Dienstag den 27. Februar Nr. 48 Erstes Blatt 1894 Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gietzen den lörft. n üom 16. IL 23.,U. 2850 28.35 68.10 65 50 4t.- imd. M *' 135.25 93.70 104.80 162.15 8590 Itaflton 86.- 103 30 '»>" 85.60 85 SO iS iS 46 HO 100A5 10275 97 80 62.16 101- 10125 79.10 10290 9805 6140 10085 10185 79.20 188.20 34650 138.30 94.20 74.80 IU555 28.80 «.95 63.30 9920 9920 62.05 71- 104 95 2380 8U.89 SsL- bihn k L 1880r ILD. Ünl. InL 5110 56- 9895 98.80 6510 Die (Uufjen.-r Aamisienvsäller tocrbtn twm Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Ter Kielsener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags btrbtn o. 0. lolb . ■<) i Uba Ziel. Venedig und Monza reisen. Petersburg. 24. Februar. Wie verlautet, will Rußland den Handelsvertrag mit Italien kündigen, weil die Einfuhrzölle auf Getreide Seitens der italienischen Regierung erhöht worden sind. Paris, 24. Februar. Wie aus Villafranche hierher berichtet wird, wird der Kaiser von Oesterreich bis zum Ende dieses Monats daselbst erwartet. Auf seiner Reue wird der Kaiser französisches Gebiet nicht berühren. Marseille, 24. Februar. Heute Nacht wurde eine Bombe vor dem Polizeicommiffariat gefunden. — Die Polizei beschlagnahmte bei einem Arbeiter mehrere Dynamitpatronen. Bonbon, 24. Februar. Während des Begräbnisses BourdinS versuchte die sich in großer Zahl angesammclte Volksmenge die den Zug begleitenden Anarchisten zu vertreiben und machte sich namentlich große Erregung gegen die ausländischen Anarchisten geltend. Die von der Beerdigung zurückkehrenden Anarchisten wurden mit Knütteln und Steinwürfen von der erregten Menge angegriffen. Die Angegriffenen flüchteten in das Local des Autonomieclubs, die Verfolger zerschlugen die Fensterscheiben deS Clubgebäudes. Weitere Demonstrationen wurden durch daS Einschreiten der Biertkljähriger AAoancmcntspreir: 2 Mark 20 Psg. mit Lririgrrlohn. Durch dir Post brzogrrr 2 Mark 50 Psg. Äfbachon, Exprditioa und Druckern: KLukarahc 7Hr.7. Frrniprrchcr 51. Deutscher Reich. Berlin, 24. Februar. Der Kaiser überbrachte heute Morgen dem Reichskanzler persönlich seine Glückwünsche. Berlin, 24. Februar. Bei der Gratulation, welche der Kaiser heute dem Reichskanzler anläßlich besten Geburts- , rages überbrachte, überreichte der Monarch ihm als Geburts- lagSgeschenk einen Humpen und zwei Pokale aus grünem 1 Glase, die für diesen Zweck nach den Intentionen des Kaisers : hergestellt wurden. Berlin, 24. Februar. Die Budgetcommission des I Reichstags hat die Forderung für den Bau einer Kriegsschule in Potsdam gestrichen. Berlin, 24. Februar. Frau Dr. Prager, die vor etwa zwei Jahren in Gemeinschaft mit ihrem Bruder einen Mordversuch gegen ihren Mann ausgeführt hatte und zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war, ist begnadigt worden.' Berlin, 24. Februar. In der heutigen Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses gab Minister v. Berlepsch unter dem Beifall des Hauses die Erklärung ab, daß die Regierung die Umänderung der Schiedsgerichte bet der Alters- und JnvaliditätSversicherung wohlwollend in Erwägung ziehen werde. Abg. Schenkendors befürwortete lebhaft eine Gehaltserhöhung der Lehrer der gewerblichen Schulen. Auf diese Anregung hin konnte Geh. Rath Lehnert die erfreuliche Mittheilung machen, daß die Regierung sich mit der Durchführung der Gehaltsaufbesterung bereits beschäftige. Berlin, 24. Februar. Die Abendgesellschaft, welche derMinisterpräsident des preußischen StaatSministeriums, Staatssekretär im Reichsschatzamt Dr. v. Bötticher, gestern gegeben hat, nahm einen anregenden Verlauf. Der Kaiser hatte daS Fest mit seiner Gegenwart beehrt und verweilte auf demselben einige Stunden bis 123/< Uhr. Vor Beginn der Tafel unterhielt er sich mit verschiedenen Herren. Nach Aufhebung der Tafel wurden Gruppen gebildet. Der Kaiser besprach mit einzelnen Herren die verschiedensten Themata, unter Anderem auch politische Fragen. Er äußerte sich in wohlwollendem Sinne über die Lage der Landwirthschaft, streifte mancherlei Punkte auf dem landwirthschaftlichen Gebiete und betonte gleichzeitig die Nothwendigkeit der Annahme des deutsch-russischen Handelsvertrages. — Wie die „Kreuz- Zeitung" meldet, kam der Kaiser int Verlaufe der Unter» baltung mit den Ministern auch auf die Socialdemokratie zu sprechen. Nebenbei gab der Monarch der Meinung Ausdruck, daß die frühere gesetzliche Prügelstrafe doch sehr viele gute Consequenzen gehabt hätte. Wie daS Blatt ferner hört, fiel es allgemein auf, daß der Reichskanzler, mit dem der Kaiser nicht ganz so warm wie sonst zu verkehren schien, bereits nach 10 Uhr sich entfernte. Berlin, 24. Februar. Die Budgetcommission des Reichstages lehnte heute die Forderung sür den Neubau des Gencralcommando-Gebäudes in Metz (erste Rate 14000Mk.) ab, strich ferner 2 Millionen an der Forderung für artilleristische Zwecke, P/i Millionen an der Forderung sür Handwaffen, sowie 2 Millionen an der Forderung für die artilleristische Ausrüstung neuer Befestigungen und die Der- befferung der artilleristischen Ausrüstung der wichtigeren Festungen. Bei mehreren Titeln des ordentlichen Etats wurden aus Antrag des Abg. Richter insgesammt 600000 Mk. gestrichen. Dte Berathung des preußischen Militäretats und des Epraordinariums des Militäretats ist nunmehr beendet. Ausland. Pari«, 24. Februar. Die Anklagekammer hat beschlossen, Emile Henry vor den Assisenhof der Seine zu stellen. Die Verhandlungen beginnen am 8. März. Da der Advokat Robert die Vertheidigung ablehnte, soll der Rechtsanwalt Hornbohl die Vertheidigung führen. — Gestern wurden vier veitere Verhaftungen von Anarchisten vorgenommen. Die Polizei weigert sich, Namen zu nennen. Paris, 24. Februar. Der Kriegsminister führte in der Armeecommission auS, daß Frankreich hinlänglich mit Locsmotiven und Transportmitteln versehen sei, um im Kriegsfall bei der Mobilmachung die Truppen in kürzester Zeit an ihren Bestimmungsort zu bringen. Deutschland.habe zwar eine große numerische Ueberlegenheit, doch brauche man sich in Frankreich deswegen keine Sorgen zu machen- die Grenze werde gut bewacht und im Angriffsfalle aufs tapferste vertheidigt werden. Die heutigen Morgenblätter drücken sämmtlich ihre Befriedigung über diese Erklärung aus. Paris, 24. Februar. Die hiesige russische Botschaft hat Nachrichten erhalten, nach denen sich das Befinden des Ministers v. Giers etwas gebeffert haben soll. dschld.- U.Ö .'-Bvik- fimbbr. do. ;81900 Alle Annoucm-Burcanx dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Polizei verhindert. London, 24. Februar. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß das Jnsurgentenschiff „Merkurie" von Batterien der Festung Pondo beschossen wurde. Infolge der Explosion des Dampfkessels soll daS Schiff gänzlich zertrümmert und mit den Matrosen gesunken sein. — Nachrichten aus Valparaiso besagen, daß der Belagerungszustand in Chile, mit Ausnahme von Santiago, für die Zeit vom 26. Februar bis zum 6. März aufgehoben werden soll, um den Wahlen einen ungestörten Verlauf zu sichern. Abbazia, 24. Februar. Der deutsche Kaiser hat auf drei Monate Arthur Renards prachtvolle neue Yacht „Christable" gemietet, welche bereits Anfangs März nach Fiume abdampft. Für die Kaiserin, die mit großem Gesolge eintreffen soll, ist die Villa Angwlina gemietet worden. Außerdem ist für daS Gefolge ein Theil des Hotels Quernaro und die neue Villa Friedrich Schülers hergerichtet. Die Miether, weiche die Apartements bisher bewohnten, müssen diese bis zum 5. März räumen. — Wie hier verlautet, wird der Czar, trotzdem thm die Aerzte große Schonung empfahlen und von jeder größeren Reise abriethen, doch noch nacy hier kommen und sollen bereits Umfragen wegen der Wohnungsräume stattgefunden haben. — Die Kaiserin von ^Deutschland wird, wie eS heißt, von Abbazia nach •S*Sä “gSlä Dcent und m iimu, .Wen E gjlonat blnltt mSüL ' AM. Merl™ !* 8üt Glf„: JS iibititjjjL ftÄ* da M täglich fttlattnbtn «Wen flnb lb! Junflfn b(Mg Neu- dsm W-ist-nd ba tagen matt aul blt M Wbt ittam ewn wtrbt. Ubation bürflc sich lu :tn olftcltOrn Zusatz Cocalt» unö Provinzielle-. Hießen, den 26. Februar 1894. Gas- und Wafferpreise. Auf die im heutigen Anzeiger veröffentlichte Bekanntmachung des Städtischen Gas- und Wasserwerks — GaS- und Wasserpreise betreffend — machen wir unsere geehrten Leser besonders aufmerksam und dürste sich die Aufbewahrung dieser Nummer empfehlen. Concertverein. In einer früheren Notiz haben wir Ans über die Bedeutung des Oratoriums „Samson", welches der Concertverein am Samstag den 3. März zur Aufführung bringt, ausgesprochen. Wir fügen diesem heute die Mittheilung zu, daß für die Solo parthien bedeutende Kräfte gewonnen sind. Diese SoliS sind von Händel zwar nicht ganz gleich- werth auSgestattet, verlangen aber alle besonders tüchtige Interpreten. Die Ult- und Baßparthien sind wohl die umfangreichsten, diesen schließen sich die Sopran- und Tenorparthien an, erstere, Michah und Manoah, werden durch Frau Geller und Herrn Müller, letztere, Dalila und Samson, durch Fräulein Dorothea Schmidt und Herrn Bormann ausgeführt werden. Frau Geller, die wir schon einmal hier hörten, ist eine der bedeutendsten Altistinnen der Gegenwart- genoß sie schon als Opernsängerin allseitige Werthschätzung, so hat sich diese noch gesteigert, seitdem die Künstlerin, veranlaßt durch eineNeigungs- heirath, der Bühne Valet sagte und sich ganz dem Oratorien- und Concertgesang widmete. Schon als Lledersängerin hat Frau Geller im Concertverein allgemeines Aufsehen erregt, sie wird daher in der gewaltigen Rolle der Michah, wo ihre coloffalen Stimmmittel so recht zur Geltung kommen, geradezu enthusiasmiren. Ebenso glücklich ist die Wahl für die SopranPar thi'e - Fräulein Schmidts wohllautiger Sopran hat den bestrickenden Reiz, der uns glauben läßt, daß Held Samson den Liebesschwüren dreier Circe einst vertraut hat. Würdig ihrer Partnerinnen schließen sich die Vertreter des Manoah und Samson an. Herr Adolf Aro i3L85 s *- »8 102.S0 102.80 Müller (Baß) ist unS ein lieber Gast, den wir stets von Neuem gerne hören, und Herr Hör mann (Tenor) ist ein ebenso trefflicher Sänger, rote jener, für uns freilich neu, jedoch anderwärts bereits als erprobter Oratonrniänger bekannt und geschätzt. Hinzufügen wollen wir noch, daß dem Concert am Tage vorher eine Hauptprobe vorangeht, in welcher daS Oratorium in ungeschmälerter Weise zu Gehör kommen wird, aber zu wesentlich ermäßigtem Preise. Für die Schüler und Schülerinnen der Lehranstalten, und zwar diesmal auch derer der Stadtschulen, ist in dankens- werther Weise sür einen ganz geringen Betrag der Ei- tritt ermöglicht, so daß dieses hehre kirchliche Musikdrama in alle Kreise getragen werden wird. *• Kammermusik. Der vierte Kammermusikabend in der Loge findet nunmehr bestimmt am Dienstag den 27. d. M., Abends 7*/2 Uhr statt. Da Herr Polster durch Heiserkeit am Singen verhindert ist, so werden an Stelle der angemeldeten Lieder Variationen für Streichquartett von Beethoven zum Vortrag gelangen. ♦* Akademische Nachrichten. Der an Stelle des verstorbenen ordentlichen Professors Lellmann an d'e Universität Gießen berufene Chemiker Professor Carl ElbS in Frei- bürg i. B. wird seine Thätigkeit Hierselbst im nächsten Semester beginnen. Professor Elbs hat sich durch seine wissensch.st- lichen Leistungen unter seinen Fachgenossen einen geacht.ten Namen erworben. Er veröffentlichte u. A.: „Beiträge zur Kenntniß des Amarins"- „Beiträge zur Kenntniß deS Chlorpikrins"- „Die synthetischen DarstellungSmethoden der Kohlenstoffverbindungen" Bd. I 1889, Bd. II 1893 - „Die Accumulatoren. Eine gemeinfaßliche Darlegung threr Wirkungsweise, Leistung und Behandlung" 1893. Außerdem, veröffentlichte Elbs eine Anzahl kleinerer Abhandlungen in den „Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft in Berlm". Von größeren Abhandlungen im „Journal für praktische Chemie" seien erwähnt,: „Beiträge zur Kenntniß aromatischer Ketone"- „Beiträge zur Kenntniß der Homologen des Anthra- cens und Anthrachinons" - „Utber die Abkömmlinge beS Diphenyltrichloräthans und ihre Umwandlung in Stilbene." Kleinere Veröffentlichungen, meist electrochemischen Inhalts, finden wir ebenda. In der „Chemiker-Zeitung" erschien 1893 ein Aufsatz „Heber die zweckmäßigste ElectricitätSquelle für chemische Laboratorien". Auch einige kleinere Mittheilungen aus dem Gebiete der Elektrolyse sind daselbst niedergelegt. ** Zaristisches. Der nächste Vortrag für Gerichtö- acceffiftcn wird Dienstag, den 27. Februar, Abends 5 Uhr im Justizgebäude dahier von Herrn Landgerichtsrath Dr. Linkenheld gehalten werden und zwar über: „DaS Verfahren in Nachlaßsachen, insbesondere über Jnventar- errichtung." *♦ Parlamentarisches. Der Gesetzgebungs-Ausschuß hat die Wahlen der Socialdemokraten Cramer (Offenbach-Land) und Orbig (Gießen-Land) für ungültig erklärt. Für beide Wahlkreise werden jedenfalls durch Beschluß der Stände- kammer Neuwahlen angeordnet. »• Die vom nationalliberalen Verein auf gestern Abend in das ,,Hotel Einhorn" einberufene Versammlung eröffnete der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath Dr. <54 äf er, mit einer Ansprache, in welcher er mittheilte, daß die Wahl deS Herrn Orbig im Ausschuß deS Landtags für ungültig erklärt fei, sodaß eine Neuwahl bevorstehe, sowie daß der Vorstand eine Feier von Bismarcks Geburtstag beschloffen habe, hierauf sprach Herr Generalsekretär C. Patzig auS Berlin über die „politische Lage". Der Redner skizzirte im Großen und Ganzen die Ausgaben der Nationalliberalen Partei, zunächst diejenigen, welche aus der Annahme der Militärvorlage tm vorigen Jahre entstanden sind. Er constatirte hierbei, daß eine rechte Befriedigung über das Zustandekommen der Militärvorlage eigentlich bet keiner Partei aufgekommen sei, man habe zu derselben zu vielerlei kleine Gruppen gebrascht, auch habe die Mehrheit der Wähler nicht hinter der Vorlage gestanden. ES handele sich heute mehr wie je darum, die Errungenschaften der Jahre 1867 bis 1871 zu vertheidigen gegen äußere und innere Feinde, die Verhältnisse seien heute derart, daß die offenen Gegner des ReichSgedankenS, Anhänger SiglS in Bayern, Welfen, Polen, als solche erkannt werden müßten. Die Elemente, die die großen Errungenschaften erhalten und auSbauen sollten, seien im Parla- mente in der Minderheit, im Lande zerworfen, in Apathie und Pessimismus versunken. An Stelle deS früheren starken Reichsregiments stünden Personen, die wenig mite nander harmonirten, eS herrsche Verärgerung und Verstimmung besonders auch über die nicht befriedigende Finanzpolitik, über die man bei Behandlung der Militärvorlage zu rasch hinweg- kl912 Nb stelle imliit thltn Jungen DS« Kflben1uS(n e. gr uh nßO. 1200.76 201% ” 154.- 155 - ' ' . ! 82.60 77.60 7 Oratisbeikage: chießener AamiÜenökätter. : ä tf. 'S" ।198,5 * 8t5_ >siil gegangen sei. Die erhoffte, aber nicht erwartete finanzielle Zuwendung des Reichs au die Etnzelstaaten habe im größten Staate Preußen und in den Kleinstaaten in hohem Grade verwirrt, die Finanzlage verschlechtert. Die schwächliche Finanzpolitik habe verwirrend und verstimmend gewirkt, Wein und Tabak, insoweit sie Luxusartikel seien, hätten als Steuerobjecte beibehalten werden, nicht von einem Object zum anderen gegriffen werden sollen, einfach nur deshalb, weil bezüglich des einen Objects mehr Opposition geherrscht, als bezüglich des anderen. Auch politische Fehler ^seien gemacht worden, so in der Nachgiebigkeit gegen die Polen und die Antisemiten. Im Parteiwesen herrsche eine Ueberproduction an kleinen Gruppen. Nicht zu verkennen sei auch das An» wachsen der Socialdemokratie und des Antisemitismus. Hier gelte es, daß die nationalliberale Partei ihre ganze Kraft eiasetze, den Pessimismus adstreise, die Unmuthigen aufrüttele und heranziehe zu thatkräftiger Mitarbeit. Zu den ersten Gegnern der nationalen Sache zählten die Socialdemokraten. Wenn man aber diese Partei, besonders aber ihre Führer, namentlich Singer und Bebel, näher characterisiren wolle, so könne man sagen, daß keiner dieser Herren dem Zukunftsstaat die Form geben könnte, die je erträumt würde- sie weckten nur die Begehrlichkeit und wählten nur so lange den gesetzlichen Weg zur Verwirklichung ihrer Ziele, als ihnen der viel kürzere ungesetzliche durch die Bajonette versperrt sei. Die gleiche Begehrlichkeit wie bet den Socialdemokraten herrsche auch bet den Antiiemiten. Allen diesen Gegnern gegenüber hieße es, die Bequemlichkeit überwinden und thatkräftig aufzutreten. Auch dem Bunde der Landwirthe gegenüber müsse Wache gehalten werden, um Excesse zu vermeiden. Die nationale Bewegung müsse hier hervortreten, die Ziele der Regierung vertheidigt werden, namentlich jetzt, wo es gelte, unsere Handelsbeziehungen nach Außen zu ordnen. Nicht hoch genug zu schätzen sei das Moment der Stetigkeit in den erwerbswirthschaftlichen Verhältnissen durch die Handelsverträge, wichtig sei das Moment besonders bezüglich Rußlands, das sich zum ersten Male auf den Boden freundschaftlicher Handelsbeziehungen gestellt habe, nachdem vorher nur die Willkür geherrscht. Redner glaubt angesichts der Zersplitterung unseres Parteiwesens innerhalb des Reichstages die Annahme des russischen Handelsvertrages noch bezweifeln zu müssen. Möge die Entscheidung darüber fallen wie sie wolle, so sei es Pflicht aller nationalen Männer, dem dadurch geschaffenen Verhältnisse durch thätige Mitarbeit gerecht zu werden, Alle müßten ihre Pflicht erfüllen und mit arbeiten an den wichtigen nationalen und socialen Fragen, ; die nicht durch eine Vielheit der Parteien gelöst werden könnten. Bei den hohen Zielen nach Vertheidigung unserer Errungenschaften in nationaler Beziehung solle auch das kleine Handwerk nicht vergessen und besonders auch eine gute Verbindung zwischen Stadt und Land zu erhalten gesucht werden. — Lebhaftes Bravo folgte den Ausführungen des Herrn Patzig. — An der sich an den Vortrag anschließenden Discussion betheiltgten sich die Herren Oncken, Geiger, Pitz, Haupt, Molly, Kirch und Fuhr. Santtätsverein. Vorgestern Abend hielt der Sanitätsverein auf dem „Lahnstein" seine ordentliche Generalversammlung ab. Den Verhandlungen, welche sich an die einleitenden Worte des Vorsitzenden anschlossen, entnehmen wir Folgendes: Der Mitgliederstand genannten Vereins betrug Ende Juli v. I. 409, eingetreten 14, ausgetreten 12, umhin Mitgliederstand Ende Januar 1894: 411. Die Einnahmen betrugen 2844,22 Mk., die Ausgaben 2742,17 Mk., Gesammt-Kassenbestand: 333,05 Mk. In den Vorstand wurden wieder- resp. neu gewählt: Bräutigam,Vorsitzender, Velten, Stellvertreter, Bock, Kassirer, Hensel, Schriftführer, Bonarius, Hofmann und Lietz als Beisitzer. Mitglied Pfaff ersuchte um reichlichere Entnahme von Karten für die Euler'sche Badeanstalt- desgleichen empfahl er den Eintritt in die Sterbekaffe, die den Hinterbliebenen bei eintretendem Sterbefall einen Beitrag zu den Beerdigungskosten in Höhe von 120 Mk. gewähre. ** Ueberfahren. In der Wallthorstraße wurden am vorigen Samstag von einem Kutscher zwei Kinder im Aler von zwei und fünf Jahren überfahren. Beide Kinder trugen Verletzungen davon und wird sich der Kutscher wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten haben, da er übermäßig schnell gefahren hat. ** Auf den Oberhesfischeu Eisenbahnen (Hauptbahnen) sind im vorigen Monat gegen den gleichen Monat v. I. sowohl im Personen- (ca. -f- 12,7 pCt.) wie im Güterverkehr (-J- 6,23 pCt.) Mehreinnahmen aufzuweisen und sind dieselben im letzteren Verkehr hauptsächlich durch die Verlang rung der Dauer der Arbeitszeit der Zuckerfabrik in Stockheim bis zur Mitte des Monats hervorgerufen worden. Außerdem haben Mehrbesörderungen von Eisensteinen (1520 Tonnen) und Steinen (1800 Tonnen) stattgefunden. Dagegen sind an Getreide ca. 900 Tonnen weniger befördert worden. ** Eine Petition, bett. Zulassung der Feuerbestattung, ist bet der zweiten Ständekammer eingegangen. An den Unterschriften beteiligten sich: Darmstadt mit 478, Offenbach mit 207, Worms mit 121, Gießen mit 212- Mainz steht noch aus. Auch vom Lande sind zahlreiche Unterschristen etn- gelaufen. ** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Tischler Gustav Adolph (wahrscheinlich Alex Adolph) aus Gladenbach vom Amtsanwalt in Gießen- die Dienstmagd Elisabeth Dreier aus Limburg a. d. L., zuletzt in Griesheim bei Darmstadt, von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Diebstahls- Dienstknecht Jacob Heilmann aus Margetbshöchheim in Untersranken vom Amtsanwalt in Alzey wegen Betrugs- Küfer Adam Katz mann aus Alzey vom Amtsgericht Wöllstein wegen Bettelns- Schweizer Wilhelm Mack aus Bornhausen (Braunschweig) von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls- Schlosser Ludwig Möller aus Rebgeshetm vom Amtsanwalt I in Darmstadt wegen Diebstahls- Steinmetz Johannes Römer aus Bensheim vom Schöffengericht Zwingenberg wegen Widerstands- Uhrmacher Johs. Joseph Spira aus Warmsroth vom Amtsgericht Bingen- Maurer und Metzger Julius Stellwagen aus Framersheim vom Amlgericht Osthofen wegen Stafvollzugs. D. Ztg. ** Zur Hebung des Flachsbaues. Da der Flachsbau trotz der großen Concurrenz der Baumwolle immer noch ein sehr begehrenswerthes, aber leider vielfach vernachlässigtes Product ist, so läßt es sich der Verband deutscher Leinenindustrieller angelegen sein, den Flachsbau in Deutschland auf alle mögliche Weise zu fördern. Neuerdings hat er beschlossen, für die hauptsächlich beim Flachsbau in Betracht kommenden Gegenden besondere Comites einzurichten, welche die Agitation unter den Landwirthen übernehmen sollen. Solche Comitvs sind gebildet worden für Schlesien, für Sachsen, für Rheinland, für Süddeutschland und für Westfalen, Hannover und Hessen. Dieselben sollen aus den inter- essirten Industriellen und Landwirthen bestehen. Der Provinz Schlesien, als derjenigen, in welcher der Flachsbau noch von größerer Bedeutung ist, wurden 1500 Mark, den anderen Comitvs je 300 Mark zur Verwendung im Interesse der Agitation überwiesen. □ Beuern, 25. Februar. Am verflossenen Freitag starb in Schlitz der hiesige älteste Lehrer F i sch er. Derselbe war wegen Krankheit seit Herbst beurlaubt und verweilte, weil er daselbst auf Genesung hoffte, bei seinem Sohne, Herrn Pfarrer Fischer, in Schlitz. Morgen findet die Beerdigung in Schlitz statt. Die hiesige Schule verliert in ihm einen tüchtigen, fleißigen Lehrer. Er ruhe in Frieden. □ Aus dem Kreise Alsfeld, 23. Februar. Vom gestrigen „Petri-Tag" gilt die Regel für den Landwirth, daß Heu und Stroh, überhaupt der Futtervorrath noch halb vorhanden sein muß, soll er ausreichen bis zum Eintritt der Grünfütterung. Dieser Vorrath war aber durch das Futternothjahr nicht einmal im Herbste richtig halb vorhanden, wie kann er es da jetzt noch sein? Fürwahr, wer die kleinen Häufchen Heu oder Grummet in den leeren Scheunen sitzen sieht, dem wird die Sorge des Landwirths bezüglich der Fütterung bis zum Frühjahr begreiflich erscheinen. Auch der Strohvorrath ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft, weit eben das Stroh fast ausschließlich zur Fütterung verwandt wird. Die Mift- stätten zeigen dies am deutlichsten. Kaum die Hälfte ihrer sonstigen Ausdehnung besitzend, sieht man auf ihnen statt Stroh mehr Laub und Sägespähne. Letztere sind durch die Streunoth um das Doppelte ihres früheren Preises gestiegen. Während sonst ein Wagen voll Sägemehl für 8 Mark erhältlich war, kostet jetzt ein solcher 16 Mark. Dabet gehen sie so reißend ab, daß sie nur schwer erhältlich sind. Hieraus erhellt, daß auch die ausgedehnte Abgabe von Streulaub nicht voll die Streunoth aufgehoben hat. Es ist deshalb mit Freuden zu begrüßen, daß man im oberen Vogelsberg bei Breungeshain auf der dortigen Haide eine vortreffliche Torfstreu zu erzeugen beginnt. Wie ja auch im „Gieß. Anz." berichtet wurde, soll diese Torsstreu der besten holländischen gleichwerthig sein. Angesichts dieser Futter- und Streunoth ist die nicht unbegründete Erwartung eines guten und balden Frühjahrs wenigstens etwas Trost verheißend. Wie ferner im „Gieß. Anz." berichtet, hat sich der Grund-Wasserspiegel um zwei Meter gehoben, eine Thatsache, die die gründliche Durchwässerung des Bodens beweist. Hiervon hängt aber als grundbedingende Ursache der Futterwuchs ab. Diese optimistische Hoffnung zeigt sich auch evident in dem bedeutenden Steigen der Rindviehpreise, die gegen ihre Minimalstufe um das Dreifache in die Höhe gegangen sind. A Mainz, 25. Februar. Einmüthiger und friedlicher ist in Mainz wohl selten eine Wahl von statten gegangen, als die gestern erfolgte Bürgermeisterwahl, bei welcher der seitherige Beigeordnete Dr. Gaßner einstimmig zum städtischen Oberhaupt von Mainz gewählt wurde. Während sich bet den vorheigegangenen BUrgermeisterwahlen die Parteien immer auf das hefligste bekämpft haben und wochenlang wegen des Bürgermeistersessels eine lebhafte Preßfehde geführt wurde, war dieses Mal von alle dem nichts zu bemerken, welche auffallende Erscheinung neben einer allgemeinen ruhigen Beurteilung der städtischen Verhältnisse hauptsächlich in den persönlichen Eigenschaften des nunmehrigen Bürgermeisters ihre Erklärung findet. Außer Bekundung eines großen Verwaltungstalentes hat es derselbe nämlich während seiner neunjährigen Thätigkeit als Beigeordneter verstanden, allen Klassen, Kreisen und Parteien der hiesigen Bevölkerung nach jeder Richtung hin gerecht zu werden, so daß, als der Name des Dr. Gaßner einmal als Bürger- meistercandidat genannt war, jede weitere Candidatur vorneweg aussichtslos erschien, zumal Dr. Gaßner auch noch die für Viele schwer in die Waagschale fallend^ Eigenschaft besitzt, ein Mainzer von Geburt zu sein. Der feierliche Wahlact in der Stadtverordnetenversammlung nahm nur sehr kurze Zeit in Anspruch, nach welchem der Gewählte Seitens des Commerzienraths Michel Namens des Stadtverordnetencollegiums mit einer warmen Ansprache begrüßt wurde. In den breiten Massen der Bevölkerung wurde die einstimmige Wahl des Dr. Gaßner, der im besten Mannesalter steht (8. Juni 1847 geboren) mit großer Befriedigung ausgenommen, indem man darin ein günstiges Omen für das weitere friedliche Gedeihen von Mainz unter der Aegide des Neugewählten erblicken zu dürfen glaubt. — Als Nachfolger des zum Bürgermeister gewählten Dr. Gaßner wird, wie verlautet, als Beigeordneter Amtmann Braun von hier in Vorschlag gebracht. Außerdem soll ein weiterer Beigeordneter gewählt werden, als welcher vielfach ein auswärtiger Referendar als Candidat genannt wird. Amtmann Braun — ein Schwiegersohn des verstorbenen Oberbürgermeisters Ohly in Darmstadt — ist schon lange Jahre hier und in die Verhältnisse ziemlich eingeweiht, weßhalb seine Candidatur Aussicht aus Erfolg hat, während die Bemühungen eines fremden Referendars, in die städtische Verwaltung zu kommen, ebenso ' aussichtslos sind, wie die auswärtigen Bewerbungen um den Mainzer Bürgermeisterpoften von vornherein waren. VeEurrschte-. * In Coburg wird beabsichtigt, zu den Hochzeits- seierlichkeiten des Großherzogs von Hessen mit der Prinzeß Victoria die Hauptstraßen der Stadt auf kurze Zeit mit electrischer Beleuchtung zu versehen. — Die vollzählige Capelle des 95. Regiments wird bei der Hochzeit des Großherzogs von Hessen mit der Prinzessin Victoria concertiren und deßhalb schon einige Tage vor den Festlichkeiten nach Coburg zusammenberufen werden. (Bon den thüringischen Regimentern haben einige (auch das 95.) drei Musikcapellen) die bei besonderen Gelegenheiten zu einem starken Musikcorps vereinigt werden.) * Prinz Max von Sachsen. Ueber die näheren Umstände, die den Prinzen Max von Sachsen zu dem Entschluß geführt haben, sein Leben dem Dienste der katholischen Kirche zu weihen, ist die „Franks. Ztg." auf Grund „zuverlässiger Informationen" nunmehr in der Lage, folgende Mittheilungen zu machen: Dem Prinzen ist vor etwa zwei Jahren ein Buch in die Hände gefallen, dessen Lectüre einen solchen Eindruck auf ihn machte, daß er beschloß, den Verfasser — einen Benedictinerpater — persönlich aufzusuchen. Das Ergebniß des Besuches war, daß der Prinz den König Albert um die Erlaubniß bat, sich dem geistlichen Stande widmen zu dürfen. König Albert, der, wie die übrigen Mitglieder der königlichen Familie, auf das Peinlichste von dieser Bitte überrascht war, gab seinem Neffen zunächst 12 Monate Bedenkzeit, in der festen Hoffnung, daß inzwischen eine Sinnesänderung erfolgen werde. Als diese ausblieb und der Prinz nach Ablauf der ihm gestellten Frist seinen Verwandten erklärte, er werde niemals anderen Sinnes werden, ertheilte der König endlich schweren Herzens die erbetene Erlaubniß, aber unter der ausdrücklichen Bedingung, daß Prinz Max niemals einem Orden beitrete. Der Prinz hält sich zur Zett bekanntlich in Eichstädt auf- seine Verwandten hatten sich indessen der Hoffnung hingegeben, daß es dem Einfluß des Bischofs von Leonrod gelingen werde,' ihn noch in zwölfter Stunde von der Ausführung seines Vorhabens abzubriugen. Auch diese letzte Hoffnung hat inzwischen aufgegeben werden müssen. Prinz Max hat an den Papst geschrieben und seinen unabänderlichen Wunsch ausgesprochen, die priesterlichen Gelübde abzulegen, worauf dieser in seinem Antwortschreiben seine Freude und Befriedigung zu erkennen gegeben und byt Prinzen zu seinem neuen Berufe auf's Wärmste beglückwünscht hat, so daß die königliche Familie sich außer Stande sieht, einer Verwirklichung der Absichten des Letzteren noch irgendwie weiter beeinflussend entgegenzutreten. * Aus Ostpreußen, 17. Februar. Vom Schwurgericht in Allenstem wurde der Arbeiter Koradel zum Tode ver- urtheilt, weil er seinen Arbeitsgenossen ohne jeden Anlaß bestialifch ermordet hatte. Beide schliefen in einem Heu- schuppen. Koradel wachte einmal Nachts auf und hieb mit einer Wagenrunge so lange auf den Schlafenden, bis dieser bewußtlos war. Dann erdrosselte er den Bewußtlosen, beraubte die Leiche, verbarg diese im Heu und schlief weiter. Am andern Morgen gab er seine Arbeit auf und erzählte, daß sein Genosse bereits fortgegangen wäre. Später rühmte er sich seines Verbrechens. * Vreslau, 24. Februar. Der Monogrammpräger Brix erschoß heute Nacht seine Geliebte Anna Höflich, dann sich selbst. Als Grund der That wird Eifersucht angegebe»*. * Petersburg, 18.Februar. Die Ehrbeg rifse russischer Bauern stehen im großen und ganzen noch auf einer sehr niedrigen Stufe. Jüngst wurde in einem kleinen Orte an der Wolga ein Bauer zurck Verlust der bürgerlichen Rechte verurtheilt. Der Richter versuchte, ihm die Bedeutung dieser schweren Strafe klar zu machen. „Du kannst nun nicht mehr Starost werden", sagte er ihm und der Bauer verneigte sich tief, zum Zeichen, daß er verstanden. „Auch Zeuge darfst Du ferner nicht mehr werden und ebenso wenig Geschworener," und abermals verneigte sich der Bauer. „Wer der bürgerlichen Rechte verlustig gegangen, wird auch nicht mehr als Rekrut genommen," fuhr der Richter in seiner Auseinandersetzung fort. Da warf sich der Bauer auf die Knie und bat: „O, Euer Hochwohlgeboren, können Sie mich auch nicht von den Abgaben befreien und auch gleich meinem Sohne die bürgerlichen Rechte nehmen?" — Auf der Ural-Rjäsaner Eisenbahn entgleiste kürzlich ein gemischter Zug. Die ersten 12, meist mit Spiritus gefüllten Wagen wurden zertrümmert. Kaum hatten die Bauern der naheliegenden Dörfer erfahren, daß Spiritus ausgelaufen fei, als sie in großen Mengen herbeiströmten. Sie tranken den Spiritus wie Wasser, und in wenigen Stunden lagen Hunderte sinnlos betrunken an der Unglücksstätte. * Bismarcks Weine. Imposant war die Auswahl der Weine, welche dem Kaiser von dem Fürsten Bismarck vorgesetzt wurden. Die Speisekarte verzeichnete folgende Sorten: Muskateller und Madeira 1792 (zum Beginne des Diners), dann Münchener Bier, hierauf Deidesheimer 1886, Moet, Moselwein 1862, Steinberger Cabinet 1864, Chateau Mar- gaux 1858, Clos Vouges 1862, Geisenheimer Rheinwein und schließlich einen seltenen italienischen Rothwein, den Fürst Bismarck erst kürzlich von Crispi zum Geschenke erhalten und der „Albanello" heißt. * Das neueste Beiheft zum „Militär-Wochenblatt" enthält eine augenscheinlich auf den ergiebigsten amtlichen Quellen beruhende Arbeit über die Selbstmorde in der Armee. Der Bericht geht von der Thatsache aus, daß die Selbstmorde in den Ländern mit germanischer Bevölkerung viel häufiger fintr, als in denen mit romanischer, slavischer rc. Bevölkerung. Unter allen Staaten steht Deutschland bezüglich der Selbstmorde obenan, indem hier von 10,000 Lebenden durchschnittlich jährlich 2,71 durch Selbstmord sterben - alsdann folgen Dänemark mit 2,58, die Schweiz mit 2,30, Frankreich 1,87, Oesterreich 1,63, Finland 1,25, Schweden 0,90, England t® 2”em h. bOtl fjtff. eit der L ° "m tue".6*« auf rb &4=? Kä?fi * Um. ?‘"t «"HUM J^WnUfntt E***45 *>4. 7 !,lch« ' Mfitt J’J^Wbert '"ta°br widme« JW* Mitglieder S l31on dieser «lltt w 12 Monate Be- An eine Sinnes, l"b und der Prinz seinen Vertvandlen tS werden, ertheilte erbetene Erlaubnis 1/ daß Prinz Mar rinz halt sich sandten hatten sich 6 dem der l)n noch rn zwölfter habens abzubriugen. 1 ausgegeben werden schrieben und seinen 1 die priesterlichen >em Antwortschreiben >en gegeben und byt ämste beglückwünscht außer Stande sicht, !etzteren noch irgend« Vom Schwurgericht l zum Tode ver- m ohne jeden Anlaß ’ftn in tinan £«/■- i aus und hieb mit äsenden, dir dieser m BewMosev, bt> u und schlief weiter. :it aus und erzählte, äre. Später rühmte nogrammpräger ®n> ia Wch, dann sich sucht angegebe". -griffe russischer 106 aus einer sch n lirinen Orte an bürgerlichen Rechte die Bedeutung dieser u kannst nun nicht wb der Bauer ver« verstanden, ,/dluch den und ebenso wenig fii ®mn. Mangen, w» berWtt ta t»« dir B-li-r auf »>- geboren, W> ®‘ eien n"# !«ui iirilrt ein jewn 7 gefitto W” Banne dn aal tuS «*l* gie tränten M 6et, Stnnit" l-I» ffU*ie £k M*-* £«0 «*? in«, •* ff»* ®«‘ J i Meinwcio den Fürst n Gescheite "Y ist"""'«,«,!. 1)11 in t('SjotH d> !U««0111 Lilli"* «j« . h« 6‘* iwedei ö/y 0,76, -Norwegen 0,70, Niederlande 0,52, Italien 0,46 und Spanien mit 0,35. Auch bei den Heeren macht sich die erhöhte Selbstmordneigung der Völker germanischer Abstammung geltend. Im Durchschnitt der Jahre 1876 bis 1890 bezw. 91 und 92 kamen jährlich von 10,000 Mann der Iststärke durch Selbstmord um bei der österreichischen Armee 12,53, der deutschen 6,33, italienischen 4,07, französischen 3,33, belgischen 2,44 und der englischen 2 09. Für 1891 und 92 liegen bezüglich der bayerischen Armee noch keine Mittheilungen vor- für 1893 haben auch das sächsische und württembergische CorpS keine Zahlen beschafft- in Folge dessen find die Zahlen der letzten drei Jahre für Deutschland noch nicht vollständig. Bezüglich der früheren Jahre ergibt stch eine entschiedene Abnahme der Selbstmorde. Schiff-nachrichten des Nordd. Lloyd. In Gießen vertreten durch die Agenten Earl LooS und I. M. Schulhof. Bremen, 24 F-bruar. [Per transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Aller, Cavitän H. Christoffer-, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 14. Februar von Bremen und am 15. Februar von Southampton abgegangen war, ist heute, 2 Uhr Morgens, r >ohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 24.Februar. [Per transatlantischen Telegraph.] Der Bostdampfer Weimar, Capttän Ad. Meter, vom Norddeulfchen Lloyd in Bremen, welcher am 10. Februar von Bremen abgegangen war, ist heute 8 Uhr Vormittags, wohlbehalten in Newyork an- g kommen. Verkehr, Land- und Volkrrvirthschaft. Gründer-, 24. Februar. Fruchtpreise. Weizen X 14 60, $orn X 14,40, Gerste X 00,00, Hafer X 00,00, E'bsen X 00,00, Krisen 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00.00, Kartoffeln X 00,00, Samen X 00,00. — Die Ltadt Berlin als landwtrthschafUiche «rotz. t T* ihre wtrlhschaftltche« Erfahrungen >adet. Die Einführung der Schwemwconalisatron und die noth- wendig gewordene Beseitigung der in riesigen Mafien vorhandenen t-sakal- und Abfallstoffe durch die Anlage von Rieselfeldern u. s. w. bat dahin geführt, daß die Stadt Berlin zur Großgrundbesitzerin geworden ist. ES gehören ihr in den ländlichen Nachbarkretsm Tettow und Ntederbarnim d. Die Rieselfelder erforderten in dm erste" Jahren tb>e» Betrieb- einen starken Zuschuß. Dieser ging aber allmählich zurück unh verwandelte sich um die Mitte der achtziger Jahre in rinm zu Lchst wachsenden Ueberschuß, welcher im Betriebsjahre 1890—91 sein M >ximum mit 2,05 Pi ocmt detz Anlaoe- CapitalS erreichte. Die Erwartung, daß nunmehr einigermaßen stetige Verhältnifie eintreten würden, hat sich j doch nicht erfüllt. Der Uederschuki sank tm folaenbtn Jahre auf 1,42 P ocent, tm Be rtchtSjohre 1892—93 verschwa d e, vollstä d-g und ein Zuschuß von 14,485 Mk., d. h- von 0,07 Procmt des Anlage-Capitals, trat an feine Stelle. — Gin neues Uuttermiltel für Milchkühe. DaS seit Kurzem in den Har.del ßcbi achte Mttafi füllet M Die Rübenmelafi>, in Verbindung mit geeigneten Krafitut ermitteln tn eine trockene Form gebracht, sodaß dieses Product tn Säcken versa> dt wird. Es ist nach einem Berichte des Herrn R>tt rgutsdesineiS VibranS—Wendhaus-n ein ausgezeichnete- Futtermittel füi A-ilchkühe, erhöht die Quantität und dm Fettgehalt der Milch tn besonderem Maße, und was nicht hoch genug anzuschtagm ist, durch den mit dieser Fütterung produ- ctrten Dünger wird dem Acker daS an mineralrschm Nährstoffen wiedergegeben, waS ihm durch die Rübe mtzogen wird, da l6Centner Melafie so viel Kali enthalten, alS ein Morgm Rübm dem Boden entnommen bat kirchliche Anzeigen der evang. Gemeinde. Bibelstunde am Montag den 26. Februar, Abends 8 Ubr, im Confirmandensaole der Johanne» kirche: MarcuS Cap. 12: deS Herrn Warnung, tm Bilde der Weingänner ausgesprochen. Pfarrer Dr. Nau mann 4. PasstonSandacht am Mittwoch den 28. Februar, Abend- 6 Uhr, in der JobanneSkirche. Pfarrer Dr. Naumann. Lpieipllm der vereinigten frankfurter Ltakttheatn Opernhaus. Dimstag den 27. Februar: Carmen. Mittwoch den 28. Februar geschlossen. Donnerstag den 1. März: Die Hugenotten. Freitag den 2. Mär, geschlossen. SamStag dm 3. März: Freischütz. Sonntag dm 4. März: Lohengrin. Schauspielhaus. DimStag dm 27. Fedruat: Talisman. Mittwoch den 28 Februar: Abschiedsvorstellung deS Herrn Friedrich Haast. Die Schwestern. Donnerstag den 1. März: CharleyS Tante. Vorher: Millionär a. D. Freitag den 2. März: Hannele. Vorher: Durch- Ohr. SamStag dm 3. März: Der Herr S-nator. Sonntag den 4. Mä'j, Nachmittag- 3/, Uhr beginnend: 9 Fichtenstämme mit 3,98 km, 255 rm Nadelscheit, 4 „ Eichen-Knüppel, 276 „ 9tadel „ 4810 Wellen Nadel-Reisig, 44,5 rm Nadel-Stockholz, 2. Im District Philosophcnwald, Nachmittags 1 Uhr beginnend: 94 Krefernstämme mit 36,79 fm, (darunter Schnittstämme für Schreiner geeignet), 88 Fichtenderbstangen mit 6,44 im, 56 rm Eichen-Scheit, 15,5 rm Nadel'Scheit, 3 rm Eichen Knüppel, 18 „ Nadel- ,, 5110 Wellen Eichen-Reisig, 1330 „ Nadel Reisig, 9 rm Eichenstöcke, 11 „ Nadelstöcke. Die Zusammenkunft ist in der Grünbergerstraße am Schützenhaus. Gießen, 24. Februar 1894.