Nr- 277 Drittes Blatt. W Sonntag den 25. November f«94 Der •Htett erscheint täglich, ■tt Ausnahme de« Montag« Dir Gießener Werden dem Anzeiger /»«chattlich dreimal knylefL Gießener Anzeig er Generat-Wnzeiger. v Gerrits adrige, ? fier! 20 Pfg. rM Uringerloim. Durch die Post beg«G« , Mar! 60 P^. «edaetirn, «ptM** und Drucker«: Fernsprecher 61 Aints- und Zlnzeigeblutt fflt den Ureis <5iefeeiv W' '■ ---- ■ ■" ■---- ,-^üü Annahm» von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, falgmdm Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamilienklätter. Alle Unnoncen-Burraux dc« In. und Auslandes nehmM Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen. Gedanken am Todtensefl. Wieder klingen die Todtenglocken durch Stadt und Land mit ihrem ernsten Ton, der durch Herz und Seele schneidet, und läuten das Jahr aus, das die Kirche benannt hat. — Wir gedenken an diesem letzten Sonntag des KirchenjahrS der Tobten des letzten Jahres, unserer Tobten, um die wir unser Leben lang trauern, und an unfern eigenen Tod. Das stimmt ernst und traurig. Auch die Natur stimmt dazu. Auch in ihr wird der Todtensonntag eingeläutet. Nicht mehr die Glöcklein der Blumenkelche sinds, die läuten, wie einst zur Frühlingsfeier, sondern das fallende Laub, das die Erde deckt und blutig färbt, und der brausende Nordwind, der durch die kahlen Aeste fegt. Und die Sonne scheint so müde, der Himmel ist so bleiern, und die Nebel steigen auf und nieder. ES ist, als ob die Schöpfung das alte Lied vom Sterben sänge und die Predigt dazu hielte: Wos ist der Menschs Ein fallend Laub, Und bald, ach bald de8 Todes Raub! Aber seltsam! Die Menschenkinder hören diese Predigt nicht gern, obgleich sie selbst, ihr Leib, ihr Leben, ihr Leiden die gleiche Predigt hält. Wie Ludwig XIV. von Frankreich nicht duldete, daß das Wort Tod in seiner Umgebung ausgesprochen wurde, so flieht man jeden Todesqedanken. Und doch, ein großer Theil der Kinder unserer Zeit steht unter dem finstern Pessimismus, der von den alten griechischen Weisen bis zu den modernsten Philosophen den Trauerton zu seiner Losung macht: Leben ist Unglück, Sterben ist Glück- nur Todeßblüthe ist das Leben, nur Lebensblüthe ist der Tod. Aber wie dem auch sei, an ernsten Gedanken kommt am Tvdtenfest keiner vorbei. Ernste Gedanken stellen uns an die Gräber unserer Entschlafenen, denen wir schon so manche Thräne nachgeweint, und doch nicht stille werden. Warum mußte der Vater so früh sterben und die unversorgten Kinder in einer Welt des Elends, unfähig, den Kampf ums Dasein zu kämpfen, zurück- lasten? Warum sank daß treue Weib ins Grab, ehe das Glück, das lang ersehnte und heiß erflehte, kaum zu blühen begann? Warum raubte unS Gott daß einzige Kind, unfern Sonnenschein und unsere Freude? Warum stirbt der begabte hoffnungsreiche Jüngling, der Eltern Stolz und Hoffnung, I Feuilleton. Die Perle. Humoreske von Graf Günther Rosenhagen. „Gesucht per sofort ein Mädchen. Nur solche, die perfekt kochen und gute Zeugnisse aufzuwetsen vermögen, werden aufgefordert, sich in den Nachmittagsftunden zwischen fünf und sieben Uhr zu melden." So inserirten wir in sämmtlichen in unserer Stadt erscheinenden Blättern. Meine Frau hatte sich zuerst an eine Bermiethfrau wenden wollen, aber die traurigen Erfahrungen, die wir das letzte Mal mit einer derartigen Dame gemacht hatten, bewogen sie doch endlich, von dem gewöhnlichen Wege abzuweichen. Also wir inserirten, und kaum hatte am nächsten Nachmittag die Uhr auf meinem Schreibtisch, die nach dazu vierzehn und eine halbe Minute vorgeht, fünf geschlagen, als sich das erste Mädchen melden ließ. Dieser Ersten folgten in einem Zeitraum von 20 Minuten fünfunddreißig Andere, und entsetzt ergriff ich Hut und Stock, um dem Hause zu enteilen. Mochte meine Frau sehen, wie sie mit den in- und durch- -einanber sprechenden Jungfrauen fertig würde. Als ich am Abend heimkehrte, eilte mir meine Frau freudestrahlend entgegen: „Denk' Dir nur, ich habe bereits ein Mädchen gemiethet. Morgen hält sie bereits ihren Einzug, ich glaube, dieses Mal wirklich einen guten Griff gethan zu haben. Lies nur dieses Zeugniß." Ich ergriff den Zettel, den sie mir reichte: „Nur mit schwerem Herzen trenne ich mich von meinem Mädchen Meta Ruckel. Drei Jahre ist sie bei mir im Dienst gewesen und hat sich stets zu meiner vollsten Zufriedenheit geführt. Sie ist ohne Uebertrcibung tatsächlich eine Perle. Wenn ich sie gehen lasse, so geschieht es, weil ich in den nächsten Tagen von hier fortziehe und das Mädchen nicht zwingen will und kann, mich nach einer andern Stadt zu begleiten." „Diese Einleitung bereitet mich auf Vieles vor", ent* gegnete ich, „darf ich fingen, wie viel Lohn Du mit ihr verabredet haft?" und der verruchte Be^bücher, der lebensmüde Greiß, oie verkrüppelte Jammergestalt, das m Lump n gebullte Bettelweib, sie alle möchten und können nicht sterben. Warum? — Warum? — Ach wie viele Fragen werden erst einst beantwortet, wenn alle Räthfel des Lebens sich lösen vom Standpunkt der Ewigkeit! Ernste Gedanken führen an andere Gräber, Gräber des Glücks und der Hoffnungen, der Erwartungen und Wünsche. Wie ist deine Kraft zusammengebrochen! Wie liegt dein Geschäft darnieder! Wie wurden deine Pläne durchkreuzt! Was hast du Alles begraben müssen! W«s find Hoffnungen, was sind Emwürfe, Die der vergängliche Sohn der Stunde Aufbaut auf betrüglichem Grunde! Ernste Gedanken führen an die Gräber auf dem großen Kirchhof unseres Volkslebens und Vaterlandes, nicht bloß an -die im letzten Jahre frisch aufgeworfenen Hügel großer Männer, deren wir dankbar gedenken, ich meine die Gräber, in die Volkswohlsahrt, Friede und Kraft gebettet sind. Ernste Gedanken zeigen den Strom der Genußsucht und Wollust, der zerstörend und verwüstend Stadt und Land durchfluthet und manchen edlen Gedanken und gute Regung mit fortreißt - sie sinnen über den ßuftgräbern, die Unzucht und Trunksucht aufgeworfen, über die Frage, wie das Volk, die Reichen wie die Armen, die Jugend zumal, ein neuer Geist der Sittlichkeit und der Kraft erfüllen könne, sie suchen nach allerlei Hilfe und Lösung brennender Fragen und Heilmittel offener Schäden. Ein neuer Geist, eine neue Straft, ein wirksamer Trost, eine dauernde Hilfe lieg* nur in den Kräften des Chrlsten- thums. Der Herr, der einst dem Leichenzug vor Nains Thoren entgegentrat und Halt gebot, ist noch heute der Fürst des Ledens und hält feinen Königszug durch die Welt. Sein (Seift kann durch jedes Grab, ja über das Todtenfeld einer ganzen Welt wehen und Leben wecken. Lassen wir ihn wehen! Bleiben wir nicht in Todesgedanken und Flnsterniß! Oeffnen wir dem Leben unsere Herzen und Häuser! Auf einem Kirchhofe der Reichshauptstadt, der Grabstätte der freireligiösen Gemeinde, war der Spruch zu lesen: Macht euch das Leben ernst und schön, Kein Jenseits gibts, kein Auferstehn! Etwas verlegen sah meine Frau vor sich hin und spielte mit den Fingern auf dem Tisch: „Daß Ihr Männer auch alle so furchtbar prosaisch seid und immer nur an das Geld denkt. Etwas mehr Lohn mußte ich ihr natürlich geben, mit den 50 Thalern, die der andere Küchendragoner erhielt, wäre sie selbstverständlich nicht zufrieden gewesen." „Mach' es kurz, bat ich, „wieviel erhält sie?" „Nun, wenn Du es absolut wissen willst — hundertzwanzig Thaler fest, sechzig Mark zu Weihnachten und ein Drittel der Trinkgelder." Leise pfiff ich durch meinen hohlen Zahn: „Aber, liebes Kind, das ist ja unerhört — bedenke doch, das Mädchen hat so gut wie Nichts zu thun. Wir sind drei Personen und haben eine Kinderfrau, einen Diener und dann noch das Mädchen —" „Aber bedenke", unterbrach mich meine kleine Frau, „sie ist doch eine Perle und Perlen sind immer theuer." Von ganzem Herzen stimmte ich innerlich bei, ich hatte meiner Frau zu ihrem Geburtstag, der in den nächsten Tagen war, ein Perlenkollier gekauft und der Hut war mir vom Kopfe gefallen, als ich den Preis hörte. Wenn schon die tobten Perlen so theuer waren, durfte ich mich nicht wundern, wenn die lebenden auch angemessen bezahlt sein wollten. Am nächsten Tag hielt Meta ihren Einzug. Meine Erwartungen waren auf das höchste gespannt, aber ich kann wohl sagen, daß sie noch übertroffen wurden. Sic war mittelgroß, schlank und zierlich gebaut, hatte ein hübsches Gesicht, gute Manieren, war leise und gewandt- kurz und gut, ich konnte nicht umhin, meiner Frau meine Anerkennung über die Acquisition, die sie gemacht, auszusprechen. „Und denk Dir mal", flüsterte meine Frau mir zu, „was mir am meisten an ihr gefällt — sie hat feinen Bräutigam." Ungläubig sah ich sie an! „Das kann ich mir nicht denken, so hold, so schön, so reinlich und dann keinen Bräu- tigam, das glaub ein Anderer." „Aber wahr ist e5 doch", bestätigte meine Frau, „ich habe sie gestern gleich darnach gefragt. Als Antwort rümpfte Zu ihm bewegt sich ein Leichenzug. Wohl spielt die Musik die alte christliche Weise, die noch immer mit ihren Klängen am trostreichsten ist: JesuS meine Zuversicht, aber in dem Herzen ist keine Zuversicht und kein Trost. Wohl steht auf den Kränzen: Dem Kämpfer für Freiheit und Licht. Aber die Freiheit ist der Knechtschaft des Todes gewichen, das Licht dem Dunkel deS Grades. „Lebewohl!" ruft man dem Todlen nach — in schneidender Ironie- — es gibt kein Jenseits, kein Leben, kein Wiedersehn. Halbtodt zieht man die Wlttwe vom Grabe, die sich von der Hülle deS (Satten nicht trennen will. Haltlos, trostlos, hoffnungslos geht die Schaar dahin, nach Hause, selbst in den Tod. — Und nun ein ander Bild! Dort leuchten vom Kirchhofs- thor die goldnen Worte: Saat, von Gott gesät, Am Tage der Garben zu reisen." Und droben auf der Höhe steht ein Kreuz, wie es über dem Leben der Entschlafenen stand, so über den Gräbern, aber über dem Kreuz strahlt die Krone und die Inschrift deß Wortes, das der sterbende Apostel PauluS gesprochen: Ich habe den guten Kampf gefämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben gehalten- hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit. Da geht auch ein Leichenzug hinauf. Aber über ihm leuchtet die Sonne und steht der Himmel offen. Jesus lebt, nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben! Aus die Nacht des TodeS folgt der Morgenglanz der Ewigkeit. — Nach dem Tvdtenfest feiert die Kirche den Advent des Herrn. Die untergehende Sonne des KirchenjahrS weist auf den Aufgang aus der Höhe, und die Todtenfeststimmuug weicht dem Adventsruf: „Siehe, dein König kommt zu dir, Hosianna dem Sohne Davids, Hosianna in der Höh!" Stehen wir in dieser Zuversicht, dann überwinden wir Todesangst und Todesgedanken. Der Dickter der Befreiungskriege, der echte deutsche Mann, der fromme Christenmensch Ernst Moritz Arndt fragt einmal: Wer ist ein Mann? und gibt die Antwort! Wer beten kann und Gott dem Herrn vertrauen. Und derselbe Dichter ruft siegesgewiß auf der Höhe feine- Lebens auö: „Geht nun hin und grabt mein Grab, Denn ich bin deS Wandern« müde. — Wein nicht, mein Erlöser lebt, Hoch vorn finstern Erdenstaube sie die Nase und sagte schnippisch: „Mit so etwas hielte sie sich nicht auf." „Nun, uns kann es nur recht fein", bemerkte ich, „nun wollen wir uns aber Alle an die Arbeit begeben und die Perle mag ihre glänzenden Eigenschaften beweisen." Die nächsten Tage gingen dahin wie im Traum. Meta war wirklich vorzüglich, man hörte, sah und merkte überhaupt nichts von ihr, stets war alles fix und fertig und doch sahen wir nie, daß sie irgend etwas that. Als meine Frau eines Morgens zu ihr sagte: „Heute müffen wir wohl das Tischzeug waschen", bemerkte sie gekränkt: „Aber, gnädige Frau, das ist schon alles besorgt, ich bin um zwei Uhr aufgestanden, die Wäsche trocknet schon im Garten." Sprachlos stürzte meine Frau zu mir in das Zimmer: „Denk' Dir nur — sie hat schon gewaschen — was meinst Du — sollen wir ihr nicht ihren Lohn erhöhen?" Aber ich lehnte diesen Vorschlag ab, obgleich auch ich mit Meta sehr zufrieden war, denn sie kochte meisterhaft. Noch nie hatte ich so gute Saucen, so gute Braten gegessen und stets stand die Suppe mit dem Glockenschlag auf dem Tisch. Sie war wirklich eine Perle, von allen Seiten wurden wir um den Schatz beneidet und ein mit der Feder bewanderter Freund, der eines Mittags von Metas Rehdraten nicht genug hatte bekommen können, feierte mich in eine« längeren EpoS als „Perlenbesitzer". So waren mehrere Wochen vergangen, ohne daß mir auch nur den geringsten Fehler an ihr bemerkt hätten. Da rief ich sie eines Abends zu mir in das Zimmer: „Höreu Sie mal. Meta, es ist ja beinahe unheimlich, daß Sie nie auSgehen. Haden Sie denn nicht irgend Jemanden, den Sie hier besuchen können? Ewig arbeiten muß der Mensch auch nicht, eine Zerstreuung und ein kleines Vergnügen ist zum Leben unbedingt nothwendig." Sie hone mir aufmerksam zu: „Ja, ja, der Herr haben wohl Recht, ich habe nur nicht darum bitten mögen, da ich erst so kurze Zelt hier bin. Allerdings, was mein Verlobter ist, der schrieb mir schon manchmal, ob ich mich nicht einmal freimachen könnte." „Was!" rief ich, innerlich erfreut, daß meine Menfcheu- sie genoß, wie es von Herzen gönnten schmachvolles Verhalten, aber diese Entrüstung allein genügt noch nicht, die That der Angeklagten fordert auch ihre Sühnet Nach Zusammenfassung der Schuldmomente schloß der Staats- T 18951V Betheilig D. Mu Bade-W. structior Ian, Was CloS anacblüäs' Zu eind vir „sie könnte mir so Cocales und provinzielles» A Aus dem Kreise Alsfeld, 23. November. Im Felde ist eS nun endlich mit den landwtrthschaftlichen Arbeiten Feierabend geworden, ein zwar mühesamer und später Feierabend, aber doch ein besserer, als man nach Lage der Dinge befürchten mußte. Der überaus milde Spälherbst hat es ermöglicht, daß noch das meiste Stoppelfeld umgeftürzt werden konnte. Diese Umpflügung war in diesem Herbste um so mehr geboten, als der Ackerboden durch die massenhaften Niederschläge tennenartig zusammengestampft erschien, so daß ihm der Zutritt von Luft und Licht mehr abgeschlossen wurde als sonst. Auch mancher Weizenacker konnte noch aus- gesäet werden. Für die Entwickelung der verspäteten Wintersaat war das milde Wetter geradezu unentbehrlich. Wäre ein früher Winter, wie so ost in anderen Jahrgängen, eingetreten, dann hätte dieser Saat der größte Schaden, wenn. nicht Vernichtung gedroht. So aber vermochte fie sich noch soweit zu entwickeln, daß sie überwinterungsfähig erscheint. Die verflossene Nacht hat den ersten starken Frost gebracht, da- Thermometer zeigte 2 Grad unter 0 nach R. Für Rindvieh ist es darum nicht mehr angebracht, dasselbe zur Feldarbeit zu verwenden, um so weniger, als auch die neu Bedeckten Straßen und Wege das Fahren für Zweihufer ersichtlich erschweren. nn. Darmstadt, 23. November. Heute Nachmittag gegen 3 Uhr brach in den unteren Laden- und Verkaufsräumlichkeiten der in der Elisabethenstraße belegenen, in großartigstem Stile eingerichteten Möbelfabrik und Möbellager von Ludwig Alter ein verheerender Brand aus, welcher in kurzer Zeit sich dem ganzen Bau, in welchem sich die auf das Prächtigste ausgestatteten ca. 30 Musterzimmer befanden, ausdehnte und das ganze Gebäude in kurzer Zeit in Flammen hüllte. Die in den Lagerräumen befindlichen Möbel, wie Betten, Sophas, Teppiche, Schränke und sonstige Gegenstände boten dem verheerenden Element reiche Nahrung, sodaß an Hell empor die Hoffnung schwebt Und das Himmelskind, der Glaube, Und die ewige Liebe spricht: Kind des VaterS, ztttre nicht!" Wenn dieser Glaube in uns lebt, wächst, bleibt, dann stauen wir getrost Todtenfest feiern. — Gott gebe es! schön bet dem Auskleiden helfen." Aber die Perle war noch nicht da, schien, die Freiheit in vollen Zügen und wir ihr die Erholung. Aber auch am nächsten Morgen und Unsere künstlichen Lichtquellen. Kiehnspahn, Oel, Kerze, Petroleum, Gas, electrisches Licht unB endlich Auer'sches Gasglühlicht: das ist die Stufenleiter unserer Erleuchtungsmittel! Das Bessere war bekanntlich schon immer der" Feind des Guten, und so ist aus dem trübe flackernden, qualmenden und übelriechenden Ltchtspender unserer Vorfahren das taghelle, ruhige, ruß- und hitzefreie Gasglühlicht geworden. Für die ganz Alten, die auf die primitive Kiehn- und Fackelbeleuchtung angewiesen waren, war schon das ungleich bessere Licht des Oels und der Kerze entschieden eine freudebrtngende Verbesserung. Aber auch diese Errungenschaft mußte verblassen, als durch menschliche Intelligenz das flüssige Petroleum, sowie das aus den schwarzen Kohlen gewonnene flüchtige Gas zu Brennzwecken verwerthbar gemacht wurde. Das Gas und später die Electricttät brachten gewissermaßen erst Leben in die Beleuchtungstechnik. Das Gas hatte immer noch unter dem Nachthetl zu leiden, daß es trübe (gelb) brannte, oder bei stärkerer Leuchtkraft zu viel Hitze entwickelte und bet diesem starken Verbrauch auch zu theuer wurde. Diesen Uebelständen half endlich das electrische Glühltcht insofern ab, als es mit ruhiger Flamme brannte, gelbliches Licht und wenig Wärme gab. Wie aber selten alle Vorzüge Zusammentreffen, so auch hier: die Unkosten waren und bleiben zu hoch! Wo keine Dampfmaschine oder eine andere Kraft zum Treiben des Electromotors und zur Speisung der Accumula- toren vorhanden war, konnte die Electricttät überhaupt nicht in Frage kommen. Nimmt man aber Rücksicht auf die Anschaffungskosten der electrischen Maschinen, auf die Unkosten für den Dampfverbrauch, oder auf die kostspielige Füllung der Accumulatorew, owte schließlich auf die örtlichen Schwierigkeiten, die der Anlage einer electrischen Kraftquelle entgegenstehen, so kommt man zu benv Schluffe, daß das Gute wohl wünschenöwerth, aber nicht immer erreichbar ist. Indessen waren die Vorzüge des electrischen Lichtes an sich doch o groß, daß es nicht Wunder nehmen kann, wenn Intelligente Köpfe sich immer und immer wieder mit der Frage beschäftigten: läßt sich das auch nicht mit Gas^erztelen?? Es war mehr als eine Preisfrage! ES würde auch zu wett führen, wollten wir hier all die verschiedenen Versuche, die kostspieligen und unbelohnt gebliebenen Experimente des Näheren erörtern. Genug, das Ziel wurde erreicht: wir haben als Letztes und wohl Vollkommenstes heut in dem Auer'schen Gasglühlicht in der That ein Licht, welches genau wie das electrische Licht mit vollkommener ruhiger, weißer Flamme ohne Hiheentwtckelung brennt. Dazu kommt aber noch, daß bet Benutzung des Gasglühltchtbrenners durchschnittlich die Hälfte an Gaskosten gespart werden! Selbst wo electrische Maschinen vorhanden sind, geht man infolge der hohen Betriebskosten vom electrischen Licht häufig auf Gasglühlicht über. Wo aber Gaseinrichtung vorhanden ist, kann man sich die Vorzüge des electrischen Lichts leicht verschaffen, wenn man die alten Gasbrenner umwandeln läßt in „Gasglühlicht"! Und das läßt sich — auch ein Vorzug des neuen Lichts — mit ganz geringfügigen Unkosten an jedem vorhandenen Kronleuchter oder Gasarm leicht bewerkstelligen. Man hüte sich jedoch vor minderwerthigen Nachahmungen, da diese sich bald als untauglich erwiesen haben. 9463: De Atzt 00M w ßiufr r Go . Ai bescher, Mi und den $ Um Wohlwollen! bitten, uns eber auch < Meuitn en Nue AMehr s uachbeuau, CRotbanh (Heuen B Irl. Emil (Südanlac Echwau" N die § W nehmen. Sie anwalt mit dem Anträge auf volle Bejahung der Schuldfragen. — Zu einem Antrag auf Revision des UrtheilS haben sich die Gerlach'schen Eheleute bis jetzt noch nicht entschlossen. Ihre Vertheidiger haben ihnen als aussichtslos davon abgerathen. Das Vermögen, das einige Hunderttausend Mark betragen soll, ist vorläufig behördlich beschlagnahmt worden. Der ganze Prozeß hat an 10 000 Mark gekostet, an 2000 Mark erhielten allein die Vertheidiger. Die Verpflegung während der Strafzeit der Verurtheilten wird sich auf 5000 Maik belaufen. Am Samstag wurden fia von ihrer Tochter im Gefängniß besucht, die erste Frage der Frau G. ging nach dem neuen Blatt an der Palme zu Hause. (!) Frau Oberförster Gerlach, so wird der „Thür. Ztg." aus Ilmenau geschrieben, ist aus Zella St. Blasii gebürtigt und in Langewiesen erzogen worden- sie steht bei den älteren Einwohnern des letzteren Ortes wegen ihrer ^Herrschsucht und Härte noch in „gutem" Andenken. Wie stark der Mann unter der Fuchtel der Frau stand, mögen folgende Geschichtchen beweisen, deren Wahrheit verbürgt ist: Als einst das Forstpersonal von Gehren und Umgegend ein Festessen' hatte, brachte man, das Verhältniß wohl kennend, folgenden Toast aus: „Es lebe die Frau Forstsekretär und, wenn fie's gnädig gestattet, auch er!" Beim Umzug nach Sonders- Hausen fand die nachrevidirende Frau Gerlach das Gerippe einer alten Stalllaterne vergessen an einem Nagel hängend vor. Keifend warf sie ihrem Manne seinen Leichtsinn vor und zwang ihn, da alles schon verpackt war, diese alte Laterne mit im Coupe bis nach Sondershausen zu tragen. Der elegant gekleidete Förster soll mit seinem Laternenüber- reste auf den Umfteigestationen eine eigenartige Figur ge* bildet haben. — Unter den geschilderten Umständen wird ihm nun das Gefängniß als eine wahre Feriencolonte erscheinen. * Niederlaasphe, 21. November. Ein kürzlich den Ehe-- leuten Schlosser Herrn. Schäfer Hierselbst geborener ßnabr hat das Glück, außer seinen vier Großeltern noch einen Urgroßvater und vier Urgroßmütter zu besitzen. Gewiß ein selten vorkommender Fall! * München, 21. November. Das Oberlandesgericht har in einem Spectalfall entschieden, daß die Beifügung von Kohlensäure zum Bier zur Herstellung von „Champagnerbier" dem bayerischen Malzaufschlagsgesetz zuwiderlaufe. Es darf nur Malz, Hopfen und Wasser zum Bier verwendet werden. D< liegt -ow nf beit 6t nach einer Lösung dieses Räthsels, sollte die Perle derartig ihre Fassung verloren haben, daß sie darüber ihre Pflicht vergaß? Kreidebleich stürzte da plötzlich meine Frau zn mir in das Zimmer: „Denk Dir — meine Perlen sind verschwunden — sie sind nirgends zu finden — ich wage den Verdacht nicht auszusprechen, denn sie ist doch selbst eine Perle." „Gleich und gleich gesellt sich gern", entgegnete ich, nachdem ich mich von dem ersten Schrecken erholt, „nun will ich aber gleich zur Polizei gehen." Meine Bemühungen waren erfolglos und ich erfuhr nur, daß das Zeugniß, das meiner Frau Vorgelegen hatte, gefälscht war. Die Perle und mit ihr die Perlenkette waren und blieben verschwunden, letztere habe ich mit schwerem Gelde am letzten Weihnachten erneuert — aber eine Perle wieder in das Haus zu nehmen, bewegt mich keine Macht auf Erden! Deutsches Reich. Darmstadt, 23. November. Wie wir aus Peters- Burg hören, beabsichtigen Seine Königliche Hoheit der Großherzog nächsten Dienstag von dort abzureisen, so daß der Ankunft Allerhöchstdesselben in Darmstadt am Donnerstag Abend entgegenzusehen sein dürfte. Darmst. Ztg. Berlin, 23. November. Herr v. HammerIein- Loxten, der neue preußische LandwirlhschastSminister, hat in Hannover auf einem Abschiedsbanket, das ihm der Canalverein für Niedersachsen und der Ausschuß zur Förderung des Rhein-Weser-Elbe-Canals gab, eine Art Programmrede gehalten. In derselben wies der Minister auf die wachsende Bedeutung der Wasserstraßen in verkehrspolitischer Hinsicht hin und knüpfte er hieran die Versicherung, daß er warm für den „Mittelland Canal" eintreten werde. Dann betonte er die Nothwendigkeit eines Zusammengehens von Industrie und Landwirthschaft und erinnerte an die unternommenen verfehlten Versuche vom vorigen Jahre, eine Scheidewand zwischen beiden zu errichten. Herr v. Hammerstein-Loxten scheint also, nach diesen seinen Erklärungen zu urtheilen, keineswegs gesonnen zu sein, sich als Minister lediglich zum Geschäftsführer einer einseitigen Geschäftspolitik zu machen. schaftskaffe vorfinden sollte, zusammenzukratzen. „Ob Meta schon zu Hause ist?" fragte meine Frau, als wir in später Stunde heimkehrten, । Adolf Verein zuwendet, die allsonntäglich in die Kirche geht, aber diese Herrschaft bringt es dabei über baß Herz, ihre armen Dienstboten auf das Grausamste zu quälen, selbst a.S dieselbe schon auf dem Sterbebette lag, und das Mädchen elend verkommen zu laffen in einer Weise, daß selbst der Armenarzt, der doch an die Bilder des Elends gewöhnt ist, sich kaum fassen kann vor Entsetzen. Wir sehen hier ferner einen schroffen Gegensatz: auf der einen Seite die Heuchelei und das Pdarisäerthum, auf der andern Hartherzigkeit, Lieb- losigkeit und Rohheit. Diese Umstände waren es auch, welche die Bewohnerschaft von Sondershausen dermaßen empörten, daß die Gensdarmen gelegentlich der Verhaftung des Gerlach- schen Ehepaares große Mühe hatten, die Angeklagten de» Händen der erzürnten Menge zu entreißen. Meine Herren Geschworenen! Auch Sie sind empört über ein so elendes, Kette — einfach und geschmackvoll, die müssen die gnädige Frau umlegen." Als wir bald darauf im Wagen saßen und dem Hause unseres Gastgebers zufuhren, schmiegte sich meine kleine Frau an mich. „Weißt Du — worum ich Dich schon immer bitten wollte — kannst Du nicht Meta'S Lohn erhöhen — morgen ist ihr Geburtstag — thue es morgen, sie unterstützt ihre armen Eltern — sie h-at es wirklich um uns verdient." Ich versprach, mein Möglichstes zu thun, wenn ich morgen gebackene Seezunge und Trüffeln zu Tisch bekäme und meine Frau wiederum versprach, auch ihr Möglichstes zu thun und alles Geld, das sich etwa noch in ihrer Wirth- kermtniß mich nicht getäuscht hatte. „Sie haben einen Bräutigam? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt, sondern meine Frau zuerst belogen?" Mit Verachtung und Stolz blickte sie mich an. „Ich lüge nie, und wenn ich sage, daß ich keinen Bräutigam habe, dann habe ich auch keinen. Wo werde ich so dumm sein und mich mit so was abgeben. Aber mit einem Verlobten ist das ganz etwas Anderes, so Einer hat wirklich reelle Absichten, das ist nicht so'n unsicherer Kram als mit 'nem Bräutigam." Dieser Unterschied zwischen einem Verlobten und einem Bräutigam war mir bis zur Stunde neu, aber ich hütete mich, dies offen zuzugeben, denn ich bin der Ansicht, daß man nie und nimmer eingestehen darf, daß man den Dienstboten an Können und Wissen nicht ebenbürtig ist. So beeilte ich mich denn nur, die Wolken von Metas Stirn zu verscheuchen: „Wenn Sie heute Abend ausgehen wollen, um Ihren Verlobten zu treffen, so habe ich nicht das Geringste dagegen einzuwenden. Wir sind doch auf einem Ball und werden schwerlich vor zwei oder drei Uhr heimkehren. So lange können auch Sie meinetwegen fort- bletben, es ist Ihnen doch lange genug?" Sie machte mir einen» zierlichen Knix, sagte „Danke schön" und verschwand. Eine Stunde später machte meine Frau Toilette für die Gesellschaft und auch bei dieser Gelegenheit bewies Meta, daß sie wirklich eine Perle war. Sie konnte frifiren, bet dem Anziehen Helsen, wußte von selbst, wo noch eine Nadel ubthig war, bewies vielen Geschmack bei dem Feststecken der Blumen und unterstützte meine Frau bei der Auswahl des Schmuckes. „Nein, gnädige Frau, diese Perlenschnur dürfen Sie nicht anlegen, sie ist für den Ball viel zu Schade, denken gnädige Frau nur mal, wenn die Kette sich bet dem Tanzen löst, auf den Boden fällt und zertreten wird?" „Entsetzlich," stöhnte meine Frau, „ich würde sofort sterben." „Nun, nun," tröstete Meta wohlmeinend, „so schlimm würde es wohl nicht gleich werden. Aber hier, diese goldene am nächsten Mittag war Meta immer noch nicht zurück. Vergebens suchten wir eine Bergung dieser Gegenstände nicht gedacht werden konnte. Ungeheure Wassermassen wurden von der mit großer Bravour arbeitenden Feuerwehr in das brennende Gebäude geworfen, trotzdem konnte sie nicht verhindern, daß das ganze Haus bis auf den Grund niederbrannte. Wegen der Enge der Straßen waren die anstoßenden Gebäude auf das Höchste gefährdet und nur mit Übermenschlicher Anstrengung gelang es unserer Feuerwehr nach dreistündiger schwerer Arbeit, den ungeheuren Brand auf feinen Heerd zu beschränken. Der entstandene Brandschaden soll ein ganz enormer sein. Tausende von Menschen umstehen die Brandstätte, wo noch vor wenigen Stunden die schönsten Möbel zur Schau gestanden hatten. Vermischtes * Ms. Kassel. 23. November. Na chspiel zum Liebesdrama. Die Liebestragödie, welche sich am 3. October d. I. auf der sog. Lusthütte bei Kirchditmold im Walde zutrug, gelangte heute in der Sitzung der Strafkammer zur gerichtlichen Sühne. Der Mechanikus Louis Boos erschoß damals mittelst Pistole seine Geliebte, die ledige Emilie H., die bildhübsche, 18 Jahre alte Tochter eines hiesigen Kaufmanns, mit welcher er ein intimes Liebes- verhältniß unterhalten hatte, was nicht ohne Folgen geblieben war. Die Getödtete war nach dem Schüsse, der den Herzbeutel, die rechte und dann die linke Herzkammer durchbohrt und darauf auch noch die ganze linke Lunge durchlöchert hatte, alsbald gestorben. Sie halte ihm nur noch die Worte „Louis eil Dich" zugerufcn und bann war sie mit einem Seufzer verschieden. Boos hatte bann sofort, wie er angiebt, sich selbst die Waffe auf die Brust gesetzt, die Kugel war auch in die Lunge gedrungen, war aber vor einer Rippe hinten im Rücken sitzen geblieben. Er sank bewußlos nieder, wurde aufgefunden, ins „Rothe Kreuz" gebracht und dort gelang es der Kunst der Aerzte, die Kugel durch operativen Eingriff herauszuholen und den Mann wieder völlig herzu- stellen. Gegen seine eigene und Anderer Erwartung wurde B. bereits am 10. November gesund entlassen, jedoch nur um ins Gefängniß zu wandern, denn da er, nach seinem Geftändniß die Geliebte auf ihr ausdrückliches Verlangen erschossen hatte, wurde ihm der Proceß aus § 216 des RStr. - G. gemacht, welcher Gefängnißstrafe nicht unter 3 Jahren androht, wenn Jemand auf ernsthaftes, ausdrück' liches Verlangen einen Menschen tödtet. Boos, ein kleines, blasses, leidend aussehendes Bürschchen von 18 Jahren ist wie geknickt, er hat viel geweint und seine Augen sind stark geröthet, er spricht leise, kaum verständlich. Er sagt, daß die Geliebte sich selbst die Pistole auf die entblößte Brust gesetzt und er nur, „weil sie furchtbar gekittet und gefleht", abgedrückt habe. Dte Emilie habe absolut sterben wollen, da sie wegen ihres Fehltrittes so schlecht von den Eltern behandelt worden sei und aus dem Hause gejagt werden sollte. Da sei ihm auch nichts anderes übrig geblieben. Die bet den Acten befindlichen Briefe der Geliebten bestätigten den geplanten gemeinsamen Selbstmord. Der Angeklagte wurde zu vier Jahren Gefängniß verurtheilt. * Erfurt, 20. November. Zum Prozeß Gerlach, über den wir berichteten, möge hier noch die Rede des Staatsanwalts folgen. Derselbe äußerte sich folgendermaßen: „Meine Herren Geschworenen! Die Strasthat hat weit über die Grenzen Thüringens hinaus Aufsehen erregt, und mit Recht. Ein junges Mädchen sucht einen Dienst und findet ihn auch, aber binnen wenigen Monaten quält diese Herrschaft den Dienstboten erbarmungslos zu Tode. Der Proceß hat unbedingt einen moralischen Hintergrund, denn jede Herrschaft ist verpflichtet, ihre Dienstboten menschlich zu behandeln. Wir sehen eine Herrschaft, welche große Summen dem Gustav- Dar -»-der Unl Wern u: L'w-n S weift y-'k-K !eHe einer ‘««ten ju s's •sjj Weiner j cbm D beladen. § Gail'sc “ T -leinkiilchtt Zabreslohn «itbenstal Wfit sei »s »efl. Ü Bekanutmachrmg. Der Voranschlag der Gemeinde Steiuheim für 1895/96 liegt vorn 26. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten * 's dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen. Steiuheim, am 24. November 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Steinhei». _______Nicklas.______________________9594 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Garbenteich ffirl895/96 Äegt vom 26. d. Mts. an auf dem Bürgermeifterei-Büreau acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten offen. Garbenteich, den 23. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. Schwarz. _______________9592 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Daubringen sür 1895/96 liegt vom 27. d. Mts. ab acht Tage lang zur Einsicht der Betheiligten auf dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen. Daubringen, den 24. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Daubringen. _______Walter.__9607 --«Verputz- Mauersand L cbm Mk. 1.— Jeder Wagen durch neueste Vorrichtung in 2 Minuten beladen. 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Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u. dgl., besonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen. Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben I Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der «achbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Frl. Amalie B a n s a (Nordanlage 41), Frl. Sophie Bramm (Ostanlage 31), Frauvr. Brüel (Neuen Bäue 41), Frau Amtsgerichtsrath Gebhardt (Gartenstraße 15), Irl. Emilie Langermann (Südanlage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Frau Louise Ottens (Bismarckstraße 11), Frau Auguste Schwan (Seltersweg 64), Frl. Louise Wortmann (Asterweg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen. Gießen, den 12. November 1894. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranftalt. Dr. Na um ann, Pfarrer. Bi t teil! Das schönste Fest der Kinder, das liebe WeihnachtSfest, nähert sich wieder und mit demselben tritt wiederum die Aufgabe an uns heran, von freiwilligen Beiträgen und dem Ertrag gesammelter Cigarrenabfälle armen Kindern unserer Stadt durch Bekleidung eine Weihnachtsfreude zu bereiten. In Folge allseitiger Anerkennung und wirksamer Unterstützung unserer Bestrebungen von Seiten des hiesigen Publikums ist es uns möglich, für die armen Kinder etwas zu thun. Die uns in diesem Jahre vorgelegte Liste weist wiederum eine große Anzahl armer Kinder auf. Wir richten deßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießens (Raucher und Nichtraucher) die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Sigarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fonds erhöhen zu helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Weihnachts- fefte einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete WeihnachtSbescheerung bereiten zu können. l . Cigarrenabsälle und Geldbeiträge werden bei unseren eammelfteHen, Herrn Buchbinder Adolf Bourgeois, Friseur G.Gerhardt, Bibliotheks« custos Emil Heuser, Emil Kalbfleisch und H. Schnell gern entgegengenommen. Der Verein Jugendfreund. Alleinverkauf der prima ächt englifchen Gummischuhe billigst bei 9341 Ph. Schlatter. Beste und billigste Bezugsquelle für garantirt neue, doppelt gereinigt u. gewaschene, echt nordische Bettfedern. Wir versenden zollfrei, gegen Nachn. (>edeS beliebige Quantum) Gute neue Bettfedern per Psd. für 60 Pfg., 80 Pfg., 1 M. und 1 M. 25 Pfg.; Feine prima Halb- daunen 1 M. 60 Pfa.u. 1M. 80 Pfg.; Weiße Polarsed. 2 M. u. 2M.50Pfg.; Silberweiße Bettfedern 3 M., 3 M. 50 Pfg. u. 4 M.; ferner Echt chinesische Ganzdaunen (sehr funträft) 2M.50Pfg. und 3 M. Verpackung zum Kostenpreise. — Bei Beträgen von mindestens 75 M. 5°/0 Rabatt. — NichtgcsallendeS bereUw zurückgenommen I Pteher I Co. in Herford t. Wests. 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December 1894, Vormittags 8‘/2 Uhr. Großherzogliches Hess. Amtsgericht Bad'Nauheim. Veröffentlicht: 9591 Weiß, Gerichtsschreiber. Freitag den 7. December, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht daSden Erben der Marie Magel in Gießen gehörige Grundstück; Flur 16 97r. 33 — 513 gm Acker auf der Hobletche freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, 23. November 1894. Großh. OrtSgericht Gießen. I. A: Bogt._______9599 Versteigerung. Montag den 26. November l. I., von Nachmittags 7S2 Uhr an, werden in dem Haufe des Herrn Dr. Fel- slng — Weidengasse 1, im 3 Stock — gegen Baarzahlung versteigert: Möbel r 1 Sopha in schwarzem Damast, 1 Sesse.l 1 nußb. pol Kleider- scbrank, 1 nußb. pol. Weißzeug- fchrank,,! nußb. Commode, 1 Consol, 1 Regulator, 2 gr. Spiegel, 1 oo- Tisch, 1 vollst. Bett mit franz. 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Hämmerest ein- Loxten, der neue preußische LandwirlhschastSminister, hat in Hannover auf einem Abschiedsbanket, das ihm der Canalverein für Niedersachsen und der Ausschuß zur Förderung des Rhein-Weser-Elbe-Canals gab, eine Art Programmrede gehalten. In derselben wies der Minister auf die wachsende Bedeutung der Wafferstraßen in verkehrspolitischer Hinsicht hin und knüpfte er hieran die Versicherung, daß er warm für den „Mittelland Canal" eintreten werde. Dann betonte er die Nothwendigkeit eines Zusammengehens von Industrie und Landwirthschaft und erinnerte an die unternommenen verfehlten Versuche vom vorigen Jahre, eine Scheidewand zwischen beiden zu errichten. Herr v. Hammer- steiu-Loxten scheint also, nach diesen seinen Erklärungen zu urtheilen, keineswegs gesonnen zu sein, sich als Minister lediglich zum Geschäftsführer einer einseitigen Geschäftspolitik zu machen. Cocales und LrovirrzLelles, A Aus dem Kreise Alsfeld, 23. November. Im Felde ist eS nun endlich mit den landwtrthschaftlichen Arbeiten Feierabend geworden, ein zwar mühesamer und später Feierabend, aber doch ein befferer, als man nach Lage der Dinge befürchten mußte. Der überaus milde Spätherbst hat eS ermöglicht, daß noch das meiste Stoppelfeld umgestürzt werden konnte. Diese Umpflügung war in diesem Herbste um so mehr geboten, als der Ackerboden durch die massen- haften Niederschläge tennenartig zusammengestampft erschien, so daß ihm der Zutritt von Luft und Licht mehr abgeschlossen wurde als sonst. Auch mancher Weizenacker konnte noch aus- gesäet werden. Für die Entwickelung der verspäteten Wintersaat war das milde Wetter geradezu unentbehrlich. Wäre ein früher Winter, wie so oft in anderen Jahrgängen, eingetreten, dann hätte dieser Saat der größte Schaden, wenn uicht Vernichtung gedroht. So aber vermochte sie sich noch svwett zu entwickeln, daß sie überwinterungsfähig erscheint. Die verfloffene Nacht hat den ersten starken Frost gebracht, da» Thermometer zeigte 2 Grad unter 0 nach R. Für Rindvieh ist es darum nicht mehr angebracht, dasselbe zur Feldarbeit zu verwenden, um so weniger, als ackch die neu Bedeckten Straßen und Wege das Fahren für Zweihufer er- stchtlich erschweren. im. Darmstadt, 23. November. Heute Nachmittag gegen 3 Uhr brach in den unteren Laden- und Derkaufsräumlich- keiten der in der Elisabethenstraße belegenen, in großartigstem Stile eingerichteten Möbelfabrik und Möbellager von Ludwig Alter ein verheerender Brand aus, welcher in kurzer Zeit sich dem ganzen Bau, in welchem sich die auf das Prächtigste ausgestatteten ca. 30 Musterzimmer befanden, ausdehnte und das ganze Gebäude in kurzer Zett in Flammen hüllte. Die in den Lagerräumen befindlichen Möbel, wie Betten, Sophas, Teppiche, Schränke und sonstige Gegenstände boten dem verheerenden Element reiche Nahrung, sodaß an kenotniß mich nicht getäuscht hatte. „Sie haben einen Bräutigam? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt, sondern «eine Frau zuerst belogen?" Mit Verachtung und Stolz blickte sie mich an. „Ich lüge nie, und wenn ich sage, daß ich keinen Bräutigam habe, dann habe ich auch keinen. Wo werde ich so dumm sein und mich mit so was abgeben. Aber mit einem Verlobten ist das ganz etwas Anderes, so Einer hat wirklich reelle Absichten, das ist nicht so'n unsicherer Kram als mit 'nem Bräutigam." Dieser Unterschied zwischen einem Verlobten und einem Bräutigam war mir bis zur Stunde neu, aber ich hütete »ich, dies offen zuzugeben, denn ich bin der Ansicht, daß man nie und nimmer eingestehen darf, daß man den Dienstboten an Können und Wissen nicht ebenbürtig ist. So beeilte ich mich denn nur, die Wolken von Metas Stirn zu verscheuchen: „Wenn Sie heute Abend ausgehen wollen, um Ihren Verlobten zu treffen, so habe ich nicht das Geringste dagegen einzuwenden. Wir sind doch auf einem Ball und werden schwerlich vor zwei oder drei Uhr heimkehren. So lange können auch Sie meinetwegen fort- bletben, es ist Ihnen doch lange genug?" Sie machte mir einen--zierlichen Knix, sagte „Danke schön" und verschwand. Eine Stunde später machte meine Frau Toilette für die Gesellschaft und auch bet dieser Gelegenheit bewies Meta, daß sie wirklich eine Perle war. Sie konnte frifiren, bet dem Anziehen helfen, wußte von selbst, wo noch eine Nadel nölhig war, bewies vielen Geschmack bei dem Feststecken der Blumen und unterstützte meine Frau bei der Auswahl des Schmuckes. „Nein, gnädige Frau, diese Perlenschnur dürfen Sie nicht aulegen, sie ist für den Ball viel zu Schade, denken gnädige Frau nur mal, wenn die Kette sich bei dem Tanzen löst, auf den Boden fällt und zertreten wird?" „Entsetzlich," stöhnte meine Frau, „ich würde sofort sterben." „Nun, nun," tröstete Meta wohlmeinend, „so schlimm würde es wohl nicht gleich werden. Aber hier, diese goldene eine Bergung dieser Gegenstände nicht gedacht werden konnte. Ungeheure Wassermaffen wurden von der mit großer Bravour arbeitenden Feuerwehr in das brennende Gebäude geworfen, trotzdem konnte sie nicht verhindern, daß das ganze Haus bis auf den Grund niederbrannte. Wegen der Enge der Straßen waren die anstoßenden Gebäude auf das Höchste gefährdet und nur mit übermenschlicher Anstrengung gelang es unserer Feuerwehr nach dreistündiger schwerer Arbeit, den ungeheuren Brand auf seinen Heerd zu beschränken. Der entstandene Brandschaden soll ein ganz enormer sein. Tausende von Menschen umstehen die Brandstätte, wo noch vor wenigen Stunden die schönsten Möbel zur Schau gestanden hatten. Vermischtes. * Ms. Kassel, 23. November. Nachspiel zum Liebesdrama. Die Liebestragödie, welche sich am 3. October d. I. auf der sog. Lusthütte bei Kirchditmold im Walde zutrug, gelangte heute in der Sitzung der Strafkammer zur gerichtlichen Sühne. Der Mechanikus Louis Boos erschoß damals mittelst Pistole seine Geliebte, die ledige Emilie H., die bildhübsche, 18 Jahre alte Tochter eines hiesigen Kaufmanns, mit welcher er ein intimes Liebes- verhältniß unterhalten hatte, was nicht ohne Folgen geblieben war. Die Gerödtete war nach dem Schüsse, der den Herzbeutel, die rechte und dann die linke Herzkammer durchbohrt und darauf auch noch die ganze linke Lunge durchlöchert hatte, alsbald gestorben. Sie halte ihm nur noch die Worte „Louis eil Dich" zugerufcn und dann war sie mit einem Seufzer verschieden. Boos hatte dann sofort, wie er angiebt, sich selbst die Waffe auf die Brust gesetzt, die Kugel war auch in die Lunge gedrungen, war aber vor einer Rippe hinten im Rücken sitzen geblieben. Er sank bewußlos nieder, wurde aufgefunden, inS „Rothe Kreuz" gebracht und dort gelang es der Kunst der Aerzte, die Kugel durch operativen Eingriff herauszuholen und den Mann wieder völlig herzustellen. Gegen seine eigene und Anderer Erwartung wurde B. bereits am 10. November gesund entlassen, jedoch nur um ins Gefängniß zu wandern, denn da er, nach seinem Geständniß die Geliebte auf ihr ausdrückliches Verlangen erschossen hatte, wurde ihm der Proceß aus § 216 des R.- Str. - G. gemacht, welcher Gefängnißstrase nicht unter 3 Jahren androht, wenn Jemand auf ernsthaftes, ausdrück^ liches Verlangen einen Menschen tödtet. Boos, ein kleines, blasses, leidend aussehendes Bürschchen von 18 Jahren ist wie geknickt, er hat viel geweint und seine Augen sind stark geröthet, er spricht leise, kaum verständlich. Er sagt, daß die Geliebte sich selbst die Pistole auf die entblößte Brust gesetzt und er nur, „weil sie furchtbar gebittet und gefleht", abgedrückt habe. Dte Emilie habe absolut sterben wollen, da sie wegen ihres Fehltrittes so schlecht von den Eltern behandelt worden sei und aus dem Hause gejagt werden sollte. Da sei ihm auch nichts anderes übrig geblieben. Die bei den Acten befindlichen Briefe der Geliebten bestätigten den geplanten gemeinsamen Selbstmord. Der Angeklagte wurde zu vier Jahren Gefängniß verurtheilt. * Erfurt, 20. November. Zum Prozeß Gerlach, über den wir berichteten, möge hier noch die Rede des Staatsanwalts folgen. Derselbe äußerte sich folgendermaßen: „Meine Herren Geschworenen! Die Strafthat hat wett über die Grenzen Thüringens hinaus Aufsehen erregt, und mit Recht. Ein junges Mädchen sucht einen Dienst und findet ihn auch, aber binnen wenigen Monaten quält diese Herrschaft den Dienstboten erbarmungslos zu Tode. Der Proceß hat unbedingt einen moralischen Hintergrund, denn jede Herrschaft ist verpflichtet, ihre Dienstboten menschlich zu behandeln. Wir sehen eine Herrschaft, welche große Summen dem Gustav- Kette — einfach und geschmackvoll, die müssen die gnädige Frau umlegen." Als wir bald darauf im Wagen saßen und dem Hause unseres Gastgebers zusuhren, schmiegte sich meine kleine Frau an mich. „Weißt Du — worum ich Dich schon immer bitten wollte — kannst Du nicht Meta'S Lohn erhöhen — morgen ist ihr Geburtstag — thue es morgen, sie unterstützt ihre armen Eltern — sie h-at es wirklich um uns verdient." Ich versprach, mein Möglichstes zu thun, wenn ich morgen gebackene Seezunge und Trüffeln zu Tisch bekäme und meine Frau wiederum versprach, auch ihr Möglichstes zu thun und alles Geld, das sich etwa noch in ihrer Wirth- schaftskasse vorfinden sollte, zusammenzukratzen. „Ob Meta schon zu Hause ist?" fragte meine Frau, als wir in später Stunde heimkehrten, „sie könnte mir so schön bet dem Auskleiden helfen." Aber die Perle war noch nicht da, fie genoß, wie es schien, die Freiheit in vollen Zügen und von Herzen gönnten wir ihr die Erholung. Aber auch am nächsten Morgen und am nächsten Mittag war Meta immer noch nicht zurück. Vergebens suchten wir nach einer Lösung dieses Räthsels, sollte die Perle derartig ihre Fassung verloren haben, daß sie darüber ihre Pflicht vergaß? Kreidebleich stürzte da plötzlich meine Frau zn mir in das Zimmer: „Denk Dir — meine Perlen sind verschwunden — sie sind nirgends zu finden — ich wage den Verdacht nicht auszusprechen, denn sie ist doch selbst eine Perle." „Gleich und gleich gesellt fich gern", entgegnete ich, nachdem ich mich von dem ersten Schrecken erholt, „nun will ich aber gleich zur Polizei gehen." Meine Bemühungen waren erfolglos und ich erfuhr nur, daß das Zeugniß, das meiner Frau vorgelegen hatte, gefälscht war. Die Perle und mit ihr die Perlenkette waren und blieben verschwunden, letztere habe ich mit schwerem Gelde am letzten Weihnachten erneuert — aber eine Perle wieder in das Haus zu nehmen, bewegt mich keine Macht auf Erden! I Adolf Verein zuwendet, die allsonntäglich in die Kirche geht, aber diese Herrschaft bringt es dabei über das Herz, ihre armen Dienstboten auf das Grausamste zu quälen, selbst a S dieselbe schon auf dem Sterbebette lag, und das Mädchen elend verkommen zu lassen in einer Weise, daß selbst der Armenarzt, der doch an die Bilder deS Elends gewöhnt ist, sich kaum fassen kann vor Entsetzen. Wir sehen hier ferner einen schroffen Gegensatz: auf der einen Seite die Heuchelet und das Pbarisäerthum, auf der andern Hartherzigkeit, Lieb- losigkeit und Rohheit. Diese Umstände waren es auch, welche die Bewohnerschaft von Sondershausen dermaßen empörten, daß die Gensdarmen gelegentlich der Verhaftung des Gerlach- fchen Ehepaares große Mühe hatten, die Angeklagten de« Händen der erzürnten Menge zu entreißen. Meine Herren Geschworenen! Auch Sie sind empört über ein so elendes, schmachvolles Verhalten, aber diese Entrüstung allein genügt noch nicht, die That der Angeklagten fordert auch ihre Sühne." Nach Zusammenfassung der Schuldmomente schloß der Staatsanwalt mit dem Anträge auf volle Bejahung der Schuldfragen. — Zu einem Antrag auf Revision des UrtheilS haben sich die Gerlach'schen Eheleute bis jetzt noch nicht entschlossen. Ihre Bertheidiger haben ihnen als aussichtslos davon abgerathen. Das Vermögen, das einige Hunderttausend Mark betragen soll, ist vorläufig behördlich beschlagnahmt worden. Der ganze Prozeß hat an 10 000 Mark gekostet, an 2000 Mark erhielten allein die Bertheidiger. Die Verpflegung wäbrend der Strafzeit der Verurtheilten wird sich auf 5000 Mark belaufen. Am Samstag wurden fie. von ihrer Tochter im Gefängniß besucht, die erste Frage der Frau G. ging nach dem neuen Blatt an der Palme zu Hause. (!) Frau Oberförster Gerlach, so wird der „Thür. Ztg." aus Ilmenau geschrieben, ist aus Zella St. Blafir gebürtigt und in Langewiesen erzogen worden- sie steht bei den älteren Einwohnern des letzteren Ortes wegen ihrer Herrschsucht und Härte noch in „gutem" Andenken. Wie stark der Mann unter der Fuchtel der Frau stand, mögen folgende Geschichtchen beweisen, deren Wahrheit verbürgt ist: Als einst das Forstpersonal von Gehren und Umgegend ein Festessen' hatte, brachte man, das Verhältniß wohl kennend, folgenden Toast aus: „Es lebe die Frau Forstsekretär und, wenn fie's gnädig gestattet, auch er!" Beim Umzug nach Sonders^ Hausen fand die nachrevidirende Frau Gerlach das Gerippe einer alten Stalllaterne vergessen an einem Nagel hängend vor. Keifend warf sie ihrem Manne seinen Leichtsinn vor und zwang ihn, da alles schon verpackt war, diese alte Laterne mit im Coupe bis nach Sondershausen zu tragen. Der elegant gekleidete Förster soll mit seinem Laternenüberreste auf den Umfteigestationen eine eigenartige Figur gebildet haben. — Unter den geschilderten Umständen wird ihm nun das Gefängniß als eine wahre Feriencolonie erscheinen. * Niederlaasphe, 21. November. Ein kürzlich den Ehe» leuten Schlosser Herm. Schäfer hierselbst geborener Knabe hat das Glück, außer seinen vier Großeltern noch einen Urgroßvater und vier Urgroßmütter zu besitzen. Gewiß ein selten vorkommender Fall! * München, 21. November. Das Oberlandesgericht hat in einem Specialfall entschieden, daß die Beifügung von Kohlensäure zum Bier zur Herstellung von „Cham- pagnerbier" dem bayerischen Malzaufschlagsgesetz zuwiderlaufe. Es darf nur Malz, Hopfen und Wasser zum Bier verwendet werden. Unsere künstlichen Lichtquellen. Kiehnspahn, Oel, Kerze, Petroleum, GaS, electrisches Licht unB endlich Auer'sches Gasglühlicht: das ist die Stufenleiter unserer Erleuchtungsmtttel! Das Bessere war bekanntlich schon immer ber Feind des Guten, und so ist aus dem trübe flackernden, qualmenden und übelliechenden Lichtspender unserer Vorfahren das taghelle, ruhige, ruß- und hitzefreie Gasglühlicht geworden. Für die ganz Alten, die auf die primitive Kiehn- und Fackelbeleuchtung angewiesen waren, war schon das ungleich bessere Licht des Oels und der Kerze entschieden eine freudebrtngende Verbesserung. Aber auch diese Errungenschaft mußte verblassen, als durch menschliche Intelligenz das flüssige Petroleum, sowie das aus den schwarzen Kohlen gewonnene flüchtige Gas zu Brennzwecken verwerthbar gemacht wurde. Das Gas und später die Electricität brachten gewissermaßen erst Leben in die Beleuchtungstechnik. Das Gas hatte immer noch unter dem Nachtheil zu leiden, daß es trübe (gelb) brannte, oder beistärkerer Leuchtkraft zu viel Hitze entwickelte und bet diesem starken Verbrauch auch zu theuer wurde. Diesen Uebelständen half endlich das electrtsche Glühlicht insofern ab, als es mit ruhiger Flamme brannte, gelbliches Licht und wenig Wärme gab. Wie aber selten alle Vorzüge zusammentreffen, so auch hier: die Unkosten waren und bleiben zu hoch! Wo keine Dampfmaschine oder eine andere Kraft zum Treiben des Electromotors und zur Speisung der Accumula- toren vorhanden war, konnte die Electricität überhaupt nicht in Frage kommen. Nimmt man aber Rücksicht auf die Anschaffungskosten der electrischen Maschinen, auf die Unkosten für den Dampfverbrauch, oder auf die kostspielige Füllung der Accumulatorem, sowie schließlich auf die örtlichen Schwierigkeiten, die der Anlage einer electrischen Kraftquelle entgegenstehen, so kommt man zu dem Schluffe, daß das Gute wohl wünschenswerth, aber nicht immer erreichbar ist. Indessen waren die Vorzüge des electrischen Lichtes an sich doch so groß, daß es nicht Wunder nehmen kann, wenn intelligente Köpfe sich immer und immer wieder mit der Frage beschäftigten: läßt sich das auch nicht mit Gas.erzielen?? Es war mehr als eine Preisfrage! Es würde auch zu wett führen, wollten wir hier all die verschiedenen Versuche, die kostspieligen und unbelohnt gebliebenen Experimente des Näheren erörtern. Genug, das Ziel wurde erreicht: wir haben als Letztes und wohl Vollkommenstes heut in dem Auer'schen Gasglühlicht in der That ein Licht, welches genau wie das electrtsche Licht mit vollkommener ruhiger, weißer Flamme ohne Hitzeentwickelung brennt. Dazu kommt aber noch, daß bet Benutzung des Gasglühltchtbrenners durchschnittlich die Hälfte an Gaskosten gespart werden! Selbst wo electrische Maschinen vorhanden sind, geht man infolge der hohen Betriebskosten vom electrischen Licht häufig auf Gasglühlicht über. Wo aber Gaseinrichtung vorhanden ist, kann man sich die Vorzüge des electrischen Lichts leicht verschaffen, wenn, man die alten Gasbrenner umwandeln läßt in „Gasglühlicht"! Und das läßt sich — auch ein Vorzug des neuen Lichts — mit ganz geringfügigen Unkosten an jedem vorhandenen Kronleuchter oder Gasarm leicht bewerkstelligen. Man hüte sich jedoch vor minderwerthtgen Nachahmungen, da diese sich bald als untauglich erwiesen haben. 946L Bekarmtma-rmg. Der Voranschlag der Gemeinde Steiuheim für 1895/96 ließt vom 26. d. MtS. an acht Tage lang zur Einsicht der Jntereflenten a if dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen. Steiuheim, am 24. November 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Steinhei». ___Nicklas.______________________9594 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Garbenteich fflr1895/96 vom 26. d. MtS. an auf dem Bürgermeisterei-Büreau acht Tage lang -«r Einsicht der Jntereffenten offen. Garbenteich, den 23. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. Schwarz. 9592 Concursverfahren. Ueber das Vermögen des Buchbinders und Kaufmanns Hermann Wendel zu Bad-Nauheim ist am 22. November l. I., Nachmittags 4 Uhr, Concurs eröffnet worden. Verwalter Kaufmann Philipp Müller in Bad-Nauheim; offener Arrest mit Anzeigefrist und Anmeldefrist bis zum 14. December 1894. Erste Gläubigeroersammlung und allgemeiner Prüsungstcrmin: Freitag, LI. December 1894, Vormittags 8*/2 Uhr. Großherzogliches Hess. Amtsgericht BadNauheim. 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Meinen Mitmenschen, welche an Magenbeschwerden, Verdauungs, schwäche, Appetitmangel rc. leiden, thetle ich herzlich gern und unentgeltlich mit, wie sehr ich selbst daran gelitten und wie ich hiervon befreit wurde. Pastor a. D Kypke in Schreiberhru, (Rtesengeblrge). [1832 Lohnender Nebenverdienst Herren, solide, in der Stadt und auf dem Lande, mit ausgedehntem Bekannienkreis können sich durch Vertretung einer großen, angesehenen Verlagsbuchhandlung leicht dauernden, bedeutenden Nebenverdienst — erfahrungsgemäß bis JL 300 monatlich — verschaffen- Besonders Lehrern und Beamten sei dieseGelegenhett empfohlen. Man wende sich an die Verlagsbuchhandlung von Schall & Grund, GeschäftSleitungdesVereinsderBücher, freunde,Btrlin^b2,Kurfücstenstr.l28. (Gebnrts-, Verlobung«-, 7erznählungB-Anzeigen, Tranerbriafen etc.) empfiehlt sich die k BrühPsche Druckerei Z Schiristrasse 7. ein, indem ich bei billigen Preisen beste aufmerksame Bedienung zusichere. Hochachtungsvoll Jul. Bach. 9260 2ü5e)icniaqe n. I Happel. entgegengenommen. Der Verein Jugendfreund. empsiehlt 2607 Brilhl'sche Druckerei (Fr. Ohr. Pietsch). Giessen $n Folge aUieittger zineiiennuny Utt" wn.*.|«uic,. wuu.|tugt>i>y Bestrebungen von Seiten des hiesigen Publikums ist es uns möglich, für die armen Kinder etwas zu thun. Die uns in diesem Jahre vorgelegte Liste weist wiederum eine große Anzahl armer Kinder auf. Wir richten deßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießens (Raucher und Nichtraucher) die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Dgarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fonds erhöhen zu helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Weihnachts- fefte einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete Weihnachtsbescheerung bereiten zu können. L , . _ „ Cigarrenabfälle und Geldbeiträge werden bet unseren ^ammelstellen, Herrn Buchbinder Adolf Bourgeois, Friseur G.Gerhardt, Bibliotheks» custos Emil Heuser, Emil Kalbfleisch und H. 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Ungeheure Wassermaffen wurden von der mit großer Bravour arbeitenden Feuerwehr in das brennende Gebäude geworfen, trotzdem konnte sie nicht verhindern, daß das ganze Haus bis auf den Grund niederbrannte. Wegen der Enge der Straßen waren die anstoßenden Gebäude auf das Höchste gefährdet und nur mit übermenschlicher Anstrengung gelang es unserer Feuerwehr nach dreistündiger schwerer Arbeit, den ungeheuren Brand auf seinen Heerd zu beschränken. Der entstandene Brandschaden soll ein ganz enormer sein. Tausende von Menschen umstehen die Brandstätte, wo noch vor wenigen Stunden die schönsten Möbel zur Schau gestanden hatten. ♦* -.....TP XAa, Adolf Verein zuwendet, die allsonntäglich in die Kirche geht, aber diese Herrschaft bringt es dabei über das Herz, ihre armen Dienstboten auf das Grausamste zu quälen, selbst a S dieselbe schon auf dem Sterbebette lag, und das Mädchen elend verkommen zu lasten in einer Weise, daß selbst der Armenarzt, der doch an die Bilder des Elends gewöhnt ist, sich kaum fasten kann vor Entsetzen. Wir sehen hier ferner einen schroffen Gegensatz: auf der einen Seite die Heuchelei und das Pdarisäerthum, auf der andern Hartherzigkeit, Lieblosigkeit und Rohheit. Diese Umstände waren es auch, welche die Bewohnerschaft von Sondershausen dermaßen empörten, daß die Gensdarmen gelegentlich der Verhaftung des Verlach- scheu Ehepaares große Mühe hatten, die Angeklagten den .'nfitlhptl her priiirntpn STT?pnno nt - e—....... Loxten, der neue preußische Landwirlhschaftsi in Hannover auf einem Abschiedsbanket, das ihn verein für Niedersachsen und der Ausschuß zu des Rhein-Weser-Elbe-Canals gab, eine Art P rede gehalten. In derselben wies der Mini wachsende Bedeutung der Wasterstraßen in verke Hinsicht hin und knüpfte er hieran die Versicher warm für den „Mittelland Canal" eintreten w betonte er die Nothwendigkeit eines Zusammei Industrie und Landwirthschaft und erinnerte an Äommenen verfehlten Versuche vom vorigen Scheidewand zwischen beiden zu errichten. Herr stein-Loxten scheint also, nach diesen seinen Er urtheilen, keineswegs gesonnen zu sein, sich c lediglich zum Geschäftsführer einer einseitigen Gi zu machen. Cocoles und prot>htjiclle< A Aus dem Kreise Alsfeld, 23. November, ist es nun endlich mit den landwirthschaft beiten Feierabend geworden, ein zwar mühesam Feierabend, aber doch ein besterer, als man m Dinge befürchten mußte. Der überaus milde S eö ermöglicht, daß noch das meiste Stoppelfel werden konnte. Diese Umpflügung war in di um so mehr geboten, als der Ackerboden durch haften Niederschläge tennenartig zusammengestav so daß ihm der Zutritt von Lust und Licht mehr wurde als sonst. Auch mancher Weizenacker konu gesäet werden. Für die Entwickelung der verspäi saat war das milde Wetter geradezu unentbeh ein früher Winter, wie so ost in anderen Jahr getreten, dann hätte dieser Saat der größte Sc nicht Vernichtung gedroht. So aber vermochte soweit zu entwickeln, daß sie überwinterungSfä Die verflostene Nacht hat den ersten starken Fr da» Thermometer zeigte 2 Grad unter 0 ni Mndvieh ist es darum nicht mehr angebracht, Feldarbeit zu verwenden, um so weniger, als Bedeckten Straßen und Wege das Fahren für Z sichtlich erschweren. nn. Darmstadt, 23. November. Heute Nack 3 Uhr brach in den unteren Laden- und Verkc keiten der in der Elisabethenstraße belegenen, in x Stile eingerichteten Möbelfabrik und Möbellager Alter ein verheerender Brand aus, welch Zeit sich dem ganzen Bau, in welchem sich Prächtigste ausgestatteten ca. 30 Musterzimm« ausdehnte und das ganze Gebäude in kurzer Zeil hüllte. Die in den Lagerräumen befindlichen * Betten, SophaS, Teppiche, Schränke und sonstige boten dem verheerenden Element reiche Nahrung \\ « flSKH' kenntniß mich nicht getäuscht hatte. „Sie haben tigam? Warum haben Sie das nicht gleich ges meine Frau zuerst belogen?" Mit Verachtung und Stolz blickte sie mid lüge nie, und wenn ich sage, daß ich keinen Brä dann habe ich auch keinen. Wo werde ich s und mich mit so was abgeben. Aber mit eine ist das ganz etwas Anderes, so Einer hat w Absichten, das ist nicht so'n unsicherer Kram al Bräutigam." Dieser Unterschied zwischen einem Verlobte Bräutigam war mir bis zur Stunde neu, abe mich, dies offen zuzugeben, denn ich bin der man nie und nimmer eingestehen darf, daß man boten an Können und Wiffen nicht ebenbürtig is So beeilte ich mich denn nur, die Wolken Stirn zu verscheuchen: „Wenn Sie heute Abei wollen, um Ihren Verlobten zu treffen, so ha das Geringste dagegen einzuwenden. Wir fit einem Ball und werden schwerlich vor zwei odc heimkehren. So lange können auch Sie meinei n bleiben, es ist Ihnen doch lange genug?" Sie machte mir einen* zierlichen Knix, sagte „Danke schön" und verschwand. Eine Stunde später machte meine Frau Toilette für die Gesellschaft und auch bei dieser Gelegenheit bewies Meta, daß sie wirklich eine Perle war. Sie konnte frifiren, bei dem Anziehen helfen, wußte von selbst, wo noch eine Nadel nöthig war, bewies vielen Geschmack bei dem Feststecken der Blumen und unterstützte meine Frau bei der Auswahl des Schmuckes. „Nein, gnädige Frau, diese Perlenschnur dürfen Sie nicht anlegen, sie ist für den Ball viel zu Schade, denken gnädige Frau nur mal, wenn die Kette sich bei dem Tanzen löst, auf den Boden fällt und zertreten wird?" „Entsetzlich," stöhnte meine Frau, „ich würde sofort sterben." „Nun, nun," tröstete Meta wohlmeinend, „so schlimm würde es wohl nicht gleich werden. Aber hier, diese goldene UIUI 1VICLU IUIUICL HUiy UlUJL ljUlUU. ociycvtliv fUUjici! UM 4. nach einer Lösung dieses Räthsels, sollte die Perle derartig ihre Foffung verloren haben, daß sie darüber ihre Pflicht vergaß? Kreidebleich stürzte da plötzlich meine Frau zn mir in das Zimmer: „Denk Dir — meine Perlen sind verschwunden — sie sind nirgends zu finden — ich wage den Verdacht nicht auszusprechen, denn sie ist doch selbst eine Perle." //Gleich und gleich gesellt sich gern", entgegnete ich, nachdem ich mich von dem ersten Schrecken erholt, „nun will ich aber gleich zur Polizei gehen." Meine Bemühungen waren erfolglos und ich erfuhr nur, daß das Zeugniß, das meiner Frau Vorgelegen hatte, gefälscht war. Die Perle und mit ihr die Perlenkette waren und blieben verschwunden, letztere habe ich mit schwerem Gelbe am letzten Weihnachten erneuert — aber eine Perle wieder in das Haus zu nehmen, bewegt mich keine Macht auf Erden! so groß, daß es nicht Wunder nehmen kann, wenn intelligente Köpfe sich immer und immer wieder mit der Frage beschäftigten: läßt sich das auch nicht mit Gas,erzielen?? Es war mehr als eine Preisfrage! ES würde auch zu weit führen, wollten wir hier all die verschiedenen Versuche, die kostspieligen und unbelohnt gebliebenen Experimente des Näheren erörtern. Genug, das Ziel wurde erreicht: wir haben als Letztes und wohl Vollkommenstes beut in dem Auer'schen Gasglühlicht in der That ein Licht, welches genau wie das electrische Licht mit vollkommener ruhiger, weißer Flamme ohne Hiheentwickelung brennt. Dazu kommt aber noch, daß bei Benutzung des Gasglühlichtbrenners durchschnittlich die Hälfte an Gaskosten gespart werden! Selbst wo electrische Maschinen vorhanden sind, geht man infolge der hohen Betriebskosten vom electrischen Licht häufig auf Gasglühlicht über. Wo aber Gaseinrichtung vorhanden ist, kann man sich die Vorzüge des electrischen Lichts leicht verschaffen, roemt man die alten Gasbrenner umwandeln läßt in „Gasglühlicht"! Und das läßt sich — auch ein Vorzug des neuen Lichts — mit ganz geringfügigen Unkosten an jedem vorhandenen Kronleuchter oder Gasarm leicht bewerkstelligen. Man hüte sich jedoch vor minderwerthigen Nachahmungen, da diese sich bald als untauglich erwiesen haben. 9463:- Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Steinheim für 1895/96 liegt vom 26. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten * if dem Bürqermeisterei-Büreau dahier offen. Steiuheim, am 24. November 1894. Grobherzogliche Bürgermeisterei Steinhei». ___Nicklas.______________________9594 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Garbenteich fflrl895/96 Äegl vom 26. d. Mts. an auf dem Bürgermeisterei-Büreau acht Tage lang -nr Einsicht der Interessenten offen. Garbenteich, den 23. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. Schwarz. _______________9592 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Daubringen für 1895/96 liegt vom 27. d. Mts. ab acht Tage lang zur Einsicht der Betheiligten auf dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen. Daubringen, den 24. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Daubringen. _______Walter. ___________________9607 »"'»Verputz- Mauersand Concursverfahren. Ueber das Vermögen des Buchbinders und Kaufmanns Hermann Wendel zu Bad-Nauheim ist am 22. November l. I., Nachmittags 4 Uhr, Concurs eröffnet worden. Verwalter Kaufmann Philipp Müller in Bad-Nauheim; offener Arrest mit Anzeigefrist und Anmeldefrist bis zum 14. December 1894. Erste Gläubigeroersammlung und allgemeiner Prüfungstermin: Freitag, 21. December 1894, Vormittags 8’/2 Uhr. Grobherzogliches Hess. Amtsgericht Bad Nauheim. Veröffentlicht: 9591 Weitz. Gerichtsschreiber. Freitag den 7. December, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen OrtSgericht daS den Erben der Marie Magel in Bietzen gehörige Grundstück; Flur 16 N^ 33 — 513 xicht Vernichtung gedroht. So aber vermochte soweit zu entwickeln, daß sie überwinterungSfä Die verfloffene Nacht hat den ersten starken Fi daS Thermometer zeigte 2 Grad unter 0 m Mndvteh ist es darum nicht mehr angebracht, Feldarbeit zu verwenden, um so weniger, als Bedeckten Straßen und Wege das Fahren für V sichtlich erschweren. nn. Darmstadt, 23. November. Heute Naci 3 Uhr brach in den unteren Laden- und Verkc keiten der in der Elisabethenstraße belegenen, in ; Stile eingerichteten Möbelfabrik und Möbellager Alter ein verheerender Brand aus, welä Zeit sich dem ganzen Bau, in welchem sich Prächtigste ausgestatteten ca. 30 Musterzimm, ausdehnte und das ganze Gebäude in kurzer Zeit hüllte. Die in den Lagerräumen befindlichen Betten, Sophas, Teppiche, Schränke und sonstige boten dem verheerenden Element reiche Nahrum .ivnu/iWrßtfhn . V .a ,t> ff*)-.',« -: Adolf Verein zuwendet, die allsonntäglich in die Kirche geht, aber diese Herrschaft bringt es dabei über das Herz, ihre armen Dienstboten auf das Grausamste zu quälen, selbst aiS dieselbe schon auf dem Sterbebette lag, und das Mädchen elend verkommen zu lasten in einer Weise, daß selbst der Armenarzt, der doch an die Bilder des Elends gewöhnt ist, sich kaum fasten kann vor Entsetzen. Wir sehen hier ferner einen schroffen Gegensatz: auf der einen Seite die Heuchelei und das Pbarisäerthum, auf der andern Hartherzigkeit, Lieblosigkeit und Rohheit. Diese Umstände waren eS auch, welche die Bewohnerschaft von Sondershausen dermaßen empörten, daß die Gensdarmen gelegentlich der Verhaftung des Gerlach- schen Ehepaares große Mühe hatten, die Angeklagten den Händen der erzürnten Menge zu entreißen. Meine Herren Geschworenen! Auch Sie sind empört Über ein so elendes, schmachvolles Verhalten, aber diese Entrüstung allein genügt noch nicht, die That der Anaeklaaten fordert auck ibre Sübne." kenntniß mich nicht getäuscht hatte. „Sie haben tigam? Warum haben Sie das nicht gleich ge| meine Frau zuerst belogen?" Mit Verachtung und Stolz blickte sie mtd lüge nie, und wenn ich sage, daß ich keinen Brä dann habe ich auch keinen. Wo werde ich s und mich mit so was abgeben. Aber mit eine ist das ganz etwas Anderes, so Einer hat w Absichten, das ist nicht so'n unsicherer Kram al Bräutigam." Dieser Unterschied zwischen einem Verlobte Bräutigam war mir bis zur Stunde neu, abe mich, dies offen zuzugeben, denn ich bin der man nie und nimmer eingestehen darf, daß man boten an Können und Wissen nicht ebenbürtig is So beeilte ich mich denn nur, die Wolken Stirn zu verscheuchen: „Wenn Sie heute Abei wollen, um Ihren Verlobten zu treffen, so ha das Geringste dagegen einzuwenden. Wir fit einem Ball und werden schwerlich vor zwei obt heimkehren. So lange können auch Sie meine« bleiben, es ist Ihnen doch lange genug?" Sie machte mir einen» zierlichen Knix, s schön" und verschwand. Eine Stunde später machte meine Frau !____.... die Gesellschaft und auch bei dieser Gelegenheit bewies Meta, daß sie wirklich eine Perle war. Sie konnte frifiren, bei dem Anziehen helfen, wußte von selbst, wo noch eine Nadel vöthig war, bewies vielen Geschmack bei dem Feststecken der Blumen und unterstützte meine Frau bei der Auswahl des Schmuckes. „Nein, gnädige Frau, diese Perlenschnur dürfen Sie nicht anlegen, sie ist für den Ball viel zu Schade, denken gnädige Frau nur mal, wenn die Kette sich bei dem Tanzen löst, auf den Boden fällt und zertreten wird?" „Entsetzlich," stöhnte meine Frau, „ich würde sofort sterben." „Nun, nun," tröstete Meta wohlmeinend, „so schlimm würde es wohl nicht gleich werden. Aber hier, diese goldene all die verschiedenen Versuche, die kostspieligen und unbelohnt gebliebenen Experimente des Näheren erörtern. Genug, das Ziel wurde erreicht: wir haben als Letztes und wohl Vollkommenstes heut in dem Auer'schen Gasglühlicht in der That ein Licht, welches genau wie das electrtsche Licht mit vollkommener ruhiger, weißer Flamme ohne Hiheentwickelung brennt. Dazu kommt aber noch, daß bei Benutzung des Gasglühlichtbrenners durchschnittlich die Hälfte an Gaskosten gespart werden! Selbst wo electrtsche Maschinen vorhanden sind, geht man infolge der hohen Betriebskosten vom electrischen Licht häufig auf Gasglühlicht über. Wo aber Gaseinrichtung vorhanden ist, kann man sich die Vorzüge des electrifchen Lichts leicht verschaffen, wenn man die alten Gasbrenner umwandeln läßt in „Gasglühlicht"! Und das läßt sich — auch ein Vorzug des neuen Lichts — mit ganz geringfügigen Unkosten an jedem vorhandenen Kronleuchter ober Gasarm leicht bewerkstelligen. Man hüte sich jedoch vor minderwerthigen Nachahmungen, da 1 diese sich bald als untauglich erwiesen haben. 9463. M. ।—-O-- r — —-----u---o- — in bas Zimmer: „Denk Dir — meine Perlen sinb ver- schwnnben — sie sinb nirgends zu finden — ich wage den Verdacht nicht auszusprechen, denn sie ist doch selbst eine Perle." „Gleich und gleich gesellt sich gern", entgegnete ich, nachdem ich mich von dem ersten Schrecken erholt, „nun will ich aber gleich zur Polizei gehen." Meine Bemühungen waren erfolglos und ich erfuhr nur, daß das Zeugniß, das meiner Frau Vorgelegen hatte, gefälscht war. Die Perle und mit ihr die Perlenkette waren und blieben verschwunden, letztere habe ich mit schwerem Gelbe am letzten Weihnachten erneuert — aber eine Perle wieder in das Haus zu nehmen, bewegt mich keine Macht auf Erben! liegt »om tif de« El De gy/ V0M ar killst' Ga D 1895/1 Dc i cbm V Maten. A Gaii’sc Lleivknechte, Zabreslohn Stttbenstal (Wt fei' tehty Mu Bade-W, structior Ian, Was Clos M8ChlÜ8Sl Zu «iad wir D Ar bescheer Wir lind den 5 Um Wohlwollen! bitten, uns «brr auch c Wtintn riu Eine MlWhr t llachbeuaur (HotbanU, $euen B, Irl. Emili (Sudanlaq N die § I“ nehmen. ®ie| »Wer unt u, ttrednnax Sys, KZ Bekarmtmachrmg. Der Voranschlag der Gemeinde Steiuheim für 1895/96 liegt vom 26. d. MS. an acht Tage lang zur Einsicht der Jnteresienten * if dem Bürqermeisterei-Büreau dahier offen. Steiuheim, am 24. November 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Steinhei». ___Nicklas.______________________9594 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Garbenteich für!895/96 uegt vom 26. d. MlS. an auf dem Bürgermeisterei-Büreau acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten offen. Garbenteich, den 23. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. Schwarz. 9592 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Daubringen sür 1895/96 liegt vom 27. d. 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Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u. dgl., besonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen. Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Frl. Amalie Bansa (Nordanlage 41), Frl. Sophie Bramm (Ostanlage 31), Frauvr. Brüel (Neuen Bäue 41), Frau Amtsgerichtsrath Gebhardt (Gartenstraße 15), Irl. Emilie Langermann (Südanlage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Frau Louise Ottens (Bismarckstraße 11), Frau Auguste Schwan (Seltersweg 64), Frl. Louise Wort mann (Asterweg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen. Gießen, den 12. November 1894. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann, Pfarrer. Das schönste Fest der Kinder, das liebe WeihnachtSfest, nähert sich wieder und mit demselben tritt wiederum die Aufgabe an uns heran, von freiwilligen Beiträgen und dem Ertrag gesammelter Cigarrenabfälle armen Kindern unserer Stadt durch Bekleidung eine Weihnachtsfreude zu bereiten. In Folge allseitiger Anerkennung und wirksamer Unterstützung unserer Bestrebungen von Seiten des hiesigen Publikums ist es uns möglich, für die armen Kinder etwas zu thun. Die uns in diesem Jahre vorgelegte Liste weist wiederum eine große Anzahl armer Kinder auf. Wir richten beßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießens (Raucher und Nichtraucher) die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Sigarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fonds erhöhen iU helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Weihnachts- seste einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete WeihnachtSbescheerung bereiten zu können. t „ Cigarrenabfälle und Geldbeiträge werden bei unseren ^ammelftellen. Herrn Buchbinder Adolf Bourgeois, Friseur GGerhardt, Bibliotheks- custos Emil Heuser, Emil Kalbfleisch und H. Schnell gern entgegengenommen. Der Verein Jugendfreund. Concursverfahren. lieber dar Vermögen des Buchbinders und Kaufmanns Hermann Wendel zu Bad • Nauheim ist am 22. November l. I., Nachmittags 4 Uhr, Concurs eröffnet worden. Verwalter Kaufmann Philipp Müller in Bad'Nauheim; offener Arrest mit Anzeigefrist und Anmeldefrist bis zum 14. December 1894. Erste Gläubigeroersammlung und allgemeiner Prüsungstermin: Freitag, 21. December 1894, Vormittags 8'/? Uhr. Großherzogliches Hess. Amtsgericht Bad'Nauheim. Veröffentlicht: 9591 Weiß, Gerichtsschreiber. Freitag den 7. December, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht daS den Erben der Marie Magel in «testen gehörige Grundstück; Flur 16 N^ 33 — 513 gm Acker auf der Hobletche freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, 23. November 1894. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A: Bogt._______9599 Versteigerung. Montag den 26. November l. I., von Nachmittags '/r2 Uhr an, werden in dem Hause deS Herrn Dr. Fel- slng — Weidengasse 1, im 3 Stock — gegen Baarzahlung versteigert: Möbel r 1 Sopha in schwarzem Damast, 1 Sesse,l 1 nußb. pol Kleider- särrank, 1 nußb. pol. Weißzeugschrank, > 1 nußb. Commode, 1 Consol, 1 Regulator, 2 gr. Spiegel, 1 oo Tisch, 1 vollst. Bett mit franz. 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