Nr. 250 Erstes Blatt. Donnerstag den 25 October 1894 Der Lietzener -njtiger erscheint täglich, nut Ausnahme deS Montags. Die Gießener It-mitienStälter werden dem Anzeiger Lvöchentlich dreimal beigelegt. Siebener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Vierteljähriger Atonntmnitsyrds r 2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Rrdaction, Expedition, und Druckerei: Kchutstrahe Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphische» Correfvondenz-Bureau Berlin, 23. October. v. Hobe, der bisher in türkischen Diensten stand, ist mittelst Allerhöchster Ordre, unter Versetzung zu den Offizieren von der Armee, mit dem Rang eines Brigadecommandeurs zu dem 5. Armeecorps in Posen rommandirl worden. Berlin, 23. October. Der „Reichsanzeiger" theilt eine Verordnung der niederländischen Regierung mit, wodurch die Einfuhr und Ausfuhr auf der Nordküste und Westküste der Insel Lomboek bei 1000 bis 5000 Gulden Strafe und Beschlagnahme der Waaren verboten wird. Budapest. 23. October. Bei dem Grubenunglück in Anina wurden 61 Arbeiter getödtel. 14 Leichen sind nicht aufzufinden. Triest, 23. October. Die Yacht „Sphakteria" mit dem König von Griechenland an Bord, ist in Fiume ausgelaufen. Rom, 23 October. Morgen findet unter dem Vorsitz der Papstes die erste Conferenz wegen Wiedervereinigung der dessidirenden orientalischen mit der römisch-katholischen Kirche statt. Rom, 23. October. Ein heute vertheiltes Grünbuch betrifft die Einwanderung der Italiener in die Union- floaten; es stellt daS Einverständniß des italienischen Botschafters in Washington mit der amerikanischen Regterung über bie zu treffenden Mahnahmen fest. Petersburg, 23. October, Vormittags 10 Uhr. Der Kaiser hat besser geschlafen. Der Appetit ist schwach, die Kräfte und die Herzthätigkeit sind nicht bester, das Oedem (Anschwellung) hat zugenommen. Petersburg, 23. October. Dem Vernehmen nach ist die Vermählung des Thronfolgers auf morgen festgesetzt, jedoch sind anderweitige Dispositionen nicht auS- geschlossen. Petersburg, 23. October. Die „Nowoje Wremja" meldet über die Ankunft der Prinzessin Alix von Hessen in Rußland: Auf der Grenzstation Alexandrowa wurde die Prinzessin von der Schwester der Großfürstin Jelistaweta Feodorowna empfangen und bis Livadia begleitet. Die Fahrt von Simferopol nach Jalta legten die Prinzessinnen bei prachtvollem Wetter in einem offenen Wagen znrück. Der Weg war mi: Triumphpforten geschmückt. In Aluschta wurde die Prinzessin Alix von dem Großfürsten-Thronfolger und dem Großfürsten Sergei Alexandrow'.tsch begrüßt. Hier war ein Frühstück servirt. , Nach 5 Uhr Nachmittags erreichten die Herrschaften Jalta. Der Thronfolger saß neben der Braut. In Jalta begrüßte eine dichtgedrängte Volksmenge das Brautpaar -aufs Herzlichste. — Das Großfürstenpaar Wladimir ist gestern in Livadia eingetroffen. — Der Psychiater Merschejewski ist aus Petersburg eingetroffen. Moskau, 23. October. Die Zeitungen veröffentlichen die AntwortSdepesche der Prinzessin Alix auf ein Begrüßungstelegramm der Stadt Moskau anläßlich der Ankunft der Prinzessin in Rußland. Die Depesche lautet: „Tief gerührt, daß Moskau meiner in dem Augenblicke gedacht hat, wo ich den Boden der neuen, mir schon lange theuren Heimath betrete, danken wir, meine Schwester und ich, herzlich der alten und ersten Residenzstadt. Wir zweifeln nicht an der Innigkeit Ihrer Gebete um die Gesundheit für den geliebten Kaiser. Gott helfe unS! Alix." Shaughai, 2s. October. Reuter Meldung. Der Com- mandant des Dampfers „Chungking" berichtet, die Japaner hätten einen norwegischen Dampfer, vermutlich „Nor- denSkjoeld", beim Vorgebirg Schautung beschlagnahmt und nach Japan gebracht, da er Kriegscontrebande geführt habe. Einem Gerücht zufolge sei dem ConsularcorpS anempfohlen worden, die Ausländer vorsichtshalber zu warnen, zu geschäftlichen oder Bergnügungszwecken in das Innere zu reisen, da dies für die Soldaten der Provinz Kiangsu vielleicht Beran- laffung wäre, die Reisenden zu mißdeuten. Depeschen bei Bureau »Herold". Darmstadt, 23. October. Die Prinzessin Victoria von Battenberg ist von Warschau nach hier zurückgekehrt. Der Prinz und die Prinzessin Heinrich von Preußen treffen morgen Vormittag wieder zum Besuch des Großherzogs von Heffen ein. Der Groß Herzog erhielt Nachrichten von der Befferung in dem Befinden des Czaren. Berlin, 23. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt : >Die von der Kieler „Nordostsee-Zeitung" gebrachte Nachricht, daß der Kaiser die Bereitstellung der Yacht „Hohenzollern" ratisbeikage: Hießener Iamitienßkütte befohlen habe, entbehrt nach eingezogenen Erkundigungen jeder I Begründung. Daffelbe gilt von der Nachricht, daß S. M. S. „Wörth" zur Begleitung der „Hohenzollern" vorbereitet werde." I Berlin, 23. October. Die Blättermeldung, daß Profeffor Leyden in der nächsten Woche zurückkehre, wird von unterrichteter Seite als völlig unbegründet bezeichnet, liebet die I Rückreise ist noch nichts entschieden. Berlin, 23. October. Die „Kreuzzeitung" weiß zu den StaatSminist erium ss itzungen zu melden, daß in Sachen der Vorlage gegen die Umsturzbestrebungen Caprivi gelungen ist, für eine auf seine Veranlaffung ausgearbeitete Vorlage sowohl die Zustimmung des Staatsministeriums wie die allerhöchste Bewilligung zu erlangen. Berlin, 23. October. Die „Post" bestätigt die Meldung, wonach das auswärtige Amt gegen daS Unheil im Processe des Kanzlers Leist Berufung einzulegen beschloffen hat, sobald das Erkenntniß ausgefertigt ist. Berlin, 23. October. Wie die „Nationalzeitung" erfährt, läßt das Befinden der Fürstin Bismarck viel zu wünschen übrig. Hamburg, 23. October. Der Dampfer „Jakob | Christensen" auS Bergen wurde im englischen Canal von einer englischen Fischerbarke in Grund gebohrt. Die Besatzung — acht Personen — ist ertrunken. Köln, 23. October. Die „Köln. Ztg." theilt mit, daß aus Anregung des Reichskanzlers voraussichtlich schon morgen die stimmführenden Minister der verbündeten Regierungen in Berlin eintreffen, um gemelnsamc- Besprechungen über die Maßregeln zu halten, die zur stärkeren Bekämpfung der Umsturzbestrebungen zu treffen sind. Karlsruhe, 23. October. Der Großherzog von Baden verlieh dem König von Serbien das Großkreuz vom Orden der Treue. Mannheim, 23. October. Die Errichtung eines großen Bismarckdenkmals wurde durch das hiesige Comiiö beschloffen. . Speyer, 23. October. Die Genickstarre tritt hier mehrfach auf; ein zehnjähriges Mädchen ist bereits daran gestorben. Wien, 23. October. Das „Deutsche Volksblatt" bezeichnet das Gerücht, wonach der Ministerpräsident Fürst Windischgrätz zurückzutreten beabsichtige, als verfrüht. Wien, 23. October. Mch den letzten hier eingetroffenen Nachrichten aus Petersburg soll der Zustand des Czaren gestern weniger günstig gewesen sein. Angeblich soll der russische Botschafter vertrauliche Depeschen erhalten haben, in welchen gesagt wird, daß die Katastrophe innerhalb der nächsten neun Tage zu befürchten sei. Budapest, 23. October. DaS Grubenunglück in der Anina wurde durch Sprengung von taubem Gestein mit Dynamit verursacht. 25 Personen wurden zu Tage gefördert, 13 Personen sind noch im brennenden Schacht. Zweifellos sind diese sämmtlich tobt. Rom, 23. October. Durch den bekannten Erlaß der Präfectur wurden 55 socialistische Gesellschaften Mailands aufgelöst. Bei dieser Gelegenheit wurden viele Haussuchungen vorgenommen, wobei Schriftstücke, Register und Abzeichen beschlagnahmt wurden. Es ist Alles ohne Zwischenfall abgelaufen. Kopenhagen, 23. October. Der hiesigen russischen Botschaft gingen günstigere Nachrichten über daS Be- finden des Czaren zu; dagegen soll die Czarin sehr leidend sein. Sie hatte schon vor ihrer Abreise nach Livadia mehrere gefährliche Nervenschläge. Es verlautet, ihr hiesiger Arzt, der sie schon als Kind behandelte, werde nach Livadia reisen. Charleroi, 23. October. In voriger Nacht ist der Samdre-Fluß derart gestiegen, daß an sieben Schiffen die Ankertaue geriffen sind und die Schiffe in der Nähe von Charleroi untergingen. Der Materialschaden ist sehr groß. Paris, 23. October. Präsident Perier besuchte heute das Institut Pasteur und besprach in längerer Zeit mit Dr. Roux und Pasteur das Heilserum. Paris, 23. October. Bei dem in Amiens veranstalteten Wettrudern schlug eine Segelbarke um. Särnrntliche Insassen derselben stürzten inß Wasser, zwei ertranken. Die Wettfahrten wurden sofort eingestellt. London, 23. October. AuS authentischer Quelle wird berichtet, daß die Besserung im Gesundheitszustand des Czaren sich erhält. Petersburg,23.October. DieTaufe der Prinzessin Alix von Hessen wird morgen in der Hauscapelle zu Livadia erfolgen. Der Großfürst Sergius fungirt als Tauf- Alle «nnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen l« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. pathe. Den Taufact vollzieht der russische Religionslehrer der Prinzessin. — Das Befinden des Czaren wird alS wenig befriedigend bezeichnet. Die Schwäche ist wieder im Zunehmen. Zur Pflege der Czarin wurden zwei Kranken- Wärterinnen aus dem Moskauer Spital nach Livadia berufen. Nach hier eingegangenen Mittheilungen ist daS Befinden der Czarin besorgnißerregend. H. Petersburg, 24. October. Das Befinden des Czaren ist nunmehr derart ungünstig, daß die heute stattfinden sollende Trauung des Thronfolgers fraglich geworden. Heute erschien eine Proklamation, worin der tritt Sohn des Czaren zum Thronfolger ernannt wird, falls de: Großfürst Nicolaus den Thron besteigt.___________ Sozialdemokratischer Parteitag. Frankfurt a. M., 23. October. Die heutigen Verhandlungen deS socialdemokratischen Parteitages leitet der zweite Vorsitzende Dr. Schwarze - Lübeck. Nach Eröffnung der Sitzung übermittelt Dr. Adler- Wien die Grüße der österreichischen Genoffen, die eben daran seien, sich die Waffe, die den deutschen Socialdemokraten zur Verfügung stehen, zu erkämpfen, daS allgemeine Wahlrecht. Auf der Tagesordnung steht der Bericht über die | parlamentarische Thätigkeit. Zunächst werden die dazu unter der Ruprik Parlamentarisches eingebrachten Anträge, nachdem diejenigen, die die Agrarfrage berühren, ausgeschieden und andere, die unter das Capitel „Tactik" rubrizirt waren, einbezogen sind, begründet. Die Anträge, sowohl die im gedruckten Bericht vorliegenden als auch die eingestellten, verlangen größtentheils von der ReichStagsfraction die Einbringung von Interpellationen und Anträgen im Reichstage I über Veranstaltung von Statistiken über Arbeitslosigkeit, über Verbesserung des Alters- und Jnvaliditätsversichernngs- gesetzes, Erweiterung des Fabrikeninspectorats und Anstellung weiblicher Fabrikinspectoren, ferner, daß die Unterstützung I aus öffentlichen Mitteln nicht mehr den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folge haben soll, daß der Impfzwang I zu beseitigen sei, über die Handhabung der Vereinsgesetze u. s. w. Die Discussion wird von dem Referenten über die parlamentarische Thätigkeit des Genossen Fischer, der seinen eigentlichen Bericht zurückstellt, eröffnet, der die große Mehrzahl der Anträge abgelehnt wissen will, da sie weiter nichts bezweckten, als die Fraclion zu gänzlich auSsichts- und ergebniß- losen Antragstellungen im Reichstage zu drängen. Die sich zu Wort Meldenden lesen sämmtlich Fischer und mit ihm der ReichStagsfraction den Text. Es sei ungehörig, die von den Genossen im Lande eingebrachten Anträge so ewsach in den Papierkorb fallen zu lasten. Werde auch wirklich von der Fraction verlangt, im Reichstag Anträge einzubringen, die ohne jedes practische Ziel seien, so würden die dadurck hervorgerufenen Debatten doch keineswegs nutzlos feilt, ihrel agitatorischen Characters wegen. Vielfach wird der Fractior zum Vorwurf gemacht, daß sie auf den bei früheren Parteitager gefaßten Beschlüssen in Bezug auf die Einbringung von Anträgen im Reichstag nicht nachgekommen sei, angeblich, weil sie vor den vielen Anträgen der anderen Parteien nicht habe dazu kommen können. Vor Eintritt in di: DiScussion hatte sich Vollmar, Namens der Bayern, damit einverstanden erklärt, daß im Anschluß an die DiScussion über die erwähnten Anträge diejenigen betreffend die Tactik der socialistischen bayerischen Abgeordneten zur Sprache gebracht werden sollten, da Grillenberger, einer der Hauptopferstiere, am Donnerstag in Nürnberg sein müsse und doch gerne dabei sein wollte. Gegen die badischen Genossen Rüdt und Geck wurde während der Sitzung ein „Pamphlet", wie Geck sagte, vertheilt, auch die, diese Angelegenheit betreffenden Anträge der badischen Genossen werden heute zur DiScussion gestellt, nachdem Rüdt verlangt hat, daß er sich vor dem Plenum vertheioigen dürfe, und dagegen protestirt hatte, daß die Sache einer noch heute zu ernennenden neungtiebrigen Beschwerdecommission überwiesen werde. Ebenso verwahrte sich Bock, der in einer zur Verlesung gebrachten Resolution Magdeburger Genosten wegen seiner Haltung im Schuhmacher- strike angegriffen wird, gegen die Verweisung dieser Angelegenheit in dte Commission. Nachdem die um 3 Uhr wieder eröffnete DiScussion, in der es sich herausstellte, daß doch nicht die ganze Reichstags- fraction dem Referenten Fischer in Bezug auf die Behandlung der Anträge aus Parteikreisen Übereinftimmt, gegen 6 Uhr geschlossen war, kam es zur Abstimmung. Angenommen wurden die Anträge, welche die Reichstagssraction beauftragen, im Reichstage Anträge zu stellen, auf reichsgesetzliche Regelung und Erweiterung des Fakkikinspectorates und Anstellung weiblicher Fabrikinspectoren, auf Ausdehnung derGerichtsbarkeil der Gewerbegerichte auf die Handlungögehülfen und HandlungS» gehülfinnen, ferner auf Wtedereinbringung des früheren social- demokratischen Arbeiterschutzgesetzentwurfs. Weiter soll die Fraction tnterpelliren über die Absichten der Regierung gegenüber der Arbeitslosigkeit und soll beantragen, daß die Unterstützung aus öffentlichen Mitteln nicht mehr den Verlust der staatsbürgerlichen Ehrenrechte zur Folge haben soll. Abgelehnt werden die Anträge, welche eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit bezwecken, der Antrag auf Beseitigung des Impfzwangs und andere Anträge. Angenommen wird noch der Antrag, im Reichstag die Sicherstellung des Arbeitslohnes zu fordern, abgelehut jedoch der Antrag, welcher die Sicherstellung des Arbeitslohnes am Arbeitsproduct verlangte. Zu der badischen Angelegenheit lagen drei Anträge vor, von denen der Antrag der Mannheimer Genossen, der Parteitag wolle die Streitigkeiten der badischen Parteigenoffen untersuchen, bezw. schlichten, an die Beschwerdecommission verwiesen wurde, ebenso Absatz 2 des zweiten Antrags, der, von den Genossen Dreesbach, Fentz, Kapp und Pfeiffer in Mannheim gestellt, ersucht, der Parteitag möge seine Mißbilligung über die einseitige, durch die gegnerische Presse beeinflußte Stellungnahme des Offenburger Volksfreund, durch die der Streit unter den badischen Genoffen entfacht und persönliche Verbitterung hervorgerufen sei, aussprechen. Im Plenum verhandelt werden Absatz 1 des zweiten Antrags der eben genannten vier Mannheimer: Der Parteitag wolle beschließen, das Verhalten des Genoffen Dr. Rüdt bei der Ordenssrage im badischen Landtage entspricht nicht den Principien der Partei und spricht der Parteitag seine entschiedene Mißbilligung darüber aus und der Antrag der Berliner Genossen, Stegmüller aus der Partei auszuschließen und ihn seines Landtags« Mandats, soweit er es als Socialdemokrat ausübt, verlustig zu erklären. Die Entscheidung erfolgt erst morgen, da heute nur noch Dreesbach als Ankläger und Rüdt als Angeklagter zum Worte kamen. Beide ernteten für ihre Ausführungen Beifall. Geck ließ Abends ein Circular gegen das am Morgen vertheilte, angeblich von Dreesbach verfaßte, ver> theilen. Coealts mtfc jprovhtjieflw Gießen, den 24. October 1891. ** Psychiatifche Klinik. An die Zweite Kammer der Stände des Großherzogthums richtet das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des GroßherzogS das Ansinnen, dieselbe möchte ihre Zustimmung dazu ertheilen, daß zur Erwerbung von Anlagen nächst der psychiatrischen Klinik in Gießen ein Betrag von 15500 Mk. zu Lasten eer Ueberschüsse der HauptstaatSkaffe verwendet wird. Es wird hierzu folgendes bemerkt: An der westlichen Ecke des Geländes der p ychiatrischen Klinik in Gießen, anstoßend an die Frankfurter Straße, befindet sich ein Besitzthum, auf welchem b'S vor Kurzem eine Schlosserei bezw. Schmiede betrieben wurde. Die ganze Niederlassung wie der Gewerbebetrieb war für die dicht anstoßende Psychiatrische Klinik, die demnächst ihrer Bestimmung übergeben werden soll, im höchsten Grade mißständig. Schon die äußere Erscheinung der fraglichen Hofraithe mit ihren zum Theil in primitivster Weise zusammengeflickten Bretterschuppen (die der Localbaupolizei viel Aergerniß bereitet), bildete einen zu störenden Contrast zu den Kliniksbauten, als daß sie, ganz abgesehen von dem Lärm der darin betriebenen Schlosserei und Kesselschmiede, auf die Dauer hätte ertragen werden können. Die Stadt Gießen hat sich in richtiger Voraussicht der für die Kliniksbauten eintretenden Mißstände bereit finden lassen, noch bevor eine vom Besitzer angestrebte Vergrößerung der störenden gewerblichen Anlage bewirkt war und nachdem ihr die spätere Uebernahme durch den Staat in Aussicht gestellt worden, das Besitzthum für 13 000 Mk. anzukausen. Durch den Ankauf dieses einzigen noch in nächster Nähe der psychiatrischen Klinik bestehenden Privathauses, deffen Besitz in fremder Hand später recht mißständig würde empfunden werden, ist die unabhängige Lage der Klinik für alle Zeiten gesichert. Außerdem wird durch den Kauf ein Besitzthum gewonnen, welches sich nach Entfernung der mißständigen Anbauten für eine Gärtnerei- Pflanzfchule und Gärtner-Wohnung zur Unterhaltung und Instandsetzung der ausgedehnten Garten-Anlage der gesummten Kliniken einrichten ließe. Der Staat würde in den von der Stadt Gießen vollzogenen Kauf eintreten und derselben die Selbstkosten nebst etwaigen Zinsen und Kosten ersetzen. ES liegt ferner im Interesse des Staates, das an das genannte Anwesen anschließende, der Stadt gehörige 1673 Quadratmeter große Gelände gleichzeitig zu dem 1248 Mk. 70 Pfg. betragenden Selbstkostenpreis von der Stadt mitzuerwerben, so daß einschließlich der Nebenkosten, Einfriedigungen und Verbesserungen zur Erwerbung der Gesammtanlage 15 500 Mk. erforderlich werden. II. Neues Theater. Die Idee des Moserschen Lustspiels „eine Frau, die .n Paris war", ist an sich nicht schlecht, aber was der fleißige Komödiendichter daraus gemacht hat, läßt kalt. Wenn dieses Stück wirken soll, müssen schon hervorragende Kräfte mit den Rollen betraut sein. Die Wirkung der gestrigen Vorführung wurde leider sehr beeinträchtigt durch das hastige und undeutliche Sprechen von Fräulein Ronneberg, in deren Händen die Titelrolle lag. Dadurch, daß man von dem, was in der ersten Scene des ersten Actes auSeinandergesetzt wurde, so gut wie nichts verstand, ging das Verständniß und damit die Wirkung eines großen Theiles deS Stückes verloren. Als Husar war Fräulein Ronneberg btsser. Recht gut gefiel uns Frau Reiners in der Rolle der eifersüchtigen Frau, während ihr Partner, Herr Otto, den OSkar von Siburg mit gewohntem Geschick vertrat. Herr Nagel spielte den Major von Stern mit Eleganz und Glück, wie er für die Darstellung vornehmer älterer Herren, besonders Offiziere, überhaupt großes Talent hat. Herr Hacker war in seiner kleinen Rolle ein leidlich flotter Husarenoffizier. Einen Uebelstand, der allerdings mehr den Localitäten zur Last fällt, möchten wir noch rügen: das allzulaute Sprechen hinter der Scene. Wir wissen ja, daß es den Damen schwer fällt, ganz zu schweigen, aber um möglichste Dämpfung der Stimme bei der Unterhaltung hinter den Coultssen möchten wir doch höflichst bitten. ** 0. Lamborg, der Clavier- und Gesangs-Humorist aus Wien, welcher am Montag den 29. October in Steins Garten concertiren wird, ist so eigentliches Einziger seines Standes zu bezeichnen. Es ist deshalb auch nicht zu verwundern, wenn nicht blos Theater- und Concertunternehmer, Vereine und Gesellschaften den beliebten Künstler zu sich ein laden, sondern ihm auch die hohe Auszeichnung zu Theil wurde, an folgenden Höfen zur Soiree befohlen zu werden: Sr. Majestät des Kaisers Alexander II. von Rußland, an den kgl. württemb. Hof (4mal), an den kgl. dänischen Hof (3mal). Ferner concertirte derselbe vor Ihren Majestäten: Dom Pedro II., Kaiser von Brasilien- König Milan von Serbien, Königin von Hannover, König von Griechenland und Allerh. Familie, Sr. Köntgl. Hoheit dem Großherzog von Heffen-Darmstadt und dem Herzog von Sachsen Coburg, Ihren k. u. k. Hoheiten der Frau Kronprinzessin-Wlttwe Erzherzogin Stephanie und dem Erzherzog Friedrich und Johann von Oesterreich, den kgl. Hoheiten: den Prinzessinnen von Wales, dem Herzog von Cumberland, Kronprinzen von Por' tugal, Prinzen Karl von Schweden und Norwegen, Prinzen von Leuchtenberg, Sr. Hoheit dem Fürsten zu Schaumburg- Lippe und Alexander I. von Bulgarien, den egypt. Prinzen H. Abbas Bey und M. Ali Bey u. s. w. ** Das photoplastische Panorama des Herrn Schmidt in der Neuen Bäue 1 bietet gegenwärtig eine ganz neue und herrliche Serie den Besuchern dar. Es ist eine malerische Reise nach den Ufern des Lago Maggiore, Como und Lugano-Secs. Am Lago Maggiore ist bemerkenswerth die herrliche Insel Jsola Bella bei Palanza, dann der Verkehr der Dampfschiffe im Hafen von Angera, sowie der Sonnen- Auf und Untergang auf dem See, welcher bei bester Be- leuchlung ausgenommen und so vortrefflich ausgeführt wurde. Dann kommen wir nach Como, sehen das Rathhaus, den Dom, Schloß Baradello, die Ansichten sind vortrefflich, so daß man Alles in Wirklichkeit vor Augen zu sehen glaubt. Weitere Ansichten machen uns mit Torno, Dongo, Argegno am Como See bekannt, wir kommen dann nach dem Lugano- See, wo wir den Hafen von Lugano, sowie eine Aussicht nach San Georgio bewundern. Auch erhalten wir einen übersichtlichen Anbl'ck über San Salvatore, Saint-Mamette, Osteno mit der großartigen Grotte von Orrido 2C. Kurzum, ein Jeder sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und daß Panorama besuchen. Vortragsabend im Kaufmännischen Verein. Gestern Abend hielt die Schriftstellerin Frau Ottilie Stein aus Mannheim den angekündigten Vortrag „über das Gebiet weiblichen Erwerbs." Daß die Frauenfrage eine der brennendsten sozialen Fragen der Gegenwart ist, bedarf keines weiteren Hinweises und ift es deshalb selbstverständlich, daß sich ein großer, aus Damen und Herren bestehender Zuhörerkreis eingefunden hatte, um weitere Anregung und Belehrung über diese wichtige Frage zu gewinnen. Frau Stein legte zu Beginn ihres Vortrages die Verhältnisse dar, welche es verschuldeten, daß heutzutage nicht mehr alle Frauen ihrem von der Natur bestimmten Beruf als Gatkin und Mutter zugeführt werden könnten. Die in sozialen Mißverhältnissen begründete Zunahme der Ehelosigkeit schließe Millionen von Frauen, in Deutschland allein 2 700 000, aus, Gattin und Mutter zu werden, und damit entstehe ein drittes Geschlecht, welches zum einsamen Leben un-, Sterben, zum selbstständigen Erwerb verurtheilt sei. Diesem müsse die Gesellschaft den Weg erleichtern, statt ihn, wie so mannigfaltig zu beobachten fei, zu erschweren. Der Kampf der ledig bleibenden Frauen um ihre Existenz hat mit der zunehmenden Verwendung der Maschinen in der Industrie zugenommen, und damit die Beschäftigung im Hause unmöglich gemacht. Am schlimmsten feien die Töchter des Mittel- und kleinen Beamlenstandes daran, denn der Prozentsatz der von Arbeitern geschlossenen Ehen sei ein ungleich größerer, als der in den höheren Kreisen; der weibliche Erwerb in den niederen Klassen werde nicht beanstandet, dagegen in den mittleren und höheren als Emanzipationssucht bezeichnet. Es gäbe zwei Parteien in der Frauenfrage, deren eine der Frau das Recht zum selbstständigen Erwerb abspräche, deren andere wieder einer radicalen Emanzipation das Wort rede. Hier sei der goldene Mittelweg der beste, und Pflicht der Gesellschaft sei es, Berufe zu finden für die Frau. Absolute Gleichstellung der Frau mit dem Manne sei nicht durchführbar, weil die Frau von der Natur physisch wie geistig anders angelegt sei, anzustreben sei aber die Zulassung der Frau zu solchen Berufen, in deren Ausübung die natürliche Bestimmung der Frau nicht ausgeschlossen sei. Es gäbe nun eine ganze Reihe von Erwerbszweigen, die, ursprünglich von Frauen ausgeübt, von Männern ergriffen worden seien (Weberei, Küche rc.). In Amerika fei das Gebiet des weiblichen Erwerbs ein viel größeres als bei uns, doch könne sie die Annahme amerikanischer Verhältnisse bei uns nicht empfehlen - weibliche Prediger und Advocaten wie drüben würden bei unS eine klägliche Rolle spielen. Weibliche Erwerbszweige seien bei uns nicht nur auf geistigem Gebiete zu suchen, sondern zum größten Theile auf gewerblichem - aber hier sei es vielfach die Maschine, welche alle Arbeit weg- nähme. ' Die Rednerin gab einen umfassenden Ueberdlick über die heute von der Maschine geleisteten' Arbeiten, die früher den Frauen einen häuslichen Erwerb boten; sie zeichnete die großen socialen Mißstände, die die Arbeit der verheiratheten Frauen in den Fabriken für die Familien derselben mit sich bringen, aber auch die Zustände, die durch die Beschäftigung unverheiratheter Frauen in Fabriken sich ergeben, seien verderblich. Die Frau der mittleren und höheren Stände werde mehr geschützt in Bezug auf den Satz: „Die Frau gehört ins Haus", die Arbeiterfrau nicht. Die Eltern hätten die Pflicht, ihre Töchter practisch in einem Erwerb ausbildcn zr lassen, ehe sie ihnen die Freiheit geben, in der Gesellschaft gleich Schmetterlingen herumzuflattern. In erster Linie seien die Putz- und Modewaarenbranchen, besonders aber das Kleidermachen Erwerbszweige, in denen noch viele Frauen beschäftigt werden könnten, aber hier veranlasse falsches Bor- urtheil die Frauen der Mittelstände, sich gesellschaftlich der Schneiderin fernzuhalten, in deren Launen sie sich doch sonst rückhaltlos fügten; ein großes Gebiet weiblichen Erwerbs er« öffne sich den Frauen in dem Beruf als Erzieherinnen, Handarbeitslehrerinnen,Verkäuferinnen, in feinen Arbeiten derMetall- industrie, Graviren, Ciseliren und der Lithographie, Photographie, Schriftsetzerei, im Kunstgewerbe. In hohem Grade werde der kaufmännische Beruf der Frauenarbeit dienstbar, ferner die Stenographie, die Arbeit an der Schreibmaschine, die Zahntechnik, für dazu Beanlagte ferner der Hospitaldienst, die Ausübung der Massage, im Staatsdienst die Verwendung in der Post, Telegraphie, im Fernsprechwesen und Eisenbahnschalterdienst. Wer es nicht zur Virtuosität in den Künsten zu bringen vermöge, werde sicher Verdienst im Ertheilen von Unterricht, sei es in Malen, in Zeichnen oder in der Musik finden. Warm befürwortete zum Schluffe Frau Stein die Zulassung der Frauen zum Studium, sei es als Aerztin, Pharmazeutin oder Lehrerin; mit Entschiedenheit trat sie dafür ein, daß den Frauen die ärztliche Behandlung der Frauen und Kinder überlassen werde, sie forderte, daß, nachdem man mit Gründung von Frauen-Gymnasien vorgegangen, nunmehr auch die deutschen medizinischen und philosophischen Facultäten ihre Hörsäle nicht ferner verschließen möchten, Theologie und Jurisprudenz solle man den Männern überlaffen; ebenso entschieden sprach sie sich gegen die von radikaler Seite geforderte Betheiligung der Frauen an Staats- und Gemeindeangelegenheiten aus, hier müsse die Grenze zwischen Mann und Weib bestehen bleiben. Um die Ziele des Frauenerwerbs zu erreichen, sollten Eltern ihre Töchter ebenso ausbilden lassen, wir ihre Söhne, der natürliche Beruf der Frau als Hausfrau müsse mit dem des Erwerbs verschmolzen werden. — Herr Orbig, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, dankte der Frau Stein für den von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag und gab der Hoffnung Ausdruck, die geschätzte Rednerin noch öfter in Gießen zu hören. * * Dir Theaterdirektorin Frau Baars ist mit ihrer Beschwerde gegen den abweisenden Entscheid des Kreisamts, in hiesiger Stadt Vorstellungen geben zu dürfen, vom Großh. Ministerium abgewiesen, mit der Motivirung, daß außer § 32 d. G. O. der Art. 34 (§ 31) des -Gesetzes vom 8. Juli 1884 und der Verordnung vom. 23. Juli desselben Jahres hier maßgebend fei, wonach sich die verweigerte Er- laubniß wegen des mangelnden Bedürfnisses eines zweiten Theaters für die Provinzialhauptstadt rechtfertigt. * * Zertrümmertes Kirchenfenster. In voriger Woche wurde an der Johanneskirche eine werthvolle Fensterscheibe eingeworfen. Der Thäter wurde in der Person eines Schulknaben ermittelt. Derselbe hatte nach einem Dogek geworfen und dabei die Scheibe getroffen. Die Eltern werden Ersatz zu leisten haben. * * Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt: durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Michelstadt Jacob Schmucker, Theodor Ihrig und Peter Knust; dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Mainz Georg Sieglitz; dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Gau - Algesheim Anton Rohleder; den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Klein - Steinheim Johann Theodor Braun und Leonhard Braun II.; den Mitgliedern der Turn- und Feuerwehrgkmeinde zu Osthofen Johann Schramm, Hermann Knierim und Peter Dexheimer III.; den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Offenbach Karl Pohl und Heinrich Jakob Köhler. * * Prüfung. Die Prüfung sür das G e r^ ch t s s ch r e i b e r- und Gerichtsvollzieherfach, welcher sich diesmal 11 Gerichtsschreiber - Aspiranten und 3 Gerichtsvollzieher- Aspiranten unterziehen, hat vorgestern im Justizgebäude zu Darmstadt ihren Anfang genommen. ♦ * Jubiläum. Das Hans Schauenburg in Lahr begeht in diesem Jahre die Feier seines hundertjährigen Bestehens. Diesem Jubiläum aber reiht sich eine Anzahl anderer an. So feiert Frau Schauenburg ihren 60. Geburtstag; fünfzig Jahre sind es her, seit Herr Schauenburg im Jahre 1844 bet Baedecker in Essen in die Lehre trat und vor 40 Jahren (1854) vermählte sich das Ehepaar Schauenburg. Dazu kommt, daß es heuer 25 Jahre sind, feit der unermüdliche Herr Albert Guth nach Lahr in das Schauenburg- Geiger'sche Geschäft kam Die Feier tiefer Jubiläen im Hause Schauenburg-Geiger findet heute, am 24. October d. J.^ im Gasthofe „zur Sonne" in Lahr statt. Infolge der großen Verdienste, die sich Herr Schauenburg und sein Hans, sowie dessen getreuer Mitarbeiter, Herr Guth, um die erhabene Reichswaisenhaussache in Lahr erworben, nehmen auch die verschiedenen Verbände an dem Ereigniß innigen Antheil. Auch der Fechtverband Gießen-Lahr gab heute feiner Dankbarkeit durch Absenden eines Glückwunschtelegramms Ausdruck. ** Bier soll ein aus Hopfen und Malz bereitetes Getränk fein, was beispielsweise vor einigen Jahren der frühere Reichstagsabgeordnete, Brauereibesitzer Ulrich aus Pfungstadt, im Reichstag unter dem ungetheilten Beifall des Hauses verkündete. Nach vorliegender Miktheilung der Großherzogl. Centralstelle für Landesstatistik über die Ergebniffe der Bier- beftcuerung im Jahre 1893—94 trifft dieser Satz für unser Großherzogthum zwar in der Hauptsache, aber nicht vollständig zu, denn in diesem Jahre wurden zur Bierbereitung in den sechs HauptsteueramtSbezilken des Landes, Darmstadt,- Offenbach, Gießen, Mainz, Worms und Bingen neben 23,242,967 Kg. Getreide auch 291,743 Kg. Malzsurrogate, besonders Reis verwendet, letzterer verhältnißmäßig am weiften, nämlich 110,416 Kg. tm Hauptfteueramt-bezirk Darmstadt. A Aus dem Kreise Alsfeld, 22. October. Nachdem vor einiger Zeit eine Jnspection durch den KreiS-Feuerwehr- Jnspector von sämmtlichen Löschmannschaften der KreiSorte vorgenommen, ist nun die Uniformirunq und Ausrüstung der Feuerwehren erfolgt. ES macht nicht nur einen äußerlich besseren Eindruck, eine geschulte, geordnete Löschmannschaft vor sich zu sehen, sondern auch das Bewußtsein einer besieren Hilfe erweckt ein stärkeres Gefühl der Beruhigung. Wenn auch die Opfer mancher Gemeinden, besonders derjenigen, wo neue Feuerspritzen erforderlich, groß sind, so müssen sie eben um deßwillen gern getragen werden, weil des nächsten Schutz ein Hauptpunkt in der Wohlfahrt deS Ganzen bildet. § Aus dem Ohmthal, 22. October. Es ist glücklicher Weise ein seltenes Vorkommen, daß dem Landwirth durch die Unbilden des Wetters die Ausstellung der Herbstfelder in einer solchen Weise erschwert wird, wie gegenwärtig. Wohl kann ja der Landwirth mit dem Ergebniß der diesjährigen Ernte zufrieden sein, aber mit der Be- wirthschaftung seines Feldes in keinem Falle. Noch immer hatte man gehofft, die Korn- und Weizensaat, wenn auch sehr verspätet, auSsühren zu können, allein die abermals erfolgten gewaltigen Niederschläge benehmen jede dahin gehende Aussicht. Die Kornsaat hat nicht zu Ende geführt werden können, Weizen ist fast noch gar nicht gesäet worden. Ja es stecken noch genug Kartoffeln in der Erde. Dazu fi> d die Erdgewächse noch lange nicht alle nach HauS gebracht. Wer nicht bereits das Kraut heimgefahren, dem fault eS auf den Aeckern. Auch die bereits aufgegangene Kornsaat roiro durch die allzu große Nässe ersichtlich geschädigt. Wir vermögen uns nicht zu entsinnen, daß in einer solchen Weise die ursächlichen Bedingungen einer guten Winterfruchternte für das kommende Jahr vereitelt worden sind. Trotz deS denkbar schlechtesten Wetters begeben sich die Leute auss Feld, um die Erdgewächse aus der nassen Erde zu holen, weil eben die Zeit zu weit vorgerückt ist, daß eine Befferung fast aussichtslos erscheint. Wie das vorige Jahr durch seine unheilvolle Dürre, so wird das heurige durch seine große Nässe der jetzigen Generation unvergeßlich bleiben. B. Büdingen, 21. October. Bekanntlich ist unsere Gemarkung eine von den wenigen der Provinz Oberhessen, in ! welcher sich ziemlich viele Weinberge befinden. Man hat bei unS begonnen, den 1894er zu herbsten. Manche Frühtraubensorten z. B. Guiedel, sind alS Eßtrauben auch dieses Jahr ganz gut zu verwenden. Die Spätsorten aber lasten recht viel zu wünschen übrig. Vorgenommene Proben, bei denen die verschiedenen Sotten durcheinander kamen, haben ein Mostgewicht von 40 bis 45 Grad nach Oechsle gegeben. Das erinnert einigermaßen an die Weinberge zu Grünebcrg in Schlesien, die ja durch ihren Ruf als Rambas und Dreimännerwein weithin bekannt sind. Dagegen bauen sich unsere Aepfelweine, die hier mit großem Sachverständniß hergestellt und weithin versandt werden, recht gut auS und ver- | sprechen ein guter Tropfen zu werden. Im Vergleich zu f‘ den hiesigen 1894er Traubenweinen, die 40 bis 45 Grad Mostgewicht Haben, bemerken wir, daß unsere Aepfelweine bezw. Aepfelmoste 48 Grad lieferten, woraus hervorgeht, ■ daß der Aepselmost süßer gerieth als der Traubenmost. , Durch längere« Hängenlasten wird der Letztere auch nichts ’ mehr gewinnen, denn die Witterung ist die schlechteste, die man sich wünschen kann. । Vermischtes. W. Diez, 23. October. Vorgestern Nacht versuchten Einbrecher einen Diebstahl auszuführen. Gestern Nacht stiegen vermutlich dieselben Spitzbuben durch Eindrücken einer präparirten Scheibe in die erste Etage bet einem Bäckermeister, umwickelten den dort stehenden Kassen- schrank mit Teppichen und Tüchern und ließen denselben mittels eines Taues zum Fenster hinaus. Schon hatten sie den Schrank auf des Bestohlenen Handwagen geladen, als die mitgebrachten Diebeswerkzeuge klirrend zu Boden fielen, wodurch die Gesellen M Bäckers geweckt wurden. Die : Diebe sind unter Zurücklassung der Beute entflohen. * Salzwedel, 20. October. Bei der alljährlich stattfindenden Ausrangirung der Cavalleriepfcrde sollte in diesem Herbst beim 16. Ulanenregiment Hennigs v. Treffenield hier ein Pferd zur Ausrangirung kommen, daS sechsjäh.ig den Feldzug von 1870—71 und im Besonderen die Attaque von Mars la Tour mitgemacht hat. Auf den Antrag deS Regiments, dies brave Thier nicht zur Versteigerung stellen zu müssen, ist durch Verfügung des Kriegs > Ministers dem Pferde das Gnadenbrod bewilligt worden, das es nunmehr tu Bretzendorf durch den Landrath v. d. Schulenburg, der sich hierzu erboten hat, erhalten wird. DaS Pferd ist bisher noch ste:S zum Dienst in vollem Umfang heran- gezogen worden- es har fitzt cm Alter von 30 Jahren überschritten. AirchlicheAnzeigen -er evairg. Gemeiude. Donnerstag den 25. October, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen L>tadtknabenschule Bibelstnnde. (Luc. 14, 28—33.) Psarr- verwalter Dr. Grein. Wöchentliche Nrberficht der Todesfälle in Gieße«. 42. Woche. Vom 14 October biS 20. October 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (tncL 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 16,470/« bezw. 7,05 nach AuSfchl. der Ortsfremden. ! Kinder ES starben an: Zuiammen: Erwachsene: im vom . 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Lungentuberkulose 1 1 — — Lungenentzündung 1 (1) 1 (1) — — EntzündlicheErkrank- ungen der Ath- 21 nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auSwärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen. ' mungs-Organe Atrophie 2 (1) 1 Ml) 1 — Angeb. Bildungs- » fehler 1 (1) — 1 (1) — Neubildungen 1 1 — Sonstige benannte Krankheiten 2 2 — — Summa: 9 (3) 7 (2) 2 (1) — erzielt man nur, wenn die Annoncen zweckmäßig abgefaßt und typographisch angemessen auSgestaitct sind, ferner die richtige- Wahl der geeigneten Zeitungen ge- troffen wird. Um dies zu erreichen, wende man sich an die Annoncen-Expedition Rndolf Messe, Frankfurt a.M., und Mannheim ; von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kosten, frei ertheilt, sowie Jnseraten-Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnewerden lediglich die Original-Zeilenpreise der Zeitungen unter Bewillit gung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Institutes neben den sonstigen großen Vortheilen eine Ersparniß an JnserationSkosten erreicht wird. 6746 Vertreter am hiesigen Platz: Heinrich Wallach, Kaufmann Stetig steigender Absatz seit 1880 findet der berühmte Hollünd. Tabak bei H.HecIrer in Seesen a. H. iv Pfd. fco. acht Mark. 783q Erfolg durch Annlinlkn > der Pmatklugchchk des Nathan Miltenberg in Aßlar, Prioatklägers, gegen den Löb Hirsch in Waldgirmes, Angeklagten, wegen Beleidigung, hat das Großh. Schöffengericht zu Gießen am 5. October 1894 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Beleidigung auf Grund des § 185 R. St.-G B. in eine Geldstrafe von fünfundzwanzig Mark (25 Mark) eventuell 5 Tage Gefängniß, sowie zur Tragung der Kosten des Ver- fahrens, einschließlich der dem Privat- Häger erwachsenen nothwendigen Auslagen verurtheilt. Auch wird dem Letzteren die Befugniß zugesprochen, diese Verurtheilung auf Kosten des Angeklagten einmal im Gießener Anzeiger innerhalb 14 Tagen von der Zustellung rechtskräftiger Urtheils« ausfertigung an gerechnet, bekannt machen zu lassen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt. 8774 Gießen, den 13. October 1894. (L- S.) Glässing, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. Für diese Abschrift Für Rechtsanwalt Metz: Mendelsohn, Gerichtsassessor. Freitag den 26. October, Nachmittags 3 Uhr, versteigere ich bei der LiebigSHSHe da- hi-r gegen Baarzahlung: etwa V, Morgen Dickwurz, Kohlraben und Kraut. Zusammenkunft auf dem Trieb. Versteigerung vorauSs. bestimmt. 8763 Engel, _______________________Gerichtsvollzieher. wird gebeten, Forderungen, ■ W* die an Frau Caroline Ehurke, hier, gebildet werden, innerhalb 8 Tagen bei dem Unterzeichneten anzumelden, widrigenfalls dieselben bei der Ver- mögensregulirung nicht mehr berücksichtigt werden. 8768 Metz, Rechtsanwalt. An- und Verkauf von getragenen »leider«, Weitzzeng, MSdeln, Betten, Gold- und Silber- fachen, Bücher«, Zeitungen, Aete«, Papier, Kupfer, Messing, Zinn, »lei und Eise«. Ebenso werden Lumpe« und Knoche« auf Verlangen jederzeit abgeholt durch 4541 Louis Rothenberger Wwe. Garnirte Amn- nn) fiiuöcr- | Hüte । sowie alle 8755 Putzwaaren kaufen die Damen am billigsten im Total - Ausverkauf wegen Aufgabe des Geschäfts Meufiadt 6II. iNeu! Neu! Lauösagehosi aus 3 Theilen verleimt. Verziehen und Abbrechen einzelner Stücke beim Sägen vollständig ausgeschlossen. Platten bis zu 50 cm breit oorräthig. ; 8773 Wiederverkäufer erhalten hohen Rabatt!! Andr. 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Bk. 99.30 40/0 Frks.Hyp.Cred.V oerl.L 100% 102.50 4% DeutschrGrdsch.B.unk.b.1904 104 — 3%% dto. 98.70 4% HarnburgerHyp.Bk.unk.b.1900 104.— 3%% Prenß Hyp. A. Bk. 99.- 40/0 Pomm.Hyp.A.Bk.unk.b 1904 104 60 4%% Franks. Landw. Ered. Bk. 103.— Darmst. Bk.-Äctten 304.50 Uderrdeourser 148 80 | Oefterr. Credil-Actien 20 Fc-^en-St. Engl. SoveretguS DoUar» ta Gold *T<»t 16.21 20.36 4.19 Geldsorte« 16.17 Fran». Banknoten 20.3 Oefterr. dto. 4.16 Americ. 6n«l 8106 163.S0 4.15V. der^Stadt^ Omnibus-Verbindung dem Bahnhof. 7 Uhr Morgeub. Fahrpreis IO Pfennig. 10 Uhr Abend». Linie A Seltersweg—Kreuz—Markt—Wallthor—Marburgerstraße. Linie B Bahnhofstraße—Markt-Neuen Bäue-Grünbergerstraße. Rcbectton i N. bcheyd«. — Druck unb verleg der Brühl'schm Druckerei (Fr. Tbr. t36«‘Jdb) t" ^testen, Are heutige Yummer uwfaßt 6 Seiten. Ar Dtt , br'zrl'zt. Innahm« v" folgfflbtn IfflliB, 23. Erkrankung gegen, u. A. « Herrschers taflhd lidjen Besuche ai der Tafel zum „W ich auS Li Such wird vnfich Festlichkeiten in1 gewohnt habe, wird daselbst dil in Perrilschast g Wtn6 drö L Freilich ist «ich in diesem Falle der Eisenbahn wäre in Aussic mittels des Pa nach Petersburg - Am k 36. GeburtS festlich deganger schränkte Graru Familienfrühstü etwa 60 Gedec - lieber Munbeß bei ßalfer Hegen denselben erhellt, wbt, in welche TlnMesttzer de weit von stch v tonen, dem kais brstrebungen zu Adresse zuglciä Treue für ihre, abweichende An Die Erwiderung wies aus seine' thuung darüber »rsprochenrn W 'cheinen der D Kaüer fein Berti mtnt' der Mi das Bah * unterhielt1 Itr Mm focc 2. Lollar,1 5n bedeutendes Z"Uf,r liiert 5 «le M» i Leute hn®unbe "'Nnrra, fi'"" ni toerden Un? >4”!“ < litte» ^rauf s,?eiln F, h h S"ig*