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W Übet M 1212.-1222'i /110.65 (170 01 84.10 \ W smb. ernt 49.4) 53.4) 100.20; 100 65.- 113. 146.90 1"^ 99.50 98- ll?.i 103'8 103.75 101- 97 60. -Liv!' |M W )0^t; M75 103.8» avddr. do._, [U.D , „ tag —1189.55 fljtill lb9, W«I „350 59250 *- X 160- l61'3" .»nun 85 68 104* 90* üSl»" i 86.7» Mittwoch den 22. August srr. 195 1894 Gießener Anzeiger Generat-Mnzeiger. Amts- und Anzeigcblutt für den Ureis Gieren. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchutstrutze ^r.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Avonnemcntsprets: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener AamtrienötLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Jamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehnien Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmtlid?cr Thsil. Gießen, am 20. August 1894. Betr.: Die Aufstellung der Voranschläge der evangelischen Kirchenfonds für 1895/96. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die evang. Kirchenvorstände des Kreises Unter Hinweis auf § 4 der Instruction zur Fertigung der Voranschläge über die Vermögensverwaltung der evangelischen Kirchen vom 31. August 1885 beauftragen wir Sie, die rubricirten Voranschläge nach Anhörung des Kirchen- rechnerS so zeitig aufzustellen, daß die Berathung derselben im Gesammt-Kirchenvorstand und in der Kirchengemeinde- vertretung im Monat September stattftnden und die Vorlage an das betreffende Großh. Decanat bis spätestens Mitte Oktober erfolgen kann. Insofern ein Beitrag der Civilgemeinde zur Deckung des kirchlichen Deficits in Anspruch genommen werden muß, ist nach § 24 Ord.-Nr. 10 der Kirchenvoranschlags-Jnstruction alsbald nach der Berathung des Voranschlags im Kirchenvorstande und Gemeindevertretung der Bürgermeisterei, unter Mittheilung eines Auszugs aus dem Voranschläge, von der Höhe des nothwendigen Zuschusses Nachricht zu geben, damit der erforderliche Credit im Gemeindevoranschlage ordnungsmäßig gewahrt werden kann. Mit Bezug auf das MinisterialauSschreiben vom 16. Juni 1893 — abgedruckt in Nr. 8 des Verordnungsblattes von 1893 wird bemerkt, daß vollständige Verzeichnisse der Activ-Capitalien (vergl. pos. V. 2.) diesmal nicht beizulegen, sondern nur die seit Aufstellung des vorhergehenden Voranschlags eingetretenen Aenderungen aufzusühren sind. Die Revisionsverhandlungen zu den vorhergehenden Voranschlägen sind bei Aufstellung des neuen Voranschlags zu beachten. Von der Ablieferung der Voranschläge an die Großh. Decanale wollen Sie uns demnächst und jedenfalls bis Mtte October Anzeige erstatten. v. Gagern. Gießen, am 20. Juni 1894. Betr. : Die Förderung der Ziegenzucht durch Einführung von Ziegenböcken Schweizer Raffe. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen MM Ht dr-tzh. VLrgerrneiftereiea des Kretses. In dem Budget. des landwirthschaftlichen Provinzialvereins sind 500 Mark für Förderung der Ziegenzucht in Ausgabe vorgesehen. Falls daher von Ihren Gemeinden Ziegenböcke der Appenzeller oder einer anderen Schweizer Raffe angeschafft worden sind, so sehen wir hierüber bis zum 1. October l. Js. Ihrem Bericht unter Angabe des Kaufpreises, der Raffe des angeschafften Ziegenbockes und des Namen und Wohnorts des Verkäufers desselben entgegen. v. Gagern. Die Aerzte des Kreises Gießen werden ersucht, bei der Donnerstag den 2L. August, Abends 7 Uhr, im C af6 Ebel stattfindenden Kreisvereinssitzung zu erscheinen. Tagesordnung: 1. Wahl eines Vertreters für den ärztlichen Central-AuSschuß. 2. Vorstandswahl. Gießen, den 20. August 1894. Gr. Kreisgesundheitsamt. Polizei-Verordnung, die Einrichtung eines Omnibusverkehrs in der Provinzial- Hauptstadl Gießen betreffend. Nach Anhörung der Stadtverordneten - Versammlung, sowie mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz von 11. August 1894 zu Nr. M. I. 23719 werden hiermit für den Omnibusbetrieb in der Stadt Gießen zur Beförderung von Personen durch die Omnibusgesellschaft die nachfolgenden polizeilichen Vorschriften erlassen. § 1. Die Einrichtung des Omnibusverkehrs unterliegt der polizeilichen Genehmigung mit Zustimmung der Stadtverordneten- Versammlung. Bei Ertheilung der Genehmigung werden die besonderen Bedingungen festgesetzt. Die zu befahrenden Linien, Fahrplan und Tarif werden vom Vorstande der Gießener Omnibusgesellschaft festgesetzt, vorbehältlich etwaiger durch das öffentliche Interesse gebotener polizeilicher Vorschriften. § 2. Jeder Wagen muß, bevor er in Betrieb genommen wird, polizeilich geprüft werden. Auch alles sonstige Betriebsmaterial unterliegt der jeder- zeitigen Controle des Großh. Polizeiamts, welches unbrauchbares Material vom Betriebe ausscheiden kann. § 3. Die Wagen müssen stets in reinem Zustand und im Innern mit einem Anschlag versehen sein, welcher die Tour, den Tarif und die Zahl der Plätze enthält, ebenso muß ein Abdruck dieser Verordnung aufgehängt sein. Auf der Außenseite müssen die Wagen mit der Aufschrift der Tour, oder mit abnehmbaren Schildern, welche die betreffende Aufschrift während der Fahrt tragen, versehen sein. Bei Eintritt der Dunkelheit sind die Wagen mit hellbrennenden Laternen zu versehen und auch im Innern zu erleuchten. Petroleumbeleuchtung ist untersagt. In etwa errichtet werdenden Warteräumen muß ebenfalls ein Abdruck dieser Verordnung, der Fahrplan und die Taxe aufgehängt werden. § 4. Das Fahrpersonal muß im Dienst in der von der Gesellschaft bestimmten Uniform, die in reinlichem Zustande zu halten ist, erscheinen. Das Fahrpersonal hat sich höflich gegen das Publikum zu benehmen, auch den Anordnungen der Polizeibeamten Folge zu leisten. Das Rauchen während des Dienstes ist demselben untersagt Die Polizeibehörde kann die Entfernung unqualificirter Kutscher verlangen. § 5. Das Fahrpersonal darf betrunkenen oder solchen Personen, welche die Mitfahrenden durch unanständiges Benehmen oder durch ihr Aeußeres belästigen würden, das Mitfahren nicht gestalten, ebenso die Mitnahme von Hunden, geladenen Gewehren, feuergefährlichen Gegenständen und solchen Handgepäcks, welches durch seinen Umfang, üblen Geruch oder schmutzige Beschaffenheit die Fahrgäste belästigen könnte; auch darf es nicht mehr als die bestimmungsmäßige Zahl von Personen aufnehmen. Die Kutscher müssen mit einer nach der Bahnhofsuhr zu regulirenden Taschenuhr versehen sein. § 6. Beim Ertönen der Omnibusglocke haben Reiter und Fuhrwerke, mit Ausnahme der Postwagen und der Wagen der Feuerwehr, sowie Viehtransporte dem Omnibus vollständig und so zeitig auszuweichen, daß die Fahrt desselben nicht aufgehalte i oder gefährdet wird. § 7. Rauchen, Sinnen, Lärmen und Musiciren im Innern des Wagens ist verboten, ferner jedes unanständige Verhalten sowie jede Belästigung der Mitfahrenden. Zuwiderhandelnde sind von dem Fahrpersonal aus dem Wagen zu verweisen und haben dieser Aufforderung unverzüglich Folge zu leisten. Die Bestimmung über die Zahl der in einem Wagen aufzunehmenden Personen findet durch das Großh. Potizei- amt statt. Der Höchstbetrag ist sowohl an der Außen- als auch an der Innenseite des betreffenden Wagens deutlich anzubringen. § 8. Der Kutscher ist verpflichtet, an den durch Tafeln kenntlich gemachten Haltestellen zur Aufnahme und zum Absetzen von Fahrgästen zu halten. Die Bezeichnung dieser Haltestellen unterliegt der Genehmigung Großh. Bürgermeisterei im Ein- verständniß mit Großh. Polizeiamt. Der Kutscher darf nicht eher weiterfahren, bis der Hinzukommende eingestiegen ist oder der Aussteigende die Erde erreicht hat. Die Fahrgäste haben das Ein- und Aussteigen möglichst zu beschleunigen. Das Aufsteigen auf einen vom Fahrpersonal als vollständig besetzt bezeichneten Wagen ist untersagt. § 9- Sofern nicht besondere Schaffner (Conducteure) mit der Erhebung des Fahrgelds beauftragt sind, ist das tarifmäßige Fahrgeld alsbald nach dem Einsteigen ohne jede Aufforderung Seitens eines Bediensteten der Gesellschaft in die dazu bestimmte Kasse zu werfen. Dem Kutscher liegt es dann ob, die Controle darüber zu führen. § 10. Der Kutscher darf in schnellerer Gangart als im Trab nicht fahren; im Schritt muß er fahren überall da, wo eine besondere polizeiliche Verfügung solches anordnet. § 11. Der Führer des Wagens hat nach dessen Eintreffen auf den Endpunkten denselben genau zu durchsuchen und etwa zurückgebliebene Effecten dem Eigenthümer, sofern er noch anwesend, sofort zu behändigen, andernfalls aber sorgsam zu verwahren und spätestens am nächsten Morgen dem Betriebsleiter zu übergeben, welcher solche unverzüglich an das Polizeiamt abzuliefern hat. § 12. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden, sofern nicht gesetzlich höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafen bis zu 30 Mk. und im Fall des Unvermögens mit verhältnißmäßiger Haft bestraft. Gießen, den 18. August 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Deutscher Reich. Berlin, 20. August. Die theilweise widerspruchsvollen Meldungen Berliner Zeitungen über die Vorgänge, welche mit den Anarchist en-Verhaftung en in der Reichs- Hauptstadt zusammenhingen, erfahren durch nachstehende, anscheinend aus guter Quelle schöpfende Mittheilung des „Berl. Local-Anz." ihre .Richtigstellung: „Von den etwa vierzig ststirten Personen sind aus dem Polizeipalast am Alexanderplatz in das Untersuchungsgefängniß Moabit im Ganzen als schwerverdächtig zwölf eingeliefert worden, von 1 denen ein Th eil inzwischen wieder entlassen worden ist. Am hauptsächlichsten belastet erscheinen Schäwe, der Mechaniker Dräger und der Schlosser Kammien. Der eine der aufgefundenen Sprengkörper war, wie mitgerheilt wird, so gut wie leer; er wies nur eine ganz geringe Quantität Inhalt auf. Der andere, der dem Feuerwerks-Laboratorium zur Untersuchung übergeben wurde, war vollständig gefüllt. Die Form ist eine cylindrtsche - die Außenwände sind von besonders starkem Eisen/' — Demnach muß vorerst das Ergebniß der Prüfung des Inhalts dieser Bombe abgewartet werden, ehe sich die Tragweite der ganzen Affaire einigermaßen be- urtheilen lassen wird. Offenbar sind aber die Berliner Vorgänge durchaus nicht so harmloser Natur, als sie in manchen Berliner Blättern hingestellt werden und kann man vielleicht doch von einer Art anarchistischer Verschwörung in Berlin sprechen. Was dieselbe eigentlich bezweckte, das wird wohl die eingeleitete gerichtliche Untersuchung bald zeigen. Neueste Nachrichten. WolftS telegraphisches Eorrewondmz-Bureau. Wilhelmshaven, 20. August. Die Zusammenziehung der Flotte für die auf den 13. bis 20. September angesetzten Kaisermanöver geschieht nicht, wie geplant war, in Neu- fahrwasier, sondern an einem anderen noch zu bestimmenden Punkte der Ostsee. Paris, 20. August. Die Eröffnung der General- räthe hat sich überall ohne Zwischenfall vollzogen. Viele Präsidenten gaben dem Schmerz über die Ermordung Carnots Ausdruck- mehrere sprachen über die Nothwendigkeit, den Anarchismus zu bekämpfen. Vernet-les baius, 20. August. Dupuy verbrachte gestern einen guten Tag- die Nacht war jedoch ziemlich unruhig, da die Schmerzen wieder auftraten. Depeschen de» Bureau »Herold*. Berlin, 20. August. Der Kaiser wird, wie verlautet, am 23. August über die heute in Berlin eiurückende 5. Division eine Parade abhalten. Bezüglich des Dienstes der Division ist festgesetzt worden, daß den eigentlichen Wachtdienst ausschließlich das 52. Regiment übernimmt. Die übrigen Regimenter werden nur ihre betreffenden Kasernenwachen besetzen. Berlin, 20. August. Die Commission zur Vorberathung von Maßregeln gegen die Cholera ist heute Vormittag unter dem Vorsitz des Directors im Retchsgesund- heitöamt, Dr. Köhler, zusammengetreten. Unter anderen nehmen Professor Koch und Graf Stolberg-Wernigerode an der Confereuz Theil. Aus den der Commission vorliegenden Berichten ist hervorzuheben, daß sich die Cholera im Osten keineswegs so bedeutungsvoll herausgestellt hat, daß Besorg- niffe Platz greisen dürften. Wenn auch die Erkrankungen und Todesfälle etwas zugenommen hätten, so reichten doch die früher getroffenen Maßregeln aus, um die Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern. Die Commission hat diese Maßregeln gutgehetßen. Berlin, 20. August. AuS Landsberg wird der Tod eines Knaben an asiatischer Cholera gemeldet. Berlin, 20. August. Der „Kreuzzeitung" wird aus Rom bestätigt, daß in der letzten Zeit von französischer Seite Versuche gemacht worden sind, eine handelspolitische Annäherung zwischen Frankreich und Italien herbeizuführeu. Man glaubt auch, daß der Boden soweit geebnet sei, um in nicht allzu ferner Zeit die Wiederaufnahme von Verhandlungen über die Regelung der handelspolitischen französisch italienischen Beziehungen zu ermöglichen. Kiel, 20. August. Die Abreise der beiden nach dem oftafiatischen Kriegsschauplatz bestimmten Kreuzer „Cormorau" und „Condor" ist nach der „Nordostseezettung" auf den Anfang des October festgesetzt. Wien, 20. August. Eine gestrige zahlreich besuchte Socialisten Versammlung hat beschloffen, die Agitation zur Erlangung des allgemeinen Wahlrechts mit allen Mitteln fortzuführen. Die Versammlung verlief ruhig. Wien, 20. August. Die Bundesversammlung der deutschen Radfahrer Oesterreichs lehnte den Antrag, die Bundesleitung wöge die Initiative zur Gründung eines großen deutschen Radfahrerbundes, welcher sich auf alle deutschen Länder erstrecken solle, ergreifen, ab. London, 20. August. Wie die „Times" aus Shanghai melden, sind die chinesischen Truppen bei Affan geschlagen worden. Für die nächsten Tage sind entscheidende Schlachten in Aussicht. > Loudon, 20. August. Die „Morningpost" meldet, daß gegen die Absendung von italienischen Geheimpolizisten nach London zur Ueberwachung der dort weilenden italienischen Anarchisten ernstliche Hindernisie bestehen. Liverpool, 20. August. Nachrichten aus Benin zufolge mußten mehrere Kriegsschiffe und Truppen nach dem englischen Schutzgebiete abgehen wegen eines dort ausgebrochenen Aufruhrs. Petersburg, 20. August. Das Befinden des Ministerpräsidenten von Giers ist ein fortschreitend besseres, nur klagt der Präsident noch über große körperliche Schwäche. Warschau, 20. August. Es verlautet, daß der Czar anläßlich der Vermählung des Thronfolgers alle wegen Thetl- nahme an der Kilinski-Feier Berurtheilten begnadigen werde. Cocale» und j)vsvin;ielle» Gießen, den 21. August 1894. ** Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 8. August den Lehrer an der Realschule zu Darmstadt Profeffor Dr. Wilhelm Zimmermann zum Lehrer an dem Realgymnasium daselbst, den Lehrer an der Realschule zu Oppenheim Georg Heil zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt, den Lehrer an der Realschule zu Darmstadt Dr. Julius Stahl zum Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen, den Lehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey Dr. Eduard Ottmann zum Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen, den Lehrer an der höheren Mädchenschule zu Gießen Rudolf Dieckmann zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms, den Lehrer an der erweiterten Volksschule in Vilbel Gustav Stammler zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt und den Lehrer an der Real- und Landwirthschastsschule zu Groß Umstadt Carl Henkelmann zum Lehrer an der Realschule zu Alsfeld zu ernennen. ** Der telegraphische Gruß Seiner Königlichen Hoheit zrq Großherzogs, welchen am vorigen Samstag die Delegtrten- Versammlung des Hessischen Feuerwehrverbandes auf das von derselben abgesandte Huldigungstelegramm erhielt, hat folgenden Wortlaut: „Den in Meiner getreuen Stadt Gießen versammelten Feuerwehrleuten entbiete ich Meinen landesherrlichen Gruß und wünsche den dem allgemeinen Wohle gewidmeten Arbeiten des 16. Hessischen Feuerwehrtages Erfolg." ** Das Feuerwehrfest hat mit den während des gestrigen Montags getroffenen Veranstaltungen seinen Abschluß gefunden. Im Allgemeinen wird man mit dem Verlauf desselben zufrieden sein müssen, denn, abgesehen von den durch Regen verursachten Störungen des Feftzuges und dem gestrigen Dauerregen ereignete sich nichts, was die Stimmung zu stören vermochte. Denn Feststimmung war von allem Anfang an vorhanden, sie mochte das garstige Wetter nicht zu verscheuchen,- ununterbrochen bewegte sich der Menschenstrom nach dem Festplatze, wo während des gestrigen Tages die Regimentsmusik unverdroffcn ihre schönen Weisen erklingen ließ. Besonders groß war der Zudrang am Abend, an dem die am Sonntag von der Festordnung abgesetzten lebenden Bilder zur Darstellung gelangen sollten. Die beiden Bilder „Rettung einer Familie aus Lebensgefahr" und „Die gerettete Familie" kamen wirkungsvoll, das letztere unter dem Choral: „Nun danket alle Gott" zur Darstellung) lebhafter Beifall wurde dieser Veranstaltung gezollt. Das gegen 10 Uhr abgebrannte Feuerwerk fiel vorzüglich aus und wurde in seinen einzelnen Abtheilungen beifällig ausgenommen, besonders als am Schluffe unter knatterndem und in allen Farben sprühendem Feuer das große Feuerwehrwappen farbenpräch:ig zur Darstellung gebracht wurde. Den letztbezeichneten Veranstaltungen kam es zu Statten, daß der Himmel vorher seine Schleußen geschlossen hatte. Den Schluß bildete Concerr und Tanz. Ohne Zweifel würde aber das ganze Fest großartiger und finanziell (besonders auch für die Wirthe) günstiger verlaufen sein, wenn das Wetter vom Sonntag Morgen Stand gehalten hätte. Erfreulich in hohem Grade war aber, dies sei nochmals wiederholt, die große Bethei- ligung der Einwohnerschaft Gießens an dem Feste; dies wird unsere Feuerwehr mit Genugthuung erfüllen; der reiche Schmuck der Stadt legte nicht minder Zeugniß ab für die Sympathie, welches man dem Feste entgegenbrachte. Der Festplatz war in allen seinen Theilen vortheilhaft, besonders in Bezug auf die Anlage der geräumigen Wirth- schaften^ ausgenutzt und herrlich geschmückt; über die Ausschmückung und Anlage des Eingangsthores waren allerdings die Meinungen getheilt. Es steht fest, daß Gießen keinen geeigneteren Platz besitzt, alsOswaldsgarten; es sollte daher auch nach vielfachen Aeußerungen im Publikum darauf Bedacht genommen werden, daß derselbe in seiner jetzigen Größe belassen und nicht durch Bauten beeinträchtigt wird. Im nächsten Jahre steht uns das Mittelrheinische Kreisturnfest bevor und wird bereits in interessirten Kreisen die Frage erörtert, ob es nicht besser sei, das Fest auf dem Trieb abzuhalten. Von diesem Plane möchten wir entschieden abrathen. Erstens ist der Trieb zu entfernt von der Stadt, so daß er besonders für die Fremden nur mit Zeitverlust zu erreichen ist; zweitens würde da" Publikum bei so durchdringendem Regen, wie in den letzten Tagen, hinreichenden Schutzes entbehren; auch der rein turnerische Theil würde sich bei Wahl von Oswaldsgarten, falls Regenwetter eintritt, bester aus- führen lasten, denn es befinden sich in -unmittelbarer Nähe zwei geräumige Turnhallen. Die Annahme, daß der Oswaldsgarten für dieses Fest zu klein, ist kaum stichhaltig, wenn man berücksichtigt, daß mit einzelnen Festbauten bis in den Garten der Altceschule und Stadtknabenschule hineingegangen werden kann. (Bor Schluß des Blattes ging uns ein „Eingesandt" zu, dessen Inhalt sich mit unseren Ansichten hierüber deckt. Wir werden dasselbe in nächster Nummer veröffentlichen. Red.) * * B. Die Beleuchtungsanlage des Festplatzes. Die gelegentlich des Feuerwehrfestes in hiesiger Stadt erstmalig in größerem Maßstab zur Anwendung gekommene electrische Beleuchtung zur Erhellung eines größeren öffentlichen Platzes verdient des allgemeinen Interesses wegen einiger Worte der Besprechung. Nachdem der Festausschuß dem vorgelegten Plan entsprechend beschlossen, Platz- und Hallenbeleuchtung mittelst electrischen Lichts, äußere Beleuchtung und Illumination der Eingangspforte mittelst Gas herzustellen und Herr Commerzicnrath Gail in dankenswerther Weise die vorzügliche 25 Pferde starke Dampfmaschine seiner Fabrik nebst Dynamomaschine seiner electrischen Beleuchtungs- einrichtung für das Fest zur Verfügung gestellt hatte, wurde die Ausführung der electrischen Anlage der bewährten Firma C. Buchner in Wiesbaden übertragen, welche — unter festamtlicher und geschäftlicher Mitwirkung unseres Gaswerks — in sachkundigster und zufriedenstellendster Weise ihre Aufgabe löste, so gut es die gegebenen Verhältnisse überhaupt ermöglichten. Die Beleuchtungsanlage des etwa 10000 qm. messenden Festplatzes sammt Wirthschaftshallen umfaßt fünf größere Bogenlampen mit je etwa 1000 (in einer einzigen Lichtquelle vereinigten) Normalkerzen, drei mittlere (für die große Wirthschaftshalle) mit je 600 Kerzen, eine kleine für das Ehrenpodium mit 150 Kerzen, sowie für die übrigen Hallen 95 Glühlichte von meistens 25, einige von 16 Normalkerzen. — Die erzielte Beleuchtung war in der Lichtentwickelung eine recht gleichbletbende und ruhige und für den vorübergehenden Zweck auch vollständig ausreichende, sie glänzender zu gestalten, war im vorliegenden Fall technisch nicht möglich, da die zur Verfügung gestellte Maschinenanlage nur bis zu der ihr eignen zulässigen Grenze (150^. Strommenge und 65 V Spannung) in Anspruch genommen werden durfte. — Die Rücksichtnahme auf die vorzunehmenden Uebungen der Feuerwehr machten es ferner unmöglich, Bogenlampen inmitten des Platzes aufzustellen, von wo aus die Vertheilung des Lichts eine wirkungsvollere gewesen wäre. Immerhin durfte man mit der Lichtentfaltung der inneren und äußeren Festbeleuchtung zufrieden sein. Als treue Arbeitsgenossin begrüßte die Gasbeleuchtung ihre jüngere Schwester, die electrische Beleuchtung, auf dem Festplatz, mit dem Wunsche und in der Ueberzeugung, daß sie einander zu fördern geeignet sind, und daß je nach gegebenen Verhältnissen eine jede Beleuchtungsart ihre besondere Berechtigung hat. — Die in den letzten Jahren auf dem Gesammtgebiet der Beleuchtungskunst gemachten Fortschritte beweisen hinlänglich, daß sich deren Vertreter ihrer schönen Aufgabe, „mehr Licht" zu schaffen, bewußt sind. * * Von der Ausstellung von Löfchgeräthen und Aus- rüstuugsgegeust'ändeu, die sich stets eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte, kann berichtet werden, daß sie Veranlaffung zu belangreichen Käufen gab. Die Aussteller haben sich durchweg befriedigt darüber ausgesprochen. ♦ * Bierverbrauch auf bcm Festplatz. Nahe an 200 Hecto- liter Bier verschiedenen Gebräus wurde während der Festtage verzapft. Der Verbrauch würde bedeutend größer gewesen sein, wenn besseres, bezw. wärmeres Wetter geherrscht hätte. * * Der Finanz, und Hauptausschuß des Feuerwehrfestes halten heute Abend eine Sitzung ab zwecks annähernder Feststellung des finanziellen Ergebnisses. Je nach Ausfall desselben soll die Frage über die Abhaltung einer Nachfeier erörtert werden. * * Vermißt. Am vorigen Sonntag Abend zwischen 10 und 11 Uhr hat sich ein geistesgestörter junger Mann von hier aus seiner elterlichen Wohnung entfernt und ist bis jetzt nicht zurückgekehrt. Es wird befürchtet, daß ihm ein Leid zugestoßen ist. Derselbe ist 33 Jahre alt, groß, schlank, hat schwarzes, lanzes Haar und verwahrlosten Vollbart, blasses Gesicht und dunkle Augen. Bekleidet war derselbe mit dunkelblauem Ueberzieher, brauner, abgetragener Hose, schwarzem, kleinen Filzhut und Schaftenstiefeln. Von den Angehörigen ist Demjenigen, der Auskunft über den Verbleib desselben geben kann, eine Belohnung zugesichert worden. * * Widerstand. Als gestern Abend zwischen 8 und 9 Uhr am Festplatz ein Kutscher ohne brennende Laterne mit seinem mit Feuerwehrleuten besetzten Wagen im Trab durch das Publikum fuhr und derselbe Zwecks Feststellung seiner Person von den dienstrhuenden Schutzmännern angehalten wurde, weigerte er sich, seinen Namen anzugeben, weshalb seine Festnahme erfolgte. Hierbei ergriffen zwei der im Wagen sitzenden Feuerwehrmänner für den Kutscher Partei, hinderten die Schutzmänner an der Verhaftung, indem sie dieselben an den Kleidern sowie den Arrestanten festhielten; Letzterer,, hierdurch bestärkt, schlug mit den Fäusten auf die Schutzleute ein. Während der Kutscher nun auf der Sicherheitswache sich befand und deffen Persönlichkeit festgestellt wurde, wurde von ihm nachgefolgten Feuerwehrleuten vor der Wache demonstrirt und „heraus" gerufen, auch ist unterwegs nach den Schutzleuten geworfen worden. Die vor der Wache sich inzwischen angesammelten Feuerwehrleute wurde auf Ersuchen des wachehabenden Schutzmannes durch einen Obmann der Feuerwehr entfernt. Bei der Entlassung des Kutschers von der Wache wurde dieser von einem inzwischen wieder erschienenen Feuerwehrmann unter den Arm gefaßt und unter lautem „Bravo"-Rufen fortgesührt. * * Ein „Arbeitsuchender". Gestern traf ein junger kräftiger Handwerksbursche ein und fragte bei einem Schmiedemeister nach Arbeit, die ihm auch zugesagt wurde, er sollte aber gleich eintreten. Dies behagte aber dem „Arbeitsuchenden" nicht, er wollte nur ein Geschenk. Der Meister setzte die Polizei in Kenntniß und als dem Burschen die Wahl gestellt wurde, entweder die Arbeit zu nehmen oder wegen Bettelns verhaftet zu werden, zog er Ersteres vor und trat ein. Ob er lange aushalten wird? * * Nebenbahn Londorf.Grimberg. Die Arbeiten zum Bau der Bahnlinie Londorf-Grünberg sind, wie die „Frkf. Ztg." meldet, drei Unternehmern, Pfasf, Schwalb und Deubel in Lollar, übertragen worden. * * Militärisches. Das Tragen der Paletots aus grauem Tuch nach dem Schnitt der Paletots der Infanterie-Offiziere ist nunmehr nach einer Bestimmung des Kriegsministeriums auch den zu den Unterbeamten zählenden Unterapothekern und einjährig-freiwilligen Apothekern gestattet worden. Die schwarzen Paletots find bis zum 1. April 1898 aufzutragen. * * Wieseck, 21. August. Gestern Abend 11 Uhr tödtete sich hier in der elterlichen Wohnung ein junger Mann durch einen Revolverschuß, lieber das Motiv der That ist bis jetzt nichts festgestellt. Der junge Mann war in Gießen bei der Baubehörde für Nebenbahnen beschäftigt und harte sich gestern erst den Revolver in einem Gießener Geschäft gekauft. -d- Albach, 20. August. Am Samstag Abend feierte der hiesige Krieger-Verein die Erinnerung an die Schlacht bei Gravelotte. Auf einem erhöhten Punkte vor dem Dorf wurde ein großer Scheiterhaufen abgebrannt. Ein alter Veteran, der Theil genommen hatte an jener Schlacht, feierte in einer längeren Ansprache die Helden des gerade für uns Hessen so ruhmreichen Tages, gedachte der Todten, die an jenem Tage ihr Leben laffen mußten und toastete zum Schluß auf Se.Maj. den deutschen Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog von Hessen. — Der Gaftwirth H. Euler aus Albach hatte ein Fäßchen Bier auf den Festplatz gebracht und so auch für die Durstigen gesorgt. Nachdem noch einige Vaterlandslieder gesungen waren, marschirte der Verein zurück nach der Euler'schen Wirthschaft, wo man noch bis zur späten Stunde gesellig zusammenweilte- Bei dieser Feier hatte der Verein Gelegenheit, seine erst jüngst angeschafften Gewehre zu proben. Es wurden mehrere Salven abgegeben. Bad-Nauheim, 19. August. In der vorigen Woche sind 5 49 Kurfremde, im Ganzen jetzt 10,072 Personen, hier angekommen. Friedberg, 19. August. Bei den Ausgrabungen in der Burg wurden weitere Ziegel mit Stempeln gefunden und zwar solche der 14. und 21. Legion;, letzteres ist noch nicht sicher, da der Stempel theilweise verwittert ist. Grüuberg, 19. August. Am gestrigen Gedenktage der Schlacht von Gravelotte wurde von Seiten des Kriegervereins Grünberg an dem Kriegerdenkmal auf dem „Monumentsplatze" ein prachtvoller Kranz niedergelegt. Abends veranstaltete genannter Verein in seinem Vereinslocale eine Gedenkfeier, wozu auch Nichtmitglieder eingeladen waren. A Aus dem Ohmthal, 17. August. Das miserable Ernrewetter hat nachgerade einen traurigen Character angenommen; die von Tag zu Tag erhoffte Besserung desselben bleibt aus. Kein Tag vergeht ohne größeres oder kleineres Regenwetter. Locken ein paar Sonnenblicke die Leute hinaus aufs Feld, das überreife Getreide zu schneiden, so jagen Regenschauer sie wieder von der kaum begonnenen Arbeit. Dabei ist die Temperatur merklich wärmer geworden, sodaß das auf dem Boden lagernde Getreide rasch zu keimen und zu wachsen beginnt. Das Wenden der Frucht hilft hierbei nicht viel, da das kaum begonnene Abtrocknen wieder von Niederschlägen abgelöst wird. So sieht der Landmann seine Hoffnvng, die er auf den reichen Erntesegen gesetzt, buchstäblich zu Waffer werden. Die durch das schlechte Erntewetter um Wochen verzögerte Ernte — im anderen Falle wäre Heuer dieselbe sehr früh beendigt worden — hat bei der Frucht die Ueberreife ein» treten lassen, so daß sie einbricht. Eben aus diesem Grunde muß dieselbe trotz des miserabelen Wetters geschnitten werden. In die Scheune ist außer Korn — und noch solches stcht im Felde — noch wenig Getreide gebracht worden. Weizen, Gerste und Hafer lagern noch zum größten Theile im Felde oder befinden sich noch auf dem Stande. Körner wie Stroh verlieren beträchtlich an Qualität durch feuchte Lagerung, ja gewachsene Frucht — man sieht nicht selten fingerlang gekeimte Gerste und Hafer — hat nur den halben Werth. Aus dem vorjährigen Extrem, der Trockenuug, sind wir in das andere, der Nässe, gerathen; extreme Witterungsverhältnisie sind aber stets unheilbringend für die Landwirthschast. BemerkenSwenh ist es, daß die Voraussagung Falbs bezüglich des August- monats sich bewahrheitet. Büdingen, 20. August. Von allen Seiten des Bürger- thumS, sowie von unserem fürstlichen Hause beglückwünscht, feierten der Lehrer Kühn und seine Gemahlin in geistiger und körperlicher Frische gestern das Fest der goldenen Hochzeit. tio junaer ’ Ä ta I * »i- A ad>W6 Uni ”6 M gt«6tn Mterie-Offi^rre 1c9^inifteriinnj Apothekern und worden. Ux 98 auszutrag«. 1 11 Uhr töbtete 9er Mann durch er Thal ist bis war in Gießen Mgt unb hatte eßener Geschäft » Wob Wt rnnrrung an einem erhöhten 'cheilerhaufen ab. genommen hatte en Ansprache die «mreichen TageS, hr Leben laßen aj. den deutschen I von Hessen. - ein Fäßchen Bier t die Durstigen ' gesungen waren, scheu Mrthschasl, jufammenwlltt, )t\t, W t.x\t Mr'dw mehrere vorigen Woche 0,072 Personen, grabungen in empeln gesundm letzteres ist noch ittert ist. i Gedenktage der von Seiten der Senkmal aus dem inz niedergelegt, seinem Vereins« Mr eingelabtn Das rigen Eharaek Bcherung des- ie größeres oder Sonnenbliike die -eibe zu W* kaum begonnenen wärmer geworden, «l-I» i«11*. d-r gteti » 1 •*' ffi ilrb & 4 * r »erben- ® *t «Nid«-' Mb. I-h' & ' ü-b«-"'- 'S** Ä-i: achte *u» .(lDitt Wfltf de« -ir/'?. fl0b aber se& Siirgel' ■s B. Aus dem Kreise Büdmgeu, 20. August. Die Wasserstands Messungen in unserem Kreise zeigen, daß der Monat August eine riesige Menge Feuchtigkeit zur Erde gefördert hat, denn die Bäche und Flüsse treten über unb daS Wasser in den Brunnen ist so hoch gestiegen, wie es fn dem nassen Jahre 1891 kaum stand. Wenn nun auch die herntebergegangene Feuchtigkeit noch um keinen Tropfen zu viel und der Ausfall, den die bürren Jahre 1892 unb 1893 brachten, noch nicht ersetzt ist, so schabet bie nasse Witterung, welche nach der tropischen Hitze vom 23. bis 25. Juli b. I. eintrat, bereits sehr empfindlich. Bon den Halmfrüchten, welche noch nicht aufgebunden sind, ist die feine Qualität bereits abgestreift. Der Hafer ist ausgewachsen, die im Felde fitzenden Fruchthaufen haben eine aschgraue Farbe angenommen. Wir machen in diesem Jahre eine ähnliche Erfahrung wie im vorigen, nämlich: der August verregnet, was die vorhergegangenen Monate gut gemacht haben. Die Kartoffeln zeigen bereits sehr bedenkliche Symptome. Die Frühkartoffeln haben schlecht angefefct; die Spälkartoffeln, für die der Monat August entscheidend ist, leiden an übergroßer Nässe, können — da Zweidrittel des Monats schlecht verstrichen sind — auch nicht ansetzen und erhalten eine wässerige, schlechte Qualirät. Das Frühobst fällt bei der großen Nässe massenhaft von den Bäumen und geht ungenutzt zu Grunde. Die Hoffnung: Das Jahr 1894 würde die Wunden, welche 1893 geschlagen, wieder heilen, wird täglich geringer. WarmeS, trockenes, sonniges Wetter ist dringend von Nöthen. K. Eckartsborn, 19. August. Die Gravelottefeier M Bezirks Ortenberg verlief in glänzender Weise. Ein stattlicher Festzug von mehreren Hundert Kriegern zog mit zwei Musik- und einemTrommlercorps durch unseren festlich geschmückten Orr nach dem östlich davon hochgelegenen, einem mit Lindenalleen und auf zwei Seiten mit Wald eingefaßten unb einen herrlichen Ausblick in das Nibberthal gewährenden Festplatz. Die Feier wurde mit dem Lutherliede „Eine feste Burg" eingeleitet. Herr Pfarrer Klotz von Schwickartshausen bestieg hierauf die hergerichtete Kanzel und hielt eine ergreifende Rede. Er wies dabei auf die Bedeutung des Tages, auf die Freude und Trauer hin und führte aus, daß die Krieger die Treuen des Reichs, die Königstreuen seien. Der Feld- gotteSdienst wurde mit dem Liede: „Nun danket alle Gott" beendet. Der Vorsitzende des Bezirks, Herr Amtsrichter Römheld, überreichte hierauf dem Verein Ortenberg die von Sr. König!. Hoheit dem Großherzog verliehene Fahnenschleife. Als Redner traten noch auf Herr Korndörfer aus Hirzenhain und Herr Bürgermeister Seum von Schwickartshausen, welche beide auf die Bedeutung des.Tages hinwiesen und denselben nach allen Seiten behandelten. Zwischen den Reden wurden patriotische Lieder gesungen. Nach Beendigung der Feier begann der gemüthliche Theil. 0. Aus Oberhesse«, 20. August. Von Seiten der Cameral- und Forstverwaltung ist die Anordnung wegen Abgabe billiger Waldstreu wieder aufgehoben worden, weil Futter und Streu dieses Jahr gut gerathen sind. Die Localverwaltungen wurden angewiesen, die Uebernutzungen wieder einzusparen, damit bei etwaiger Wiederkehr eines landwirthschastlichen Nothjahres die Forstverwaltung in der Lage ist, der Landwirthschaft beizustehen. △ Mainz, 19. August. Bezüglich der Benutzung der Fahrkarten der Rheindampfer auf den beiderseitigen Rheinbahnen ist jetzt auch die Verwaltung der Hessischen Ludwigs- bahn beigetreten, so daß man auch von Bingen auf dem linken Rheinufer mit den Dampsschiffahrtsbilleten fahren kann. So angenehm die Neueinrichtung in vielen Fällen ist, so ist die Sache nach den uns vorliegenden Bedingungen doch nicht so einfach, weßhalb wir, um das rheinreisende Publikum vor Enttäuschungen zu schützen, im Anschluß an unsere neuliche Mittheilung folgendes bemerken wollen: Billete zu dieser gemeinsamen Benutzung werden ausgegeben von Mainz nach St. Goar, Boppard, Coblenz, Remagen, Bonn und Köln unb zwar haben bieselben nur eine 3tägige Gültigkeitsbauer, während die sonstigen Rückfahrtskarten der Dampfschiffe 10 Tage gültig sind. Stromabwärts kann die Eisenbahn mit einem solchen gemischten Billet nur von Bingen und RüdeSheim an benutzt werden. Ferner sei noch darauf hingewiesen, daß der Preis der gemischten Fahrkarten beträchtlich höher ist als die gewöhnlichen Billette: Es kostet die Karte von Mainz nach St. Goar nach der neuen Ein- theilung Mk. 6,10 (seither Mk. 4,10), nach Boppard Mark 7,60 (Mk. 5,20), nach Coblenz Mk. 9,60 (Mk. 6,70), nach Remagen Mk. 13,20 (Mk. 9,90), nach Bonn Mk. 15,40 (Mk. 11,60) und nach Köln Mk. 18,50 (Mk. 13,60). Mainz, 20. August. Heute Nachmittag wurde am hiesigen Rheinufer eine weib liche Leiche ohne Kopf geländet. Man nimmt an, daß die Getödtete Kellnerin gewesen sei, weil an der Leiche eine Geldtasche hing. Vermischtes. * Berlin, 20. August. Auf die Butterhändlerin Fräulein Kurkowska wurde gestern ein Mordversuch gemacht. Sie erhielt, als sie mit her Kaffe den Laden verlassen und ihre Wohnung aufsuchen wollte, von einem unbekannten Menschen einen Hammerschlag auf den Kopf, der das Stirnbein zertrümmerte. Der Thäter entkam. * Pasewalk, 18. August. Ein beklagenswerther Unglücksfall ereignete sich heute Vormittag beim Brigade- Exerciren an dem Exercirplatz. Ein Ulan hatte beim Nehmen einer Hürde die Lanze verloren unb btefe tarn so unglücklich zu liegen, daß sie einen nachfolgenden Kürassier von ber 3. Schwadron aufspießte. Die Lanze durchbohrte bas Pferb unb ben Mann. Die Lanze war, dem „Pas. Anz." zufolge, in die Bauchhöhle eingebrungen und am Rücken ausgetreten. Der schwer Verwundete wurde nach dem Garnison - Lazareth geschafft und befindet sich zur Zeit noch am Leben. Sein Zustand war heute Nachmittag sogar etwas besser als bei seiner Einlieferung. * Braunschweig, 20. August. Als Mitglieder einer Diebesbande, die in den letzten Jahren hier zahlreiche Diebstähle an Bahngütern verübt hat, wurden acht auf dem Güterbahnhof der Staatsbahn beschäftigte Rangirer verhaftet. Die bei denselben vorgenommene Haussuchung förderte eine Menge Maaren aller Art zu Tage. * München, 20. August. Zwei Familien sind infolge Genusses von giftigen Pilzen schwer erkrankt. Ein Knabe ist bereits gestorben. t —___________________________________________________ Schiffsnachrichten. Hamburg, 8. August. sHamburg-Amerikanische Packetfahrt- Actien - Gesellschaft. Hamburg-Amerika Linie.) Der Hamburger Dampfer „Prussia", Capitän Karlowa, ist am 17. August, 12 Uhr Mittags, wohlbehalten von Hamburg in Neywork angekommen. Verkehr, £ fort ober später zu vermiethen. Näheres kaufen. Steinflratze 7, 1. I Grünbergerstraße 42. Ludwigflratze 14. Grossartiger Erfolg! Wasmuths Hühneraugen- Ringe In der Uhr 6567 Preis 1 Mark angenehmstes und bestes Mittel zur ra- dicalen Beseitigung der Hühneraugen. Heinrich Arnoldll.» Marktstr. 28. Fst. marinirte neue holl. Vollhäringe empfiehlt 6677 H. F. Nassauer. Gr. Schellfische rc. per Pfd. 20 Pfg., frische Zufuhren in Eispackung, gara«- tirt frische Waare, lsers] im Rebstock. 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