Menschen von Mainz hierher befördert worden seien. Die einen fordern energische Maßregeln, daß cs nicht mehr Vorkommen könne, daß man zu jener kurzen Strecke über drei Stunden Fahrzeit brauche, die anderen drohen mit Rechnungen für an frisch mit Oelfarbe gestrichenen Wagenbänken beschmutzte Kleider :c.; Alles hat sich verschworen gegen die Ludwigsbahn, die so schlecht für die Darmstädter gesorgt habe. Natürlich treibt auch der Spott seine Blüthen dabei, ein Blatt z. B. erzählt von einer Fahrt auf der LudwigS- bahn, die zu einem „Waldseste" umgestaltet worden sei, der Zug habe nämlich öfters unterwegs so lange gehalten, daß man sich bis zur Weiterfahrt im nahen Walde etwas ergötzen, ja sogar wie Thatsachen bewiesen, Erdbeeren pflücken konnte. In einem anderen Blatte ist ein in großen Lettern gedruckter „Oeffentlicher Dank" an die LudwigSbahn für die „gernüih- llche pünktliche" Beförderung nach und von Mainz zu lesen. Doch wir wollen nicht mit einstimmen in jene Jeremiade, daS ist iodesien entschieden zu constatiren, daß eS auf dieser vielbesprochenen Fahrt recht „hübsch" hergegangen sein muß und Ihr Correspondent dankt seinem Schöpfer, daß er eS vorgezogen, beim Anblick der wirklich gewaltigen Schlacht um die Billete am Sonntag Morgen, das Hasenpanier zu ergreifen und wieder seinen Penaten zuzueilen. Im großen Saale des Kunstvereins dahier ist seit einigen Tagen eine Ausstellung vonGemälden arrangiert, die das berechtigte Interesse aller Kunstfreunde unserer Stadt erregt Hal. Der Berliner Maler Hermann Hendrich, ein Künstler, der schon einmal vor die Augen des Darmstadter Publikums mit einem seiner Werke getreten war, ohne indessen damals für sein Gemälde „Nach Siegfrieds Tode" gerade überall Beifall zu finden, hat eine CollectivauSstellung von 20 Bildern veranstaltet, die die damals von Bielen verkannte oder doch nicht richtig erkannte Eigenart ihres Schöpfers nunmehr deutlich ans Licht treten lassen. Der Künstler ist eben eine eigenartige Natur, die nicht gerne die von der großen Menge benützten Pfade wandelt, ohne daß er deshalb so nach dem Sensationellen hascht, wie es leider bei vielen unserer Modernen geradezu zur Sucht geworden ist. Ungemein viel hat Hendrich mit Richard Wagner gemein, seine Stoffe wählt er großentheilS aus der nordischen Mythologie, dem Ring der Nibelungen, dabei verschmäht er eS indessen nicht, auch Allegorisches und Symbolisches darzustellen. Meerlandschaften, deren bunte Farbenpracht jeden Beschauer entzückt, bilden daS Hauptcontingent der ganzen Ausstellung und lassen die Verwandtschaft der Kunst unseres Malers mit der Arnold BöcklinS erkennen, mit dem er die Belebung des Wassers durch Nixen, Drachen, Tritonen.rc. ganz gemein har. Vielleicht das interessanteste aller ausgestellten Werke ist „Der fliegende Holländer", in dem der Hang zum Phantastischen, der Gegensatz Hendrichs zu den Naturalisten, so recht offen an den Tag tritt. In dem Concertleben unserer Stadt ist eS jetzt ruhig, Concerte in Sälen ziehen nicht bei der Jahreszeit und dafür, daß in den Gärten keine abgehalten werden können, sorgt der täglich reichlich niederströmende Regen. Dagegen wird eifrig geschafft für die kommende Herbst- und Wintersaison. Herr Oberregisseur Werner hat eine Reise nach verschiedenen großen Bühnen gemacht, um die Lücken im Ensemble unseres HoftheaterS auSzufüllen, deren Resultate nunmehr bekannt werden. So ist für daS Fach deS jugendlichen Heldentenors Herr Wilhelm Hauschtld tu Stuttgart, ein geborener Münchener, gewonnen worden. Ferner wurde au Stelle des Herrn Steude für das Bonvivantfach ein Herr Ottbert vom Wallner-Theater in Berlin engagiert, außerdem hat die erledigte Stelle eines zweiten Musikdirigenten eine Besetzung gefunden durch Verpflichtung des Herrn Rebock auS Prag, eines Künstlers, dem ein tüchtiger Ruf vorangeht. Auch in den Kreisen der Bürgerschaft wird eifrig gearbeitet, um im kommenden Herbste eine Dilettanten- aufführung deS Devrient schen „Gustav Adolf" zu Stande zu bringen. "•Ate ’l 1894. 81# d'R, ••Äs* ene‘»»lO°3)loi ®£warfungen Sich, wtfieig,,; ?• Ium M. iuheim. ? 23. m. ttag» r Uhr. uarltplah u .Eichtnstiillme f Oil, mft M t A- Ä SH * 1 Sttpv' kuchevschrank, 1 Comdr e'f WerschMchen'. CQ"- 1 Echntbsttntä-, lilfietne Taschniuhnn, Mndsonst.Bkrschirdmtz. ltitr MMstände wird vor«, GeriÄtzvolliiehrr. eilM aturen an sol-ru Garantie sorgsiÜiMr MM PrM au«.» iver Uw ttw I slthtt'em ****"»« O-ötN * 'Mew w Saftet W. K-Ä? chalfstaedt, IchrlkltüWsrlhiis!, zeustrahe 12. [3435] ItltDhon 35 üööötoräoooooo isteaz! - deutsche Lebenssers- ö sucht M sofortigen 8 m monatl. sstxum u. 5 n M 61«6«t unb Q (ntn iriMenttn u. B M aick 0 -x Geschäft widmet, Q tzinspector. 5 ;Ung ist eine dauernde B menebtne Cff nebst 9 r. Nr- 5011. [5011 g 30DODOOOODOOOOÜ nreisender. Weingrohbandlung sucht n Bedingungen iÜr langte Touren.in ObeMn issou ic. einen tüchiigm Sn, die in der Branche d die Landkundschast kennen, ,Tz.24 an Bad. üit M* ht von >. Sechto d »cenM* ’eifungeou-y ‘'eoriinde Nr. 145 Erstes Blatt. Sonnlaa den 24. Juni 1894 Der chießener Anzeiger crjcheint täglich, mit Ausnahme drS MonlagS. Die Gießener Aamtkienorälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigrlrgt. Gießener Anzeiger Kenerat-Z<6nrrti Fernsprecher 51. Anrts- unb Anzeigeblcrtt für den Kreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» V folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. -M chratisßeitage: chießener Kamikienblätter. Alle Annoncen-Vurraux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Abonnements - Einladung Zum Bezug des „Gießener Anzeiger" für das 3. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergcbenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, istfder „ Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kennttnß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu- gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Leseni in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitcrsenden und den Abonnementsbettag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus- drückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch). Netteste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Co rreipondmz-Büreten. Berlin, 22. Juni. Der Magistrat beschloß, die Berliner Gemeindeeinkommensteuer für das letzte Semester des EtatSjahreS 1894/95 in der Höhe von 100 statt 105 pCt. zu erheben. Berlin, 22. Juni. Die „Statistische Correspondenz" beziffert den Saaten st and in Preußen für Mitte Juni wie folgt: Winterweizen 2,6, Sommerweizen 2,5, Winterspelz 1,9, Sommerspelz 2,0, Winterroggen 2,5, Sommerroggen 2,7, Sommergerste 2,5, Hafer 2,5, Erbsen 2,5, Kartoffeln 2,6, Klee 3,7, Wiesen 2,8. Die Ziffern bedeuten 1 — sehr gut, 2 — gut, 3 — mittel, 4 — gering und 5 — sehr gering. Der anhaltende Regen läßt allgemein den Wunsch nach trockenem warmen Wetter laut werden. Der Stand der Weizenfelder ist nicht überall befriedigend, besonders wird stark über Rost geklagt, als Folge des anhaltenden Regens. Winterroggen hat eine ungünstige Blüthe- zett und wurde dadurch der Körnerertrag herabgemindert. Gerste ist vielfach vom Rost befallen worden. Kartoffeln haben mehrfach durch Frost gelitten, theilweise ist die auS- gesteckte Frucht verfault. Der junge Klee ist gut aufgegangen. Wiesen haben stark vom Frost gelitten. Thorn, 22. Juni. Die W e i ch s e l ist seit gestern 2>/s Mtr. gestiegen und steigt schnell weiter. Heute Nacht wird daS höchste Wasser erwartet. Ein Dampfer steht bereit zur Hilfeleistung , da man daS LoSreißen festgelegter Holztraften befürchtet. München, 22. Juni. Die Schätzungsnoten des bayerischen statistischen Saatenberichts variiren zwischen sehr gut, gut und ganz nahe an gut. Bessere Witterung ist dringend nöthig- über Beeinträchtigung der Heuernte wird vielfach geklagt. Rom, 22. Juni. In der gestrigen Kammersitzung brachte Jmbriani eine Interpellation ein über die zu gründende deutsch-italienische Bank. Loudon, 22. Juni. Eine Feuersbrunst fand tu FtnSbury in der Nähe der City statt und zerstörte achtzehn Waarenlager. Wie eS heißt, sind beinahe 2000 Arbeiter beschäftigungslos. London, 22. Juni. Der norwegische Schooner „Formell", von Rotterdam nach Laguna gehend, ist in Dover mit sechs I Schiffsleuten deS deutschen SchoonerS „Marie Stahl" au- gekommen, der Mittwoch Nacht bei Beachyhead nach eine« Zusammenstoß mit dem „Farwell" untergegangen ist. Der Eapilän, der Steuermann, der Koch und der Schiffsjunge sind ertrunken. Lattich, 22. Juni. Hier kamen einige vereinzelte Fälle choleraähnlicher Erkrankungen ohne epidemischen Character vor, in Jemappe gestern 10 Erkrankungen, in Seraing einige Fälle, von denen einer tödtlich verlief. Sämmt- liche Erkrankungen ereigneten sich in ungesunden Stadtvierteln'- die Erkrankten aßen Obst oder tranken unreines Wasser. Die Behörden ergriffen die nothwendigen Maßnahmen. Petersburg, 22. Juni. Die russische Presse erhebt erneute Klage, daß die deutsche Colonisation in Wolhynien sich fast täglich verstärke- daS Gesetz vom 14. Juni 1892 verbiete zwar ausländischen Unterthanen, Immobilien und Ländereien außerhalb der städtischen Ansiedelungen im Gouvernement Wolhynien zu verkaufen oder zu arrondiren, dieses Gesetz werbe jedoch von den deutschen Colonisten auf jede Weise umgangen, wobei besonders die polnische Bevölkerung im Gouvernement Wolhynien diese Gesetzumgehunge» auf jede Weise unterstütze. Madrid, 22. Juni. In der Provinz Pantevedra kam eS anläßlich der Steuer-Einziehung zu ernsten Ruhestörungen. Drei Bauern wurden getödtet und zahlreiche verwundet. Die Zahl der beschäftigungslosen Arbeiter in BiScaya nimmt täglich zu. Man befürchtet Ruhestörungen. Tokio, 22. Juni. Das Gebäude der deutsche» Gesandtschaft ist durch daS heftige Erdbeben schwer beschädigt und deßhalb zur Zeit unbewohnbar. DaS Personal blieb unverletzt. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 22. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin haben sich mit dem Prinzen Adalbert heute Vormittag mittelst SonderzugeS von der Wildparkstatton nach Kiel begeben. Auf dem Bahnhofe waren der Kronprinz mit den Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm zur Verabschiedung anwesend. Der Kaiser trug Admiralsuniform. Berlin, 22. Juni. Wie die „Börsenzeitung" von parlamentarischer Seite erfährt, stehen in der Besetzung der Feuilleton. Wochenbrikse aus der Residenz. (Ortginalbericht für ben „Gießener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 21. Juni. „Die Ludwigsbahn." Gemäldeausstellung. Bom Hofthealer. Trotz des herrlichen Wetters zeigten am vergangenen Sonntag nicht nur die sonst so stark frequentirten, prächtig gelegenen Ausflugsorte in der Umgebung Darmstadts eine ganz bedenkliche Leer-, sondern auch in der Stadt waren die Restaurationen und Wirthschastsgärten lange nicht so bevölkert, wie man es sonst zu sehen gewohnt ist. DaS Mainzer Bundesschießen hatte sich für die für jeden Sport leicht empfänglichen Residenzler als gewaltig anziehender Magnet er- wiesen und die Freude darauf in unserer Stadt mag der der Bewohner der Feststadt selbst in vielen Beziehungen nicht sehr nachgestanden haben. Nun, da die Haupttage der Festlichkeiten kaum vorüber sind, sollte man annehmen, daß das Interesse, das noch vor einigen Tagen bei unseren Mitbürgern so rege war, auch jetzt noch nicht völlig geschwunden sei, sondern daß sie sich mit dem in Mainz Erlebten wenigstens noch einigermaßen beschäftigen würden. Weit gefehlt — kein Mensch mehr spricht vom Schützenfeste — das Gesprächsthema der Männer am Biertisch, der Damen in den Kaffeegesellschaften und der Jungen zu Hause und in der Schule ist einzig und allein die Ludwigsbahn, ja selbst unsere Tagesblätter widmen jenem, bei den kleinen Kindern, wie neulich in der Ständekammer bemerkt wurde, öfters als Schreckmittel gebrauchten Institute, spaltenlange Artikel. Und was reden und schreiben sie alle? Sie schimpfen und schimpfen, daß es eine Art hat und erzählen die schauerlichsten Mordgeschichten von der Fahrt am letzten Sonntag, daß nicht um auf den Plattformen und Trittbrettern, sondern sogar cuf den Wagendächern und in übelriechenden Viehwagen Posten der höheren Verwaltungsbeamten in Preußen für den Herbst sehr belangreiche Veränderungen bevor, welche ihre Wirkungen bis ins preußische Ministerium, ausgenommen der politischen Ressorts, erstrecken dürften. — Zur Verhaftung des Ceremontenmeisters v. Kotze wegen anonymer Verleumdung wird gemeldet, daß der Kaiser den Befehl zur Verhaftung am Sonntag kurz vor der Grundsteinlegung des Domes ertheilte. Als dem Kaiser nahegelegt wurde, daß die Verhaftung einen ungeheuren Scandal Hervorrufen werde, antwortete der Monarch: „Gleichviel, ihm soll der Prozeß gemacht werden, wie jedem gemeinen Verbrecher." Berlin, 22. Juni. In Armeekreisen verlautet, die Heeresleitung beabsichtige die Errichtung von Melderetterdetachements für die Fußtruppen und für die sämmtlichen Stäbe derselben. Versuchsweise sollen solche Detachements vorläusig beim 1., 16. und 17. Armeecorps gebildet werden. £ Berlin, 22. Juni. Nachdem die preußische Regierung mit der Einberufung der Agrarconferenz vorangegangen ist, beabsichtigt die bayerische Regierung, Erhebungen über den schul de n st and der Bauern anzustellen und zwar vorerst in einer kleineren Zahl von Versuchsgemeinden in allen Regierungsbezirken. Die Erhebung wird auf Veranlassung des Ministeriums des Innern vom Justizministerium aus durch die diesem unterstellten Behörden ausgeführt werden. Dortmund, 22. Juni. Durch den Selbstmord des nationalliberalen Landtagsabgeordneten vom Heede ist die Halver's che Volks bank finanziell stark in Mitleidenschaft gezogen. Karlsruhe, 22. Juni. Die zweite Kammer nahm den Antrag der Freisinnigen auf Einführung directer Wahlen mir Proportionalvertretung mit allen gegen acht Stimmen an. Für den Fall, daß dieser Antrag nicht die Zustimmung der übrigen gesetzgebenden Factoren finden sollte, wurde der Antrag v. Buol auf Abänderung der Wahlbezirke mit 31 gegen 29 Stimmen angenommen. Sollte auch dieser Antrag die Zustimmung der anderen gesetzgebenden Factoren nicht finden, so wurde der Antrag Muser auf Einführung direcrer Wahlen bei jetziger Wahlkreiseintheilung mit 41 gegen 18 Stimmen angenommen. Die Kammer hat sich also mit überwiegender Mehrheit für Einführung directer Wahlen erklärt. Wien, 22. Juni. Wekerle ist entschlosien, noch während der Sommersession sämmtliche Kirchenvorlagen fertigzustellen und das Gesetz über die Ctvilehe sofort in Ausführung zu bringen. Budapest, 22. Juni. Die heutige Sitzung des Magnatenhauses, in welcher fast alle Abänderungsanträge der Opposition abgelehnt wurden, verlief äußerst stürmisch. Graf Ferdinand Zichy gab in großer Aufregung die Erklärung ab, er und seine Parteigenossen würden im Wege öffentlicher Agitation gegen das Ehegesetz austreten. — Das ganze Gesetz wurde schließlich auch in der Specialdebatte an- genommen. Loudon, 22. Juni. Das österreichische Schiff „Alice" ist, mit einer Petroleumladung von Newyork kommend, mit der ganzen Mannschaft (16) untergegangen. Loudon, 22. Juni. „Daily News" hält die demnächst erscheinende päpstliche Encyclica für einen neuen Beweis dafür, welchen großen Einfluß die katholische Kirche besitze. Diese Encyclica rufe unter den Katholiken mehr Aufmerksamkeit hervor, als alle Reden und Kundgebungen sämmtlicher europäischen Herrscher. London, 22. Juni. Von der in auswärtigen Blättern gemeldeten bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Maud mit dem Enkel des Königs von Dänemark ist bis jetzt in zuständigen Kreisen nichts bekannt. Madrid, 22. Juni. Die liberale Preffe fordert die Regierung auf, mit großer Energie den Abschluß des Handelsvertrags mit Deutschland zu betreiben, da das ganze Land schwer unter dem jetzigen Zustande leide. Cocafcs unb Krovinzielles. Gießen, den 23. Juni 1894. ** Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: den evangelischen Anstaltsgeistlichen am Landeszuchthaus Marienschloß Karl Roth zum evangelischen Anstaltsgeistlichen an der Zellenstrafanstalt Butzbach, den Finanzaspiranten Heinrich Bruchhäuser aus Guntersblum zum Ministerialcalculator bet der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen zu ernennen. ** Die Benutzung und Vermehrung der Großh. Unitier- sitalsbibliothek zu Gießen im Geschäftsjahre 1893/94 weist folgende Zahlen auf. Es wurden im Ganzen ausgeliehen rund 17500 Bände (gegen 17600 im Vorjahre), davon länger als auf 4 Tage 16192. Die Zahl der im Lesezimmer benutzten Bände läßt sich nicht feststellen, da einem Theil der Benutzer der Zutritt zu den Büchersälen gestattet ist. Nach auswärts gingen 365 Sendungen mit zusammen 1634 Bänden. Etwa 7,3 pCt. aller verlangten Werke, nämlich 1284, waren nicht vorhanden. Die Zahl der Entleiher betrug 482 Personen, darunter 104 Auswärtige. Von den 378 Einheimischen gehörten 119 der Universität nicht an. Unter den Uebrigen befanden sich 208 Studtrende, also 37,7 pCt. (gegen 34,4 pCt. im Vorjahr) der Gesammtzahl aller Studenten. Durch Vermittlung der Universitätsbibliothek wurden von Großh. Hofbibltothek zu Darmstadt 407 Bände (gegen 848 in 1892/93), aus anderen Bibliotheken und Archiven 216 Bände und 470 Handschriften und Archivalien entliehen. Katalogisirt wurden im Jahr 1893/94 9715Schriften gegen 7481 im Vorjahr, unter ihnen die Zugänge der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (446), des Oberhessischen Geschichtsvereins (269) und des classisch-philo- logischen Seminars (105), deren Bibliotheken mit der Universitätsbibliothek vereinigt sind. 2063 Schriften gingen als Tausch-, Geschenk- und Pflichtexemplare, 5442 als Universitätsund Schulschriften ein. Jnleressiren dürfte die Thatsache, daß die Aufstellung der letzteren einen Raum von 20,10 Metern in der Länge, die aller anderen neu eingelaufenen Bücher einen Raum von 103,43 Metern beansprucht. * * Sommerfest auf der Pnlvermnhle. Der Fechtverband Gießen-Lahr veranstaltet, wie wir bereits in einer früheren Nummer mitgetheilt, morgen Sonntag auf der Pulvermühle zum Besten armer Waisen sein erstes diesjähriges Sommerfest. Der Festplatz ist bereits festlich geschmückt und die verschiedenen Belustigungsbuden haben ebenfalls Aufstellung genommen. Hoffentlich hat der Himmel ein Einsehen und unterstützt das gute Werk des Fechtverbandes mit schönem Wetter. * * Ueberfahren. Gestern Nachmittag wurde in der Grünbergerstraße ein Mädchen von einem Radfahrer überfahren und derart verletzt, daß es mittelst Droschke in die Klinik verbracht werden mußte. * * Brod-Revifion. Heute Morgen fand bei sämmtlichen hiesigen Bäckern eine polizeiliche Revision des Brod-Gewichts statt. Bet mehreren Bäckern wurden Brode, die ein Mindergewicht von 80 bis 120 Gramm pro 4-PfundLaib zeigten, beschlagnahmt und die Betreffenden zur Anzeige gebracht. * ’ Zuwendung. Die Direction der Aachen-Münchener Feuerversicherungs-Gesellschaft hat dem Präsidenten des land- wirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen für 1894 den Betrag von 500 Mk. zur Verwendung in landwirthschaft- lichen Zwecke zur Verfügung gestellt, sowie außerdem den landw. Bezirksvereinen denjenigen von 220 Mk. 10. Pf. * * Turnerisches. Die Kleidung der Wett turn er bei dem morgen Sonntag stattfindenden Feldberg-Turnfest darf nur aus langen Turnkleidern, Tricots mit langen Aermeln, bestehen- wer bei der abendlichen PreiSvertheilung, wozu in Riegen angetreten wird, ohne Entschuldigung fehlt, geht seines Preises verlustig. R. Wichtig für Viehbefitzer. Dem Vernehmen nach ist in einer großen Anzahl von Orten der Provinz Rheinhessen unter jungen Schweinen, welche von Händlern dorthin verkauft worden sind, eine Seuche aufgetreten, welche als die sogenannte Schweinepest erkannt wurde und an welcher der größte Theil der davon befallenen Schweine crepirt. Als wesentliche Erscheinungen werden an den seuchekranken Schweinen wahrgenommen: Verminderte oder ganz aufgehobene Freßlust, Fieber, Hinfälligkeit und Schwanken am Hintertheil, Verkriechen in die Streu, verklebte Augenlider, beschleunigtes Athmen, zuweilen Durchfall, schnelles Abmagern, ferner Hautausschlag und blutrothe Flecken, sowie die Bildung von Krusten und Borken mit gerötheter Umgebung auf der Schwarte- bei nicht lange vorher castrirren Schweinen erscheinen fast stets die Castrationswunden mit einem graugelben, nicht leicht ablösbaren Belag versehen, während ihre Umgebung eine dunkle Röthe und mehr oder weniger starke Schwellung zeigt. Die Krankheit führt in wenigen Tagen zum Tode, dauert jedoch bisweilen auch 8—14 Tage und darüber. Nur verhältniß- mäßig wenige von den angesteckten Schweinen gesunden. — Die Krankheit ist ansteckend und kann auch auf ältere und einheimische Schweine übertragen werden, und zwar sowohl durch directe Berührung der erkrankten Thiere mit gesunden, als auch durch Zwischenträger, z. B. Futterstoffe, Gefäße rc., welchen der Ansteckungsstoff anhaftet, wie ferner durch allerlei Abgänge der kranken Schweine, Mist, Urin u. s. w. Es wird sich für unsere Landwirthe die größte Vorsicht beim Ankauf von jungen Schweinen empfehlen. * * Der Getreidemarkt. Die nach einer längeren Regenperiode vorläufig wenigstens wieder eingetretene günstigere Witterung hat ihren Einfluß auf den Getreidemarkt nicht verfehlt. Denn die sich ziemlich kräftig markirende Haussebewegung auf dem deutschen Getreidemarkt ist inzwischen bereits wieder einer matteren Stimmung gewichen- wenn die- selbe nicht noch stärker zum Durchbruche kam, so war dies den vorliegenden ziemlich günstig klingenden Auslandsberichten zu danken. Roggen wie Weizen schwächten fast allenthalben ab und Hafer blieb sogar merklich vernachlässigt, die Vernachlässigung letzteren Artikels scheint demnach noch länger andauern zu wollen. Preisnotirungen vom Berliner Pro- ductenmarkt: Weizen per 1000 Kilogramm 132 bis 144 Mk., Roggen 118 bis 125 Mk., Hafer 130 bis 163 Mk., Gerste 93 bis 165 Mk. ** Eoncertreifen der Militärkapellen, soweit es sich um größere Tournös handelt, welche mehrere Wochen in Anspruch nehmen und sich über 50 Meilen ausdehnen, sollen von jetzt ab thunlichst eingeschränkt werden. Bereits abgeschlossene Contracte sind noch zu erfüllen. Für die Zukunft ist jedoch Sorge getragen, daß solche Contracte nicht mehr abgeschlossen werden, da Seitens der Regimentscommandeure die Erlaubniß zur ihrer Erfüllung nicht mehr gegeben wird. Eine solche Anordnung ist sämmtlichen Musikmeistern zugegangen und in Folge dessen sind verschiedene geplante Concertreisen bereits aufgegeben worden. Grünberg, 21. Juni. Der heute hier abgehaltene sog. Johannimarkt erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches. Der Viehmarkt war diesmal ungewöhnlich stark mit Schweinen, namentlich mit sog. Zuchtserkeln befahren- ganze Herden derselben wurden von Händlern nach dem Marktplatze getrieben. Trotz dem starken Angebot wurden für dieselben sehr hohe Preise erzielt. Weniger lebhaft war der Handel mit Rindvieh, von welchem meistens ein- bis zweijährige Rinder aufgefahren waren. — Auf dem Krämermarkt hatten viele hiesige und auswärtige Geschäftsleute ihre Verkaufsstände aufgeschlagen, und dürften dieselben, wie aus den zahlreichen Marklbesuchern zu schließen ist, mit dem Ergebniß des heutigen Marktes wohl zufrieden sein. D. Ztg. A Alsfeld, 22. Juni. Auf dem Heimweg von hier nach Strebendorf scheute unweit Romrod das Pferd des Bürgermeisters Sch., der sich neben seinem Schwiegervater Z. auf dem Gefährt befand. Als das scheu gewordene Pferd über die Deichsel setzte, sprang Z. aus dem Wagen. Der bejahrte Mann fiel mit aller Wucht mit dem Hinterkopf zur Erde und blieb besinnungslos liegen. Der sofort herbetgerufene Arzt erkannte eine lebensgefährliche Gehirnerschütterung, be^ bunden mit Schlaganfall. Seiner schweren Verletzung erlag der Verunglückte alsbald, ohne noch einmal die Besinnung erlangt zu haben. Büdingen, 21. Juni. Ueber eine Anzahl als Gewohnheitstrinker bekannte Einwohner unseres Kreises ist vor längerer Zeit von Seiten Großh. Kreisamtes auf Grund erhobener Beschwerde die Branntweinsperre verhängt und den Wirthen nachdrücklich untersagt worden, denselben Branntwein zu verabreichen, andernfalls gegen die Wirthe das Verfahren auf Concessionsentziehung eingeleitet werden würde wegen Benutzung des Gewerbes zur Förderung der Völlerei. Eine Zeitlang hatte diese Anordnung den erwünschten Grfolg. Jetzt scheint das Verbot und die darin angedrohte Strafe nicht mehr für ernst gehalten zu werden und findet es wenig oder keine Beachtung. Die betreffenden Wirthe scheinen sich hier in einem für sie sehr gefährlichen Jrrthum zu befinden und dürsten, falls erneute Beschwerden erhoben werden, bittere Erfahrungen machen. B. A. Darmstadt, 22. Juni. In vergangener Nacht wurde in das Kreisamt und Amtsgericht eingebrochen. Die Diebe erbeuteten in letzterem 200 Mk. und eine Uhr. Darmstadt, 22. Juni. 12. mittelrheinisches Musikfest zu Darmstadt, 7. bis 10. Juli 1894. Fünf Jahre sind vergangen, seit das letzte mittelrheinische Musikfest, das 11., in Mainz abgehalten worden ist- das 12. Fest dieses Verbandes soll in Darmstadts Mauern gefeiert werden, wo auch das 1. (1856) und das 6. (1868) stattgefunden hat. Daß Darmstadt sich seither nicht öfter an der Abhaltung dieser Musikfeste betheiligte, hatte seinen Grund in der Localfrage- die früheren Feste feierte man in dem alten Zeughause, das aber lange Zeit hindurch für baufällig galt und jetzt auch abgetragen worden ist. Nun besitzt Darmstadt seit dem vorigen Jahre einen für solche Veranstaltungen sehr günstigen Bau, eine ursprünglich für ein Turnfest auf dem Exercierplatze errichtete Halle, deren Größenverhältnisse und innere Einrichtung sie für ein Musikfest sehr geeignet machen. Die Halle hat eine Länge von 100 Meter, eine Breite von 30 Meter und eine lichte Höhe von 16 Meter- zur Vergleichung möge dienen, daß die Mainzer „Stadthalle" nach officiellen Angaben 524/5 Meter lang und 27V5 Meter breit ist. Die Akustik der Darmstädter Halle ist genauen Proben unterworfen worden und har sich als sehr gut erwiessn. Der Festplatz, der die Halle umgibt, wird von der Darmstädter Gärtnerverbindung mit künstlerischen Anlagen versehen, die nicht verfehlen werden, ihre Anziehungskraft auf die Festtheilnehmer auszuüben. Der etwa 15,000 Quadratmeter große Platz vor der Festhalle wird in einen Blumengarten mit Springbrunnen und Wasserkünsten umgewandelt. Auch Industrielle und Private haben ihre Unterstützung bet dieser Ausschmückung zugesagt. Das musikalische Programm enthält an den Hauptfesttagen (7. bis 9. Juli) folgende größere Werke: Die „Schöpfung" von I. Haydn (Sonntag, 8. Juli)- ferner „Romeo und Julie", dramatische Symphonie von H. Berlioz und „Triumph, lieb" für stimmigen Chor und Orchester von I. Brahms (Montag, 9. Juli). Hierzu kommen noch die Beethoven sche Ouvertüre: „Zur Weihe des Hauses" am ersten Tage (8. Juli) und Solovorträge der Solisten am zweiten Tage (9. Juli). Festdirigent ist Herr Hofkapellmeister Willem de Haan in Darmstadt. Als Solisten sind gewonnen worden: Sopran: Frl. Elisabeth Leisinger, Berlin- Alt: Frl. Charlotte Huhn, Köln- Tenor: Herr Willy Birrenkoven, Hamburg- Herr Joh. Messchaert, Amsterdam. Es sind dies Kräfte ersten Ranges, in künstlerischen Kreisen und beim Publikum in Deutschland und über Deutschlands Grenzen hinaus aufs Beste eingeführt und bewährt. Der Chor zählt 925 Stimmen, das Orchester 140 Mitwirkende. Die Hauptproben zu den großen Festconcerten finden am Samstag (7. Juli, Nachm. 4 Uhr) und am Sonntag (8. Juli, Vorm. 9 Uhr) statt. Die Festlichkeiten, die sich an dieses musikalische Programm anschließen und dasselbe umgeben, sind folgende: Sonntag, 1. Juli: Vorfeier. Nachmittags findet auf dem Festplatze ein Promenadeconcert mit Militärmusik statt und Abends in der Festhalle eine Aufführung, die „Das Volkslied in Ton und Bild" mit lebenden Bildern zum Gegenstände hat. — Mittwoch, den 4. Juli, ist eine „gesellige Vereinigung" auf dem Festplatz und in der Festhalle geplant mit Gesängen, Ansprachen u. s. w. — Samstag, den 7. Juli, wird den angekommenen Gästen eine „Begrüßungsfeier" gewidmet. — Sonntag, den 8. Juli, wird ein großes Gartenfest nach dem ersten Festconcerte die Festtheilnehmer vereinigen- dazu festliche Beleuchtung der Halle und der Anlagen, Doppelconcert (Militärkapellen). — Am Montag, den 9. Juli, wird nach dem zweiten Hauptconcerte ein großer „Festball" in der Festhalle stattfinden- zugleich Militärconcert auf dem Festplatze. — Für Dienstag, den 10. Juli, ist ein Ausflug in die Bergstraße (Auerbach) und Abends nochmalige gesellige Vereinigung auf dem Festplatze vorgesehen. — Sonntag, 15. Juli, findet dann noch eine Nachfeier statt, welche im Rahmen der Veranstaltung vom Dienstag gehalten sein wird. So ist denn allen Neigungen Rechnung getragen, auf künstlerische Anforderungen, sowie auf Wünsche für Erholung und geselliges Zusammensein ist in ausgiebigster Weise Rücksicht genommen. Möge über dem ganzen Unternehmen ein guter Stern walten! Mainz, 22. Juni. Das Schützenfest läuft voraussichtlich ohne Deficit ab. Bis zum heutigen Morgen waren 407 000 Mk. vereinnahmt. A Mainz, 22. Juni. Ueber einen Uuglücksfall, der gestern bei einer Felddienstübung der Husaren in der Gegend von Hochheim vorgckommen und der mit dem Tode des getroffenen 20jährigen Soldaten, des einzigen Sohnes einer hochachtbaren Mainzer Familie endigte, wird jetzt folgendes Nähere berichtet: Die Husaren waren in verschiedenen Abteilungen Patrouille geritten, bet deren Beendigung sie ihre Carabiner, so weit solche mit Platzpatronen geladen waren, entluden. Der unglückliche Soldat hielt während dieser Zeit daS Pferd eines mit dem Entladen be. schäftigten Kameraden, als durch irgend eine unvorsichtige Bewegung der Schuß aus des letzteren Carabiner loSgtng und der Pfropfen dem mit dem Pferde dicht dabei Stehenden in den Leib drang und Magen, Blase und Leber zerriß. In das Lazareth nach Mainz verbracht, war sofort alle ärztliche Hülfe vorhanden, doch erwies sich dieselbe vergeblich, denn nach wenigen Stunden gab der Schwerverletzte seinen Geisi auf. Der Kamerad des Verstorbenen, durch dessen Waffe da« Unglück hervorgerufeu wurde, wurde in Untersuchungshaft genommen. Mainz, 22. Ium. Nach den Angaben hiesiger Blätter waren bis heute Früh über 400000 Mk. Brutto-Einnahmen an den Finanzausschuß abgeliefert. Wenn das Fest die letzkenTage hindurch gleich günstigen Verlauf nimmt, wie bisher und insbesondere der Schießausschuß, sowie der WirthschaftS- ausschuß den voranschlagSmäßigen Ueberschuß von je 60 000 Mk. liefern, wofür alle Aussicht besteht, so wird eS kaum noth- wendig sein, die Garantiezeichner in Anspruch zu nehmen. Heute Abend ließen sich der Mainzer Turnverein, die Turn- gesellschast, sowie der Turn- und Fechtclub mit Uebungen verschiedener Art, Schauturnen, Pvramidenstellen, Exercitien am Barren und Bock u. s. w. sehen, der Mainzer Sänger- verband wirkte mit und eS wurden Chorlieder der beliebtesten Mainzer Poeten gesungen. Das Feuerwerk morgen Abend wird von dem Pyrotechniker Becker - Wiesbaden besorgt, während das prächtige Feuerwerk bei der gestrigen Rhein- fahrt von Herrn Silz-Mainz veranstaltet war. △ Vom Rhein, 22. Juni. Gestern Vormittag ereignete sich auf dem Rhein oberhalb des „Binger Loch" ein gräßlicher Unglücksfall, indem auf dem Radschleppdampser „Hantel III." ein Siedrohr platzte, wodurch der Maschinenmeister und ein Heizer sofort getödtet und große Beschädigungen deS Schiffes verursacht wurden. * Aus dem Odenwald, 21. Juni. Die Hcidelbeer- Ernte ist gegenwärtig in vollem Gange, und allenthalben hat man in den betreffenden Orten Schulferien eintreten lassen. Kinder und Erwachsene ziehen in Schauren in die Wälder und sammeln die so beliebt gewordenen schwarzen Beerchen und erwerben sich damit einen reichlichen Verdienst. Die Sträucher hängen sehr voll, die Früchte sind groß, aber nicht so süß- es fehlte ihnen die Sonne. Händler kaufen die Heidelbeeren in Massen auf, das Kilo zu 20 Pfennige. Permiicbtei. * Braunfels, 21. Juni. Am 17. Februar d. I. durfte der Braunfelser Männergesangverein auf die Zeit eines fünfzigjährigen Wirkens zurückschauen. Damals wurde dieser Tag im engen Kreise durch einen Festball begangen, eS war jedoch eine große Feier in Form eines Sän ger- fest eS für diesen Sommer in Aussicht genommen. Der 15. und 16. Juli d. I. sind nun endgültig zur Jubilgums- feier festgesetzt. Unter bewährter Leitung deS Herrn Kammerrath Bingel hat sich ein Comitö gebildet, dem die Aufgabe geworden ist, für einen günstigen Verlauf dieses Festes in jeglicher Beziehung Sorge zu tragen. Wie vorgesehen ist, wird lsich der Festzug, an welchem sich eine große Anzahl fremder Gesangvereine betheiligt, durch die reichlich in Laub und Flaggenschmuck prangenden Straßen von Braunfels bewegen und von dort zu dem von Sr. Durchlaucht dem Prinzen Albrecht bereitwilligst zur Verfügung gestellten Festplatze „unter den 500 Eichen" im kleinen Thiergarten, einem der herrlichsten Plätze, die wett und breit einem derartigen Zwecke dienen. Sollte, waS wir für die Julitage hoffen und wünschen, die Gluth der Sonne die Festtage begünstigen, so ist auf diesem schönen Fleckchen Erde Gelegenheit geboten, sich sattsam von den Strapazen eines zurückgelegten Weges im kühlen DaldeSschatten zu erholen. Daß 6omit6 bat I dafür Sorge getragen, daß die Speise- und Schank Wirth- schäften in die Hände bereits erprobter Geschäftsleute gefallen find, denen es nicht schwer werden wird, auch den weitgehendsten Ansprüchen im Bezug auf Speisen und Getränke gerecht zu werden. Die Mufik wird von der Capelle des Infanterie- Regiments Nr. 87 aus Mainz gestellt und haben wir die Ueberzeugung, daß der Verein auch in dieser Beziehung eine äußerst günstige Wahl getroffen hat, da die vorzüglichen Leistungen genannter Capelle in Soncert- und Tanz Mufik vom letzten Krieger-Generalapell her noch frisch in Aller Gedächtniß sind. Auch in anderer Beziehung ist zur Belustigung sür Alt und Jung reichlich gesorgt. ES sei noch bemerkt, daß seit Eröffnung des Personenwagenverkehrs auf der Ernstbahn den Fremden der Besuch deS Festes außerordentlich erleichtert ist, da sich der Endpunkt genannter Bahnlinie fünf Minuten unterhalb deS Festplatzes befindet. Die Ernstbahn- Verwaltung wird sich durch Einlegen von Extrazügen die Beförderung der Fremden angelegen sein lassen. Wir verfehlen nicht, schon jetzt zu zahlreichem Besuch deS Festes ein- zuladen und find der Ueberzeugung, daß dasselbe, falls eS von gutem Wetter begünstigt ist, einen glänzenden Verlauf nehmen und fämmtlichc Besucher befriedigen wird. * Frankenthal, 22. Juni. Meister Andreas Hamm, der Gießer der Kaiserglocke im Kölner Dom, ist heute Morgen gestorben. (Herr Hamm lieferte auch eine neue Glocke und den Glockenstuhl für die Gießener Stadtkirche, auch auf dem Gebiete deS Maschinenbaues leistete Herr Hamm Vorzügliches, er baute u. A. für die Druckerei des „Gießener Anzeiger" vier Schnellpressen, sowie mehrere HülfSmaschinen. Red.) * BreSlau, 22. Juni. Die Strecke Pleß-Dzieditz ist amtlicher Meldung zufolge wieder dem Verkehr übergeben worden. — AuS Oderberg wird gemeldet: Auf der österreichischen Seite ging der Wolkenbruch nieder, der große Zerstörungen anrlchtete. Au-zttg ans den Standesamtsregistern ver Stadt Gießen. Hof gebt-u. Juni: 19. Friedrich Wilhelm Wahl, Locomotivhetzer bei der Matn-Weser-Bahn dahier, mit Friederike Auguste Winterberg zu Nieder-Wtldunoen. 20. Carl Jacob Wegmann, Friseur dahier, mit Maria Eltsabetha Brand zu Gelnhausen. 21. Wilhelm Heinzmann, Kaufmann dahier, mit Katharina Johanna Stauf zu Grünberg. •tbotctw. Juni: 14. Dem Hoboist Jacob Friedrich Müller eine Tochter. 15. Dem Lehrer Bernhard Klein eine Tochter, Selma 15. Dem Schneider Heinrich Schmidt V. eine Tochter, Henriette Susanne. 16. Dem Schlosser Jobs. Roth eine Tochter. 16. Dem Maurer Andreas Krug ein Sohn. 16. Dem Gesaugen-Ausseher Philipp Hartmann eine Tochter, Dorothea Eltsabetha. 17. Dem Bauunternehmer August Helsenbetu ein Sohn, Wilhelm Martin Heinrich. 17. Dem Küfer David Löffert eine Tochter, Maria Magdalena Katharina. 19. Dem Restaurateur J^cob Scheuer eine Tochter, Melita. 19. Dem Schaffner bet der Matn-Wefer-Bahn Johannes Stehltng ein Sohn. 19 Dem Kaufmann Carl Klebe eine Tochter, Elsa Sarab- 19. Dem Kaufmann Ignatz Pfister ein Sohn, Hans. 21. Dem Friseur Friedrich Lehrmund ein -Sohn, Franz Friedrich. «eflorbtne. Juni: 15. Anna Frieda Clementine Ihrtdj, 3*/« Jahre alt, Tochter von Buchdrucker Emil Constantin Ulrich dahier. 16. Friedrich Franz Karl Simon, 4 Monate alt, Sohn von Schneider Ludwig Simon dahier. 17. Zo>" GrooS, geb. Weicker, 57 Jahre alt, Ehesrau von Rentner Carl GrooS dahier. 17. Helene Weiß, 4 Jahre alt, Tochter deS verstorbenen Bremsers Adam Weiß dahier. 18. Johannes Müncker, 39 Jahre alt, Taglöhner dahier. 19. Carl Schneider, 3 Jahre alt, Sohn von Landwirth Lorenz Schneider von Ober- Mörlen. 20. Friedrich Fiedler, 26 Jahre a t. Dienstknecht von Dorlar. 22. Henriette Wafferschleben, ged. Wahnschaffe, 72 Jahre alt, Wiltwe von Universitäts-Professor Gebeimerath Dr. Hcrmann Wafferschleben dahier. 22. Bertha Kahn, 5 Jabre alt, Tochter von Kaufmann Julius Kahn zu Aßlar. 22. Franz Friedrich Lehe mund, 10'/, Stunden alt, Sohn von Friseur Friedrich Lehrmund dahier. Auszug aus den 2{ird»cnbüdu*rn der Siadt Gießcn. Ebingelifche «rettete. Matthüulgemetnde. Den 17. Juni Dem Bäckermeister Balthasar Lchomber ein Sohn, Friedrich Emil Georg Heinrich, geboren den 21. Mat. Dm 20. Juni. Dem Reffenden Jakob Wcihrtg in Barm-n eine Tochter, Anna, geboren den 7. Mat. Markutzgemeinde. Dm 17. Juni. Dem Schiemer Wilhelm Walter eine Tochter, Elisabeth Margarethe Louise Wilhelmine, geboren den 20. Mai Denselbm. Dem Heizer Ludwig Waldschmidt eine Dochter, Frieda Minna Dina, geboren den 31. Mat. LukaSgemetnde Den 16. Junt. Dem Eisendreher Konrad Graulich ein Sohn, Wilhelm Konrad, geborm den 9. April. Dm 17. Junt. Dem Kaufmann Karl Zülch ein Sohn, Rudolf Friedrich, geboren dm 6. Mat. JohanneSgemeinde. Den 17. Junt. Dem Steindauer Heinrich Heinz Zwillings» ktnder, Ludwig Carl und Anna Helene, geboren dm 23. Mat. Militärgemeinde. Den 17. Juni. Dem Btceseldwebel Otto Heßler ein Sohn, Otto, geboren den 21. Mat. BtrtblgK. MatthLuSgemetnde. Dm 19. Juni. Johanne- Münker, Taglöhner, alt 39 Jahre, gestorben den 18. Juni. JohanneSgemeinde. Den 19. Juni. Zo> GrooS, geb. Welcker, Ehefrau deS Rentners Carl GrooS, alt 57 Jahre, starb den 17. Junt. Verkehr, Land- und Volksrvirthdchaft. Girtzarr, 23. Juni. Marktbericht- Bal dem ::uttflrn Wochenmarkt kostete: Vatter pr. Pfb. X 0,80 —0,95, Hühnereier 1 Stück 5—6 X. 2 Stück — X. Käse pr. St. 5—8 ch, JtlftmtK pr. St. 8 H, Erbsen vr- Liter 16 H, Linsen pr. Liter 30 ch taub n pr. Paar X 0,70 —0,90, Hühner pr. Stück X 1,00—1,80, H- pr. St < 0,6>1,30, Ewen pr. St- X 1,70 bi» 1 8 >, Ochsenfl ei ch pr. Pst. 72 -76 X Kuh, u. Rindfleisch pr. Pfd.--16 X, Schwein:, fletsch pr. Pfd. 60—70 X, Kalbfleisch pr. Psd- 60 —66 X Huinm' - fleisch pr. Pfd. 56—68 «X Kartoffeln pr. 100 Kilo 5.00—6,00 x, Weißkraut pr. Stück---4, Zwiebeln pr. Cmtner 9,00—10,00 x, ?Udb pr. 8ttrr 16 20 X Enteneier 2 St. 11 X. Gänseeier 10 X. Kirschen pr. Pfd. 10—15 X- S Auf dem am 18. und 19. Juni in Herchenhaia adge- haltenen Btehmarkte waren u. A. 28Bullen angttrteben, meisten» Stmmmthaler Raffe, 1 bi» 1'/, Jahr oll; sie wurden fast alle verkauft, das Stück zu 350 bi» 550 Mk.; Bullen Vogelsberger Raffe kosteten 300 bi» 350 Mk. das Stück. Frischmelkende Kühe kosten,» je nach Qualität 260 bi» 320 Mk., gewöhnliche Kühe 160 bi» 250 Mk. Zwei- bis dreijährige Kalbinnen wurden mit 180 bis 250 Mk. verkauft und waren viel begehrt. Fettes Vieh war nicht vorhrnden. Der zweite Markttag war stark mit Schweinen befahren (ca. 880 Stück). Cs kosteten: FrühjahrSferkel, 11 bis 14 Wochen alte, 75 di« 95 Mk. da» Paar, doch wurde der hohen Preise wegen wenig abgcsetzt, 5 dis 7 Wochen alte Feikel kosteten 45 biS 60 Mk., letztere roaun sehr gesucht; trächtige Zuchlschwetne wurden zu 75 bis 95 Mk. baS Stück gehandelt. — Zweijährige Stiere kosteten 280 bis 320 Mk. das Paar, zweijährige Rinder 180 bis 200 Mk daS Stück, 6 Monate alte Kälber 120 bis 150 Mk. Im Allgemeinen war der Handel flott. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 23. Junt, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15'/-, Luft 19°. Rübsamen'sche Badeanstalt. Die Nentabilität jeder maschinellen Anlage wird bedeutend erhöht durch Aufstellung eine» ökonomi' ti arbeitendenBetrtebSmolors. Als sparsamste BetrtebSmaschinen sind d,e Locomobilen mit ausziehbaren Röhrenkesseln von «.Wolf in Magdeburg-Buckau bekannt u. zu Tausenden in allen Zweigen t> . JndustrieundLandwtrthschast verbreitet. GertngerBrennmatertal- verbrauch, große LeistungSsäbigkett u. Dauerhaftigkeit sind dteHaupt- vorzüge dieser Maschinen, vermöge deren sie nicht nur aus allen deutschen LocornobifiConcurrenz-n stets den Sieg daoongelrazm haben, sondein auch auf zahlreichen Ausstellungen (u. a. in Chicago) mit den höchste Preisen ausgezeichnet sind. 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Juni 1894. 5256 6 5% 9teL Rente 5237 An- und Verkauf von Werthpapieren Conrad Dietz Lendnq i still- Rcf4H*xMDi*C0St 3 pSL. — Frankfurter Bank-Di Scsnt 3 pEt. Vermittelnng von Hypothekengeldern. 4.20 16.67 16.63 Redaction r «. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. LH». Pietsch) in Gießen. Dt- h-rttise Nvvrmer umfaßt 113 Cdtrn. gnno^me v ftlgtnbtn Ta- DiScs»t»-S»«»«rL.-'Lnt!s. DarmstKbter Barck-L^. Dresdener BmMkt Noröb. StopMkt Wiener Bankver.-Nrt Oest. ttrfbtbHct Jtal. Mittelrsserk«L;r Act. Gels«. Vsrvs.-Kct, Grlb 9.65 20.28 98.20 78.16 23.30 33. £Q Die Beerdigung findet Sonntag den 24. Juni, Vormittags 11 Uhr, vom Sterbehause, Weidengasse Nr. 1, aus statt. oder zum Einlösung Eröffnung Versicherung 5228 90.45 8% Portugiesen 102.25 40/0 Griech. Monopol-Anl. Der Kirfer ers-hkint tä, mit Au-nah' Montag Verwandten und Freunden die schmerzliche Mittheilung, dass heute früh 7$ Uhr unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter E. Wasserschleben Bankgeschäft. 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VSKFnMs« 1 Uhr 15 Mim D Die kürz Stelle ein Ge beiverbes beu neuere Mitth hierbei zunäch arbeiten hand> zum Beginn b läge schon fer betreffende A Zeitpunkt bes unverkennbar eine Ueberhas auch nur von Interessen bei pfinölich geschi Zweck der gep Einschränkung Jedenfal nahmen zur am meisten und die versi genau sestzuft lichen Mampi falche Angab hören vor Ak ung gewisser zu bezeichnen welche in bieft sich aus dem < erbringen iiei über den Sch einen gewisse selbe ist noch schon in diese berechtigter Jl Ungemeii ungen über bi zeugungsortes Weise geschieht derwerthige 0 unter der pra l'kum aufgehm ändern auch | rühmten Lagen geschästl chen ss über den Inh Nachahmungen Men sich zah ferner die Ve ^schäfte obei 7ntl die unlau «amen u. s. , EÜufe und end ""len und fei, ' Mafien. Sch //Geschäftstric" 9efteIIten eines werden. 1 , giebt 7 7tlfuQi/ thei Ich-dig "b ®e9m e?i ?”«e6en, all-ch',, 5*» 90.45 40/0 Ung. 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