1894 Donnerstag den 22. November Amts- und Anzeigeblatt ffir den Kreis Gieszen. Hratisbeikage: Hießener Kamikienßtätter 8 Tagen. v. Gagern. Die Blätter bezeichnen die Lage kritisch. Unter der Bevölkerung nehmen die ganzen Einkünfte der Bevölkerung in Anspruch. Der Papst soll beschlossen haben, am Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr. sehr wahrscheinlich. Rom, 20. November. Hausen, den 19. November 1894. Betr.. Dekanatsconferenz. Das Großh. evang. Dekanat Gießen an die evang. Pfarrämter des Dekanats. Zu der am 28. d. Mls. im bekannten Locale stattfindenden Dekauatsconferenz lade ich meine Herren Amtsbrüder hiermit nochmals ein. Gegenstand der Verhandlung wird die Confirmation sein. Wahl. Zur Frage der Reorganisation des Handwerks. In einer sehr wichtigen Angelegenheit unseres Volksleben«, in der Frage der Reorganisation des Handwerks, welche zugleich innig mit der großen Frage der Erhaltung und Stärkung des Mittelstandes zusammenhängt, sind wiederholt von den Regierungen, Volksvertretungen, fachgenosienschaft- Uchen Verbänden und Innungen Anläufe gemacht wurden, Schritte zur Lösung dieser Aufgabe zu thun, zuletzt ist es bekanntlich in Gestalt eines Rundschreibens, welches der preußische Handelsminister v. Berlepsch erließ, geschehen, aber über Wünsche und Vorschläge ist man in dieser wichtigen socialen und nationalen Sache noch nicht hinauögekommen. Dieselbe darf aber unter keinen Umständen im Sande verlaufen, denn dann würde ja ein sehr werthvoller Theil unseres Volkes in seiner Mehrzahl zum unzufriedenen Proletariat herabgedrückt werden, ohne daß der Staat und die Gesellschaft ernste Mittel angewandt hätten, dem drohenden Laufe der Dinge im capitalistischen freien Spiele der Kräfte entgegenzutreten. , . _ __ Freilich müssen bei diesem Bestreben auch mit Vorsicht und Umsicht alle Irrwege vermieden werden und die Reformbemühungen zu Gunsten des Handwerks dürfen nicht in einen blinden Kampf gegen das Capital und die Großindustrie ausarten, denn der Schneider, welcher bei seinem Handwerk noch eine leistungsfähige Nähmaschine benutzt, hat mit derselben auch bereits ein Capital und das Product einer Großindustrie zur Verfügung, denn ohne entsprechendes Capital ist die Nähmaschine nicht zu erwerben und geschäftlich zu vcrwerthen und ohne das Vorhandensein einer leistungsfähigen Großindustrie in der Nähmaschinenbranche wäre so gut und so billig, wie es in der Gegenwart möglich ist, überhaupt keine Nähmaschine zu kaufen. Da es nun doch vielen Handwerkern möglich ist, sich doch entsprechende Htlfs- maschinen anzuschaffen, also nach Verhältniß Vortheil vom Capital und der Großindustrie zu haben, so wäre eS geradezu thöricht, in das Programm der Reorganisation des Handwerks den Kampf gegen daS Capital und die Großindustrie mit auszunehmen. Nun wird aber von vielen sich für die Förderung deS Wohles der Handwerker interessirenden Seiten neuerdings die Frage aufgeworfen, ob die Vorschläge deS preußischen Handels- Ministers in der Handwerkersrage überhaupt noch weiter verfolgt werden sollen, denn man hört eigentlich fast nichts mehr von der ganzen Action. Darauf ist erfreulicher Weise zu erwidern, daß die Berlepsch'schen Reformvorschläge keineswegs aufgegeben worden find, daß es aber für durchaus nothwendig erachtet worden ist, ehe man in dieser Richtung mir Gesetzesvorschlägen an btji Reichstag oder vielleicht auch an die Landtage der einzelnen deutschen Bundesstaaten geht, zuerst eine genaue und vielseitige statistische Untersuchung Über die Verhältnisse im Handwerke, resp. über die Ursachen des Rückganges deffelben vorzunehmen. Bevor also nicht die Ergebnisse dieser Untersuchung vorliegen, kann an eine Ausarbeitung und Einbringung eines entsprechenden Gesetzentwurfes auch nicht gedacht werden. R». 274 Erstes Blatt Petersburg. 20. November. Die kaiserliche Familie und die auSländiichen Fürstlichkeiten wohnten heute Mittag einer Seelenmesse für den verstorbenen Kaiser Alexander I1L in der Peter-PaulS-Kathedrale bei. Yokohama. 20. November. Reuter-Meldung. Die japanische Armee unter Oyama verließ Kintschau am 16. November in der Richtung auf Port Arthur- sie mar- schirt in zwei Divisionen auf verschiedenen Wegen. Die Japaner werden vor dem Angriff auf Port Arthur die Chinesen unterwegs besiegen müffen. — Ein Transportschiff mit 600 Mann Infanterie und 500 KuliS ist auf der Fahrt nach derTalienwan-Bai verbrannt. Alle wurden gerettet mit Ausnahme von vier Kulis. vierteljähriger Avonaementsprets: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Sspeditw» und Druckerei: Schutstrahe Är.7. Fernsprecher 51. Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. mehrere Bischöfe zu ernennen. Antwerpen, 20. November. Große Panik hat hier das Gerücht hervorgerufen, daß der Dampfer „Rheinland der „Red Star Line" während eines Orkans auf der Fahr: von Antwerpen nach Newyork mit der ganzen Bemannung untergegangen sei. Im Bureau der SchifffahrtSgesellsckaft wurde jedoch allen Anfragenden versichert, daß das Gerücht unbegründet sei- das Schiff, welches gewöhnlich 11 Tage zur Ueberfahrt gebrauche, habe jedenfalls infolge des Sturmes seinen Curs ändern müffen, am 13. d. MtS., also nach dem Orkan, sei das Schiff noch signalifirt worden. Die Gesellschaft erwartet die Meldung von erfolgter Landung jede Stunde. . „ Bonbon, 20. November. „Standard" und „Mornmgpost bringen Leitartikel über den neuen Curs in Rußland. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Deveschm bei Bureau »Herold*. Berlin. 20. November. In der heutigen Nummer deS „Vorwärts" antwortet Bebel auf die Auslassungen Grillend ergers in der „Fränkischen Tagespost". Bebel nennt dieselben kühn, welche sich durch Grobheit, bei Mangel jeder Logik, auSzcichnen- das Gebühren GrillenbergerS sei chronisch und nicht immer ganz ernst zu nehmen. Wenn Grillenberger behaupte, er, Bebel, respectire die Beschlüsse des Frankfurter Parteitages nicht, so habe er wohl von sich auf Andere geschloffen. Bebel erklärt die Beschlüsse Parteitages für nicht blnbenb unb behält sich jebe Kritik vor. Jebenfalls werbe er bemselben immer bett Vorwurf machen, gegen ble bayerischen Genoffen schwache Nachgiebigkeit geübt öU '^Berlin. 20. November. Die „Kreuzztg." hält eS für wenig wahrscheinlich, daß, wie ein Gerücht besagt, ber Unter« staatssecrerär im Reichsamt beß Innern, Dr. v. Rotten- burg, sür ben Posten bes verstorbenen Unterstaatssecretars im Staatsministerium v. Homeyer in Aussicht genommen sei. DaS genannte Blatt hört dagegen von gut unterrichteter Seite, daß der Director Rothe aus dem ReichSamt deS Innern voraussichtlich zum Nachfolger v. HomeyerS be- ^timn®ernn, 20. November. Der Minister des Innern v. Köller hat gestern seine Dienstwohnung im^Ninisterium des Innern bezogen. — Der Justizminister Schönstedt ist gestern Abend aus Celle hier eingetroffen. Heute Mittag li/2 Uhr hat die feierliche Einführung desselben in sein neues Amt stattgefunden. Berlin. 20. November. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, ist dem Präsidenten des Reichs Versicherungsamtes, Herrn Dr. Bödiker, der Stern 'zum Rothen Adlerorden zweiter Klasse aus Anlaß seiner Theilnahme an dem Jnternalionalen Congreß für Socialpolitik in Mailand verliehen worden. Wien. 20. November. Ein osficielles Kommunique im , Fremdenblatt" meldet, daß heute wiederum ein Ministerrath stattfindet, der sich mit der Wahlreformfrage beschäftigen wird. Bisher ist bekanntlich eine Uebereinstimmung zwischen der Regierung und den Vertrauensmännern der einzelnen Parteien bezüglich eines gemeinsamen WahlreformprojecteS nicht erzielt worden. Budapest. 20. November. In parlamentarischen Kreisen wird die augenblickliche Situation als sehr ernst angegeben. Namentlich haben die argen Verstöße ber Liberalen aegen bie Krone bei ber Runbreise Franz Kossuths in Wien arg verstimmt. An bie Sanctionirung der Kirchenvorlagen ist gegenwärtig nicht zu denken, dafür aber eine Ministerkrisis Deutsches Reich. Berlin. 20. November. Der Kaiser wohnte am Montag, als demTage der Beisetzung deS Kaisers Alexander III., der um 11 Uhr in der Capelle deS russischen Botschaftspalais zu Berlin veranstalteten Trauermesse und dem sich anschließenden Requiem bei. Ebenso waren zu der Trauer- feierlichkeit die Kaiserin, sowie die Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses und die in Berlin anwesenden Mitglieder anderer souveräner Häuser erschienen. Der Kaiser hatte die Uniform seines Wiborg'schen Regiments und seine russischen Ordenssterne angelegt. Nach Beendigung des gesummten Traueractes, der etwa eine Stunde währte, kehrte der Kaiser im Verein mit der Kaiserin nach Potsdam zurück. — Heber daS Befinden des Erbgroßherz ogs von Weimar, welcher wegen seiner erschütterten Gesund heit auf Cap St. Martin an der französischen Riviera weilt, sind bedenkliche Nachrichten eingegangen. Denselben zufolge ist der Erbgroßherzog an Lungenentzündung erkrankt und scheint man deshalb am Hofe von Weimar sehr besorgt zu sein, da der Großherzogliche Leibarzt Dr. Pfeiffer sofort nach Cap St. Martin abgereist ist. — Aus Kamerun kommt die Nachricht von einer kleinen Schlappe der deutschen Schutztruppe. Lieutenant Dominik hatte mit 30 Mann Sudanesen einen Zug in baß Innere unternommen, nach Jounba unb von bort weiter nach Ngilla. Auf letzterem Marsche ist bie Expedition von den Bakoko überfallen worden, wobei sechs Sudanesen fielen, während Lieutenant Dominik selber am Arm und an der Hüfte verwundet wurde. Er liegt jetzt krank in Baianga, wohin seine Colonne abgedrängt worden ist. Vorerst sind bie Melbungen über ben wohl nicht bebeutenben Vorgang nur privater Natur. Amtliche* Theil. Gießen, ben 20. November 1894. Betr.: Den Wiesengang. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grofih. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen * von Ihnen, welche unserer Auflage vom 16. October l. I. — Anzeiger Nr. 244 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir an Erledigung derselben binnen Rom, 20. November. .... 18. December ein Konsistorium etnzuberufen, um Der chiehcner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme b<4 Montags. Die Gießener ^amtkienSkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Ueuefk Nachrichten. Wolff? telegraphisches Torrelpondeuz-Bureau. Berlin, 20. November. Der Termin ber burch mehrere wissenschaftliche Vereine zu veranstaltenben Helmholtz- Feier ist nunmehr endgiltig, unb zwar burch ben Kaiser selbst, festgesetzt worben. Der Act wirb in ber Singakademie unb zwar am 4. December, Mittags 12 Uhr, statifinden. Der Kaiser beabsichtigt, ber Gedenkfeier beizuwohnen. Die Gedächtnißrede wird Geheimrath v. Bezold halten unb. bie musikalische Feier wirb Professor Josef Joachim leiten. Berlin, 20. November. Der Gouverneur von Deutsch- Ostafrika, Frhr. v. Sckele, meldet ausDar-es-Salaam, daß seine Truppen am 30. October'die Hauptstadt Kutreuga im Uhehegebiet gestürmt und nach mehrstündigem Kampfe genommen haben. Der Verlust ber Wahehe ist sehr bedeutend. Eine große Menge Vieh, beträchtliche Elfenbeinvorräthe, die Geschütze und Gewehre ber von den Wahehe niedergemachten Expedition ZelewSkis, sowie große Pulvervorräthe fielen dem Sieger in die Hände. 1500 geraubte Weiber unb Kinber würben befreit. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht ben Bericht beS Gouverneurs v. Sckele über bie Einnahme, Kimengas (Kuirenga), bas von 3000 Kriegern verteidigt wurde, von einer steinernen, bastionirten UmwullungSmauer umgeben und mit zwei Cidutellen versehen war. Lieutenant Maaß und acht Askaris wurden getödtet, 29 Askaris schwer, die Lieutenants Kleist und Engelhardt, sowie Unteroffizier Jähnke leicht verwundet. Der Gouverneur trat am 3. d. M. den Rückmarsch nach Kiloffa an. Er wurde am 6. November in Mage von 1500 Kriegern angegriffen, doch schlug er den Angriff ob. Die Haltung der Truppbn war am 30. October unb 6. November vorzüglich. tzanuover, 20. November. Zu Ehren des Mintsters v. Hammerftein-Loxten fanb eine zahlreich besuchte Abschiebsfeier, veranstaltet vom niebersächsischen Canal- verein unb vom Ausschuß für ben Mittelland-Canal, statt. Es wurde dem Minister eine Dankabreffe überreicht. Derselbe erklärte, er wolle auch ferner bie Bestrebungen für ben Mittellanb-Canal nach Kräften förbern. Glasgow, 20. November. Ein Runbschreiben des Vollzugs-Ausschusses ber schottischen Bergleute forbert alle Bergarbeiterführer auf, sofort die Grubenbesitzer um eine Lohnerhöhung von 6 Pence anzugehen. Nach Eingang der Antwort der Grubenbesitzer wird der Ausschuß beraten, ob eine Lohnerhöhung durch bie Aufforberung zu einem zweiten Strike erzwungen werben soll. Auf den 30. November ist ' eine allgemeine Konferenz nach Glasgow einberufen. Petersburg. 20. November. Morgen findet eine Stadt- ; verordneten Versammlung statt, um über die Veranstaltungen 1 für die Vermählung des Kaisers zu berathen. Die j Schulbehörden erhielten Ordre, den Unterricht am Freitag und Samstag außfaQen zu lassen. in Sardinien als sehr l. , . »ährt der Revolutionsgeist wegen der trostlosen wirtschaft- lichen Lage. Die Steuern r"*:— kie """" ber „Standard" bezeichnet denselben als einen günstigen für England. London, 20. November. Der „Standard" meldet aus Petersburg über ein vermeintliches Attentat gegen den Czaren Nicolaus folgendes: Als der Czar mit dem Großfürsten Michael am vorigen Sonntag durch die Straßen von Petersburg fuhr, sprang ein Monjik auf das Trittbrett des Wagens und warf einen Gegenstand vor die Füße des Czaren,- man glaubte an ein Attentat und verhaftete den Monjik sofort. Der Czar naim kaltblütig den Gegenstand auf, der sich als einfaches Bittgesuch entpuppte und versicherte dem auf seinen Befehl sofort freigelasienen Manne, dasielbe zu prüfen. Warschau, 20. November. Der Prastdialchef des Generalgouverneurs, Bozowski, wurde seines Amtes enthoben. An seine Stelle ist der Sohn Gur kos berufen worden. Hierüber herrscht allgemeine Unzufriedenheit oder Mißstimmung, da man diese Berufung als ein Zeichen für das Fortbestehen des jetzigen Systems ansieht. Bukarest, 20. November. Die hiesige Studentenschaft hat anläßlich des Jahrestages der Krönung des wallachischen Fürsten Michael des Tapferen zum Fürsten von Siebenbürgen Straßendemonstrationen geplant. Die Behörde traf alle Vorsichtsmaßregeln. WB. Weimar, 21. November. Der Erb großherzog ist heute Nacht lls/4 Uhr gestorben. CocaU* rrirö proHmtctte* Sieben, ben 21. November 1894. * * Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgft geruht, der Hofballetmeisterin Elise Dittmann die goldene Medaille des Ludewtgs- Ordens zu verleihen. * * Ernennung. Ernannt wurde der Hilfsheizer bet den Oberhessischen Eisenbahnen Heinrich Luft aus Annerod zum Heizer bei diesen Bahnen, mit Wirkung vom 1. De- cember I. I. an. * * Kreisausfchuß'Sihung. Samstag den 24. November d. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschuffes des Kreises Gießen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Gesuch des Ludwig Muhl zu Großen-Linden um Erlaubniß zum Betriebe einer Schank- wirthschaft. 2. Gleiches Gesuch des H. Weimer zu Daubringen. 3. Gleiches Gesuch des I. Volkert zu Alren-Buseck. 4. Bureau- kosten des Großh. Bürgermeisters zu Watzenborn-Steinberg. * * Kuustvereiu Gießen. Dem Vernehmen nach wird demnächst das neue Ausstellungslocal im „ThurmhauS am Brand" mit einer besonders gewählten Gemälde-Ausstellung neu eröffnet werden : die Mitglieder des Gießener Zweigvereins werden sich damit und mit dem in diesem Jahr (December) wiederum zur Vertheilung gelangenden Vereins- blatt wohl reichlich entschädigt finden für die unvermeidlich gewordene Unterbrechung der ständigen Kunstausstellung. — Neue Mitglieder, welche noch im Laufe dieses Monats dem Verein (mit einem Jahresbeitrag von 10 Mk.) beitreten, nehmen überdies bereits Theil an der am 8. December stattfindenden jährlichen Verloosung von Gemälden und Kunstwerken aller Art. * * Theater-Verein. Am Mittwoch den 28. November wird der^ berühmte Recitator Alexander Strakosch, einer Einladung des Theater-Vereines Folge leistend, in Gießen (Festsaal) einen Vortragsabend abhalten. Strakosch gehört zu den bedeutendsten modernen Rhapsoden, seltene Modulations- fähigkeit der Stimme steht ihm zu Gebote. Der Recitator hat schon wiederholt seine Kunst anderen Zwecken, als dem Gelderwerb, zu Diensten gestellt. Auch diesmal gilt es ihm hauptsächlich darum, seinem Lehrer und Freunde, dem unvergeßlichen Heinrich Laube in dessen Vaterstadt ein würdiges Denkmal errichten zu helfen. Strakosch hat ebenfalls in seiner Lehrthätigkeit als Dramaturg eine Reihe hervorragender Talente der deutschen Bühne herangebildet - wir erinnern hier nur an die uns bekannten Künstlerinnen Frau Claar und Fräulein Kathi Frank. Wir möchten noch speciell darauf Hinweisen, daß der Vortrags-Abend außer Abonnement ist, ben Mitgliedern des Theater« Vereins aber wesentliche Preisermäßigung geboten wird. * * Abonnement - Fahrscheine beabsichtigt die hiesige Omnibusgesellschaft mit dem 1. December d. I. auszugeben, mit welchen gleichzeitig eine Fahrpreisermäßigung von 10pCt. verbunden sein wird. Zu beliebigem, also nicht nur zum persönlichen Gebrauch werden Blocks von 50 Fahrscheinen zu 4.50 Mk. ausgegeben, welche biß zum 1. Juli 1895 giltig bezw. verwendbar sind. Die Fahrscheine dürfen nur vom Schaffner losgetrennt werden, sind von demselben zu markiren und dem Fahrgast zurückzugeben, um als Legitimation bei vorkommender Controlle zu dienen. Einzelne bezw. losgetrennte Fahrscheine sind ungültig. Man sieht, der rührige Vorstand des Unternehmens läßt nichts unversucht, den allgemeinen Bedürfnissen und Wünschen soweit als möglich Rechnung zu tragen; möge das Unternehmen durch allseitige Benutzung die verdiente Unterstützung finden. Die Neueinrichtung dürfte für jede Hausfrau und den Hausherrn nicht minder ein praktisches und willkommenes Geschenk für den Weihnachtstisch fein. Der Vorstand des Bundes deutscher Gastwirthe bereitet eine Petition an den Reichskanzler, sowie an die einzelnen Landesregierungen vor, in der um die Herbeiführung strengerer gesetzlicher Maßregeln gegen die Verhängung des Bohcotts seitens der Socialdemokratie ersucht werden soll. * * Nach der neuesten Lebensmittelpreis - Tabelle der „Statistischen Correspondenz" sind im October d. I. die Lebeusmittelpreife noch weiter gesunken, während der Preis der Kartoffeln im Steigen begriffen ist. Die Fletschpretse haben im Allgemeinen nur noch eine geringe Erhöhung erfahren. Der Durchschnittspreis des Wetzen- ist von 128 auf । 123 Mark zurückgegangen und hat damit einen beispiellos niedrigen Stand erreicht. Seit Bestehen dieser Statistik, dem October 1882, ist er zum ersten Mal im December 1892 unter 150 Mk. gegangen, später ist er wieder etwas gestiegen, dann aber unausgesetzt gefallen. Der Durchschnittspreis des Roggens ist von 112 auf 110 Mk. gegangen und hat damit ebenfalls den niedrigsten Stand der letzten 12 Jahre erreicht. Ein Vergleich mit den Preisen im October 1893 ergiebt, daß bi Higer geworden sind: Heu um 75,8 pCt., Stroh um 33,8, Hafer um 28,6, Gerste nm 16,1, Roggen um 14,1, Weizen um 14,0, Weizenmehl um 13,8, Linsen um 12,5, Roggenmehl um 12.0, Eßbutter um 9,0, Erbsen um 8,7, Speck um 2,9, Schmalz um 2,9 und Eier um 1,2 pCt. Denselben Preis wie im Vorjahr hatte das Schweinefleisch. Theurer sind geworden: Speisebohnen um 1,0, Rindfleisch um 6,1, Hammelfleisch um 6,7, Kalbfleisch um 8,1 und Eßkartoffeln um 15,8 pCt. Da ist es kein Wunder, wenn unsere Landwirthe klagen, trotz der reichen Ernte, die sie im vergangenen Sommer und Herbst heimgebracht haben, denn Vieh, deffen Verkauf zur Zeit einzig und allein lohnt, ist in Folge der schlimmen Futterverhältniffe im vorigen Jahre in unserer Gegend nirgends im Ueberfluß vorhanden. * * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Taglöhner Heinrich Al b oh n aus Hattenrod von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls; Taglöhner Joh. Helfrich aus Güls von derselben Behörde wegen Diebstahls; Dienstknecht Georg Armbrüster aus Blödesheim von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Entwendung eines auf 1156 Mark lautenden Sparkassebuchs- Maurer Georg Bohland auö Pfungstadt, zuletzt in Mommenheim, von derselben Behörde wegen Betrugs und Urkundenfälschung; Musiker Joh. Ducka aus Ober-Roden, zuletzt in Rimbach, von der Zellenstrafanstalt in Butzbach wegen Strafvollzugs- Schmied Oskar Eckert aus Einhausen in Sachsen-Meiningen von der Polizeiverwaltung in Kastel wegen Diebstahls- Dienstmagd Elisabeth Frankenberger aus Pfungstadt vom Amtsanwalt I in Darmstadt wegen Diebstahls - Portefeuiller Wilhelm Groh aus Offenbach vom Amtsgericht in Offenbach wegen Strafvollzugs- Schreinergeselle Phillpp Grünewald aus Höllerbach vom Amtsanwalt in Alzey wegen Körperverletzung- Schirmflicker Adolf Gütig aus Oberrink, Reg.-Bez. Breslau, vom Amtsgericht Darmstadt II wegen Strafvollzugs- Georg Montag aus Worms vom Amtsgericht in Worms wegen Strafvollzugs - Wagner Georg Münk aus Darmstadt vom Untersuchungsrichter I daselbst wegen betrügerischen Bankrotts- Minna Zoll aus Nieder- Ohmen vom Polizeiamt in Gießen wegen Diebstahls und Betrugs. A. Bad Nauheim, 19. November. Am vergangenen Sonntag waren 25 Jahre verflossen, daß das neue Schulhaus dahier eingeweiht und die hiesige Stadtschule einer Reorganisation unterworfen wurde. Bei dieser Gelegenheit wurden drei Lehrkräfte an hiesiger Stadtschule neu angestellt, nämlich die Herren Schultnspector Schaub, jetzt Kreisschulinspector und Schulrath in Offenbach, Sprachlehrer Knell und Lehrer Wagner. Von den damals an hiesiger Schule wirkenden sieben Lehrkräften ist Lehrer Wagner nur noch der einzige, welcher an derselben thätig ist und hat der größte Theil der jetzigen Generation Nauheims bei ihm Schulunterricht genossen. Der Stadt, Schul- und Kirchenvorstand glaubte daher diesen Ehrentag nicht vorübergehen lassen zu dürfen, ohne dem verdienstvollen Lehrer seine Anerkennung zu zollen. Die Vertreter der genannten Vorstände nebst dem gejammten Lehrerpersonal begaben sich daher nach beendetem Gottesdienst um 11 Uhr in die Wohnung des Jubilars. Zunächst ergriff das Wort der Vorsitzende des Schul- und Kirchenvorstandes, Herr Pfarrer Wisstg, und gedachte in seiner herzlichen Ansprache der langjährigen, gewissenhaften und erfolgreichen Thätigkeit des Jubilars als Lehrer und Organist der Gemeinde und sprach den Dank des Schul- und Kirchenvorstandes aus. Herr Bürgermeister Wörner hob besonders die ersprießliche, gemeinnützige Wirksamkeit als Vorsitzender des Kur« und Verschönerungsvereins hervor und sprach den Dank der Stadt aus. Herr Oberlehrer Feuerbach beglückwünschte ihn im Namen des Lehrerpersonals als treuer College und gewissenhafter Lehrer. Sichtlich gerührt dankte Herr Wagner für die vielen Beweise der Verehrung und gelobte, sein eifrigstes Bestreben werde auch fernerhin sein, sich die Liebe und Achtung seiner Gemeinde und seiner Collegen zu bewahren, sowie in gemeinnütziger Weise für die Hebung des Bades zu wirken. Die Festtheilnehmer verbrachten darauf noch ein Stündchen in gemüthlicher Unterhaltung bei dem Jubilar. Zahlreiche Glückwünsche liefen noch am Nachmittage ein. Möge es Herrn Wagner vergönnt fein, auch sein goldenes Dienstjubiläum nach 21 Jahren in derselben Frische und Gesundheit zu begehen! Froschhausen, bei Seligenstadt, 18. November. Unsere ganze Gemeinde ist ob eines hierher gefallenen Haupttreffers der Braunschweiger Lotterie in freudige Erregung gerathen. Der Straßenwärter Sa lg spielte ein Viertel-Loos genannter Lotterie, auf welches ein Gewinn von 200000 Mark entfiel. Nach Abzug der planmäßigen Procente rebucirt sich der Viertelantheil auf 42500 Mark. Salg, ein ruhiger, fleißiger und besonnener Mann, hatte noch keine Ahnung von seinem Glücke, als vorgestern zwei Herrn aus Frankfurt, woher er das Gewinnlos bezogen hatte, bei ihm vorfuhren und ihm 42 500 Mark einhändigten. In feiner begreiflichen Erregung übermittelte Salg den Ueberbringern des plötzlichen Reich- thums zur Belohnung anstatt 500 Mark, fünf Scheine a 1000 Mark. Mit diesem fürstlichen Honorar entfernten sich die Herren, welche überhaupt keine Ansprüche auf besondere Belohnung erhoben hatten, vielmehr schon mit dem Abzüge von 500 Mark am Gewinnantheile zufrieden gewesen wären. Salgs Freude über das unverhoffte Glück wurde in den verschiedensten Formen Ausdruck gegeben. Vermischtes * Müsstet i. W., 20. November. Der Artillerie Lieute- nant v. Brandenstein starb infolge eines Sturzes vom Pferde- erjtrnr im Steigbügel hängen geblieben. * Münster i. W-, 20. November. Bei einem Kampf zwischen Förstern und Wilderern wurde ifl Buer ein Wilddieb erschaffen, ein zweiter verwundet. • Hirfchberg, 17. November. Kürzlich wurde ein Reihe von Concursfällen aus Berlin genannt, welche die den Gläubigern zugefügten Schäden wirklich haarsträubend er« scheinen ließen. Cunnersdorf im Hirschberger Kreise hat aber jetzt Berlin überholt. Ein Fall wie der Bankerott des Dr. Salomon in Cunnersdorf steht wohl einzig in der so umfangreichen Geschichte der Concurse da. Der hohe» Summe der angemeldeten Forderungen von 2,109,809 Mk. steht der winzig kleine Maffenbestand von 5274 Mk. gegenüber. Die Gläubiger erhalten also für je 1 Mk. ihrer Forderungen V4 Pfg., das ist auf 1000 Mk. ganze 2 Mk. 50 Pfg. * Slolp, 20. November. Der Dachdecker Karl Behnke aus Kuhblank, welcher am 9. Juni vom Stolper Schwurgericht zweimal zum Tode verurtheilt wurde, weil er am 28. December 1892 zwischen Reinwasser und Dulzig die Wittwe Dargatz und in der Nacht zum 30. Mai 1893 zwischen Wittenberge und Kuhblank den Arbeiter Hacker ermordet und beraubt hatte, wurde heute früh durch Scharfrichter Reindel aus Magdeburg hingerichtet. * Blankenburg a. H., 19. November. Hier erschoß sich der Musketier Friedrich von der 10. Compagnie des 92. Braunschw. Jnf.-Regts. Hierbei zeigte sich wieder die furchtbare Durchschlagskraft unserer neuen Geschosse. Die Kugel ging dem Mann durch den Kopf, durchschlug die Wand und im Dache noch einige Ziegelsteine. * Hamburg, 20. November. Letzte Nacht ist in der Königstraße bei dem Brande eines Fachwerkhauses ein Kind umgekommen; sechs Erwachsene sind beim Einsturz deö Hauses infolge von Betäubung oder durch Hinabspringen schwer verletzt worden. * Mannheim, 20. November. Der Wiesbadener Uhrendieb wurde gestern Abend hier verhaftet. * Karlsruhe, 16. November. Eine Brutalität, wie sie leider unter den Studirenden nicht zu den Seltenheiten gehört, fand gestern vor der hiesigen Strafkammer ihre Sühne. Der 21jährige Polytechniker L. Kö necke von Klein- Schwirfen rempelte in einer Sommernacht auf der Kaiserstraße zwei Herren an. Er verlangte alsdann von ihnen die „Karten" und schlug schließlich, als der eine ihm bedeutete, „er set betrunken und gehöre nach Hause", diesem mit seinem schweren Holzstock derart in das Gesicht, daß der Geschlagene längere Zeit in ärztlicher Behandlung war und die Sehkraft seines linken Auges dauernd beeinträchtigt ist. Der Raufbold wurde mit 6 Monaten Gesängniß und 2000 Mk. Geldstrafe belegt. * München, 19. November. Sonntag Nacht wurde hier wegen verdächtigen Besitzes von Bauholz ein Mann auf der Siraße von einem Gensdarmen angehalten. Der Mann setzte sich mit dem Messer zur Wehr. Der GenSdarm wehrte zuerst mit dem flachen Säbel ab, versetzte dem Manne aber dann einen Stich in den Oberarm und in die linke Brustseite. Der Getroffene entsprang, wurde aber nach 10 Minuten tobt aufgefunden. * Kopenhagen, 20. November. Das Dampfsägewerk Olsen im dichtbevölkertsten Theil der Stadt steht rettungslos in Flammen- der Schaden ist unberechenbar. * Turnhout (Provinz Antwerpen), 16. November. In dem Orte Oolen beiHerenthals vergiftete ein Trunkenbold Namens Rosenbacker feine beiden Stiefkinder durch Alkohol. Nachdem er selbst zwei Liter Branntwein genossen, gab er den Kleinen mit Gewalt so viel von dem Getränk ein, daß das eine Kind, ein 5jähriges Mädchen, nach etwa 12 Stunden starb, während das andere, ein 7jähriger Knabe, in größter Gefahr schwebt. Der Unmensch ist verhaftet. * Unter den auf der Weltausstellung in Antwerpen preisgekrönten Firmen befindet sich auch die Firma Gebr. Körting, Frankfurt a. M., Stammhaus in Körtings- dorf'Hannover, der für eine dort ausgestellte Gasdyuawo und für ihre Heizungssysteme das, noch über der goldenen Medaille stehende „Diplome d’Honneur“ verliehen wurde. Die Gas« dynamo, welche aus einem Präzisions-Gasmotor nebst direct gekuppelter Dynamomaschine besteht und sich als ein außerordentlich einfaches und wegen des sehr sparsamen Gasverbrauches zweckmäßiges Mittel zur Erzeugung electrischen Lichtes der Anerkennung sämmtlicher Autoritäten erfreut, wurde in diesem Jahre außerdem mit drei ersten Preisen, goldenen Medaillen in Freiberg i. S-, Stuttgart — hier außerdem noch ein Ehrenpreis — und Norden, ausgezeichnet. Am letzten Platze geschah der Betrieb durch eine auf einem eisernen Wagengestell monttrte 6pferdige Gasdynamo, welche in Ermangelung von Gas durch Naphtha betrieben wurde und dabei ein genau ebenso ruhiges Licht erzeugte, als ob Gas zum Betriebe gedient und die Maschine auf festem Fundament gestanden hätte. Dieser gleiche Benzin-Dynamo- Wagen liefert augenblicklich daS electrische Licht für die Nachtarbeit an dem bedeutenden Vergrößerungsbau der Werkstätten für Gasmotoren und electrische Anlagen der Firma Gebr. Körting in KörtingSdorf. * Gegen die Nachzügler. Ein probates Mittel, um daS leidige Zuspälkommen einzelner Concertbesucher zu verhindern, hat der Cäcilien-Verein.zu Frankfurt a. M. ergriffen. Der Vorstand erläßt für daS* Mittwochsconcert im Saalbau folgende Bestimmungen: „Zur gefälligen Notiz! E n zwei« maliges Glockenzeichen in den Vorräumen wird den bevorstehenden Beginn des Concertes bekannt geben. Nach dem zweiten Glockenzeichen werden die Zugänge zum Saal, einschließlich Logen und Galerie, geschlossen und erst nach Beendigung der ersten und sodann nach der sechsten Nummer wieder geöffnet werden, worauf wir die geehrten Concert- besucher ganz besonders ansmerksam machen." * Photographische Aufnahme, in »atürlicheu Farben wurden in Berlin einem größeren Publikum durch Dr. Neu- 4auß, wie der „B. B. C." berichtet, vorgeführt und zwar im Hörsaal des Museums für Völkerkunde, wo die Freie Photographische Bereinigung einen ProjectionSabend veranstaltet hatte. Dr. Neuhaus hat sich schon seit e-nigen Jahren mit der Lösung des Problems der Photographie in natürlichen Farben beschäftigt, hat aber erst im letzten Jahr Erfolg gehabt. Die Platten, die er verwendet, sind 10 000 mal unempfindlicher alß gewöhnliche Platten, die Dauer der Exposition beträgt ein biß zwei Stunden. Eß kommen nicht nur die Farben deß SpectrumS, sondern auch alle Misch- frrben zur Erscheinung. Sehr gut geräth Roth und Grün, schwer läßt sich Blau wiedergeben. Vorgesührt wurden Blumen, Früchte, Fruchtschaalen, auch das farbenreiche Bild eineß außgestopften Papageis. Professor Fritsch beglück- wünschte den Dr. Neuhaus zu seinen Erfolgen, die die Photo- grophie dem Leben wieder einen Schritt näher gerückt haben. Dr. Neuhaus führte außer den Photographien, die alte Tieile Berlins Wiedergaben, den Krügel, den „Durchgang" zur Fischerbrücke, sowie verschiedene Aufnahmen des Dom bauplotzes und der Schloßfreiheit vor. Professor Fritsch brachte wirkungsvolle Bilder aus dem „sonnigen Süden." * Begnadigt. Ein Soldat war von Kameraden, arg gehänselt worden. Um sich an dem Hauptübelthäter zu rächen, lauerte er, mit einem losen Stuhlbein bewaffnet, d cscm hinter einer THUre auf- als die Thüre sich öffnete, schlug er blindlings los und sah erst zu spät, daß er nicht btn erwarteten Kameraden, sondern einen militärischen Vorgesetzten vor sich habe. Der Unglückliche wurde mit sieben Jahren Gesängniß bestraft. Jetzt, nach vierjähriger tadel- lo'er Führung im Gesängniß, ist er begnadigt worden, steht nun aber mittel- und hilflos da. — So berichten Berliner Blätter. * 50 Fahre Stadtverordneter. 48 Jahre lang Stadtverordneter zu sein, ist dem Fabrikanten Herrn Habig in Herdecke im Streife Hagen beschicken. Durch seine in diesen Tagen erfolgte Wiederwahl ist die Möglichkeit geschaffen, daß er in 2 Jahren das 50jährige Jubiläum als Stadtverordneter begeht, eine Feier, die wohl zu den Seltenheiten gehört. * Die Nothlage der Caudidaten des höheren Schulamts und die schwer zu quaOficirende Art, in welcher diese Nothlage ausgenützt wird, kennzeichnet ein Inserat einer Bres- lauer Zeitung, in welcher eine adelige Dame in Neisse für ihre beiden Söhne einen Hauslehrer sucht „gegen freie Station und Wäsche"! Ob sie wohl einem Knecht unter gleichen Bedingungen einen Dienst anzubieten wagt? * Sparsame Schulkinder befinden sich im Regierungsbezirk Erfurt. Nach Mittheilungen des „Amtlichen Schulblattes" bestehen daselbst 105 Schulsparkaffen. Unter den 31,061 Schulkindern dieses Bezirks befinden sich 12,962 ' sparende Kinder, und die von diesen in die genannten Kassen eingezahlten Beträge haben bereits die stattliche Höhe von 111,574 Mark erreicht. Eine solche Sparsamkeit verdient Nachahmung. * Der alle Cicero soll nun auch ein Denkmal erhalten. Wie der „N. Z. Z." geschrieben wird, geht die Bürgerschaft von Arpmo (Arpinum) damit um, ihrem berühmten weiland Mitbürger MareuS Tullius Eieero ein Denkmal zu setzen. An der Spitze des betreffenden Comitees stehen der Bürgermeister Cassa und der Gymnasialdircctor Professor Tentori, der wohl mit Stolz des Umstandes gedenken mag, daß der große Römer s. Zt. die Lehranstalten von Arpino besucht und dort vielleicht gar sein Abiturienten-Examen gemacht hat. Da nun daS Comuee zwar viel Enthusiasmus, aber nur wenig Mittel besitzt, so wird wohl demnächst eine Bitte an alle Gymnasiasten und Lehrer Europas um „freiwillige Spenden" erlassen werden. Ob der gute Cicero ihnen dann vielleicht den Gefallen erweisen wird, seine sämmtlichen Reden auS dem lateinischen Unterrichte zurückzuziehen? * Die deutsche Sprache in Japan. Ein glänzendes Zeugniß stellt das japanesische Unterrichtsministerium der deutschen Wissenschaft auS. Der ausgedehnte Handel mit England und die Nachbarschaft Amerikas hatten von jeher die englische Sprache zur Fremdenverkehrssprache gemacht. Aber auch auf den Regierungsgymnasien und an der Universität nahm das Englische die erste Stelle ein, während an zweiter Stelle Deutsch, an dritter Stelle Französisch unterrichtet wurde. Nun soll aber nach einem Erlaß des inzwischen abgegangenen Unterrichtsminist rs Jnuye-Ki die deutsche Sprache die erste werden, während Englisch und Französisch in zweiter Linie kommen. Demzufolge müssen alle zukünftigen Abiturienten der R-gierungsgymnasien, die in die medicinische, litterarisch - historisch philosophische oder in die juristisch-kameralistische Facultät übergehen wollen, die deutsche Sprache beherrschen. Der Erlaß ist, wie man der „K. Z." aus Tokio meldet, sofort in Kraft getreten. Es unterrichten an der Universität in Tokio zur Zeit sieben deutsche Professoren, zwei in der medicmischen, drei in der philosophischen und zwei in der juristischen Facultät. Der Unterricht in der Medicin und in der Philosophie stand von jeher unter deutschem Einfluß. * Drei Waffen. Von dem Geza Zichy, dem einarmigen : Claviervirtuosen und Intendanten der ungarischen National- - oper, wird soeben ein Gedicht veröffentlicht, dem ein rührender < Gedanke zu Grunde liegt- es betitelt sich „Drei Waffen" \ und lautet: „In meinem Zimmer auf grünem Tuch Hängt eine Waffenttophäe; So oft ich sie erblicke, wird Im Herzen mir so wehe. • Ein Schwert die eine ist: daß hat Mein Later einst getragen, Mit dem er manche grimme Schlacht Fürs Vaterland geschlagen. Die zweite jene Flinte ist, Die mir den Arm zerschossen: Die Sache lief noch glücklich ab, Hab' feine Thräne vergossen. Die dritte meinem Sohn gehört’, Mit ihm starb all mein Hoffen — Die kleine Kinderflinte isi'S, Die mich ins Herz getroffen!" * Kafernenhofblüthe. Unteroffizier zu einem Rekruten: „Wenn Homers Julias so schief auf dem trojanischen Pferde gesessen wär', wie Sie auf Ihrem Gaul, hätte er sich vor seinem Hund, dem berühmten Hector, schämen müssen." Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 46. Woche. Vom 11. November bis 17. November 1894. Einwohnerzahl: engenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeit-,iffer: 21,17°/« bezw.7,05 nach AuSschl. der Ortsfremden. _ _ , Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom 1. Lebensjahr: 2.-15. Ptebr: Diphtherttis 4 (3) — — 4 (3) Lungentuberkulose 1 1 _ Lungenentzündung 1 1 — Neubtldungen Sonstige benennte 1 (1) 1 (1) — — Krankheiten 2 (2) 2 (2) — — Summa: 9 (6) 5 (3) — 4 (3) »nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie oie'e der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von auswärts nao Gießen gebrachte Kranke kommen. Verkehr, Canö» rrrr- Volkswirthschaft. Limburg, ;20. November. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 11.65, weißer Weizen JL 11.60, Korn JL 8.65, Gerste 7.10 Hafer JL 5 30. AirchlicheAnzeigen -er evairg. Gemeinde. Donnerstag den 22. November, Abends 8 Uhr. im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule Bihetstnnde. Gleichniß vom verlorenen Sohn. Luc. 15, 11—22. Pfarroerwalter Dr. Grein. Cheviot« «nd vnxktn für einen ganzen «nzng zu Mk. 5.75 Kammgarn n. Melton für einen ganzen Anzug Mk. 9.75 je 3,30 m für den Anzug berechnet, versendet birect an Jedermann Oettinger & Co-, Frankfurt a. M., Fabrik-Depot. 6395 Muster umgehend tranco. Nichtpassenoes wird zurückgenoinmen. Stetig steigender Absatz seit 1880 findet bet berühmte Holland. Tabak buB.Becker tn Seesena. H. 10 Psb. ko. acht Mart. 7830 I» S 5? M, I I V« tz li'l || 17« WM All UM Kiefern und Nadel-Stammholz Isoll im Subw.issionswege vergeben I werden und werden Angebote bis Otto. 9515 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Gna uth. Bekanntmachung. Aus der Stiftung des ehem. Gemeinderathsmitglieds Louis La- broifse ist im Januar k. I. Brennmaterial an 15 arme Familien zu vergaben. Bewerbungen werden auf dem Bureau des Armenamts (Zimmer Nr. 3 der Bürgermeisterei) bis zum 28. d. M. entgegen genommen. Gießen, den 16. November 1894. 9.78 zum 27. d. Mts., Mittags 1 Uhr verschlossen und francirt auf hiesiger Bürgermeisterei entgegen- genommen, woselbst dann die Submissionseröffnung erfolgen wird. Nähere Auskunft ertheilt Forstwart Dort. Beuern, den 20. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Beuern. i Holzverkauf. Das im hiesigen Gemeindewald für 1895/96 zur Fällung kommende Bau- und Werkholz, als: circa 63 fm Eichen- und 153 fm Regierungsbezirk Koblenz. Kreis Wetzlar. In der Ober- förfterei Krofdorf werden im laufenden Winter etwa 600 fm Eichen- und 500 fm Rothbuchen-Nutzholz eingeschlagen. Die zum Theil starken und werthvollen Eichen sind als Schneidehölzer, Schwellenoder Grubenholz verwendbar. — Die Rothbuchen sind vorwiegend glattschaftige, weißkernige Starkhölzer. Abfuhrverhaltnisse sehr günstig, Chaussee in nächster Nähe der Hiebsorte, Bahnhöfe Gießen, Lollar, Fronhausen, Kinzenbach oder Wetzlar etwa 3—9 km. Der öffentlich meistbietende Verkauf des sämmtlichen Bau- und Nutzholzes erfolgt voraussichtlich im März 1895 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in Gießen bezw. Wetzlar. Kauflustige, welche seiner Zeit unentgeltlich besondere Bekanntmachungen zu erhalten wünschen, werden um Mittheilung ihrer Adresse an den Unterzeichneten ersucht. 9512 Krofdorf bei Gießen, den 15. November 1894. Der Königliche Oberförster. Frhr. Spiegel. Haarketten 2C. re. fertigt billigst an 8677 Max Rüger, Wallthorstr. 6. Die grosse 9385 Weihnachts-Ausstellung ist eröffnet. Reizendejeuheiten! Grösstes Lager! . in Kinderspielwaaren /*/ y/e v&>\ \ /ö\ Feinste Gothaer Cervelatwurst frifdi eingetroffen bei 9293 Wilh. Haas, Bleichstraße 21. Corned-Beef im Ausschnitt empfiehlt 8562 Gust. Walter, Mäusburg 13. ff. f dienijonig, selbftgezückteten und prämiirt, verkauft per Pfund 1 Mark, in größerem Quantum billiger Ph. Bauer, Bienenzüchter 8830] Bahnhofstraße 57. (Bru st-Caramellen) von E. Übermann, Dresden, sind das einzige diätet. Genuft- mittel bei Husten und Heiserkeit. Zu baden bei: 8942 Gebrüder Adami 14 Mäusburg 14. Gutachten. Herr Carl Retter in München übergab mir eine als „Haarwasser“ bezeichnete Flüssigkeit mit dem Gesuche, dieselbe zu prüfen und gutachtlich darüber zu berichten. Dieses Haarwasser enthält der damit angestellten Analyse zufolge durchaus Jfetne den Haaren nachtheilige Materien; ihre Beftandtheile sind vielmehr solcher Art, daß von dem Gebrauche des Mittels eher ein wohl- t hä tiger Einfluß auf das Wachsthum der Haare zu erwarten ist und ftebt daher ihrer Anwendung keinerlei Bedenken entgegen. 5795 München, 7. September 1867. (L. 8.) Dr. K ß. Wittstein. Zu haben ä 40 Pfg. u. Mk. 1.10 bei I. H. Arrhr, Sonnenstraße 25. Prima Nußkohlen empfiehlt Fuhren- und Centnerweise billigst 9432 II. Hof, Bahnhofstr. 33. Vermietungen. 9522] Schön möblirte Zimmer, auch mit Cabinet, zu oermietben ____________LSberstraße 3. I Möbl. 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Lehrer Grün- [9526 1887 Worms unk. b. 1901 4% 99.20 98.70 4°/o DeutscheRetchsanl. 3<»/o Preutz. Consols 31/2% Gr. Hessische Obl. 40/0 Stadt Darmstadt v. 1891. S. Klein. Das schönste Fest der Kinder, das liebe Weihnachtsfest, nähert sich wieder und mit demselben tritt wiederum die Aufgabe an uns heran, von freiwilligen Beiträgen und dem Ertrag gesammelter Cigarrenabfälle armen Kindern unserer Stadt durch Bekleidung eine Weihnachtsfreude zu bereiten. In Folge allseitiger Anerkennung und wirksamer Unterstützung unserer Bestrebungen von Seiten des hiesigen Publikums ist es uns möglich, für die armen Kinder etwas zu thun. Die uns in diesem Jahre vorgelegte Liste weist wiederum eine große Anzahl armer Kinder auf. Wir richten deßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießens (Raucher und Nichtraucher) die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Cigarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fonds erhöhen zu helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Wechnachts- feste einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete Weihnachtsbescheerung bereiten zu können. Cigarrenabfälle und Geldbeiträge werden bei unseren Sammelstellen, Herrn Buchbinder Adolf Bourgeois, Friseur G.Gerhardt, Bibliotheks- custos Emil Heuser, Emil Kalbfleisch und H. Schnell gern gegründet habe. Indem ich um geneigtes Wohlwollen bitte, zeichne Hochachtend Sängerkranz. Donnerstag den 22. November, Abends 9 Nhr: probe des Mannerchores Ihren reichhaltigen Südanlage 5. , 7439 smr im Gesangsloeale. Der Vorstand. 3p/o Oesterr. Staatsbahn v. 1885 87.9514% Etsenb. Rentenb. Obl. 30/o Jtal. staatsgar. Etsenb. 51.05 |5o/o Buderutz Obl. Franz. Banknoten Oesterr. dto. Americ. GesHafts-Empfehlung. Unterzeichneter empfiehlt sich im Anfertigen sämmtlicher Herren- Garderobe, auch werden daselbst Damen-Costiime, als: Damen Mäntel, Jaquetts, Capes rc. nach Maß angefertigt. Garantie tadellosen Sitzens. — Reelle Bedienung. — Civile Preise. 9517 Achtungsvoll I. K. Leonhard, Kahnhofstratze 23, II. Stock. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Theilnahme bei unserem unersetzlichen Verluste, sowie für die überaus zahlreichen Blumenspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Gombel sagt innigsten Dank ter-Verein sser Abonnement) Mittwoch den 28. Nov. im Festsaal (Leib’scher Saal). Programm: Julius Caesar (Forumscene). Wallfahrt nach Kevelar. Die Räuber (Thurmscene). Strandgut. Eintrittskarten bei Ernst Challier (Rudolphs Nachf.). Nummerirter Platz im Saale Mk. 1.50, Mitglieder Mir. 1. — . Gallerie un- nummerirt 75 Pf. Studentenkarten (Estrade ermässigter Preis;. Schülerkarten 50 Pf. Den Mitgliedern des Theater-Vereins werden nummerirte Plätze zum Preise von Mk. 1.— bis Samstag den 25. reservirt. Für Nichtmitglieder besinnt der Verkauf Sonntag den 25. November.2509 tiTtCf * Wer -rtheUt gründlichen Unter« richt (Privat) in Buchhaltung rc. Offerten unter H. 20 an die Cxp d. Bl. 9492] Tüchtiger Schreiner-ehülfe sucht dauernde Stelle. Hch. Schadeck, Lollar. 9ö07] Eine gesunde Amme sucht Stelle auf sofort. Zu erfragen bei Vermiethfrau Müller, Teufeltzlustgärtchen 26. 9521] Mädchen mit guten Zeugnissen suchen Stelle auf gleich und Weibnachien. Frau Seybicke, Bahnhofstraße 43. Neues Theater Giessen Giessener Festsaal 9129 (Cafe Leib). (Direction: Adam Reiners.) Freitag den 23. Novbr. 1894: Auf Verlangen Cornelius Doß. Lufispiel in 4 Acten von F. v Sckontban. Rtb*ci‘.ur.; .v. v. b«. — Druck und Verlag der Brübl'schen Druckerei (Fr. Lhr, Nietsch) tu Siche» Die heutige Kummer umsaht 6 Seiten.