von den Truppen blockirten Stadtviertel sind dem Verkehr wieder übergeben und die Truppen wieder in ihre Kasernements abgerückt- nur das italienische Konsulat wird noch besetzt gehalten. Die Arbeit ist allgemein wieder ausgenommen. Die Verhafteten werden nach und nach entlaffen. Gegenwärtig dürste sich die Zahl derselben noch auf 1000 belaufen. London, 28. Juni. Gestern fand auf dem Pontyprid- kirchhof die Beerdigung der meisten Opfer des Grubenunglücks unter Betheiligung ungeheurer Volksmengen statt. An den Gräbern kam es zu herzzerreißenden Scenen. Bisher sind zweihundertachtundsechzig Leichen herausgeschafft worden. Belgrad, 28. Juni. In voriger Nacht wurden mehrere reisende Kaufleute in einem Gasthofe bei Kragujevac von einer Bande Haiducken überfallen und vollständig ausgeplündert. Petersburg, 28. Juni. Vom Jahre 1895 ab müssen auch für Reisen im Inland Pässe und Reise-Docu- mente gelöst werden. Ferner ist auch die Einführung von obligaten Aufenthaltskarten und selbst für Ansässige solcher Ortschaften in Aussicht genommen, wo diese Maßregel von den Behörden für nothwendig erachtet wird. Paris, 29. Juni. Die Cabinetsbilduug erfolgt erst am Montag- außer Burdeau dürfte auch Loubet in Frage kommen. Krakau, 29. Juni. Im russischen Grenzorte Slomnik nimmt die Cholera bedenkliche Dimensionen an. Es kommen täglich mehrere Choleratodesfälle vor. Cocofc* * ttird jprwhtsicdes» Gießen, den 29. Juni 1894. * * Ernannt wurden: der Verwalter am Landeszuchthaus Marienschloß Jakob Ulrich zum Oeconomen an dieser Anstalt - Franz Andres in Gießen zum Hilfsdiener bet dem Landgericht der Provinz Oberhessen. * * Feuer. In einem Hause der Franksurterstraße entstand gestern Abend 7 Uhr ein Kaminbrand. Die Entstehungs« Ursache desselben ist bis jetzt nicht festgestellt. * * Sachbeschädigung. Heute Morgen 4*/2 Uhr wurden an einem Hause in der Dtezstraße drei Fensterscheiben eingeschlagen. Der Thäter, welcher gesehen wurde und wegen Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht ist, war, um zu den Fenstern zu gelangen, erst über die Einfriedigung gestiegen. Der Schaden beträgt 9 Mk. * * MeisterfchaftSrudern für Deutschland. Es verlautet, daß der derzeitige Meisterschaftsruderer von Deutschland, Emil Döring, seinen Titel bet dem nächsten Rudern nicht vertheidigt. Als Bewerber um den Meistertitel sollen sich die Herren Schopmann-Hamburg, Rübsamen-Gießen und Klebahn-Bremen gemeldet haben. * ♦ Ernte-Urlaub. Wie alljährlich, so sind auch in diesem Jahre die Regiments- und Bataillonscommandeure angewiesen worden, Soldaten zur Unterstützung ihrer Angehörigen bei der Ernte, soweit die dienstlichen Interessen dies gestatten, in die Heimath zu beurlaube». * Wegbezeichuuugen. Dem Verfasser der Bemerkungen über Wegbezeichnung in gestriger Nummer können wir mit- theilen, daß die hiesige Section des Deutschen und Oester- reichifchen Alpenvereins dieser Aufgabe schon nähergetreten ist, da sich kein anderer Verein ihr widmete. Sie beabsichtigt zunächst eine Anzahl Touren lahnauf- und abwärts, wie beispielsweise auf den Frauenberg, über den Stoppelberg nach Braunfels und Weilburg, durch den Krofdorser Wald nach Frohnhausen zu markiren. Der Weg über Krofdorf, Fellingshausen auf den DünSberg, von da über die Kronen- i mühle und Bubenrod nach Wetzlar ist schon mit rothen Strichen bezeichnet. Der Verein wird für jede vielleicht verwerthbare Mittheilung dankbar sein, mag sie Vorschläge zu Markirungen ober wahrgcnommene Mängel betreffen. Sollte hier und da ein Grundeigenthümer nicht vorher um seine Erlaubniß zur Anbringung eines Farbzeichens gefragt werden, so glaubt der Verein sicher sein zu können, daß der Uebergangene sein gemeinnütziges Unternehmen dies nicht entgelten läßt, sondern das Versehen gütigst damit entschuldigt, daß hier und da die Erwirkung der Erlaubniß zur Anbringung eines einzigen Farbstriches, der sich oft erst bei der Arbeit als nothwendig erweist, die an der Markirung arbeitenden Herren einen ganzen Tag kosten würde. — Im Uebrigen würde es den Verein freuen, den offenbar touristisch erfahrenen Verfaffer der gestrigen Notiz zur Mitarbeit zu gewinnen. * * Kuustuotiz. Man schreibt uns aus Weimar, 28. Juni: Mit dem Schluffe der Saison hat unser Hof- theater eines seiner tüchtigsten und beliebtesten Mitglieder verloren, den ersten Tenoristen Herrn Kammersänger Hans Buff, gen. Gießen, welcher einem ehrenvollen Rufe an das königl. Theater in Wiesbaden folgt. Volle sieben Jahre gehörte der Genannte dem Verbände unseres Kunstinstituts an und hat in dieser langen Zeit das gesammte lyrische Fach ausgefüllt, gleichzeitig aber auch zahlreiche in das Gebiet des Heldentenors fallende Rollen gegeben, hier wie dort seine Meisterschaft als Sänger und Darsteller bewährend. Seine Glanzparthten waren: „Raoul", „Arnold", „Stolzing", „Postillon", „Georg Brown", „Cellini", „Werther" (Herr Gießen stammt aus der Familie der Charlotte Buff) in Goethes „Werther", „Tamino" u. a. m., deren Wiedergabe auf Classicität Anspruch erheben darf. Gleich ausgezeichnet als Künstler wie als Mensch, der stets bereitwillig seine Kraft in den Dienst der Wohlthätigkeit wie des öffentlichen Jn- tereffes stellte, erfreute sich Herr Gießen allgemeinster Achtung und Anerkennung, was sich beim letzten Auftreten als „Raoul" recht deutlich offenbarte. Viele Dutzende prachtvoller Kränze, Widmungen 2C. ließen erkennen, wie unser kunstsinniges Publikum das Wirken des Scheidenden würdigt und dessen Verlust beklagte. Auch der Großherzog hat dem Künstler sein Bedauern über den Weggang von Weimars Bühne ausgesprochen, ihn seines Dankes für die gebotenen, stets trefflichen Leistungen versichert und diesen Dank mit einem werth- vollen Geschenke begleitet. Möge Herr Gießen in seinem neuen Wirkungskreise die gleiche Anerkennung erfahren, die er hier in reichem Maße verdient und gefunden hat. * * Restaurant Kaiserhof. Wie wir erfahren, wird morgen (Samstag) das neueingerichtete Restaurant, verbunden mit Wiener Cafe, in dem Neubau der Herren Seuling und Preisag, Ecke Sonnen- und Schulstraße, eröffnet. (Siehe Inserat.) Die dem gesammten Geschäftsbetriebe dienenden Localitäten mit Einrichtung sind geschmackvoll und der Neuzeit entsprechend- die Einrichtung wurde von der Möbelfabrik C. Stückrath geliefert. Das Etablissement besteht aus drei Abtheilungen, welche durch niedrige verzierte Holzwände getrennt sind, nämlich: aus dem Wiener Cafs, dem Speisesaal und der Restauration - sie haben von außen besondere Eingänge, sind aber auch im Innern durch Zugänge verbunden. Das neue Local, welches vom seitherigen Pächter der Pfungstädter Bierhalle im „Einhorn", Herrn Reinhold, geleitet wird, kann sich jedem anderen Locale einer Großstadt zur Seite stellen. Geleitet wurde der Neubau von dem Mitunternehmer Herrn Architect L. Seuling. * * Nach dem genehmigten Staatsbudget für 1894/95 sind mit Wirkung vom 1. April 1894 ab die Pflegegeldsätze der LandeS-Waiseuaustalteu in den Städten Darmstadt, Offenbach, Gießen, Mainz und Worms auf 150 Mk., in den Städten Bensheim, Friedberg, Alzey und Bingen auf 125 Mk. und in den übrigen Gemeinden des Großherzogthums auf 100 Mk. per Jahr erhöht worden. Außerdem ist auch eine Erhöhung der Unterstützungen für Waisen - Lehrlinge von 120 Mk. auf 150 Mk. für die Dauer der Lehrzeit eingetreten. * * Zur Beachtung für VerguugungSreiseude. In ver- verschiedenen, im Sommer mit Vorliebe besuchten Ländern, insbesondere in Italien und der Schweiz, werden nur im inneren Verkehr zulässige Postkarten hergestellt und verkauft, welche auf der Auf sch r istss e i te Abbildungen von Aussichtspunkten, Hotels und dergleichen tragen. Wie von zuständiger Seite mitgetheilt wird, werden derartige Postkarten von Reisenden auch vielfach zur Uebermittelung von Nachrichten an Empfänger in Deutschland benutzt und nach der Taxe für Postkarten im Vereinsverkehr frankirt. Hierdurch entstehen aber den Empfängern Portokosten, weil solche Postkarten nach den Vorschriften des WeltpostvSrtrags wegen der auf der Vorderseite befindlichen Abbildungen u. f. w. im Weltpostvereinsverkehr zur Beförderung als Postkarten nicht zuläjsig sind und in Folge dessen mit dem Porto für unzureichend franktrte Briefe belegt werden müssen. Es empfiehlt sich daher, im Weltpostvereinsverkehr ausschließlich die eigens dasür hergestellten, mit dem Frankostempel versehenen Postkarten zu verwenden, deren Vorderseite nur für die Angabe der Adresse des Empfängers bestimmt ist, auf der aber auch noch der Name des Absenders angegeben werden kann. Auf der Rückseite solcher Postkarten können Abbildungen, Reclamen rc. jeder Art enthalten sein. * * lieber die Beförderung der Unteroffiziere im Frieden hat das Kriegsministerium neue Bestimmungen erlassen, deren wesentlichste ist, daß bei Beförderungen zu Vicefeldwebeln über die Etats die bisher nothwendige geringste Dienstzeit wesentlich herabgesetzt ist. Etatsmäßige Schreiber, Zeichner, Regiments- und Bataillonstambours, Leiter der Musik von Jnfanteriebataillonen, Lazarethrechnungsführer, Schirrmeiste in Traindepots, zur Leibgendarmerie commandtrte Sergeanten, zur Fortification commandirte Pionierunteroffiziere, zu Militärtelegraphen commandirte Unteroffiziere und Unteroffiziere der Schloßgardecompagnie sollen schon nach zurückgelegter neunjähriger Dienstzeit zu Vicefeldwebeln oder Vicewachtmeistern über den Etat ohne Gebührnisse befördert werden dürfen, während bisher eine zwölfjährige Dienstzeit erforderlich war. Andere Sergeanten, die hierzu in Anerkennung besonders guter und treu geleisteter Dienste empfohlen werden, sollen in der Regel nicht vor zurückgelegter achtzehnjähriger (bisher zwanzigjähriger) Dienstzeit zu Vicefeldwebeln rc. aufrücken. Bei den Bezirkscommandos sollen auch bei eintretender Bacanz Unteroffiziere erst nach mehrjährigem Verbleib in ihrer Stellung zu Sergeanten befördert werden dürfen. Die Feldwebel, Wachtmeister, Stabshautboisten, Stabshornisten und Stabstrompeter der Garde werden wie bisher durch den Kaiser ernannt. Die Bezirksfeldwebel werden durch die Brigade- commandeure oder den Landwehrinspector ernannt. Friedberg, 27. Juni. Der in weiteren Kreisen bekannte und beliebte Stationsvorsteher erster Klaffe, Herr Johannes Landau, welcher Jahrzehnte lang das hiesige Bahnamt verwaltete, ist hochbetagt gestorben. K. Reichelsheim i. W., 27. Juni. Für den kürzlich hier verstorbenen Bürgermeister Schmidt wurde heute der Beigeordnete Stedte einstimmig als Bürgermeister gewählt. H. Au8 dem Horlofflhale, 28. Juni. Die Heuernte ist zum größten Theile als beendet anzusehen. Die abge- lausene Woche brachte sehr günstiges Wetter, welches die Arbeit bedeutend förderte. Die Qualität hat dadurch etwas gelitten, daß die Gräser wegen des Regenwetters etwas zu lange standen und verholzten. Die Quantität ist befriedigend bis mittelgut, die Preise sind ebenfalls befriedigend, weil man mit dem Bieten, im Hinblick auf die in Aussicht stehende Gersten- und Haferstrohernte, welche gute Futterersatzmittel liefert, zurückhaltend gewesen ist. — Ihre Meldung über den Bau der Bahn Nidda—Echzell—Friedberg können wir dahin vervollständigen, daß zwei Beamte auf den verschiedenen Bürgermeistereien eifrig die Grundbuchskarten durchstudiren und diejenigen Grundbesitzer ausziehen, deren Gelände von der neuen Bahn durchschnitten wird. Mit diesen Grundbesitzern beginnen die Verhandlungen demnächst wegen Abtretung des Geländes und man hofft allgemein, daß ein Zwangsenteignungsverfahren nirgends erforderlich sein wird, weil Jeder von dem Gedanken erfüllt ist: er müsse sein Theil dazu beitragen, daß die Bahn so schnell wie möglich fertig wird. * Gaffel, 28. Juni. Heute Mittag wurden durch einen Canaleinsturz in der Frankfurter Straße mehrere Arbeiter verschüttet. Einer davon ist tobt, brei schwer verletzt. * Gelsenkirchen, 27. Juni. In brei Tagen haben hier vier Menschenleben ein gewaltsames Enbe gefunben. In Braubauerschaft würbe am Sonntag ein Mann erstochen unb in Schalke am selben Tage eine Frau von einem polnischen Bergmann erschlagen. Montag Abenb erstachen junge Burschen auf bem Moltkeplatze einen Arbeiter unb in ber Nacht auf Dienstag ermorbete ein Bergmann in der Heinrichstraße seine Frau, aus Eifersucht. * Dresden, 27. Juni. Dem leidigen Kartenlegen ist dieser Tage hier wiederum ein junges, blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen. Die einzige Tochter einer dortigen Wittwe war mit einem rechtschaffenen jungen Manne verlobt. Eines Tages ließ das Mädchen sich verleiten, zu einer Kartenschlägerin zu gehen, um „einen Blick in die Zukunft zu thun".. In eindringlichster Weise verkündete ihr diese Person die Untreue ihres Geliebten, sowie einen frühen Tod. Ganz, überzeugt von diesen Aussagen, nahm das junge Mädchen plötzlich dem jungen Manne gegenüber, an dem sie bisher mit einer schwärmerischen Liebe gehangen hatte, eine sehr kühle Haltung ein; die Folge war die Aufhebung des Ver- löbniffes. Hierdurch noch mehr von der Untrüglichkeit der Karten überzeugt, suchte das Mädchen den Tod in der Elbe, aus der es vor einigen Tagen als Leiche herausgezogen wurde. * Attentate im 19. Jahrhundert. Die Ermordung des Präsidenten Carnot ist in den bekannteren Kulturstaaten das siebente mit Erfolg durchgesührte Attentat, dem ein Staatsoberhaupt oder ein Familienangehöriger eines solchen im Laufe dieses Jahrhunderts zum Opfer fiel. Die Reihe eröffnet die Ermordung des Sohnes des Königs Karl X. von Frankreich, Herzogs Karl Ferdinand von Berry, welcher am 13. Februar 1820 mitten in der Lustbarkeit des Carnevals von einem Sattler Lonvel erstochen wurde. Das Motiv des Mordes war, bei der Kinderlosigkeit des übrigen Stammes die Fortpflanzung der Dynastie Bourbon zu vernichten. Am 9. October 1831 wurde sodann der Präsident des griechischen Staates, Gras Johann Anton Kapobistrias, beim Eintritt in die Kirche Spiridion von Constantin unb Georg Mauro- michalis, bereu Vater und Oheim er als angebliche Hochverräter eingekerkert hatte, ermordet. Georg verstellte ihm den Weg mit vorgehobenem Fuße, während der andere gegen ihn einen Schuß abfeuerte, der fehlging. Dann stieß Constantin ihm den Dolch in den Unterleib, und Georg schoß ihm zwei Kugeln von hinten in den Kopf. Während in den beiden bisherigen Fällen die Attentäter die Strafe ereilte, entkam derjenige, welcher am 26. März 1854 den Herzog Karl III. von Parma durch einen Dolchstich so schwer verwundete, daß der Fürst am folgenden Tag der Wunde erlag. DaS Attentat erfolgte am hellen Tage in der Nähe des Residenzschloffes inmitten vieler Zuschauer. Der mit der Untersuchung des Mordes beauftragte Richter wurde fünf Tage später gleichfalls erdolcht. Der Mörder blieb unentdeckt. Am 13. August 1860 Kirchliche Anzeige« der Stadt Giefzen. • lentelif^e Oeaeiakc. ®ettelbienft Sonntag den 1. Juli. 6. Sonntag nach Trtvitatt-. Ja der t. PormlttQoe ?■/« Uhr: Pfarrer Schlosser- Zugleich Ehristenlehre für die Neucovstrmirten der MatthäuS» gemeinde. vormittags 9*/t Uhr: Pfarroerwalter Dr. Greta. Beichte und heiliges Abendmahl für di« vlarkusgemet^de. Die Kommunikanten werden gebeten, sich Tags zuvor in der Wohnung de» Pfarres, Wetzftrirgasse 48, anzumilden- vormittag» ll'/< Ubr: Kinberkirche. PiarrverwaUer Dr. (Br ein. Die aus Sonntag den "22. Juli angesctzte Abendmahlsfeier für die Mattdäu-gemeinde wird statt an diesem Tage schon SonntaG den 8. 3ult gehalten werden 3« der JohanueSkirch«. vormittag- 7’/* Uhr: Frühgottesdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirtcn au» der LukaSgemeinde Pfarrer Dtngeldey- vormittags 9Vi Ubr: Pfarrer Dr. Naumann vormittag- 11 Uhr: fkindergottesdienst für die Johannis» gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann (Nachmittags 2'/, Uhr gemeinsamer Spaziergang.)! Am nächsten Sonntag, 8. Juli findet im HaupigotteSdlenst um 97» Uhr Beichte und heil Abendmahl für die LukaSgemeinde statt- Anmeldung beim Pfarrer der Gemeinde. Katholische iSemeiude. Sonntag den 1. Juli. 7. Sonntag nach Pfingsten. Samstag: Nachmittags um 4*, Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl- Beichte. Snnntag: vormittags von 6Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte: , um 6Vi Uhr erste hl. Messe: Gemeinschaftliche hl. (Kommunion. „ um 7*/i Uhr AuStheilung der hl. Cornrnunion; , um 8 Ubr zweite bl Mefle; „ um 97» Ubr Hochamt mit Predigt- Nachmittags um 2 Uhr. Andacht mit Legen. Gottesdienst in der Synagoge. SamStag, den 30. Juni Vorabend 7* Ubr, Morgens 810 Uhr, Nachmittags 406 Uhr LabbathauSgang 9* Uhr- tdbtete ein Montenegriner Kaditch den Fürsten Danilo L »on Montenegro durch einen Pistolenschuß zu Eattaro. Das Motiv war, wie bei der Ermordung KapodistriaS, Blutrache, während die Ermordung des Herzogs von Parma als ein Werk der CarbonariS bezeichnet wurde. Am 10. Juni 1868 feuerten, als Fürst Michael von Serbien mit seiner Cousine Anka Constantinowitsch im Thiergarten von Toptschider spazieren ging, vier Männer Pistolenschüsse aus sie ab, welche beide tödteten. Der Mord ging auS von Anhängern des Thronprätendenten Alexander Karageorgewitsch, dessen Vater durch deS Fürsten Vater getödtet worden war- somit war auch hier Blutrache mit im Spiele. DaS vorletzte Attentat, die am 13. März 1881 durch Sprengbomben erfolgte Ermordung des Kaisers Alexander II. von Rußland, ist ja noch in aller Erinnerung. Zum Schluß sind zu nennen die Attentate gegen die Präsidenten der amerikanischen Republiken. Zwei Präsidenten der Vereinigten Staaten Nordamerikas fielen durch Mörderhand: Abraham Lincoln erlag am 15. April 1865 im Theater zu Washington der Kugel deS Schauspielers Booth, und Garfield wurde am 2. Juli 1881 durch den Stellenjäger Guiteau so gefährlich verwundet, daß er am 9. September 1881 der Wunde erlag. Der Präsident Dlaneo von Bolivia wurde in der NeujahrSnacht 1828 auf 1829 ermordet, ebenso 1872 der Diktator dieser Republik MoraleS von seinem eigenen Neffen. Am 6. August 1875 siel auch der Präsident von Ecuador, Moreno, als Opfer eines Meuchelmordes. * Spielhöllen Ertragniste. Ein französisches Blatt hat berechnet, wieviel die Besitzer der hervorragendsten Spielhöllen durchschnittlich in jedem Jahre verdienen. Wir lasten die interestante Liste hier folgen: Dünkirchen, Casino 300000 Frank, Boulogne, städtisches Casino 800 000, Trouville, Casino 450 000, Trouville, Hotel Eden 150000, Dieppe, Casino 200000, Cabourg, Casino 380000, Föcamp, Casino 100000, Le Havre, Casino 200000, Le Havre, Frascati 150 000, Le Träport, städtisches Casino 50000, Berck (?), Casino 150000, Strand von Olonne, Casino 100000, Rogan am Meere, Casino 100000, Arcachon mehrere Spielhäuser 100000, Biarritz, Casino 1 Mill'on, Schloß Biarritz 150000, Bagnöres de Luchon, Casino 400000, Palavaz, Casino 200000, Aix LeS BainS, Casino 1 Million, Besan^on, Casino 120000, Vichy, Casino 50 000, Vichy, Internationales Hotel 600000, Vichy, Eden 350 000, Vichy, Alcazar 50000, Vichy, Restauration 30000, Rogat, Casino 600 000 Frank. Im Ganzen stecken also die Spielhöllenpächter jährlich einen Reingewinn von 8 480000 Frank Reingewinn in ihre Taschen - einen doppelt so großen Gewinn erzielt Monte Carlo, die Königin der Spielhöllen, die in obiger Aufstellung nicht berücksichtigt worden ist. * Infolge Austerugeuuffes gestorben sind kürzlich in Constantinopel der Director der Tabakregie, Forni, und besten Freund Kaliardi Bey, sowie in Wien der Börsenbesucher Gahr. Wie seiner Zeit vermeldet, erkrankten letzten Winter in Berlin bereits infolge Austernessens von einer aus zwötf Personen bestehenden Gesellschaft zehn, von denen drei starben. Man glaubt, daß diese ErkrankungS- bezw. Todesfälle auf eine Epidemie zurückzuführen sind, welche gegenwärtig unter den Austern grassirt. ♦ Opfer ihres Berufe«. Einem Bericht des Londoner Handelsamts zufolge, der soeben dem Parlament zuging, find von 1884 — 1894 einschließlich nicht weniger als 4615 Eisenbahn-Angestellte io Ausübung ihres Berufes getödtet worden. Die Zahlen für die zehn Jahre find folgende: 523, 438, 421, 414, 389, 431, 487, 537, 525 und 450. • Humoristischer Er kennt sich auS. Herr (ruft vom Fenster auS): „Komm mal rauf, Du Esel?" — Kutscher (zum Diener): „Hörst Du? Du sollst kommen?" — Diener: „Nee, ich nid)! Mir nennt er immer SchafSkopf!" • Mittel gegen Siusamkeit. „Frau Nachbarin, Ihr Zimmerherr kommt aber, wie S scheint, oft beduselt nach HauS?\* — „No mei '. Er fühlt sich halt so einsam und da bringt er sich halt manchmal „Einen" mit!" * Anerkennung. Führer: „DaS dort ist die „Jungfrau" !* — Tourist: „Alle Achtung! DaS muß man sagen: wirklich eine höhere Tochter!" Technische Fortschritte. — Ascheustei«, ei« «e««S billige» und praktisches Baumaterial. Im „L'dpj. Tageblatt" berichtet Herr Attendoif über die Hirstellung und Verwendung von Afchenstetn tn Süd- deuischland. Danach wird die in genügender Menge aller Arten vorhandene Asche mit Kalkmörtel vermischt, hieraus werden Steine fesormt, die sich zur Aufführung der Mauern eignen, oder es wird ogenannter Aschenbeton gestampft. Diefe neue Art zu bauen ist schon deshalb deachtenSwerth, als hindurch die ungeheuren Massen von Asche zur vorlhetlhasten Verwendung gebracht werden können und eine sehr wohlfeile Bauart erlangt wird. Außerdem hat sich CTßebcn, daß solche auS Asche htrgcstellteo Mauern eine große Feuersicherhett und Festigkeit besitzen, auch eine gleichmäßige Temperatur tn den Häusern erzeugen und ganz trocken sind. Hausschwamm und Ungeziefer wird niemals in derartigem Gemäuer sich feftfetzen können. Diese günstigen Umstände zufammengenommen, werden diesem Bausystem eine weitere Verbreitung verschaffen und auch seine Einführung tn die hiesige Gegend veranlassen. In Lnndurg a. d. Lahn sind im vergangenen Jahre einige mehislöcktge Häuser aus Asche aufgesührt worden: ihr AeußereS unterscheidet sich nicht von anderen (Schäuben, die Mauern bestehen theilS auS Aschenbeton, theilS aus Aschensteinen, und die Werkstücke, daS Simswerk, die Fenstergewände u. s. w. wurden auS Kunststein angeferligt. Der Erbauer dieser Häuser, Herr Baumeister Wagner in Limburg, wird gern weitere Mittheilung über diese Ausführung geben- Ei« kritischer Tag für die deutschen Patente. Zur Nichtigkeitserklärung der metflen Patente pflegten und pflegen die in den SS 1 und 2 des PatentgesetzeS vorgesehenen Gründe zu führen, frühere Veröffentlichung in Druckschriften, offenkundige Vorbenutzung, Mangel der aewerbltchen Verwendbarkeit. Am 1. Oktober d. Js. werden diese Gründe nicht mehr in das Feld zu führen sein allen denjenigen Patenten gegenüber, deren Ertheilung vor dem 1.October 1889 bekannt gemacht wurde. Auch fernerhin werden alle Patente gegen die Nichtigkeitserklärung durch die erwähnte Begründung gesichert lein, bei denen zwischen dem Tage der Bekanntmachung der Ertheilung und dem Tage des Antrages mehr als fünf Jahre liegen. Ein solches Patent kann nur noch mit dem Beweise, baß die Erfindung Gegenstand des Patente« eines früheren Anmelders ist, angegriffen werden, oder von denjenigen Personen, deren Beschreibungen, Zeichnungen u. s. w. der Gegenstand ohne ihre Einwilltgung entnommen ist. Wun liegen tn der Industrie die Dinge häufig so. daß die Fachgenossen zwar wissen, daß ein Patent auf Grund der mehrerwähnten hauptsächlichen Gründe für nichtig zu erklären ist, die Nichtigkeitsklage aber auS Bequemlichkeltsgründen nicht anstrengen, btefdbe vielmehr in netto behalten für den Fall, daß jenes anfechtbare Patent ihnen einmal lüsttg fallen sollte. Mlt dieser Praxis muß natürlich allen denjenigen Patenten gegenüber, bei denen die Bekanntmachung der Ertheilung schon vor dem 1. October 1889 erfolgte, nunmehr unweigerlich gebrochen werden, damit nicht dem er stnach dem 1. October d.J. auf den Plan tretenden NlchtigketlsklLger ein niederschmetterndes , „Zu spät" entgegengerufen werde. Temperatur der Lahn und der Lust nach Reaumur gerneffen am 29. Juni, zwilchen 11 und 12 Uhr: Wasser 17%. Luft 21°. Rübsarnen'sche Badeanstalt. ft ' bei Abnahme v. 10 Pfd- an perPsd SOPsg. empfiehlt Heinrich Wallach. Aeilgeöotenes. Butter Bekanntmachung. Montag den 2. Juli l. I., Bormittags um 8 Uhr anfangend, soll das Heugras von den Wiesen der Stadt Mendorf a. d. Lumda, ca. 60 Morgen, an Ort und Stelle versteigert werden. Zusammenkunft bei der Ziegelhütte. Mendorf a. d. L., 26. Juni 1894. Gr. Ortsgericht Mendorf a. d. Lda. 5308]_______Rein.__ Mittwoch deu 4. Juli, Vormtt- taaö 9 Uhr beginnend, läßt der Unterzeichnete 4 trächtige Fahrkühe, 2 fr r sch- mdfenbe Rü»t. 4 s-tt° Staber, z fette Schweine a 5 Gentner lebend Gewicht, HimheerenS|i Streitag den 10. August, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die der Peter Ammei Ehefrau Dorothea geb. SlingeihSser in Gießen gehörigen Immobilien: , flur 35 Nr 116 — 869 qm Acker auf die Tanne, Slur 35 Nr. 117 — 869 qm Acker daselbst, Hur 35 Nr-118-863 ’m Acker d-felbft, Slur 35 Nr 118,z — 325 qm Acker daselbst, Kur 35 Nr 118,s—262 qm Acker daselbst, Flur 35 Nr. 118,8—225 qm Acker daselbst, Flur 50 bis 71 Nr l’/io - 605 qm £of» raitbe die Liebrgshohe. Flur 50 bis 71 Nr. l‘/ro - 35074 qm Acker daselbst, Flur 50 bis 71 Nr. l’/io — 80 qm Halle daselbst, SffenUich meistbietend versteigert werden Gießen, 28. Juni 1894. Versteigerung. SamStag den 80. Juni d. IS, Nachmittags 2 Uhr, »ersteigere ich Marktplatz 20 dahier a. 1 Pferd, 1 Kaffaschrar k, verschiedenes Porzellan, Glas unb Möbel: b. 1 Bernhardiner Hund Versteigerung ad b findet bestimmt statt. 5378 vor«, Gerichtsvollzieher. 3 trächtige Schweine, 1 Mutterschwein mit 6 wöchigen Ferkeln, 2 Läufer, 2 P'erde (6 und 9 Jahre alt), 60 Hühner, eiserne Pflüge verschiedener Art, 1 eiserne Ringelwalze, 1 eiserne Dickwurzmühle, 2 schwere Wagen mit allem Zubehör, 1 leichten eisernen Wagen (ein- und zweispänmg zu fahren), 1 Schrotmühle, 1 Chaise (Landauer), sämmtliche Pferdegeschirre, über 100 Morgen Acker- u«d Wiesenland mit ober ohne Ernte aus freier Hand an den Meistbietenden versteigern. Münster (Kr. Gießen), 28. Juni 1894. 53981 »sorg Hetz Mobiliar-Versteigerung. Montag de« 2. Juli d. I., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ick im »ieker'schen «aale, Neustadt Nr. 55 nachfolgende Gegenstände: 3 Dtzd. Stühle mit Patentsitz, 3 Dtzd Stühle mit Strohfitz, 2 Dtzd. 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Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei der schweren Krankheit, als auch bei der Beerdigung unseres lieben unvergeßlichen Söhnchens Otto, für die liebevolle Pflege der Schwestern, sowie die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Dingeldey und die reiche Blumenspende sprechen hiermit ihren tiefgefühltesten Dank aus Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 5407 Carl Schmidt. Es werden Jahr aus Jahr ein mehr als 100,000 Kinder 1) Bericht der Revisoren über die Rechnungsführung im Geschäftsjahre 1893/94; Entlastung des Vorstands. 2) Berathung und Genehmigung der vom Vorstände und der Commission entworfenen neuen Statuten. 3) Ergänzungswahl des Vorstands event. auch des Aufnahme- ausschuffes. 4) Neuwahl des Ausschusses für das Unterrichtswesen und Lehrlingsheim. 5) Wahl der Revisoren. 6) Event, weitere Anträge, welche laut § 51 Absatz 2 der Statuten dem Vorstande 6 Tage vorher schriftlich vorzulegen sind. Wegen der großen Wichtigkeit der zu berathenden Gegenstände bitten wir unsere Mitglieder, der Generalversammlung beiwohnen zu wolle» und möglichst pünktlich zu erscheinen. Danksagung. Durch Arbeiten in schädlichen Materialien zog ich mir eine Blutvergiftung an der Hand zu. Die Hand und der Arm schwollen furchtbar an und zwar bis zum Ellenbogen, waren steinhart, ich hatte unerträgliche Schmerzen. Man schnitt die Hand auf, ohne daß dadurch Besserung erzielt wurde. Ich ging zu Herrn Dr. med. Volbeding, homöop. Arzt in Düsseldorf. Derselbe gab mir Arzneien und nachdem ich solche 14 Tage genommen hatte, war die Hand bereits ganz beigefallen und hatte ich fast keine Schmerzen mehr. Jetzt nach ca. 4 Wochen ist die Hand vollkommen heil und spreche ich hierdurch Herrn Dr. med. Volbeding meinen öffentlichen Dank aus. Gerresheim, Glasfabrik 81. 4631] Oscar Mohriug. Restauration Busch, Samstag den 30. Juni, Abends 8 Uhr: Concert ausgeführt von einem Theil der Capelle des 116. 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Familienabend auf Im Inljtiftcin. Steins Garten. Die Russen kommen! Dienstag den 3. und Mittwoch den 4. Inti. Z Radfahrer-Club Hassia Giessen. Sonntag den 1. Inti, Nachmittags 4 Ahr bei günstiger Witterung Vereins-Straßen-Mettsahm Reiskirchen-Gießen. Ziel: Schützenhaus. SMP Sonntag den 1. Juli "TB® FllmilikN-Ailsflilg auf die Heuchelheimer Mnhte. Abmarsch vom Lahnthor Nachmittags 3 Uhr pünktlich. 5383 __Der Vorstand. Kaufmännischer Verein Gießen.