Nr. 276 Erstes Blatt. Samstag den 24. November 1894 Der Hießener -nreiger erscheint täglich, mit Au-nahme de- MontagS. Die Gießener I»amilieu5tä1ter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelcgt. Gießener Anzeig er Generak-Wnzeiger. vierteljähriger Lvonuc mentLprei» r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expeditt»» und Drutkerei: Schutstraße llr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblntt für* den Äveis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Kamilienötätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bex folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Gießen, den 22. November 1894. Betreffend Ausführung des Reichsgesetzes vom 5. Mai 1886 über die Unfallversicherung der in land- und forstwirtlffchaft- lichen Betrieben beschäftigten Personen, hier die Einziehung der Genoffenschaftsbeiträge. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen sm die «rotzft. Bürger 8, elfter eie« de- «reifes. Nach einem bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz eingereichten Berichte des Vorstandes der land- und forftwirthschaftlichen Berufsgenoffenschaft ist die Einsendung der auf die Mitglieder der letzteren umzulegenden Beiträge an den GenoffenschaftSvorstand auch im Jahre 1894 nur mit erheblicher Verzögerung durchgeführt worden. Obwohl die Versendung der von dem Genoffenschaftsvorstande aufgestellten ErhebungSverzeichniffe an die Großh. Burger- meistereien bereits am 10. Mai d. I. beendet war und sonach gemäß § 20 der V. O. vom 10. Juli 1888 sämmtliche Beiträge für das Jahr 1893 spätestens am 10. Juni v. I. in den Händen des Rechners der Genossenschaft hätten sein müffen, sind zu diesem Zeitpunkte noch eine ganze Reihe von Gemeinden mit der Abführung jener Beiträge rückständig gewesen. Im Anschluß an uns.r Ausschreiben vom 27. Februar d. I. (Kreisblatt Nr. 50) müffen wir Ihnen deßhalb wieder» holt empfehlen, dahin zu wirken, daß die Beiträge innerhalb längstens vier Wochen nach Empfang des von dem Ge- noffenschaftsoorstande ausgestellten Erhebungsverzeichnisses durch die Gemeindceinnehmer in ganzer Summe an den Ge» noffenschaftsvorstand eingesendet werden. Zu diesem Zwecke werden Sie angewiesen, fchon bei Aufstellung der Gemeindevoranschläge für das Vorhandensein eines ausreichenden Betriebscapitats Sorge zu tragen, aus welchem die umzulegenden Mitgliederbeiträge, sofern deren Einziehung nicht innerhalb der vorerwähnten vierwöchigen Frist bewirkt werden kann, vorlagSweise an die GenoffenschaftS- kaffe abgesührt werden können. v. Gagern. Deutscher Neich. Berlin, 22. November. Das Großherzogliche Haus Sachsen-Weimar und das ganze Weimartiche Land sind durch das am Dienstag Nachts ll®/4 Uhr in Cap St. Martin (Süd-Frankreich) erfolgte Ableben des Erbgroß- herzogs Carl August in tiefste Trauer versetzt worden. Der hohe Verblichene war von demselben furchtbaren Leiden befallen worden, das den Kaiser Alexander III. dahinraffte; in dem milden Klima der französischen Riviera gedachte der Erbgroßherzog mindestens Linderung seines Le-dens zu finden. In der Thal lauteten die Berichte über sein Befinden in den letzten Wochen verhältnißmäßig günstig, aber eine plötzlich aufgetretene Lungenentzündung gesellte sich zu dem alten Uebel und führte den Tod des erlauchten Patienten herbei. Groß ist der Schmerz der Großherzoglichen Familie und der gesammten Bevölkerung um den mit so mannigfachen Gaben des Geistes und des Herzens wie mit vortrefflichen Character- etgenschaften geziert gewesenen Prinzen, am schwersten aber dürfte Großherzog Carl Alexander gebeugt sein, der bereits seinen 76. Geburtstag gefeiert hat und nun seinen einzigen Sohn beweinen muß. Erbgroßherzog Carl August war geboren am 31. Juli 1844 und vermählt mit Prinzessin Pauline, Tochter des Prinzen Hermann von Weimar. Der überaus glücklichen Ehe entstammen die Prinzen Wilhelm Ernst, geboren 10. Juni 1876, und Bernhard Heinrich, geboren 18. April 1878. — Die Vorlage über die Bekämpfung der U msturzbestreb ung c n scheint bestimmt den Vorrang in der parlamentarischen Behandlung vor den übrigen gesetzgeberischen Stoffen der hcrangenahten R ichstagssession erhalten zu sollen. Die Nachricht, daß der Inhalt des wichtigen Gesetzentwurfes baldigst und zwar im Wortlaute, zur Veröffentlichung gelangen werde, kann nur mit Genugthuung ausgenommen werden, denn hierdurch wird es der öffentlichen Meinung ermöglicht, sich noch üot der Berathung der Vorlage im Reichstage ein Urtheil über die Grundzüge der geplanten Maßnahmen zu bilden. Im Uebrigeu bezeichnen die osficiösen „Berl. Pol. Nachr." die genannte Vorlage als „geheim" und bemerken hierzu, schon aus dieser Thatsache erhelle zur Genüge, daß die über ihren Inhalt umlaufenden Mittheilungen mit großer Vorsicht aufzunehmen seien. Das officiöse Organ betont, der Entwurf ziele in der Hauptsache nur auf eine präcisere Faffung gewisser Bestimmungen des Strafgesetzbuches, gegen bestimmte Parteien oder bestimmte Bevölkerungsklassen sei er durchaus nicht gerichtet. — Dem Bundesrathe ist der Entwurf eines Ge- setzes über die Bestrafung des Sclavenraubes und des Sclavenhandels zugegangen. Der Reichstag hat sich schon wiederholt mit dieser Frage beschäftigt, doch kamen die betreffenden Vorlagen niemals zur Erledigung. — Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe- Schillingsfürst ist von seinem Aufenthalte in Süd- Deutschland wieder nach Berlin zurückgekehrt. — Die Strafexpedition des Gouverneurs Obersten v. Scheele gegen die Wahehe im Inneren von Deutsch- Ostafrika hat zu einer empfindlichen Niederlage dieses räuberischen Volkes geführt. Die Expedition erstürmte das stark befestigte Kuiremja, eine der Hauptstädte der Wahehe, und zerstörte den Platz gänzlich. Deutscherseits sielen Lieutenant Maaß und 8 ASkari, 29 Askari wurden schwer verwundet; die Verluste des etwa 3000 Mann starken Feindes waren sehr beträchtlich. Die Expedition erbeutete die Geschütze und Gewehre der Zelewski'schen Expedition, viel Vieh, Elfenbein, Pulver usw. und befreite 1500 Weiber und Kinder, die von den Wahehe geraubt worden waren. Alsdann trat die Expedition den Rückmarsch nach Kilossa an; ein hierbei unternommener Angriff von 1500 Wahehe auf die Truppen bei Mage wurde kräftig abgeschlagen. Letzterer Vorgang beweist aber doch, daß die Wabehe trotz der Einnahme von Kuiremja keineswegs enlmuthigt sind, es wird daher zu ihrer Unterwerfung wohl noch mancher Kämpfe bedürfen. Nerieste Nachrichten. WolffS telegrsphffcheS Lorrcsponbens-Bureau. Weimar, 22. November. Ein Erlaß des Großherzogü gibt den Tod des Erbgroßherzogs kund und den Uebergang des erbgroßherzoglichen Titels auf den ältesten Sohn des verstorbenen Prinzen, Wilhelm Ernst. Petersburg. 22. November. Bei dem gestrigen Cercle im Winterpalast stellte Prinz Heinrich dem Kaiser die preußischen Militär - Deputationen vor. Der Fenilleton. Alexander Strakosch. In der Zahl der Recitatoren, welche in der deutschen Kunstgeschichte einen dauernden Platz einnehmen werden, darf Alexander Strakosch als der hervorragendste genannt werden. Es ist eine eigenartige Kunst, welche er sich zurecht gelegt hat — eine Kunst, die eigentlich durch keine der landläufigen Bezeichnungen, wie „Recitation", „Vortrag" oder „Vorlesung" zur Genüge gekennzeichnet wird. Man wäre in Verlegenheit, den richtigen Namen für sie zu finden, denn die vorhandenen sagen entweder zu viel oder zu wenig. Strakosch darf sich rühmen, daß er in seinen Hörern die Illusion hervorruft, als säßen sie in einem Schauspielhause; rind doch arbeitet er ohne den Apparat der Bühne — er hat nichts als das gesprochene Wort, um zu wirken. Zweierlei ist eß, was Strakosch aus der Schaar seiner Kunstgenoffen heraushebt, einmal die wunderbare Vertiefung seiner Auffaffung, daß andere Mal die charactervolle Action seines Vortrages. Da ist kein Wort und keine Silbe, die nicht von seiner forschenden und ergründenden Subjectivität durchströmt wäre, die er sich nicht zum vollen, zur freien Verfügung stehenden geistigen Eigenthume gemacht hätte, die er nicht in seinem eigenen Wesen durchs und auSempfunden hätte. Man hört es auS jedem Worte heraus, daß das -Leben, nicht bloß die Theorie die Lehrerin StrakoschS gewesen ; denn um so das Leid und Wehe Anderer, die bitter- -süßen Gefühle der Menschheit wiederzugeben, muß man selbst gelitten, gefühlt, empfunden haben. Das Goethe'sche „Wenn Jhr's nicht fühlt, Ihr werdet's nicht erjagen, „Wenn es nicht auS der Seele dringt „Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt —" wird hier zur vollen Wahrheit. Und um nun, mit Goethe weiter zu reden, noch inniger „Herz zu Herz" zu schaffen, begleitet Strakosch, selbst ruhig und unbeweglich in der Hal' lung des Oberkörpers, seinen Vortrag mit einer wohlberechneten, bald erläuternden, bald zum Nachdenken anregenden, bald die Aufmerksamkeit auf einen Punkt fesselnden Action, mit einem Augen , Mienen- und Händespiel, das nicht minder sicher wie sein Vortrag selbst, den Sinn des Gesprochenen entsiegelt, das dunkle Dichterwort blitzartig erleuchtet. Auch alle übrigen Eigenschaften, die den großen Vor- tragSkünstler ausmachen, sind bei Strakosch zu finden. Kraft, Fülle, Biegsamkeit des Stimmorgans, Schärfe der Aussprache, und dies in einer solchen Weise, daß selbst sein geflüstertes Wort im weiten Saale bis in die fernsten Ecken gehört wird; die Fähigkeit feinster Abtönung und Scdattirung, die ihm beim dramatischen Vortrag zur Auseinanderhaltung der Rollen trefflich zu statten kommt, das Alles erblicken wir bei Strakosch im glücklichsten Vereine, das Alles erzielt wunderbare, große, man möchte sagen, dämonische Wirkungen. Der Name des seltsamen Mannes tauchte ganz plötzlich auf. Es war im Jahre 1872, als Laube das Wiener Stadttheater eröffnete, mit der offenkundigen Absicht, einen (Son* currenzkrieg gegen das Burgtheater zu führen. Das Unternehmen wurde allgemein als ein geradezu unsinniges betrachtet. Kaum ein Jahr war Laube gegönnt gewesen, die Werbetrommel in Deutschland zu rühren. Sein Personal war auS allen Gauen des Reiches zusammengelesen; das Burgtheater dagegen hatte sein altberühmtes, wohlaccredirtes Ensemble mit Künstlern ersten Ranges. Um so mehr überraschten die Erfolge der neuen Bühne, welche- selbst Vorstellungen classischer Stücke bot, die jenen des Burgtheaters nicht nachstanden. Wer hatte die Künstler des Stadttheaters ausgebildet? wer ihr Talent entdeckt und in die richtige Bahn geleitet? Die Frage lag auf allen Lippen und ein Wort war die Antwort: Der Name Strakosch. Auch ihn hatte man früher nicht gekannt. Der alte Laube stellte ihn als „Vortragsmeister" in seinem Theater an, und in dieser Eigenschaft erwies er sich als ein wahrer Schatz. Zur glücklichen Erkenniniß des Talentes, wo es vorhanden war, gesellte Strakosch die stilgerechte Ausbildung zu einer edlen Schauspielkunst. Kein Wunder, daß die kunstbegeisterte Jugend Deutschlands bald zu ihm wallfahrtete wie zu einem Propheten. Man forschte der Vergangenheit des Wundermannes nach, und erfuhr, daß er in Eperics in Ungarn als Kind armer Eltern geboren war, daß er am akademischen Gymnasium in Wien seine Studien gemacht hatte, und dann von der Liebe zum Theater ersaßt, ein Schüler Sonnenthals geworden. In den 60 er Jahren war er Mitglied des Deutschen Theaters in Budapest, wo sein ungewöhnliches Talent dieselbe Anerkennung sand, wie im Hostheater zu Hannover, dem er zuletzt angehörte. Von dort ging er nach Paris, wo er nach einiger Zeit in der „Salle Scribe" ein Concert veranstaltete, und mit dem Vortrag einiger Szenen aus „Hamlet" und der „Glocke" Schil- ler's einen kolossalen Erfolg errang. Er wollte sich dem französischen Theater widmen, studirte bei Märtel und 6e; suchte später das Pariser Conservatorium. Dort gewann er namentlich seine rhetorische Ausbildung, welche unsere deutschen Schauspieler leider entbehren müffen, und die ihn befähigte, seinen Schülern die werthvollen declamatorischen Lehren zu geben, die man bei ihm suchte. Eine vorübergehende Lähmung der linken Hand machte indeß der schauspielerischen Laufbahn Strakoschs ein Ende. Er ging zu Heinrich Laube, der seine hervorragenden Fähigkeiten richttg erkannte, und ihm als Vortragsmeister anfänglich in Leipzig, später in Wien einen neuen Wirkungskreis eröffnete. Seine Schule feierte Triumphe; alle seine Schüler zeichnen sich durch das klare Verständniß ihrer Aufgaben, die edle Decla- mation, und die poetische Verkörperung der dramatischen Ge- stalten aus. — Nach dem Tode LaubeS widmete sich Sra- kosch dem declamatorischen Vortrag im Concertsaal. Als solcher hat er in allen Theilen des Reichs, in Amerika, Italien u. s. w. kolossale Erfolge errungen. Strakosch darf, wie oben erwähnt, als der bedeutendste aller jetzt lebenden deutschen Kunstvorleser gelten, sei es nun, daß man die Größe seiner natürlichen stimmlichen Begabung, oder die Tiefe seiner Auffaffung, oder die maßvolle Schönheit seiner rednerischen Action mehr in den Vordergrund stellt, und sehr bezeichnend sagt Bodenftedt in einem kleinen, nach Anhörung von Strakoschs Vorträgen sofort nieder- geschriebenen Gedichtchen: „Wie Bilder, die auS ihrem Rahmen treten, „Wo jedes nur als Schattenbild erschien, „Läßt Strakosch die Gestalten der Poeten „In Fleisch und Blut an uns vorüberziehn. Die künstlerische Begeisterung, die ihn erfüllt, ist die Quelle aller Erfolge, die er errungen, und hat der kleinen, fast unscheinbaren Gestalt zu ungewöhnlichem Ruhme ver- holfen. — Prinz trug die Uniform des 33. russischen Dragoner-Regi- mentS. Washington, 22. November. Reuter - Meldung. Der amerikanische Gesandte in Tokio ist als Vermittler etwaiger Friedensvorschläge Chinas von Japan angenommen worden. Der Staatssecretär Gresham telegraphirte den amerikanischen Gesandten in Peking und in Tokio, sie sollten derartige Vorschläge übermitteln. Hiroshima, 22. November. Reuter-Meldung. China gab die Absicht zu erkennen, als eine Frtedensbedinguug die Zahlung einer Kriegsentschädigung im Betrage von 100 Millionen Taels und der Kriegskosten vorzuschlagen. Depeschen deS Bure« »Herold''. Berlin, 22. November. Der „Reichsanzeiger" meldet, baß der Königliche Hof heute für den Erbgroßherzog von Sachsen dir Trauer auf vierzehn Tage anlegt. Berlin, 22. November. Heute Vormittag ^fanden, wie dem „B. T." ein Telegramm aus Wien meldet, auf-der soeben vollendeten Telephonlinie Wien-Berlin die ersten directen Gespräche zwischen den beiderseitigen staatlichen Organen statt. Das Ergebniß war ein ziemlich befriedigendes. Die Eröffnung des Verkehrs ist noch nicht bestimmt. Berlin, 22. November. Wie die „Neuesten Nachrichten" vernehmen, trftt der Go uv ern eur von Kamerun, Zimmerer, von seinem Posten zurück. An seine Stelle kommt der oberste Beamte von Togo, v. Puttkammer, welcher wiederum durch den Bezirksamtssecretär in Kamerun, v. Oertzen, ersetzt wird. — Der Bundesrath hielt heute unter dem Vorsitze des Ministers v. Bötticher eine Sitzung ab, in der die Umsturzgesetzvorlage dem zuständigen Ausschuffe überwiesen wurde. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, daß nach dem augenblicklichen Stande der Etats- berathung im Bundesrathe anzunehmen ist, daß das Plus an Matrikularbeiträgen gegenüber den Ueberweisungen an die Einzelstaaten etwa 34 bis 35 Millionen betragen wird. Frankfurt a. M., 22. November. Resultat der Stadtverordnetenwahlen. 1. Bezirk. Wtedergewählt: Hildebrandt, Müller, Scherlensky und Dr. Neukirch (Verein. Demokraten-Freisinn). 2. Bezirk. Neugewählt: Emmerling und Heyter (Verein. Dem.-Freis.). Stichwahl zwischen Kaufmann (Dem.-Freis.) und Weitz (Steuerprot. und Natl.). 3. Bezirk. Stichwahl zwischen Sauerwein, Wirth (Dem.- Freis.) und Carl und Volcker (Steuerprot.) 4. Bezirk. Wiedergewählt: Harnier und Kugler (Verein. Dem.-Freis.). 5. Bezirk. Stichwahl zwischen Dr. de Bary, Ph. Bonn (Freis, u. Dem.), Dr. Oswalt (Natl.), Fries-Dondorf, Alfermann und Kayser (Steuerprot.) 6. Bezirk. Wiedergewählt : Blecker, Creizenach und Funck (Ver. Dem. u. Freis.). 7. Bezirk. Voraussichtliches Resultat: Neugewählt: Steinbrinck (Steuerprot.), Nonne (Natl.). Stichwahl zwischen Hartherz (Freis.-Dem.) und Fröhlich (Natl.). Wien, 22. November. Auch gestern konnte eine Verständigung in der Wahlreform nicht erzielt werden. Die „Neue Freie Preffe" constatirt, daß Alles auf die Haltung des Grafen Hohenwart ankomme. Besteht derselbe auf seiner bisherigen ablehnenden Haltung, dann ist die Sprengung der Coalirion und die Ministerkrisis unvermeidlich. Wien, 22. November. Der auö Petersburg hier eingetroffene Erzherzog Carl Ludwig überbrachte dem Kaiser ein herzliches Handschreiben des Czaren. Graz, 22. November. Das Pulv ermagazin der Bürgermeisterei in Friedberg ist in dte Lufr geflogenangeblich sollen Zigeuner bei einem versuchten Einbruch die Explosion verursacht haben. Ob Menschenleben zu beklagen find, ist noch unbekannt. Budapest, 22. November. Das Armeeverordnungsblatt meldet die Ernennung des Czaren Nicolaus II. zum Oberstinhaber des 2. Alexander-Infanterie-Regiments. Das 5. Ulanen-Regiment nimmt den Namen des Czaren an. Brüssel, 22. November. Die Gräfin von Flandern und Prinzessin Henriette reisen Samstag Mittag nach Berlin, um hier eine Begegnung mit Kaiser Wilhelm zu haben. Mons, 22. November. Der socialistifche Artillerieoffizier, der von seinen Kameraden aufgefordert wurde, öffentlich zu erklären, ob er im Falle soctalistischer Unruhen seiner Pflicht als Offizier nachkommen oder zu den Socialisten übergehen werde, veröffentlicht heute in den Blättern eine Erklärung, worin er ankündigt, der Minister des Innern werde in der Kammer demnächst darüber interpellirt werden, ob die Freiheit der politischen Meinckng in Belgien nur mehr eitle Phrase sei und ob der Umstand, daß er als Offizier der socialistischen Partei angehöre, ihn hinfort unwürdig mache, in der Armee zu bleiben. Paris, 22. November. Anläßlich des Prozesses Drehfuß fordert der „Figaro" strengere Gesetze für Spione. Dreysuß soll an fünf Abgeordnete und an vier Civtlpersonen geheime Schriftstücke gegeben haben. Infolge dessen wird der Proceß nicht vor dem Kriegsgericht, sondern vor den Assisen verhandelt. Paris, 22. November. Die Kammer eröffnete heute Nachmittag die Debatte über die Madagaskar-Expedition. Der Socialist Grousset empfahl einen Vertagungsantrag bis nach der Untersuchung über die politische Lage im Orient und in Asien. Der Antrag wurde mit 420 gegen 59 Stimmen abgelehnt. Im Verlaufe der Debatte tadelte der Abgeordnete Alype, daß der Minister des Aeußern mit den Hovas Diplomatie getrieben habe. Frankreichs Pflicht war zu imponiren, nicht zu disputiren. Redner erklärt, unter der Heiterkeit des Hauses, daß vor dem Jahre 1885 französische Diplomaten durch eine Flasche schlechten Champagners die Königin von Madagaskar zu Zugeständnissen bewegen konnten. Alle Minister sind anwesend, nur wenige Abgeordnete fehlen. London, 22. November. „Daily Telegraph" hält die ^,Standard"-Meldung von einer JsolirungDeutschlands bei dem etwaigen Zusammenbruch des Dreibundes für völlig unbegründet. London, 22. November. Die Japaner haben ein Fort in der Nähe von Port Arthur eingenommen. Loudon, 22. November. Aus Chefoo wird gemeldet: Der „Chesyün", das größte chinesische Kriegsschiff, scheiterte bei der Einfahrt in den Hafen von Wei Hai- Wei, während es die an der Hafenbucht von Lin-tai-Tsan liegenden Torpedos zu meiden gesucht hätte. Es verlautet, daß der Commandant des Schiffes in der Verzweiflung Selbstmord begangen habe. Petersburg, 2?. November. Prinz Heinrich von Preußen und der Großherzog von Hessen sind für morgen zum Diner in der deutschen Botschaft angesagt worden. Prinz August von Sachsen begab sich heute auf die Rückreise nach Deutschland, ebenso der Herzog von Württemberg. Die Militärdeputationen von Bayern und Oesterreich reisten bereits gestern Abend zurück. Petersburg, 22. November. Mit Rücksicht aus die Erledigung dringender Regierungsgeschäfte hat der Czar den nach seiner Vermählung in Aussicht genommenen Aufenthalt in Zarskoje Sselo aufgegeben. Der Monarch besucht häufig seine Braut im Palais des Großfürsten Sergius und zwar legt er stets den Weg nach dort zu Fuß zurück. Die für seine Sicherheit verantwortlichen Personen ersuchten den Czaren, diese Spaziergänge einzustellen, worauf jedoch der Kaiser in energischer Weise diese Vorstellungen zurückwies mit dem Htnzufügen, daß er überhaupt nicht von einer zu großen Zahl von Sicherhettsbeamten begleitet zu sein wünsche. Petersburg, 22. November. Die Beerdigun g An ton Rubinsteins übernimmt der Staat- sie wird voraussichtlich Mitte nächster Woche stattfinden. Die Obduction hat Verfettung aller Organe ergeben. Der Tag der Ueberführuna der Leiche nach Petersburg ist noch unbestimmt. Petersburg. 22. November. Das kaiserliche Brautpaar hielt gestern ein Diner im Winterpalais ab. Es waren Einladungen an die anwesenden fremden Fürstlichkeiten, Großfürsten und Großfürstinnen ergangen. Sofia, 22. November. An der Grenze ließ die türkische Regierung alle berliner, französischen, englischen und russischen Zeitungen vom 18. November, welche Drahtmeldungen über die ar metrischen Greuel brachten, mit Beschlag belegen. Sitznng der Stadtverordneten am 22. November 1894. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Faber, Habenicht, Jughardt, Helfrich, Heß, Heyligenstaedt, Homberger, Keller, Löber, Orbig, Schiele, Scheel, Dr. Thaer, Schmall, Vogt und Wallenfels. Großh. Universitätsbibliothek hat um Überlassung von s. Z. für daS städtische Archiv gefertigten Photographien alter Häuser und Straßenzüge Gießens, wie solche auch dem Oberhessischen Geschichtsverein für seine Sammlungen über- laffen wurden, nachgesucht. Das Gesuch wird genehmigt. Zur Vervollkommnung der Anpflanzungen im Schulgarten der höheren Mädchenschule, dessen Wichtigkeit für den botanischen Unterricht sowohl wie dessen sorgfältige Instandhaltung anerkannt wurden, werden 50 Mk. bewilligt. Herr Michael Kreiling hat um Concession zum Branntweinverkauf über die Straße in dem bisherigen Seu- ling'schen Specereigeschäft, Steinstr. 78, nachgesucht. Die Bedürfnißfrage wird bejaht. — Bezüglich des Gesuches des Herrn Wilh. Seuling um die Erlaubniß zÄm Branntweinverkauf über die Straße in dem Neubau des GesuchftellerS, Wetzstetnstraße 45, beschließt die Versammlung in Ueberein- stimmung mit Großh. Poltzeiamt Verneinung der Bedürfnißfrage. — Die Bedürfnißfrage bezüglich des Gesuches des Herrn Johs. Gonder um Concession zum Branntweinverkauf in seinem Laden, Brandgasse 6, wird mit Rücksicht darauf, daß der vorige Inhaber Concession besaß, bejaht. — Dagegen wird die Bedürfnißfrage verneint bezüglich des Gesuches des Herrn Wilh. Mayer um Erlaubniß zum Verkauf und Ausschank von Branntwein im Hause Nr. 1 der Neustadt. Cocafc* ttitö LvovL-rBeVles Gießen, den 23. November 1894. ** Kammern für Handelssachen. Durch Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden die seitherigen Vorsitzenden der Kammern für Handelssachen, und die seitherigen Stellvertreter der Vorsitzenden auch für die Geschäftsjahre 1895, 1896 und 1897 bestellt, und zwar. 1) zu Vorsitzenden der Kammern für Handelssachen am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh. Landgerichtsrath Schäfer- am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh. Landgerichtsrath Dr. Möbius- am Landgericht der Provinz Rheinheffen der Großh. Landgerichtsrath Thaler- 2) zu Stellvertretern dieser Vorsitzenden: am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh. Landgerichtsrath Weller- am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh. Landgerichtsrath Dr. Schäfer- am Landgericht der Provinz Rheinheffen der Großh. Landgerichtsrath Keller. ** Parlamentarisches. Den Bericht des ersten Ausschuffes der Zweiten Kammer über den Antrag der Abgg. Muth und Genossen, die Aufforstung von Gemeinde- Wüstungen und Hutweiden im Vogelsberg betreffend, erstattete der Abgeordnete Haas. Gelegentlich der Budgetberathung beantragten die Abgeordneten Muth und Genossen: die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, im Nachtragsbudget die Beiträge zur Aufforstung von Gemeinde-Wüstungen und Hutweiden im Vogelsberg zu erhöhen und mit 10 000 Mk. pro Jahr etnzustellen. — lieber diesen Antrag äußerle sich die Großherzogliche Regierung: „Da voraussichtlich ein Nachtragsbudget, wie es früher beabsichtigt war, dem jetzigen Landtag nicht vorgelegt werden wird, wird die Großherzogliche Regierung in Erwägung ziehen, ob nicht durch besondere Vorlage den Ständen die Bewilligung eines entsprechenden Betrags zur Subventionirung von ärmeren Gemeinden bei Aufforstung von Wüstungen und Hutweiden, möchte anzusinnen sein, sobald die künftige Finanzlage des Großherzogthums mit mehr Sicherheit übersehen werden kann, als dermalen." Der Ausschuß beantragt: Großherzogliche Regierung zu ersuchen, die in Aussicht gestellte Vorlage baldthunlichst an die Landstände gelangen zu lassen. -g-. Das gestrige zweite Abonnementsconcert der hiesigen Regimentsmusik im Festsaal des Case Leib fand, Dank der gediegenen Zusammensetzung des Programms, eine ungeteilt beifällige Aufnahme, wie der reiche Applaus der zahlreich anwesenden Hörer zur Genüge bewies. Ein näheres Eingehen auf das Programm sei uns erlassen, jedoch verdient hervorgehoben zu werden neben den classischen Piecen von Richard Wagner, Schubert u. A. die tadellosse Wiedergabe des da capo verlangten „Vorspiel zu König Manfred" (5. Act) von Reinecke, die stimmungsvoll gemäthsinnige Fantasie „Mendelssohniana" von Dupont, sowie in der letzten Abtheilung die „Czardas"- Wiedergabe aus der Oper „Der Geist des Woiwoden" von Großmann. Als ausführender Solist ließ sich Herr Schwarz, in einem Bravourstück für Piston über „Der Carneval von Venedig" hören, dessen glänzende, alle Schwierigkeiten überwindende, ausdrucksvolle Vortragsweise über künstlerische Befähigung bestens Zeugniß ablegte. Die Abonnementsconcerte verdienen die Aufmerksamkeit aller Musikfreunde, umsomehr als Herr Musikdirector Krauße es sich angelegen sein läßt, durch gewählte Programme und gediegene Ausführung dieselben zu anziehenden zu gestalten. Schließlich noch einen Wunsch: auf dem Programmzettel vor dem Vermerk über das Räuchen auch: „Störungen während des Vortrags der Piecen sind zu vermeiden", denn durch das, gelinde gesagt, rücksichtslose, stellenweise allzulaute Sichbemerkbarmachen wurde der Genuß einiger Nummern erheblich beeinträchtigt und gestört. Wer dazu sich nicht kann verstehn, Der mag — in eine Kneipe gehn. ** Das Präsidium der Kriegerkameradschast „Hasfia^ erläßt folgende Bekanntmachung: Die von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog zum Andenken an die Allerhöchste Vermählung gestiftete Erinnerungsmedaille ist nunmehr in einer nach Allerhöchster Willensmeinung beschränkten Zahl zur Verausgabung gekommen. Bon den Truppen nehmen hieran Theil: nur Generalität, Regimentscommandeure und einzelne im spectellen Dienst gewesene Chargirte, dann die Flügeladjntanten, der Hofstaat, die Ministerien, sowie einige im Allerhöchsten Dienst gewesene Garde-Unteroffiziere und' Gendarmen. Auch entfielen mehrere Medaillen auf die Vertretung der Residenz und der hiesigen Corporationen sowie Vereine, welche beim Einzug betheiligt waren. Auch an 33 Angehörige der „Hassia", welche damals im Einzugsspalier gestanden haben, hat die Großherzogliche Cabtners- direction in Allerhöchstem Auftrag Medaillen geschickt. ES wird dies zur Kenntniß unserer Mitglieder gebracht, um überflüssigen Anfragen, die bereits erfolgt, weiterhin vor- zubeugen. Eine Meldung Seitens der Beliehenen wird Allerhöchsten Ortes nicht erwartet. Friedberg, 21. November. Die Bewohner eines Hauses in der Kirchgasse schweben fortwährend in der Gefahr, daß. ihnen die Wohnung plötzlich über dem Kopf zusammenstürzt. Dor einigen Mocken entstand ein großes Loch vor dem Hanse, das man ausfüllte und mittels eines Gewölbes unschädlich zu machen suchte. In der verfloffenen Nacht fand nun abermals eine Erdsenkung statt und das bedrohte Gebäude mußte durch Stützen vor dem Zusammenbruch geschützt werden. Auch in der Allee befindet sich eine Stelle, wo schon einigemal eine Senkung des Bodens erfolgte. Jedenfalls sind diese Erscheinungen auf das Einbrechen früherer Kellergewölbe zurückzuführen. Stammheim, 20. November. Frisch und gesund fuhr gestern ein im mittleren Lebensalter stehender hiesiger Einwohner aufs Feld, wurde aber nach kurzer Zeit seiner Familie als Leiche in Haus gebracht. Er hatte nämlich kaum zwei Furchen geackert, als ihn ein Unwohlsein befiel, so daß er einen gerade vorbeifahrenden Wagen bestieg, der ihn nach Hause bringen sollte. Wenige Minuten darauf starb er infolge eines Schlaganfalles. Man kann sich den Schrecken der schwer heimgesuchten Familie, die aus Frau und vier Kindern, worunter noch eins schulpflichtig, besteht, denken. 8. Darmstadt, 22. November. Im Anschluß an das iw unserem Blatt kürzlich erschienene Inserat, das diesjährige „Judithfest" betreffend, schreibt man uns: „So ist denn endlich einmal wieder „Judith", die Schutzgöttin der Affefforen- und Accessiftenwelt, aus sechsjährigem Schlafe erwacht und versammelt ihre .getreuen Jünger in Hessens Residenz zu fröhlichem Scherze. Wer die früheren Judithfeste mitgemacht, weiß, welcher Geist des Humors und der Satire sie durchwehte und wird gerne aufs Neue dem Rufe der Göttin folgen, um auf einige Stunden des Amtes Bürde über heiterem Spiele zu vergessen. Wie stets wird auch diesmal und zwar am Abend des 8. December im städtischen Saalbau ein im Stile der früheren gehaltenes Fe st stück in Scene gehen^ mit daran sich anschließendem einfachen Festessen und Kneipe, worauf anderen Tages auch der Kater bei solennem Frühschoppen und event. Nachmittagsbummel zu seinem Rechte kommen wird. — Wie wir hören, ist auch bereits eine stattliche Anzahl Eintrittskarten zur Ausgabe gelangt, so daß das diesjährige Fest auch an Umfang der Betheiligung den früheren Nichts nachgeben dürfte. Es fei zugleich hierbei daraus aufmerksam gemacht, daß, wie wir aus bester Quelle erfahren, Diejenigen, welche noch am Feste Theil zu nehmen wünsche:', zu diesem Behufe baldigst bei dem In- dithfel: v'. n'iiv vi Darmstadt (Adr. Reg.-Assessor Dr. Weber)> um Zusendung der Eintrittskarten nachsuchen müssen, da sonst Lie Anmeldungen keine Berücksichtigung mehr finden können. — Wünschen wir dem Unternehmen, das beste Gelingen, damit auch in Zukunft sich mit dem Namen „Judith" nur angenehme Erinnerungen verknüpfen. △ Mainz, 22. November. Die deutsche Dieh- Berfrcherun gS-Gesellschaft, die in den letzten Wochen in hiesiger Gegend so unliebiameS Aussehen hervorgerufen hat, wird sich vollständig reorganisiren und suchen die Schädigungen, die zahlreiche Laudwirihe durch die Gesellschaft er- lutcn, wieder auszugleichen. Den ersten Schritt, den man hierzu gethan, war, daß man den seitherigen Leiter, Director Melder, durch Berwaltungsrathsbeschluß entlasten hat, wozu man den zwingendsten Anlaß hatte, indem der Genannte fortgesetzt eine Reihe der unlautersten Manipulationen unternommen. Da Director Melder trotzdem den Versuch machte, die Directorialgeschäfte fortzuführen, hat der AuffichtSrath heute beschloffen, fernere derartige Versuche als Hausfriedensbruch verfolgen zu lasten. Weitere Maßnahmen zur Ab- w ckelung der Geschäfte werden einer zweiten, den 15. Dec. stattsindenden Generalversammlung unterbreitet werden. — DaS Schicksal deS nächstjährigen Mainzer Carneval ist jetzt besiegelt. Wie schon angedeutet, gelang es den in der letzten Generalversammlung gewählten Wahlmännern nicht, für daS Präsidium und das Co mit« die geeigneten Persönlichkeiten zu finden, und so beschloß man denn gestern Abend, dem vorigjährigen tonnte der „Narrhalla" die Geschäfte zu übertragen. Dieser Beschluß ist gleichbedeutend damit, daß bei der bevorstehenden Tarnevalssaison keine regelmäßigen Sitzungen der „Narrhalla" statlfinden und sich di: Veranstaltungen auf die Maskenbälle, carnevalistische Concerte und eine oder zwei Fremdensitzungen beschränken. Die Hauptschuld an dem Nichtzustandekommen des Carnevals tragen die gedrückten Geschästsverhältniste. Bodenheim, 21. November. Wegen der vielen Brände in letzterer Zeit war ein Nachtwach-Sicherheitsdtenst eingerichtet worden, der vorgestern zum letzten Mal ausgeübt wurde. Gestern Abend hat eö nun aufs neue gebrannt- auch dieser Brand scheint von ruchloser Hand verursacht zu sein. Das Feuer legte das Wohnhaus des Gastwirths Schneider und mehrere Wirthschaftsgebävde in Asche. * Mayen, 19. November. Zu der Nachricht, der Anstreicher Schaaf habe seine beiden Kinder mit Petroleum übergossen und angezündet, erklärt die „Mayener Volksztg.", daß der übertriebenen Meldung nur folgender Vorfall zu Grunde liege: Schaaf war, wie es wiederholt bei ihm der Fall ist, am letzten Sonntag Nachmittag betrunken. Abends saß die Familie am Tische, als der Mann laut scandalirte und mit bet. Faust auf den Tisch schlug, sodaß die brennende Petroleumlampe umfiel und explodirte. Durch das brennende Petroleum wurden zwei Kinder im Gesicht und an den Händen verletzt, doch keineswegs lebensgefährlich. Ein Arzt war bald zur Stelle und ließ den Kindern die erforderliche Pflege angedeihcn, während die Polizei den Mann zu dessen eigener Sicherheit und zur Verhütung weiteren Unglücks in Gewahrsam nahm. Am Montag Morgen wurde der Mann wieder entlassen. * Trier, 22. November. Das Ehepaar Korbmacher Kreitz wurde gestern Abend durch KohlengaS erstickt in seiner Wohnung ausgefunden. • Düsseldorf, 22. November. Der Regisseur des hiesigen Schauspiels, Herr Emil Haas, ist gestern während der Probe zu Julius Cäsar tm Stadttheater vom Schlage gerührt worden und sofort gestorben. * Ger», 22. November. Die todtkranke Schneidersrau Jensik ertränkte NachkS in ihrer Wohnung ihre beiden Kinder, indem sie deren Köpfe unter Wasser hielt. Der Selbstmord, den die Frau hierauf begehen wollte, mißlang. Am 1. Advent, Sonntag den 2. D cember, findet Beichte und beiligeS Abendmahl im Vormitlagsgottetzdienst für die LukaS- und JohanneSciemcinde statt- An diesem Sonntag wird eine Collecte für unsere Kirckenkasse zur Vermehrung des CapitaloermögenS der Gemeinde erhoben. ____________ Katholische Gemeinde. Sonnt ag den 25. November. Letzter Sonntag n. Pfingsten. SamSlag: Nachmittag? um 4r Postdampfer Dresden, Capitän A. o. Collen, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 3. November von Bremen abgegangen war, ist gestern, 5 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Baltimore ange- kommen._________________________ kirchliche Anzeige« der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Sonn lag dien 25. November. 27. Sonntag nach Trinitatis. Todtenfest. Gottesdienst. In der Stadttirche. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schlosser Vormittags 11 Uhr: M i l i t ä r g o t t e s d i e n st. Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 2'/, Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Liturgische Andacht. Pfarrverwalter Dr‘ ^Sonntag den 2. December, als am 1. Advent, findet im Vor- mittagsgottetzdienst Beichte und heil. Abendmahl gemeinsam für Matthäus- und Markusgemeinde statt. Diej nigen, welche daran theilnehmen wollen, weiden gebeten, sich Tags zuvor bet dem Geistlichen ihrer Gemeinde anzumelden. . P e. , Auch wird an diesem Tage eine Collecte zum Besten des Kirchenfonds erhoben werden. „ ~ . .. Donnerstag den 29. November, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule Bibelstunde. Pfarrer Schlosser. Wetter werden besondere Abendmahlsfeiern für tue einzelnen Gemeinden gehalten werden: Für die Markusgemeinde am 2. Advent im Abendgottesdienst. Für die Matthausgemetnde am 3. Advent tm Abendgottesdtenst. Zu beiden werden jedesmal vor Allen auch die in den beiden letzten Jahren Confirmtrten eingeladen I« der AohanneSkirche. Vormittags 9'/,Uhr: Pfarrer Dingeldey. , Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche der Lukasgemeinde. Pfarrer " ^Nachmittags 2 Uhr in der Friedhosscapelle Pfarrer Dr. Nau- m" " Montag den 26. November, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaal der Johanne', ktrche. Erster Brief des Johannes, Cap. 2, von Vers 12 an: Der Kampf wider die Welt. Pfarrer Dr. Naumann. Gottesdienst in der Synagoge. Die Celebrirung des Geburtstages Sr- Konigl- Hoheit de? Großherzogs und Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin findet nicht Samstag Morgen 9 Uhr, sondern Freitag den 30. d. Mts. Abends 4 Uhr in der Synagoge statt. Verein für jüdische Geschichte «nd Literatur» Wetzsteingasse 8, Nachmittags 2 Uhr-__________7737 — Eines der wertbvollsten Mittel, gesunkenen Körperkrätten wieder aufzuhelfen ist und bleibt stets ein reiner, guter und abgelagerter W.tn. Es ist durchaus nicht nothwendig, daß man, um einen solchen Wein zu erhalten, außergewöhnlich hohe Preise anl- pen muß, andererseits soll man aber auch nicht glauben, daß die häufig zu so billigen Preisen empfohlenen Weine, für welche noch nicht einmal ein entsprechender Tifchwetn für Gesunde geliefert werden kann, zur Wiederherstellung gesunkener Körperkräfte zu empfehlen s Herr Lanson Toulouse gev damals 18jät Anltschkower Während Kats> Uuiverfitäl be FaMe verla trat. DaS ji dnt W &ti wrMe aa' *tta ,rit Ausnah Mtig Zu bewk werk -en ans Wty ÖQ§ gh^ w°lden sind, v ^e Waat h {fJK N Zweck der 0Q erfüllten die urten darin wütigen, ua 0ab den Im fffff, sowe 'chustliche Ge, 7 }M« @n '»otbtn und f; behufs le * dn b,” fi'sSf » wf«» ä:?: ->«» »toS1* «°ch Ä! SS'" N« &1' »« '-Sr, Angekleidete Puppen. Puppenköpfe aller Art. Prima J. H. Fuhr billig zu verkaufen. 9574 Herrn Bäcker Baönhofstraße 31. Neu. I Näheres Steinstraße 78. I co meinen .Kollegen ebenfalls empfehlen. Impfung meines Kindes bekam dasselbe 8618.) MansardenlogtS. vier Zimmer, einen so bösartigen Ausschlag am ganzen irche, großes Cabinet. sofort III nerm. 1 n.K.. i-c. . 1 r. Leibe, daß ich genöthigt war. nicht nur 103.80 Worms unk. b. 1901 1887 4% 99.50 4% HamburgerHyp.Bk.unk.b.1900 104.25 3>/,»/o dto. 98.70 4V8°/o Franks. Landw. i. Ered. Bk. 318.37 Darmst. Bk.-Actten vrirs lung meinen öffentlichen Dank aus und Wtrbecftoa: n. sandte, so daß das Kind durch dessen lobensweithe Behandlung von seinem Aus» 16.20 20.33 4.16 Dem Herrn Dr. mcd. Volbeding spreche ich hiermit für seine erfolgreiche Behand- 104.25 94.6 •ta ! 81 15 163 20 14.15V, 3Vi% DeutscheReichsanl. 3% Preuß. Consols 3»/8°/o Gr. Hessische 051. 4o/o Stadt Darmstadt v. 1891. 20 Franken-St. Engl. Sovereign- Dollars ta Gold 3;o/0 Oesterr. Staatsbahn v. 1885 3% Jtal. staatsgar. Eisend. 3V2°/o Frankfurter Hyp. Bk. 4V5g/o Oesterr. Stlberrente 4i,/<. Ung. Gold-Rente 3',°/u Portugiesen 6°/o Mexicaner 40/si Monopol-Griechen von 40/0 Frkf.Hyp.Cred.V verl.L.100<7o 102.50 3V»°/o Preuß Hyp. A. Bk. 4% DeutscheGrdsch.B.unk.b.1904 104 — 4% Pomm.Hyp.A.Bk.unk.b 1904 heute Nacht lV/2 Verwandten stille Theilnahme ^!n, noc^ gut erhaltener, orauchter, kleiner Alle Arten Selbst- und Gesellschaftsspiele nach Dr. Georgens Froebel. Dr. Richter’sche Holz- und Stein- Baukasten. 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In Folge diesjähriger vorgenommener Handelskommer-Skkrctmr, Triesb [9495] 81.60 100.65 .26.35 69.7u nE,rn,.i,„ Auftreten des beliebte« Sangers vom Rodderberg Coursbericht von »I. Kurz & Co., Giessen, Kchichoffraßr 63. Frankfurter Börse vorn 22. November 1894. Die Beerdigung findet Sonntag den 25. November, Nachmittags 31/, Uhr. vom Sterbehause, Westanlage Nr. 2, statt. ' ’ v • yobo 6575] LogiS in schöner, freier Lage,! 6 Zrmmer, Badezimmer u all. sonst. Be-! quemlichkett. nebst Garten, gleich beziehbar 1 zu Perm. Näheres durch Agent KleeS.'! 8985] Die Wohnnngl im mittleren: Stock der «leinkinderschule, 5 Zimm, eine Mansarde, Keller- und Speicherräume ist zu oermiethen für j hrlich 480 Mark. Der Vorstand d. Kleinktnderbewahranstalt. Dr. Naumann, Pfarrer. Kuchhalter u. CsrrrspoitSrnt den betreffenden Jmpfarzt, fonbern ’ fucf,t am hiesigen Platze Engagement, noch mehrere andere Aerzte hierüber zu I Beste Zeugnisse und Referenzen. Gefl. consultiren. Keiner von Allen wußte zu! 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