Nr. 303 Erstes Blatt. Freitag dm 28. December 1894 Der chkßeaer Anreiz er erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AKmitienSlälier «erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Vierteljähriger Adounementsprels: 2 Mark 20 Pfg. mit Lringerloh». Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, «kxpcditio» und Druckerei: Schukstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- unb Anzeigeblcrtt fflr den Uveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» I tC Aot frtAf ”1 ^llle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. | GrariSokUttge. Anzeigen für den^Gießener Anzeiger" entgegen. Auntlicher Tbeil. Gießen, 18. December 1894. Betr.: Die Kranken«, Jnvaliditäts- und Altersversicherung der Kreisstraßenwarte. Das Grotzherzogliche Kreisaml Metzen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Sie wollen den Gemeinde-Einnehmer anweisen, bezüglich der bis Ende December 1894 für die Kreisstraßenwarte vorlagSweise gezahlten Beiträge zu den Kosten der Gememde- krankenversicherung und zwar für 51 Wochen, sowie derjenigen für Jnvaliditäts- und Alters-Versicherung mit der Kreiskaffe abzurechnen und die Vorlagen gegen Abgabe der Quittungen hierüber, zu welchen die den Gemeinde-Einnehmern demnächst zugehenden Formularien zu benutzen sind, in Empfang zu nehmen. Wir sehen Ihrem Bericht darüber, daß die gedachte Abrechnung erfolgt ist, bis spätestens 1. Februar 1895 entgegen. v. Gagern. Bekanntmachung. Für das Geschäftsjahr 1895 sind nachstehend verzeichnete Personen als Schöffen erwählt: 1) Hillgärtner, Peter L, Allertshausen, 2) Schäfer, Carl I., Wieseck, 3) Dorfeld, Carl, Wieseck, 4) Rompf, Conrad Wilhelm, Langgöns. 5) Brück, Johs. II., Oppenrod, 6) Krämer, Jacob VI., Steinbach, 7) Gerhardt, Philipp, Albach, • 8) Schäfer, Joh. II., Mainzlar, 9) Moll, Georg, Allendorf a. d. Ld. 10) Graulich, Wilhelm, Bersrod, 11) Benner, Wilhelm, Treis, 12) Rinn, Wilhelm, Klein-Linden, 13) Rein, Ludwig II., Allendorf a. d. Ld. 14) Jung, Ludwig II., Staufenberg, 15) Hämmerle, Carl, Daubringen, 16) Klinkel, Ludwig III., Ruttershausen, 17) Gundrum, Wilhelm, Reiskirchen, 18) Gerhardt, Heinrich II., Steinbach, 19) Heß, Georg IX., Leihgestern, 20) Schmidt, Philipp V., Lollar, 21) Althaus, Wilhelm, Gr.-Buseck, 22) Pitz, Joh. II., Annerod, 23) Adami, Georg, Gießen. 24) Brücke!, Conrad Carl, Langgöns, 25) Sommer, Jacob n., Watzenborn, 26) Reidel, Ludwig II., Heuchelheim, 27) Amend, Philipp, Allendorf a. d. Lahn, 28) Münch, Joh., Burkhardsfelden, 29) Ranft, Carl Ludwig, Beuern, 30) Schneidmüller, Joh., Alten-Buseck, 31) Wagenbach, Justus III., Alten-Buseck, 32) Geißler, Ludwig, Lollar, 33) Kiffel, Heinrich II., Garbenteich, 34) Volkmann, Georg, Heuchelheim, 35) Hardt, Ludwig, Gr.-Linden, ' 36) Balser, Ernst, Gießen. Gießen, den 24. December 1894. Großherzogliches Amtsgericht. Langermann. Bekanntmachung. In Bezug auf die Geschäftsordnung des unterzeichneten Gerichts ist Folgendes bestimmt: 1. Allgemeiner Amtstag, an welchem Jedermann, ohne vorgeladen zu sein, den Richter sprechen kann, ist Donnerstags von 9 bis 12 Uhr Vormittags und von 2 bis 5 Uhr Nachmittags. 2. Die Sprechstunden des Gerichtsschreibers sind jeden Werktag von 10 bis 12 Uhr Vormittags. 3. Die Schöffengerichtssitzungen sind auf den 16. Januar, 6. und 27. Februar, 20. März, 10. April, 1. und 22. Mai, 12. Juni, 3. und 24. Juli, 14. August, 18. (September, 16. October, 6. November, 4. und 18. Dezember; die Feldgerichtssitzungen auf den 21. Januar, 13. März, 29. Mai, 17. Juli, 25. September und 20. November und die Forstgerichtssitzungen auf den 21. Januar, 13. März, 15. Mai, 10. Juli, 25. September und 20. November festgesetzt. Lich, den 21. December 1894. Großherzogl. Amtsgericht. Süffert. Die allgemeine Geschäftslage am Jahreswechsel. Mit besonderer Befriedigung blickt man in keinem Lande der Erde und in keinem Erwerbszwetge auf das GeschäftS- leben des verflossenen Jahres, denn in allen Branchen wird über gedrückte Preise und mangelnden Absatz geklagt und Industrie und Gewerbe, Handel und Landwirthschaft sind dabet ziemlich gleichmäßig in Mitleidenschaft gezogen. Am unerfreulichsten bei dieser Erscheinung ist nun nach unserer Anschauung die Thasache, daß sich, was die Geschäftslage unseres Vaterlandes anbetrifft, der deutsche Ausfuhrhandel, das heißt der Verkauf deutscher Jndustrieproducte und sonstiger Handelswaaren auch im Jahre 1894 nicht wesentlich gehoben hat, sogar in einzelnen Zweigen und nach wichtigen überseeischen Ländern, wie nach Nordamerika, noch einen bedauerlichen Rückgang erfahren hat. In diesem Mangel an Absatz deutscher Maaren nach auswärts ist nun offenbar die Hauptursache deS wirthschaftlichen Drucks zu erblicken, denn deshalb liegt nicht nur theilweise die Industrie darnieder, sondern dies ist auch der Grund, weshalb Millionen von Arbeitern und Handwerkern geringen Verdienst haben und sich in ihren Einkäufen beschränken müssen. Dieser Umstand wirkt natürlich auch nachtheilig auf die Landwirthschaft und alle Gewerbe, zumal auf das Baugewerbe, welches in den meisten Städten sehr schwer darnieder liegt. Und daß der Handel und Verkehr bet solchen Zuständen keinen großen Aufschwung nehmen kann, bedarf keiner weiteren Ausführung. Nun werden alle Industriellen, Landwirthe und Kaufleute fragen: Wie und wann soll dieser Zustand sein Ende finden? Da tiefer Frieden in Europa herrscht und die Kassen der Banken mit Gold gesüllt sind, wird sich der Zustand ändern, sobald die Industrie wieder größeren Absatz nach dem Auslande hat. Dies dürfte aber nicht eher möglich sein, bis Feuilleton. Dir Geologie, rin Stiefkind in der Wissenschaft der Menschheit. Von Heinrich Becker, Frankfurt a. M. (Nachdruck untersagt.) ES sind nun vierzig Jahre, seitdem Carl Vogt, unser berühmter Landsmann, der so lange schon in der Schweiz wohnt, sein „Lehrbuch der Geologie" herausgab.*) ES waren wenige Jahre, nachdem er seine Vaterstadt Gießen verlassen, als ter Vornehmsten einer in dcm deutschen Parlament hatte gewirkt und als der Letzten einer mit Uhland und anderen tapferen Helden bis zum gewaltsamen Sturze des Parlaments zu Stuttgart hatte verharrt. Kaum wenige Jahre der politischen Pause, der geistigen Ruhe sür den Censor waren verflossen, als er dies merkwürdige Buch herausgab, ein Merk, welches durch eine große Vorstellung von unserer Erde, durch eine klare Darstellung der Gedanken und eine seltene Anmuth der Sprache vor vielen Werken seiner Landsleute sich auszeichnet. Man kann von diesem Buche sagen: wer dieses oder ein ähnliches Buch nicht gelesen, der kennt das Vornehmste nicht: er weiß nicht, wie unsere Erde in- und auswendig beschaffen ist. Gibt eS auch viele Menschen, die darum ohne Sorgen leben, so sind es doch andere, deren Pflicht eS wäre, die in jenem Werke niedergelegten Gesetze zu erkennen, weil sie auf diese daS Beste, das Wichtigste bauen: die Mauern, die Häuser, die Straßen, die Städte. Und von solchen Männern haben viele ihre Pflicht nicht erkannt, trotzdem sie den Lehrstuhl von Vogt vielleicht täglich umkreisten. Vor sieben Jahren feierte Vogt seinen 70. Geburtstag. AuS der ganzen Schweiz, aus dem weiten deutschen Reich, so weit die deutsche Zunge klang, wurden dem Herrn die Glückwünsche gesandt. Viele von den näher und ferner wohnenden Freunden kamen zu den gastlichen Ufern deS Genfer Sees, um die große Natur zu bewundern, die der Meister mit erhabenen Zügen gezeichnet hatte. *) Im Verlage von F. Vie weg u. Sohn zu Braunschweig. » Noch war der Festjubel nur halb verklungen, so kam schon eine schwere Trauerbotschaft, ein Unfall, der die gauze Schweiz erschreckte. In der Nacht vom 5. zum 6. Juli 1887 war an dem Zuger See der ganze lange, eben erst vollendete Kai von der Stadt Zug, sawmt dem Bahnhof und dem Regierungsgebäude und einigen Dutzend anderen Häusern, dazu auch vielen Menschen, in die Tiefe des SeeS hiuuntergestürzt. Erschreckt, geängstigt standen die Nachbarn um die Trümmer - rathlos die Vorsteher der Gemeine, die Beamten der Regierung, die Ingenieure und Baumeister, denn Niemand vermochte zu sagen, wie zu helfen, wo zu retten sei, Niemand konnte wissen, wie fest der Boden unter den eigenen Füßen noch stehe. Den Meister zu Genf mußte der Unfall tief berühren. Er konnte selber nicht helfen, nicht retten, denn jeder Rath kam zu spät. Er sah nur das Eine, was er längst erkannte: der Sturz mußte kommen, trotz seiner Lehre, denn alle Warnung war vergeblich gewesen. Man hatte gebaut mit Senkblei und Pfahl, mit Ramme und Betonroft und allen Hilfsmitteln, welche die Technik erfand. Man hatte aber vergessen, verschmäht, den Meister zu befragen: so strafte die Natur die Schuldigen, die ihre ewigen Gesetze nicht respectirten. Carl Vogt gibt in seinem Werke eine Beschreibung von dem Aufbau des Alpengebirges, so groß und so einfach, daß sie dem Einsichtigen rasch zum Verständniß gelangt. Nehmen wir die geologische Karte von Deutschland hinzu, die von dem Nestor der deutschen Geologie, Dr. Heinrich von Dechen, hergestellt ist — das Modell für die künftige Karte von Europa — dann werden wir VogtS Alpen in großem Farbenbild erkennen. Wir sehen den breiten granitenen Grundstock- vor diesem in mehreren Stufen die Jura« und Kreide-Gebilde, dann die Molasse und Nagelfluhe. Wie der granitene Grundstock, so laufen auch die vom Meere hergcflößten Muschel- und Kreide« bänke, sowie die Molasse und Nagelfluhe in der Richtung Südwest Nordost. Die weite Niederung zwischen Alpen und Vogesen von Genf bis Passau läuft in derselben Richtung. Die Wissenschaft sagt uns, der Golfstrom zog in ältesten Zeilen diesen Weg. Wer heute den Sturmgang vom atlantischen Ocean verfolgt, der sieht, daß ein Sturmzug, mit dem Golfstrom ziehend, zur Bucht von Biscaja herein dringt und südlich vom Anolsgald-Gebirg, theils nördlich, theils südlich von den Alpen herzieht, genau in der Richtung, in der die Flucht von der Alpenwand herläuft. Wer den Bau der einzelnen Bergstücke betrachtet, der findet, daß jeder Felsen in wagrechte Schichten, wie senkrechte ■ Gänge sich spaltet. Schichten und Gänge durchkreuzen einander in unregelmäßigen Winkeln, in Rautengestalten zerspalten die Felsen. Das Wetter, was auf die Alpen herabschlägt, reißt die Rauten heraus und bildet die Seekeffel, die Thäler. So laufen die Thäler und Seen in gleicher Richtung mit der Axe vom Gebirg (S.-W.—N.-O.) oder fast im rechten Winkel zur Axe (S.-O.—N.-W.). Die Thäler vertiefen sich im Laufe der Jahrtausende zu ungeheuren Schluchten- die Schichten an den Wänden entbehren der Stütze, sie finken noch und fallen in schräger Neigung zur Thalsohle herab — wo der Kessel mit Wasser gefüllt, bis zum Seeboden. Vogt sagt deßhalb, die ganze Kette der Molasse und Nagelfluhe ist nach S.-W. hin stark geneigt. Als Beispiel führt er den Rigi an- der Zuger Berg ist von derselben Beschaffenheit. Danach müffen die ganzen Wände vom Vierwaldstätter und vom Zuger See nicht blos äußerlich in starker Neigung zum See hin abfallen, sondern auch in ihren vorderen Schichten in selber Weise sich senken. Diese Neigung geht bis zum Grunde des SeeS- im Zuger See bis zu 12—1500 Fuß Tiefe. Sie wird durch nichts aufgehalten, denn wo ein losgerissenes Stück stehen wollte bleiben, da reißen die nachstürzenden Regenmassen, die vom Sturm gepeitschte Fluth, die hastlosen Stücke zur Tiefe. Wenn nun vom Berge der Staub, die feinste Verwitterung des Gesteins, in den See wird geflößt, dann sammelt sich dieser wohl an dem Strande- in trockenen Jahren bildet er sich zu Uferbänken, die mit Schilf, mit Gras werden bewachsen. Die Thiere grasen darauf- erwachsen Bäume und der Mensch kann eine Weile sorglos darauf wandern und sein Gewerbe treiben. Kommen aber' naffe Jahre, kommen Winter starken Frostes, dann lockert sich die Masse- ein nachfolgender starker Regenguß vermag sie zu lösen und mit ftd) die Verhältnisse in den Bereinigten Staaten und in einer Reihe südamerikanischer Republiken gebessert haben. Das berühmte Wort der Grobkaufleute, daß sich Nordamerika nach jedem Rückschläge in sechs Monaten zu erholen pflege, ist leider diesmal nicht in Erfüllung gegangen, denn nach den Berichten der amerikanischen HandelSzettungen geht in den Vereinigten Staaten das Geschäft noch sehr flau und die südamertkanischen Republiken stecken erst recht noch in ganz unfertigen Zuständen. Jeder wirthschaftliche KrankheitS- Proceß wird aber schließlich doch einmal überwunden und dies muß man auch von dem gegenwärtigen hoffen. Deutsches Reich. Berlin, 24. December. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Weimar, Geh. Legationörath von Derenthall zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am portugiesischen Hose. Berlin, 24. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: „Gegenüber der Mittheilung einiger Zeitungen, der Präsident deS Reichstages habe sich anheischig gemacht, die sogenannte Umsturzvorlage — soll wohl heißen: deren erste Lesung — vor den Ferien zu erledigen, kann versichert werden, daß von keiner Seite ein derartiges Verlangen an den Präsidenten gestellt und von diesem nach keiner Seite eine derartige Zusage gemacht ist." Berlin, 24. December. Wie die „Post" hört, dürste die Abreise deö russischen Botschafters Grafen Schuwalow nach Warschau zur Uebernahme seines neuen Postens kaum vor vier Wochen stattfinden. Berlin, 24. December. Die an der Ausschmückung des Weißen Saales betheiligten Bildhauer versammelten sich auf Einladung des Kaisers am Sonntag Nachmittag 3 Uhr im Capitelsaal des Königlichen Schlosses. Geladen waren u. A. Hvfbaurath Ihne, Prof. Otto Lessing, Prof. Schaper, Calandrellie, Eberletn und Hundwieser. Die Herren wurden vom Chef des Civilcabinets v. Lucanus und dem Grafen Eulenburg empfangen, ersterer sprach im Namen des Kaisers den Künstlern Dank und Anerkennung au-s und überreichte ihnen Ordensauszeichnungen verschiedener Art. Nach der Decorirung erschien das Kaiserpaar in Begleitung von Adjutanten und Hofdamen. Der Kaiser reichte jedem der Künstler die Hand, sprach ihnen dann noch persönlich seinen Dank aus und betonte, wenn Einer die Sache in der Hand habe, könne sie bester und schneller gefördert werden, als wenn zwanzig mitsprächen und zu keiner rechten Einigkeit gelangten. Berlin, 26. December. Die Bierboycott-Com- mission wird für die nächsten Tage eine Anzahl Volksversammlungen einberufcn, von welchen die gänzliche Aufhebung des Bierboycotts beschlossen werden soll, dagegen soll über diejenigen Saalbesitzer, welche den Socialdemokraten ihre Säle zur Abhaltung von Boycotlversammlungen bisher ver- schlossen hatten, der Poycott weiter verhängt werden. Ausgenommen hiervon sind die Saalbesitzer, welche von Brauereien direct abhängig waren. — Die Soclaldcmokraten wollten während der Weihnachtsfeiertage in verschiedenen Localitäten Theateraufführungen veranstalten. Die Polizei hat dieselben untersagt, angeblich weil die Berliner Theater hierdurch geschädigt würden. Berlin, 25. December. Das königliche Eisenbahn-Be- triebSamt Paderborn theilt mit: In der Nacht vom 24. zum 25. d. M. gegen IP/2 Uhr stießen auf der eingeleistgen Strecke Carlshafen-Bodenfelde der Bahn Ottbergcn Northeim zwischen beiden erstgenannten Stationen die Güterzüge 825 und 832 im Wahmbecker Tunnel zusammen. Der Packmeister deS Zuges 825 wurde getödtet, der Locomotivführer und der Heizer des gleichen Zuges, sowie der Packmeister des Zuges 832 schwer, 6 andere Beamte leicht verletzt. An Betriebsmitteln wurden beschädigt beide Maschinen und einem Mal stürzt das ganze Ufer, daS der Mensch für Festland gehalten, unaufhaltsam zur Tiefe. Solche Umstände mögen bet dem Erdsturz in Zug zusammen gewirkt haben. Im October und November 1886 sind große Regenmassen über Frankreich gekommen- sie stießen wider die Alpen, sie haben im Norden und Süden, in der Schweiz wie in Oberttalien Ueberschwemmung gebracht. Danach fielen große Schneemassen und von December mit geringer Unterbrechung bis zum März trat ein Frost ein, so heftig, wie er außer 1879—80 seit fünfzig Jahren nicht war. Dann kam die langsame Thauung, die mit Regen und Sonnen- Wärme die gelockerten Erdmasten löste. Sie hätte trotz der großen Frostwirkung keine so schlimme Bedeutung erlangt, hätte nicht der Mensch — den LösungS'Proceß der Natur nicht achtend — durch eignes Thun die Gewalt deS Sturzes erhöht. Aus frühsten Jahrhunderten weiß man nicht, wie dieser Proceß sich hat gestaltet. Erst vom 15. an sagt die Chronik, am 6. März 1435 stürzte ein Stück von der Stadtmauer in Zug, die bis an den Seerand ging, sammt der Nieder-Gasse und 26 Häusern in den See. 60 Menschen sanden ihren Tod, unter ihnen der Landammann und der Stadtschreiber. Es war im Frühjahre- leider hat die Chronik vergessen, über den vorausgehenden Winter zu berichten- wir können also nur auS der Gegenwart ein ähnliches Wetter uns vorstellen. Man baute die Häuser landeinwärts wieder auf und hielt sich gesichert, man glaubte sogar ohne Mauer an der Seefeste, weil die Wachsamkeit und Treue der Bürger die beste Sicherung böte. Es vergingen über 150 Jahre, bis die Bewohner wieder aufgeschreckt wurden. Im Jahre 1594 versanken mit einem Mal 9 Häuser. Sie mahnten die Leute au den trügerischen Grund, auf den sie hatten gebaut. (Schluß folgt.) 23 Wagen. Der Durchgangsverkehr ist auf voraussichtlich 2 Tage gesperrt und wird über Holzminden-Kreiensen geleitet. Der Unfall ist durch Verstoß gegen die telegraphischen Meldungen zur Sicherung des Zugverkehrs veranlaßt. Die Untersuchung ist sofort eingeleitet. Berlin, 25. December. Der Schriftsteller Ludwig Pietsch ist anläßlich seines siebzigsten Geburtstages zum Professor ernannt worden. Frankfurt a. M., 24. December. Die „Franks. Ztg." meldet aus Parts: Im Ministerrath ließ der KrtegSminister ein Gesetz unterzeichnen, welches die ^Todesstrafe festsetzt für den Verrath und zwar für alle Staatsbeamten, Soldaten, Reservisten, Landwehrleute, auch die Strafbestimmungen gegen die Spionage verschärft. Hamburg, 24. December. Der Orkan, welcher während der letzten 48 Stunden in vielen Ländern Europas, hauptsächlich an den Küsten wüthet, rief auch hier bedeutenden Schaden hervor. Man schätzt den an den Maaren im Freihafen infolge dcS Sturmes entstandenen Wasserschaden auf mehr als 2 Millionen Mark. Bremen, 24. December. Der Lootsen Schoner „Geestemünde" ist in der Wesermündung gesunken. Vier Lootsen ertranken. München, 24. December. Die am Samstag im katholischen Casino abgehaltene Parteiversammlung der bayerischen Katholiken beschloß im Einverständniß mit der deutschen Centrumspartei den nächstjährigen allgemeinen ' deutschen Katholikentag in München abzubalten. Graf Conrad | Prehssing ist mit der Bildung eines Localcomitvs beauftragt j worden.j Ausland. Nom, 24. December. In der gestrigen Ansprache an die Cardinale stellte der Papst das Wiedererwachen des Glaubens bei den Nationen fest. Die Nationen seien in Folge der Enttäuschungen und Unglücksfälle, welche sie erfuhren, sowie in Folge der wachsenden Gefahren zu der Erkenntniß gelangt, daß die bürgerlichen Tugenden und Gesetze, sowie strenge Maßnahmen allein nicht ausreichen, die Massen im Zaum zu halten. Es erscheine deshalb von höchster Wichtigkeit, daß Alle zusammenwtrken, damit der Glaube das öffentliche und bqß Privatleben durchdringe, der Name Gottes in den gesetzgebenden Versammlungen, in den Vereinen und Familien mit Ehrfurcht genannt werde und die Negierenden die Religion in den Heeren und der Bevölkerung fördern. Paris, 24. December. Wie verlautet, soll die Degradation des Hauptmanns DrehfuS am Samstag stattfinden. Paris, 23. December. Das Kriegsgericht zog sich 10 Minuten vor 6 Uhr zurück und erschien im Sitzungssaal um 7 Uhr. Der Saal war mit Zeugen und Journalisten gefüllt. Dec Präsident verlas den Spruch deö Gerichts, wonach Hauptmann Dreyfus einstimmig für schuldigerklärt und zu lebenslänglicher Deportation und zur Degradation verurtheilt wird. Bei den Worten öeS UrtheilS: „Im Namen des französischen Volkes" falutirten die Richter - bei dem Wort „einstimmig" ging eine Bewegung deS Entsetzens durch den Zuschauerraum. Nach Verlesung des Unheils wurde die Sitzung sofort geschlossen. Ein Zuschauer rief: „Es lebe das Vaterland!" Der Angeklagte, welcher der Verlesung nicht beiwohnte, erhält Kenntniß deS Urtheils im Gefängniß vor versammelter Wache. Den ganzen Nachmittag und besonders Abends war starke Menschenansammlung in der Straße vor dem Kriegsgericht, zahlreiche Polizei- Mannschaft versah den Ordnungsdienst. Abends war die Straße ganz abgesperrt. Große Erregung herrschte in der Umgebung des Kriegsgerichts. Paris, 24. December. Im Quartier Latin veranstalteten gestern Studenten eine Demonstration, welche zu groben Ausschreitungen führte. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Paris, 24. December. Emile Zola theilte in einem Jnterwiev mit, daß der französische Offizier Romani bei seiner Verhaftung durch italienifche Gensdarmen im Besitze von Schriftstücken gewesen sei, welche französische Grenzbefestigungen betrafen und die größte Wichtigkeit befeffen haben sollen. Paris, 24. December. Der zur Notification der Thronbesteigung des Kaisers von Rußland hier eingetroffene außerordentliche Gesandte General Tscherkoff ist bei feiner Ankunft von der Menge sympathisch begrüßt worden. Paris, 24. December- In Handelskccisen erwartet man, daß nach der Ankunft des spanischen Gesandten zwischen den Handelskreisen und dem Minister des Aeußern eine Einigung erzielt ober daß wenigstens ber modus vivendi verlängert würde. Paris, 24. December. In französischen Blättern wirb ungeachtet wieberholter halbamtlicher Berichtigungen noch immer bie deutsche Botschaft mit dem Proceß Dreyfus in Verbindung gebracht - insbesondere wird behauptet, Graf Münster habe auf Ausschluß der Oeffentlichkeit gedrungen, weil-die Anklage auf ein bei der Botschaft entwendetes .Schriftstück gegründet sei. Demgegenüber wird von berufener Seite nochmals auf das Nachdrücklichste erklärt, daß alle diese Behauptungen lediglich tendenziöse Erfindungen sind und einen dreisten Versuch barstellen, ben Thatbestand zu verschleiern. Die deutsche Botschaft hat mit Dreyfus weder direct noch indirect jemals bie geringste Verbindung gehabt und eö kann daher von der Entwendung eines von DrehfuS herrührenden Schriftstückes ebenso wenig bie Rebe fern, wie von einem Eintreten für geheime Verhandlung. Paris, 24. December. Sömmtliche Blätter besprechen baß Unheil gegen ben Hauptmann Dreyfus. Alle brücken ihren Unwillen herüber aus, baß bas Gesetz nicht gestattet habe, baß der Verräiher zum Tode verurtheilt werden konnte. Sic fordern, daß die Regierung ein derartiges Gesetz in ber Kammer einbringen möchte, bamit nicht mehr ein derartiger Fall vorkommen könne und führen als krasses Beispiel an, baß ein einfacher Soldat wegen Beleidigung seines Vorgesetzten zum Tode verurtheilt werden könne. Paris, 24. December. Die von den hiesigen Blättern gebrachte Meldung von einem Angriff der HovaS auf ein französisches Schiff, ist den letzten Nachrichten zufolge, unriqtig. Paris, 24. December. Dem „Temps" wird aus Auffon gemeldet, daß innerhalb zweier Tage dreimal Versuche gemacht wurden, einen Perfonenzug durch Auflegen schwerer Steine auf baß Schienengeleife zum Entgleisen zu bringen. Der Thäter, ein junger Mensch von 16 Jahren, ist bereits verhaftet. Lüttich, 24. December. Bei ber Kammer-Wahl, welche daburch nöthig geworben war, baß Defuisseaux bie Wahl in Mons angenommen hat, erhielten Francotte (Katholik) 35284, Smeets (Socialist) 55563 unb Hansens (liberal) 27 258 Stimmen. Somit ist Stichwahl zwischen Francotte und Smeets erforderlich. London, 24. December. Die „Times" meldet aus Kobe von gestern: Etwa 1000 Tonghaks schlugen am 17. d. M. bie aus 300 Mann bestehenbe koreanische Garnison von Tschollabo. Die Häuser in ber Umgegenb würben geplünbert und niedergebrannt. Die Bevölkerung ist geflohen. — Aus Tokio wird ber „Times" von gestern gemeldet, wahrscheinlich würden in dieser Woche 25000 Mann in Hiroshima eingeschifft. Petersburg, 24. December. Die Studenten ber hiesigen Universität beabsichtigen, an den Kaiser eine Bittschrift zu richten, in welcher er gebeten wird, ihnen bie Rechte erwachsener Menschen unb acabemischer Bürger zurückzugeben. Die Bittschrift, welche in ben ehrfurchtsvollsten Worten abgefaßt ist, soll bem Zaren bet erster Gelegenheit überreicht werden. ^Petersburg, 24. December. Der Generalgouverneur von Kiew, Graf Jgnatieff, will von seinem Posten zurücktreten. Petersburg, 24. December. In der Bittschrift der Studenten soll auch die Abschaffung aller Taxen und Collegiengelder, ferner bie Gewährung beß freien Versamm- lungßrecfjtß an die studirende Jugend und die Zulassung der Frauen zum Studium vom Zaren erbeten werden. Die Erlangung dieser Rechte steht schon seit langen Jahren auf dem Programm der studentischen Bestrebungen- ber Unterrichts- Minister ließ jeboch alle Petitionen unberücksichtigt. Wie verlautet, erwartet man bie Demission beß letzteren und eine strenge Maßregelung ber unruhigen Elemente unter ber russischen Studentenschaft. Petersburg, 25. December. Der Kaiser hat ben Großfürsten Sergius zum Präfibenten' beß Comitvs für Errichtung eines Denkmals für Kaiser Alexander III. ernannt. Sofia, 24. December. Unter großer Betheiligung ber macebonischen und armenischen Colonie legten gestern hier wohnhafte Macedonier einen Kranz in ber armenischen Kirche nieder, obgleich die Polizei dies zu verhindern gesucht hatte. Der Kranz trägt eine Aufschrift, in welcher ber Tob ber Opfer oon Sassun verherrlicht wirb. Ein macebonischer Abgeorbneter hielt eine Rede. • Neueste Nachrichten. Ätolffs telekraphisches Corresvonbenz-Bureru- Bielefeld, 26. December. Geheimer Commerzienrath Hermann Delius, ehemaliger Abgeordneter beß beutschen Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses, ist gestorben. Madrid, 26. December. Die Königin-Regentin empfing gestern in feierlicher Audienz den mit der Notification der Thronbesteigung beß Kaisers Nikolaus von Ruß- land beauftragten Fürsten JmeretinS^ky. Deneschm des Kureatr »Herold". Berlin, 26. December. Der Kaiser hat für die durch baß kürzliche Erd beben in Sicilien unb Calabrien Verunglückten und Geschädigten 10,000 Mk. bewilligt. Budapest, 26. December. Die liberale Partei sieht der Hierherkunft des Kaisers mit der größten Spannung entgegen. Haag, 26. December. Der gestrige Socialisten- Congreß beschloß bie Auflösung beß Socialistenbundkß, weil derselbe den holländischen Gesetzen zuwider sei, dagegen wurde die Gründung eineß neuen Soctalistenvereins beschlossen, dem bereits 52 socialistische Adtheilungen beigetreten sind. London, 26. December. Die „Times" melden auß Kairo, der Minister Nu'bar Pascha ist gestern bei einem Spaziergange gestürzt unb erlitt einen Beinbruch. London, 26. December. In ber Schlacht bei Hait- fchang sinb nach japanischen Blättern auf Seiten ber Japaner 2 Offiziere und 52 Solbaten gelobtet, sowie zwölf Offiziere und 356 Solbaten verwundet worden. — Die koreanische Regierung hat beschlossen, bei Japan eine Anleihe von 5 Millionen Dollars aufzunehmen, sowie für 15 Millionen Bankbillets aaßzugeben. Loyales unb SrovLuzLettes Sietzen, den 27. December 1894. > ** Sitzung Grotzh. Handelskammer vom 20. December 1894. Anwesend die Herren Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Hornberger, Katz, Krantz unb Wortmann. Schon seit Jahren ist die Kammer in Gemeinschaft mit andern Schwesterkammern um eine Herabsetzung der Telephongebühren von 150 auf 100 Mark bemüht. Obwohl bie Vortheile, welche eine solche Nebuction im Gefolge haben würde, von den intetefflrten Kreisen rückhaltlos anerkannt worden, waren diese Bemühungen an maßgebender Stelle seither erfolglos. Die Kammer beschließt, nochmals an ben Reichstag eine Petition in dem gedachten Sinne zu richten und beruft sich hierbei namentlich auf eine hier in Gießen und auf diesseitige Anregung Seitens einer Reihe von Schwester- kammern veranstaltete Enquete, die tas überraschende Resultat ergeben hat, daß bei der beregten Rcduction der Telephongebühren die Anschlüsse sich um etwa 50 pCt. sofort vermehren würden. Auch glaubt die Kammer einem dringenden Wunsche des Publikums, namentlich der Geschäftswelt, Ausdruck gegeben zu haben, wenn sie wiederholt für Erhöhung des Gewichts für einfache Brieie von 15 auf 20 Gramm eingetreten ist und auch in dieser Hinsicht eine eingehend motivi'te Eingabe an den Reichstag gerichtet hat. Beide Perltionen werden den deutschen Handelskammern zur Unterstützung zugehen. — Auf die im August nächsten Jahres von dem Ortsgewerbeverein in Alsfeld gelegentlich der daselbst ftatlfindenden General-Dersammlung des Landes-Gewerbevereins zu veranstaltende Ausstellung Oberhesstscher Erzeugnisse sei auch an dieser Stelle hin- gewtesen. — Es sind Beschwerden darüber eingelaufen, daß seit neuerer Zeit die Postverbindung an Zug 3 der Oberhessischen Bahn 930 Borm. ab Nieder- gemünden nach Homberg früher — zum Anschluß an Zug 2 ab Fulda — gelegt worden ist, man infolgedesien zur Fahre dahin sich eines Extrafuhrwerks bedienen müsie. Die Kammer muß diese Beschwerden für durchaus begründet erklären und billigt demgemäß die vom Vorsitzenden behufs Wiedereinführung der früheren Postoerbiudung bet der Ober- post-Direction Darmstadt bereits geschehenen Schritte. — Die Handelskammer für Oftfrtesland und Papenburg sragt an, welche Stellung man zu der im „Reichs- und StaatS- anzeiger" vom 1. October 1894 veröffentlichten Kundgebung, wonach die Proviantämter Verpflegungsmittel, die im Inland erzeugt werden, soweit irgend möglich, von Producenten kaufen müssen, diesseits einnehme. Pie Kammer beschließt, erst nach Berichterstattung hierüber zu entscheiden. Zum Referenten über diesen Gegenstand, ebenso wie über eine Anfrage des Vereins deutscher Großhändler in Dünge- und Krastfuttermitteln, die Einführung von Usancen und Bestimmungen für den deutschen Handel und Verkehr mit Kraftfuttermitteln betreffend, wird Herr A. Katz bestellt. — Von der Schwesterkammer in Frankfurt a. M., sowie den Aeltesten der Kaufmannschaft in Berlin gingen der Handelskammer Gutachten, die Beschlüsse der Börsen- Enquete - Commission betreffend, zu. Zum Referenten wird Herr Commerzienrath Heichelheim bestimmt. — Eine aus Anlaß der Erschwerung der Bedingungen für die Gestattung vorübergehender Einführung von Ueberstunden für Arbeiterinnen von der Großh. Handelskammer zu Offenbach a. M. beabsichtigte Eingabe an Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, beschließt die Kammer zu unterstützen. — Von Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz ging der Kammer die Abschrift eines von dem Kaisers. Consulate in Cincinnati erstatteten Berichts ein, betr. den deutschen Exporthandel in Amerika, in welchem auf die Verhältnisse hingewtesen wird, welche der deutsche Exporteur auf dem uordamerikanischen Markte zu berücksichtigen hat. Ferner theilt höchste Staatsbehörde der Kammer ein Circular mit, welches die näheren Bestimmungen enthält, die von mit Gewerbelegitimationskarten versehenen deutschen Handlungsreisenden zu beobachten sind. Dieselbe Behörde weist darauf hin, daß nach dem türkischen Stempelgesetz die Betheiligten eines ungestempelten Wechsels keine wechselmäßige Verbindlichkeit übernehmen- sie übersandte ferner abschriftlich einen Bericht des Kaiserlichen Gewerbeconsulats für Britisch«Indien und Ceylon, betr. die Aussichten des deutschen Ausfuhrhandels in Britisch-Indien. Sämmiliche Schriftstücke liegen etwaigen Interessenten auf unserem Bürcau zur Kenntnißnahme offen, sowie auch eine vertrauliche Mittheilung hinsichtlich einer CommissionSfirma in Adrianopel. — Der Vorsitzende bringt schließlich zur Kenntniß der Mitglieder, daß Großh. Ministerium die am 5. December vollzogene Ergänzungswahl — die Herren Scheel, Heichelheim und Ktngspor — bestätigt habe. Die hieran sich schließende Wahl des Vorstands ergab die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder und zwar der Herren F. C. B. Koch als Vorsitzender und R. Scheel als Stellvertreter. ♦ * Ermächtigung zum Tragen eines fremden Ordens. Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädtgst geruht, dem Für st en Solms-Hohensolms-Lich die Erlaubniß zur Anlegung des von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin ihm verliehenen Großkreuzes des HauSordens der Wendischen Krone mit der Krone in Erz zu ertheilen. * * Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden die Gerichtsaccessiisten Heinrich Claß in Mainz und Dr. Otto Marx in Bingen zu Gerichtsassessoren ernannt. • • Zu Forstasfesforeu wurden ernannt die Forftaccessisten Alwin Schenck aus Darmstadt und Otto Moser aus Roßla. • * Die Weihuachtsfeiertage sind, wenn diese Zeilen in die Hände der verehrten Leser gelangen, zu Ende und mit ihnen liegt wieder ein Stück Poesie hinter uns, ohne welche nun einmal die Menschheit nicht sein soll. Dem allgemeinen Eindruck nach zu urthetlen, verlief das Fest recht befriedigend, kein Mißton weder in der Natur noch in der Politik störte es. Das winterliche Kleid, in das nach menschlicher Annahme die Natur um Weihnachten sich hüllt, traf diesmal etwas verspätet ein, auch scheint eS nicht, als ob es besonders dauerhaft sei. Der Character des Weihnachtsfestes trat neben den stark besuchten kirchlichen Feiern besonders zu Tage in einer Anzahl von Bescheerungen innerhalb der Vereine- es fiel dabei auch manches Scherflein ab für diejenigen, denen das Lächeln des ChristkindleinS zu schauen sonst nicht vergönnt gewesen wäre. Das Hauptmerkmal des Festes, die Bescheerung innerhalb der Familien, dürfte auch diesmal ein allgemein freudiges gewesen sein, denn nach unseren Beobachtungen wurden in den letzten Tagen noch reckt belangreiche Eiiikäufe gemacht, eine größere Anzahl Geschäftsinhaber hielt denn auch mit dem Ausdruck ihrer Zufriedenheit nicht zurück- daß Alle befriedigt werden können, ist selbst unter besseren Zritverhältnifsen wie den gegenwärtigen ausgeschlossen. E.H. In hergebrachter Weise fand am 4. Advent die 16. Christbefcheerfeier deS Vereins Jugendfreund statt. Nachdem der gemischte Chor der Bürgergesellschaft unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Trautmann die Versammlung durch Vortrag des LtedeS „Herbei o ihr Gläubigen" erfreut hatte, hielt das Vorstandsmitglied, BibliothekscustoS I)r. Heuser eine kurze Ansprache, in der er insbesondere den Kindern anS Herz zu legen versuchte, nicht zu vergeßen, daß auch das Weihnachtsfest seine Bedeutung nickt erhält durch die Gaben der Liebe, die wir an diesem Tage zu vcrtheilen gewohnt sind, sondern durch die religiöse Thatiache, um derentwillen wir eS feiern. Der Chor fang dann noch das Lied „Stille Nackt, heilige Nacht", woraus eine Besichtigung der Gaben stattfand. Es war diesmal möglich gewesen, 7 Mädchen und 11 Knaben mit vollständig neuen Anzügen zu versehen. Möge daS Wohlwollen, das der Verein bisher erfahren hat, ihm auch in Zukunft erhalten bleiben. *• Neujahrsbriefe. Beim Herannahen des Jahreswechsels machen wir nochmals auf die kürzlich besprochene postalische Einrichtung aufmerksam, wonach frankirte Stadtbriefe, Postkarten und Drucksachen schon vom 26. December ab an größeren Orten zur Post geliefert werden können. Diese Sendungen sind in einen Briefumschlag mit der Aufschrift „hierin frankirte Neujahrsbriefe für den Ort" zu legen, der am Postschalter abgegeben oder in einen Briefkasten geworfen werden kann. Auch bringen wir den rechtzeitigen Ankauf der zur Neujahrszeit erforderlichen Freimarken und Postkarten in Erinnerung. ** Postalisches. Am Sonntag den 30. December werden die Brief sch alt er wie an Werktagen offen gehalten. ** Neues Panorama. Eine schöne Illusion schafft uns eben Herr Schmidt im Panorama, Neuen Beu?, im Laden, indem er allen Denen, welche nicht so glücklich waren, verflossenen Sommer die Extrafahrten über den Ocean mitzumachen, die Ausstellung in Chicago zu besuchen, solche in plastischer Reproduction vorführt. Und diese Darstellungen sind so gelungen, daß man in der That gar keiner großen Jllufionskrast bedarf, um sich in die wunderbaren Veranstaltungen dieses Riesenwerkes hineinzuversetzen. Dabei kommt man außerdem, daß die Ueberfahrt für den minimalen Preis von 30Pfg. bewirkt wird, um die Seekrankheit herum, die sonst das Vergnügen einer Meerfahrt mehr als zweifelhaft zu machen pflegt. •• Die Gesammtzahl der Studierenden und Hospitanten der Großherzoglicheu Technischen Hochschule zu Darmstadt beträgt im Wintersemester 1894 bis 1895 bis jetzt 730, davon 638 Studierende und 92 Hospitanten (u. W. die größte bis jetzt erreichte Zahl. D. R.) Den einzelnen Fachabtheilungen gehören an: Bauschule 61 Studirende, 12 Hospitanten, Ingenieurschule 79 St., 7 H., Maschtnenbauschule 179 St., 23 H., Chemisch-technische Schule (Chemiker, Electrochemiker und Pharmazeuten) 63 St., 14 H., Mathematisch naturwissenschaftliche Schule 20 St., 18 H., Electrotechnische Schule 236 St., 18 H. Von den gedachten 730 Hörern sind aus dem Großherzogthum Hessen 247, dem Königreich Preußen 270, den anderen deutschen Staaten 134 und aus dem Auslande 79 (Belgien 3, Bulgarien 7, Dänemark 1, England 2, Frankreich 2, Griechenland 1, Italien 1, Niederlande 4, Norwegen 3, Oesterreich 5, Rumänien 4, Rußland 30, Schweden 2, Schweiz 8, Amerika 6). ♦* Evangelische Diakonissen. Die Zahl der evangelischen Diaconissen der 68 dem Kaiserswerther Verbände angehören- den Diaconissenhäuser ist von 1891 mit 8478 Schwestern, im Jahre 1894 auf 10,412 Schwestern gestiegen- 867 neue Arbeitsfelder sind in den drei Jahren von den Diaconissen in Angriff genommen, welche überhaupt auf 3641 Arbeitsfeldern thätig sind. Die jährlichen Einnahmen belaufen sich in den 68 Diaconiffenhäusern des Verbandes auf 8,940,880 Mk. In den letzten 30 Jahren beträgt das Wachsthum der Schwestern- zahl in Procenten ausgedrückt 654 Procent, dasjenige der Einnahmen 1,099 Procent. Aus diesen Zahlen ergibt sich ein höchst erfreuliches Wachsthum der Kräfte und Mittel, das aber immer noch den sich mehrenden und wachsenden Anforderungen nicht völlig genügen kann. ♦♦ Wurst-Papier. Ein Mainzer Geschäftsmann verkaufte dieser Tage an Soldaten eines dortigen Regiments Wurst, welche in eine Zeitung eingewickelt wurde. Als der Soldat die Wurst unter seine Kameraden zur Vertheilung bringen wollte, sah einer seiner Vorgesetzten, daß dieselbe in ein Stück eines socialdemokratischen Blattes eingewickelt war. Der Vorgesetzte stellte den Soldaten zur Rede und dieser bezeichnete das Geschäft. Sofort wurde eine Verfügung er- laffen, welche es sämmtlichen Soldaten der Regimenter verbietet, dort fernerhin Einkäufe zu machen. Der „M. Anz." kann mitheilen, daß der betr. Ladenbesitzer durchaus keine staatsfeindliche Gesinnung hegt und darf man deshalb annehmen, daß das Verbot aufgehoben wird. Das verhängniß- volle Wurstpapter war rin Theil von eingekaufter Maculatur, von deren Inhalt der Geschäftsmann nichts wutße. •* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Former Philipp Becher aus Griesheim bei Darmstadt, zuletzt in Darmstadt, vom Amtsanwalt I in Darmstadt wegen Körperverletzung: Dienstknecht Paul Lauer aus Nerch im Kreise Alzey vom Amtsanwalt in Mainz wegen Bettelei- Kutscher Heinrich Rosenkranz aus Philippstein, zuletzt in Gießen, vom Amtsanwalt in Gießen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt - Schausteller Carl Weiter Ehe- fron, Anna Maria, geb. Stadtfeld aus Neroth, zuletzt in Offenbach, vom Amtsanwalt in Mainz wegen Widerstands und Unfugs- die Dienstmagd Emma Fr itzges aus Schotten wegen Diebstahls- Bäcker Adam Neun auSHitzkirchen wegen MajestätSbeleidigung- Steinhauer Johann Pöllath au- Mühlbühl in Bayern, zuletzt in Hemsbach, wegen Strafvollzugs — die drei letzteren von der Staatsanwalt in Darmstadt. IlSdorf, 20. December. Bei der heute hier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde als Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Bast Herr Christian Kühn mit 13 gegen 8 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. verbrachtes. * Leipzig, 20. December. Der alte Stannebein, der auch weit außerhalb Leipzigs bekannte Wetterprophet, ist zur Ruhe bestattet- Wie die „Leipz. Nachr." bemerken, ist mit Stannebein ein Original zu Grabe getragen worden: durch feine fortgesetzten „Wolkenstudien", die er allen Ernstes und mit Eifer betrieb, hatte er sich, besonders in der Land' bevölkerung, vom simplen Wuckmüller zu einer Art Wetterpropheten emporgeschwungen, dem man überall gern begegnete. Als die deutschen Truppen nach dem siegreichen Kriege in Frankreich am 16. Juni 1871 in Berlin einziehen sollten, sandte Stannebein Morgens in aller Frühe ein Telegramm an Kaiser Wilhelm, in welchem er diesem daS herrlichste Wetter für den feierlichen Einzug in die Hauptstadt deS Deutschen Re ches vorhersagte. Stannebein hatte auch darin Recht. * Wie heiß ist die Sonne? Ueber die Temper atur der Sonne schwanken die Angaben zwischen 1500 Grad und 3 bis 5 Millionen Grad. Den wenigsten dieser Zahlen lagen Messungen zu Grunde und unter diesen letzteren sind die Resultate von Rossetti und Le Chatelier hervorzuheben, von denen der Erstere die Temperatur der Sonne mit 10 000 Grad, der Letztere mit 7600 Grad Celsius bestimmte. Eine neue Untersuchung haben die Herren W. E. Wilson und R. L. Gray durchgesührt. Sie ließen die bekannte Wärme eines glühenden Platinstreifens auf ein Boys'sches Radiomikrometer fallen, wodurch baffelbc um einen Winkel gedreht wurde. Andererseits aber beinflußten von der anderen Seite durch eine enge Oeffnung fallende Sonnenstrahlen das Instrument in entgegengefetzter Richtung, indem sie es im verkehrten Sinne drehten. Es wurde nun die Zutrittsöffnung der künstlichen Wärmestrahlung« Quelle so lange regulirt, bis sich die beiden Wirkungen aufhoben. AuS diesen Messungen ergab sich die Temperatur der Sonne mit 6200 Grad Celsius. Technische Fortschritte. ein neues Verfahren, um «Isen glühend zu machen, haben Lagrange und Hoho in Brüssel entdeckt. Ein hölzerner Eimer wird zu drei Viertel mit schwach angesäuertem Wasser angesüllt und auf den Boden eine ungefähr 9 Zoll breite und 16 Zoll lange Bleiplatte senkrecht aufgestellt, die man mit dem positiven Pol einer Dynamomaschine von 110 Volts und mehr als 159 Amperes Leistung verbindet. Der auszuglühende Eisenstab wird mit dem negativen Pol der Dynamomaschine verbunden und in daS Wasser gehalten, wo er sich unter fortwährender Steigerung der Temperatur sofort erhitzt, soweit er in da« Wasser taucht, während da« Wasser und der außerhalb von ihm befindlich? Theil des Eisens nicht merkbar erwärmt werden. Schmiedeeisen und Stahl kommen schließlich zum Schmelzen, wenn man sie lange genug unter Wasser hält. Dabet entsteht sofort mit dem Eintauchen Wasserstoffgas, das den Eisenstab umhüllt, vom Wasser trennt und selbst so erhitzt wird, daß eS den Stab über dem Wasser mit einer Flamme umgiebt. — «upferstahl, ein neues, sehr brauchbares Metall. 1 Theil Kupfer wird mit 3 Thetlcn kteselflußsaurem Kalt und einem Thetle Natrium zusammen bei einer solchen Temperatur verschmolzen, daß das Metall sick mit einer sehr flüssigen Schlacke bedeckt. Das unter der Schlacke befindliche Kuvfer besitzt einen Siliciumgehalt von 12 pCt., ist weiß und sehr hart. Wird durch Verschmelzen mit mehr Kupfer der Procentsatz von Silicium auf 4,8 erniedrigt, so erhält man ein Metall mit gelber Broncefarbe, welches sich wie Eisen verarbeiten läßt. Um eiserne Gegenstände mit Aluminium ru überziehen, kommen die betreffenden Stücke mehrere Stunden in ein Bad von kochendem Aetznatron, sodann in ein solches von verdünnter Schwefelsäure. Alsdann werden die Gegenstände aus galvanischem Wege erst mit einem leichteren, hieraus mit einem stärkeren Kupferüberzuge und zuletzt erst mit dem Aluminiumüberzuge versehen. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 29. December. Vorabend 4 Uhr, Morgens 9°o Uhr, Nachmittag« 3« Sabbathausgang 6‘5 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast. Freitag Abend 416 Ubr. SamStag Vormittag 8^ Uhr, Nachmittag 3IUHr, Sabbathausgang 5” Uhr. 1895 werden geschmackvoll angefertigt in der Brühl’schen Druckerei Schulstrasse 7. | Itajahrs- Glückwunschkarten frfak O.SCHALLER&CO, rr KONSTANZ Mb’ MarktatMtte 3 Katalog umsonst» Danksagung. Mr die vielen Beweise herzlicher Theilnahme und die reichen Blumenspenden bei dem so früh erfolgten Hinscheiden unserer lieben Gattin, Mutter, Tochter, Schwester und Schwägerin Frau Margaretha Schreiner geb. Schön, sowie den Herren Dr. Dickors und Dr. Müller für ihre hingebenden Bemühungen, Herrn Pfarrer Heinze für die tröstlichen Worte am Grabe, sagen hiermit Allen den innigsten Dank. 10418 Die tieftrauernden Familien Schreiner und Schön. Lollar, den 25. December 1894. Der Borstand. 10423 10409 10281 10410 offeriren 10345 Goldenberg & Marens. 10412 Uhr, Geschästs'-Hettzeiligung Voll einer brr feinsten 10411 Laubsäge-Artikel Der Vorstand. 9441 Laboratoriums Wermiethungen. Rtfcecttoni A. Scheyd«. — Akademischer Gesangverein. Zum 3. Concert des Concertvereins, am 6. Januar 1895, findet unsere letzte Probe am Clavier Freitag, den 28. d. Mts., 8 Uhr Abends, in der kleinen Aula statt. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. __Gebha rdt. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Ge bhardt. oder Uebernahme eines soliden, länger bestehenden Geschäftes von einem jungen Mann aus guter Familie mit Unioersi« tätsbtldunq. Capital ist genügend vorhanden. Discretton zugesichert. Offerten unter P. L. 659 an Haasenstein «nd Bögler, A.«G. in Frankfurt a. M. Unterricht t« »üg-la (Glanzbügeln) wird gründlich ertheilt. 10391 Frau Schlicher, Wetzsteingaffe 48. SMthkK.-KMHeutsch- lnnbs bin ich beauftragt Selber auf erste jypo- theken an^uleiheu. Einschränkung des Betriebes. ___________________Der Vorstand. Jacob Grünewald 9943 Schillerstratze. f Anlranf alter Bäeher und Bilderwerke. Angebote ganzer Bibliotheken, sowie einzelner Bücher erbittet die J. Ricker’sche Buchhandlung Giessen. »ru