" 6ei, •ss&Äfc UsÄÄM? Wl ’■«., "^sbrtrie-. •mm m UÖft -.SZL WZr h-bkS,^*«. ote danke^wettben »w: *3* "11 etat °?” a”Mten bet ’t« und bildet .2"?'-Erinnerung runde dez La-nihals un! um, billigst« -u und Mull ^torftverkvtf--/,. Lohrey, Zungen q-irt>o« qunj ■ ,rzvh»u>»m»s) ■ U W I »fli« W "stm- ade, schwarz m.rOraun, dine und au? Dlldomde- erste und WeMeis iHr SPnhett. -roll, Neustadt 49. atureu an sollen Garantie iNW” biHigften Preis« chatistaedt, iMiWM oo”1 L Acht« $'?*-■» ”3T»» A ii 22. Zb L Der 0*7’ M- H8- Nr. 149 Erstes Blatt. Freitag den 29. Juni 1R94 Der chictzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener mitten 6 (älter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Keneral-Unzeiger. kierteljähriger MSonnementrPret» r 2 Mark 90 Ptg. mit Bringerlohn. Turdi die Post dezogea 2 Mark 50 Pig. Äcboction, SxVeditioa unb Druckerei: tstrake Tir.7. Fernsprecher 51. Zlnrts- und 2lnzeigeblntt für den Ureis (Siefeetv Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den fokgmdrn Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamilieubtätter. Alle Annoncen-Vuream des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den .Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil Abonnements - Einladung Bahnhofe aus. Berlin, 27. Kaiserpaares nächsten Montag Nordlandsreise an begibt sich das Kaiserpaar von Kiel nach Schloß Grünholz und wohnt daselbst der Taufe der jüngstgeborenen Tochter des Herzogs Ferdinand von SchleSwig-Holstein-Sonderburg- Glücksburg bet. Schmerzlich bewegt hat den Kaiser die Kunde von dem fluchwürdigen Attentat, welchem Präsident Carnot zum Opfer gefallen ist. Von diesem Eindrücke des erschütternden Ereignisses auf den kaiserlichen Herrn zeugt die warme BetleidSdepesche, welche er sofort der Wittwe Carnots zusandte und worin der Monarch ausspricht, daß Carnot, würdig seines großen NamenS, wie ein Soldat aus dem Felde der Ehre gestorben sei. Diese theilnahmsvolle und würdige Kundgebung des deutschen Kaisers anläßlich des tragischen Endes Carnots har in Frankreich einen tiefen Eindruck gemacht, wie u. A. die Aeußerungen angesehener Pariser Blätter über die Condolenzdepesche Kaiser WtlhelmS erkennen lasien. — Zur Sensationsaffaire Kotze liegt nichts wesentlich Neues vor- über den Gang der eingeleiteten Untersuchung dringt durchaus nichts in die Oeffentlichkeit. Sicherlich läuft in den bislang über diese Angelegenheit verbreiteten Nachrichten viel Klatsch und müssiges Gerede mit unter, so daß vorsichtige Zurückhaltung in der Beurtheilung des ganzen ZwischensalleS geboten erscheint.__________________ Deutsches Reich. Darmstadt, 27. Juni. 2ßte bereits mitgetheilt, treffen Seine Majestät der König von Sa chsen Montag, 2. Juli zum Besuch des Großh. Hofes hier ein. Die Ankunft Seiner Majestät erfolgt Vormittags 8 Uhr 7 Mm. auf dem Main- Neckar-Bahnhof, wo großer militärischer Empfang stattfindet. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Wilhelm werden am Bahnhofe anwesend sein. Die Fahrt zum Großherzogltchen Schlosse erfolgt durch die Rheinstraße über den Marktplatz nach dem Haupreingung an der Hauptwache. Im Großherzoglichen Schlöße wird der hohe Gast von dem Oberst- hosmarschall und dem Oberceremonienmeister empfangen. Abends 7 Uhr findet Galatafel im Weißen Saale des Großherzoglichen ResidenzfchlosieS statt. Für Dienstag den 3. Juli ist ein JagdauSflug der Allerhöchsten Herrschaften nach JägerSburg, Lorsch und Viernheim in Aussicht genommen. Die Abreise Seiner Majestät deS Königs erfolgt Mittwoch schwarzgekleidete Damen. — Die Zugänge zum Saale des CongresseS waren durch strengste Maßregeln sreigehalten, Polizeibeamte hielten die Straßen besetzt. Die Gambettastraße, wo der Congreß- saal sich befindet, war für den Wagenverkehr vollständig gesperrt. Dle Truppen waren confignirt der Bahnhof be- setzt durch eine Abtheilung des 5. PwnierregimentS. Versailles, 27. Juni. Der senatspräsident Challemel Lacour als Präsident des CongresieS eröffnete denselben mit einer Ansprache über daS erschütternde Ende deS Prä- sidenten Carnot. Die Rede machte tiefen Eindruck. Sodann wurde die Wählerliste verlesen. Währenddessen erschien Casimir Perier im Saal, stürmisch begrüßt. Nachdem auf erhobenen Protest hin mehrere Fehler in der Wählerliste verbeffert waren, versuchten Baudry, d'Asson und Michelin Anträge aus Revision der Versaffung einzubringen. Erstere in monarchischem, Letzterer in radicalem Sinne. Der socialistische Abgeordnete Dejeaute beantragte die Abschaffung der Präsidentschaft der Republik. Der Antrag entfeffelte stürmische Proteste. Mehrere Abgeordnete und Senatoren bemerkten, die Nationalversammlung sei keine Versammlung zu politischen Beratungen, sondern ein einfaches Wahlbureau. Um 31/* Uhr wurde der 2. NamenS- aufruf vorgenommen. Von 880 Mitgliedern fehlten 35. Der । Arbeüerabgeordnete Th irrter erregte besondere Aufmerksamkeit. Als Pierre Vaur seine Stimme abgab, rief er: ; „Hs lebe die Republik!" Im Ganzen wurden 835 Stimmen abgegeben. Der Abgeordnete Taberot stimmte nicht ab, weil er Gegner der Präsidentschaft sei. Casimir Perier erhielt 451 Stimmen, Brisson 191, Dupuy 99, General Feorier 52, Arago 27 Stimmen. Als daS Resultat verkündet wurde, erscholl ungeheurer Beifall, während die Socialisten lärmten. Casimtr Perier ist geboren im Jahre 1847 als der Sohn des Senators Perier, der unter ThierS eine Zeitlang Minister deS Innern war. Casimir wurde bekanntlich Anfang Decemder v. I. nach dem Sturze Dupuys Ministerpräsident, ' um Ende Mai d. I. einen geringfügigen Anlaß dazu zu benützen, seine Demission zu geben. Die Wahl PerierS zum Bekanntmachung, betreffend die Ertheilung der Erlaubniß zum Betrieb einer Versicherungsanstalt. Das Großherzogliche Ministerum des Innern und der Justiz hat der Gesellschaft für Lebens- und Rentenversiche- rungen „Der Anker" zu Wien die Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum unter den üblichen Bedingungen auf Widerruf ertheilt. Gießen, den 27. Juni 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Juni. Die kurze Villeggiatur unseres in Kiel neigt sich ihrem Ende zu- am treten die Majestäten, wie bekannt, ihre Bord der „Hohenzollern" an. Morgen Bekanntmachung. Fuhrwerksbesitzer werden darauf aufmerksam gemacht, daß sich auf der Kreisstraße Gießen - Krofdorf vom Donnerstag den 28. ds. Mts. ab, eine Dampfwalze befindet. Gießen, den 27. Juni 1894. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Die Präfidentcnwahl in Frankreich. Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik bildet selbstverständlich daS tragische Ende deS Präsidenten Carnot mit Allem, waö sich an den erschütternden Vorgang anknüpft, noch immer daS hervorragendste Ereigniß. In Frankreich ist zunächst der nationale Schmerz anläßlich bei unvermutheten Heimganges des bisherigen so verdienstvollen Staatsoberhauptes vor dem Jntereffe an der Wahl dei neuen Präsidenten der Republik zurückgetreten. Dieser für die weitere Zukunft Frankreichs so bedeutungsvolle Act fand am Mittwoch in Versailles statt und hatten sich hierbei den zum Congreffe vereinigten beiden Häusern deS französischen Parlaments eine ganze Reihe von Candidaten für den erledigten obersten Beamtenposten deS Landes präsentirt, von denen der Kammerpräsident EasimirPerier nach allgemeiner Annahme die meisten Chancen besaß. In einer am Dienstag seitens der drei republikanischen Gruppen deS Senats veranstalteten Probeabstimmung waren von 177 abgegebenen Stimmen 144 auf Casimir Perier gefallen. Am gleichen Tage fand auch eine von der demokratischen Linken veranstaltete Versammlung aller Republikaner der beiden Häuser statt. In derselben kam eS aber zu einem erbitterten Hand- gemenge, mit Fäusten und Urnen schlug man auseinander los. Schließlich ging die Versammlung auseinander, ohne eine Abstimmung vorgenommen zu haben- der Zweck der Socialisten und Ultraradicalen, durch die hervorgerufene Hauerei eine Abstimmung zu hintertreiben, war „glänzend" erreicht! Die Wahl Casimir Perier« zum Präsidenten der fran- zöfifchen Republik konnten wir gestern Abend nach unS zu- gegangener Privatdepesche durch Anschlag an der Expedition deS „Gießener Anzeiger" mittheilen. Ueber die Vorgänge vor, während und nach der Wahl gingen unS folgende Nach- richten zu: Pari«, 27. Juni. Die Stadt zeigt ihr gewöhnliches Gepräge und blieb vollständig ruhig. Fast die Hälfte der Einwohuer weilt in Versailles, die Straßen sind menschenleer und viele Läden geschloffen. Der Gemetnderath hält im Stadthause eine permanente Sitzung ab. — Heute Mittag trafen fämmt ltche Mitglieder deS Senats und der Kammer in zwei Sonderzügen in Versailles ein. Die Menge deS dort weilenden Publikums ! zählte nach Hunderttausenden. Die Congreßmitglieder begaben sich um 1 Uhr 20 Minuten in den Sitzungssaal, deffen Tribünen überfüllt waren. In der Diplomatenloge bemerkte man zahlreiche Vertreter europäischer Mächte, sowie viele Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 3. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebcnst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatjachen entsprechender Weise zur Kenutniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässigeBerichtechatter,Mer „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur' Kenutniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen L a n d w i r t h s ch a f t wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- ' werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen m vaus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Em gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar- tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Nnterbaltu nw'stoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anreger wöchentlich 3 mal bcigelegt werden und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unttrhaltung^ftoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eme beliebte Beigabe bieten. ... Wir ersuchen nun namentlich auswärtige -es er, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. ausgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger koftensrei zugestellt , wie wir auch gerne bereit find, Prole- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. ^en Qefcrn in hiesiger Stadt werden wir, wie feither, den ^Anzeiger weitersenden und den .Abonnementsbetrag durch Quittung erheben taffen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch). den 4. Juli, im Lause deS Vormittags vom Main - Neckar- D. Ztg. Ausland. Brüfiel, 26. Juni. Die französische Handelskammer läßt । auf den Sarg Carnots einen Riefenkranz aus Jmortellen niederlegen. .. — Das feierliche Leich enbegan gut tz Carnots ist auf nächsten Sonntag festgesetzt, bis dahin bleibt die Leiche im Elysöe ausgebahrt, wohin tagtäglich eine förmliche Wall- fahrt stattfindet. — Ueber die Motive, welche den Italiener Cesario, den Mörder Carnots, zu feiner furchtbaren That bewogen haben, gehen die Meinungen noch einigermaßen aus- einander. Jndeffen überwiegt die Anschauung, daß man es in dem entsetzlichen Verbrechen mit einem Racheact der Anarchisten zu thun habe, mit deffen Ausführung Cesario beauftragt wurde - die Erklärung deS Attentäters, daß er keine Mitschuldige habe, wird nirgends ernst genommen. London, 26. Juni. In Folge der Ermordung Carnots sind hier die Polizeimaßregeln zum Schutze der Königin Victoria und der Mitglieder des Königshauses verdoppelt worden. Besonders umsaffende Vorkehrungen sind filr_ die Sicherheit des russischen Thronfolgers während seines hiesigen Aufenthaltes getroffen. London, 26. Juni. In einem Interview gab die be- bannte Anarchistin ßouite Michel die für ihre Ansicht über das Attentat auf (5 ar not chararteristtsche Erklärung ab- „Mit der Ermordung CaruolS ist gleichzeitig die ganze Bonrgeoifie getroffen. Er reprälennrte bie capttaltfttWe Republik, die man mit Verwünschungen überhäuft. £te|e individuelle Reoolte ist dos SBorfpiel einer großen Bolks- reoolmion, aus der die Weltharmome hervorgehen wird. Der Anarchist Pompjeon erklärte: „Weder noch Galeeren können die Männer, welche mit arnachisiischem Glauben ausgerüstet sind, entwaffnen. Es wird derTag kommen, wo sich bie Söller gegen -ne socialen, EE^chen Zustände auflehnen werden und dreier Tag ,st naher, ali man glaubt. Ravachol, Vaillant unb Henry sind gerächt. Wer Wind säet, erntet Sturm.- Präsidenten der Republik, welche im letzten Augenblick gegen Candidaturen wie die von Arago, Dupuy, Brisson wieder zweifelhaft geworden war, wurde schon für den Spätherbst bet einer Erneuerung des Präsidiums selbst gegen die Wieder- candidatur Carnots bestimmt erwartet- dies war wohl auch der Grund seiner kürzlichen so überraschenden Demission als Ministerpräsident. Perter gilt als ausgezeichneter Manchester- mann, dem die Förderung von Handel und Bankwesen außerordentlich am Herzen liegt. Die Familie Perier wird zu den republikanischen Dynastien gerechnet, deren man drei zählt: Carnot, Cavaignac und Perier. Versailles, 27. Juni. Nach Schluß der Congreßsitzung begaben sich Dupuy und alle Minister in daS Präsidial- cabtnet und theilten Perier den Wortlaut des Sttzungs- protocolls mit, wonach Perier zum Präsidenten der Republik proclamirt wurde. Der Senatspräsident hielt eine bewegte Ansprache, worauf Perier mit Thränen in den Augen antwortete, er sei tief gerührt von der Ehre, welche ihm die schwerste moralische Verantwortlichkeit auferlege, die ein Mann zu tragen vermöge. Er werde sich mit dem ganzen Patriotismus, der Energie und der glühenden Ueberzeugung, wie Derjenige, den wir beweinen, der Republik und der Demokratie zur Verfügung stellen- er werde suchen, seine Pflicht voll und ganz zu thun. Nach der feierlichen Ueber- nahme der Gewalt empfing Perier die Glückwünsche der Senatoren und Deputirten und Journalisten. Man glaubt, B u r d e a u würde mit der Cabinetsbildung beauftragt werden und Dupuy Präsident der Kammer werden. Senat und Kammer halten morgen Sitzung ab. Paris, 28. Juni. Dupuy überreichte gestern Abend dem Präsidenten Casimir Perier die Demission des Cabinets. Das „Journal officiell" wird heute mittheilen, daß die Minister mit der Fortführung der Geschäfte beauftragt bleiben. Neueste Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau. Pinneberg, 27. Juni. Ergebniß der Reich stagS- ftichwahl nach der amtlichen Feststellung: v. Elm (Soc.) 13 814, Mohr (natl.) 13293 Stimmen. Rom, 27. Juni. Die seit gestern umlaufenden Gerüchte, daß in Turin aus Frankreich zurückgekehrte italienische Arbeiter gegen das dortige französische Consulat demonstrirt hätten, sind ebenso unwahr wie diejenigen, daß mehrere italienische Consuln in Frankreich getödtet worden seien. — Nachrichten aus Sizilien zufolge herrscht dort Ruhe- der Ausstand der Schwefelminenarbeiter ist nahezu beendet. Paris, 27. Juni. Das „Journal offielet" veröffentlicht zwei Schreiben des deutschen Botschafters Münster. DaS erstere ist an Frau Carnot gerichtet und spricht Namens der Kaiserin Friedrich deren Beileid aus, das zweite an den Minister des Auswärtigen, Hanotaux, drückt Namens des württembergischen Ministerpräsidenten Mittnacht das Beileid des Königs aus. Ferner theilt das amtliche Blatt ein Schreiben des bayerischen Geschäftsträgers an Dupuy mit, in dem Namens des Prtnz- regenten und der bayerischen Regierung deren Theilnahme Ausdruck findet. Paris, 27. Juni. Beim italienischen Botschafter laufen ununterbrochen telegraphische Kundgebungen des Beileids aus Italien ein. Reßmann theilt dieselben täglich dem französischen Minister des Aeußern mit. Lyon, 27. Juni. Die Stadt ist ruhig. Die Straße, in der sich das italienische Consulat befindet, ist fortdauernd geschützt. Toulon, 27. Juni. Der bei dem Tumult am Montag verwundete italienische Arbeiter ist außer Gefahr. Hier herrscht vollkommene Ruhe. — In der Nähe von Avignon wurden zwei Anarchisten verhaftet, die die Ermordung Carnots gutgeheißen haben sollen. Petersburg, 27. Juni. Der Kaiser traf gestern auf der Eisenbahnstation Borkt mit der aus dem Kaukasus zurückgekehrten Kaiserin zusammen. Das Kaiserpaar wohnte der feierlichen Einweihung der Gedächtnißkirche bei und reiste sodann ab. Konstantinopel, 27. Juni. Der Sultan beauftragte den türkischen Botschafter in Paris, der französischen Regierung und der Wittwe Carnots das lebhafteste Beileid des Sultans zum Ausdruck zu bringen. Constautiuopel, 27. Juni. Der König vonSerbien ist Mittags 12 % Uhr hier eingetroffen. Er wurde am Landungsplätze vom Großvezier, mehreren Generälen des militärischen Hofstaates und dem Personal der serbischen Gesandtschaft empfangen. Nach der Begrüßung der Anwesenden fuhr der König mit Gefolge unter Begleitung einer Escorde Cavallerie nach dem Mdiz-Palais. Zwei Bataillone bildeten auf dem Wege dorthin Spalter- die Militärmusik spielte die serbische Hymne. Chicago, 27. Juni. Gestern Abend ordnete der amerikanische Eisenbahnarbeiterverband eine Arbeitseinstellung der Weichensteller der Illinois Centralbahn an. Durch den Strike sollen die Pullmann-Wagen boycottirt werden. Dte Arbeiterführer behaupten, der Strike werde sich bald au fünf andere Bahnen ausdehnen. Depeschen de« Bureau „Herold". Berlin, 27. Juni. Der Kaiser läßt sich bei der Beerdigung des Präsidenten Carnot durch den deutschen Botschafter in Paris, Grafen Münster, vertreten (nicht durch ein Mitglied des Kaiserhauses, wie einige Blätter wiffen wollten). Der Kaiser hat befohlen, in seinem Namen ein prachtvolles Blumenarrangement auf dem Sarge niederzulegen. Marienwerder, 27. Juni. Bet einer in Deutsch-Eylau aus Mlawa zugereisten Frau wurde asiatische Cholera festgestellt. Wien, 27. Juni. Wie die „Pol. Corr." aus Berlin meldet, bedeutet der vorbehaltlose Rücktritt Englands von dem § 3 des mit der Congo-Regierung abgeschloffenen Vertrages einen wichtigen Erfolg für Deutschland. Der bedeutende Eindruck dieses Erfolges werde erst später in starkem Maße hervortreten. Karwiv, 27. Juni. Wie es den Anschein hat, ist der Grubenbrand erloschen. Die Ventilation des Tiefbauschachtes wird am Montag geöffnet und alsdann mit der Bergung der Leichen begonnen werden. Lemberg, 27. Juni. Die Weichsel ist infolge andauernder Regengüße wieder rapid gestiegen. Rom, 27. Juni. Studenten erzwangen, entrüstet über das Vorgehen gegen die Italiener in Frankreich, auf einem Platze dte Entfernung von Trauerfahnen. Rom, 27. Juni. Aus allen Hauptstädten Frankreichs tüchtig gegangene Italiener erzählen grauenhafte Einzelheiten über die erduldeten Mißhandlungen und über die Jtalienerhetze. Die Erbitterung darüber ist allgemein. Hervorragende Blätter erklären, alle Sympathie für Frankreich müsse schwinden vor Entrüstung über diese schamlosen Excesse. Sogar der franzosenfreundliche „Don Chisciotte" tadelt das Verhalten der französischen Bevölkerung in bitteren Worten und erinnert dte französische Nation daran, daß sie sich doch mit Vorliebe die civilisirteste der Welt nenne. Rom, 27. Juni. Der Polizei wurden im ganzen Königreich die strengsten Instructionen gegen die Anarchisten ertheilt, da man eine Spur gesunden zu haben glaubt, daß das Attentat auf Carnot von derselben anarchistischen Gruppe ausgegangen sei wie das auf Crispi und das gegen den Czareu geplante. In Rom sind dte Truppen in den Kasernen consignirt. Paris, 27. Juni. In Lyon entwickelte sich im Laufe der vergangenen Nacht in mehreren Vierteln ein wahrer Aufruhr. Eine Masse italienischer Geschäfte, man spricht von 250, wurden geplündert, dte Häuser in Brand gesteckt. Der Gouverneur bot schließlich eine ganze Armee (16 000 Mann) auf, besetzte die aufrührerischen Viertel und ließ ca. 1600 Personen verhaften. Nach und nach legte sich der Sturm, sodaß bis heute Mittag die Hälfte der Verhafteten wieder freigelaffen werden konnte. Immerhin blieben die Straßen militärisch besetzt. Paris, 27. Juni. Die Morgenzeitungen bringen Artikel, welche dte Ermordung Carnots als mit dem Attentat gegen Crispi und dem neuesten Anschlag auf den Czaren in Verbindung stehend bezeichnen. Die Blätter sind der Meinung, daß ein internationales anarchistisches Complott bestehe, alle obersten Gewalthaber ums Leben zu bringen. Grenoble, 27. Juni. Dte ganze französische Arbeiterschaft durchzog gestern mit Knitteln und Messern bewaffnet die Straßen und machte auf Italiener Jagd. Vor dem italienischen Consulat riefen sie: „Nieder mit den Italienern, den Mördern?" Sie zerschlugen das italienische Consulatswappen und zerrißen die Fahne. Eine Anzahl Arbeiter drang in das Innere des Consulats, zerschlug mehrere Statuen und warf das Bildniß König Humberts durch das Fenster auf die Straße. Erst größeren Polizei- und Truppen- abtheilungen gelang es, die Banden zu sprengen. Der Präfect richtete sofort Worte der Entschuldigung an den italienischen Consul. In der Nacht dauerten die Kundgebungen trotz strengster Maßregeln fort. Arbeitertrupps drangen in die Häuser der Italiener, mißhandelten dieselben und schleppten sie auf die Polizeidepots. Ueber 100 Verhaftungen wurden vorgenommen. Warschau, 27. Juni. Die Massenauswanderung polnischer Bauern nach Sibirien gewinnt immer größere Dimensionen. Die Regierung gewährt den Auswandernden freie Fahrt und überläßt ihnen größere Ländereien gratis. Localer uttb Hroviirzleller« Gießen, den 28. Juni 1894. ** Aus dem Justizdieust. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 27. Juni den Gerichtsaßeßor Jacob Hofmann aus St. Johann zum Staatsanwalt bet dem Landgericht der Provinz Starkenburg, den Gerichtsaßeßor Friedrich Koch aus Bad Nauheim zum Staatsanwalt bet dem Landgericht der Provinz Oberhessen und den Gerichtsassessor Josef Stigell aus Mainz zum Staatsanwalt bet dem Landgericht der Provinz Rheinhessen zu ernennen. — Ernannt wurden ferner: 1) der Gerichts- assessor Dr. Otto Brun aus Mainz zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz, 2) der Gerichtsaßeßor Carl Herpel aus Darmstadt zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Zwingenberg, 3) der Gertchtsasseflor Adolf Warthorst aus Darm- stadr zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Seligenstadt, 4) der Gerichtsaßeßor Dr. Gottfried Haustädt aus Gießen zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Lorsch- 5) der Ge- richtsaßessor Dr. Otto Schwarz aus Gießen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II, 6) der Gerichts- aßessor Dr. Heinrich Marx aus Gießen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach. ** Die Gerichtsferien beginnen am 15. Juli und dauern bis zum 15. September. ** Wegbezeichnuug. Immer mehr werden sich weite Kreise unseres Volkes der verantwortlichen Aufgabe bewußt, den mancherlei Einflüßen entgegenzuwirken, die die geistige und körperliche Gesundheit namentlich unserer Jugend bedrohen. Ueberall sehen wir, wie namentlich unsere Städte durch die gewaltigsten Anstrengungen und häufig mit Über- । raschend schneller völliger Umwandlung ihres früheren Aussehens zur Besserung ihrer gesundheitlichen Verhältnisse ge- | langen und durch dies gute Vorbild ihre dankbaren Söhne 8 anregen, wettere Unternehmungen mit demselben Zwecke ins Leben zu rufen. So finden auch hier in Vereinigungen verschiedenster Art fast alle gegenwärtigen Bestrebungen, ein an Leib und Seele kräftiges Geschlecht heranzuziehen, Förderung - und auch dte dankenswerthe Anregung zur Schaffung eines Spielrasens ist mit ungetheilter Befriedigung ausgenommen worden und wird sicherlich, namentlich bei dem wohlhabenderen Theile unserer Bevölkerung, auch die nöthige finanzielle Unterstützung finden. — Aber nicht nur das Spielen, auch das Wandern ist unsere Jugend in Gefahr zu verlernen, die Wanderlust, ohne dte man sich die Jugend kaum denken kann. Trifft man doch häufig selbst in studentischen Kreisen eine geradezu verblüffende Unkenntniß selbst unserer nächsten Umgebung. Und doch kann man sich zur Entschuldigung dieses Umstandes vielleicht darauf berufen, daß bisher zu wenig dafür geschehen sei, unsere Wälder, Berge und Thäler bekannt und zugänglich zu machen. Wohl sagt man, mau könne sich mit Karte und Compaß überall durchfinden, aber wie sehr beeinträchtigt deren fortwährender Gebrauch den Genuß der Natur, wie mancher Kündige ging trotz ihres Gebrauches schon in die Irre, wie wenig verbreitet ist leider dte Fähigkeit, sie rasch und richtig zu benützen, wie viele müssen auf ihren Erwerb wegen der Höhe ihres Preises verzichten! — In richtiger Würdigung dieser Verhältnisse hat man fast allenthalben, wo die Gegend es verlohnt und noth- wendtg erscheinen läßt, die schönsten Wege durch farbige Bezeichnung dem Wanderer erschloßen. Beispielsweise ist neuerdings auch der Vogelsberger Höhenclub einem gleichen Unternehmen nähergetreten. Daß in Gießens unmittelbarer Umgebung hierin bisher nichts geschehen ist, ist begreiflich, da sie nur dte Ausläufer mehrerer Gebirge umfaßt und jeder Gebirgsverein seine Thätigkeit vor Allem den Haupttheilen seines Gebirges zuwendet. — Sollten sich aber in unserer Stadt, die doch zweifellos eine Menge von hier aus ohne Benützung der Eisenbahn möglicher und äußerst lohnender Touren bietet, keine Männer finden, die ihre Erfahrung und ihre Zeit in den Dienst der nämlichen Sache zu stellen geneigt wären? Der Unterstützung der Behörden, der Grund- etgenthümer und aller Einwohner dürften sie wahrscheinlich gewiß sein. Hätte doch Jeder Vortheil von einer solchen Wegbezetchnung: mit wie viel größerer Ruhe könnten beispielsweise Eltern ihren Kindern eine Tour erlauben wie jetzt, wie würde namentlich dem, dem sein Beruf wenig Zeit läßt, sich draußen zu ergehen, der Genuß an dem seltenen Spaziergang erhöht durch daS Bewußtsein, auf rechtem Wege zu sein. Wie würde unsere Vaterstadt in letzter Lmie auch materiell gewinnen, wenn der Ruf von ihrer schönen Umgebung sich weiter verbreitete! ** Coucerthaus Lahusteiu. Vorgesten Abend fand int Concerthause Lahnstein wiederum eine Quartett'Soiree start. Da es rn wetteren Kreisen noch wenig bekannt zu sein scheint, welch hoher'Kunstgenuß in den von dem Inhaber des Concerthauses, Herrn Kruse, und dessen drei Söhnen veranstalteten Abonnements Concerten geboren wird, halten wir es im Interesse aller Musikfreunde unserer Stadt und Umgegend für angebracht, die Kruse'schen Concerte einer kurzen Besprechung zu unr.rziehen. Das Quartett ist tote folgt zusammengesetzt: erste Geige Herr Willy Kruse, zweite Geige Herr Kruse sen., Bratsche Herr Georg Kruse, Violoncell Herr H. Kruse. Es würde heute zu weit führen, die Auswahl des Programms und die Ausführung der einzelnen Nummern Punkt für Punkt einer kritischen Sonde zu unterziehen, wir beschränken uns vielmehr darauf, unser Gesammlurtheil dahin zusammenzufassen, daß das Zusammenspiel der vier Mitglieder des Quartetts, ihre musikalische Auffassung und Darstellung uns schon nach den ersten Programmnummern nicht im Zweifel darüber ließen, daß wir ein Ensemble von Künstlern vor uns hatten. Die Herren Willy und H. Kruse, welche als königl. Kammermusiker in Kaffel angestellt sind, führten sich in ihren, den Quartettaufführungen folgenden Solovorträgen sogar als Virtuosen ersten Ranges ein. Air varie von Vieux- temps und „Die Biene" von Schubert wurden von Herrn W. Kruse auf der Violine äußerst wirkungsvoll und geradezu glänzend vorgetragen, während Herr H. Kruse auf seinem klangvollen Cello in Souvenir de Spa von Servals und namentlich in der als Einlage freundlichst zugegebenen Träumerei von Schumann eine völlig hinreißende Wirkung erzielte. Das Publikum folgte mit gespanntem Interesse allen Aufführungen und zeigte sich den ihm gebotenen hervorragenden Leistungen gegenüber äußerst dankbar — sein ganzer Kummer schien nur zu sein, daß es im Zweifel darüber blieb, welchem der beiden Virtuosen es die Siegespalme zuerkennen sollte. Bekanntlich werden die vier Mitglieder der Familie Kruse die bis Ende September dauernden Sommerferien der beiden Casseler Brüder dazu verwenden, hier wöchentlich ein bis zwei Abonnements - Concerte zu geben. Wir können den Besuch der letzteren, welche für den unglaublich niedrigen Aboanementspreis von je 30 Pfg. geboten werden, aufs Wärmste empfehlen. ** Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer- wehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 9. Juni l. Js. dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr der Hehl'schcn Fabrik zu Worms Johann Hoffmann. ** Militärdienst-Nachrichten. Dr. Dietz vom Landwehr- i bezirk Gießen wurde zum Stabsarzt befördert- Dr. Wolff, Stabs- und Bataillonsarzt vom 3. Bataillon 4. Großh. Hess- Infanterie-Regiments (Prinz Carl) Nr. 118, zum 2. Bat. des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 versetzt. ** Ferien-Sonderzüge nach München. Wir machen auf die in vorliegender Nummer befindliche Bekanntmachung der Königl. Eisenbahndirection Hannover, betr. Verlegung eines Ferten-SonderzugeS, aufmerksam. ♦♦ Glasmalerei. Im Laden Louisenplatz 1 zu Darmstadt ist gegenwärtig ein aus der Glasmalerei Fr. Endner daselbst hervorgegangenes Treppenfenfter ausgestellt. DaS Fenster, ein Kunstwerk einheimischer Malerei, enthält zwei altdeutsche Figuren, Landsknecht und Edeldame aus der Zeit Anfangs deS 16. Jahrhundert-, mir architektonischer Umrahmung, sowie in den Oberlichtern die Wappen von Heffen und der Stadt Gießen. Die beiden Figuren, die sich in herrlicher Farbenpracht zeigen, stehen auf einem Sockel mit Ballustrade, woraus die Sprüche: „®rü§ Gott, tritt ein — Bring Glück herein" angebracht sind. — Da- Fenster ist für den Aufgang deS Hotels Victoria in Gießen bestimmt und kommt in nächster Woche zur Aufstellung. *• Ullterfuchuug von Schweineschmalz. Die vor Kurzem bei den hiesigen Metzgern entnommenen Proben Schweineschmalz sind vom chemischen Unteriuchung-amt nicht beanstandet worden. Heute wurden weitere Proben Schmalz in den Kauf- lüden entnommen. ** Festgenommen wurde vorgestern in Offenbach ein Soldat des hiesigen Regiment-, der sich am Sonntag zu seiner in Offenbach wohnenden Frau begeben und den ihm ertheilten Urlaub überschritten hatte. •• Die Schornsteiufeger-Itivung für da- Großherzogthum Hesien trat am vorigen Sonntag zu ihrer ordentlichen Generalversammlung tn Darmstadt zusammen. Der Jahresbericht, die Rechnungsablage und die Vorschläge zur Festsetzung des HaushaltungSplaneS wurden nicht beanstandet. Als Vorstandsmitglieder wurden durch die Wahl ernannt die Herren: Münch von Wörrstadt als Schriftführer, Faatz von Oppenheim als erster Rechner und Meyer von Groß- Gerau als zweiter Rechner und Controleur. Den LehrltngS- auSschuß bilden die Herren Faatz von Nierstein, Dleruff von Büdingen, H. Vetter von Offenbach und Keil von Neustadt. ** Aufbesserung der Schreibgebühreu. DaS Großherzogl. Ministerium deS Innern und der Justiz hat neuerdings den GerichtSschreibereien bei den Amtsgerichten eine namhaste Erediterweiterung für die Vergütung der Schreibhilfe bewilligt. Den Aspiranten deö GerichtSfchreiberdienfteS konnte in Folge deffen die JahreSremuneration wesentlich erhöht werden. Die Ausbefferung erfolgte rückwirkend vom 1. April d. I. an. Die geprüften und verpflichteten Gerichtsschreiber im Alter von 30 Jahren an beziehen jetzt durchweg eine Remuneration von jährlich mindestens 1100 Mk. Dem Schreibhtlfepersonal, unter dem sich zahlreiche Familienväter befinden, ist diese pecuniäre Verbefferung gewiß zu gönnen. ** Zn Amerika verstorbene Hessen. New-Aork City, R.-U.: Carl Grode, 41 Jahre alt, auS Wörrstadt. Margaretha Frits ch ler, geb. Sudheimer, 51 Jahre alt, auS Grünberg. Anna Dörrschuck, 43 Jahre alt, aus Sprendlingen. Michael Bley, 64Jahre alt, auS Flonheim. Zersei City HeightS, N.-J.: Justus Hill, 80 Jahre all, auS AlSseld. *♦ Branntweinbrennereien und Branutweivbesteueruug. In dem abgelausenen Jahre wurden in Heffen 17,075 Hecto- liter reiner Alkohol gebrannt; davon kamen auf den Stcuer- beztrk Gleßen 10,556 Hectoliter, Offenbach 5208 Hectoliter, Darmstadt 948 Hectoliter, Worms 241 Hectoliter, Mainz 95 Hectoliter und Bingen 27 Hectoliter. Die Steuer-Em- nahmen für Branntwein beliefen sich auf 1,330,595 Mk. Im Großherzogthum gibt eS 470 Brennereien, von denen aber nur 265 im Verriebe find. Zum Brennen wurden verwendet 14,121,600 Kilogramm Kartoffeln, 1,608,400 Kilogramm Getreide, 7253 Hectoliter Hefenbrühe :c. •* M. Freiensteinau, 26. Juni. Heute e rhängte sich der im besten Mannesalter stehende Schuhmacher Christoph Fehl VII. von hier. Die Gründe, die den Unglücklichen zu dieser Thar veranlaßt haben, find nicht bekannt. △ Mainz, 27. Juni. DaS zur allgemeinen Befriedigung verlaufene elfte deutsche BundeSschießeo sollte, wie jetzt post festum bekannt wird, doch nicht ganz ohne Mißton abgehen. Zwei einem rheinischen Schühenverband angehörige Schützen haben sich nämlich durch den Ehrgeiz, einen Preis heim zu bringen, bei dem Schießen zu uncorrecten Manipulationen verleiten laffeo. Dem einen dieser beiden Schützen ist auf diesem Wege ein werthvoller Preis zugefallen, doch hat man noch rechtzeitig von den Manipulationen Kenntniß erhalten und dem Schützen bedeutet, daß es gerathen fei, auf den Preis zu verzichten, welcher Rath auch befolgt wurde. Die Manipulation deS zweiten Schützen soll ziemlich plump gewesen und schon frühzeitig entdeckt worden sein. Einstweilen sind beide Schützen aus ihrem Verband auSgeschloffen worden und hat der Mainzer Schützenverein zunächst eine genaue Untersuchung über die Vorgänge angeordnet. — In heutiger Sitzung der hiesigen Stadtverordneten brachte der Stadtverordnete Jöst zur Sprache, daß während deS DchützensesteS wieder eine Anzahl gutbesoldeter städtischer Beamten statt ihren dienstlichen Verpflichtungen obzuliegen, sich sowohl durch Arbeiten sür die Preffe als in den Raffen- bureauS umgehölger Weise einen beträchtlichen Nebenverdienst verschafft. Unter dem Beifall der Versammlung bezeichnete der genannte Stadtverordnete dieses als einen großen Unfug, der umsomehr abgestellr werden müßte, als hierdurch gutbesoldete städtische Beamte den fteuerzohlenden Bürgern mit keiner festen Anstellung schwerschädigende Concurrenz machten. Oberbürgermeister Dr. Gaßner sagte Untersuchung und Abstellung zu. Mainz, 26. Juni. Der Knecht einer hiesigen Fisch- großhandlung verletzte sich dieser Tage an der stacheligen Floffe eines ZanderS, beachtete jedoch bic Wunde nicht weiter, dis gestern Hand und Arm bis zur Achselhöhle angeschwollen waren. Der nun zu Rathe gezogene Arzt conftatirte Blutvergiftung. DaS Befinden deS Patienten ist sehr be- denkUch. — Gestern Nachmittag spielten Knaben am Naimundi- garten „Schützenfest", wobei einem, welcher alS Zeiger fungirte, daS rechte Auge durch einen Armbrustbolzen derart verletzt wurde, daß die Sehkraft verloren ist. Bingen, 26. Juni. Während heute Vormittag in einem Steinbruch bei Bingerbrück ein Sprengschuß gelöst wurde, saß ein Arbeiter im Straßengraben. Einer der empor- geschleuderten Steine von geringem Umfange traf beim Niederfallen den Arbeiter derart am Kopfe, daß die Hirnschale gespalten wurde und der Tod sofort eintral. Vermischte». • frttiHert a. «. 27. Juni. Erst zu Zuchthaus verurtheilt und daun freigesprochen wurde ein junger Mensch von hier, den die Polizei eines Abendt in leichtfei uger Damengesellschast auSgehoben hatte. Aus die Frage, woher er daS Geld zum Freihalten der Gesellschaft habe, erwideite damals der junge Mann, er bade seinem Vater ein Sparkassen« buch auS dem Schrank gehoU, und auf Grund dieses Ge- ständniffeS verurtheilre ihn die Strafkammer am 16. Mai wegen schweren Diebstahls zu 1'/, Jahren Zuchthaus. Auf Antrag des RechtSanwaltS Rich. Bruck, an den sich der Vater deS Verurtheilten wendete, beschloß jedoch das Gericht die Wiederaufnahme deS Verfahrens, denn da- Sparkaffenbuch gehöne gar nicht dem Vater, sondern dem Sohne selbst, der eS geerbt haue, und wurde von dem Vater nur verwahrt. Die heutige Beweisausnahme ergab die Richtigkeit dieser Thal- sache, und so wurde der Leichtfuß, der beinahe InS Zuchthaus gekommen wäre, weil er sich selbst bestohlen hat, von der Anklage deS Diebstahls freigesprochen. • Würzburg, 27. Juni. Auf Anregung deS Professor» v. Leube und deS Regierungspräsidenten Graf Luxdurg constituirte sich ein Verein zur Errichtung eine» Sanatoriums für unbemittelte Lungenkranke im Spessart. Fabrikant Hemv Böttinger ans Elberfeld (früher hier), Großhändler Franz, die Prosefforen Prym, Leube u. a. m. haben schon 50000 Mk. gespendet. Auf 250000 Mk. lautet der Voranschlag. • Eia Inserat von 1640. Da sah e« doch ganz anders im Handel und Gewerbe aus als heute. Man höre: Isaak Mackerl in Nürnberg zeigte im Jahre 1640 sein Geschäft folgendermaßen an: „Isaak Mackerl, Barbier, Perrückenmacher, Schulmeister, Hufschmied und GeburtShelser, rasirt und schneidet die Haare vor zwei KrÜtzer und Putter und Pomade obendrein. Macht und füll Schuh und Siesel, laßt Ader und setzt Schrobkob ganz gern; lernt in die Hauser Condition und anderen Tanz, verlaust Parfirmiry aller Art, Papier, Stiefelwichs, gesalzene Hering, Konigkung, Putschen, Mausefallen und andere ConvekS, herzstärkende Wurzel, Kartoffeln, Bratwürst und andere Gemüß. Isaak Mackerl! • Zeitgemäße« Inserat „Laut contractlicher Bestimmung habe ich bei meinem demnächst stattfindenden Wohnungswechsel mein LogiS in demselben Zustande zu übergeben, wie ich es vor drei Jahren übernommen habe. Um diese Bestimmung erfüllen zu können, suche Ich 30 Mäuse, 2000 Wanzen und 500 Schwaben lebend zu kausen." Verkehr, Land- «nd VoUrwirthschaft. Simbure, 27. Juni Frachtmarkt. Rvthn Wetzm X 12.35, weißer Weizen X 12 30, Rom X 10.90, Gerste X 800, Hafer X 7 90. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 28. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17, Luft 20°. Rübs-men'sche Badeanstalt. Bekanntmachung. In dem ehemaligen Hause Bourgeois an der Kirchstraße sind die Räume des Erdgeschoffes mit Laden nebst zwei Zimmern über letzterem sofort zu vermiethen. Näheres über Bedingungen und Preis ist bei der Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15, zu erfahren. Gießen, den 14. Juni 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 5142 Gnauth. Freitag den 10. August, Nachmittags 2'/, Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die der Peter Imme» Ehefrau Dorothea geb- Mingethöfer in Gießen gehörigen Immobilien: Flur bb Nr 116 — 869 qm Acker auf die Tanne, t Flur 35 Nr. 117 — 869 qm Acker base bst, Aur 35 Nr. 118-863 qm Acker daselbst, Flur 35 Nr. 118,3 - 325 qm Acker daselbst, Flur 35 Nr 118 6-262 qm Acker daselbst, Flur 35 Nr. 118,8-225 qm Acker daselbst. Flur 50 bis 71 Nr l'/io - 608 qm Hof- raithe die Liebigshöhe, Flur 50 biS 71 Nr. l*$,1 Näheres Marktplatz 18, iv. 1 «eßler, RotzichttUyrer. Hausbursche gesucht. [5305] «orttplatz 17. Weg, v... . F ur 33 Nr. 70 — 425 qm Acker daselbst, sucht "«sterweg 2. Flur 33 Nr. 71 — 432 qm Acker daselbst ,-------------------- sflur 33 Nr. 72 — 938 qm Acker daselbst,1 •Ter__iru - . . Hausbürschchen gesucht. [5360] vahnhofstr. NS. 6390] Tüchtiger Mann für Viehfütterung und Melken gesucht- Weftanlage 25. Sandkauterwea links, Flur 28 Nr. 149 — 2300 qm Acker da, selbst, Flur 32 Nr. 56 — 494 qm Acker im Alten- Gesucht mäh dien auf einige > - ~ ' ”T 5375 gut bürgerliche für mit Preisangabe unter w. a. no an reinere Herrschaft die Exped d- Bl. erbeten________________ gesucht durch Frau Hüttenberger,! 5372] Eine alleinstehende Dame sucht SelterSweg 67.__j5363! bis 1. Sept, ein unmöbllrteS Zimmer 53261 Auf sofort - ein fleißiges jüngeres mit Cabinet, oder ein Zimmer mtt «üche MT. 03 — 1VO6 qm »un “*» i — , .“7 1 n-t Ln 2. ./ II iinlfr Lbistre Altenield, stößt links auf den Dienstmädchen. Loberstratze 2, II. ; 015W^Tn junges, braves MLdch^ Off, nimmt die Expd-d-Bl-eni gegen- 53^4 sucht für 1. August Stelle in einem tleinen--- " Haushalt. 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I. befördert werden. Der in der heraus- gegebenen Uebersicht enthaltene Fahrplan bleibt im Uebrigen unverändert. Hannover, im Juni 1894. 5382 Königliche Eisenbahn-Direction, Reue holl. Vollhcringe empfiehlt [5315] L. Katkhof. Schetthol? empfiehlt billigst Cafe - Restaurant Leppla 85 Settersweg 85. Bei dieser Gelegenheit halten wir uns den Kameraden und geehrten Publikum von 12 Uhr Mittags ab auf dem Festplatz bestens empfohlen. Die Festwirthe: Ed. Abel und Karl Pfeiffer. A Gothaer Cervelatwurß empfiehlt [5316] L. Kalkhof. Ch. A, Pasteurs Essig-Essenz von Max Elb, Dresden zur augenblicklichen Selbstbereitung des besten Speise-Essigs und zuverlässigsten Einmache- Essigs ; empfohlen von den höchsten medicinischen Autoritäten als der gesündeste Essig. In abgetheilten Original- Flacons zu 10 Literflaschen Essig I Mark. 3826 ä Pestragon I Mk. 25 Pf., aux flnes herbes I Mk. 50 Pf. Kä- Man hüte sich vor Nachahmungen ! In Giessen ächt zu haben bei Carl Schwaab, HofL, Emil Fischbach, C. 6. 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