Nr. 148 Donnerstag bett 28 Juni 1894 Der Hiehkncr Anzeiger rrldjriiit täglich, mit Ausnahme des Montag-. Die Gießener AamilienStälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kmeral-Mnzeiger. V'enel jähnger K5,»»eme«tipreiB: 2 Mart Ä) Plg mit Vrmgerlodn. Durch die Posi dezogn» 2 Mark Pfg. Wkboctwn, »rpfbitiea unb Druilere,: -EntS ratze Ur.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt füv den Aveis Gietzein Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. chratisbeilage: chießener KamikienKkättei'. Alle Annoncen-Lureaur de» In- und Auslände» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. + Deutsche» Reich. Berlin, 26. Juni. Der Kaiser unb ble Kaiserin treffen am 3. Juli in Stavanger im südlichen Norwegen em, um alsdann die Seefahrt über den Lyse * Fjord und den Hardanger-Fjord nach Odde fortzusetzen. Bon Odde aus erfolgt die Landreise über Bassevangen nach Stalheim, in deffen Hotels bereits die Zimmer für daS Kaiserpaar und dessen Gefolge bestellt sind. Der Kaiser gedenkt bis zum 30. Juli auf norwegischem Boden zu weilen, während die Kaiserin etwa vierzehn Tage vorher die Rückreise nach Deutschland antreten wird. — Die Sensationsafsaire Kotze bedarf noch immer sehr der Aufklärung, und da die meisten bisherigen Nachrichten hierüber widerspruchsvoll lauten, oder sich lediglich als Muthmaßungen erweisen, so ist es für den Uneingeweihten schlechterdings unmöglich, eine bestimmte Stellung in der Angelegenheit etnzunehmen. Jedenfalls liegen zunächst nur VerdachtSgründe gegen den kaiserlichen Ceremonienmeister von Kotze vor, es ist keineswegs außgeschloffen, daß Herr von Kotze durch den Verlauf der Untersuchung rehabilitirt wird. — Die seit vergangenem Sonnabend im Reichsamte des Innern zu Berlin tagende Commission für Arbeiter st ati st ik hat zunächst die Entwürfe über die Regelung der Arbeitszeit in den Bäckereien und Conditoreien in Angriff genommen- die Berathungen hierüber dürften am Dienstag zu Ende geführt worden sein. Die Verhandlungen der Commission werden vom Unterstaat^secretär Dr. v. Rottenburg geleitet. — Der preußische Finanzminister Dr. Miquel und der LandwirthschaftSminister von Hey den werden Ende dieses Monats eine gemeinsame Reise nach West Preußen und Posen unternehmen. Dieselbe gilt der Besichtigung der Rentengüter und Ansiedelungen m den genannten Provinzen. Insbesondere wünschen die Minister, das RentengutSwesen im Einzelnen und die Erfolge der Rentengutsbildung überhaupt kennen zu lernen. Spandau. 25. Juni. Die Erwerbungskosten des neuen, eine Quadratmeile großen UebungsplatzeS für das GardecorpS zwischen Potsdam und Spandau belaufen sich auf nahezu 7 Millionen Mark- diese Ausgabe wird gedeckt durch den Verkauf eines großen militärfiscalischen Terrains dicht bei Berlin. Der Uebungsplatz verschlingt das Rittergut und Dorf Döberitz gänzlich und schneidet von den Gemeinden Rohrbeck, Seebnrg, Dallgow und den Rittergütern Groß-Glienecke und Dyrot große Stücke ab. Als Durchschnittspreis pro Morgen Land, einschließlich der dazu gehörigen Gehöfte ist der Betrag von 350 Mark angenommen. Die ursprünglichen Forderungen der Besitzer gingen auf das Doppelte und Dreifache. Als die Eigenthümer tndeß sahen, daß es der Militärverwaltung ernst war mit der Anlage des UebungsplatzeS und dem MilitärfiScuS das Recht der Enteignung verliehen worden war, ermäßigten sie ihre Forderungen ganz bedeutend. Der bewilligte Preis entspricht vollkommen dem wirklichen Werth der Besitzungen. Danzig, 25. Juni. Während deS Kaisermanövers nimmt nach den bisherigen Bestimmungen Kaiser Wilhelm im Schloß Schlobitten Aufenthalt, der Großfürst-Thronfolger von Rußland und der König von Sachsen in Prökelwitz. Kaiser Franz Joseph wird mit seinem Gefolge in Gr.-Waplitz wohnen. Ausland. Paris, 26. Juni. Die SchrcckenSthat von Lyon, die feige Ermordung des Präsidenten Carnot durch einen nichtswürdigen Schurken, hat in der ganzen clvilisirten Welt einen Schrei des Entsetzens und der Entrüstung hervor- gerufen, zugleich aber auch zahlreiche Bekundungen lebhafter Theilnahme des Auslandes an dem Schmerze und der Trauer des französischen Volkes zur Folge gehabt. Sämmtliche Regierungen und Monarchen Europas haben der Wlttwe CarnotS ihr Beileid ausgedrückt und war die Beilkidsdepesche, welche der schwergeprüften Frau seitens deS Deutschen Kaisers — zugleich im Namen der Kaiserin — zuging, eine der ersten. Auch die französische Regierung empfing auS dem Auslande zahlreiche Telegramme, in welchen neben der Entrüstung über den verübten Meuchelmord die schmerzliche Antheilnahmc an dem traurigen Ereignisse ausgedrückt wird. In Frankreich selbst herrscht begreiflicher Weise noch immer große Aufregung, namentlich in Lyon, wo das furchtbare Verbrechen geschah. Es ist in dieser zweiten Stadt bereits zu wiederholten Ausschreitungen gegen die daselbst lebenden Volksgenossen des verruchten Attentäters, des Italieners Cesario, gekommen- auch an anderen Orten Frankreichs macht sich anläßlich deS tragischen Vorfalles in Lyon eine bedenkliche Erregung gegen die Italiener geltend. — lieber die Gründe der schrecklichen Thai CesarioS herrscht noch Ungewißheit, der Attentäter selber verweigert hartnäckig jede weitere Auskunft, er will erst vor den Geschworenen sprechen. Doch glaubt der Lyoner Untersuchungsrichter, daß die Ermordung CarnotS mit den Vorgängen in Aigues-MorteS zusammenhänge, der Attentäter habe die Anarchisten und zugleich seine LandSleute rächen wollen. Anderseits macht sich die Anschauung geltend, daß Carnot einem anarchistischen Complott zum Opfer gefallen ist und daß Cesario durch daS LooS zur Ermordung des sranzösischen StaatSchesS bestimmt war; jedenfalls steht fest, daß der Attentäter mit den Anarchisten enge Beziehungen unterhalten hat. Hinsichtlich der Personalien u. s. w. deS Mörders ist mitzutheilen, daß er 1873 in Monte ViSconto in der Provinz Mailand geboren wurde und daS Bäckerhandwerk erlernte. Er genoß eine gute Familienerziehung und galt als ein weichherziger, braver und sehr religiös gesinnter junger Mann, aber als er nach Mailand kam, gerieth er in die Netze der Anarchisten und seitdem scheint Cesario ein willenloses Werkzeug dieser im Finsteren schleichenden Derbrecherrotte geworden zu sein. Vor sechs Monaten war Cesario nach Frankreich gekommen und hatte in der südfranzösischen HasenstadtCette Aufenthalt genommen; in Lyon war er erst am Morgen deS 23. Juni, deS TageS des schrecklichen Ereigntffes, erschienen. — Was nun die politischen Folgen deS jähen Endes deS Staatsoberhauptes Frankreichs anbelangt, so muß die Entwickelung der Ereig- niffe in dieser Beziehung natürlich abgewartet werden, doch gewinnt eS den Anschein, als ob der tragische Vorgang zunächst weder ernste innere Erschütterungen sür Frankreich zeitigen, noch bedenkliche Wirkungen über die Grenzen Frankreichs hinaus äußern werde. Senat und Kammer werden am Mittwoch als Congreß zusammentreten, um den Nach- folger CarnotS zu wählen. Die meisten Aussichten, daS neue Staatsoberhaupt Frankreichs zu werden, besitzt Casimir Perier, der gewejene Ministerpräsident. Challemel-Lacour, der Senatspräsident, hätte ebenfalls bedeutende Chancen, zum Präsidenten gewählt zu werden, indessen ist von ihm die Annahme einer solchen Candidatur abgelebnt worden. neuefte Nachrichten. Wolffs trlegrapbtscheS Correspondmi-BureLU Berlin, 26. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz über die Rechte d e s VermietherS an den in . die Miethräume eingebrachten Sachen vom 12. Juni 1894. Paris, 26. Juni. Die irdische Hülle CarnotS soll im Hose deS Elysöe ausgestellt werden. — Minister von GierS richtete an den russischen Botschafter Baron von Mohrenheim eine Depesche, in der der französischen Regierung und Madame Carnot aufrichtige Beileidsgefühle und lebhafte Sympathie auSgedrückt werden. — Zweihundert Mitglieder des italienischen Parlaments sandten an den General 3)ung, der am vergangenen Sonntag bei einem Bankett zur Erinnerung an die Schlacht bei Solferino den Vorsitz führte, eine Depesche, worin gesagt wird: „Wir betrachten Ihr nationales Unglück als das unsrige." — Fünfundzwanzig bei den Vergrößerungsbauten der Milttärschule von Saint Cyr beschäftigte italienische Arbeiter wurden entlassen. Mehrere Bauunternehmer werden gleichfalls bei ihnen beschäftigte italienische Arbeiter entlasten. Paris, 26. Juni. Der Wortlaut des Telegramme- des Zaren an Madame Carnot ist folgender: „Tief ergriffen von der Nachricht über daS Attentat drücken Ihnen die Kaiserin und ich unser tiefstes Beileid aus und versichern Sie der Sympathie und lebhaften Antheilnahme an dem Unglücke, daS Ste betroffen und ganz Frankreich in Trauer versetzt." Paris, 26. Juni. Etwa hundert Deputirte und Senatoren der Rechten kamen heute überein, im ersten Wahlgang einen eigenen Candidaten sür die Präsidentschaft aufzustellen und bei der zweiten Abstimmung ihre Stimmen auf den die meisten Garantieen bietenden Candidaten zu vereinigen. Paris, 26. Juni. In einer Zusammenkunft der drei Gruppen des S e n a t S , der republikanischen Bereinigung, der republikanischen Linken und deS linken Centrums wurden für die Candidatur Caiimir PerierS 144 von 179 Stimmen abgegeben. Sine gemeinsame Versammlung von Senatoren und Deputirten fand um 5 Uhr iw 1 Luxembourg statt. Paris, 26. Juni. DaS „Scho de Paris" sagt in einem „Mort en Soldat“ betitelten Leitartikel; „Biele beredte Stimmen werden die öffentlichen Tugenden des betrauerten Präsidenten preisen und diesem bürgerlichen Würdemrager die verdiente Huldigung barbringen, aber wenige Lobsprüche werden daS concise kraftvolle Wort erreichen, mit dem die Condolenzdepesche Kaiser Wilhelms an Madame Carnot schließt." Paris, 26. Juni. Dem Conseilspräsidenten Dupuy fiel die schwere Ausgabe zu, Frau Carnot, deren Extrazug sich mit dem (einigen, der ihn nach Paris brachte, kreuzte, das schwere Unglück mitzutheilen, daS sie getroffen hat. Frau Carnot wußte also schon, alS sie gestern srüh in Lyon eintraf, daß sie ihren geliebten Gatten nicht mehr am Leben finden würde. Ihr ältester Sohn, der in Dijon alS Lieutenant bet der Infanterie steht, war schon um 4 Uhr Morgen- in Lyon, wo General Bonus ihn empfing. Lieutenant Sadi Carnot hatte noch vor wenigen Tagen seinen Vater aus der Reise nach Lyon gesehen und war so ties erschüttert, daß General BoriuS thn stützen mußte. Der zweite Sohn, der Ingenieur Ernest Carnot, der mit seinem Bruder Francois seine Mutter begleitete, ist bekanntlich mit der Tochter deS Senators ChiriS verlobt und gerade gestern wurde die Vermählungsanzeige zum ersten Male in der Marie deS 8. ArrondiffxmentS angeschlagen. Die Hochzeit war aus den 15. Juli angesetzt gewesen und wird natürlich verlegt. Paris, 26. Juni. Die Senatoren und Deputirten der Rechten ernannten eine Commission zur Nominirung deS PräsidentschastS - Candidaten. Deffen Name wird erst bei Eröffnung des morgigen CongreffeS bekannt gegeben. Mehrfach wird Admiral Gervais als Candidat der Rechten bezeichnet. Lyon, 26. Juni. Eine Proclama t ion deS Bürgermeisters besagt: Unter dem Vorwavde des Patriotismus begingen in verschiedenen Punkten der Stadt UebelthLter Acte des Vandalismus und der Plünderungssucht. Diese Leute müßten als gemeine Verbrecher betrachtet uub bestraft werden. Die Proclamation fordert alle Bürger aus, solche schmählichen Handlungen nicht zu dulden und die Behörden zu unterstützen. Marseille, 26. Juni. In der Stadt herrscht andauernd Ruhe, nur einige unbedeutende Zwischenfälle kamen vor, so wurde ein Italiener am Quai Fraternite von einer Gruppe junger Leute verhöhnt und zwei Italiener wurden in ent- legencren Stadttheilen mißhandelt. Petersburg, 26. Juni. Der „Regierungsbote" sagt in einem Nekrolog aus Carnot: „Frankreich verlor in der Person Carnots einen tadellos, ehrenhasten, sreimüthigen und hochherzigen Bürger, einen großen Patrioten, musterhafte» Familienvater und musterhaftes Staatsoberhaupt, welches jeden Parteiinteressen fernstand und Frankreichs Wohl über Alles stellte." Das Amtsblatt weist schließlich daraus hin, daß der Zar die Berdienste CarnotS durch die Derleihung des AndreaSordenS gewürdigt habe. Depeschen bet Bureau »Herold*. Berlin, 26. Juni. Die französische Botschaft in Berlin war auch beute roieber bat Ziel zahlreicher Personen, welche ihre Namen in bie ausliegenben Listen eintrugen. Berlin, 26. Juni. Die „Post" erfährt zu ber in bex Zeitungen ausgesprochenen Befürchtung, baß bie Sicherheit ber Deutschen in Frankreich eventuell gefährdet sein könne, der deutsche Botschafter in Paris, Graf Münster, habe die Zuversicht bekundet, daß Dank ber von ber französischen Regierung ergriffenen Maßregeln bie SchreckenSthat vom 24. Juni keine schweren inneren Unruhen zur Folge haben werbe. Berlin, 26. Juni. Fürst Pleß erklärt in ber „Post" zur Angelegenheit Kotze, baß er roeber bie anonymen Briefe betreff enbe noch Kotze persönlich angehende Mittheil- ungen dem Kaiser gemacht habe, wie dies von einigen Blättern behauptet worden. Berlin, 26. Juni. Die Berliner Herbstmesse findet bestimmt vom 20. biS 31. August d. I. statt. Berlin, 26. Juni. Für Zwecke des Reiches sind Erhebungen im Gange über den Einfluß der Arbeiterversicherung auf die Kosten der Armenpflege. Berlin, 26. Juni. Der „Vorwärts" bezeichnet die Ermordung Carnots alS eine erschütternde Katastrophe unb Carnot als einen burchaus ehrenhaften Mann. DaS Blatt spricht sich auf baS Schärfste gegen bie PräsibentschaftS- Sanbibaten aus unb höhnt über die schnöde, rotlbe Hetzjagb, welche schon jetzt um den Präfibentenstuhl beginne. Der Inhalt bc5 Artikels soll gestern in einer geheimen Sitzung ter socialdemokratischen Abgeordneten und Vertrauensmänner festgestellt worden sein. Berlin, 26. Juni. Es bestätigt sich, daß von einer besonderen Einberufung des Reichstages zum Abschied vom alten Reichstagsgebäude und zur Einweihung des neuen Abstand genommen worden ist. Der Reichstag soll Mitte November sofort im neuen Gebäude zusammentreten. Liegnitz, 26. Juni. Von den erkrankten Mannschaften des zum fünften Armeecorps gehörigen Königs-Grenadier- Regiments in Liegnitz starben bis jetzt drei Mann. Mehrere Andere liegen hoffnungslos darnieder. Thorn, 26. Juni. Das Hochwasser der Weichsel hat nunmehr das Wetchseldelta erreicht. Auch das Wasser der Nogat, die rapid gestiegen ist, hat alle Außendeiche Überschwemmt. Die Schiffsbrücke bei Marienburg mußte abgefahren werden. Wien, 26. Juni. Die „Neue Freie Presse" em-, -stehlt in einer Besprechung der Ermordung Carnots den Franzosen, nur einen solchen Mann zum Präsidenten zu wählen, der den Kampf gegen den Anarchismus mit voller Wucht ausnimmt, das parlamentarische System vor dem Verfall rettet und die Republik zu einer Wohnstätte der wahren Freiheit, zum Wall des inneren und äußeren Friedens macht. Budapest, 26. Juni. Der vom Magnatenhaus angenommene Zusatzantrag zum Ehegesetz wurde vom Abgeordnetenhause mit großer Mehrheit angenommen, ebenso der Artikel betreffend die Glaubensfreiheit. Zürich, 26. Juni. Zahlreiche aus Frankreich flüchtige italienische Arbeiter fuhren mit den Morgenzügen hier durch. Belgrad, 26. Juni. König Alexander wird im September d. I. Kaiser Wilhelm in Berlin besuchen und auf der Rückreise die Berliner Ausstellung besichtigen. Antwerpen, 26. Juni. Das Executiv-Comitö der Ausstellung erörterte heute die Frage über den Schluß der Ausstellung am Begräbnißtage Carnots. Rom, 26. Juni. Die „Tribuna" nennt die Ermordung Carnots und das Attentat auf Crispi ein neues Band, welches die beiden Schwesternationen umschlinge. Rom, 26. Juni. Crispi erklärte im Senat, die Gesellschaft solle sich gegen die infame Secte, die weder Vaterland noch Familie anerkenne, erheben, um ähnliche Mordthaten wie die Cesarios zu verhindern. Paris, 26. Juni. Der heutige Minifterrath nahm von allen offictellenBeileidstelegrammen Kenntniß. Dupuy und Hanotaux begaben sich sodann zu Frau Carnot, um das Beileid deS Ministeriums auszudrücken. Frau Carnot bat, den Ministern ihren tiefsten Dank abzustatten. Die Nationaltrauer wurde auf 30 Tage festgesetzt für Beamte, die Armee und die Marine. Eine Specialcommission ist im Ministerium des Innern zusammengetreten zur Organisation der Leichen- feierllchkeiten, die mit allem Pomp stattfinden sollen. Die Parlamente im Haag, in Brüffel und Madrid sandten an die französische Kammer Sympathieadressen. Heute Nachmittag sand eine Gesammtsitzung der Republikaner beider Kammern statt. Paris, 26. Junf. Der offictelle Bericht über die gestern stattgehabte Autopsie sagt: Die Wunde Carnots ist die schrecklichste, die man je gesehen. Die Leber ist durch und durch gestochen auf 12 Ctm. Länge. Die Hauptschlagader ist an zwei Stellen durchgeschnitten, eine Rippe ist gebrochen. Die Waffe ist 18 Ctm. tief in den Körper eingevrungen. Im Unterleibe wurden zwei Liter Blut vorgefunden. Paris, 26. Juni. Die Leichenfeier für Carnot, der kirchlich begraben wird, wird vom Erzbischof in Notre- Dame celebrirr werden. Paris, 26. Juni. Der Czar sandte ein Beileidstelegramm an Frau Carnot. Paris,26. Juni. Außer Casimir Peri er candidiren noch für die Präsidentschaft: Dupuy, Arago und Brisson, der Senatspräsident Challamel-Lacour dagegen nicht. Der Endkampf wird sich um Perier und Dupuy drehen, aus dem jedoch voraussichtlich der Erstere als Sieger hervorgehen wird. Paris, 26. Juni. Bei Ankunft der Leiche Carnots erschollen die Rufe: Es lebe Frankreich! Es lebe die Republik! Tod den Italienern! Die Leiche wurde in einem Salon des Elyseepalastes aufgebahrt. Das Publikum ist zum Besuch der Leiche zugelaffen. Die Beisetzung der Leiche im Pantheon wird, wie schon mitgetheilt, nächsten Sonntag stattfinden. Paris, 26. Juni. Der italienische Botschafter äußerte gestern Abend, er sei über das Attentat. gegen Carnot vollständig niedergeschmettert. Einem Interviewer zeigte der Botschafter Hunderte von Telegrammen aus Italien, worin er aufgesordert wird, Frankreich der Thetlnahme der Italiener zu versichern. Lyon, 26. Juni. Da die Aufregung immer mehr wächst und die Exzesse einen bedrohlichen Umfang annehmen, soll der Belagerungszustand über Lyon verhängt werden. — Die telephonische Verbindung mit Paris wurde bis auf Weiteres für den Privatverkehr aufgehoben. Lyon, 26. Juni. Die Polizei hat gestern einen Friseur verhaftet, welcher für den Mitschuldigen Cesarios gilt. Der Verhaftete äußerte vor acht Tagen, wenn Caruot nach acht Tagen nach Lyon komme, werde sich Jemand auf seinen Wagen Mrzen und ihn tödten. Marseille, 26. Juni. Ueber die hier vorgekommenen Ruhestörungen wird weiter berichtet, daß eine große Menge von Tumultuanten das „Hotel Legurta" und die große Oelfabrik „Vermtnka" zerstörten und alles, was ihnen zu Händen kam, demolirten. Mehrere Fuhrwerke, deren Kutscher Italiener waren, wurden mit den letzteren ins Meer geworfen. Lille, 26. Juni. In voriger Nacht fand hier eine autittalienische Studentenkundgebung statt. Mit den Rufen: „Hoch die Armee! Nieder mit Crispi! Tod den Italienern!" erstürmten die Studenten eine italienische Photographie-Anstalt in der Nationalftraße und zerstörten dort die Jnventarien aller Räumlichkeiten. Loudon, 26. Juni. In einem Interview über die Ermordung Carnots erklärte Charles Dilke, dieselbe werde für Frankreich ohne wesentliche Folgen bleiben. Die Republik Frankreich sei in sich gefestigt und werde einen Präsidenten erhalten, der auf der Höhe seiner Aufgabe stehe. Henry Rochefort befürchtet blutige Repreffalien und Gewaltacte gegen die Italiener. Als künftigen Präsidenten nennt er Dupuy. John Burns, der Arbeiterführer, verurtheilt daS Verbrechen als eine Schmach für das arbeitende demokratische Volk. Loudon, 26. Juni. Auf Antrag Harcourts wird heute das Unterhaus eine Adresse an die Königin richten, der französischen Regierung die Beileidsgefühle und die Sympathien Englands für das französische Volk und seine Regierung zu übermitteln. London, 26. Juni. Den letzten Nachrichten aus Cilfy- nydd über die Grubencatastrophe bei Pontybridd zufolge muß alle Hoffnung auf Rettung der noch in der Albion - Grube begrabenen Bergleute aufgegeben werden. ES sind bis jetzt über 230 Leichen herausgeschafft. Lyon, 27. Juni. Die Ausplünderung der italienischen Specereiwaaren-Handlungen dauerte bis zum Abend fort; in einer derselben explodirte eine Petroleumtonne, wodurch ein Brand entstand. Einer der Plündernden und ein Bewohner des Hauses verbrannten. 30 Plündernde wurden verhaftet. Madrid, 27. Juni. In Barcelona versuchte ein Arbeiter in das Hotel des Civilgouverneurs etnzudrtngen und die Thür des Cabinets zu sprengen; er wurde verhaftet. Der Arbeiter war im Besitze eines Dolches. Es herrscht Erregung. Cocafc# und provinzielle» Gietzeu, den 27. Juni 1894. * Das Sommerfest auf Burg Gleiberg wird unter Genüssen aller Art auch eine Reihe musikalischer bringen, die durchaus der Beachtung werth sind. Die orchestralen und chorischen Darbietungen werden sich vollständig in dem Rahmen eines wohl vorbereiteten Concertes bewegen, denn dem Vorstande des Gleiberg-Vereins ist es gelungen, erprobte Kräfte für sein Unternehmen zu gewinnen. So konnte ein Programm entstehen, das bei allen Concejsionen für den weniger Musikalischen, der mühelos genießen will, Vieles bietet, was auch geläuterten Geschmack befriedigt, wozu wir mit in erster Linie dte^Chorleist- ungen zählen. Möge man keineswegs den ,Eintritts- preis als Werthmesser des Gebotenen betrachten, derselbe konnte so bescheiden gestellt werden, weil ja das Gros der Mitwirkenden uneigennützig der Sache dient, mußte so bescheiden gestellt werden, um die Allgemeinheit heranzuziehen. Der orchestrale Theil, der durch unsere Regimentscapelle unter Musikdirector Krauß es bewährter Leitung ausgeführt werden wird, birgt eine Fülle dankbarer und dem Ohre zugänglicher Musikstücke der bekanntesten Componisten, wie Keler-Bela, Strauß, Wagner, Sullivan u. a. Besonders dankenswerth ist es, daß sich die beiden vorzüglichen Männergesangvereine unserer Stadt, „S ä n g e r k r a n z" und „Kronbauer-Quartett", collegialisch zu einem größeren Chor vereinigt haben, die unter abwechselnder Lettung ihrer Dirigenten fingen werden. Franz Bauer, der Dirigent des Sängerkranzes, der sich bereits durch die Wiedergabe größerer Chorwerke mit Orchester einen guten Namen gemacht hat, dirigirt die berühmten Niederländischen Volkslieder mit Orchesterbegleitung von Kremser. Es dürfte nicht viel Chorwerke geben, die einen so durchschlagenden Erfolg gehabt haben, wie die Niederländer, die heute sozusagen das tägliche Brod aller guten Vereine sind. Auch unser Kaiser Wilhelm II. verehrt diese Composition auf das Höchste und hat sich wiederholt Sängerschaaren zur Aufführung dieses seines Lteblingswerkes eingeladen. Selbst den berühmten Berliner Domchor, dem diese Richtung eine fremdere ist, veranlaßte der Kaiser zur Einstudirung des ihm so wohl gefallenden Werkes und befahl die Aufführung vor den hohen und höchsten Herrschaften anläßlich einer Hoffestlichkeit in Potsdam. Kremser hat aber auch wirklich mit seinen Niederländern, so die populäre Bezeichnung, ein Meisterwerk geschaffen; wenn man aus dem Ganzen etwas herausgreifen darf, so möchten wir dieses mit dem gewaltig wirkenden „Kriegslied" thun. Im schneidigen, scharfen Marschtempo gehalten, begeistert es die Sänger und electrisirt die Zuhörer, dem gegenüber steht das „Dankgeb et" mit seiner einfachen schlichten Weise; in ganz anderem Sinne, aber ebenso mächtig wirkend. — Die ä capella Chöre sind dem Dirigenten des Kronbau er-Quartett, Leopold Gell er, übertragen worden. Schon die Wahl der Chöre, die letzterer leiten wird, beweisen, daß Herr Geller ein würdiger Jünger seines um die Pflege des L oaxsIIa Gesanges so verdienten Vorgängers ist. Da finden wir zuerst den ernsten Norddeutschen mit Handwergs „Uebers Jahr mein Schatz"; ihm folgt für Süddeutschland der Schwab, der den Schalk stets im Nacken hat, mit Stlchers keckem „Liebesscherz" und zum Schluß kommt dann der ebenso liederreiche als liederliche O e st e r r e i ch e r mit Weinzierls „Heute i st heut". — Eine zweite gute Männervereinigung bietet uns der tüchtige Wetzlarer Verein unter Leitung seines strebsamen Dirigenten Schmidt; auch dieser Verein hat eine geschmackvolle Auswahl von Liedern getroffen. Als «rstes den markigen „Vaterlandsgruß" von Huber, dann das irische Lied „Der treue Johnie" von Beethoven, für Männerchor gesetzt von Simon und endlich das Silcher'sche Volksliedchen „O wie herbe ist das Scheiden". — Reich und abwechselungsvoll ist das Programm, dies glauben wir bewiesen zu haben, wenn wir noch etwas hinzufügen dürften, so wäre es der Wunsch, von einer recht großen Anzahl von Zuhörern unsere AnfichL geprüft zu sehen. * * Steins Garten. Nächsten Samstag den 30. Juni wird der Kölner Männer-Gesangverein „Poli- hymnia" ein Sänger-Concert dahier veranstalten. Da genannter Verein, welcher 1851 in Köln gegründet wurde und einen gegenwärtigen activen Sängerbestand von 141 Mitgliedern zählt, für seine außerordentlichen Leistungen mit mehreren Medaillen, darunter die goldene Kaisermedaille, ausgezeichnet wurde, so seien alle Sänger und Sangesfreunde schon jetzt auf dieses Concert aufmerksam gemacht. * * Wirthshausdiebstahl. Einem Wtrthe an der Grünbergerstraße wurde gestern die Kasse geplündert. Zum Glück befand fick nur wenig Geld darin, etwa eine Mark fiel dem Dieb in die Hände. Der Thäter wurde in der Person eines seit 8 Tagen stellenlosen Hausburschen ermittelt und verhaftet; derselbe hatte das Geld sofort verzehrt. Der Dieb ist auch geständig, sich Morgens die Brödchen aus den Weckbeuteln angeeignet zu haben. * * Schadenfeuer. In der Nacht vom Sonntag auf Montag entstand in einem Lagerraum in der Marktstraße Feuer. Es verbrannten einige Gentner Seegras. Das Feuer wurde rechtzeitig bemerkt und konnte gelöscht werden,, ehe es weiter um sich griff. * * Truppen Durchmarsch. Das Hessische Feld-Artillerie- Regimeut Nr. 11 passirte heute Morgen auf dem Rückmärsche vom Griesheimer Schießplätze nach der Garnison Kassel die Stadt. * * In Amerika verstorbene Heffen. Acker Ville, Washington County, Wis.: Jacob Schläger, 76 Jahre alt. San Francisco, Cal.: Conrad Weisel, 45 Jahre alt,, aus Nieder-Weisel. Wathena, Kan: Wilh. Hautzenröder, 63 Jahre alt, aus Herbstein. Wellesley Township, Canada: Heinrich Gerth, 78 Jahre alt, aus Nieder-Ofleiden. * * Den zur Uebung einberufenen Reserve-Unteroffizieren und den Gefreiten, die Unteroffiziersdienst zu thun haben, werden strenge Warnungen vor Soldateumißhaud- hingen ertheilt. Vor Allem wird ihnen eingeschärft, bei den Exercitien niemals einen Mann anzufassen, und, um dies auf jeden Fall zu vermeiden, sich von den übenden Leuten stets mehrere Schritte weit entfernt zu halten. Hierdurch soll nicht nur erreicht werden, daß die Unteroffiziere sich in der Erregung zu thätlichen Mißhandlungen überhaupt nicht hinreißen taffen können, sondern andererseits auch, daß die Anbringung ungerechtfertigter Beschwerden über Unteroffiziere wegen angeblich erlittener Mißhandlungen nicht mehr möglich ist. Außerdem aber werden die Unteroffiziere auch davor gewarnt, Mannschaften auf andere Weise, namentlich jedoch beim Exercieren und Turnen durch Ueberspannung der Körperkräfte, übermäßig lange Ausdehnung ein und derselben Uebung u. bergt, indirect zu mißhandeln. Dies wird beit Reserve-Unteroffizieren in allerstrengster Form zur Pflicht gemacht mit bem Hinzufügen, baß jebe Nichtbefolung b$r Verwarnung unnachsichtlich schwer bestraft werben würbe. D. Tgl. Anz. □ Aus dem Ohmthal, 26. Juni. Wenn auch bte gegenwärtige Wetterlage kein rechtes „Heuwetter" bietet, inbem der Himmel sich öfters mit Wolken verhüllt, so hat boch bie Heuernte im ganzen Thal ihren Anfang genommen unb es ist bereits recht gutes Heu in bie Scheuer gefahren worben. Die Hauptsache bleibt jetzt, baß es währenb bes Heumachens nicht regnet, bann wirb bas Ergebniß besselben recht zu- friebenstellenb ausfallen. Allgemein hatte man, ba bas Bobengras vielfach im Wüchse zurück ober ganz ausgeblieben, ein so günstiges Resultat kaum erhofft. Allein bte feucht- warme Witterung ber letzten 14 Tage hat das Wachsthum bes Grases noch sehr beförbert. Wem bie armseligen Fuhren Heu noch in Erinnerung sinb, bte im vorigen Jahre ber Trockenheit von ben Wiesen gefahren wurden, bem sagen bie schönen Heulabungen jetziger Zeit, baß boch ein ganz anberes Quantum Heu etngefahren wirb. Auch bie Qualität bes Heues ist eine recht gute; es hat noch Gewicht, ba noch nicht alle Heublumen in ber Blüthezeit vorüber sinb. Sv blüht bie dieses Jahr über alle Maßen häufig auftretenbe Wucher» blume noch überall. An unb für sich ist bie Qualität bes Ohmthal'Heues eine ber besten im Lanbe. Die gegenwärtig noch stattfinbenben Heugrasversteigerungen erzielen durchweg mäßige Preise. 0. V. Vom oberen Vogelsberge, 26. Juni. Das Steuerzahlen ist eine Kunst, bte jeber Poesie bar ist. Viele Menschen wünschen sich zuweilen: sie müßten recht viele Steuern zahlen, benn alsbann besäßen sie auch bas bazu gehörige Einkommen. Hieraus ließe sich annehmen, bie reichsten Leute seien bie besten Steuerzahler unb in ben reichsten, fruchtbarsten Gegenben würben bie Steuern am promptesten entrichtet. Man kann fast bas Gegentheil annehmen, ohne sehr zu irren, benn nach- folgenbe Thatsachen sprechen bafür: Mit zu ben coutanteften Steuerzahlern (wahrscheinlich ben promptesten) im ganzen Großherzogthum Hessen gehören bie Steuerpflichtigen ber Districts-Ein nehme re i Ulrich ftein, benn in dieser Districts'Einnehmerei ist im verflossenen Steuerjahr 1893/94, welches dabei noch ein sehr mageres für unsere ländlichen Verhältnisse gewesen, nicht ein einziger Posten uneinbringlich geworden. Es brauchte aber auch fein einziger Posten liquidirt zu werden, woraus folgte daß Alles von A biS Z glatt abgewickelt wurde. So etwas findet sich sehr selten in einem größeren kaufmännischen Geschäfte, noch viel weniger bei einer staatlichen Behörde. Wir glauben, daß sich schwerlich im ganzen Lande noch eine zweite Districts - Einnehmerei findet, bei welcher weder ein Posten uneinbringlich geworden, noch liquidirt werden mußte. Nun leben aber die Ulrichsteiner Steuerpflichtigen in einer Gegend, die weder durch die Natur begünstigt, noch durch Handel unb Jnbustrie gefördert wird. Das pünktliche Steuerzahlen, dieses höchst unpoetische Geschäft, hängt daher wenig mit Wohlhabenheit und Reichthum zusammen, denn neben bem Reichthum kauert häufig die Armuth, die nicht Zusammen 3 (2) 4 (2) 5320 Gnau th. 5322 Die Nachricht, daß der Kirchen- Unterschlagung von 11 000 Mk. Lungenschwindsucht Lungenentzündung 2 (1) 1 1 (1) SS starben an Scharlach Diphtheritis vom -15. Jahr: 3 (2) entwickelt ist. An ihnen könnten in mancher Beziehung ein Muster nehmen. Darmstadt, 26. Juni, rechner zu Traisa nach i* 29/6. A. 9 U. Mstr. W (5340] 'SSr*s Jltea 'di- »«t " In b„ 0|DS'“ e Der aus der, .bo® Sonntag au< “ * ^ktftrch n r Sregras. Das nte Seloscht werden, * Feld-ArAme. ien auf dem M- nach der Garnison Ackerville, Was. 1^/ 76 Jahre alt. eH 45 Jahre alt, Mlh. hautzenröder, sley Township, aus Nieder-Ofleiden. Reserve-Unter. ^nlerosfijierSdiensl zu vor Soldateuwihhaavl emgeschärst, bei den M/ und, um dies auf Ibtnbtit Stuittt stets lten. Hierdurch soll Offiziere srch lu der M überhaupt nicht 'rseits auch, dah die >en iibnUnterosfiziue en nicht mehr möglich rofsiziere auch davor üse, namentlich jedoch Ueberspannung der ung ein und derselben icln. Dies wird den er Form zur Pflicht :be Nichtbefoiung der ift werden würde. 5). M N- Bekanntmachung. Die diesjährige Kirschenernte von den städtischen Bäumen auf dem Trieb, im Lärchenwäldchen und am Lutherberg soll Donnerstag den 28. Juni, Nachmittags 6 Uhr, an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. Gießen, den 26. Juni 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Berdrngirng. Verschiedene Herstellungsarbeiten im alten Rathhause, nämlich: Dachdecker-, Spengler- und Wciß- biuderarbeiten, sollen Samstag den 30. d. M, Vormittags 11 Uhr, auf dem Stadtbauamte öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen auf dem Stadtbauamte zur Einsicht offen, woselbst Formulare für Angebote, die zur obengenannten Stunde daselbst einzureichen sind, in Empfang genommen werden können. Gießen, den 23. Juni 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 27. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Wasser 16«/„ Lust 15». Rübsamen'sche Badeanstalt. Erwachsene: im l.LedenSjahr Bekanntmachung. Fuhrwerksbesitzer werden darauf aufmerksam gemacht, daß sich auf der Kreisstraße Giesten-Krofdors vom Donnerstag den 28. ds. Ms. ab, eine Dampfwalze besindet. Gießen, den 27. Juni 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. 5350 I. V.: Dr. Wüst. c^ni. Das AM' './ift. Siele»*"’ äT» S-'-S durchgegangen sei, hat sich, wie man der „Frkf. Ztg.", welche die Nachricht zuerst brachte, mittheilt, nicht bestätigt. Diageo, 26. Juni. In einem Steinbruch unterhalb Bingerbrück wurde heute Vormittag rin Arbeiter aus dem Dorfe Weiler durch herabfallendes Gestein auf der Stelle erschlagen. Der Verstorbene hinterläßt eine Wittwe mit neun Modern in dürftigsten Verhältniffen. Auerbach, 24. Juni. Die Zusammenkunft der Vorstände der nationalliberalen Partei Badens, Hessens, der Pfalz und Frankfurt a. M., die nach Meldungen verschiedener Blätter heute unter einer Betheiligung von etwa 100Personen stattfand, verlief auss beste. ReichStagSabgeordneter Dr. Osann toastete auf den Führer der Partei, Herrn v. Bennigsen, an den anläßlich seines bevorstehenden 70. Geburtstages tm DegrüßungStelegramm gesandt wurde. Oberhefstsche Eisenbahnen 1 Soweit in den Gütertarifen der Aus- nabmeiarif für geringwerthiae Massenartikel auch für Erde, gewöhnliche, in Geltung ist, findet letzterer auch aus den Artikel »ödlftröc*, lose oder in Säcken verpackt, vom 20. d. M ab Anwendung. Gießen, 23. Juni 1894. 5354 Großh. Direktion. >nipte^en) 8jgen @ttl! benilti* Vemmifchter. * Siegen, 25. Juni. Im Siegener Bankproceß war Revisor Schröder zu 1 Jahr Gefängniß und 3000 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. Der Staatsanwalt hatte 3 Jahre Gefängniß und 20 000 Mark Geldbuße beantragt. Jetzt haben sowohl der Vertheidiger Schröders als auch die Staatsanwaltschaft gegen das Erkenntniß Revision beim Reichsgericht eingelegt. • Kattowitz, 26. Juni. An der Bahnstrecke bei Zawodzie ist ein abzutragendes Bahnwärterhaus eingeftürzt- zwei Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben und blieben sofort tobt. * Wien, 26. Juni. Die Distanzgeher Feichtinger, Liebiger und Robinson traten im Beisein einer großen Menschenmenge um 12 Uhr Mittags ihren Dtstanzmarsch nach Antwerpen an. ♦ Adelige und bürgerliche Offiziere. In der Armee befinden sich zur Zeit unter den 67 Generalen 2 bürgerliche, nämlich der Commandtrende des 17. Armeecorps Lentze, Anm. Die tn Klammem gesetzten Ziffern geben an, wie viel« der Todesfälle tn der betreffenden Krankheit aus von au»wärl» nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Verdingung. Die zur Wiederherstellung des äußeren Verputzes und Anstrichs an den beiden Thorhäusern vor der Neustadt erforderliche Weißbinder- arbeit soll SamStag den 30. d. Mts., Bormittags IV/2 Uhr, auf dem Stadtbauamte vergeben werden. Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen daselbst zur Einsicht offen, auch sind Formulare für Angebote, die bis zu genanntem Termin beim Stadtbauamte einzureichen find, dort erhältlich. Gießen, 23. Juni 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 5321 Gnauth. ________ Gehirnschlagfluß 1 1 Angeborene LebenS- schwäche 1 — Altersschwäche___________1___________1 Summa: 11 (4) 6 (2) Sommerstoffe ä Mk. —.75 Pfg. in garantirt ächtfarbigea Waschstosieu versenden tn einzelnen Metern direct an Jedermann. Erstes Dsubohes Taohversandtgesobäft Oettinger & Co., Frankfurt a. M., Fabrik-Dipflt. Modernste Muster berettwilligst franco. Scbiffsnochrichten. Hamburg, 25. Juni. Neueste Nachrichten über die Bewegungen der Tampser der Hamburg-Amerika Linie. Postdampser „Rugia" ist am 23. Juni, 3 Uhr Nachmittags, von Newyork nach Hamburg abgegangen. Dampfer „Gothia* ift am 23. Juni, 3 Uhr Nachmittags, von Newvork rie Scandinaoien nach Etetttn adgegangnr. Postdampser .Bohemia*, von Hamburg nach Newvork bestimmt, ist am 23. Jun« in Philadelphia etngetroffen. Dampfer .ayenbrebm" ist am 23. Juni, 12 Uhr Stacht», von Montreal vi» Depisord und Antwerpen auf der Elbe einaetroffen. Postdampser ,l»c«nla*‘, von St. Thoma» via Havre nach Hamburg zurückkehrend, paisllle am 24. Jun«, 10 Uhr Morgen», L'zard. Dampfer ,Gra»drook^ ist -m 23. Juni Nachmittag» von Neworlean» aus der Elbe angekommen. Postdampfer ^Rhenania', von Hamburg nach Westindien bestimmt, bat am 23. Juni, 9 Uhr Abend», von GrtmSby die Reise nach Havre fortgesetzt. Postdampser .Slavonta", von Newvork nach Stettin bestimmt, ist am 24. Juni, 4 Uhr Nachmittag», in Kopen Hagen angekommen. Postdampser »Prusfla* ist am 24. Juni Nachmittag» von Hamburg via.Haore nach Newyork abgegangen. feit 1891, und der Ches de» JngenieurcorpS G o l tz, feit dem I 27. Januar 1893. DaS bedeutet einen Rückgang des bürgerlichen Elements gegen da» Vorjahr um 1 Procent. Von den 76 Generallieutenants find 10, also etwa 13 Procent, von den 144 Generalmajors 36 Bürgerliche. Auch in diesen Chargen macht sich eine Verminderung des bürgerlichen Elements geltend. Die beiden letztgenannten Chargen stammen alle auS den letzten vier Jahren. Bon den 190 Jnsanterie- Obersten find 62, von den 224 OberstlieutenantS 93, von 827 Majors 413 Bürgerliche. Don 54 Cavallerie-Obersten find nur 5 Bürgerliche, von 68 OberstlieutenantS find 15, von 213 Cavallerie Majors find 31 Bürgerliche. Bei der Artillerie zeigen sich ganz andere Berhältniffe. Unter 30 Obersten von der Feldartillerie sind 13 Adelige, unter 59 OberstlieutenantS 13, unter 159 Majors nur 20 Adelige. Von 11 Obersten der Fußartillerie sind 4, von 22 OberstlieutenantS 3, von 73 Majors 4 Adelige. Noch stärker tritt daS bürgerliche Element im Ingenieur- und PioniercorpS hervor- von 16 Obersten sind 2, von 84 OberstlieutenantS sind 3 Adelige. Unter den 28 Osfizieren (Oberst, OberstlieutenantS und MajorS) vom Train sind 6 Adelige. * Aas dem Gipfel beB BrsckenS wurde vor drei Jahren von dem Director deS botanischen GarlenS zu Göttingen, Pros. Peter, ein DersuchSgorten angelegt, um die alpine Flora auch dort zu acclimatisieren. Durch daS Entgegenkommen des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode wurde der Versuchsgarten nach und nach auf die doppelte Größe der zuerst benutzten Fläche gebracht und umfaßt jetzt 3025 Quadratmeter. Ferner wurden in den Förstereien Schluft und Oder- brück Parallelversuche für die Erörterung biologischer Fragen eingeleitet. Die Zahl der auf dem Brocken kultivierten Pflanzen stieg bis jetzt auf über 900. Allein trotz aller Sorgfalt und Mühe sind die Versuche durchweg ungünstig ausgefallen. Es hat sich herauSgestellt, daß mit wenigen Ausnahmen die Alpenblumen auf dem Brocken nicht fort» kommen, weil daS Klima ungleich rauher ist als in den Alpen, namentlich ist der so oft aus dem Brocken herrschende starke Sturm dem Gedeihen jener Pflanzen sehr schädlich. Wöchentlich- lleb-rficht btt Tod-SM- tn ©itfien. 25. Woche. Dem 17. Juni bi» 23. Juni 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (Incl. 1600 Mann Militär) SterbltchkettSziffer: 25,88'/«bezw.l6,47 nach »u»schl. der Ortsfremder.. Kinder steuerfähig ist, sondern scheint mehr eine Wirkung des Ehr- und Rechtsgefühles zu fein, welches gottlob? bei unseren einfachen, biederen, wenig bemittelten, aber auch anspruchslosen Vogelsbergern noch kräftig sich viele andere Gegenden Leim Agentur. Bei Leimconsumenten, Mäbel-, Pianoforte >, Eartonagenfabriken.Buchbtndereien, Tischlereien re. ic. gut eingefübrter Agent gegen lohnende Provision gesucht. Offert, unter H. 311731 an Haasenvei« äe Dogler, A.« rtzrantkurt a M. 15344 Zitherlehrer Adolf Arnold (Siesten, Bleichstraße 12. 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September 1807 zu Gießen, Grostherzogthnm Hessen (Deutschland) geborenen Carl Müller, bezw. um Namhaftmachung und Angabe des Aufenthalts seiner Leibeserben. Rechtsanwalt Dr. Georg Hafsel, 5343] Frankfurt a. M. Mermiethungen. LogiS von 2—3 Zimmern mit Zubehör für 16 biS 20 Mark monatl. per sofort gesucht Näh. in der Sxped. d- Bl- 'hZLö] LogiS im 3- Stock, 6 Zimmer nebst Zubehör, per 1. September zu ver- miet^hen^Marltplatz 18- 53351 In meinem Neubau, Steinstraße nächst der Nordanlage, sind 6 Wohnungen mit je 5 Zimmern und 2 Kammern, sowie 2 Mansarden mit je 3 Zimmern und allem Zubehör pr- L Octcber a. c. zu vermiethen. . Uvdr. Euler, Stnnstraße 7, 11^ 49321 In erstes Loge ist die Belletage, bestehend aus 7 Zimmern (Balkon), Badezimmer und Zubehör nebst Anlheil am großen Garten auf den 1. October, event. auch früher zu vermiethen- Näheres ch. «lreS, Süd-Anlage 18.___________. 5247] 2. Stock, 6 Zimmer, Mansarden, 2 Killer und allem Zubehör per 1- Juli oder später zu verm. 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Für die uns gelegentlich des Brand- ««glück» entgegen gebrachte Unterstützung zur Rettung unserer Familie, sowie auch für die Kleidungsstücke, mit denen man unS bedachte, sagen wir allen Helfern, die sich um uns, theilweise mit eigener Lebens- xe'ahr, bemüht haben, unseren innigsten Dank. , _ Christoph -ah« nebst Aran. 1159] Schöne» LogiS, 5-6 Zimmer, ist an ruhige Leute zu vermiethen. L. ssli«lel, Bahnhofstraße 10- 1581] Der mittlere ©torf, 4auch5Zim. mit Zubehör, ist per sofort zu vermiethen.__________________Kirchftraße 2. 2389] In meinem Neubau, verlängerte Bleichstr., sind die drei Etagen, j 6 biS 7 Zim-.Badez., nebst all. Beguemlichk-, auf Wunsch a. Gartenanth-, z. 1. Juli beziehb-, z. v- Näh- Asterweg 44. L. Bernhard. 3010] Mittlere Etage meine» Hause» mit Burschenzimmer und Pserdestall zu vermiethen._________Nugrrst Weh«. 2953] EchSne Mansardenwohuv«g, 4 Zimmer mit Zubehör, zu vermiethen, beziehbar sofort. Bahnhofstraße 10. 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