N6 221 Freitag den 21. September 1894 Der Hir^ver Anzeiger «scheint täglich, Wit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AamirtenvcLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt. Gießener Anzeiger Kenerak-Mzeiger. vierteljähriger MonncmentsprrU: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogerr 2 Mark 50 Psg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Kr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den L!veis Gieren. chratisßeikage: Hießener Jamirienökätter. erhöhtem Interesse entgegensetzen. Wahlgänge ohne endgiltigeS Ergebnih blieben. Marburg, 19. September. Professor Dr. Paasche, dem soeben der Titel Geh. Regierungsrath verliehen worden ist, beabsichtigt die akademische Lehrtätigkeit ganz auszugeben und sich nur der parlamentarischen Arbeit zu widmen. Prosts,°r Paolch- vertritt Reichstage den Wahlkreis Meiningen, im Abgeordnetenhause den Wahlkreis Rinteln und gehört zu den tüchtigsten jüngeren Kräften der nationalliberalen Partei, namentlich in wirtschaftlichen Deutsches Reich. Berlin, 19. September. Kaiser Wilhelm ist nach Beendigung der eigentlichen Kaisermanöver der Flotte mit dem gesammten Manövergeschwader an der Halbinsel Hcla (Danziger Bucht) eingetroffen. Die Flottenmanöver sind, wie man vernimmt, ebenso zur besonderen Zufriedenheit des ' Monarchen verlaufen, wie vorher schon die großen Manöver des 1. und 17. Armeecorps. Am 22. September wird der Kaiser den Festungsübungen bet Thorn beiwohnen. — Das 2 5 jährlge Jubiläum des Königs Albert als Chef des Ostpreußtschen Dragoner- Regiments Nr. 10 hat erneut die Innigkeit der persönlichen Beziehungen zwischen Kaiser Wilhelm und dem sächsischen Herrscher dargethan und zugleich abermals die besonders hohe Werthschätzung König Alberts Seitens des Kaisers erkennen laffen. Derselbe beglückwünschte den sächsischen Monarchen in einem ungemein herzlich gehaltenen Telegramm zu besten jüngsten militärischen Ehrentag, den König als den tapferen Paladin Kaiser Wilhelms L, als den berühmten Heerführer aus Deutschlands großer Zeit und als seinen, des jetzigen Kaisers, treuesten Freund und Berather feiernd. Ferner theilte der Kaiser dem König Albert durch Handschreiben mit, daß dem 10. Ostpreußischen Dragoner-Regiment der Name „Dragoner-Regiment König Albert von Sachsen Nr. 10" verliehen worden sei. Außerdem ist dem König durch General- lieurenant v. Pleffen im Auftrage des Kaisers dos Militär- dienstauszeichnungskreuz überbracht worden. — Ueber die soeben in Elsaß-Lothringen stattgefundenen Neuwahlen zu den Bezirkstagen, sozu- sagen den Provinzialvertretuugen der Reichslande, liegen noch keine abschließenden Meldungen vor. Indessen scheinen fast überall die bisherigen Bertreter wiedergewählt worden zu Alle Annoucen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Der Krieg in Qstasien. Mit dem blutigen Sieg, welchen die japanische Armee am 15. und 16. September über die Chinesen bei dem viel- genannten Ping-Yang im nördlichen Korea davongetragen hat, scheint auf dem ostasiatischen Krtegsschauplatze endlich doch eine erstmalige entichetdende Wendung zu Gunsten der japanischen Waffen eingetreten zu sein. Zur See hatten die Japaner allerdings gleich von Anbeginn lhres Krieges gegen China das Uebergewicht errungen und behauptet und einige kleinere Unfälle, welche die japanische Flotte trafen, vermochten an der maritimen Ueberlegenheit Japans nichts zu ändern. Dagegen schwankte zu Lande, eben auf der zwischen beiden Theileu strittigen Halbinsel Korea, das KrtegSglück bislang hin und her, die militärische Oberleitung der Ja- parier schien nach dem für dieselben ersten siegreichen Gefechte von Assan in ihren Entschlüsten schwankend und zögernd geworden zu sein. Aber jedenfalls ist diese Unschlüssigkeit nur vorübergehender Naiur gewesen, denn der ersolgreiche con- centrirre Angriff der japanischen Armee auf die Centralstellung der Chinesen in Ping Yang entsprang offenbar einem wohldurchdachten strategischen Plane, den man wohl dem neuen japanischen Oberbefehlshaber, dem Marschall Yama- gata, zuschreiben darf. Nach neueren übereinstimmenden Meldungen aus verschiedenen Quellen ist die Landmacht der Chinesen aus Korea durch die Schlacht von Ping Yang ziemlich vernichtet worden und können die Japaner nunmehr als die Herren der militärischen Situation aus dieser großen Halbinsel betrachtet werden. Denn die ungeheueren Schwierigkeiten, welche einem bedeutenden Truppennochschub aus dem Inneren Chinas nach Korea in Bezug auf Transport und Verpflegung enlgegen- stehen, lasten die Entsendung einer zweiten chinesischen Armee nach Korea für jetzt wenigstens fast als unmöglich erscheinen, zumal sich auch der harre Winter im nördlichen Korea all- mählig geltend machen dürfte. Um jedoch in dieser Hinsicht auf alle Fälle sicher zu gehen, iandte der Oberbefehlshaber der Japaner, Marschall Yamagata, eine fliegende Colonne nach den Pässen an der koreanisch-chinesischen Grenze ab, um dieselben zu besetzen und hierdurch die Chinesen an einem nochmaligen Eindringen in Korea zu verhindern. Nach neueren Meldungen beläuft sich der Gefammtverlust der Chinesen der der Affaire auf 17000 Mann von einer ca. 20000 Mann starken Streitmacht, gefangen sind 14500 Mann, darunter säst der gesummte chinesische Generalstab. In ganz Japan hat die Nachricht von dem großen Siege bei Ping Yang den größten Enthusiasmus erregt, während sie anderseits in China ebenso selbstverständlich theils Bestürzung, theils aber auch surchrbare Erregung hervorgerufen Hai. Infolge dieser theil- weise erregten Stimmung sind schwere Ausschreitungen des fanatischen chinesischen Pöbels gegen die in China lebenden Europäer nicht ausgeschlossen, worauf auch Berichte z. B. aus Shanghai hindeuten. sein, sodaß die drei Bezirkstage im Allgemeinen dieselbe Phhsioanomte auswrisen würden, wie schon bislang. Be- merkenswerth erscheint, daß die in Mülhausen, Saargemund, Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Mit der Waffenentscheidung von Ping Yang dürsten die Landoperationen auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatz im hier ihren Gegner zu einer entscheidenden Schlacht zu zwingen, deren Ausgang zu Gunsten der Japaner in Anbetracht der hohen Ueberlegenheit der japanischen Flotte über die chinesische ebenfalls nicht zu bezweifeln wäre. Erst dann könnte aber die japanische Heeresleitung ihre eigentliche Absicht, Truppen an der chinesischen Küste zu landen, und hierauf einen kräftigen Vorstoß gegen die feindliche Hauptstadt Peking zu unternehmen, ausführen. Indessen ist aber auch die Möglichkeit nicht ausgeschlosten, daß zuvor England und Rußland mir neuen Friedensvermittlungsvorschlägen an die kriegführenden Mächte herantreten- jedenfalls kann man jetzt der weiteren Entwickelung der Dinge in Ostasien wieder mit Fragen.________________ __ __________________.. Neueste Nachrichten» Wolff« telegraphisches Korrespondenz-Bureau Berlin, 19. September. Der „Reichsanzeiger schreibt. Durch Erlaß des Reichskanzlers vom l0. September ist daS Patentamt allgemein ermächtigt, auf Ersuchen der Gerichte und Staatsanwalkschaf'en über Fragen, die den Schutz der Gebrauchsmuster betreffen, Gutachten abzugeben, sofern im gerichtlichen Verfahren von einander abweichende Gutachten mehrerer Sachverständiger vorliegen. Berlin, 19. September. Das Kaiserliche Gesundheitsamt gibt bekannt, daß in Ostpreußen, dem Weichselgebiet und Netze-Warthegebiet vom 11. bis 17. September 28 Choleraerkrankungen und 9 Todesfälle vorgekommen sind - ferner im Elbegebiet 1/0, in Hessen-Nassau 1/0, im Rheingebiet 2/2, in Schlesien vom 8. bis 14. September 54/23. Kiel, 19. September. Die Auflösung der Herbst- Übungs-Flotte findet am 21. September start. Die Schiffe der Nordsee-Station gehen dann direct nach Wilhelmshaven, die übrigen nach Kiel. Prinz Heinrich wird am Samstag zum Besuche der Königin nach England abreisen. Swinemünde, 19. September. Der Kaiser trifft am Freitag Abend im hiesigen Hafen ein und reist mittelst Hof- ruges nach Thorn weiter. Breslau, 19. September. Der „Schlesischen Zeitung zufolge hat auf der Steinkohlengrube Rothenbach, Kreis Landeshut, in der Nähe von Waldenburg gestern ein Aus- stand begonnen, der heute 900 Mann umfaßt. Hamburg, 19. September. Die vom Senat beantragte I Gewährung einer staatlichen Bethülfe an die Elementarschulen'der katholischen Gemeinde wurde von der I Bürgerschaft mit großer Majorität abgelehnt. Chateauduu, 19. September. Casimir-Perier ist heute Nachmittag 3'/, Uhr hier eingetroffen und wurde von der Generalität und den Mitgliedern des Municipalrathes empfangen. Von der Bevölkerung wurden ihm lebhafte * Ovationen zu Tbeil. Feuilleton. Aennchen will ins Kloster. Von Gsza Gärdonyi. (Autortstrte Uebersetzung.) (Fortsetzung.) Wieder kam er mit derselben lächelnden Miene. Er kann nichts — als lächeln. Sein Schnurrbart sieht aus, als ob er sich zwei kleine schwarze Pinsel unter die Nase geklebt hätte. Er bat mich, eine Rose von ihm anzunehmen, sie stamme aus seinem Garten. Ich gab der Lockung nach. Er möge sich aber nur nichts einbilden. Ich werde ihn schon zur rechten Zeit, im Vollgefühl seines Triumphes, vernichten. Ich nahm seine Rose an und steckte sie ins Haar. „O, wie schön Sie sind!" rief er begeistert, „Sie find schöner als eine Fee!" Ich fühlte, wie mir das Blut ins Gesicht schoß. Im Geheimen war wir auch schon der Gedanke gekommen, daß ich schön sei, aber nie war eS mir noch eingefallen, ich könnte so schön fein wie eine Fee. Dann redete Herr Balogh noch manche Sonderbarkeiten zusammen. Er fragte mich, welches meine LieblingSsarbe sei, ob ich gern tanze, welchen Dichter ich am liebsten hätte, ob ich schon im Theater gewesen sei und ob ich unter den Bäckereien der Mandeltorte oder den „Busserln" den Vorzug gäbe Auf all diese Fragen theilte ich ihm meine Ansichten mit ernster und strenger Gemessenheit mit: Meine Lieblmgs- farbe sei blau, mitunter gefiele mir aber auch die rosa Farbe- daß ich nur dann tanze, wenn ich dazu Gelegenheit hätte- daß ich unter Dichtern Gellert den Vorzug gebe- im Theater sei ich wohl noch nie gewesen, daß ich aber beabsichtige, dasselbe zu besuchen, wenn ein moralisches Stück gegeben werde- und was das Backwerk beträfe, so würdige ich sowohl die Mandeltorte, als auch die Busserln. Daraufhin ergriff Herr Balogh meine Hand und sprach: „Aennchen, Sie sind das liebenswürdigste Mädchen auf Gottes Erdboden." Und bevor ich es verhindern konnte, hatte er einen heißen Kuß auf meine Hand gedrückt. Ich stellte ein Lavoir mit kaltem Wasser neben das Bett und tauchte die Hand in das Wasser. Aber der Kuß blieb haften- er brannte mir auf der Hand. Mein Blut war in einer seltsamen Bewegung. Manchmal erhob ich mich auS dem Bette, nahm die Kerze in die Hand und stellte mich vor den Spiegel. Die Rose paßte mir wirklich gut zum Haar, und ich war schön. Ich betete inbrünstig zu Gott, daß er mich von diesem eitlen Gedanken befreie und mich 'von Cherubinen und Engeln träumen lasse. Gott erhörte mein Flehen nicht- ich sah die ganze Nacht Herrn Balogh lächeln. * e * — 16. Juni. Heute entschied ich mich. Ich faßte den Entschluß, mit Herrn Balogh ernstlich zu sprechen- ich wollte ihm sagen, daß er'sich keine Hoffnungen machen möge, daß ich mich von meinen heiligen Absichten niemals werde abbringen lassen. Er kam auch richtig und hatte eine malerisch schöne Halsbinde umgebunben. Sein Schnurrbart war steif gewichst. Er verneigte sich und sagte: „Gestatten Sie, Aennchen, daß ich Sie als meine Königin betrachte." Auf diesen Wunsch war ich nicht vorbereitet. Vergeblich hatte ich mir vorgenommen, daß ich heute klug fein werde - ich wußte ihm nicht zu antworten. Wir beide waren allein im Garten. Ich faß auf einem Sessel. Er stand. Ein leichter Lufthauch führte unS den Duft der Reseden zu, gegen welche ein schwarzgelber Schmetterling hinsegelte. _ „Fangen Sie ihn!" rief ich, um meiner Verwirrung zu entrinnen, und lief dem Schmetterling nach. Herr Balogh riß den Hut herunter. Der Schmetterling flog uns davon. Wir liefen und liefen. Aus einmal war der Schmetterling verschwunden und wir standen am Waldesrande mit weit geöffneten Augen und starrten unS gegenseitig in die geröteten Gesichte^ — 20. Juni. Ich muß gestehen, dieser Herr Balogh ist ein lieber Mensch. Heute hielt er mir zwei Strähne Baumwolle zum Abwickeln- den letzten Faden hatte er schelmischer Weise an seinen kleinen Finger gebunden und wollte sich von mir auch aufwickeln lassen. Dann schrieb er einen Vers an mich. Der gute Gott mag wissen, auf welche Weise es Herrn Balogh gelang, fein Gedicht in meinen Arbeitökorb hinein* zufchmuggeln. Ich fand es drinnen. Es ist eine schöne und interessante Poesie. Ich copirte auch die Verse sogleich und sandte sie an Schwester Theresia, die ich jedoch bat, die Sache geheim zu halten. (Schluß folgt.) Petersburg. 19. September. Die „Handels- nnd Industrie-Zeitung" kündigt eine baldige und gründliche Reform der Etsenbahntarife für ausländische Güter beim Transport von russischen Häfen und den Zollämtern an der Landesgrenze ins Innere an. Als Grundlage hierfür soll der seit dem 1. October 1893 in Kraft befindliche Generaltarif der ersten und zweiten Eisenbahngruppe dienen. Rewyork, 19. September. Eine von der republikanischen Staats.Convention des Staates New- Aork gefaßte Resolution fordert alle Diejenigen, welche das Aufhören der Tarifagitation wünschen und an eine Wiederherstellung des republikanischen Schutzsystems glauben, auf, in jedem Districte republikanische Candidaten für das Repräsentantenhaus zu wählen- die Resolution tadelt ferner die Unionsregierung, weil sie eine jährliche Einnahme von acht Millionen Dollars aus den Wollzöllen pretsgegeben und dafür eine zehnmal größere Last durch die Besteuerung des Zuckers auferlegt habe und schließlich spricht sich die Convention für ein internationales Abkommen aus, damit sowohl Gold als Silber als Umlaufsmittel gebraucht werden. Depeschen de« Bure« »Herold*. Berlin, 19. September. ReichSrath Lueger aus Wien befindet sich als Gast des Deutschen Antisemitenbundes hier und spricht am Donnerstag in einer Versammlung. Berlin, 19. September. Die „Berl. N. Nachr." bleiben bet ihrer Behauptung, daß sämmtliche Soldaten mit dem Namen Kowalski im 17. Armeecorps verhaftet worden sind. Berlin, 19. September. Die „Kreuzzeitung" äußert anläßlich der Verlobung Wißmanns, daß die Ueberzeugung nunmehr immer mehr Raum gewinne, Wißmann kehre nicht nach Afrika zurück und werde seine Stellung als kaiserlicher Commiffar für Ostafrika in naheliegender Zeit aufgeben. Berlin, 19. September. Entgegen anderweitiger Meldung erfahren die „Berl. N. Nachr.", daß die Aufhebung des Verbots der Beleihung russischer Werthe außer Frage stehe. Berlin, 19. September. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Reihe von Ordensverleihungen an russische Beamte. Berlin, 19. September. Die „Post" meldet aus Straßburg: Die neulich aus Wilna mitgetheilte Nachricht russischer Blätter, daß der Czar der Fürstin Hohenlohe, Gemahlin des kaiserlichen Statthalters von Elsaß- Lothringen, gestattet habe, das Gut Werkt bei Wilna als Eigenthum für sich und ihre Erben zu behalten, ist vollständig unbegründet. Kaffel, 19. September. Der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke beschloß in seiner Jahresversammlung ein weiteres Vorgehen zu Gunsten deö Trunksuchtsgesetzes und schloß sich einer Resolution des Justizraths Hennecke aus Soest an, welche das Verbot oder die erhebliche Einschränkung des Branntwein- Verkaufs von SamStag Nachmittag bis Montag früh für wünfchenswerth erklärte. Dr. Möller aus Brackwede forderte die Bestimmung eines Höchstgehaltes an Alkohol und Fuselöl tm Branntwein und die wtffenschaftliche Untersuchung der Biere auf Alkohol und schädliche Beimengungen. Der Sitzung ging eine stark besuchte Volksversammlung voraus. Stuttgart, 19. September. Die hiesigen Küfer- gesellen haben gestern Abend beschloffen, in den Aus- stand einzutreten, nachdem eine Einigung mit den Meistern betreffs der Bezahlung der Ueberstunden an Wochentagen nicht zu erzielen gewesen' war. Die Gesellen verlangen. 35 Psg. pro Ueberstunde. Budapest, 19. September. Zwischen mehreren tausend Arbeitern, welche auf dem Westbahnhofe zur Begrüßung des aus Temesvar ankommenden Arbeiterführers Gtbon versammelt waren, und der Polizei kam es zu einem heftigen Zusammenstöße. Zahlreiche Arbeiter wurden verhaftet. Budapest, 19. September. An der galizischen Grenze im Comitat Maramaros wurde die Cholera eingeschleppt. Die Seuche grasfirt dort heftig unter den beim Bahnbau beschäftigten Arbeitern. Die Regierung trifft Maßregeln zur Verhinderung der Weiterverbreitung. Rom, 19. September. Vom Vatican ist an alle Bischöfe Italiens der Befehl ergangen, in ihren Sprengeln die Gründung katholischer Bauernvereine mit allen Mitteln und Kräften zu fördern, um dadurch eine spätere Wahlaction vorzubereiten. Triest, 19. September. Aus Florenz wird gemeldet, daß zwei Edelleute, Namens di Guelfi, welche von den Welfen abzustammen behaupten, beim Deutschen Kaiser wegen der Herausgabe des Welfenfonds vorstellig geworden seien. Brüffel, 19. September. König Leopold mißbilligt die Absicht des Herzogs von Orleans, sich in Brüssel niederzulaffen, und ist entschloffen, Kundgebungen irgend welcher Art nicht zu dulden und auf kurze Dauer deö Aufenthalts hinzuwirken. Loudon, 19. September. Meldungen aus Shanghai zufolge herrscht dort in allen Kreisen furchtbare Aufregung, weil allgemein die Annahme Glauben findet, daß trotz der telegraphischen Nachricht von einem Siege der Chinesen und trotzdem die Japaner bei dem Seegefecht in der Minderheit waren, die letzteren den Steg davongetragen haben. Shaughai, 19. September. Nach weiteren Meldungen haben in der Seeschlacht auch die Chinesen vier Schiffe verloren, so daß sich die Verluste ungefähr gleichstehen. Die Schlacht dauerte sechs Stunden. Auf beiden Seiten gab es mehrere tausend Tobte und Verwundete. Cecales Anö KesvrnzieUes Gießen, den 20. September 1894. * * Buchner-Feier. Vom Comitv der Professor Dr. Buchner-Feier geht uns nachstehende Zuschrift zu: „Um vielfach ausgetretenen Zweifeln zu begegnen, sei hierdurch nochmals hervorgehoben, daß die auf Samstag, den 22. d. M., Abends 8V2 Uhr, in Steins Garten vorbereitete Feier nicht nur ausschließlich für die Schüler Buchners geplant ist, sondern daß auch alle Freunde und Verehrer des auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens so verdienten Mannes hierzu zahlreich erwartet werden." Das Comitv hat durch eine schöne sinnige Saaldecoration und durch Engagement unserer vorzüglichen Regimentsmusik, unter persönlicher Leitung des Herrn Musikdirector Krauße, Alles aufgeboten, um den Abend zu einem genußreichen zu gestalten, und hofft, daß seiner Einladung aus allen Kreisen unserer Stadt zahlreich entsprochen wird. * * Generalversammlung der Omnibus-Gesellschaft. Gestern Abend sand im Restaurant Feidel eine Generalversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Grünewald statt. Den Bericht über die Betriebsergebnisse erstattete Herr Hanau, denjenigen über die Statutenänderung Herr Helfrich und denjenigen über die definitive Einführung der neuen Linie Grünbergerstraße—Bahnhof Herr Jean Kirch. Die Abrechnung über den Betriebsmonat August ergab einen Ueberschuß von 100 Mark. Der § 21 der Statuten wurde dahin abgeändert, daß die Genossenschaft nicht dem Starkenburger Verband, sondern dem Verband der Erwerbs- und Wirthschastsgenoffenschaften für Oberhessen angehöre. Es haben sich zur Genossenschaft ferner weitere 63 Genossen mit 78 Antheilen gemeldet. Die Generalversammlung nahm ferner die provisorisch eingeführte umgeänderte Linie Grünbergerstraße—Bahnhof, welche sich sehr gut rentirt, definitiv an. Herr Rechtsanwalt Grünewald eröffnete alsdann eine allgemeine Discussion, an der sich verschiedene Herren betheiligten. Vom 1. October ab tritt der Winterfahrplan in Thätigkeit, welcher einige Abänderungen des jetzigen Fahrplans enthalten wird. * * Eisenbahnunfall. Wie wir erfahren, ist dem gestern Abend 8 Uhr 14 Mtn. hier abgelaffenen Personenzuge in der Nähe von Vilbel ein Unfall zugestoßen. Es sollen fünf Personen Verletzungen davongetragen haben. * * Unfall. In der Ltndengasse blieb heute Morgen das Pferd eines Fuhrmannes mit dem Hufe in dem Rost eines Einfallschachtes hängen und kam zu Fall. Der Rost flog heraus und ging in Stücke, während das Pferd keinen Schaden nahm. * * Zu schnelles Fahren. Gestern Nachmittag jagte ein Personenfuhrwerk durch die Kaplansgasse und fuhr einen daselbst stehenden, mit Wäsche beladenen Karren derart an, daß die Wäsche auf die Stcutze flog und der Karren entzwei gefahren wurde. Der Fuhrwerkslenker wird nicht allein für den entstandenen Schaden aufkommen, sondern auch noch eine Poltzeistrafe zahlen müssen. * * Ungetreue Bedienstete. In einem hiesigen Geschäft kamen in letzter Zett häufig kleine Diebstähle vor und hegte man Verdacht, daß diese von Bediensteten ausgeführt würden. Dieser Verdacht sollte sich gestern bestätigen. Bei zwri Bediensteten wurden Haussuchungen vorgenommen und fanden sich eine Menge Gegenstände vor, die aus dem Geschäft stammten. Da die beiden Uebelthäter geständig waren, wurden sie aus der polizeilichen Haft wieder entlassen. * * Obstdiebiuuen. Gestern Abend traf ein Schutzmann zwei schon oft wegen Diebstahl bestrafte hiesige Frauenzimmer, wovon die eine einen Korb, die andere einen Bündel trug, und revidirte letztere. Sie enthielten Zwergobst, schöne dicke Birnen, welches die beiden aus einem Garten am Hamm gestohlen hatten. Zwei schöne Bäume Zwergobst, das noch nicht ganz reif, waren von den Diebinnen geplündert worden. ** Der EutlaffuugStag, der von den Reservisten so lange erwartet, hat nun seinen kalendermäßigen Einzug gehalten. Der Soldat hat bekanntlich seinen eigenen Kalender. Er rechnet nicht wie die Mehrzahl der Menschen vom 1. Januar bis zum 1. Januar, sondern vom 15. October, dem durchschnittlichen, seit Einführung der zweijährigen Dienstzeit angenommenen Einstellungstage, bis zum 15. September, dem gewöhnlichen Entlassungstage. Auf jeder Kasernenftube hängt ein Kalender, gewöhnlich in Buntdruck, der an den Seiten mit Bildern geziert ist, die den von Allen sehnsüchtig erwarteten Termin, den Entlassungstag, verherrlichen: dort steht die Braut und erwartet mit offenen Armen den Geliebten, hier gehen die alten Eltern dem heimkehrenden Sohne entgegen. Der Soldat beginnt an dem Tage, an dem er zum ersten Male eine Reservisten-Entlassung erlebt, also wenn er selbst ein Jahr abgedtent hat, zu zählen, wie lange er noch zu „kloppen" hat. Sein Kalender zeigt es ihm an, es sind noch dreihundert und dreißig Tage. Nun ist es Sache des Gefreiten, jeden Abend vor dem Schlafengehen den verflossenen Tag mit einem Blaustift zu durchstretchen, und zwar mit einem einfachen Strich von links nach rechts. Wird der Strich aus Versehen doppelt, so gilt dies als Zeichen dafür, daß man den Tag noch einmal „beim Commiß" erlebt, wird der Strich von rechts nach links gemacht, so glaubt man, daß daraus irgend ein Unglück entstehen wird. ,©inb sieben Tage, eine Woche, verflossen, so werden die schon einmal durchstrichenen Tage nochmals durchstrichen und zwar mit einem dicken, schrägen Kreuz. So geht eö Tag für Tag, ja selbst in das Manöver wird die Tafel mitgenommen und bildet dort ein Hauptgesprächsthema. Aber nicht allein das Führen des Kalenders, sondern auch ein anderes Factum ist stets ein sicheres Zeichen, daß die Leute sich im Gedanken nur noch mit der Entlassung beschäftigen, eß ist dies das Photographieren. Es ist ein alter, schöner Brauch in der Armee, daß jeder Jahrgang sich zusammen aufnehmen läßt und hierzu wohl die Offiziere und Unteroffiziere seiner Compagnie einladet. Die letzteren erhalten jeder ein Bild geschenkt und durch nichts kann man die Mannschaften empfindlicher kränken' und beleidigen, als wenn man aus irgend einem Grunde dic Annahme des Geschenkes verweigert, oder sich bei der Aufnahme des Bildes ausschließt. Die Gruppirung eines solchen Bildes ist Jahr aus, Jahr ein immer dieselbe: in der untersten Reihe sitzen die Offiziere und Unteroffiziere der Compagnie, rechts und links von ihnen steht je ein Soldat in feldmarschmäßiger Ausrüstung mit aufgepflanztem Seitengewehre, zu ihren Füßen liegen malerisch gruppirt die vier Spielleute und hinter ihnen steht die Mannschaft in drei ober vier Reihen im Tuchanzug mit ber Felbmütze unb bem umgehängten Brobbeutel. Aus keinem Reservisten- bilbe fehlt bas Bierfaß, auf bem mit Kreibe geschrieben steht: „Wir dienen unferm Kaiser treu Unb unferm Mädchen auch dabei." Oder man liest den Spruch: „Und ruft das Vaterland uns wieder Als Reservist, als Landwehrmann, Gleich legen wir die Arbeit nieder Und folgen Deutschlands Fahne treu." Die Unkosten für ein solches Bild sind nicht gering. Der Betrag dafür wird in der Weise aufgebracht, daß die Mannschaften sich ein ganzes Jahr hindurch von ihrer kärglichen Löhnung von zwei Mark und zwanzig Pfennigen alle zehn Tage die Summe von 20 Pfennigen abziehen lassen. Selbst der Aermste ber Armen unterwirft sich gerne diesem Zwange, und es hat vielleicht in ber ganzen Armee noch keinen Solbaten gegeben, ber ohne Reservistenbilb heirn- gekehrt ist. Der Entlassungstag ist endlich hereingebrochen. Zum letzten Mal haben sich die Soldaten auf dem Kasernen-- Hof versammelt, aber nicht wie sonst zum Exercieren und Marschieren, sondern um Abschied zu nehmen, von den Vorgesetzten und Kameraden. Zum letzten Mal spricht ihr Kommandeur zu ihnen, ernste, mahnende Worte, und schließt mit einem donnernden Hoch auf den obersten Kriegsherrn. Die Musik spielt einen frischen fröhlichen Marsch, und bann ziehen die Reservisten davon, entweder in geordnetem Zuge, ihre Reservistenstöcke schwingend, der Feldflasche fleißig zusprechend zum Bahnhofe, ober zu Fuß unb Wagen nach ihrem nahen Heimathsorte. — Unsere 116 er ftnb gestern Abenb spät mittelst zwei Sonderzügen aus dem Manöver in Starken- bürg zurückgekehrt unb in aller Stille in bie Stabt eingezogen. Bei Dieburg hatte im Laufe bes Vormittags noch ein Treffen ber Division mit einem markirten Feinbe statt- gefunben, worauf in Groß-Umstabt bie Einschiffung ber Fuß- truppen erfolgte. Die Reservisten würben heute Vormittag in ber üblichen Weise entlassen. Gegen 11 Uhr wurden sie, ea. 800 Mann stark, an der Bürgermeisterei zusammen, gezogen und unter Vorantritt der ganzen Regimentsmusik nach dem Bahnhof geleitet, von wo aus sie von den nach 12 Uhr auf sechs Linien abdampfenden Zügen entführt, wurden. Reu Isenburg, 18. September. Zur Feier ber Erhebung Neu-Isenburgs zur Stabt Neu-Isenburg fanb am Samstag Abenb im Saale bes Schützen- Hoses hier ein Festessen statt, wozu auch Herr Kreisrath Haas unb die Herren Kreisamtmänner erschienen waren. Mainz, 19. September. Ein Liebespaar ans Mannheim, 18 unb 17 Jahre alt, bas gestern hier angekommen war, unternahm einen Vergiftungsversuch. Beibe würben lebenb in baS HoSpital verbracht. BeuSheiw, 18. September. Eine zweite Schneckenzüchterei wurde von dem Schreinermeister Herrn Volk dahier eingerichtet. Vom Odenwald, 18. September. Infolge des nun feit - acht Tagen anhaltenden schönen Wetters kommt die Ohm et- oder Grummet er nie gut nach HauS. Solche fällt gleichfalls wie die erste Heuernte sehr reich aus, daher der Umstand, daß das Heu täglich abschlägt. Zu 1 Mk. 70 Pfg. bis höchstens 2 Mark kann man in den verschiedenen Thälerw unserer Gegend Wiesenheu erster Qualität haben. Verschiedene in den letzten Tagen stattgehabte Ohmetversteiger- ungen blieben ganz und theilweise ohne Erfolg, da nur pro Morgen 2 bis 3 Mk. geboten wurden, weßhalb der Zuschlag nicht ertheilt wurde. Vermischtes, * Frankfurt a. M., 19. September. Die zwanzigjährige Tochter eines beim Opernhaus Angestellten hat sich das Leben genommen. • Oberwiuter, 18. September. Zwei Arbeiter, die auf einem Nachen bet Ausbaggerung des Oberwinterer Hafens beschäftigt waren, ertranken heute im Rhein. * Boppard, 19. September. In der vergangenen Nacht wurden durch eine Feuer Sbrun st in ber Jubengaffe acht Häuser zerstört. * Werden, 17. September. Auf bem benachbarten „Hügel" ereignete sich gestern ein recht trauriger Unglücksfall. Dort waren bei bem Obergärtner I. zwei junge Mäbchen auf Besuch, bie gemeinsam in einem Zimmer schliefen. Heute Morgen fanb man nun bie eine ber jungen Damen tobt in ihrem Bette, währenb bie anbere beinahe bewußtlos war. Das Unglück soll burch Ausftrö.men von GaS ent» stauben sein. * Essen, 19. September. Auf Zeche Hannover würbe ein Bergmann durch Kohlen v er schüttlet unb nach einer Stunbe von ben Kameraden tobt herausgeschafft. * Thorn, 16. September. In dem russischen Grenzborse Laznia kam es zwischen zwei Schwägern wegen eines Wiesenstückes beim Mähen desselben jzum Streit. Die Fran des einen, die vermitteln wollte, wurde von ihrem Bruder mit der Sense durchbohrt, sodaß der Tob sofort eintrat. Dann stürzte sich ber Wüthenbe auf ben Schwager unb töbtete auch diesen. Die 15jährige Tochter ber Ermorbeten würbe bem Tobenben nur mühsam entrissen. * Lübeck, 17. September. Ein außergewöhnlich großer Granitstein im Gewichte von ca. 12000 Kilo würbe bei Travemünde auS dem Fahrwasser der Trave durch die Dagger- schtffe entfernt und nach Lübeck transportirt; hier wurde der Steinkoloß mittelst deS 100 Tons-KrahnS aus dem Wasser gehoben und auf die Quaimauer gelegt. Das Steinungethüm findet viele Bewunderer. • Braunschweig. 19. September. Die der Sage nach von Heinrich dem Löwen gepflanzte, schon gänzlich vertrocknete historische Linde am Dom ist heute von selbst umgestürzt. • Die Deutsche Volksbaugefellschast, deren zweiter Jahresbericht vorltegt, verfolgt den Zwrck, der Wohnungsnoth und den aus ihr entspringenden moralischen und physischen Schäden in umfassender Weise zu steuern. Sie will „auch den wenig kapitalkräftigen Bevölkerungsklassen die Möglichkeit eröffnen, sich ein Eigenhaus zu verschaffen, die Zahl der kleineren Grundbesitzer in Stadt und Land zu vermehren, dadurch die Gesundheit und geistige Frische der Bevölkerung zu steigern und in Folge dessen die Gefühle der Liebe und Treue zu unserem Kaiser und König und zu unserem Baterlande mit seinen Einrichtungen zu beleben und zu stärken". Sie will also auch wenig Bemittelten den Erwerb eines eigenen Heims thunlichft erleichtern. Sie verlangt nur eine entsprechende Anzahlung, sowie ferner, daß der Anwärter gewöhnlich eine einjährige LebeuSversicherungpolice im Voraus zahlt. Kleine Einzahlungen der Reflectanten verzinst sie so lange mit 5 pCt., bis sie die für die Anzahlung erforderliche Höhe erreicht haben. Die Wirksamkeit der Gesellschaft erstreckt sich auf alle Stände; sie errichtet vornehmlich Einfamilienhäuser mit Gärten. Der Erwerber eines Heims wird mit dem Erwerbspreis bet einer von der Gesellschaft zu bestimmenden Lebensversicherungs' gesellschaft auf Todes- und Altersfall versichert. Alsdann erhält er sofort das Besitzthum, dessen buchmäßiges Eigenthum er iudeß erst im Augenblick des erreichten vorgesehenen Alters oder seine Erben im Todesfall erwerben. In bestimmten Fällen kann ein anderes Familienmitglied versichert werden. Den Gewinn der Gesellschaft, der im Verkaufspreis bereits enthalten ist, bildet ein einmaliger, etwa 5 pCt. betragender Aufschlag auf die Selbstkosten. Der Abschluß für 1893 gestattete den Mitgliedern, nach Dotirung der verschiedenen Fonds eine Dividende von 4pCt. zu gewähren. Mitglied der Gesellschaft wird man durch Erwerbung eines Geschäfts- antheils. Ein einzelner Geschäftsantheil der Gesellschaft beträgt 1000 Mk., ein Mitglied kann bis 200 dieser Antheile erwerben. Eine Betheiligung an der Gesellschaft ist ferner möglich durch Uebernahme vierprocentiger Grundschuldbriefe der Gesellschaft, durch Einlagen und feste Anlage von Beträgen. Die Gesellschaft hat seit ihrer Constituirung bis Frühjahr 1894 mehr als 320 Bauten hergestellt. Erwerber, welche Kaufverträge abgeschlossen haben, sind zumeist Arbeiter, Handwerker und Subalternbeamte, jedoch auch Personen anderer Stände. * Seltsame Vorgänge sind aus einem Damen-Pensionat in der Friedrichstadt Berlins lautbar geworden. Die Inhaberin der Erziehungsanstalt für Töchter aus den besten Familien ist wegen unbefugten Betriebes der Schankwirthfchaft zur Anzeige gebracht und bestraft worden. Sie erhob Einspruch dagegen, allerdings ohne Erfolg, und hat einschließlich der Kosten 108 Mark zu zahlen. Bei den Zeugenvernehmungen hat sich ergeben, daß in dem Pensionat Festlichkeiten stattgefundeu haben, die mit richtigen Er- ziehung-principien kaum harmonieren dürften. Man will öfter den Knall von Champagnerpfropfen gehört haben. Ob sich an den unbefugten Schank noch ein weitergreifendes Gerichtsverfahren knüpfen wird, läßt sich noch nicht Übersehen. Jedenfalls möchten wir im Anschluß an solche Nachrichten wieder an unsere Leser, besonders Mütter, die Bitte richten, sich stets, ehe sie ihre Töchter nach Berlin in Pensionäre senden, bei dem Bureau der deutschen SittlichkeitS-Conferenz W., AnSbachstraße 53 oder bei dem Bureau der Berliner Stadtmission SW., JohanniStisch 6 Auskunft zu erbitten, dieselbe wird bereitwilligst und unentgeltlich ertheilt. • Ein Unglucksfall, herbeigeführt durch einen „Scherz", ereignete sich in Niederroßla. In der Nähe des Dorfes war die Dampfdreschmaschine in Thätigkeit, neben dieser stand ein Bottich mit heißem Wasser. Einer der umstehenden Knaben, der 9jährige Sohn des Webermeisters Karl Kirchner in Niederroßla, sagte, auf den Bottich zeigend: „Da mal nein!" „Nun", antwortete einer der dort beschäftigten Arbeiter, „das können wir gleich 'mal versuchen!" Er hob den Knaben in die Höhe und hielt ihn über das heiße Wasser. Dabei müssen ihm die Füße abgeglitten sein, er fiel, und der Knabe stürzte in das heiße Wasser. Der Mann raffte sich schnell wieder auf und holte den Knaben wieder heraus. Selbstverständlich war der Körper des Knaben, wie auch beide Arme des Mannes mit Brandwunden bedeckt. Aerztliche Hilfe wurde sofort aus der Stadt geholt, doch ist der Knabe den erlittenen schweren Verletzungen erlegen. * Beim letzten Manöver war der gesuchteste Soldat seiner ganzen Corporalschaft der Einjährige B. Der vielgereiste junge Mann hatte ein Töpfchen Liebigs Fleisch-Extract in den Tornister gepackt, da er schon aus Erfahrung wußte, welche pure Dienste dies Labemittel in der Fremde leisten kann. Kommt man nach anstrengendem Marsche müde und matt ins Quartier, so stärkt und erquickt bald eine Tasse guter Fleischbrühe, denn ein Töpfchen Waffer ist rasch in's Kochen gebracht, während man sich wäscht und den Anzug ordnet. Die stets unschädliche Bouillon labt in ganz anderer Art, als Milch, Bier, Wein oder gar Schnaps. Und wie außerordentlich werthvoll erweist sich das Fleisch-Extract zur Verbesserung der Kost, sowohl der vom Wirthe gelieferten, wie der im Btvouak selbstbereiteten! Das merkten auch die Kameraden bald, und B. theilte ihnen gern von seinem Schatze mit._______________________ liniocrfUäts - Nachrichten. — Der älteste deutsche Universitätslehrer, der Physiker und Mtneralog Franz Neumann, beging am 11. d. M. tu Königsberg seinen 96. Geburtstag. Der Nestor, dem anläßlich des 350jährigen Jubiläums der Königsberger Hochschule der Titel eines Wirklichen Geheimen Regierungsraths verliehen wurde, ist am 11. September 1798 zu Joachimstbal bei Berlin geboren, machte als fteiwtlliger Jäger im Colberger Regiment den 1815er Befreiungskrieg mit und wurde in der Schlacht bei Ligny schwer verwundet. Rach mehrjährigem Studium in Jena und Berlin wirkt er, wie die „Franks. Ztg." schreibt, nunmehr ununterbrochcn seit 66 Jahren oI6 ordentlicher Professor der Physik und Mineralogie an der Albertina. Noch im letztoergangenen Semester befand sich der Name deS Prof. Dr. Franz Neumann unter der Zahl der Professoren, die Vorlesungen angekündtgt hatten. Citeratur und Aunft. — Im Verlage von Emil Roth in Gießen sind von den bekannten Hess. Schulmännern P. Müller und F. A. Völker einige Hefte zu einem derm ächst in Gesammtausgabe erscheinenden »Realienbuch, ein Wiederholungöbuch für die Hand der Schüler* erschienen. Dieselben behandeln: 1. Der menschliche Körper. 2. Thierkunde. 3 Pflanzenkunde. 4. Mineralkunde. Diese 4 Hefte haben bereits bet verschiedenen competenten Beurthetlern eine überaus günstige Aufnahme gefunden. Einer davon spricht sich in nachstehender Weise aus: „Wenn wir die Fülle des in diesem Wtederholungsbüchlein gebotenen Stoffes überschauen, so müssen wir uns sagen: Das ist nicht nur ein Wiederholungsbüchlein sür Schüler, sondern ein praktisches Handbuch sür den Volksschullehrer." Wenn nun auch die angekündigien weiteren Heftchen: Naturlehre, Geographie und Geschichte erschtenrn sind, dann haben wir ein Buch, wie wird uns besser nicht denken können. Leicht faßlich, gut stilistttch geschrieben, bietet das Buch einen sämmtliche Realien in der Volksschule erschöpfenden Stoff, der, vorzüglich angeordnet, von den Lehrern mit Leichtigkeit in der Schule verwerthet werden kann, da es wirklich schon eine Lust ist, die sauberen Musteraufsätzchen durchzuleser." Wir machen wettere Kreise der Lehrerschaft aus oas Welchen, das sich allerwärts Beachtung verschaffen dürfte, hiermir aufmerksam. Schiffsnachvichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 19. September. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Weimar, Capttän C. Steenken, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 6. September von Bremen abgegangen war, ist gestern, 1 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Baltimore angekommen. — Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 17. September wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, Land- rrrrö Volkswirthschaft» Ltmbnrg, 19. September. Frucht markt. Rother Weizen JL 11.45, weißer Weizen 00.00, Korn JL 8.25, Gerste Jt 0.00, Hafer 5 00. Tuch und »«xinstosse ä Mk. 1.75 Pfg. per Meter. EheviotS und Meltons ä „ 1.95 „ „ ,, nadelfertig ca. 140 cm. breit, versendet dtrect und franco Oettinger & Co., Fankiurt a. M., Fabrik-D6p6t. Modernste Muster berettwilligst franco- 6395 Frisch, kräftig, rein Bchmack und tadelloser Beschaffenheit sind, laut Gutachten und Analysen beeideter Handels-Chemiker Bolero’» Fleiech-Pr¶te. Sowohl „Bolero’s Floisch-Extracte“ als auch „Bolero’s Fleisch- Pepton“ repräsentiren Nahrungsmittel von vorzüglicher GiUe, hoher Nährkraft und vorzüglichem Geschmack, welche Eigenschaften nicht jedes ähnliche Präparat aufweisen kann, weshalb man beim Einkauf in Delicatessen-Handlungen, Drogerien und Apotheken, besonders die Marke Bolero verlangen und beachten soll. 7725 Bekanntmachung. Betr.: Die Vergebung der Holzhauer- und Setzerlöhne für den Gießener Stadtwald pro 1895/96. Die vorbemerkten Löhne sollen Dienstag, den 25. d. Mts., Bormittags 11 Uhr, im Saal des alten Rathhauses öffentlich versteigert werden. Gießen, 18. September 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 7680 Verdingung. Die zur Herstellung eines Fuß- gängerbankets am Riegelpsad und von 560 qm Chaussirung längs des Anatomie» Gebäudes erforderlichen Pflaster- und Chaufftrarbeiten sollen Montag, den 24. d. Mts., Bormittags ll>/2 Uhr, im Wege des schriftlichen Angebotverfahrens auf dem Stadtbauamte vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen daselbst während der Dienststunden offen und sind Angebote auf vorgeschriebenem Formular bis zum genannten Termin dorthin einzureichen. Gießen, 18. Septbr. 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 7681 Gnauth. Samstag den 22. Sept., Nachmitta-S 2 Uhr, versteigere ich Marktplatz 20 dahier Segen Baarwhlung: 1. 1 Sopha, 1 Nachttisch, 1 Spiegel, 1 Reisetasche. 1 Bücherbrett, 3 Bilder, 1 goldene Halskette mit Medaillon 2. 2 Pferde, 1 eisernen Petroleumbehälter mit Leitung, 5 vollständige Betten, 8 Oelbilder, Sophas, Tische und anderes Möbel, sowie 2 Taschenuhren und Schmucksachen. Die Versteigerung ad 1 findet bestimmt statt, ad 2 teilweise. 7721 Boni, Gerichtsvollzieher. Vergebung von Bauarbeiter». Die Maurer-, Zimmer-, Dachdecker- , Spengler- und Schreinerarbeiten zu einer Spielhalle für die Kleinkinderschule sollen vergeben werden. Pläne, Voranschläge und Bedingungen können bei den Herren Archi- ecten Stein u. Meyer bis zum 27. ds. Mts. eingesehen werden. Gießen, 19. September 1894. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. 7722 Dr. Naumann. Obstversteigerung. Dienstag den 25. d. Mts. oll das hiesige Gemeinde-Obst, bestehend in Birnen, Aepfeln und Zwetschen, versteigert werden. Der Anfang ist Vormittags um 8 Uhr am Weg nach Wieseck, am Auweg. Alten-Buseck, am 19. Sept71894. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck. _________Krämer.______7716 Obstversteigerung. Montag den 24. Leptbr., von Nachmittags 3 Uhr ab, wird das hiesige Gemeinde-Obst, bestehend in Aepfeln und Birnen, an Ort und Stelle verkauft. Zusammenkunft an meiner Wohnung. Kinzenbach, den 20. Septbr. 1894. Der Gemeindevorsteher: ___________Pfaff.________7706 Obstversteigerung. Dienstag den 25. d. Mts., von Nachmittags 1 Uhr an, soll das Obst in den Frecherrlich von Rabenan'schen Gärten beiAlten- Bufeck versteigert werden. Londorf, den 19. Septbr. 1894. Der Rentmeister: Schmidt. 7699 MM Geßramrterr per Pfund Jt 1.70 Mt fetzt an Quelttit «ritte rtr offen, wer rtnmal proMrt, HetM ff et« Abnehmer. Borrälhlg in CaH Schwaab'S »eÜcateflenbHi. dieser Schutzmarke. in Blechdosen ä 20 und 10 Pf. In den Niederlagen Stollwerck’ichep Chocoladen und Cacaos vorräthig. in der Hirschapotheke, in der Pelikanapotheke u. in der Engel« UrriversttätSapotheks, sowie in den Drogerien von Benner «. Krumm, von Emil Fischbach, von Otto Schaaf und von A. u. «. Wallenfels. 4424 zu 85, 90, 95 u. 100 Pfg. d. i/ Pfund. Verkaufsstelle: Gießen Hch. Wallach, Markt. 8. iCchnsfers i JAVA- ) Xkaffef/ Ci>0/ierz = 3 PfQ- Versuchen Sie gefl. den vielfach preiSgekrönten-H^tz Stadt. Schlachthaus. j Freibank. 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