Nr. 273 Erstes Blatt. Mittwoch den 21. November Der chiehener Auitiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener AamilienSkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal drigelrgt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. 1894 Vierteljähriger ASonaementsprei«: 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Txpedülo» und Druckerei: Zchukgraße Fr.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Jamikienökätter Aste Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen > Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmilid?er Theil. Nr. 42 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 14. d. M., enthält: (Nr. 2201) Verordnung, betreffend die Uebertragung landesherrlicher Befugniffe auf den Statthalter in Elsaß- Lothringen. Vom 5. November 1894. Gießen, den 19. November 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 19. November. Der Kaiser empfing am SamStagBormittag den btSherigenJusttzministervr.Schelltng und kurz darauf den Bicepräsidenten deS Staatsministeriums und StaatSsecretär im Reichsamte deS Innern, Dr. von Bötticher. Ob die Audienz Herrn von Bötticher beim Kaiser vielleicht eine spectelle Bedeutung besitzt, muß noch dahingestellt bleiben. Bekanntlich sollte die Stellung dieses Ministers ebenfalls erschüttert sein, welchen Gerüchten aber die Erklärung des „Reichsanzeigers", daß keine weiteren Beränderungen im Staatsministerium beabsichtigt seien, ein Ziel gesetzt hat. — Der für den 24. November geplant gewesene Jagd- ausslug des Kaisers nach Schloß Hummelshain m Altenburg soll zunächst wieder aufgegeben worden sein. — Die Vorlage, betr. die Bekämpfung der Umsturzbestrebungen, ist Ende voriger Woche dem BundeSrathe zugegangen. Die seitherigen Muthmaßungen über den Inhalt der Vorlage werden durch die offictöse Mittheilung bestätigt, daß der genannte Gesetzentwurf Abänderungen des Strafgesetzbuches, des Militärftrafgesetzbuches und des Preßgesetzeö vorschlägt. Die ersterwähnte Abänderung bezweckt eine schärfere Faffung der Abschnitte des Strafgesetzbuches, welche vom Widerstande gegen die Staatsgewalt, sowie von dem Verbrechen und Vergehen wider die öffentliche Ordnung handeln. Die beim Militärstraf- gesetzbuche vorgeschlagenen Abänderungen zielen darauf, das Hinübergreifen der socialrevolutionären Agitationen auf die HeereSorganisation nach Kräften zu verhüten. Was endlich die geplanten Abänderungen des Preßgesetzes anbelangt, so richten sich dieselben gegen die Preßausschreitungcn, welche die öffentliche Ordnung gefährden, und fassen sie namentlich die Bestimmungen über die Beschlagnahme anders. Gesetzliche Maßregeln über das Vereins- und Versawmlungswesen sind dagegen in dieser Vorlage nicht vorgesehen, sie bleiben also der gesetzgeberischen Thätigkeit der Einzelstaaten überlasten. — Der Panzerkreuzer „Irene", das Flaggschiff der deutschen Flottendivision in Oftafien, ist am Samstag von Kiel nach Ostasicn abgegangen. Mit der „Irene" hat das letzte der zur Wahrung der deutschen Jnreresien in tranSoceanischen Gebieten neubestimmten deutschen Kriegsschiffe die heimarhlichen Gewässer verlassen, mit seinem Eintreffen in Ostasien wird die Stärke des dort zusammengezogenen deutschen Geschwaders die stattliche Zahl von sieben Schiffen erreichen. Aus ihrer Fahrt nach dem fernen Osten hat die „Irene" noch eine besondere Bestimmung zu erfüllen, sie soll nämlich Tanger anlausen, um für die Ermordung des deutschen Kaufmannes Neuman bei Casablanca Genug- thuung von der marokkanischen Regierung und Entschädigung für die Hinterlassenen des Ermordeten zu verlangen. Hoffentlich gelingt dem Commandanten die Erfüllung dieser Aufgabe, ohne daß hierdurch die weitere Reise der „Irene" eine wesentliche Verzögerung erfährt. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Correspondenr- Bare»». Berlin, 19. November. Im Reichsversicherungsamte eröffnete Präsident Boediker die voraussichtlich zweitägige Conserenz der Vertreter der Landes-Versicherungs- A em ter und der JnvaliditätS- und Alters-Versicherungs-Anstalten. Erschienen sind 52 Vertreter, darunter Geheimrath Sydow aus dem Reichspostamte, Oberpostrath Seidl vom bayerischen Ministerium. Die Tagesordnung umfaßt 24 Gegenstände. München, 19. November. Die Verfertiger der seit einem Jahre in München und im ganzen Reiche im Umlauf befindlichen falschen Reichska ssenschetne zu 50 Mark sind hier und einer in Stuttgart verhaftet worden. Die Bande zählt acht Personen, darunter vier Photographen. Rom, 19. November. In der letzten und vorletzten h?acht fanden neue Erderschütterungen in Reggio statt, die keinen Schaden anrichteten. Die Bevölkerung geht aufs Land oder campirt in Zelten. In Bagnara find 13 tobt und 50 verwundet- die Gemeinde ist fast Zerstört. In Palmi sind 7 tobt, 50 verwunbet, bie Häuser unbewohnbar. In Malocchio unb Teranova finb nur bie Häuser beschäbigt. ES wirb militärische thatkräftige Hilfe geleistet. In Milazzo fanden gestern IO Uhr Abenbs und heute Uhr Erdstöße statt. Es herrscht Panik. Petersburg, 19. November. Den Ehrendien st am Sarge Alexanders III. versahen heute! die Commandeure der Leibregimenter. Die preußische Deputation wurde gestern vom Kaiser, der preußische Uniform angelegt hatte, empfangen. Prinz August von Sachsen kehrt morgen über Moskau zurück. Den auswärtigen Correspondenten wurde bei der Trauerfeier durch die Liebenswürdigkeit beS Hofministers unb bes Ober- Ceremonienmeifters in ber Peter • Pauls - Kathebrale ein reservirter Platz eingeräumt; außerdem wurde denselben unter Führung des Minifterialsecretärs Szlavin die dankeswertheste Förderung gewährt. Petersburg, 19. November. Heute Mittag fand die Beisetzung der Leiche des Kaisers Alexander statt. Anwesend waren Vertreter von ganz Rußland, der Staaten Europas, Amerikas und Asiens, darunter drei Könige, die Thronerben dreier Großmächte, ferner sämmtliche russische Botschafter im Auslande und das diplomatische CorpS in Petersburg, sowie die Generalgouverneure. An der letzten Ehrenwache am Sarge betheiligten sich die inländischen und ausländischen Truppentheile, deren Chef der Kaiser war. Nach dem Todtenamte verabschiedeten sich der Kaiser und die Fürstlichkeiten von der Leiche. Der Sarg wurde geschloffen und zum Grabe getragen und unter Gebeten und Ehrensalven versenkt. Petersburg, 19. November. Dem Vernehmen nach findet die kaiserliche Hochzeit nächsten Montag statt. — Der Abschied der Kaiserin vom Sarge war tief erschütternd- sie sank schluchzend nieder. DaS Publikum drängte sich, als sich der Hof entfernt hatte, an die Gruft heran und erbat inständigst Blumen von dem Grabschmucke. Die Wache haltenden Grenadiere kamen bereitwilligst dieser Bitte nach. Der Sarg ist zwiefach verschloffen und ruht in einer ebenfalls ver- schloffenen metallenen Hülle. Einen Schlüssel verwahrt der Festungscommandant, den andern der Hosminister. Hebet der metallenen Umhüllung wird ein einfacher, den übrigen entsprechender Sarkophag errichtet. Eine Menge von Kränzen bedeckt fast sämmtliche Säulen der Kirche. Die Spenden Moskaus bedecken allein eine ganze Säule. Depeschen deS Bureom „fcerolb*. Berlin, 19. November. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, ist an maßgebender Stelle nichts davon bekannt, daß der Plan einer Organisation des Handwerks definitiv als gescheitert betrachtet ist. Man hofft vielmehr denselben als preußischen Antrag bis zur nächsten, nicht zur bevorstehenden Reichstagstagung im Bundesrath vorzubringen - im nächsten Jahre soll eine den Antrag betreffende Enquete veranstaltet werden. Berlin, 19. November. Wie die „Post" hört, beginnen in dieser Woche im Reichsamt deS Innern die Sitzungen, worin die Formulirung des Börsenresormgesetzes berathen wird. Die Vorlage wird jedenfalls erst am Ende der Session an den Reichstag zur Berathung gelangen. Berlin, 19. November. Anläßlich der Beisetzung des Czaren Alexander fand heute Vormittag in der Capelle der hiesigen russischen Botschaft eine Trauermesse statt. Zu derselben waren das Kaiserpaar, die Mitglieder des Königlichen Hauses, bie Generäle, sowie bie Ritter vom Schwarzen Ablerorben erschienen. Mannheim, 19. November. Von ben Tabakintereffeuten Mannheims unb bei Umgebung wurde gestern eine Versammlung behufs Bekämpfung der in Aussicht stehenden Tabak st euervorlage einberufen. In derselben gelangte eine Resolution zur Annahme, bie die neue Tabaksteuer verwirft. Wien, 19. November. Einer Meldung der „Pol. Corr." aus Petersburg zufolge hat die Aufmerksamkeit des deutschen Kaisers, daß er der französischen Militär- deputation, welche zur Leichenfeier von Paris abgesandt war, einen Sonderzug von Köln bis Eydtkuhnen zur Verfügung stellen ließ, bei der Militärdeputation einen ausgezeichneten Eindruck heroorgerufen. Wien, 19. November. Wie von privater Seite aus Petersburg gemeldet wird, soll der Botschafter in Wien, Fürst Lobanow, zum Nachfolger deS Herr« v. Giers ausersehen sein. Kaiser Nicolaus soll bereit» mehrere Male hierüber conferirt haben. Prag, 19. November. Der Arbeiterverein in de« Vororte Weinberge ist wegen omladinistischer Umtriebe aufgelöst worden. Triest, 19. November. Wie die Einwohner von Istrien erheben nunmehr auch die Gemeinden von Friaul energische» Protest gegen die zweisprachigen Straßentafelu. Rom, 19. November. Die Regierung beebfichtigt 22 Millionen Ersparnisse vorzuschlagen, davon sollen zehn auf die HeereS- und Marineverwaltung entfallen. Nach einer ungefähren Schätzung soll daS Deficit 60 Millionen betragen. Rom, 19. November. Diese Nacht wurden abermals in Reggio, Seminara und Malachio heftige Erdstöße verspürt, wobei es 20 Todte und über 100 Verwundete gab. Die Gemeinde Seminara ist fast vollständig zerstört. Paris, 19. November. Die Blätter besprechen die vo« den Abgeordneten unterzeichnete Bittschrift zu Gunsten der zweijährigen Dienstzeit unb heben besonders hervor, baß diese Maßregel, welche in der deutschen Armee nach reichlicher Ueberlegung eingeführt worben, auch für Frankreich von großem Nutzen sein werbe, wenn bieselbe gewiffenhaft burchgesührt werbe. Paris, 19. November. Der Senat hob heute al» Zeichen ber Trauer anläßlich bet Beisetzung bes Czaren seine Sitzung auf. Mons, 19. November. Der von ben Socialiften in den Provinzialrath gewählte Artillerie-Offizier erhielt von seinem Commanbeur die Aufforberung, sich in einer öffentlichen Versammlung eingehend darüber auszusprechen, ob er im Falle des Auöbruchs von Unruhen seine Pflicht als Angehöriger des Militärstandes erfüllen oder sich auf die Seite ber Socialiften stellen werbe. In seiner Antwort sprach bet Offizier seinem Commanbeur unb bem Offiziercorps jebwedeS Recht ob, ihn über seine politischen Ansichten unb Meinungen zu befragen. — Die ganze belgische Presse bespricht ben Zwischenfall mit aufgeregten Worten. London, 19. November. Sämmtliche Morgenblätter veröffentlichen anläßlich des heutigen BegräbntffeS des Czaren sympathievolle Artikel für Rußland. Der „Standard" betrachtet die Aufmerksamkeiten, welche dem Prinzen von Wales vom Czaren in Petersburg zu Theil werden, als gutes Vorzeichen für die Beffergestaltung ber englisch-russischen Beziehungen. London, 19. November. Fortgesetzt laufen Nachrichten über Schiffsunfälle während des letzten Sturmes ein. Auch vom Atlantischen Ocean kommen dieselben traurigen Meldungen. Petersburg, 19. November. Am Vermählungstage de» Czaren soll eine Amnestie für viele Tausend auf administrativem Wege nach Sibirien verschickte Verbrecher erlaffen werden. » Petersburg, 19. November. Minister v. Giers und Ktiegsminister Wannowski haben ihre Entlassung eingereicht. Der Kaiser soll Wannowski erklärt haben, noch z« warten. Petersburg, 19. November. Der Generalgouverneur von Finland ist in Petersburg eingetroffen, um dem Czaren z« berichten, baß die finländische Bevölkerung bie Eidesleistung verweigere, weil der Czar bis jetzt noch nicht den Eid auf die finländische Verfassung geleistet habe. Petersburg, 19. November. Es wird versichert, daß die russische Diplomatie gegenwärtig auf kaiserliche Antriebe die größten Anstrengungen macht, China zu überreden, Japan direct den Frieden anzubieten, weil, wenn ber Frieden erst in Peking dictirt, eS nahezu unmöglich sei, China» Integrität ohne kriegerische Einmischung zu erlangen. WB. Petersburg, 20. November. Anton Rubinstein, geboren 1830, berühmter Clavier-Birtuose und Componist, ist heute in Peterhof am Herzschlag gestorben. CoceUs ttnö provinzielle». Sieben, den 20. November 1894. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnete»- Versammlung Donnerstag ben 22. November 1894, Nachmittags 4 Uhr : 1. Gesuch ber Großh. Universitäts- Bibliothek um Ueberlasiung der photographischen Aufnahmen alter Häuser. 2. Den Schulgarten bei der höheren Mädchenschule. 3. Anschaffung von Kartenhaltern für die höhere Mädchenschule. 4. Gesuch der Michael Kreiling zu Gießen um Concession zum Branntweinverkauf über die Straße in dem bisher von Wilhelm Seuling betriebenen Speceretgeschäft, Steinstr. 78. 5. Gesuch des Wilhelm Seuling zu Gießen um Concession zum Branntweinverkauf über die Straße in seinem Neubau, Wetzsteinstr. 45. ** Sitzung Großh. Handelskammer vom 16. November 1894. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Klingspor, Wortmann. Zunächst beschließt die Kammer die Unterstützung einer von dem Comite für Er- weiterungj deSHerford-DetmolderEisenbahnunter- nehmens im Interesse einer Kürzung des Schienenwegs von Bremen nach Kassel, bezw. Frankfurt a. M. an den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten gerichteten Petition, betr. die Fortsetzung der Eisenbahnlinie Bünde— Sulingen nach Norden zum Anschluß an die Osnabrück- Bremer Linie und Fortführung der Eisenbahn von Detmold nach Süden. — Die Kammer erklärt ferner ihr Einverständ- ntß dazu, daß die Schwesterkammer Mainz im Namen deS hessischen Handelskammertags bei dem Deutschen HandelSrag dahin vorstellig wird, daß die ermäßigten Exportstückguttarife nach den Seehäfen auf Eilgut ausgedehnt werden. — Der Vorsitzende berichtet sodann über den Verlauf der am 7. l. Mts. tzattgehabten Sitzung des Bezirks-Eisenbahnraths in Köln. Die daselbst gestellten beiden Anträge auf Einführung ermäßigter Ausnahmefrachtsätze für die überseeische Ausfuhr von Thonwaareu und Hohlglaswaaren des Spezial- lariss II über die Deutsche Seehäfen, insbesondere Hamburg fanden Annahme. — Wiederholt wurde auch hier wieder Anlaß genommen, auf die durch die Bahnsteigsperre hervorgerufenen Belästigungen des Publikums, die immer mehr zu Tage treten, hinzuweisen. In einer einstimmig^ gefaßten Resolution wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die preußische Staatsbahn Verwaltung künftig eine größere Fürsorge für das reisende Publikum bekunde in Beseitigung und Vermeidung derartiger Mißstände. Als zu diesem Zwecke besonders geeignete Maßregel wurde die Trennung des Stroms der ankommenden Reisenden von demjenigen der abfahrenden bezeichnet. — Am 28. November 1894 findet die 82. Sitzung des Bezirks-Eise nbahnrathS Frankfurt a. M. statt und wird die Kammer durch ihren Vorsitzenden vertreten sein. Bon wesentlichem Interesse ist die für die Zukunft in Aussicht genommene Zutheilung der seither zur Direction Hannover gehörigen Strecke Frankfurt—Gießen—Lollar zum Directions- bezirk Frankfurt a. M. — Von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz ging der Kammer eine Nachricht zu, inhaltlich deren die von verschiedenen Zeitungen, unter Andern auch von der „Post" gebrachte Notiz, daß nach Anordnung des Königl. Rumänischen Finanzministeriums neuerdings jeder Zolldeelaration die Originalfactura über die betr. nach Ru» mänien eingehende Sendung beigefügt werden müsse, auf das Entschiedenste dementirt wird. Etwaige Interessenten, die von dieser falschen Nachricht Kenntniß haben, werden ausdrücklich hierauf aufmerksam gemacht. — Von höchster Staatsbehörde find der Kammer ferner Anordnungen des Reichskanzlers zugegangen, wie man sich bei Beschwerden über Entscheidungen der russischen Zollbehörden zu verhalten habe, um die Unterstützung der Kaiserl. Regierung zu finden. Diese Anordnungen, sowie uns weiter von maßgebender Seite zugegangene Mittheilungen über zweifelhafte Firmen im Ausland, namentlich in Belgien, Oesterreich-Ungarn und Mexiko, liegen auf dem Büreau zur Kenntnißnahme offen, ebenso ein von dem Königl. Ungarischen Handelsminister publicirteS Werk, sämmtliche ungarische Exportfirmen enthaltend. Letzteres kann durch unsere Vermittlung für 50 Pfennig bezogen werden. Auch sind Prospecte rc. für die von Mai bis November 1895 in Amsterdam stattfindende Weltausstellung „für Hotel- und Neisewesen", hinsichtlich deren die Anmeldezeit am 15. k. Mts. abläuft, auf unserem Büreau erhältlich. — Die Kammer beschließt, ihre Ergänzungswahl pro 1895 auf Mittwoch den 5. December l. I. anzuberaumen. Es scheiden aus die Herren Scheel, Heichelheim und Klingspor. Als Wahlcommissär wird Herr Commerzienrath Gail, zu Urkundspersonen werden die Herren Emme lins und H. MyliuS dahier ernannt. Die Lifte der Wahlberechtigten wird vom 20. bis 30 l. Mts. auf dem Bureau des Herrn H-ichelhei m zur Einsicht offen liegen. — Die Tagesordnung für die am 22. November 1894 in Berlin ftattfindende Ausschußsitzung des deutschen Handelstags ist nunmehr festgesetzt. Von Gießen ist ein Antrag bett, die formale Ueberemstimmung der Handelsberichte eingebracht. — Nachdem der Kammer von den Eisenbahn - Directionen Frankfurt a. M. und Hannover hinsichtlich der Einführung von Rundreisefahrkarten Gießen—Gelnhausen—Frankfurt— Gießen ablehnende Bescheide zugegangen find, beschließt dieselbe, in Gemeinschaft mit der Schwesterkammer zu Hanau unmittelbare Anträge bei den BezirkSeisenbahnräthen Hannover und Frankfurt a. M. einzureichen. ** Vom Reichsgericht. Ober-Landes-Gerichtsrath Dr. Gilmer (früher Amtsrichter in Gießen) ist zum Mitglied des Reichsgerichts ernannt worden. ** Zu dem gestern Abend von Herrn Dr. Engel aus Berlin gehaltenen Vortrage über Eisenbahnreform und Zonentarif hatte sich ein zahlreiches Publikum in den Räumen des Kaufmännischen Verein» eingefunden. Herr Dr. Engel wies zu Beginn seines Vortrags auf die Bedeutung deS Eisenbahnwesens in finanzieller, cultureller und nationaler Beziehung hin. In Deutschland, sagte er, stecken 11 Milliarden Mark in den Eisenbahnen, eine Summe, rote sie fein anderes Reichsinstitut auch nur annähernd oufroeise. Wenn die ErtragSfähigkeit der Eisenbahnen auch nur um 1 Prozent gesteigert werden könnte, würden sich Ne Finanzen des Reiches um jährlich 110 Millionen Mark heben, Preußen, welches in seinem Staatshaushalte ein Defizit von 40 Millionen Mk. verzeichne, würde 65 Mill, mehr aus den Eisenbahnen ziehen können, wenn eS vermöge, den Ertrag um 1 Prozent zu erhöhen. WaS die Eisenbahn in cultureller f Beziehung bedeute, könne man sich vorstellen, wenn sie nur ■ einen einzigen Tag ihren Dienst versage. Trotz der hohen I' culturellen Bedeutung sei der Werth der Eisenbahnen weder oben noch unten jemals richtig erkannt worden, weil das ge- . sammte Eisenbahnleben ohne jede Mitwirkung der Volksvertretung vor sich gehe. Man sollte es kaum für möglich halten, daß in einer der wichtigsten staatlichen Einrichtungen die Volksvertretung ausgeschlossen ist, und nur die Eisenbahnminister in Einführung oder Unterlassung von Verbesserungen, in der Einführung von Tarifen etwas zu sagen hätten und nach Belieben ändern könnten. Hier zeige sich der Mangel an einem Eisenbahnrecht- ein thörichter Eisenbahnminister sei im Stande, durch falsche Tarife eine ganze Industrie lahm zu legen. Die Mehrheit der Nation sei infolge unserer heutigen Personentarife von der Benutzung der Eisenbahn ausgeschloffen - für die Arbeiter, die die Mehrheit der Nation ausmachten, seien die Fahrpreise unerschwinglich- ein Arbeiter müsse z. B., um eine Reise von Gießen nach Frankfurt und zurück auf einer Holzbank zu unternehmen, einen doppelten Tagelohn aufwenden. Im Eisenbahnwesen ständen wir heute gerade noch auf derselben Stufe rote zur Zeit, als ein Brief noch 1 Mk. 90 Pfg., eine Depesche 14 Mk. kostete- damals sei ebenfalls die Mehrheit des Volkes von dem Austausch von Nachrichten ausgeschlossen gewesen, heute könne man für 10 Pfg. um die ganze Welt^ correspondiren, für 50 Pfg. durch ganz Deutschland tcle- ; graphiren, warum sollte eine derartige Verbilligung nicht auch im Personenverkehr möglich sein. Welcher 'Steigerung des Personenverkehrs die Eisenbahn fähig sei, gehe daraus hervor, daß in Deutschland auf den Kopf der Bevölkerung jährlich nur 7 Eisenbahn-Benutzungen kommen, wobei zu bemerken ist, daß ein Achtel des gelammten deutschen Personen-Ver kehrs auf den VorortLoerkehr von Berlin entfällt; dort benützten 50 Mill. Personen die Eisenbahn. Ohne den Vorortsverkehr in Berlin kämen nur 1 bis 2 Eisenbahnbenutz- ungen auf den Kopf der deutschen Bevölkerung. Vom kaufmännischen Standpunkte betrachtet, gebe es keine Unternehmung, welche unter so günstigen Bedingungen arbeiten könne wie die Eisenbahn, denn erstens sei sie bei dem heutigen Culturzustande unentbehrlich, sie arbeite zweitens nur unter Baarzahlung und sei drittens ohne Coneurrenz. Aber es gäbe auch fein faufmännisches Unternehmen, welches so schlecht rentire, wie die Eisenbahn, sie arbeite geradezu mit einer Bankrottrente, so daß die Staatsbürger zuschießen müßten. Die durchschnittliche Rente betrage 472% und dies sei keine Rente für einen unter so günstigen Vorbedingungen arbeitenden kausmännischen Betrieb. Die Frage, wie wird die Eisenbahn ausgenutzt, beantwortete der Vortragende mit der Mittheilung, daß von 100 rollenden Plätzen im Durchschnitt 24 besetzt seien- in der ersten Klaffe gingen von 100 Plätzen 91' leer, die übrigen neun aber würden nur zu einem geringen Theile bezahlt, weil in erster Klaffe meistens diejenigen Leute führen, die Kraft ihres Amtes freie Fahrt hätten. Angesichts dieses geringen Ertrages der ersten Klasse würde der Staat ein gutes Geschäft machen, wenn er jedem, der eine Fahrkarte erster Klaffe verlange, 10 Mark ein» händigte und ihn ersuchte, zweiter Klasse zu sahren. In der zweiten Klasse gingen von 100 Plätzen 20 leer, tn der dritten seien von 100 nur 25 besetzt, in der vierten nur 30. — Dasselbe Mißverhältniß, welches in der Ausnutzung des rollenden Materials bestehe, mache sich auch in den Tarifen geltend - Redner gab davon eine Reihe drastischer Beispiele. Jeder Kaufmann gewähre einem Kunden, der größere Posten Maaren beziehe, Rabatt, die Eisenbahn verfahre umgekehrt- wer z. B. auf eine kurze Entfernung eine Hin- und Rückfahrkarte löse, genieße für die Rückfahrt Ermäßigung, wer aber 1000 und mehr Kilometer in einer geraden Linie nut einmal zurücklege, sei von einem derartigen Rabattgenuß ausgeschlossen. Als weitere Eisenbahn- curiosität führte Herr Dr. Engel an, daß man in Berlin für die Reise nach Blankenburg am Harz und zurück dreierlei Fahrkarten dritter Klaffe haben könne; eine gewöhnliche Rückfahrkarte mit dreitägiger Giltigkeit koste 22 Mk., eine solche mit lOtägiger Giltigkeit 17 Mk. und eine solche mtt 45tägtger Giltigkeit 18 Mk.! — Die Frage, was man mit einer Eisenbahnreform bezwecken wolle, sei dahin zu beantworten: Jeder Mann solle jedes Verkehrsmittel unbeschränkt benutzen können, darum sei die Parole: „Die Eisenbahn für Jedermann", diesem Ziel war die Eisenbahn ursprünglich gewidmet, aber die Bureaukratie sei es, die die Ausnutzung des Dampfes für die Mehrheit der Nation ausschließe. Der Einwand deS Mißbrauches verbilligter Fahrgelegenheit sei hinfällig, Mißbrauch würde mit allen Einrichtungen getrieben, auch die Post würde durch die trivialste Correspondenz mißbraucht, ohne daß eS Jemand einfiele, die billigen Portosätze abzu- schaffen, der Mißbrauch bilde die Ausnahme, nicht die Regel- das jetzige Eisenbahnverfahren diene nicht dem Wohle der Nation, im Gegentheil, es beute die Nothlage des Einzelnen aus. Redner empfiehlt für die Benutzung der Eisenbahnen die Einsührung von drei Zonen, Post- und Telegraphenverkehr hätten den Dreizonentarif schon längst. DaS Vorgehen Ungarns mit dem Zonentarif habe eine coloffale Steigerung des Verkehrs und ein Aufblühen der ungarischen Finanzen im Gefolge gehabt- die Zahl der in Budapest jährlich ankommenden Personen habe sich von P/s Mill, aus 57a Mill, gehoben, Budapest sei in Folge des gesteigerten Verkehrs auf dem Wege, Wien zu überflügeln. Der von den Gegnern deS Zonentarifs befürchtete Verlust in den Einnahmen fei, falls er wirklich eintreten sollte, nicht nationaler Natur, aber die geschäftliche Regsamkeit werde gestärkt, was der Staat einbüße, werde die Nation verdienen, die Eiienbahn solle nicht Selbstzwecken dienen, sondern Gemeingut der Nation sein. An dem Tage, an welchem Deutschland den Zonentarif einführe, wtzrde es den größten Vorsprung des Jahrhunderts gewinnen. Deutschland könne nicht zurück- i bleiben, nachdem sogar demnächst für Rußland Reformen ein» i geführt würden, die daö Verkehrsroesen Deutschlands in den Schatten stellten - die Türkei, Frankreich, Belgien u. s. w. gingen reformatorisch vor, darum müsse auch Deutschland eiw System verlassen, welches die freie Entwicklung des Verkehrs hemme. — An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lange, interessante und antmirte Besprechung sowohl bezüglich des Personen- wie Güterverkehrs; auch wurden lehrreiche Meinungen ausgetauscht über den Einfluß, den die Einführung des Zonentarifs aus das Geschäftsleben kleinerer Städte auSüben würde und dabei die Jntereffcn Gießens eingehend behandelt. ** Ueber die Zweckmäßigkeit der verfchiedevcn innere» Einrichtungen der Personenwagen sind Erhebungen angestellt worden, die zu folgendem Ergebnisse geführt haben: Bei Schnellzügen auf Hauptbahnen mit starkem Wechsel der Reisenden werden vorwiegend Wagen mit besonderen Abheilungen verlangt. Die Nothwendigkeit der Einrichtung von Aborten, welche von jeder Abtheilung zugänglich sein sollen, wird namentlich für die Schnellzüge und für die längere Strecken durchfahrenden Personenzüge als zweckmäßig erachtet. Bei größerem Massenverkehr, sowie für den Naheverkehr der Hauptstädte werden hauptsächlich Abtheilwagen mit Seiten- thüren wegen schnellerem Ein- und Aussteigen bevorzugt. Diese Anschauungen decken sich im Allgemeinen auch mit den Wünschen des Publikums. Sogeitannte Durchgangswagen sind beliebt, namentlich wenn größere Strecken in Frage kommen - der Reisende fühlt sich behaglich, weil er an seinen Platz nicht gefesselt ist. Andere Reisende ziehen aber den Abtheilwagen vor, weil sie besser das Ruhebedürfniß befriedigen können. Von verschiedenen Bahnen wird den letztgenannten Wagen ebenfalls der Vorzug gegeben, weil sich die Ausscheidung der Frauen und Nichtraucher vollständiger durch- | führen läßt und die Uebersicht nach freien Plätzen vom ' Bahnsteige aus leichter ist. Je nach der Verkehrsstärke, dem ; Klima und den Gewohnheiten der Bevölkerung sind die Er- ; fahrungen verschieden. ** Lebensmittel-Preise Ende October 1894. Nach einer i Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- ? statistik kosteten: 1 Ochsenfleisch per Pfund Rindfleisch per Pfund Kalbfleisch per Pfund Schweinefl. per Pfund Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod Roggen- Brod Butter per Pfund Milch 1 Liter (Ster ! 1 Stück i Städte mtt Octroi Darmstadt Main- Offenbach Worms Gießen Städte ohne Octroi Lingen Bensheim Alzey Friedberg Alsfeld Lauterbach 76 72 76 74 78 75 76 68 75 70 70 70 60 66 70 70 70 70 64 70 65 70 76 75 76 76 69 70 70 65 70 70 60 70 70 80 72 71 70 64 65 60 65 66 70 65 60 68 65 60 60 60 65 60 12 12 12 9 10 10 11.5 15 11,5 12,5 12 11 10,5 10 9 9 9 9 9 10 9,5 9 95-109 105-115 116-125 103-114 90-104 101-111 101-106 100-110 110—120 100-110 120 18 18 21 17 18 19 17 17 18 16 16 7-8 5-7 5-9 5-8 7 5-7 7-8 9-10 8—9^ 6-7 6 — Großen Linden, 19. November. In hiesiger Gemeinde : feierte Sonntag, den 18. November der Flurschütz und , Kirchenvorstand Johs. Muhl II. und seine Ehefrau Marie j Katharina, geb. Größer das seltene Fest ihrer goldenen ! Hochzeit im Kreise ihrer Kinder und Enkel. Beide sind j noch rüstig und thätig. Der gestrige Tag gestaltete sich für \ sie zu einem frohbewegten Festtage, den sie voll Dankbarkeit i für die Gnade Gottes begingen. Nach der feierlichen Ein- I fegnung durch den Ortsgeistlichen überreichte ihnen derselbe ! eine prachtvolle Bibel mit entsprechender Widmung und ein i Predigtbuch, das Herr Dekan Wahl von Hausen dem i Jubelpaare mit seinen Segenswünschen übersandt hatte. ! Große Freude erregte aber vor Allem eine Hochzeitsspende '■ Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs und seiner hohen ; Gemahlin im Betrage von zusammen 50 Mk. Möge Beiden ; noch ein freundlicher Lebensabend beschieden sein! nn. Darmstadt, 19. November. Aus Anlaß der am 22. d. M. stattfindenüen Vermählung Ihrer Kaiser!. Hoheit der Prinzessin Alix von Hessen mtt dem Kaiser Nicolaus II. von Rußland sendet der „Aliccverein für Frauenbildung und Erwerb" eine ganz in der vom Verein geführten „Aliceschule" fertiggestellte prachtvolle Truhe als Hochzeitsgeschenk nach Petersburg, welche für die Kaiserliche Braut bestimmt ist. Begleitet ist das Geschenk von einer von dem Hoskalligraphen Göttmann ausgesührten Adresse, welche folgenden Wortlaut hat. „Durchlauchtigste Großfürstin! Gnädigste Prinzessin! Ero. Kaiser!. Hoheit wollen den gehorsamst Unterschriebenen allergnädigst gestatten, eine kleine Erinnerungsgabe an das Heimathland und an eine der segensreichsten Stiftungen der hochseligen, geliebten und J unvergeßlichen Großherzogin in Ihre Hände zu legen. \ Möchten Ero. Kats. Hoheit die kleine Truhe, die ganz in der i Aliceschule gearbeitet ist, nachsichtig unb huldvoll anzunehmen s geruhen und in derselben ein Zeichen der Treue und Verehrung erkennen, mit welcher wir Sie in die neue Heimath und zu der großen und schönen Lebensaufgabe begleiten, welche Ihnen die Liebe bietet und die Sie, gnädigste Großfürstin, beglückend und beglückt in gleicher Liebe erwählt haben. Unsere aufrichtigen und wärmsten Segenswünsche folgen Ihnen. In tiefster Ehrerbietung Ew. Kaiserl. Hoheit gehorsamst ergebenen: Die Vorstands-Damen." A Mainz, 19. November. Die Deutsche Viehver- sicherungsgesellschaft, welche am Samstag hier eine Generalversammlung mit ffehr turbulentem Verlauf abhielt, hat neben dem, daß ihr von der Verwaltungsbehörde die Concession für Hessen entzogen wurde, bereits die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft auf sich gelenkt und sind von der letzteren schon eine große Anzahl Personen vernommen worden, die sämmtlich durch die Gesellschaft mehr oder min- 1 der bedeutend geschädigt worden sind. Ein Agent der Gesellschaft, der Buchhalter Keller, der — angeblich ohne Wissen der Verwaltung — viele kleinere Leute durch Vorspiegelung falscher Thatsache geschädigt hat, ist von dem Schöffengericht in Wöllstein bereits zu 10 Tagen Gefängniß vcrurtheilt worden und dauert die Untersuchung nach dieser Richtung noch fort. Höchst wahrscheinlich wird sich die Gesellschaft auflösen müssen- vorerst wird sie aber wohl ihren geschäftsführenden Direktor entlassen. △ Mainz, 13. November. Für den Neubau des am Anfang dieses Jahres abgebrannten „Casinos zum Gutenberg" wurde heute Vormittag das Urtheil des Preisgerichts über die eingclaufenen Entwürfe verkündet. Erster Sieger ist der bekannte Architekt Hildebrand in Charlottenburg, der den ausgesetzten Höchstpreis von Mk. 2000 empfängt. Nächst ihm stehen die Herren*Anton Adams-Köln (zweiter Preis: Mk. 1500) und Karl B ollmann-Bremen (Mk. 1000). Im Ganzen waren 102 Entwürfe eingelaufen. △ Aus Rheinhessen, 19. November. Um verschiedenen »nlaureren Manipulationen, die bei dem Fruchthandel auf dem Lande durch unreelle Zwischenhändler und Agenten zum Nachtheil kleiner Landwirthe mit Verwechseln von Mustern u. d. gl. vielfach getrieben werden, einen Riegel vorzuschieben, haben die angesehenen Fruchfhändler vom Lande eine Vereinigung gebildet, welche solidarisch in den einzelnen Fällen gegen die Urheber in geeigneter Weise vorgehen wird. Man hofft hierbei die Unterstützung der landwirthschaftlichen Ver- eine zu bekommen. * Frankfurt a. M., 19. November. Die im In- und AuSlandedurch ihre vorzüglichen landwirthschaftlichen Maschinen rühmlichst bekannte Firma PH. Mayfarth und Co., Frankfurt a. Main, Berlin und Wien, har in den letzten zwei Monaten wiederum drei hervorragende Anerkennungen für Verdienste auf landwirthschastlichem Gebiete errungen. Nämlich: Die goldene Medaille auf der Internationalen Ausstellung zu Dresden im September d. I.; die goldene M e daille und den Staatspreis, gegeben vom preußischen Laudwirthschaftsminister, auf der Ausstellung zu Frankfurt a. Main im October d. I. für ObstverwerthungSmaschinen- die große goldene Medaille auf der Internationalen Ausstellung zu St. Petersburg im October d. I. für Acker-, Wein- und Obstbau- Maschinen. * Wiesbaden, 19. Novemaer. In vergangener Nacht feuerte ein Obdachloser vor seiner Festnahme fünf scharfe Schüsse auf die Schutzmanns-Patrouille, aber er traf nur die Kleider der Schutzleute. Der Attentäter ist ein oft bestrafter Maurer aus Laubenheim. ♦ Kaßel, 19. November. Der Geheime Commerzienrath Henschel, der Inhaber der bekannten Locomotivenfabrik, ist, 57 Jahre alt, gestorben. * Mayen, 19 November. Der Anstreicher Schaaf band gestern Abend seine beiden Kinder zusammen, übergoß sie mit Petroleum und zündete sie an- die beiden verbrannten vollständig. Schaaf wurde verhaftet. Er ist vermuthlich geistesgestört. • Zittau, 19. November. In dem Nachbarorte Frieders darf wurde heute früh die Zwirnerei von Rosenkranz ringe äschert. Die BesttzerSsrau, die 17jährige Tochter und eine 81jährige Anverwandte verbrannten. * Ueder die afrikanischen Diamautmineu wird der „New Yorker Handelsztg." geschrieben: Der gesammie südafrikanische Diamantendistrict ist mit einer hohen Steinmauer eingefriedigt, welche Niemand übersteigen darf, ehe er nicht aufs Allersorgfältigste visitirr worden ist. Innerhalb des SteinwalleS befinden sich 10,000 Neger, welche für eine Zeitperiode von 6 Monaten zur Minenarbeit engagiit worden sind. Ihre Hauptnahrung besteht aus Maismehl, während ihr Lohn 50 bis 60 Cents pro Tag beträgt. Dieselben kommen 500 bis 1000 Mellen weit aus dem Innern und werden von ihren Häuptlingen bei Todesstrafe zu den Diamantgruben commandirt. Dec Minen-Agent zahlt dem Häuptling ein hübsches Kopfgeld und den armen Negern bleibt keine Wahl als Gehorchen. Befindet sich der Aermste innerhalb dieser Riesenfestung, so ist ihm jede Möglichkeit des Entkommens abgesckmitten, er gräbt darauf los, bis die 6 Monate abgelaufen sind. Dann wird er abgelohnt und die ganze StammeSgenossenschaft marschirt in geschlossener Colonne durch die Wüste heimwärts. Sehr selten sieht man einen Schwarzen zum zweiten Male im Mtnen-District. Und zwar aus guten Gründen. Mit dem verdienten Lohne kann er sich nun verschiedene Frauen kaufen, mauMnal vier Stück. Ein Neger, der vier Frauen sein eigen nennt, braucht bis zu seinem Lebensende nicht mehr zu arbeiten. Er ist dann ein „Gentlemckn", seine Weiber müssen die Arbeit verrichten, während er zu den „Prominenten" seines Stammes zählt. Ueber die inneren Vorgänge in den Minen dringt nur wenig an die Oeffentlichkeit. Jeder Zugang wird aufs Sorgfältigste durch Deteclives bewacht, während ein Fremder, der sich in der Umgebung zu schaffen macht, Gefahr läuft, unter der Anklage, gestohlene Diamanten gekauft zu haben, mit Ge- fängniß von 5 bis zu 15 Jahren bestraft zu werden. Vor einigen Jahren war der Handel mit gestohlenen Diamanten dermaßen im Schwünge, daß die Eigenlhümer der Minen wahrhaft diakonische Gesetze gegen die Defraudanten von der Legislatur zu erwirken wußten. Alle Ucbertreter wurden unter Ausschluß der Geschworenen von drei Richtern ab- geurtheilt. Gegen die auf langjährige Gefängnißstrafen lautenden Urtheile gab es keine Appellation. Das Gesetz wirkte geradezu Wunder. Die Richter waren unerbittlich, es sollen sich jetzt mindestens tausend dieser Gesetzesübertreter in der Strafanstalt in Capstadt befinden, wo sie an Uferarbeiten beschäftigt werden. Unter den Ver- urtheilten sollen sich viele vermögende Leute befinden- an eine Begnadigung ist jedoch voierst nicht zu denken, da der Diamanten-Trust zur Zeit in Südafrika allmächtig ist. Jung im Alter, d. h. jugendsrisches Aussehen auch noch in den reiferen Jahren zu haben, erreicht man dadurch, baß man die Haut pflegt, sie zart und geschmeidig erhält, namentlich aber, daß man die Anwendung schlechter, soda- scharser Seifen vermeidet. Wer das Antlitz immer hübsch, die Haut zart und frisch erhalten will, verwende für feine Toilette keine andere Seife als die unübertreffliche Doerings Seife mit der Eule, die sowohl parfümirt als auch unparfümtrt ä 40 Pfg. zu haben ist. 6223 Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. M Seidenstoffe $ direkt aus der Fabrik von von Elten & Keussen, Crefeld, in jednn Maab zu beziehen. Schwarze, farbige u. roeifoc Seidenstoffe. Lammte. Plüsche und Belvet». Man verlange Muster mit Angabe des Gewünschten. — Petroleum in Concurren, mit elektrischem lSaS» glühlicht. Es ist bemcrkenswerth, welche Wandlungen die verschiedenen Beleuchtungsarten durchmachen in dem Bestreben, dm Menschen besseres Licht zu schaffen. Vom Ktenfpahn zur Kerze — hier fing so etgmtlich der DrrbcsserungS - Elfer an — von der Kerze zur Oellampe, zum Petroleum, zum Gas, zum electrischen Licht, zum Gasglühlicht, jede einzelne Stufe zeigt unS so recht daS Bestreben, unserem erhabensten Vorbild alles LichteS, der Sonne näher zu kommen. Heule liegt unS ein Prosp.'ct nebst IlntersuchungS- ergebnissen des Chemikers vr. Scholz vor über ein in allen Staaten paienttrtes Präparat von der Fi>ma Schewe u. Co. in Köln, genannt „Petrolith". Dieses chemische Präparat dürfte bald seinen Weg über die ganze Erde nehmen, der» die Wirkungen desselben in d>r Petroleumlampe sind so mannigfach, daß jede Hausfrau, jeder, der aus naheliegenden Gründen bei bet Petroleumlampe arbeiten muß, sich gerne dieses Präparat kaufen und verwenden wird. Laut eingehendster Untersuchung des genannten Chemikers werden durch Zusatz von „Pctroltth" bis zu 25 pCt. Petroleum erspart, die Lampe kann nicht mehr schwitzen und man erhält je nach der Construction der Lampe und je nach Qualität des zu verwendenden Petroleums bis zu 25 pCt. höbere Leuchtkraft. Diese drei Vortheile sind so wesentlicv, daß Petrolith in der Thal geeiqnet ist, unsere alte Petroleumlampe wieder zu Ehren zu bringen. Dann ist festgestellt, daß die Explosionsgefahr durch Zusatz von Petrolilh ganz aufgehoben wird. Nebenbei brennt die Lampe gleichmäßig ad, braucht nicht mehr so oft geputzt und beschnitten zu werden; denn das Ruhen, Blaken wird von Petrolith verhindert und der üble Geruch des Petroleums fällt in hohem Maße fort. Es ist interessant, wie Dr. Scholz in seinen Ausführungen nachwcist, daß Schwitzen, Rußen, Blaken ?c. der Petroleumlampen auf eine und dtefelbe Ursache zurückzuführen ist und auch mit einem Schlags beseitigt wird. Petrolith ist nebenbei sehr billig; der Preis dafür wird durch di; enorme Petroleum» ersparniß schon in den ersten Tagen ausgeglichen. Bei Verwendung von Petrolith kann die Hausfrau im Winter alfo noch ein hübfches Sümmchen erübrigen, weil die Ausgabe für Petroleum sich verringert. Petroltty wird abgegeben in Schachteln ü 80 Pfg. Der vierte Theil, a so für 20 Pfg. Petrolith genügt für eine gewöhnliche Lampe volle 4 Wochen, d. h. es wird der vierte Theil der Schachtel in die Lampe geworfen und kann dann 4 Wochen lang nachgkgosfen werden, bis sich Pctrolith ganz aufgelöst hat und verbraucht ist. Man kann daher auch von dieser Stelle aus den Artikel warm empfehlen. 9323 — 50 000 ka«fmL«nische Stellen besetzt. Eine Jubiläumsfeier von großer Bedeutung, wie sie bisher noch niemals stattgefunden hat, konnte dieser Tage der „Verein für Handlungs-Commis von 1858" in Hamburg begehen. Durch feine Vermittelung wurde am 14. November die 50 OOOfte kaufmäimifche Stelle besetzt, nachdem der Verein am 22. August d. I. die Besetzung der 49 OOOsten Stelle zu verzeichnen hatte. Hervorzuheben ist hierbei, daß die Vermittelung des Hamburger kauimunnischen Vereins, obgleich ihm durch sein ausgedehntes Auskunftswesen ganz bedeutende Stoffen entstehen, sowohl für stellesuchende Mitglieder, als auch für jnnge Leute suchende Firmen völlig kostenfrei ist. Nur solche Bewerber werden in Vorschlag gebracht, über die der Verein durch seine direclen Auskünfte gute Empfehlungen besitzt. Der Erfolg deS Hamburgs Vereins ist ein um so bedeutenderer, als erst am 22. Juli 1889 die 30 OOOfte Stelle durch ihn zur Besetzung gelangte. In etwa 5 Jahren sind durch den „Verein für Handlungs-Commis von 1858" in Hamburg mithin über 20 000 Stellen besetzt worden. Seine Mitgliederzahl stieg in der gleichen Zdf von 25 000 auf übec 46 000. Hierunter befinden sich mehr als 5600 etablirte Kaufleute. Der Verein, welcher am 25. Juli 1858 von 70 jungen Handlungsgehülfen gegründet worden ist, um die ftellesuchenden Eollegen vor der Ausbeutung durch die gewerbsmäßigen Stellenoermittler zu schützen, erfüllt mit- ■ hin seine Aufgabe in kaum jemals geahnter vorzüglicher Weife. 8877] Kleine Wohnung p sos. ob. später ! zu vermiefhen. Seltersweg 35. 8921 Schöne Manfarbenwohnung mit Wasserleitung an ruhige Leute zu t>cr= rniethecht Näheres Alicestraße 13, Hl. 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November, Nachmittags 2 Uhr, in Großen-Buseck statt. 9499 Rechnungen, Factwren, Quittungen, Briefköpfe Wechselform ulare etc. in Schwarz- und Buntdruck werden rasch und zu mässigen Preisen angefertigt in der Brühl’sch en Druckerei Schulstrasse 7. Sohn Weihnachts-Ausstellung! a ss- Neu! S b-5) Buchhalter u. Correspontzknt « SOOOOfte 4% Worms unk. b. 1901 1887 i. Bl. erbeten. d. 31/2°/o Frankfurter Hyp. Bk. 3l/,°/o 9489 Darmst. Bk.-Actien 318.50 f. Handlungö-CommiS in und außer dem Hause. v. 1858 pfehlen 8582 9496 Schulstraße 4. 2 %t. Eine Iran “’Ä“. iehtt sich im Kleidermachen. ® str. 64, Mans. W L. Treff &. Cie 95041 ktzrautfurterstr 103.85 94.5 102.90 103.40 103.80 4i/5°/o Oesterr. Silberrente 4 % Ung. Gold-Rente 3j% Portugiesen 6’/0 Mexicaner 4°/o Monopol-Griechen von 3V»°/o DeutscheReichsanl. 3% Preuß. Consols 31/2°/o Gr. Hessische Obl. 4% Stadt Darmstadt v. 1891. (Sigaii eine Abendeourfer 149.— | Oesterr. Credit-Actien Poröswasserdichte Peppen: Heßelle «. 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Tro j aller ärztlichen und häuslichen Mittel siechte das Kind von Tag zu Tag mehr hin. Auf Anrathen suchte ich Hilfe und wandte mich brieflich sofort an Herrn Br. med. Bolbeding, homöopathischer Arzt in Düsseldorf, «SnigSallee 6, welcher meinen Sohn in kurzer Zeit (ca- 8 Wochen) wieder gesund herstellte, wofür ich Herrn Dr. Volbeding hierdurch meinen öffentlichen Dank ausspreche und zugleich andern Leidenden bestens empfehle. Adalbert Herzog u. Fran. Rengerddorf bei Glatz in Schlesien, den 1. April 1894. 7054 Wunder-Cigarren-Spitzo Der Rauch zaudert reizende Bilder im RSbrchen hervor. Amüsant für jeden Raucher. Ecbt Weichsel mitecbtBernstein M. 4,215, desal.CiaarettenspitzeM.l.lt). Bon 2 Stück an frankirte Zusendung überallhin: von VrDtzo.an20"/vRab. Brieim. in Zahlung. Zu beziehen von Hermann Hurwitz & Co., Berlin C., Klosterstrasse 49. Ich ersuche Sie, mir gegen Nachnahme p Sliick Lunder - Cigarrenipitzen gleich jener, die Sie mir unlängst sandten, einzuscnden. A. C. 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