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Efprditio» und Druckerei: Kchifgratze Ar.7. Kcrnjprecher 51. Anrts- und Anzeigeblatt füv den Krek Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamilienblätter. Alle Annoncm-Bnreaux des In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. Deutsche» Reich. Berlin, 20. Juni. Zur Reichstagsersatzwahl in Elmshorn -Pinneberg hat das Central - Comito der Freisinnigen BolkSpartei den Beschluß gefaßt, zur Stichwahl keine Wahlparole auszugeben, sondern eS den freisinnigen Wählern zu überlassen, nach Ermessen Stellung zu nehmen. Berlin, 20. Juni. Die Frage der Reform der städtischen Steuern in der Reichshauptstadt hat jetzt eine erstmalige vorläufige Entscheidung erfahren. Von der hierzu ernannten Specialcommifsion sind diejenigen Vorschläge, welche sich auf die städtische GrundstückS-Umsatzsteuer, auf die Besteuerung fremder Biere, auf die Einführung einer höheren Betriebssteuer für die Hotels und größeren Etablisie- ments, sowie einer „Lustbarkeitsteuer" überhaupt bezogen, abgelehnt worden. Fallen gelassen wurden fermer die MiethS- steuer und die städtische HauSsteuer in ihrer jetzigen Gestalt. Dagegen einigte man sich über die Einführung einer neuen städtischen Gemeindegrundsteuer und über die Vereinigung der bisherigen Haussteuer mit der StaatSgebäudesteuer, außerdem wurde die vorgeschlagene Bauplatzfteuer genehmigt. Zunächst handelt cs sich freilich nur um eine vorläufige Entscheidung, eine Beschlußfassung der Plenarversammlungen der beiden städtischen Collegien Berlin« über diese Steuerprojecte steht noch in weitem Felde. — Die Commission für Arbeiter st ati st ik tritt nächsten Sonnabend in Berlin zu einer neuen Sitzungsperiode zusammen. Es handelt sich bei diesen Berathungen genannter Commission vorwiegend um das an den Reichskanzler in Sachen der angesiellten Erhebungen über die Arbeitszeit in den Bäckereien und Conditoreien zu erstattende Schlußgutachten. Weiter wird sich die Commission mit den Fragen der Arbeitszeit, der Kündigungsfristen und der LehrlingS- verhältnisie im Handelsgewerbe auf Grund der auch hierüber stattgefundenen Ermittelungen beschäftigen. Ausland. — König Alexander von Serbien tritt am Samstag seine Reise nach Constantinopel zum Besuche des Sultans an. Von Seiten des Sultans sind fpecielle Befehle zu einer besonders auSzeichnenden Aufnahme des hohen Feuilleton. Da» Morseblümchen. Novellette von Friedrich Bücker. (3. Fortsetzung.) „Gehen Sie, mein Freund, der liebe Gott möge Ihnen Trost verleihen/ sprach Baronin v. Taube bewegt. „Doch, a propos“, rief sie noch mit lebhafter Stimme dem sich verabschiedenden Attache nach, „übrigens heißt die Dame nicht von Adlar, sondern einfach Adlar." „Ich muß Ihnen in diesem Punkte auf das Bestimmteste widersprechen, Frau Baronin," betonte der Attachö, seine Schritte hemmend. Die Stimme hatte plötzlich wieder Klang und fein Antlitz wieder Leben gewonnen. „Ich habe den Stammbaum Derer von Adlar aus daS Genaueste geprüft und durchaus correct befunden. Außerdem hatte der Vater Annas in den Oftseeprovinzen eine Stellung inne, mit welcher der Adel so wie so verbunden ist. Sie ist also, wenn ich mich so ausdrücken darf, von Doppeladel." „Ob Sie sich nicht irren, Herr Attache?" „Ich irre mich bestimmt nicht. Jetzt liegt mir vor Allem die Ausgabe ob, zu untersuchen, ob der Stammbaum des Fräuleins auch eine sittliche Grundlage hat und keine Marksäule der Selbstsucht ist." „Wie Sie meinen! Ich laste mich nicht so leicht :n btc RückzugSlinie drängen!" rief die Baronin noch dem durch die Thüre verschwindenden Attache nach. Herr v. Wormstall ging in dieser Nacht nicht zur Ruhe. Er saß angekleidet auf seinem Sopha und grübelte darüber nach, welchen Inhalt wohl daS so sorgfältig gehütete Tagebuch seiner Braut haben möge. Daß es eine Blumenlese zärtlicher Ergüsse für den Professor enthalte, blieb ihm keinen Augenblick zweifelhaft, aber wie weit gingen diese Ergüsse? Mehr aber noch, als diese Frage, beschäftigte ihn der Gedanke, ob und wie er zur Lösung seines Verhältnisses schreiten müsse. Sein Verhältniß scheinbar fortbestehen zu lassen, Anna zu verhehlen, was er über sie vernommen habe, dünkte ihm so unwürdig, so ehrlos, daß er diesen Gedanken, kaum gedacht, auch wieder fallen ließ. Endlich faßte er den Ent- GafteS von dem Augenblicke an, wo er den türkischen Boden betritt, ergangen. Ungefähr zur selben Zeit, wie den Serbenkönig, erwartet man am Hofe von Stambul noch einen anderen erlauchten Gast, den Vicekönig von Egypten. AbbaS Pascha wird seine Reise nach Constantinopel ebenfalls am SamStag antteten und zwar begleitet vom Obercommissar der Pforte in Kairo, Mukthar Pascha. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Correfpondenz-Bureiu. Berlin, 20. Juni. Die HeilandSkirche im Stadt- theil Moabit wurde in Gegenwart der Kaiserin, deS Prinzen Friedrich Leopold als Vertreter deS Kaisers, der Minister Eulenburg, Bosse, Heyden, der Spitzen der kirchlichen und städtischen Behörden durch den Generalsuperintendenten Faber heule Vormittag geweiht. London, 20. Juni. Die russische Macht „Polarstern" mit dem Czarewitsch ist um 1 Uhr 30 Min. Nachmittags in Gravesend eingetroffen. London, 20. Juni. Die russische Macht „Polarstern" wurde beim Einlausen mit Salutschüssen vorn Fort Tilbury empfangen. Die Begrüßung des Großfürsten-Thron- folgerS seitens der Mitglieder der russischen Botschaft und deS Stallmeisters der Königin, Obersten Byng, fand an Bord des „Polarstern" statt. Sodann fuhr der Großfürst-Thronfolger nach dem Südbahnhofe, wo eine Ehrenwache ausgestellt war, und begab sich von hier aus' mittelst ExtrazugeS nach Walton on ThameS zum Besuche deS Prinzen Ludwig von Battenberg. Glasgow, 20. Juni. In der heute Nachmittag stattgehabten Versammlung der schottischen Grubenbesitzer beschloß man mit großer Mehrheit, sich auf keine Vorschläge zur Einigung elnzulassen, sondern Vorbereitungen zum Sr ri ke zu treffen, der am Dienstag beginnen soll. Bruffel, 20. Juni. Das Comitö für die internationale Ausstellung in Brüssel beschloß, dieselbe wegen der auszusührenden großen Arbeiten bis 1897 zu verschieben. Petersburg, 20. Juni. Aus der heutigen Schlußrede des Finanzmmisters in der Commission für Herabsetzung der Getreideausfuhr-Tarife geht hervor, daß eine Tarifherabfetzung nach den Exporlplätzen nur für Ssaratow zu erwarten ist. Die anderen Tarife bleiben unverändert. schluß, die Wohnung der Frau v. Adlar so lange zu meiden, bis er das Tagebuch durchgeseben. Er schrieb an Frau v. Adlar, er fordere daS Tagebuch ihrer Tochter als Preis des Vertrauens,- er könne den Betheuerungen der Tochter nur Glauben schenken, wenn sie mit jeder srüheren Neigung bräche, und zum Zeugniß dessen bitte er um Aushändigung deS Tagebuches. • Kein Gelehrter konnte eifriger an die Enträthfelung der Hieroglyphen gehen, wie Herr v. Wormstall an die Entzifferung des Tagebuches feiner Braut. Annas Mutter hatte dasselbe der Kassette ihrer Tochter heimlich entnommen, efl war in deutscher Sprache mit Morfe'schen Zeichen verfaßt und er wußte sich erst auf das Studium der Telegraphen- schrift legen, bevor er auch nur eine Zeile lesen konnte. Endlich hatte er das Studium überwunden und laS die Morsezeichen geläufig. Die Ueberschrifft lautete: Tage b u ch des M o r f e b l ü m ch e n 5 ! AlS Motto diente daS schöne Horaz'sche Wort: „Treulich die Wissenschaften erlernt zu haben, sänstigt die Sitten und behütet sie vor Verfall in Rohheit." Das Tagebuch begann: „Der Professor nennt mich „Morseblümchen". Das Wort paßt gut in Rußland. ES soll etwas Liebes bedeuten. Die Russen haben in ihrer Sprache viel Liebes. Nennen sie doch z. B. ihren größten gewaltigsten Strom: Großmütterchen Wolga. Wir haben einen kleinen Experimentir-Telegraphen bei uns, dessen Drähte um eine Weltkugel laufen. Wir lassen oft ferne Erdtheilc wie Freunde miteinander plaudern. Da fahrt ein Seefahrer mitten auf dem unendlichen Ocean. Der Capitän denkt sehn- suchtSvoll an sein fernes Vaterland. Und gleichzeitig kreist unter ihm im Meeresgründe mit Gedankenschnelle der elcc- trische Strom und bringt heimatliche Kunde. Das alles geht hier ganz glatt auf unserer kleinen Weltkugel, das heißt, in Rom, 20.Juni. In der Encyklika, deren Veröffettt- lichung unmittelbar bevorsteht, erinnert der Papst an die Kundgebungen zu seinem Jubiläum und erklärt, er wolle gleichwie Christus am Ende seines Lebens alle Menschen ohne Unterschied deS Landes und ter Rasse zur Einheit drö Glaubens aufrufen. Indem der Papst zunächst die nichtchristlichen Völker in Betracht zieht, betont er, die Kirche werde mit steigendem Eifer das Werk der Ausbreitung des wahren Glaubens fortsetzen. Die christlichen Völker erinnert der Papst an die ReligionSeinheit, die ehemals das gemeinsame Datererbe selbst inmitten deS Kampfes um die irdischen Dinge gebildet habe. Die Griechisch-Katholischen weist der Papst daraus hin, daß ihre Vorfahren den römischen Pontifex anerkannten, wie eS die Lateiner und Griechen auf den Conzilen zu Lyon und Florenz thaten. Gegenwärtig seien die Griechisch-Katholischen den Römisch-Katholischen gegenüber freundlicher gesinnt- er lade sie ein zu einer völligen Bereinigung mit der römisch-katholischen Kirche. Er werde die Riten und patriarchalischen Privilegien der Griechisch-Katholischen aufrechterhalten. Besonders gelte seine Einladung den slavischen Völkern. Auch an die protestantischen Völker richtet fich die Encyklika. Den Protestanten fehle die feste Richtschnur für den Glauben und die Autorität. Einige Protestanten seien dahin gelangt, die Gottheit Christi und den göttlichen Ursprung der heiligen Schriften zu leugnen und seien dem Materialismus und Naturalismus verfallen. Das Schriftstück gedenkt sodann der erleuchteten Protestanten, die heilsbegierig wieder zum Katholizismus zurückkehrte», und ermahnt die übrigen ebenfalls zur Rückkchr, damit alle denselben Glauben, dieselbe Hoffnung, dieselbe Liebe hätten, gegründet auf demselben Evangelium. Der Papst ermahnt ferner die Katholiken, an der Gleichgiltigkeit inmitten drohender Gefahren zu rütteln und den kirchlichen Oberen unbedingt zu gehorchen. Beseelt von versöhnlichem Geiste gegenüber den bürgerlichen Gewalten sei die Kirche gerne bereit, mit ihnen Vereinbarungen zu treffen. Die Encyklika beklagt sodann die Falle von Unterdrückung, die neuerdings wieder dem alten, der Kirche feind lieben Geiste entsprungen, sich gezeigt hätten, und wendet sich entschieden gegen die freimaurerische Secte, die Feindin religiöser Einheit, die sich kühn in Rom ausbreite. Italiener und Franzosen möchten den Despotismus dieser Secte von sich abschütteln, damit die Glaubenseinheit aller Völker die Uebel des Krieges und des gegenwärtigen Zustandes in | der Theorie, aber wie ist eS in Wirklichkeit, daS heißt in der I Praxis? Professor Ende überreicht mir soeben einen Aus- schnitt aus einer englischen Zeitschrift, der ein Protocoll enthält, welches in einer Versammlung englischer Civil-Jngenieure ausgenommen wurde. Man denke sich, durch daS Mißlingen des atlantischen Kabels von Valentia (Irland) nach St. Jean (Neufundland) sind die Ingenieure muihloS geworden. Da heißt eS in dem Protocoll u. A.: Alle langen electrifchen Leitungen haben sich als vollständig verfehlte Spcculationen erwiesen. So das atlantische Kabel, die Rothe-Meer-Leitung, die Verbindung JavaS mit Singapore u. s. w. DaS eine Kabel brach in kurzer Zeit elfmal, fünfmal durch SchiffSanker und sechsmal durch Felsen, Fluthen und Stürme. DaS andere Kabel riß durch die Reibung auf Korallenfelfen in kurzer Zeit wohl zwölfmal und ist, wie alle anderen Kabel, hoffnungslos. DaS drstte Kabel liegt auf einer Kette unzähliger Inseln mit Korallen und Granitspitzen, gar nicht die Temperatur deS Wassers zu erwähnen, die für daS Kabel zu hoch ist. DaS nördlichste Kabel hat nicht nur mit Felsen und Strömungen, sondern auch mit Gletschern und Eisbergen zu kämpfen. Die Elemente zerstören nicht nur den äußersten Schutzdraht, sondern auch die innere Guttapercha. Und wie lautet der Schluß deS Protokolls? Hört, hört, ihr Frauen, den Beschluß von Männern: „Der Ehrgeiz, den Ocean durch eine geistige Brücke zu überspannen, muß aufgegeben werden. Der Stolz der Wissenschaft hat einen harten Schlag erhalten und die Idee, Indien mit dem Pol sprechen zu lassen, kann nur dem Dichter überlassen bleiben. Die Regierung, gedrängt von Projectmachern, ermutigt durch daS Publikum, kann kaum für das viele Geld, daS es vergebens in die Tiefe gesenkt hat, getadelt werden- es hat dazu gedient, die Nation zur Vernunft zu bringen." Professor Ende lächelt über daS Protocoll und ich fühle, daß ich darüber erröthe. Ende sagt: „ES liegt alles nur an einer Kleinigkeit, an dem Schadhaftwerden deS Ueberzuges - als ob man einen zerrissenen leichten Anzug nicht durch einen neuen, haltbaren ersetzen könnte!" (Fortsetzung folgt.) Europa beschwöre. Der Papst bespricht zum Schluffe die sociale Frage, deren Lösung er bereits im Geist des Evangeliums empfohlen habe, ermahnt hinsichtlich der Politik zur Ueber- cinstimmung der Völker mit den herrschenden Gewalten, möge die Form der Regierung sein, welche sie wolle und fordert die Regierungen zur Unterstützung religiöser Einheit mit allen Kräften auf, damit nicht das Ende dieses Jahrhunderts dem stürmischen Ausgange des vorigen Jahrhunderts gleiche. Depeschen des Bureau .Herold". Berlin, 20. Juni. Von gutunterrichteter Seite wird gemeldet, der Kaiser werde nach der Nordlandreise Anfangs August auf der „Hohenzollern" nach England fahren,- die Capelle der 1. Matrosendivision werde den Kaiser begleiten. Berlin, 20. Juni. Das „Berl. Tagebl." erklärt die Nachricht einer hiesigen Correspondenz, daß die Reichsregierung beabsichtige, den Gesetzentwurf wegen Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Handwerk amtlich zu veröffentlichen, ehe die Vorlage an den Bundeßrath gebracht werde, für unbegründet. Der Gesetzentwurf sei bereits am Montag dem Bundesrath zugegangen und stehe auf der Tagesordnung der morgigen Plenarsitzung. Berlin, 20. Juni. Der „Reichsanzeiger" meldet zu den Erkrankungen von Zöglingen im Waisenhause zu Bunzlau, bis zum 17. Juni sei die Zahl der an Brechdurchfall mit Fieber Erkrankten auf 56 gestiegen. Trotz eingehender Untersuchung sei die Ursache der Erkrankungen noch nicht sestgestellt. Die Krankheit habe inzwischen wesentlich nachgelassen. Berlin, 20. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Bekanntmachung der Königlichen Akademie der Künste über das Ergebniß der für das laufende Jahr aus dem Gebiete der Bildhauerei und der Architectur ausgeschriebenen Wettbewerbe um den großen Staatspreis im Betrage von je 3300 Mk. zu einer einjährigen Studienreise, wonach der für Bildhauer bestimmte Preis dem Bildhauer Fritz Klimsch aus Frankfurt a. M., der für Architecten bestimmte dem Regierungsbaumeister Karl Moritz aus Berlin zuerkannt worden ist. Berlin, 20. Juni. Nach Mittheilung des kaiserlichen Gesundheitsamtes wurden während der letzten Woche im Deutschen Reiche Cholerafälle nicht fest gestellt. Kiel, 20. Juni. Heute wurde hier die große Mar ine - gemäldeausstellung eröffnet. Auf derselben befinden sich über 200 Werke hervorragender deutscher Künstler. Ratibor, 20. Juni. Das Grundwasser steht in allen Kellern meterhoch- der Wafferftand beträgt 4 Meter. Mehrere Menschen ertranken, viel Vieh ist umgekommen. In Pleß hat das Wasser in diesem Jahrhundert noch nie so hoch gestanden wie jetzt. Wien, 20. Juni. Wie die „Pol. Corr." aus Petersburg meldet, werden der im Herbst stattfindenden Vermählung des Czarewttsch als Gäste der Kronprinz von Dänemark, der Prinz von Wales, der Herzog von Sachsen-Coburg nebst Gemahlin und der Großherzog von Hessen beiwohnen. Troppau,20.Juni. DerOlsafluß ist ausgetreten und hat weite Länderstrecken verwüstet. Budapest, 20. Juni. Von Stunde zu Stunde treffen neue Nachrichten von überschwemmten Ortschaften, eingestürzten Häusern usw. ein, namentlich aus der Gegend von Komorn. Komorn selbst ist sehr gefährdet, das Militär arbeitet auf das Angestrengteste, um den dortigen Damm zu erhalten. Der Badeort Pistyan ist völlig überschwemmt, Szered stehl theilweise unter Waffer. Das Comitat Lipto ist fast ganz überschwemmt. Infolge des Dammbruches bet Szimö sind 20000 Joch Ackerfeld mit den besten Saaten vernichtet. Der Bahnverkehr im Waagthal dürfte noch eine Woche gesperrt bleiben. Neuerdings ist auch der Küküllöfluß ausgetreten und hat Feld und Flur überschwemmt. Die Nachrichten aus dem Alföld lauten sehr besorgnißerregend. Es regnet. Budapest, 20. Juni. Die Spannung wegen der morgen stattfindenden Abstimmung des Magnatenhauses über das E h e g e s e tz ist eine ungeheuere. Die klerikalen Kreise agitiren fortgesetzt energisch, um die Majorität zu erlangen. In sämmtlichen hiesigen Kirchen soll morgen für die Ablehnung der Vorlage gebetet werden. Preßburg, 20. Juni. Das Wasser der Waag fällt fortwährend; die ärgste Gefahr gilt als beseitigt. Der durch das Hochwasser angerichtete Schaden ist unberechenbar. Die Waag führt Menschen- und Thierleichen, sowie allerhand Hausgeräth mit. Das Elend ist furchtbar. Preßburg, 20. Juni. Das Hochwasser fällt rapide. Trotzdem ist die Gefahr noch außerordentlich groß. Der seit voriger Nacht wüthende Sturm beeinflußt das Gelingen der nöthigsten Rettungsarbeiten ungemein. Man schätzt den im Waagthale entstandenen Schaden auf 5 Millionen Gulden. Rom, 20. Juni. Aus Neapel wird von privater Seite nach hier gemeldet, daß, nachdem die oortige Universität geschlossen wurde, die Studenten versucht hätten, dieselbe zu stürmen, sodaß Militär requirirt werden mußte. Zwischen den Truppen und den Studenten kam es zu blutigen Zusammenstößen- die ersteren machten von ihren Waffen Gebrauch. Auf beiden Seiten wurden Viele verwundet. Brüssel, 20. Juni. Wie die Untersuchung festgestellt hat, ist der durch die letzte Explosion angerichtete Schaden auf 500 000 Franken zu berechnen. Ueber die Ursache und den Thäter ist bis jetzt nichts bekannt. Kopenhagen, 20. Juni. Der sich augenblicklich in London aushaltende älteste Sohn des ^Kronprinzen, Christian von Dänemark, wird sich mit der Prinzessin Maud von Wales verloben. London, 20. Juni. In Newyork angekommene englische Schiffe melden, daß die Ueberfahrt mit großen Gefahren verbunden gewesen sei, weil immer noch große Eismassen den atlantischen Ocean von Norden nach Süden durchziehen. Madrid, 20. Juni. Die Madrider Presse hat gegen die von Neuem angekündigten Stiergefechte, an welchen zwölf der besten Toreadors theilnehmen sollen, einen energischen Feldzug eingeleitet und bittet die Regierung, diese Kämpfe, in denen noch vor Kurzem ein Toreador getödtet worden, endlich abzuschaffen. Coctiks rrn- 4)eovLnzLeüer Gießen, den 21. Juni 1894. * * Militärdienstnachricht. Dr. Hirsch, einjährig-freiwilliger Arzt beim 1. Großh. Hess. Jnfanterie-(Leibgarde-) Regiment Nr. 115, unter Versetzung zum Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zum activen Unterarzt ernannt. * * Ernannt wurde am 12. Juni der Werkmeister am Gefängniß in Darmstadt Johann Friedrich D ern zum Werkmeister an der Zellenstrafanstalt Butzbach. * * Unfall. Gestern Mittag stürzte sich ein Mann in der Bahnhofstraße aus dem Fenster seiner in dem dritten Stockwerk belegenen Wohnung in den Hof. Derselbe wurde in die Klinik verbracht, da aber die Verletzungen unbedeutend befunden wurden, wieder in seine Wohnung befördert. Außer einer Kopfwunde hat derselbe trotz des gefährlichen Sprungs keine Verletzung davongetragcn. Als Motiv zu dem Selbstmordversuch kann nur momentane Geistesgestörtheit angenommen werden. Der Mann war in letzter Zeit sehr nervös und aufgeregt. * * Turnerisches. Bei dem am Sonntag in Schweinheim bei Aschaffenburg abgehaltenen Preisturnen des Mainthalturnerbundes erhielt Herr Karl Heuser aus Gießen, derzeitiges Mitglied des Seligenstädter Turnvereins, den ersten Preis. * * Sommerfest des Fechlverbands Gießen • Lahr. Die Vorarbeiten zu dem am nächsten Sonntag auf der Pulvermühle stattfindenden Sommerfest sind in Angriff genommen. Die Belustigungsbuden auf dem ausgedehnten Festplatze werden längs des Ufers der Lahn Aufstellung finden. Für bequeme und ausreichende Sitzplätze wird Sorge getragen. Den Eingang zum Festplatz ziert eine Ehrenpforte, über welcher das bekannte, einen auf dem Stuhl stehenden Waisenknaben darstellende Bild, in Form eines Transparents in bunten Farben angebracht ist. Thierfreunden dürfte der ausgedehnte, an den Festplatz grenzende Thierpark des Herrn Schwan recht viel Anziehungskraft bieten. Abgesehen von der sehenswerthen Einrichtung und Eintheilung des Thierparks, findet man in demselben nunmehr einen in Gießen gewiß noch nicht vereinigten Reichthum an selteneren Säugethieren und Geflügel. Jedenfalls wird das Sommerfest auf der Pulvermühle ein wahres Volksfest, auf welchem nicht nur alle Klassen der Gesellschaft angenehme Unterhaltung finden werden, sondern durch die zu erwartende allgemeine Betheiligung auch für die armen Waisen manch Scherflein abfallen wird. * * Das nächste deutsche Buudesschießen findet 1897 in Nürnberg statt. * * Ausstellung für Hotel- und Wirthschaftsweseu in Darmstadt. Es sind bereits alle Vorbereitungen im Gange, um die Ausstellung zu einer nach jeder Richtung hin glänzenden zu gestalten. Wiewohl die Ausstellnng eine fachgewerbliche sein wird, wird sie doch ihrem ganzen Character gemäß nicht nur für den Gastwirthestand, sondern für das ganze große Publikum von hohem Interesse sein. Sie giebt Gelegenheit, Producte, Consum- und Bedarfsartikel der mannigfachsten Art, ebenso practische Einrichtungen und Erfindungen verschiedensten Genres vor Augen zu führen, und wird auf diese Weise Anregung bieten für eine große Anzahl Aussteller und zugleich starke Anziehungskraft auf die Besucher ausüben. Da eine so weitumfassende Ausstellung schon seit längerer Zeit in dem^Theile Deutschlands nicht stattgefunden hat, und voraussichtlich gleichmäßig die Landwirthschaft und I n d u st r i e, wie Handel u n d G e w e r b e sich an derselben betheiligen, darf auch ganz besonders eine Förderung all dieser Interessen durch die Ausstellung erwartet werden. Anmeldungen zu derselben müssen bis zum 1. Juli d. I. an den Vorsitzenden des Ausstellungs-Hauptvorstandes, Herrn Stadtverordneten C. Reinemer in Darmstadt, erfolgen. * * Frühobst- und Frühgemüse - Ausstellung in Erfurt. Vom 5. bis 9. Juli wird in Erfurt im Rahmen der Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung eine allgemeine deutsche Frühobst- und Frühgemüse-Ausstellung stattfinden, die vorzugsweise bestimmt ist, eine Uebersicht der in Deutschland angebauten besten Stein- und Beerenobst- Sorten und damit gleichzeitig eine Unterlage für die Verhandlungen des Deutschen Pomologen-V ereins zu geben, der am 6. und 7. Juli in Erfurt seine Versammlung abhalten wird. Der Verein wird, nachdem er auf der im Herbst des Jahres 1893 in Breslau stattgefundenen Versammlung mit der Sichtung des zum allgemeinen Anbau zu empfehlenden Kernobst-Sortiments zu einem bestimmten Abschlüsse gelangt ist, in Erfurt in die Arbeiten zur Sonderung der Stein- und Beerenobst-Sorten eintreten, um die für die Großculturen, z. B. zum Zwecke der in der Jetzzeit zu großer Bedeutung gelangten Beerenweinbereitung geeignetsten Sorten zu ermitteln und allgemein bekannt zu geben. Es ist deshalb eine recht rege und allgemeine Betheiltguug aus ganz Deutschland wünschenspierth, um unter den verschiedenartigsten Verhältnissen für bestimmte Verwendungszwecke erprobte Sortimente in recht umfaffender Weise vertreten zu sehen. — Ein anderer Zweck der Ausstellung ist die Ermittlung der besten frühen Kernobst- und Frühgemüse-Sorten, also zweier Specialitäten, die für die Culturen unserer Zeit von hervorragender Bedeutung sind. — Da nun die Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung, gleichwie die gärtnerischen Culturen Erfurts so vielerlei Jntereffantes bieten, das an und für sich schon eine Reise nach Erfurt lohnend macht und eine bedeutende Anziehung auf die weitesten Kreise ausübt, so wird es der Frühobst- und Frühgemüse-Ausstellung sicher nicht an einem zahlreichen Besuche fehlen, sodaß unter Berücksichtigung der obwaltenden Verhältnisse die Betheiligung an der Ausstellung nur dringend empfohlen werden kann. Programme sind von dem Stadt'Garteninspector G. B e r g f e l d in Erfurt zu erlangen. * ’ Reichsgerichtsentscheidung. Die Veröffentlichung eines Räthsels oder eines Rebus in einer Zeitung mit der Ankündigung, daß jeder Einsendung einer Lösung ein bestimmter Geldbetrag beigefügt: werden müsse, und daß die Einsender verschiedene Gewinne erhalten sollen, fällt, nach einem Unheil des Reichsgerichts unter die Strafbestimmung des § 286 des Strafgesetzbuchs, betr. die Veranstaltung öffentlicher Ausspielungen ohne obrigkeitliche Erlaubniß. * * Ausbildung von Lehrern für Handwerkerfchnleu. Die Centralstelle für die Gewerbe läßt in der Zeit vom 16. Juli bis 11. August einen Lehrcursus zur Ausbildung von Lehrern an den Handwerkerschulen abhalten. Der Unterricht, welcher in der Landesbaugewerkschule von Lehrern dieser Anstalt ertheilt wird, ist Gruppenunterricht und erstreckt am Vormittag sich auf Freihandzeichnen, resp. darstellende Geometrie und Fachzeichnen, während an den Nachmittagen in den übrigen Fächern des praktischen Zeichnens unterrichtet wird. Der Lehrcurs hat hauptsächlich den Zweck, den Lehrern eine sichere practische Methode des Zeichenunterrichts an die Hand zu geben, welche sie alsdann in den Handwerker- und Gewerbeschulen zur Anwendung bringen sollen. Der vorjährige Lehrcursus war von etwa 20 Teilnehmern, zumeist Volksschullehrern aus allen drei Provinzen, besucht. Den Theilnehmern wird eine entsprechende Unterstützung gewährt. * * Sommers Anfang. Die Sonne erreichte heute, am 21. Juni, um 12 Uhr Mittags, ihren höchsten nördlichen Stand über dem Aequator- mit dem längsten Tage des Jahres beginnt der Sommer. Dieser längste Tag dauert 16 Stunden 45 Mm., denn die Sonne erhebt sich über dem Horizont um 3 Uhr 45 Min. früh und geht erst um 8 Uhr 30 Min. zur Rüste. Noch ist in diesem Monat die Zeit der Hellen Nächte. Von nun aber geht es dann, zuerst freilich nur langsam, nachher aber bald gar rasch, wieder bergab der weniger erfreulichen Hälfte des Jahres zu. ** Die deutsche überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reich ist in einer ständigen Abnahme begriffen. Sie betrug im Mai 4908 Personen gegen 12 138 im Mai des Vorjahres. Außerdem wurden noch aus deutschen Häfen 4916 Angehörige fremder Staaten befördert. y. Lollar, 20. Juni. Unserem Bericht über das Kriegerfest am vergangenen Sonntag ist noch nachzutragen, daß in dem Gedenkgottesdienste Herr Pfarrer Heintze von Kirchberg predigte. Zn Ehren der verstorbenen Mitglieder wurde in der Kirche eine Gedenktafel angebracht. Das dem ersten Vorsitzenden, Herrn Premierlieutenant d. L. Baumann, zugegangene Telegramm Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs hat folgenden Wortlaut: „Auerbach. Se. Königl. Hoheit der Großherzog lassen allen Betheiligten bestens danken für die übersandten Wünsche, v. Gr auch." Von dem verdienstvollen seitherigen ersten Präsidenten der „Hassia", Herrn Oberst Ger lach, lief folgendes Telegramm ein: „Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Jubiläum. In Treue fest möge der Verein blühen und wachsen immerdar. Ger lach." fi Lich, 20. Juni. Der Verein „Männerquartett" begeht nächsten Sonntag, den 24. d. M., Nachmittags 4 Uhr an» fangend, in den Räumen der Heiland'schen Gastwirthschaft dahier das Fest seiner Fahnenweihe. Mit dieser Feier ist Concert und Abends Festball verbunden. Die Musik wird von einer Abtheilung der Marburger Jägercapelle ausgeführt. § Lauterbach, 20. Juni. Gestern fand hier das Ober- Ersatzgeschäft statt. — Mehrere Herbsteiner Gestellungspflichtige stellten an einen ihnen begegnenden Fuhrmann das Ansinnen, sie mitfahren zu lassen. Der Fuhrmann weigerte sich dessen, da der Wagen bereits überfüllt war. Die Herbsteiner hieben deshalb mit ihren Stöcken auf den Wagenlenker und die übrigen Insassen, so daß mehrere Personen verletzt wurden. Insbesondere trug der Fuhrmann drei stark blutende, gar nicht unerhebliche Verletzungen am Kopfe davon. Die Schuldigen wurden zur Anzeige gebracht. D. Daueruheim, 20. Juni. Das Gustav-Adolfsfest des Decanats Nidda wurde am Sonntage bei uns gefeiert. Es waren 16 Geistliche ans der Umgegend erschienen. Herr Professor Weiffenbach aus Friedberg hielt die Festpredigt. Die Kirche konnte nicht alle Festtheilnehmer fassen, so zahlreich waren sie erschienen. Es fand ein Festzug durch den Ort statt, der von dem Kriegerverein, welchem Trommler voranschritten, geführt wurde. Alle Straßen waren mit Fichtenbäumchen geschmückt, an den Häusern hingen Fahnen, Guirlanden, Bilder von Luther, Melanchthon, Gustav Adolf. Der Gesangverein trug mehrere Gesänge in der Kirche vor. An den Eingängen des Dorfes standen Ehrenpforten. Es war ein in jeder Beziehung gelungenes Fest. — Wir sahen bei dieser Gelegenheit einen Haus- und Straßenschmuck, der sich ungemein hübsch macht, den wir aber noch nirgends angewandt fanden, der freundliche Leser vielleicht auch nicht. Es waren ausgeblasene Eier, auf Bindkordel aneinandergereiht, blau, roth, gelb und grün gefärbt. Das gab vielfarbige Guirlanden, die, von einiger Entfernung gesehen, einen allerliebsten Eindruck machten. Wir können diesen zum erstenmale erblickten Schmuck den Landleuten aufs Beste empfehlen- sie können sich die Eier leichtjsammeln und färben und mit den bunten Guirlanden eine prächtige Wirkung erzielen. 0. Orteuberg, 20. Juni. Der stattliche Marktflecken Griesheim bei Darmstadt ist durch die Intelligenz und Geschäftskunde seiner Bewohner bekannt. Sie verstehen sich besonders gut auf den Wald und feine Producte, kennen jede Fährte eines Waldthieres und wissen mit Waldsämereien trefflich umzugehen. Daher kommt es vor, daß Griesheimer Handelsleute im Vogelsberg alle Grassämereien und seltenen töt G.m, wo. Ibin 5etöffetrt(i*UöQ. net JÄ*1 °» 88|J * « MX *«»NÜ* 5:5-1- S*». $i[ ‘Wt Dom 16. Ciü[i ■’MWt» «tiun 9 '! ®tuPPenunittx* Z Freihondzeich^ ?^ntn» tvährend an Methode des !' ^klche sie alsdann "n zur Anwenduna ^rsuS war von etwa rern aus allen drei v»d eine entsprechende e erreichte heute, am n höchsten nördlichen ängsten Tage des r längste Tag dauert : erhebt sich über dem 3 geht erst um 8 Uhr « Monat die Zeil btr dann, zuerst freilich sch, wieder bergab der zu. Wanderung aus dem mdtgen Abnahme betonen gegen 12138 rden noch aus deutschen ten befördert. m Bericht über daS i lg ist noch nachzutragen, ! Pfarrer Heintze von : rerstorbenen Mitglieder i angebracht. Das dem ieutenant d. L. Bau« । , Stönigl. fyfyit bei rtlaut: „Sueröach. Wchr. v. Grancy." ersten Präsidenten der es folgendes Telegramm eutigen Jubiläum. In und wachsen immerdar. Männerquartett" begeht Nachmittags 4 Uhr an« ud'schen Gastwirthschaft j h e. Mit dieser Feier inden. Die Musik wird Mercapelle ausgeführt, n sand hier daS Ober- berbsteiner Gestellungs« „den Fuhrmann daS An« ■ Fuhrmann wngerle gt*. Di-tzM«- f du »«stnlent« unt ta«. »«»"*: jsw* ! nntag w« Hen Krs «ssä* .r..n uiareu wu if TtrasiEl) Ssibnen, , gj* 6«. Ä'S" n öir QK an* * ,f SI*riL z°d * ■'S” » W»"bW?„ t fi'“” ** SxL ,7*1*!""’' Daldsämereien bei unS aufkaufen und gute Geschäfte damit I machen. Auch dieses Jahr haben wieder zwei Griesheimer I Handelsleute, Feldmann und Nothnagel, solche Sämereien in hiesiger Gegend und bei Nidda angekaust, während unsere Vogelsberger Landsleute nichts damit anzufaugen wissen. ES muß aber doch ein schöner Verdienst dabei herauSspringen, sonst würden die Leute nicht so weit Herreisen und so bedeutende Transportkosten daran wenden. Mainz, 20. Juni. Bis gestern Abend waren für das 11. Deutsche Bundesschießen in runder Zahl 350000 Mk. eingegangen, annähernd die Hälfte der Unkosten. DaS Schießen hat bis jetzt 100000 Mk. eingebracht. Trotz schlechten Wetters am Vormittag war der Festplatz am Abend wie auch am Nachmittag gedrängt besucht, doch war der größte Theil der Besucher Mainzer. Mainz, 20. Juni. Am Sonntag, dem Tage des Schützenfestzuges, wurden an BilletS nach Mainz verausgabt , von der Hessischen Ludwigsbahn 47 000, von der ktönigl. Preußischen Staatsbahn (nach Mainz bezw. Kastel) 22 000, zusammen 69000 Fahrkarten. Gewiß ein enormer kaum je dagewesener Bahnverkehr. Dermtfd^te*. • Ortfelb, 20. Juni. Der verunglückte Lustschiffer Lattemann ist heute Nachmittag beerdigt worden. Die betagten Eltern auS Gebhardshagen und an 6000 Menschen wohnten der Leichenfeier bei. Pfarrer Schütz hielt eine er- gr-.ifende Grabrede. Aerzte behaupten, Lattemann sei schon in der Luft am Herzschlag verschieden. * Konstanz, 18. Juni. Die „Bo mb en "«Explosiv neu spuken nun auch in den Kasernen. Am SamStag Vormittag war die Kaserne des hiesigen Infanterie Regiments Nr. 114 der Schauplatz einer solchen. Ueber den mysteriösen Vorfall sandte daS Polizeiamt den Redactionen der drei hiesigen Tageszeitungen folgende Mittheilung: „Samstag früh nach 4 Uhr explodirte in der Kaserne des hiesigen Regiments, und zwar im Souterrain vor der Küche in einem Vorraume zum Treppenhaus, ein auf bis jetzt unaufgeklärte Weise dort hingelegteS Geschoß in dem Moment, als ein Koch auS der Küche herauStrat, um sich in den ersten Stock zu begeben. Wie nachträglich festgestellt wurde, war das Geschoß eine kleine Blechbüchse, mit gewöhnlichem Pulver gefüllt und mit einer Zündschnur versehen. Die Detonation war eine schwache, etwa so, wie ein Pistolenschuß, und hat keinerlei Schaden an- gertchtet. Das Geschoß muß kurz vor der Explosion dorthin gelegt worden sein, und zwar von einem Soldaten, da von außerhalb der Kaserne dieses nicht möglich war. Dom Regi- ment wurde Untersuchung eingeleitet." Seitens der Polizeibehörde ist man geneigt, dem Vorfall keine andere Bedeutung als die eines groben Unfugs beizulegeo. * Tübingen, 20. Juni. In einem Haufe der Neckarhaldc entstand in vergangener Nacht eine Feuersbrunst, bei welcher der Student Fehleisen aus Reutlingen in den Flammen umkam. * Gunsten, 18. Juni. Mehrere junge Leute vertrieben sich hier nach der „Str. P." in einer Wirthfchaft die Zeit mit Kegelspielen. Eben wollte der ungefähr 22jahrige Sorg den letzten Wurf thun, als ihm die Kugel aus der Hand entglitt und seinem Kameraden Michael Schon an den Kopf flog. Schon war sofort eine Leiche. ♦ Prag, 20. Juni. In voriger Nacht wurde hier ein anscheinend einer internationalen Einbrecherbande angehöriger Mann in dem Moment verhaftet, als er in den Laden eines Juweliers eindringen wollte. Man fand bei ihm eine Collection feinster englischer Einbrecherwerkzeuge, 2500 Mark deutsches Geld, sowie einen auf den Namen Alfred Hein aus Deutschland ausgestellten Paß. Der wirkliche Name des Einbrechers soll Anton Pozorowitsch sein. * Troppau, 19. Juni. Don den bei dem Grubenunglück in Karwin Verwundeten sind zwei gestorben. Die Gesammtzahl der Todten beträgt nunmehr 235; hiervon befinden sich 214 noch in den Gruben. Die Analyse ergab, daß die Grubengase nur 3 Procent Sauerstoff enthalten, woraus geschloffen wird, daß der Brand im Erlöschen sei. * Preßburg, 19. Juni. Bei der Ueberschwemmung in Trentschin sind vier Flößer, ein Bauer und eine Frau mit ihrem Kinde ertrunken. ♦ Petersburg, 19. Juni. In Bugulma im Gouverne- ment Szamara ereignete sich ein schreckliches Unglück. Eine Schaar von Burschen und Mädchen, 70 an der Zahl, kehrte von einem Volksfeste zurück und benutzte zur Ueber- fahrt über den Fluß Jk eine alte, sehr beschädigte Fähre, welche in der Mitte des Waffers plötzlich untersank. 45 Personen fanden ihren Tod in den Wellen, 25 vermochten sich durch Schwimmen zu retten. * Ein Bild von der Riesenarbeit, die die Steuereinschätzung in Berlin verursacht, gewährt eine Vorlage des dortigen Magistrats, die sich auf die nach dem Einkommensteuergesetz für die drei Steuerjahre 1. April 1895 bis 1898 vorzu- nehmenden Neuwahlen der Mitglieder und Stellvertreter der Boreinschätzungscommission bezieht. Bis jetzt bestanden hier 184 Untercommissionen mit 4272 Mitgliedern und 768 Stellvertretern, deren Arbeitslast schon sehr bedeutend war. Bet der nächsten Einkommensteuerveranlagung im Herbst diese- Jahres wird eine noch stärkere Inanspruchnahme der Dorein» schätzungScommiision bei Ermittelung des steuerbaren Vermögen- behufs Veranlagung der Ergänzungssteuer stattfinden und die Geschäfte der DoreinschätznngScommission müffen eine weitere sehr große Ausdehnung erfahren. ES sollen in Zukunft 349 Untercommisfionen mit 7869 Mitgliedern und 1838 Stellvertretern gebildet werden. * Unverkauft«-» Wein. AuS Tunis wird geschriebene In den Kellern der algerischen Eolonisten lagern z. Z. noch 500 000 Hectoliter Wein von der vorjährigen Ernte, die selbst für Schleuderpreise nicht verkäuflich sind. ES ist die Absicht einer für diesen Zweck gebildeten Gesellschaft, Spiritu» daraus bereiten zu laffen. Einzelne verkaufen ihre Weiuslöcke als Brennholz und beabsichtigen, Olioenpflanzungen anzulegen. Andere bepflanzen die Weinberge mit Maulbeerbäumen zur Scidengcwinnung. * Mit dem läßt sich reden. Quartiersrau: „Ich muß Sie, mein Herr, im Voraus daraus aufmerksam machen, daß Ihr Vorgänger, der ebenfalls Studiosus war, nur deshalb das Cabinet verlaffen hat, weil ihn die Dame nebenan de» NachtS durch ihre unaufhörlichen Elavierübungen gestört har." — Studiosus: „O, von mir aus kann die Dame ihre nächtlichen Elavierübungen mit Pauken und Trompeten begleiten." — Quarrierfrau: „Da haben Sic wahrscheinlich einen festeu Schlaf!" — Studiosus: „Mehr al» daS — ich bin nie de» NachtS zu Hause."______________ verkehr, £an6- «nd Volk»«vir1hschaft Simburg, 20. Juni. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 12.25, weißer Weizen X 12.15, Rom X 10.30, Gerstel 0000, Hafer x 7 60. Schiff-nachrichten. Hamburg, 20. Juni. Hamburg - Amerikanische Packetsahrt- Aciien-Gesellschast. Neueste Nachrichten über die Bewegungen der Dampfer der .Hamburg - Amerika - Linie. Dampfer „Wanvrahm , von Montreal nach Hamburg zmückkehrend, bat am 19. -3'Jnt, 3 Uhr Morgens, von Deptford die Reife nach Antwerpen fortgesetzt. Posldampfer „Hungaria", von Hamburg nach Baltimore bestimmt, ist am 17. Juni, 9 Uhr Morgens, in Boston eingetronen. Postdampfcr „Flandrta" ist am 19. Juni in Eolon etngelrosten. Dampfer „Stubdenhuk" ist am 19. Juni, 3 Uhr Morgen», oon Montreal via Deptsorb nach Hamburg adgegangen. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemeffrn am 21. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14, Luft 15°. Rübfamen'sche Badeanstalt. . Flur Bekanntmachung 25 Flur 5171 1 1 2 <$• 1 M -1 »G 1 Flur 1 Flur lappen daselbst, Flur Flur 28 28 am da- Flur Flur Flur Flur Flur Flur Flur Flur Flur Acker Gewann- Acker Gewann- Acker Gewann- Flur Flur Flur HeßraaateA -«st« ter Ufunb X 1.70 W fr|t en DuelttH eeflbtnrofkn wer ftci« Abnehmer Berrötbtg tn Carl rchwaad'S •ebcatefeuOblt 3 Nr. 2 — 88 qm lappen daselbst, 3 Nr. 3 - 63 qm Bekanntmachung. In dem ehemaligen Hause Bourgeois an der Kirchstraße sind die Räume des Erdgeschosses mit Laden nebst zwei Zimmern über letzterem sofort zu vermiethen. Näheres über Bedingungen und Preis ist bei- der Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15, zu erfahren. Gießen, den 14. Juni 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 5142 Gnauth. Waifenfchutz. Freitag den 22. Ium, Abends 8 Uhr, Versammlung bei Mitglied Böhm, Neustadt. Um zahlreiches Erscheinen (actio und passiv) bittet 5192 Der Vorstand. lappen daselbst, 3 Nr. 4 — 19 qm lappen daselbst, 3 Nr. 5 — 19 qm Acker Gewann- Freitag den 20. Juli, Nachmittags 3 Uhr, Vermischte Anzeigen. Brauerei Whrle Stawmabendesien. Heute Donnerstag Sauerbraten mit Kartoffelpüree 5121 per Portion 60 Vkg- zu bezahlen. Zahltage: Dienstag, Donnerstag und Samstag. Gießen, den 20. Juni 1894 Der Stadtrechner: Docpfer. Wohnungsgesuch. Wohnung von 5 Zimmern und Zu, behör von kleiner Familie zum Allein- bewobnrn per 1. Oct d- I im südlichen Stadtheile gesucht- Offerten tn der Expedition dS. Blattes unter B. Z. 17 nieder; u legen.517 9 SchühgeSbrunncrweg, Nr. 1-7 — 812 qm Acker am Heegstrauck, stoßen auf die Aecker, Nr. 148 - 1175 qm Acker AufBotsottfahreli. Dir seit vielen Jahren mit unbekanntem Aufenthaltsort in Amerika abwesenden Margarethe Ber- talot und Carl Bertalot von Gießen — beide über neunzig Jahre alt — resp. deren Erben werden aufgefordert, so gewiß Samstag den 13. Cctobcr 1S94, Vormittags 9 Uhr ihre Ansprüche an das hier curatorisch verwaltete Vermögen geltend zu machen, widrigenfalls Margarethe und Karl Bertalot für todt erklärt, und der Nachlaß den bekannten nächsten Erbberechtigten resp. dem Fiscus überwiesen werden wird. Gießen, den 9. Juni 1894. Großh. Amtsgericht Gießen. Gebhardt. 5195 Saudkauterweg links, 28 Nr. 149 — 2300 qm Acker Freitag den 6. Juli, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Kar» Jughardt dritter in Gießen gehörigen Immobilien: -- i Nr. 83 — 94 qm Hofraiihe in der Mühlgaffe, 1 Nr 84 — 62 qm Grabgarten S! garten daselbst. i 3 » Flur 1 Nr 1068 - 87qmHosraum 1 mit Scheuer daselbst « Flur 33 Nr- 199 — 1556 qm Acker am Nadrungsberg hinter dem DrechSlischen Garten. | Flur 33 Nr 200—1394 qm Acker daselbst, Flur 33 Nr. 201 —1625 qm Acker daselbst, Aur 33 9ir-66a—2^00 qm Acker daselbst, Flur 33 Nr. 66b — 1750 qm Äcker daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 14. Juni 1894. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A-: Bogt. 498o Concursverfahren. Das Concursverfahren über das Vermögen des Restaurateurs Bernhard Stern zu Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins und Vorlegung der Schlußvertheilung aufgehoben. Gießen, 18. Juni 1894. Das Großherzogliche Amtsgericht. 5196 Gebhardt. sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Ariedri» Flimm Sheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: 'Nr. 911'/,o — 64 qm Hofraithe in der Wallthorftraße, Flur 1 Nr. 912Vio — 206 qm Hofraithe daselbst, Nr. 9135/,o — 531 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 7. Juni 1894. Großh- Ortsgericht Gießen. I. A.: Bogt. 4801 daselbst, ftlur 3 Nr. 1 — 63 qm Acker Gewannlappen am Wismarer Weg und Lahnfluß, 3 ® Kann, Airchenplah, Special Reste-Gefchäft» 4726 Butter \ ZUM (Einschmelzen empfiehlt billigst " 5208] Heinrich Wallach. E C^rbOliUSUIXl | beste Qualitäten, in Holatheer Originalfässern und Steinkohlentheer \ im Anbruch billigst bei [5207] Otto Schaaf, Seltersweg 39. Der Faden »STp« 1. October anderweit zu vermiethen- 4354 I. H. 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Mitglieder haben nur bei Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte freien Zutritt. Nur ächt mit Zu haben in Zinntuben ä 40 Pf. 5054] Zwei gut mSblirte Zimmer an einen Herrn per bald zu vermiethen. Näheres Bleichstrafie 8, Mittelftock. 4749] Zwei möblirte Zimmer zu vermiethen._______Marktstraye 18. 5203] Gröhes Zimmer im Vorderhause per 15. Juli zu oerm. Grünbstr. 13- 51991 Villen znm Alleinbewobnea. Näh. Ehr. Petri V., Moltfeftraße 7. Kräftiger schwarzbratener Wallach verkaufen! §210 Näheres in der Exped. d. Bl._________ 5206] Stallhasen (Lapins) billig zu verkaufen- Lindenplatz 4.___________ Heu- u. Grummetgras von 21/2 Morgen Ochsenwiese, 3In Morgen Heegstrauch wiese zu verkaufen. Ostanl. 39, III. [5194 § Das Heugras von 4 Wiesen verkauft Ernst Jnghard. 5152] 1 Morgen vorzügliches HeugraS zu verkaufen. Näh. bei H. F. Raffaner. 2SRm.St«ckh»l; werden zu kaufen gesucht. 5190 Lieferzeit Mitte Juli. Offert, an die Exped. d. Blattes. Buchen- und Tannen- Scheithol? empfiehlt billigst 4336 H. 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