1894 Dienstag den 25. September Nr. 224 Rcdaction, Expedition und Druckerei: Schurstraße ’ir.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Avounemeutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog«, 2 Mark 50 Psg. Die Gießener Jiamilteuvlätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelcgt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Gießener Anzeig er Generat-Unzeiger. Amts« und Anzeigeblatt für den Mreis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Kamitienbkütter. Miltelernte mit 1270 Kilogramm anzunehmen ist. Die Ungunst des Wetters wirkte vielfach schädigend. Der Ertrag des Roggens blieb hinter dem Vorjahre zurück. Berlin, 22. September. Die „Naticnalzeitung" begrüßt die Ernennung des Fürsten Hatzfeldt zum Oberpräfidenten von Schlesien mit Genugthuung. Sie erblickt darin das Scheitern der eifrigen Versuche, den von den Hochconservativen und Orthodoxen als ihren kommenden Mann betrachteten Grafen von Zedlitz - Trützschler in den Vordergrund zu schwer verwundet. Tokio, 22. September. Die te le graphisch e Ver- bindung mit dem Kriegsschauplätze ist nur noch ür osficielle Nachrichten zugänglich. Man weiß jedoch, daß ich gegenwärtig in Korea eine große Bewegung vorbereitet. Der japanische Kaiser hat an die Truppen und den Admiral Mo, welcher die Seeschlacht leitete, Glückwünsche gesandt. Bueuos-Ayres, 22. September. Der argentinische Senat hat sich der Wiedererrichtung einer Gesandtschaft beim Vatikan widersetzt. Anstand. Rom, 22. September. Einer Meldung der „Mesiagiero" zufolge soll angeblich am Abend des 20. September während der Fest-Illumination außerhalb der Porta Pia ein Attentat vorbereitet gewesen und auch ausgeführt worden sein, ohne daß dasielbe von Folgen begleitet oder überhaupt vom Publikum bemerkt worden wäre. Es soll sich um einen leicht explodir- baren Körper handeln, von welchem noch Ueberreste später gefunden worden seien. Auch anarchistische. Flugblätter seien gefunden worden. Rom, 22. September. Der König begnadigte alle kriegsgerichtlich in Sicilien und Massacarara bis zu einem Jahre Verurtheilten und erließ bei Strafen bis zu drei Jahren ein Jahr, ferner alle Geldstrafen, die anläßlich jener Unruhen verhängt wurden. Paris, 22. September. Wie verlautet, hat der Marineminister feinen Plan, das Reservegeschwader im Mittelmeer abzuschaffen, aufgegeben, um dem Admiral Gervais, der die französische Flotte nach Kronstadt geführt, ein höheres Commando geben zu können. Paris, 22. September. Durch Decret wurde eine Commission eingesetzt, welche die Möglichkeit der Herstellung eines Canals zwischen dem Atlantischen Oeean und dem Mittelländischen Meere prüfen soll. Paris, 22. September. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen einen großen Sc an dal, wobei Zollbeamte des Nordbahnhofs compromittirt sind. Ein Polizeiagent entdeckte in der Waarenhalle mehrere große Gepäckstücke, welche angeblich Leinenwaaren, in Wirklichkeit aber belgischen Tabak enthielten. Die Untersuchung ist eingeleitet. Brüssel, 22. September. Gestern Abend durchzogen ca. 50 Soldaten der Heilsarmee mit Musik und Gesang die Straßen. Der Pöbel pfiff dieselben aus und bringen. Swinemüude, 22. September. Da die Herbstübungs - flotte gestern aufgelöst worden ist, dampfte das Panzer- geschwader heute in der Frühe nach Kiel, bezw. Wilhelmshaven ab. Die „Hohenzollern" verließ den Hafen gegen 81/2 Uhr. Die Torpedoflotte liegt noch auf der hiesigen Rhede und geht erst in der kommenden Nacht nach den Bestimmungshäfen in See. Admiral Frhr. v. d. Goltz und Capitän zur See Tirpitz reisten heute früh über Stettin nach Berlin. Gleichzeitig verließ auch Erzherzog Carl Stephan die Stadt. Breslau, 22. September. Der „Schlesischen Zeitung zufolge umfaßt der Berg ar beiterauö stand im nieder- schlesischen Revier etwa 2000 Mann. Bisher hat die Bewegung einen ruhigen Character. In der gestrigen Versammlung soll sich die Mehrheit der Ausständischen sür die Aufnahme der Arbeit am kommenden Montag ausgesprochen haben. — Der „Bresl. Ztg." zufolge sind die Belegschaften der Waldenburger Kohlengruben fast vollständig ein- gefahren. Der Ausstand ist als beendet anzusehen. Dresden, 22. September. In der heutigen Sitzung des Vereins deutscher Irrenärzte gelangte eine Reso- lution zur Annahme, in welcher der Verein seine Befriedigung ausspricht, daß durch die Beschlüffe zweiter Lesung des Bürgerlichen Gesetzbuches die Forderungen des Vereins in Bezug auf das Verhältniß der Geisteskranken im Wesent- Id)en erfüllt worden sind. Friedrichsroda, 22. September. Die im hiesigen Kur- Hause versammelten Vertreter deutscher Brau- industriellen nahmen einstimmig das Statut und die Gründung eines Garantiesonds zum Schutz gegen Boycotts an. Ferner wurde die Bildung von Localverbänden, wo solche noch nicht bestehen, und der Zusammenschluß in einen Centralverband behufs gegenseitiger Rückversicherung einstimmig beschloffen. r r München, 22. September. Wie man hört, habe die Regierung Schritte gethan, um den Director der Pfälzischen Eisenbahnen, Herrn v. Lavale, zu veranlassen, das gegen den „Pfälz. Courier" ausgesprochene Lese verbot wieder aufzuheben. Cocale» und protnnjicüc» Gieße«, den 24. September 1894. ** Ernennungen. Ernannt wurde der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Hirschhorn Karl Heutzenröder zum Gerichtsschreiber bet dem Amtsgericht Ortenberg und der Hilfs- gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Gießen Johannes Gro h l rock zum Gerichtsschreiber bet dem Amtsgericht Hirschhorn. Die Hilfsbremser bei den Oberhessischen Eisenbahnen Erm- Gernand aus Gießen, Wilhelm Schneider aus Reiskirchen und Johannes Stock aus Inheiden wurden zu Bremsern bei den genannten Bahnen ernannt. ** Verzeichuiß der Sitzungen de8 Schwurgerichts pro 3. Vierteljahr 1894: . 1. Dienstag den 25. September, Vormittags 9 Uhr. Angeklagte C h r i st i a n S ä n g e r W t t t w e von Klein-Karben wegen Kindestödtung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, Vertheidiger: Rechtsanwalt Justizrath Dr. Re atz. 2. Dienstag den 25. September, Nachmittags 3'/, Uhr: Angeklagter GeorgStreum von Lorbach wegen Nothzuchts- versuch und Bedrohung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwalt Weidtg. 3. Mittwoch den 26. September, Vormittags 10 Uhr: Angeklagte Georg Joh. Konr. G asche von Langenselbold und Friedrich Mergenthal von Vonhausen wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwälte Katz und Dr. Fuhr. 4. Donnerstag den 27. September, Vormittags 9 Uhr: Angeklagter Wilh. Schnägelberger von Brauerschwend wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Erster Staats- anwalt I ö ck e l. Vertheidiger: Rechtsanwälte Grünewald und Dr. Stein. Neueste Nachrichten. Depeschen de» Bureau r£tro£b*. Varziu, 23. September. Ungefähr 150 0 Westpreußen sind heute Mittag hier eingetroffen. Unter Vorantritt einer Musikcapelle nahmen sie im Schloßhof Auf- stellung. Nachdem das Lied „Die Ostwacht" gesungen war, trat Fürst Bismarck auf die Schloßveranda und wurde jubelnd begrüßt. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn v. Tournier an Bismarck und nachdem ein begeistertes Hoch auf thn auS- gebracht worden war, hielt der Fürst eine längere Rede. Hierauf wurden demselben stürmische Ovationen dargebracht. Um 3 Uhr traten die Westpreußen die Rückreise ab Hammer- m Trakehuru, 23. September. Heute srüh ist der Kaiser hier eingetroffen. Derselbe wurde von der Bevölkerung stürmisch begrüßt. Der Monarch fuhr sofort nach dem Jagdhaus Rominten. „ v . Aschaffenburg, 23. September. Anläßlich des gestern und heute hier ftattfindenden Parteitages der deutschen Volkspartei wurde gestern Abend eine öffentliche Volksversammlung im Schützenhof abgehalten, in der die Herren K. Hausmann, Dr. Konrad, Galier u. A. unter großem Beifall sprachen. Folgende Resolution wurde angenommen: Die heutige zahlreich besuchte Versammlung spricht die Ueber- zeugung aus, daß der beste Schutz gegen Umsturzbestrebungen in der Entwickelung freiheitlicher Einrichtungen und in gesunden politischen und socialen Reformen bestehe und fordert alle unabhängigen Leute auf, gegen jedes dle Freiheits beschränkende Gesetz auf das Entschiedenste einzutreten. Rewyork, 23. September. Ein Cyklon tn Minnesota hat neun Städte und Dörfer verwüstet. Sechzig Menschen sind umgekommen. Alle Annoncen-Bureaux der In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsches Reich. Berlin, 22. September. Die diesjährigen Manöver- | reisen des Kaisers Wilhelm haben mit seinem Besuche in Thorn, wo der hohe Herr am SamStag den an diesem Tage zu Ende gegangenen Festungsübungen beiwohnte, ihren Abschluß gefunden. Auf dle mancherlei Anstrengungen und Beschwerden, welche die großen Land- und Seemanöver für den erlauchten Monarchen mit sich brachten, folgt für ihn nun eine kurze ErholungSzeit, denn eine solche bedeutet dem Kaiser der Jagdaufenthalt, welchen er vom Montag ab wiederum in Schloß Rommten tn Ostpreußen genommen hat. Ueber den Zeitpunkt der Rückkehr des Kaisers nach dem Neuen Palais bei Potsdam ist indeffen noch nichts be- fannt. — Den Abschluß der Kaisermanöver der deutschen Flotte bildete oas Paradediner, welches am Freitag Nachmittag an Bord der kaiserlichen Yacht „Hohen- zollern" sür die decorirten Marineoffiziere stattfand, sowie das Abends nachfolgende Festmahl für die Schiffscomman- deure, welchem auch Prinz Heinrich von Preußen und Erzherzog Karl Stephan von Oesterreich beiwohnten. Alsdann lief die „Hohenzollern" unter dem Geschützgruß der Forts in den Hafen von Swinemünde ein- um 10 Uhr Abends ging der Kaiser an Land, empfangen von den begeisterten Hochrufen der Bevölkerung, und reiste mittels Hofzuges alsbald nach Thorn ab. — Im Reichstagswahlkreise Stendal-Osterburg steht eine Nachwahl bevor, weil das Mandat des bisherigen conservativen Vertreters, des Landraths v. Jagow, infolge Rangerhöhung des letzteren ungiltig geworden ist. Dem Vernehmen nach hat indeffen Herr v. Jagow eine nochmalige Candidatur abgelehnt, so daß die Conservativen einen neuen Vertreter ausstellen müffen. In dem genannten Wahlkreise ist eine starke freisinnige Minderheit vorhanden und auch die Zahl der socialdemokratischen Wähler ist keines- wegs unerheblich. — Wegen andauernder Choleragefahr sind in den Kreisen Oppeln, Myslowttz und Kreuzburg sämmt- ltche Krämer- und Viehmärkte bis auf Weiteres verboten worden. Berlin, 22. September. Heute Vormittag 8 Uhr traf der Kaiser mittelst Extrazuges in Thorn ein; auf dem Bahnhofe waren der Kriegsminister, Oberpräsident v. Goßler und mehrere hohe Militärs zum Empfang anwesend. Unter Glockengeläute erfolgte der Einzug des Kaisers zu Pferde in itc festlich geschmückte, von dichten Menschenmaffen belebte Stadt. Auf dem Festplatze wurde der Monarch von der Tochter des Oberbürgermeisters von Thorn durch ein Gedicht und ein Bouquet begrüßt, alsdann hielt der letztere eine Ansprache und überreichte den Ehrentrunk. Der Kaiser trank den Becher auf das Gedeihen der Stadt Thorn und hielt eine Rede, in welcher er Unter Anderem ausführte: „Ich habe mich gefreut, wahrzunehmen, daß Thorn das Deutsch- thum zu wahren bestrebt ist. Es ist zu meiner Kenntniß gekommen, daß leider die polnischen Mitbürger hterselbst sich nicht so verhalten, wie man es erwarten und wünschen sollte; ste mögen es sich gesagt sein laffen, daß sie nur dann auf meine Gnade und Theilnahme tn demselben Maße wie die Deutschen rechnen dürfen, wenn sie sich unbedingt als preußische Unterthanen fühlen. Ich hoffe, daß die Thorner polnischen Mitbürger sich entsprechend dem, was ich in Königsberg gesagt, verhalten werden, denn nur bann, wenn wir alle, Mann an Mann geschloffen, wie eine Phalanx zusammen- stehen, ist es möglich, den Kampf mit dem Umsturz siegreich zu Ende zu führen." Nach der Rede ritt der Kaiser die Front der Mitglieder des Vereins der Ritter vom eisernen Kreuz ab und begab sich unter dem Jubel der Bevölkerung nach dem Rudaker Schießplätze. Berlin, 22. September. Die Audienz, die gestern der japanische Prinz Yanaschina in Swinemünde an Bord der „Hohenzollern" beim Kaiser gehabt hat, bewies ersterem das besondere Wohlwollen des Katsers. Das Gespräch kam auch auf den Krieg. Prinz Yanaschina reist heute nochmals von hier nach Kiel, um noch e nige Angelegenheiten zu ordnen. Dann tritt er über Berlin seine Heimreise nach Japan an. Berlin, 22. September. Wie der „Reichsanzeiger" mit- theilt, wird vom 1. October ab der Fernsprechverkehr zwischen Berlin und Bremen, sowie zwischen Köln a. Rh. und Hamburg eröffnet. Berlin, 22. September. Die „Statistische Corresp." beziffert die Ernteaussichten Mitte September: Kartoffeln auf 3,1; Klee 2,8; Wiesen 2,3. Stand der jungen Saaten: Winterweizen 2,3; Winterspelz 1,1;! Winterroggen .2,5; Klee 2,0; Probedrüfche von Winterroggen 1325, Sommerroggen 950 Kilogramm vom Hectar, wobei eine Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bcx «olgendcn Tag erscheinenden Nummer- bis Vorm. 10 Uhr. . I bewarf sie mit Steinen. Schließlich entstand eine große a Schlägerei und die Polizei mußte die Procession auflösen. London, 22. September. Wie aus Shanghai gemeldet wird, sind bei der Seeschlacht eine große Anzahl chinesischer Offiziere umgekommen. Auf vier Kriegsschiffen, welche nach Port Arthur zurückkehrten, fehlten 17 Capitäne. Der Admiral Ting wurde durch Granatsplitter letzteren dadurch m Vortheil vor anderen Berussarten bringe. Durch den fortwährenden Umgang mit den Schülern habe der Lehrer erst eine Ahnung vom Alter, wenn es nicht mehr gehe. Der Jugendsinn aber stecke nicht nur in dem Menschen, so lange er in die Schule gehe, sondern darüber hinaus. Der Lehrer müsie jugendfrisch sein, deshalb habe er sich bemüht, seine Jugendfrische zu bewahren. Er wünsche allen einen fröhlichen Jugendsinn, die Jugend, der das Leben und die Zukunft gehöre, sie lebe hoch! Herr Oberbürgermeister Gnauth: Nicht allein Schüler, auch Freunde des Herrn Profeffor Buchner hätten sich eingefunden, um ihren freudigen Gefühlen Ausdruck zu geben - zu letzteren gehörte auch er- nicht allein das hohe Maß persönlicher Werthschätzung habe ihn zur Theilnahme an der heutigen Feier bewogen, sondern er wolle als Bürgermeister der Stadt Gießen auch bekunden, daß das Wirken Buchners der Stadt zu Gute gekommen. Was Buchner der Anstalt, den Lehrern und Schülern gewesen, sei bereits gewürdigt worden, aber auch sein Wirken über l ie Schule hinaus, seine vielseitige Thättgkeit im Leben, haben ihm zahlreiche Verehrer gewonnen. Professor Buchner habe Aller Blicke geschärft und geweckt für unsere nähere und weitere Umgebung, als Geschichtsforscher habe er uns vieles schätzen und lieben gelernt, was bisher unbeachtet blieb- das Museum des Geschichtsvereins verdanke ihm seine Entstehung, und wenn in zwei Jahren das alte Schloß die herrliche Sammlung aufnehmen werde, dann werde man erst bewußt werden der Verdienste dieses Mannes. Er habe der jüngeren Generation gelehrt, d e Schönheiten der Stadt und der weiteren Umgebung zu schätzen und die Liebe dafür zu stärken. Mit der Lehrtätigkeit sei aber seine sonstige Thätigkeit nicht erschöpft. Die Bestrebungen in Vereinen, für die er gewirkt, legten Zeugniß dafür ab. Und wenn er (Redner) als Bürgermeister neben den vielen Verdiensten noch ein Verdienst Buchners um die Stadt streife, so erwähne er nur, daß Buchner allmonatlich bestätige, daß das Gas Heller leuchte, als es eigentlich solle (Heiterkeit). Herr Profeffor Buchner sei für Alles, was er gethan^ allseitiger Anerkennung sicher- doppelt erfreulich sei es aber, sich heute einer so großen Versammlung treuer Freunde und Schüler gegenüber zu befinden. Als Lehrer wünschten alle dem Jubilar die verdiente Ruhe nach seinen Erfolgen - sein Geist und Körper aber sei noch zu frisch, als daß wir aus ihm nicht noch Vieles außerhalb seines Lehrerberufes herausholen sollten- den Lehrer für die Schüler haben wir verloren, den Lehrer für das Leben aber wollen wir noch recht lange erhalten. Und dieser Lehrer im weiteren Sinne lebe hoch! Herr Reiber constatirt in seiner nun folgenden Ansprache, daß die über die Verdienste des Herrn Professor Buchner bereits gesprochenen Worte allen seinen Schülern aus dem Herzen gesprochen- er möge daraus entnehmen, daß die Gefühle der Anhänglichkeit und Dankbarkeit lebendig seien und ihm auch ferner erhalten blieben. Redner lobt Herrn Profeffor Buchner als Lehrer, dessen Stunden seinen Schülern die Lieblingsstunden gewesen- in denselben sei er streng, aber gerecht gewesen, bei den Schul-Ausflügen aber habe sich Herr - Buchner als Freund seiner Schüler gezeigt, als Haupt einer Familie, und so betrachte er (Redner) auch die heutige Feier als einen großen Familienabend - im Hinbick auf diesen Familienabend und die große Familie des Gefeierten gelte sein Hoch der Familie Buchner. Herr Uhl gedachte in beredten Worten der Schule,näher auf deren Aufgaben und Ziele eingehend- er müsse eonstatieren, daß die Schule immer ihre Aufgaben erfüllt, überall finde man frühere Schüler des Gießener Realgymnasiums und der Realschule- er wünsche, daß diese Schule auch ferner sei und bleibe eine Stätte edlen Strebens, eine Pflegstätte ächten Deutschthums. Sein Hoch gelte deßhalb der Schule. Herr Professor Buchner gedenkt der Freunde und Schüler, die in weiter Ferne, theils in überseeischen Ländern weilen, er habe gefunden, daß die Gießener doch überall hin verstreut seien. Eine größere Anzahl derselben habe seiner ! gedacht und ihn brieflich und telegraphisch zum heutigen Tage I beglückwünscht- wenn man so viele Anhänglichkeit und Freude von seinen Schülern erfahre, so müsse man bedauern, daß sie nicht alle'kommen konnten- mit vielen seiner Schüler sei er in dauerndem Verkehr geblieben - das Verdienst seiner Schüler aber sei es auch, daß die Sammlungen der Anstalt sich im Laufe der Zeit so bereicherten, zahlreich seien die Zusendungen für die Sammlung selbst aus entferntesten Gegenden gewesen - in Gedanken sähe er die ehemaligen in der Ferne weilenden Schüler, die der Heimath gedacht, ihnen gelte fein Hoch. Herr Professor Dr. Sievers bezeichnet in Herrn Profeffor Buchner den um die Oberhess. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hochverdienten langjährigen Schriftführer, den Dank der Gesellschaft demselben darbringend- für die Thätigkeit Buchners zeuge eine Reihe stattlicher Bände - die That- sache, daß an Buchner eine Reihe von Erscheinungen in den Vorstandsämtern vorübergegangen, ermöglichte es vielfach, daß man bewährten Rath in den die Gesellschaft berührenden Fragen immer bei Buchner holen konnte; eine große Reihe von Abhandlungen fei aus der rührigen Feder Buchners hervor- gegangen, und die Gesellschaft erwarte auch künftig, daß er die Schleusen seiner schriftstellerischen Thätigkeit öffne, auch künftig der Gesellschaft mit Rath und Thal zur Seite stehe. Herr Professor Sievers trank, unter der Aufforderung an die anwesenden Mitglieder der Oberhess. Gesellschaft f. N. u. H. dasselbe zu thun, auf das Wohl des Herrn Buchner. Herr W. Herbert, erster Sprecher des Turnvereins, feierte Herrn Prof. Buchner als Förderer der Turnerei und als practischen Turner. Er sei dem Verein beigetreten zu einer Zeit, als noch Vorurtheile und sonstige Hindernisse der Turnerei sich entgegengeftellt. Herr Prof. Buchner habe die Turnerei in Gießen, im Verein mit Ehr. Rübsamen, in die Höhe gebracht und sei mehrere Jahre Vorsitzender gewesen. Mit Freuden gedenke man heute noch der unter Theilnahme und Führung Buchners veranstalteten Turnfahrten, derselbe habe sein Theil dazu beigetragen, daß Gießen stets eine Pflegstätte der Turnerei gewesen. Er fordere, indem er der Hoffnung Ausdruck gebe, daß der Turnerei stets recht viele Freunde zur Seite stehen möchten, die Anwesenden aus, mit ihm einzustimmen in den schlichten Turnerruf: „Hut Heil"! Herr Stadtverordneter Löb er feierte den Lehrerftand, der der hiesigen Schule eine so hohe Bedeutung gegeben, so daß sie die erste Stelle einnehme - die Schule habe stets den Kreis ihres Wirkens vergrößert und mancher alte Schutt sei durch die in ihr gepflegte Wissenschaft hinweggeschwemmt worden. Er gab weiter der Freude Ausdruck, daß es uns vergönnt sei, Herrn Prof. Buchner noch rüstig hier zu sehen, nachdem viele Schüler theils der Heimath entfremdet, theils dorthin gegangen, von wo es keinen Rückweg mehr gebe- ihnen möge gelten der Abschiedsgruß der Heimath. Die Pausen zwischen den trefflichen, hier nur kurz skizzirten Ansprachen wurden durch die Regimentsmusik und mit dem Abfingen von Liedern ausgefüllt. Daß hierbei auch der Humor zur Geltung kam, möge das nachstehende, von einem früheren Schüler des Herrn Buchner verfaßte, nach der Melodie „O alte Burschenherrlichkeit" gesungene und sehr beifällig aufgenommene Lied beweisen: Rückblick. Schockweise schleppten wir die Blu- Men heim, zu Haus im Stall die Kuh Die bat sie dann gefressen! Wo bleiben die Jnt'ressen? Geo- und Mineralogie, Die beiden sind verschwistert, Was ich gekonnt, mit Noth und Müh' Hat man mir zugefliistert. Was nützten mich mit ihrem Schein Das Nordlicht und der Edelstein. — Nach Bickelstein, dem schönen, Blieb ungestillt mein Sehnen. Chemie, du warst mir kein Plaisir, Dieweil du zu verwickelt, Und in Physik, da wurde mir Zu viel geperpentikelt. Physik, Chemie, Chemie Physik — Mir schwindelt heute noch der Blick. Hurrah die alten Chatten! Die keine Schulen hatten. Trotzdem hab' ich's zu was gebracht Ich bin noch lang' kein Stoffel: Mein Vieh vermehrt sich Tag und Nacht; Desgleichen die Kartoffel. Drei Jahre war ich „Schwolang- scheer", Da hab' ich meine Bildung her; Ich laß mein' Sohn studiren Und mich nichts ästimiren! 5. Freitag den 28. September, Vormittags 8*/2 Uhr 7 Angeklagter Karl Len sch von Brandenburg a. d. H. wegen Nothzucht. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Schilling- Trhgophorus. Vertheidiger: Rechtsanwalt Labroisse. 6. Freitag den 28. September, Vormittags 11 Uhr: Angeklagter Ludwig Westerweller von Burkhards wegen Urkundenfälschung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, Vertheidiger: Rechtsanwalt Hirschhorn. 7. Samstag den 29. September, Vormittags 9 Uhr: Angeklagter Johann Georg Möller von Gunzenau wegen Betrug, Urkundenfälschung, Verbrechen im Amt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Schilling-TrygophoruS. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Jung. 8. Montag den 1. Oetober, Vormittags 9 Uhr: Angeklagte Adam H0rni und Johannes Müller I. von Birklar wegen Meineid und Anstiftung dazu. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwälte Metz und Kraft. 9. Dienstag den 2. October, Vormittags 9 Uhr: Angeklagte Peter Grodevendt Ehefrau von Ilbenstadt wegen Meineid. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Jöckel. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Stein. 10. Mittwoch den 3. October, Vormittags 8V2 Uhr: Angeklagter Kaspar Berk von Stockhausen wegen Verbrechen wider die Sittlichkeit. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Schilling-Trygophorus. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Schwarz. 11. Donnerstag den 4. October, Vormittags 9 Uhr: Angeklagte Sibylle Schul von Ober-Sorg wegen Meineid und Friedrich Reibeling von Brauerschwend wegen Verleitung dazu. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Jöckel. Vertheidiger: Rechtsanwälte Jost und Dr. Rosenberg. ** Buchuer-Feier Die Feier, welche die ehemaligen Schüler des in den Ruhestand getretenen Herrn Prof. Dr. Otto Buchneram Samstag Abend in Steins Saale zu Ehren ihres Lehrers veranstalteten, war eine in jeder Beziehung würdige und gelungene. Der Saal war festlich decorirt- die Vertreter der Behörden und hiesigen Lehranstalten, die Collegen, die Vorstände einer Anzahl Vereine, sowie viele Freunde des Herrn Professor Buchner hatten sich mit den ehemaligen Schülern, die zum Theil aus der Fremde herbeigeeilt waren, zusammengefunden. Die Reihe der Ansprachen eröffnete Herr Fabrikant Eichenauer mit dem Hinweis auf die schönen, unter Leitung des verehrten Lehrers in der Schule genossenen Stunden, der in ihnen mit der Liebe zur Natur auch die Liebe zum Vaterlande geweckt- dies gebe ihm Veranlassung, in erster Linie ein Hoch auf Kaiser, Großherzog und Vaterland auszubringen, ein Hoch, in welches die Versammlung dreimal kräftig einstimmte. — Hierauf ergriff Herr Realgymnasiallehrer Dr. Pitz das Wort, um als ehemaliger Schüler und mehrjähriger College Herrn Professor Buchner zu begrüßen. Freunde und Schüler hätten sich heute zusammengefunden, um ihm die Ehren zu erweisen, wie er sie in 40 jähriger Thätigkeit sich erworben. Es sei ein schwerer Schritt für Herrn Buchner gewesen, als er eine Wirksamkeit einstellte, die ihm zur zweiten Natur geworden - rührend sei der Abschied von der Schule gewesen. Wer zurückblicke auf die früheren Zeiten der Schule, der könne die Gefühle begreifen, die den Scheidenden jetzt beschlichen. Im Hinblick auf die erfolgreiche Thätigkeit Buchners, seine Eigenschaften als Mensch und Lehrer, seien seine früheren Schüler ihm Dank schuldig. Er erinnerte an die Jubelfeier des Jahres 1887, an die Fortschritte, die in der langen Lehrtätigkeit des Gefeierten die Anstalt, aus welcher ihm das Scheiden so schwer geworden, gemacht, an die naturwissenschaftliche Sammlung, die unter steter Fürsorge des Herrn Professors zu einer der reichhaltigsten und lehrreichsten ausgestaltet wurde. Aus all dem Erwähnten fordere er daher die Versammlung auf, die Gefühle des Dankes zusammenzufaffen in dem Rufe: Herr Prof. Dr. Buchner lebe hoch! Nachdem das Hoch verklungen, überreichte Herr Dr. Pitz im Namen der Schüler und Freunde Herrn Prof. Buchner ein Album, enthaltend die Widmung, die Anrede und die Liste mit der Unterschrift aller an der Festversammlung Teilnehmenden. Das Album ist geschmackvoll ausgeführt, die Decke mit Silberbeschlag versehen, die Blätter der Einzeichnungsliste sind geschmückt mit Aquarellzeichnungen, darstellend 1) Die alte Realschule (jetziges Polizeigebäude in der Weidengasse), 2) Die Realschule am Neuenwegerthor, (jetziges Bürgermeistereigebäude), 3) Das neue Realgymnasium und Realschule in der Ludwigs- ftraße, 4) Die alte Universität am Brand, 5) Den Hardthof, 6) Das Gesellschaftshaus, 7) Ansicht von Gleiberg und Vetzberg, 8) Schiffenberg, 9) Badenburg, 10) Eine Phantasiezeichnung. Die Zahl der Unterschriften dürfte nach unserer Schätzung 400 überschritten haben. Herr Prof. Buchner gedachte in seiner Ansprache, indem er seinen Dank für die ihm bereitete Ovation ausdrückte, zunächst der Zeit seines Amtsantrittes - seine Lehrthätigkeit sei in eine bewegte Zeit gefallen, er habe sie angetreten, als die Anstalt noch klein gewesen, im Laufe der Zeit habe sie sich gewaltig entwickelt. Aber Alles habe eine Ende, auch der Schulmeister müsse einmal aufhören, wenn er älter werde, dafür feien jüngere Kräfte da. Innerlich bewegt habe ihn sowohl der Abschied von der Schule, wie die gestrige und heutige Veranstaltung und angesichts der Aeußerung solcher Anhänglichkeit von Seiten seiner Schüler erkläre er, daß er „feine Jungen" immer gern gehabt- wenn es einmal einen „Huscher" abgesetzt, so sei dies sicherlich gut gemeint gewesen. 3n gleichem Maße, wie er seine Stellung als Lehrer zu wahren gesucht, habe er als Freund der Schüler zu handeln sich bestrebt. Gerade in der letzten Zeit sei ihm io manches eingefallen, woran er seit langem nicht mehr gedacht- die Dummenbubenstreiche in der Schule seien vergessen, die Streiche außerhalb - der Schule seien ihm aber noch in Erinnerung. Er gab hieraus einige Erlebnisse aus den vielen Schüler- führten zum Besten, betonte den günstigen Einfluß, den der Umgang mit der Jugend selbst auf den Lehrer ausübte, und Gar mancher rühmt sich hier im Saal: „Was lernt’ ich einst so fleißig", Doch war die Schul' ihm eine Qual, Ein Faulpelz er, das weiß ich. Ich nehm' es an mir selber ab; Das Lernen schien mir einst mein Grab, Doch leb' zu meiner Freude Ich, Gott sei Dank, noch heute! Wie lag mir doch die Zoologie Manchmal so schwer tm Magen. Die Lehre von dem Federvieh Wollt niemals mir behagen. Nur Balge stellt man vor mich hin, Die waren nicht nach meinem Sinn. Gebraten und gebacken, Ja, da thät's besser packen! Unheimlich wird mirs', wie noch nie, Wenn Jemand davon anfängt, Von der geliebten Ge'graphie Und was so drum und dranhängt. Wie oft träumt ich auf meiner Streu Vom Cap Severowostotchnoi! Azoren und Antillen! Das waren bittre Pillen. Botanik ja! das ist ein Fach, Was mich hat int'ressiret, Weil wir am Samstag Nachmittag Hinaus ins Feld geführet. Der Ruf nach dem Dichter dieser ergötzlichen, in Versform gebrachten „Fr ech"heit wurde vom Vorsitzenden mit einem Salamander auf den Verfasser, der nicht genannt fein wollte, beantwortet. — Nach Schluß des officiellen Theiles spann sich unter Vorsitz des Herrn Hermann Petri die allgemeine Fidulität bis lange nach Mitternacht fort. ** Zur Tabaksteuerfrage. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Durch die Blätter gehen neuerdings, wie heute durch ein phälzisches, Mittheilungen über die im Reichstage zu erwartende Tabaksvorlage. Alle bisher über letztere gemachten Angaben beruhen auf Combination, denn, wie wir erfahren, ist der im Reichs-Schatzamt vorbereitete Entwurf noch nicht ; einmal den verbündeten Regierungen zugegangen. ** Zum Ferusprechbelrieb. Die Postbehörden tragen sich, ■ wie der „Nat.-Ztg." berichtet wird, mit Erwägungen darüber, | ob für die Teilnehmer am Fernsprechbetrieb ein anderer ; Berechnungsmodus einführbar ist als der jetzige. @6' > werden Versuche mit einem selbstregiftrirenden Control-Apparate ! angestellt, welcher die Zahl der stattgehabten Verbindungen verzeichnet. Der Zahlungsmodus würde, falls die jetzt an- gestellten Versuche die allgemeine Einführung als empfehlens- werth erscheinen lassen, eine gewisse Ähnlichkeit mit derr früheren Telegrammtarifen für das Ausland haben: eine Grundtaxe für die Aufnahme in das Fernsprechnetz und dann Zahlung für tatsächlich gehabte Gespräche, die natürlich sehr niedrig zu bemeffen sein müßten, falls sich nicht für viele Theilnehmer eine sehr bedeutende Erhöhung gegen die jetzige Jahresmietbe Herausstellen soll. ** Hühnerjagd mit Hindernissen. Am vergangenen Samstag ging einem Bäuerlein auf dem Marktplatz ein „Hinkel" durch. Verfolgt, nahm es seinen Weg durch die Schulstraße in die Wagengasse, woselbst das scheu gewordene Thier durch die offene Hinterthür in einen Galanteriewaaren- laden eindrang, wo es von dem Geschäftsinhaber empfangen wurde, welcher sich nunmehr an der Treibjagd beteiligte. Das Resultat der Jagd waren eine Anzahl zerbrochener Luxuswaaren im Werthe von etwa 30 Mark, welche nun dem Bäuerlein zur Verfügung gestellt wurden. Letzterer war von diesem Jagdabschluß durchaus nicht sehr erbaut. t Lich, 21. September. Bei der gestern hier statt- gefundenen Beigeordnetenwahl trug Kasserechner LouiS T) ärmer den Sieg mit 190 Stimmen davon. Die beiden anderen Candidaten erhielten 106 bezw. 31 Stimmen. Butzbach, 22. September. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich am Donnerstag früh in der Vogt'schen Dampfziegelei am hiesigen Bahnhofe. Ein ca. 20 Jahre alter braver Arbeiter aus Oberkleen war an der Erdmühle beschäftigt. Durch irgend eine unglückliche Hantirung an dieser tm GangeHbefindlichen Maschine kam die eine Hand des jungen Mannes in die sogenannte Schnecke, sodaß, noch ehe die Maschine gestellt werden konnte, die Hand ausgerissen und der Arm so zerquetscht wurde, daß eine Amputation des Armes unausbleiblich erscheint. Die alsbald anwesenden Aerzte legten dem Verunglückten einen Nothverband an, worauf der Be- dauernswerthe mit dem Zug 7 Uhr 44 Min. in die Klinik nach Gießen gebracht wurde. Bad-Nauheim, 21. September. Einem Handlungsreisenden aus Norddeutschland ist sein vorübergehender Geschäftsaufenthalt in der hiesigen Stadt im Laufe be& Sommers verhängnißvoll geworden. Er sah zwei Weib- liche Kurgäste in der ihm unbekannten oberhesfischen Landes- tracht, von welchen die eine zudem noch hinkte. Er ahmte deren Gang spottweise nach und wurde darüber von deren Miethsherrn, mit dem er gleich darauf in einer Wirthschaft zusammentras, ernstlich zur Rede gestellt. ES kam darüber zu Thätlichkeiten und bearbeitete der Reisende seinen Gegner so ernstlich mit einem Bierseidel, daß er wegen Körperverletzung mit einer Waffe vor daS hiesige Schöffengericht verwiesen wurde. Da er auf der Tagfahrt auSblieb, wurde Haftbefehl gegen ihn erlaffen. Infolge davon hat er sich auf einer GeschäftStour in Magdeburg erschossen. Seligenstadt, 21. September. Die allgemeine Kernobsternte ist hier und in der Umgegend in vollem Gange und fällt nach Güte und Menge vortrefflich Qufl. Für Brechobst werden 8 Mk. und für Kelterobst 5,50 bis 6 Mk. per Doppelcentner erlöst. Für einzelne Landwirthe wirft die heurige Obsternte eine beträchtliche Summe ab. Gesunde Zwetschen gelten in der Umgegend nur 1 Mk. per Centner. — Die allgemeine Kartoff c lernte beginnt nächst Woche. Der Preis stellt sich auf 3,20 bis 3,50 Mk. per Doppelcentner. Die Ausfuhr geht vorzugsweise nach Westfalen und den Rheinlanden. Darmst. Ztg. △ Mainz, 23. September. Auf Beranlaffung des Bundesrathes soll im October hier eine Conferenz von Vertretern der Detailgeschäfte stattsinden, zu dem Zwecke, um über daS Offenhalten derLadengeschäfte tm Allgemeinen zu berathen. AuS ganz Deutschland werden von der Detailbranche Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Anzahl an dieser Conferenz Theil nehmen. Der Vorstand deS Vereins Mainzer Kaufleute ist bereits von berufener Seite aufgefordert werden, Vertreter der hiesigen Detailistenbranche zu benennen. — Die neuen, ausgedehnten Garn iso nS- kasernementö bei dem nahen Gonsenheim, mit deren Bau erst Ende Juni d. I. begonnen worden ist, gehen bereits ihrer Vollendung entgegen. Diese neuen Kasernementö, die ein Terrain von 16 hessischen Morgen einnchmen, bestehen aus iechszehn einzelnen Gebäulichkeiten, welche theils zur Unterbringung von Mannschaften und Offizieren, theilS als Stallungen und Magazine eingerichtet sind. Die Stallungen, Magazine 2c. liegen in dem Hinteren Theil des großen GebäudecomplexeS, während die Gebäulichkeiten für die Mannschaften in der Mitte des Terrains Platz finden. Die Vorderfront bildet eine Terrasse, hinter welcher die Wohnungen der Osfiziere zu liegen kommen. Die Gebäulichkeiten sind so gelegt, daß sie daS ganze Kasernengelände einschließen und im Innern neben den Mannschaftsbauten noch ein großer Hof und eine Reitbahn verbleibt. Vermischtes. * D. Frankfurt a. M., 22. September. Neues alldem Zoologischen Garten. Eine Sendung Giftschlangen, die vor zwei Tagen anlangte, enthält eine sehr interessante Farbenvarietät der „Kreuzotter", so daß man jetzt gut die verschiedenen Nuan.en studiren kann, in denen diese wichtige Schlange vorkommt. Auch die sogenannte „AsyiS Schlange" oder „Viper" ist angekauft worden. Unter den Vögeln ist ein großer Brachvogel mit über fingerlangem krummen Schnabel neu, unter den Säuqethieren verdienen zwei mächtige Büffelkühe und eln halbjähriges Bullenkalb Erwähnung. Von diesen sehr starken Thieren wird behauptet, daß sie tm Kampfe selbst Tiger und Elephanren besiegen, und wegen th en Verwüstungen in den Pflanzungen sind sie von den Farmern in Indien gefürchtet. — Ganz besonders hat der Garten in der letzten Zeit seinen Bestand an größeren Thieren vermehrt und das Bedürfntß nach neuen Behältern macht sich täglich mehr fühlbar. ♦ Schneidemühl, 21. September. Der Brunnentcchniker Beyer au- Berlin beabsichtigt, hier ein Wasserwerk anzulegen, welches Schneidemühl mit Waffer versorgen soll. Zwei artesische Brunnen würden dazu genügen. Wenn sich die Stadt an dem Unternehmen nicht betheiligt, will Beyer die Anlage auf eigene Kosten Herstellen. IpUlplan utr vereinigten frankfurter »tadtthrater Opernhaus. Dienstag den 25. September: Barbier von Sevilla. Ver- lobunw d ei der Laterne. Mittwoch den 26. September: Excel fror. Donnerstag den 27. September: Nienzi. Freitag den 28. September: Bajazzo. Cavalleria ruaticana Samstag den |29. September: Rbeingold. Sonntag den 30. September, Nachmittag« 3«/, Uhr: Excelfior. Abends 7 Uhr: Der Trou- dadour. Ntontag den 1. October: Excelfior. Schauspielhaus. Dienstag den 25. September: Heinrich IV. Mittwoch den 26. September: Familie Pont-Biquet. Donnerstag den 27. September: Madame San« Gl>ne. Freitag den 28. September : Maria Stuart. Samstag den 29. September: Furch t ®or der Freude. Hieraus: Die Widerspänstige. Sonntag Den 30. September, Nachmittag« 37, Uhr: EharlepS Tante. Abend« 7 Uhr: Madame Sans-G^ne. Montag den 1.Octoder: Don Eäsar. Barometerstand. Derfctyt, £anö. und volkrwirthschast. Arünberg, 22. September. Frachtpreise. Weizen 12 46, Korn X 12,70, Gerste X 10,74, Hafer X 10,66, Erbsen X 00,00, Linsen 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00.00, Kartoffeln X 0.00, Samen X 00,00. l 5 H | f ß % mux. + 91 R. I * 2 a g" £ 3 Hygrometer: ] f f jt. Neigung zu Regen. II Anmerkung: Die punktirte Linie M der Baromeierscala gibt den Stand des vorhergehenden Tages an. rvitterrrngsanssichterr am 24. September Morgen« 8 Uhr (W-tierbäuSchen in d.r Südanlage) Seidenstoffe e direkt aus der Fabrik von von Elten ft Keussen, Crefdld, in jedem Maas, zu beziehen. Schwarze, farbige u weihe Seidenstoffe, Summte, Plüsche und Bclvcts Man vcrlanae Muster mit Angabe de» Gewünschten. .E&K] IHM 99 •59 ÖZ il ~L _ Stetig steigender Absatz seit 1880 findet d. r berühmte HollLnd. Tabak bei Ls. ttvelLvr tn Seesen a. H. 10 Psd-ico. acht Mark. 7830 Aus der Landrichter Dr. Müller'schen Stiftung zu Darmstadt sind durch die unterzeichnete Behörde zwei Unterstützungslegate von je 500 Mark zu vergeben: das eine an eine bedürftige nicht kinderlose Wittwe eines richterlichen Mitgliedes bei einem früheren Stadt« ober Landgerichte oder bei einem der dermaligen Amtsgerichte ober Lanbgerichte ber Provinzen Starkenburg und Oberheffen, vorzugsweise als Beihülfe zur Erziehung minderjähriger Kinder; das andere an einen bedürftigen, elternlosen Studirenden der Rechtswissenschaft aus der Provinz Starkenburg oder Oberhessen. Zur Bewerbung um diese Legate mit Nachweis über die Qualifica- tion wird hiermit eine Frist von vier Taschen angesetzt. Darmstadt, am 20. September 1894. Großherzogliche Civildiener-Wittwenkasse-Commissivn. 7834 Rohde. Wimmenauer. Aufgebot. I Johannes Henß von (tzroßen Buscck, geboren am 20. August 1804, ist seit vielen Jahrzehnten verschollen. Auf Antrag seines Eurators, Heinrich Wagner IX. von Großen-Buseck, werden der genannte Johannes Henß und feine Leibeserben aufgefordert, sich spätestens bis zum Termin, Montag den IO. Deecmber lsd. Js., Vormittags 10 Uhr, bei dem unterzeichneten Gerichte zu melden und auszuweisen, widrigenfalls Johannes Henß für tobt erklärt unb sein Nachlaß ben gerichtsbekannten Seitenverwandten des Verschollenen überlassen werden wird. Gießen, am 19. September 1894. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Dornseiff. 7772 Obstversteigerung. Dienstag den 25. Septbr., Nachmittags 3 Uhr, wird im siscalischen Garten zu Alteu-Bnserk die diesjährige Aepfel-, Birnen- und Zwetschen - Ernte meistbietend versteigert. Gießen, den 18. Septbr. 1894. Großherzogliche Oberförsterei Gießen _____________Block.________[7787 Obstversteigerung. Donnerstag den 27. d.Mts., Vormittags um IO Uhr, soll das Gemeinde-Obst, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, öffentlich versteigert werden. Die Zusammenkunft ist im Ort bei der Kirche. Annerod, den 20. September 1894. Großh. Bürgermeisterei Annerod. I. V: 7764 Keßler, Beigeordneter. 7603] Verkaufe ein noch fast neues Break. Neustadt 48. Submission. Für unsere Kliniken soll pro 1894/95 die Lieferung von 20 Centner Aepfelu, 550 „ Kartoffeln, 15 „ unterird. Kohlraben, l*/2 „ oberird. Kohlraben, 9 “ , Zwiebeln, 1*/, „ rother Rüben, 2 „ Meerrettig, 6 „ weißer Rüben, 10 „ gelber Rüben, 36 „ Weißkraut, 100 Stück Rothkraut, 300 „ Wirsing, 350 „ Lauch und 250 „ Sellerie auf dem Wege ber öffentlichen Submission vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungsbureau, Nachmittags von 3—5 Uhr, eingesehen werden. 7735 Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 6. October d. I., Vormittags 12 Uhr, auf dem er- wähnten Bureau abzugcben. Der Zuschlag erfolgt bis zum 9. October. Gießen, den 20. September 1894. Großh. Verwaltungs'Direktion der chirurg.'vphtalm.Univ-Klinik. Mittwoch den 26. Sept, l A, Nachmittags 2 Uhr, werden im Biekerschen Saale — Neustadt 10 — versteigert: Möbel aller Arten, Betten, Spiegel, Bilder. 3 schwere Wagen, 1 Sommer- waaen, 1 Pianino, 1 Hobelbank, eine Schleudern» schine, mehrere goldene Ketten, 5 Weinbowlen, 2 Ausstanz- maschinchen, 1 GaSlampe, 9 Stuck- rosetten, 6 Oeldruckbllder u. a- m- «eitzler, 7848_________________Gerichtsvollzieher. ÄL SchlaWaus. Freibank. [7850 Heute und morgen: Schweinefleisch, nicht labenrein, per Psd. 5( »PI«. Kapok oder Pflanzendauneu vorzügliches Material zur Füllung von Matratzen, billigst bei [7707 C. Böhr & Co. Neue ii. gebrauchte Säcke, Strohsäcke, Strohsackleinen, Scheu ertlicher empfiehlt billigst 7694 Hob. Stuhl, Neustadt 23. Wagenverkauf. Neue Bäcker- unb Metzger wagen, Halbverdecks, Breaks unb Landauer, sowie 4 gebrauchte Halbverdecks und ein Dogart zu verkaufen bei 7607 ______Fr. Grauer, Butzbach. CO CD CO Prima neues Sauerkraut empfehlen in hochfeiner Waare A. & G. 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