Nr. 301 Der Gießener Anjeiger erscheint täglich, ent Ausnahme bei Montag- Die Gießener AtckmttienvrLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bergelegt. Erstes Blatt. Sonntag den 23. December Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. ,894 Vierteljähriger Avonac meutspreiA: 2 Mark 20 Pfg. mH vringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchukstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Zlints- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. 1 Hratisöeitage: chießener Kamilienölätter. Alle Annoncen-Lureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 21mtitd?er Theil. Gefunden: 1 Paar und 1 einzelner Handschuh, 1 Kaputze. 1 Schürze, 1 Weste, 1 Taschentuch, 1 Gummiball, 2 Peitschen, 1 Packet mit Inhalt und Theile eines Gartenspaliers. Gieß.en, am 22. December 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Abonnements - Einladung Zum Bezug des „«Siebener Anzeiger" für daS 1. Vierteljahr 1895 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gietzener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Januar den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch). Ileuefte Nachrichten. Wolffs icl-grephifches Eorresponbenz-Buren Berlin, 21. December. Die offieiöse „Berliner Corre- spondenz" weist auf die Klagen der Gewerbetreibenden über die kurze Bemessung der Stunden für Offenhaltung der Läden au den Sonntagen vor Weihnachten hin und schließt: Es wird zu erwägen sein, ob nicht für die verschiedenen Berufsgeschäfte unter Berücksichtigung ihrer eigenartigen Verhältnisse Abhilfe geschaffen werden kann. Da diese Erwägungen für dieses Jahr wegen der Kürze der Zeit unmöglich noch zu einem Resultate führen können, wird für die Zukunft eine Regelung der Angelegenheit, die den verschiedenen Verhältnissen der Gewerbetreibenden möglichst Rechnung trägt, in Aussicht zu nehmen sein. Berlin, 21. December. Die „Post" erfährt von best- unlerrichteter Seite, daß die Blätternachricht, wonach die Oberfeuerwerkerschüler aus der Hast nach ihren Garnisonen entlassen worden, in höchstem Maße unwahrscheinlich sei, da nach der Mllitärstrasproceßordnung das Verfahren erst mit der Bestätigung durch den Gerichtsherrn beendigt sei. Thatsache sei nur, daß der Urtheilsspruch gefällt ist, alles andere seien Vermuthungen. Berlin, 21. December. Zur Gründung eines deutschen Schriftftellerheims ist, wie die „Danziger Neuesten Nachrichten" erfahren, in Zoppot ein Bauplatz im Werthe von 50,000 Mk. von einem wohlhabenden Manne unentgeltlich und schuldenfrei zur Verfügung gestellt worden. Das Schriftstellerheim soll dazu bestimmt sein, deutschen Journalisten und Schriftstellern beiderlei Geschlechts im Alter eine dauernde Zuflucht, sowie kranken Mitgliedern des Schrtftstellerberufes unentgeltlichen Badeaufenthalt zu gewähren. Berlin, 21. December. Dem „Militärwochenblatt" zufolge ist General-Feldmarschall Graf Blumenthal ä la suite des Garde Füsilier Regiments gestellt worden. Rom, 21. December. Gestern Abend explodirte in der Straße San Marco, in der Nähe der österreichisch-ungarischen Botschaft beim Vatican, eine Petarde. Schaden wurde nicht angerichtet. Loudon, 21. December. Reuter-Meldung aus Tientsin vom 21. d. M.: Die chinesische Regierung beschloß schließlich noch längerem Bedenken und Widerstreben, einen Bevollmächtigten für die Friedensunterhandlungen mit Japan zu entsenden. Eine diesbezügliche kaiserliche Verordnung wird demnächst erwartet. Petersburg, 21. December. Dem „Regierungsboten" zufolge hielt der Kaiser in einer Sitzung des ComitsS für den Bau der sibirischen Eisenbahnen folgende Ansprache: „Meine Herren! Die Inangriffnahme des Baues einer vollständigen sibirischen Eisenbahn ist eine der größte» Thaten der ruhmvollen Regierung meines unvergeßliche» Vaters. Dieses ausschließlich friedliche und culturelle Unternehmen mit Gottes Hilfe durchzusühren, ist nicht nur meine heilige Pflicht, sondern auch mein herzlichster Wunsch, umsomehr, als die Angelegenheit mir von meinem theuren Vater über- tragen worden ist und ich hoffe, unter Ihrer Mitwirkung de» von ihm begonnenen Bau des sibirischen Schienenweges billig und hauptsächlich schnell und gut zu vollenden." Sofia, 21. December. Die So br a nje nahm nach lebhafter Begrüßung des neuen Cabinets im Principe zwei Gesetzentwürfe, betreffend eine allgemeine Amnestie, an und überwies dieselben einer Commission zum Studium. Washington. 21. December. Staatssekretär Gresham erhielt eine Depesche des amerikanischen Gesandten in Peking, daß China Changhinhuan und Thao zu Commiffaren für die Friedensunterhandlungen mit Japan ernannte. Dieselben begeben sich unverzüglich nach Tokio. Shaughai, 21. December. Reuter-Meldung. Au- guter Quelle verlautet, daß birecte Friedens-Verhau d lung en zwischen Peking und Tokio im Gange sind. — Die japanische Flotte mit Transportschiffen verließ Port Arthur in südlicher Richtung. Die Bestimmung derselben ist unbekannt. Depeschen bet Bur rav »Herold*. Berlin, 21. December. DaS Staatsministerium ist heute Nachmittag um 2 Uhr unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammengetreten. Berlin, 21. December. Wie die „Kreuzztg." hört, soll der preußische Landtag nicht am 8. Januar, sondern, wie es in den letzten Jahren üblich war, am 15. Januar einberufen werden. Fenilleton. Wocherdriefc ans der Residenz. (Onginalbericht deS „Gießener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 21. December. Vor dem Weihuachtsfeste. Das ist kein Christtagswetter in diesem Jahre. — Endlich, endlich war der langersehnte Frost in der der- gangenen Woche eingetreten, Alt und Jung freute sich über die paar kalten Tage, fort gings hinaus auf die spiegelglatte Eisfläche, aber schon wieder liegt das Vergnügen tief tot Waffer und der Woog, Darmstadts „Stolz" ist verödet, wie zuvor. Jnd'ffen wäre das Unglück schließlich noch nicht so groß, wenn nicht der ewige Regen ernste Nachrheile im Gefolge hätte, durch ihn geht, und das ist vielleicht einer der ärgsten Schäden, die Weihnachtsstimmung völlig verloren, durch die die Kauflust recht eigentlich erst erzeugt wird. Und wie haben sich unsere Geschäftsleute angestrengt, um gerade diese zu erwecken. Wirklich großartig sind die Vorbereitungen, die die Geschäfte der verschiedenen Branchen für das heurige Weihnachtsfest getroffen haben. Die Schaufenster, besonders der Gold- und Kunstgeschäfte, der Spielwaarendazare und Pelzladen sind sämmtlich mit auserlesenem Geschmacke her- gerichtet, und, wer am Abend die vom tausendfältigen Schimmer der electrischen Lampen wiederscheinenden Geschäftsstraßen durchwandelt, könnte sich in eine Großstadt versetzt glauben. Aber trotz alledem hört man allenthalben nichts als Klagen, besonders die Pelz-, Eisen- und Wollenwaaren- geschäste sollen gerade durch die regnerische Witterung unendlich langsam gehen und bedenklich viel zu wünschen übrig lasten. Nun ist man ja an diese Klagen so einigermaßen gewöhnt, denn es giebt viele Kaufleute, bei denen man in die Versuchung kommt, zu glauben, sie hätten es sich geradezu zum Princip gemacht, stets zu jammern, selbst wenn sie mit ihrer Lage ganz zufrieden sein könnten, indeffen scheint doch dies Jahr, das merkt auch der Fernstehende, zu den besonders „mageren" zu gehören, denn so allgemein hat man doch seit Langem laute Klagen Über den schlechten Geschäftsgang nicht vernommen. Verhältnißmäßig gut noch soll der Umsatz auf der seit einigen Tag-n den Marktplatz bevölkernden Weihnachtsmesse sein, indeffen handelt es sich hier doch immerhin nur um Kleinigkeiten, von denen zudem der größte Theil der hiesigen Geschäftsleute keinen irgendwelchen Nutzen hat. Einen recht praktischen Gedanken hat der Vorstand des Vogel- und Geflügelvereins dahier zur Ausführung gebracht: Bekanntermaßen ist besonders zur Weihnachtszeit die Nachfrage des Publikums nach guten Kanartenhahnen stets recht groß, erfreuen sich doch die kleinen, niedlichen Sänger der größten Beliebtheit in der Hütte des Armen, wie im Palaste des Reichen. Um nun die Kauflustigen vor dem „Angeführtwerden" durch die umherziehenden Händler zu bewahren, hat der Vorstand des genannten Verems einen mehrere Tage dauernden Weihnachtsmarkt für den Verkauf tüchtiger Schläger arrangiert, und, damit die Beschickung desselben um so reich- licher werde, gleichzeitig eine Prämiierung der besten ausgestellten Exemplare damit verbunden. Wirklich entsprach der Erfolg den gehegten Erwartungen in weitgehendem Maße, das ausgestellte Material sand den hervorragenden Beifall der Fachleute, und der Verkauf ging sehr flott. Um auch künstlerische Wünsche für das Weihnachtsfest zu beliebigen, hat der Düsseldorfer Maler Küpper eine Gemäldeausstellung und -Auction veranstaltet, die sich eines großen Zuspruchs seitens der Jntereffenten und Käufer erfreut. Unter anderem wurde die Veranstaltung auch von Ihrer Durchlaucht der Frau Prinzessin von Battenberg in Augenschein genommen, welche sich sehr lobend über die ausgestellten Kunstwerke aussprach und mehrere Einkäufe zu machen geruhte. Auch die hiesigen Geschäfte werden von den Mitgliedern des Hofes viel besucht, so kann man Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin fast täglich, entweder allein ober in Begleitung Ihres Hohen Gemahls, in den Straßen umhergehen und einkaufen sehen. Die Hohe Frau läßt es sich nämlich nicht damit genug sein, daß sie den verschiedensten Wohlthätigkeits - Anstalten und Vereinen unserer Stadt namhafte Geldunterstützungen für ihre Christdescheerungen gewährte, sondern plant selbst eine solche für 20 arme Kinder Herrichten zu lassen, deren Kosten sie aus ihrer Privatschatulle bestreitet, und für die sie selbst Einkäufe macht. In unseren Concertsälen, die noch vor einigen Wochen eine so mächtige Anziehungskraft aufiübten, ist es still geworden in diesen 'Tagen. Nur die Militärcapellen geben noch musikalische Veranstaltungen, indeffen ist, wie man begreifen wird, die Zahl der Besucher sehr reducirt. Auch im Großh. Hoftheater ist nach den rauschenden Festen der letzten Zeit eine gewisse Abspannung bei den Besuchern bemerkbar, so fand amvergangenenSonntagWagners„Gölterdämmerung", jenes Werk, das an Solisten, Chor und Capelle so riesige Anforderungen stellt, vor recht spärlich besetztem Hause statt. Die Premivre von Eugen Zabels „Tugendwächter" brachte noch einmal ein volles Haus, seitdem aber wird der Besuch täglich geringer — Jedermann hat eben die Hände voll Arbeit für das bevorstehende Fest. Möge es in letzter Stunde noch die Erwartungen erfüllen, die man auf ei gesetzt! I Leipzig kostet: Weizen per 20 Gentner 120 bis 139 Mark, Roggen 110 bis 115 Mark, Gerste 92 bis 175 Mark, Hafer 106 bis 140 Mark. schiedenen Städten des Großherzogthums abgehalten werden sollen. Vermischtes. * Frankfurt a. M., 21. December. Heute Nachmittag gegen 3 Uhr stürzte in Sachsenhausen ein dem Bauunternehmer König gehöriger, bis zum 3. Stockwerk gediehener Neubau Ecke Drei eich- und Wtllemerstraße zusammen. Der 40 Jahre alte Maurer Fischer kam hierbei ums Leben, während 6 andere Arbeiter theilweise schwer und leicht ver- letzt wurden. Die Feuerwehr sowie Mannschaften des 81. Infanterie-Regiments erschienen sofort auf dem Unglücks» Cocdks rrrrd j^rovinzLelles Sieben, den 22. December 1894. * * Die Candidaten des Mafchiuenfaches können nach'einer eben erschienenen Verordnung den Acceß auch bei der neuerlich errichteten Abtheilung für Eisenbahnwesen deS Ministeriums der Finanzen bestehen. * • Einjahrig-Freiwillige 1895. Am 1. April 1895 stellen u. A. folgende Truppenteile Einjährig-Freiwillige ein: 7. Armeecorps: 15. Regiment in Minden, 57. Regiment in Wesel- 8. Armeecorps: 28. Regiment, 2. Bataillon, in Bonn, nur Studirende der Universität Bonn, 65. Regiment in Köln, 68. Regiment in Koblenz, 69. Regiment in Trier- 11. Armee cor ps: 81. Regiment in Frankfurt a. M., 83. Regiment in Kassel, 94. Regiment in Jena, 115. Regiment in Darmstadt, 116. Regiment in Gießen-14. Armeecorps: 110. Regiment, 2. Bataillon, in Heidelberg, 112. Regiment in Mülhausen i. E., 113. Regiment in Freiburg i. B. - 15. Armeecorps: 132. Regiment in Straßburg i. E., 143. Regiment ebenda. * * Der hessische Zweigverein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat Mitte November seine Jahresversammlung unter Leitung des Vorstandes, des Geheimen Obermedtcinalrath Dr. Neidhardt abgehalten. Man erhofft eine neue Blüthe ** Sammtliche KreiStechuiker deS GrohherzogthumS Hessen hielten dieser Tage zu Frankfurt a. M. eine Hauptversammlung ab. Dieselbe bezweckte die Förderung aller Dienstverhältnisse durch gegenseilige Unterstützung in den verschiedensten Dienstfragen, Befestigung der Stellung, Wahrung der Standeöintereffen, Gründung eines Landes Verbandes und die Berathung über die Abhaltung zeitweiser Hauptversammlungen. ** Panorama. Wie Herr Schmidt vom Panorama uns mittheilt, gelangt dort morgen, Sonntag, die Weltausstellung von Chicago zur Ansicht. Die Ausnahmen sind eigens für die Panorama-Verbindung des Herrn Schmidt angefertigt. Man darf wohl einen guten Erfolg erhoffen- für nur 30 Pfg. ohne Seekrankheit Chicago und die Weltausstellung in Augenschein nehmen zu können, wird gewiß nicht oft geboten. Dle Prachtserie „Russenfeste" bleibt bis heute Abend ausgestellt. ** Hunde Abmeldung. Es kommt sehr häufig, namentlich auf dem Lande, vor, daß Leute noch Hundefteuerzettel erhalten, während sie schon längere Zeit nicht mehr im Besitze von Hunden sind. Sofort wird auf die Bürgermeisterei gelaufen und Beschwerde über die nochmals angesetzte Hundesteuer geführt. Bet Durchsicht der Hundeltste findet nun der Bürgermeister, daß ein Eintrag über Abmeldung des noch besteuerten, aber abgeschasfteu'Hundes nicht gemacht ist. Es muß daher die Steuer entrichtet werden. Wer nun das vermeiden will, der lasse sofort oder längstens vor Ablauf des Kalenderjahres einen Eintrag über Abmeldung inö Huv deregister machen. ** Rückfahrkarten betr. Das König!. Eisenbahnbetriebsamt Kassel schreibt uns: Mit Rücksicht auf die diesjährige Lage deS Weihnachts- und Neujahrsfestes sind die am 22. d. Mts. und an den folgeuden Tagen gelösten Rückfahrkarten noch am 27. d. Mts. und die am 29. und 30. d. Mts. gelösten Rückfahrkarten noch am 2. Januar k. Js.* gültig, auch wenn nach den allgemeinen Bestimmungen die gewöhnliche Gültigkeitsdauer alsdann abgelaufen ist. Diese Bestimmung gilt für alle auf Stationen deutscher und niederländischer j Eisenbahnen gelösten Rückfahrkarten. ** „Stille Nacht, heilige Nacht!" Die lieblichen Klänge dieses deutschen WeihnachtsliedeS find gewiß allen unseren Lesern wohlbekannt- sind sie doch unzertrennlich geworden mit jeder familiären und öffentlichen Weihnachtsbescheerung. In unseren Liedersammlungen ist diese Perle meist als Volkslied aufgeführt, und als echtes Volkslied ist diese Compo- sition aus dem stillen Thälchen der Salzbach hinausgewandert in alle Gaue unseres Vaterlandes. Gedichtet wurde das Lied im Jahre 1818 von dem katholischen Priester Josef ! Mohr in Oberndorf an der Salzach- Lehrer Franz i Gruber, Cantor an der Nicolauskirche in Oberndorf, fchricb die Melodie dazu und führte das Werk in der Christnacht des genannten Jahres in der dortigen Kirche auf. Nie hat der bescheidene Mann seine Composition veröffentlichen lassen, und doch verbreitete sie sich mit solcher Schnellig. keit nach Nord und Süd, nach Ost und West, daß sie nach wenigen Jahren unter Tausenden von deutschen Weihnachtsbäumen gesungen wurde. Heute ist sie ganz allgemein geworden, und gewiß wird sie für alle Zeiten bleiben ein Weihelied bei dem Geburtsfest deS Weltheilands. ** Bon hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Jacob Heuser aus Biblis von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Diebstahls- Taglöhner Wilhelm Kellner aus Königswinter wegen Bettelns, Taglöhner Adolph Achenbach aus Nidda wegen Diebstahls, beide vom Amtsanwalt in Friedberg- die der Prostitution ergebene Kellnerin Bertha Keßler aus Niederscheld vom Amtsanwalt in Mainz wegen Diebstahls- der Fuhrmann Hch. Magenheimer aus Neuhausen von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls- die ledige Taglöhnerin Emma Stander aus Wintersbach in Bayern von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls- Conrad Wenzel aus Oberau vom Amtsanwalt in Mainz wegen Diebstahls und Unterschlagung- das Buffetmädchen Minna Zoll aus Nteder-Ohmen von der Staatsanwallschaft in Gießen wegen Diebstahls und Betrugs. ** BierstatistifcheS. Nach der Statistik deS deutschen Reiches betrug die Menge des erzeugten Bieres: Im Reichssteuergebiet (Etat 1893/94) 34 384547 Hectoliter pder 1213436 Hectoliter mehr als im Vorjahr, im bayerischen Steuergebiet (Kalenderjahr 1893) 15 025 443 Hectoliter, 78248 Hecioliter weniger als im Vorjahr, in Württemberg (EtatSjahr 1893/94) 3 478 065 Hectoliter, 271407 Hectoliter weniger als im Vorjahr, in Baden (Steuerjahr 1893) 1710 172 Hectoliter, 3366 Hectoliter weniger als im Vorjahr und in Elsaß-Lothringen (Eiatsjahr 1893/94) 907 386 Hectoliter, 4158 Hectoliter weniger als im Vorjahr. Der Bierverbrauch ist auf den Kopf der Bevölkerung berechnet im Reichsgebiet zu 91,1 Liter (im Vorjahre 88,7 Liter), im bayerischen Steuergebiet zu 222,6 Liter (227,3), in Württemberg zu 171,1 Liter (184,2), in Baden zu 102,1 Liter (103), und in Elsaß Lothringen zu 70,5 Liter (69,6). Auf den Kops der Bevölkerung kamen an Bierabgaben (abgesehen von den Gemeindesteuern): im Reichssteuergeblet 0,81 Mark, in Bayern 5,57 Mark, in Württemberg 3,99 Mark, in Baden 3,35 Mark, und in Elsaß-Lothrtngen 1,74 Mark. ** Der Getreidemarkt. (Berichtswoche vom 14. bis 21. December). Der Getreidemarkt zeigt gegenwärtig ein ganz anderes Bild als in den früheren Wochen, denn während das zwar mäßige, aber doch fortgesetzte stufenweise Steigen der Getreidepreise bis Anfang December darauf hinzuweisen schien, daß die wirklichen Weizen- und Roggenvorräthe nicht allzugroß seien, so hat doch der etwas gebesserte Preisstand seit 14 Tagen soviel Getreidemengen zum Angebot gebracht, daß Weizen und Roggen wieder im Preise etwas einbüßten, 21. December. Wie die „Berl. Börsenztg." hört, wird der Staatsanwalt eine weitere Verfolgung des Abg. Liebknecht nach Schluß des Reichstages nicht eintreten lassen. Die Regierung sei durch die nationalliberale Resolution wegen Erhöhung der DiSciplinargewalt des Präsidenten vollauf zufrieden. Berlin, 21. December. Der dem Bundesrath zugegangene Entwurf eines Gesetzes wegen anderwetter Ordnung des Reichsfinanzwesens ist bestrebt, die Frankenstein'sche Klausel in ihrem Rechtsbestande unangetastet zu lassen. Die Grundlage der Bestimmungen geht nach der „Post" dahin, daß in einem fünfjährigen Zeiträume die Matrikularbeiträge die Ueberwetsungen nicht Übersteigen werden. Berlin, 21. December. Die in der letzten Tagung des Landtags berathene Abänderung des Staatskirchen. gesetzeS hatte bis jetzt nur Geltung für die alten Provinzen. Wie die „Poft" hört, wird dem nächsten Landtage ein Antrag betr. Ausdehnung der Geltung der betreffenden Bestimmungen auch auf die neuen Provinzen zugehen. Berlin, 21. December. Die „Voss. Ztg." meldet aus Bukarest: Ein unter dem Verdacht anarchistischer Umtriebe verhafteter Armenier NamenS Popazian soll einen Putsch gegen die Türkenherrschaft in Armenien anzuzetteln versucht haben. Dies gestand er im Verhör zu, worauf mehrere Verhaftungen erfolgten. Berlin, 21. December. Die neueste Nummer des „Socialist" erklärt, daß die Ausführungen des Staatsanwalts Benedix im Processe gegen den Anarchisten Weidner, daß der „Socialist" demnächst zu erscheinen aufhören werde, unrichtig seien. Der „Socialist" werde fröhlich weiter leben. Die Genossen seien opferfreudiger und kampfbereiter denn je. Berlin, 21. December. Der Anarchist Victor Rabe, welcher am 16. November dieses Jahres aus Leipzig ausgcwiesen worden ist und sich nach Berlin begab, ist von dem hiesigen Polizei-Präsidium aufgefordert worden, Berlin und Umgegend innerhalb 14 Tagen zu verlassen. Hannover, 21. December. Nach der Beendigung des Processes Leuß wurde Frau Dr. Schnutz sofort in Untersuchungshaft genommen. Sie soll wegen Meineides unter Anklage gestellt werden. Wien, 21. December. Die gestrige Audienz Wekerles beim Kaiser ist resultatslos verlaufen. Brüffel, 21. December. Es verlautet, daß der Kriegs- Minister beabsichtige, bei etwaiger Ablehnung der persönlichen Wehrpflicht durch die Kammer seine Entlassung zu nehmen. Brüffel, 21. December. Die Ursache der Differenzen bezüglich der Congo angelegenheit soll, wie unter Reserve | mitgetheilt wird, darin zu suchen sein, daß Röntg Leopold an England sowie an eine andere Macht Verkaufsrechte auf gewisse Territorien des Congostaates abgetreten habe. Paris, 21. December. Nach der gestrigen Abendsitzung im Processe DreyfuS' verlautet, daß der Verthetdiger, der sich seine auf Freisprechung wotivirende Vertheidigungs- rede schon ausgearbeitet hatte, nach der Vernehmung mehrerer Zeugen nicht mehr auf gänzliche Freisprechung, sondern nur für mildernde Umstände plaidiren werde. Paris, 21. December. Von den beiden Deutschen, von Kassel und von Schoeneberg, welche kürzlich wegen an» .geblicher Spionage verhaftet worden waren, ist ersterer freigelassen worden- von Schoeneberg stand heute wegen Spionage vor dem Zuchtpolizeigericht. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Loudon, 21. December. Die „Morningpost" meldet, daß der chinesische Gesandte, welcher dem Czaren anläßlich seiner Thronbesteigung und Vermählung die Glückwünsche des Kaisers überbringt, gleichzeitig die Gelegenheit benutzen wird, um die Intervention des russischen Kaisers in dem chinesisch-japanischen Kriege zu erlangen. Warschau, 21. December. Aus Anlaß des Rücktritts des Generalgouverneurs G u r k o war gestern ganz Warschau illuminirt. Newyork, 21. December. 5000 Arbeitslose veranstalteten Lestern auf dem Marsfeld bei Montreal eine revolutionäre Kundgebung. Der Bürgermeister versprach denselben Alles aufzubieten, um ihnen Beschäftigung zu geben. 0. Aus Oberheffn, 21. December. Warnung vor „Rein falt." In verschiedenen Blättern wurde angepriesen, welche trefflichen Sachen man sich für fünf Mark bei einer Berliner Firma als billiges Weihnachtsvergnügen ver- schaffen könnte. Wir legten zusammen, sandten den Betrag mit dem dazu gehörigen Porto ein und erhielten die Herrlichkeiten gestern Abend zugesandt. Zuerst erschien eine Taschenuhr. Wir mußten 120 bis 140 Umdrehungen machen (roie es in der beigegebenen gedruckten Anweisung heißt), um die Uhr aufzuziehen. Nach dieser Arbeit wird die Uhr 12 bis 14 Stunden gehen, was sich als richtig herausstellte. Wenn man also die Uhr einen Tag in Gebrauch nimmt, muß man zweimal aufziehen und dabei 240 bis 280 Umdrehungen machen. Wie lange die Herrlichkeit dauern wird, wissen die Götter. Ferner fanden wir vor: eine Gtgarrcn» spitze, eine Uhrkette, ein Paar Manschettenknöpfe, ein Messerchen, eine Cravattennadel und zwei Hemdenknöpfchen, alles von einer solchen Qualität und von einem solchen Geschrnacke, daß man Leibweh bekommt, wenn man das Zeug nur an» sieht- Wir wußten schon im Voraus, daß wir „reinfallen" würden, wenn wir das Zeug kommen ließen und daher legten wir zusammen, damit keiner zu sehr angeschmiert würde. Zu Nutz und Frommen des großen Publtkums opferte jeder gerne einige Nickel. Unsere Erfahrungen theilen wir hierdurch mit, auf daß Andere sich eine Lehre daraus ziehen und nicht auf den Leim gehen möchten. nn. Darmstadt, 22. December. Heute Samstag Vormittag um 10 Uhr findet in der dazu erbetenen Audienz die Ueberreichung des von den Gewerbvereinen des Landes Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig und seiner hohen Gemahlin Victoria Melita gewidmeten Hochzeitsgeschenks durch eine besondere Deputation statt. Dasselbe besteht aus einer in Ebenholz ausgesührten und im Renaissance-Styl gehaltenen Schmuck-Casette, welche mit herrlichen Elfenbein-Schnitzeleien in gleichem Styl verzierr ist. Diese Schnitzereien wurden unter der Leitung des Dtrectors der Fachschule für Elfenbein - Schnitzereien zu Erbach i. O., Hauptlehrer Görig theils von demselben selbst, zum andern Theil von bewährten Ateliers dortselbst gefertigt und legen ein glänzendes Zeugniß dafür ab, auf w cch' hoher Stufe der Kunst die Elfenbein Industrie zu Erbach t. O. steht. Die an der Casette angebrachten reichen und schön ausgeführten MetallBeschläge aus getriebenem Silber in gleichem Styl gehalten, lieferten die Juweliere Knewitz zu Mainz und L. Victor zu Darmstadt und sind mit großer Hingabe gefertigt und zum Theil unentgeltlich von denselben geliefert worden. Der am vordere« Theil der Casette angebrachte und im schönsten Barock- Styl gehaltene Silberichild, umrahmt von Lorbeer und Myrthen und hergestellt im Atelier des Herrn Juwelier Meyer zu Mainz, trägt folgende Inschrift: „Ihren Königlichen Hoheiten ehrerbietigst die Ortsgewerbevereine Hessens zum 19. April 1894." Die Casette selbst, ein Meisterstück unserer einheimischen Industrie, wurde von dem Hosmöbel- fabrikanten Glückert nach Entwürfen des Directors unserer Landesbaugewerkschule Herrn Pros. Hermann Müller sowie des Architecten Hammelmann im Hanse Glückerr hergestellt und macht in ihrer reichen Ornamentirung einen schönen Eindruck. Die Gesammtaussührung der sämmtlichen Arbeiten an dem Hochzeitsgeschenk überwachten der Präsident der Großh. Centralstelle f. d. Gewerbe, Großherzogl. Regie- rungsrath Dr. Hesse sowie Herr Prof. Müller. Die Deputation zur Ueberreichung des HochzettSgeschenkes besteht aus dem Vorsitzenden des ComitLs der sämmtlichen Hess. Ortsgewerbevereine Herren Landtagsabgeordneten Dr. Schroeder- Darmstadt, Oberbürgermeister Brink-Offenbach a. M., CommerzienrathMüller- Bensheim, Lederfabrikant Pfeiffer- Eberstadt sowie dem Director der Fachschule zu Erbach Herrn Görig, welcher mit Sorgfalt und Fleiß die Hauptarbeit an dem schönen Werk ausgeführt hat. Von den jetzt bestehenden Gewerbevereinen haben sich 53 Vereine durch Gabe« bei der Herstellung des Hochzeitsgeschenkes beteiligt. Besonders alle größeren Vereine sind dabei vertreten. A Mainz, 21. December. Der Oberst und Cornman- deur des hier garnifonircnben Fuß-Artillerie-RegimentS Nr. 3 Karl Kühlenthal, ist gestern nach ganz kurzem Krankenlager im Alter von 49 Jahren gestorben. — Heber die erst vor einigen Tagen erfolgte Ermittelung des Thäters eines bereits vor 3 Jahren geschehenen Mordes berichten Mainzer Blätter Folgendes: Am zweiten Weihnachtstag 1891 fand man in dem Walde zwischen Budenheim und Heidesheim die Leiche deS Jagdhüters Eschborn auS HeideShetm. Die Untersuchung ergab, daß Eschborn erdrosselt worden war und schien es sicher, daß derselbe von Wilderern ermordet. Der Verdacht lenkte sich damals auch auf bestimmte Personen und wurden verschiedene Verhaftungen vorgenommen, ohne daß es indeß der Untersuchungsbehörde gelungen wäre, Jemand der That zu überführen. Jetzt nach 3 Jahren soll endlich Licht in die Sache kommen, indem ein Einwohner von Finthen einen Nachbar bei einem Streite öffentlich deS bengten Mordes bezichtigt hat Auf Grund dieser Bchaup- tung hat die Behörde die Verhaftung des angeblichen Thäters veranlaßt. Berlin, 21. December. Zu den Jagdgästen deS des Vereins durch Vorträge, welche im Laufe des Winters > nur Hafer hielt sich recht gut irn Preise. In Berlin und ™ i» -rl K»n!gSwusttth°uIkN gehört auch der frühere i durch Herr» Dr. Brender nuS München in den der- Leipzig kostet: Weizen per 20 Centncr 120 bis IgS Mark 2vnni)terpra|iöent Graf zu Eulenburg. ----- *• - ~ - - - - - - — Berlin, 21. December. Wie verlautet, plant die Regierung die Einrichtung einer Reichslotterie. Platze, um die Rettungsarbeiten vorzunehmen. — Tharacteristisch ist eS, daß vor einigen Tagen die Hintermauer des Neben- baueS, auch dem Bauunternehmer König gehörig, einstürzte, glücklicherweise, ohne Personen zu verletzen. Vor Beginn der AufräumungSarbeiten, muhte eine stehengebltebene Brandmauer umgelegt werden. Der Bauunternehmer und der Parlier wurden verhaftet. — lieber die Vorgänge nach dem Einsturz in der Dreieichstrahe erfährt die „Frkf. Ztg." weiter: Es bedurfte einer geraumen Zeit, bis man sich über die Fortführung der Ausräumungsarbeiten geeinigt hatte. Zunächst handelte eS sich um Beseitigung der nach Süden zu stehengebliebenen Brandmauer, die den zusammengesiürzten Bau von dem nächsten Neubau schied. Die Beseitigung der Brandmauer war nothwendig, um die mit dem Aufräumen beschäftigten Mannschaften vor dem drohenden Einsturz der Mauer zu schützen. Unsere Feuerwehr beseitigte muthig daS Htndernih. Obgleich Anfangs von Sachverständigen daS Betreten des Nachbarhauses widerrathen wurde, da man das Gebäude ebenfalls für nicht fest genug hielt, gingen doch der Commandant der Freiwilligen Feuerwehr, Herr Röhm, und Herr Feldwebel Klarmann von der Berufsfeuerwehr ihrer Mannschaft mit gutem Beispiel voran und bestiegen daS NebenhauS/ um den oberen Theil der Mauer wurde ein Seil gelegt, um dann die Mauer einzureißen. Die An- setlung gelang bald, und nun rückten die anwesenden Soldaten heran, um das Einreißen zu. bewerkstelligen. Wie schlecht das Material und ganz besonders der Mörtel war, zeigte sich, als am östlichen Theil der Mauer daS Seil erstmals angezogen wurde, denn sofort stürzte dieser Theil der Mauer. Geringe Mühe kostete es auch nur, den Einsturz des Restes der Mauer zu bewerkstelligen. ES hätte nicht Hunderte von Händen bedurft, mit einem Dutzend Leute konnte man das Werk vollbringen. Eine Wolke von bräunlichem Staub, nicht etwa von weißem Kalkstaub, hüllte einen Augenblick die Unfallstätte ein. Es war das gegen 41/2 Uhr. Wieder verging eine halbe Stunde, bis sich die maßgebenden Persönlichkeiten darüber geeinigt hatten, die anwesenden Truppen nun auch für die ferneren Aufräumungsarbeiten zu verwenden. ES galt immer noch nicht als gänzlich ausgeschlossen, daß einer der am Bau beschäftigten Arbeiter unter den Trümmern begraben liegen könne. Bei Fackelschein arbeiteten nun die braven Soldaten unausgesetzt weiter. Herr Röhm machte den Vorschlag, zunächst einen Eingang zum Keller sreizulegen, um hier Nachforschungen nach etwa noch unter,den Trümmern verschüttete Arbeiter anstellen zu können. Das geschah. Die Feuerwehr unternahm das nicht ungefährliche Wagniß, den Keller abzusuchen. An der Spitze drang Feldwebel Klarmann ein, gefolgt von Herrn Röhm, dem Oberfeuerwehrmann und einem Feuerwehrmann. Lautlose Stille herrschte unter den Tausenden der die Stätte des ^Unglücks umgebenden Menge, als die heherzten Männer mit einer Laterne in den Keller hinabsttegen. Sie drangen über den Schutt bis auf zwei Meter an die zusammengestürzte Brandmauer zum eS denn auch kommt, daß die Zahl der Vermißten zwischen etnfl und vier schwankt. Der anfangs vermißte Kleiber Schnell, den man unter den noch Verschütteten glaubte, hat sich gesunden; er liegt im städtischen Krankenhaus mit noch zwei Collegen, Schmidt und Steckenreuther. Im Heiliggeift- Hospital liegen sechs sämmtlich mehr oder weniger schwer Verletzte. ES find dies Johannes Stöckel aus Würzburg, Johannes Koch auS Katzenbach bei Kissingen, Ph. Gerhard, auS Sprendlingen, Gregor Held auS Leibach bei Hünicldt, H. BoguS aus Flieden bei Fulda, Karl Schad auS Kammenz bei Fulda. Einer von ihnen — der Name konnte noch nicht festgeftellt werden — hat so schwere Verletzungen erhalten, daß er kaum am Leben bleiben dürfte. Nach der amtlich festgestellten Verlustliste ist tobt Fischer L, mehr oder weniger schwer verletzt sind Schad, Mohr, Boll, der im Bürger' Hospital noch bewußtlos liegt, Steckenreuther, Fischer II., Stöckel, Gerhardt, Held, Bagus, Bloch, Kurz III. Die Kleiber, denen von dem Parlier Möller die Schuld an dem Unfall zugeschrieben wurde, werden von ihrem früheren Arbeitgeber Schrimpf als sehr gewiffenhaste Arbeiter geschildert, denen eine unvorsichtige Arbeit, wie sie Möller behauptet, gar nicht zuzuttauen ist. — Wir theilen noch mit, daß außer den bereits angegebenen Persönlichkeiten auch noch Herr Oberbürgermeister Adickes, Herr Staatsanwalt v. Reden, der städtische Bauinspector Rosenthrl u. A. auf der Unfall stätte anwesend waren. Der Letztgenannte ließ sich einen Eimer mit dem bet dem Unglücksbau verwendeten Mörtel zur Untersuchung füllen. • Berlin, 21. December. In der vergangenen Nacht wurde am Spandauer Schifffahrt-canal bei Plötzensee der Nachtwächter Ziegler in Ausübung seines Berufes von Einbrechern, die er verfolgte, erstochen. Von dem Thäter fehlt bis jetzt jede Spur. Verkehr, Land- nnd Volkswirthschast^ 22. Dezember. Marktbericht- Au» dem heutigen Dochenmcrrkr kostete: Butter pt Pfd- X 10.85—1,05, Hühnere e pt. €tüd|7-9 X 2 Stück —X »äse pr- St. 4-8 4, Kftfemche pr. 6t 8 X Erbsen vr. Liter 16 X Linsen pr. Liter 28 4, Tmrben pr. Baar X 0,70 —0.90, Hübner pr. Stück * 0 85—1 00. Bahnen pr. 6t.X 0,70-1.20,®ntenpr. 6t X 1,40-1 80 Gärst pr.Pfd,60-70, Ochsens!, pr. Vst». 76-80 H,Kuh-u Rindfl pr.Pfd. 46—58 4, Schweine - i fleisch pr. Pfd. 66—76 X Kalbfleisch pr. Pfd. 68—70 4, Hammel« fletsch pr. Pfd. 60—70 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 3.60-5,00 X, > We ßkraui pr. Stück--4, Awiebelr pr. Centner 3,00—3,50 X Mitch pr. Liter 16- 20 X Enteneier 2 St. - X Gänseeier - X Arrszrrg ans den Standesaintsregister« Nachbarhause vor, fanden aber nirgends einen der vermißten Arbeiter. Ohne Unfall erreichten sie wieder die Oberfläche. Die AufräumungSarbeiten werden von dem Militär die ganze Nacht fortgesetzt. Heber die Zahl der am Bau beschäfligten Arbeiter herrscht große Unsicherheit- der eine spricht von fünfundzwanzig, der andere von dreißig Arbeitern, wodurch der Stadt BUßtn. «ufgebote. December: 17. Wilhelm Sturm, Maurer dahier, mit Luise Klees zu Münchholzhausen. 19. Ferdinand Sauer, Schreiner dahier, mit Elisabeth Steth zu Alsstld. 20. Caspar Christ, Arbeiter zu Zippnow, mit Maria Radke daselbst. 21. Wilhelm Schnabel, Dienst- kn-cht zu Darmstadt, mit Christine Yr. i.»ü) re. fiel» vorritthig bei: «. [& G Wallenfels, Marktplatz 21; Eberhard Dort, Walltborstroße; Wilhelm Schomber, Neuen Bäue 10- L. Kalkhof, Colonialwaaren. 102 0 9544 Marktstr. 4 An- und Verkauf von Effecten. Einlösung sämmtlicher Coupons. Bevorschussung von Werthpapieren.. Conto ■ Corrent - Verkehr. Bankgeschäft Giessen Mein Rutzhol; Verkauf. Au» den Waldungen der Stadt Gießen, 4—6 km von Gießen entfernt und an chaussirte Abfuhrwege angrenzend, soll das folgende zu Schnitt-, Schwellen-, Bau- und Grubenholz rc. geeignete Eichenftammholz s«b- «issionsweise vergeben werden. Diftrict Schnitt- und Schwellenholz Bau- und Grubenholz Stück fm Stück fm Fernewald 4 . . . • — — 569 196,96 Stadtwald 86 . . . • 101 66,92 69 32,08 „ 28 a . . 65 56,59 — — „ 76 . . . 89 55,93 176 71,02 „ H4 .. . 137 108,31 79 35,83 Gegen Bürgschaftsleistung binnen 14 Tagen nach Genehmigung wird sechsmonatlicher Zahlungstermin und Abfuhrtermin bis 15. Mai 1895 festgesetzt. Die Offerten find bis zum 21. Januar 1895, Vormittag« 11 Uhr bei der unterzeichneten Stelle einzureichen, woselbst die Eröffnung stattfindet. Die Gebote können für das Schnitt- und Schwellenholz, sowie anderseits für das Bau- und Grubenholz im Ganzen und auch abtheilungsweise eingelegt werden. Nähere Auskunft ertheilen die unterzeichnete Stelle und die betreffenden Forstwarte, zunächst Forstwart Brück dahier. Gießen, den 22. December 1894. Großherzoglich Hessische Bürgermeisterei Gießen. 10352 Gnauth. Spar- und Leihkaffe Gießen. Im Monat Decmber l. I. werden bei der unterzeichneten Kaffe anher den feststehenden Zahltagen, Mittwochs und Samstags, noch an jedem Dienstag und Donnerstag Zahltage abgehalten. Die Einleger werden ersucht, unter Vorlage der Einlagebücher ihre Zinsen in Empfang zu nehmen, oder zuschreiben zu laffen. Zinsen, welche bis zum 1. Januar k. I. nicht erhoben sind, werden den Einlegern ohne Weiteres in den Büchern der Kaffe zugeschrieben und von diesem Tage an verzinst. Es brauchen hiernach alle diejenigen Einleger nicht zu erscheinen, welche nur Zinsen beischreiben lassen wollen, dies kann vielmehr ganz gelegentlich im Laufe des nächsten Jahres geschehen. Gießen, den 28. November 1894. Spar- und Leihkaffe Gießen. * Doering. 9764 Submission — Straßendeckmaterial. Die Lieferung von 500 cbm Basaltkleinschlag zum Einmalzen einer Staats-Straßenstrecke zwischen Butzbach und Griedel soll, in 5 Loose theilbar, öffentlich vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen mit Angabe der einzelnen Loose sind in dem Amtslocal der unterzeichneten Behörde offen gelegt, woselbst bis zum Eröffnungstermin: Samstag, den 5. Januar 1895, Vormittags 11 UW die Offerten schriftlich und verschlossen einzureichen sind. Zuschlagsfrist 14 Tage. Vollendung der Lieferung bis 20. März 1895. Gießen, den 21. December 1894 Großh. Kreisb^uamt Gießen. 10333]________________________Reuting._________________ Sammlung zu einer Weihnachtsbescheerung für arme Kinder ergab 460,50 Mk. und konnten 348 Kinder mit Geschenken er- freut werden. 10334 Herzlichen Dank den edlen Gebern! M. Dornseiff. M. Schlosser.I. Wimmenauer. Vorzügliche 10347 Arrac-, Rum-. Burgunder- Punsch Esseiuzen eigener Fabrikation. Reine abgelagerte Destillate von Batavia- Arrac, Jamaica-Rum, Cognac fine Champagne, Schwarzwälder Kirschwasser.Oden- wälder Zwetschenwasser, Münsterländer Korn- Deutscher Bürger- bitter, fst. Magen- und Tafel-Llqueur, Maiwcin - Effenz, Maiwein • Syrup, Bischof-Effenz, Citronen - Effenz, Medioinal-Welne Burgunder, Bordeaux, Madeira, Malaga. Marsala, Pottwein, Sherry, Tokayer, Heidel- beerwein empfiehlt & Ott» Schaaf Leiters weg39. Waschbare TkDWml in Größen von 2 x 2,50 Meter, 2 x 3,00 Mtr., 2,50 x 3,50Mtr., empfiehlt 10231 ,Ernst Blödner Seltersweg. 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Geh. 2 ^4 Sprechen Sie Buaaiaoh P Mit Aussprache. 3. Aufl. Geh. 2 «X 50 Sprechen Sie Rumänisch P Geb. 2 v*C Sprechen Sie SerbiachP Geh. 2 «X Sprechen Sie Türkisch P 2. Aufl. Geh. 2 JL 50 Sprechen Sie Neugriechisch P 3. Aufl. Geh. 2 JL 50 Sprechen Sie Arabisch P Geh. 2 JL 50 Sprechen Sie Persisch P Geh. 3 Jl. Sprechen Sie Japanisch? Geh. 4^ Sprechen Sie Chinesisch P Geh. 5 JC Sprechen Sie SuahiliP Geh. 3 JL Koche Deutschland - Führer Cart. 1 JL 20 Kochs Europa - Führer. Cart 1 JL 20 Leipzig. ____C. A. Koch’# Verlag. | IKck-§in im Anstich. L. Feldhaus 10358 Zur Kkichspost. piinnniniii Wlsplastik Neuen Baue I, pari. Diese Woche ganz neue Prachtserie: > Weltausstellung l von Chicago. ” U A.: Das Harris Rad, Maschinenhalle, sow.Ausstel- ______lungspaläste.Wicktngerschiff Nachhülsestunden ’Ä Zu erfragen in d-r Erpedition 10354 10338] Ein gut möbl. Zimmer mit Cabinel per 1. Januar oder später zu vermietben. Andr. 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