1894 Samstag den 29. September Vierteljähriger Deutsche- Reich. Bringerlohn. Durch bic Pos, bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Rcdaction, Expedition und Druckerei: Schutstrahc ^lr.7. Fernsprecher 51. Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, nut Ausnahme des Montags. Die Gießener JiamikiendlStler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. 6-ntreabmirat ©off- „,Ä* M des beutfd.cn Geschwader, in den koreanischen Gewässern ernannt. _ { « Wien, 27. September. Auf Anregung Italiens sollen die Vereinigten Staaten von Nordamerika Fr e en - Vermittelungen zwischen Japan und China "'^Wien. 27. S-P.e-ber. Die Mitglieder de» Natur- forscher-Congresse» wurden heute Mittag aus dem Rath^ause dnrch^den Bürgermeister festlich empfangen. Heute Abend findet der Empfang b-im Hofe statt. Lemberg, 27. September. Die Cholera ist m ganz Galizien stark in der Abnahme begriffen. Femlleton. A«g dem Leben deutscher Kirchensürsten des 18. Jahrhunderts. Don F. Grün. Kür die Culturgefchichte de» 18. Jahrhundert» liefern fcic Aufzeichnungen de» geistreichen Freiherrn Carl Ludwi g von Pillnitz, de» Vorleser» Friedrich de» Großen, reiche» und nur sehr ungenügend benutzte» Material. Besonders da» Leben an den Höfen fast sämmtlicher europäischer Staaten, die der unstete Abenteuerer auf seinen zahlreichen Kreuz- und Ouerzügen durch Europa aussnchte — er hatte in rascher Aufeinanderfolge im österreichischen, spanifchen und Papst lichen Heere gedient — wird un» in feinen ”k fo feiner und scharfer Beobachtungsgabe geschildert, daß die selben als eine sehr willkommene Ergänzung der zeitgenössischen Darstellungen, die sich ja in der Regel nur mit den allgeviein politische» Verhältnissen besasttn, betrachtet «erden dürfen. Unter anderem gilt die» auch non der folgenden kleinen Skizze de» Leben» an den Höfen der Kirchensürsten non Kulda, Würzburgund Bamberg, die, mag sie auch in mancher Hinsicht am Aeußerlichen hasten bleiben, 'm großen Ganzen da» Ansgehen jener Hoskreise In sorglosem, durch Reflexionen keiner Art gestörten LebenSgennsie treffend und anschaulich^^ch * seiner Reise non Gotha nach Wien im September 1729 In Fulda Halt gemacht und war von dem Fürstabt sehr gnädig empfangen und zur Tafel gezogen «ordeüs so wenig Interessante» die kleine Residenzstadt em w,ßbegterigen Reifenden bot, so sehr zeigte er fich von dem Glanze der sllrstiichen Hofhaltung überrascht. Obwohl er aeietz befchasiigr ieiu, doch wird die ganze Angelegenheit j sehr geheim betrieben. - Der geschetttrie Eatwur eine» in Verbindung mit dem Projecte eines Mnlelland-Canales öiebeL^r»ZrdSnen Ministerium de» Innern an die Kreishauptmannschaften gerichtetes vertrauliches Rundschreiben, welches eine geheime Conserenz zur örterung von Maßnahmen gegenüber dem Eindringen d-r Socialdemokratie in die Gemeindeverwaltungen Vorschlag, fit von der socialistischen „Sächsischen Arbeiterzeitung mit- oetheilt worden. Das amtliche „Dresdner Journal erklär, daß dem Vorgänge ein gröblicher Vertrauensmißbrauch zu Grunde liegen müffe._ aus ^>ie ^Leibgarde bildete eine Compagnie Garde zu Pferde und ein Regiment Garde zu Fuß, deren gute Haltung der Reisende huvorhebt. Seine ^aupttäälW ,, < r (iirffitdien Tafel, mit der sich nach dem Urtheil von Völlnid ohne Zweifel eines feinen Kenners auf diesem Gebiete, nur weniae fürstliche Hofhaltungen Deutschlands messen können L. nu'r Li ben'Vinften ®erWen. i t »te W e§ den Leistungen der suldaischen Cavaliere unheimlich z Mutbe - nachdem er sich, allerdings mit sehr schwerem Kopfe, ^u dem Abte"rabschtedet, verließ er eilig die allzu gaft- " Mne Reise durch Franken sortzusetzeu. Mür^ u a war lein nächste» 3'--, wo damals Christoph K?°n^ von Hutten als Fürstbischof und Herzog von Franke» h L (sLntpr führte Es ist ein Hofleben in großem Stile, in Pracht der innere» Einrichtung, die Bewunderung be» 9th’ltil'n©*bännbotnW Grabeapell"während'a"e Denkmäler ^^ä^e^»am°e»Ui7^ K»»st °°u W 1U t ^Bukarest, 2V September. Das moldauische Städtchen Podul Urculu,i ist -gestern total abgebrannt- vierhundert meist israelitische Familien sind obdach °s. Newuork, 27. September. Eine Vollversammlung der Demokraten des Staat es N ewy 0 rk nahm einstimmig die Candidatur Hills für den Gouverneurposten an. HM batte früher bk Candidatur abgelehnt. Die Convention faßte eine Resolution, welche Freude über dte Abschaffung des Mc. K'nley-Tartfs und Anerkennung für Cleveland aus drückt, die Einkommensteuer verwirft und sich gegen finanzielle der Fremden in den Küstenstädten wird täglich ernster. Aus den Straßen von Peking und Tientsin werden Europäer ! alle Tage von dem Pöbel und Soldaten insulnrt. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer lnS Vorm. 10 Uhr. ,eim Berlin, 27. September. Die „Kreuzztg." meldet, durch Cubin-tsordre vom 5. September (et b>e« 8»t bei Königsberg der Name „Zwifchenwerk Gröben Berlin, 27. September. Ein Redacteur des „Berl. Bürsen-Cour." hatte jüngst eine Unterredung mit dem Erzbischof von Gnesen-Posen, Dr. v. Stablewski, worin nJ letztere ausführlich über die Polenpolitik au erte und weint" e?!" in letzter Zeit in einem The,le der Preffe e »e förmliche Polenhetze in Seene gefetzt worden. Wege» barmlofer, selbstverständlicher Vorgänge habe man ihn und hohe Staatsbeamte, bürgerliche wie ""iiärischeWürdentrager angegriffen und verdächtigt. In erster Reihe seien der.ent» mandirende General de» 5. Armeeeorp», °. Steckt, ber Oberpräsident v. Wilamovitz-Mällendorf und der Regierung» Präsident Himly die Zielpunkte mannigfacher Unterstellungen gewesen. A» der Spitze der Bewegung stehe Herr v. Kenne wann Klenka, der da» Deutschthum verrathen glaube, weil der Oderpräsident den Intentionen de» Kais»» sprechend, nach den Vorschriften der Billigkeit und Gerechtigkeit den polnischen Landeskindern gegenüber die Berwaltung leiie. Dieser Vertreter des Deutschthum» fei derselbe, dervor w nigen Jahren aus der freieonfervativen und Reichspartei sowie aus den Parlamenten verschwand, nachdem er die Pflicht der Verschwiegenheit, die ihm al» ^ttfllieb bet Branntweinsteuer Commission auserlegt war, nicht beobachtet habe. Daß gerade Herr v. Stennemann-Slenta an der Spitze de» Konnte» für die Barzin-Fahrt stan^ Ware gewiß kein Grund gewesen, ihm Militärmusik al« Begleitung zur Ber fügung zu stellen. - De» Weiteren bemerkte der Erzbischof „Ich selbst werde mit mißtrauischen Augen überwacht. Jede harmlose Wort wird mißdeutet, jede herkömmliche, sonst auffällig erschienene Handlung wird al» planvolles.Begin»in zu einem geheimnißvollen, sneeififch P°l»'fche» S«« gestellt. Was kann man uns Vorwersen? ^t mehr al» dreißig Jahren herrscht, was an uns ist, ungetrübte Ruhe im Lande. Wen» schon unsere Gesinnung un» nicht dazu brächte, die einfachste Besinnung würde uns dazu veranlassen. Die Gefahr droht von einer ganz anderen Richtung. Hier drängt man förmlich den Socialismus auf da» flache Land. _ Wir fühlen uns al» preußische Untertanen, wir haben den bestehenden, staatsrechtlichen Zustand vorbehaltlos an- Erkannt! Was Herr °. KoSzielSk. in Lemberg g-fag, mag wenig geschickt gewesen sein, doch die mit unzulänglichem Be dacht'gewählten Worte schaffen die Thatsache nicht aus de Welt, daß die polnischen Abgeordneten m den wichtigsten Fragen der Regierung ihre zum Theil unentbehrliche Unter ftübuna gewährt haben. Die unvernünftigen, polenfemdlichen Agitatiomn, die sich jetzt regen, können nur dazu. diene» uns diese Haltung zu erschweren und am letzten Ende ,°gar u - Im" Preußische» Ministerium des Innern soll man thatfächlich mit Ausarbeitung einer Art von Anarchisten D-v-w>-n be» • Merlin, 27. September. Rach dem „B-rl. Tagebl. Circuli« m Colonlalkreilen das Gerücht, 8egntion6ratS - ■ beabsichtige, sich von seinem Posten zuruckzuziehen. Der'Gouverneur Zimmerer soll al» sei» Nachfolger in der Colonialabtheiiung de» Auswärtigen Amts auSerfehen Neueste riachvichte«. Wolff« t-legr«Vhiiche« Torrefvondenz-Bure-n. Berlin, 27. September. Die Stadtverordneten Der- | sammiung hat den von einem Arbeiterverein gestellten Antrag, die köuigll Leihämter in städtische Verwaltung zu ^"ÄtthelmShavem 27. September. Contreadmiral Hoffmann lst zum Chef des Kreuzergeschwaders in Ostasten, Conüeadmiral Barandon zum Ches 2. Division des Manövergeschwaders, Capitän zur See Chef de? nautischen Avtheilung des Retchsmarineamts, Capitän zur See Bendemann zum Jnipecieuc des To P^^Bremen/27. September. Boesmanns Bureau meldet, der ionische Schooner „Magdalas mit dem der Schnells dumpfer „Lahn" in der Nacht vom Dienstag zum D^twoch in der Nähe von Texel in Collision war, ist nach Maa stiller Verachtung übergangen, wenn mchtals.barbarisch« verspottet werden. Der ganze Glanz des fürstbischöfliqeu Hofstaates entfaltete sich vor unserem Reisenden bet Gelegenheit eines kirchlichen Aufzuges, dessen-Zeuge « bei snmr Anwesenheit in Würzburg war. Den Zug, der sich von dem Residenzschlosse nach dem Dome bewegte, eröffneten sechs sechs, svänniae bischöfliche Caroffen- ihnen folgten achtzig Lakaien un"sechzehnPagen, denen sich mehr als achtzig Fuß anschlossen. Erst jetzt erscheint die Carosse des Fürsten, zwischen einem Spaliere von Hellebardieren, chr zur Seite der Oberftallmeister undHofmarschall, der ktztere das Sckwert der Herzoge von Franken tragend. Den Schluß des Zi^ges bildeten die fürstlichen Heiduken und die Compagnie 6Cr auTbtt”ben Würzburger Kirchenfürsten hatte sich ber Baron einer sehr freundlichen Aufnahme zu erfreuen - nament- ttch war er täglicher Gast an der fürstlichen Tafel f^- lick für ibn noch gefährlicher wurde, als dres in Fulda der cyQn »xwesen. Kaum hat man sich zu Tische gesetzt/ so trinkt ker Bi ch dem Baron zwei oder brei Gesundheiten zu- seinem Be spiele folgen der Oberstallmeister, ber H°fmarschall uäd "e zwölf anderen Theilnehmer der Tafel- von Pöllnitz muß bmd) Nachtrinken banken unb bie aiifmet£|amteit feiner- feit» durch Vortrinken erwidern. Wa» Wunder, baß der Reifende, noch bevor da» Esten recht begonnen, Mühe hat, feine Sinne belfammenzuhalten und daß er unruh^ der Aufhebung der Tafel entgegensteht? Nachdem der Bischof sich in feine Gemächer begeben, glaubt auch der arme Baron den Rückzug »»treten z» dürfen. Bittere Emtamchung! Er sieht sich von den Hojeavalieren umringt, die ihn von der Notbwendigkeit einer kleinen Nachfeier zu überzeuge» wtsten. Namentlich ber Oberstallmeister, Baron von Zobel, und der Ä’ÄKÄ für die Fahrt ist noch nicht seftgesetzt- voraussichtlich dieselbe am 20. October erfolgen. ,cAw,mpntritt Berlin, 27. September. Noch vor dem Z^ammentri r äs ssäs-hE En tu berutben Bor der Einberufung der Kaffe,er is..:";, m». ä: ä Ä»‘- lettuna" zufolge, der bisherige Reglerungspräsident in Aurich Kraf Konstantin zu Stolberg-Wernigerode und zum Regierungspräsidenten in Aurich dem Vernehmen nach 'de7Ooe?präst^alrath v. Estorfs in Codlenz ernannt wo de». Berlin, 27. September. Bei den gestrigen Gew erb gerichtswahle» Haden die Soetaldemokrate» aus der Arbeitgeberliste zu den zwei Sitzen, dte sie- schon inne- Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nchmcu Anzciacn für ben „Gießener Anzeige^ kntgegen. Nr. 228 ErKes Blatt. Gießener Anzeiger Keneral-Mznger. ' Amsterdam, 27. September. Neuerdings eingetroffenen Nachrichten zufolge soll über den Frieden verhandelt werden, da die Eroberung von Mataram große Schwierigkeiten bereitet. Paris, 27. September. Dem „Matin" wird berichtet, daß die englischen Missionare auf Madagaskar ausnahmslos zufrieden wären, wenn Frankreich die Insel definitiv besetzen ließe. Auch die Eingeborenen, welche mit der jetzigen Regierung unzufrieden seien, würden keinen Widerstand leisten. London, 27. September. Wie „Daily Chronicle" aus Moskau meldet, wurde Profeffor Sacharjin vorgestern Nacht nach Livadta zum Czaren berufen, welcher ernstlich erkrankt sein soll. London, 27. September. Nach einer „Times"-Meldung aus Shanghai soll der Capitän Fong-Bizuen wegen Feigheit vor dem Feinde hingerichtet worden sein. Der Capitän habe bei der letzten Seeschlacht die Flucht ergriffen, worauf die Japaner sein Schiff in die Luft sprengten. London, 27. September. Die Morgenblätter veröffentlichen Telegramme aus Shanghai, wonach durch kaiserliches Edict die Festlichkeiten anläßlich des 60. Geburtstages der Kaiserin von China ausgesetzt werden. — Die Japaner beherrschen vollständig die See. Unter chinesischer Flagge fahrende Schiffe laufen überall die größten Gefahren. Die Lage der Fremden auf den Inseln in der Nähe der Küsten wird immer kritischer. Die Straßen Pekings sind mit Soldaten aus den Provinzen angefüllt. Die Fremden in Peking werden aufs Gröblichste insultirt. In Tientsin ist die Lage dieselbe. Die Fremden in Tientsin haben eine Freiwilligentruppe gebildet und sind auf jede Eventualität gefaßt. Coectk« tmfc p-svinziielle». Gießen, den 28. September 1864. ** Sitzung des Schwurgerichts der Proviuz Oberheffeu am 27. September 1894. (Schluß). Nach einer kurzen Unterredung mit Ludwig Schnägelberger begab sich Berlau in die Oberstube und traf hier den Wilhelm Schnägelberger in dem bereits geschilderten Anzuge und barfüßig neben seinem Bette stehen. Auf seine Anrede: „Du machst schöne Geschichten" gab ihm dieser gar keine Antwort, sah ihn nicht einmal an, benahm sich vielmehr so, als wenn er krank wäre, holte tief Athem und schnappte nach Luft. Sodann ging Berlau in die untere Stube und kehrte dann nach kurzem Aufenthalt in solcher mit Anderen in die Oberstube zurück, wo Schnägelberger mit einem Strumpfe bekleidet auf dem Bette saß, den anderen Strumpf in den Händen haltend. Auf seine Bemerkung, er solle machen, daß er herauskomme, sonst verbrenne er, gab Schnägelberger wiederum keine Antwort. Ein Junge begann nunmehr mit dem Abschlagen des Bettes, während Schnägelberger am Fenster seinen anderen Strumpf anzog. Dem jungen Ruppel hatte Schnägelberger, als er die Bodenthüre öffnen wollte, zugerufen, er solle die Thüre zulaffen. Schnägelberger hatte heute, wie auch früher, die ihm zur Last gelegte Brandstiftung und die ihn belastenden Zeugenaussagen in Abrede gestellt. Die Geschworenen, (Obmann: Herr Bürgermeister Heinrich Schmalbach IV.), konnten sich von der Schuld des Angeklagten nicht überzeugen und sprächet das „Nichtschuldig" aus, worauf der Gerichtshof den Angeklagten von Strafe und Kosten freisprach, den Haftbefehl aufhob und auch die Bertheidigungskoften der Staatskaffe auferlegte. ** Sitzungen des Schwurgerichts der Proviuz Oberheffeu am 28. September 1894. Zur Verhandlung kommt zuerst um Uhr Vormittags die Strafsache gegen Karl Lens ch von Brandenburg a. d. Havel wegen Nothzucht. Die Anklage vertrat der Großherzogliche Staatsanwalt Schilling- Trygophorus, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Labroisse. Als Geschworene wurden aus- geloost die Herren: Johann Heinrich Ortwein, Johannes Goebel II., Wilhelm Grieb II., Heinrich Schmalbach IV., Wilhelm Schwenk in., Dr. August Trapp, Hermann Kratz, Wilhelm Reichert L, Heinrich Keutzer III., Emanuel Loeb, Johann Heinrich Jhring, Anton Rompf VII. — Der 39 Jahre alte Maurer Karl Leusch, welcher bereits wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit vorbestraft wurde, ist wiederum eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit im Sinne des § 177 des Strafgesetzbuchs beschuldigt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt und endete, nachdem die Geschworenen die ihnen vorgelegte Schuldfrage bejaht hatten, mit der Verurtheilung des Angeklagten zu einer Zuchthausstrafe von zehn Jahren unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren. Als zweite Sache kam um 11 Uhr Vormittags die Strafsache gegen Ludwig Westerweller von Burkhards . wegen Urkundenfälschung zur Verhandlung. Die Anklage wird vom Großh. Staatsanwalt Koch vertreten, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Hirschhorn. Als Geschworene fungirten dieselben Herren, welche bei der Verhandlung gegen Karl Lensch die Jury gebildet hatten. — Der Schlaffer Ludwig Wefterweller von Burkhards steht unter der Anklage, daß er im Mai 1894 zu Burkhards in rechtswidriger Absicht, eine Rechnung mit Zahlungsanweisung des Großh. Bürgermeisters Kunkel daselbst am 24. Mai 1894 und „Großh. Bürgermeister Burkhards Kunkel" unterschrieben, fälschlich angefertigt und von derselben am 25. Mai l. Js. zu Schotten in der Absicht, sich einen Vermögensvortheil zu verschaffen, zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Im Mai l. Js. erschien Johannes Westerweller, der Vater des heute Angeklagten, in Abwesenheit des Großh. Bürgermeisters Kunkel von Burkhards auf dessen Bureau und präsentirte im Auftrage seines Sohnes eine Rechnung desselben über 3 Mark 75 Pfg. für der Gemeinde gelieferte Schlosser- arbeiten mit der Bitte, diese Summe auf die Gemeindekasse auzuweisen. Da der Großhrrzogliche Bürgermeister, der die Rechnung bet seiner Heimkehr vorfand, an derselben Nichts zu beanstanden hatte, so versah er dieselbe am Abend desselben Tages mit der vorgeschriebenen Anweisung, auf Grund deren die Auszahlung aus der Gemeindekasse durch den Rechner Wilhelm Wolfschmidt I. in Schotten erfolgte. Am Morgen des folgenden Tages holte Johannes Westerweller wiederum in Abwesenheit des Großh. Bürgermeisters die Rechnung mit Anweisung ab und kurz darauf erschien auch Ludwig Westerweller selbst auf dem Bürgermeistereibureau, um zwei Briefe, die er für den Großh. Bürgermeister an das Großh. Kreisamt Schotten besorgen sollte, in Empfang zu nehmen. Er war so angezogen, daß die Schwiegermutter des Großh. Bürgermeisters, die Adam Senn Wittwe, die ihm die Briefe behändigte, annahm, er werde nach Schotten gehen. Von einem in der Rechnung unterlaufenen Fehler war damals nicht die Rede. Am 25. Mai l. I. erschien Ludwig Westerweller bet Rechner Wolfschmidt in Schotten und legte eine Rechnung über 9 Mark $0 Pfg. mit der Bitte um Auszahlung vor. Auf derselben befindet sich eine Zahlungsanweisung, angeblich von Bürgermeister Kunkel herrührend. Rechner Wolfschmidt setzte Zweifel in die Aechtheit der Anweisung. Ludwig Westerweller suchte dieselben zwar durch die Versicherung zu zerstreuen, der Bürgermeister habe die Anweisung selbst geschrieben, allerdings bei Nacht, allein Wolfschmidt zahlte den Betrag nicht aus und nahm die Anweisung an sich. Als Ludwig Westerweller sah, daß sein Anschlag mißglückt sei, schickte er seinen Vater zu dem Großh. Bürgermeister und ließ ihm sagen, er habe eine andere Rechnung geschrieben und die Anweisung auf dieselbe übertragen. Wolfschmidt habe jedoch Zahlung verweigert. Darauf ging der Bürgermeister zu Wolfschmidt, ließ sich die Anweisung zeigen und constatirte, daß solche nicht von ihm herrühre. (Fortsetzung in der nächsten Nummer.) ** Neues Theater. Wegen scenischer Schwierigkeiten ist die Direction gezwungen, das für Sonntag geplante Schauspiel „Der Trompeter von Säkkiugen" noch um 8 Tage zu verschieben. Dafür kommt eine echte Sonntags-Posse „Familie Rinckmeyer" zur Aufführung, welche sicherlich ihre Wirkung nicht verfehlen wird. ** Verhaftet wurde gestern Abend ein Barbiergehilfe, welcher bei Ausübung seines Berufes aus einer Wohnung an der Hardt einen goldenen Ring gestohlen hatte. Hofmarfchall, Baron von Bechtoldsheim, dringen mit großen Weingläsern auf ihn ein, die er auf die Gesundheit des Fürsten und des Stiftscapitels leeren soll. Alle Entschuldigungen des Barons und auch die nachdrücklichsten Versicherungen seiner Verehrung für den Bischof und sein Capitel fruchten der Weinlaune der erhitzten Cavaliere gegenüber nichts. Will er nicht als Landesfeind gelten, so muß er mit Todesverachtung die beiden Gläser hinunterstürzen. Aber auch damit noch nicht genug! Der Oberstallmeister, über die Leistungen des Gastes erfreut, klopft dem armen Baron mit gemüthlicher Vertraulichkeit auf die Schulter nnd bemerkt ihm, daß er, der „Herr Bruder", bei seiner Ergebenheit an die Person des Fürstbischofs gewiß nicht versäumen wolle, die Gesundheit des Hutten'schen Hauses puszubringen. Wieder versucht v. Pöllnitz, seine Cumpane zu überreden, mit seinem guten Willen vorlieb zu nehmen und Gnade für Recht ergehen zu lassen und wieder erweisen sich alle Ausflüchte fruchtlos. Der Hofmarschall umarmt und küßt ihn und bittet ihn, ihm zu Liebe einen tüchtigen Schluck aus einem mächtigen Pokale, der zum Beschlüsse der Feier herbeigebracht wird, zu thun; wie könne ihm das schaden, da der Pokal mit dem besten Naß des Hofkellers, dem Lieblingswein des Fürstbischofs, gefüllt sei? Resignirt ergibt sich endlich der Baron in sein Geschick, das sich dann auch rasch und unerbittlich an ihm erfüllt. Zu Beobachtungen über Land und Leute fand Pöllnitz unter den geschilderten Umständen um so weniger Muße, als auch bei jeder freundschaftlichen Visite, die er seinen Bekannten abstattete, ja sogar bet dem Besuche der Klöster die Bouteille eine hervorragende Rolle spielte. Bet seinem Besuche der Cttadelle auf dem die Stadt beherrschenden Marien- berge zeigte man ihm bereitwillig das Arsenal, die Forti- ficationen, die mit verschwenderischem Prunke ausgestatteten fürstlichen Gemächer, aber nur, um zum Schlüsse in der Tiefe des SchloßkellerS die Geister des feurigen Leisten- weiues von dem Gehirn des gequälten Barons Besitz nehmen zu lassen. Nur Nachkommen des Stlenus, so seufzt er, könnten eine solche Virtuosität im Trinken, wie die fränkischen Cavaliere entfalten. Von dem Bischöfe selbst ist übrigens Pöllnitz des Lobes voll: er widme sich mit Gewissenhaftigkeit der Regierung seines Staates und räume einen großen Theil des Tages der Erledigung der Staatsgeschäfte ein. Den Prunk des bischöflichen Hofstaates erklärt Pöllnitz nicht sowohl aus der Prachtliebe des Fürsten als aus den Traditionen des Würz- burger Hofes, dem sich der jeweilige Kircheufürst fügen müsse. Während der Zeit des. Carnevals erreicht das gesellschaftliche Leben Würzburgs seinen Höhepunkt: zwei- bis dreimal in der Woche versammelt der Bischof die Aristokratie bei sich zu glänzenden Gesellschaften, öfter noch zu Bällcn und Maskeraden. Der Adel andererseits veranstaltet außerdem noch mehreremale in der Woche Reunionen, bei denen gespielt und getanzt, nicht weniger eifrig aber der Flasche zugesprochen wird. Bei alledem hebt Pöllnitz den im Fürftbisthum herrschenden Geldmangel hervor, dessen Ursache er wohl mit Recht in dem Darniederliegen des Handels und der großen Zahl der Mönche und geistlichen Würdenträger erkennt. Nach kurzem Aufenthalt in Ansbach und Nürnberg macht Pöllnitz der zweiten fränkischen Btschofsstadt, Bamberg, seinen Besuch. Ueber Nürnberg äußert er sich in äußerst abfälliger Weise- er nennt die Stadt eine der langweiligsten in ganz Europa. Die Patrizier sind ihm eine lächerliche Carricatur der venetianischen Aristokratie, ihr Hochmuth übersteigt alle Grenzen und veranlaßt sie, sich von aller Welt vornehm *’ Der Allgemeine Delegirteutag der nattoualltberalw Partei tritt am künftigen Sonntag in Frankfurt a. M. zusammen. Die Partei unseres Wahlkreises wird vertreten sein durch die Landtagsabgeordneten: Buderus (Hirzenhain) und Erk (Nidda), durch die Mitglieder des Landesausschuffes der Partei: Dr. Fuhr und I. Kirch und durch drei gewählte Delegirte: Commerzienrath Heyligenstädt, Geb. Hofrath Dr. Oncken und Gutsbesitzer Schlenke. Die Beratungen beginnen um 11 Uhr im großen Saale des Saalbau und werden den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Gegenstand der Berathung wird sein: die Parteilage und vor Allem Stellungnahme zu den wichtigen Fragen der inneren Politik, die der gesetzgeberischen Lösung durch den Reichstag in dessen nächster Sitzungsperiode harren. An festlichen Veranstaltuygen sind vorgesehen am Samstag Abend Begrüßung der auswärtigen Delegirten durch den Frankfurter Wahlverein im Saale des Palmengartens, am Sonntag Abends 8Vz Uhr Festcommers im Saale des Zoologischen Gartens unter Leitung des Central-Vorstandes der Partei und Montags: eine Festfahrt nach Heidelberg. Da bereits vor einigen Tagen 430 Anmeldungen erfolgt waren, dürfte der Besuch der Versammlung ein recht ansehnlicher werden. * * Feuer. In verflossener Nacht 121/2 Uhr entstand in der Hofraithe des Oeconomen P. Kennel am Riegelpsad Feuer. Ein mit Stroh und Heu gefüllter Schober brannte nieder. Obgleich beide Feuerwehren zur rechten Zeit zur Stelle waren, konnten dieselben wegen Wassermangel nicht sofort Herr des Feuers werden. Es gelang dies erst dann, als man eine ausgedehnte Schlauchltnte nach dem Hydranten in der Ludwigstraße legte. Leider wurden auch einige Obst- bäume stark beschädigt. Brandstiftung dürfte vorliegen. * * Eine erfreuliche Erscheinung tritt gelegentlich der in der letzten Zeit in verschiedenen Theilen des Großherzogthums veranstalteten Obst- und Gartenbau-Ausstellungen zu Tage. Es wurden nämlich sehr viele Lehrer wegen hervorragender Leistungen prämiirt. Es ist für die Lehrer sehr ehrend, wenn sie in ihren betreffenden Gemeinden im Obst- und Gartenbau als nachahmungswerthe Beispiele voranleuchten. * * Postalisches. Vom 1. October ab bis 1. April werden die Po st sch alt er erst um 8 Uhr Morgens geöffnet. * * Eisenbahn Verkehr. Auf den Oberhessischen Eisenbahnen (Hauptbahnen) hat sich im Monat August gegen den gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr trotz einer Minderbesörderung von rund 3400 Personen ein, wenn auch nur geringer Einnahmezuwachs ergeben. Im Güterverkehr dagegen ist ein Einnahmeausfall von 8,21 pCt. eingetreten, welcher hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß bedeutend weniger Transporte nach weiter gelegenen Stationen (wie z. B. Zell, Alsfeld, für welche sich eine Mindereinnahme von 2500 Mk. ergibt) stattgefunden haben. Dazu gehören u. A. Futtermittel und Oelkuchen, von welchen 2200 Tonnen weniger befördert worden sind, während sich für die nur geringe Frachten einbringenden Eisensteine ein Mehr von 1100 Tonnen ergibt. — Auch die Einnahme- ergebnisse der drei Nebenbahnen sind nicht besonders günstige und ist d e bemerkenswerthe Mindereinnahme aus dem Güterverkehr der Nebenbahn Stockheim—Gedern in der Hauptsache durch die Minderbesörderung von zusammen 450 Tonnen Holz und Steinen verursacht. * * Falsche 50 Mark Scheiue. Neuerdings sind außerhalb an verschiedenen Orten falsche 50 Mark-Scheine aufgetaucht und ist von der Polizeiverwaltung in Striegau ein solches Falsifikat beschlagnahmt worden. Dasselbe ist in der Länge um 2—3 Millimeter, in der Breite um ca. 2 Millimeter größer als die ächten Noten und scheint aus zwei zusammen- geklebten Blättern zu bestehen. Die Riffelltnien haben ungleiche Abstände- der Strafsatz ist schlecht leserlich und das Feld, auf dem sich der Strafsatz befindet, ohne Schrasfirung. DaS Falsifikat hat eine leichte gelbliche Farbe, auch scheint der Controlslempel, die Nummern und die Worte „Fünfzig Mark" eine andere rothe Farbe zu haben als bei einem ächten. Beim Namen Hering in der Unterschrift zeigt der Anfangszug des H. und der Endzug des g Lücken und hinter dem Namen Merlecker befindet sich ein Punkt. Das f des Wortes „ver- zurückzuziehen. Auch der Handel und die Gewerbethätigkeit Nürnbergs war damals schon sehr stark im Rückgang begriffen - um so eifriger zeigten die Kaufleute und Handwerker sich bemüht, durch geschäfttges Complimentiren sich bei ihren Besuchern in Gunst zu setzen. Nicht ein einziges Mal, so versichert Pöllnitz, verließ er einen Kaufladen, ohne daß ihn der Besitzer, dessen Frau, Kinder und Ladendiener bis auf die Straße begleiteten und ihm für die ihrem „unwürdigen Hause" erwiesene Ehre dankten. Von dem Leben am Bamberger Hofe erhalten wir von Pöllnitz leider keine ausführlicheren Nachrichten, da der Bischof, Friedrich Carl von Schönborn, als Vicekanzler und Staatsminister des deutschen Reiches damals am Wiener Hofe verweilte. Der Reisende entschädigte sich durch den Besuch des Lustschlosses des BischosS in Pommersfelden, dem er eine begeisterte Schilderung von der berühmten Gemäldegalerie bis auf die marmornen Krippen des Marstalls herab widmet und das er über die prächtigsten Residenzen Deutschlands stellt. Mit den gesellschaftlichen Verhältnissen Bambergs erklärt sich unser Reisender sehr zuf:teden, wenn nur nicht auch hier der Trinkcomment so strenge beobachtet würde. Auch in Bamberg ist jede Visite mit einem Attentat auf die durch die Würzburger Gelage schon übermäßig strapazirte Geistes- und Körperverfassung des Barons verbunden- bei einem seiner adeligen Cousins muß er tagtäglich einen großen Pokal aus massivem Golde leeren. Nach alledem mögen wir es dem Reisenden gerne glauben, daß er erleichtert auf» athmete, als er Franken und der eigenrhümlichen Etiquette seiner geistlichen Höfe entrückt war, wenn er auch wohl oft noch gern der allzu gastfreundlichen Prälaten und ihrer durstigen Hofjunker sich erinnerte. Barometerstand. Neustadt 15 7948 [7963 Neue Essiggurken Verkauf vorauss. bestimmt. 7923 Weimer. Neue Linsen 7695 empfiehlt Rob. Stuhl, Neustadt 23. ii— 6.75 7.50 fr 3 Moskow'S 43-47 Moskow's 23-29 Moskow's 30-35 « s Thermometer: min. 4- 5° R., max. + 6l/i0 R. Hygrometer: für Kchuhwaarrnhändler unb ffonfuniücrtinf Moskow's 36—42proDtzd.^l 9.- Bekanntmachung. Bei dem Universitätsfonds dahier tonnen ca. 13 000 JC auf erste Hypothek gegen mäßigen Zinsfuß alsbald ausgeliehen werden. Gießen, den 26. September 1894. Großh. Universitäts-Rentamt. wirksam für sie zu zeichnen. Gießen, den 24. September 1894. Großh. Amtsgericht. Gebhardt. Berichtigung. Kathreiners Malzkaffee-Fabriken in Münchm theilen uns mit, dah sie auf 'der Dresdener InternationalenAusstellung für Nahrungsmittel, Volksernahrung und Armeeverpflegung auf jede Prämiirung verzichtet haben. fälschte" in der zweiten Zeile der Strafandrohung ist entern t ähnlich. Es handelt sich 'also um Nachahmungen, die als solche schon bei geringer Aufmerksamkeit zu erkennen sind. ♦» Baurath Wallot, der Meister des Reichstagshauses, unser Landsmann und Ehrendoctor der philosophischen Facultät hier, weilte letzte Woche in Stockholm, um sein Urthetl in der Platzsrage des neuen schwedischen Reichstags- und Reichsbankhauses abzugeben. Der Reichstag hat fzu diesen combinirteu Palästen 12 Millionen bewilligt, es raset aber feit mehreren Jahren ein heftiger Streit über den gewählten Platz, die „Heiliggeistinsel" in der Nachbarschaft des Schlosies. Malerisch ist er und die schönen Paläste werden sich ganz prächtig im Fjorde des nordischen Venedigs spiegeln. Ist er aber auch practisch und groß genug? Die Antwort des Herrn Wallot ist noch nicht veröffentlicht. Der Baumeister wurde in Stockholm sehr gefeiert, u. A. mit einer Festtafel, wo die Eßkarte Ansichten vom deutschen Retchstagshause und von der Heiliggeistinsel trug. — Von Stockholm begab sich Herr Wallot nach Christiania, wo zur Zeit der König weilt. Auch h.er war Herr Wallot über Einiges gefragt worden, z. B. was er von der Qualität und von den Preisen unseres so zu sagen neu entdeckten norwegischen Marmors halte. Tie heimischen Autoritäten sind der Ansicht, daß Norwegen demnächst ein Hauptlieferant dieses vornehmen Steines werden kann, weil die unermeßlich reichen Marmorbrüche in Nordland direct am Fjorde liegen und daher äußerst geringe Transportkosten erfordern. Eine Gesellschaft zum Großbetriebe der norwegischen Marmorbrüche wird jetzt begründet. 0. Au8 Oberhessen, 26. September. Im Laufe des nun zu Ende gegangenen Sommers hat sich zwar langsam, aber stetig, eine Wandlung in unserer Landbevölkerung vollzogen, die mit Freuden begrüßt werden kann,nämlich: Der Antisemitismus, oder für unsere speciellen Verhältnisse richtiger, der Böckelismus ist kleiner und kleiner geworden und befindet sich deutlich im Zustande der Agonie. Schon im vorigen Jahre betonte der „Gießener Anzeiger" häufig, daß die wüste Agitation der Böckel'schen Blätter die Leute wohl aushetzen könnte, aber einen dauernden Erfolg niemals erzielen würde. Unsere Landleute hören es nämlich recht gerne, wenn ein wenig über Regierung, Verwaltung, Beamten, Geistliche und Lehrer geschimpft wird. Folgen diesen Hetzereien und Großsprechereien aber keine entsprechenden Leistungen — wie wir es seit einigen Jahren deutlich zu beobachten Gelegenheit hatten — dann gehen selbst den einfachsten Leuten die Augen auf und sie gewinnen die Ueber- zeugung, daß es besser ist, langsam im Guten fortzuschreiten, als sich von unfähigen „K'rischern" durcheinander bringen zu kaffen. Zwar ist der Antisemi.ismus noch nicht ganz beseitigt und er wird wohl auch noch da und dort etwas von sich hören lassen. Aber seinen Höhepunkt hat er längst überschritten und besonderen Schaden wird er hoffentlich nicht mehr aarichten. Mainz, 27. September. In der gestrigen Sitzung des Schwurgerichts wurde die 24jährige Katharina Weis ans Grünstadt, die im Mai dss. Js. ihr Kind in den Rhein Neigung f. trock. Wetter. ImncrTneg: Di- pimttfrte Linie bei der Darometerscala gibt den Stand de« vorhergehenden Tage« an. (weingrün) in allen Größen empfiehlt Wilh. Kohlenmann (Filzstiefel mit Roßbesah, abgesteppte Melton - Pantoffel) sowie sämmtliche Winter - Schuhe zu sehr billigen Preisen. 7967 20". Beiss US* 12 MLuSburg 12 Frankfurter Schuhlager. Gießens größtes und billigstes Schuhlager. Bekanntmachung. Eine kleine Wohnung im Hause Sonnenstraße Nr. 26 ist alsbald zu vermiethen. Näheres über Bedingungen ist auf der Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15, zu erfragen. Gießen, den 24. September 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Georgi, Beigeordneter. 7910 Militärkleider kaum getragene, eigene, und gewöhnliche Uniform, zn verlausen. Näheres in der Exped. d. Bl. 7974 witterungra«sfichten am28. September M-ra-p? 8 Ubr (W-tt-rdäui-d-n in der Süd°nt°,«) Königt. Eisenbahn-Direction Hannover. Berdiuguug der Lieferung non 580 000 Stück Reiser- wellen in 10 Loosen für die Zeit vom 1. April 1895 bis 31. März 1896 am Dienstag den 16. October 1894, Vormittags 11 Uhr. Der Zuschlag erfolgt bis zum 12 November 1894. Bedingungen nebst Angebotbogen werden gegen postfreie Einsendung von 60 $ (nicht in Postmat ken) von uns abgegeben- Die abzuschließenden Verträge bleiben ftempelfrei Hannover, den 22. September 1894. 7884] Ma/erialien-Bueeau. Bekanntmachung. Laut Gesellschaftsvertrag vom 3. August 1894 haben: 1. Adolf Busch, Fabrikant, zu Gießen, 2. Heinrich Mylius, Fabrikant, zu Gießen, 3. Walter Weiß, Apotheker, zu Gießen unter Der Firma: „Fabrik chemisch - pharmaceutischer und eosmetischer Präparate, Apotheker Weiß u. Cie., offene Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftpflicht" , mit dem Sitze zu Gießen eine offene Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftpflicht zu dem Zwecke der fabrikationsweisen Herstellung chemisch- pharmaceutischer und eosmetischer Präparate gegründet. Die Dauer des Gesellschaftsverhältniffes ist auf zehn Jahre bestimmt, vorbehältlich der Bestimmung der Gesellschafter, die Dauer des Gesellschaftsverhältniffes über die festgesetzte Zeit hinaus bestehen zu lasten. Das Stammcapital beträgt zwanzigtausendeinhundert Mark. Die obengenannten Gesellschafter sind zugleich auch die Geschäftsführer, und ist jeder der Genannten befugt, die Gesellschaft zu vertreten und rechts- Großher^oglich BberheMche Eisenbahnen. Es wird beabsichtigt, ausgesckiedene Acten und Zeitschriften im ungefähren Gewichte von 2500 kg, etwa 750 kg gebrauchte Fahrkarten, sowie alte Einband, decken von Büchern zu verkaufen. Die Verkaufsbedingungen sind bet unserem Secretariat einzuseben, auch durch dasselbe gegen francirte Einsendung von 20 Pfg. zu beziehen. .... Angebote, welchen ein durch Unterschrift anerkanntes Exemplar der Bedingungen beigefügt sein muß, sind brs zum 10. Oktober e., Vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit bezüglicher Aufschrift versehen, hier einzureichen. Gießen, 24. September 1894. 7954 Grobherzogliche Direction. 1953] Engi. Doggenhünbt« b'llig zu verkaufen. Jean Schmidt in 8tch. Vormittags 11V« Uhr: Kinberkirche derLnkaSgemeinde. Pfarrer Nächstkünftiaen Sonntag, den 7. Ociober, wird Beichte und heil. Abendmahl für die JohanneSgemeinde gehalten werden. Katholische Gemeinde. Sonntag den |30. Sevtember. 20. Sonntag n- Pfingsten. SamStag: Nachmittags um 4’/. Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 6*|f Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; „ um 6V, Ubr erste hl. Messe; „ um 71/? Uhr AuStheiluna der hl. Communton; Vormittags um 8 Uhr zweite bl- Messe; um 9Vi Uhr Hochamt mit Predigt. NachmtttagSLurn *2 Uhr: Andacht für die Abgestorbenen. Gottesdienst in der Synagoge. SamStag, den 29. September. ... (3 Vorabend 609 Ubr, Morgens 810 Uhr, Nachmittags 4 Uhr SabbathauSgang 6« Uhr- Berei« für jüdische «-schichte und Literatur: Bleichstraße 15, Nachmittags 3 Uhr. 7737 Montag den 1. Oktober, f Vormittags 10 Uhr, zu Gießen, Seltersweg 85 (Caf6 Leppla) versteigere ich in freiwilligem Auftrage des Besitzers wegen Geschäftsaufgabe öffentlich gegen Baar: t die gefammte hochelegante Einrichtung des Caf^Leppla nämlich: 1 hochfeines Buffet mit 3 Eiskühlern und Eis- fchränken, Waffer- u. Lustdruckpumpe, 1 eleg. Büffet- schrank, 9 viereckige weiße Marmor- u. 2 runde Holz- Tische, 54 Rohrstühle, 1 Sopha, 1 Salonfpiegcl (lang), Portivren, Wollftoff- :c. Gardinen, Rouleaux, 7969] Auf die Feiertage besorge Geflügel und bitte Bestellungen frühzeitig zu machen. L. Stern, Seltersweg 31. 7985] Von heute ab täglich frischtgekelterten Aepfelmost bei Gg. Schäfer, Grünbergerflr.13. 1200 deutsche Professoren und Acrzte haben Apotheker A. 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Apotheker A.Flüggc'S Myrrbcn-GrSme, welcher von vielen Acrztcn allen Äderen Mitteln vorgezogcn wird, ist in Tuben L Mk. l.— in den ^V°Ehekcn crhallIich, doch genügt für geringes Wundscin, kleinere Berletzuugen ic. bk Tube zu 60 Ast- Dl- Verpackung muß die Pitoatoumaor 63 692 tragen- Myrrhen-LrSme ist der patenttrte ölige Auszug dcS Myrrhenharz». [5653] Neue Salzgurken empfiehlt 7904 L. Kalkhof. geworfen hatte, wegen fahrlässigen KindeSmordes''zu ändert« | halb Jahren Gefangntß verurtheilt.E '" - ' Au8 Rheiuheffeu, 27. September. In den verschiedenen Orten ist man sehr eifrig mit der Lese der Früh- burgunder beschäftigt. Die Qualität ist zufriedenstellend- der Most wiegt bis zu 86 Grad nach Oechsle. Das Viertel (18 Pfund) wird mit Mk. 2.50 bis Mk. 2.80 bezahlt. Bensheim, 25. September. Schweres Geschick hat die hiesige Familie Amzehnhof betroffen. Die einzige, 21 Jahre alte Tochter feierte am Samstag mit Herrn Dr. Schnell ans Bingen, dermalen in Heiligkreuzsteinach, ihre Hochzeit. Einige Tage verweilte das junge Ehepaar in Bingen, von wo heute die Trauerkunde kam, daß die junge Frau heute nach eintägigem Unwohlsein an einrm Herzschlag I verschieden ist. Schrffsirachvichteir. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 27.Septbr. [Per transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Spree, Kapitän W. WiMgerode, °°m Nardd. A°yd In Bremen, welcher am 18. Septdr. non Bremen und am 18. Sep br. von Southampton abgegangen war, ist gestern, 7 Uhr Abends, wohlbehalten in Newyork angekommen. ___________ Verkehr, Land- unö volkswirthschast. S. Gedern, 25. September. Der heute hier abgehaltene vierte Diehmarkt war sowohl mit Schweinen als °uck Rindvieh gut be- sabren Angefahren waren 150 bis 200 Stuck Rindvieh, meistens Rinder im Alter von «/> bis 2 Jahren. Halbjährige Mnder kosteten das Stück 110 bis 120 Mk., 1jährige 150 bis 170 Mk, 2]ährige das Stück 200 bis 220 Mk. Es wurde hierin ziemlich viel verkauft. Einjährige Stiere kosteten das Stück 130 bis 1^0 Mark. Kühe ästeten das Stück 200 bis 250 Mk., frischmelkende 260 bis 300 Mk. Saugkälber, 3 bis 4 Wochen alte, 30 bis 40 Mk. Fettes Weh war nicht vorhanden. Im Allgemeinen war der Handel in Rindvieh lebhaft, die Preise ziemlich unverändert. An Schweinen waren auf- aetrieben etwa 800 bis 900 Stück, meistens Einlegeschweine (Früh- lahrsferkel); das Paar kostete 120 bis 140 Mk. und wurde hierin fast Alle« verkauft. Secks bis 7 Wochen alte Ferkel kosteten das Paar 25 bis 35 Mk., fette Schweine das Pfund Schlachtgewicht 55 bis 57 Pfg., das Pfund Lebendgewicht 45 bis 48 Pfg. Der Handel in Schweinen war gut, die Preise hoch. Der nächste Viehmarkt findet den 15. October statt. rttrchliche Anzeige« der Stadt Giehen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst Sonntag den 30. September. 1.9. Sonntag nach Trinitatis. In der Stadtlirche. Vormittags 9*/2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderk^rche. Pfarrer Sch l o s se r Vorbereitung, dazu: Samstag den 29. September, Nach' mittags 4 Uhr in der Stadikirche. , ,, Nachmittags 2‘/i Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grein. Zugleich letzte Christenlehre für die Neuconfirmirten der Marcusgemetnde. An der JohanneLlirche. Vormittags 7»/« Uhr: Frühgottesdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der JohanneSgemeinde. Pfarrer Dr. N a u m a n n. Vormittags 9-/2 Uhr: Marrer Din gelb ey. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukasgemetade. Kleiderhalter und Ständer, Lampen, Gläser, Krüge re. » ferner 1 Eisschrank, 1 Restaura- lionsheerd, 1 Anrichte, sowie! Beapn| iMiiirn"innrmiininr n~r? ®“or‘eT I SWfisch und Cabiiau dies. Sommer angeschafft) noch | saft tägl. Zufuhr., garant. frisch u- billig neu, bezw. wie neu. i 7^3J Rebstock. Engel, 7979_______Gr. Gerichtsvollzieher. Oie xieserung von 200 Ctr. Iutterhaser für die Gießener Omnibus- Gesellschaft soll an den Mindest, fordernden vergeben werden. Angebote nebst Muster aus vor- jähriger oder diesjähriger Ernte sind dis zum 29. d. Mts. an den Vorstand einzureichen. Die Lieferung hat zur Hälfte am 1. October, der Rest am 10. Rovbr. d. I. zu erfolgen. , 7943 Der Vorstand. Wkißkraut, Hotijlirant, Wirßllg, verkauft Friedrich Coft, 7609]________________Neustadt 10. TaTSpeise-Zwiebeln per Centner 3 JL, treffen in einigen Tagen bei Gastwirh Ealer Wallthor ein. Bestellungen werden im Voraus ebendaselbst entgegengenommen. 7913 Ein Pferd für leichtere Arbeit billig abzugeben. 7977 Westanlage 36. Dermietßungen. 4043] Ostanlage 15 ist der 2. Stock, 6 Zimmer u. Zubehör, neu hergerichtet, mit Gartenantheil zu vermiethen Näheres daselbst und bei __LouiS Sellmold, Steinstraße. 4387] Ostantage »r. 40 Bel-Etage ji£ vermiethen. A. Keller. 6089] Die Parterrewohnung Grünbergerstr. 24 anderweit zu vermiethen. Wilhelm Hammel, Grünbergerstr. 27. 7109] Hammftratze 12 fteundltches Mansardenlogis, 3 Zimmer mit Zubehör, v. 1. Ociober ab zu vermiethen. 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Js., Abends S'/2 Uhr Zkamilienabend im Hotel Einhorn (Bier im Glase.) Der nach der Karte auf den 29. September c. bestimmte Familienabend fällt aus, dagegen Singstunde präcis 9 Uhr. 7975 Der Vorstand. Vermischte Anzeigen. Entflogen grüner Papagei mit rother Brust. B i'drrbrieiger erhält gute Belohnung. 7973________________Markt 17.___ Den verehrt. Kegelgesellschaften zur Nachricht, daß die baulichen Veränderungen beendet und wieder regelmäßige Kegelabende stattfinden können. Einige Abende find daselbst auch noch frei. 7950 Cafe Ebel. Die Gießener Qmnibus-Ge- fellfchaft E. G. m. b. H. verpachtet die Mitlelfenster ihrer 4 bezw. 5 Omnibuswagen zu Reclamezwecken. Angebote sind an den Vorstand zu richten. Nähere Auskunft ertheilt Fabrikant 11« I Ällirfl M Pf.. "SSM“"« I *MÜ 50 Pf. k 9 ausschließlich Bestellgeld (40 Pfennige). Letztere beiden haben den gnnzen Inhalt der Berliner Ausgabe und reichhaltige Provinz-Nachrichten, sind also gleichzeitig eine voMimdige Berliner Tageszeitung und Ein Hausbursche | vom Lande sofort gesMht. 7957 ___Kreuz 11. 7976] Suche einen Lehrling* zum sofortigen Eintritt. Tod.es - Anzeige. Gestern Morgen entschlief sanft nach langem Leiden unser innigstgeliebter Gatte, Vater und Bruder Christoph Reinhardt, Gastwirth, im vollendeten 52. Lebensjahre, was wir Freunden und Bekannten hierdurch mittheilen. Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen, den 28. September 1894. Die Beerdigung findet Samstag, den 29. September, Nachmittags 4'/z Uhr, vom Sterbehause (Frankfurterstr. No. 30) aus statt. 7980 Tanzunterhaltung. , 7906 In Zapf kommt la. Exportbier aus der Actienbrauerei Giessen. Den Empfang ihrer Neuheiten für die VOLKSBUNDSGHAU Tageszeitung für den deutschen Mittelstand. nur unter Berbandsmitgliederu, deren Angehörigen und vom Vorstand geladenen Gästen. Samstag, 29. September, Commers im Saale Danksagung. Seit 22Jahren litt ich an furchtbarem Husten und starkem schleimigen Auswurf. Stets hatte ich knoppe Luft, war kurz- athmig und litt bet der geringsten Anstrengung an heftigem, oft unerträglichen Herzklopfen. Dabei hinfällig, elend und gar keinen Appetit, so daß ich zum Scelett abgemagert war- Die beste Arznei, die mir ron üblen tüchtigen Aerztenverschrieben wurde, half leider gar nichts Die Leute sagten immer, ich hätte die Echwindficht. Die Verschleimung kriegte ich gar nicht runter von der Brust. Herr Dr. und» Bolbediug, homöpath Arzt in Düsseldorf, Königsallee 6. an den 1* mich zuletzt wandte, beilte mich mit Homöopath. Medic.n in 8 Wochen vollständig ton meinem schweren Leiden, so doß ich hiermit demselben meinen tief- g sühtt-sten Dank ausspreche. 6586 Frau Earl Urtantowski, Gerresheim, Glashütte Nr. 167. Klavierspieler hält sich zu passenden Gelegenheiten besten» empfohlen. 7982 Arno Friede, Marktplatz 20. Agenten für Trichinen» n. 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I Feier des X, Stittungs-Festes, Herbst- und Winter-Saison J »reven,uche«ve tedeu Be- M zeigen hiermit ergebenst an D ♦ • Ijouis Treff & Cie. • untell ™ Tuchhandlung. ♦ v- Abends 8 Uhr, Aest- Sonntaa, 30. Deplemvekf feier auf dem Lahn- tteiu. bestehend in Ansprache, Concert und hierauf folgender