Nr. 252 Erstes Blatt. Samstag den 27. October 1894 Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger Amts- «nd Anzeigeblatt für den Aireis Gieren. Hratisöeikage: Hleßener Kamitienötätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Redaction, Expedikio- und Druckerei: Sibutarahe Ztr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Abouncmentsprrisr 2 Mark 20 Pfg. mir Bringerlohir. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener Aamittenvlälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Hcueftc Nachrichten. Wolffs tclegrepMu#c* Korrespondenz- Bur ein- Berlin, 25. October. In der gestrigen Schlußsitzung der AuSführungS-Commission des deutschen Anti- sclavereicomiteS hob Ministertaldirector Kayser die großen Verdienste der Geschäftsleitung und die bedeutsamen Erfolge für die humanen Ziele der Antisclaverei-Unternehmung unter Führung hervorragender Männer wie Wißmann, Baumann :c. hervor. Durch etwaige Fehler dürfe man sich nicht entmuthigen lassen. Ec sei nicht nur im Namen der Reichsregierung ermächtigt, die volle Anerkennung für das Geleistete auszusprcchen, sondern dürfe auch als Mitglied der Commission und in deren Namen dem Präsidium für die wahrhaft hingehende Arbeit den Dank aussprechen. Der Fürst von Wied dankte bewegt. Berlin, 25. October. Stand der Herbstsaaten in Deutschland Mute October: Winterroggen 2,3, junger Klee 1,9; der Ernteertrag nach vorläufiger Schätzung für Winterweizen 1700, Sommerweizen 1520, Winterspelz 1570, Gerste 1780 Kilogr. pro Hectar. Petersburg, 25. October. Wie aus Livadia gemeldet wird, wohnten der Großfürst-Thronfolger und die Prinzessin Alix gestern im Schlosse Orianda einer Seelenmesse für den verstorbenen Großfürsten Constantin Nikolajewitsch bei. Das Brautpaar besuchte darauf den Wasserfall von UtfchunSsu. Yokohama, 25. October. Reuter-Meldung. DaS japanische Armcecorps, welches Hiroschima unter dem Com- mando des Marschalls Oyama verließ und gestern mit den Chinesen bet Port Arthur zusammengestoßen sein soll, ist bei Seikiossa aus chinesischem Gebiete gelandet. — Die japanischen Truppen im nördlichen Korea haben den Ualu- sluß überschritten und sind in die Mandschurei ein- marschirt. Yokohama, 25. October. Reuter-Meldung. Bei dem Erdbeben tn den Bezirken Sakata, Aamagata und Akami sind an 3000 Häuser durch heftige Erdstöße zerstört und, soweit bisher bekannt, sind 260 Personen getödtet und eine große Anzahl verwundet worden. Depeschen de» DurctM .Herold*. Berlin, 25. October. Die stimmsührenden Minister der Bundesstaaten hielten heute unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Caprivi eine Sitzung ab, in der sie über die Mittel gegen die Umsturzbestrebungen, sowie über die Steuerreform beriethen. ES wird versichert, daß diese Sitzung nichts mit der geschäftsordnungsmäßigen BundeS- rathssitzung zu thun habe. Mir der Ausarbeitung der Vorlage zur Bekämpfung der Umsturzbestrebungen sind der geheime Oberregierungsrath Philippsborn und Justizrath Seckendorf beauftragt. — Morgen Nachmittag findet in der Capelle der russischen Botschaft Hierselbst ein Bittgottesdienst für die Genesung des Czaren statt.— Das „Berl. Tagebl." meldet zur inneren Lage, daß in Sachen der Maßregeln gegen den Umsturz die Ansichten des Ministerpräsidenten Grasen Eulenburg isolirt dastehen. Die bayerische Regierung soll jeden Gedanken an eine Wiederholung der Ausnahmegesetzgebung zurückweisen, sowie jede Aenderung des Vereinsgesetzes für unnöthig halten, soweit diese das bayerische Gesetz betrifft. Der Regelung der^Frage von Reichs wegen dürfte die bayerische Regierung nicht beipflichten. Berlin, 25. October. Das Antisclaverei-Comite hat sich formell aufgelöst. Die ihm gehörigen Schiffe find in den Besitz der deutsch-afrikanischen Gesellschaft übergegangen. Berlin, 25. October. Aus Odessa wird gemeldet, daß Befinden der russischen Kaiserin hat sich derartig verschlimmert, daß eine Katastrophe befürchtet wird. Berlin, 25. October. Die letzten bei der hiesigen russischen Botschaft eingegangenen Mittheilungen laffen eine Ver- Änderung in dem Befinden des Czaren und tn besten leichter Besserung nicht erkennen. Berlin, 25. October. Die Bonner Studentenschaft erläßt einen Aufruf an die Commilitonen, um dem Fürsten Bismarck zu seinem 80. Geburtstage eine Ehrengabe der gesammlen deutschen Studentenschaft zu überreichen. Zn Berlin soll eine Versammlung von AbgeoDdneten sämmt- ltcher Hochschulen stattfinden, die das Nähere über die geplante Huldigung beschließen soll. Wurzburg, 25. October. Der Main ist aus seinem Bette getreten. Das Master steigt fortwährend. Karlsruhe, 25. October. Die Großherzogin von Baden überwies der Louife-Heilanstalt in Heidelberg die Summe von 1000 Mark, welche sie vom Generalconful Karl Reiß in Mannheim anläßlich der EnlhüllungSfeier deS Kaiser Wilhelm Denkmals zu wohlthätigen Zwecken erhalten hatte, zur Anschaffung des Diphtherie-HeilserumS. Die Großherzogin hat bestimmt, daß vermittelst dieser Summe die Wirkung des Heilserums erprobt und wissenschaftlich untersucht werden solle. Budapest, 25. October. Der Arbeiter Ambrozik gestand vor seinem Tode, mit anderen Arbeitern durch Verwendung mehrerer Dynamitpatronen daS Grubenunglück der Annina herbeigeführt zu haben. Kopenhagen, 25. October. Hier eingetroffene Privatnachrichten bezeichnen den Zustand des Czaren als verschlimmert. Er könne fast nichts mehr genießen. Die Anschwellung des Unterleibs nehme immer mehr zu. Rom, 25. October. Dr. Risso in Genua hat, wie nach hier gemeldet wird, ein neues Mittel gegen Diphtherie erfunden- dasselbe soll noch wirksamer sein als das Behring'sche Heilserum. Brüffel, 25. October. Hinsichtlich der am nächsten Sonntag tn ganz Belgien stattfindenden Wahlen der Provinzialräthe herrscht abermals große Agitation. In den meisten wallonischen Provinzen stehen wieder drei Listen gegenüber, die clerikale, die liberale und die socialistische Liste. Brüffel, 25. October. Entgegen den Meldungen verschiedener Blätter, daß der ehemalige Minister Beernaert das Portefeuille des neu zu schaffenden ArbeilSministeriums übernehmen werde, wird aus gutunterrichtcter Quelle gemeldet, daß dieses Ministerium vorläufig erst geplant sei und einen Theil der Reformen bilden werde, welche die Regierung der Kammer unterbreiten will. Paris, 25. October. Dem „Siecle" zufolge wurde die betreffende Depesche, wonach der Abbruch der Verhandlungen mit der Regierung von Madagaskar bevorstehen soll, nur Castmir-Perier und Dupuy mitgetheilt. Eine Antwort soll sofort an Le Myre de Vilers abgegangen sein. Der „Figaro" fragt, wenn die Depesche eine friedliche Lösung voraussehen ließe, würde man sie dem Publikum unverzüglich mitgetheilt haben. Der „Gaulols" glaubt, daß auf Grund der seit zwei Tagen gewechselten Telegramme die Regierung heute, spätestens morgen definitive Beschlüste fasten wird. Die „Autorile" theilt mit, daß General Negrier ausersehen sei, die Expedition nach Madagaskar zu commandiren. Paris, 25. October. Ein in der hiesigen russischen Botschaft eingelaufenes Telegramm auS Livadia erwähnt besonders dieThatsache, daß der Czar immer noch bei vollem Bewußtsein sei. Paris, 25. October. Wie hier verlautet, wird die Vermählung des Großfürsten-Thronfolgers voraussichtlich jetzt nicht in Livadia stattfinden. Brest, 25. October. Heute Nachmittag exp lodirte der Dampfkessel deS Kreuzers „Arethuse" bei dem Versuch, mit forcirtem Dampfdruck zu arbeiten. Sechs Arbeiter wurden getödtet, zwanzig verletzt. Loudon, 25. October. Die „Morntngpost" bespricht die Eröffnung der zwischen Tunis und Bizerta fertiggestellten Eisenbahn, sowie die Gründung eines Militärhafens in der Nähe Maltas und sagt, daß beide Unternehmen wichtige Factoren in der Mittelmeerfrage bildeten. Es sei jetzt sehr leicht, Bizerta und Toulon miteinander zu verbinden, England müsse darum Maßregeln treffen, um die jetzige Sachlage definitiv zu regeln, wenn nicht ernste Covflicte zwischen Frankreich und England ausbrechen sollten. Petersburg, 25. October. Es verlautet, ein französischer Chirurg solle nach Livadia berufen werden behufs eventueller Operation, falls nur eine Niere des Czaren afficirt sein sollte. Professor Bergmann tn Berlin soll die Operation abgelehnt haben. Sozialdemokratischer Parteitag. Frauksurt a. M., 24. October. Der zweite von süddeutschen Delegirten eingebrachie Antrag lautet: „Der Parteitag wolle erklären: In Erwägung, daß die grundsätzliche Bekämpfung der herrschenden Gesell- schafts- und Staatsordnung aus der Gesammtthätigkeit der Partei hervorgeht - in weiterer Erwägung, daß die Gesammt- abstimmung über die Finanzgeschäfte der Einzelstaaten eine reine Zweckmäßigkeitsfrage ist, welche nach den örtlich und zeitlich gegebenen Umständen zu beurthellen ist, sowie im Hinblick auf die am bayerischen Parteitage gegebene Darlegung sind die von Berlin, Halle, Weimar, Braunschweig > und Magdeburg gestellten Anträge als erledigt zu betrachten." Um diese beiden Anträge, eventuell den ersteren mit dem Zusatz Stadthagen handelt es sich in der weiteren Be- rathung. Zu dem von den Süddeutschen gestellten Anträge erhält zunächst das Wort v. Vollmar, der in längerer Rede darlegt, warum so und nicht anders beim Finanzetat in der bayerischen Abgeordnetenkammer abgestimmt worden sei. Gegen der Reichsetat stimmten die Socialdemokralen deshalb, weil l/s der Reichseinnahmen für Militärzwecke verwendet würden, und der Militarismus müste unter allen Umständen bekämpft werden. Anders liege es tn den Landtagen. Der bayerische Etat habe mit den Ausgaben für daS Militär gar nichts zu thun, da die Höhe des von Bayern für Militärzwecke aufzubringenden Betrages procentual nach dem im Reichstage genehmigten Militäretat für das gesammte deutsche Heer berechnet werde. Zu bewilligen habe in dieser Beziehung der bayerische Landtag gar nichts. Beim bayerischen Etat handle es sich fast ausschließlich um Ausgaben für Culrur- zwecke. Die socialdemokratischen Landtagsabgeordneten hätten im Einzelnen für diese Ausgaben gestimmt, sie theilwetse sogar selber beantragt, wie würde es nun ausgesehen haben, wenn sie im Gesammtetat gegen diese Ausgaben gestimmt hätten. Die Rücksicht auf ihre Wähler, unter denen sich auch viele kleine Eisenbahn- und Postbeamte befänden, denen sie Gehaltsaufbesserungen versprochen hätten, habe sie bewogen, für den Etat zu stimmen, ferner die Rücksicht auf die fernere Agitation, die sich bekanntlich auf das Land erstrecken solle, da tn dem Etat auch bedeutende Summen für Schaffung besserer Verhältnisse auf dem Lande ausgeworfen seien. Die Agitation werde ihnen durch die Annahme von gegen die Bayern gerichteten Anträgen jedenfalls sehr erschwert werden. Die bayerischen, namentlich die oberbayerischen Bauern, seien so unwissend, daß sie einfach der Socialdemokratie von vornherein den Rücken kehren würden, deshalb, weil sie eine öde Principicnreiterei nicht begreifen würden. Im Uebrigen bestreitet Vollmar, daß die Abstimmung für ober gegen einen Finanzetat eine principielle Frage sei, es sei eine reine Zweckmäßigkeitssrage, und polemisirt scharf gegen die fortwährend von Berlin, von wo bekanntlich alle Gutes komme, kommenden Einmischungen in die Angelegenheiten der PaNei- genosten tn den anderen Bundesstaaten. Besonders wendet er sich gegen Bebel und warnt eindringlich, die Reibereien nicht auf die Spitze zu treiben. Bebel begründet in längerer Rede seinen Antrag. Er behauptet im Gegensatz zu V o l l m a r, daß es sich um eine Frage des Prlncips handle. Ob durch Festhaltung am Princlp die Bauern abgestoßen oder angezogen würden, sei ganz gleichgiltig, wenn dieselben jetzt die Noth beten lehre, werde sie die Noth auch denken lernen-, Grillenberger erklärt, die bayerischen Führer der Social- demokratie hätten mit einer Bevölkerung zu rechnen, die zu 80 Prozent aus Kleinbauern bestehe. Sollte der Antrag Bebel angenommen werden, so würden sie sich in Bayern einfach nicht darum bekümmern. Die Norddeutschen verständen eben von bayerischen Verhältnissen nichts. Um 4 Uhr wird die Discussion vertagt. Aus der gestrigen Verhandlung ist noch nachzutragen, daß ein Antrag, auf ein Reichsvereinsgesetz hinzuwtrken, abgelehnt wurde und ein Antrag, den bekannten Urthetlsspruch deS Langenselbolder Amtsgerichts im Reichstage zur Sprache zu bringen, angenommen wurde, Frankfurt a. M., 25. October. Unter Vorsitz des Abg. Singer wird die Berathung über die bayerischen Angelegenheiten fortgesetzt. Zunächst ergreift Auer das Wort, um den Bebel scheu Antrag zu unterstützen. Dann tritt er in energischer Weife v. Vollmar entgegen und bebauen, daß dieser in so rabiater Weise gegen die Preußen — namentlich Berliner — vorgeht. — Redner fährt weiter fort: Was Vollmar als spectfisch bayerische Eigenart dahinstellt, findet man auch in anderen Provinzen. Wenn Vollmar seine Taktik mit der Rücksicht auf die Bauern begründet, so täuscht er sich. Die bayerischen Bauern, er, Auer, selbst Bayer, bemerke das — sind für die Socialdemokratie kaum zu gewinnen. Wenn die Bauern erst für Slgl, dann für Vollmar schwärmen, so zeigt dies eben, daß sie an der Person, aber nicht an der Partei hängen. Die Bauernbundbewegung ist im Grunde gencmmen uneactionär zu nennen. Diese Specles von Capltallsten- bourgeois dreht nur aus Noth dem Centrum den Rücken und sehnt wohl schwerlich eine Gleichstellung mit ihren Knechten herbei. Für solche Socialdemokraten danken wir. Für mich ist nur die Cardinalfrage die, wie machen wir der Zerfahrenheit ein Ende, wenn wir nicht die gemeinsame Marschroute einschlagen wollen. Ich erwähne noch, daß die boyertsche Socialdemokratie nicht dazu da ist, um den Fortbestand des jetzigen bayerischen Staates zu sichern, höchstens doch ihn zu untergraben. Die bayerischen Genossen sind verpflichtet, gegen das Finanzgesetz zu stimmen; die Entschuldigung Vollmars, daß dies tm Jnteresie der Culturaufgaben geschehen sei, ist nicht stichhaltig. Nehmen Sie die Jnteresien der eigenen Brüder wahr und treten Sie an unsere Seite. — Nachdem gegen 12 Uhr die Dtscusston Über die bayerische Angelegenheit geschloffen und es noch zu scharfen persönlichen Bemerkungen zwischen Bebel, Auer, Vollmar und Grillenberger gekommen war, wurde zur namentlichen Abstimmung geschritten. Zunächst wurde der Antrag Oertel und Genossen abgelehnt, sodann der Zusatzantrag Stadthagen zum Antrag Bebel mit Hilfe der Süddeutschen gegen den Wunsch Bebels, Auers und anderer Parteiführer angenommen und schließlich der Antrag Bebel, wie er sich durch den Zusatzantrag Stadthagen gestaltet, abgelehnt, indem die Süddeutschen nunmehr dagegen stimmten. Alle anderen Anträge waren zurückgezogen worden.. In der Nachmittagssitzung stand die Agrarfrage auf der Tagesordnung. Dr. Schönlank und Vollmar refe- rirten. Schönlank ging in mehr theoretischer Weise auf die Entstehung der Agrarfrage ein, entwickelte die ländlichen 93er* hältniffe in den verschiedenen Gegenden Deutschlands und will sowohl die Landarbeiter wie die ganzen kleinen Besitzer, die nur noch Scheinbesitzer sind, als auch die mittleren Be* sitzer in den Bereich der Agitation gezogen haben, verspricht sich aber in Bezug auf die mittleren Bauern vorläufig nur den Erfolg, daß es möglich sein werde, sie durch Erleichterungen, die man ihnen verschaffen könne, und durch die Hilfe, welche man ihnen gegen wucherische Ausbeutung gewähre, zu neutralisiren, d. h. sie zu veranlaffen, der weiteren Entwickelung Gewehr bei Fuß zuzusehen. Vollmar befaßte sich in längerer, mit großem Beifall aufgenommener Rede mit der mehr praktischen Seite der Sache. Zunächst gab er allerlei Winke und Rathschläge, wie die Agitation zu betreiben sei. Früher sei der Bauer — Vollmar beschäftigte sich hauptsächlich mit dem mittleren Bauernstände — gewohnt gewesen, die Politik die „Herren" machen zu laffen, „die das gelernt hätten", etwa wie der Bauer das Ackern usw., allmählich fange aber auch der Bauer an zu denken. Jetzt, wo die Verhältniffe immer schlechter für sie würden, fange es an, unter den Bauern zu gähren, und es sei höchste Zeit, daß die Socialdemokratie, wenn sie ernstlich danach strebe, die politische Macht zu erlangen, Stellung zu der Bewegung unter den Bauern nehme, da es für die Socialdemo- kratie absolut nicht gleichgiltig sei, wohin sich diese Maffe des Volkes wendete. Sie bedürfe dieser Massen, gegen den Willen der ländlichen Bevölkerung lasse sich eine Umgestaltung der jetzigen gesellschaftlichen Ordnung nun und nimmer bewerkstelligen. Nun besäßen aber die Bauern nicht so viel Idealismus, daß sie sich auf ein zukünftiges socialdemokratisches Himmelreich vertrösten ließen, sondern sie verlangten, daß ihnen in ihrer jetzt unzweifelhaft vorhandenen Krise geholfen werde, daß ihnen in ihren wirthschastlichen Verhältnissen gegen die Ausbeutung durch Wucher usw. schon jetzt geholfen werde, gerade so gut, wie das die Jndustrie- arbetter auch verlangten. Es würde aber auch geradezu gegen das socialdemokratische Princip verstoßen, wollte die Partei der Verschuldung und Enteignung der selbstständigen Bauern durch das Großkapital ruhig zusehen, denn im Programm heiße es, die Partei bekämpfe jede Ausbeutung, der mittlere Bauer sei aber kein Ausbeuter, sondern ein Ausgebeuteter, und zwar nicht ausgebeutet durch den Großgrundbesitz, sondern durch das Großkapital. Auf dem Großgrundbesitz laste der Schuldendruck ebenso und noch mehr, als auf dem Bauernstände, nur daß sich der erstere durch Liebesgaben usw. zu helfen suche. Ohne die Bauernschaft könnte die Partei am Ende in die Lage versetzt werden, mit einer proletarischen Minderheit die Regierung zu übernehmen, und darauf müsse nothwendig ein Rückschlag folgen. Die socialdemokratische Partei habe keine Veranlassung, den Proletarisirungsproceß zu beschleunigen, sondern müsse ihn zu mildern suchen. Redner weist auf das Vorgehen der Socialisten in den verschiedensten Staaten hin, namentlich auf Frankreich, wo die socialistische Partei durch vernünftiges Eingehen auf die Wünsche der ländlichen Bevölkerung auf dem Lande die allergrößten Fortschritte mache. Man müsse dem Bauer auch zeigen, daß man ihn auch im zukünftigen Staate im ruhigen Besitz seines Arbeitsmittels, des Grund und Bodens belassen werde, gerade so wie man dem Tischler fein Arbeitsmittel, den Hobel, belassen werde, und daß er daun seine Leistungen an den Staat in Naturalien werde zu liefern haben. Andererseits werde man ihm die Arbeit erleichtern, indem man ihm den Maschinenbetrieb zugänglicher mache usw. Wolle man so lange warten, bis der Bauernstand zu Grunde gehe und dann der Socialdemokratie von selbst in den Schooß falle, so könne man lange warten, da der Bauernstand in seiner Zähigkeit so leicht nicht zu ruiniren sei, ganz abgesehen davon, daß durch das Zuströmen prole- tarifirter Landbewohner in die Städte auch die Lage der industriellen Arbeiter in den Städten verschlechtert werde. Während seiner Rede gab Vollmar allerlei Winke in Bezug auf die praktische Agitation, zu der sich voraussichtlich nur wenige Genossen eignen würden. Man müsse auf das Fühlen und Denken des Bauern eingehen, ihnen zeigen, daß man Verständniß für ihre Leiden habe. Vor allen Dingen müßten die Agitatoren den Hochmuth fallen lassen, den Bauer nicht in einer Weise anschwadroniren, wie das schon geschehen sei, daß dieser jeden Augenblick denken müsse, jetzt komme: „Schafskopf, verstehst Du mich jetzt?" Der Bauer sei politisch ungeschult, aber nicht dumm, wohl aber mißtrauisch und das mit Recht. Cocafcs unb pteHttjköw. Gießen, den 26. Oktober 1894. ** Ernennungen. Se. Königl.Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den RevisionScontrolleur bei dem Hauptsteueramte Darmstadt Heinrich Daniel Rausch zum Districtseinnehmer der Districtselnuehmerei Laubach, den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramte Worms Johann Friedrich Rinn er zum Districtseinnehmer der Dislrictseiunehmerei Vilbel zu ernennen. W. Umzug der Starkeuburgia. Der Umzug des CorpS Starkenburgia in die Gießener Starkenburg,, dem neuen Corpshaus an der verlängerten Wilhelmstraße, wird am Samstag mit allem Pomp vor sich gehen und sich zu einem Festzuge gestalten. An der Spitze des Zuges marschirt unsere Regimentsmusik, dann folgt eine Cavalkade von 16 Reitern in vollem Wichs, das Banner führend und begleitend, hinter welchen sich die ca. 150 übrigen Zugtheil- nehmer anreihen. Von der Pulvermühle um 3 Uhr ab- marschirend, passirt der Festzug die Neustadt, den Markt- und Kreuzplatz und marschirt den Seltersweg hinauf. Von den alten Herren find bis jetzt 80 angemeldet, 15 bis 20 Mitglieder der Bruder- und befreundeten Corps werden erwartet und sind theilweise schon eingetroffen. ** Neue Orgauisatiou der Forstämter. Mit Allerhöchster Genehmigung wird die Zahl der bisher bestandenen neun Forstämter auf sechs vermindert mit nachfolgender Benennung und Bezirkseintheilung: Es werden unterstellt: 1. Dem Forstamt Darmstadt (Amtssitz Darmstadt) die 14 Oberförstereien : Beffungen, Eberstadt, Ernsthofen, Griesheim, Kranichstein, Langen, Messel, Mitteldick, Münchbruch, Mönch- Hof, Mörfelden, Nieder-Ramstadt, Trebur und Woogsdamm- 2. dem Forstamt Lorsch (Amtssitz Lorsch) die 13 Oberförstereien : Alzey, Bingen, Gernsheim, Heppenheim, Jägersburg, Jugenheim, Lampertheim, Lorsch, Lindenfels, Mainz, Rimbach, Viernheim und Waldmichelbach- 3. dem Forstamt Seligenstadt (Amtssitz Seligenstadt) die 13 Oberförstereien : Babenhausen, Beerfelden, Dieburg, Dudenhofen, Erbach, Heusenstamm, Hirschhorn, Höchst, König, Lengfeld, Lichtenberg, Schaafheim und Zellhausen- 4. dem Forstamt Gießen (Amtssitz Gießen) die 10 Oberförstereien: Altenstadt, Butzbach, Gießen, Grünberg, Hochweisel, Ltch, Nieder-Eschbach, Ober-Rosbach, Schiffenberg und Treis a. d. L.; 5. dem Forstamt Nidda (Amtssitz Salzhausen) die 10 Obersörste- reien: Bingenheim, Büdingen, Düdelsheim, Eichelsdorf, Feldkrücken, Grebenhain, Laubach, Nidda, Ortenberg und Schotten- 6. dem Forstamt Ro m ro d (Amtssitz Romrod) die 11 Oberförstereien: Alsfeld, Eudorf, Grebenau, Hainbach, Homberg, Maulbach, Nieder-Ohmen, Romrod, Vadenrod, Wahlen und Windhausen. Die provisorischen Forstämter Lauterbach und Schlitz bleiben unverändert. Die neue Organisation tritt mit dem 1. April 1895 in Kraft. ** Neues Theater. Am Sonntag geht das ausgezeichnete Volksstück von Rudolph Kneisel „Die Lieder D d e s Musikanten" in Scene. Wir wollen nicht unterlassen, auf dies Werk besonders aufmerksam zu machen, da die von Ferd. Gumbert componirten Lieder einen ganz besonderen Reiz auf die Zuhörer auszuüben im Stande sind. ’* Stenographisches. Als einen bedeutenden Fortschritt auf dem Gebiete der Stenographie darf man wohl die vor einiger Zeit stattgefundenen Verhandlungen der badischen Landstände über diesen Gegenstand bezeichnen. Die badischen Stenographen Vereine hatten nämlich zu Anfang dieses Jahres an die Kammern eine Petition gerichtet, worin um Einführung des Stenographie-Unterrichts in den höheren Schulen gebeten wurde. Nach eingehenden Berathungen, in~ welchen eine Reihe von Abgeordneten sehr warm die Berücksichtigung des Gesuches empfahlen, und nach zustimmenden Aeußerungen der Regierungsvertreter wurde dasselbe in beiden Kammern der Großh. Regierung zur Kenntnißnahme überwiesen. Der Oberschulrath hat nunmehr auch die Einführung der Stenographie, und zwar nach Gabels berg er System, beschlossen, da nach den bei den Regierungen von Oesterreich, Bayern und Sachsen, welche Staaten schon seit Jahren stenographischen Unterricht in den Schulen besitzen, eingezogenen Erkundigungen dieses System vorzuziehen sei. — Hervorgehoben wurde ganz besonders, namentlich von practischen Juristen, daß durch die Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen der Kurzschrift eine viel größere Verwendung in der Rechtspflege zu Theil werden müsse, als seither. ♦* Vou hessische» Behörden werden steckbrieflich verfolgt : Taglöhner Adam Heck aus Framersheim wegen Hausfriedensbruch 2C., von der Staatsanwaltschaft Darmstadt- Küfer Franz Kinsberger aus Fürfeld wegen Unterschlagung, und Schreinergeselle Philipp Grünewald aus Höllerbach wegen Diebstahls, vom Amtsanwalt Groß-Umstadt- Schirmflickerin Gertrude Steller aus Oberrosphe wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, und Dienstknecht August Ter sch aus Guben wegen Diebstahls, von der Staatsanwaltschaft Gießen- Schirmflickerin Bertha Vilm etter aus Huckelheim wegen Unterschlagung, vom Amtsanwalt Büdingen - Schneider Philipp Roß aus Darmstadt wegen Verbüßung einer Gefängnißstrafe, vom Amtsgericht I. Darmstadt. ** Bessere Kaseraenkost. Da infolge der zweijährigen Dienstzeit die Soldaten mehr angestrengt werden als früher, so sollen sie auch eine bessere Kost erhalten. Es ist im nächsten Reichstage eine Vorlage zu erwarten. Die Fleischportionen sollen um 30 Gramm, die Gemüseportionen in der Kaserne auf die Höhe der während der Manöver bewilligten gebracht werden. Hierzu ist eine Fettzugabe von 40 Gramm geplant, welche sich in den Manövern auf 60 Gramm erhöhen soll, so daß als Regel die Gewährung eines warmen Abend- brotes stattfinden könnte, für welches den Mannschaften 15 statt 13 Pfennige, wie bis jetzt in Anrechnung gebracht werden sollen. •* Die Zahl der Inhaber des eiserneu Kreuzes von 1870/71, nimmt naturgemäß von Jahr zu Jahr erheblich ab. Das preußische Heer und die unter Preußens Verwaltung stehenden Contigente zählen zur Zeit noch 844 Berechtigte, Sachsen 45, Württemberg 4 und Bayern 10 Berechtigte. Gegen das Vorjahr ist die Gesammtzahl um 40 gesunken. Auch die Zahl der Angehörigen der vormaligen schleswig-holsteinischen Armee aus den Jahren 1848—1850 ist gegenwärtig sehr gelichtet. Es beziehen noch Pensionen aus dem Reichs Jnvalidensonds: 1 Bataillonscommandeur, 3 Hauptleute und ein Rittmeister erster Klasse, 6 solche zweiter Klaffe, 16 Premierlieutenants, 93 Secondelieutenants und 16 Sanitätsoffiziere - ferner Jnvalidenpensionen: 10 Feldwebel, Oberfeuerwerker und Wachtmeister, 104 Sergeanten und Unteroffiziere und 660 Gefreite, Gemeine und Spielleute. Endlich erhalten noch 74 Wittwen von verstorbenen Angehörigen der genannten Armee Unterstützungen. Die Ge* sammtzahl der Pensionierten und Unterstützten beträgt sonach noch 1002- im vorigen Jahre war die Zahl noch um 54 höher. ** Warnung. Neuerdings kommen auf Kirchweihen und auf Jahrmärkten und besonders auch in Verkaufslocalen Zuckerwaaren zum Verkauf, in denen eine aus einer kleinen Stahlzunge bestehende Blaseinrichtung eingefügt ist. Kleinere Kinder verstehen sich selbstredend, wenn man ihnen solche Näschereien reicht, nicht lange aufs Blasen, sondern sie machen sich gewöhnlich alsbald ans Vertilgen der Süßigkeit. Dabei kam es in den letzten Tagen wiederholt vor, daß Kinder diese Stahlzungen verschluckt haben. Nicht immer geht dies so leichterdings ab- denn bei einem zweijährigen Kinde blieb kürzlich ein derartiges Stahlzüngelchen im Schlunde stecken, so daß operativ eingeschritten werden mußte. Eltern sollten also ihren Kindern solche Zuckerwaaren nicht verabreichen, anderseits sollten aber auch solch' verhängnlßvolle Eßwaaren überhaupt nicht zum Verkauf kommen. △ Ermenrod, 25. October. Gestern Mittag brach aus bis jetzt noch nicht bekannten Gründen Feuer aus in der Wohnung des Johannes Geiß dahier. Das Feuer griff rasch um sich, so daß bald nicht nur das Wohnhaus, sondern auch die Scheune und Stallung in Flammen standen- Den herbeigeeilten Löschmannschaften gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Abgebrannte ist versichert, indeß ist der Brandschaden um so empfindlicher, als der Winter vor der Thür steht und alle Futter* und Stroh- Vorräthe verbrannt sind. § Homberg a. £>., 25. October. Wenn jemals unser „Kalt-Markt" seinen Beinamen nicht verdiente, so war das gestern der Fall; während sonst nicht selten schon der Winter seinen Einzug gehalten, hatten wir gestern einen sommerlichen Spätherbsttag. Infolge dieses schönen Marktwetters zeigte der Markt sehr starken Besuch und nahm den befriedigendsten Verlauf. Der Vieh markt war mit Schweinen sehr stark befahren, indessen machte man auch hier die Wahrnehmung, wie auf dem vor acht Tagen zu Grünberg stattgefundenen Gaüusmarkte, daß nämlich im Schweinehandel die Preise matter geworden sind. Man bezahlte für das Paar Ferkel' zweiter Güte 30 bis 35 und 35 bis 40 Mk., erster Güte 40 bis 45 und 45 bis 50 Mk., für das Paar Läufer (Einlegschweine) im Durchschnitt 70 bis 80 und 80 bis 90 Mk. Das sind allerdings noch recht hohe Preise, obschon die Differenz gegen den Maximalpreis der früheren Märkte ca. 10 Mk. beträgt. vermischtes. * Breitenbach a. tz., 24. October. Zur schrecklichen Wahrheit wurde dem Vater seines einzigen Kindes ein Traum. Ein gut beleumundeter verheirateter Knecht aus Hatterode ist im Dienst in der Nähe von Alsfeld. Auch heute verrichtete er die ihm zugetheilte Arbeit, als ihn PlLtz- Uch ein eigentümlich schwermüthiges Ahnungsgefühl überfällt-. Er denkt an sein Kind zu Hause, dem ein Unglück zugestoßen, sein könnte, und bittet den Dienstherrn, ihn doch nach Hause gehen zu lassen. Dieser jedoch, der ihm wohl die Gedanken ausreden will, heißt ihn an seine Arbeit gehen, was er auch tut. In der nun folgenden Nacht träumt diesem Manne, sein Kind sei ins Waffe: gefallen. Dieser Traum läßt benr Vater keine Ruhe mehr, er eilt heim mit Geschenken für seinen Liebling. Welche Gedanken mögen diesen braven Vater auf seinem meilenlangen Fußwege gekommen sein! Er eilt heim mit sorgender Seele. Zwischen Hoffen und Bangen kommt er endlich in seinem Dorfe an. Doch, o Schrecken, es ist, wie ihm geträumt. Sein Liebling ist am Morgen im nahen Flüßchen ertrunken und der weinende Vater kann ihm nicht mehr die lieben Augen zudrücken, da sein Kind trotz eifrigen Suchens bis jetzt nicht hat gefunden werden können. Das Wiedersehen dieser unglücklichen Eltern ohne ihr Kind kann sich jedes Elternpaar denken, welches seine Kinder lieb hat. * Aurich, 22. October. Ein vor 42 Jahren als verschollen und tobt erklärter Mann, ber Schiffs- capitän G. L. Saathoff ans Westersanber in ber Nähe von Aurich, welcher im Jahre 1852 seine Frau und drei Kinder verließ und feit der Zeit nichts mehr von sich hören ließ, ist, wie man aus Emden schreibt, von Neuseeland, woselbst er ansässig gewesen ist, zu seiner Familie bezw. seiner e^ maligen Frau wieder zurückgekehrt. Diese ist jetzt 74 Jahre alt und war inzwischen mit einem bereits verstorbenen anderen Mann 20 Jahre lang verheiratet- sie hat indessen noch immer nicht den Gedanken aufgeben können, daß ihr erster Mann noch lebe. Vor einigen Tagen gelangte nun die Kunde ins Dorf. Der Verschollene befände sich in Aurich auf der Heimreise nach seiner ehemaligen Familien- wohnung, und wirklich, kurz darauf erschien er in seinem HeimathSdorse. * Paris, 23. October. AuS Lyon wird eine gräßliche Missethat eines halbwüchsigen Jungen gemeldet. Ein junger Glase^ehrling, der 13jährige Marius Millard, wurde seines halben Monatslohnes im Betrage von 35 Fcs. beraubt und bann erdrosselt. Seine Leiche wurde gestern früh von einem Eisenbahnbeamten auf einem Bauplatze entdeckt. Der Knabe war mit zwei Taschentüchern, darunter sein eigenes, erwürgt worden. Der kleine Marius, ein höchst arbeitsamer Junge, unterhielt mit seinem kärglichen Lohne seine Eltern, die sich gegenwärtig ohne Arbeit befinden und - Die Mäßigkeit ist ein Baum, dessen Wurzel Genügsamkeit, dessen Früchte Gesundheit und Zufriedenheit. Die Unmahigkeit wird vom Tode ausgeschickt, demselben Opfer zuzuführen und die Geschäfte des Alters zu verrichten. Namentlich in Bezug auf den Genuß alkoholhaltiger Getränke überschreitet ein großerheil der Menschheit die Grenzen mäßigen GenußeS. Küpper«, lediglich aus Hopfen und Malz hergestelltes Kraftbter besitzt die Eigenschaft, den Vorzug, schon in kleinen Gaben eine verhaltnißmäßtg große Menge vegetabilischer Nährstoffe zu bieten und zwar in dem Zustand von Löslichkeit, der für die Ernährung besonders bei schwachen und kranken Derdauungsorganen erwünscht ist, daher wird es leicht in ganzen Mengen ausgenommen, sättigt schon bei mäßigem Genuß. Erhältlich in allen besseren Droguerien, Delicatessen- und Colonial- waaren-Handlunqen. — En gros zu beziehen durch die Bergische Biauerei - Gesrllschaft oorm. G. Küpper, Elberfeld. Gießen: a. Kempf, Ludwigsstr. 26, Ad. Geisse, Kreuzplatz Emil Orbtg, Bahnhof str-, R. Schlabach Nachf., Ludwtgsplatz, A. & G. Wallen, selb, Marktplatz. 418d - Reisen nach dem Süden. Unserer Redaction ist in diesen Tagen das Programm für das Jahr 189s des Karl Rtesel schtn Reisecontor, Berlin, Königgrätzerstraße 34, zugegangen. Das Programm ist gegen das Vorjahr ganz bedeutend erweitert worden und bietet namentlich für Gesellschaftsreisen nach dem Süden reiche Aus. wähl. Genanntes Contor hat für den Winter und das Frühiahr folgende Touren vorgesehen: 3 Reisen nach dem Orient, 1 nach Algier, Tunis und Italien incl. Sictlien, 2 nach ganz Italien, 1 nach Spanien mit Abstecher nach Algier und Tunis. Ferner wird eine Expedition (Anfang Januar-Ende März) nach Nord - Amerika zum längeren Aufenthalt in dem herrlichen füdltchen Klima von Florida unternommen werden- 8818 1200 deutsche Professoren und Aerzte haben Apotheker A. Flügge'» MF* Myrrhen- Creme «prüft, sich In 1'/,jährigen eingehenden Versuchen von dessen aubergewöhnlichcr Wirk' samkeit überzeugt unb selbigen daher wann empfohlen. Derselbe ist nnler No. 63 592 In Deutschland patenttrt und hat sich als überaus rasch, sicher wirkende und dabei absolut unschädliche bet Verbrennungen, Verbrühungen, starker Sohweiesblldnng, < 26 und - sein) und sonstigen Hautverletzungen, sowie Hautleldon, Geschwüren durch seine hervorragend antiseptischen, neubildcnden und heilenden t-igcnschaslen vor -üalich bewährt. Flügge & Go. in Frankfurt o. M. verseupen die 88 weiten starke Broschüre mit den ärztlichen Zeugnissen gratis und franko. Apotheker. A. 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Die Polizei leitete sofort eine Untersuchung ein, welche ergab, daß MariuS von einem Kameraden, dem 14jährigen Charles Nectoux, der gleichfalls in der Glasfabrik beschäftigt war, nach Hause begleitet wurde. Nectoux, der sofort verhaftet wurde, versuchte vorerst zu leugnen, mußte aber ein Geständniß ablegen, als man bei ihm die Börse seines ermordeten Kameraden gefunden hatte. Als Ursache seiner Misiethat gab Nectoux an, er hätte an einigen Tagen ohne das Wlsien seiner Eltern nicht gearbeitet und infolgedesien nicht den üblichen Lohn nach Hause bringen können. DaS Verbrechen ruft in Lyon gewaltiges Aussehen hervor. * Petersburg, 25. October. Auf der Station Przy- b.tkowo der Koslow-Woronescher Bahn ereignete sich ein furchtbares Eisenbahnunglück. Der Locowotioführer eines Güterzuges war eingeschlafen und hatte den Zug über die Station hinausfahren lasten,- letzterer stieß mit voller Gewalt auf einen anderen Güterzug. 22 Waggons wurden zertrümmert, zehn Elsenbahnbeamte getödtet. * eine abscheuliche That verübten mehrere Jungen in dem Dörfe Kölln (KrciS Neustadt). Sie begasten die Hände eines vierjährigen jüdischen Mädchens mit Petroleum und zündeten dieses an. Zwar kam auf das Schreien des Kindes Hilfe, doch sind die Brandwunden bedenklich. ♦ Das Oberlandgericht in Colmar hat eine bemerkens- werthe Entscheidung über die Haftpflicht der Schulgemeinde getroffen. Die genannte oberste Instanz im Elsaß hat einem Schüler eine Entschädigung von 6000 Mark zugesprochen, der sich im Schulzimmer infolge mangelhafter Beschaffenheit der Schulbänke eine schwere Verletzung zugezogen hatte. Technische Fortschritte. — Bereitung von keimfreier Butter. Da gerade zwei der wichtigsten unb edelsten Nahrungsmittel, nämlich die Milch und die Butter, sehr leicht von Bacterien geschädigt und verdorben werden können, was zumal in der warmen Jahreszeit ost geschieht, so sei ben Interessenten mitgetheilt, daß es dem Herrn Dr. Gustav Müller in Coburg durch die Herstellung keimfreier Butter gelungen ist, auf dem Gebiete der Butterbereitung einen großen Fortschritt zu machen. Dieses Verfahren, keimfreie Butter zu gewinnen, ist durch die Eigen- thümlichkeit gekennzeichnet, daß bis zur völligen Fertigstellung der Butter kein Wechsel der den Rahm aufzunehmenden Gefäße statt- finbet. Erfahrungsgemäß trägt gerade solcher Wechsel am meisten dazu bei, daß em keimfreies Product nicht erhalten werden kann, insofern sowohl die Berührung mit mehreren Wachen als auch die längere Einwirkung der Luft die Keimfreiheit der Butter in Frage stellt. Die mittels dieses Verfahrens gewonnene Butter ist, laut einer Mittheilung des Patent-Bureaus Hopkins & Co. in Berlin 0., sehr dauerhaft. Die keimfreie Butter hält sich im heißesten Sommer 7—8 Monate; eine Probesendung dieser Butter ging mit dem Schiff „Der Salier" nach Australien unb zurück unb hat diese Prüfungsreise bestens bestanden. Das Verfahren, reimfreie Butter herzustellen, ist Herrn Dr. Müller für das Deutsche Reich patentirt worden unter Nr. 65 391. kirchliche Anzeige»» der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst- Sonntag den 28. October. 23. Sonntag nach Trinitatis. I« der Stadttirche. Vormittags 9Vi Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrvermalter Dr. Grein. Am Dienstag den 30. October: Jahresfest des Oberhessischen Vereins für Innere Mission. Abends «VrUhr: Festgottesdienst in der Stadtkirche. Festpredia-'r: Herr Pastor Simon aus Bielefeld. Am Sonntag den 4. Novemb.r: Feier des Reformationsfestes. An diesem Tage wird eine Collecte für die Gustav-Adolf-Stiftung erhoben-^ AeformationSsest findet im Abendgottesdienst Beichte und Feier des bett. Abendmahls für Matthäus- und Markus gemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen werden vorher in der Wohnung des zuständigen Geistlichen erbeten. , r t Donnerstag den 1. November, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule Bibelstunde. '(Jesus als Lehrer (Luc. 6). Pfarrer Schlosser. Vormittags um 9Ve Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 4V» Uhr: und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. t Abends um 6 Uhr: Rosenkranzandacht mit Segen. Freitag, den 2. November. Allerseelentag. Vormittags von 6'/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beicht. „ um 61/» Uhr. Hl- Messe- „ _ _ , . „ um 7V» Uhr: Seelcnamt für alle Verstorbenen der "er heil. Meffe und im Seelenamt: Austheilung der heil. Cnmmunion. ; rR ,, , Abends um 6»/r Uhr: Andacht für bte Abgestorbenen- 3« der JohanneSttrche. Vormittags 9'/rUhr: Pfarrer Din gelb ey- Vormittags 11 Uhr: Kinderktrche der Lukasgemeinde-. Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Montag den 29. October, Abends 8 Uhr: »ibelstunde tm Confirmandensaal der Johannen ktrche- (Marcus Cop 13 von V- 14 an: Die Hilfe in den schwersten Kämpfen und Nöthen). Pfarrer Dr. Naumann- . , , m r Künftigen Sonntag den 4. November wird das Reformations- fest gefeiert werden; hierbei Collecte für die Gustav-Adolf-Stiftung. Am Reformationsfest wird tm Abendgottesdienst Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- unb die Johannesgemeinde gefeiert werden. Katholische Gemeinde. Sonntag den 28. October. 24. S- n. Pf- Samstag: Nachmittags um 4>/r Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte- Sonntag: Vormittags von 6'/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; „ um 6i/'a Uhr erste hl. Meffe- „ um 7V, Uhr Austheilung der hl. Communion; „ um ;8 Uhr zweite hl-Messe; „ um 9V, Uhr Hochamt mit Predigt. Abends um 6 Uhr Rosenkranzandacht mit Segen- Montag, Dienstag und Mittwoch, des Abends um 6‘|a Uhr, ist Rosenkranzandacht mit Segen. Donnerstag, den 1. November- Allerhettigenfest. Mittwoch: m , .. Nachmittags um 4Ve Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Donnerstag: Vormittags von 6Vs Uhr an Gelegenheit zur hl- Beicht- „ um 61/, Uhr: die erste hl. Messe. „ um 7V. Uhr: Austheilung der HI. Communion. „ um 8 Uhr: die zweite hl. Meffe- Mttitärgottesdienst mit Predigt. Bekarmtmachrm-. Am 3. November d. I., Vormittags 10 Uhr, soll beim hiesigen Postamte (Bahnhofstraße 85) ein ausgemusterter zweiachsiger Landbriefträgerwagen öffentlich meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt zu machenden Bedingungen verkauft werden. Gießen, 25. October 1894. Kaiserliches Postamt. Ritsert. 8832 Oeffentliche Aufforderung. Erbansprüche und Forderungen an i das von Schöbe Strauß und deren Schwester Röschen Strauß zu Utphe hinterlaßene Vermögen! sind um so gewißer binnen sechs j Wochen bei uns anzumelden unb| zu begründen, als sonst der Nachlaß der beiden Genannten denjenigen Personen, welche sich als die nächsten Erben ausweisen werden, ausgeliefert bezw. Forderungen bei der etwaigen gerichtlichen Nachlaßregelung nicht berücksichtigt werden würden. Hungen, den 23. October 1894. 8789 Großh. Amtsgericht. Echten Emmenthaler, M Edamer, M FriihVckskllgchen, Prima Rahmkäse empfiehlt 8780 __L, Kalkhof. Zwiebeln, gute Wetterauer Waare, 25 Pfund 1,10 x, 50 Pfund 2,15 X, 100 Pfund 3,50 Jt, am nächsten Samstag zu haben in Oswalds Garten. [8826J Bnhl. Kochschule Weftaulage 35. Es sind noch einige Plätze frei. Anmeldungen im Schullocal Morgens 9 Uhr. 8726 Stadt. Schlachthaus. ff. KmnlMis, ! selbstgezüchteter und prämiirt, verkauft per Pfuvd 1 Mark, in ! größerem Quantum billiger Ph. 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