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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße Kr.7. Fernsprecher 51. vierteljähriger Zbonnemcntsprcis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener A-amiliendlätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigelcgt. Der Kießener Auzeigtr erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Bekanntmachung. Der Durchgang vom Brandplatz nach dem Lindenplatz und umgekehrt (an den Marktlauben vorbei) für Fuhrwerk jeglicher Art und Paffanten ist bis auf Weiteres polizeilich verboten. Gießen, 28. Juli 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ___________________I. V.: Roth.__________________ Gesunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Zwicker, 1 Theil einer goldenen Kette, 1 ftade, 1 Handschuh, 1 Taschentuch, 1 Schürze, 1 Kinderkragen, 1 Arbeitsbeutel, 2 Kinderschuhe, 1 Waschzuber und Badezeug. Zugelaufen: 1 kleiner Dachshund. Gießen, 28. Juli 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: R o 1 h. Deutsches Reich. Berlin, 27. Juli, lieber die Rückkehr des Kaisers von seiner Nordlandsfahrt ist noch kein genauer Zeitpunkt angegeben, doch dürfte der Monarch in den nächsten Tagen heimkehren. — In der in und ausländischen Presse beschäftigt man sich bereits viel mit der bevorstehenden Reise des Kaisers Wilhelm nach England. Wie aus London gemeldet wird, hat sich der Flottenadmiral Cammerell nach Portsmouth und Cowes begeben, um Vorbereitungen zum Empfange des deutschen Kaisers zu treffen. Obgleich der Besuch des Kaisers privater Natur ist, wird sich der Kaiser nach Aldershot begeben, wo eine Truppenschau unter dem Herzog v. Connaught stattfindet. Zur Truppenschau soll das erste Dragoner- Regiment, dessen Ehren-Oberst der Kaiser ist, von Irland herüberkommen. Die deutsche Botschaft hat für den Aufenthalt des deutschen Kaisers Wohnung in Cowes hergerichtet. — Wie aus München berichtet wird, besuchte der Prinz- regent Luitpold am 26. Juli in Begleitung des Ministers des Innern, Freiherrn v. Feilitzsch, das von den Verwüstungen durch den Wirbelsturm betroffene Gebiet Oberbayerns. Nach einer Meldung der „Münchener Neuesten Nachrichten" hat der Prinzregent eine wettere Spende von 20 000 Mk. zu Gunsten der Geschädigten gespendet. — lieber die bekanntlich noch schwebenden Steuerprojecte der Reichsregierung wird osfictös bemerkt, daß, wenn jetzt in der Presse das Gerücht auf tritt, als ob die Reichsregierung für den wahrscheinlichen Fall einer Ablehnung der Tabaksteuer schon setzt eine Vorlage wegen Erhöhung der Brausteuer vorbereite, so ist diese Angabe jedenfalls in dieser Form nicht richtig. Die Retchsregierung glaubt sicher nicht daran, daß die Erhöhung der Tabaksteuer im Reichstage nicht durchzusetzen sein werde. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß dies wahrscheinlich schon im ersten Anlaufe, jedenfalls aber unter Zuhilfenahme der auf dem Gebiete der Landessteuer liegenden Zugmittel gelingen wird. , Ausland. — Die leidige Zoll-Taris-Angelegenheit kommt im Senate zu Wafhingtoa nicht vom Flecke. Seitens eines Theiles der demokratischen Senatoren wurde der Beschluß gefaßt, die Tarifvorlage der interparlamentarischen Commission ohne Instructionen zurückzuschicken, jedoch mit der Bedingung, daß die Commission von dem Zuckerzoll in der Höhe von t/8 Prozent abstehe. Da derselbe keine Mehrheit hinter sich hat, ist er indessen zunächst werthlos. Seltsamer Weise stößt das Bestreben des Präsidenten Cleveland, in der Zollsrage zu vermitteln, auf Widerstand in den Rethen einzelner Parteigenossen. Der demokratische Senator Gorman erklärte Clevelands Schreiben für eine Verfaffungsverletzung und forderte den Senat auf, der Tyrannei des Präsidenten ein- müthigen Widerstand entgegenzusetzen. Später ergrffs'Senator Hill daS Wort. Er sagte, der Senat müsse in der Taris- Bill Zugeständnisse machen. Das Repräsentantenhaus habe die Massen der demokratischen Partei hinter sich. Präsident Cleveland habe in seinem Schreiben an Wilson in keiner Weise die Verfassung verletzt. Darauf beantragte der demokratische Senator Caffery, die Conferenz - Commission möge einen neuen Entwurf ausarbeiten, wonach die Zuckerprämie einstweilen dieses Jahr unverändert beibehalren würde. Der Antrag sand aber keine Annahme. Neueste NachktHteiir. WolffS telegraphische« Correspondmz-Bureau- Königsberg i. Pr., 27. Juli. Um 9 Uhr Vormittags setzte sich der Festzug der Studirenden und alten Herren von der Universität nach dem Dome in Bewegung, woselbst der Festactus stattfand. Prinz Friedrich Leopold traf um 10 Uhr ein. Nach einem Gesang begrüßte der Rector die Versammlung, hierauf folgte die Festrede des Prorectors, sodann die Verkündigung der Ehrenpromotionen durch die vier Decane. Zu Ehrendoctoren wurden unter anderen ernannt: Oberpräsident Graf Stolberg, Ober« präfi)ialrath Maubach, Reichstagspräsident von Levetzow, Kanzler Holleben, Unterstaatssecretär Weirauch, Staatsanwalt von der Trenk, die Professoren der Kunstakademie: Schmidt, Heydeck, Profefforen Neumann-Königsberg, Bogdanow-MoSkau, Kohlrausch-Straßburg, Victor Meyer-Heidelberg, der frühere Kciegsminister Verdy du VernoyS. Die Feier schloß um 12 Uhr. Um 1 Uhr fand die Grundsteinlegung der Palestra Albertina, um 4 Uhr das Mittageffen beim Rector in Anwesenheit des Prinzen statt. Abends Commers. Coburg, 27. Juli. Der Fürst von Bulgarien nebst Gemahlin und Mutter reisen um Mitternacht von hier ab. Kopenhagen, 27. Juli. Prinz Heinrich ist an Bord der „Sachsen" eingetroffen. Der König und die Prinzen, sowie der deutsche Gesandte begaben sich um 12 Uhr auf der Königsschaluppe nach der „Sachsen" zur Begrüßung des Pristzen und eine halbe Stunde später nach dem Landungsplätze zurück, wo eine Ehrencompagnie aufgestellt und die obersten Hof- und Staatswürdenträger anwesend waren. Prinz Heinrich fuhr nach der Landung mit dem Könige und dem Prinzen Waldemar nach dem Palais, um die Königin zu begrüßen. Darauf besuchte er das Kronprinzenpaar. — Um VI4 Uhr traf König Oscar von Schweden und Nor- wegen an Bord des Königsschiffes „Droti" hier ein und wurde vom König, der königlichen Familie, dem diplomatischen Corps und den Spitzen der Behörden empfangen. Lyon, 27. Juli. Der Casokellner Morel wurde wegen Theilnahme an den Plünderungen nach der Ermordung CarnotS zu fünfjährigem Gefängntß verurtheilt. Loudon, 27. Juli. Unterhaus. Buxton erkürte, von den britischen Vertretern in Peking und Tokio seien Telegramme, dattrt 26. Juli Abends, über die Unterhandlungen zur Aufrechterhaltung deS Friedens eingetroffen- somit ist zu jenem Zeitpunkt noch von keiner Seite eine Kriegserklärung erfolgt. Loudon, 27. Juli. Bis heute 10 Uhr Vormittags war weder bei dem chinesischen noch bei dem japanischen Gesandten die offizielle Nachricht von einer Kriegserklärung eingegangen. Petersburg, 27. Juli. Das heutige Gesetzblatt enthält eine Verordnung, betreffend die Erhöhung der Steuer auf Einkommen von Eisenbahnactien über die Garantie hinaus auf 5 pCt., und eine Verordnung wegen Ermäßigung der Kronsteuer von Eisenbahn - Paffagier - BilletS und Etlgut- fcachten. Feuilleton. Auf Wiedersehen! Von Fr. Baumann. (Nachdruck verboten.) Es war ein Sonntag Nachmittag. Er stand am Eingangsthor des riesigen Krankenhauses der Weltstadt. Ein Fuhrknecht wars, ein schlichter Mann mit schwieliger Faust, im groben Arbeitsrock. Schüchtern trat er ein, nahm den schmutzbedeckten Hut in seine Hand und wandte sich an den dienstthuenden Thürhüter. — „Sanct Anna-Saal . . . Bett 73 . . . Im dritten Hof, die zweite Thür links . . ." Wohl war der Frager verwirrt durch die Reihe von Angaben, aber dennoch wagte er es nicht, dieselben wiederholen zu laffen, die mit blanken Knöpfen besetzte Uniform deS Thürhüters, fein barsches Wesen schreckten ihn ab. Dazu drängten sich hinter ihm Hunderte von Leuten, die der Sonntag zum Besuch ihrer Kranken herführte. So schritt er voran, trat in den Garten, in die Höfe seinem Ziele zu. Heller Sonnenschein umhüllte das alte Gebäude und nahm die Traurigkeit hinweg, die sich sonst in seinen Mauern widerspiegelte. Die frischgrünen Rasen im Hofe erheiterten das Bild, die Bäume zeigten lebensvolle Triebe und ein Springbrunnen plätscherte luftig inmitten des Raumes. Fern unter dem Säulengang sah man Frauen und Mädchen, alle weiß geschürzt, mit den mannigfachen Dienftverrichtungen des Hauses beschäftigt. Zwischen ihnen, ihre Anordnungen ertheilend oder zur Eile mahnend, die religiösen Schwestern, die den Krankendienst der Anstalt leiteten. In einem Fenster bemerkte man die Köpfe einiger jungen Hilfsärzte. Dieselben rauchten munter ihre kurzen Pfeifen und riesen eins der eben vorüberschreltenden Dienstmädchen mit neckendem Zuruf an. Lachend gab dieses das Scherzwort zurück und zeigte hierbei zwei Reihen Prächtiger Zähne in einem von Gesundheit strotzenden Gesicht. Das machte unserem Fuhrmann Muth und er fragte: „Wo ist der Sanct Anna-Saal?" Sie begleitete ihn etwa hundert Schritte weit und wies ihm von fern den Treppenaufgang zu genanntem Saale. Mit schweren Schritten, wie mit Pferdehufen, die tief in den leichten Kies der Hofwege etnbrangen, schritt der Mann weiter. Nicht nur die Müdigkeit, auch der Alkohol machte seine Beine so schwer. Seit einem Jahre, seitdem seine Frau ihm gestorben und er mit seinem zwölfjährigen Jungen allein war, sprach ihm sein Heim, sein HauS nicht mehr an. Wenn der Junge im Spiel die Rückkehr vergaß, fand er selbst das kärgliche Mahl nicht vorbereitet. Auch das Bett wurde nur selten noch frisch ausgemacht. Eine unendliche Traurigkeit füllte die Hütte, die stumme Melancholie der Räume, in denen Niemand uns erwartet. Da hatte er denn im Wirthshause Standquartier genommen. Dort brachte er lange Stunden zu und oft verließ er die Schänke erst zu vorgerückter Nachtzeit, bezecht und schwankenden Ganges, um sich auf das Lager zu strecken, auf dem fein einziger Junge Franz schon schlief. Wieder faß er eines Abends nach beendetem Tagewerk in der unheilvollen Schänke, manches Glas schon hatte er geleert, da plötzlich erschien ein Eilbote des Pvlizeicommissars seines Wohnbezirks, um ihn zu suchen. Ein großer Bierwagen hatte seinen Knaben, der inmitten der Straße spielte, überfahren, die schweren Räder waren über den Körper des Jungen hinweggerollt. Das war vor acht Tagen geschehen, an einem Montag. Heute war Sonntag, der Ruhetag, und der Vater kam, um dem verunglückten Kinde seinen Besuch im Krankenhause ab- zustatten. Vor der Schwelle der Glasthür des großen Saales angelangt, blieb er zögernd stehen. Das blendende Weiß der Betttücher und Fenstervorhänge beängstigte ihn, der Anblick des im Glanze der Nachmittagssonne liegenden, fast reich ausgestatteten Saales hielt ihn zurück. Da er sich nicht von der Stelle bewegte, hatte eine der dienenden Schwestern sein geängstigtes Gesicht hinter den Scheiben der Glasthüre bemerkt. Sie näherte sich ihm. „Wünschen Sie einen Kranken zu besuchen?" Er hielt seinen Hut, der wie seine Blouse abgenutzt und farblos war, in seiner Hand, die Lippen bebten im vernachlässigten Barte. „Ich suche Nummero 73." Die Schwester wandte sich um und wies auf das letzte Bett der langen Reihe. „Nummero 73? Das ist das Kind, welches überfahren wurde?" Sie sah den Besucher fragend an, dann fügte sie hinzu: „Ist es Euer Sohn? — Es geht ihm nicht gut." Ernst und stumm nickte der Ankömmling mit dem Haupte. „Sie werden ihn wohl kaum bei Besinnung finden- da er zu große Schmerzen erduldete, hat der Arzt Morphiumeinspritzungen gegeben, die Qual zu mildern." Als der Besucher immer noch sprachlos auf dem Platze blieb, fuhr sie fort: „Ist seine Mutter nicht mitgekommen?" Da antwortete Jener: „Sie ist tobt." „Nun, so gehen Sie zu ihm hin, aber ^sprechen Sje nicht zu viel mit ihm." Dann fügte sie ganz leise bie Worte hinzu: ' „Und sagen Sie ihm Adieu!" (Schluß folgt.) Depeschen beS Bureau »Herold^. Berlin, 27. Juli. Die Hu ldtgungsfahrt von Männern aus der Provinz Posen nach Varzin findet voraussichtlich im ersten Drittel deS September statt. Fürst Bismarck soll eine Huldigungsadresse überreicht werden. Die HuldigungSfahrt soll keine Demonstration irgend einer Partei sein. Berlin, 27. Juli. Die heutigen Morgenblätter wußten von einer Explosion zu erzählen, die in der Nähe des Brandenburger Thores stattgefunden haben sollte. Die Sache hat sich dahin aufgeklärt, daß zwei junge Burschen mit einer Flasche, welche Schießpulver enthielt, spielten und dabei das I Schießpulver explodtrte. Der eine der beiden Burschen wurde ! durch Glassplitter an beiden Händen und Oberschenkeln, so- I wie am rechten Arme schwer "verletzt und liegt vernehmungs- j unfähig darnieder. Der andere ist noch nicht ermittelt. Berlin, 27. Juli. Die Commission zur Berathung der I Maßregeln gegen die Cholera ist nicht heute zu- I sammengetreten, sondern gedenkt erst am 1. August Vormittags I ihre diesjährige Thätigkeit wieder aufzunehmen. Hamburg, 27. Juli. Die Verbreiter eines in den letzten Tagen von Anarchisten herausgegebenen Flugblattes sind zum Theil verhaftet worden, während auf die übrigen die Polizei noch fahndet- es soll gegen dieselben die Anklage auf Hochoerrath erhoben werden. Hamburg, 27. Juli. Der „Hamburger Börsenhalle" wird aus Hongkong telegraphirt, daß der Krieg zwischen China und Japan thatsächlich ausgebrochen ist. Wien, 27. Juli. Der „Poltt. Corresp." wird in einer offiziösen Zuschrift aus Sofia gemeldet, daß die bulgarische Regierung zwar einer Aussöhnung mit Rußland geneigt sei, daß die Initiative aber von Rußland ausgehen müsse. Zu irgend welchen Concessionen sei Bulgarien nicht bereit. Wien, 27. Juli. Nach der furchtbaren Hitze der letzten Tage ist heute Nacht ein vollständiger Umschwung eingetreten. Nach einem heftigen Gewitter ist die Temperatur von 35 auf 12 Grad gesunken. Paris, 27. Juli. Die Publication der Verhandlungen des Prozesses Ca serio ist den Blättern verboten worden. Nar die Anklageschrift und das Urtheilsverdict dürfen ver- vstentlicht werden. Paris, 27. Juli. „Gaulois" meldet, der Vertheidiger Caserios, Dubreutl, werde nachweisen, daß Caserio an Fallsucht und Hysterie leidet und daß mehrere Mitglieder seiner Familie im Jrrenhause gestorben sind. Paris, 27. Juli. Der Anarchist Meunier wurde vom Schwurgericht in allen Fragen schuldig befunden und zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und Deportation nach Neu- Caledonien verurtheilt. Paris, 27. Juli. Bezüglich der Annahme des An ar- | chiftenges.etzes sagt der „Figaro": Vielleicht wird das Gesetz ein gutes Mittel gegen die Anarchisten, aber wir bezweifeln es. Die Anarchie hat tiefere Wurzeln, als oberflächliche Politiker glauben. Wir Journalisten müssen Privilegien auf dem Altar des Vaterlandes niederlegen; aber dieses Opfer wird uns das Recht geben, von der Regierung Direc- tiven zu verlangen, woran wir bisher nicht gewöhnt waren. Paris, 27. Juli. Das Anarchistengesetz hofft man im Senat rasch durchzudrücken. Heute begann die Berathung mit einer Rede Floquets gegen dasselbe. Paris, 27. Juli. In Lepuy sind sechs Glasarbeiter, welche öffentlich die Mordthat Caserios verherrlicht hatten, verhaftet worden. Loudon, 27. Juli. Der in Manchester tagende Arbeiter-Congreß der Textilbranche beschloß, an die Regierungen aller Länder das Ersuchen zu richten, den Achtstundentag einzusühren. An die Arbeiter aller Nationen ergeht die Aufforderung, zur Erreichung dieses Zieles mit allen Mitteln und Kräften zusammenzuwirken. Petersburg, 27. Juli. Die Cholera nimmt ungeheure Dimensionen an. In den Kirchen werden zur Abwendung der Epidemie Gebete abgehalten. — Die Einweihung des Schwan-Denkmals auf dem Gießener Friedhöfe. 2 7. Juli 1 89 4. E. M. Gerade ein Jahr ist verflossen, daß sich über der sterblichen Hülle des jungen Forschers, den Geburt, Heimathseindrücke und erste Jugendjahre fest mit der Stadt Gießen verknüpfen, der Hügel wölbte und die Zeichen letzter Ehrung auf ihn niedersanken. Und gestern hatte die erstmalige Wiederkehr des Todestages abermals eine kleine Trauergemeinde um seine stille Gruft versammelt, die in andächtig - wehmuthsvoller Stimmung der Errichtung eines Denksteins beiwohnen wollte, den treue Freundesliebe dem Verstorbenen gewidmet. Zu Häupten des Grabes erhebt sich jetzt ein Obelisk aus Granit mit einer eingelassenn Bronce- tasel, die, gehalten von Lorbeer- und Palmenornamenten, den Namen, Geburts- und Todesjahr des Verblichenen trägt mit dem Zusatz: Gewidmet von seinen Gießener, Berliner und Jenaer Freunden. Das Denkmal macht einen schlichten, vornehmen Eindruck und legt beredtes Zeugniß ab von dem Geschmack und der Pietät Derer, die sich bei Entwurf und Herstellung betheiligt haben. Ausgegangen ist die Denkmalsidee von dem Kreis der Freunde Schwans und hat dann im „Berliner Hessen- Abend", in welchem sich ein Comite für die Angelegenheit bildete, sehr bald seine Aussicht auf Verwirklichung gewonnen. Eduard Schwan schließt sich im Leben wie im Tode der kleinen Zahl jener Männer an, deren Verdienste auf dem Gebiet der Sprachforschung gerade dem Hessenlande Ruhm und Beachtung eingetragen haben. Die Gebrüder Grimm und Friedrich Diez, die Schöpfer der Germanistik und Romanistik, sie waren Hessen. Und der junge Mann, der so erfolgreich an dem von Friedrich Diez begonnenen Riesenwerk ■ der romanischen Philologie weiter zu arbeiten berufen war, ; Eduard Schwan, ist von Gießen ausgegangen und hat hier jene belebende und befruchtende Geistesatmosphäre, wie sie sich unter der Nachwirkung großer Vorbilder zu erzeugen pflegt, zuerst eingesogen. Es ist hier nicht der Ort, einen kritischen Rückblick auf die philologischen Arbeiten Eduard Schwans, mit welchen er sich aufs Ehrenvollste in den Kreis der Fachgcnossen einführte, zu werfen, aber es darf wohl noch betont werden, daß sich in seinen größeren, umfassenden Studien sowie in den durch momentane Anlässe hervorgerufenen Gelegenheitsarbeiten das Bild eines rüstig vorwärts strebenden, lernbegierigen und mittheilungsfähigen deutschen Gelehrten offenbart, der auch die Gabe zur Popularisirung seiner Wissenschaft besaß, wie solches hervorgeht aus der kleinen Portrait- skizze „Bertram de Born" und dem einst auf dem Gießener Phrlologentage gehaltenen Vortrag über „Die Geschichte des mehrstimmigen Gesangs und seiner Formen in der französischen Poesie des 12. und 13. Jahrhunderts." Die kleine anspruchslose Feier, die sich in der vierten Nachmiitagsftunde des 27. Juli um das einfache Denkmal und die mir Lorbeerbäumen und Tannenzweigen geschmückte Ruhestätte herum vollzog, trug, obwohl etwa 50 Personen sich eingefunden haben mochten, einen durchaus intimen Charakter. Niemand war von Amtswegen irgend welcher osficiellen Verpflichtungen halber erschienen, alle hatte ein persönliches Bedürfniß hergeführt. Das gerade verlich dem Augenblick seine besondere Weihe. Den Vormittag über hatte es In Strömen geregnet, gegen drei Uhr aber fing es an, sich aufzuhellen, und die Theiluehmer am ernsten Actus standen unter einem leicht verschleierten Himmel, dessen müdes Grau besser als grelles, prickelndes Sonnenlicht zu der Stimmung des Ganzen paßte. Am Arm eines Freundes des verstorbenen Professors erschien die tiefgebeugte Mutter, die selbstredend nicht fehlen wollte bei der den Manen ihres Sohnes veranstalteten würdigen Gedächtnißfeier. Alsbald setzte ein aus den Freunden des Verewigten gebildetes Männerquartett klar und voll ein und gab die Weihe der Töne zu dem ernsten Wort. Sodann trat Herr Prof. Wilh. Will aus Berlin an den Denkstein heran und entwickelte in kurzer, aus dem Herzen gehenden und zum Herzen dringenden Ansprache die hervortretendsten Züge im Charakterbilde des Verstorbenen. Ausgehend von dem Gedanken, daß hier die Sichel des Todes ein Leben hinweggeschnitten habe, dem die Frucht des Herbstes nicht mehr beschieden sein sollte, verweilte der Redner zunächst bei dem Glück der Jugend, das dem früh Dahingeschiedenen gelacht, bei seinem gedeihlichen Studiengange auf der Straßburger Universität, seiner Habilitirung in Berlin, seiner ehrenvollen Berufung nach Jena. Da die Beurtheilung der wissenschaftlichen Thätigkeit Schwan's nicht in des Sprechers Fach schlägt, ging derselbe auf die Eigenschaften des Menschen über, in diesem den guten, liebevollen Sohn, den tüchtigen Patrioten, der sich die Förderung gemeinnütziger Zwecke (so z. B. die Einrichtung der freiwilligen Krankenpflege im Kriege) allzeit angelegen sein ließ, und den treuen Kameraden betonend und schloß mit den Worten, daß der Denkstein, der an diesem Tage Eduard Schwan errichtet worden sei, nur ein Sinnbild des Denkmals sei, das der Verstorbene sich längst selbst im Herzen seiner Freunde gesetzt habe. Herr Professor Will sprach anfangs leise, mit leicht vlbrirender, aber doch gut vernehmbarer Stimme, dann aber erstarkte seine Rede unter dem Eindruck des Augenblicks und hob sich zu kräftigeren Accenten. — Es war der Freund, der dem Freunde einen Nachruf widmete! Als Professor Will geendet, trat ein junger Mann herzu und legte einen prachtvollen Lorbeerkranz im Namen der Gesellschaft „Kloster" am Sockel des Denkmals nieder. Weitere Kranz- und Blumenspenden schlossen sich an. Zum Schluß trug noch das Männerquartett ein Lied gehaltener, sanfter Trauer vor, und dann löste sich allmählich die Versammlung auf. Wir nahmen Abschied von dem friedlichen, stillen Ort, ganz erfüllt von der Wahrheit des Dichterausspruchs: „Begrab' Dein eigen Leben Zn Andrer Herz hinein, — L>o wirst Du — und wärst Du ein Todter — Ein ewig Lebender sein!" Localer Provinzieller Gießen, den 28. Juli 1894. * * Ans dem Justizdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, die Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Dr. Heinrich Schmidt, Richard Stephan, Wilhelm Bücking und Karl Pfannmülller zu Landgerichtsräthen bei diesem Gericht, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein Ludwig Bötticher zum Oberamtsrichter bet diesem Gericht zu ernennen. * * Ernannt wurden: Heinrich Keller in Gießen zum Hausbeschließer am Justizgebäude daselbst, ter Kanzleidiener bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Jonas Becker zum Hausbeschließer am Justizgebäude in Mainz. * * Platzgebühr betr. Von Großh. Handelskammer ging uns nachstehende erfreuliche Mittheilung zu: Die bei den Durchgangzügen (sogenannten D.-Zügen) zu entrichtenden Platzgebühren werden, wie der Großh. Handelskammer auf die Eingabe vom 29. August v. I. eröffnet wird, vom 1. September d. I. ab im Falle der Benutzung dieser Züge auf Strecken von nicht mehr als 150 km auf die Hälfte der heutigen Gebühren, d. i. 0,50 Mk. für die 3. Klasse und 1 Mk. für die 2. und 1. Klasse, herabgesetzt. Den weitergehenden Wünschen kann nicht entsprochen werden. Der Minister der öffentlichen Arbeiten. * * Refidenzbrief. Wegen Verhinderung unseres Corre- spondenten muß der dieswöchentliche Residenzbrief ausfallen. ** Militärisches. Mit der heurigen Reservistenentlassung' wird die seit dem Vorjahre für alle Waffen, mit Ausnahme der Cavallerie und reitenden Artillerie, zur Einführung gelangte zweijährige Dienstzeit vollständig zur Durchführung gelangt sein. Mit der nach den Manövern stattsindenden Reserve - Entlassung werden die Mannschaften des Jahrgangs 1892 und auch der Rest des Jahrganges 1891,. welcher wegen des Uebergangsstadiums noch präsent war, zur Reserve übertreten. ** Der Getreidemarkt. Bis Ende voriger Woche wurde in Europa der Getreidemarkt meistens noch von den Zweifeln an der diesjährigen vom Wetter wenig begünstigten Ernte beherrscht. Infolge des feit acht Tagen vorzüglichen Erntewetters unterliegt es aber keinem Bedenken mehr, daß auch die neue Ernte mindestens mittelgut, zum Theil sogar sehr gut sein wird. Dazu kommt, daß die amerikanischen Märkte wegen Mangel an Absatz große Flauheit zeigen, weshalb der Getreidemarkt wieder niedrigere Preise zeigte. Weizen kostete 130 bis 140 Mk. pro 1000 Kilo (20 Centner), Roggen 110 bis 118 Mk., Gerste 100 bis 170 Mk., Hafer 130 bis 160 Mk. je nach Qualität. M. W. Aus der mittleren Wetterau, 26. Juli. Die erste Hälfte der vierten Juliwoche brachte uns eine so außerordentliche Hitze, daß sämmtliche Getreidearten mit Gewalt der Reife entgegengetrieben wurden. Man hat bei uns nicht blos Korn, Gerste und Weizen, sondern sogar schon Frühhafer geschnitten. Die Hitze trieb alle Spelzen und Hülsen der Getreidekörner auseinander, so daß es knisterte und platzte, wohin man sich auch wandte. Die ganz abnorme Hitze brachte Ohnmächten und UebelEeiten, also leichte Fälle von Sonnenstich, unter den Feldarbeitern hervor. Wir erlauben uns auf ein äußerst einfaches, billiges und leicht erreichbares Mittel hinzuweisen, welches die höchst nachtheiligen Wirkungen der übermäßigen Hitze besonders vom Kopfe abhält. Man lege sich von Zeit zu Zeit das Blatt von einer Dickwurzel, Zuckerrübe oder Weißkraut in die Kopfbedeckung und wird alsbald den kühlenden, sehr wohlthätigen Einfluß des Blattes finden. — In der vergangenen Nacht (vom 25. bis 26.) tobten zahlreiche Gewitter bei uns. Zwei Stunden lang, von 10 bis 12 Uhr Nachts rollte der Donner unaufhörlich so heftig, daß mitunter Wände, Thüren und Fenster erzitterten. Eine gewaltige electrische Entladung war die Folge, der Himmel schien zuweilen ein grünes, gelbes und blaues Feuermeer zu sein. Schwere Gewitterregen und Sturm, der Schaden an beladenen Obstbäumen an- richtete, folgten sich bis zum Tagesanbruch. Heute ist es erträglich kühl, aber die menschlichen Wohnungen sind noch durchglüht, wie die Backstuben. Die Gewitterregen der vergangenen Nacht scheinen sich zu einem Landregen znsammen- zu ziehen, die dem liegenden Getreide großen Nachtheil bringen würden. — In den drei heißen Tagen vom 23. bis 25. Juli wurde eine Masse Halmgetrei de gebunden und aufgekegelt. Das Binden in kleinen Garben, wie es der „Gießener Anzeiger" in einem früheren Jahrgänge beschrieb, gewinnt immer mehr Boden. Man hat das Getreide dieses Jahr gar nicht lagern lassen, sondern band cs nach dem Abschneiden sogleich in Garben. Dies empfiehlt sich aber nur dann, wenn das Getreide vollständig unkraut- rein ist. — Das Frühobst: Pflaumen, Mirabellen, Frühbirnen und Aprikosen ist zum Theil ganz reif und wird in den Handel gebracht. Auch die Haustrauben sind sehr vorangegangen; bei ihnen zeigt es sich, daß die rauhe Witterung zur Blüthezeit vielfaches Durchfallen zur Folge hatte, die Gehänge sind mitunter recht zahnlückig geworden. N. Aus dem Decauate Nidda, 26. Juli. Obgleich am gestrigen (25 er.) Tage die Hitze ihre größte Höhe erreicht hatte, war unsere D ecanatscon f er en z doch sehr zahlreich besucht, denn die Amtsbrüder erschienen aus allen Gegenden, meistentheils zu Fuß, — wo keine Eisenbahn ober Poft zu benutzen war — weil die Landleute ihre Fuhrwerke bei den Erntearbeiten nicht entbehren konnten. Nachdem die Gegenstände der Tagesordnung erledigt waren, fand ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, das durch interessante Unterhaltung gewürzt war. Gegen Abend, nachdem es kühler geworben, sollte der angenehme Tag durch eine Kegelparthie beschlossen werden, sie kam aber aus einem wichtigen Grunde nicht zu Stande, nämlich : der Kegelbub strikte, was allgemeine Heiterkeit erregte. § Bermuthshain, 26. Juli. Ein Geschäftsmann aus Gießen war dieser Tage hier und erkundigte sich nach dem Erfinder des Holz-Fahrrades, Sebastian Volz. Nachdem er sich über dessen Familien - Verhältnisse erkundigt und von seinen Talenten überzeugt hatte, schenkte er ihm 100 Mk., welchen Betrag er zu nützlichen Zwecken verwenden soll- er versprach auch noch dafür besorgt zu sein, daß die Talente dieses jungen, sehr fleißigen, aber mittellosen Mannes zur Geltung gebracht werden. Aus dem Kreis Alsfeld, 27. Juli. Die afrikanische Hitze am verflossenen Montag und Dienstag — das Thermometer zeigte schon morgens 8 Uhr 20 Grad R. — hatte vorgestern ungemein heftige Gewitter im Gefolge. Besonders stark und fast ununterbrochen folgten die electrischen Entladungen in der Nacht auf gestern. Mehrfach fanden, wie schon anderseits gemeldet, Blitzschläge statt. Dem Gewitter ist seit gestern ein fast ununterbrochen niedergehender Landregen gefolgt, welcher der im Anfang stehenden Kornernte schweren Schaden zu bringen droht. § Vom höheren Vogelsberg, 26. Juli. Die Heu-Ernte hier ist in der Hauptsache beendet worden, dagegen steht noch meistens das von den Landwirthen ersteigerte Heugras aus. Im Allgemeinen ist es eine gute Mittel - Ernte zu nennen. Der Ertrag der besseren Wiesen war meistens sehr gut, derjenige der geringeren einmütigen Wiesen dagegen nicht befriedigend, obwohl man Anfangs auf eine sehr gute Heu- Ernte gehofft hatte. Die Witterung ist seit letzter Zeit eine sehr ausgezeichnete. Das Korn geht seiner Reise entgegen, < da die seitherige Witterung dieselbe sehr beschleunigt hat. den 25. Jult. Pfü 24 48 22 44 20 40 60 1 2 1 2 3 1 1 2 1 2 1 2 3 Merkmale: 1. Die versiegelte Flasche. 2. der Name „Zach erl"- Zu haben, wo Zacherlin- Placate ausgehängt sind. 2584 Brodpreise vom 29. Juli bis 12. August 1894. Ter hiesigen Bäcker. Temperatur der Lahn und der Luft nach Re.umur gemessen am 28. Juli, Mischen 11 und 12 Uhr. Wasser 15, Lust 18°. Rübiamen'iche Badeanstalt. 24 Pfg. 25 „ 48 „ 50 „ 22 „ 44 w 20 w 40 „ 60 „ 23 Pfg. V erfrischtes * Berlin, 27. Juli. Die Fahrlässigkeit zweier Dienstmädchen hat über die Familie eines Regterungs- baumeisters, die zur Zeit in Heringsdorf weilt, schweres Leid gebracht. Die beiden Mädchen wollten eben tut Kind im Kinderwagen die Treppe hinauftragen, als der Briefträger hinter ihnen her kam. Kaum seiner ansichtig, ließen sie Kind und Wagen im Stich, um etwanige für sie bestimmte Sendungen in Empfang zu nehmen. Der Wagen rollte die Treppe herunter, das Kind fiel heraus und blieb tobt. * Gifhorn, 26. Juli. Bei Wollersdorf im Kreise Büchen gerieth beim Roggenmähen der Arbeiter Leip mit seinem Lohn in Streit und wurde von diesem mit der Sense durchschnitten. Der Tod erfolgte sofort. * Ei» Ausstelluugsdieb. In der türkischen Abtheilung der Antwerpener Ausstellung wurde an einem der jüngsten Abende ein dort als Verkäufer thätiger Italiener verhaftet, der Schmucksachen im Werthe von 15—20 000 Frs. aus der italienischen Abrheilung gestohlen hatte. Die gestohlenen Gegenstände fand man noch in seinem Besitz. Johannesgemeinde. Den 25. Juli. Johannelte Pimper, geb. P'Mper,. Wtttwe: des Schneidermeisters Gustav Pimper, alt 59 ^ahre, starb den 23. Jult. Land- und Volksroirthschaft. •Ufteti. 28. Juli. Marktbericht. n »us dem.heutigen «ochenmcnckt kostete: Butter vr- M. * 0,90-1,1^ 1 Stück0 X 2 Stück 11-13 4, Mepr. 6t. 5-8 X «gge pr. St- 3 X Lrbsen pr. Liter 17 X Änsen pr. Mer 28 X Tauben pr. Paar Ji 0,80-1,00, Hühner pr- Stück.^t l, 10--1,50, zahnen pr. St- -ü 0,50-1,20, Enten pr. St-^ 1/70 bis 1'?0. Ochsevflett^ pr. Pfd. 74-78 X Kuh- u. Rindfleisch pr. Psd. fleisch pr. Md. 60—70 X KaLsteiscy pr. Pfd. 60-86 ^, Hammel fleisch pr. Md. 58-68 X Kartoffeln pr. 100 Mlo 6,90-10'00 Lettzkrcml pr. Stück--X Zwiebelt pr. Eentner 9,00—10,00 ^ , 'Mch px. 16 20 L, Enteneier 2 St. 11 X Gänseeier 10 Kirschen pr. Pfd. 8-12 X_ Selbilgestrichener Iußboden. Beim Anbruch des Sommers erscheint es angebracht, nur den I Selbstanstrich der Fußböden Hinz weisen. Es ist eine ung-.metn leichte Sache, sich seine Fußböden selbst zu streichen, wenn man di- wenigen nolhwcndigen Dorbedirgungen genügend b"ucksichligle Sauberer trockener Fußboden, sowie möglichst dünner Anstrich smd unerläßlich, um die Farbe eine leichte und haltbare Verbindung mit den zu streichenden Dielen eingehen zu lassen. Nach dem Trocknen des ersten Anstrichs mutz unbedingt ein zweiter folgen, der stets genügende Deckkraft heroorbringt. So wird es möglich, datz die Farbe von unten und oben trocknet, und ist ein Abblättern des Anstrichs ncchr zu befürchten, wenn derselbe sonst aus ^em Material I hergestellt ist. Hier aber liegt der wunde Punkt. Als streichrechte Fuhbodenfarben werden viele Producte in den Handel gebracht unter den verschiedensten Namen, und wird es daher dem Privatmann oft recht schwer gemacht, richtig zu wählen, denn ihm liegt £n einer haltbaren, sowie schnelltrocknenden Farbe, die möglichst gleich den entsprechenden Theil Lack enthält. Erfahrungsgemäß aber sind das zwei schwer vereinbare Factoren. Alle Spritlackfarbem — genannte Fußbodenglanzlacke — besitzen wohl die löbliche Eigenschaft des Schnelltrocknens, können aber das Abwaschen nicht recht vertragen, da sie blind dadurch werden, und sind sehr wenig haltbar, immer zu spröde. Gewöhnliche Oellackfarben wiederum^™^e^ jam, obgleich das im Allgemeinen nur für ihre Haltbarkeit spricht, denn das zeugt von hohem Fettgehalt des ^ckes. Man begnüge sich daher mit einer Trockensähigkeit von ca. 6-8 Stunden, um, nicht zu mageren Lack verwenden zu müssen; Bernste.nlack, wie solchen die seit 1833 bestehende bekannte Carl Tiedemann sche Lackfabrik in Dresden unter der Schutzmarke «Herkules allein erzeugt, ist hier das einzig Wahre — und weitz das der Stubenmaler schon lange - denn dieser Lack ist geschmeidig, sehr haltbar, trrtt sich auch nicht weiß und wird durch kaltes Aufwaschen nur härter, verliert aber nicht seinen Glanz dadurch. Diese Bernstein-Oellack- farben werden in den verschiedensten Tönen, wie bitt, mittel unb dunkel hergestellt. (Stehe Extra-Beilage, welche der Stadtauflage heutiger Nr. beiliegt.) Auszug aus -en Kirchenbüchern per Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getränte. Den 26. Juli. ginanSrant ®rnft »u ®U61n- »Kaufte. Matthäusgemeinde. , . Den 22. Juli. Dem Maurer Andreas Krug ein Sohn, Heinrich, geboren den 12. Juni. Lukasgemeindc. . Dm 22. Juli. Dem Bierbrauer Heinrich Kraushaar ein -sohn, - 3O6an£eSn8ebO™mb^|io^tnLS-nr«b dne T°chl«, Paula Frieda Johanna, geboren den 7. Juni. Johannedgemeinde. Den 22. Juli. Dem Packmeister Ernst Heilmann ein Sohn, D-m Ä-rm-lft.- R°b-rl R°d.w°ld -ln.T°chl.r, D-U.d LSsi-rl eine Tochter. Marl- Magdalena Katharina, geboren den 17. Juni. Den 26. Juli. Dem Taglohner Daniel Muller eine vomier, Katharine Marie Wilhelmine geboren den 11. Juli. Denselben. Ein unehelicher Sohn, Karl, geboren dm lo. Ju t. Beerdigt». Markusgemeinde. Den 24. Juli. Susanne Schneider, Privatin, alt 17 Jahre, Itarb ^^^ö.^zuli. Ida Lauckert, Privatin, alt 45 Jahre, starb fcen ^Den^26. Juli. Georg Gravelius, Heizer, alt 55 Jahre, starb An Haselnüssen steht in diesem Jahre eine reichliche Ernte in Aussicht, da alle Büsche und Hecken voll hangen. Darmstadt, 27. Juli. Der seither dahier beschäftigte Gärtnergehilfe W. Hallenberger war mit einem hiesigen Mädchen verlobt, doch wurde von Seiten des letzteren kürzlich das Verlöbnitz wieder aufgelöst. Hallenberger begab sich nun gestern Nachmittag gegen 2 Uhr In die Wohnung semer seitberiaen Braut und verlangte verschiedene noch in deren Besitze befindliche Wäschestücke zurück. In dem Moment, als die Mutter der Braut die Gegenstände in einem Zimmer holen wollte und der Gärtner sich mit dem Mädchen in der Küche allem befand, zog er einen Revolver heraus und feuerte drei Schüsse ab. Der sofort herbeigee,lten Mutter stürzte das blutende Mädchen in die Arme, wahrend der Gärtner auf dem Boden lag. Der er sprang sofort zur Polizei und machte die Anzeige, während d^e Mutter ihre verwundete Tochter zu Bette brachte. Diese Gelegenheit benutzte der Gärtner zur Flucht und sprang aus dem Kuchenfenster etwa acht Meter tief in den Garten und von da über eine etwa drei Meter hohe Mauer in einen anderen Garten. Derselbe konnte trotz der sofort angestellten Recherchen bis jetzt nicht ermittelt werden. Seine bisherige Braut erhielt zwei Schüsse in die rechte Seite und einen Schutz in die rechte Hand. Die Verletzungen sollen indessen nicht lebensgefährlich sein. Den Revolver und Hur ließ der Gartner auf dem Thatorte liegen. W'e die „N. Hess. 53.' erfahren, wollte sich Hallenberger selbstständig machen und hatte bereits in der Wilhelminenstratze einen großen Laden gemiethet, in dem er Blumen verkaufen wollte. Da ihm die nothigen Mittel hierzu fehlten, verlangte er Geld von dem Bater seiner Braut, das ihm aber verweigert wurde, zumal das ganze Unternehmen wenig günstige Aussichten hatte. In Folge deö Benehmens des H. wurde nun die Verlobung aufgelöst und hat er jedenfalls aus Rache die Thal aus- 0C^A Mainz, 27. Juli. Das verflossene 11. deutsche Buno eSschießen hat neuerdings wieder ein unangenehmes Nachspiel erhalten, dessen Schlnßact sim wohl in den Gerichtssälen abwickeln wird. Aus Anlaß der Unregelmatz'g- feiten, die sich zwei Mitglieder des Mainzer Schützenvereins, um Preise zu erhalten, zu Schulden haben kommen lasten, ist nämlich eine große Preßfehde entstanden, in welcher mehrere Vorstandsmitglieder des Schützenvereins gewissermaßen Partei für die beiden beschuldigten Schützen ergriffen haben. Diese Stellungnahme hat nun ein gegenwärtig in Wiesbaden wohnendes früheres Mitglied des hiesigen Schützenvereins zu einem offenen Schreiben veranlaßt, in welchem der Vorstand des hiesigen Schützenvereins auf das Heftigste angegriffen wird und zwar in einer Art, die sich nur auf dem Wege einer gerichtlichen Klage beantworten läßt. — Wie em Berichterstatter hiesiger Blätter wissen will, soll das Schützenfest nicht mit einem Deficit, wohl aber mit einem nennenswerthen Ueberschutz abschließen. — Der neugewählte zweite Bürgermeister Dr. Schmidt von Worms wird am 15. September in die hiesige städtische Verwaltung eintreten. mit Pauline Kleinen zu Geilenkirchen. 25. Karl Ludwig Wilhelm Georg Louis Heyer, Forstass-ssor zul Beerfelden . O., mit Amaue Nofalie Sophie Groos dahier. 25. Wilhelm ^^' Sckm ed z VR FSäm dahier, mit Katharine Rücker ^httr^ttst^^ Juli' 26. Ernst Friedrich Hermann Conrad 6ngdbabr°d b. W. Sl-lnmLll°r v. L°ng-G°ns20 „ 9 (4 $ b 1 „ Gg.Ant. Heuserv.Gr.-Llnden 34 „ 2 Kg. (4 Psd.) „ "Joh. Kd. Belte v. Kirch-Göns, 36 „ F.Schön o. Ruttershausen .38 „ ' W. Steinmüller v. L.-Göns Gust. Jacobi v.Alten-Buseck u. Aug. Deibel von Wieseck 40 „ 3 S8. (6 Pid.) Schw°r,br°d b. Guft.J°-°bl 60 ,, Feinste egyptische Cigaretten. die unterzeichnete Direction an Znpp, Gemüs Md Fleisch An- und Verkauf jetzt verbreitet. z. 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