1894 Mittwoch dm 26 September Amts- und Anzeigeblatt für den Urcis Gieren. Hralisöeitage: chießener Jamitienölatter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Liertelfähriger Aöo»neme«tsprei«r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mar! 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchntstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Arr-land. Paris, 23. Septbr. General Negrier soll an Stelle des aus dem activen Heeresdienste ausgeschiedenen Generals Gallifet zum künftigen Führer des französischen Heeres im Kriegsfälle bestimmt sein. Paris, 22. September. Der Ausschuß, der die Stiftung eines Hochzeitsgeschenkes für den Zarewitsch veranlasien will, hat sich endgültig gebildet. Präsident ist General Rabillot, Bicepräfident Graf Billers, viele Senatoren, Deputierte und Gemeinderäthe sind beigetreten. Die Pariser und Prooinzialbanken nehmen Beiträge entgegen. Petersburg, 23. September. Der l e i d e n d e Z u st a n d des Kaiser Alexanders veranlaßt in Petersburger Hofkreisen große Beunruhigung. Die Reise des Czaren von Spala nach der Krim ist wegen des bedenklichen Besindens verschoben worden, überhaupt kann von einer baldigen Wieder- Nr. 225 ErAcs Blatt Deutscher Reich. Berlin, 23. September. Die Verhandlung gegen den Kanzler Leist vor der Disciplinarkammer in Potsdam wegen der bekannten Kameruner Vorgänge wird aus Gründen der Sittlichkeit und des StaatsinteresfeS unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Gegen den Asieffor Wehlau wird' nicht verhandelt, weil er die Entlassung aus dem Reichsdienst unter dem Verzicht auf alle Rechte erhalten hat. Abonnements^Einla-ung | Zum Bezug des „Giehener Anzeiger" für das 4. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebens! , em. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhesscn bettiebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- wctthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Ersahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Em gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar- ttkeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten UnterhalMngsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als UnterhalMngsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen, Neuhinzuttetcnde erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbettag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch). Wien, 24. September. Die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wurde gestern durch einen Begrüßungsabend im Kursalon unter Theünahme von ca. 1000 Congreßmitgliedern und In Anwesenheit zahlreicher Wiener Gelehrten eröffnet. Nachmittags gab Professor Suß zu Ehren des Vorstandes der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte ein Diner, dem der Unterrichtsminister, der Statthalter und der Bürgermeister beiwohnten. Rom, 24. September. Nach einer Meldung der „Ag. Stefani" aus Rio de Janeiro sind auf energisches Einschreiten der italienischen Gesandtschaft mehrere unter der Anschuldigung politischer Vergehen im Staatsgesängnisse gehaltenen Italiener in Freiheit gesetzt worden und man hofft, daß demnächst alle wegen des Verdachts politischer Vergehen verhafteten Italiener aus dem Gefängniffe entlassen werden. , . . London, 24. September. Aus Yokohama wird gemeldet, daß das japanische P a r l a m e n t zum 15. October nach Hiroshima zu einer außerordentlichen siebentägigen Session zusammenberufen sei- es lägen wichtige Angelegenheiten vor, die die Sanction der legislativen Körperschaften er- f0* Athen, 24. September. Gestern früh wurden in Patras und Zante Erderschütterungen verspürt. Shanghai, 24. September. (Meldung des Bureau Reuter.) Nachrichten aus Tientsin zufolge landeten während der Schlacht am Yalu 7000 Mann chinesische Truppen auf Korea. Als auf den chinesischen Schiffen Munittons- mangel eintrat, befahl Hauptmann Hanneken den Gebrauch des Sporns, worauf die Japaner sich zurückzogen. Victoria (Britisch-Columbia), 23. September. Ein von China und Japan hier eingetroffener Dampfer meldet: Japan ist entschlossen, des Chinesen die Friedens- bedingungen in Mukden oder Peking zu drktiren, während China auf das Klima bauend, den Japanern in Korea ein Moskau zu bereiten gedenkt. Der Kaiser von China soll in Mukden einen Schatz im Werthe von 1200 Millionen Dollars besitzen. Mukden, wohin große Truppenverstärkungen gesandt werden, wird befestigt. Die Zeitungen in Tokio theilten mit, das Li Hung Tsang neuerdings den Vorschlag des englischen und russischen Gesandten auf Ab- schließung eines Waffenstillstandes und Einleitung von Frte- densverhandlungen, angenommen, Japan aber abgelehnt habe, den Vorschlag in Erwägung zu ziehen. Deveschen deS Bure« .fceicW-. Berlin, 24. September. Der Kaiser hat mit feiner Vertretung bei der am 31. October, Vormittags 11 Uhr, statlfindenden Enthüllung des vor der Schloßkirche in Witten- berg ausgestellten Kaiser Friedrich-Denkmal« den Generaladjutanten Generallieutenant v. Winterfeldt beauftragt. Die Kaiserin Friedrich hat auf die Einladung zu der Ent- hüllung dem Denkmalscomitö ihren Dank ausgesprochen uno, da die Kaiserin an dem Tage verhindert ist, ihren späteren Besuch in bestimmte Aussicht gestellt. Berlin, 24. September. Ans Stockholm wird der „Voss. Ztg." geschrieben: Der bisherige, kürzlich auf seinen Wunsch seines Postens enthobene Gesandte des Deut,chen Reichs hierselbsi, Graf Karl v. Wedel, hat sich nunmehr mit der Gräfin Stephanie v. Platen, geb. Hamilton verlobt. Mitte October wird sich Graf v. Wedel nach Berlin $ Berlin, 24. September. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." verläßt Reichskanzler Graf Caprivi Karlsbad am 25. September und verbringt den Rest seines Urlaubs bis Ansang October auf dem Lande. Berlin, 24. September. Die Eröffnung des Großschifffahrtsweges durch Berlin ging heute Mtttag Jtm Beisein von Vertretern der königlichen und städtischen Behörden vor sich. Von einer geplanten Feier mußte Abstand genommen werden, da der Kaiser gegenwärtig nicht in Berlin weilt. Nach 11 Uhr trafen der Regierungsdampfer und ein anderer kleinerer Dampfer an der Mühlendammschleuse ein. An Bord b-sanden sich u. A.: Minister Thielen mit dem Oberbau, director Wiebe, Oberbürgermeister Zelle, Regierungspräsident Graf Clairon d'Hauffonvtlle. Wie verlautet, werden nach Fertigstellung der Weidendammer Brücke Elb- und Oder- kähne mit 10 000 Centnern Ladung ihren Weg durch Berlin nehmenlkönnen. Das Schauspiel hatte eine große Zahl von Per- fönen angelockt, welche die Fischer- und Mühlendammbrücke umsäumten. Ein großes Aufgebot von Schutzleuten sorgte dafür, daß die Leute immer in Bewegung blieben. Thorn, 24. September. Nach der Aussage eines hoch- gestellten Beamten war die in der Rede des Kaisers Gießener Anzeig er Kmeral-Mzeiger. Der -iehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener A»««ilieuvlLt1er werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt. abreise des Herrschers von seinem augenblicklichen Aufenthalts- I orte keine Rede sein. I — In Bulgarien find am Sonntag die Neuwahlen zur Sobranje vollzogen worden. Soweit sich die betreffenden Nachrichten übersehen laffen, schemt der Wahlact in der Hauptstadt Sofia wie in der Provinz ruhig verlaufen zu sein- freilich kann in dieser Beziehung der hinkende Bote immer noch Nachkommen. Als selbstverständlich darf es wohl gelten, daß in der neuen Volksvertretung Bulgariens die sogenannte Nationalpartei, die bulgarische Regierungspartei, die Oberhand besitzen wird, denn das Ministerium Stoiloff dürfte nichts versäumt haben, um fich eine genügende Mehrheit in der soeben gewählten Sobranje zu sichern. In Sofia selbst candidirten u. A. die Minister Stoiloff, Radoslawoff, Tontscheff und Geschoff, die natürlich wohl sämmtlich gewählt worden sind. „ ' , rnr, — Da§ Briganrenthum blüht auf dem classischen Boden Griechenlands üppiger denn je, wie der bekannte Vorfall mit der Bande Papakyritzopulo erst neuerdings wiederum bekundete. Freilich sind die fortwährenden Begebenheiten in dieser Richtung in Griechenland auch nur dadurch möglich, daß das Landvolk mit den Räubern vielfach unter einer Decke steckt und ihnen allen erdenklichen Vorschub leistet Ja, die Beziehungen des Räuberthums reichen bis in die Kreise des Parlaments und des Gerichts selbst hinein- stand doch unlängst ein Mirglied der Deputirten- kammer vor dem Lariffaer Criminalgericht unter der durch Zeugenaussagen erhärteten Anklage, an einem Kirchenraube theilgenommen zu haben — und der ehrenwerthe Deputirte wurde sreigesprochen! — Die japanische Regierung soll entschlossen sein, den Krieg gegen China trotz der anhebenden winterlichen Jahreszeit mit aller Energie weiterzuführen. 80,000 Mann frischer Truppen werden unverzüglich aus Japan nach dem Kriegsschauplätze abgehen, es ist zwar noch unbekannt, wo dieselben Verwendung finden sollen, vermuthlich sind sie aber zu einem großen Handstreich bestimmt. Der Mikado gedenkt, den größten Theil der Verstärkungen in Htroshina zu besichtigen. Die Transportmittel zur Beförderung der Truppen werden schon bereitgestellt- die japanischen Behörden haben von dem gesammten Eisenbahnnetz Besitze ergriffen. Die Begeisterung der japanischen Bevölkerung ist eine ungeheuere.___________________ Nerieste Nachrichten» WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 24. September. Der „ReichSanzeiger" macht bekannt, daß in den Staaten Belgien, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Rumänien, Rußland, Schweden Norwegen, Schweiz, Serbien, Venezuela und den Vereinigten Staaten von Amerika die deutschen Waarenbezeichnungen in gleichem Umfange wie die inländischen zum gesetzlichen Schutz zugelassen sind. Berlin, 24. September. Reichstagsabgeordneter Paasche erklärt tn der „Nat.-lib. Corr." die Meldung, er beabsichtige sein akademisches Lehramt niederzulegen, als durchaus unbegründet. „ t _ Kiel 24. September. Bei der Enthüllung der Ge- dächtnißtafel für die beij der „Brandenburg"- Katastrophe Getödteten sprach Prinz Heinrich folgende Worte: „Kameraden! Ein ernster, aber auch zugleich ein freudiger Augenblick ist für uns gekommen- ernst, denn er erinnert an den Tod so vieler braver Leute, erfreulich, weil er uns zeigt, wie Se. Majestät, unser allergnädigster Kriegsherr, für seine Marine sorgt und ihre Lebensthätigkeit bis in die genauesten Einzelheiten kennt und gewiffenhaste Pflichttreue zu loben weiß. Ich will hier ausdrücklich die Worte nr. Majestät des Kaisers wiederholen, welche er unmittelbar nach jenem Unglücksfalle auf der „Brandenburg" ausgesprochen hat: „Ich halte dafür, daß die Männer auf der „Brandenburg nicht gestorben sind, sondern auf dem Felde der Ehre den Heldentod gefunden haben." Es möge denn diese Denktafel, welche Se. Majestät der Kaiser, unser allergnädigster Kriegsherr, dem Andenken der auf der „Brandenburg" verunglückten pflichttreuen Männer gewidmet hat, eine Mahnung für alle Zeiten sein zu unentwegter Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue in allerhöchstem Dienste. Im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs übergebe ich nunmehr die von ihm allergnädigst gestiftete Denktafel der Kirche." BreSlau, 24. September. Nach einer amtlichen Meldung des Regierungspräsidenten fuhren im Waldenburger Ausstandsgebiet bis auf einen kleinen Theil sammtliche Arbeiter wieder ein. Der Ausstand ist daher beendet. enthaltene Mahnung an die polnischen Mitbürger nicht vorbereitet. Der Kaiser habe aus eigenster Initiative das Wort für die Hochhaltung des Deutschthums ergriffen. Unter der hiesigen polnischen Bevölkerung herrscht über die Rede des Kaisers große Aufregung. Die „Gazeta Torunska" meint, der Kaiser muffe über das Verhalten der polnischen Bevölkerung falsch informirt sein- Niemand besitze daS Recht, zu behaupten, die polnischen Mitbürger betrachteten sich nicht als preußische Unterthanen. Wenn der Kaiser wahrheitsgemäße Informationen erhalte, dürften die Polen der Kaiserlichen Gnade sicher sein. Eisenach, 24. September. Der Parteitag der frei- sinnigen Volkspartei nahm, nachdem das Programm in seinen einzelnen Theilen genehmigt war, das gesammte Programm einstimmig an, ebenso die Resolution gegen Einschränkung der freien Meinungsäußerung. Karlsruhe, 24. September. Die dritte Hauptversammlung des Verbandes deutscher Gewerbe- Verein e wurde heute von dem Vorsitzenden Berghausen-Kölu eröffnet. Anwesend sind ca. 120 Teilnehmer aus ganz Deutschland. Der Verband schweizerischer Gewerbevereine bat zwei Vertreter entsandt, die Regierungen von Baden, Württemberg und Hessen je einen Vertreter. Der Vertreter der badischen Regierung, Ministerialrath Braun, betonte in seiner Begrüßungsansprache, die badische Regierung habe stets die Ansicht gehabt, daß dem Gewerbe aufgeholfen werden Esse, so gut es ginge, wenn es auch jetzt vielfach eine andere Gestalt angenommen habe gegen früher. Der Verbandstag sprach sich im Princip für die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Handwerk aus und brachte ferner in Anregung, die Unfallversicherung auf die kleinen Gewerbetreibenden auszudehnen. Rom, 24. September. Bei dem gestrigen internationalen Radrennen wurde der Amerikaner Banker Erster, der Italiener Pontecchi Zweiter und August Lehr- Frankfurt a. M. Dritter. Paris, 24. September. Der socialisttsche Gemeinderath von Roubaix hat beschloffen, für alle städtischen Arbeiter und Angestellten eine Maximal-Arbeitszeit von acht Stunden ohne Lohnverminderung festzustellen. Paris, 24. September. Unter dem Titel „Deutsche Spionage in Frankreich" veröffentlicht das Boulevardblatt „Patrie" einen gehässigen Artikel gegen die Art und Weise, wie die elsässische Polizeibehörde diejenigen Elsässer, I welche Verwandte in Frankreich besuchen, ausspionirt und j ihnen bei ihrer Rückkunft die größten Schwierigkeiten bereitet. Das Blatt citirt drei Fälle, woraus hervorgehen soll, daß deutsche Spione in Frankreich beauftragt find, Begegnungen von Elsässern und Franzosen zu überwachen und darüber zu berichten. Paris, 24. September. Bei der gestrigen Stichwahl in Nogent (zum Ersatz für Casimir Perier) siegte der Radikale Bachemont mit 4986 Stimmen gegen den gemäßigten Republikaner Robert, welcher 4582 Stimmen erhielt. Die Niederlage des von Casimir Perier empfohlenen Candi- daten Robert hatte einen peinlichen Eindruck gemacht. Die Erregung war gestern Abend so groß, daß die Truppen in den Kasernen bereit gehalten wurden. Madrid, 24. September. Auf der Station Moncada stießen gestern zwei Personenzüge zusammen, wovon einer dicht mit Pilgern zum Muttergottesfest in Barcelona besetzt war. Vierzig Personen wurden getödtet und verwundet. Loudon, 24. September. 5 000 russische Soldaten befinden sich auf dem Marsche nach dem Norden von Korea, angeblich um 2000 entwichene Sträflinge, welche bei dem Bau der sibirischen Eisenbahn beschäftigt waren, zu verfolgen. Loudon, 24. September. Wie aus Kairo gemeldet wird, verlautet dort, daß Oberst Colville Befehl erhalten babe, die noch übriggebltebenen Truppen Emin Paschas zu sammeln und mit denselben nach der Mündung des Bhar-el- Gazalflusses an den Nil zu marschtren. Man sieht diesen Befehl als den Ausgangspunkt einer 'englisch-italienisch en Expedition an, die von Suaktm und Kassala ausgehen und Khartum zum Ziele haben soll. Rewyork, 24. September. Der Wirbelsturm hat in den Städten Winola, Keonka und 12 umliegenden Dörfern sämmtliche Gebäude abgedeckt. Bisher wurden 55 Todte und über 100 Schwerverletzte aufgefunden. Coeafc» uttt provtnrkelle» Gießen, den 25. September 1894. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Freitag den 28. September 1894, Nachmittags 4 Uhr: 1. Mittheilungen. 2. Ausloosung der zur Rückzahlung kommenden Obligationen des 1893/94« Anlehens. 3. Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben der Vorschule des Großh. Gymnasiums Gießen für 1893/94. 4. Einrichtung eines Handfertigkeitsunterrichts. 5. Fortsetzung der Wasserleitung in der Wolfstraße. 6. Gesuch des E. H. Müller um Wasseranschluß in der Göthe- straße. 7. Desgl. des Christoph Bieker in der Mühlgasse. 8. Gesuch der Bewohner in der Wetzsteingasse um Verwehrung der Laternen daselbst. 9. Verlegung eines Feldweges am Braunftetnbergwerk. 10. Den Umbau des Bahn- bofs Gießen; hier: Überlassung von städtischem Gelände zur Anlage einer provisorischen Zufahrt. 11. Den Fluthgraben bom Teufelslustgärtchen nach der Bahnhofstraße. 12. Der- kehrsverhältnisse an der Anatomie. 13 Gesuch des $or» ftanbeö des Concertvereins um Ueberlassung eines Lager- raumS. 14. Einfriedigung längs der Senckenbergstraße; hwr Anlage breiterer Thore. 15. Vornahme von Bauveränderungen im Petri'schen Hause in der Neustadt. 16. Herstellungsarbeiten in der Polizeistation am Seltertsthor. 17. Den Neubau eines Arbeits- und Gerätheschuppens auf Oswalds Garten. 18. Eröffnung der Schottftraße- hier Entwässerung derselben. 19, Gesuch des Johann Georg Pfaff um Erlaubntß zur Herrichtung einer Einfriedigung. 20. Gesuch des Philipp Schwan um Erlaubnitz zum Bauen an der Rodheimerstraße. 21. Desgl. des Gärtners Johannes Schneider zum Bauen am Schiffenbergerweg. 22. Gesuch des Emil Pistor um Erlaubntß zur Erbauung einer Halle in der Sandgaffe. ** Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu am 25. September 1894. Heute wurden unter Vorsitz des Großherzogl. Landgerichtsraths Müller die Schwurgerichts- sitzungen für das dritte Quartal eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Christian Sänger Wittwe von Klein-Karben wegen Kindesmords. Die Anklage vertrat der Großh. Staatsanwalt Koch, vertheidigt wurde die Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Justizrath Dr. Reatz- als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Simon Bieber, Johannes Göbel II., Heinrich Keutzer HI., Jakob Wilhelm Lemp, Johann Heinrich Ortwein, Karl Flach III., Anton Rompf VH., Karl Heil II., Hermann Reitz, Ludwig Friedrich Harth, Wilhelm Schudt und Andreas Lepper III. — Luise Sänger, Wittwe des Christian Sänger von Klein- Karben, 31 Jahre alt, steht unter der Anklage, daß sie Ende Mai 1894 zu Klein-Karben ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt vorsätzlich getödtet habe. — Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Am 6. Juli 1894 entdeckte der Knecht des Mtlchhändlers Jakob Heilmann zu Klein-Karben in dem Pfuhlloch seines Dtenstherrn eine Kindesleiche und zog dieselbe mittels einer Mistgabel heraus. Die Leiche war bereits stark in Verwesung übergegangen. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich alsbald auf die Christian Sänger Wittwe von Klein-Karben, welche auch gestand, Ende Mat l. I. ein Kind weiblichen Geschlechts geboren und dasselbe eine Stunde nach der Geburt getödtet zu Haben. Ihre Nothlage und Beschämung gab sie als Triebfeder ihrer unseligen That an. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Wilhelm Schudt) die ihnen vorgelegte Schuldsrage sowie die Nebenfrage nach mildernden Umständen bejaht hatten, wurde die Angeklagte in eine Gefängnißstrafe von zweiundeinhalb Jahren unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft verurtheilt. * * Wasserleitung Queckboru. Der Hochbehälter an der Ganseburg, welcher seiner Vollendung entgegengeht, ist nahezu 40 m lang und 40 m breit. Derselbe ist in zwei Kammern eingetheilt, welche durch Quermauern mit Durchgangsöffnungen verbunden sind. Jeder Behälter faßt 1500 cbm. Beide Theile sind so eingerichtet, daß der eine gefüllt und der andere zur Reinigung leer stehen bleiben kann- voraussichtlich werden jedoch größtentheils beide Kammern mit zusammen 3000 cbm Inhalt gefüllt sein. — Das ganze Bauwerk ist 4,58 m hoch; hiervon sind 2,60 m unter Erde und 1,98 m über Erde. Oben auf dem Behälter befindet sich noch ein Durchgang, 1,37 m hoch, von welchem man den Ein- und Auslauf in den Kammern regultren kann. Der Erdaushub, welcher für das ganze Bauwerk rd. 4000 cbm beträgt, bestand größten- theils aus Felsmasse, welche gesprengt werden mußte. Die ausgegrabenen Erd- und Steinmassen werden zum Bei- und Auffüllen des Hochbehälters benutzt. Auf dem Fußboden befindet sich ein 50 cm hoher Beton aus Steinschlag, Traß, Kalk ^ind Lahnkies, zusammen rd. 800 cbm. Zu dem ganzen Mauerwerk sind ca. 700000 Steine erforderlich. Dieselben werden von den Gail'schen Werken geliefert. Auch die Gewölbe sind aus solchen Steinen hergestellt. Die Außenmauern, die Böden und die Decke auf den Gewölben werden mit Cementmörtel geputzt, die Jnnenmauern ausgefugt. Das Material wird nach dem Wärterhaus Nr. 4 an der Grünbergerstraße mittelst Extrazügen Morgens zwischen 10 u. 11 Uhr und von da mittelst Fuhrwerk an die Baustelle befördert. Ebenso wird der erforderliche Sand, Traß und Cement transportirt. — Die erste Abtheilung wird voraussichtlich bis Ende dieser Woche fertig gestellt, die ganze Arbeit wahrscheinlich bis Ende October vollendet. * * Das Jahresfest des Oberheffischen Vereius für innere Mission wird Dienstag den 30. und Mittwoch den 31. October dahier gefeiert werden. In dem am Dienstag stattfindenden Festgottesdienste wird, wie der „Darmst. Ztg." von hier gemeldet wird, ein alter Gießener, Herr Pastor Simon aus Bielefeld, predigen. Die Verhandlungen des folgenden Tages werden sich mit der wichtigen Frage: „Die Gefahren des modernen Lebens für die Kindererzieknng" beschäftigen. Die Referate dafür haben Herr Professor Stamm hier und Herr Pfarrer Schuster in Glauberg übernommen. * * Kaiserbesuch in Darmstadt. Die „N. H. Volksbl." melden: Wie in hiesigen Hofkreisen verlautet, wird Seine Majestät der Kaiser voraussichtlich Mitte October zu mehrtägigem Besuche des Großherzoglichen Hofes in Darmstadt eintreffen, zu welcher Zeit der Großfürft-Thronfolger bereits hier anwesend sein dürfte. Zu Ehren des Kaisers werden jedenfalls Hofjagden und eine Festvorstellung im Hoftheater veranstaltet und soll für diesen Fall „Aida" in Aussicht genommen sein. * * Ministerialrath Dr. Dittmar, bis 1887 Rechtsanwalt in Gieren, ist mch einer der „Franks. Ztg." aus Darmstadt zugegangenen Meldung infolge Nierenleidens gezwungen, in den Ruhestand zu treten. Herr Dittmar, welcher als einer der besten Juristen Hessens gilt, ist Mitglied der Commission für das bürgerliche Gesetzbuch. * * Freiw. Gail'sche Feuerwehr. Gestern Abend fand auf Oswalds Garten die Schlußübung der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr statt. Es beginnen nunmehr vom nächsten Montag ab die sogen. Montags-Versammlungen, in welchen mehr die Geselligkeit im Corps gepflegt wird. * * Vom Wagen gefallen. Als gestern ein hiesiges Last' fuhrwerk die Westanlage pasfirte, stürzte der Leiter desselben ' herunter, ohne glücklicher Weise besonderen Schaden zu ■ nehmen. | ** Falsche Zweimarkstücke sollen gegenwärtig in ver^ schiedeuen Orten ctrculiren. Die aus einer Bleicomposition bestehenden Falfificate find sehr schlecht und leicht von den ächten zu unterscheiden. Die Verbreiter haben dieselben hauptsächlich in Wirthschafren und Detailgeschäften in Verkehr gebracht, in welchen junge, unerfahrene Leute bedienstet. * Die Bahnsteigsperre tritt am 1. October auch auf der Station Wetzlar in Kraft und wird vom genannten Tage an die Prüfung, Durchlochung und Abnahme der Fahrtausweise an die Ein- und Ausgänge genannter Station verlegt, so daß in den Zügen selbst nur eine sogen. Nachprüfung stattfindet. * * Ein Lehreriuuen-Turucnrsus wird in diesem Jahre (wahrscheinlich im October) in Darmstadt abgehalten. ** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evaugel. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ltch, Kreis Gießen, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1600 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Solms-Lich steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Burkhards, Kr. Schotten, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober - Seibertenrod, Kr. Schotten, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendienft verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zell, Kr. Alsfeld, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienst verbunden. ** Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armeecorps. Frankfurt a. M., Kaiserl. Postamt, Postschaffner, 900 Mk. Gehalt und 240 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Freienwohl (Kreis Arnsberg), Amtsverwaltung, Amtssecretär, 1050 Mk. Hanau, Garnison-Bauamt I, Baubote, 2 Mk. 50 Pfg. täglich. Kaiserl. Ober-Postdirection in Frankfurt (Main), zwei Postschaffner, je 900 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Daselbst, drei Packetträger, bezw. Stadtpoftboten, je 700 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Daselbst, zwei Landbriefträger, je 650 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Nassau, Stadtgemeinde, Traubenschütze, täglich 2 Mk. Untermaßfeld bei Meiningen, Direction des Männer- Zuchthauses, Aufseher, 1000 Mk. jährlich neben freier Dienstkleidung. Ziegenhain (Regierungsbezirk Caffel), Königliche Strafanstalt, Aufseher, 75 Mk. Remuneration und 10 Mk. Miethsentschädigung monatlich. — Im Bezirk der Großh. Heff. (25.) Division. Butzbach, Großh. Ober-Staatsanwalt- schaft Darmstadt, Gefangenwärter an der Zellen-Strafanstalt, eine baare Remuneration von 1100 Mk. jährlich, freie Wohnung und Garten, event. Wohnungsvergütung. Gemarkung Wolfskehlen, Specialdlrection der Hess. LudwigSbahn zu Mainz, Bahnwärter, 640 Mk. Gehalt und ca. 13 Mk. Vergütung für Nachtdienst. ”* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Händler Josef Amstutz aus Engelberg in der Schweiz vom Amtsgericht Worms wegen Betrugs- die Dienstmagd Agnes Steg wann aus Grünworsbach, zuletzt in Klein-Auheim, von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt- Monteur Albert Bialas aus Kupp, Regierungsbezirk Oppeln, zuletzt in Würzburg, vom Amtsgericht Worms- die ledige Elise Appel von Busenborn vom Amtsgericht Lich, die drei letztgenannten wegen Strafvollzugs- Gärtner Heinrich Frank aus Neu- Isenburg vom Amtsanwalt in Gießen wegen Diebstahls- Maurergeselle Ludwig Keim aus Weisenau von der Staats- anwaltschaft in Mainz wegen Körperverletzung- Dienstknecht Wilhelm Noll aus Elsheim, zuletzt in Hechtsheim, vom Schöffengericht Mainz- Kellner Max Reg en scheid aus Constanz vom Amtsanwalt in Mainz, wegen Diebstahls und Unterschlagung- die Dirne Elisabeth Schäfer, geb. Berg, mann, aus Udenhain bei Gelnhausen von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Diebstahls- Taglöhner Jacob Schmidt aus Rimbach t. £). von derselben Behörde wegen Körperverletzung- Dienstknecht Christian Funk aus Tübingen, zuletzt in Neckarsulm, und Viehtreiber Kaspar Christ aus Castel vom Amtsgericht Mainz wegen Strafvollzugs. ** Die JuvalidilätS- und Altersverficherungsanstalt für das Großherzogthum Hessen vereinnahmte im Rechnungsjahre 1893 3,323,196.44 Mark, die Ausgaben betrugen 1,933,516.94 Mk. Von den verbleibenden 1,389,679 50 Mk. werden 1,379,187.60 Mk. verzinslich angelegt. ** Die Bevölkerung des Deutschen Reiches beträgt gegenwärtig 51,500,000 Seelen. Das soeben erschienene „Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich", herausgegeben im Reichsstatistischen Amt 1894, berechnet die Bevölkerung des heutigen Reichsgebietes seit 1816 wie folgt: 1816 14,833,000 Seelen, 1820 26,294,000 Seelen, 1830 29.250,000 Seelen, 1840 32,787,000 Seelen, 1850 35,397,000 Seelen, 1860 37,740,000 Seelen, 1870 40,818,000 Seelen, 1875 42,729,000 Seelen, 1890 49,428,000 Seelen. Im Jahre 1890 war die letzte Volkszählung und da sich unsere Retchsbevölkerung alljährlich um etwa 500,000 Seelen vermehrt, ist ihr gegenwärtiger Stand rund 51,500,000 Seelen. ** * Lich, 24. September. Mitie October wird der Erbprinz von Ltch sich mit einer Prinzessin Stolberg- Wernigerode, Tochter des ehemaligen Vicekanzlers, vermählen und dann seinen Wohnsitz im Schlosse hier nehmen. § Ruppertenrod, 24. September. In der Nacht vom letzten Samstag auf den Sonntag zog ein starkes Gewitter über unsere Gemarkung- es blitzte und donnerte mehrmals heftig, gewiß um diese Zeit eine seltene Erscheinung. Dem Gewitter ist leider wieder ein Umschlag der Witterung gefolgt und wiederum Regen eingetreten. Dadurch ist die Kornsaat, die in vollem Umfange begonnen, wieder unter- brachen, überhaupt die Bestellung der Wintersaatfelder unliebsam verschoben worden. Auch Nachzügler mit der Grummeternte sind von den so unerwartet auftretenden Niederschlägen überrascht worden. Dem Obste, das ohnehin sattsam beregnet, sind die neuen Regensälle sehr schädlich. Schon vor diesen begannen die Zwetschen, die überreif an den Bäumen hängen, an den Zweigen zu faulen. Ein zeitiges Abpflücken und Verwerthen ist der beste Schutz vor drohendem Schaden. Wie alle Obstsorten, so sind auch in diesem Jahre die Nüffe hier sehr reichlich gerathen. Man hat oft geglaubt, die Nüffe seien keine Frucht für hiesige Gegenden, indem letztere schon zu kalt für die Anpflanzung von Nutzbäumen seien, allein die öftere reiche Tracht der Welschnutz- bäume in unseren Bezirken lehrt, datz dieselben auch für diese als lohnend angesehen werden müssen. Die diesjährige reiche Obsternte gibt den besten Beweis, wie lukrativ die Obstpflanzungen der Gemeinden sind. Die hnsige Gemeinde, welche durchschnittlich noch ganz junge Obstpflanzungen besitzt, denen allerdings eine recht gute Pflege zu Theil wird, hat einen Betrag von 200 Mark für Obst gelöst, ein kleiner Betrag vorerst, der aber in Hinsicht der meisten jungen Obftbäumchen um so größer erscheint. Rockenberg i. d. Wetterau, 23. September. Herr Pfarrer Mees hier begeht am 16. October d. I. das Fest seiner 25jährigen priesterlichen Wirksamkeit in hiesiger Pfarrgemeinde. Büdingen, 22. September. Ihre Durchlaucht Freifrau von Thüngen, geb. Prinzessin Elisabeth zu Asenburg und Büdingen, wurde heute von einer Tochter glücklich entbunden. — Die Feier der Silberhochzeit unseres Fürstenpaares findet am nächsten Sonntag den 30. September statt. Zur Vorfeier am Samstag Abend wurde in einer gemeinsamen Sitzung Betheiligter beschlossen, einen Fackelzug zu arrangiren. Der Fackelzug nimmt bei eintretender Dunkelheit seinen Anfang in der Gymnasiumstraße und endigt in der Bahnhofstratze. Darmstadt, 24. September. Die erfolgte Wahl des hiesigen Rechtsanwaltes Heinrich Köhler zum besoldeten Beigeordneten Darmstadts hat die Bestätigung des GrotzherzogS gefunden. A Mainz, 24. September. Die allgemeine deutsche Gartenbauausstellung wurde gestern Abend mit entsprechenden Feierlichkeiten geschlossen. Der Besuch an dem gestrigen letzten Tag war noch ein autzerordentlich zahlreicher, indem über 7000 Tageskarten verausgabt wurden. Besonders aus der Umgegend und den Nachbarstädten waren die Blumen- und Gartenfreunde nochmals zahlreich hierher gekommen. Die Ausstellung nahm in jeder Beziehung einen über Erwarten günstigen Verlauf und sind neben den Veranstaltern der größte Theil der Aussteller außerordentlich befriedigt, indem vielen derselben, abgesehen von der Anerkennung, reiche Bestellungen zu Theil wurden. — Die Kellnerin Elise Pfeil von Hanau, die sich in Gemeinschaft mit dem inzwischen verschiedenen Maschinentechnrker Dombrowski vor einigen Tagen in einem hiesigen Gasthaus vergiftete, ist verflossene Nacht, nachdem sie einem Kind das Leben gegeben, in dem Rochusspital hier gestorben. Vermißtes» * Hanau, 23. September. Heute Vormittag 9 Uhr rückte daö Ulanenregiment Nr. 6 in seine neue Garnison Hanau ein. Vor der Kinzigbrücke wurde das Regiment Seitens der städtischen Behörden empfangen und durch Herrn Oberbürgermeister Dr. Gebeschus bewillkommt. Nach einer kurzen Replik des Regimentscommandeurs Herrn Oberst- lieutenant Steg und einem Hoch der Offiziere und Mannschaften auf die Stadt. Hanau ritt das Regiment weiter zur Kaserne an der Lamboystraße. Den Offizieren bot die Stadt ein Gabelfrühstück, während die Mannschaften mit Bier be- wirthet wurden. Die Häuser waren beflaggt und die Straßen, die zur Kaserne führen, geschmückt. * Bochum, 23. September. In der vergangenen Nacht fmb aus geringfügiger Ursache zwei Leute, Bruder und Schwester, von einer rohen Bande niedergestochen worden- die Frau war sofort tobt, der Bruder lebt noch. Die beiden Leute führten aus einem Schiebkarren eine Anzahl Sachen und wollten auf dem Nachhauseweg in einer Wirth- schaft ein GlaS Bier trinken. Eine Gesellschaft junger Burschen, die die betreffende Wirthschaft eben verlassen hatten, begannen mit dem Wagen allerlei Unfug zu treiben, wogegen die Geschwister sich verwahrten. Die Folge war, daß sich die Bande nun gegen die Eigenthümer des Wagens wandte, und der Streit endigte mit der Ntedermetzelung derselben. Die Thäter sind verhaftet. * Saarlouis, 22. September. Ein Nachspiel zu der vorjährigen Futter noth unseres Bezirks nahm für die Betheiligten in der gestrigen Sitzung des hiesigen Schöffengerichts eine erfreuliche Wendung. Mehr als 50 Personen standen unter der Anklage, unberechtigt Laub auS den Waldungen geholt zu haben. Die dieserhalb verhängten Strafmandate lauteten auf das nette Sümmchen von 8000 Mk. Das Schöffengericht sprach jedoch alle Angeklagten frei. * Leipzig, 22. September. Zum 18. October, dem Gedenktage der Völkerschlacht von Leipzig, wird vom Deutschen Patriotenbunde zum Besten der Errichtung eines Völkerschlacht-Denkmals eine großartige Feier veranstaltet. In der Albert-Halle des Krystall- Palastes gelangt ein Festspiel von Crone - Schwiening, dem Dramaturgen des StadttheaterS, zur Aufführung, ausschließlich dargeftellt von Mitgliedern der hiesigen Militär-Vereine, unter Betheiligung der Vertreter der Stadt schließt sich hieran ein Commers mit Darbietungen des Lehrergesangvereins und turnerischen Aufführungen des Allgemeinen und Leipziger Turnvereins. Herr Reichstags Abgeordneter Prof. Hasse hat eine der Bedeutung des Tages entsprechende patriotische Rede übernommen. — Möge diese hehre Begeisterung für die gute Sache auch anderwärts Bestrebungen im gleichen Sinne Hervorrufen!^ ; AMAWB L * Newyork, 18. September. Heute feiert das Deutsche Hospital der Stadt Newyork sein fünfundzwanzig- jähriges Bestehen. Ueber das segensreiche Wirken dieses Instituts haben wir wiederholt berichtet. In den verfloffenen 25 Jahren find nicht weniger als 33 270 Personen in dem deutschen Hospital ärztlich behandelt worden, von denen der bei weitem größte Theil Heilung ober Besserung gefunben hat. • Mauoverfreudeu. Aus Singrist schreibt man ber „Straßburger Post": Hier hat sich ein köstliches Manöver- geschichtchen abgespielt: Vier junge Krieger tarnen zu einem Bäuerlein ins Quartier und Übergaben demselben ihre aus Fleisch, Reis und Kartoffeln bestehende Menage zur Zubereitung. Vom Dienste in ber Erwartung zurückkehrenb, bas Tischlein gebeckt zu finben, sahen unsere hungerigen Soldaten nur das landläufige Abendgericht: „Grumbäre (Grumbeeren: Kartoffeln) mit süre Milch". „Und daß Fletsch, Bauer?" „Das Fleisch?" erwidert mein Bäuerlein strahlend, „des Fleisch Ham mer gefiel" .> * Tod in der Hypnose. Aus Budapest wird der „N. Fr. Pr." berichtet: Auf einem Kastell bei Nyiregyhaza wurde die 23jährige Tochter Ella des Theodor Salamon von einem Hypnotiseur Namens Lojkam hypnotisirt. Es wurde d-r jungen Dame fuggerirt, eine Lungenkranke darzustellen. Plötzlich stieß sie einen markerschütternden Schrei aus und stürzte leblos zusammen. Alle sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. > ' * Maskirte Viehhirteu haben kürzlich beim Mehafluß, unweit von Parachute in Colorado, 2200 Schafe mit Knütteln und Messern getödtet. 2000 Schafe haben sie vorher in einen Abgrund gestürzt. Als Grund geben sie an, daß die Schafe der Viehzucht hinderlich seien. USA Schrffsnachvichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 24.Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Saale, Capitän F. Kcßler, vom Norbd. Lloyd in Bremen, welcher am 15. Septbr. von Bremen und am 16. Septbr. von Southampton abgegangen war, ist heute, 7 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Eingesandt. r. Gießen, 24. September 1894. Rene Verordnung im hiesigen Schlachthäuser Durch Anschlag im Schlachthause wird den hiesigen Metzgern bekannt gegeben, daß in Zukunft nur solche Kaldaunen und sonstige zu brühende; Theile im Schlachthaus gebrüht und gereinigt werden dürfen, welche im städtischen Schlachthaus geschlachtet bez. von der städtischen Fleischbeschau besichtigt worden sind. Ob eine derartige Verordnung den Zweck, den die Erbauurg eines Schlachthauses aus sanitätspoltzeilicher Hinsicht bedingt, erfüllt (nämlich alle Abfälle aus Metzgereien aus der Stadt zu entfernen), dürfte wohl zu bezweifeln sein. _______________ Wir geben obigem Eingesandt in der Annahme Raum, daß eine Erklärung der cornpetenten Behörde erfolgt. Nach unserem Ermessen hat das Verbot schon seit Eröffnung des Schlachthauses bestanden; es lag jedenfalls aber keine Veranlassung vor, besonders darauf aufmerksam zu machen. Das Einbringen von Kaldaunen auswärts getchlachteten Viehes in das Schlachthaus zum Zwecke der Reneigung dürste u. E. nur geschehen, wenn seitens der Fleischbeschau constatirt ist, daß die Eingeweide von gesundem Vieh berrühren und dafür eine besondere Gebühr, die im Tarif noch nicht vorgesehen ist, entrichtet würde; damit übernähme auch die Fleischbeschau bezw. die Schlachthaus-Verwaltung die Verantwortung. Bleibt das Verbot bestehen, so geht die Verantwortung auf die betr. Metzger selbst über. Red. Verkehr, Cattö» rrnd Gießen, 25. Sept. Marktbericht. Auf dem heutigrn . Wochemnartt kostete: Butter pr. Pfd. * —.85—1,00, Hühnereier pr. Stück ö—7 3. 2 Stück - Käse pr. St. 4-8 r», Käsemade I vr- St- 8 3t, Erbsen vr. Liier 17 3. Linsen pr. Liter 28 3t, Tauben ' pr Paar JL 0,50-0,75, Hühner pr. Stück 0,90—1,20, Hahnen ! pr. St. 0,50- 0,85, Enten pr. St. *. 1,60 bis 1.9J, Ocksevfleisch ! pr. Pfd- 74—78 3>. Kuh- u. Rindfleisch pr. Pfd. —70 3t, Schweine" fleisch pr. Pfd. 66-76 3t, Kalbfleisch pr. Pfd. 68- 70 3, Hammelfleisch pr. Pfd. 58—68 3, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00—6,00 Jl, Weißkraut pr. Stück--3, Zwiebeln pr. Eentner 3,80-4,20 JL, Miiä vr. Liter 16—20 3, Enteneier 2 — 3t, Gänseeier — 3i, Zwetschen pr- Ctr JL 2,80—3,20. S Darrernheim, 24. September. Der heute hier abgehaltene Schwetnemarkt war trotz des regnerischen Wetters sehr stark, : besonders mit Ferkeln, befahren und es wurden sämrntltche aufge- j triebene Stücke verkauft!, nach letzteren war sogar noch Nachfrage. • Die Aussicht, daß die Kartoffeln irn allgemeinen schlecht ausfallen, hat die Preise gegen früher etwas gedrückt; es wurden aber immer 1 noch schöne Preise erzielt. Das Paar 7 bis 8 Wochen alter Ferkel wurde mit 30 bis 36 Mk., und dementsprechend wurden auch die älteren und stärkeren Thiere bezahlt. Vefamrtmachmrg. lufschrtft der Postsendua-e». Aer Sicherung schneller Beförderung und vestellung der Vostsenduugeu müssen aus denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei sind namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bet Postsendunaen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung deS Empfängers möglichst genau anzugrben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die WohnungSangabe stet« an derselben Stelle der Auffchrist, nämlich unten recht», unmittelbar unter der Angabe dcS Bestimmungsorte», erfolge. 2. Auf den nach Berlin besttmmtm Sendungen ist, außer de, Wohnung deS Empfängers, der Postbezirk (On N., NO. ic), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der OrtSbe- Zeichnung .Berlin" zu vermerke». 3. Gibt eS mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzlich« Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsname» im Postverkehr als maßgebend anzusehcn sind, ergibt sich au» dem „Verzeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Dost- orte*, das zum Preise von 10 Pf. durch Vermittlung jeder RetchS-Postanstall bezogen werden kann. 4. Wenn der im Reichs Pofigebtet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht el» allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, di« Lage des OrtS in der Aufschrift der Sendung noch de» Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten de» politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), bi welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) re.), oder von Gebirgen s(Harz), (Riesengebirge) k.j Nicht minder find zusätzliche Bezeichnungen, wie ((Thüringen), (Altmark)» Mit] für den Zweck geeignet. tsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer dem eigenllicheu Bestimmungsorte noch diejenige Post- anstalt anzugeben, von welcher auS die Bestellung der Smduua an den Empfänger bewirkt werdm bez. die Abholung erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremde» Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffende Land bez. der LandeSthell auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Punkte wird lur Herbeiführung einer schleunigen lleberkunst der Sendungen an dm Empfänger wesenllich beitragen, und eS liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Smdungen hiernach genau anzufertigen. Barometerstand. to versenden gegen Nachnahme Gebt. Oppenheimer, 7865 Friedberg, Hessen. 7890] Mädchen erhalten gute Stellen, jn Frau Weitzenbach, Bismarckstraße 8 ” erhalten bet hohem ♦ -VttWCyCII Lohn gute Stellen. M 7665 Frau Spare, Seltersweg 50. । J Junger Kaufmann • sucht Stelle, gleich oder zum 1. October, ▲ im liebsten in einem Engros-Geschäft oder Dienstag den 6. Novbr., Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgertckt die der Wilhelm Aillmann Wittwe nnd Sinder in Gießen gehörige Hofraithe Rur 1 Nr. 1108 — 69 qm bei der Kirche öffentlich meistbietend versteigert werden.; Gießen, 25. September 1894 Großh. Ortsgericht Gießen. ___________I A-: Bogt._______7885! Fortsetzung der Versteigerung Mittwoch den 26. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr. Es stehen noch zum Verkauf: 1 Nußbaumtisch, 1 Waschioilette mit Marmor, 2 Nachttische, 1 Weißzeugschrank, 1 Nußbaum-Commode, 1 do. Spiegelschrank, 1 do. Schreib- secretär, 1 Bettlade mit Matratze, Steinkohlen-Lieferung. Die Lieferung der zur Heizung unserer Stadtkirche im nächsten Winter nöthigen Steinkohlen soll auf dem Weg der Submission vergeben . werden. 7889 i Angebote wolle man bis zum 29. d. Mts. einschließlich in der .Wohnung des mitunterzeichneten C. Schwan sen. (Seltersweg 64) abgeben, woselbst auch die Bedingungen zur Einsichtnahme offen liegen. Gießen, 24. September 1894. Der evangelische Gefammt Kirchenvorstand. unter V. C. R. in der Erp. d. Bl. ihre Bewerbung niederzuleqen. 7892 7353] Gegen 1080 Fixum u m. o. Provis. sucht e. la. chambnrg. Ei« __________Schreiner, Lindenplatz 4. 7788] Eins. möbl. Zimmer z. vermiethen. Grünbergerstraße 44, II. I Meine Tochter litt mehrere Jahre 7« H—i starker Bleichsucht. Nervenleiden, Magen- Haarlem. Klumemmlebel, ääSXä M durch vortheilhaften Einkauf sehr billig, von Besserung spürte, so wandte ich mich 7881 Chr. Pfeiffer, Selterswea. endlich an den homSpath. Arzt, Dr. "Hi an W